Erscheint+ d A. Abonnements »»che«tl«ch« i o m a l M �«j H■ werden nur b«im L-rl-g und � � T\$x �nitrtminitiiRrrtTS? Iniag H B U N/ U W» �Tl L«»» Ä»» AUW Ä U W WWW Fr�.- s«r die Schwei,<«r-uzb-nd> Nxlktbuchhandlung JgL WM M /MI W» A>« M KM» NAN ADMU U. UM U M�z.- sllr Deuischinnd<«°u»-rt> Hottingen-ASrich. Cs y�" A W �*<«>•* � R. 1. 70 für Oesterreich(Sondert) - 5t. 2.50 für alle übrigen Länder de, Jltfdbnngtn /I Weltpostverein»(Kreuzband» sranco gegen sranco.' Sewihnliche Briese � � j e/ i* /» /•?» s kl I t t -"-Hr" Kmtrat-Krgan der deutschen Sozraldemokratle Abonnenients-Emladung. Mit Nr. 40 beginnt ein neue» Onartalbabonnement ans den„Sozialdemolrat" Wir ersuchen unsere Leser, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, sowie sür Gewin- nung neuer Abonnenten unabläsng tbätig zu sein,»eder da»«bannement aus »««„«»zialdemakrat" noch da««mpsehlen desseibcn ist I« Deutschland strafbar, sondern lediglich dt« direkte Verbreitung. 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Dieser Preit kann indessen, namentlich rn Deutschland, bedeutend ermätzig, werden, wenn sich die Genossen eines Orte» zum Bezug im Grotzen vereinigen. Wenn unverdächtige Empsangt- adressen gewählt werden und damit stets gewechselt wird, wenn serner die geheime Lertheilung an die-bannirten Genossen vorsichtig geschieht: dann ist die Gefahr der Entdeckung beim Sesammtbezug weit geringer wie bei den Briesseudungen. Bit zu IS Exemplar-N können in Doppelbrief übermittelt werden! bei grötzeren Be- stellungen ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren an ist der Preit per Quartal aus M. l. 80. franko int Haus festgesetzt, und ist der Betrag monatlich mit SO Pf. im Voraus einzusenden. Sämmlliche Sendungen werden gut verpack», nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland auigegeden. Briefmarken aller Länder werden sür voll angenommen! größere Beiträge in Papier- geld mittelst eingeschriebenem Bries oder Post- Einzahlung. Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügendes Frankiren entstehen, so machen wir daraus ausmerksam, daß einfache Briese(bis 15 Gramm) nach der Schweiz 20 Psg., resp. 10 Kreuzer ö. W. kosten, bei schwereren Briefen je 15 Gramm weitere 20 Psg., resp. 10 Kreuzer. Man wende fich bei Einzelbestellungen an die Expedition, Hottingen-Zürich, bei gemeinsamem Abonnement und um Ausschlüsse an die bekannten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung in der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Frennde. Monatlich« v«rau»bezablung»«» cklbonnem«»t»preis«t a« unser« Per- r auentmänner UN» Ailtaltv-rwalter ist»»«rläßlich! Parteigenossen! Sammelt Euch um Eure Fahne und benützt die Euch gegeben» Waffe mit Eifer und Geschicks seid rührig und thut Eure Pslicht! lK«»aktion und Grptdition de»„Eozialdemokrat". Lug und Trug ist's, wenn die Bertretcr der besitzenden und herrschenden Klassen dem arbeitenden Volke die Erlösung versprechen. Das hat sich jetzt wieder so recht deutlich an dem„Anwalt des armen Manne«" gezeigt. Wie emphatisch hatte er nicht seine Zärtlich- keit für die Armen und Enterbten betheuert, und sogar— der größeren Glaubwürdigkeit halber— durch den Heldcnkaiser höchst- eigenmündig betheuern lassen— und jetzt, da er sich dem Dreiklasse»Wahlsystem gegenübersteht und die Wahl- stimmen der besitzenden Klasse braucht, läßt er plötzlich die Maske fallen und entpuppt sich als Anwalt des Groß- kapitals. Von dem Schüler der B a a r e und Stumm war freilich nie etwas anderes zu erwarten: eS ist aber doch gut, daß der „L-edipus des 19. Jahrhunderts" seine Unehrlichkeit so offen eingestanden, und damit seiner ganzen Sozialreform das Brandmal der verworfensten„politischen Heuche- lei" und des schmachvollsten Humbugs aufgedrückt hat. Der famose Artikel der„Provinzialkorrefpondenz", welcher dieses klassische Geständniß der Unehrlichkeit enthält, ist nun Mar nachträglich deSavouirt worden. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung", das Leib- und Schmutzorgan deS Herrn Bismarck, behauptet, der Herr und Meister sei seit einiger Zeit krank und folglich an dem besagten Artikel unschuldig. Allein daS heißt zu der Schmach des eingestandenen LugS und Trugs nur noch eine weitere Lüge fügen. Wer daS Verhältniß Bis- marck'S zu feinen„Kollegen", die blos CommiS stnd, kennt, weiß, daß keiner derselben eS gewagt hätte, hinler dem Rücken deS gestrengen Reichskanzlers einen, dessen Absichten durchkreuzenden � w 1 c.'" k'' � Provinzialkorres pondenz" zu schmuggeln. Und überdies,' wissen wir ja, daß Herr Bismarck gerade in dieser kriti- lchen Zeit sich sehr lebhaft mit Politik beschäftigt und sogar Muße gefunden hat, einen Schrcibebrief des bayrischen Agrar- CharlatanS Thüngen-Roßbach zu beantworten. Genug— der große„Sozialrcformer" Bismarck hat sich uns tu seiner wahren Gestalt präsentirt, und wir haben auS seineni eigen en Munde das Geständniß, daß wir ihn und seine Sozialreform von Anfang an richtig beurtheilt haben.— Abgesehen von Bismarck und einigen seiner„Leute" find es die Klerikalen, welche am Eifrigsten und Systematischsten in Sozialreform machen. Die Schriften Kette ler's, Mo u fang'«, Jörg's, auch Jäger's sind bekannt, und übertreffen an Gehalt und Wissenschaftlichkeit(soweit dieser Ausdruck erlaubt ist) ent- schieden weit Alles, was von Stöcker'scher und protestantisch- staatSsozialistischer Seite auf diesem Gebiete geleistet worden ist. Neuerding« auf dem Katholikenkongreß zu Frankfurt am Main hat die soziale Frage wieder eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Der General-Sekretär der Katholikenvereine, Hitze, hatte das Referat über dieses brennendste aller Themen der Gegenwart. Er behandelte es„vom Standpunkte deS Rechts und der christlichen Liebe" und entledigte sich seiner Aufgabe mit unleugbarem Geschick. Nach den uns vorliegenden Berichten sagte er im Wesent- lichen: „Die soziale Frage sei die Frage der Zukunft. Auf diesem Gebiete werde der Kampf zwischen Ehristeuthum und Unglauben entschieden wer- den. Die soziale Frage sei so alt wie die menschliche Gesellschaft; stet« habe e« unterdrückte Klassen gegeben und stet« Bestrebungen, sie zu be- freien, nicht nur in der griechischen und römischen, auch in der christlichen Zeit. So die Emanzipationskämpfe der Bürger im 13. und 14. Jahr- hundert gegen die Patrizier, die Bauernkriege, die französische Revolution, endlich die Bewegungen de« vierten Stande« in 1848 und 1871, denen vorausfichtlich noch heftigere folgen würden. Die soziale Frage ist also eine Weltfrage, eine Frage de« Recht» und der Gesetzgebung. Der jetzt unorganische vierte Stand müsse unserem GesellschastSkürper assimilirt werden. Redner führt au«, der Arbeiterstand gelte nur so viel, al« er ArbeitSkrast repräsentire; nur nach dem Gesetze von Angebot und Nach- frage regele sich sein Berhältniß zum Besitzenden. Der Arbeiter gibt nur, was er hat, er hat aber nur seine Arbeitskraft. Politisch ist er frei, sozial abhängig und zwar vom Markte. Das sei die entmenschte Phisiognomie unserer bürgerlichen Gesellschaft, daß, während selbst da« Verhältniß zwischen Herren und Sklaven, zwischen Grundherren und Hörigen durch persönliche Beziehungen gemildert wurde, da« moderne Manchesterthum den Menschen zur Waare herabwürdige. „Redner geht nun näher auf die Beziehungen zwischen Arbeitsmarkt und Waare ein und wendet sich dann zum Ueberfluß an Arbeitskrästen, sowie zur Frage der maschinellen Thätigkeit. Ethisch sei dieser Ueber- fluß an Menschenkrästeli erfreulich, ökonomisch nicht. Die Maschine er- scheint ihm zwar al« ein Fortschritt, allein ihr muß eine Gesellschaft»- Ordnung beschränkend zur Seite stehen, sonst wird sie in Folge der Ueber- Produktion zur Waffe in der Hand de« Stärkeren wie Dynamit. „Ferner geht der Redner auf das Leben der Arbeiterbevölkerung in den Fabrikdistrikten, ihr verkümmertes Aussehen, ihre kümmerliche Nah- rung und Kleidung, die wachsende Unsittlichkeit ein; zu einzelnen seiner Ausführungen gibt er interessante Beispiele zum Besten. „Die Mittel, die Redner zur Beseitigung dieser Schäden empfiehlt, sind: Schutzgesetz für den Arbeiter, dahiugehend, daß nur seine Arbeitskraft, nicht seine Person verdingt werde, Sonntagsruhe, Verbot, die Arbeiter politisch zu beeinflussen, Trennung der Geschlechter, Wiederherstellung der elterlichen Autorität, Verbot der Frauen- und Kinderarbeit, sanitäre Vorrichtungen, Normalarbeitstag, Versicherung für Alter, gegen Unfälle, Krankheit, Tod; Theilnahme an dem Gewinne der Produktion. Diese Gesetzgebung müsse laugsam und schonend in Angriff genommen werden. Hand in Hand mit ihr muß eine soziale Resormbewegung auf allen übrigen wirchschastlichen Gebieten vor sich gehen, sonst sind alle Mittel gegen da« Arbeiter-Cleud nur Palliativen. „Noch zwei Borbedingungen der sozialen Reform bringt der Vortra- gende in Erinnerung: Einmal muß j>er Kulturkampf beendigt werden, dann aber ist die Sozialreform ohne alle Hintergedanken anzubahnen, Den Rechtsstandpunkt will Redner übrigen« nicht allein gelten lassen. Er weist neben der gesetzgeberischen Thätigkeit auch der christlichen„Eharilas" einen Theil der Reform zu. Außerdem sei daran festzuhalten, daß Fleiß und Sparsamkeil die Grundlagen der menschlichen Gesellschaftsordnung seien." Die« die Hauptpunkte deS Vortrags, in welchem Wahres und Falsches wie Kraut und Rüben durcheinandergemischt stnd. Aus die einzelnen Punkte einzugehen, ist sicherlich nicht nöthig, da die Leser hinlänglich orientirt sind. Nur auf eine Behaup- tung sei aufmerksam gemacht, die uns häufig begegnet. Nämlich, daß die soziale Frage so alt sei, wie die menschliche Gesellschaft. Das ist insofern richtig, al« die wirth schaftlichen Verhält- nisse zu allen Zeilen die Entwicklung der menschlichen Gesell- schaff bestimmt haben. In der Form aber, wie sie uns heute vorliegt, ist die soziale Frage durchaus modernen Ur- sprung«, ein Kind deS 19. Jahrhundert«— wie denn überhaupt der Sozialismus durchaus modern ist(insofern er die moderne Gesellschaft zur nothwendigen Voraussetzung hat), und insbesondere dem konfusen Gerede von einer Identität des Christenthums und Sozialismus scharf entgegengetreten werden muß. Was nun die sozialpolitischen Bestrebungen d«S Katholizismus angeht, so fällt es mir nicht ein, zu leugnen, daß Mancher, der diesen Bestrebungen huldigt, eS ganz ehrlich meint, ja von den edelsten Triebfedern geleitet ist, aber die bloße Thatsach«, daß der Katholizismus seit seinem Bestehen, daS heißt einem Zeitraum von fast zwei Tausend Jahren entweder nicht die Lust oder nicht die Fähigkeit gehabt hat, da« soziale Elend zu beseitigen, ja auch nur zu mildern, reicht hin, diesen Bestrebungen im Großen und Ganzm den Stempel der Heuchelei und des Humbug« aufzudrücken, den die BiSmarck'sche Sozialreform an der Stirne trägt. Kurz— ob die Vertreter der besitzenden Klassen in Staat und Kirche nicht wollen, oder ob ste nicht können— einerlei: die Sozialreform, welche sie den Arbeitern als All-Heilmittel darbieten, ist eitel Lug und Trug. 8elini. Die„Provinzialkorrespondenz" und der Sozialismus. Wir haben in voriger Nummer da« Versprechen abgegeben, der Bis« marckischen„Provinzialkorrespondenz" den Nachweis zu liesern, daß„die Beschützung der Börse und der Kapitalbildung in der That der wahre Sozialismus ist." Die Selbstohrfeige, welche sich das oberosfiziöse Blatt seitdem unter dem Titel„Mißverständnisse" hat verabfolgen müssen, ent- bindet nn» diese« Versprechens nicht. Dieselbe gilt lediglich dem tälpel- hasten Verplappern; im Uebrigen aber bleibt e« bei der von nn« gemeldeten Schonung des Kapitals. Die arme„Provinzialkorrespondenz" ist vollkommen „mißverstanden", weil sie sich offen und unumwunden ausgesprochen hatte, und nur, um diese„Mißverständnisse aufzuklären", wiederholt sie das offen heraus Gesagte in möglichst verklausnlirter Form. Ein Verfahren, dessen Zweckmäßigkeit sicherlich Uber alle Zweifel erhaben ist. Hören wir zunächst, wie die„Provinzialkorrespondenz" Mißverständ- nisse ausklärt. Sie sagt von ihrem verkannten Artikel über die Klassen- steuer: „In dieser Beschränkung hat nun der Artikel nicht« weiter sagen wollen und gesagt, al« daß, wenn zur Besriedigung eine« derartig hohen Bedarfs(nämlich zur Entlastung der Kommunen. D. Red.) vor- wiegend da» mobile Kapital herangezogen werden sollte, die zur Erhaltung de« Voltswohlstande« unerläßliche Kapitalsbildung nicht nur erschwert, sondern geradezu unmöglich(I) gemacht wer- den würde— ein Satz, welcher weder von Freund noch Feind be- stritten werden wird. Es schien zweckmäßig, dieses Verhältniß noch- mal« klarzulegen und damit den Beweis zu liefern, daß zur Durch- führung der angebahnten Stcuerresorm unter allenUmständen der auch von der Reichsregierung gewählte Weg der indirekten Besteuerung beschritten werden müsse. Der Frage selbst, ob da» mobile Kapital in irgend einer Form, sei es im Wege der Kapital Rentensteuer, sei es im Wege einer Erbschaftssteuer, sei es im Wege einer prozentualen Börsenfleuer, zur Deckung de« Staat«- bedarse« bezw. zur Durchführung der Steuerreform m i t heranzu- ziehen ist, hat damit in keiner Weise präjudizirt(im Voran» ent- schieden) werden sollen und namentlich ist auch nicht andeutungS- w e i s e(!) ausgesprochen worden, daß die StaatSregierung ihrerseits diesen Weg für einen einen zulässigen überhaupt(!) nicht erachte." Man vergleiche den Einleitungssatz mit dem Schlußsatz, und man wird begreifen, daß nunmehr sowohl Stöcker al« auch Bleichröder zu- friedengestellt sein könne». Stöcker kann, aus den Letzteren gestützt, seinen Bauernsang munter fortsetzen, während Bleichröder seineu Freunden von der Börse„bei der Ehre seiner Ahnen" die trostreiche Bersichernng abgeben kann, daß dem Gislbaum kein Aestlein beschnitten werden soll. Wa« will man mehr? Da« ganze Kunststück besteht darin, daß erst vom„vorwiegenden Heran- ziehen" und hernach nur vom„mit Heranziehen" die Rede ist; und e» bedurste wahrhaftig nicht der„Provinzialkorrespondenz", um un« die Ueberzeugung beizubringen, daß der Mann, der da« Geld nimmt, wo er e« findet, bei dem Heißhunger nach neuen Einnahmen irgend einen Weg zu solchen für einen unzulässigen„U b e r h a u p t nicht erachte". Mit anderen Worten heißt das, daß Bismarck der Kapital-Rentensteuer, der Erbschaftssteuer, der prozentualen Börsenfleuer, diesen„Forderungen de« falschen Sozialismus", möglichst au« dem Wege gehen, unter allen Umständen aber den Weg der indirekten Besteu- e r u n g wählen wird. Und damit wären wir wiederum bei dem ersten Artikel angelangt, dessen Tendenz darauf hinauslies: die Beschützung der Kapital- bildung ist der wahre Sozialismus. Um die Richtigkeit diese« Satze« zu begreisen, müssen wir un« zunächst die Frage vorlegen, aus wessen Kosten die Kapitalbikdung heute vor sich geht. Direkt und m erster Reihe natürlich aus Kosten de« besitzlosen Prole- tariat«. Der besitzlose Arbeiter muß seine ArbeitSkrast bei Strafe des Hungertodes dem besitzenden Unternehmer gegen einen auf Grund de« Gesetze» von Angebot und Nachfrage bemessenen Lohn zur Verfügung stellen. Der Mehrwerth seiner Arbeitsleistung über seinen Arbeitslohn ist die Quelle aller Kapitalbildung. Kapital ist nicht» andere« als aus- gehäufte, nichtbezahlte menschliche Arbeit. Und diese Kapitalbildung sollte der wahre Sozialismus sein? Keineswegs. Sie ist da« direkte Gegentheil de« Sozialismus. Dieser will vielmehr den Unfug, daß ein Mensch den Mehrwerth der Produktion anderer Menschen zu seinem Vortheil aufzuhäufen vermag, au« der Welt schaffen durch Einführung der gesellschaftlichen Produktion im Interesse Aller. Die Umwandlung der privaten in die gesellschaftliche Produktion ist aber naturgemäß um so leichter, je mehr die Erstere bereit« kouzentrirt ist; da« heißt, je mehr sie auf großkapitalistischer Basi» bettieben wird. In einer großen Fabrik z. B. ist die Produktion bereit« im gewissen Sinne gesellschaftlich, nur ihre Leitung, sowie die Vertheiluug de« Ertrage» geschieht noch nach privatkapitalistischen Grundsätzen. Da nun serner in den großen industriellen Etablissement« eine Vielheit organifirter Arbeiter einzelnen wenigen Ausbeutern gegenübersteht, so würde auch nach dieser Richtung hin die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise keinen wesentlichen Schwierigkeiten begegnen. Nun gibt e» aber heute zwischen Großkapitalisteu und Arbeitern noch eine große Zwischeuklaffe: die Kleinhandwerker und Kleinhändler. Sie find infolge der modernen industriellen Entwickelung, welche die An- Wendung immer komplizirterer, also auch theurerer Werkzeuge, sowie die gleichfalls große Kapitalien voraussetzende Massenproduktion erfordert, dem Untergange gewidmet. Nur eine Minderheit von ihnen hat da« ein- gesehen und macht heute gemeinsame Sache mit den Arbeitern. Die Mehrheit dagegen sucht mit allen Mitteln den gegenwärtigen Zustand der Dinge ausrecht zu erhalten, ja womöglich da« Rad der Entwickelung zurückzudrehen. Je ohnmächtiger sie sich dem Großkapital gegenüber fühlen, um so herrschsüchtiger, um so rücksichtsloser treten sie der Arbeiterklaffe gegenüber. Sie sind es, die am lautesten nach polizeilicher Bevor- mundung der Arbeiter rusen, die heuttge Z u n f t b e w e g u n g hat fast ausschließlich den Zweck, die Arbeiter wieder unter die Botmäßigkeit der koalirten Handwerksmeister zu bringen. Wo sie der Großindustrie etwas am Zeuge flicken können, da thun sie e« nicht mehr wie gern; obald es aber gegen die Arbeiter geht, sind sie die Pioniere der Groß- industrie. Ihrer eigenen Schwäche sich bewußt, halten sie e« stet« mit der herrschenden Gewalt und berufen sich mit Borliebe daraus, daß sie da« staatScrhalteiide, konsirvatwe Element der Gesellschaft bilden. In Wahrheit aber sind sie reaktionär, da sie jeden industriellen Fort- schritt fllrchten und am liebsten nicht nur die nationalen, sondern auch die lokalen Verkthr«schranken wiederherstellen möchten. Der Handel ist ihr natürlicher Todfeind. Mit allem Auswand ihre« sittlichen Patho« wissen sie gegen ihn zu donnern, er ist der Urquell aller Uebel. Je weniger der Händler das Publikum über'« Ohr haut, um so Oer- abscheuenswerther ist er. Es wäre unbillig, den Kleinindustriellen aus diesem Haß einen Vorwurf zu machen. Der Händler ist der Helfershelfer der Großindustriellen, mit seiner Hilfe richtet dieser sie zu Grunde. Wäh- rend sie mit den Letzteren aber die Stellung den Arbeitern gegenüber gemein haben oder wenigsten« gemein zu haben sich einbilden, herrscht zwischen ihnen und den Händlern der krasseste Gegensatz, der noch da- durch verschärft wird, daß Dank der modernen Entwickelung der Hand- werker immer mehr zum bloßen Arbeiter bezw. Werkmeister de« Händ- lers wird, und noch dazu in seiner, des Handwerkers, eigenen Behausung. Man begreift daher, mit welcher Inbrunst die ganze kleinbürgerliche Welt die vernichtende Kritik, welche der Sozialismus dem Handel hat angedeihen lassen, nachbetet. Nach ihr kann in dieser Beziehung gar nicht genug geschehen. Alle Augenblick können wir von ihnen— in ihrer Presse und in ihren Versammlungen— den abgeschmackten Vorwurf hören, daß die jüdischen Sozialisten Marx und Lassalle das schändliche Handelskapital auf Kosten des so unschuldigen Industriekapital« geschont hätten. Der richtige Sozialismus bestehe in der Beseitigung de» Hau- del«, wenn der Profit des Zwischenhändler» wegfalle. dann sei die so- ziale Frage gelöst. Schade nur, daß die guten Leute, die natürlich Marx und Lassalle nur vom Hörensagen kennen, nicht auch angeben, wodurch sie den Handel ersetzen wollen. Abgesehen von einigen Utopistereien läuft ihr„richtiger Sozialismus" auf Befürwortung von allerhand Polizei- maßregeln(Verbot de« HausirhandelS tc.) hinaus. Diese kleinbürgerliche Welt nun ist es, welche den Kampf der Arbeiter gegen die Ausbeuterklasse in jeder Beziehung erschwert und verlängert. Ohne diese, ihrer Zahl nach ziemlich beträchtliche Zwischenklasse, wäre die wirthschaftliche Emanzipation der Arbeiterklasse mit Leichtigkeit zu bewirken, würde die Durchführung des Sozialismus auf keinen nennen»- werthen Widerstand stoßen. E« ist daher im Interesse der baldigen Erlösung de» Proletariat» vom Druck der kapitalistischen Ausbeutung, sowie im richtig verstandenen In- teresse der überwiegenden Mehrzahl der Handwerker selbst gelegen, daß die Weiterentwickelung der großkapitalistischen Produktion unbehindert vor sich gehen kann, oder, um mit der„Provinzial- Korrespondenz" zu reden, es ist da« Bestreben zu bekämpfen,„die Kapitalbildung und das zu derselbe» gehörige Operationsfeld des Kapitals auf seinem Boden zu zerstören". Das hier gemeinte Operationsfeld des Kapitals aber ist— d i e B ö r s e. Die Börse, dieser Tempel des Schwindels, ist in der kapitalistischen Gesellschaft absolut unentbehrlich; sie ist die Vermittlerin der Konzentrirung de« Großkapital«, dieses„größten materiellen Hebel« jeder eigentlichen Zivilisation", wie die„Provinzial- Korrespondenz" sagt, und zwar sehr richtig sagt. Aber eisern nicht auch die Sozialdemokraten wider die Börse und den Kapitalismus? Ganz gewiß; nur thun sie dies nicht in der Absicht, um durch Schließung der Börse und Erschwerung der Kapitalbildung das niemals bestandene goldene Zeitalter wieder einzuführen, sondern sie denunziren die Machinationen der Börse und da« schändliche mit der großkapitalistischen Entwickelung verbundene AuSbeutungssqstem, sie weisen nach, daß alle diese großartigen Errungenschaften der modernen Zivilisation nur zu immer größerem Elend und zu immer größerer Ab- hängigkeit der weitaus größten Klasse der Bevölkerung führen, so lange die bereits ihrem inneren Wesen nach gesellschaftlich gewordene Produk- tionSweise nicht auch in allen Beziehungen zu einer gesellschaftlichen um- gewandelt sein wird. Sie bettachten die moderne Großproduktion aus privatkapitalistischer Basis als ein Uebergangsstadium zur gesellschaftlich organisirten Produktion und bekSiupfcu jeden Versuch, diese Entwickelung aufzuhallen, al« illusorisch und schädlich. Mögen daher die Kleinbürger sich sittlich entrüsten, daß an der Börse um Millionen gespielt wird, während sie beim Star nur um die halbe» Pfennige spielen, von derartigen Gefühlsanwandlungen weiß der Sozialist. weiß der klassenbewußte Proletarier sich frei. Die Jmmoralität des Börsenspiel« ist für ihn nicht größer als die Jmmoralität de« ganzen ausbeuterischen Produltionssystems. Mag der Ausbeuter Christian oder Jyig heißen, mag Christian den Jtzig, oder Jtzig den Christian über de» Löffel barbieren, da« ist dem Arbeiter- Nebensache, Hauptsache ist und bleibt für ihn, daß er sobald als möglich in die Lage versetzt werde, Beiden, Christian und Jtzig, da« AuSbeu tungshandwerk zu legen. Da nun die Börse und der Kapitalismus infolge ihrer expropriatorischen Thätigkeil in jeder Beziehung ihm dabei in die Hänoe arbeiten, die Zahl der selbständigen Existenzen von Tag zu Tag verringern, und die Armee de« industriellen Proletariat« im entsprechenden Grade vermehren, bi« diese stark genug ist, das Werk der sozialistischen Expropriation im In- teresse der Gesammtheit zu vollziehen, so ist thatlächlich die„Provinzial- korrespondenz im Recht, wenn sie— entgegen dem kleinbürgerlichen Ge- schwätz der Itöcker, Schulze, Wagner und Konsorlen— die Beschützung der Börse und der großkapitalistischen Entwicklung al« den Weg zum wahren Sozialismus proklamiri. Der wahre Sozialismus, da« ist der proletarische, der revolutionäre Sozialismus. *** Wir haben unser Wort gehalten, wir haben der„Provinziallorrespon- denz" nachgewiesen, daß sie in Bezug au> oen wahren und falschen Sozialismus auf dem rechten Wege ist, wir wollen indeß, um uns nicht der Gefahr auszusetzen, von irgend einem Bismarckischen Reptil au's schmutzige„Bruderherz" gedrückt zu werden, dem Blatt, in welche« Bis- marck„noch keine Zeile geschrieben hat", noch einige Wönleiu über die Nutzanwendung des oben ausgeführten mit Bezug auf die Frage der Steuerreform widmen. Es ist der schamloseste Humbug, der je getrieben wordeu ist, weun man dem Volke weismachen will, die höhere Besteuerung des fundirlen Kapitals, also eine progressive Vermögenssteuer, fei in irgend einer Weise der Kapitalbildung hinderlich, werde irgend Jemanden, der in der Lage ist, Kapital anhäufen zu können, veraulassen, auf diese« angenehme„kulwr- sördernde" Geschäft zu verzichten. Es wird Niemaudem einfallen, darum etwa nicht Millionär werden zu wollen, weil er von seinem Einkommen dann vielleicht drei Prozent mehr zu versteuern haben würde al« irgend ein armer Teufel. Der Trieb der Kapitalbilduug ist allerdings kein Naturtrieb, aber er ist in der heutige n Gesellschaft ein natürlicher, durch dieselbe erzeugter Trieb. Rentier zu werden, da« ist da« höchste Streben einer echt bürgerlichen Seele, da« durch die„Sttafe" einer etwas höheren Einkommensteuer in keiner Weife beeinträchtigt wird. Wie wenig die Vermögenssteuer der Kapitalbildung Eintrag thut, zeigen die Erfahrungen des Kantons Zürich. Wa» hat man hier nicht alles prophezeit, als das Volk mit überwiegender Mehrheit die progres- five Besteuerung der Vermögen votirte! Und keine von den Unglück»- Prophezeihungen ist eingetroffen.*) Und was iu diesem kleinen Kanton, der noch nicht einmal den zehnten Theil de« Regierungsbezirk« Potsdam einnimmt, möglich war, da» soll in Preußen unmöglich sein? Alberne AuSstucht! Würdig de«„großen Sozial- resormer«", dessen„praktische» Christenthum" daraus hinausläuft, die Drohnen der Gesellschaft möglichst zu schonen und alle Lasten de« *) Ein halbe« Dutzend Kapitalisten lies zwar im ersten Aerger davon, kehrte aber, Einer, nach dem Andern, sehr bald zurück. Staate« dem arbeiteudenBolkeinForm von indirekten Steuern aufzuhalsen. Hier noch von wahrem oder falschem Sozialismus reden, heißt den Spaß denn doch zu weit tteibeu; da ist uur eiu Wort am Platze: In- famer Bolksbetrug. Teo. Aus der Reichshauptstadt. Berlin, 14. September 1882. Also des„Aufruhr«" sind„Pötting und Genossen" angeklagt. Der einschlägige Paragraph de« Reichsstrafgesetzbuchs(§ 115) lautet: „Wer tu einer öffentlichen Zusammenrottung, bei welcher eine der in den§§ 113 und 114 bezeichneten Handlungen mit vereinten Kräften begangen wird, Theil nimmt, wird wegen Aufruhrs mit G e s S n g n i ß nicht unter sechs Monaten bestraft. Die Rädelsführer, sowie diejenigen Anführer, welche eine der iu den 8s 113 und 114 bezeichnete» Handlungen begehen, werden mit Zuchthaus bi« zu zehn Jahren bestraft; auch kann aus Zuläsfigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden. Sind mildernde Umstände vorhanden, so ttitt Gesängnißstrase nicht unter sech« Monaten ein." Die oben angeführten§8 113 und 114 lauten: „8 113. Wer einem Beamten, welcher zur Vollstreckung von Gesetzen, von Befehlen und Anordnungen der Verwaltungsbehörden oder von Urtheilen und Verfügungen der Gerichte berufen ist, in der rechtmäßigen Ausübung seine« Amte« durch Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt Widerstand leistet, oder wer eiue» solchen Beamten während der rechtmäßigen Ausübung seine» Amte« thätlich angreift, wird mit Gesängniß bis zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu sünfhundert Thalern bestraft. Dieselbe Sttafe tritt ein, wenn die Handlung gegen Personen, welche zur Unter- stützung de« Beamten zugezogen waren, oder gegen Mannschaften der bewaffneten Macht, oder gegen Mannschaften emer Gemeinde-, Schutz- oder Bürgerwehr in Ausübung de« Dienste« begangen wird." „8 114. Wer es unternimmt, durch Gewalt oder Drohung eine Behörde oder einen Beamten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amtshandlung zu nöthigen, wird mit Gesängniß bestraft." Die Angeklagten sollen sich nun gegen 8 115 im Zusammenhange mit 88 113 und 114 vergangen haben, indem sie sich und zwar theilweise als „Rädelsführer" an einer öffentlichen„Zusammenrottung" betheiligten,(8 115), welche zum Zweck hatte, die„Beamten" der Polizei „in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amte»"„durch Gewalt und Bedrohung mit Gewalt Widerstand zn leisten"; indem sie die Beamten„während der rechtmäßigen Ausübung ihre« Amt» thätlich angriffen"(8 113), und indem sie es„unternähme n", die Beamten„durch Gewalt und Drohungen zur Unterlassung einer Amtshand- lung zu nöthigen"(8 114). Die Haare sträuben sich Einem zu Berge, wenn man diese Häufung von„Verbrechen" sieht, die ein deutscher Staatsanwalt im Bunde mit deutschen Polizisten au« einer eiufachen, durch die Brutalität der Polizei provozirteu Straßenkampelei— denn Anderes war es nicht«— zurechlzubrauen gewußt hat. Natürlich kann die monströse Anklage vor der Kritik nicht bestehen, und erwarten wir deshalb mit Bestimmtheit die Freisprechung. Allein bi« e« soweit kommt, können noch Monate vergehen. Wie ich höre, erwartet die Vertheidigung den Termin nicht vor Ende N o- v e in b e r. Bis dahin würden die acht iu Untersuchungshaft Befindlichen, die jetzt schon über zwei Monate fitzen— am 13. Juli wurden sie verhaftet— über vier Monate in Untersuchungshaft zugebracht haben. Der berüchtigte„August", Madai's Berttauensspitzel, derselbe, der mit G r i l l e n b e r g e r und F r o h m e ein für ihn schlecht verlaufenes Renkontte halte, ist abermal» das Opfer seines Amtseifer» geworden. Er glaubte nämlich am Freitag vor acht Tagen, wo die Abgeordneten Liebknecht und D i e tz hier waren, einen famosen Fang gemacht zu haben und gerieth mit der deu deutschen Spitzeln eigenthümlichen„Täppig- keit" iu eine Falle, au« der sich herauszuziehen ihm viel Zeit und Geld gekostet haben wird. Der unglückliche„August" wird ein andermal wohl etwa« weniger eifrig sein.— Die gegnerischen Blätter erzählen mit schmunzelndem Behagen, e« sei eine Spaltung unter den hiesigen Sozialdemokraten ausgebrochen; die Einen hielten zu Ewald, die Anderen verurtheilten ihn al« einen von der Regierung oder von Stöcker Gekauften. Daß die Gegner so gar nicht da» Wesen unserer Partei begreisen könneu! Da wir zum Prinzip und zur Sache stehen und keinen Perfonenkultu« tteibeu, so ist e« ganz unmöglich, daß irgend eine Person eine Parteispaltung herbeiführen kann. Solange man über eine Person, die die« versuchen sollte, noch nicht im Klaren ist, können ja Zweifel vorhanden seiu,(wie da« z. B. im Falle Hasselmann'« uud Most'« der Fall war), allein die Zweifel können bei unserer Organisation nicht lange dauern, und sobald Klarheit gewonnen ist, weiß auch jeder Genosse, wa« er zu thun hat. Die Abtrüunliuge und Verräther— die Hasselmann, Most, Finn, Körner und Konsorten— haben sämmtlich erfahren müssen, daß ihr Einfluß in dem Moment aushörte, wo ihr Spiel durchschaut war. So war e« in unserer Partei, und so wird e« bleiben. Statt un«„Spaltungen" anzudichten, sollten die Gegner sich an der eigenen Nase zupfen, und an dem Krakehl zwischen Konservativen und Klerikalen, zwischen Henri« und Stöcker und zwischen Hänel und Richter denken. Wa« speziell die letztere Katzbalgerei betrifft, s, amüsirt sie un» höchlich. Der tapser«„Eugen" bildete sich wirklich schon ein, Deutschland iu der Tasche und da« Finanzportefeuille unter dem Arme zu haben. An ihm ist da« Sprichwort wieder einmal wahr geworden: Hochmuth kommt vor dem Fall. Hänel, der„Syrupredner", läßt sich nicht„an die Wand drücken", und e« hängt vom Aussall der Landtag«- tagSwahlen ab, ob der Hänel den Richter oder der Richter den Hänel „an die Luft setzen" kann. Die S P a l t u n g ist fertig, und mit den schönen Träumen der Fortschrittler, in Bälde die stärkste Partei Deutsch- land« zu werden, ist'« aus immer vorbei. Ich sehe, da« Gerücht zirkulirt, wir wogten un« an den Landtags- wählen betheiligen. Von fortschrittlicher wie konservativer Seite hat mau Lockrufe ertoiicn lassen und uns aus den Leim führen wollen— e« ist aber Keiner„hereingesalleu". Die Herren Gegner mögen sich'« ein für allemal gesagt sein lassen: Die Sozialdemokratie holt ihnen nicht die Kastanien au« dem Feuer. Thomas. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 2t). September 1882. — Die glücklicherweise falsche Nachricht von der tödt- lichen Erkrankung Bebel« ist Ende voriger Woche für die ausländische Presse— wie e» scheint zuerst iu Pari»— zur Meldung vom bereit» erfolgten Tode unseres bewährten Vorkämpfer».angewachsen. So un- angenehm eiu solche» Gerücht jeden von un» berühren mußte, so hat e» doch audererseits zu so herzlichen Sympathiebezeugungen Seiten» unserer ausländischen und im Ausland weilenden Genossen Beranlaffung gegeben, daß wir nicht umhin tönneu, denselben au dieser Stelle Namen« der deutschen Sozialdemokratie unfern wärmsten Dank auszusprechen. Die sozialistischen Tagesblätter von Pari»„Bataille" und„Tiloyen", sowie Rochefort«„Jnttaufigeaul" würdigten in langen Artikeln die Ver- dienste Bebel« um die Sache der Befreiung de« Proletariats, die„Egalits" zeigt durch einen breiten schwarzen Trauerrand an, daß sie sich mit be- troffen fühlt von dem Verlust(die entsprechende Nummer de«„Prole- taire" ist ausgeblieben). Unser flämische« Bruderorgan„Toekomst" schreibt in seinem Nachruf:„Wir haben geweint, als wir diese Nachricht er- fuhren". Ebenso bringt unser holländisches Bruderorgan„Recht vor Allen" einen kurzen aber höchst sympathischen Bericht. Bon polnischen Genossen in Pari» geht un» ein Beileidschreiben zu, in welchem e» heißt:„Welch' ttaurige Nachricht! Er ist nicht nur ein Verlust für Deutschland, soudern für die ganze Menschheit; wir sind tief erschüttert!" Au» L ü t t i ch erhalten wir von den dortigen deutschen Genoffen einen ergreisenden Brief, der mit einem feurigen Appell zum unermüdlichen Weiterkämpfen schließt. Die Absender, wie auch unsere Genossen in Pari», haben sofort beim Eintteffen der Nachricht an Frau Bebel tele- graphirt. Genosse Grottkau in Chicago erbat sich von un« tele- graphisch Auskunst, ob die traurige Nachricht, die da« Kabel hinüber- gebracht, wirklich wahr sei. Wir waren glücklich, ihm anlworteu zu können, und theilen dies allen Genossen im Auslande mit, daß Bebel vollständig hergestellt ist und, fall« er selbst sich nicht die zu seiner Erholung nöthige Ruhe gönnen sollte, demnächst„von Recht« wegen" dazu angehalten werden wird. Er hat nämlich binnen Kurzem 4 Monate Gesängniß wegen Reichskanzler- und Bundesrathsbeleidigung abzusitzen. Hoffen wir, daß diese unfreiwillige Muße unserm Freunde gut bekommen möge! — In Egypten herrscht die„Ordnun g". Arabi ist niedergeworfen, und Diejenigen, welche ihm einst am lautesten zujubelten, rufen heute mit den Kouponsrittern im Bunde: Kreuzige ihn! Wir schenkeu den Nachrichten, welche von englischer Seite in Umlauf gesetzt werden, nm den Führer der egyptischen Unabhängigkeitspartei al« gewissenlosen Abenteuerer hinzustellen, keinen Glauben, die Loyalität, welche derselbe wäh- read de« Aufstande» beobachtet hat, beweist zu deutlich da« Gegentheil. Eher find wir geneigt, an Verrath feiten» Verschiedener au« seiner Um- gebung zu glauben, die Niederlage von Kel-el-Tebir hätte zu einer so vollständigen Auflösung sonst wohl kaum führen können. Wie dem nun auch sei, England hat gesiegt, und wir werden ja sehen, wie da« l i b e- r a l e Ministerium seine Versprechungen, die es dem egyptischen Volke gegenüber abgegeben, einlösen wird. — Narren uud Schufte. In Dresden tagten Mitte September eine Anzahl von Pfaffen, Adeligen, auSrangirten Militär« uud „Handwerkern", um anscheinend über die Judenfrage, thatsächlich aber darüber zu beratheu, wie da« Volk möglichst lauge in Abhängigkeit und Botmäßigkeit erhalten werden könne. Zwei Thesen, welche von dem königlich preußischen Hospsaffen S t ö ck e r beantragt und natürlich e i n- stimmig angenommen wurden, charakterifireu diesen„Antisemiten- k o n g r e ß" für jeden denkenden Menschen zur Genüge, wenn e» die Forderung völliger RechtSlofigkeit für die Juden noch nicht ihäle. Diese Thesen lauten: These 4.„Unter dem politischen Gesichtspunkte, eine Nationalität für sich und nach ihren Verheißungen bestimmt, eine Nationalität zu bleiben, durch Abstammung, Sprache und Kultur international ver- bunden, durch die Ehe untereinander, sowie durch Reinigungz. und Speisegesetze al« eine Kaste charakterifirt, find die Juden als solche unfähig, organische Bestandtheile irgend eine« christlichen Volke« zu bilden. Die Reformjnden, obwohl in Einzelheiten abweichend, bilden doch in ihrer allgemeineu Stellung keine Ausnahme, sondern durch da» Bestreben, die christliche Bölkerwell zu beherrschen und zu versetzen, eine um so größere Gefahr." Um die Infamie diese« scheinhciligeu Satze« zu verstehen, muß man wissen, daß er seine schärfste Spitze gerade gegen diejenigen Juden richttt, welche alle Gebräuche, die da« Judenthum al« eine besondere Kaste kenn- zeichnen, bekämpfen. Man kann den Reformjuden den Vorwurf der Halbheit machen, aber der ttiff! ja auch die Reform ch r i st e n, die I Protestantenvereinler, die auf halbem Wege stehen geblieben sind— die Tendenz der reformjüdischen Bewegung ist immerhin eine befreierische, und deshalb wurden ihr auch seinerzeit von der preußischen Regierung alle nur erdenkbaren Hindernisse in den Weg gelegt. Da« Resormjuden- thum bringt die Juden ohne Taufe der übrigen Bevölkerung näher, daher auch die Wulh von jüdischen Pfaffen und christlichen Rabbi'« wider dasselbe. Noch deutlicher aber spricht folgende These: „ö. Unter dem sozialen Gesichtspunkte, oft Vertreter der nackten Geldmacht und Ausbeuter ftemden Fleißes, an der produktiven Arbeil und den damit verbundeneu sozialen Verpflichtungen wenig betheiligt, ist da« moderne Judenthum in einer Epoche, welche den Sttcit zwischen Arbeit und Kapital bi« zum Hervortreten von Umsturz- Parteien herausgebildet hat, eine soziale Gefahr ersten Range», umsomehr, als dasselbe krast seine«, die christlichen Staatsgrundlagen negirendeo Zuges an der Pflege de« Revolutionsgedanke»« besonder» Theil nimmt." Mit echt jesuitischer Geschicklichkeit find hier die jüdischen Ausbeuter und die in deu Reihen der Kämpfer für die Besettigung aller Au»- beutung mitwirkenden Juden— wenn für Letztere überhaupt noch der Name Jude zulässig ist— zusammeugcwürselt. Aber leider uur zu ge- schickt, denn um so deutlicher zeigen die Ausbeuter, welche diese These angenommen haben, dabei deu reaktionäreu Pferdefuß. E« ist dieselbe Gesellschaft, von der e« im Kommunistischen Manifest heißt: „Sie werfen der Bourgeoisie mehr noch vor, daß sie ein r e v o l u- t i o n ä r«« Proletariat, al» daß sie überhaupt ein Proletariat erzeugt. „In der politischen Praxi« nehmen sie daher au allen Gewaltmaßregelu gegen die Arbeiterklasse Theil uud im gewöhnlichen Leben bequemen sie sich, allen ihreu aufgeblähten Redensarten zum Trotz die goldene Kapsel auszulesen, uud Treue, Liebe, Ehre mit dem Schacher iu Schasswollt, Runkelrübe und Schnaps zu vertauschen." Diesen vor 35 Jahren geschriebene» Worte haben wir nicht« hinzuzufügen. — Der Finger Gölte». In einem konservativen Blatte lesen wir:„Bor einigen Tagen fiel eiu Kind in die stark angeschwollene Mulde. Vergeben« suchte die verzweifelnde Mutter dasselbe den Flutheu zu ent- reißen. Da» Kind trieb den Sttom hinab und firhe da, al» die Hoffnung schon verschwunden war, blieb e« an einem überhangeuden Baumzweige hängen und konnte unbeschädigt dem Waffer euttissen werden. Da hat man wieder den Finger Gotte« gesehen." Durch einen(wohl auch aus dm„Finger Gotte»" zurückzuführenden?) Zufall findet sich unmittelbar hinter dieser„Finger Golte«".Notiz Folgende«: „Ein entsetzlicher Borgang hat Trauer in viele Familien unsere« Städtchens gebracht. Sieben Kinder, Knaben und Mädchen, bestiegen ein Boot, da« ohne Aufficht war, und fuhren den Fluß hinab. Sei e« nun, daß die Sttömung zu heftig war oder daß die Kinder da« Boot m'» Schwanken brachten,— genug, da» Boot schlug um und vou den siebeu Kindern konnten uur zwei gerettet werden." Wo war hier der„Finger Gotte»"? Wo hier die stereotype„Vor- sehung", die über den Kindern wacht?" Wir erwähnen diese» Beispiel«, für da« sich in tausend Blättern täglich ein Seitenstück entdecken ließe, einzig und allein in der Abficht, um die absolute Gedankenlosigkeit zu kennzeichnen, mit der beim Gebrauch der Religionsphrasen verfahren zu werden pflegt. —„Chinesische Naivität." Unter diesem Titel bringen die deutschen Zeitungen eine angeblich in der„Pekinger Zeitung" erschienene Verherrlichung de« Kaiser« von— China, wonach e« dem Gebet diese« Beherrscher« de» Reiche« der Mitte zu danken sei, daß nach langer Dürre ein befruchtender Regen Peking und Umgebung erfreut habe.„Kaum hatte sich unser erhabener Gebieter", soll es da heißen, „vor dem Bildniß diese« Gölte«(de« Schnee- und Regengotte«) nieder- geworfen und zu beten begonnen, öffnete der Himmel auch schon seine Schleusen und schickte einen befruchtenden Regen aus die Erde herab. E« zeigt die« recht deutlich, wie beliebt unser Kaiser jetzt bei den Göttern ist und wie bereitwillig sie alle seine Wünsche erfüllen." In der That, sehr naiv, diese Chinesen! Fast so naiv wie die Ange- hörigen de« Reiche» der Denker, welche zu Ehren ihre« gottesfürchtigen Gebieter« die schölle Redensart vom„Kaiserwerter" erfunden haben. Aber noch lange nicht so naiv wie die westpreußischen„Damen der besseren Gesellschaft", welche d i e B er g ö t t er u n g de« halb schwindsüchtigen Prinzen Heinrich bei besten Anwesenheit in Elbing so weit trieben, daß fie sich, wie die„Elbinger Zeiwng" meldet,„von der prinzlichen Tafel Semmeln znr Erinnerung aufbewahrt haben und in Medaillons herumtragen." Eigentlich hätten sich die hochgebildeten Gänse an dm Kammerdiener de» Prinzen behuf» würdiger Andenken wenden sollen. Er hätte vielleicht ein Einsehen gehabt und ihnen eine Erinnerung verehrt an den— Dalai- LamiSmu«. Und, wir wetten hundert gegen ein«, fie wären sehr erbaut davon gewesen! Wozu lebten wir sonst in Neu-Chinesien! — Anständiger ZeitungSstil. Die„Frankfurter Zeitung", die bei verschiedenen Gelegenheiten— unter Anderem m einer Reihe von Artikeln nach Erlaß de« Sozialistengesetze»— unserer Presse den Bor- wurf gemacht hat, nicht„anständig" zu schreiben, gerieth dieser Tage wegen einer simplen Reporternotiz mit einem Lokal-Konkurrenzblatt in einen Streit und leistete folgende Stilprobe(S. da» Morgenblatt der „Frankfurter Ztg." vom 5. Septbr. d. I.): „Nach mündlicher Rücksprache mit unserem Mainzer?>Korrespon- denken können wir bezüglich der im„Stadtanzeiger" erwähnten Revolver-Astäre jetzt mittheilen, daß unser Korrespondent die Sache genau so dargestellt hat, wie sie der Polizei gemeldet wurde und jetzt der zuständigen Behörde zur weiteren Beranlaffung vorliegt. Da wir somit Gewißheil haben, daß die Wahrheil an den Tag kommen wird, so können wir den Ausgang in Ruhe abwarten und brauchen un« nicht mit den P ö b e l h a f t i g k e i t e n de«„Frank- surter Journal»" zu befassen, welche nachgerade den Charakter einer Manie annehmen, die, mag fie nun au« zurückgetre- teuer Reklamesucht oder aus dem Gefühl der eigenen erbärmlichen Unzulänglichkeit entspringen, im Grunde nur da« schlechte Gewissen einer obskurenGesell- s ch a s t bezeugt. Kein Bernünstiger und Anständiger wird e» un« verübeln, wenn wir un» um die Miasmen, die täglich ausdieserjournalistischen Senkgrube aussteigen, serner nicht mehr kümmern." Da» ist„anständiger Zeitungsstil". Wir geben gerne zu, daß die sozialdemokratische Presse diese Höhe der„Anständigkeit" nicht zu erreichen vermag. Da wir gerade mit der„Frankfurter Zntung" zu thuu haben, so sei hier de» Spaße» halder noch erwähnt, daß diese« Organ de» Kapitali«- mu» neulich al« fein und der„Bolkspartei" Programm das Streben bezeichnete, den Kapitalismus zu vernichten, den Klassengegensatz zu besei- tigen und allmälig die soziale Gleichheit herzustellen. Also ganz sozialdemokratisch— aus dem Papier. Vielleicht erklärt die «Frankfurter Zeitung" uns einmal, warum fie und warum ihre„Volk»- Partei" trotzdem der Sozialdemokratie so spinnenseind ist und ihr, wo e« nur immer geht, etwa« am Zeuge zu flicken sucht. — Infam. In der gesammten Berliner Presse, ob konservativ, ob fortschrittlich, finden wir obne jeden Kommentar folgende Lokalnotiz: „Daß man an öffentlichen Orten seine Zunge im Zaum halten soll, ist eine Mahnung, die nicht oft genug aus- gesprochen werden kann. Welche Unannehmlichkeiten ein Verstoß dagegen im Gefolge haben kann, hat der Schuhmachermeister K. an sich erfahren. Derselbe saß eine» Tage» mit einem fremden Herrn an einem Tisch in einer Restauration und bemerkte von dort an«, wie aus der Straße ein Schutzmann einen Kutscher nottrte. Dieser Anblick regte ihn so auf, daß er zu seinem Nachbar sagte:„Da schreibt der Kerl schon wieder einen Kutscher auf; da könnte man ja gleich mit dem Knüppel dreinschlagen!" Kaum war seinen Lippen da» Wort entflohen, da präsentirte ihm der Fremde die bekannte Medaille der Kriminalbeamten und die Folge davon war, daß sich Herr K. wegen Beleidigung de» betr. Schutzmann« vor deni Schöffengericht zu verantworten halte. Letztere« faßte jedoch die Sache milde auf und erkannte nur aus 10 Mark Geldbuße." Kein Wort der Entrüstung Uber da» infame Spitzel- und Denun- ziantenwcsen, Uber diese Unterdrückung jede» freien Worte». Statt dessen wird die Bestrafung de«„Verbrecher«" gegen die heilige Polizeiunfehl- barkeit noch al» milde bezeichnet. Selbst in den unter dem Zwang»- gesetz stehenden Bezirken Irland« würde e» Niemand einfallen, wegen einer solchen Aeußerung de« Unwillen« Anklage zu erheben, in Preußen hält man da» für selbstverständlich. Es ist infam! — Au« Chemnitz wird un« geschrieben:„Der 20. August war für unsere Genossen ein Freudenlag. Mittelst Einladungskarten waren am Nachmittag über 8 00 Männer aus dem Happerg in Rabenstei» erschienen, um im ungezwungenen Berkehr ihrer Meinung über die Zu- stände in Deutschland offen Ausdruck zu geben. In größeren und Neineren Gruppen sprach man sich gegenseitig Muth und Ausdauer zu. Als plötzlich wie ein Lauffeuer sich die Kunde verbreitete, daß ein Genosse au» München unter ihnen fei, wuchs die Begeisterung, die sich in Hochrufen und Ge- säugen Lust machte. Still sah die Polizei, die in ziemlicher Anzahl anwesend war, dem Treiben zu, sie hielt e» für gerathen, zu verschwinden, bevor noch pje Versammelten den Heimweg nach der Stadt angetreten hatten. Männer, Frauen und Kinder bildeten nun in Reihen zu je Drei einen Riesenzug; zwei junge Arbeiter, die musizirlen, au der Spitze. Mehrere„rothe Lappen" wurden an Schirme gebunden und hoch al» Fahnen geschwungen. Sehr interessant war e«, die Gesichter der Herren «»«benter zu bettachten, die, in behaglicher Karosse nach ihren Villa» fahrend, dem Zuge begegneten. Unter dem Gesang der Arbeiterlieder: „Arbeiter, all' erwacht" und„Alle Rüder stehen still, wenn dein starker Arm e» will" u. s. w. wurden den„Herren" die rotheu Tücher vor die Augen gehalten, gleichsam sagend:„Seht Geldmenschen, ttoy Eurer Ge- setze gegen die Rothen sind fie doch da und arbeiten unablässig weiter an der Beseitigung der KapitalSwirthschast und der AnSbeuterprivilegien. Die Chemnitzer Arbeiterfrauen haben auf den Schreiber diese« einen besonder« guten Eindruck gemacht. Sie verstehen ihre Aufgabe. Daß sich die Genoffen m öffentlichen Lokalen zusammenfinden, wenn fie ihre Angelegenheiten zu besprechen wünschen, zeigt, daß sie sich von der Heuligen Reaktion nicht in'« Bockshorn jagen lassen. Auderseit» macht e» wiederum einen sehr guteu Eindruck, daß fie nicht Jedem gegenüber verttaueoSselig find. Sie sragen nach Legitimation, sehen sich den Fremden genau an Mid forschen ihn gehörig au«. Allgemem glaubt man in Chemnitz, daß bereit» ansang» de» nächsten Jahre» die Reichstagswahleu stattfinden werden und ist mau darauf vorbereitet. Chemnitz ist eine feste Burg für die gerechte Sache de» arbeitenden Volke«, hier steheu unsere Bataillone fest und sicher für alle bevorstehenden Kämpfe." — Die Herkunft de»„Hildenkaiser»", schreibt man un« au» Sachsen, hat die Servilität zu wahren Orgie» aufgestachelt und den AmtSeiser unserer Polizei zu den tollsten Ausschreitungen getrieben. Durch Berichte au» Berliu angefeuert, wollte unsere Polizei mit aller Gewalt eine Verschwörung entdecken und ein Attentat, wo nicht mehrere, verhüten. Sie schnüffelte überall herum, fand überall Berdäch« tige und machte uod macht sich mit einer Todesverachtung lächerlich, die unsere vollste Anerkennung»erdient. In Dresden haben mehrere Hau«- s u ch u n g e n nach vermeintlichen Attentätern stattgesunden und natürlich nur zu einer Blamage der schnüffelnden Sicherheitsorgane geführt. Ganz unschuldige, der Politik fernstehende Leute find in Verdacht gerathen und haben die wunderlichsten Polizeiabenteuer gehabt. Wenn wir hier keine Namen nennen und nicht in nähere Einzelheiten eingehen, so geschieht e« nur, weil wir den betheiligten Personen keine Ungelegenheiten bereiten wollen. Wir haben zwar noch keine„Nihilisten", im Uebrigen aber „russische Zustände"; und wird auch bei un» Niemand nach Sibirien geschickt(weil wir kein Sibirien haben), so ist doch Jeder, der da« Mißsallen der Polizisten erregt, so gut wie vogelfrei. Es versteht sich, die Zeitungen werden von dem Jubel berichten, mit welchem die gesammte Bevölkerung den„Heldenkaiser" begrüßt. Die Furcht vor A t t e n t a l en ist die beste Kritik diese» Jubel»; sie zeigt, daß selbst unsere Behörden weder an die Aufrichtigkeit noch an die Allge- meinheit diese« Jubel» glauben und die Loyalität de» Volke» äußerst gering anschlagen— und da haben sie recht. — Aus Leipzig, 18. September, wird un» geschrieben: Wer soll Richter'» Nachfolger sein? Das ist die Frage, welche jetzt unsere Stadtmagnaten in erster Linie b-schäfttgt. Die Frage läßt sich leicht lösen, da de« Sozialistentödters Richter ttagisches Ende etwas ab- schreckend wirkt. E» fehlt ttotz de« hohen Gehaltes(10,500 Mark) an tauglichen Bewerbern um die erledigte Stelle; und in ihrer Verlegenheit haben verschiedene der Herren Stadträlhe ihr Auge auf den bekannten voigtländischen Oberstaatsanwalt und Reichstagsabgeordneten Hart- mann gerichtet. Herr Hartmann— beiläufig ein„Streber", wie er im Buche steht— ist einer der eifrigsten, ich will nicht sagen Anhänger, aber Bertheidiger des Bismarck'schen AtaatSsozialiSmu». Und da« ist'S, was in unseren Stadträthen, die mit feinem Bourgeoisinstinkt den polizeilichen Charakter de» Bismarck'schen Staat»soziali»mus wittern, den Gedanken erweckt hat, Herrn Hartmanu auf den Stuhl de» Leipziger Polizeipräsidium«— Pardon, der Leipziger Poliei d i r e k t i o n zu setzen. Wir zweifeln nicht, daß Herr Hartmann sich für den ihm zugedachten Posten vorttefflich eignen würde, und wollen wir nur wünschen, daß er sich durch anderweitige Aussichten nicht abhalten läßt, die Mission der Sozialistentödterei in„Klein-PariS" zu übernehmen. Eine bessere ro- ductio ad abourdum de» S t a a t S s o z i a l i S m u« können wir un» gar nicht denken. Bebel ist seil gestern wieder in Borsdors. Er litt an einem akuten Magenkatarrh, von dem er wieder vollständig hergestellt ist. Die alberne Zeitungsnotiz, daß er in Zwickau plötzlich auf den Tod erkrankt gewesen sei, rührt von einem unglücklichen Zeilungsreporter her, der sich ein paar Groschen verdienen wollte und auch verdient hat. In BorSdorf wird wieder viel, viel geschnüffelt, von Uniformirten und Nichtuniformirten. Daß Bebel und Liebknecht dort zusammen- wohnen und auch auf eiuige Tage znsammensein werden, will der Polizei gar nicht in den Kops. Die Polizei ist von der Nichtswürdigkeit de» herrschenden Systems so felsenfest überzeugt, daß sie, wenn zwei anständige Menschen zusammen- kommen, sich nicht« Andere» vorstellen kann, al» daß dieselben k o n- spirirten gegen Staat und Gesellschaft. Wir sühlm un» nicht berufen, der Polizei eine bessere Meinung von dem herrschendeu System, das sie zu vertheidigen hat, beizubringen. — Bon Gotte» Gnaden. In Konstanz, wo man von dem bei Hugstetten verübten Eisenbahn verbrechen— denn von Unglück kann da nicht mehr die Rede sei»— nicht» gehört zu haben scheint, ist zur Feier de« Geburtstag» deSGroßherzog« von Badeu beim Böllerschießen ein Taglöhner erschossen und ein Wachtmeister ver- stümmell worden.— Die„Kaiserparade" in Breslau hat einem jungen Manne da» Leben, sowie verschiedenen Personen die gesunden Gliedmaßen gekostet.— Bei den Sappeurmanüvern in I s ch o r a(Ruß- land) stürzte nnmittelbar, nachdem der Zar sie verlassen, eine Pontonbrücke zusammen, wobei mehrere Personen, u. A. der Kriegsminister Waunowski, schwer verletzt wurden. Da e« kein von den bösen Nihilisten veranstaltete» Attentat war, so„scherzte" der Zar— wie o f f iz i ö« gemeldet wird— im nächsten Augenblick darüber. In der That, sehr— tapfer von den Gottesgnadenhelden. — Paragraph 131. Wegen Vergehens gegen diesen, nachgerade zur Stütze der Ordnung im heiligen deutschen Reiche avancirteu Pars- graphen ist vom Landgericht zu B r i e g in Schlesien Genosse F e l- t e n b e r g zu 100 Mark Geldstrafe, eventuell 20 Tagen Gesängniß ver- urtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate Gefängniß be- antragt. Fellenberg soll da« Verbrechen in einer am 30. April d. I. in Ohlau staltgehabten„Versammlung aller Tabak- Interessenten in Ohlau" begangen haben. Näherer Bericht folgt. — Die„Hüter de» Deutschthum»" iu Böhmen machen dem deutschen Namen wirklich große Ehre, so daß es gar kein Wunder ist, wenn die— Czechisirung de« Lande« Fortschritte macht. Eine servilere, niederträchttgere Gesellschaft al« diese„Träger der deutschen Kultur" ist gar nicht denkbar. Ihr ganzer„Freisinn",— denn sie sind natürlich liberal— besteht iu einer wahrhaft lächerlichen Verherrlichung Joseph II., de» angeblichen großen Reformator», der aber in Wahrheit ein durchaus charakterloser Patron war. Erst neulich haben fie diesem zum„edelsten und wohlthätigsten Monarchen" emporgeschwindelten Habsburger in Reichenberg ein— notabene zweite»— Denkmal errichtet. Bei der Enihüllungsfeier haben die Herren auch begeisterte Freiheitsredea gehalten, wie die deutsche Kultur die wahrhafte Freiheitsidee verkörpere und ähnliche Phrasen mehr, aber keinem der freiheitsliebenden Herren ist e« eingefallen, der in den Gefängnissen Reichenberg« unschuldig eingekerkerten deutschen Ar- beiter zu gedenken. Dagegen find sie e», die jeder Erweiterung der Volk»- rechte in Oesterreich den beharrlichsten Widerstand entgegensetzen, denn da« wäre eine Beeinttächligung ihrer—„deutschen" Freiheit. — Schweiz. Am 10. September feierte der deutsche Arbeiterverein „Eintracht" in Zürich sein dOjährige» Stiftungsfest, lieber diese den Tendenzen des Verein» wie der Arbeiterbewegung in jeder Be- ziehung zur Ehre gereichende Feier entnehmen wir einem Bericht der „Arbeiterstimme" folgende Einzelheiten: „Ein stattlicher Festzug mit einem Musikkorps uud den Fahnen der theilnehmenden Vereine(Grütliverein Zürich, Deutsche Bereine von Aarau, Baden, Ilster) an der Spitze setzte sich Mittag« 11'/, Uhr vom Verein»- lokale nach der Bauschanze in Bewegung, wo der Salondampser„Hel- vetia" zur Aufnahme der ca. 800 Festtheilnehmer bereit stand. Herrliche« Wetter herrschte und trug die Fahrt die schönen Seeufer entlang mächtig zur gehobenen Stimmung der Festtheilnehmer bei, so daß in Horgen neue Zuzügler«Grütli- und Deutsche Vereine von Thalweil uud Horgen) mit stürmischem Jnbel begrüßt wurden. Bald nach der Ankunft aus der Insel Ufnau, woselbst noch die Grütlivereine von RapperSwyl und Stäfa(Schwyz) freudigst empfangen wurden, herrschte ein rege« Festlebeu. Dem Programm gemäß wurde die Feier mit dem Marsche„Gruß an Zürich" eröffnet, dem ein Lied,„Der Freiheit Baterland", gesungen von den Sängern de» Deutschen Verein« Zürich, folgte. Alsdann hielt da» B-r«in»mitglied Genosse Tausch er die Festrede. Redner gedachte zunächst unsere» großen Landsmannes Ulrich Hutten, de« unermüd- lichen Kämpfers für Wahrheit und Recht, der arm, verlassen und geächtet auf Ufnau seine Ruhestätte gesunden und ermahnte Alle, gleich ihm stet» der Wahrheit die Ehre zu geben und in semem Geiste zu wir- ken. Zur Geschichte de« Berein» Ubergehend, dankte Redner allen Jenen, die während de» 40jährigen Bestehens de» Verein« innerhalb desselben gewirkt, insbesondere den wenigen noch vorhandenen GründungSmitglie- der», und gab dann einen Ueberblick über da» Wirken de» Gesamml- verein« und seiner Sektionen. Redner ermahnt dau» die Mitglieder tteu wie bisher zusammenzustehen und fortzuwirken im Interesse der Ar- beitersache uud schließt mit warmen Dankesworte» an die Mitglieder de» Grütliverein», deren Anwesenheit ein neuer Beweis für die inter- nationale Verbrüderung der Arbeiter fei. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen. Nun folgten Musik, Gesang, Deklamationen, Festspiele bi» 4 Uhr, wo der Dampfer die Festgäste nach RapperSwyl überführte. Dort Be- sichtigung de» Polendenkmals bi« 5'/, Uhr, worauf die Rückfahrt nach Ufnau erfolgte und da» Fest bei Musik, Gesang, begeisterten Reden von Mitgliedern der Grütlivereine Zürich und Stäfa bis 8 Uhr, der Stunde der Heimfahrt, fortdauerte. Nach der Ankunft in Zürich ging es mir Musik in'» Bereiuslokal, wo noch die fröhlichste Stimmung herrschte. Da» schöne Fest hat gewiß alle Theilnehmer hoch besriedigt. Möge der demokratische Geist, in dem e» gefeiert wurde, wach erhalten bleiben und der Deutsche Berein Zürich serner wirken und gedeihen zum Wohle seiner Mitglieder und im Interesse der Befreiung de» arbeitenden Volke»! — Frankreich. Vom 3. bi» 12. September tagte in Bordeaux ein sogenannter Arbeiterkongreß, einberufen von den Schützlingen de« Herrn Barberet, dem Direktor de» Büreau der Fachvereine (»zradkats prufessionels) im Ministerium des Inneren. Es ist die» die Fraktion, welche auf dem Kongreß von Havre(1880) die Sozialisten zu majorifiren suchte und dadurch eine Spaltung provozirte. Trotz oder besser wegen der Protektion durch die repulikanische Bourgeoispresse war der„Kongreß" nur von 17 Fachvereinen, darunter 13 in Bordeaux, beschickt. Und sogar unter diesen fanden sich mehrere Delegirte, welche einem Anschluß an die Arbeiterpartei und einer Beschickung de» Kongresse» von St. Etienne das Wort redeten. Uebrigen» waren die Berathungen nicht uninteressant und die Beschlüsse, wenn auch nicht ausgesprochen sozialistisch, doch vom Geiste des Klassen- kämpfe« und der Unabhängigkeit beseelt. So finden wir unter den Be- schlüssen zur Frage„Arbeit und Kapital" u. A. folgende: Punkt 5.„Verbot der Gründung von Fabrikhilsskaffen feiten« der Arbeitgeber." Punkt 6.„Verbot, die Löhne durch Sttafabzüge oder Borweg- nehmungen zu reduziren." Punkt 8.„Abfchaffuug aller indirekten Steuern, der städtischen Oktroi« und Konsumabgaben. Punkt 3.„Einführung einer einzigen Steuer auf da» fixe Kapital". Ferner wurde unbedingte Konfessionslosigkeit de« Unterricht« verlangt, sowie Verbannung der Religion au« den Krankenhäusern, Asylen ic. Von einer Veröffentlichung sämmtlicher Beschlüsse sehen wir angesichts de» geringen Einflüsse», den der Kongreß auf die Arbeiterbevölkerung Frankreich» auszuüben vermochte, ab.— Mit größtem Interesse sehen wir dagegen dem am 24. September in St. Etienne beginnenden allgemeinen französischen Arbeiterkongreß entgegen. Er wird da» Werk der Organisation der französischen Arbeiter zu einer festen klassenbewußten Arbeiterpartei fortsetzen. Au« allen Theilen Frankreich», aus Pari» sowohl wie aus der Provinz, liegen bereits zahl- reiche Anmeldungen von Delegirten vor. Die Betheiligung wird voran» sichtlich eine sehr starke sein. Die Tagesordnung de» Kongresse» lautet: 1) Prüfung der Mandate. 2) Die Frage der Parteidisziplin. 3) Abgrenzung der Bezirksverbände. 4) Die Grundsätze de« Parteiprogramms. 5) Die Parteistatuten. 6) Datum und Tagesordnung de» nächsten Weltkongresse«. 7) Ueber die Eroberung der Verwaltung in den Gemeinden uud der politischen Macht im Staate. 8) Ueber die Gewerkschaftskongresse. 9) Ueber Streiks. Zulassung zum Kongresse haben alle Arbeitervereine, welche mindesten» 19 Mitglieder haben und länger als drei Monate bestehen. Die Vereine haben das Recht, für je 300 Mitglieder einen Delegirten zu ernennen. Wie man sieht, hat der Kongreß eine umfangreiche Tagesordnung zu bewältigen. Gleich der zweite Punkt wird Gegenstand lebhafter Erörte- rungen werden, denn er wird wohl die in Pari« ausgebrochene Spal- tung betteffen. Wir können hier nur den Wunsch ausdrücken und wir glauben die« im Namen der deutschen Partei zu thun, daß e» dem Kongresse gelmgen möge, diese unserer großen Sache so verderblichen Zwistigkeilen beizulegen, und daß die beiden einander bisher bekämpfenden Gruppen alle persönlichen Motive de» Konflikte« hmtenansetzen und nur die sachlichen Differenzpunkle zur Erörterung bringen. Dann wird, den guten Willen vorausgesetzt, unserer festen Ueberzeu- g u n g nach die Schlichtung möglich sein. In dieser Erwartung senden wir den in St. Etienne zusammen- tretenden Delegirten de« französischen Proletariat« unfern brüderlichen Gruß uud Glückwunsch. Parteigenossen! Vergesst der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. v. Fürth, im August. Endlich hatten auch wir die Gelegenheit, den christlich-sozialen Bolksbeglücker S t L ck e r au» Berlin zu hören. Zwar war es keine Volksversammlung, in der Herr Stöcker seine Weisheit auskramte, sondern ein Bortrag gegen Enlree, ttotzdem hatte die berüch- ligte Persönlichkeit ein sehr zahlreiche» Publikum in den großen Saal de« „Weißen Garten" gelockt, und auch wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, Stöcker in Person kennen zu lernen. Der Veranstalter de« Vortrage» war Privatier Ott; ein frommer Augenverdreher, ein Mann, der e» durch die raffinirteste Ausbeutung armer Weber bereit» zu einer Million gebracht hat und sich ganz gut denen anschließen kann, von denen Stöcker sagte,„daß sie nicht arbeiten und in Masse verdienen!" Aus einen ausführlichen Bericht über den Borttag werden die Genossen um so lieber verzichten, al» e» m der Hauptsache doch nur die alten be- kannten Phrasen sind, die von dem Hofprediger immer aus'« Neue auf- gewärmt werden. Stöcker beschäftigte sich hauptsächlich, wie diese« jetzt modern ist, mlt der sozialen Frage, und ein Redner von un» hätte die„gedrückte Lage de» armen enterbten Manne«" nicht drastischer schildern können, cd« et. Ja, er dankte sogar den Sozialdemokraten, daß fie aus die mißliche Lage de« Arbeiterstande» aufmerksam gemacht haben, al« ob dieser fromme Heuchler nicht schon früher Gelegenheit gehabt hätte, in einer Stadt wie Berlin und noch dazu in seinem Beruf, unsere empörenden Zustände kennen zu lernen! Dem„armen Mann" muß natürlich geholfen werden, selbstverständlich mit Zuchthaus und Bertreibung von Hau« und Familie. Schöne Hilfe das, für die wir uns gelegentlich erkenntlich zeigen werden. Bor Allem muß die erdrückende Last der direkten Steuern abgeschafft und durch in- direkte ersetzt werden. Wie glücklich müssen doch die Arbeiter werden, wenn sie auf der einen Seite jährlich ein paar Mark ersparen und an- dererseil« ihnen das zehnfache abgezapft wird! Nein, Herr Stöcker, so meinen wir es nicht. Nicht Beseitigung der direkten, sondern Abschaffung der indirekten Steuern verlangen wir. Wir wollen sehen, wie hoch un« das deutsche Reich mit seinem Kaiser und dessen 28 Vasallen sammt Hofschranzen, mit seinen Pfaffen und Junkern, mit seinem Militär- und Beamtentroß und was sonst noch drum und dran hängt, jährlich kosten. „Für den kranken und invaliden Arbeiter muß vor Allem gesorgt werden." Dieser liegt Herrn Stöcker sehr am Herzen. Außerdem liegt es im eigensten Interesse der besitzenden Klassen, die Sozialdemokratie entwaffnen. Wir haben natürlich nicht das Geringste einzuwenden, wenn für die kranken und invaliden Arbeiter gesorgt wird, ja wir verlangen sogar, vaß die? im ausreichendsten Maße geschieht, wenn aber die Herr- schenden glauben, damit der Sozialdemokratie den Boden unter den Füßen wegzuziehen, so befinden sie sich gründlich im Jrrthum. Solange nicht dem Arbeiter gründlich geholfen wird, so lange es überhaupt Ausbeuter und Ansgebentete, Herrschende und Beherrschte gibt, so lange ist die soziale Frage nicht gelöst, so lange wird es eine Sozialdemokratie geben. Schrecklich bange macht Herr Stöcker seinen Zuhörern mit der„kom- Menden Revolution, gegen welche die Pariser Kommune nur ein Kinder- spiel gewesen sein wird". Schlägt etwa gewissen Leuten schon das Ge- wissen? Sehr gnädig behandelte Stöcker hier die Juden, so daß diese ihm großeniheils am Schlüsse Beifall klatschten. Haben wir uns schon gewundert, daß Stöcker nicht den Muth hatte, in diesem Punkt mit der arbe herauszurücken, so haben wir uns noch mehr gewundert über die harakterlosigkett eines Theils der Juden, ihrem erbittertsten Feind zu applaudiren. Wahrlich, die Herren verdienten, ausgehauen zu werden— natürlich in Stein. Erwähnt sei hier noch, daß unter den Anwesenden etwa 50 Arbeiter waren, die sich köstlich amüsirten. Was unsere Parteiverhältuisse hier am Ort betrifft, so find dieselben zwar befriedigend, könnten jedoch in Anbetracht der zahlreichen Arbeiter- schast entschieden besser sein. Der Kreis, der sich bei der Erlaß de« Sozialistengesetzes gebildet hat, hielt zwar wacker Stand, allein gar manche von den alten Genossen haben sich vollständig in die Reserve zurückgezogen und besehen sich den Kamps von der Ferne. Auch unser Reichstags- kandidat bekümmert sich nur wenig um unsere Parteiverhältuisse, obgleich er in Fürth seinen Wohnsitz hat. Wir wollen hier noch auf einen andern Mißstand aufmerksam machen. Es betrifft das die unsere Stadt berührenden sozialistischen Abgeordneten. Kommt ein solcher einmal nach Fürth, so erfahren es die leitenden Per- sönlichkeiten in der Regel so spät, daß es ihnen unmöglich ist, eine größere Anzahl von Genossen davon in Kennlniß zu setzen. Manche von den hervorragenden Persönlichkeiten halten sich wochenlang in Nürnberg auf, denken aber nicht daran, das nur eine Stunde entfernte Fürth zu be- rühren; von Nürnberg selbst wollen wir schweigen. Haben aber wirklich einmal die Genossen Gelegenheit, einen ihrer Abgeordnelen zu sehen, so ver- stehen es die vornehmen Herren von der Volkspartei, denselben derart mit Beschlag zu belegen, daß es gar nicht möglich ist, mit ihm über Partei- Verhältnisse zu sprechen. Es thut uns leid, das hier aussprechen zu müssen, das Parteiinteresse erfordert es jedoch, denn daß dadurch die Genossen nicht ermuthigt werden, bedarf keiner weiteren Auseinander- setzung. Allgemeine Mißbilligung findet es hier auch, daß trotz de« Drängens der Genossen von allen Orten, noch in diesem Jahr einen Kongreß ab- zuhalten, man sich maßgebenderseits ganz kühl Uber den Wunsch der Genossen hinweggesetzt hat und den gewünschten Kongreß durch einen sogenannten Rumpskongreß zu ersetzen gedenkt. An Stoff zur Berathung hätte e« wahrlich nicht gefehlt, so ist z. B. die Organisation, so weit Uberhaupt davon eine Rede sein kann, einer Reform dringend bedürftig. Dieselbe muß unbedingt mehr zentralisirt werden, wenn nicht eine Anzahl Lokalorganilationen herauswachsen sollen, die nach und nach die Fühlung mit der Hauptleitung verlieren und Kirchthurmsinteressen verfolgen. Die Organisation ist eine Lebensfrage für unsere Partei, und wir werden un« erlauben, seinerzeit geeignete Vorschläge zu machen. Daß auch der Agitation nicht die nöthige Beachtung geschenkt wird, geht schon daraus hervor, daß die einst so wirksame Flugschriften-Propaganda ganz ein- gestellt zu sein scheint. Geht es in diesem Tempo weiter, so darf man sich nicht wundern, wenn in unserer Gesammtpartei die gegnerischerseits so gewünschte Erschlaffung eintritt. Man sollte doch bedenken, daß es mit Reden im Reichstag nicht allein gethan ist. (Obwohl die letzten Ausführungen durch die inzwischen stattgehabte Konserenz, die nicht den Kongreß ersetzen, sondern nur inzwischen dringende Angelegenheiten regeln sollte, vorderhand erledigt find— denn sowohl die Organisationssrage als gerade die Flugblatt-Agitation gelangte zur au«- sührlichen Berathung— so mochten wir die Beschwerde doch nicht unter- drücken, in der Meinung, daß im Parteiorgan volle Preßsreiheit Herr- schen muß. Wenn die Kritik nicht zur bloßen Nörgelei ausartet, und diese wollen wir allerdings nicht unterstützen, so kann sie nur wohl- thätig wirken. Es ist ein Zeichen der Stärke unserer Partei, daß sie dieses offene Aussprechen vorhandener Differenzen verträgt, ohne ihre Schlagfertigkeit und Geschlossenheit irgendwie einzubüßen. Ueber die Gründe, weshalb von der Einberufung des Kongresse« in diesem Jahre Abstand genommen, werden die Genossen seinerzeit aus anderem Wege unterrichtet werden. Anm. der Redaktion.) — Stuttgart» 13. September. Heute muß ich von hier einen Schurkenstreich berichten, der glücklicherweise wohl zu den Ausnahmen gehört. Der Sachverhalt ist folgender: In voriger Woche wurde der aus Leipzig ausgewiesene Buchbinder Köhler, der hier in Arbeit steht, nicht weniger wie viermal durch eine Haussuchung beehrt. Gesunden wurde außer eiuzeluen Brochüren nicht»! Da am Montag wird Köhler plötzlich verhaftet, aus die Polizei geführt und dort wird ihm eröffnet, daß mehrere Briefe aus der Polizei eingelaufen seien, iu welchen Köhler al» Verbreiter de«„Sozialdemokrat" denunzirl werde. Augenscheinlich hatte die Wohllübliche geglaubt, in Köhler den Hauptverbreiter des „Sozialdemokrat" hier am Orte erwischt zu haben, denn nur so erklären sich die rasch auseinander folgenden Haussuchungen,— bei denen natürlich nach dem bewußten„Packet" gefahndet wurde— und die erst später er- folgende Verhaftung. Der edle Amtsrichter und Polizeikommissar H o n o l d meinte denn auch in seiner biederen Weise zu dem Verhafteten:„Sinn, Sie sind wohl der Hausknecht der Partei hier am Orte?", womit er aus die Ver- breitung des ihm so aus dem Herzen liegenden„Sozialdemokrat" au- spielen wollte. Köhler wurde aber noch am Montag wieder entlassen, um— am selben Abend wiederum mit einer Haussuchung heimgesucht zu werden, die gleichfall« wieder seine Verhaftung zur Folge hatte. Di« Nacht blieb er in Polizeigewahrsam, und e« mag hier als Beitrag zur Behandlung politischer Befangener in Deutschland noch erwähnt werden, daß der Polizeiinspektor Kern, der sich weniger durch seine Geistes- gaben und sein Aussehen, al« durch seinen Titel von unfern Schwarz- wälder Bauern unterscheidet, dem Zellenaufseher die Weisung gab, dem Köhler die s ch l e ch t e st e Z e l l e, die er habe, anzuweisen. Am nächsten Tage ging« zum Amtsgericht, woselbst Köhler einem sechs- stündigen Verhör unterworfen wurde. In diesem Verhör kam denn ein ganz infamer Bubenstreich zu Tage. Die Denunziationen gegeu Köhler waren nämlich in einer Anzahl Briefe enthalten, welche Arbeitskollegen des Denuozirten an die Polizei geschickt und mit ihren Namen unterzeichnet hatten. Bei der letzten Haus- sachung hatte die Polizei einige Schriftstücke in den Effekten Köhler'«„gefunden", in welchen verzeichnet stand, daß er, Köhler, nach verschiedenen Orten Württembergs die nnd die Anzahl„Sozial- demokrat" versendet habe, eine Art Tagebuch gewissermaßen, in welchem der Absender seine fozialistengesetzseindlichen Handlungen verzeichnete. Im Verhör bestritt Köhler auf das Entschiedenste, diese Schriftstücke ge- schrieben zu haben, und al« nun da« Amtsgericht die Schrift der ge- fuodenen Zettel mit der Schrift der Denunziationsbriefe verglich, ergab sich, daß beide« von ein und derselben Hand gcschrie- b c n w a r, uud daß augenscheinlich die Denunzianten selbst die vev- dächtigen Zettel angefertigt, in die Effekten Köhlers, in dejseu Zimmer sie Zutritt hatten, hineingebracht und dann die Sache der Polizei dennn- zirt hatten. Dieser Ansicht war auch da» Amtsgericht, und Köhler wurde aus diesem Grunde vorläufig au« der Hast eutlasseu, wenn auch die Untersuchung gegen ipn weiter geführt wird. Hier die Na, neu der Hallunken, die Zettel fälschten, die fälschlich demmzineu, um einen ihrer Kollegen ins Gefängniß zu bringen, ijfs sind; Seifert, Buchbinder aus Tondern; Ernst Rose, Spengler aus Altenburg; Franz, Buchbinder; Otto B a l s, Buchbinder aus Halle a. d. Saale; Bruno Schulze, Buchbinder aus Freiberg i. S.; Rommel, Buchbinder aus Baiern(Nürnberg?>. Wir empfehlen diese Schurken der gebührenden Aufmerksamkeit aller Arbeiter. Wohin sie auch gelangen mögen, Uberall erinnere man sie in geböriger Weise an ihre gemeine Niedertracht. Seifert und Rose haben den Boden Stuttgart» schon zu heiß gefunden, und sie haben sich angeblich nach der Schweiz gewendet. Hoffentlich werden unsere Genossen sie dort zu finden wissen. Die Uebrigen werden jedenfalls auch wohl gezwungen werden, Stuttgart zu verlassen; also, Genossen, die Namen gemerkt! Es gibt doch noch eine gerechte Vorsehung! Soeben wird mir be- richtet, daß Rommel durch„Gottes gnädige Fügung" gestern Abend erbärmliche Prügel bekommen hat. Da« ist„Gottes Finger". Bon sonstigen Heldenthaten der Polizei ist noch zu berichten, daß am 31. August hierselbst die Verlobung eines Genossen stattfand, bei welcher mehrere hundert Genossen beisammen waren. Es war so recht gemüth- lich, als plötzlich eine Heerde Polizisten hereinstürzten, und der Amts- richter Honold an der Spitze seiner 30 Getreuen— allein hätte er sich's nicht gewagt— die Verlobung als politische Versammlung auflöste. Als Beweis, daß wirklich eine politische Versammlung stattgefunden habe, wurde angeführt, daß die Versammelten das Lied:„Brüder, reicht die Hand zum Bunde" gesungen hätten. Als wenn nicht auch an Lassalle'« Todestag eine Verlobung gefeiert werden könnte! Die Polizei möchte gern etwas aus der Sache machen, weiß aber nicht wie?! — Reutlingen, im September. Seil dem Erscheinen unseres Organs im Ausland haben wir dasselbe noch nie in Anspruch genommen, und erlaubt sich der Korrespondent, etwas längst Versäumtes nachzn- holen. Fast könnte man allerorts glaube», es wäre hier auch nicht eine Spur von Sozialismus zu finden, allein dem ist nicht so, auch hier hat sich ein Trüpplein G e l ä u t e r t er erhalten. Da« Sozialistengesetz hat, wie anderwärts, seine Wirkung auf unsere Empfindungen(Rache) da- durch ausgeübt, daß zwei unserer Genossen volle sieben Wochen zu Tübingen in Untersuchung behalten wurden, angeschuldigt in der Char- freitag Nacht vorigen Jahres verbotene Schriften verbreitet zu haben. Die beiden mußten jedoch in Ermanglung jeden Beweismaterials und trotz der Ueberanstrengungen des Landrichters Kellenbach freigelassen werden. Die Jnhastirten Kühne und R a a s ch verdienen bezüglich ihre» Verhalten« Lob und Nachahmung. In Wahlsachen können wir leider nicht Erfreuliches berichten, indem die hiesige Wählerschaft im großen Ganzen der Meinung ist, in Hrn. Paper (Volksparteiler) den Mann gesunden zu haben, der für Alles bürgt; die richtigen Sozialisten, es gibt nämlich auch halbe, waren jedoch anderer Meinung und gaben— ihrer 60— bei den zwei letzten Wahlen ihre Stimmen rn. Dr. Dulk. Dieses fatale Resultat lohnte allerdings nicht Mühe nnd osten; die Zeiten sind jedoch veränderlich, und wenden sich hoffentlich zum Bessern für uns. Als das Hastpflicht- resp. Unfallversicherungsgesetz spruchreif für den Reichstag werden sollte und in vielen Städten seitens der Arbeiter Ver- sammlungen arrangirt wurden, beriefen auch wir eine solche, jedoch der Sozialist denkt und die Polizei lenkt. Nachdem die unsere verboten, schickten sich die Volksparteiler an, diese« Thema vor ihr Forum zu bringen. Selbstverständlich benützten wir diese Gelegenheit, uud gelang es un«, eine von einem unserer Genossen eingebrachte Resolution bei der Abstimmung duachzubringen zum großen Aerger der Mehrzahl der Herren Demokraten. Zu den jüngsten Fragen in Parteiangelegenheiten haben auch wir Stellung genommen und find die Hamburger Anträge: Aufklärung des Volkes durch Broschüren und Flugblätter, gutgeheißm worden. Bezüglich der Lassalle'schen Schriften sind wir auf Seite der Redaktion des„Sozial demokrat". Die baldige Abhaltung eines Kongresses wurde hier für noth- wendig erklärt. Obwohl die Reformpläne des Herrn Breuel bereit» der Vergangenheit angehören, müssen wir dieselben deshalb erwähnen, weil sie unter uns lebhaft diskutirt wurden. Die meisten der Genossen konnten sich für das immerwährende Theoretisiren nicht erwärmen, stehen wir doch tagtäglich im offenen Kampfe wider da« Kapital, und wird doch all' unser Mühen und Plagen, Gesundheit Einsetzen und Kujonirenlassen von der Raubrittergesellschaft nur mit Spott und Hohn beantwortet. Bei solchem Gefühl der Knechtschaft und Unterdrückung klingen derar- tige Reformen ebenfalls wie Spott; ein Blick in die Kerker und zu den Ausgewiesenen macht das Maß erst recht voll.*) Für heute genug. Doch sei den Genossen hierorts zugerufen: Aus- dauer und Niemüdewerden! Einmal schlägt die Stunde der Befreiung doch, und da ja bekanntlich Alles seinen Anfang und sein Ende hat, so möge die Befteiung bald ihren Ansang, die Knechtung aber ihr Ende finden. S t ü r z u m. — Bern, 10. September. Nach langer Zeit und mit vieler Mühe Mühe ist auch in Bern im Juli d. I. eine Mitgliedschaft der sozia- listischen Arbeiterpartei Deutschlands entstanden. Obwohl wir mit dem bisherigen Resultat zufrieden sein können, so bleibt hier immer noch ein große« Feld zum Bearbeiten für die Grundsätze de» Sozialismus. Am 12. August d. I. hielten wir eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Genosse Kollmar über die„sozialpolitische Lage Deutsch- lands und die Sozialdemokratie" reserirte. Die Versammlung fand im Tafe Rütli statt, unter zahlreicher Zuhörer- schast aus allen Theilen der Bevölkerung. Ueber den Bortrag Bollmar's lassen wir am besten ein hiesige« Organ, das„Berner Tageblatt", sprechen. Dasselbe schreibt am Schlüsse seine« Referat«: „Der klare Vortrag mit den treffenden Schilderungen der inneren poli- tischen und wirthschastlichen Lage und Verhältnisse Deutschlands, der oft drastischen Zeichnung der Wirkung der Sozialisten- und Pfaffengesitze, die Darlegung der bestimmten Ziele der Sozialdemokraten muß bei jedem unbefangenen Zuhörer den Eindruck hervorgerufen haben, daß bei solchen Führern die Sache der Sozialdemokratie gewinnen muß." Nach beendigtem Referat wurde außer einer Kollekte für die Sache, noch folgende Resolution mit allen gegen 14 Stimmen der anwesenden Sozialrevolutionäre, welche auf da« Wort verzichteten, angenommen: „Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Bürger Bollmar einverstanden, anerkennt vollständig die Stel- lung der Sozialisten in Deutschland gegenüber dem Ausnahmegesetz, und wird da« Werk der Befreiung de« arbeitenden Volkes au« den Händen der Kapitalmacht, sowie der reaktionären Staatsgewalt mit allen Kräften unterstützen." Zum Schluß wollen wir die Genossen ausfordern, mit noch größerem Eiser für unsere Partei zu wirken, den„Sozialdemokrat" zu verbreiten, und die Versammlungen der Mitgliedschaft zahlreich zu besuchen. Die- selben finden bi« aus Weitere« jeden Samstag statt, und zwar im Restaurant Hahn u. Kopf, Zeughausgaffe, wo auch Abonnement« auf den„Sozial- demokrat" angenommen werden. Mit Gruß und Handschlag! Die Berner Genossen. *) Es folgt hier eine persönliche Apostrophe an Breuel. Da e» sich aber nicht um die Person Breuel« handelt, und dieser ohnehin durch seine Abreise nach Amerika— man schreibt un», daß er durch seiue materielle Lage dazu gezwungen gewesen sei— sich außerhalb der eigentlichen Kampflinie befindet, so haben wir den betreffenden Passus unterdrückt. Die Redaktion. Letzte Machricht. Herr Adolph Wagner hat auf den Steuer-Artike! der Provinzial- korresponden; hin seine Wahlkandidatur für die konservative Partei zurück- gezogen, der Mann ist unser Gegner, aber diesem Schritt gegenüber sagen wir rückhaltlos: H u t a b! Siegesblick. Wenn da« Wetter stürmt, wenn der Tonner spricht. Männer der Arbeit, erzittert nicht! Fest ohne Wanken im Sturmgebrau«, Muthig hindurch, trotz Wetter und Graus. Ob die Nacht auch dunkel: am Himmelszelt Leuchten einst Sterne einer besseren Welt. Der Bölkerfrühlmg bricht siegend an, Dann ist gebrochen der Lüge Bann. Seht ihr im Osten den Flammenschein, Wie Blut so roth, doch wie Licht so rein? Da« ist der Freiheit Morgenroth, Bringt Fürstenknechten und Pfaffen den Tod. Ihr Volksverräther im Reichstagssaal, An der Stirue flammt euch der Schande Mal; Weh euch, wenn der Tag der Freiheit anbricht! Der Völkertag ist das Volksgericht. Glaubt ihr zu tödten die Geistessaat Des jungen Morgen« durch schnöden Verrath? Gebt Raum, daß der Weltgeist euch nicht zertritt, Die Freiheit verlacht euren Sklavenschritt. Seht dort der Pfaffen dunkle Reihn Die Hände erheben und Ave schrei'n! Tritt ein Freiheitsapostel zum Volke hin, Dann rufen die Heuchler!„Kreuziget ihn!" Wie der Wirbelwind am Felsenriff Hohnlachend zertrümmert das morsche Schiff, Wie der zuckende Blitz aus der Wolke Saum Zerschmettert den faulenden Eichenbaum. So fällt einst, vernichtet vom eigenen Raub, Die Schmarotzergesellschast in Schutt und Staub, Sie formte, verblendet vom Herrscherwahn, Da« Schwert, das u n« siegend bricht die Bahn. Wir triumphiren trotz Spott und Hohn! Die Wahrheit trägt dennoch den Sieg davon. Zersprengt die Fesseln! Der Morgen lacht— Muthig hinein in die Geistesschlacht! Ludwig. Als geriebener Sck>wi»dler und Ichuldenmacher wird hiermit der Maler Florian(sonst auch Ernst) M e p e r au» F r e i b u r g i. B., früher m R o r s ch a ch, dann in Zug, zuletzt in Außersihl— allseits gekennzeichnet. Ein Heuchler uud Lüdrian durch und durch, hat es Meyer als„Flücht- ling" besonder» auf Unterfiützungsgelder und die Taschen guter Genossen abgesehen. Wir bitten, wenn er irgendwo auftaucht, un« sofort Meldung und ihn allerwärts al« Freibeuter unschädlich zu machen. Die Expedition de«„Sozialdemokrat". M. Fritzenschaft, Zimmermann aus B a u h o s, o./A. Sulgau(Württemberg), früher in Basel, dann in B elf ort, wird hiermit aufgefordert, über die ihm von dritter Hand anvertrauten Geld er ungesäumt Rechnung zu legen, sowie Zahlung zu leisten, widrigenfalls wegen Unter- s ch l a g u n g öffentlich gegen ihn weiterverfahren wird. Die Genossen allerwärts sind um Vermittlung dieser Nachricht an Fritzenschaft gebeten. Wolle man dessen Adresse oder sonstige Anhalte an die Expedition de«„Sozialdemokrat" berichten. Ai. Briefkasten der Redaktion. Korrespondenzen au« Vervier», Genf ic. in nächster Nummer. d e r E x p e d i t i o n. O. B. Lyon: Fr. 2,50 Ab. 4. Qu. erh.— H. f. Sla.: Fr. 2,65 f. Schst. erh. Sdg. fort. Gruß!— K. F. B.: Mk. 3,60 Ab. 4. Qn. u. Schst. erh. 34 in Zwischenhand verspätet.— Ferd.: Bse. v. 15/9 gekreuzt. Alle« Weitere noch erwartend. Gew. Adr. folgt.— Fldhptm.: Bs. v. 14/9 hier. Mk. 20,— Aug. u. Sept. kommen pr. Ufds. zur nächsten Verrechnung. 2. Sdg. eingetr. u. gutgebr. 3. L. noch erwartet.— Hannibal; Nachr. v. 17/9 erh.— Unversöhnlicher; Mk. 36,— Ab. Sept., Okt., Nov. erh. Sdg. ab 35 fort Notiz v. 12/9 beachtet.— Moorbrenner: Mk. 60,— i Eto. Ab. 3. Ou. erh. Bfl. am 16/9 Weitere« dargelegt.— I. H. Zh«.: Mk. 4,40 Ab. 4. Qu. u. Schst. erh. Verl. folgt, ebenso Reklamirtes. Grüße besorgt u. er- wiedert.— Rother Franz: Fr. 3,65 a Tto. erh. fbb. eingetr. Anfrage betr. L. wird besorgt.-- h.: Mk. 26,40 u. Ggrchng. pr. Ab. 3. Qu. u. Schst. gutgebr. Weitere« bst.— Schufterle: Nur Mk. 7,20(nicht 25) Ab. Sept. erh. Alle, bestens benützt.— F.«. Brchis.: Fr.—,12 f. Schst. erh. Sdg. abgg.— Rthe. Tbe.: öwfl. 2,90 u. Bf. am W 9 abgg. Adr. sc. erwarten baldigst.— I. R. Nschdl.: öwfl.— ,50 kr. f. Schft. erh. Sdg. fort.— A. T. Fkn.: öwfl. 4,— Ab. erh. Jetzt haben Sic noch 96 Et«, pr. 2. Qu. 83 gut, dafern Sie nicht bst. ander« disponiren.— Ar. Hier: Fr.—.40 f. Schft. erh.— Der alte Rothe: Einverstanden. Alle« abgg. Weitere« erwartet. Flbt. anlangend dem- nächst brfl.— Gracchus W.: Bf. v. 18/9 erh. 4 Neue eingereiht.— Agst.: Alle« beachtet u. geordnet. Gewünschte« folgt.— R. O. Ggen.: Mk. 6,— Ab. 3. o. 4. Qu. erh.— Eduard Fischbein! Theile mir Deine Adresse nochmal» mit Waldemar Harteck, Deutscher Verein Zürich. Wir empfehlen: Sozialdemokratische Lieder und Deklamationen. Sechste vermehrte und verbesserte Auslage. Neu beigefügt: Da« Lied der Ber�olgte», Bürgirmeister Tschech» Petroleumlted u. a. m. Preis: broschirt 35 Pf., gebunden 40 Pf. Die K«lll»h>chhi»dlu». Ziirich. Lsondon. Verkaufsstellen des„Sozialdemokrat": J. W. Goedbloed, Tobacconist, 29 Foley Street, Ot. Tichfield Street. York 4 Co, Buchhandlung, 131a, London Wall, City. Mr. Gee, Stationer, 42 High Street, Islington. Mr. G. Steeeiu, Stationer, 223 Ooswell Boad, E. C. Mr. H. Schackwitl, Friseur, 10 Featherstone Street, City. Mr. Charles Schmidt, Foreign Provisioner, 17 Gray Street. Silbertown. Mr. Klotzbach, Friseur, Edward Street, Soho. H. 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