Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag Boltsbuchhandlung Hottingen- Zürich. Joffendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz foften Doppelporto. M: 32. B Der Sozialdemokrat Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie Donnerstag, 3. August. vis an die Abonnenten und Korrespondenten des Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt ber Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr. 2.- für die Schweiz( Kreuzband) Mt. 3.- für Deutschland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Juferate Die dreigespaltene Petitz il 25 Sta. 20 Pfg. 1882. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Retommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den„ Sozialdemokrat" unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. e it fleines ist; und daß obendrein dieses verschwindend kleine KonJe schlimmer und ärger Sie und Ihre Freunde es treiben Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten tingent fast ausschließlich aus Unglücklichen besteht, bie in Folge desto schneller unser Machtzuwachs, desto näher der Sieg und Gemaßregelten nicht! Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetes. Für den Monat Juni sind noch folgende Eingänge nachzutragen: Hohenlimburg Mt. 2,80. München 30,-. Laufach 10,-. Kiel 20,-. Schwerin 10,-. Forst 8,-. Netzschkau( 6,50. Lübeck 31,47. Ronsdorf 20,- Forst 4,-. Ernstthal 2,-. Leipzig: Rante's Großmaul 2,50. Die Frankfurter Genossen quittiren den Empfang von Mt. 80, durch die in New- York befindlichen Ausgewanderten, und Mf. 16,- von G. G. G. M. K. in Bukarest für den Frankfurter Wahlkreis. Ein schamloses Pasquill. Wenn die heutigen Machthaber das Volk brauchen, dann schmeicheln sie ihm- locken es mit süßen Worten an sich heran, um ihm die Wolle abzuscheeren. Wie hat. Herr v. Bismard, der reaktionäre Oberdemagog, nicht in den letzten Jahren mit dem, armen Mann", mit dem kleinen Mann", kurz mit dem Volke geliebäugelt, wie ist sein Mund nicht übergefloffen von Honigseim, mit welcher Zärtlichkeit hat er nicht versucht, das liebe Volk den Händen der Ausbeuter" zu ent reißen, und nach Noten zu- beglücken! " 7 " Nun wir kennen diese Zärtlichkeit. Es ist die Zärtlichkeit jener Bauernfänger, die ihr Opfer liebkosen, um sich in sein Vertrauen und seine Taschen zu insinuiren. In Wirklichkeit fürchtet und haßt diese Gesellschaft das Volk, soweit sie nicht dumm genug ist, es zu verachten. Wenn sie es nicht für nöthig halten, sich zu verstellen, oder unwillkürlich aus der Rolle fallen und sich in ihrer wahren Gestalt zeigen, dann beschimpfen diese Gesellen das Volk auf das Pöbelhafteste. So heißt es zum Beispiel in dem vor Kurzem veröffentlichten VerwaltungsBericht des Berliner Polizeipräsidiums wörtlich wie folgt: unserer elenden Gesellschaftsorganisation außer Arbeit und Stellung gekommen sind. Die eigentlichen Verbrechen entstammen entweder den sogenannten oberen Klassen, oder sind durch dieselben direkt oder indirekt dazu gemacht. " 1 Was speziell die Sittlichkeit" betrifft, welche die Verfasser dieses Pamphlets in den Mund zu nehmen sich erdreisten, so kann kühnlich gesagt werden, daß die arbeitende Klasse die einzige ist, welche das Recht hat, sich sittlich zu nennen. Die Mutter aller Sittlichkeit ist die Arbeit; wäh: rend sprichwörtlich der Müssiggang aller Laster Anfang ist. Wo aber sind die Müssiggänger zu finden? Doch wahrhaftig nicht in den Reihen der arbeitenden und dienenden Klassen? Zum Müssiggang gehört Geld; nur die besitzenden Klassen können jene Horde von Tagedieben und Müssig gängern stellen, welche die Moral vergiften", die Weiber und Mädchenverführung systematisch betreiben, die Töchter des Proletariats entehren und prostituiren. Von wem lebt bie Prostitution? Doch nicht von den Arbeitern, bei denen die Herren Bourgeois dafür sorgen, daß ihnen das nöthige Klein- und Großgeld fehlt. Als der Reichstag vor sieben oder 8 Jahren sich mit der be: rüchtigten Novelle zum Strafgesetzbuch beschäftigte und einige Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft Lust hatten, von den Gefahren zu reden, welche der Familie und Sittlichkeit seitens der Sozialdemokraten drohen, da erklärte einer unserer Abgeordneten unter der Hand:„ Wenn das geschieht, werde ich eine Liste der Reichstags- und Regierungsmitglieder verlesen, von denen ich weiß, daß sie Maitressen haben." Die Liste war sehr lang, und die tugendboldigen Die Liste war sehr lang, und die tugendboldigen Bourgeoisvertreter unterließen es wohlweislich, die Sozialdemo Bourgeoisvertreter unterließen es wohlweislich, die Sozialdemo= kratie zu verläumden. Die Liste, wie gesagt, war lang und sie war bei Weitem nicht vollständig. Verschiedene Minister figurirten darauf; und würde sie jetzt erneuert und für Polizeibeamte geöffnet, so würde Herr von Madai, der Hauptverfasser dieses Pamphlets, mit an erster Stelle figuriren. Wenn man von Sittlichkeit spricht, hat diese Gesellschaft nicht das Recht, mitzusprechen. Die Niebertracht des oder der Pamphletiker wird aber durch deren Dummheit oder wenigstens Gedankenlosigkeit fast noch übertroffen. In demselben Satz, wo sie dem Volt seine Unfttttlichkeit und Völlerei verleumderisch vorwerfen, be flagen sie heuchlerisch die ungünstigen Geschäftsber: werb". Die arbeitenden und dienenden" Klassen fröhnen wohl der Sittenlosigkeit im Allgemeinen und der Völlerei im Besonderen mit dem Geld, welches sie nicht verdienen? Oder kennt Herr von Madai Kneiplokale und sonstige Stätten der Böllerei und Unsittlichkeit, in denen das Getränke und das Lafter gratis zu haben wäre? Mit Rücksicht auf die zunehmende Sitten: losigkeit des Volkes, namentlich des Arbeiterstandes und der dienenden Klasse und in der Erwägung, daß bei den ungünstigen Geschäftsverhältnissen und dem dadurch erheblich verminderten Erwerbe der Einwohnerhältnisse" und den erheblich verminderten Erschaft durch Vermehrung der Gelegenheit zur Ausübung der Völlerei nicht Vorschub geleistet werden darf, so hat sich das Polizeipräsidium entschlossen, den entsittlichenden Einfluß dadurch abzuschwächen, daß die Erlaubniß, nach 12 Uhr das Schankgewerbe auszuüben, jetzt nur in beschränkterer Weise ertheilt wird. Es kann gewiß nicht geleugnet werden, daß die in den letzten Jahrzehnten so vielfach vermehrte Gelegenheit zu Völlereien und Lüderlichkeit und deren Folgen wesentlich mit dazu beigetragen haben, den Arbeitern Anlaß zu geben, früher nie gekannte Bedürfnisse und Genüsse sich anzugewöhnen, in dem allabendlichen Wirthshausleben ihren färglichen Lohn zu vergeuden und ihre Vermögensverhältnisse zu zerrütten. Schließlich legen sie denn ihren Vermögensverfall der Regierung zur Last und deren Maßregeln, die sie für die üblen Folgen ihrer eigenen verderblichen Lebensweise verantwortlich machen, sie werden dadurch zu unzufriedenen Staatsbürgern und fallen der Sozialdemo tratie anheim, indem sie die Ursachen ihrer Noth und ihres Verkommens in angeblich schlechten, d. h. ihnen nicht zusagenden Staatseinrichtungen suchen und finden zu müssen glauben." So Herr v. Madai und seine Helfershelfer aus der Polizei und dem Ministerium des Innern, ohne dessen Apportatation und Sanktion dieses Machwerk nicht hätte veröffentlicht werden können. Wir haben es hier mit einem amtlichen Aftenstück zu thun mit einer wohlüberlegten Meinungsäußerung, die nicht abgeleugnet werden kann, die wir als getreues Echo der in den herrschenden und regierenden Kreisen giltigen Anschauungen betrachten müssen. Die Sittenlosigkeit des Volks, namentlich des Arbeiterstandes und der bienenden Klasse, nimmt zu." " Der Arbeiterstand und die dienende Klasse", das ist das Volt. Also die Sittenlosigkeit des Volts nimmt zu. Ein shamloseres Pasquill ist niemals verübt worden. Herr bon Madai und seine Helfershelfer haben sich nicht einmal bie Mühe genommen, die Polizeiakten, ja nicht einmal die Polizeiberichte in den Zeitungen über die gewöhnlichen Gerichtsverhandlungen der Presse zu lesen. Da würden sie finden, baß das Kontingent, welches den„ Arbeiterstand" und die„ dienende Klasse" zur Armee der Verbrecher stellt, ein verschwindend Das müssen übrigens sonderbare Arbeiter sein, die sich noch nach 12 Uhr Nachts in den Kneipen herumtreiben können. Nicht nur, daß sie die Taschen voll Geld haben müssen, scheinen sie auch des Schlafes entbehren zu fönnen. Oder will uns Herr Madai glauben machen, daß ihm die landläufigen Arbeitsbedingungen gänzlich unbekannt sind? Und wie albern ist der Schlußsatz des obigen Zitats: Weil das Volk sich der Völlerei und Sittenlosigkeit ergibt, fällt es der Sozialdemokratie anheim. Fehlgeschossen, Herr von Madai! Das Gefindel, welches sich der Völlerei und Unfittlichkeit ergibt, das steht, soweit es nicht ein Theil der guten Gesellschaft" ist, als Lumpenproletariat auf Ihrer Seite. Die Sozialdemokratie hat mit diesem Gesindel nichts zu thun. Darin hat jedoch Herr von Madai allerdings Recht: dieses Gesindel sei es nun vornehmer oder niederer Pöbel, seien es gesetzmäßige Blutsauger oder ungeseßmäßige Spitzbuben, Massenmörder oder Einzelmörder, Staats- oder Privatverbrecher -kurz, das ganze Heer unserer Unterbrüder und Ausbeuter: Patrone, Strolche und Mitstrolche, sie sorgen durch ihr schandbares, gemeinschädliches Treiben dafür, baß die Reihen der Sozialdemokratie sich immer mehr füllen. Diesem Gefindel aber, und namentlich dem hohen, geht Herr Madai nicht zu Leibe und darf er nicht zu Leibe gehen. Darum „ beschränkt" er die Nachtkneipen nur, aber er verbietet sie nicht. Gold überwindet heute Alles, selbst die Tugend des Berliner Polizeipräsidenten. Gegen die Böllerei und Lüderlichkeit Polizeipräsidenten. Gegen die Völlerei und Lüderlichkeit der herrschenden Klassen ist er machtlos. Er muß sie nicht nur dulden, sondern je nachdem auch mitmachen. Und ob sie hinter verschlossenen Thüren oder vor aller Welt, bei Tage oder bei Nacht, ihre Gelüste befriedigen und sich im Uebermaße berauschen, daß arbeitende Bolt weiß, wo sein Schweiß verpraßt und wie er verpraßt wird. der Sozialdemokratie! Guten Appetit, Herr von Madai! Das Loos der Verschickten“. Oft, nur zu oft, lesen wir in den Zeitungen, daß in Rußland wiederum so und soviel ,, verdächtige" Personen, zuweilen beträgt die Zahl derselben mehrere Hundert, auf administrativem Wege, d. h. ohne richterlichen Spruch oder auch nur Verhör, nach Sibirien verschickt worden seien. Welches Loos dieser Opfer zarischer Willkür wartet, davon liefert die nachfolgende wahrheitsgemäße Darstellung ein anschauliches Bild. Nikolai Lopatin, von dem dieselbe herrührt, ist der zweite Flüchtling, dem es gelungen ist, aus Nordostsibirien zu entkommen.( Mokriewitsch war der erste.) Sein Entweichen wurde schon im vorigen Jahre gemeldet, aber fast ein Jahr bedurfte er, um nach Ueberwindung unfäglicher Strapazen von seinem Verbannungsort aus unerkannt die Westgrenze Rußlands zu erreichen, eine wahrhafte Odyssee, deren Schilderung sich indeß aus leicht begreiflichen Gründen noch der Oeffentlichkeit entzieht. Genug, er überwand sie, und wir sind in der glücklichen Lage, den Freunden und Genossen Lopatin's mittheilen zu können, daß er sich gegen wärtig an durchaus sicherem Orte befindet. Da der Mehrzahl unserer Leser die Gründe, weshalb Lopatin nach Sibirien verschickt worden war, nicht bekannt sind, so wollen wir ste hier kurz anführen. worden Lopatin hatte sich seiner Zeit dadurch verdächtig" gemacht, daß er als Mitglied einer Arbeiter deputation obwohl von Hause aus wohlhabend und fast mit seinen medizinischen Studien zu Ende, war er nämlich, um für den Sozialismus erfolgreicher wirken zu können, Fabritarbeiter gedem Petersburger Polizeihauptmann derb die Wahrheit gesagt, und bei Gelegenheit der Freisprechung Wera Sassulipsch's die auf den Straßen versammelte Menge auf die Bedeutung und die Konsequenzen dieser Freisprechung aufmerksam gemacht hatte. Er war dabei erkannt und denunzirt worden und wurde kurz hinterher verhaftet. Vergebens stellte er wiederholt die Forderung, man möge ihn vor Gericht stellen, man begnügte sich, ihn blos" administrativ zu verschicken. Hören wir ihn nunmehr selbst: Die gegenwärtige Lage ist schrecklich, und von der Zukunft ist feine Besserung zu erwarten!... Heute geht es schlechter als gestern, morgen wird es schlimmer sein als heute. Wann wird das Alles ein Ende nehmen? Welche Hoffnung ist noch übrig geblieben? Was steht noch bevor? " Heute oder morgen fönnen zwei vollständig reisefertige Gendarmen erscheinen und mit„ ehrfurchtsvoller" Verbeugung dir Folgendes mittheilen:„ Wir ersuchen Sie, uns zu folgen; wir sind beauftragt, Sie nach dem... er Uluß*) zu führen, die Pferde sind bereit, halten Sie uns gefälligst nicht lange auf." Ganz unvorbereitet können dich diese Boten überfallen, du hast keine Kopeke für die lange und höchft beschwerliche Reise, hast vielleicht keinen Belz, ja nicht einmal Stiefel. Aber ,, Alles ist bereit", du darfst daher nicht säumig sein. Wofür und warum, willst du vielleicht den Ispravnik( Gendarmeriechef) fragen, der, pflichtgetreu, gekommen ist, dir Reisegeleit zu geben und Lebewohl zu sagen? Müffige Frage! Die Antwort ist immer und überall eine und dieselbe:„ Wahrhaftig, ich weiß es nicht, begreife es nicht, ich habe es selber nicht erwartet. Sie wissen, die höheren Behörden... Ich habe nur die Vorschrift, den Transport zu leiten und weiter nichts. Lassen Sie uns nur nicht länger warten, die Pferde sind bereit, der Kutscher friert." Der Gendarm wird dich in einen stinkenden Verbrechermantel einpacken, mit einer Rogoja( Binsenmatte) bedecken und dich sogar noch fragen:„ Sizen Sie bequem?" Und wieder wirst du mehrere tausend Werst geschleppt werden, bis man dich wie ein nußloses Ding in irgend einem Uluß, wo es feinen einzigen Menschen gibt, der russisch verstände, deinem Schicksal überläßt. Hungrig und erfroren wirst du im Walde gelassen, und zum Troste werden dir die Worte hingeschleudert werden:„ Sie können eine Bittschrift einreichen und um Hilfe ersuchen. Sie dürfen hoffen, nach 5-6 Monaten Antwort, resp. Speisegelder zu erhalten." Nach 5-6 Monaten! Und bis dahin? Bis dahin kannst du Hungers fterben. Das ist Alles, was ich zu erwarten habe. Sie sagen, ich sei vollberechtigter Bürger, ich sei der Bürgerrechte nicht verlustig, ich sei nur zeitweilig der Polizeiaufsicht unterworfen und habe nur das Recht verloren, den mir angewiesenen Aufenthaltsort zu verlassen. In Wirklichkeit bin ich aber nicht blos der Bürgerrechte, sondern auch der einfachsten Menschenrechte beraubt. Das Freizügigkeitsrecht existirt für mich nicht, die Familie ist mir entriffen, ich habe kein Verwaltungsrecht mehr über mein Eigenthum, irgendwelche Beschäftigung zu haben, ist mir verboten.( Nicht einmal das Recht, in einer Schenke Angestellter zu sein. Siehe Zirkular des Ministeriums des Jnnern.) Ich habe keine Möglichkeit, eine Zeitung, ein Buch zu lesen; es fehlt mir sogar die Möglichkeit, mit meiner Mutter zu forrespondiren. Was für Rechte habe ich denn? Das Recht, die Luft einzuathmen, das Wasser aus den großen sibirischen Flüffen zu benitzen, und das Recht, mich aufzuhängen oder zu ertränken, wenn letzteres überhaupt ein Recht genannt werden kann. Und wofür eine so grausame Strafe? Welchen Schaden habe ich der menschlichen Gesellschaft zugefügt? Welche Missethaten sind von mir begangen worden? Auch auf derartige Fragen bleiben mir die gewaltübenden Behörden die Antwort schuldig. Ich bin auf administrativem Wege verschickt worden, d. h. also ohne Angabe der Gründe, ohne jedes richterliche Erkenntniß. Ueberall heißt - meift *) Mit Uluß bezeichnet man die Niederlassungsplätze der nomadischen Jakuten. man mich mündlich und schriftlich„ Staatsverbrecher", ohne mir zu sagen, worin mein Verbrechen bestehe. " Diese oder ähnliche Gedanken erfüllen jeden auf administrativem Wege Deportirten, gegenwärtig also sehr viele russische Bürger, resp. Unterthanen. Dieses düstere Unbekannte, Unbestimmte, das ewige: Was bleibt mir im Leben noch übrig?" verläßt den Verbannten keinen Augenblick, nagt beständig an seinem fummervollen Dasein, martert ihn, läßt ihm teine Ruhe, macht ihn für jede geistige Thätigkeit unfähig, sogar das Versinken in einen lethargischen Zustand ist ihm unmöglich. Wen kann es da Wunder nehmen, daß eine große Anzahl der Verbannten, die auf solche Weise psychopathisch( trübfinnig) gemacht werden, sich vergiften, ertränken oder erhängen! Wer sich in einer derartigen Lage befindet, kann nicht anders, als nach irgend einem Ausweg suchen. Außer Selbstmord gibt es aber nur einen einzigen Ausweg: die Flucht! Sich zu flüchten, es komme, was da wolle! Sollte Jemand daran vielleicht zweifeln und fragen: Ist es denn wirklich so? Denken die russischen Verbannten wirklich nur an das Flüchtigwerden? Und wenn es der Fall ist, warum sind dann so Wenige flüchtig geworden? Tausende und Abertausende von Verbannten sind in sibirischen Landen zerstreut hingeworfen worden, und doch nur einzelne, dazu meistens erfolglose Fluchtversuche?" Dies mag aus der Ferne sonderbar erscheinen, die Sache erklärt sich aber sehr einfach dadurch, daß jedem Verbannten die Schwierigkeiten einer Flucht, die einen Erfolg geradezu ausschließen, wohlbekannt sind. Es sind dies der Mangel an jeglichen Geldmitteln, die Unkenntniß der Gegend, des ungeheuer langen und schwierigen Weges einerseits, sowie die außerordentlich strenge Aufsicht und die Hezzjagd nach jedem flüchtig Gewordenen anderseits. Dann aber weiß ein Jeder, daß seine etwaige Flucht die Verwaltungsbehörde nur aufreizen und veranlassen würde, sich an den Zurückgebliebenen zu rächen, und deren an sich schon traurige Lage noch schrecklicher zu gestalten. Nur Derjenige unternimmt daher einen Fluchtversuch, dessen Geduld und Ausdauer vollständig erschöpft sind, oder der die Nachricht erhält, daß seiner in Zukunft noch größere Gefahren warten. Ich war auf allerhöchsten Befehl" nach Ostsibirien deportirt worden, d. h. nicht auf Grund eines richterlichen Erkenntnisses, sondern vom Zaren selbst, fraft seiner selbstherrlichen Gewalt. Dieser allerhöchste Befehl" erfolgte Ende 1878; ich befand mich damals in Archangelsf ( nördlichste Provinz des europäischen Rußland. Red.), wohin ich zu einer Zeit verschickt worden war, da man sich noch genirte, Leute auf administrativem Wege nach Ostsibirien zu transportiren. Nachdem ich den halben Weg hinter mir hatte, wurde mir plötzlich in Tomsk Halt! geboten, und ich ward in Einzelhaft gelegt. Man warf mich in einen in vier Räume abgetheilte Keller; zwei dieser Räume dienten als Leichenzimmer, während zwei für unverbesserliche oder ihre MitGründe für diese gefangenen mißhandelnde Verbrecher bestimmt waren. Maßregel wurden natürlich nicht angegeben, wahrscheinlich hatte irgend ein Spürhund eine Denunziation an den Mann gebracht, und die Regierung gab sich der Hoffnung hin, mich auf Grund eines Richterspruches nach den Bergwerken schleppen lassen zu können. Gegen sieben Monate bereits hatte ich in diesem Keller fortvegetirt, als man mich in Gemeinschaft von 380 Mördern und Betrügern zu Fuß nach Irkutsk schickte. Der Marsch von Tomsk nach Irkutsk dauerte drei Monate. Die Nächte brachten wir in kleinen, aus einem schmutzigen Stall bestehenden Baraken, ,, Etapp" genannt, zu. Die Unzahl von Ungeziefer und die durch die Ausdünstungen so vieler Menschen verpestete Luft bewirkten es, daß die Nachtstunden statt Stunden der Erholung Stunden der Ermüdung für mich wurden, schlimmer als die Stunden des Tages. In Irkutsk mußte ich wiederum sechs Wochen Einzelhaft im Gefängniß zubringen; statt Nahrung gab man mir 15 Kopeken pro Tag, eine Summe, die gerade dazu hinreichte, zwei Pfund altgebackenen Roggenbrodes zu kaufen; die mir von Verwandten zugeschickten Gelder wurden zurüdbehalten!! Von Irkutsk schickte man mich nach der 200 Werft entfernten, abseits der Land- und Poststraße am Flusse Angara gelegenen Stadt Balaganst. Der Name„ Stadt" ist durchaus nicht im europäischen Sinne zu verstehen. Balagansk ist ein Dorf von etwa 200 kleinen Häuschen, hat weder Post- noch Telegraphenstation. Es wird nur deshalb Stadt genannnt, weil es einen Ispravnik( Polizeichef), eine Polizeiabtheilung, sowie mehrere speziell zur Beaufsichtigung der Verbannten bestimmte Gensdarmen beherbergt. Die eingeborene Bevölkerung, einfache, unwissende Bauern, beschäftigt sich nur zum Theil mit Ackerbau, zum größten Theil lebt sie von der Jagd. Jedem neu ankommenden Verbannten wird feierlich eröffnet, daß er verpflichtet ist, sich beständig in dieser Stadt" aufzuhalten, daß er auch nicht einen Schritt aus ihrem Rayon heraus unternehmen darf, daß er ohne vorhergegangene Erlaubniß des Jspravnik weder Briefe schreiben noch erhalten, weder Zeitungen noch Bücher empfangen darf, daß ihm der Besis von Waffen untersagt ist, daß er keine Beschäftigung wählen darf, welche ihn mit der ein. heimischen Bevölkerung in irgend welche Berührung bringt, daß er aber und nun kommt das Beste von dem Vorhergehenden abgesehen ,,, vollständig frei" ist. Wie sollte ich mir die nöthigen Lebensmittel beschaffen, auf welche Weise mich ernähren? Die menschenfreundliche Behörde liefert dem Verbannten nur gerade soviel Geld, als er für den Ankauf von Brod bedarf, sonst aber überläßt sie ihn seinem Schicksal. Anderthalb Jahre hatte ich in Balaganst mein Dasein gefristet, als es der Behörde einfiel, mich noch weiter zu befördern, und zwar in eine in jeder Beziehung ungünstigere Gegend, nach der 300 Werst von Irkutsk entfernten, am Ufer der Lena gelegenen Stadt Wercholenst. Es war dies ein Racheakt für die gelungene Flucht eines anderen Verschickten, der ebenfalls in Balagansk detinirt war. Obwohl der Bezirksarzt bescheinigte, daß die Uebersiedelnng mir das Leben kosten könne, da ich kaum angefangen hatte, mich von einem schweren Typhus zu erholen, und außerdem an hochgradigem Skorbut litt, so wollte die Behörde doch von alledem nichts wissen, sondern sette ihren Willen ohne jede Rücksichtnahme durch. Ich war faum an meinem neuen Aufenthaltsort angelangt, als die Nachricht von der Tödtung Alexander II. eintraf; ich, sowie die übrigen StaatsTreueid verbrecher wurden von der Behörde aufgefordert, den zu leisten. Welche Fronie! Sie nennen dich Staatsverbrecher, sie schicken dich 7000 Wer st weit zu den Wilden, sie haben dir Heimath und Familie genommen, dich einem langsamen Hungertod überliefert, und gleichzeitig sie spielen mit deinem Leben wie mit einem Balle stellen sie an dich das Ansinnen, einen Treneid zu leisten; du sollst dich eidlich verpflichten, dein Leben für deine Beiniger freiwillig zu opfern, du sollst dich selbst den Diener deines Feindes nennen! Diesen jedem Gefühl von Menschenwürde hohnsprechenden Eid fordern sie dir ab unter Androhung noch größerer Qualen im Weigerungsfalle! Selbstverständlich wies ich den Treueid ohne Weiteres zurück! Darauf kommt nach Verlauf von einem halben Jahre der Befehl, mich 4000 Werst weiter nach Norden zu transportiren, nach Kolymsk, dem äußersten von Menschen bewohnten Orte in Nordostsibirien, jenseits des Polarkreises, wohin selbst Nordenskiöld sich nicht wagen durfte! Diese unmenschliche Maßregel nun bewog mich, unter Zustimmung und auf Wunsch meiner am Ort befindlichen Leidensgenossen, mich aus dem Joche zu befreien: Jch entfloh. Die Behörde von Jrkutsk gerieth bei der Nachricht von meiner Flucht ganz außer Fassung, vier Jahre lang war das Opfer in ihren Händen gewesen, und nun auf einmal ein gelungener Fluchtversuch! Eine unbeschreibliche Hetjagd wurde in Szene gesetzt, hunderte von Exemplaren meiner Photographie wurden nach allen Richtungen verschickt, ein Preis Alles von 600 Rubeln dem, der mich ergreifen würde, versprochen -vergebens, es gelang mir, allen Nachforschungen mich zu entziehen, ich entfam. Freilich war die Rückreise nicht leicht: 7 Monate brauchte ich allein dazu, unerkannt von Irkutsk bis nach Moskau zu gelangen. Es war der Winter, ich riskirte, im Walde der Kälte zu erliegen; in Tomst, Hauptstadt von Nordsibirien, mußte ich u. A. drei Tage lang absolut ohne Nahrung zubringen, erst am vierten Tage gelang es mir, meine Mütze zu veräußern und für den Erlös Brod zu kaufen. Die durchaus nicht uninteressanten Einzelheiten der Flucht und der Rückreise will ich vorläufig nicht näher angeben, da ich keine Luft habe, der russischen Polizei, wenn auch unfreiwillig, Dienste zu erweisen." Verbrecher- Album. Verbrecher- Album. Wir sehen heute einen Preis aus, nicht einen Preis auf den Kopf irgend eines Verbrechers, denn erstens find wir noch nicht so weit, zweitens dürfte der Kopf der Verbrecher, mit denen wir es zu thun haben, in den meisten Fällen nicht zu finden sein, drittens sind die Burschen mit oder ohne Kopf keinen Preis werth; und viertens können wir ihnen auch ohne Preisaussetzung die verdiente Strafe verabreichen, wir bieten also keinen Preis auf, sondern einen Preis für eine der Zierden unseres Ihr Verbrecher Albums! ( Sind wir nicht sehr gute und großmüthige Leute? Bedenkt Euch, nun, wir wollen heut parlamentarisch sein, und Euch nur einen Strich als Ehrentitel geben- ein Strich bedeutet etwas in guter Gesellschaft und unter anständigen Menschen Unnennbares, Unaussprechliches). Ein Preis für eine der Zierden unseres Verbrecher Albums, ein Preis für " Herrn Polizeirath Holly in Halle. nein von Holly, wir bitten diejenigen Herr Polizeirath Holly Bürger um Verzeihung, die sich durch Versetzung des Herrn Polizeiraths Herr in den Bürgerstand etwa beleidigt gefunden haben sollten Herr Polizeirath von Holly weiß die Ehre, welche ihm durch Aufnahme in unser Verbrecher- Album geworden ist, so wohl zu schätzen, daß er seit einigen Wochen seine gesammte Polizeigarde und obendrein Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den Verfasser der Skizze vom ,, Rathhause zu Halle" in unserer Nr. 17 zu entdecken. Nicht, daß er gegen den Mann Böses im Schilde führte. Bewahre! Er läßt ihm von vornherein vollste Straflosigkeit zusichern( wörtlich!); aber der Album- Schreiber ist so vorzüglich in die Geheimnisse des„ RathHauses zu Halle" eingeweiht, daß Herr von Holly keine Ruhe hat, ehe er ihn kennt, und ihm seine Bewunderung ausdrücken kann. Auf mehr und anderes ist es nicht abgesehen, das sei ausdrücklich wiederholt. Es ist das reine Interesse, an einer hübschen schriftstellerischen ja künstlerischen Leistung, und der Wunsch, ein Talent, das im Verborgenen blüht, in die Deffentlichkeit zu ziehen! Einzig und allein! Wer dem Herrn von Holly Hinter gedanken zutraut, thut ihm Unrecht, wie Jeder, der ihm überhaupt Gedanken zutraut. Leider sind die Bemühungen des Herrn von Holly bisher erfolglos geblieben, und da wir den Zierden unseres Verbrecher- Albums gern einen Freundschaftsdienst leisten, und Herrn von Holly speziell in dieser um seinen Sache behülflich sein möchten, so setzen wir ihm hiermit einen Preis von und seiner Myrmidonen Scharfsinn zu wetzen 500 in Buchstaben fünfhundert Reichsmark für Entdeckung des Verfassers der Skizze, vom Rathhaus zu Halle" aus, welche 500 Mark jederzeit von Herrn von Holly nach erfolgter Entdeckung persönlich in unserer Expedition zu erheben sind. Da er vielleicht allerlei Zweifel hat, so sichern wir ihm hiermit feierlichst gute Behandlung zu. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 2. August 1882. Arbeits Löhne und Lebensmittel- Preise in Deutschland. Jm Auswärtigen Amte zu Washington, lesen wir in der„ New- Yorker Volkszeitung", ist ein Bericht des Generalkonsuls in Frankfurt eingelaufen, in welchem eine Zu sammenstellung der Löhne verschiedener Handwerker und Taglöhner in Die an dreißig verschiedenen Städten Deutschlands enthalten ist. gegebenen Zahlen ergeben, daß die Löhne in den verschiedenen Städten sehr verschieden sind, doch sind die angegebenen Lohnfäge in Süddeutschland im Allgemeinen höher als in Norddeutschland, während umgekehrt die Preise der Lebensmittel in Norddeutschland höher sind als in Süddeutschland. Die schlechtesten Löhne und die höchsten Lebensmittelpreise sind diesem Ausweise nach in Sachsen zu finden. out Die Durchschnitts- Wochenlöhne in den dreißig angeführten Städten find folgende: Für Bau- Polirer( Vormänner) Doll. 4,96( Mt. 21,08), für Gesellen Doll. 3,53( M. 15.-), für Tischler Doll. 3,62( M. 15,38), für Schlosser Doll. 3,61( M. 15,34), für Schneider 3,68( M. 15,64), für Schuhmacher Doll. 3,17( M. 13,47), für Maschinisten Doll. 4,50( m. 19,12), für Maschinenweber Doll. 2,94( M. 12,49), für Wollenspinner Doll. 4,42 ( M. 18,78), für geschickte Fabritarbeiter Doll. 3,98( 16,92), fitr Gartenarbeiter Doll. 2,68( Doll. 11,39) für Feldarbeiter Doll. 2,46( M. 10,45). Demgegenüber find die durchschnittlichen Nahrungsmittelpreise: Roggenmehl Doll. 3,60( M. 15,30), Weizenmehl Doll. 4,60( M. 19,55), Kartoffeln 61 Cents( M. 2,59) für den Zentner, Rindfleisch 13 Cents ( 55 Pf.), Schweinefleisch 15 Cents( 64 Pf.), Hammelfleisch 12 Cents ( 51 Pf.), Speck 19 Cents( 81 Pf.) das Pfund. Miethe für zwei Zimmer und Küche pro Monat durchschnittlich Doll. 2,35( M. 9,99), für drei Zimmer und Küche Doll. 4,10( m. 17,42). Traurig, wie diese Angaben die Lage der deutschen Lohnarbeiter erscheinen lassen, stellen sie doch die Verhältnisse noch weit günstiger dar, als fie in Wirklichkeit sind. Die Ergebnisse der vom Reichstagsabgeord neten und Anwalt der deutschen Gewerkvereine Dr. Mar Hirsch regelmäßig veranstalteten Lohnstatistiken der Gewerkvereine zeigen nämlich, daß der Verdienst der deutschen Arbeiter, wenn nicht in allen, so doch in vielen Geschäftszweigen noch ein beträchtlich geringerer ift. Und sie erweisen ferner, daß in den letzten Jahren die deutschen Lohnverhältnisse sich im Ganzen nicht verbeffert, ja zum Theil verschlechtert haben. Allerdings zeigen einige Gewerke und Orte auch Erhöhungen, diese bilden aber Ausnahmen, insofern der Lohn kein ständiger ist, sondern 3. B. im Sommer mit längerer Arbeitszeit auch höhere Löhne eintreten. Bei den Stuhlarbeitern in Suhl ist das Lohnminimum von 6 Mart auf 3-4 Mart( 72-96 Cents) wöchentlich bei durchschnittlich zwölfstündiger Arbeitszeit herabgefunken! Aber sieht man auch von diesen Mindestbeträgen als möglicherweise nur vereinzelte Ausnahmen bildend ab, so erblicken wir in der maßgebenden Rubrik der durchschnittlichen Löhne mehrfach Wochen verdienste von 6. M.( Doll. 1,44); z. B. bei Fabrit und Handarbeitern, Stuhlarbeitern, Schuhmachern; M. 5,40 ( Doll. 1,30), bei Bergarbeitern und M. 5,-( Doll. 1,20) bei Fabrit arbeitern. Man vergegenwärtige fich, was Arbeiterfamilien für solche Löhne, die oft nicht einmal das ganze Jahr hindurch eingenommen werden, sich an nothwendigen Lebensmitteln anschaffen können! In der Unfallversicherungsvorlage der deutschen Regierung ist ein Jahres- Durchschnittslohn der deutschen gewerblichen Arbeiter von 750 M.( 180 Doll.) angenommen und erklärt, daß ein solcher Lohn nur ausreiche zur Bestreitung der nothwendigen Lebensbedürfnisse. Fünf, bezw. sechs Mark Wochenlohn machen aber selbst bei voller Beschäftigung das ganze Jahr hindurch nur 260, bezw. 312 Mart, also noch lange nicht die Hälfte des angeblichen Durchschnittsverdienstes. Welche Nothlage spricht sich in diesen Ziffern aus! Sie machen es begreiflich, daß die Auswanderung aus Deutschland immer größer wird und lassen keinen Zweifel darüber, daß sie noch viel stärker sein würde, wenn nicht der geringe Verdienst es der großen Masse der Arbeiter unmöglich machte, die erforderlichen Reisekosten zu erschwingen. Wo wandert der Nationalreichthum hin? In unserer vorigen Nummer haben wir diese Frage an der Hand der preußischen Steuerliften beantwortet. Heute liegen uns einige Zahlen aus der sächsischen Steuerstatistik vor, welche die Frage zwar nicht direkt beantworten, welche aber, mit bekannten Thatsachen zusammengehalten, für jeden, der hören will, eine nicht minder vernehmbare Sprache führen. Während es bekannt ist, und erst im letzten Jahre in verschiedenen sächsischen Distrikten offiziell konstatirt wurde, daß die Lage des industriellen Proletariats in Sachsen von Jahr zu Jahr eine schlech= tere geworden ist, erweisen, wie die konservativen ,, Dresdener Nachrichten" triumphirend melden, die sächsischen Steuerlisten, daß das Gesammteinkommen im Königreich Sachsen um 972 Millionen Mart gestiegen sei.„ Das bedeutet im Durchschnitt," setzt das Organ des Herrn Bierey hinzu,„ auf den Kopf der Bevölkerung alljährlich 40 Mark; die Familie, zu fünf Köpfen angenommen, hat also jett 200 Marfim Jahre mehr zu verzehren, als vor vier Jahren." Schamloser hat wohl noch nie ein Blatt das Volk angelogen, als dieses edle Partikularistenorgan. Demselben Volke, dessen Elend sprüchwörtlich geworden, bei dem der Nothstand Regel, der Hunger ein alltäglicher Gast ist, für das noch im vergangenen Jahre die Sammelbüchse geschwungen werden mußte, wagt es ins Gesicht von einer Besserung zu prahlen, die allerdings hätte stattfinden sollen, die aber nicht stattgefunden hat. Ja, die Steigerung des Nationalreichthums hat stattgefunden, aber der ganze Mehrertrag ist in die Tasche der Herren Ausbeuter ge wandert, die Schutzzölle haben die Kassen der Herren Fabrikanten bereichert, und das Volk hat das Nachsehen. Und wie zum Hohn fährt der Sykophant der Ausbeutergesellschaft nach der obigen direkten Unwahrheit folgendermaßen fort: " Jenes Ergebniß der Einkommensteuer aber stellt dem sächsischen Volke auf's Neue ein glänzendes Zeugniß seiner Veranlagung aus. Wir Sachsen sind nicht eben blos„ gemüthlich"; Fleiß, Arbeitsamteit, Genügsamkeit, Sparsamkeit, eine nimmer rastende Energie sind nicht minder hervorragende Eigenschaften unseres Volkes. Wie sauer ist nicht die Mehrzahl jener Million dem arbeitenden Volke geworden. Wie viel Schweiß flebt an ihnen! Ja wohl, Herr Bierey, wie sauer sind jene Millionen dem arbeitenden Bolke geworden! Und nicht nur wie viel Schweiß, auch wie viel Blut, wie viel vernichtete Menschenleben, wie viele zerrüttete Gesundheiten fleben an ihnen! Und von all' diesen sauer erarbeiteten Millionen hat das arbeitende Volt nichts zu sehen bekommen, seine Lage hat sich verschlechtert, die 200 Mark pro Familie sind ihm wegeskamotirt worden, während es hungert und darbt. Der Nationalreichthum ist gestiegen, aber seine ganze Vermehrung ist in die Taschen der Reichen gewandert, während die Armen noch ärmer geworden sind. Wenn die Herrschaften doch noch soviel Scham hätten, öffentlich davon zu schweigen und nur in vertrautem Freundeskreise sich begeistert auf die satten Bäuche zu klopfen! Aber so sehr ist ihnen der Kamm geschwollen, so haben sie es verstanden, das Volk abzurackern, daß sie sich auf offenem Markte ihres Raubes brüsten und das hungernde Arbeitsthier mit den Schmeichelworten: Braves Arbeitsthier, bist ,, g en it g sam, sparsam" und haft eine ,, nimmer rastende Energie!" abfüttern, ihm eine volle Krippe vorfügen dürfen. Treibt's nur so weiter! Auch die Geduld des Geduldigsten nimmt einmal ein Ende. - Die Sozialdemokratie und die egyptische Frage. Der Feldzug der Räuber gegen die Beraubten, wie wir die im Intereffe der goldenen Internationale unternommene egyptische Expedition Englands nannten, hat zwar die Billigung des europäischen Konzerts", d. h. der verschiedenen Regierungen erfahren, dagegen sind die Völker ebenso einstimmig in der Verwerfung desselben. Die Arbeiterpreffe aller Länder ist in der Verurtheilung der brutalen Unterdrückung eines seiner Bedrücker sich erwehrenden Volkes durchaus einig, und wo es ihnen möglich ist, erheben die Arbeiter ihre Stimme, um gegen die im Namen der Zivilisation" verübten Barbareien zu protestiren. Den Anfang machten diesmal die sonst so bedächtigen englischen Arbeiter. Mehr als hundert Arbeitervereine haben gegen den allen Grundsätzen der Menschlichkeit hohnsprechenden Unterdrückungskrieg ihrer„ liberalen" Regierung Protest eingelegt. Sie, deren nationalen Sinn die Bourgeoisiepreffe so gern hervorhebt, haben gezeigt, daß sie von jenem falschen Patriotismus, der jede Infamie gutheißt, die im Namen der eigenen Nationalität unternommen wird, nichts wissen wollen, daß sie mit den egoistischen Bestrebungen der englischen Ausbeuter nichts gemein haben. 1190 Ihnen folgten unsere französischen Genossen. In Paris fanden am 29. und 30. Juli zwei große Meetings statt, deren Tagesordnung die Stellung der Sozialisten zur egyptischen Frage bildete, das eine organisirt von den sogenannten ,, Guesdisten", unter der Mitwirkung von Louise Michel, das andere unter der Mitwirkung des Deputirten Clovis Hughes von dem Föderativverband( für Mittelfrankreich) der Arbeiterpartei. Bagi zdi mplay Auf dem ersteren Meeting, das nach dem„ Citoyen" von mehr als 3000 Personen besucht war, wurden, nachdem Paul Lafargue, Jules Guesde, Louise Michel und Andere gesprochen, vier Resolutionen angenommen, die wir ihrer prinzipiellen Bedeutung halber hiermit im Auszug folgen laffen. Die erste Resolution führt aus, daß es lediglich das Frankreich der Ausbeuterklasse sei, nicht aber das in Stadt und Land arbeitende Frankreich, welches in Egypten Interessen zu wahren habe, daß wenn die französische Kolonie in Egypten sich habe flüchten müffen, dies die Folge der anglo- französischen Kontrole sei, die in Wahrheit nur eine organisirte Beutelschneiderei der europäischen Geldhändler am egyptischen Volke gewesen ist; daß eine bewaffnete Intervention zu Gunsten der Rothschilds und anderer Wucherer des Khedive nur Beihilfe zur Straßenräuberei wäre; und demgemäß erklären die Versammelten, daß sie 1) sich den Protesten der englischen und italienischen Arbeiter gegen das ebenso feige wie grausame Bombardement Alexandriens anschließen; und 2) jede bewaffnete Intervention von Seite der französischen Republik verdammen, da sie nichts wäre als ein Vergießen von Proletarierblut im Dienste des hohen französischen Strauchritterthums. sd di Die zweite Resolution verwirft im Allgemeinen die von der Bourgeoisie im Interesse der Ausbeutung oder der Finanz angezettelten Kriege, die wenn fie fich gegen kleine Länder richten, nichts seien, als die organisirte Wegelagerei, fowie, da die Bourgeoisie immer mehr darauf ausgehe, den nationalen Diebstahl durch den internationalen zu vermehren, im Besonderen die politische Herrschaft der Bourgeoisie. Die dritte Resolution erklärt zunächst, daß die Nationalpartei, welche fich in Egypten gebildet hat, einer Phase entspricht, welche alle Völker auf ihrem Entwickelungsgange durchmachen müssen; daß die Forderung dieser Partei, den Theil des egyptischen Budgets zu berathen, der nicht| die auswärtige Schuld betrifft, und zu diesem Behufe Delegirte in den Ministerrath zu entsenden, nur einen Theil des Budgetrechtes ausmacht, welches alle nationalen Vertretungen genießen, und um deretwillen die englische und französische Bourgeoisie mehrere Revolutionen gemacht haben; daß die Nationalpartei, selbst wenn sie diese auswärtige Schuld als eine von Anbeginn an wucherische für nichtig erklärte, nur einen Aft der Gerechtigkeit vollziehen und der französischen Arbeiterpartei einfach vorangehen würde, deren erster Aft, wenn sie ans Ruder kommt, gerade darin bestehen würde, dem schändlichen Diebstahl, den die sogen. Staatsschuld darstellt, ein Ende zu machen. Sie erklärt ferner, daß die Nationalpartei und deren Führer Arabi Pascha, indem sie der Gewalt die Gewalt entgegensetzen, sich ihrer großen Aufgabe würdig gezeigt haben, weshalb die Versammlung ihre Sympathie mit der Nationalpartei und deren Führer ausdrückt, indem sie ihnen einen baldigen Triumph wünscht. Die vierte Resolution lautet: " „ In Erwägung, daß nach einer nicht widerlegten Nachricht zwei Kämpfer des 18. März 1871 ihre Dienste der Sache der Egypter zur Verfügung gestellt haben sollen, Beglückwünscht die Versammlung diese Bürger wegen ihrer hohen Bekräftigung der internationalen Solidarität, welche für die Fellahs an den Ufern des Nils dasselbe thut, was die Frankel, die Wroblewski, die Cipriani und andere tapfere Internationale 1871 für die Proletarier an der Ufern der Seine gethan." Auch die Versammlung des Federativverbandes war trotz drückender Hitze sehr gut besucht. Die Redner, welche in gleichem Sinne wie die der obigen Versammlung sprachen, ernteten lebhaften Beifall. In Italien haben ebenfalls verschiedene sozialistische Versammlungen gegen die Unterdrückung der Egypter unter das Doppeljoch der europäischen Wucherer und der türkischen Herrschaft protestirt. Noch bemerkenswerther erscheint uns die Thatsache, daß eine große Anzahl von in Egypten lebenden italienischen sozialistischen Arbeitern, wie dem„ Avanti" aus Tanta und der„ Plebe" aus Kairo übereinstimmend gemeldet wird, sich der egyptischen Armee angeschlossen haben. Daß dies überhaupt möglich ist, beweist, daß der Haß der Aufständischen nicht gegen die Europäer als solche, sondern gegen die Europäer als Ausbeuter und Unterdrücker gerichtet ist. Die Führer der jetzigen Bewegung wiffen sehr wohl, daß sie auf die Dauer einer europäischen Invasion nicht gewachsen sind; worauf es ihnen hauptsächlich ankommt, ist also, für ihr Land erträgliche Zustände zu erkämpfen, das dreifache Joch der Ausbeutung durch den Sultan, den Khedive und die goldene Internationale zu brechen. Wenn sie vorübergehend mit der Pforte in Verbindung standen, war das lediglich Schuld der europäischen Kontroleure, die den Khedive mit aller Gewalt unterstützen. Deren Klienten brauchen den Absolutismus, den sie zu Hause verabschenen, weil sie bei dessen Finanzwirthschaft beffere Geschäfte machen. Sie selbst wollen natürlich bei jeder Gelegenheit dem Khedive dreinreden, das egyptische Volt aber soll geduldig und ohne Murren Alles über sich ergehen lassen, was der in ihren Klauen befindliche Khedive beschließt. Und diesem ungesunden Zustand, zu dem noch der korrumpirende Einfluß des Sultans hinzukommt, sollen wir Fortdauer, bezw. Wiederherstellung wünschen? Nein und tausendmal nein! Und wäre Arabi- Pascha wirklich nur ein ehrgeiziger Abenteurer, wie die Offiziösen der Geldmächte behaupten, die übrigens diesen Ehrentitel jedem Volksmann an den Hals werfen, die Thatsache, daß das egyptische Volt ihm in hellen Haufen zuläuft, beweist, daß die Sache, die er vertritt, eine gute ist; und wenn es der von ihm geführten Bewegung nur gelingt, aus der oben gekennzeichneten Dreieinigkeit einen Faktor herauszubugsiren, so soll uns gleichgiltig sein, ob er aus Ehrgeiz oder aus lediglich reinen Motiven gehandelt hat. Wir haben es mit der Sache und nicht mit der Person zu thun, und die Sache, für welche Arabi eintritt, hat unsere volle Sympathie. Lehmann und Piefke. Aus Ems wird der Badischen Landeszeitung" unterm 14. d. M. geschrieben( und von der gesammten wohlgesinnten Presse Deutsch- China's nachgedrudt):„ Gestern vor acht Tagen kam der Kapellmeister des Königs- Grenadier- Regiments, Musikdirektor Bieffe, aus Frankfurt a. D. zum Kurgebrauch hier an. Als der Kaiser Freitag Morgen das erste Glas Brunnen zu sich genommen hatte, bemerkte derselbe Pieske, den mit 14 Orden geschmückten Komponisten, dem wir den Düppler Schanzenmarsch verdanken. Raschen Schritts eilte der Kaiser Pieffe entgegen, und nun entspann sich folgendes Gespräch:„ Nun Pieffe, wozu seid Ihr denn hier? Zur Kur, Majestät“. ,, Ach was, so ein junger Mann und schon die Kur gebrauchen. Wo fehlt's denn?" Majestät, ich bin brustleidend"." Nun, dann macht's ordentlich", entgegnete schließlich der Kaiser, wir müssen noch lange zusammen sein!"- Freudigen Antlitzes setzte der an Jahren vorgerückte, allgemein beliebte Musikdirektor Pieste die Promenade fort." " Das die neueste Kaiseranekdote". ,, Wir müssen noch lange beisammen sein!" Noch lange? Und schon 85 Jahre alt! Wer denkt dabei nicht an das famose Wort, das ein Vorfahr des alten Wilhelm, der " große" Friedrich in der Schlacht bei Zorndorf seinen" Soldaten zurief, als sie ihm das Vergnügen und die Ehre, für den Ruhm ihres" Königs todtgeschoffen zu werden, nicht genügend zu würdigen schienen? Kanaillen, wollt Ihr denn ewig leben?" Was aber den biederen Pieffe betrifft, so glauben wir allerdings, daß derselbe mit 14 Orden auf der Brust in der That sehr, sehr brustkrant ist. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Aus Mün chen wird folgende von weiser Fürsorge der betreffenden Behörden zeugende Verfügung gemeldet: ,, Während bisher die Gerichtssaalreporter nur gehalten waren, bei Verbrechensfällen wider die Sittlichkeit mit dem übrigen Auditorium den Sitzungssaal zu verlassen, haben dieselben sich nunmehr auch dann zu gleicher Zeit mit den Neugierigen und Bummlern zu entfernen, wenn Bergehen der Majestätsbeleidigung zur Abhandlung tommen. Nach Ansicht des Herrn Staatsanwaltes wäre, würde man den Vertretern der Presse in solchen Fällen die Anwesenheit gestatten, eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu be= fürchten!" ads W Einige Blätter sehen in dieser Verfügung eine weitere Beeinträchtigung der Deffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Möglich, wenngleich auch die andere Lesart zulässig ist, daß bei den allerdings nicht sehr respektvollen Nachreden, welche über den Mondscheinschwärmer Ludwig im Schwunge find, es wirklich zweifelhaft ist, ob sie den Begriff der Majestät oder die öffentliche Sittlichkeit mehr untergraben. Die Welt ist ja so schlecht! -Wie sich die Kapitalbestie rächt. Aus Augsburg wird geschrieben, daß nachdem der Weberstreit, wie seiner Zeit berichtet, im Ganzen mit einer Zurückweisung der Ausbeuterprätenfionen geendet hat, zirka 50 Weber, meist Väter starker Familien, auf das Pflaster geworfen find. Die früheren Prinzipale derfelben weigern sich nämlich rundweg, ihnen Arbeitszeugnisse auszufertigen, während die anderen Fabrikanten auf Grund eines Paragraphen der in Augsburg beftehenden Fabrikantenkoalition, wonach es bei hoher Konventionalstrafe verboten ist, Arbeiter aus einer anderen Fabrik ohne Entlassungszeugniß einzustellen, sie nicht aufnehmen wollen, resp.„ dürfen". Alle Schritte, welche die Arbeiter bisher gethan, um die Zeugnisse zu erhalten, waren fruchtlos. Die Regierung von Schwaben und Neuburg, an welche sie sich gewendet, erklärte, sie könne in dieser Angelegenheit nichts fie ist ja nur dazu da, die Arbeiter durch allerhand Chikanen, Verbote 2c., nöthigenfalls durch Gendarmen zur Raison zu bringen." Um einen letzten Versuch zu machen, haben sie sich jetzt, wie man der„ Fränfischen Tagespost" schreibt, an den Minister des Innern gewendet.„ Ist auch", fügt der Korrespondent hinzu, dieser Schritt, wie zu erwarten thun, steht, erfolglos, so find die Männer, die treu und redlich ihre Familie ernährten und dem Staate gute Bürger waren, gezwungen, Heimath und Familie zu verlassen und in der Fremde ihr Brod zu suchen. Sie selbst werden durch böhmische Arbeiter ersetzt werden und die Geschichte eines Streifes hat ihr ebenso stilles, als tragisches Ende gefunden. " Wir wissen nicht, ob die beiden Gedankenstriche von dem Korrespondenten oder von der Redaktion herrühren, jedenfalls find sie sehr am Plaze. Möchten sie nur von allen Lesern dieser Notiz begriffen werden! Möchten dieselben aus dem„ tragischen Ende" dieses Streits die nöthigen Konsequenzen ziehen, aus ihm jenen Haß gegen das infame Ausbeutungsund Unterdrückungssystem der heutigen Bourgeoisgesellschaft einsaugen, der unauslöschlich im Herzen fortlebt, der nicht rastet und nicht ruht, bis sein Ziel erreicht ist, bis das System und seine Träger beseitiget find! Rechtsstaatliches aus Baden. Der Prozeß gegen die Sozialisten in Pforzheim hat damit geendet, daß unsere Genossen Dittus und Stähle, sowie des letzteren zweiundsechszigjährige Ehefrau zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt wurden, während unsere Genossen Lehmann und Schachinger zu ihren früheren Strafen noch eine Zusatzstrafe von 7 Tagen Gefängniß erhielten. Die ,, Mostianer" wurden freigesprochen; wie man uns schreibt, jedenfalls mit Rücksicht auf den Denunzianten, der pro Forma ebenfalls mitangeklagt war! Aus Leipzig, den 22. Juli schreibt man uns: Die Genossen Apitsch und Lauschke haben ihre Strafe richtig abgesessen" und find auch richtig abgeschubt" worden; Genosse Kinzel, der noch drei Wochen zu sitzen hat, ist gegen eine Kaution von tausend Mark aus dem Gefängniß entlassen worden, um das Resultat der von ihm eingelegten Revision abzuwarten. Hätte er die 1000 Mart nicht aufbringen tönnen, so hätte er die Strafe voll verbüßen müssen und wäre dann vielleicht hintenach freigesprochen worden. Für sein Recht der Revision und Appellation hat also Künzel 1000 Mark bezahlen müssen. Und da thut man entrüftet über gewisse fremde Länder, in denen die Justiz nur für Geld feil sei. Ist es bei uns etwa besser und anders? Um Schlechtes zu finden in Staat und Gesellschaft brauchen wir Deutsche nie in die Ferne zu schweifen." Beiläufig ist Künzel von seiner Untersuchungshaft nur ungefähr ein Drittel angerechnet worden. Die übrigen zwei Drittel hat das Gericht ignorirt. Dieses Nichtanrechnen der Untersuchungshaft, außer in Fällen, wo nachweisbar chifanöse Berschleppung vorliegt, ist einer der ärgsten Standale unserer Rechtspflege, die freilich an Skandalen keinen Mangel hat. Der Richter kann ganz nach Belieben die Untersuchungshaft voll, theilweise oder gar nicht anrechnen; nur in den seltensten Fällen wird sie voll angerechnet, und doch steht es fest, daß die Untersuchungshaft wegen der peinigenden Ungewißheit und aus anderen naheliegenden Gründen an sich ungleich härter ist als die die Strafhaft. Ich sagte vorhin, Künzel werde vielleicht in letzter Instanz freigesprochen werden. Ueber das vielleicht" hat wohl Mancher gelacht und gemeint, ich sei doch ein rechter Optimist! Nun für diesen Optimismus kann ich wenigstens mildernde Umstände" plaidiren Künzel, gleich seinen Mitverurtheilten, ist nämlich nicht bloß unschuldig, sondern hat auch die Beweise seiner Unschuld, die vorzubringen man ihm bisher nicht gestattet hat. Die Geldsammlung, um welche es sich handelt, ist in der That unter Rücksichtnahme auf die bekannte Gerichts- und Polizeipraris ausdrücklich blos für die Familien der Ausgewiesenen vorgenommen und auch der Ertrag ausschließlich für die Familien der Ausgewiesenen verwendet worden obgleich es natürlich auch kein Verbrechen gewesen wäre außer in den Augen eines Barbaren oder Hallunken, wenn für die Ausgewiesenen direkt gesammelt worden wäre. Viele der Letzteren befinden sich leider, wie das ja zu erwarten und von unseren Feinden auch beabsichtigt war, in dem ärgsten Elend. Man weiß ia, wie schwer es an sich heutzutage ist, Arbeit zu bekommen, und nun denke man an die systematische Ver folgung, der unsere geächteten Genossen seitens der Polizei ausgesetzt find. Ueber gemeine Verbrecher, Spitzbuben und sonstiges Gesindel wird mitunter laut Strafgesetzbuch durch Richterspruch die polizei liche Ueberwachung verhängt. Es ist dabei aber ausdrücklich der Polizei vorgeschrieben, daß sie die Ueberwachung in einer Weise auszuzuüben hat, die nicht auffällt und nicht geeignet ist, den leberwachten in seiner gesellschaftlichen Stellung und seinen Erwerbsverhältnissen zu schädigen. Ein Polizist, der zum Beispiel zum Arbeitgeber, welcher einen gesetzlich Ueberwachten angestellt hat, geht und ihm sagt:„ Der Mann, den Sie da in Arbeit genommen haben, hat wegen Diebstahl zc. gesessen" ein solcher Polizist wird bestraft, und zwar von Rechtswegen. Anders aber ist die Praxis den Sozialdemokraten gegenüber. Der Sozialdemokrat, der keines gemeinen, wohl aber des viel größeren Verbrechens sich schuldig gemacht hat, den gemeinen Verbrechern, Spizbuben und sonstigem Gesindel den Krieg auf Leben und Tod erklärt zu haben, wird deshalb, von den anderweitigen Verfolgungen und Maßregelungen hier abgesehen, unter polizeiliche Ueberwachung gestellt und das nicht durch Richtersspruch( was freilich auch keine nennenswerthe Garantie), sondern durch den Ukas irgend eines Polizei pascha's; und diese Ueberwachung wird in der rücksichtslosesten und niederträchtigsten Weise so ausgeübt, daß die Schädigung der gesellschaftlichen Stellung und der Erwerbsverhältnisse geradezu als 3 wed erscheint. Unsere Ausgewiesenen werden durch die Polizei systematisch außer Brod getrieben und der Existenzmittel beraubt. Es ist dies einer der infamsten Auswüchse des infamen Sozialistengesetzes. Vergangene Woche hat die französische Nationalversammlung die Entschädigung der Opfer des Staatsstreiches vom 2. Dezember 1851 beschlossen wohlan, wenn die Zeit kommt, wo wir im Stande sind, mit unseren Verfolgern in's Gericht zu gehen, werden wir neben der kriminellen Bestrafung der Schuldigen auch die Entschädigung der Opfer fordern. Nur nicht aus der Tasche des Staates was eine arge Inkonsequenz , nein, a us der Tasche der Schuldigen selbst, die uns persönlich verantwortlich und haftbar sein sollen. Der„ Sozialdemokrat" hat diesen Gedanken schon ausgesprochen mögen die Ge noffen allerwärts sich mit ihm vertraut machen! Zur Illustration unserer Polizei eine kleine Anekdote. Seit 10 Tagen inquirirt unsere Polizei, deren Scharfsinn mit ihrer Wißbegierde unglüc licherweise oder glücklicherweise, je nachdem nicht gleichen Schritt hält, nach einem Fäßchen Bier, das anfangs voriger Woche, Sonntag oder Montag, in Borsdorf getrunken worden sein soll. Statt des einen Fäßchens Bier, das sie suchte, fand die Polizei zwei Fäßchen, jedoch beide leer, und dieses Uebermaß von Erfolg hat ihre Kopfschmerzen beträchtlich vermehrt. Welches war das richtige Fäßchen und welches das falsche? Welches wurde sozialdemokratisch geleert und welches un sozialdemokratisch? Die biederen Offenbacher Wähler, die ihrem Abgeordneten ein Fäßchen zur Stärkung nach den parlamentarischen und nicht parla mentarischen Strapazen der letzten Monate zum Präsent machten, werden gewiß sehr starte Gewissensbisse empfinden, wenn sie erfahren, daß ihr Fäßchen zwar nicht Denen, die es getrunken, aber doch anderen Leuten entsetzliche Kopfschmerzen und obendrein der guten Seestadt Leipzig ein paar hundert Mark für polizeiliche Recherchen getoftet hat. bedroht ist! Daß ihr Bier so stark, das hätten die Offenbacher bisher Das arme deutsche Reich, das von einem Fäßchen Offenbacher Bier ficherlich nicht geglaubt. " Aus Nürnberg erhalten wir eine mit fünf Unterschriften versehene Zuschrift, in welcher die Unterzeichner gegen einige in der Nürnberger Korrespondenz in Nr. 23 des Sozialdemokrat" enthaltene Angriffe Verwahrung einlegen. Der gegen einen der Unterzeichner erhobene Vorwurf des eigenmächtigen Verfahrens bei Vertheilung der qu. Sammlung sei nicht berechtigt, das Geld sei vielmehr nach der Kopfzahl der Familienangehörigen der betr. Ausgewiesenen vertheilt worden. Dem Kolberg habe der Betreffende allerdings 20 Mark im Voraus gegeben, da derselbe auf Arbeit wartete, sich aber bereit erklärt, diese Summe event. aus eigener Tasche zu vergüten, was von der überwiegenden Majorität nicht angenommen worden sei. Die Bemerkung, daß die Unterzeichneten in Wirthschaft und Fabriken für die Freiheit" agitiren, sehe einer Denunziation so ähnlich wie ein Ei dem andern.( Können wir nicht finden, denn erstens ist in der betr. Korrespondenz kein Name genannt worden und zweitens ist das Agitiren für die Freiheit" gar nicht verboten, sondern nur das Verbreiten.) Die Unterzeichner seien nicht darüber empört, daß man sie überhaupt ausgeschlossen, sondern daß man sie ohne Red' und Gegenrede ausgeschlossen habe. Sie haben über unsere ehemaligen hervorragenden Parteiführer" nur die Angriffe wiederholt, welche denselben im„ Sozialdem." gemacht worden seien.(?) Schließlich wird unserem Korrespondenten noch der Vorwurf gemacht, Er habe die allerdings wahre Mittheilung von einer Denunziation aus Privatrache schamlos schlau" an ,, vorstehenden Artikel" angeschlossen, um ,, natürlich" bei den auswärtigen Genossen ,, den Glauben zu erwecken, die Denunziation rühre von uns her."( Absolut unbegründet, denn die betreffende Mittheilung ist in unserer Korrespondenz in keiner Weise in Zusammenhang mit den Nürnberger Dissidenten gebracht worden.) Dies der Inhalt der Zuschrift, von deren Veröffentlichung im Wortlaute wir wegen Raummangels. Abstand nehmen müssen. Sozialistische Presse und Literatur. In Lille ( Nordfrankreich) erscheint seit Mitte Juli ein neues sozialistisches Blatt, " Le Forçat"( Der Galeerenstlave). Dasselbe ist frisch und lebendig geschrieben. Wir heißen den neuen Mitstreiter von Herzen willkommen. Vom Nationalkomite der französischen sozialistischen Arbeiterpartei geht uns das Protokoll des fünften französischen Natio nalfongresses von Reims( Oftober 1881) zu, dessen Empfang wir hiermit dankend bestätigen. Das 125 Druckseiten starke Heft enthält außerdem die Resolutionen des Kongresses von Havre( Novem ber 1880), den Bericht der französischen Delegirten zum Churer Welttongreß, das Antrittsmanifest des Nationalkomites und die Beschlüsse des dritten Regionalkongresses von Mittelfrankreich( Mai 1881). Preis: 1 Frank. Unser Genosse Sketchley sendet uns seine Broschüre ,, The Irish Question, Political and Social", zu, die auf 23 Seiten ein reichhaltiges Material über den am irischen Volke begangenen Raub bietet. Sketchley ist selbstverständlich für Unabhängigkeit Jrlands und Nationalisirung des Grund und Bodens, und zwar soll die Expropriation in solcher Weise bewirkt werden, daß aller geraubte Boden ohne Entschädigung an das Land zurückfällt, die Besitzer von nachweislich gekauftem Boden aber nur den Kaufpreis abzüglich der vom Tage des Kaufes an erzielten Grundrente erhalten wenn dann überhaupt noch etwas übrig bleibt. Unser italienisches Bruderorgan ,, La Plebe" in Mailand, welches eine Zeitlang nur 14tägig erschienen war, erscheint seit Mitte Juli wiederum wöchentlich, und zwar in theilweise neuer Ausstattung. Glück auf! - Schweiz. Aus der schweizerischen Arbeiterbewegung sind einige recht erfreuliche Vorgänge zu berichten. Anfang Juli wurden in Bern, der alten Patrizierstadt, bei den Großrathswahlen zum ersten Mal zwei Kandidaten der Arbeiterpartei gewählt. Der eine derselben, Genosse Bächtold, war lange Jahre Mitglied des Bundeskomite's des schweizerischen Arbeiterbundes. Diese Wahl hat den alten Parteien gezeigt, daß fie in Zukunft mit der Arbeiterpartei zu rechnen haben werden. Und das ist, wie die Verhältnisse in der Schweiz liegen, eine große Errungenschaft. Vom 22. bis 25. Juli fand in 3ofingen( Kanton Aargau) das Zentralfest der schweizerischen Grütlivereine statt, welches stets mit einem Kongreß verbunden ist. Die Grütlivereine sind keine ausgesprochen sozialistischen Organisationen, aber der Geist, in welchem sie geleitet werden, ist ein sozialistischer und ihr Organ, der„ Grütlianer", ein waderer Pionier für die Sache der arbeitenden Klassen. Das Fest war glänzend besucht, von auswärts waren gegen 200 Delegirte eingetroffen. Von den gefaßten Beschlüssen sind zu erwähnen: energisches Eintreten für Erweiterung des Haftpflichtgesetzes und glänzende Verwerfung eines Antrages auf Nichtzulassung von Deutschen in den Grütliverein. Im Kanton Zürich hat bei einer am 30. Juli stattgehabten Nachwahl die demokratische Partei mit ihrem Kandidaten gefiegt und dadurch die Macht der Liberalen, die seit 1875 ununterbrochen am Ruder waren, empfindlich geschwächt. Im Regierungsrath des Kantons sizzen jetzt drei Liberale und drei Demokraten. Für den vierten Liberalen, den vor Kurzem verstorbenen Regierungsrath Zollinger findet demnächst eine Neuwahl statt. Wenn nur der berühmte konservative Hauch", der nach den Bismarck'schen Reptilien durch Europa zieht, seine Dienste nicht verfagt! Die Schweizer sind in dieser Beziehung komisch. Hoffentlich werden in nicht allzulanger Zeit auch in Zürich die schweiz. Sozialisten ein Wort dreinzureden haben. Die Organisation der deutschen Sozialisten in der Schweiz macht tüchtige Fortschritte. Die alten Mitgliedschaften träftigen sich, und auch auf gewerkschaftlichem Gebiete geht es wieder vorwärts. Belgien. Aus Brüssel erhalten wir das Programm eines neuen Vereins ,,, demokratischer Bund" genannt. Derselbe soll alle Schulen und alle Richtungen der Demokratie in einen brüderlichen Verband vereinigen, gleichzeitig die Furchtsamen beruhigen und den Vorgeschrittenen durch die in ihm enthaltenen Keime zu weiteren Fortschritten Genüge leisten. Die Einladung zu der konstituirenden Versammlung dieses Bundes ist unter Anderen unterzeichnet von unseren Freunden Bertrand, de Paepe 2c., sowie von bisherigen Anarchisten: Delfosse, Verrycken u. s. w. Da wir selbst dem Verhältnisse zu fern stehen; so lassen wir hiermit das durchaus sachliche Urtheil des belgischen Parteiorgans flämischer Zunge, Toekomst" folgen: Mit Talent und Sachkenntniß zusammengestellt", sagt Toekomst vom Programm ,,, verräth es sofort die wackeren und bewährten Geister, die an demselben mitgewirkt. Warum aber das Wort Demokratie und nicht Sozialismus? Sie können doch keine Vorurtheile haben, sie, die alten Vorkämpfer der Volkssache? Hoffen sie Bourgeois damit zu fangen? Wenn ja, so wünschen wir ihnen vielen Erfolg, aber wir be zweifeln es. Die Umgebung, in der sie leben, das für den Fortschritt einstehende Brüssel" verleitet unsere Freunde. Dort macht sich der offene Klaffenkampf noch nicht so geltend wie bei uns. Bei uns gibt es fast teinen Platz mehr für Fortschrittler!-- Brüffel hat jederzeit hinlänglich talentvolle Advokaten und andere Elemente aus der Bourgeoisie für die Bolkssache geliefert, aber zu wenig entsprechend ent widelte Broletarier." " In einer Zeit, wo die Klaffen sich mehr und mehr scheiden, wo die Erkenntniß immer klarer wird, daß wir einen Klaffenkampf, nichts als einen Klaffenkampf führen da hätten unsere Freunde in Brüffel begreifen sollen, daß ihre erste Pflicht war, sich vor allem an die sozialistische Partei anzuschließen, deren Programm anzunehmen und die für nöthig erachteten Aenderungen beim nächsten Kongreß zu beantragen." Wenn wir somit auch nicht voll und ganz mit ihrem Vorgehen einverstanden sein können, so begrüßen wir doch den neuen Klub unserer waderen Freunde als einen Versuch, den Kampf wieder aufzunehmen für die Entwicklung des Volkes, für die Erkämpfung längst verdienter Rechte." Korrespondenzen. Magdeburg, Anfang Juli. Eine geraume Zeit ist es her, seit wir Magdeburger im Zentral- Organ etwas von uns hören ließen. Wir wollen hier versuchen, das Versäumte nachzuholen. Die letzte Wahlkampagne hat uns wieder so recht gezeigt, daß die Kampfhähne der verschiedenen bürgerlichen Parteien nichts als Maulhelden sind, welche sich nur so lange bekämpfen, als die Sozialdemokratie nicht in Sicht ist. Treten aber wir ernsthaft auf den Plan, so ist diese reaktionäre Gesellschaft sofort einig. Noch mehr, die liberal- sezessionistisch- fortschrittliche Verbrüderung sucht als vierten Gesellschafter gegen uns die Polizei auf. Es ist hier nicht eine größere Wahlversammlung abgehalten worden, wo nicht vorher einer der Führer das Königliche Polizeipräsidium innigst gebeten hätte, ja recht zahlreiche Polizeimannschaften zur beabsichtigten Versammlung zu senden. Der" Demokrat" Nathan machte in diesen Bittgesuchen ganz besonders als in seiner Spezialität. Was Wunder, wenn die Polizei als„ Stütze des konservativen Königthums" recht gern diesen Bitten nachkommt, und der freie Bürger" der ehemals freien Stadt Magdeburg, durch den Anblick der bewaffneten Schutzengel an seine Schwäche erinnert, erkennen muß, wie nothwendig ein strammes Regiment ift! Am Eingang des Versammlungslokales postirten sich demzufolge stets eine Anzahl Polizeikommissare und Kriminalschutzleute in Zivil; etwa 40 bewaffnete Schuyleute besetzten den Saal, die Garderobe, Küche und sonstige angrenzenden Räume, und jeder Versammlungsbesucher mußte nunmehr diese hohle Gasse der Kriminalbeamten paffiren. Wehe dem irgend bekannten Sozialdemokraten! Bitte Herr N. N., heute ist hier eine fortschrittliche Versammlung, Ihnen als Sozialdemokraten kann ich den Eintritt nicht gestatten, lautete die höfliche Empfangsrede der postirten Kommissarien. Kehrt! Marsch! Jetzt kommt ein unbekannter Arbeiter.( Trägt ein Halstuch, vielleicht Sozialdemokrat, ist jedoch fortschrittlicher Gewerkvereinler.) Sie sind doch kein Fortschrittler"! hallt's ihm entgegen. ,, ja, doch." ,, Ach, machen Sie doch keine Geschichten". Raus! Zwei Schuyleute und zwei fortschrittliche Komitemitglieder lassen den Verblüfften, ihm noch einen Stoß ins Genick gebend, rückwärtsschrittlich auf die Straße gleiten. Draußen fäubern die Bewaffveten. Die Versammlungen felbst waren nie allgemeine, sondern Versammlungen für fortschrittliche, liberale 2c. Wähler; somit konnte jeder, welcher nicht nach dem Geschmack der Einberufer sprach, entfernt werden. In einer fortschrittlichen Versammlung im Odeum bat vor Eröffnung der Versammlung der Getreidemensch Max Nathan den anwesenden Polizei- Inspektor Krieter, er möge doch seine Schuyleute rings im Saal postiren, damit sie die Ordnung besser aufrecht erhalten könnten. Die Bitte wurde erfüllt und der Saal aufgeräumt. Die Bezeichnung Magdeburg ist falsch, richtiger wäre Knechteburg. Am Entscheidungstage fiel der nationalliberale Dr. Weber durch, und der fortschrittlich- sezessionstische Büchtemann tam mit unserem Kandidaten Viereck zur Stichwahl. Daß wir der nun sich bildenden Koalition sämmtlicher sogenannter Ordnungsparteien unterliegen mußten, war vorauszusehen. Es giebt hier, wie vielerorts, noch eine große Anzahl Proletarier, welche ihrer Klaffenlage sich noch nicht völlig bewußt, indifferent dem Kampfe zusehen. Den Daheimgebliebenen verdanken wir in erster Linie unsere Niederlage. Andererseits waren auch, Dank der derzeitigen politischen Situation, die Chancen der Fortschrittspartei überaus günstige. Unter dem erbetenen Schutze der Polizei konnten die Fortschrittler in furzer Zeit in allen Theilen des Wahlkreises eine große Anzahl Versamm lungen abhalten, während wir, durch das Ausnahmegesetz gefnebelt und fortwährend polizeilich bewacht, nur in je einem Flugblatt in jedem Wahlgange zu den Arbeitern sprechen konnten. Das erste Flugblatt, in Braunschweig gedrudt, mußten die Genoffen in finsterer Nacht aus einem zwei Meilen weit entfernten Versteck holen und durch die polizeilich besetzten Festungsthore in die Stadt schmuggeln. Nur wenige Exemplare der beiden Blätter fielen der Polizei beim Austragen in die Hände, obgleich fast alle Straßen von geheimen und bewaffneten Schutzleuten besetzt waren. Die für unseren Kandidaten abgegebenen Stimmen sind bisher von Wahl zu Wahl gestiegen, diesmal waren es 7000; und hoffen wir, durch unablässige Agitation die uns diesmal noch fehlenden 1000 Stimmen baldigst zu stellen und zu fiegen. Das Nachspiel zur Wahl bilden eine Anzahl Prozesse wegen Uebertretung des Vereins- und Preßgeſetzes. Bis jetzt sind verurtheilt 1) Heinrich zu 50 Mt., weil er als Verleger der Flugblätter duldete, daß auf dem 2. Flugblatte ein falscher Drucker genannt wurde. 2) Bartels, Klees, Geserick, Heinrich, Stahl zu 120, 99, 75, 75, 75 Mt, weil sie in Biederitz bei Magdeburg eine geheime Versammlung abgehalten haben und in derselben als Ordner, Leiter und Redner aufgetreten sein sollen. 3) Lantau endlich zu 30 Mt., weil er in einem Restau rant sich mit seinem Tischnachbar über öffentliche Angelegenheiten unterhalten hatte und somit dieser 3wei Männerversammlung als Redner aufgetreten war!! Die übrigen Mitangeklagten wurden freigesprochen, weil sie sich( wahrscheinlich aus Niederträchtigkeit) nach Angabe des Polieiinspektor Krieter, welcher an der Thür gehorcht, nicht unterhalten hatten. An dem Tage, an welchem unter Andern auch gegen Stahl verhandelt wurde, hatte derselbe es vorgezogen, anstatt zur Verhandlung zu kommen, nach Amerika auszuwandern. Der im Termin anwesende Polizeifommiffar Sommermann frug nun beim Staatsanwalt an, ob der 2c. Stahl durch die Polizei in Hamburg festgenommen werden könne. Der Staatsanwalt erklärte aber, daß das nicht angehe, es würde Stahl Unrecht geschehen, weil man nicht wissen könne, ob Stahl vielleicht seine Geldstrafe von Amerika einsenden werde. Und richtig! Vor Kurzem hat Stahl geschrieben, daß nächsten 8 75 Mt. ankommen. Jm Biederizer Prozesse, dessen Erkenntnisse wegen eingelegter Berufung noch nicht rechtsfräftig find, figurirt als Hauptbelastungszeuge die polizeiliche, uelfe". Begierig sind wir nun, ob auch die Berujungsrichter den Aussagen der Polizeikommissare, welche sich auf die den Richter und Angeklagten unbefannte unverantwortliche und unvereidbare„ Quelle", stüßen, Glauben beimeffen werden. In den schöffengerichtlichen Urtheilsgründen ist im Betreff der Glaubwürdigkeit dieser Quelle" Ungeheueres geleistet. Die Bourgeoisschöffen und diverse Richter sind durch das Ausnahmegesetz geradezu verrückt geworden. " " 1 In prinzipieller Hinsicht eristiren hier keine Meinungsverschiedenheiten. Als wir seiner Zeit die Angelegenheit Breuel contra Sozialdemokrat" diskutirten, erklärten sich die Genossen mit der bishe rigen Schreibweise des„ Sozialdemokrat" einverstanden, nur von einigen Ausdrücken, wie sie schon von einem Genossen in Nr. 28 gerügt worden, glauben sie, daß dieselben in anderer Form gegeben werden könnten. Unsere Finanzen standen im Vorjahr mittelmäßig. Mt. 1374. 21 Die Einnahmen incl. Wahlgelder betrugen Die Ausgaben betrugen " 1285. 35 Reservefond am 1. Januar 1882 Mt. 88. 86. Die Ausgaben vertheilen sich auf Flugblätter, Stimmzettel und sonstige Wahlfoften, Prozeßfosten, Familien- Unterstützungsgelder, Unterstützungsgelber an Durchreifende und Baarsendungen zur Partei- Hauptkaffe. Zur Zeit verfügen wir über etwas mehr Mittel, werden jedoch an teine durchreisenden Genoffen, gleich viel ob Ausgewiesene oder Gemaßregelte, Unterstützung zahlen, da ein jeder wissen muß, wohin er sich zu wenden hat, um unterstützt zu werden. Nur in Ausnahmefällen, z. B. auf der Flucht 2c., werden wir Reisegelder verabfolgen. Zum Ausgleich werden wir dagegen der Hauptkasse mehr einsenden. Zum Schluß möchten wir die hiesigen Genossen bitten, dafür zu sorgen, daß der Abonnentenstand des„ Sozialdemokrat" ein höherer wird und die Abonnementsbeträge monatweise im Voraus entrichtet werden. Im Auftrage X. Mit Gruß! Aus der Niederlaufik, 21. Juli. Anknüpfend an meinen Bericht in Nr. 35 des„ Sozialdem.", betreffend die Ausweisung des Genoffen Gin hold aus Forst, sei bemerkt, daß Ginhold auf seine Beschwerde bei der Kgl. Regierung zu Frankfurt a. D. nachstehenden Bescheid erhalten hat: Frankfurt a. D., den 30. Juni 1882. Auf Ihre Beschwerde vom 27. v. Mts. über die seitens des dortigen Magistrats verfügte Ausweisung aus Forst benachrichtige ich Sie hiemit, daß, nachdem der Magistrat, wie derselbe berichtet hat, sich mit Ihrer Niederlaffung einverstanden erklärt hat, Ihre Beschwerde erledigt ist. Der Regierungs- Präsident J. V. Staber." Also, erst ausgewiesen und jetzt mit der Niederlassung einverstanden erklärt. Der Hochwohlweise hat allergnädigst geruht, unsern Genossen den Aufenthalt zu geſtatten, um sich der öffentlichen Blamage zu entziehen. Und der Herr Regierungspräsident, der Vertreter der staatlichen Autorität", dessen Pflicht es doch gewesen wäre, die RechtsEs handelt frage zu betonen, geht mit Eleganz über dieselbe hinweg. G fich ja nur um einen Arbeiter. Das sind unsere ,, Ordnungswächter! Heute etwas über die hiesigen kapitalistischen Ausbeuter, das Fabritantenthum! Die in hiesiger Gegend üblichen Arbeitslöhne und Arbeitsverhältnisse find denen in den übrigen Theilen Deutschlands gleiche das heißt, der Arbeiter muß für wenig Lohn Uebermäßiges leisten. Die Löhne sind in den früheren schlechten Geschäftsjahren auf das denkbar niedrigste Niveau gesunken. Dabei ist die Behandlung der Arbeiter von Seiten ihrer Vorgesetzten und der Arbeitgeber eine infame, man sucht dem Proletarier jedes Gefühl der Selbständigkeit auszutreiben, indem man die als die gefügigere weibliche Arbeitskraft der männlichen vorzieht. Die Arbeiterinnen müssen sich gleich beim Arbeitsantritt verpflichten, ihre Ehre Preis zu geben, sonst ist ohne Weiteres das Arbeitsverhältniß gelöft. Die herrschende Gesellschaft ist derart korrumpirt, daß sie nicht allein des Arbeiters Blut bis auf den letzten Tropfen aussaugt, er wird auch seiner Scham und Ehre beraubt ja man treibt ihn sogar so weit, daß er zu Mitteln greift, welche ihn auf längere Zeit in's Zuchthaus bringen können. Nachstehender, in Forst vorgekommener Fall verdient erwähnt zu werden. In der dortigen Tuchfabrik von Klemm u. Werner hat die Prostitution ihren Höhepunkt erreicht. Die Arbeitszeit in dieser Fabrik dauert mit wenig Unterbrechung Tag und Nacht. Man hat zur Vor- und Zurichterei ca. 18 junge Mädchen angestellt, welche abwechselnd vom Werkmeister und Fabrikherrn gebraucht werden, um deren thierische Gelüfte zu befriedigen. Hat der Fabrikant irgend welche Bedürfnisse, so muß die Auserlesene das Schlafzimmer des Wüstlings aufräumen, damit er auf falsche Vorspiegelung hin dem Mädchen Gewalt anzuthun vermag. So ist es nun gekommen, daß binnen Kurzen in drei bekannten Fällen( ohne die unbekannt gebliebenen) den Opfern dieses Systems Mittel herbeigeschafft wurden, um die Leibesfrucht zu tödten. Eine der Unglücklichen vermochte jedoch von diesen Anerbietungen feinen Gebrauch zu machen, ließ es vielmehr auf die unvermeidlichen Folgen ankommen es tam zu Auseinandersetzungen, und kurz darauf wurde der Werkmeister Profe verhaftet und in das hiesige Gerichtsgefängniß eingeliefert. Bis jetzt herrscht über diese Angelegenheit offiziell noch tiefes Schweigen. Man spricht von bedeutenden Summen, welche an Profe gezahlt worden seien, damit er sich in's Ausland flüchte. Ich könnte noch eine ganze Reihe ähnlicher Fälle anführen, aber dieser eine genügt, um zu zu zeigen, wie sehr der heutigen Gesellschaft das Gefühl für Recht und Sittlichkeit abgeht. Doch wiegt Euch nur immer in Sicherheit, Ihr Ausbeuter und Volksbedrücker, der Tag, wo Eure Stunde schlägt, naht trotzdem mit Riesenschritten. Je stärker der Druck, je schamloser die Willkür, mit welcher Ihr gegen uns verfahrt, um so ingrimmiger haßt Euch der Proletarier, den Ihr zum Arbeitsthier herabgewürdigt glaubt, um so leidenschaftlicher sehnt er den Moment herbei, wo er seine volle Menschenwürde zurückerobern wird! Der rothe August. Meerane, 14. Juli. Wiederum haben wir den Hingang eines unerschrockenen Kämpfers für Freiheit und Recht zu verzeichnen, dessen Verlust uns um so schmerzlicher ist, als es deren wenige gibt, welche mit so viel Aufopferung und Standhaftigkeit für die Ziele der Sozialdemofratie gewirkt haben, als der Dahingeschiedene. Franz Hübner war sein Name, der manchen unserer älteren Genossen wohl bekannt sein wird. Hübner war trotz seines hohen Alters stets am Plaze, wo es galt, für unsere Sache zu wirken, und nicht nur vor Jnkrafttreten des Sozialistengesetzes, sondern bis zu dem Augenblick, wo ihn sein Leiden auf's Krankenlager warf, hat er die regste Thätigkeit gezeigt. Unsere Gegner konnten ihm das auch nicht vergessen. Man versagte ihm jegliche Unterstützung, und hätte er deshalb die letzten Tage seines Lebens noch große Noth leiden müssen, wenn dieselbe nicht durch Opfer vieler Genoffen gelindert worden wäre. Und so haben wir ihn denn Sonntag, den 3. Juli, der Erde zurückgegeben. Eine große Anzahl Genossen folgte seinem Sarge, trotzdem das Begräbniß schon früh halb 7 Uhr stattfinden mußte, jedenfalls um eine größere Demonstration zu vermeiden. Ein Genosse sprach noch Worte des Dankes an seinem Grabe, indem er seiner Thätigkeit gedachte und die umstehenden Genossen ermahnte, daß fie den Dahingeschiedenen sich zum Vorbild nehmen mögen, und legte zum Schlusse einen Kranz mit rother Schleife und passender Inschrift auf den Sarg nieder. Später wurde das Grab noch durch ein rothes Kreuz mit der Aufschrift:„ Ge widmet von den Sozialdemo fraten" geziert. Seit einiger Zeit regt es sich hier sehr stark untern den Webern behufs Erhöhung der auf das tiefste Niveau gesunkenen Löhne. Ueber den Verlauf dieser Bewegung werde ich seiner Zeit Bericht erstatten. Meerane, im Juli. Die hiesigen Genossen erklären, daß sie mit dem im Briefkasten Nr. 21 des„ Sozialdemokrat" beantworteten Brief aus Meerane nicht einverstanden sind, daß sie von diesem Brief, der die Glauchauer Genossen dem beleidigenden Verdachte aussetzte, mit der deutschen Schandwirthschaft zufrieden zu sein, vor seiner Absendung feine Kenntniß hatten, derselbe vielmehr auf persönliche Motive zurückzuführen sei.*) Mülhausen, 9. Juli. Der berühmte Polizeiinspektor Kaltenbach von hier, welcher sich im Monat Februar im Auftrag der russischen Regierung nach der Schweiz begab, um die Nihilisten zu überwachen, ist, nachdem er sich einige Wochen am Bodensee aufgehalten, freiwillig oder unfreiwillig hierher zurückgekehrt und hat seinen Dienst als Polizeinspektor wieder übernommen. Wir glauben eher, daß er nach der Schweiz ging, um dem russischen Staatsschatz einige tausend Rubel abzufangen, damit er seine ihn drückenden Gläubigern etwas befriedigen konnte, als um die Nihilisten zu überwachen. Ob er alle seine Schulden bezahlt hat, das wissen nur die- Kinder Israels. *) Dieser Satz war selbstverständlich nur ironisch aufzufassen, einen solchen Vorwurf im Ernst auszusprechen, lag auch dem betreffenden Briefschrieber fernt. Warnung. Wir warnen die Genossen vor dem Schlosser Fritz Goercki, welcher früher in Crefeld, Magdeburg und Braunschweig war und sich jetzt in Berlin befindet. Derselbe steht im dringenden Verdachte, die zulegt aus Berlin Ausgewiesenen denunzirt zu haben. Die Mülhauser Genossen warnen vor Philipp Laible( auch Verein angehören. Es ersucht deshalb der unterzeichnete Vorstand bis auf Weiteres jeden Zuzug von hier fern zu halten. Der aus Berlin ausgewiesene Gustav Diezmann ist in obiger Fabrik Meister und ist der Urheber dieser Handlung des genannten Fabrikanten. Die Arbeitsverhältniffe hier am Platze sind sehr schlechte. Kopenhagen, 27. Juli 1882. mood Mit sozialdemokratischem Gruß! Der Vorstand des Zigarrenarbeitervereins: E. Hyller, Vorsitzender. Zur Beachtung. Mehrfachen Anfragern zur Antwort, daß W. Hasenclever nicht mehr in Wurzen wohnt, sondern in Halle a. S., Anhalterstraße Nr. 9/ a II. Achtung! Da viele auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie in Oesterreich, ihre Briefe immer wieder un genügend frantiren, wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt: Einfache Briefe( bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz toften: 20 Pfg. aus Deutschland( und dem übrigen Ausland) aus Oesterreich- Ungarn Bei • schwereren Briefen fosten immer 10 Krz. je 15 Gramm weitere 20 Pfg., bezw. 10 Krz. Die Genoffen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, als wir ungenügend frantirten Sendungen in der Regel die Annahme verweigern müssen. Die Expedition des„ Sozialdemokrat". Briefkasten der Expedition: Steinberg: M. 60,- A6. 2. u. 3. Qu. erh. Bfl. mehr. Rother Franz: Fr. 12, à Cto. erh. Geld von K. ist allerdings eingetr., aber eine„ N. W." von Ihnen nicht. H. hat betr. E. noch nicht geschr. Ag. d. Br. Mpln.: M. 18,- p. Ab. 3. u. 4. Qu. gebucht, da Nachlieferung Juli unmöglich. M. 15, d. Ufd. dkd. zugew. Raft: M. 50,- à Cto. erh. Weiteres willkommen. Gew. u. D. A. V. Davos- Pl.: Fr. 8,55 f. d. Gen. i. Dtschl. u. Desterr. Kautab.: M. 3, Ab. dfd. erh. Fr. 4,30 wird Arbst." quittiren. " Gem. f. Flb. erh. Bf. folgt. F. Yonsch. N.- Y.: Frs. 253,15( Doll. 50) H. R. London: Fr. 56,99( Pfd. St. à Cto. erh. Bestllg. abges. 2, 5, 3) Ab. 2. Qu. erh. J. R. Aspz.: öw. fl. 1,70 Ab. Mai bis Ende Juli erh. Sem, Ham u. Japhet: M. 34,77 Ab. bis Ende 3. Qu. durch W. erh. P. asp. a. a. M. 2,40 Ab. Aug., Porto u. Ufd. dkd. erh. Peter: M. 18, à Cto. am 27/7. eingetr. Hans A. 3.: Fr. 1, d. Ufd. dkd. zugew. K. Manchester: M. 70, per Ab. 2. u. 3. Qu. gutgebr. Schnürung: M. 100,- á Cto. durch E. erh. Commerzienrath: Folgen fortan 10. Von W. ohne Nachricht. J. Py. Wthur: M. 2,- Ab. Aug.- Sept. f. 1 Expl. nach E. erh. Ahasverus: Neuer eingereiht. Wat nützt det Jewicht, wenn ick teene Onkel: 2 Weitere vorgem. Fldhptm.: Alles Waage habe? Gruß! beachtet. Bfl. mehr. Georg Bf. v. 31/7. eingetr. Bf. folgt. Unversöhnlich: Bestllg. v. 26. ds. in Zwischenhand verspätet. Mt. 2, Robertsen: Fr. 2, Ab. f. Schft. gutgebr. Nachr. v. 29/7. hier. 4. Qu. erh. J. H. C.: Mt. 4,20 Ab. 3. Qu. erh. Ferd.: Bf. an Jg. besorgt. Der Seinige hatte Verspätung in Zwischenhand. Rothbart: Bf. v. 31/7. eingetr. Ueber 27 brieft. Näheres. Anzeigen. Bekanntmachung. Vom 1. August d. J. an beginnt die polnische sozialdemokratische Zeitung , PRZEDSWIT"( Tagwacht) ihren zweiten Jahrgang. Sie wird von jetzt ab regelmässig alle 14 Tage erscheinen. Die polnischen Genossen in Deutschland und Oesterreich werden freundlichst eingeladen, auf dieselbe zu abonniren! Abonnementspreis pro Jahr für Deutschland( Couvert) 10 Mark, für Oesterreich( Couvert) 5 Gulden, für Russland( Couvert) 5 Rubel, für die Schweiz( Kreuzband) 10 Franken, für alle anderen Länder ( Kreuzband) 12 Franken. Adresse der Redaktion und Expedition: Genève( Suisse). Imprimerie de l'Aurore, Rue des Paquis Nr. 5. * * Von der Redaktion und Expedition des ,, Przedswit" sind folgende neu erschienene sozialdemokratische Broschüren in polnischer Sprache zu beziehen: 1) Dr. A. Schäffle. Kwintessencyja socyjalizmu( Quintessenz des Sozialismus) 1 Fr. 50 Cts. 2) Fr. Engels. Socyjalizm utopijny a naukowy( Der wissen50 Cts. schaftliche und der utopische Sozialismus) 3) Czegoz chca?"( ,, Was sie wollen?) Sozialdemokratische Dichtungen auss # 2 Fr. 4) W. Liebknecht. W obronie prawdy.( Zu Schutz und Trutz.) per Zürich. 1 Fr. Samstag, den 5. Aug., Abends 8 Uhr, im Café Kessler, Stüssihofstatt Geschlossene Versammlung der deutschen Sozialisten. Da sehr wichtige Parteiangelegenheiten zur Verhandlung kommen, sind die Parteigenossen aufgefordert, sämmtlich zu erscheinen. Jedes Mitglied ist verpflichtet, die Mitgliedskarte vorzuzeigen. Ohne diese kein Eintritt gestattet. Der Lokalausschuss der deutschen Sozialisten. Zur Beachtung! Comm. Arbeiter- Bildungs- Verein Laibli genannt) aus Württemberg, welcher ebenfalls Denunzianten London 49 Tottenham Street. Tottenham Court Road. dienste geleistet hat und angeblich nach Amerika ausgewandert ist. bis Choo Warnung für Zigarrenarbeiter und Zigarren Arbeiterinnen. 13 Der Fabrikant star Thomsen( Fabrit Royal) in openhagen hat seine Arbeiter entlassen, weil dieselben dem ZigarrenarbeiterDie Wirthschaft des Vereins ist geöffnet von Morgens 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Der Vorstand. Adresse zu achten. Schweizerische Bereinsbuchdruderei Hottingen- Zürich.