Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag Boltsbuchhandlung Hottingen- Zürich. Jotfendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz foften Doppelporto. R: : 40. Der Sozialdemokrat Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie Sonntag, 1. Oftober. Iris an die Abonnenten und Korrespondenten des„ Sozialdemokrat". 2 Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Berbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Poftverkehr nothwendig und darf teine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt ber Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schüßen. Haupterfordernis ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten werd Abonnements nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.- für die Schweiz( Kreuzband) Mt. 3.- für Deutschland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2.50 für alle übrigen Länder bes Weltpoftvereins( Kreuzband) Juferate Die dreigespaltene Petitzeil 25 Gts. 20 Pig. 1882. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adreffe außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trog aller entgegen. Rehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat" unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Der Hunger und die Revolution. Nichts kann verkehrter sein, als die oft gehörte Behauptung, je schlechter die Zeiten seien, desto besser gehe es mit unserer Bewegung vorwärts. Es kann zwar nicht geleugnet werden, daß ein heftig auftretender Nothstand zu Krawallen und Aufständen führen kann die Geschichte liefert zahlreiche Beispiele dafür; auf der andern Seite steht es aber auch fest, daß große historische Umwälzungen niemals durch momentane Nothstände hervorgerufen worden sind, wenn solche auch häufig während des Verlaufs der Umwälzungen eine wichtige Rolle gespielt haben, wie z. B. in der französischen Revolution. Wer unsere Arbeiterbewegung kennt, weiß, daß dieselbe während der guten Geschäftszeit die größten Fortschritte gemacht, und von der schlechten Geschäftszeit, trotz theoretischen Nutzens, prattisch nur Nachtheile gehabt hat. Der Hunger stachelt wohl den noch nicht gänzlich Herabgekommenen zu augenblicklichen Verzweiflungsthaten auf, gibt aber nicht die Fähigkeit planmäßigen, zielbewußten Handelns, wie es bei großen Bewegungen nothwendig ist. Mit einem Wort: der Hunger schafft Rebellen, aber teine Revolutionäre. Zum Revolutionärsein gehört die Erkenntniß der Ursachen des Elends und der Unterbrückung, sowie der Entschluß, diese Ursachen mit allen Mitteln zu beseitigen. Was in der ersten Zeit nach Erlaß des Sozialistengesetzes unserer Partei die meisten Schwierigkeiten bereitete, das war nicht das Sozialistengesetz selbst, nicht die politische Verfolgung nein, das war die außerordentlich schlechte Ge= schäftslage. Hätten die sozialdemokratischen Arbeiter guten Verdienst gehabt, wäre Nachfrage nach Arbeitern gewesen das Gros der Partei hätte von Anfang an auf das Sozialistengesetz " gepfiffen". Allein die schlechte Geschäftslage lieferte die Arbeiter vollständig in die Hände der Kapitalisten. Die reaktionären Arbeitgeber fonnten für jeden entlassenen Arbeiter hundert andere zum denkbar niedrigsten Lohn haben, und so warfen sie ungenirt Jeden, deffen Gesinnung ihnen nicht behagte, auf's Pflaster und hängten über die Köpfe der Uebrigen das Damoklesschwert der Entlassung. Die Attentate und das Sozialistengesetz boten ihnen den willkommenen Vorwand, rücksichtslos ihr Müthchen an den Arbeitern zu kühlen. sagte ich oben ist kein Revolutionär, er Der Hunger- sagte ich oben ist auch ein schlechter Rathgeber; und flößt er wohl hier und da den Muth zur That ein, so träufelt er in tausendmal mehr Fällen Feigheit in das Herz. Unter dem demoralifirenden entmannenden Einflusse des Hungers marschirten Tausende und Abertausende sozialdemokratischer Arbeiter unter dem kaudinischen Joche es Kapitals hindurch und verleugneten zähneknirrschend die Se aldemokratie. Der schlechte Aussa verschiedener Wahlen im Jahre 1878 und später ist einzig und allein auf Rechnung des Umstandes zu setzen, daß viele sozialdemokratische Arbeiter für ihre Partei nicht zu stimmen wagten, ja in manchen Fällen gegen ste stimmten. Es ist das eine Thatsache, die über jeglichen Zweifel hinaus feststeht, und die alle Diejenigen, welche an die revolutionäre Kraft des Hungers glauben, zum Nachdenken anreizen sollte. Seit einiger Zeit fangen nun die Geschäfte an, sich etwas zu heben. Der Lohnsaz ist zwar kein höherer geworden, als während des schlimmsten Geschäftsganges; aber in den meisten Branchen ist mehr Arbeit vorhanden; es wird längere Zeit gearbeitet, die Arbeiter haben volle Beschäftigung, und es werden Arbeitskräfte gesucht. Natürlich hat das mit der Bismarck'schen Wirthschaftsreform nichts zu thun. Es ist überhaupt kein Zeichen eigentlichen Geschäftsaufschwunges: die alten Waarenvorräthe find einfach verbraucht; es müssen neue erzeugt werden; die anwach sende Bevölkerung muß wohnen, sich kleiden kurz es sind massenhafte, zum Theil lange zurückgedrängte Bedürfnisse vorhanden, die befriedigt werden müssen. Und so erklärt es sich, daß die Geschäfte jetzt in verschiedenen Industriezweigen, flott" find. Zum Beispiel in Chemnis ist die Nachfrage nach Arbeitern sehr groß, und können momentan nicht genug, Hände" beschafft werden. Aehnlich steht es in unseren Weber bezirken. Nach der Lehre der Hungerpessimisten müßte hier jetzt die Bewegung zurückgehen. Das gerade Gegentheil ist aber der Fall. In Chemnitz ist - wie sich schon bei der vorigen Reichstagswahl gezeigt hat, die Partei im herrlichsten Aufschwung, und das„ sächsische Manchester" hat sich den 1878 verlorenen Ehrentitel„ Hochburg des Sozialismus" wieder zurückerobert. Und auch in den Weberbezirken, wo die Noth bisher schwer auf den Leuten gelastet und die tüchtigsten Parteigenossen niedergedrückt hatte, regt sich wieder frisches Leben; und die Hoffnung auf bessere Löhne treibt die Massen in die Bewegung. In Greiz, Netzschkau, Reichenbach und anderen Orten finden wir die Arbeiter in fiegreichem Ringen um Lohnerhöhungen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Bewegung sich in weitere und weitere Kreise erstrecken, und eine Arbeitsbranche nach der anderen ergreifen wird ganz wie im Anfang der 70er Jahre. Damals schoben die Herren Bourgeois die ganze Lohnbewegung der Sozialdemokratie in die Schuhe. Heute können ſie das nicht, es sei denn daß sie die vollständige Ohnmacht des Sozialistengesetzes konstatirten. Nun, heute ist die Sozialdemokratie gerade so schuldig und so unschuldig wie damals. Bewiesen ist aber durch die obenerwähnten Vorgänge, daß der beffere Geschäftsgang, weit entfernt der Sozialdemokratie zu schaden, nur Wasser auf unsere Mühlen leitet. Es ist ein böser Zirkel, in dem sich die bürgerlich- kapitalistische Gesellschaft bewegt. In Zeiten guten Geschäftsganges muß ste Gesellschaft bewegt. wider ihren Willen den ihre Beseitigung anstrebenden Elementen materiell den Kampf erleichtern, und in Zeiten des industriellen Niederganges wird ihr vor ihrer eigenen Gottähnlichket so bange, daß sie, ebenso unfreiwillig, ihren Widersachern das geistige Rüstzeug zu dem Beweise von der Nothwendigkeit ihrer Beseiti gung liefert. Man könnte nun den Spieß umtehren und fragen: wann soll aber diese nothwendige Beseitigung eintreten, wenn die zu ihrer Durchführung berufene Klasse, wenn das Proletariat gerade in der Zeit aufhören sollte, kampffähig zu sein, wo der Kampf eigentlich erst seinen prinzipiellen Charakter annimmt, in der Zeit der Krifts? Denn so sozialistisch der Arbeiter auch gesonnen sein mag, in der Zeit guten Geschäftsganges kämpft er doch nur um höhere Löhne und event. niedere Arbeitszeit, während er in der Zeit der Geschäftslosigkeit den Kampf um die bloße Existenz zu führen hat. Die Antwort liegt in der Thatsache, daß der oben gekenn zeichnete Zirkel sich nach innen zu immer mehr verengert. Während die sogenannten Prosperitätsperioden immer kürzer werden, nehmen die Epochen des wirthschaftlichen Niederganges nicht nur an Dauer zu, fie werden auch immer intensiver, ziehen immer mehr Kreise der Gesellschaft in den Bereich ihrer Wirksamkeit. Diese Erkenntniß haben sowohl die Anhänger der heutigen bür gerlichen Gesellschaft gewonnen, wie auch die Arbeiter. Für Erstere ist sie aber lediglich ein Menetekel. Die bürgerlich kapitalistische Gesellschaft kann den Gang der Ereignisse nicht aufhalten, Dank ihres herrlichen Gesetzes von der freien Konkurrenz muß sie sich in den wilden Taumel der planlosen fieberhaften Massenproduktion stürzen, sie kann, so gern sie auch möchte, die Ueberproduktion nicht aus der Welt schaffen. Für das Proletariat und die zu ihm haltenden Elemente aber ist die Erkenntniß von den wirthschaftlichen Eristenzbedingungen der bürgerlichen Gesellschaft gleichzeitig die Lehrmeisterin der von ihnen zu befolgenden Politik. Sie lehrt sie den richtigen Moment benutzen, hält sie von Juustonen frei und verhindert so die sonst unvermeidliche Zersplitterung der Kräfte burch den Kampf um Nebendinge. Die klassenbewußten und zur Erkenntniß von den gesellschaftlichen Zusammenhängen gelangten Proletarier beuten die fchaftlichen Zusammenhängen gelangten Proletarier beuten die Situation aus, lassen sich aber nicht von ihr beherrschen, während die Bourgeoisie, trotzdem sie das Gleiche zu thun sich bestrebt, Sklavin der Situation ist. Wenn die deutschen Arbeiter somit heute bessere Arbeitsbedingungen erringen, so wissen sie sehr gut, daß diese relativ günstige Situation nur von begrenzter Dauer sein wird. Sie geben deshalb von ihren theoretischen oder, um es präziser auszudrücken, revolutionären Forderungen kein Titelchen auf. Im Gegentheil, fie benutzen den errungenen Vortheil, um sich für den viel wichtigeren entscheidenden Kampf, für den Kampf um die Herrschaft als Klasse in Staat und Gesellschaft zu stärken und zu organisiren.aa.ad Die politische Herrschaft des Proletariats ist die soziale Revo lution. Ein entnerbter, verhungerter Arbeiterstand ist aber unfähig zum politischen Kampf, zur politischen Herrschaft. sps m Vom Kaisertag in Breslau. desid Ein Zeitbild. Ich bin ein Fürst, das ist mir klar, Warum? Das ist mir dunkel. Man pflanzte plötzlich mir in's Haar Der Krone lichten Funkel. Seitdem tanzt Alles, Groß und Klein, Galant nach meinem Pfeifen, Ich bin ein Fürst, es ist furios, Ich kann es nicht begreifen. Ich bin vom Wirbel bis zur Zeh' Bon lauter Gottesgnaden Ich bin ein wahres Heiligthum, Welch' Glück, mich nur zu sehen. O Gott, wie ist die Welt so dumm! Ich kann es nicht verstehen. Viel Tausend dreh'n und winden sich Und schauen auf mich Einen, Jch aber sorg' ganz königlich Für mich nur und die Meinen. jener Zeit unwillkürlich in den Sinn gekommen sein, welche das zweifelhafte Vergnügen hatten, den Pomp anzusehen, mit welchem der Heldengreis gelegentlich der jüngsten Manöver in der Stadt Breslau empfangen wurde. Auch der Schreiber dieser Zeilen, der Anno 48 in Breslau studirte und den großen Rummel mitmachte, seit den 50er Jahren jedoch einige Meilen von Breslau den Rustikalen( Landmann) spielt, hatte während der ,, Kaisertage" in Breslau zu thun und konnte die„ Schweifwedelei par Ordre de mufti" in aller Ruhe betrachten. Die Zeitungen aller Schattirungen bringen ausführliche Berichte in überschwenglich serviler Art über alle Festlichkeiten und reizen damit die Neugier des Volkes, welches alle Straßen, durch welche die„ hohen Herrschaften" fuhren, besetzt hält. Mir traten, trotz der vielen mit Kornblumen geputzten Knopflöcher Zweifel an der zur Schau getragenen ,, Loyalität" auf, als ich an die erst im vorigen Herbst vollzogenen Reichstagswahlen dachte, aus welchen in Breslau zwei Sozialdemokraten hervorgingen. Es ist zwar wahr, in den meisten Schaufenstern der Geschäfte stehen die lorbeerumkränzten Büsten von Wilhelm, Auguste und Friz"; auch die Häuser sind beflaggt, Ehrenpforten sind gebaut, und die Illumination war unleugbar großartig". Erkläre mir, Graf Derindur, diesen Zwiespalt der Natur, zwischen diesem Prunk und der erst vor kurzer Zeit stattgehabten Reichstagswahl, so könnte mancher Leser fragen. Nichts leichter als das! Die großen Geschäftsinhaber machen des Geschäftes wegen" den Anfang mit dem Aufputzen der Schaufenster. Es ist nichts als der Prozent- Patriotismus, der die Leute dazu anfeuert; sie hoffen, bei den vielen Fremden ein Geschäft zu machen, wenn sie sich vor allen Anderen hervorthun. Dem einen großen Geschäftsinhaber und Hoflieferanten wollen die andern natürlich nicht nachstehen und machen dasselbe, damit ihnen der eine nicht alle zu erhoffenden Kunden wegfängt. Den großen Geschäftsleuten folgen die mittleren und diesen die kleineren, alle aber aus denselben geschäftlichen" Gründen. Ja, sie würden„ des Geschäftes" wegen dasselbe thun, wenn der Präsident einer Republik hier Gast wäre, d. h. sie würden dessen Büfte ebenfalls bekränzen und zur Schau stellen. Was nun das Flaggen der Häuser und deren Beleuchtung anbetrifft, so liegen die Motive dazu ebenfalls auf der Hand. Verschiedene Inschriften der beleuchteten Schaufenster haben in ganz unverblümter und grober Weise den Schaulustigen ans Herz gelegt, daß das„ Geschäft" bei diesem allgemeinen Allotria die Hauptsache ist, und daß nur deshalb mitgemacht" wird. Wenn in Rußland der allmächtige Zar nach Moskau oder Warschau kommt, so wird das Flaggen und Beleuchten der Häuser bei so und so hoher Strafe anbefohlen. In einer Stadt wie Breslau, wo zu den städtischen Behörden, welche die öffentlichen Denkmäler unter sich haben, noch die Regierungs-, Post, Steuer-, Gerichts- und Eisenbahnbehörden, die Banken, Provinzial- und sonstigen Behörden mit ihren nach Tausenden zählenden Beamten hinzukommen, die alle von Amtswegen wohl oder übel flaggen und illuminiren müssen, sieht das Ding einer russischen Freuden" feier so ähnlich, wie ein Ei dem anderen. Schon die Gebäude dieser Behörden nebst den Kirchen und öffentlichen Denkmälern allein würden bei der Jllumination ein Lichtmeer verbreiten. Rechnet man die Privatwohnungen hinzu, so erhält die Sache schon ein ganz anderes Aussehen. Und auch bei den Beamten spielt der Prozent- Patriotismus eine große Rolle. Abgesehen von den Unterbeamten, welche alle Proletarier im wahren Sinne des Wortes sind, und die in den Höfen der Stadt oder in den Vorstädten wohnen, rechnen doch die meisten mittleren und hohen Beamten darauf, daß, wenn sie sich recht hervorthun, eine Gehaltserhöhung oder Remuneration zu Weihnachten oder ein Orden oder Titel ihren prozentualischen Eifer belohnen wird. Wenn man ferner weiß, inwieweit die Polizei die Hausbesitzer in der Scheere hat, wie sie dieselben jederzeit und nach Belieben zwicken kann, dann wird es auch erklärlich, daß die meisten Häuser geflaggt und beleuchtet worden sind. Selbst wenn die Revierpolizisten nicht direkt zu dem Hauswirth gehen und ihn leutselig fragen, ob er nicht auch flaggen und beleuchten werde, da der Nachbar rechts und links dies thue und sein Haus eine auffällige Ausnahme machen würde wiffen und kennen die Hauswirthe die Almacht der Polizei zu genau, um nicht mitzuheulen, da die Wölfe gerade das große Wort führen. In Preußen, wo die Polizei Alles und Jedermann unter Kuratel hat, kann die Polizei die Hauswirthe, die nicht mitmachen, chikaniren, daß es eine wahre Luft ist. Was Wunder also, daß die Leute mit Wonne einige Thaler für eine Flagge, eine Kaiserbüfte und einige Lichte ausgeben, um nur Ruhe vor der Hochlöblichen zu haben. Hier und da gibt es wohl einen konservativen Hausbesitzer, der aus freien Stücken ins Zeug geht, die meisten aber thun es ,,, weil sie nicht anders können", und thun wohl noch ein Uebriges, indem sie ihre Hausbewohner auffordern, bei der Beleuchtung mitzumachen. Ist ein Hausbewohner darunter, den der Wirth nicht gerne verliert, so liefert er diesem die Lichter, um bei der Polizei sagen zu können, bei ihm sei kein Fenster dunkel geblieben". In anderen Fällen wieder muß der Miether, dem die Wohnung der Kundschaft wegen gerade recht ist, den Wunsch des Wirthes erfüllen, will er die Wohnung behalten. Was nun den Zulauf in den Straßen, in denen die kaiserlichen Karoffen mit ihren Vorreitern, geputzten Lakaien, glänzenden Uniformen und hochaufgeputzten Damen als Insassen verkehren, sowie bei der Jlluamination und den Musikaufführungen der Militärkapellen auf den öffent lichen Plätzen anbelangt, so ist darauf nicht viel zu geben, da die Menge immer schaulustig ist, und überdies von den Zeitungen noch besonders angestachelt wird, sich den Aufwand auch einmal anzusehen. Zudem kann man es den armen Proletariern nicht einmal verdenken, wenn sie, die so sehr viel entbehren müssen, sich einmal den Prunk und die Beleuchtung ansehen und sich durch Anhören der Musikaufführung ergößen. Diese Strophen aus dem Liebe eines Achtundvierzigers müffen sowohl dem alten Wilhelm selbst als auch den noch lebenden Volkskämpfern aus Die Breslauer Studentenschaft hat ihre Loyalität in einer Adresse und die Turnvereine haben sie in der Ausführung eines Fackelzugs bekundet. Was von der, von avancementsluftigen Professoren angeführten akademischen Jugend in Punkto der Kriecherei zu erwarten war, ist bekannt. Und in den Turuvereinen, wo früher einmal der freiheitliche Geist rege erhalten wurde, kommandiren Turnlehrer, die städtische Beamte sind; und auch von denen gilt, was bereits oben über die Beamten ausgeführt wurde. In den Turnvereinen aber find Arbeiter gar nicht, Handwerker auch nur sehr vereinzelt vertreten. Junge Kaufleute und Kaufmannslehrlinge bilden das Gros, auch verschiedene Beamte spielen dort eine Rolle. Lauter junge Leute, die ihr Licht der Fackeln nicht unter den Scheffel stellen, und ihre Kunst nicht nur vor dem Kaiser, sondern auch vor dem großen Haufen zeigen wollten. Sie betrachten alles vom Standpunkt des Vergnügens; diesmal aber um so mehr, als ein allgemeiner Jur" und die Vertilgung einer Anzahl Seidel Bier die Schlußpointe bildete. Arbeiter, wirkliche Arbeiter, waren nur in den ,, Kriegervereinen" vertreten, die zum Theil, soweit sie aus Breslau sind, bei der Ankunft des Kaisers Spalier bildeten. Die Kriegervereine aus der Provinz halten am Sonntag Vorstellung. Mancher kann es nicht begreifen, wie die Arbeiter sich dazu gebranchen lassen, und doch ist die Sache sehr erklärlich. Zunächst find dort die kleinen Handwerksmeister vertreten. Auch sie treten diesen Vereinen meist der wirklichen oder der in Zukunft zu erwartenden Kundschaft wegen bei. Die städtischen Nachtwächter und Feuerwehrleute stellen auch ein großes Kontingent. Der Branddirektor, ein gewesener Hauptmann, hält die Leute dazu an, und um des lieben Brotes willen macht man es mit, zumal den Leuten allen der Kasernendienst noch in den Knochen steckt. Den übrigen Theil der Kriegervereine bilden diejenigen Leute, welche nach ausgestandener Militärzeit in der großen Stadt bleiben, um sich als Haushälter, Fabrikarbeiter u. s. w. ihr Brot zu verdienen. Die Kriegervereine verdanken ihre Existenz dem unbestreitbaren Organisationstalent der deutschen Militärverwaltung. Die vom Militär entlassenen Proletarier finden darin insofern einen gewissen Sammelpunkt, als ihnen bei Krankheits- und Sterbefällen eine Unterstützung zu Theil wird, und ihnen auch bei Todesfällen ein Grabgeleite mit zum Theil militärischem Schaugepränge ficher ist. Man mag sagen was man will, die Proletarier fühlen gerade bei dem Gedanken an ihr Begräbniß, bei welchem die Arbeiter in den meisten Fällen ohne jede Begleitung hinausgeschleppt werden, ihre Isolirtheit in der Gesellschaft am meisten und suchen dem zu entgehen, indem sie den Kriegervereinen beitreten. Auf dem Lande, wo die Gutsbesitzer, meist Militärs der Reserve oder Landwehr, ihren Einfluß für diese Vereine geltend machen und wo für Krankenund Sterbekassen gar nicht gesorgt ist, finden die Kriegervereine am meisten Antlang. Man muß diese Leute gesehen haben, mit welcher Wichtigkeit sie einherschritten, als sie im Sonntagsstaate mit der schwarz- weißen Binde am Arm Spalier bilden mußten. Sie schritten einher, nicht Kraft ihres Amtes sondern Kraft der schwarz- weißen Binde, als die ersten, die das Schaugepränge in Augenschein nehmen konnten, und glaubten, daß die Wucht der ganzen Welt auf ihren Schultern ruhe. In der Stadt find die Leute berichtet, das geht schon daraus hervor, daß sowohl am Tage der Ankunft des Kaisers als auch später, als die Arbeiter in ihren Restaurationen beisammen waren, fie fich gegenseitig fragten:„ Was meinst du, wenn der Wilhelm wüßte, wie viel Rothe in den Reihen der Kriegervereine gestanden haben?" Die Breslauer Patrizier, unter denen viel reiche Juden, haben sich gegenseitig überboten, die hohen" Herrschaften zu beherbergen. Daß dabei mancher auf Orden und Titel spekulirt, ist selbstredend. Die Juden aber haben sich, eingedenk der Judenheze, vor allen dabei hervorgethan. Ob die Judenhatz deshalb von oben her eingedämmt werden wird, bleibt abzuwarten, ist aber nicht anzunehmen. Die reichen Juden haben übrigens, obgleich sie keine Freunde von Schweinefleisch sind, von jeher verstanden, mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen. Jm Uebrigen hat sich bei dem ganzen Rummel der Klassenunterschied so recht geltend gemacht, infofern das Magnatenthum, d. h. diejenigen, die ihre Stammbäume bis auf die gemeinsten Strauchritter und Wegelagerer zurückführen können, im Landschaftsgebäude ein Fest gaben; der kleine Adel aber im Provinzialmuseum ein solches veranstaltete, während das Bürgerthum, d. h. die städtische Obrigkeit, ein solches im Stadttheater von Stapel ließ. Der vierte Stand, d. h. die Proletarier, bildete die Staffage als Hurrah- Schreier auf den Straßen. Daß man das Provinzialmuseum, die Stätte der Kunst, dazu ausersehen hat, ein Ballfest darin abzuhalten, wobei die Kunstschätze entfernt und ungeheure Kosten für Baulichkeiten und Umbau gemacht werden mußten, zeigt so recht deutlich, wie die Leute die Kunst zu schäzen wissen. Allerdings Blumenhändler, Kränzebinder, Tapezierer und Dekorateure u. s. w. haben bei der Geschichte unbestreitbar verdient. Wenn sich Privatleute Ausgaben machen oder machen müssen, so mag das immerhin ihnen überlassen bleiben, es ist das Sache des Einzelnen. Es ist aber nicht zu vergessen, daß sowohl die Kreis- als auch die Stadtvertretung Ausgaben, natürlich in geheimer Sigung beschlossen haben, die einige hunderttausend Thaler betragen werden; und daß das dicke Ende sozusagen erst hintennach kommt, werden die Steuerzahler nächstens an der Verdoppelung der Kreis- und städtischen Steuer schon merken. Neben den Festberichten fallen die Polizeiberichte in den Breslauer Zeitungen insofern auf, als Majestätsbeleidigungen und Widerstand gegen die Staatsgewalt die meisten Ver haftungen herbeiführten. Natürlich, wer den Anordnungen der Polizei nicht auf den Wink folgt, oder ein Wort über die maßlose Verschwendung fallen läßt, zieht sich die Verhaftung wegen obigem Vergehen zu. So macht man heutzutage Loyalität"! Aus England. London, 15. September 1882. Allgemeine Wonne ist die Signatur des Tages.„ Glorreicher Sieg!" „ Große Niederwerfung der Rebellen!" so tann man auf allen Zeitungsplakaten in großen Buchstaben lefen. Die Zeitungen selbst sind voll von prahlerischen Leitartikeln. Englands Ansehen ist auf's Neue hergestellt. Garnet Wolseley ist ein Held. Die„ Daily News" sagte in ihrem Leitartikel ,,, er habe sich würdig gezeigt, neben Carnot und Moltke gestellt zu werden". Die dickköpfigen„ Jingo's"( Bezeichnung für die Nationalitätslümmel in England. Anm. d. Red.) jauchzen über das muthige Dreinhauen unserer Truppen. Ja, das Dreinhauen von Schlächtern. Eine Korrespondent vom Kriegsschauplatz schreibt, daß die überraschten Egypter, noch schlaftrunken und halb bewaffnet, unfähig oder zu erschrect waren, Widerstand zu leisten; er habe Mitleid mit ihnen gefühlt, als sie getödtet wurden, wie Ratten in ihrem Nest von einem Dachshund(„ Daily Chronicle"). Der Korrespondent des ,, Daily Telegraph" sagt, daß sich unter den Getödteten eine große Zahl von Kindern und Greisen" befand. Welcher Muth muß dazu gehört haben, diese Unglücklichen zu tödten! Die königliche Familie fühlte sich so gehoben, daß sie am Mittwoch Abend allen Anstand vergaß. Die Königin, der Herzog und die Herzogin von Albany, die Herzogin von Connaught*) und Prinzeß Beatrice tranken vor Schloß Balmoral zu Ehren des Sieges mehrere Gläser echten Lochnay oder Whisky.( Siehe„ Daily Chronicle.") Welche noble Handlung, welch' großes Schauspiel! Viktoria Welf, selbst Wittwe, trinkt Schnaps vor Wonne darüber, daß Hunderte ihrer egyptischen Geschlechtsgenossinnen zu Wittwen gemacht wurden! Viktoria Welf, selbst Mutter, trinkt und lacht auf den Gräbern von armen unschuldigen Knaben und Mädchen, die von gemietheten Messerhelden brutal niedergemetzelt wurden! Die Königin von England, das Haupt der englischen Kirche, die Vertreterin auf Erden des Friedensfürst", dessen, der gesagt: Gesegnet find die *) Eine geborene Hohenzollern! Aum. des Sezers. Barmherzigen, denn sie werden Gnade erlangen", billigt es, daß man Kinder und Greise ohne Gnade niederhaut! Schande über das Weib, das Derartiges vermag! Das Königthum hat stets am Krieg seine Freude gehabt, und in Augenblicken wie der jetzige zeigt es sich in seiner wahren Gestalt. Es lüftet sich der Schleier, die Maske fällt, und der Tiger zeigt seine fletschenden Zähne. Der Krieg ist ein Spiel, bei dem die Könige und ihre Schmarozzer sich mästen, während er stets ein Fluch für das Proletariat ist, bis wir anstatt uns ein ander zu bekämpfen, anstatt daß der Engländer den Egypter umbringt, der Deutsche den Franzosen niedermacht, unsere Waffen gegen unsern gemeinsamen Feind, gegen Königthum, Landdiebe und Kapitalisten kehren. Halbe Maßregeln nützen da nichts. Das heutige System muß von Grund aus zerstört werden, bis wir etwas Gutes an seine Stelle setzen können. " 17. September. Vor einigen Jahren war hier eine lebhafte Agitation dafür im Gange, daß unsere Gemälde- Galerien 2c. Sonntags geöffnet werden. Bisher waren es die Mucker, welche dagegen opponirten, aber als die Frage in der letzten Session im Parlament zur Sprache kam, war es Herr Broadhurst, der die Opposition führte. Dieser Broadhurst ist ein Maurer, ein zwar wenig begabter aber schlauer Mensch, der von den Liberalen als Arbeitervertreter" ins Parlament hineinbefördert wurde, um als Vertreter der Arbeit das Volk zu ergößen. Nun, dieser Herr veranlaßte das Haus, uns die Gelegenheit, unser Eigenthum" zu besichtigen, abzuschlagen, indem er behauptete, daß die Masse der arbeitenden Klaffen dagegen sei. Das ist eine grobe Lüge, und Niemand weiß das besser als Broadhurst. Seit er diesen Ausspruch gethan, sind in fast allen Gewerk- und politischen Arbeitervereinen des Landes -seine eigene Branche inbegriffen-Resolutionen, die ihn verurtheilen, angenommen worden. Ich erwähne das nur, um den Genossen auf dem Festlande zu zeigen, wer dieser Mann ist, und daß, wenn er als Politiker im Namen der englischen Arbeiter spricht, er keinen Auftrag dazu hat. Es wird die Leser des„ Sozialdemokrat" intereffiren, zu erfahren, daß das populärste Londoner„ Abendblatt", das„ Echo", seinen Besitzer wechselt. Das„ Echo" hat in den letzten zwei Jahren durch seine Opposition gegen die Zwangsmaßregeln in Irland und gegen den Krieg in Egypten, eine sehr gute Wirkung ausgeübt, in anderen Fragen war es dagegen ziemlich matt. Es lag das zweifelsohne an seinem Besitzer und Redakteur, Herrn Edwards, Abgeordneten für Salisbury, der sein Blatt schrieb, wie er sich im Parlament aufführte, d. h., wenn er gegen die Regierung und seine Prinzipien zu stimmen hatte, Beides im Stich ließ und vor der Abstimmung aus dem Saal verschwand. Im neuen Besitzer, Herrn J. Storey, Abgeordneter für Sunderland, haben wir einen Mann aus ganz anderem Guß. Ein Freund des bedeutendsten englischen Demokraten, des ehrlichen Joseph Cowen( New- Castle), theilt er dessen Unerschrockenheit und Furchtlosigkeit. Als vor Kurzem der Königliche Bettelsack geschwungen, und um eine höhere Apanage für den skorbutischen Jüngling, der fich Herzog von Albany nennt, gebeten wurde, da donnerte er, ohne Rücksicht auf das Geheul, Gejohle und das thierische Gebrüll der Aristokraten, gegen die Monarchie und das ganze Regierungssystem in einer Rede, die kein einziges Londoner Tageblatt und nur zwei Wochenblätter zu bringen wagten. Herr Storey ist ein energischer Verfechter des allgemeinen Stimmrechtes, der Unabhängigkeit Jrlands, der Nationalisation des Landes, sowie der Abschaffung von Königthum und Oberhaus. Sicherlich hat er das„ Echo" gekauft, um darin seine Prinzipien zu verfechten, und so können wir eine gründliche Aenderung in der Haltung desselben erwarten. " Mit großem Schmerz lasen wir letzten Freitag im Proletaire" die Nachricht vom Tode Bebels, und um so mehr hat es uns gefreut, als die Nachricht widerrufen wurde. Wir haben nicht viele Führer von der Fähigkeit und Beredtsamkeit Bebels, daß wir den Verlust eines solchen Mannes verschmerzen könnten, und der Redakteur des genannten Blattes hätte diese Nachricht nicht veröffentlichen sollen, ohne sich von ihrer Wahrheit erst zu überzeugen. Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß nicht ein oder mehrere Personen auf den Straßen Londons buchstäblich Hungers sterben. Jede Woche sterben Dutzende aus demselben Grunde in den elenden Höhlen, die sie bewohnen. In unseren Arbeitshäusern 2c. gibt es 2,000,000 Paupers und fast die doppelte Zahl lebt in einer Lage, die hart an Pauperismus( gänzliche Verarmung) streift. Der Herzog von Westminster hat ein Einkommen von 2000 Pfund Sterling( 20,000 Mart) pro Tag der Landarbeiter erwirbt im selben Zeitraum einen Schilling( 1 Mark). Die Baronin Burdett Couth weiß nicht, was sie mit all ihrem Gelde anfangen soll die Näherinnen in London verdienen bei täglich achtzehnstündiger Arbeit 2, Shilling per Woche. Es ist für 35 Prozent der unverheiratheten Frauen Londons absolut unmöglich, nur von ihrer Arbeit zu leben, sie müssen sich der Prostitution ergeben. Der Reichthum, der im Vereinigten Königreich jährlich erzeugt wird, ist ein ungeheuerer, aber nicht die Arbeiter sind es, denen er zu Gute kommt. Es geht wie in der alten Geschichte der Reichthum wird durch eine Leiter gefiebt; was hindurchfällt, gehört dem Kapitalisten, aber der, der ihn hervorbringt, erhält, was an den Sproßen sizzen bleibt. pmidd Man schätzt den jährlich im Vereinigten Königreich erzeugten Reichthum auf 12 Millionen Pfund, das würde auf den Kopf 40 Pfund, oder auf die Familie von 5 Personen 200 Pfund( 4000 Mark) betragen. Wir haben nun 6 Millionen wirkliche Produzenten, d. h. Arbeiter, und wenn die ungeheuere Summe unter fie vertheilt würde, so kämen auch 200 Pfund jährlich auf Jeden; wie steht es aber heute in Wirklichkeit? Die Löhne machen nur 200 Millionen aus, so daß auf jeden der 6 Millionen Arbeiter nur 35 Pfd. 6 Shill. 4 Pence( Mt. 666. 66) jährlich fommen. Und doch ist der Arbeitslohn nach der Ansicht der Kapitalisten noch nicht niedrig genug, deshalb schreien sie nach der billigen Chinesen- Arbeit, um die Löhne herabsetzen zu können. Und all' das in Uebereinstimmung mit den Lehren der Nationalökonomie. Genossen, es ist hohe Zeit, daß dieser Lehre und ihren Verkündigern der Garaus gemacht werde! Hat nicht ihr Hohepriester, Adam Smith, behauptet, daß der Arbeiter keinen Anspruch hat auf den Ertrag seiner Arbeit, sondern nur auf den Theil des Ertrages, der genügt, um seine äußersten Bedürfnisse zu befriedigen"?! Das, Freunde, ist der ganze Sinn und Inhalt der Nationalökonomie, das ist die Seele des infamen Systems, unter dem wir leben und welches Dank der mit jedem Tag fortschreitenden Verbesserung der arbeitsparenden Maschinen immer härter und härter wird, bis das Proletariat von dem kapitalistischen Berge erdrückt ist. Außerßen Bebiirfnisse zu befriebigen"?! 1 Das, Freunde, ist der ganze 1052 392 Es ist die gebieterische Pflicht der Arbeiter aller Nationen, sich zu vereinigen und diesem System ein Ende zu bereiten. Das Leben ist nicht nur da zum Arbeiten, ebensowenig als nur zum Genießen. Es hat ein Jeder die Pflicht zu arbeiten und Jeder das Recht zum Genießen. Niemand hat das Recht, seinen Mitmenschen irgend eines seiner Rechte zu berauben. Der Kapitalist, der, indem er meine Bedürftigkeit ausnutzt, mich zwingt, so viel Stunden zu arbeiten, daß ich an Ueberarbeit zu Grunde gehe, und der so meinen vorzeitigen Tod verursacht, ist ein Mörder. Es gibt Tausende solcher Schufte in den zweihundert und etlichen Quadratmeilen Stein und Mörtel, die man London nennt. Wie viel gibt es in der ganzen Welt? Ch. J. Garcia. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 27. September 1882. Ein Gedenktag. Der Tag, an welchem diese Nummer in die Presse geht, ist ein in der Geschichte der Arbeiterbewegung höchst denkwürdiger. Vor 18 Jahren, am 28. September 1864, tagte in St. Martins Hall in London ein öffentliches Meeting zu Gunsten der polnischen Insurrektion, an welchem Engländer, Deutsche, Franzosen, Polen, und Italiener zahlreich vertreten waren. Dieses Meeting, auf dem Einstimmigkeit und Enthusiasmus herrschte, war die Geburtsstätte der Internationalen Arbeiterassoziation. Unsere polnischen Genossen in Paris haben zu Ehren dieses Tages eine Versammlung arrangirt, zu welcher sie die Arbeiter aller Nationalitäten einladen, damit der Gedanke der internationalen Solidarität der Arbeiter auf's Neue bekräftigt werde. Wir senden ihnen zu diesem Vorgehen unsere besten Glückwünsche. Die Internationale Arbeiter- Assoziation, in fast allen Ländern der zivilifirten" Welt verboten, lebt trozzalledem fort. Sie ist heute stärker als sie je war, denn ihr Gedanke ist der gesammten modernen Arbeiterbewegung in Fleisch und Blut übergegangen. Wo nur Arbeiter zusammentreten, die Ausbeutung zu bekämpfen, da thun sie es unter dem Rufe, den der Vorsitzende jener Versammlung 17 Jahre früher im ,, Kommunistischen Manifeft" hatte erschallen lassen, und der der Schlachtruf der Internationale wurde: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! " 3ur Unparteilichkeit der Richter. Der Prozeß unseres Genossen Loges wegen Majestätsbeleidigung" ist den Lefern des„ Sozialdemokrat" in frischem Gedächtniß. Loges wurde befanntlich vom Landgericht in Hannover zu viermonatlichem Gefängniß verurtheilt, weil er durch Wiedergabe eines von Bebel gebrauchten Ausdruckes über das Sozialistengesetz, welcher nach dem Ausdruck des Dresdener Landgerichts keine Majestätsbeleidigung involvirte, eine Majestätsbeleidigung verübt haben sollte. Die Herren Richter nahmen nämlich an, das Sozialistengesetz sei von dem Kaiser unterzeichnet( bekanntlich wurde es in Wirklichkeit von dem Kronprinzen unter zeichnet), es werde sonach durch die Majestät des Kaisers gedeckt, und das Sozialistengesetz schmähen, heiße folglich den Kaiser schmähen, eine Majestätsbeleidigung begehen. Wohlan, vor demselben Landgericht, welches das haarsträubende Urtheil gegen den Sozialdemokrat Loges fällte, stand vor einigen Tagen der Redakteur eines Welfen blattes genau unter der gleichen Anklage wie Loges. Ueber den Prozeß und deffen Verlauf berichtet der„ Hannöver'sche Courier" wie folgt: " Wegen Majestätsbeleidigung ist der Redakteur der„ Deutschen Volkszeitung", Karl Welge, angeklagt. In einem in Nr. 2802 genannter Zeitung erschienenen Artikel vom 25. Juni 1882, worin die gegen Mtommsen und Bebel gefällten Strafurtheile wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck und des deutschen Bundesrathes besprochen werden, soll eine Majestätsbeleidigung enthalten sein. Der Artikel beginnt mit den Worten:„ Aus der Frankfurter Zeitung" entnehmen wir c.", und der Angeklagte behauptet, daß nur der Abdruck des Artikels aus genannter Zeitung erfolgt und kein selbstständiges Wort hinzugefügt sei. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Fischer II, schlägt den Expedienten der Deutschen Volkszeitung", Schack, als Zeugen vor, der im Zuschauerraum sich befinde und die Aussage des Angeklagten bekräftigen fönne. Der Staatsanwalt hält ein solches Zeugniß nicht für vollständig ausreichend, weil der Zeuge unmöglich den ganzen Inhalt solch eines langen Artikels im Gedächtniß tragen fönne. Der Gerichtshof hält die Herbeischaffung der " Frankfurter Zeitung" für wichtig und entschließt sich für die Vertagung der Verhandlung, für welche auf Fischer's Antrag eine halbe Stunde Zeit angesetzt wird. Inzwischen wird die betreffende Num mer der Franks. 3tg." herbeigeschafft, in welcher am 21. Juni, also drei Tage vor dem Erscheinen in hiesiger Volkszeitung", der betreffende Artikel bekannt gegeben ist. Durch den Gerichtshof wird zunächst der Inhalt verglichen und in beiden Zeitungen gleichlautend befunden. Der Staatsanwalt begründet darauf einen Strafantrag und hebt hervor, daß der Angeklagte mit dem Abdruck des Artikels sich auf denselben Standpunkt gestellt, auf welchem der wirkliche Autor stehe, wodurch er sich strafbar gemacht, denn in demselben sei der Kaiser sowie der Kronprinz, der das Sozialistengesetz ale Stellvertreter unterzeichnet, beleidigt. Er beantragt eine acht monatliche Gefängnißstrafe. Der Vertheidiger macht geltend, daß der Artikel in vielen Zeitungen Deutschlands gestanden und nirgends verfolgt sei. Wenn auch die betreffenden Gesetze darin getadelt feien, so könne man damit doch nicht annehmen, daß der Kaiser, der nicht Produzent dieser Gesetze sei, habe beleidigt werden sollen. Er bestreitet das Vorhandensein des Dolus und beantragt die Freisprechung seines Klienten, der darauf noch selbst das Wort ergreift und dem Gerichtshof zu bedenken gibt, daß die„ Deutsche Volkszeitung" in Betreff der Sozialdemokratie fon servativ gesinnt sei und solche bekämpfe. Der Ge richtshof fällt ein freisprechendes Erkenntniß, weil der Angeklagte mit dem Abdruck des Artikels wohl eine Kritit bestehender Geseze ausgeübt, eine Beleidigung des Kaisers oder des Kronprinzen aber damit weder bezwedt noch ausgeübtsei. Die un Kosten des Verfahrens werden der Staatskaffe überwiesen." Dies der Sachverhalt. Der Fall Loges und der Fall Welge sind vollkommen analog. Loges hat einen Artikel unverändert abgedruckt, der über eine Kritik des Sozialistengesetzes referirte; und Welge hat einen Artikel unverändert abgedruckt, welcher über eine Kritik des Sozialistengeseges referirte. Die Worte, welche die Majestätsbeleidigung enthalten sollten, waren im Fall Loges dieselben wie im Fall Welge. Beim größten Aufwand von Scharffinn wird man in beiden Anklagen keinen wesentlichen Unterschied entdecken können. Trotzdem wurde Loges verurtheilt, und Welge wurde freigesprochen.bi Bei Loges nahmen die Richter an, die beleidigende Kritik eines vom Kaiser( oder Kronprinzen) unterzeichneten Gesetzes sei eine Majestät 8beleidigung. Bei Welge nahmen die Richter, welche Loges verurtheilt hatten, an, die beleidigende Kritik eines vom Kaiser( oder Kronprinzen) unterzeich neten Gesetzes sei keine Majestätsbeleidigung. In der Sache ist bei beiden Prozessen kein Unterschied. Ein Unterschied ist nur in den Personen. Loges ist Sozialdemokrat. Welge ist Welfe und konservativ. Und da bestreite man noch, daß Loges blos deshalb verurtheilt worden sei, weil er Sozialdemokrat ift! Durch die Freisprechung Welge's hat das Landgericht in Hannover sich selber schuldig erklärt, gegen Loges einen Tendenzprozeß geführt, an Loges ein Justizverbrechen verübt zu haben! -Professorenserbilität. Auf der diesjährigen Naturforscherversammlung in Frankfurt a. M. hielt Professor Bardeleben aus Jena einen Vortrag über Verbrechergehirne, an welchen sich eine Diskussion knüpfte. Das Resulat, zu welchem Herr Bardeleben tam, war nach dem uns vorliegenden Bericht, daß zwar das Hirn der Gewohnheitsverbrecher anormal zu sein pflegt, daß aber an den Gehirnen von Personen, die ein einmaliges Aufsehen erregendes Verbrechen begangen haben, wie Hödel, Nobiling, Guiteau, ein besonderer pathologisch- anatomischer Befund( Krankhaftigkeit) der Hirmmaterie nicht nachzuweisen ist." Nun hat aber bekanntlich die preußische Regierung die Erlaubniß zur Σ f d Untersuchung der Gehirne von Höbel und Nobiling verweigert, und zwar weil sie befürchtete, der Irrsinn der beiden Individuen würde festgestellt, und damit die politische Ausbeutung der Attentate vereitelt werden. Um die preußische Regierung, speziell den Fürsten Bismarck zu entlasten, ligt also der Herr Professor. Was die Untersuchung des Guiteau'schen Hirns betrifft, so fand dieselbe unter dem Einfluß eines so starken Vorurtheils statt, daß an eine Unbefangenheit nicht zu glauben ist. Die Konstatirung der unzweifelhaften Frrfinnigkeit Guiteau's hätte den amerikanischen Behörden nicht blos, sondern auch dem amerikanischen Volke, das fanatisch auf der Hinrichtung bestanden hatte, zu große Gewissensbisse verursacht. War Darwin ein Gottesgläubiger? Auf dem Eisenacher Naturforscherkongreß verlas Herr Hä del bekanntlich folgenden Brief Darwin's an einen Studenten, der ihn um seine Ansicht über die chriftliche Offenbarungslehre befragt hatte: " Down, 5. Juni 1879. Lieber Herr! Ich bin sehr beschäftigt, ein alter Mann und von schlechter Gesundheit, ich kann nicht Zeit gewinnen, Ihre Frage vollständig zu beantworten, vorausgesetzt, daß fie beantwortet werden kann. Die Wissenschaft hat mit Christus nichts zu thun, ausgenommen(!) insoferne, als die Gewöhnung an wissenschaftliche Forschung einen Mann vorsichtig macht, Beweise anzuerkennen. Was mich selbst betrifft, so glaube ich nicht, daß jemals irgend eine Offenbarung ftattgefunden hat. In Betreff eines zukünftigen Lebens muß Jedermann für sich selbst die Entscheidung treffen zwischen widersprechenden unbestimmten Wahrscheinlichkeiten. Ihr Wohlergehen wünschend, bleibe ich, lieber Herr, Ihr hochachtungsvoller Charles Darwin. " Ist dieser Brief schon ein Zeichen, daß der größte Forscher unseres Jahrhunderts vom ganzen Bibelkram nichts hielt- das„ ausgenommen" sagt mehr als Mancher im ersten Augenblicke dahinter sucht, so können wir als Zeichen von Darwin's Standpunkt in Punkto Religion noch ein unseres Wissens bis jetzt in Europo gänzlich unbekannt gebliebenes Faktum mittheilen, welches seinerzeit unser Newyorker Parteiorgan, die dortige ,, Volkszeitung", veröffentlichte. Darwin hat bis zu seinem Tode ein in Boston erscheinendes Organ ausgesprochen atheistischer Tendenz nicht nur gehalten, sondern auch materiell unterstüt! Allerdings ist Darwin nie Profeffor gewesen. Wie, Barbaren" Krieg führen. Ein Korrespondent des tonservativen Londoner, Standard" schreibt neuerdings über Arabi Pascha, den ehrgeizigen, grausamen und hinterliftigen" Rebellen: ,, Als von Tantah die Kunde von der Massen- Niedermetzelung der dortigen Christen anlangte, sandte Arabi Truppen dahin und ließ 12 der Rädelsführer des Pöbels hängen. Er ließ auch im ganzen Lande anbefehlen, daß die Christen bei Todesstrafe nicht behelligt werden dürften. Er belohnte auch Achmed Bey, welcher die dem Massacre in Tantah entkommenen Flüchtlinge schütte. Beim Empfang von Tewfit's Dekret, welches Arabi absetzte, entschied die Notab einkammer, daß nur der Sultan Arabi als Rebellen proklamiren tönnte. Die Notabeln telegraphirten demgemäß dreimal nach Konstantinopel, erhielten aber keine Antwort. Da man einen Angriff von Ismailia aus erwartete, wurde in einem am 5. August abgehaltenen Kriegsrathe beschlossen, den Suezkanal zu zerstören. Es wurde viel darüber diskutirt, ob der Kanal sofort zerstört werden sollte oder ob es beffer wäre, irgend einen Akt der Feindseligkeit in dieser Richtung abzuwarten. Inzwischen wurden sofort Ingenieure mit Torpedos nach Kantara, Serapeum und Chaluf gesandt. Mahmud Fehmi drang energisch auf die fofortige Zerstörung des Kanals, a ber dieser Vorschlag wurde von Arabi Pascha bekämpft, als Herr Lesseps die Neutralität des Kanals garantirte und so den Kanal ficherlich vor beträchtlicher Beschädigung rettete. Die Torpedomannschaften wurden erst 10 Stunden vor der Ankunft Wolseley's in Jsmailia zurückgezogen. Am 21. traf die Nachricht von der britischen Besetzung von Ismailia ein, und sofort wurde ein Adjutant abgesandt, um eine Unterredung mit Herrn von Lesseps zu pflegen; aber der Versuch, dies zu thun, mißglückte." Wie man sieht, ist Arabi ein Opfer seiner Loyalität geworden. Hätte er die Neutralität des Suezkanales nicht respektirt, hätte der Mohame daner den Worten des Christen Lesseps nicht getraut, so wäre es ihm vielleicht gelungen, die Engländer, wenn nicht aus dem Lande hinauszuschlagen, so doch solange hinzuhalten und ihnen durch Sperrung des Suezkanales soviel Schaden zuzufügen, daß sie sich doch schließlich veranlaßt gesehen hätten, mit ihm Frieden zu schließen. Arabi vergaß eben, баб um mit dem Figaro" zu reden wer Eierkuchen bereiten will, auch Eier zerschlagen muß. Die Engländer verstanden das beffer, ste haben sich den Teufel um Herrn Lesseps und die Neutralität des SuezKanals gefümmert; und da sie die Verletzung derselben zu einem edlen Zwecke verübten, nämlich im Intereffe des Coupons, der sich nicht nur in den Händen der Rothschild's befindet, sondern über den auch mancher Hofund Leibbankier Auskunft geben könnte, so verziehen ihnen auch sämmtliche chriftlichen Regierungen Europa's. Anerkannt ist ferner die anständige Behandlung, welche der„ Barbar" den Kriegsgefangenen zu Theil werden ließ. Wie aber wird umgekehrt verfahren? Im ersten Augenblicke prahlten die Engländer freilich in den Regierungsblättern von Milde und Großmuth; dann aber besannen sich die Herrschaften schnell eines andern und überlieferten die Rebellen dem ,, rechtmäßigen Herrscher", dem Khedive aus, der sofort eine Kriegsgerichtskomödie angeordnet hat. Wer den orientalischen Despotismus tennt, weiß, was davon zu halten ist. Wie das Urtheil formell auch ausfallen mag, von dem Augenblick an, da die Rebellenführer Gefangene des Khediven sind, ist ihr Schicksal besiegelt. - Ein preußischer Musterbeamter. De mortuis nil nisi bene, von Todten nichts, wenn nicht Gutes, sagt ein altes lateiniſches Sprichwort. Was soll man aber sagen, jo schvent attes ein Genoffe aus Litthauen, wenn unser be- rüchtigter Landsmann, Geheimer Regierungsrath Schlott in Lugano in der Schweiz am Herzschlag gestorben ist? Wir können nichts sagen als die Wahrheit, und wenn die nichts Gutes über den Mann berichtet, so ist das nicht unsere Schuld. Wir können dem Verstorbenen nur nachrühmen, daß er Reaktionär ohne Gedanken war, daß er die unter de Grahl berüchtigte„ Ostpreußische Zeitung", die fich ihren Ruf auch unter anderer Redaktion erhalten hat, gründen half, daß er im Verwaltungsrath dieses Blattes saß, daß er Vorstand der ländlichen Feuerversicherungsgesellschaft für Oft- und Westpreußen war, brillant dafür wohnte, gut honorirt wurde und den armen Bauern die Versicherung unsinnig theuer machte. Besonders verdient" hat sich Schlott aber durch seine sagen wir: russische Verwaltung des Seebades Krang gemacht. Als seine Schweinereien ans Licht gebracht wurden, ging der Bursche gegen die Männer, die solches gethan, mit unerhörter Frechheit vor. Prozesse schwebten Jahre lang, wurden indeß von der Regierung plößlich niedergeschlagen, als ein von Schlott Verflagter den Beweis der Wahrheit antreten wollte, da inzwischen die Ober- Rechnungsfammer mehr als 100 Monita gezogen hatte. Schlott aber bekam als Pflaster für die ausgeftandene Angst einen Orden, sowie bei seinem Dienstjubiläum Geschenke und Lobsprüche seiner vorgesetzten Behörde. Und jetzt heißt es von ihm in dem Nachrufe ber„ Ostpreußischen Zeitung":" So hat denn ein treues Herz, das in rückhaltlosester Hingebung an König und Vaterland hing, zum tiefsten Leidwesen aller derjenigen, die mit ihm eines Sinnes waren, zu schlagen aufgehört!" Was will man vom preußischen Musterstaat mehr? Die Spigelei hat in Berlin eine solche Ausdehnung erreicht und wird mit solcher Unverschämtheit betrieben so schreibt man uns, daß auch die bürgerlichen Kreise in Mitleidenschaft gezogen zu werden anfangen. So ist es vor Kurzem einem der Sozialdemokratie gauz fernstehenden Geschäftsmann passirt, daß er auf Schritt und Tritt verfolgt wurde, weil man ihn im Verdacht hatte, er verkehre mit Sozialdemokraten. In einem anderen Falle ist es vorgekommen, daß die Polizei das Dienstpersonal eines höheren Verwaltungsbeamten durch Beftechung zur Ueberwachung des Letzteren zu bestimmen suchte. Dieses skandalöse Treiben, das genau an die Petersburger Polizeiwirthschaft( Ueberwachung durch die Hausknechte) erinnert, hat begreif licherweise in den betroffenen Kreisen sehr unangenehm berührt und dürfte zu scharfen Remonftrationen geführt haben. Es ist recht gut, daß auch unseren Gegnern die Lieblichkeiten der Polizeiwirthschaft und des Sozialistengesetes ad hominem, an ihrer eigenen Person demonstrirt werden. Alberner Klatsch. Dem„ Fränkischen Kourier" wird aus Fürth geschrieben und von vielen deutschen Blättern, darunter auch der " Frankfurter 3tg.", nachgedruckt: ,, Wie aus gut informirter Quelle verlautet, beabsichtigt demnächst der bekannte sozialdemokratische Agitator Gabriel Löwenstein nach Amerika auszuwandern und im Staate Cincinnati die Herausgabe einer Parteizeitung zu übernehmen. Als Grund wird angegeben, daß die sozialdemokratische Parteileitung nur noch schwer die Mittel für ihre Agitatoren aufbringen könne, da die vorhandenen Fonds kaum zur Dotirung der Reichstagsabgeordneten aus reichen, und daß ferner während der Herrschaft des Sozialistengesetzes von einem erfolgreichen Wirken Löwenstein's im Bezirke Erlangen- Fürth keine Rede sein könne." An dieser Notiz ist nur wahr, daß unser Genosse Löwenstein allerdings die Absicht hat, auf einige Monate nach Amerika zu reisen, nicht aber auszuwandern. Was über die angeblichen Motive Löwenstein's, speziell in Bezug auf die Finanzverhältnisse unserer Partei gesagt wird, ist alberner Klatsch. Löwenstein hat nie von den Mitteln der Partei" gelebt und nie davon leben wollen. Die sozialdemokratische Partei ist trotz des Sozialistengesetzes im Stande, die nöthigen Fonds für Agitation 2c. aufzubringen. Von einer Dotirung der sozialdemo tratischen Reichstagsabgeordneten zu reden, kann nur Jemand einfallen, der von der Organisation unserer, auf dem Gleichheitsprinzip stehenden Partei teinen Begriff hat. Unsere Reichstagsabgeordneten haben vor den übrigen Parteimitgliedern nichts voraus. Während sie im Reichstag für die Partei thätig sind, erhalten sie, gleich jedem anderen für die Partei thätigen Mitgliede, Tagegelder, welche nur für die Tage der Anwesenheit in Berlin bezahlt werden und sehr niedrig bemessen sind, nämlich auf 3 Mark pro Tag nebst Vergütung für Logis. Eine Bevorzugung der Reichstagsabgeordneten findet also keineswegs statt und ist von keinem derselben jemals beansprucht worden. -Prügelweisheit. Deutsche Zeitungen berichten aus Chem nig, daß ein Dienstknecht Namens Niederwerfer daselbst wegen Brandstiftung zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist. Der Mann erklärte vor Gericht, er sei stellenlos gewesen, und um sich Versor gung und Obdach zu verschaffen, habe er die Handlung begangen, welche ihn in's Zuchthaus führen werde. Und das hat sie denn auch, wie man sieht, richtig gethan. Verschiedene Zeitungen bemerken dazu:„ Ob er den Wunsch, in's Zuchthaus zu kommen, auch gehegt haben würde, wenn seiner dort nicht blos die„ Versorgung", sondern auch ein„ Willkommgruß" in Gestalt einer Tracht Prit gel harren würde?" Je nun, vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht hätte die Furcht vor einer Tracht Prügel ihn veranlaßt, ruhig Hungers zu sterben, und das wäre jebenfalls nach dem Geschmack dieser Brügelweisheit, für welche es nur eine homöopathische Kur gibt durch den von ihr als Universalheilmittel vorgeschlagenen gesellschaftsretterischen Prügel. - Ein Nachspiel des Hambacher Jubiläum's spielte fich am 23. September vor dem Schwurgericht in 3 weibrüden ab. Unsere Genossen Schmidt und Heller sollen durch Verbreitung des „ Offenen Briefes" von Johann Philipp Becker verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander aufgereizt" haben. Der Staatsanwalt behauptete es, die Herren Bourgeoisgeschworenen erklärten, daß sie es ihm glauben, und der hohe Gerichtshof brummte den Missethätern drei Wochen Gefängniß auf. Und der Staat war wieder einmal gerettet. Bitteres Unrecht haben wir in voriger Nummer Herrn Adolph Wagner gethan, und wir stehen nicht an, unser Vergehen reumüthig einzugestehen. Wir haben den Mann, der vor den Reichstagswahlen die Redensart vom" Patrimonium der Enterbten" in Schwung brachte und sich überall auf seine Konferenzen mit Bismarck berief, nur für einen Dupe", für einen hinters Licht Geführten, gehalten, der, nachdem er zur Erkenntniß gekommen, sich mit Entrüftung weigere, noch fernerhin an dem schnöden Spiel theilzunehmen. Diese Rolle hätte zwar gerade nicht von hoher politischer Intelligenz gezeugt, die indeß wohl auch Niemand bei dem Herrn Professor vermuthet hat, aber doch von einer gewissen Ehrlichkeit, der man Manches zu Gute hält. Aber weit gefehlt! Die edle Aufwallung des Herrn Professor war nur die Wuth des entlarvten Mitschuldigen, der Verdruß über den Fußtritt, den ihm Herr Bindter in dem berüchtigten Artikel der„ Nordd. Allgem." versetzt hatte. Jm nächsten Augenblicke schon befann sich der Herr eines Besseren, und mit einer Geschmeidigkeit, um die ihn ein Kautschuckmann beneiden könnte, tritt er jegt trotz alledem als konservativer Regierungskandidat für Spandau auf. den 45ten notaJm Jargon der chriftlich sozial- konservativen Freunde des Herrn Wagner nennt man das: echt deutsche Charakterfestigteit. -Ungezieferto d. Bismarck, der jüngst sein 20 jähriges Jubiläum als preußischer Minister feierte, hat einen neuen Orden bene erhalten, und zwar einen japanesischen. Derselbe führt den Titel Chrysanthemum Orden. Für Leute, die nicht wissen, was Chrisanthenum ist, und es soll deren sogar in Schlawe und Rummelsburg geben, bemerken wir, daß das ein Gewächs aus der Klasse der Composite Corymbiferæ ist, zu welcher auch das bekannte Pyrethrum gehört. Aus diesem aber fabrizirt man das beliebteste Insektenpulver. Sozialistische Presse und Literatur. Unser wackeres Bruderorgan, die„ Toekomst"( Zukunft) in Gent, wird, Dank der unermüdlichen Thätigkeit und Opferwilligkeit unserer flämischen Genoffen vom 1. Januar 1883 an wöchentlich zweimal erscheinen. Bravo! In Ravenna hat ein neues sozialististisches Blatt„ Il sole del avvenire"( die Sonne der Zukunft) das Licht der Welt erblickt. Der Titel soll an das Wort Garibaldi's" Die Internationale ist die Sonne der Zukunft" erinnern. Glückauf! " Genosse Dramard sendet uns eine von ihm verfaßte Abhandlung Transformisme et Socialisme" zu. Dieselbe behandelt auf 103 Seiten „ Die Uebereinstimmung der hauptsächlichsten Forderungen des heutigen Sozialismus mit den Folgerungen der Entwickelungslehre." Das hübsch ausgestattete Buch ist im Verlage des Proletaire" erschienen und zum Preise von 1 Franken zu beziehen. " Aus Rußland liegen einige Nachrichten vor, die, wenn sie sich bewahrheiten, jeden Freund der Freiheit mit Frende erfüllen müssen. Einer ganzen Anzahl von Revolutionären soll es gelungen sein, sich den Armen der russischen Henker durch die Flucht zu entziehen. So soll Myschkin, der wegen seines überaus geschickt angelegten Versuches, Tschernischewsky zu befreien, und seiner berühmten Vertheidigungsrede im Brozeß der 193 zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt war, entflohen sein, ebenso mehrere Angeklagte aus dem StrelnikoffProzeß*) u. s. m. Auch Netschajeff soll aus der Festung Schlüsselburg ent tommen sein. aus= In Odessa, in Kiew und in Finnland sind dagegen Massenverhaftungen von des Nihilismus Verdächtigten vorgenommen worden. Von einer Riesenestorte umgeben, hat der kühne Mann von Gatschina endlich auf der von 3000- soviel werden offiziell zugestanden gesuchten Leibkosaken bewachten Petersburg- Moskauer Eisenbahn die Reise nach Moskau riskirt, sich in der altrussischen Hauptstadt von seinen Polizisten und den berüchtigten Moskauer Metzgern anhochen lassen und ist dann, vergnügt darüber, daß er ungeachtet aller Vorsichtsmaßregeln nicht doch noch in die Luft geflogen, nach Petersburg zurückgekehrt. Wie viel Verdächtigen" diese Vergnügungsfahrt des Zaren Freiheit und Existenz gekostet, darüber schweigt die Geschichte vorläufig. 9 Amerita. Ueber die großartige Demonstration, welche die vereinigten Gewerkschaften am 5. September in New York abhielten, und über welche der Telegraph bereits berichtete, liegen uns jetzt die Originalberichte unserer amerikanischen Parteiblätter vor. Wir eutnehmen denselben folgende Einzelheiten: Die Demonftration hatte den Zweck, den Kapitalisten von New- York einmal zu zeigen, mit welchem Gegner fie es zu thun haben, und um die Disziplin und Entschlossenheit der Organisationen der ZentralLabor Union( Vereinigter Arbeitsbund die Vereinigung der New- Yorker Gewerkschaften) auf die Probe zu stellen. Sie hatte einen großartigen, den Mitgliedern selbst unerwar teten Erfolg. = 25,000 Mann nach ungefährer Schätzung die Berichte der Gegner schwanken zwischen 10,000 und 40,000 nahmen in Reih' und Glied daran Theil. Eine Schilderung des Zuges, in dem jede Sektion ihre Fahnen und Transparente hatte, müssen wir uns leider mit Rücksicht auf den beschränkten Raum unseres Blattes versagen; doch wollen wir einige Transparentinschriften die englischen in deutscher Uebersetzung wenigstens wiedergeben: 1991 Advance- Labor- Club: 3ahlt teine Rente! Bigarrenmacher: Acht Stunden als gesetzlicher Arbeitstag! Weniger Arbeit und mehr Lohn! Zimmerleute: Arbeiter haltet zusammen! Das Land gehört allen Menschen! Die Arbeit erzeugt alle Werthe! Agitirt! Erzieht! Organisirt! Möbelarbeiter: Nieder mit den Straffoder- Gesetzgebern! Wir verlangen Büreau's für Arbeitsstatistik! Maschinisten und Schmiede: Freiheit durch Einigkeit! Die Arbeiter müssen sich durch die Stimmurne befreien! " In gemessenem Schritt, unter den Klängen der Marseillaise, abwechselnd mit rasselndem Trommelwirbel und lustigen populären Märschen und Weisen, bewegte sich die kompakte Arbeitermasse, welche nach sachverständiger Abschätzung 20,000-25,000 Mann ftark war, den Brodway hinauf, welcher in seiner ganzen Länge von Park Place bis zum Union Square mehr als eine Stunde lang für Fuhrwerke gesperrt war. In allen Läden, Shops und Fabriken, welche sich in dieser großen Geschäftsader New- Yorks befinden, eilten die Arbeiter und Arbeiterinnen, Buchhalter und Verkäufer an die Fenster und vor die Thüren, und mit sichtlichem Erstaunen, gemischt mit zaudernder Freude oder lautem Jubel, blickten die Laden- und Geschäftssklaven und Sklavinnen auf ihre marschirenden Brüder hinab, die ihnen mit Hüten und Händen zuwinkten und sie begritßten. Die Fenster der großen Kleidergeschäfte in der Nähe von BroomeStr., Kanal- Str. Grand- Str. waren von Hunderten von Nähterinnen besetzt, welche ihre Taschentücher schwenkten und hier und da Kußhände warfen. Die Trottoirs waren von einer undurchdringlichen Menschenmenge besetzt, unter welchen die dicken und satten Gestalten der Prinzipale und Ausbeuter eine verschwindende Minorität bildeten. Es war urkomisch, die überraschten, verduzten Visagen dieser geschwollenen Menschensorte zu betrachten, die immer noch nicht zu ahnen scheint, daß das Ende ihrer Herrschaft sich mit Riesenschritten nähert. Am Union Square angelangt, bog der Zug rechts nach der 14. Straße ein, marschirte nach dem Everett House und passirte dann am RevuePunkte vorbei, wo eine Anzahl bekannter Freunde der Arbeitersache und Vertreter auswärtiger Organisationen, die Vorbeimarschirenden begrüßten. Vom Union Square ging der Marsch durch die 17. Straße und 5. Avenue bis zum Reservoir Part, um sich daselbst aufzulösen. Nachmittag fand im Elm Park ein Monstre- Picnic statt. Die Festreden hielten John Swinton, Henry Appleton, H. Brückmann, R. Bartholome, Robert Blissert, Louis Post, P. J. Mc. Guire, Wm. Hanson, H. König und J. Daily. „ Dieser Aufzug", schreibt die„ New- Yorker Volkszeitung", ist der erfte in seiner Art gewesen, indem er die Verbrüderung englisch- redender mit deutschredenden Genossenschaften zur Schau stellte. Jeder folgende wird noch zahlreicher und eindrucksvoller werden. Das Eis der wechselseitigen Entfremdung unter den Arbeitern ist gebrochen. Die Nothwendigkeit einer allgemeinen Verbrüderung der Werthschöpfer gegenüber den Werthräubern wird schon in weiten Kreisen begriffen, und eine solche Boltsbewegung ist ansteckend. Das ganze Auftreten dieser Arbeitermassen, welche erklären, als selbständige Arbeiterorganisationen an den Stimm fasten appelliren zu wollen, war achtunggebietend und erzwang sich Achtung. Es war ein Schauspiel neuer Art für das geschäftige Volk der Metropole Amerikas, welches viel zu denken und für alle ehrlichen Arbeiter nichts zu fürchten gibt. Die guten Folgen davon können nicht ausbleiben." *) Von einem Augenzeugen der Hinrichtung des Bluthundes Strelnikoff ist uns eine Schilderung derselben zugegangen, die wir demnächst veröffentlichen werden. Barteigenossen! Vergeßt der Verfolgten pund Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. Chemnitz, 17. September. Versammlungsbericht. Sonnabend, den 16. September, fand nach fast vierjähriger Ruhepause eine von einem hiesigen bekannten Genossen einberufene öffentliche Versammlung statt. Trotzdem dieselbe weder durch Plakate noch Annoncen bekannt gemacht gewesen, war der Besuch derselben nichtsdestoweniger ein großartiger. Da die hiesige Bolizeibehörde den Einberufer für eine Ueberfüllung des Saales verantwortlich gemacht hatte, so war der Zutritt zur Versammlung nur gegen Einlaßkarten à 10 Pfg. zulässig. Dieselben waren, 1000 an Zahl, schon Tags vorher vollständig vergriffen. Die Tagesordnung lautete: Bedeutung und Umfang des Welthandels. Referent war unser Reichstagsabgeordneter Bruno Geiser. Derselbe wurde beim Beginn seines Vortrags mit stürmischem Beifall begrüßt. Genosse Geiser entledigte sich seines Auftrages in der denkbar sorgsamsten Weise, derselbe beleuchtete an der Hand der Statistik sehr eingehend den Welthandel mit seinen Vortheilen und Nachtheilen, er tennzeichnete die Bedeutung desselben für den Kulturfortschritt der Menschheit und erörterte zum Schluß die Aufgabe, welche den Völkern gegenüber der Entwicklung der Weltwirthschaft obliegt. Die Versammlung hörte in der allergrößten Ruhe den sehr lehrreichen Vortrag an und spendete bei Schluß deffelben rauschenden Beifall. Nach Beginn der Diskussion wurde aus der Mitte der Versammlung folgender Antrag eingebracht: " Die Versammlung wolle beschließen, daß zum Zwecke der Belehrung über die Fragen der Weltwirthschaft heute Abend ein Verein gegründet werde." Dieser Antrag wurde mit stürmischen Bravos begrüßt und von allen Rednern warm empfohlen. Wie nothwendig für unsere Arbeiterbevöl terung ein derartiger Berein ist, beweist die einstimmige Annahme obigen Antrags seitens der so zahlreichen Versammlung. Herr Geiser forderte in seinem Schlußworte die Versammelten auf, fest und treu trotz Drang und Noth für die Sache des deutschen arbeitenden Volkes einzustehen, dabei betonend, daß die soziale Frage nicht nur eine Magen-, sondern auch eine Hirnfrage sei. Alles in Allem können wir mit dem Resultat der Versammlung sehr zufrieden sein, dieselbe hat auf's Neue bewiesen, daß der Geist in unserer Hochburg immer noch der Alte ist.ss Zu bemerken wäre noch, daß die hiesige Polizei mit einem ganz bedeutenden Aufgebot von Mannschaften und Spigeln uniformirt erschienen war, wahrscheinlich um nachzuweisen, wie überflüffig die ganze Faullenzergesellschaft ist, denn die Aufmerksamkeit und Ruhe der anwesenden Arbeiter war eine beispiellos musterhafte.. Bremen, 31. August. Zum ersten Male erhält das Parteiorgan eine Korrespondenz von hier und noch dazu in Veranlassung eines Umstandes, der unser Aller Gemüther seit einigen Tagen in nicht geringer Aufregung erhält. Es betrifft dies das plötzliche Hinscheiden unseres muthigen und braven Genossen Julius Lewin. Derselbe, im Februar dieses Jahres aus Berlin ausgewiesen und erbarmungslos von Ort zu Ort gehezt, hatte schließlich in Magdeburg Arbeit gefunden; aber auch dort wurde er von der Polizei mit raffinirter Bosheit aus der Arbeit getrieben, von Fabrik zu Fabrik gejagt, und so traf er denn endlich, nachdem er abermals dazu gezwungen war, den Wanderstab zu ergreifen, vor ungefähr 5 Wochen mit siechem und gebrochenem Körper hier ein. Es wurde ihm Arbeit verschafft, und obwohl er nur einen fargen Verdienst erzielte, sprach Levin doch oft seine Befriedigung darüber aus, daß er jetzt doch wenigstens in der Lage sei, warme Speisen zu sich nehmen und sich satt effen zu können. Hatte er doch nach eigenem Geständniß seit seiner Ausweisung fast ausschließlich von Brod gelebt und letzteres auch noch nicht immer in ausreichendem Maße gehabt. Doch die Verfolgungen und die damit verbundenen Strapazen und Entbehrungen hatten dem Körper unseres Genossen den letzten Rest von Lebenskraft geraubt. Kaum einige Wochen in Arbeit wurde er von einem Blutsturz überfallen. Wir trafen sofort die nöthigen Vorkehrungen, um ihn nach Berlin zurück in's Krantenhaus zu befördern und noch waren wir mit diesem Vorhaben beschäftigt, als am 10. August Lewin, der noch bei unserem Parteifreund Frick zu Mittag gespeist hatte, im Begriffe einige zur Abreise erforderlichen Wege zu besorgen, kaum 100 Schritte vom Hause entfernt von einem plötzlichen Unwohlsein befallen wird; er eilt hilfesuchend und schwankenden Schrittes zurück, fast nicht mehr das Haus erreichend-es überkömmt ihn abermals ein heftiger Blutsturz. Genosse Frick fängt unseren beklagenswerthen Freund in seinen Armen auf, alle Versuche, das Blut zu stillen, erwiesen sich als vergeblich und so starb ein Sozialdemokrat in den Armen eines andern, so wurde ein Genosse von der Polizei in den Tod gejagt, so mußte sozusagen auf offener Straße ein Proletarier sterben, weil er für seine Ueberzeugung einzutreten und diefelbe zu bekunden den Muth besessen. Ja, Genossen von Nah' und Ferne! Viele von uns werden wohl noch mit ihren Leibern die Straße decken müssen, bevor wir unser Ziel erreichen! Die Beerdigung übertrugen wir der israelitischen Gemeinde, die sich weit toleranter gegen uns benahm, als es voraussichtlich die christliche gethan haben würde; nur die Hälfte der Bestattungskosten mußte unserseits getragen werden. Auch glaubten wir in der gegenwärtigen Zeit des Raffentampfes und der niedrigen Judenhezze die Gelegenheit nicht vorübergehen laffen zu dürfen, um zu konstatiren, daß wir über religiöse Vorurtheile erhaben sind, daß wir das Treiben der Antisemiten aus tiefster Seele verabschenen und nur die Ausbeuterklasse bekämpfen, gleichviel aus welchen Rassen und Konfeffionen sich dieselbe zusammensetzt. So fand denn am Montag, den 14. August, Nachmittags 4, Uhr, die Beerdigung unseres Genossen statt; obwohl es ein Werktag war, folgten doch gegen 400 Gesinnungsgenossen dem Sarge. Der Leichenzug bewegte sich in der größten Ordnung, die belebtesten Stadttheile durchschneidend, nach dem ungefähr eine Stunde entfernten Friedhof der israelitischen Gemeinde. Am Grabe hielt der Prediger Herr Lewinger die Grabrede, die ungefähr Folgendes enthielt: Wenn wir am Grabe dieses Mannes stehen, so fragen wir nicht darnach, ob das Band, das uns mit dem Entschlafenen zusammenhielt, fefter oder loser geknüpft war, wir fragen nur darnach, ob er seine Pflicht als Mensch, als Arbeiter der Gesellschaft gegenüber erfüllte; und daß er Letzteres gethan, kann man wohl mit vollem Rechte behaupten. Er mußte in die Fremde ziehen, von Weib und Kind geriffen, mit todesmüdem und mattem Körper schleppte er sich fort, bis er nach Bremen tam, hier Hilfe suchend, die ihm auch bei braven Gesinnungsgenoffen bereitwilligst gewährt wurde. Gleichviel ob die Sache oder Ueberzeugung, der wir dienen, politischer oder religiöser Natur ist, Ehre und Anerkennung gebührt Dem, der es ehrlich mit seiner Sache meint, der treu zu dem steht, was er als das Beste erkannt, und daß dieses bei dem Entschlafenen der Fall war, beweist die große Anzahl seiner Parteigenossen, die ihm das letzte Geleit geben und betrübten Herzens sein Grab umstehen. Nachdem die Rede beendigt, legte einer der hier verweilenden Ausgewiesenen einen mit rother Schleife gezierten Lorbeerkranz auf das Grab, indem er den Umstehenden zurief:" Im Namen der Ausgewiesenen lege ich diesen Kranz auf das Grab unseres Kameraden nieder, der da fiel im Kampfe für die Freiheit." Unsere wackeren Verdener Genossen, die immer da am Platz sind, wo es gilt, für unsere Sache etwas zu thun, ließen durch einen Delegirten gleichfalls einen Kranz auf's Grab legen; die den Kranz schmückende Schleife trug die Inschrift: Dem Mitkämpfer für die Menschenrechte Julius Lewin. Gewidmet von seinen Berdener Parteigenossen." Der betreffende Kranzüberbringer entledigte sich seiner Aufgabe mit den Worten: Grün ist das Zeichen der Hoffnung für unsere gute Sache, roth ist die Liebe für unseren gefallenen Genossen, roth ist der Freiheitsdrang, der uns alle durchglüht, der uns zu hohen und hehren Thaten begeistert, der uns festhalten läßt an der Fahne, fest und treu bis in den Tod, wie unser im Kampf erlegener Freund es gethan." Auch die Berliner Genossen hatten einen Kranz geschickt, welcher von einem früher dort sehr thätig gewesenen Parteigenossen den übrigen Kränzen mit entsprechender Ansprache hinzugefügt wurde. Der Kranz trug die Juschrift: Dem muthigen Mitstreiter Julius Lewin. Gewidmet von Berliner Sozialdemokraten." Nachdem noch hiesige Parteigenossen das Grab mit einem Kranze geschmückt, ward eine Sammlung für die Hinterbliebenen veranstaltet, die m. 20 76 ergab. So endigte in der schönsten und würdigsten Weise das Leichenbegängniß; wieder einmal waren die hiesigen Genossen, wenn auch zum ersten Male unter dem Ausnahmegesetz, in Reih' und Glied getreten. Hoffen wir, daß es auch in Zukunft bei allen anderen Anlässen geschieht. Im Auftrage der treu zur Fahne der Sozialdemokratie haltenden Genoffen von Bremen und Umgegend. Rüdiger. Verden, 12. September. Schon wiederum haben wir einen Todesfall von hier zu melden, und zwar ist es einer unserer tüchtigsten Mitstreiter, deffen Verlust wir zu beklagen haben: C. Doutiné, feiner Zeit ausgewiesen aus Ottensen, also ein Opfer des infamen Ausnahmegesezes. Unser verstorbener Genosse wurde am 12. Oktober vor. Jahres ausgewiesen, weil er in einer in Hamburg stattgehabten Versammlung die Pläne des Herrn Reichskanzlers betreffs des Tabaksmonopols entschieben bekämpfte. Diese Wahrung seiner berechtigten Interessen war Zigarrenarbeiter genügte dem Polizei Engel in Altona, der nebenbei gesagt die Ausführung des Sozialistengesetzes in Ottensen in Händen hat, unseren Genoffen von seiner Frau und sechs Kindern zu reißen. D. Doutiné tam nach Verden, ließ nach langer Trennung seine Familie hierher kommen, wenngleich er sah, daß die Arbeitsverhältnisse sich hier noch trauriger gestalteten wie in Ottensen, und daß es ihm schwer werde, die nöthigen Subsistenzmittel für eine so zahlreiche Familie auf die Länge der Zeit ausreichend zu beschaffen. Es wurde ihm schwer, wie ich gesagt, für seine Familie ausreichend zu sorgen, noch schwerer, möchte ich sagen, wurde es ihm, die nöthige freie Zeit zu gewinnen, um für seine Uebezeugung thätig zu sein; und so benützte er den größten Theil der Nacht dazu, sich Kenntnisse zu sammeln aus Schriften für unsere erhabene Sache. Die Folge dieser anstrengenden Thätigkeit war, daß er, überhaupt an der Schwindsucht leidend, nach vierwöchentlichem Krankenlager sein Leben aushauchte. Während seiner Krankheit war seine Frau genöthigt, sich an die hiesige Gemeinde um Beistand und Pflege des Kranken zu wenden, was ihr aber rundweg abgeschlagen wurde, mit dem Hinzufügen, fie möge den Frauenverein" dafür zu gewinnen suchen. Dies geschah auch, und die Pflege übernommene Kranten wurde von einer barmherzigen Schwefter Zur Charakteristik dieses Frauenvereins" resp. der Schwefter sei erwähnt, daß der humane Zweck, Krante zu pflegen und ihnen hilfreiche Hand zu leisten, ja anzuerkennen ist, aber um so verabscheuungswürdiger ist der religiöse Hintergedanke, der damit verbunden ist, den Kranken ins Gewiffen" zu reden und auf seinem Lager mit der Forderung zu peinigen, von der„ verruchten" Bahn, die er gewandelt, abzulassen und sich der Kirche wieder zuzuwenden. " So war es auch hier; die Schwester war sogar in ihrem religiösen Fanatismus so schamlos, dem Kranken gegenüber das Blut, welches er ausbrach, mit der rothen Fahne, die er kurz vorher am Grabe eines verstorbenen Genoffen bei einer Rede gehalten, zu vergleichen, und sein Leiden als eine höhere" Strafe zu bezeichnen. Der Zustand des Kranken verschlimmerte sich sehr, die Schwester aber, über ihr gemeines Vorgehen Reue empfindend, leistete Tags darauf dem Kranken Abbitte. Auch dem katholischen Pastor( der Kranke war von katholischer Herfunft) muß, obgleich man sich nicht gerne mit dem schwarzen heuchlerischen Gesindel befaßt, eine fleine Charakteristik widerfahren. Diese feisten Gesellen mischen sich ja bekanntlich in Alles, zumal da, wo es etwas zu fangen gibt, und hier waren es vier noch ungetaufte Kinder, welche der Kirche zugeführt werden konnten. Der Versuch wurde auf Anrathen der Schwester gemacht, und so erschien denn der geistliche Herr eines Abends, leider aber in einem für ihn ungünstigen Moment, denn der Kranke war nicht allein. Erbost hierüber, seine Absicht scheitern zu sehen, machte der Gottesmann den Versuch, die Anwesenden los zu werden, was ihm aber selbstverständlich nicht gelang. Nach kurzem Befinnen zog er mit den Worten: Ich will Ihnen etwas geben, die Börse, drückte der Frau eine Mark in die Hand und empfahl sich. Schreiber dieses weiß es sich heute noch nicht zu erklären, daß ein Mann, wie der vorerwähnte Pastor, sich von einer so großen Summe im Betrage von 1 Mt. zu trennen vermochte, um die Noth einer so zahlreichen Familie zu lindern, er ist aber zu dem Schluß gekommen, daß nur eine Ursache möglich sei, und das ist die: der Herr hat eine Pression auf den Kranken, der den Abend nicht im Stande war, sich vertheidigen zu können, ausüben wollen, und zwar, um die Bestätigung von demselben zu erhalten, die Kinder taufen zu können. Die Anwesenheit einiger Genossen jedoch hatte den Kranken gegen diesen Unfug geschützt. Die Beerdigung Doutiné's fand am 8. August in demonstrativer Weise statt, eine Rede am Grabe des Verstorbenen zu halten, war einem unserer Genossen jedoch vom Landrath persönlich untersagt worden und derselbe verantwortlich dafür gemacht, daß weder er noch ein Anderer die Rede halten werde; auf die Frage unseres Genossen, auf welches Gesetz er sich da stütze, hatte der Herr geantwortet, daß darüber das Gericht zu entscheiden habe. Durch diese Gewaltmaßregel genöthigt, und da die Polizei und der Schreiber des Landraths bei der Beerdigung vertreten waren, nahmen wir auch aus, Klugheits" rücksichten davon Abstand und begnügten uns damit, die rothen Schleifen, die wir trugen, in die Gruft zu werfen und in würdiger Weise einen Lorbeerkranz mit rother Schleife und einer entsprechenden Inschrift auf dem Grabe niederzulegen. Auch die Bremer und Achimer Genossen ehrten den Todten durch Niederlegen von Kränzen. Am Schlusse sagen wir unser auswärtigen Genossen, welche Dontiné so thatkräftig beigeftanden, unsern besten Dank und versprechen, in ähnlichen Fällen bei ihnen dasselbe zu thun. Darmstadt, 17. September. Unser Revierkommissarius Bech hat viel Pech! Am 5. Oktober d. J. sollte in Leipzig unter dem Vorsitze des sozialistenbekannten Denkmann sich der seinerzeit fignalifirte Hochverrathsprezeß gegen Rinke und Grün abspielen. Bu diesem Prozesse war unser Bech wieder als Kronzeuge geladen. Weiß der Teufel, was in dieser Beziehung unsere Staatsanwälte und Untersuchungsrichter für Esel sind! oder glauben dieselben dadurch die öffentliche Meinung zu beeinflussen und das Publikum glauben zu machen, es stecke wirklich ein Hochverrath, oder sonst irgend ein Staatsverbrechen dahinter, wenn sie uniformirte Taugenichtse als Zeugen auftreten laffen? Bech scheint in dieser Beziehung eine Hauptrolle spielen zu milffen. Bei dem großen Hochverrathsprozesse, der sich voriges Jahr in Leipzig abwickelte, und wo der Revierkommissar Becht zum Pech gemacht wurde, war er absolut nöthig, trotzdem er nichts Gravirendes gegen die Angeklagten aussagen konnte. Bei dem Aufreizungs- Prozeß(§ 131) gegen Genosse Müller, mußte Pech in Galla- uniform vor Gericht erscheinen, um zu sagen, daß er ,, nichts wisse". Jegt war er auch wieder, wie oben bemerkt, nach Leipzig geladen, und freute sich, wie er selbst sagte, schon darüber, denn bei seiner Rückkunft habe er 50 Mt. übrig! Nun hat aber Pech- Pech, denn der Angeklagte wegen dessen er nach Leipzig follte es ist Grün, der unter dem Namen Jean Fischer hier verhaftet wurde soll sich, wie die„ Hanauer Zeitung" berichtet, wegen der bekannten Pariser Mordaffäre im Hanauer Gefängniß erhängt haben, und so kann nun Pech, dieser Esel in Menschengestalt, deffen Kopf einem Nachttopfe gleicht, gefüllt mit Excrementen der gefunden Vernunft, wie Heine sagen würde, nicht in Leipzig glänzen. Apropos! Der damals von mir entlarvte Denunziant Seibert, wegen dessen ich die Ehre genoß, in der Freiheit" Nr. 21 vom 27. Mai felbft als Denunziant bezeichnet worden zu sein, weil ich die„ Londoner Freiheitsmänner" gewarnt hatte, hat abermals versucht, einige Anhänger Moft's dadurch in die Falle zu locken, daß er eine Gruppe mit denselben bilden wollte, unter der Bedingung, daß er Schriftführer werde und alle Korrespondenzen durch seine Hände gingen. Einer der Aufgeforderten nahm die Sache ernst, sah aber am selben Abend einen Polizeier vor dem Hause patroulliren, in welchem die Versammlung sein sollte und blieb deshalb derselben fern. Andern Tags tam Seibert zu dem Erwähnten, und als er die Ursache des Fern bleibens hörte, soll er wörtlich erklärt haben: Vor der Polizei brauchen wir uns nicht zu fürchten, mit derselben stehe ich auf sehr gutem Fuße. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß wir von einem uns befreundeten Beamten vor diesem Seibert gewarnt wurden; darum Vorsicht! Ob Seibert nochmals an die Redaktion des Sozialdemokrat", wie der Spigel Sahm zu Frankfurt, schreibt oder schreiben läßt, um seine Unschuld zu betheuern? Schlecht und dumm genug ist er hierzu! H- 1. Genf, 18. Septbr. Am Sonntag, den 3. September, hielten die hiesigen deutschen Sozialisten eine Gedenkfeier zu Ehren unseres großen Vorkämpfers Ferdinand Lassalle ab. Die Feier war sehr gut besucht, und es herrschte eine äußerst angeregte Stimmung unter den Versammelten. Nachdem einige Genoffen über Leben und Wirken Ferdinand Laffalle's gesprochen hatten, erhob sich unser alter Freiheitskämpfer Johann Philipp Becker und wußte die Anwesenden in hohem Grade zu fesseln, indem er uns den letzten Lebensabend Ferd. Lassalle's in kurzen und ergreifenden Worten schilderte. Er endigte mit den Worten: Lassalle ist todt, sein Name aber wird von dem Proletariat aller Länder in Ehren gehalten werden." Auch einige Schweizer Genossen waren anwesend, von denen ebenfalls einer mit kurzen Worten Laffalle's gedachte. Unter den Genossen herrschte eine gehobene Stimmung und gewiß jeder hat sich das Versprechen gegeben, nach Kräften für unsere Sache zu wirken; aber wir dürfen es nicht allein bei diesem Versprechen bewenden lassen, sondern wir müssen auch thatkräftig mit eingreifen, um immer neue Streiter in unsere Reihen zu bringen. Beweisen wir, daß die deutschen Sozialisten in Genf, wenn es heißt, Opfer zu bringen, hinter unseren Brüdern in Deutschland, welche unter so schwierigen Verhältnissen zu unserer Fahne halten, nicht zurückstehen wollen. Beherzigen wir die " Worte: Kein Sieg ohne Kampf und kein Kampf ohne Opfer!" Hoch die Sozialdemokratie! Ms. Paris, 19. September. Das am 16. ds. stattgefundene, von zwei Gruppen der französischen Arbeiterpartei( Cercle international und der Gruppe des 5. Arrondissements) veranstaltete internationale Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Etwa 1000 Personen, 14 verschiedenen Nationalitäten angehörend, hatten sich in dem schönen und angemessen dekorirten Saale der Avenue des Gobelins eingefunden. Die Eröffnung erfolgte durch eine kernige Ansprache des Bürgers Labu 8quière, worauf Adhémard Lecler, der die Organisation des Festes geleitet hatte, die eingelaufenen Briefe verlas. Das aus Zürich eingetroffene Schreiben der deutschen Sozialisten wurde mit stürmischen Zurufen begrüßt, ebenso eine Zuschrift der italienischen Arbeiterpartei. Es folgten dann abwechselnd Gesänge und Reden Der in deutscher, französischer, russischer und polnischer Sprache 2c. Sängerchor der deutschen Sozialisten erregte besonderen Beifall. Die frohe Feststimmung wurde noch dadurch gehoben, daß bei Beginn der Soirée die von franzöfifchen Journalen verbreitete Nachricht von dem Tode des Genoffen Bebel dementirt wurde. Das originelle Fest hat einen nachhaltigen Eindruck gemacht und wird zweifellos Nachahmung finden. Erklärung. Im Auftrage der Darmstädter Genossen erklärt der Unterzeichnete: daß Ch. Bansbach, jetzt in New York, hier vollständig unbekannt ist,( selbst bei der alten Garde" kann man sich des Namens nicht erinnern), also auch niemals eine Stelle als Kassier begleitete, folglich sich auch keiner Unterschlagung schuldig machen fonnte. Der Vertrauensmann. Brieffaften der Redaktion. Radow in London: Wird veröffentlicht. C. in Elberfeld: Fortsetzung in nächster Nummer. Korrespondenten in Forst, Plauen, Posen 2c., desgleichen Fabrikant Römhildt in Weimar: Auch Ihnen soll in nächster Nummer die verlangte Gerechtigkeit zu Theil werden. -der Expedition. M. Jta. Paris: Fr. 13.88 f. d. p. P. erh. Law. 3.: Bf. v. 24. eingetr. Fr. 20,- f. B. desgl. Antwort bfl. Fr. 4, für Cb. d. Dtsch. V. erh.+++ himmel--: Bf. v. 21. Mte. B. Aires: am 25. erh. u. beantwortet. Zugesagtes erwartet. Bf. v. 24/8 am 24/9 eingetr. N. W. gelöscht. Bfl. mehr.- A. Hhne. N.- York: Mehrbstllg. u. Brieffendg. an R. besorgt. Preis per 6 Mt. Fr. 7,50. Lille. eingetr. H. Rtw. London: Fr. 50,40 à Сto. Ab. 3. Qu. u. Manustr. erh. Betr. der N. W. u. des Weiteren erwarten Antwort. Rosa Bed: 9. 3. Bf. v. 22. am 24. erh. u. beantw. Mt. 10, à Cto. Ab. u. Mt. 10,- pr. Ufds. dkd. erh. Spezialqttg. später. Addr. notirt. Weiteres durch M. J. Drn. Chicago: Fr. 2,50 Ab. 4. Qu. erh. Wie so wirkt der Betr. f. d. Szr.? Bitten um vollen Anfschluß!" Freischütz" öwfl. 6, p. Ab.- Reft 3. u. 4. Qu., sowie f. Schrift. erh. Gewünschtes folgt. S. P. St. Gallen: Fr. 12,35 f. Schft. erh. K. Br. Antwerpen: Fr. 6,- Ab. Aug. u. Okt. erh. Warum antwortet Bm. auf unfre Bfe. nicht? A. H. Brüssel: Fr. 7,50 Ab. Aug. u. Sept. erh. Bf. mar besorgt, wie Sie gehört haben werden. B. Gutsm. B. H. O. P.: Mt. 3, Ab. 4. Qu. erh. Bfl. mehr. Basel: Fr. 5, zweite Rate à Cto. erh. Wir ersuchen nunmehr um Ausfolgung der Schriften u. Abrechnung. Ebenso Nota über Retourgefandtes. Spiegelberg jr.: Mt. 3, d. Agfds. bfd. zugew. Mitthlg. angenehm. Weiteres betr. B. sobald intakt. Fiscus v. Venedig: Fr.-, 65 f. Schft. erh Rafi Mf. 50, à Cto. erh. Bfl. am 25/9 Weiteres.. Unigenitus: Bf. v. 22/9 am 25/9 erh. u. beantw. J. gelöscht. Folgen 25 pr. 4. Qu. R. Sdl. Httg.: Fr. 4, Ab. bis Ende 82 erh. Fr. 1,35 in Marken retour. Rother Voigtländer: Mt. 9, Ab. 3. Qu. P. u. M. erh. Mt. 2,20 d. Ufds. dtd. zugew. Spezialquttg. später. Weiteres besorgt. Verlagsmagazin 3.: Fr. 10, f. Schft. erh. Karl Werner: Bf. v. 21/9 erh. u. beantw. Wahrscheinl. ein Lump im Spiel. Gracchus F.: Siehe Fondsquttg. v. Nr. 37, wo forreft quittirt ist. Warum betr. d. R. A. nicht deutlicher? Bestllg. folgt. Schnürung: Bf. v. 20/9 erh. Mehrbstülg. mit 39 fort. Bft. mehr betr. S. Michel Stieber: Mehrbstllg. folgt. Bfl. am 18. u. 25. Weiteres berichtet. Addr. geordnet. Der Bekannte: Notiz v. 23. u. 25/9 erh. Addr. geordnet. 10 Mehrbstllg. abgg.- Ktbk. Ch. Bf. v. 20/9 erh. Mehrbstllg. folgt mit Einheitlichem. Bf. fort. Peter: Mehrbfillg. folgt. Expreßfdg. zu kostspielig. Bermißtes scheint in Zwischenhand verzögert. Von 3 armen Teufeln: Fr. 2,40 d. Ufds. dtd. zugew. 6H. B. P.: Mt. 6,10 Ab. u. Schft. erh. Weiteres wird besorgt. Schum. Cincinu.: P. R. v. 14. am 27/9 erh. Weiteres erwartet. Gewünschtes folgt. Rother Franz: Rücksendg. für R. gebucht mit 40 Stüd= 3 Expl. per ein Qu Bitten K. mittheilen. 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Samstag, den 30. Sept., Abends 8 Uhr, im Café Kessler, Stüssihofstatt Oeffentliche Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Das unterirdische Russland. Der Lokalausschuss Jedermann hat Zutritt. der deutschen Sozialisten. London. Bei Beginn des neuen Quartals bitte um rechtzeitige Wiederoder Neuabonnements auf den Sozialdemokrat". Frei ins Haus 2 sh. pro Quartal. Per Monat 8 d. BE an da F re ni 11 E er br Be in #BB to Bo D fa no E ni li li be K δε 30 F be 9 if 31 fe Б ft r in I li r it C 11 Ferner nehme entgegen Abonnements auf DIE NEUE WELT. fol Alle 14 Tage ein Heft. Preis: à 4 d. Lassalle's gesammelte Werke. b S nos sonida In Lieferungen à 5 d. g a Ausserdem nehme auf alle andere Brochüren, Werke, Lieferungen etc. etc. Bestellungen entgegen und verspreche in allen Fällen prompte Besorgung. Besonders empfehle den Neue Welt- Kalender pro 1883 pro Exemplar 6 d. 196 100 Heinr. Rackow, 35 Charlotte Street Fitzroy Square W. 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