Krscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz) ?erl«g volktbuchliandlung Hottingen-Zürich. zloiseudungru sranco gegen franco� Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz ioften Toppelporio. Der SoMemokrat Zentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie Aöottnettunts werden n n r beim Verlag und desien bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mt. 3.— für Deutschland(Touvert) fl. 1. 70 für Oesterreich(Eouvert) Fr. 2.50 für alle übrigen Länder deS Weltpostvereins(Kreuzband). Inserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts. � 20 Pfg. R: 29. Donnerstag, 13. Juli. 1 882. A»i««i die Adinienten und Kanessoidenten de»„Zozialdemakrat". Da d«r.Sozialdemolrat' iowohl in Deutschland als auch in Oesterreich»erboten ist, bezw, verfolgt wird, und die dortigen Behörden stch alle Mühe geben, unsere Berbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erichweren. resp. Briefe von dort an uns und unsere Ieitungs» und sonstigen Kendungen nach dort abzufangen, io ist die ängerste Vorsicht im Postvcrtchr nothwendig und darf leine Lorfichibmagregel versäumt werden, die Briesmarder Über den wahren Absender und Emviänger. sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderaitz ist hiezu einerseiti, dag unsere Kreunde so selten als möglich an den.Sozialdemolrat', resp. dessen Verlag selbst adrcssiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt i anderseits aber, daß auch un? möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgctheilt werden. In zweifelhasten Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit sticlommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen» stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemolrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Achtung! Da viele auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie in Oesterreich, ihre Briese immer wieder ungenllgendfrankiren, wodurch uns erhebliche Verluste durch Strasporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt: Tinsache Briese(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz tosten: a u s D e n t s ch l a n d(und dem übrigen Ausland). 20 Psg. ausOesterreich-Ungarn....... 10 Krz. Bei schwereren Briefen kosten immer je 15 Gramm w e i t e r e 2 l) P f g., b e z w. 10 Krz. Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, a l« wir ungenügend frankirten Sendungen in der Regel die Annahme verweigern müssen. Nie Slpeditiiu des„Sonaldemodrat". Zum Jahrestag des BastMesturms. Wenn am 14. Juli das französische Volk den Jahrestag der Erstürmung der Bastille feiert, dann mag wohl mancher Deut- scher im Herzen Scham darüber empfinden, daß das deutsche Volk kein ähnliches Fest zu feiern hat, daß es stch wohl fremder Bedrücker zu erwehren wußte, dm Einheimischen aber noch stets nur zu willig sich gefügt hat! Es ist wahr, das deutsche Volk hat nicht die revolutionären Traditionen des stanzösischen Volkes, es hat nicht jene großen Datm in seiner Geschichte, aus dmen es Muth, Begeisterung und Selbstvertrauen zu schöpfen berechtigt wäre, das deutsche Prole- tariat muß aus sich selbst heraus das Bewußtsein seiner Kraft und Stärke gewinnm, es saugt nicht schon mit der Muttermilch dm Gedanken der Volkssouveränctät, deS SelbstbestimmungsrechtL der Völker ein. Konnte man ja sogar mit Hinblick auf den bisherigen Grundzug des deutschen Volkes verkündm, jeder Deutsche komme mit einem Polizeistock auf die Welt. An Stelle der revolutionären Traditionm anderer Völker hat das deutsche Volk die polizeilichen Ueberlieferungen, das ist aller- Vings nicht zu bestreiten. Und doch brennen uns nicht die Wangen beim Gedanken an das Fest des Bastillensturmes, und wenn sie sich röthen, so ist e8 nicht die Röthe der Scham, sondern das Roth der Begeister- ung, welches sich auf ihnen abfärbt. Wir gönnen dem franzö- fischen Volke gern die Erinnerung an seine glorreiche Vergangen- heil, aber wir finden uns nicht minder wie es selbst gehoben— nicht auf die Vergangenheit, auf das Heule sind wir stolz, erhobenen Hauptes freuen wir uns der muthigen, entschlossenen, siegesbewußten Haltung des deutschen Proletariats. Wer mit uns einen Blick zurückwirft auf die Geschichte der letzten Jahre, der wird diese Worte nicht übertrieben findm. Vier Jahre sind es her, da lag in Deutschland die Partei des arbeitmden Volkes gefesselt am Boden. Zwei Attentate auf einen Plann, für dessen Ruhm einst Hunderttausende blutm mußten, halten genügt, um die unaufgeklärten Volksmassen gegen ihre eigenen Vorkämpfer zu fanatisircn, um die Koalition der bewußten Feinde der Volkssache mit den in den alten Vor. urtheilen künstlich aufcrzogenen Elementen deS Volkes zu Stande zu bringen, deren Schöpfung das berüchtigte Gesetz vom 21. Oktober 1878 war, welches der Sozialdemokratie, der Partei des arbeilmden Volkes, den GarauS machen sollte. Mit drakonischer Strenge, mit ausgesuchter Brutalität wurde das Gesetz gehandhabt, vom Tage seiner Verkündigung an war das freie Wort, welches sich nie großer Begünstigung in Deutschland hatte erfreuen können, geächtet, seine Bekenner wurden wre Aussätzige von Ort zu Ort gehetzt, seine Vertreter suchte man wirthschaftlich zu ruinircn. Und zu gleicher Zeit schmeichelte man der Masse des Volkes. man machte den Arbeitern allerhand Versprechungen, man orga- mfirte eine besondere Agitation, die scheinbar gleichfalls gegen die Ausbeutung gerichtet war, man bot den Enterbten die Hand zur„Versöhnung", wenn sie nur von ihren„Extremen" ablassen wollten. � Alles war vergebens, Drohungen und Brutalitäten wie Schmeicheleien und Versprechungen. Vier Jahre sind fast verflossen, vier Jahre de« Kampfe«, de« Leidens liegen hinter uns, und wie steht heute die deutsche Sozial- demokratie da? Man frage unsere Abgeordneten! Noch nie, seit Sozialisten wr deutschen Parlamente sitzen, wurden sie von den verschiedenen Parteien desselben ohne Ausnahme mit so ausgesuchter Zuvor- vimnenheit behandelt, als in der letzten Session— im vierten J-lT1 be8 Ausnahmegesetzes„gegen die gemeingefährlichen Be- >.vungen der deutschen Sozialdemokratie". " das, obwohl sie auch nicht ein Titelchen von unserem Programm abgewichen sind, obwohl dasselbe seit Schaffung des usnahmegesetzes noch verschärft worden ist, obwohl sie an dem ievoluiionären, antiparlamentarischen Charakter unserer Bewegung unerschütterlich festhielten. Man lese die Korrespondenzen, welche uns aus allen Theilen Deutschlands zugehen! Ist vas die Sprache einer Partei, welche gedemüthigt, gebrochen, durch Verfolgungen entkräftet ist? Oder ist es nicht vielmehr die Sprache einer Partei, welcher alle Verfolgungen das Bewußtsein des sicheren Sieges nicht rauben können, einer Partei, welche die Kraft in sich fühlt, un- erschrocken weiter zu kämpfen für ihr hohes Ziel, unerschrocken, unter noch schlimmeren Verhältnissen als heute— unter allen Umständen! Man vernehme die Thatsache, daß trotz des schwierigen Be- zuges die Zahl unserer Abonnenten von Woche zu Woche, wir können fast sagen von Tag zu Tag steigt. Die Verbreitung des „Sozialdemokrat" in Deutschland hat trotz eines Heeres von Geheimpolizisten, trotz organisirter Postspionage, trotz der Unzahl von Einkerkerungen wegen Verbreitung desselben, eine Höhe erreicht, wie sie vor uns noch nie ein im Auslande erscheinendes opposisionelles Blatt hatte, eine Höhe, wie sie nur bei einer wohlorganisirten, festgegliederten Partei möglich ist. Fcstgegliedert, das ist das richtige Wort. Man hat alle unsere Vereine ausgelöst, man hat alle unsere Organisationen gesprengt, für uns gibt es kein Versammlungsrecht, und doch steht mehr als alle übrigen Parteien die unsere einig und geschlossen da, festgegliedert, eine allzeit schlagfertige, kampfbereite Organisation. Und darauf sollten wir nicht stolz sein, dessen sollten wir uns nicht freuen? Nein, wir denken, wir dürfen getrosten Muihes unsern französischen Brüdern ins Gesicht schauen und ihnen am Jahrestage der Erstürmung der Bastille zurufen: Eure Väter haben die Bastille der politischen und pfäffischen Knechtschaft gestürmt, und wenn auch heute noch bald das Pfaffenthum, bald die politischen Machthaber Euch zu schaffen machen, so ist das Fundament ihrer Gewalt doch untergraben, die Vergänglichkeit ihrer Herrschasi liegt offen zu Tage, nur den Kampf gegen die ökonomische Ausbeutung und Unterdrückung habt Ihr noch in seiner ganzen Schwere zu führen. Ihr habt ihn mit jenem Feuer, das Euch vor andern Völkern auszeichnet, unternommen. Ihr habt im muthigen Vorwärtsdringen schon Erfolge erzielt, und Eurer Ausdauer wird eS gelingen, auch die Zwingburgen des Kapitals zu stürmen. Wir haben in unserm Vaterlande noch die Bastillen der politischen, der religiösen wie der kapitalistischen Unterdrückung zu erstürmen, die drei seind- lichen Mächte haben sich gegen uns verbündet, gemeinsam führen sie den Kampf gegen uns. Aber wie wir das Sozialistengesetz, diese Bastille des freien Gedankens, vermittelst welcher sie uns zu vernichten hofften, durch muthigen, ausdauernden Widerstand so erfolgreich untergraben haben, daß seine Mauern heute kraftlos zu- sammenbrechen, so fühlen wir auch in uns die Kraft, den Kampf gegen die drei vereinigten Mächte rastloS weiter zu führen, bis unser gemeinsames Ziel erreicht ist, bis es weder Aus- beuter noch Ausgebeutete, weder Unterdrücker noch Unterdrückte, weder Volksverdummer noch Wahngläubige mehr geben wird, bis die von unsern Feinden und von der großen Zahl der Klein- gläubigen heute verspottete Phrase vom freien Bund der Völker schöne Wahrheit geworden ist! Ja, wir haben das infame Ausnahmegesetz gegen uns, wir haben die Bastille des freien Gedankens in Deutschland zum Wanken gebracht, wir haben sie zwar nicht im Sturm genommen, aber wir haben sie so wirksam untergraben, daß ihre Unhalt- barkeit heute Jedermann in Deutschland einleuchtet. Vergebens stemmt sich die kleine aber verzweifelte Schaar ihrer Besatzung, sie muß fallen und sie wird fallen. Und wer wagt es zu behaupten, daß die deutsche Sozialdemo- kratie in ihrem Kampfe gegen das Ausnahmegesetz nicht Akte heroischen Opfermuthes, edelster Hingabe zu verzeichnen habe! i ist wahr, unsere Helden haben im Stillen gewirkt, nicht durch blutige Kämpfe haben sie die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gelenkt, aber nicht das vergossene Blut macht den Helden, Standhaftigkeit, Entschlossenheit, Borficht und Kühnheit sind die Eigenschaften, welche den Kämpfer zum Helden stempeln. Zwei Faktoren sind es vorzüglich, durch welche wir das Wanken unserer Bastille bewirkt haben: eine unzerstörbare Mine und einen gewaltigen Ansturm von nachhaltigster Wirkung. Die Mine, das ist unser Parteiorgan. In tausende von feinen Kanälen verzweigt sie sich im geknebelten Deutschland. Mit kühnem Wort geißelt daS Organ die Gewaltakte der Macht- haber, den Volksbetrug der Gesetzgeber. Da« Verbot der sozia- listischen Presse ist unwirksam geworden, die Knechtung des sozia- listischen Gedankens hat sich als unmöglich erwiesen. Der Ansturm daS waren die letzten Reichstagswahlen. Kleinmüthige und Fanatiker riefen damals: Enthaltet Euch von den Wahlen, sie werden Euch nur Niederlagen bringen, nur ent- muthigend wirken. Wir dachten besser von unseren Kampf- genossen in Deutschland, und sie haben uns nicht getäuscht. Der Ausfall der Wahlen, die imposante Stimmenzahl, welche die deutsche Sozialdemokratie am 27. Okiober 1881 erzielte, sie waren ein viel größerer Erfolg für unsere Sache, haben sich von nachhaltigerer Wirkung erwiesen, als selbst wir im ersten Augen- blick annehmen zu dürfen glaubten. Sie haben in hervor- ragendstem Maße das bewirkt, was der„Sozialdemokrat" am Abend vor der Schlacht, am 20. Oktober v. I., andeutete, sie haben unsern Kampfesmuth unendlich erhöht, das Vertrauen des Volkes in unsereSache, in die Un- besiegbarkeit der Sozialdemokratie wesentlich gesteigert. Die Wahlen haben eine genügende Anzahl schlagfertiger Vertreter unserer Sache in'S Parlament gebracht, welche dort an hervorragender Stelle unsere Grundsätze verkünden. Man hat sie gehört, man hat sie hören müssen, die Unterdrückung des sozialistischen Wortes ist zu Nichte geworden. Ohne Illusionen über den Nutzen und den Einfluß des all- gemeinen Wahlrechts in einer Gesellschaft der Ausbeutung, der Korruption und der Unterdrückung gingen wir in den Wahlkampf, wir benutzten das Wahlrecht, aber wir beugten uns nicht vor ihm. Anstatt, wie einige Schwärmer uns rielhen, ängstlich vor ihm zu fliehen, wußten wir es uns dienstbar zu machen, ge- stalteten wir es, wie es im Wahlprogramm der französischen Arbeiterpartei treffend heißt, aus einem Mittel der Täuschung, das es bisher gewesen, zu einem Mittel der Befreiung. Wohl hat die Zerfahrenheit unserer Gegner, wohl hat vor Allem die geniale Politik unseres Hauptwidersachers, des„großen" Kanzlers uns mächtig in die Hände gearbeitet, aber gehört es nicht auch zur Kriegskunst, die Fehler des Gegners sich zu Nutze machen? Das schwächt fürwahr die Bedeutung unseres Sieges nicht, daß unsere Feinde wider ihren Willen zu seiner Erringung beigetragen! Und obwohl noch immer unter dem Druck des Ausnahme- gesetzes lebend, fühlt doch heute schon jeder von uns, daß im Kampfe mit unsern Gegnern wir den Sieg errungen haben. Nicht den letzten, die Feinde vernichtenden— bis dahin wird es noch hart zu kämpfen geben— wohl aber einen entscheioenden, eine Epoche unleres Kampfes abschließenden. Darum feiern wir, erhobenen Hauptes, mit unsern französischen Brüdern den Jahrestag des glorreichen Bastillesturms. Wir haben einen schweren Kampf hinter uns, wir haben ihn tapfer durchgekämpft. Die französische Bastille ist gefallen, die deutsche Bastille, das infame Ausnahmegesetz muß fallen. Ihr Fundament ist unter- graben, ihre Mauern wanken— auf Genossen, zum Sturm! Leo. Zur irischen Frage. Ein Freund Irlands, mit Land und Leute» vertraut wie wenige, schreibt uns, in verschiedenen Punkten von der in Nr. 21 des„Sozial- demokrat" zum Ausdruck gebrachteil Auffassung abweichend, wie folgt aus London: In Irland gibt es zwei Strömungen in der Bewegung. Die erste, ursprünglichste, ist die agrarische, die sich vom-rganisirten und von den Bauern unterstützten Brigantenthum der von den Engländern depos- sedirten Clanchefs und größeren katholischen Grundeigenthümer(im 17. Jahrhundert— diese Briganten hießen T o r i e», und von ihnen leiten die Heuligen Tories in direkter Linie ihre Namen)— allmälig in den nach Lokalitäten und Provinzen organisirten naturwüchsigen Widerstand der Bauern gegen die eingedrungenen englischen Gutsherren weiter entwickelt hat. Die Namen— Ribonmen(Bandmänner), Whiteboys(Weiße Bttben), Caplain Rock, Caplain Moanlight(Mondschein) ic. haben gewechselt, die Form des Widerstandes— Erschießen nicht nur verhaßter Landlords und Agenten(Einnehmer der Landlords), sondern auch solcher Bauern, die eine Farm nehmen, von der ein anderer gewaltsam vertrieben— Boycotting, Drohbriese, nächtliche Ueberfälle mit Bedrohung tc.— alles das ist so all, wie der jetzige englische Grundbesitz in Irland, also spätestens seit Ende des 17. Jahrhunderts. Diese Form de« Widerstands ist um unterdrückbar, die Gewalt kann ihr nicht« anhaben, und nur mit ihren Ursachen verschwindet sie. Aber sie ist ihrer Natur nach lokal, v e r- e i n z e l t, kann nie eine allgemeine Form des politischen Kampfes werden. Bald nach der Union*)(1800) begann die liberal-nationale Opposition der Städtebürger, die, wie in jedem Bauernland mit verschwindenden Städtchen(z. B. Dänemark), in den Advokaten ihre geborenen Führer findet. Diese haben die Bauern auch nöthig; sie mußten also Schlagwörter finden, die bei den Bauern ziehen. So fand O'C onnell ein solches erst in der katholischen Emanzipation, dann in der Abschaffung der Union. Diese Richtung hat neuerdings, durch die Infamien der Grundbesitzer genöthigt, einen andern Weg emge« schlagen. Während die Landliga auf sozialem Gebiete revolutionärere (und hier erreichbare) Ziele verfolgt: totale Beseitigung der eingedrungenen Landlords, tritt sie politisch eher zahm aus und verlangt nur doms rule, d. h. ein irisches Lokalparlament, neben und unter dem gemein- samen Reichsparliilnsnt. Auch dies ist aus konstitutionellem Wege sicher zu erreichen. Die geängsteten Grundherren schreien bereits(die Tories selbst schlagen es vor) nach schnellmöglichster Ablösung de« Bauernlandes, um zu retten, was noch zu retten ist. Andererseits erklärt G l a d st o n e größere Selbstregierung Irland« sür durchaus zulässig. Zwischen diese beiden Strömungen schob sich nach dem amerikanischen Bürgerkrieg der Fenianismus. Die Hunderttausende irischer Sol- *) Bereinigung Jr'and« mit Großbritannien unter Aushebung de« irischen Parlameni?. boten und Offiziere, die den Krieg mitgemacht, thaten es mit dem Hinter- gedanken, eine Armee zur Befreiung Irlands vorzubereiten. Die Streitig- leiten Amerikas mit England nach dem Krieg wurden der Haupthebel der Fenier. Kam es zum Krieg, so war Irland in wenig Monaten Glied der Vereinigten Staaten oder doch Republik unter ihrem Schutz. Die Summe, die England im Alabamahandel mit dem Genfer Schieds- urtheil so bereitwillig auf fich nahm und abzahlte, war der Preis, womit die amerikanische Intervention in Irland ab- gekaust wurde. Von diesem Augenblick an war die Hauprgefahr beseitigt. Die Polizei genllgte, um mit den Feniern fertig zu werden. Der in jeder Konspi- ration unvermeidliche Verrath half mit dazu, und doch waren es nur Führer, die verriethen und dann direkte Spione und falsche Zeugen wurden. Die nach Amerika entkommenen Führer trieben dort Emigra- tionsrevoluiion und verlumpten großentheils, wie O'Donovan Rossa. Wer die europäische Emigration 1849 52 hier gesehen hat, dem kommt das alles bekannt vor— nur natürlich auf amerikanisch übertriebener Stufenleiter. Jetzt sind zweifellos wieder viele Fenier berübergekommen und haben die alte bewaffnete Organisation erneuert. Sie bilden ein wichtiges Moment in der Bewegung und zwingen die Liberalen zu ent- schiedenerem Auftreten. Aber sonst richten sie nichts aus, außer dem John Bull Angst zu machen. Dieser wird zwar an der Peripherie seines Reiches zusehends schwächer, ist aber so nah zu Hause immer noch im Stande, jede irische Revolte leicht zu unterdrücken. In Irland stehen ersten» 14,000 Mann„Constabulary", Gensdarmerie, bewaffnet mit Büchse und Bajonnet, militärisch geübt. Dann an 30,000 Linientruppen, die leicht noch um dieselbe Zahl Linie und englische Miliz verstärkt werden können. Dazu die Flotte. Und in der Unterdrückung von Aufständen ist John Bull von einer Brutalität sonder Gleichen. Ohne Krieg oder Kriegsgefahr von Außen hat ein irischer Auf st and nicht die geringsten Aussichten; und nur zwei Mächte können hier gefährlich werden: Frankreich und noch weit mehr die Vereinigten Staaten. Frankreich ist außer Frage. In Amerika kokettiren die Parteien mit der irischen Stimmkraft, versprechen Manches, aber halten Nichts. Sie denken nicht daran, sich gegen Irland in einen Krieg zu verwickeln. Sie haben sogar ein Interesse daran, daß in Jr- land Zustände herrschen, die eine starke irische Einwanderung nach Amerika bedingen. Und es ist begreiflich, daß ein Land, das in 20 Jahren das volkreichste, reichste und mächtigste der Welt sein wird, keine große Lust hat, sich in Abenteuer zu stürzen, die seine riesige innere Entwicklung stören können und müssen. Nach 20 Jahren spricht es ganz anders mit. Käme aber Kriegsgefahr mit Amerika, so bewilligt England den Jr- ländern Alles, wa» sie verlangen, mit offenen Händen— nur nicht voll- ständige Unabhängigkeit, die bei der geograpbischen Lage gar nicht zu wünschen ist. Hiernach bleibt den Jrländern nur der konstitutionelle Weg allmäliger Eroberung einer Position nach der andern; wobei indeß der geheimniß- volle Hintergrund fenischer bewaffneter Verschwörung ein sehr wirksames Element bleiben kann. Aber diese Fenier selbst werden immer mehr in eine Art Bakunismus hineingetrieben i die Ermordung von Bourke und Caven- dish konnte nur den Zweck haben, den Kompromiß der Landliga mit Gladstone unmöglich zu machen. Dieser Kompromiß war aber das Beste, was für Irland unter den Verhältnissen geschehen konnte. Die Land- lords treiben die Pächter zu Zehntausenden von Haus und Hos wegen rückständiger Pacht, und zwar unter militärischem Schutz. Dieser syste- malischen Entvölkerung Irlands(die Vertriebeneu verhungern entweder oder müssen nach Amerika) zu steuern, ist erstes Bedürfniß des Augen- blicks. Gladston ist bereit, die Bill einzubringen, wonach die Rückstände gezahlt werden wie 1343 die Ablösung der Feudallasten in Oesterreich ersolgte: ein Drittheil zahlt der Bauer, ein Drittheil der Staat, ein Drittheil verliert der Landlord. Da« ist der Borschlag der Landliga selbst. So erscheint die„Heldenthat" vom Phönixpark, wo nicht als bloße Dummheit, doch als pure bakunistische, rennomistische, zwecklose„propa- gande par le fait"(Propaganda durch die That). Wenn sie nicht die ähnlichen Folgen hatte, wie die ähnlichen Dummheiten von Hödel und N o b i l i n g, so kommt das daher, daß Irland doch noch nicht ganz in Preußen liegt. Man muß es also den Bakunisten und Phrasen- revolutionären überlassen, solche Kindereien mit der Hinrichtung Ale- xanders II. ans gleiche Linie zu stellen und mit einer„irischen Revo- lution" zu drohen, die nicht kommt. Noch Eins ist zu merken bei Irland: nie einen irischen„Politiker" unbedingt loben, sich mit ihm solidarisch machen, ehe er todt ist. Die keltische Leichtgläubigkeit und gewohnheitsmüßige Bauern-AuSbeutung(und davon allein leben ja in Irland alle„gebildeten" Stände, besonders aber die Advokaten) machen die Jrländer politischen Berufs zur Korrup- tion sehr geneigt. O'Connel ließ sich von den Bauern für seine Agita- tion jährlich volle 30,000 Ps. Sterl.(300,000 Mark) zahlen. Bei der Union, die England notorisch mit einer Million Pfd. Sterl. Bestechungsgeldern erkaufte,*) wurde einem Bestochenen vorgeworfen:„Sie haben Ihr Vaterland verkauft!" woraus derselbe lachend antwortete:„Ja- wohl, und verdammt froh war ich, daß ich ein Vaterland zu verkaufen hatte."---- So unser Korrespondent, dessen Urtheil wir uns nur in Bezug aus den Fenianismus nicht vollständig anschließen können. Wir glauben, daß unter den Feniern sich Männer befinden, welche nicht die bakunistischen Geschästs-Berschwörer, sondern die nihilistischen Helden zum Vorbild ge- nommen haben. Ob die nihilistische Taktik, die für Rußland jedenfalls die einzig prak- tische ist, sür Irland paßt, ist eine andere Frage. Jedenfalls steht so viel fest, daß ein irischer Ausstand außer unter den von unserem Korrespon- deuten angedeuteten Bedingungen, absolut keine Chancen hätte, und nur zu furchtbarem Blutvergießen und Befestigung der englischen Macht führen wurde. An das Eintreten dieser Bedingungen ist nun allerdings augenblicklich und wohl aus lange Zeit hinaus nicht zu denken. Trotzdem scheint uns die irische Bewegung nicht so ganz hoffnungslos. Auf sich selbst an- gewiesen kann da« irische Volk freilich nicht mit der englischen Regierung fertig werden, aber kann es denn gegen die englische Regie« rung nicht die Bundesgenossenschast des englischen Volks, d. h. de« englischen Proletariats bekommen? Die« dünkt uns durchaus möglich. Die englischen Landverhältniffe sind ebenso himmelschreiend wie die irischen, und endlich muß doch einmal der Tag anbrechen, wo das englische Proletariat sich ernsthaft in Bewegung setzt und mit seinen Drängern und Ausbeutern ins Gericht geht. Der Tag der Befreiung Englands wäre aber auch der Tag der Be- freiung Irlands. Unserer Meinung nach hat die irische Landliga Haupt- sächlich dadurch gesündigt, daß sie, statt ihr Augenmerk auf Gewinnung des englischen Volkes zu lenken, dem englischen Volk lhörichterweise vor den Kopf gestoßen hat. Es erklärt fich das übrigens naturgemäß aus dem Bourgeois charakter der Landliga-Leiter, welche die Allianz mit dem englischen Proletariat fürchten. In einem zweiten Artikel werden wir den Gegenstand näher behandeln. Reckt und Gerechtigkeit in Deutschland. Hannover, den 1. Juli 1382. Am 23. Juni spielte sich vor dem hiesigen Landgericht eine jener I u st i z s a r c e n ab, die für den politischen Wechselbalg, genannt: „Deutsches Reich", diese«„«uzet mixte», das Kollektivprodukt„wälscher *) Das englische Parlament votirte damal« 1,300,000 Pfund Sterling zu Bestechungs- und ähnlichen Zwecken. Tücke" und ächt borussischer Rohheit und Niedertracht, charakteristisch find. Wahrhaftig, die Richter und Gerichtshöfe de«„hinterlistigen Korsen" Bonaparte sind in puncto Servilität und Versolguugswuth von unseren national gesinnten Richtern und Gerichtshöfen längst in den Schatten gestellt. Der„Sozialdemokrat" hat seit seinem Bestehen schon so viele auf dem Richterstuhle verübte Verbrechen zu verzeichnen gehabt, daß man längst ganz abgestumpft wäre, wenn die Herren Verbrecher nicht sür Abwechse- lung sorgten und mit anerkennenswerthem Eiser das Ben Akiba'sche „Alles schon dagewesen" zu Schande zu machen suchten. Den Hannover- scheu Richtern ist es gelungen, etwas ganz Neues zu Tage zu fördern. Was sie am 28. Juni geleistet haben, das ist allerdings noch nicht dage- Wesen. Ich meine den Prozeß gegen unseren Genossen Loge«. Man wird sich erinneru, daß Genosse Bebel, well er in einem Wahl- stugblatt das Sozialistengesetz gebührendermaßen ein„infames" ge- nannt hatte, von der Dresdener Staatsanwaltschaft eine Anklage auf— Majestätsbeleidigung erhielt, vom Gerichtshofe aber frei- gesprochen wurde, weil der Kaiser nach konstitutionellem Prinzip nicht sür den Inhalt der von ihm unterzeichneten Gesetze verantwortlich sei, also durch eine Kritik oder Beschimpfung dieser Gesetze nicht beleidigt werden könne. Wohlan, in„Haus und Welt", einer damals zweimal wöchentlich hier erscheinenden, seitdem auf Grund des Sozialistengesetzes verbotenen Zeit- schrist unversänglichsten Inhalts, deren verantwortlicher Redakteur Loge« war, wurde eine durchaus objektiv gehaltene Korrespondenz über den Bebel'schen Prozeß veröffentlicht, welche den Ausdruck„infam"— rein reserirend— enthielt. Hierin erblickte nun die hiesige Staatsanwaltschaft eine Majestätsbeleidigung und ließ„Hau? und Welt" mit Beschlag be- legen. Vergebens wies Loges aus den durchaus objektiven Charakter der Korrespondenz hin— das Gericht beschloß die Anklage, am Sonntag— heute vor acht Tagen— wurde Loges, dessen Frau vor Kurzem gestorben ist, von seinen jungen, unversorgten Kindern weg verhastet— eine ganz zwecklose Grausamkeit— und am Mittwoch gelangte der Prozeß zur Verhandlung. Ehe ich fortfahre, habe ich eine bezeichnende Thatsache zu erwähnen. Die Bertheidigung des Loges war von dem bekannten Fortschrittler Reichstagsabgeordneten Munkel übernommen worden, und zwar mit einem gewissen Uebereiser. Als es jedoch zum Klappen kam, zwei Tage vor dem Termin, schrieb dieser saubere Herr plötzlich ab— eine Prozedur, die ihm beiläufig nicht ungewohnt sein soll. Wenigstens habe ich seitdem von einem Fall gehört, in welchem er sich einem Parteigenossen gegenüber derselben Feigheit— denn weiter ist's nichts— unter den erschwerendsten Umständen schuldig gemacht. Genug— der hiesige Rechtsanwalt Fischer II, an den wir uns in letzter Stunde wandten, trat mannhaft in die Bresche und führte die Bertheidigung meisterhaft. Er hob die Monstrosität hervor, die darin liege, in der bloßen Kritik eines Gesetzes, und sei sie noch so scharf und schneidig, eine Beleidigung des Monarchen erblicken zu wollen, und ver- blüffte schließlich den Herrn Staatsanwalt, der eine recht klägliche Rolle spielte, durch da« unleugbare Faktum, daß das Sozialisteugesetz gar nicht vom Kaiser, sondern vom Kronprinzen unterzeichnet war. Zum Schluß spielte er noch den Trumpf aus, daß Bebel vor ein paar Tagen wegen der Original äußerung von der Anklage auf Majestätsbeleidi- gung in Dresden freigesprochen worden war. Aber alles verfing nicht«. Die Herren„Richter" waren entschlossen, zu verurtheilen, und sie verurtheilten. Ich sagte: sie waren entschlossen? Rein, diese Berurtheilungsmaschinen hatten den Auftrag erhalten, zu verurtheilen, und sie verurtheilten. Der Vorsitzende hatte die namenlose Frechheit, Loges als einen„Genossen der Hödel und N o b i l i n g" hinzustellen, der die ungemilderte Strenge de« Ge- setze« erfahren müsse. Wahrhastig, durch solche Richter werden die„Hödel und Nöbiling" nur zu Ehren gebracht! Also die Richter parirten Ordre, Loges wurde schuldig befunden und zu vier Monaten Gesängniß verurthetlt. Ich kenne im Moment nicht die Namen der sämmtlichen Personen, die bei diesem Justizverbrechen mitgewirkt haben— sie sollen aber in einer der nächsten Nummern veröffentlicht werden. Diese Burschen sollen wenig- sten« der„Unsterblichkeit der Infamie" nicht entgehen. Loges hat auf die Revision verzichtet, da er dadurch seine Hast nur verlängern würde. Er wird jedoch vielleicht, zur Ordnung seiner Familien- augelegenheiten, gegen Kaution auf einige Tage in Freiheit gesetzt werden. Bemerkenswerth ist noch, daß das freisprechende Urtheil im Bebel'schen Prozeß, welches von Dresden hierhergeschickt wurde, unterwegs ver- s ch w u n d e n ist und sich allem Vermuthen nach in die H ä n de des biederen Herrn Staatsanwalts verirrt hat, der natürlich das größte Interesse hatte, dieses sür Loges so günstige Aktenstück zu verheimlichen. Wir werden diesen dunklen Punkt gelegentlich be- leuchten. Loge» hat noch einen Prozeß— und zwar aus§ 131. Das Verbrechen soll durch eine Reichsgerichtskorrespondenz begangen sein, welche auch zur Unterdrückung von„Haus und Welt" geführt hat. Wie sich nachträglich herausstellt, ist diese Korrespondenz unverändert den amtlichen Mittheilungen der Reichsanwälte entnommen. Eine amtliche Schrist de« Vergehens gegen§ 131 schuldig!— weil sie in einer, des Zusammenhangs mit der Sozialdemokrane verdächtigen Zeitung zu finden ist! Das kennzeichnet unsere schmachvolle» Rechtszustände und die Herr- schende Rechtsanarchie. Apropo«, da« Verbot von„Haus und Welt" zeigt von Neuem, daß unsere Feinde uns völlig knebeln und im Bereich ihrer Macht kein, auch nicht da« zahmste sozialistische, oder de» Sozialismus verdäch- tige Organ dulden wollen. Ganz recht. Die Moral ist: Dann abonniren wir die Zeitung, welche außer dem Machtbereich unserer Feinde ist, und das ist der„Sozial- d e m o k r a t". So machen die Herren nur für den„S o z i a l d e m o- k r a t" Propaganda. Wir danken ihnen. Welse. Streng vertraulich! An Se. Exzellenz den FllrstenReichskauzler von V arzin und Finanzminster in Preußen! Exzellenz! Wie und wo die Revolution„gemacht" wird, schildert uns soeben solgendes Schreiben eines jungen Arbeiters, welches zu Ew. Exzellenz Kenntniß zu bringen wir für unsere Pflicht erachten. Derselbe ist fleißiger Schriftsetzer und ältester Sohn einer Wittwe, aber— Sozialdemokrat von Mutterleibe aus. Sein Bater, früherer Kleinhandwerker, dann mit Einsatz seines ganzen kleinen Vermögen« und einer leidlichen Existenz, Leiter eine« durch das Sozialistengesetz ruinirten Parteiunternehmens, starb frühzeitig im Kamps für unsere Sache arm bei der Arbeit, nachdem er lauge Zeit, um die Sache zu fördern sogar den Arbeitsverdienst der Mutter— einer Handschuhnäherin— mit ihrem Einverständniß drangesetzt hatte. Der Aelteste mußte also jung in die Fremde, um Brod zu suchen, und durch- wanderte arbeitsuchend mittellos die Welt. Der Hetzkarbatsche der Vaga- bondage zu entgehen, suchte er endlich wieder die Heimath auf, um dort die Roth mit den Seinigen weiter zu theilen. „Ansang« März"— schreibt derselbe nun an seine Mutter, die uns berichtet—„ging ich wieder von Hause fort, weil ich keine Arbeit mehr hatte und walzte nach Paffau, Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Mann- heim, Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg und Constanz, wo ich, arbeit- suchend, 18 Tage wegen Landstreicherei eingesteckt wurde,— d a ich kein Reisegeld vorzuweisen ver- mochte!— Im Gesängniß mußte ich 12 Stunden täglich Holz hacken bei einer dreimaligen Wassersuppe. Vergebens zeigte ich den H(— erren? d. Red.) mein Verbandsbuch als Buchdrucker und wie» ihnen nach, daß ich hier mein Biatikum bekomme, was jedoch nicht das Geringste nützte. Ich wurde gefragt, weshalb ich nach größeren Städten blo» immer reiste, worauf ich antwortete, aus Bauerdörsern seien keine Druckereien, also auch keiue Arbeit für mich zu finden, außerdem müsse ich mich ans Biatikum halten, das nur in größeren Städten zu erhalten ist, da ich nicht betteln wolle und— solle! Ich hatte einen Empfehlungsbrief von Bebel bei mir, den sie fanden und mir dann erst recht aufsässig wurden. Mein Paß wurde mir als Vagabondirer vollgeschmiert, und nun konnte ich weiter sehen, was aus mir wurde. Arbeit habe ich endlich(im Auslande, d. Red.) a u s h i l f s- weise auf 3 Wochen bekommen, jedoch wird der Lohn zu mei- nem Schrecken nur monatlich ausbezahlt. Ich habe hier des- halb meine Uhr versetzt, um so lange leben zu können, denn Borschuß verlangen kann und pumpen mag ich nicht. Wenn ich nur bis in sechs Wochen wieder Arbeit finde tc. tc." W i r adresfiren diesen kleinen Beitrag zur Beleuchtung der sozialen Frage gehorsamst an Ew. Exzellenz,„Anwalt des armen Mannes", unfern verehrten„Parteigenossen und Exzellenz-Arbeitersrennd" in partibus infidelinm. Zugleich erlauben wir uns den bescheidenen Hinweis auf die wachsende Gefahr der großen Landstraßen und Städte sür Staat und Ge'ellschaft, sowie die besonderen Bedenken, die wir sobewandt gegen die st a a t«- gesährlichen Arbeiterunterstützungskassen generaliter hege» müssen. Wolle e« Exzellenz gefallen,„Sr. Majestät dem Kaiser, unserem aller- gnädigsten Herrn und Gebieter" die Gesahren baldigst zur Kennwiß zu bringen, welche bei derlei Verhältnissen„Krone und Reich" auf's Evi- denste bedrohen müssen und— durch„Gottes Erleuchtung und gnädige Fügung" beschlossen werden, allergeneigtest zu erwägen, ob nicht demnächst Schritte einzuleiten wären, zu untersuchen, inwieweit es etwa rathsam erscheinen dürfte, in Bettacht zu ziehen die Empfehlung einer Gesetzesvorlage behus« Anbahnung statistischer Er» Hebungen über die Tragweite der großen Landstraßen mit Bezug aus die Zunahme der Vagabondage und großen Städte zu— befürworten! Genehmigen Exzellenz-Kollega die Versicherung vorzüglicher Hochachtung Der sozialdemokratische deutsche Reichs-Finanzminister. --- �=>«36--=-- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 12. Jult 1882. — Die Räuber wider die Beraubten. Die Feindselig- leiten gegen Egypten sind eröffnet worden, vor Alexandrien donnern englische Kanonen. Es ist der Feldzug der Räuber wider die Be- raubten. Die Tumulte im Juni, deren Entstehung noch heute nicht aufgeklärt ist, von denen aber feststeht, daß sie, wie die„Augsburger Allgemeine" triumphirend meldet, doppelt so viel Egyptern als Europäern das Leben gekostet haben, diese Erhebungen des geduldigsten aller Völker gegen den Abhub der europäischen Zivilisation, haben ihre Schuldigkeit gethan. Die europäische Zivilisation kann e« nicht dulden, daß ein der schamlosen Ausbeutung durch allerhand zusammengelaufenes Gesindel preisgegebenes Volk einmal aushört, geduldig alle Fußtritte hinzunehmen, die frecher Uebermuth ihm ungestraft auszutheileu sich berechtigt glaubt. Das be- stohlene, ausgeplünderte Volk soll sich von seinen Räubern noch obendrem geduldig verhöhnen und mißhandeln lassen, das ist die edle Mission, in derem Namen vielleicht gerade im Augenblick, wo wir diese« nieder- schreiben, schon Sttöme Menschenblutes vergossen werden. Man komme uns nicht mit dem höheren Kulturintereffe, welches England und Frankreich und welcher Kulturstaat sonst noch von der Partie ist, Egypten gegenüber vertteten,— man spreche uns nicht von dem Schutz des Leben« und Eigenthums der in Egypten lebenden Euro- päer, von der Sicherung de» Kanals von Suez für den Weltverkehr! Diese Sicherung konnte und kann erreicht werden, ohne daß ein Tropfen Blute« zu fließen brauchte, Leben und Eigenthum der Europäer ist erst bedroht, seit davon die Rede ist, es mit Waffengewalt zu schützen, und die höheren Kulturinleressen, sür deren Wahrung angeblich gekämpft wird, stnd die Rettung der skandalösen Wucherzinsen, deren„Höhe" aller- ding« ans Schwindelhafte grenzt. Man lasse uns auch mit dem Gerede von dem Zusammengehen der egyptischen Natioualpartei mit der türkischen Regierung in Ruhe. Ob da eine Abmachung besteht oder nicht, ist sür unsere Beurcheilung der Dinge durchaus nebensächlich. Schlimm genug, aber nur zu begreiflich, wenn den Egyptern die türkische Herrschast als das kleinere Uebel er- scheint gegenüber der„freundschaftlichen Konttole" der europäischen Agenten. Was ist die türkische Paschaherrschast gegenüber der Schand- wirthschast der europäischen Herren Konsuln, Generalkonsuln, Kontto- leure K.! Was dieses Gesindel aus Konto der Staaten, die e« vertritt, sür Schandstücke verübt, das spottet aller Beschreibung. Daher sind die Konsulate auch sür unsere Bourgeoisie beliebte Zufluchtsorte für ihre sonst unversorgbaren Söhne. Ist es da ein Wunder, wenn sich selbst dem Orientalen der Rus aus dem Herzen drängt, den der alte Ziegler einst dem preußischen Streberthum in« Gesicht schleuderte: ich gehe zum Kadi! Genug, die Egypter versuchten sich einmal ihrer Haut zu wehren, und diese Frevelthat soll ihnen jetzt ausgetrieben werden. Und das Aus- tteiben versteht John Bull von jeher„meisterhaft". Welche Rolle Frankreich spielen wird, ob e« an Englands Seite als „guter Kamerad" ins Geschirr gehen und fich nachher mit England um die Beute raufen, oder ob es sür einen heimlich abgekarteten Preis England ruhig gewähren lassen wird, darüber Bettachtungen anzustellen, halten wir uns nicht verpflichtet. Wir lieben es nicht, Äonjekturalpolitik zu treiben, und denken viel zu gering von der hohen Diplomatie als daß wir Lust hätten, ihr ins Handwerk zu pfuschen. So lange die betreßten Herren die Schicksale ganzer Völker gegeneinander auszuspielen vermögen, so lange ist für un« der europäische Friede keinen Augenblick gesichert. So mag denn der Kamps um da« Pharaonenland entbrennen, für un» bleibt er nur der Kamps der Räuber zur Unterdrückung der Ge- raubten. Habgier und Brutalität auf der einen, Aberglaube und Fana- tismu« aus der andern Seite. Wem soll man da den Sieg wünschen? Die Sache der Menschheit hat da nichts zu gewinnen. — Bestialisch. Folgende Notiz, welche zur Zeit durch die Zei- tungen läuft, zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, bi« zu welchem Grade die Verrohung in der heungen Gesellschaft schon gediehen ist. „Aus Braunau a. I., 17. Juni, berichtet die„Neue Warte am Inn" über eine Gerichtsverhandlung, welche einen eigenthümlichen(et!) Einblick in da« Amtsgebahren des dortigen Bürgermeister« Prechtl und feine« Sekretär« Tichy gewährte. Tichy ließ einen eingebrachten Vaganten, der angab, nach Braunau zuständig zu sein und Morelli zu heißen, sonst aber jede Auskunst über seine Verhältnisse verweigerte, von Sonn« I tag Abends bis Donnerstag Mittags ohne jede Nah- rung einsperren; erst dann erhielt er eine kleine Schale Suppe und Nachmittags ein Stückchen Brod. Sein Magen war durch die viertägige Hungerkur zu geschwächt, um noch etwas bei sich zu behalten. Dabei lag er auf dem bloßen Boden; um ihn zum Reden zu bringen, hatte man ihm selbst den Sttohsack genommen. Der Bürgermeister soll die Anorduungen seines Sekretärs gebilligt haben. Beide sind geständig, eine solche, an Rußland erinnernde BeHandlungsweise schon öfter» bei ungehorsamen Schüblingen angewendet zu haben. Wenzel Tichy wurde zu 50 st. Geldbuße, eventuell 10 Tagen Hast und in die Kosten ver- urtheilt, der Bürgermeister freigesprochen. Der Staatsanwalt hat hiegegen Berufung eingelegt und es wird die Sache an das Kreisgericht Ried verwiesen werden." Ist das erhört! Bier Tage lasten diese Elenden einen Proletarier, dessen ganzes Verbrechen darin besteht, arbeitslos zu sein, und den vielleicht nur die Scham über dieses„Verbrechen" abhält, die verlangte Auskunft zu geben, vier Tage lasten sie ihn hungern bis sein Magen zu schwach ist, noch etwas bei sich zu behalten. Er wird also, worüber die Presse indeß schweigt, an den Folgen dieser schmachvollen Behandlung gestorben sein. Dabei ist er nicht einmal der Erste, es liegt System in dieser Hungertortur! Die Herren Bourgeois, die über ihre Standesgenossen zu Gericht saßen, finden sie auch ganz in der Ordnung, sie sprechen den Anstifter dieser unmenschlichen Grausamkeit frei, und verurtheilen nur des Anstand» halber die ausführend« Person zu einer lächerlichen Geldstrafe. Es war ja nur ein heimathsloser Proletarier! Und das ist dieselbe Gesellschaft, welche die„Zivilisation" und„Kultur" beständig im Munde führt, sich bei jeder Gelegenheit al» Träger derselben ausspielt. Eine schöne Zivilisation fürwahr, die solche Blüthen zeitigt! Eine herrliche Kultur, deren Einfluß so„veredelnd" wirkt. Und uns, die wir solchen schmachvollen Zuständen ein Ende machen wollen, nennt man kulturfeindlich! Allerdings, dieser Kultur sind wir feindlich, wir bekämpfen sie mit aller Energie, aber sie ist nur eine Asterzivilisation, nur eine übertünchte Barbarei! —„K a r d o r s s's Laura." Erschrick nicht, lieber Leser, es ist von keinem„unmoralischen Berhältniß" die Rede. Im Gegentheil, die Sache ist hochmoralisch, denn— Herr von Kardorff ist ein ehreuwerther Mann, obendrein ein guter Freund des deutschen Reichskanzlers und ein eben- soguier Christ. Herr von Kardorff hat allerding« ein Berhältniß zu einer Laura, aber diese paura ist keine oerworsene Dirne, kein leichtsinnige» Freudenmädchen, sondern eine segenspendende Aktiengesellschaft zum Be- triebe der Königs- und Laurahütte, die ihrem Gönner den Segen Gottes in klingender Münze iu's Haus bringt. Freilich, in ihrer Jugend soll es nicht so ganz ordentlich hervorgegangen sein, man munkelt so etwas von verkrachter Gründung, von mühsam verdeckter Unterbilanz, Stelter spricht sogar in seinem„Handbuch für Kapitalisten" von einem Minderwerth der Anlogen von 14,000,000 Mark, d. h. ca. 5 0 P r o z e n t. Indeß das macht nichts, Laura gab in ihrer Jugend fette Dividenden, und als die- selben mager, sehr mager wurden, da schwamm ihr Gönner plötzlich „gegen den Strom" und wurde Schutzzöllner. Unter seiner Aegide kam die famose Zollresorm zu Stande, und jetzt ist Laura wieder fröhlich obenauf. Im Geschäftsjahr 1881/82 find, wie die Börsenblätter trium- phirend melden, über 3,000,000 Mark Geschäftsgewinn erzielt worden, die Herren Verwaltungsräthe, die Landau, die Bleichröder und deren durchlauchttgste Freunde sacken schmunzelnd die saftigen Tantiemen und Dividenden ein und bringen bei Austern und Champagner ein Hoch über das andere auf die neue„Reformpolitik" aus. Die Erhöhung der Preise der nothwendigstcn Lebensmittel nehmen diese braven Pattioten gern in den Kauf, die ist ja kaum fühlbar, denn die ttägt das niedere Pack und das ist geduldig. Wie es aber mit den Löhnen auf Laurahütte aussieht, darüber wird wohlweislich geschwiegen. Davon sprechen sie nicht gern, die guten Freunde des„Anwalts des armen Mannes". Im Uebrigen lese man die nachstehende Schilderung au« Ober- Schlesien aus der Feder eine» gläubigen, friedlichen Christen! — Charity beging at hörne, sagt der Engländer: Wohl- �hätigteit beginnt zu Hause. Davon wollen aber unsere konservativen BolkSbeglücker nicht» wissen. Zu den eifrigsten Anhängern des„praktischen Christenthums" gehören die oberschlefischen industriellen und ländlichen Magnaten, die Reichsten der Reichen. Wie es bei diesen Ehrenmännern zu Hause aussieht, schildert «in Korrespondent der ulttamontanen„Germania" in nachjolaender Weise: „Daß das Zusammenwohncn mehrerer Familien in einer und derselben Stube auf Sitte, Zucht und Gesundheit sehr übel einwirken muß, ist leicht emzusehen, und glaube ich diese» nicht erst nachweisen zu sollen. Dieser tadelnSwerthe llebelstand kommt am häufigsten auf den Do- m linen vor, wo mit Ausnahme der Wohnung für den Ackervogt, der die ihm unterstehenden Arbeiter zu drillen und zum Schweigen zu dringen versteht, fast durchweg zwei bis drei Familien von Hosearbeitern untereinander in einer engen, Zielte» und un gepflasterten, halb- »"c � � zusammengepfercht wohnen müssen, �, 11!,e Dommialarbeiter für einen knappen und unzureichenden -.oqu, womöglich auch noch an Sonn- und Feiertagen nach Art moderner ifn v T. wollen oder müssen, s- l a n g e s i e j u n g, k r ä s t i g Schwälbe abei- s' lt.■- l'ch jedoch bei ihnen vorgerückte» Alter, n A l t e r 5« s° g- b t e s w- d- r K r° n k- n s ch i ch t «ittetaUt»|1Vfl-L0r8U,J9'r.fonbftn d-r gestrenge H-"r N'ä m SSÄ f/.V f&'lÄV,'Ä'Älf SiLUJÄ rtnifioneaf,lefcaf«rff" � tten8 eme gründliche, unerbittlich strenge super. ®cutrun9) und Konstalirung obiger und ähnlicher Uebel- hnausftellm Reicht würde sich bei dieser Gelegenheit Gutsbesiber»der 1«nn b l-'gennützigen) Gründen-in « i c e,n Don l�m abhängiger Wirthschaftsinsvektor ZUM Amtsvorstcheramt- nicht gut eignet.(Wie der Bock z?m Dft lande'in Hem � doch iu unserem schönen Vater- D« wo Tr �"""kurcht und frommen Sitten, einen „nh ,, r.■ 1' U-belstände von einem Gutsbesitzer °°.d. gleich»,.tlg.n Amlsvorsteher aerUat voli� Voli?eia in F°lge der s e l b st v e r fit g t e n ient m-r* st b g e s ch a f j l worden wären? Der Refe- schon wiederholt in der Lage war, solche Hofearbciter-u von diesen Uebelfiände mit eigenen Augen zu sehen und d»™, � bitten m einer nicht zu bezeichnenden Art(!!) beklagen - tennt w dieser Beziehung kein, solche a«.?9tn Don Domiuial- und Amtsvorstehern. würde� dankbar anerkannt werden, wenn der Herr Oberpräsidenl der ZI*ni?�chen wenigsten« für Oberfchlesien bezüglich d-r Revision 4 trroo''aun8tn""f den Dominien ohne Rücksicht auf die bettef- d-i»»�„ilvenge, den Forderungen der Moralität uud Gesund- nn*-f6 genügende Polizeiverordnungen erlassen würde. Daß e« hierin J". uud abzuschaffen gibt, wird wohl Niemand, der diese Verhältnisse kennt, bestreiten können." Dieser Bericht, dessen Verfasser im Grunde mehr die untergrabene a.otQ'lli't und Zucht beklagt, al« die schändliche Ausbeulung, welche tre«,* Gütern dieser„christlichen" Herren im Schwünge ist, ist-ine Mend 3£fufiration Z" der heuchlerischen Sprache der volksverdum- hoch. östlich- konservativen Sudelblätter. Die Redensart von den iebknlm'8"!. �"stokralen uud deren jovialem Grundsatze:„Leben und lassen ja 5e'9t stch da in ihrer ganzen Verlogenheit. Leben und Leben- ..leben" d'"a!— Mätressen und Lakaien, die läßt der edle Herr gerne heißt es-«: �letarier aber behandelt er schlimmer al» da« Vieh. Da bricht!'' a und Peitschenlaflen!", bis„die Kanaille" zusammen- *J Ermittelung. Anm. d. Red. Und wie herrlich sich die„liberale" Kreisordnung macht! Die Gutspolizei ist abgeschafft, es lebe der Amtsvorsteher! Das Kind hat einen andern Ramen, sonst kommt's aus dasselbe hinaus. Der Gutsherr uud seine Kreaturen regieren heute wie gestern. Und ob liberal oder konservativ regiert wird, das Volk rackert sich ab, darbt und wird ge- treten, bis es die ganze Ausbeutergesellschaft einmal zum Teufel jagt. Und das walte— das Volk! — Eine heitere Episode in ernster Zeit. Aus Hanau schreibt man uns: Es wird Ihnen vielleicht etwas spät vorkommen, wenn ich heute erst berichte, daß am 14. Juni vor dem hiesigen Gericht ein sozialistischer Monstreprozeß sich abspielte. E» sollen nämlich 61 Personen gelegentlich einer vom Polizei- Kommissar Rolfs aufgelöst erklärten Versammlung, den Saal nicht geräumt haben. Das Drollige bei der Geschichte ist, daß 1 2 von den angeklagten 61 Personen seiner Zeit gar nicht im Saale waren. Einige davon find sogar in Amerika. Nach 2'/, stündiger Verhandlung dieses Polizeihumbugs erfolgte übrigens kostenlose Freisprechung der sämmtlichen Angeklagten. Kommentar im Weiteren überflüssig. Nicht wahr, eine„heitere" Episode? Tie Anklage von 12 Personen, die nicht einmal im Saale gewesen waren, ist ungemein drollig. Das sind so königlich- preußische Scherze. Ein Bischen fr— ei, aber Könige lieben die Freiheit, für sich natürlich. Und wie die Herren so die Diener. — Bravo! Am 2. Juli haben unsere wackeren Breslauer unserem dahingeschiedenen Genossen R a p p i ch ein großartiges Begräbniß bereitet. Ein Zug von über 1500 durchgängig mit rothen Blumen ge- schmückten Proletarier gab dem unermüdlichen Streiter für die Sache des arbeitenden Volkes das letzte Geleite und legte Zeugniß dafür ab, wie die deutsche Sozialdemokratie unter allen Umständen ihre Vorkämpfer zu ehren weiß. Ein solches Begräbniß ist eine der schönsten Demonstrationen für unsere große Sache. Es zeigt den Gegnern unsere Macht, es erhebt die Theilnehmer und übt aus die große Masse den nachhaltigsten Eindruck aus. — Aus dem Lande der Trinkgeld-Beamten. Von der schweizerisch-österreichischen Grenze wird uns geschrieben: Der durch ihre Ehrenhaftigkeit ebenso wie durch ihre Genialität gleich ausgezeichneten österreichischen Polizei wird ihr eigenes Vaterland wahrscheinlich zu eng und darum geht sie jetzt„auf Reisen." Trotz der obenerwähnten glänzenden Eigenschaften nämlich stehen die Resultate ihrer staatsretterlichen Thättgkeit in keinem Verhälwiß zu ihren— wir wollen nicht sagen Anstrengungen— wohl aber Un— genirtheiten gegen die Bewohner des schönen Oesterreich. Daher beehren die braven Trink- geldpatrioten seit einiger Zeit gewisse schweizerische Postämter mit ihrer schätzbaren Anwesenheit und„erkundigen" sich„srenndnachbar- lichst" bei dortigen Angestellten, ob nicht böse Sozialdemokraten daselbst einige Sendungen bestellen, um sie von dort über die Grenze zu bringen, welcher un— schuldigen Anftage der noch un— schuldigere Zusatz angefügt wird, die Herren möchten, falls eineSendung sozialistischer Schriften ankommen sollte, dies, sobald dieselbe abgeholt wird,„gefälligst" anzeigen für ein„gewiß schönes" Trinkgeld, was aber von den schweizerischen Postbeamten mit einer nur in einer Republik möglichen Verworfenheit energisch abge- lehnt wurde, und zwar unter der bündigen Erklärung, daß sie von nichts wissen und weder das Recht noch die Lust dazu haben, über den Inhalt von Postsendungen Untersuchungen anzustellen und Denunziantendienste zu leisten. Diese Mittheilung beruht durchaus auf Wahrheit, ich habe sie von einem österreichischen„Grenzer", der seiner Wuth, daß die schweize- rischen Postbeamten so„dumm" seien, nicht entrüstet genug Ausdruck geben konnte. Allerdings sehr„dumme" Kerle, diese Republikaner! — Aus derSchweiz. DieOrganisation der deutschen Sozialdemokraten in der Schweiz nimmt einen erfreulichen Fortgang. Bekanntlich Ende 1880 gegründet, zählt sie bereits eine ganze Reihe von tüchtigen Mitgliedschaften, denen sich im Lause der letzten Monate wieder mehrere neu angeschlossen haben. Da» innere Partei- leben in den Mitgliedschaften gestaltet sich immer kräftiger und der Zu- sammenhang mit der Organisation und dem Parteiganzen durch den Verkehr mit dem Landesausschuß wird stets lebendiger. Am besten wirken hiezu, zur Anregung und Ncugewinnung von Parteigenossen, agitatorische Vorträge auswärtiger rednerischer Kräfte, deren Veranstaltung und Ver- Mittelung eine der Hauptaufgaben des Landesausschusses bildet. Und erfreulicherweise kann infolge der Zunahme der Organisation jetzt mehr als bisher.in dieser Richtung gethan werden. So ist eben jetzt eine auf Veranlassung der betreffenden Mitgliedschaften unter Mitwirkung de« Landesausschusses veranstaltete erste Reihe von Agitationsreden beendigt worden, welche Genosse V o l l m a r übernommen hatte. Vellmar sprach— zum Theil vor Beginn, zum Theil nach Beendigung de» Reichstages— in Basel, Genf, Zürich, Schaffhausen, Frauenseld und Winterthur über das umfangreiche wichtige Thema: Die sozial- politische Lage in Deutschland und die Aufgabe der Sozialdemokratte. E« geht nicht an, die Ausführungen Vollmar's hier, sei es auch nur skizzenhaft, zu wiederholen. Nur soviel sei gesagt, daß Vollmar die Dinge mit gewohnter Rückhaltlofigkeit und Energie behandelte und auch in Bezug aus die endliche Lösung nicht hinter dem Berge hielt. Die Versammlungen waren allenthalben sehr gut, zum Theil außerordentlich zahlreich besucht und zwar sowohl(selbstverständlich in der großen Mehr- zahl) von deutschen, schweizerischen und andersländischen Parteigenossen und Arbeitern, als auch von Fremden der verschiedensten Parteistellungen. Auch die Presse war meist zahlreich vertreten und brachte zum Theil aus- sührliche Berichte. Eine Anzahl größerer Blätter zeigte eine anerkennen«- werthe Objektivität, während allerding« andere, meist kleine Lokal- und Amtsblättchen ihren Republikanismu« in ein sonderbares Licht stillten und an Verdrehung und Berlästerung mit den gesinnungstüchligen deut- schen Reptilienorganeu rivalisirten. Vollmar predige„die schonungslose Tyrannei der Dummen und Faulen über die Intelligenten und Stteb- samen" u. dergl. m. Das Charakteristischste leistete ein Schaffhauser Blatt, indem es die Bemerkung macht: die deutschen Gegner der deut- schen Regierung mögen entweder ihre öffentlichen Borttäge und Reden in Deutschland halten(!) oder wenn sie dieselben halten wollen, ihre Kritik der Verhältnisse und der Machthaber in Deutschland so fassen, daß sie dieselben auch in ihrer Heimath öffentlich aussprechen dürfen(II). Der saubere„Republikaner", der dies schrieb, scheint offenbar vom Sozialistengesetz gar nichts zu wissen oder aber mit ihm einverstanden zu sein, daß er seine Wirkung für die deutschen Sozialdemokraten bis auf die Schweiz ausdehnen und un« auch auf dem„freien Boden der Repu- blik" den Maulkorb anheften möchte. Im Uebrigen können wir nur feststellen, daß die beendigte erste Agita- tionsserie in den Kreisen der Parteigenossen und der Arbeiter allgemein den besten Eindruck gemacht hat und sowohl für die Sache de« Sozialismus im Allgemeinen als für die deutsche Sozialdemokratie und ihre Organisation gute Früchte tragen wird. Ueberall wurden neue Mit- glieder aufgenommen, Schriften verbreitet und Sammlungen für die Opfer des Sozialistengesetzes, für den Widerstands- und KampfsondS der Partei mit gutem Erfolg gemacht. Auch liegen bereits Aufforderungen zu einer weiteren Agitationsreise von anderen Orten vor, die späterhin ihre Befriedigung finden werden. Mögen die Genossen die gegebene Anregung bestens ausnützen und eifrig weitcrbaueu! — Frankreich. Bei den Gemeinderathswahlen vom 2. uud 9. Juli sind unsere Genossen zwar gegen die Kandidaten der sozialistischen Radi- kalen unterlegen, indeß haben sie, trotzdem ihnen so vorgeschrittene und persönlich durchaus ehrenhaste Gegner gegenüberstanden, wiederum nam« hasten Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Der Kampf unserer Genossen ist ein äußerst schwieriger, auf Erfolge im Sturme dürfm sie vorläufig nicht rechnen. Die Streitigkeiten unter ihnen, von denen wir leider schon mehrfach zu berichten halten, haben in den letzten Wochen erfreulicherweise ganz bedeutend nachgelassen, die Diskussion über die theoretischen sc. Differenzen wird ruhiger und sachgemäßer geführt. Im Augenblick ist in Paris die Wohnungsfrage eine äußerst brennende geworden. Die Bevölkerung von Pari« hat sich rapide schnell vermehrr und die Bauthäfigkeit hat mit diesem Anwachsen nicht gleichen Schritt gehalten, beziehungsweise ist durch das Niederreißen großer Häuser- komplexe zum Theil paralysirt worden. Die Hauswirthe schrauben die Mielhen, namentlich der kleineren Wohnungen auf eine unerhörte Weise in die Höhe. Die Entrüstung gegen Mr. Vautour(Herr Geier!), wie das Pariser Volk diese edle Menschengattung nennt, ist sehr groß. Natürlich fehlt es nicht an allerlei Projekten, um der Wohnungsnoth zu steuern und der Habgier des„Herrn Geier" Zügel anzulegen. In der Arbeiterpresse, welche die Wohnungsftage als ein vorzügliche» Agitattons- mittel für den Sozialismus ergriffen hat, herrscht auch in dieser Frage Meinungsverschiedenheit. Die Einen wollen, daß der Pariser Gemeinde- rath auf Gemeindekosten Arbeilerwohnztngen, mit allem Komfort der Neuzeit(Wasferleirwtg, pneumatischen Uhren, Bädern ic.) bauen lassen, an Arbeiter zum Kostenpreise vermiethen und dadurch einen Druck auf die Miethspreise ausüben möge. Die Anderen, darunter namentlich die Anhänger der„Egalitö", bestreiten die Wirksamkeit dieser Maßregel, die sehr leicht in ihr Gegentheil, d. h. in ein Mittel zur bequemeren Aus- beutung der Arbeiter umschlagen könne, und haben dagegen eine, allerdings weit radikalere Agitation in Szene gesetzt. Sie verlangen nämlich von der Depulirlenkammer mit Rücksicht darauf, daß die Wohnungspreise lediglich gestiegen sind in Folge der Verkehrsverbesserungen und anderer Maßnahmen und Vorgänge, an welchen die Hauswirthe so unschuldig sind wie die neugebornen Kinder, eine gesetzliche Herabsetzung der Miethspreise, und zwar um 50 Prozent für alle Wohnungen über 400 Franken, von 40 Prozent für alle Wohnungen von 100 bis zu 400 Franken und von 25 Prozent für alle Läden und Geschäftsräume bis 4000 Franken. Die Taxe wäre auf Grund der letzten Miethsquitlungen leicht zu bewerkstelligen. Diese Agitation, welche in Form einer Petitionsbewegung auftritt, findet lebhaften Anklang, selbst unter den Anhängern des erstgenannten Projektes. Sehr geschickt hat Genosse G u e s d e die verlangte Maßregel mit der irischen Pachtbill Gladstone's, für welche ein Theil der radikalen französischen Bourgeoisie nämlich„schwärmt", verglichen und diesen Schwärmern zugerufen: der einzige Unterschied zwischen der Pachtbill und unserem Verlangen ist der, daß die irischen Pächter vorher einer Reihe von besonders verhaßten Landlords und Agenten den Garaus gemacht haben, währenv die Pariser Miether bisher die Anmaßungen de» „Herrn Geier" geduldig erttugen. Ist es der Mangel an Gewaltthaten, dann, bitte, sagt dem Pariser Volke, wie viel Wirthe e« erst umbringen muß, ehe Ihr Euch bemüßigt fühlen werdet, zu seinen Gunsten einzu« schreiten! Einen praktischen Erfolg, d. h. ein greifbares Resultat wird diese Agitation natürlich nicht haben, die französische Bourgeoisie wirb sich schönstens hüten, in da» h e i l i g e Gesetz von Angebot und Rachsrage einzugreifen, aber für die Ausbreitung der sozialistischen Ideen wird sie von großem Nutzen sein. Ein Vorgang, der in der sozialistischen Bewegung wohl vereinzelt da- steht, ist noch zu verzeichnen. Der sehr beliebte radikale Deputirte von Marseille, Herr Clovis Hughes, ein nicht nnbedeutender Dichter, hat sich aus freier Initiative voll und ganz zum Programm der sozialistischen Arbeiterpartei bekannt, sich der Disziplin derselben unter- warfen und sie gebeten, ihn als ihren Vertreter im Parlament anzusehen. Der überwiegenden Mehrzahl nach von Arbeitern gewählt, halte ich es für meine Pflicht, sagte er, die Jache der Arbeiter im Parlament zu vertreten. Gewiß ein anerkennenswerther Ausspruch! Die Streikebewegung hat im Augenblick etwas nachgelassen. Der Schuhmacher st reik dauert noch fort und wird mit großer Energie betrieben. Ferner streiken noch die Kunsttischler und die Brettschneider in Paris. — Aus Rumänien erhalten wir folgende Korrespondenz: „Arme Bourgeoisie! Sie gleicht heute einer abgetragenen Hose: hat man eben das Hintertheil ausgebessert, siehe, da krachen die Kniestücke. Was thun? Man säugt das Flicken von Neuem an, aber die Hose reißt nicht« desto weniger an allen Ecken und Enden. Ebenso ergeht es der Bourgeoisie. Die revolutionären Wellen steigen höher und höher, man fühlt überall das Heranbrausen der Revolution, aber die Bourgeoisie sieht und hört nichts. Lassen Sie uns zusehen, was im Königreich de« kleinen Karlchen von Gottesgnaden vorgeht. Während des russisch-türkischen Krieges wurde dm Soldaten als Beloh- nung Antheil am Grund und Boden versprochen. Sie haben sich deshalb tapser geschlagen, haben sich in der Ebene von Plewua lodtschießen lassen, aber da« ihnen Versprochene blieb— Versprochenes. Man meinte schon in den oberen Kreisen, die dummen Kerle von Bauern denken nicht mehr an das Versprochene, al« vor einigen Wochen plötzlich die Bauern Haufen- weise in Bukarest erschienen und ohne viele Worte den ihnen ver- sprochenen Grund und Boden forderten. Die Bauern in den Dörfern blieben nicht zurück, Tausende von Unterschristen wurden gesammelt und ebensoviel- Aufrufe behufs dieser gerechten Forderung verbreitet. Alles schien in ruhiger Weise zu verlaufen, aber die Regierung und ihre Helfershelfer, Bratianu an der Spitze, hielten e» für ihre Pflicht, mit Gewalt gegen diese Bewegung vorzugehen, die nach Bukarest gekommenen Bauern zu verhaften und ihnen statt de« versprochenen Boden» Zellengesängniß zu geben. Al» sie in der Kammer deshalb interpellirl wurde, antwortete die Regierung durch ihren Premierminister, daß die Bauern von verdächtigen Persönlichkeiten bearbeitet werden, und daß diese Bewegung nur eine„krankhaste Zugluft" sei. Die Opposition war der- selben Meinung, und die Herren Volksvertteter beschlossen ohne Unterschied der Parteischatlirungen, eine Kommission zur Untersuchung dieser Affäre einzusetzen. ES ist dieselbe Komödie wie im vorigen Jahre, al» Regierung und Opposition für das Gesetz gegen die Ausländer(sage: Sozialisten) votirten. Inzwischen find strenge Befehle erlassen worden, die Bauernbewegung nach Kräften zu ersticken, das Sammeln von Unterschristen zu hinter- treiben und die sogenannten Rädelsführer hinter Schloß und Riegel zu bringen. In den Journalen hat sich über diese Angelegenheit eine lebhaste, aber unfruchtbare Polemik entsponnen. Die offiziellen Blätter beschuldigen die Opposition, diese Bewegung hervorgerufen zu haben, um im Trüben fischen zu können und einen Staatsstreich vorzubereiten. Die Oppositionsblälter ihrerseits beschuldigen wiederum die Regierung, daß sie den„Samen der Zwietracht" unter die Bauern gesäet habe, und zwar durch ein im Bour- geoissinne redigirte« Gesetz über den Bodenkredit. Unterdessen macht die Propaganda unter den Bauern ungeheure Fort- schritte, die Symptome dieser Bewegung findet man in fast allen Haupt- zentren des Landes. Wenn man uns aber von„ausländischen Wühlern" spricht, so ist diese Redensart schon zu sehr abgenutzt, um irgend einen Eindruck auf uns ausüben zu können. Wir Sozialisten wissen, wo der Haken steckt, und nur die dickhäutige, im Fette erstickend- rumänische Bourgeoisie bemerkt es nicht. Bei un» weiß da« Volk sehr gut, daß der Grund und Boden ihm von Rechtswegen gehört, es hat den Sinn für Kollekttveigenthum, welche» !. V. in der Gebirgsgegend von Brancia noch in Gellung ist, noch nicht ver- loren, ebensowenig wie es die von den Prinzen und Bojaren begangenen Plünderungen vergessen hat. Nahe an Rußland gelegen, hat fich der dortige agrarische ländliche Terrorismus seit zwei Jahren auch zu uns auf das andere User des Pruths verbreitet. Schon im Frühjahr diese« Jahre« sprach fich das Landvolk offen dahin aus, daß man doch die Grundbesitzer todtschlagen und den Boden den Bauerngemeinden geben solle. Es ist leicht begreiflich, daß die Versprechungen der Regierung die Hoffnungen der Bauern nur noch verstärkt haben— und die Bauern, da sie das Philosophiren nicht verstehen, wollen Alles sofort in's Praktisch übersetzen. Sie haben ihr Werk friedlich begonnen, aber die Bourgoifie beweist den Bauern, daß das einzige Mittel, sich Gerechtigkeit zu verschaffen, in der Revolution zu suchen sei, d.h. in der Anwendung der brutalen Gewalt. Kommt es dahin, so wollen wir hoffen, daß die Fackel auch durch unsere Gaue ihren Triumphzug halten werde— und wehe den Söhnen der Vergangenheit, denn alle Sünden ihrer Ahnen werden sie büßen müssen! Soviel ist gewiß, daß in einem ernsthaften Momente die Bewegung in Südrußland auch bei uns zum Signal eine« Aufstandes werden wird. Da» arme, aber im höchsten Sinne revolutionäre rumänische Volk hat den Bortheil einer großen Empfänglichkeit, und gleichzeitig mit der rein agraren Bewegung macht auch die sozialistische Bewegung bei uns große Fort- schritte. Die Jugend geht Hand in Hand mit dem Volke, was uns hoffen läßt, daß alle Bertheidiger von Gerechtigkeit und Freiheil sich ihres Namens würdig erweisen werden. Sollte die langersehnte Stunde schlagen, so wird mau sie tapser au der Seite de« Volke« kämpfen und eher mit ihm sterben als es verrathen sehen. Roch ist zu bemerken, daß wir noch eine andere Art Bewegung haben, nämlich die der„Rumania Jrredenia", worüber ich in meinem nächsten Briese Näheres mittheilen will. Unsere Devise aber ist und bleibt, wie da« rumänische Volk singt: „Arbeiter, nimm die Maschine, Bauer, nimm den Boden!" Mit sozialdemokratischem Gruße! Ein Rumäne." Korrespondenzen. — Großenhain, 28. Juni. In Nr. 23 des„Sozialdemokrat" befindet sich ein Bericht Uber die in unserem Kreise statlgefundene Reichs- ragsnachwahl, welcher an Entstellungen von Thatsachen da» Möglichste leistet. Ts ist wahr, und darin find wir mit dem Einsender vollkommen einverstanden, das Resultat hätte ein besseres sein können; doch daran tragen wir nicht die geringste Schuld. Unsere Organisation, wenigstens hier in Großenhain, ist gut, daß dieselbe in Meißen viel zu wünschen übrig läßt, ist nicht unsere Schuld, wir übernehmen auch keine Verant- antwortung dafür. Als Beweis wollen wir nur anführen, daß uns die Unterstützung der Opfer de« infamsten aller Preßprozesse, welcher wohl bei allen Genossen noch in frischem Andenken steht, ausnahmslos über- lassen ist, und eine Kleinigkeit ist das nicht, das wird wohl Jeder zugeben, der die Verhälmisse einigermaßen kennt. Unsere Organisation speziell für die Wähl hier breit zu treten, halten wir nicht für gerathen, könnte aber nölhigensalls geschehen. Den uns in dieser Beziehung gemachten Vorwurf weisen wir ganz entschieden zurück. Ter Hauptgrund, weshalb wir kein besseres Resultat erzielten, liegt darin, daß unsere Abgeordneten nicht besser, als es geschehen, auf dem Posten waren. Wir meinen, und mir uns jedenfalls die meisten Genossen, daß, wo sich eine Gelegenheit dieret, zum Volke zu reden, dieselbe nach Kräften ausgenützt werden muß, und eine solche Gelegenheit bot der verflossene Wahlkampf, denn in allen Versammlungen, und es waren deren viele, war volle Redefreiheit. Der Einsender schreibt freilich:„In nur wenigen Versammlungen konnten wir reden" u. s. w., dies geschieht aber nur, um Alles unserer schlechten Organisation in die Schuhe schieben zu können. Hätten uns also unsere Abgeordneten, wie dies Volkmar und K r S ck e r gclhan, vorzüglich ersterer, welcher uns trotz seiner verstümmelten Beine zweimal aus der Roth hals und den Gegnern in gut besuchten Versammlung mit durch- schlagendem Erfolg entgegentrat, nach Kräften unterstützt, wir wären sicher zur Stichwahl gekommen. Ein Unglück für uns war es, daß unser wackerer Geyer nicht unter uns sein konnte, denn ersten« hätten wir dann eine gute organisatorische Kraft mehr gehabt, und zweitens hätten wir— und das ist für unseren Kreis noch viel höher anzuschlagen— dann einen ständigen Redner für die vielen Versammlungen gehabt, denn daß derselbe in dieser Beziehung unermüdlich ist, hat er schon längst zur Genüge bewiesen. Soviel zur Richtigstellung des Berichtes in Nr. 23. Die Großenhainer Genossen. Am 1. Juli verlassen wieder zwei Genossen das Gefängniß, es bleibt dann neben Geyer, welcher am 15. August entlassen wird, nur noch einer in Haft. (Wir haben diese Korrespondenz unverändert aufgenommen, hallen uns indeß für verpflichtet, unseren Korrespondenten gegen den Vorwurf der Entstellung von Thatsachen in Schutz zu nehmen. Er hat in seiner Kor- respondenz nicht mehr gesagt, als die Großenhainer Genossen oben selbst zugestehen, es ist ihm aber nicht eingefallen, diese für die bei der Wahl zu Tage getretenen Uebelstände verantwortlich zu machen. Die Mißstim- mung der" Großenhainer Genossen rührt daher, daß sie, wie aus einem für uns bestimmten Zusatz ersichtlich, bezüglich des Verfassers der Kor- respondenz auf absolut falscher Fährte find. Derselbe ist viel- mehr ein Parteigenosse, welcher den Opfermuth und die vorzügliche Or- ganisation der Genossen in Großenhain gerne anerkennt. Was die UnterstützungSjrage anbetrifft, so haben, soviel uns bekannt, die Großenhainer Genossen freiwillig die Last, von der sie oben sprechen, auf sich genommen. Wir halten uns für verpflichtet, dies hier zu konstaliren, um Mißdeutungen vorzubeugen. Inwieweit unsere Ab- geordneten ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, können wir natürlich von hier nicht unrersuchen, bemerken wollen wir aber, daß Kayser, der den dortigen Wahlkreis am Besten kennt, Dank seiner Ausweisung dort nicht auftreten konnte, und daß Liebknecht zu der von den Fortschrittlern einberufenen Versammlung rechtzeitig erschienen war, aber Dank der„Demokratie" dieser Herren nicht zum Worte kam. Anmkg. der Red.) Stuttgart. Tie von den Lichtern der Volkspartei mitgeleiiele „Volksbank" ist mir einem Defizit von etwa 2'/, Million Mark glücklich verkracht. Hunderte kleiner Geschäftsleute verlieren nicht nur ihre Ein- lagen, sondern sind auch noch mit ihrem bischen Vermögen nach dem Genossenschaflsgesetz hastbar. Trotzdem, wie es sich jetzt herausgestellt hat, die Bank schon seil vier Jahren Uberschuldet war, wurde von den Volksfreunden auf das tollste fortgewirthschaftet, und sind dadurch die Mitglieder um Alles gebracht worden. Die Entrüstung ist darum aber auch gegen die Leiter eine Allgemeine. Bis jetzt haben sich dieselben zwar mir ihrem„Ersparten" noch behaglich gefühlt, aber nun soll die Vergeltung kommen in Gestalt des Staatsanwaltes, der die sofortige Inhaftnahme der drei Direktoren der Bank beantragt haben soll.— Nun, zu wehe wird man ihnen nicht thun; die Leutchen haben ja nicht verbotene Schriften verbreitet, auch nicht geheimer Verbindung angehört, es sind auch nicht Sozialdemokraten, sondern nur dem Namen nach brave Demokraten und FortschrittShcrrschaften. Daß sie die Gelder der Mitglieder und anderer Leute natürlich nur in deren Interesse verspekulirt haben, daß durch sie so und so viele Existenzen ruinirt sind, ist eben„unglücklicher Zufall, Geschäfts- Unglück" u. s. w., was der besten Slaatsstütze auch pasfiren kann. Wie schade um die schönen Tantiemen und Gratifikationen, die dabei für die hohen Leiter verloren gehen! — Stuttgart. Obgleich wir längere Pause mit Berichterstattung eintreten ließen, dürfen die Genossen nicht annehmen, daß wir dem süßen Nichtsrhun huldigen. Im Gegenrhcil, es wird lustig forlgcarbeiter. Bei der Rcichstagswahl hat das letztemal unser Kandidat allerdings keine höhere Slimmenzahl wie bei den vorhergegangenen beiden Wahlen .erhalten, aber die Aufklärung, die wir in die Massen brachten, ist denn doch so bedeutend bemerkbar, daß wir bei weiteren Wahlen sicherlich ein glänzende« Resultat werden aufweisen können. Die Bolkspartei, sonst in der Stimmenzahl bedeutend hinter uns zurück, hat nur durch die politische Aufklärung der Massen durch uns, ihren im Verein mit anderen so- genannten Freisinnigen aufgestellten Kandidaten durchgebracht. Darob großer Jubel und Siegesgewißheit für die ferneren Wahlen bei den Volksparteilern. Aber irren ist menschlich, und so wird es wohl auch bei der Volkspartei kommen. Zu diesem Siege hat hauptsächlich beigetragen, daß die Masse besonders der Landbevölkerung, durch unser rastloses Arbeiten angeregt, angefangen hat, über ihre Lage und ihre politische Stellung im Staate nachdenken. So schnell vermögen die Leute fich freilich nicht empor zu raffen, um sofort uns ihre volle Sympathie zuzuwenden, und so haben sie diesesmal noch, durch die Freiheitsphrasen der Bolkspartei und durch die Popularität de« Kandi- baten derselben bethört, ihre Stimmen diesem zugewendet. Daß damit ein Bock geschossen wurde, ist vielen der Wähler schon klar geworden und werden noch mehr davon überzeugt werden. Die nächsten Wahlen werden den Beweis liefern. Am 18. März hielt Genosse S i e v e r s anläßlich seiner Tags darauf erfolgten Abreise nach Amerika seinen Abschied. Massenhaft waren die Genossen versammelt und trotz Anwesenheit der Polizei ist bei dieser Gelegenheit die Feier des 18. März in einer Weise zum Ausdruck ge- kommen, daß e« eine wahre Freude war. Am 2V. März war allgemeine Arbeiterversammlung in der Bardilischen Brauerei mit der Tagesordnung:„Das Tabakmonopol." Freie Diskussion für Jedermann wurde schon in den Annonce» zugesichert. Schon vor Beginn der Versammlung war das Lokal vollständig gefüllt, und auch die Polizei war ziemlich stark vertreten. Genosse Dietrich sprach vom volkswirthschaftlichen und politischen Standpunkte aus in einer Weise gegen das Monopol und geißelte das Verfahren gegen die Arbeiter der- artig, daß der konservative Redakteur und Eigenthümer des„Schwäbischen Merkur", Dr. Elben, bekannte, daß die Ausführungen de« geehrten Herrn Vorredners(wie er ihn nannte) einen tiefen Eindruck aus ihn gemacht haben. Trotzdem wollte er die Arbeiter dafür gewinnen, der Regierung größeres Vertrauen entgegen zu bringen. Damit machte er aber in der Versammlung vollständiges Fiasko. Der auch anwesende Redakteur der konservativen„Reichspost", Treiber, der sonst so gern auf den Arbeiter- fang gehl, fand nach der Niederlage seines Parteifreundes denn auch nicht mehr den Muth, ihm helfend zur Seite zu stehen. Mit dem gleichen Thema fanden Versammlungen in Gmünd und Eßlingen statt, und hatte in beiden Orten Dietrich das Referat übernommen. Die Volksparteiler, durch unser Vorgehen aufgerüttelt, glaubten nun auch etwa« in dieser Sache thun zu müssen und setzten mit großem Pompe eine Monopolversammlung im Bürgermuseum in Szene. Mit ihren Phrasen und ihrer heiligen Scheu, den richtigen Kern der Sache zu be< rühren, waren sie jedoch nicht im Stande, Eindruck zu erzielen, und mußten sie erleben, daß in einer f ü r das Monopol abgehaltenen kon- servativen Versammlung Dr. Elben einen Vergleich anstellte zwischen der Arbeiter- und Volkspartciversammlung, die entschieden zu unser» Gunsten ausfiel. Eine weitere Versammlung mit der Tagesordnung: D i e G e s e tz- entwürfe der Kranken- und Unfallversicherung fand den 31. Mai im Saale des Schützenhauses statt. Unsere Reichstags- abgeordneten Grillenberger, Dietz und Kayser, jeder bei Betreten der Tribüne mit stürmischen Bravo's begrüßt, unterzogen diese Entwürfe und die Reformbestrebungen des Reichskanzlers der Reihe nach scharfer Kritik und ernteten begeisterten Beifall. Die Stimmung der Anwesenden war eine sehr gehobene und die andern Parteien durch das unerwartele Auftreten dreier sozialistischer Abgeordneten in hiesiger Stadt so verblüfft, daß ihre Zeilungsorgane diese Versammlung mit ihren Rednern nur kurz registrirten. Da wir nun gerade beim Bericht über diese Versammlung sind, wollen wir noch erwähnen, daß das Fehlen de« Rcichstagsabgeordneten Geiser in derselben allseitiges und nach unserer Ansicht begründetes Befremden erregte. Obgleich er in Stuttgart wohnhaft ist, hat ihn ein großer Theil der hiesigen Genossen noch nicht einmal zu Gesicht bekommen, und noch weniger ist bei ihm von öffentlichem Auftreten die Rede. Am 1. Juni referirte Kayser über Kranken- und Unfallversicherung in einer Versammlung in Hall. Auch dort war die Stimmung eine ausgezeichnete, obwohl die Versammlung nicht besonder« stark besucht war, da, um ein Verbot, zu verhindern, der Reierent nicht im Voraus be- kannt gemacht wurde. Durch die Kassierung der W a h l R i e ck e r t's findet im U l m e r Wahlkreise eine Neuwahl zum Reichsrage statt, und werden diese« Mal unsere Genoffen im dortigen Wahlkreise energisch für ihren eigenen Kandi- daten eintreten. Unsere braven Heidenheimcr fangen jetzt schon an, dies- bezüglich thäiig zu sein. Bei der vorigen Wahl hatten sich viele Genossen von der Volksparrei sangen lassen; dieses Mal gibt sich diese Partei vergebliche Mühe, deren Stimmen zu gewinnen. Wes Geisteskinder die VolkSpartciler auch dorren sind, ergibt sich daraus, daß deren Borstand und Hauptagitator im dortigen Wahlkreise— Freieslcben heißt der Freifinnige— sich an Windthorst mit der Bitte wandte, dahin zu wirken, daß katholischerseits kein eigener Kandidat aufgestellt werde, damit sie ihren Kandidaten eher durchbringen können. Also diese Helden spielen sich nach außen als Freiheitsmänncr auf, und unter der Hand erniedrigen sie sich zu Bittstellern an die kirchlichen Dunkelmänner. Ob Windthorst diese Bitte erhören wird? Lustig wäre es, wenn sie mir Spott von ihm abgewiesen würden. Tie Volkspartei traut sich überhaupt nicht mehr, selbständig auszu« treten. In Stnttgart verbindet sie sich mir sogenannten Freisinnigen und stellt im Verein mit diesen einen Kandidaten aus, der nicht einmal der Volksparlei angehört, da sie wohl wußte, daß eine Größe der Bolkspartei mit Glan, durchfiele. In Heilbronn bringt„ihr Härle", um die Stimmen der Reichstreuen sich zu erhalten, ein Hoch aus auf den Hohenzollernkaiser, und im Reichstag erklärt ihr Bolkstribun Karl Mayer, aus dem Boden der Reichsoerfassung zu liehen. Schöne Gesellschaft das! Apropos, Hänle, der Kandidat der Volksparlei im Ulmer Wahlkreise, ist als Fabrikant im gewöhnlicken Leben ein Ausbeuter eben so schlimmer Sorte wie der größte Reaktionär. Von unserer Seite wird Bebel auf- gestellt. Vor einigen Wochen war nach längerer Pause wieder in drei Wob- nungen Haussuchung nach verbotenen Schriften. Die Ursache soll Denun- ziation aus Privatrache sein. Nur in einer Wohnung wurden zwei Nummern„Sozialdemokrat" gefunden. Ob es noch ein Nachspiel gibt, ist bis jetzt nicht bekannt. Auch dem Genossen Schlüter wurden kürzlich zwei Kisten mit Tabakfabrikaten auf dem Güterbahnhof polizeilich durchsucht. Natürlich kein anderes Resultat, als daß die Polizisten einen Theil der Waaren beim Durchschnüffeln beschädigt haben. In der Buchdruckcrei bei Dietz hatte eine Haussuchung nach der Vollmar'schen Rede über das Tabakmonopol ebensowenig Resultat. Unser Polizeikommiffär Honold, der famose Ver fertig er des MajestätSbeleidigungsprozesses gegen unsern Genossen Motreler, womit fich anno 1878 die hiesige Polizei und der Streber Staatsanwaltschaft«- gehilfe Nestle so gottsjämmerlich blamirren. bar. obgleich Bräutigam, mit einem Frauenzimmer, das einem Genossen zu unsittlich war, um ein mit ihr angefangene« Verhälmiß fortzusetzen, Liebschaft angefangen und sucht nun in Gemeinschaft mit einem andern Kommissar, der sich an deren Freundin hält, bei Champagner- und anderen Orgien Denunziationen zu erhaschen. Glück werden sie in letzterem Punkte wenig haben, denn was sie hören könnten, wäre für sie nutzlos. Aber bezeichnend für diese Sorte Streber ist, daß sie im Bemühen, nach oben gut angeschrieben zu werden, das nach ihrer Ansicht Nützliche mit dem Angenehmen stets zu verbinden suchen. Wollust beim Verbrechen zu empfinden, ist ja von jeher das Streben der gemeinsten Verbrecher. Wir sind auf dem Posten und werden es bleiben und werden so lange rastlos lhätig sein, bis da« erstrebte Ziel erreicht ist— der freie Volks- staar.— Hoch die Sozialdemokratie! — Reichenberg in Böhmen. 30. Juni. Soeben wurde hier der Redakteur� des„Arbciterfreund", Genosse F. Hannich, ver- hastet. Er soll morgen �Samstag) nach Prag lransportirt und dort dem Landesgerichle, auf dessen Requisition die Verhaftung geschah, ein- geliefert werden. Bei zahlreichen Personen in Reichenberg finden augenblicklich Haussuchungen statt. Höchste Vorsicht im Briesverkehr dort- hin ist anzuempfehlen, da möglicherweise alle Briefe für den „Arbeilersreund" oder sonstig bekanntere Genossen dem Prag er L a u d e« g e r i ch l in die Klauen„gespielt" werden dürften. tf miilifliil ff- flj||- m f r Daß während des Duxer Bergarbeiterstreiks im Ganzen ca. 1400 Personen verhaftet und davon 800„abgeschoben" worden sind, verdient in der Geschichte des seinen Todesgang antretenden Kapitalismus mit rothen Lettern verzeichnet zu werden. So wird in Oesterreich die soziale Frage gelöst. Die Antwort dürfte nicht zarter ausfallen! — Rewnork, 20. Juni. Auf's Neue angeregt durch ein Schreiben des soeben au» Deutschland eingewanderten Genoffen H a d l i ch, be- schäftigte sich der hiesige Arbeiter-Fortbildungsverein in einer seiner letzten Sitzungen wiederum mit der Einwanderung von Parteigenossen.(Unser alter braver Genosse war nämlich wie so viele der Neuankommenden ein wenig„hereingefallen", d. h. sogenannten„Gasthaus-Runneru" in die fände gefallen.) Wir fordern daher alle in Zukunft hier einwandernden enoffen ans, sosern sie hier persönliche Bekannte haben, den- selben ihre Ankunft, d. h. den Namen de« Dampfers, mit dem sie reisen, vorher anzuzeigen. Wenn das nicht möglich ist, wegen Zeit und Um- ständen:c., so telegraphire man bei der Landung in„Castle-Garden" und warte dort einige Stunden auf die verlangte Person. Wer keine Bekannten hier hat, wende fich an das Stanton-Hotel, Stanton-Street (sprich Stent'n-Striet). Auf keinen Fall aber gehe man mit dem ersten Besten. Es wimmelt hier von allerlei Hallunken, die die Bauernfängerei in hohem Grade ver- stehen. Im Allgemeinen sei noch bemerkt, daß die Erwerbsverhältnisse gegen- wärtig durchaus nicht glänzend sind, weshalb vor dem Auswandern ins Blaue hinein nicht genug gewarnt werden kann. Namentlich ist es in der Maschinen. Branche sehr flau, ebenso in der vor Kurzem noch so florirenden Zigarren-Branche. Auch die Schuhmacher sind hier unverhälwißmäßig schlecht gestellt. Der Unterzeichnete ist übrigens gern bereit, aus spezielle Anfragen soweit es ihm möglich Bescheid zu erlheilen. Mit bestem Gruß Im Auftrag des Arbeiter-Fortbildungsverein« E. Kirchner, 448 E 13. Street. — Eine Mahnung. In einem Dorfe bei einer großen Stadt liegt die Organisation seit längerer Zeit arg darnieder. Der Grund ist in der UnPünktlichkeit der Vertretung diese« Orte« zu suchen. Trotzdem die alten Parteigenossen vollständig ihren Verpflichtungen nachkommen und auch in steter Verbindung mit dem Vertreter eines anderen Ortes sind, so bin ich dennoch der festen Ueberzengung, daß, wenn sie wieder auf eigenen Füßen stehen würden, mehr herausznbringen wäre. Es handelt sich meiner Ansicht nach doch nicht nur um Be- und Versorgung der„alten Hähne", sondern auch um die Anwerbung neuer Mannschaften, denn wir brauchen Soldaten, und immer mehr Soldaten,— gernde wie Bismarck. Ich bitte deshalb die Parteigenossen, in dieser Sache bald etwas thun zu wollen. Welchen Ort ich meine, werden die Leser, denen es gilt, schon erralhen.?— Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Briefkasten der Redaktion. Korrespondenzen aus Hohenstein, Lemgo, Mann- heim, Pfalz, Greiz tc. in nächster Nummer. d e r E x p e d i t i o n. H. P. Schw.: Bs. v. 8. erh. Nachlfrg. mit 28 fort. Der„alte Hauschild" ließ uns zu lange ohne Instruktion.— Felix: Ab. 1. u. 2. Qu. gebucht. Folgen 34.— Gracchus W.: Mehr» bstllg. notirt. Avisirte« erwartet.--- h— n.; Mehrbstllg. folgt. Weiteres angenehm.— Lucius: Folgen 45. Bravo! Senden Sie 1 Bld. zur Anficht nebst Preis.- B. L. St. Jmier: Fr. 2.— Ab. 3. Qu. für B. erh. Sammelliste am 10/7 Addr. M. nachgesandt.— Per aap. ad. aat.: Bs. v. 8. erh. Gewünschtes steht zu Dienst, aber Addr. für W. fehlt. Rückständige« wahrscheinlich unterwegs verzögert. Gruß er- Wiederl.— Michel Stieber; Mk. 134,50 i Cto. Ab. jc. gutgebr. Weiteres erwartet.— A. B. C.(i. Cr.): Mk. 2,— durch Freundeshand erh. Wofür?— Ptsdm.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. Bfl. berichten Weiteres.— K. Keck E.: Mk. 1,65 Ab. 3. Qu. erh.— H. W. i. I.: Mk. 9,60 Ab. Juli erh. Mk. 20,40 d. Flgsds. dkd. zugew. Grüße bestellt u. unter Anerkennung bestens erwidert. Bitten um Signalwort statt Pprnkl.—, O. B. Lyon: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— Der Alte i. Grtzsch.: Mk. 18,— Ab. 3. Qu. erh. Nachlfrg. aus Mehrbstllg. folgt.— Eulen- gebirge: Mk. 6,— Ab. 3. Qu. erh.— Alle Flagge: Mk. 6,— Ab. 3. Ou. erh. Warum nicht mehr?— Mr. Louis Paris: Fr. 5,— Ab. 3. Qu. erh. Nr. 27 u. 28 giengen noch pr. Bf. an Bl., deshalb pr. 3. Ou. 40 Ct. Portozuschlag restirend. Däfern aber Bssdg. au Bl. fortzusetzen, sind Fr. 2,60 nachzuzahlen.-- r.: Fr. 16,75 Nachn. v. 17/5(pr. 1. u. 2. Qu.) erst am 8/7 v. d. Post ausbez. erh.— D. u. M. Lyon: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— G. G. B-Gl.: Mk. 3.— Ab. 3. Qu. erh.— O. Th. Ch.: Mk. 6,— Ab. 3. Qu. erh.— N. N. Salzstadt: Mk. 15,— Ab. 3. Ou. erh. Mehrgesandte? für Propaganda schwimmen lassen, gilt als Parteibeilrag, darauf begründet sich unsere seither billigste Preisnotirung. Weitere« beachtet.— I. Strauß N.-L).: Fr. 50,65(10 Toll.) a Cto. erh. P.-K. auch. Auszg. folgt.— A. Höhne N.-A.: Fr. 75,95(15 Doll.) ä Cto. erh.— Rother xam: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. f. tn. B. erh. Addr. geordnet.— Columbus: Bf. v. 10/7 kostet 50 Ct. Strafporto, weil 4 Gramm über 15 1!! Ausgepaßt! Beilagen besorgt.— Rasi: Bf. v. 8/7 durch Abg. erh. u. besorgt.-- h.: Bfe. v. 9. u. 11. erh. u. beanlw. Mehrbstllg. folgt n. Borschr.— Cfld.: Mehrbstllg. folgt. Addr. geordnet. Weiteres will- kommen.— H. Hillmann Brooklyn: Bf. v. 28/6 erh. Antw. bfl. Gruß!— Cb. Mayer Piltsburg: Sendung wurde nicht unterbrochen. Alles Weitere notirt.— W. S. Paris: Bf. v. 9/7 erh. Bestllg. folgt. Ldrbchr. v. D. übersehen. Bfl. mehr.— Schndrgen. Z.: Fr. 10,— Ab. 3. Qu. erh.— Rotber Franz: Fr. 14,50 pr. P.-K. u. 40 Pfg.— 50 Ct. Bsm. erh. u. Beides für B. pr. Ab. 2. Qu. u. Schst. gutgebr. Weiteres erwartet.— Zoroaster: Siehe Rthr. Frz. Weiteres notifizirl. Folgen 16.— Blutiger u. Mbrg.: 3 Expl. kosten Fr. 6)-, bezahlt sind Fr. 4,90. Rest Fr. 1,10.— Dorndistel: Qtlg. erfolgt erst nach Eingg. d Geldes. Jrrthümer sonst unvermeidlich.— Qdlbg.: Mk. 6,— Ab. 3. Qu. 2 Expl. erh.— A. L. B.: Mk. 24,- Ab. 3. Qu. erh.— Fbr. Obstrß.: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. erh.— Bon 3 armen Teufeln: Fr. 2,40 pr. Usd«. dkd. erh.— Winterthur: Fr. 17.- v. d. Verf. pr. Ufds. dkd. erh.— Caiilina: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. für Sm. bezahlt.— Dtsch. Ver. u. Wtt. Zch.: Fr. 4,— Ab. 3. Qu. 2 Expl. erh.—«lanc: Mk. 12,- ä Cto. Ab. erh. Delailgeschäft" derart unmögl. Bfl. Näheres.— I. K. Schffhs».: Fr. 4.— Ab. 3. Qu. erh.� Alles besorgt. Im Weiteren einverstanden.— Bon d. Eider: Mk. 7,— s. Ab. 3. u. 4. Ou. R. u. Schfl. erh., desgl. Mk. 3,— Ab. 3. Qu. Nm. Mehrbstllg. folgt.— A. Pttk. Rbg.: Mk. 6,— Ab. 3. n. 4. Ou. erh. Mk. 1,— f. Schstrest.— H. O. Pari«: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— Pfaffenseind 674: öwfl. 2,— auf Ab. 2. u. 3. Qu. gutgebr., da 2. Qu. noch offen. Letzte Zahlung v. 21/1 82 war für Ab. 4. Qu. 82 u. 1. Qu. 81, sowie Photgr. u. UfdS. Weiler Nicht« hier.— Poln. Feldpost: Fr. 230,— zum Ausgl. d. Cto. verwendet. Weiteres wird besorgt.— M. I. St. M.: Fr. 10.— Ab. 3. Qu. 82— 3. Ou. 83 ,c. durch Freundeshand erh.— M. G. Genf: Fr. 4,— Ab. 3. Qu. 2 Expl. erh. Nachlfrg. fort.— E. Z.: Fr. 2,— dem Ufds. v. Einsiedler dkd. zugew.— Th. V. Glasgow: Mk. 22,— Ab. 3. Qu. erh. I. An«Inn Comm. Arbeiter-Bildungs-Yerein inuunn Tottenham Street. Tottenhun Court Road. Die WlVthschaft dea Vereina iat geölinet von Morgena 9 bi» Xacht» 12 Uhr. Wir Brauchen die reisenden Qenoaaen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. e»«e',erisch»»«reiiiSduchdriiilerei HoUwgeii-ztlrtch.