r Krlcheint w» ch e n t l i ch ei n m a l w Zürich(Schweiz) Perl», »»lr«b»,ck,h-«»lung Hottiagen-Aarich. Kiiseickllngt» sranco gegen franco. Gewöhnliche Brief« nach der Schweiz losten Toppelporio. m Ä« Der SoMemokmt Zmtrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie Donnerstag, 9. November. Abonnements werd nur beim Verlag und besten belannien Agenten entgegengenommen und zwar zum voran» zahlbar«» vierteljahr»prr,ii von: Fr. 2.— für die Schweiz(Ättuzbanb) MI. 8.— für Deutschland(Souotri) st. 1. 70 silr Oesterreich(GouNtri) Fr. 2.50 für all« übrigen Länder de» Weltpostverein» tilreuzband» Jllserate Die drcigespaltene Petitzcil 25 Gt».= 20 Psg. 1882. An»« die Ad»A»e»tti»»»d K»rres?o»dellteu de»„Safiitdemidrit". Da der.Sozialdemokrat� sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Srhdrden stch alle Miihe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst ju erschweren, resv. Briefe von dort an uns »nd unsere Zeiwngs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Borficht im Postverkehr nothwendig und darf keine VorfichtSmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt hsx Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauyterforderuiß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat�, resp. desien Verlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgend eine uiuerdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch ans möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen- steh-.nden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat� unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Wie verhalten wir uns vor Polizei und Gericht? ii.. Gildsammlungen zur Unterstützung der Familien von Ausgewiesenen sind erlaubt und können polizeilich nicht untersagt werden. Für die öffentliche Vornahme solcher Sammlungen ist in den ineisten deutschen Staaten(z. B. Sachsen, Bayern ic.) die Genehmigung der höheren Verwaltungs- bchörden erforderlich. Sammlungen im Freundeskreise, in ge- schlossenen Gesellschaften und Vereinen fallen nicht unter den Begriff der öffentlichen Sammlungen. Sammlungen für die Ausgewiesenen selbst oder für politische Zwecke. Wahlen und dergleichen sind nur dann strafbar, wenn ein ausdrückliches Verbot der Verwaltu ng s- behördc für die bezüglichen Sammlungen nach § 16 des Sozialistengesetzes vorliegt. Liegt also ein ausdrückliches Verbot einer Polizeibehörde z. B. für die Sammlung von Geldern zu Wahlzwecken nicht vor, so kann auch keine Verurtheilung stattfinden. Nicht strafbar ist auch, wenn Jemand freiwillig überreichte Gelder annimmt und für einen Zweck verwendet, für den das Einsammeln verboten ist. Die Annahme freiwillig dar- gereichter Gelder ist kein Einsammeln im Sinne des Gesetzes. »«» Nicht angemeldete oder öffentlich bekannt gemachte Versamm- lungen und Zusammenkünfte zu gemeinsamer Berathung und Besprechung politischer oder öffentlicher Angelegenheiten fallen nicht unter das Sozialistengesetz, sondern unter die bestehenden Vereins- und Versammlungsgesetze. Die Strafbestimmungen des Sozialistengesetzes treten nur dann in Kraft, wenn eine zuvor ausdrücklich verbotene Versammlung abgehalten oder ein verbotener Verein weiter fortgesetzt wurde. Für geheime Organisationen kommen eventuell auch noch die Bestimmungen der 88 �26 und 129 des Strafgesetzbuches in Betracht, die für die Mitglieder Gefängniß bis zu sechs Monaten resp. einem Jahr, für die Leiter bis zu einem resp. zwei Jahren androhen. Daraus ergibt sich für jeden betheiligten Parteimann die strengste Verpflichtung zur Vorsicht; Ver- schwicgenheit im persönlichen Verkehr, große Vor- ficht im Ausdruck in Briefen und Schriftstücken; Ergreifungvon Vorsichtsmaßregeln bei Zusammen- künften, indem man Posten zur Beobachtung ausstellt, jedem Betheiligtcn das Mitführen verfänglicher Briefe, Notizen und Schriftstücke untersagt; bei jeder Zusammenkunft stch zunächst verständigt, welche Aussagen im Falle einer Ueberrumpelung zu machen find. Größere Zusammenkünfte sollten stets nur so statt- finden, daß man da« Terrain in weiteren Kreisen überschauen und jede Annäherung verdächtiger Elemente rechtzeitig erkennen kann, also im Freien. Ein vernünftiger Sozialdemokrat denkt stets daran, daß seine Partei geächtet ist und sich mit der herrschenden Gesellschaft auf dem Kriegsfüße befindet, und so muß er, wie der Soldat im Kriege, stets und überall seine Augen und Ohren offen haben und sich vor Dummheiten hüten. Unüber- legte Handlungen und Sorglosigkeit sind die größten Verbrechen, die der Sozialdemokrat be- gehen kann. A»» Wir kommen jetzt zu dem wichtigen Kapitel der Haus such» ungen, der Untersuchung, Untersuchungshaft ,c. Haussuchungen und persönliche Durchsuchungen(8 102 der Strafprozeßordnung) können nur bei Personen vorgenommen werden, welche als Thäter oder Theilnehmer einer strafbaren Handlung verdächtig sind. Bei anderen Personen(8 103) ist eine Durchsuchung nur dann zulässig, wenn Thatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß die gesuchte Person, Spur oder Sache sich in den zu durchsuchenden Räumen befindet. In der Nachtzeit(8 104), und zwar vom 1. April bis 30. September von Abends 9 bis Morgens 4 llhr, und vom 1. Okt. bis 31. März von Abends 9 bis Morgens 6 Uhr dürfen Wohnungen nur durchsucht werden, wenn Gefahr im Ver- zug ist oder bei Verfolgung auf frischer That. Die Durchsuchung(Haussuchung) erfolgt auf Anordnung des Richters und kann nur bei Gefahr im Verzuge auf Anordnung der Staatsanwaltschaft und deren Hilfsbeamten erfolgen. Findet eine Durchsuchung ohne Beisein des Richter? oder der Staatsanwaltschaft statt, so sind, wenn irgend möglich, ein Gemeindcbeamter und Zwei Gemeindemit- glieder des Orts zuzuziehen. Die Gemeindemitglieder dürfen nicht Polizei oder Sicherheitsbeamte sein. Der von einer Haussuchung Betroffene darf der Haussuchung beiwohnen. Ist er abwesend, so muß sein Vertreter oder ein erwachsener Angehöriger, Hausgenosse oder Nachbar zugezogen werden. Wird bei einer Person im Sinne des 8 103 der Strafprozeß- Ordnung gehaussucht, so muß dieser vor Beginn der Haus- suchung der Zweck derselben mitgetheilt werden. Ist die Haussuchung oder persönliche Durchsuchung beendet, so verlange der Betreffende sofort, gestützt auf 8 107 der Straf- Prozeß-Ordnung, eine schriftlicheMittheilung, welche den Grund der Durchsuchung und die bezüchtigte strafbare Handlung bezeichnen muß. Auch verlange er ein Verzcichniß der in Verwahrung oder in Beschlag genommenen Gegenstände, falls aber nichts Verdächtiges vor- gefunden wurde, hierüber eine Bescheinigung. Ferner hat der Betroffene nach 8 109 der St.-Pr.-O. das Recht, zu verlangen, daß die in Beschlag oder Verwahrung ge- nommenen Gegenstände genau verzeichnet und zur Ver- hütung von Verwechslungen durch amtliche Siegel oder in sonst geeigneter Weise kenntlich gemacht werden. Werden Papiere(Briefe, Broschüren rc.) von der Beschlag- nähme betroffen, so steht nach 8 HO die Durchsuchung derselben nur dem Richter zu. Andere Beamte sind zur Durchsicht der aufgefundenen Papiere nur dann be- fugt, wenn der Inhaber derselben dieDurchsicht ge- nehmigt. Verweigert er diese, so sind die Papiere mit einem Umschlag zu versehm und in Gegenwart des Inhabers mit dem Amtssiegel zu verschließen und an den Richter abzuliefern. Dem Inhaber der Papiere oder dessen Vertreter ist die Bei» druckung seines Siegels gestattet, auch muß der- selbe aufgefordert werden, falls die Entfiegelung und Durchsicht der Papiere angeordnet wird, der- selben beizuwohnen. Man dulde also nicht, daß die Polizei die Durchsicht der Papiere vornimmt, überhaupt halte man stch streng an die ge- setzlichen Bestimmungen für Haussuchungen, da nur dadurch dem willkürlichen Verfahren der Polizei ein Riegel vorgeschoben wer- den kann. Papiere oder andere Gegenstände, welche fich im Gewahrsam und unter Verschluß deS Ehegatten des Betroffenen oder solcher Personen befinden, die mit ihm in gerader Linie verwandt, verschwägert oder durch Adoption ver- b un den oder in der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder bis zum zweiten Grade ver» schwägert sind, dürfen nicht beschlagnahmt werden. Die Beschlagnahme bei den vorbezeichneten Personen ist nur möglich, wenn sie der Theilnahme verdächtigt sind. Wird eine Haussuchung oder Durchsuchung vorgenommen, so ftage man den Betreffenden, auf wessen Anordnung dieselbe er- folge. Wird sie nicht vom Richter und in dessen Anwesenheit vor- genommen, so verlange man die Vorzeigung der Legitimation und Vollmacht und die Beiziehung der Zivilpersonen und beobachte alle die angegebmen Winke bezügl. der Kenntlichmachung, Ver- fiegelung w. der beschlagnahmten Objekte. Auch erhebe man auf alle Fälle ausdrücklichen Wider- fpruch gegen die Beschlagnahme, was den Vortheil hat, daß der Beamte, welcher die Beschlagnahme vollzog, binnen drei Tagen die richterliche Bestätigung nachzusuchen hat. Vor allen Dingen dulde man nicht, daß die Polizei längere Zeit beschlagnahmte Gegenstände in Besitz behält, dazu hat sie kein Recht. Werden nach längerer Zeit die beschlagnahmten Papiere nicht zurückgegeben, ohne daß öffentliche Klage erhoben wurde, so be- antrage man bei dem Amtsrichter des Bezirks die Heraus- gäbe der beschlagnahmten Gegenstände. Die Heraus- gäbe muß unbedingt erfolgen, wenn keine Anklage erhoben werden kann. Ist Jemand eines Vergehens oder Verbrechens beschuldigt — aber nur dann— so ist nach 8 99 der Str.-Proz.-Ordng. die Beschla gnahme der an ihn gerichteten Briefe und Sendungen auf der Post, sowie der an ihn ge- richteten Telegramme auf dem Telegraphenamt zulässig. Ebenso können von den Beschuldigten ausgehende Briefe, Sendungen und Telegramme an den bezeichneten Orten mit Beschlag belegt werden, wenn anzunehmen ist, daß ihr In- halt für die Untersuchung Wichtigkeit habe. Zu einer solchen Beschlagnahme ist nur der Richter und erst wenn eine Gefahr im Verzuge und die Untersuchung nicht blos eine Uebertretung betrifft, auch die Staatsanwaltschaft be- fugt. Die letztere muß jedoch die bezügl. Gegenstände sofort und zwar Briefe uud Postsendungen unerüffnet, dem Richter vorlegen. Bestätigt der Richter nicht binnen drei Tagen die von der Staatsanwaltschaft erfolgte Beschlagnahme, so tritt dieselbe außer Kraft. 8 101 der Str.-Proz.-Ordng. bestimmt, daß von diesen ge- troffenen Maßregeln die Beiheiligten sofort zu benachrichtigen find, sobald dies ohne Gefährdung des Untersuchungszweckes ge- schehen kann. Sendungen, deren Eröffnung nicht angeordnet worden, sind den Betheiligten auszuantworten. Dasselbe gilt von Sendungen, nach deren Eröffnung die Zurückhaltung nicht erforderlich ist, und auch von Theilcn eines Briefe«, für welche derselbe Grund vorliegt. Aus der Reichshauptstadt. Berlin, 1. November 1382. Gestern spielte sich vor dem hiesigen Landgerichl I, Strastammer IV, der seit v i e r t h a l b Monaten schwebende Prozeß wegen Auf- rühr« ab. Den Sachverhalt kennen Sie. E« handelt sich um die Vorgänge aus und vor dem Anhalter Bahnhof, bei der Abfahrt der beim letzten„großen Schub" von hier Ausgewiesenen(am 15. Juli d. I.) Zunächst ist es ausfallend, daß der Prozeß vor das L a n d g e r i ch t gekommen ist und nicht vor das S ch w u r g e r i ch t. Da«„Verbrechen de» Aufruhrs" ist»ach s 115 de« Reichsstrafgesetzbuchs mit einer Strafe „bis zu zehn Jahren Zuchthau»" belegt. Nach g 73 des Gerichtsverfaffuligsgesetzes können aber die Strafkammern der Land- gerichte nur über Vergehe» uud Verbrechen erkennen, die mit einer Strafe von höchstens f ll n s Jahren Zuchthau» belegt find. Was darüber hmauSgeht, gehört vor das Schwurgericht. Nun schwärme ich zwar nicht, und wohl keiner meiner Parteigenossen, sllr Schwurgerichte, in denen, da die Geschworenen ausschließlich der Bourgeoisie entnommen sind, die Klassenjustiz im schlimmsten Sinne de» Wortes ihren Sitz hat. Allem wie die Dinge hier liegen, bei der oppositionellen Stimmung de» Berliner Bllrgerthums, wäre eine Freisprechung vor Geschwornen zu erwarten gewesen. Und deshalb beugte man das Recht und verwies die Sache vor da« Landgericht. Sämmtliche zehn Angeklagten: P o e t t i n g, Hinke, Frau Härtel, Weißer, Eckenbrecht, Gergs, Mllhl, Lau ck, S t r u v e und Pohl wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der sie seit Mitte Juli gehalten worden und deren Spuren sich aus ihren Gesichtern zeigten. Als Vertreter funktionirten die Rechtsanwälte M u n- ck e l, S a l o m o n und C o h n, die sich ihrer Aufgabe mit anerkennen«- werther Tüchtigkeit entledigten. Die Angeklagten, sowie die Vertheidiger hatten begriffen, daß es nothwendig war, den Spieß umzudrehen, und die Polizei au den Pranger zu stellen. Zu diesem Behuf waren 35 Eni- lastungszeugen geladen worden*), denen die Polizei 36 Belastungszeugen, lauter Schutzleute oder Spitzel, eutgegenstellte. Die Vorgänge de» 15. Juli find den Lesern de»„Sozialdemokrat" bekannt. Ich brauche also blos zu bemerken, daß die Aussagen der An- geklagten und der Entlastungszeugen die Richtigkeit unserer Dar- stellung nach allen Richtungen hin bewiesen, und für jeden vorurtheils- losen Menschen, der die Augen nicht absichtlich gegen die Wahrheit verschließt, den unumstößlichen Beweis dafür geliefert haben, daß die Polizei nicht blos mit beispielloser Brutalität verfahren ist— e« kamen geradezu haarsträubende Detail» an den Tag—, sondern, daß sie auch direkt Krawalle provozirt hat durch den alten Kniff eine« Hoch« auf den Kaiser(wozu der Gerichtspräsident weise bemerkte, da« werde wohl ein Hoch aus den sozialdemokratischen Abgeordneten Kayser gewesen sein I) und durch allerlei Hetzreden, wie sie bei �.xents provo- catcurs üblich sind. Die Spitzel trugen meist rothe Nelken im Knopsloch, um sich als „Genossen" einzuschmuggeln, wo« ihnen jedoch, in Folge der bekannten konfiszirten Gesichter, nicht gelang. Bon den Polizeiorganen wurde die» natürlich geleugnet, und als die Polizei sich bemühte, durch weitere« Beweismaterial den offenbar sehr wichtigen und wesentlichen Punkt fest- zustellen, erklärte der biedere Herr Gerichtspräsident, er könne nicht begreifen, w i e m a n a u f d i e f e n P u n k t G e w i ch t legen könne, denn e» verstehe sich doch von selbst, daß Geheimpolizisten, zur Observirung bestimmter Personen kommandirt, möglichst die Tracht der zu O b s e r v i r e n d e n annehmen würden! Womit die schuftigste Spitzelei gerechtfertigt ist. Ich habe leider den Namen de« Herrn Präsidenten nicht erfahren; er soll aber nicht lange verschwiegen bleiben. Ueberhaupt benahm sich der rechtskundige Herr in der unwürdigsten Weise. Wegen seiner unpassenden Fragen nach der Parteiangehörig- keit der Angeklagten wurde ihm von P o hl gründlich heimgeleuchtet. Ich muß mich wundern, warum man mich nach meinem politischen Glanbensbekenntniß fragt", sagte ihm dieser,„es handelt sich hier nicht um meine Ansichten, sondern nm die mir zur Last gelegten Hand- lungen. Uebrigen« bekenne ich mich stolz und frei z n r S o z i a l d e m o k r a t i e!" Der Herr Präsident ward durch diese wohlverdiente Rüge etwas konsterairt und stotterte in sichtlicher Ver- legenheit:„Der Sinn dieser meiner Frage(nach dem politischen Glanbensbekenntniß) ist doch nicht schwer zu erkennen, denn c» handelt fich hier um Exzesse, die bei der Abreise von ausgewiesenen Sozial- demolraten verübt sein sollen." Und aus die weitere Bemerkung Pohl'«:„Konservative werden gewiß nicht in dieser Weise nach ihrem Glanbensbekenntniß gefragt", wußte der Herr Direktor nichts anderes zu erwidern, als:„Wenn es fich um speziell konservative Exzesse handelte, dann würden sie ganz gewiß gefragt I" Was ersten« ») Aug einem ferneren, sehr ausführlichen Bericht, der uns bei Redak- tionsschluß von anderer Seite zugeht und aus den wir in nächster Rum- mer zurückkommen, ersehen wir, daß sich noch bedeutend mehr Entlastung«- zeugen gemeldet hatten, ohne Furcht vor Madai'« Ausweisungsdekreten. Fürwahr, ein erhebender Opfermnth l tine dicke Unwahrheit, und zweitens ein juristischer Unsinn und ein grober Verstoß gegen jeden Rechtsbegriff ist, stnte- malen e» sür den Richter weder konservative, noch sozial- demokratische Exzesse gibt, sondern einfach Exzesse. Einer scharfen Kritik de« A u S u a h m e g e s e tz e S, dem diese« skandalSse Vor- kommniß zuzuschreiben sei, welche Munckel in seiner Bertheidigung«. rede vornahm, suchte der Herr Präsident durch ein ziemlich alberne«: „Gott fei Dank, wir haben noch einen Rechtsstaat" die Spitze abzubrechen, einer Verherrlichung de» Rechtsstaats, die selbst den abgebrühten G n e i st roth gemacht hätte. Roch ein zweite« Mal dankte der Herr Präsident Gott und pries sich glücklich, daß wir keine russischen und irischen Zu- stände hätten. Run, wenn die Polizeiwirlhschaft noch lange so fort- dauert, und von solchen Richtern vertheidigt und sanktionirt wird, wer- den die russischen und irischen Zustände sicherlich nicht ausbleiben. Genug— da« Material zu Gunsten der Angeklagten und gegen die Polizei war so überwältigend, daß der Staatsanwalt die Anklage ans Aufruhr fallen ließ. Da aber verurtheilt werden mußte, so erfolgte, unter Freisprechung P o h l' s und S t r u v e's, die B e r- urtheilung aller übrigen Angeklagten wegen Auf- reizung und Widerstand gegen die Obrigkeit.(§§111 und 113) zu je drei bis fünf Monaten. Frau Haertel erhielt vier Monate. Von den 15 Wochen Untersuchungshast wurden blos 10 an- gerechnet. Der Prozeß hat sehr günstig für uns gewirkt. Das zahlreich anwesende Publikum— die Verhandlung dauerte von Morgen« 9 bis Abend« 9— zeigte sich durchaus sympathisch, und man sah den Leuten die Empörung über da« Polizeitreiben an. Für da» unabhängig denkende Volk hat der Prozeß mit einer Verur- theilung M a d a i'« und seiner schimpflichen Spitzelwirthschaft geendet. Ein Vorschlag. Die Erneuerung de« kleinen Belagerungszustandes über Hamburg, Altona, Harburg und Umgebung hat in einem Theile der liberalen Presse zu einem Gemurmel der Unzufriedenheit geführt, und die„Volkszeitung" erklärt gar, daß diese abermalige Verlängerung ohne Gründe seitens der Linken im Reichstag zu einer gründlichen Debatte benutzt werden würde. „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube". Ein großer Theil der Liberalen im Reichstag hat bei der Reichstagswahl seinen Wählern das Versprechen geben uillssen, sich gegen das Ausnahmegesetz zu erklären, aber die Haltung, welche die Herren bei der vorjährigen Debatte über den Belagerungszustand einnahmen, war kläglich genug, und sie wird sich in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zeigen, wenn nächstes Jahr die Verlängerung de» Gesetzes an die Tagesordnung kommt. In der Hand unserer Vertreter liegt es nun, sowohl eine ordentliche Debatte bei der Berathung der Denkschrift über den Belagerungszustand hervorzurnfen, al« auch die Liberalen und da« Zen- trum zum Farbe bekennen zu zwingen. Sie haben nur nölhig, eine Resolution zu beantragen, durch welche der Reichstag erklärt, daß die seitens der verschiedenen Regierungen vorgelegten„Gründe" die Per- hängung des Belagerungszustandes in keiner Weise rechtfertigen. Diese rein negative Form der Resolution spricht nur aus, was der ganze Reichstag denkt, was die Herren aber nicht zu sagen wagen. Den- noch werden Volks- und Fortschrittspartei, Sezessionisten, Zentrum, Pole» und Elsässer gezwungen, einer solchen Resolution zuzustimmen; und damit wäre die Majorität erlangt und ein Votum Uber den Belagerung«- zustand, dem man bisher ängstlich aus dem Wege ging, herbeigeführt. Daß ein solches Votum zunächst keine praktische Folge habe», d. h. sich keine der Regierungen herbeilassen wird, den ihrerseits verhängten Be- lagerungSzustand aufzuheben, darüber ist kein Zweifel. Aber die moralische Wirkung eine« solchen Votum« auf die öffentliche Meinung und zu Gunsten unserer Partei dürste bedeutend sein und künftige Anträge aus Verlängerung erschweren. Ganz besonders aber zwingt der Borschlag einer solchen Resolution die verschiedenen Parteien, Farbe zu bekennen und ihre Redner für oder gegen sie ins Feld zu schicken, wodurch unsere Vertreter die Gelegenheit zu einer gründlichen Debatte erhalten. Gelingt e« dann noch, eine namentliche Abstimmung herbeizuführen, so haben wir erreicht, was sich vorläufig erreichen läßt. Sine gründliche Debatte und Auseinandersetzung bei der Berathung der Denkschrift über den Belagerungszustand herbeizujühren, dürfte sich auch schon deshalb empfehlen, weil vermuthlich der Antrag Liebknechts aus Abschaffung aller Ausnahmegesetze kaum die Gelegenheit zu einer größeren Debatte bieten wird. Läßt man denselben diesmal überhaupt zur Berathung kommen, so wird man sich über denselben sehr kurz schlüssig zu machen suchen. Man wird darauf hinweisen, daß das Sozialistengesetz einen bestimmten Termin habe und so wie so nächste« Jahr zur Debatte stehe. Ferner, daß der Antrag verschiedene, zum Theil sehr heterogene Materien umsasse und wie sonst alle die schönen„Gründe" heißen werden, womit eine in Opportunismus, Feigheit und Achsel- trägerei versunkene Majorität ihre Verkommenheit zu drapiren sucht. Man wird den Antrag durch eine motivirte oder unmotivirte Tages- ordnung beseitigen. Träte dieser Fall aber nicht ein, und gäbe der Antrag Gelegenheit zu einer ausgiebigen Debatte, so ist unser Vorschlag deshalb noch nicht überflüssig, wir haben dann zwei Sozialisten-Debatten statt einer, und da« kann un« nur nützen. Der Liebknecht'sche Antrag gibt die Ber- anlassung zu einer allgemeinen, die Resolution zu einer Spezialdebatte. Also draus und tüchtig! L. Zur Spaltung der französischen Arbeiterpartei.*) i. Mit Bedauern habe ich gesehen, daß die Redaktion de« Parteiorgan« sich in die leidigen Zwistigkeiten unserer französischen Parteigenossen gemengt *) Im Obigen veröffentlichen wir eine Entgegnung auf unsere Artikel: „Roanne oder St. Etienne", der wir au« verschiedenen Gründen die Aus- nähme nicht versagen zu dürfen glaubten. Um die Debatte nicht zu weit auszudehnen, werden wir un« darauf beschränken, etwaige Gegenein- wände unsererseits nur in Form von Anmerkungen znm Ausdruck zu bringen, und auch nur in so weit, al« sie uns unbedingt geboten erscheinen. Ein sür allemal wollen wir jedoch vorausschicken, daß wir bezüglich der Stellung unserer Partei und de» Organ« derselben zu den auswär- tigen sozialistischen Parteien einen von dem de« Einsender« grundsätzlich verschiedenen Standpunkt einnehmen. Wir halten die von ihm befür- wartete Art de» Verkehres, für die wir keinen anderen Ausdruck al« das Wort„Diplomatisch" finde», und die in der Praxi» auf eine Anerken- nung der jeweiligen Majorität, beziehungsweise der maßgebenden Per- sönlichkeiten der ausländischen Parteien hiuauslausen müßte, sür nicht der Aufgabe des Parteiorgans entsprechend. Dieselbe besteht vielmehr in dieser Beziehung darin, die deutschen Genossen über die bedeutenderen Vorgänge innerhalb der sozialistischen Parteien des Auslande« zu unter- richten, ganz besonder«, was die prinzipielle Entwickelung derselben an- betrifft. Und sowenig wir sür unsere Partei die Kritik auswärtiger Partei- organe, soweit sie nicht böswillig oder verleumderisch, perhorreSziren, ja sie sogar wünschen, so wenig werde» un« einsichtige Genossen des Aus- landes da« Recht einer solchen streitig macheu. Dinge, wie sie den Fran- zosen in Bezug aus unsere Partei passirt sind, waren übrigen« nur mög- lich insolge der in Frankreich herrschenden Unlenntniß der deutschen Sprache, was schon daraus hervorgeht, daß die„Egalitö" gleichzeitig mit Most, Bebel und Liebknecht al« ihre Mitarbeiter proklamirte. Die Letzteren scheinen die Sache philosophischer aufgefaßt zu haben al« der hat, fast noch ehe sich die Thören zu St. Etienne und Roanne hinter dm auseinandergehenden Delegirten geschloffen halte». Ist es schon unter allen Umständen etwa» Schwierige«, mitten in der Hitze des Streites und zumeist auf die Behauptungen der leidenschaftlich erregten Gegner hin ein unparteiische» Urtheil zu fällen, und soll Jeder einer solch' mißlichen Aufgabe nach Möglichkeil au» dem Wege gehen, so muß die« doppelt und dreifach der Fall sein, wo es sich um die Auge- legenheiten einer befreundeten Partei handelt. Denn gerade je mehr Be- deutung dieselbe unserer Meinung beimißt, desto leichter wird sie sich von einer Beurtheilung verletzt fühlen, die insolge der mangelnden Reife und Abklärung der Verhältnisse und der nicht minder fehlenden Ruhe der Ueberlegung nur zu leicht lückenhaft und hinfällig wird und wegen der nothwendig mitspielenden vorgefaßten Meinungen über die beidm streitm- dm Theile dem Vorwurf der Parteilichkeit selten entgehm kann. Es ist daher in unseren Parteiorganen immer Gebrauch gewesen, sich in Bezug auf innere Vorgänge in befreundeten Parteien die möglichste Zurückhaltung aufzuerlegen und auch den Schein zu vermeiden, al« ob man sich unberufen an der Debatte betheiligen wollte. Und da» mit Recht. Denn während dabei für unsere eigene Partei selten etwas ge- Wonnen wird, werden auf der krittfirten Seite meist sehr unangenehme Gesühle Hervorgemsen. Ermnem wir un« nur an die Zeit(1879/80), da die„Freiheit" und ihre Behauptungen bei vielen schlechtunterrichteten sozialistischen Blättern des Auslandes noch in einem gewissen Ansehen standen und infolgedessen unsere Partei allfälligen Besprechungm au«- gesetzt war. Ob uns Letzteres damals so angenehm gewesen ist? Unsere Antwort ist damals einfach gewesen:„Unsere auswärtigen Gesinnung«- genossen kennen unsere inneren Parteiverhältnisse nicht genügend, um sie mit hinreichendem Berständniß bcurtheilen zu können; eben darum solltm sie sich aber auch nicht in unsere Angelegenheit mengen, sondem deren Ordnung uns allein überlassen." Was aber uns recht, ist Anderen billig. Und namentlich den fran- zösischen Genossen gegenüber, welche sich gelegentlich de« Most-Hasselmann- Krakehl»(und was drum und dran hing) im Ganzen wohl mit am Zurückhaltendsten benommen haben. Ich wenigstens erinnere mich nur zweier Thatsachen, welche uns wirklichen Anlaß zu Klagen gaben. Die „Egalitö" nahm zur Zeit des heftigsten Streites unserer Partei mit Most diesen zum nominellen Mitarbeiter, ließ sich auch weder durch Beschwerden noch durch das würdeloseste Benehmen diese« ihres Mit- arbeiter« gegen uns zu einer Aenderung dieses Verhältnisses bewegen und entfernte Most erst insolge eines Angriffes aus französische Arbeiter. Der„Proletaire" dagegen veröffentlichte späterhin einen ziemlich absprechenden Bericht über den eben stattgehabten Mydener Kongreß. Wie sich in der Folge herausstellte, verdankte dieser Bericht seine Ent- stehung dem Umstände, daß der betr. Redakteur des Deutschen nicht mächtig war und sich durch den tendenziösen Bericht eine« Anderen (Nichtsranzosen) hatte täuschen lassen. Wir waren damals ungehalten genug; weiter aber hatten wir keinen Anlaß mehr zu Beschwerden. Au» den erwähnten Gründen bedauere ich, wie gesagt, gewisse Aus- führungen der Artikel„St. Etienne oder Roanne?"(Nr. 41, 42 und 44) und daß die Redaktion nicht lieber sich mit der einfachen Anführung der Thatsachen und dem Ausdruck de« Bedauerns Uber die Spaltung unserer französischen Brüder begnügt hat— alle» Weitere auf eine Zeit versparend, wo die Wogen der Leidenschaft sich etwas gelegt haben werden und die Möglichkeit einer besseren Uebersicht und ruhigeren Beurtheilung gegeben sein wird. Da jene Artikel aber nun einmal geschrieben find und dieselben, wenn sie ohne Widerspruch blieben, gar leicht falsche Borstellungen bei den Parteigenossen hervorrufen könnten, so muß ich doch— wenn auch wider- strebend und mit möglichster Zurückhaltung— mit einigen Worten auf die Sache selbst eingehen. Ich habe das ganze vergangene Jahr und einige Monate des laufenden in Frankreich zugebracht, zu dem fast ausschließlichen Zweck, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse de« Lande» und insbesondere seine sozialistische Bewegung an Ort und Stelle eingehend zu beobachten. Dem- gemäß habe ich am Parteileben unserer französischen Gesinnungsgenossen regen Antheil genommen, Versammlungen und Zusammenkünfte besucht, die Veröffentlichungen der sozialistischen Presse verfolgt, mich mit einer Reihe einflußreicher Männer der Partei(aus beiden Lagern) persönlich bekannt gemacht, kurz Alle« gethan, um möglichst genauen Einblick in den Stand und die Entwicklung der Parteiverhältnisse zu erhalten. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist aber mein Urtheil über die Kongresse und wa» damit zusammenhängt ein von dem Standpunkt der Arttkel„St. Etienne oder Roanne?" in vielen Dingen sehr ab- weichendes, und zwar sowohl wa« Dinge, al« wa« Personen anbetrifft. Bei Beurtheilung der sozialistischen Bewegung in Frankreich sind fach- lich vor Allem zwei Umstände in'« Auge zu fassen. Wir deutschen Sozialisten find im Allgemeinen gewohnt, den Sozia- lismu« unter keiner anderen Form zu bettachten al« unter der de« modernen Sozialismus, wie ihn K a r l M a r x und F. Engels zur wissenschaftlichen Darstellung gebracht haben. Dieser moderne wissen- schastliche Sozialismus bestand aber, bevor es eine sozialistische Partei iu Deutschland gab(denn weder die Lehren de« der Entwicklung der Zeit weit vorangeeilten Kommunistenbundes der 40er Jahre, noch andere Bestrebungen— z. B. die Weitling's— hatten sich vorher in irgend nennenswerther Weise im Volk verbreitet). Als L a s s a l l e seine zuerst die Masse in Bewegung setzende Agitation begann und den ersten Ansang einer sozialistischen Parteibildung schuf, da konstruirte er sich keineswegs sein eigenes sozialistische« Lehrgebäude, sondern adoptirte einfach da« schon Vorhandene. Seit jener Zeit haben die deutschen Sozialisten wohl manchen Strauß unter sich ausgesochteo, und es gab Zeiten, wo die Kraft der sozialistischen Proletarier Deutschland« sich im Kampf von zwei, drei und vier Fraktionen auszuzehren schien. Aber bekanntlich spielte in diesen Streitigkeiten die Prinzipienlehre bei Weitem nicht die erste Rolle und hat dieselbe daher auch bei der Bereinigung keine große Schwierigkeiten geboten. Kurz: unsere Bewegung hat in der That von ihrem Anfang an bis zum heutigen Tag, im großen Ganzen, nur eine einzige sozialistische Lehre, die des sogen, modernen wissenschastlichen Sozialismus, gekannt. Und deshalb hat es in Deutschland unter den Sozialisten auch niemals doktrinäre Stteitigkeiten von einer Stärke gegeben, daß sie die Ruhe und Einigkeit der Partei ernstlich hätten stören können. Ganz anders in Frankeich. Die Geschichte de« Sozialismus ist dort weit älter und ungleich verwickelter als bei un». Eine große Anzahl von verschiedenen Lehrmeinungen, Systemen, Schulen, Sekten und Organi- salionsgruppen aller Art sind sich gefolgt und haben mehr oder weniger Anklang und Anhang in verschiedenen Volksschichten gesunden. Und von nahezu allen diesen Schulen und Gebilden find noch heute größere oder kleinere Ueberbleibsel vorhanden. Hiezu kommen dann noch eine Menge von Trümmern der verschiedenen Revolutionen und revolutionären Erhebungen, deren politischer Radikalismus, demottattsche und revolutionäre Ideen sie in Zeiten der Unterdrückung auf eine Verbindung mit den Sozialisten anweisen und ihnen bei letzteren Sympathien verschaffen. So bilden die Herr Einsender, denn es ist uns nicht bekannt geworden, daß sie dagegen Protest eingelegt hätten. Wir sahen un« gelegentlich der Kongresse von St. Etienne- Roanne vor der Alternative, entweder dieselben mit einigen nichtssagenden Redens- arten Uber die Spaltung abzuthun oder aber die prinzipiellen Ursachen derselben zu erörtern. Angesicht« der in der übrigen Presse veröffentlichten Berichte thaten wir Letzteres, gestützt auf sorgfältiges, mehrjährige» Studium der fran- zösischen sozialistischen Parteiliteratur, sowie aus gelegentliche Briese aus beiden Lagern. Daß wir uns damit in die Zwistigkeiten„gemengt" hätten, können wir nicht zugestehen. Die Redaktion de«„Sozialdemokrat." französischen Sozialisten nicht gleich den deutschen ein in Bezug auf ihre Grundsätze im Wesentlichen gleicharttge» Ganze, sondern man findet unter uihen die verschiedensten, zum Theil entgegensetztesten Lehrmeinungeu und Anschauungen vertteteu, zum Theil geschlossene Programme bildend, mehr noch aber buntfarbig durcheinander wogend. Fourier, Tabet, Colins, Loni» Blauc, Pierre Leroux, Proudhon haben alle noch ihre Verehrer, wozu dann noch einerseits Cooperateur« und Pofitivisten, andererseits Jakobiner, Blauquisten undAnarchisten kommen. Wie schwer es bei diesem üppig entwickelten Settengeiste halten muß, eine sozialistische Partei mit einem Programm und einer Taktik zu schaffen, ist leicht erklärlich. Der Lokal- und Gruppengeist ist überstark, Parteidisziplin ist für die meisten ein Schreckenswort und von Zenttali- sation darf nicht gesprochen werden, wenn man die Leute nicht von vorne- herein kopfscheu machen will. Diese Nachtheile lassen sich indessen nur ganz a l l m ä l i g mildern und beseitigen. Und sowenig auch mir manche Verschwommenheiten de» Programm«, der Ernennungsart und die Vielköpfigkeit das Parteivorstandes sowie der weitgetriebenene Föderalismus zusagen, so muß der mit den französischen Verhältnissen Verttaute immer- hin schon da» bisher Erreichte als einen Fortschritt erkennen. Die Weiter- entwicklung ans der Bahn zur Schaffung einer einheitlichen, starken, alle Kräfte auf ein Programm und eine Politik vereinigenden Partei kann nicht ausbleiben. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 8. November 1882. — W a» lehrt uns der Aussall derpreußischenLand« tagswahlen? Diese Frage beantwortet un« ein Genosse au» Deutsch- land, der reichlich Gelegenheit hat, die Stimmung des Volkes kennen zu lernen, in so vorttefflicher Weise, daß wir seine Ausführungen, wenn sie auch Manche» nur wiederholen, was wir selbst bereits gesagt, im vollen Wortlaut wiedergeben. Sie scheinen un» den Nagel aus den Kopf zu tteffen. Unser Genosse schreibt: Die preußischen Wahlen haben den Liberalen ein arge« Fiasko bereitet. Mit der erträumten liberalen Majorität ist es vor- läufig nichts und das ist gut, damit nicht der liberale Schwindel vor dem Volke von Neuem beginne. Die Liberalen haben durch die Wahlen den verdienten Lohn empfangen für die feige Niedertracht, wo- mit sie bisher das„elendeste aller Wahlgesetze", wie e« bekanntlich Bis- marck selber nannte, zu galvanifiren versuchten. Aber das Verdikt Uber das Dreiklassenwahlsystem ist noch in anderer Weise und viel gründlicher ausgesprochen worden, und zwar durch das Volk selbst, das sich nach den übereinstimmenden Berichten au« allen Theilen der Monarchie, iu seiner sehr großen Majorität bei der Urwahl der Wahl enthielt. Insbesondere war e« die dritte Wählerklasse, also das Volk in seiner Masse, und namentlich wieder die Arbeiterklasse in den großen Städten und Jndustriebezirken, die sich in demonstrativer Weise von der Wahl fern hielten.„Wir machen de» Schwindel nicht mit", so lautete die unter den Arbeitern ausgegebene Parole, und sie fand den allgemeinsten Anklang. Die liberalen und namentlich fortschrittlichen Blätter sind ganz un- glücklich Über diese Wahrnehmung, sie geben auch schüchtern zu, daß da« Dreiklassenwahlsystem, das namentlich die dritte Wählerklasse als reine« Stimmvieh erscheinen läßt, an dieser schwachen Betheiligung schuld sei, aber von einem kräftigen Verlangen nach Beseitigung dieses Humbug« von einem Wahlgesetz ist nirgends etwa« zu spüren. Von der„Franks. Ztg." und„Berliner BolkSzeitung" bis zum„Hannov. Courier" des Herrn Bennigsen ist in dieser Richtung über allen Wipfeln Ruh. „Weit mehr noch als sie mich Haffen, fürchten sie die Revolution", ur- theilte einstmals, in der schlimmsten KonfliktSzcit, der damalige Herr von Bismarck Uber die Fortschrittler, und da« Wort hat heute erst recht seine Bedeutung. Wie die Steuergesetzgebung in Preußen beschassen ist und sich namentlich mehr und mehr gestaltet, bleibt nach Abschaffung des Dreiklassenwahlsystems nichts übrig als da« allgemeine Stimmrecht, und dessen Wirkungen sürchtet Fürst Bismarck ttotz seine« Urtheil« über da« Dreiklassenwahlsystem ebenso sehr wie die Liberalen. Da« allgemeine Wahlrecht bedeutet den Appell an die Massen; in dem Kamps um die Gewinnung dieser Massen werden die Kandidaten aller bürgerlichen Parteien wider Willen genöthigt, größere Versprechungen zu machen, al« sie zu halten gewillt sind und halten können. Die Folge davon ist der Wortbruch, der den Massen den Schwindel der bürgerlichen Parteien enthüllt, und die Massen naturgemäß mehr und mehr aus die radikale Seite drängt, namentlich wenn die allgemeine soziale Lage so wirksam zur Schürung der Unzusriedenheit beiträgt, wie das seit Jahren der Fall ist und in steigender Potenz iu Zukunft der Fall sein wird. So wird da» allgemeine Stimmrecht unwillkürlich zum Werkzeug der Revolution, und da« fühlen die Liberalen und die leitenden Kreise instinktiv, und darum ihre Furcht und ihr Abscheu vor demselben. Wie also immer die Wahlrechtsfrage in der nächsten Zukunft stch gestaltet, sie wird unter allen Umständen in letzter Instanz der Sozialdemokratie nützen. Die Aufrechterhallung de« gegenwärttgen Systems, indem es die Massen den leitenden Kreisen entfremdet und sogar ganz wesentlich zur Vernichtung des preußischen Partikularismus beiträgt; die Einführung de« allgemeinen Stimmrecht«, indem es der Sozialdemokratie ein neue« wirksames Feld der Agitation bietet. Auch die gleiche Machtstärke der verschiedenen Parteien im preußischen Abgeordnetenhause, die nolhwendigerweise jede positive Gesetzgebung verhindert und sich nur wirksam erweisen wird iu der Durchführung weiterer reaktionärer Maßregeln, muß von unserem Standpunkt au« begrüßt werden; sie bringt den heutige» Parlament«- rismu« in Mißkredit und verweist auf die Volksiniziattoe. Konstatirt muß werden, daß die krampfhaften Versuche der Fortschrittler, die Arbeiter für sich an die Wahlurne zu bringen, verschiedentlich die ent- schiedcnfien Zurückweisungen erfuhren. So in Berlin und im Rheinland. Im Wahltreis Solingen, wo Herr Phillipps, der Redakteur der Berliner „BolkSzeitang", seitens der Fortschrittspartei ausgestellt wurde, machten dieser und seine Parteifreunde die größten Anstrengungen, unsere Partei- genossen zur Betheiligung an der Wahl zu seinen Gunsten zu bestimmen. Aber vergeben«. Herr Philipp» wurde auf da» Verhalten seiner Partei- genossen gegen uns verwiesen und ihm erklärt: daß die Sozialdemokatte da« System der Dreiklassenwahl nicht durch ihre Betheiligung sank- ttoniren wolle. Da man sah, daß die mündlichen Gründe nicht zogen, griff man zu klingenden Gründen und bot 300 Mk., fall« unsere Partei- genossen sich an der Wahl betheiligten. Auch diese Versuchung fand die gebührende Zurechtweisung, und das Endresultat war, daß in dem Kamps der Bourgeoisie unter sich die Fortschrittler der«apitalistenpartei xar vxcelloncs, den Nationalliberalen, unterlagen. Die eigentliche Signatur der preußischen Landtagswahlen ist der Kampf der verschiedene» Bourgeoisfraktionen unter sich. Bei der Ge- spanntheit unserer Zustände ist der Bourgeoisie jede geräuschvolle Oppo- fition, weil sie die Massen leicht aufregt, zuwider, und darum fürchtet sie sogar die Opposition ä la Richter und wählt lauwarm liberal oder konservativ. Kommt noch hinzu, daß in der ersten und zweiten Wähler- klaffe vieler Ort« die höher gestellten Beamten einen wesentlichen Theil de« Wahlkörper» repräsentiren und nicht oppositionell zu wählen wagen. So erklärt sich der Aussall der Wahlen leicht, über den, wie gesagt, die Sozialdemokatte keine Thränen zu vergießen braucht. — Zum Thema von der Gesetzlichkeit: Wie diePo- lizei und Gerichte in Deutschland die Gesetze respek- tiren. Au« Leipzig, 2. Novbr., schreibt man uns:„Die Polizei- wirthschast greift hier immer mehr um sich, wir sollen erfahren, daß wir auch ohne Polizeidirektor türkisch regiert werden können. Drei Wochen Hintereinauder gelang es der hiesigen Polizei, die Sendungen de»„So- zialdemokrat" vollständig abzufangen, weil niederträchtiger Verrath ihr die Adressen in die Hände gespielt hatte. Die Polizei steckte sich hinter die Post; und sobald der Postbote die Pakete abgeliefert, traten anch H o h l f e l d und D ö b l e r in die Thilre und beschlagnahmten die Pakete. Die Empfänger wurden dann sofort verhaftet und auf der Polizei nach allen Seiten inquirirt, um Geständnisse an« ihnen zu erpressen, denn die b l o ß e W e g n a h m e derPaketevor ihrer Berthei- lung rechtfertigte weder die Verhaftung noch weni- ger die Prozessirung undschließlicheVernrtheilnng. So find zwei der Verhafteten, die Glaser E. Bachmann und H. Ar- n o l d, am letzten Montag hinter verschlossenen Thitren prozeffirt worden, und erhielt der Erstere 3 Wochen, der letztere 2 Wochen Gesängniß, außerdem hatten Beide einige Wochen Untersuchungshaft; und nach ihrer Haftentlassung folgt ihre Ausweisung so ficher wie in der Kirche da» Amen. Den dritten Verhafteten, Parteigenosse S ö p p e l, mußte man nach achttägiger Untersuchungshast wieder freilassen, weil aus diesem absolut kein Geständniß herauszubringen war. Das rettete ihn freilich nicht vor der Ausweisung, denn wofür hat die Polizei die Allmacht der Existenzen« Vernichtung, al» um dieselbe nach Herzenslust auszuüben! Wie aber Diejenigen, welche als die Wächter des„Gesetzes", der „Ordnung" und der„Sittlichkeit" gelten, selbst Gesetz, Ordnung und Sittlichkeit mit Füßen treten, nur um ihrer brutalen Verfolgungswuth und ihrem Sozialisten- haß Genüge leisten zu können, dafür haben die Vorgänge der letzten Wochen recht drastische und lehrreiche Beweise geliefert. Der erwähnte Parteigenosse Koppel wurde, nachdem die Polizei ver- geblich fich die erdenklichste Mühe gegeben, Geständnisse von ihm zu er- pressen, an die Staatsanwaltschaft abgeliefert, wobei der Polizeiassessor H o h l f e l d noch drohte, wenn er nicht gestehe, dann werde er ihn sitzen lassen, bis er schwarz werde. Damit hat sich Herr H o h l s e l d des in§ 339 des Strafgesetzes bezeichneten Vergehens des Mißbrauchs der Amtsgewalt schuldig gemacht, ein Ver- gehen, da« mit Gesängniß bis zu fünf Jahren bestrast wird. Vielleicht kommen K ö p p e l, der als Ausgewiesener Leipzig bereits verlassen hat, diese Zeilen zu Gesicht und werden ihn diese veranlassen, bei der Staats- anwaltschaft den Antrag aus Versolgung des H o h l s e l d wegen Amts- mißbrauchs zu beantragen.�) Noch schlimmer haben es der Polizei- Assessor H o h l f e l d und der Polizeiwachtmeister D ö b l e r mit einem Arbeiter Namens Krämer gettieben. Bei diesem wohut ein Arbeiter Namens Hub er, an welchen ebenfalls einige Pakete„Sozialdemokrat" kamen, weshalb er verhastet wurde. Hub er soll nun auf Jnquirirung durch die Polizei gestanden haben, daß er in scinem Kofier in der Wohnung Krämer'» noch allerlei verbotene Schriften habe. Die Polizei schließt den Kofier aus, aber es findet sich nicht« von Schriften darin. Jetzt sollte Krämer den Kosser erbrochen haben, und obgleich sich an dem Kofier nicht die geringste Spur einer gewaltsamen Eröffnung zeigte, auch im Logis trotz sorgfältigster Suchung sich kein Schlüssel fand, der zu dem Koffer paßte, wurde Krämer am vorigen Freitag gegen Abend, als er von einem Gange nach seiner Arbeitsstelle kam, verhastet und in'S Polizei- verhör genommen. All' fein Betheuern, daß er den Koffer nicht geöffnet habe und nicht habe öffnen können, half nichts. Krämer wurde über Nacht in Hast gehalten, nächsten Tages abermals durch D ö b l e r und H o h l f e l d stundenlang nach allen Seiten inquirirt und schließlich von Beiden die Drohung ausgestoßen, wenn er jetzt nicht gestehe, werde man auch seine Frau mit den Kindern in Hast nehmen. Krämer war außer sich, besonder» al» er, in die Haft zurückgekehrt, au« einer der Zellen Kindergeschrei vernahm. Außerdem begab sich D ö b l e r zu Frau Krämer und bedrohte diese in so brutaler Weise, wenn sie ihren Mann nicht denunzire, daß die Frau vor Schreck und Aufregung mehrere Tage bettlägerig war. Dreiundzwanzig Stunden war Krämer in Hast, innerhalb 24 Stunden war man verpflichtet, ihn an die Staatsanwaltschaft abzuführen. Da« konnte man nicht wagen, da nicht der geringste Beweis der Schuld vorlag, und so entließ man ihn in letzter Stunde, wobei Hohlseld und Döbler, vor Zorn die Fäuste ballend, ihm noch nachriefen:„Na, Sie werden wir der Staatsanwalt- schast überliefern." Hohlseld und Döbler haben sich durch diese Mißhandlung vou K r ü m e r und seiner Frau einer schweren Verletzung der §s 339 und 341 des Strafgesetzbuchs: Mißbrauch der Amtsgewalt, Bedrohung und widerrechtlicher Freiheitsentziehung, schuldig gemacht, Vergehen, die mit Gesängniß von mindestens drei Monaten bis zu fünf Jahren und eventuell mit Aberkennung der Fähig- k e i t z n r B e k l e i du n g öffentlicher Aemter bis zu der Dauer von 5 Jahren bestraft werden. Krämer wird, so hoffen wir, bei der Staatsanwaltschaft die strafrecht- liche Versolgung der beiden Beamten beantragen und wollen wir sehen, ob die Staatsanwaltschaft in der Verfolgung dieser Sorte von Ver- blechern ebenso eifrig ist, wie sie es ist in der Verfolgung von Sozial- demolraten. Diese Vorkommnisse dürsten anch im nächsten Reichstage und sächsischen Landtag ihre gebührende Beleuchtung finden. Aus dem Geschilderten folgt: Wer von der Polizei verhastet wird, verlange seine sofortige Ablieferung an da» Untersuchungsgericht und verweigere auf jeden Fall der Polizei jede Auskunft. Döbler hat die Gewohnheit, den Verhafteten stets zu sag;n: Gestehen Sie nur, Leugnen hilft Ihnen nicht», Der und Der hat Da« und Da» schon gestanden, und wa» ähnliche Redensarten find. Daraufhin haben Viele schon zu Geständnissen fich verleiten lassen, die sie dann später bitter bereuten. Ferner: vor der Staatsanwaltschaft und vor dem Untersuchungsrichter mache man keine Geständnisse, sondern verlange Beweise für die An- schuldigung und richte danach seine Aussage ein. Endlich verlange mau, wenn keine Beweise für die Schuld beizubringen find, sofortige Freilassung, und wenn diese nicht gewährt wird, verlange man einen Rechtsanwalt. Auf alle Fälle trete man fest und männlich auf und weise ungehörige Zumuthungen zurück. Wird wieder eine Haussuchung oder Beschlagnahme von Schriften vor- genommen, ohne daß der betreffende Polizeibeamte eine Bollmacht des Richter» oder der Staatsanwaltschaft vorzeigt, dann protestire man sofort gegen diesen Gewaltstreich und denun- zire den betreffenden P o l i z e i b e a m t e n der Staat». anwaltschaft wegen Amtsmißbrauch». Unsere Parteigenossen müssen sich gehörig wehren, sonst werden sie durch die Polizeiwillkür ganz und gar mtterdrückt. und sonstigen Behörden da» Zeugniß ausstellen, daß sie vortrefflich für uns zu agitiren verstehen. Wir danken ihnen. — Auf allen Gebieten zurückl Dieser Tage wurde in Sachsen wieder geköpst. Das z w e i t e m a l binnen kurzer Zeit. Der alte Johann wollte von der Todesstrafe nichts wissen, die er verab- scheute und für Mord erklärte. Der jetzige König sträubte sich lang, ließ sich aber endlich von den Aposteln des Knüppel« und Richtbeils be« kehren. Die zwei bisher in diesem Lande Hingerichteten waren sogenannte Lustmörder, also gewiß Verbrecher schlimmster und widerlichster Sorte. Allein auf die Person kommt e« nicht an, Mord ist Mord, ob der Staat ihn verübt, oder ein Individuum. Und daß in Sachsen nach fast dreißigjähriger Pause diese M o r d j n st i z und dieser Kultus des Mord» wieder eingeführt werden konnte, ist ein Beweis für sie Herr- schende Verrohung, wie er schlagender nicht gedacht werden kann. — Ein Unglück kommt selten allein. Nicht nur, daß Herr V i r ch o w neuerdiag», wie man sagt und was wir nicht bezweifeln wollen, in Folge von Ueberanstrengung schwer erkrankt ist, muß ihm auch noch das Malheur paffiren, daß der„ R e i ch s b o t e" einen Lobgesang auf ihn anstimmt, und zwar nicht nur einen ernstgemeinten, sondern auch einen wohlverdienten. Es ist der-j-fts Darwinist Häckel, gegen dessen Angriffe das christlich-konservative Blatt'Herrn Virchow mit einer Wärme vertheidigt, wie es die„Berliner VolkSzeitnng" nicht leiden- fchastlicher hätte thun können. Man höre nur: „Kann man sich eine ruhigere ernstere Sprache denken al» diejenige, welche der Präsident der„sogenannten anthropologischen Gesellschaft" führte? Es war mindestens kein Zeichen von Klugheit, wenn Häckel in dieser leidenschaftlichen Weise gegen einen Mann von dem Rufe Virchow'» loszog. Leidenschaftliche Darstellungen begegnen stets einem gerechtfertigten Mißtrauen, und zwar ganz besonders, wenn wissenschaftliche„Autoritäten", wie Herr Häckel, sich derselben bedienen. Daß dieses Mißtrauen auch hier vorhanden war, daß man in den weitesten Kreisen diese Ausfälle gegen Virchow als unpassend und unnobel auffaßte, das hat Häckel nicht nur die Entrüstung sehr vieler seiner Zuhörer in Eisenach sagen können, das bekundet vor allen Dingen die hohe Befriedigung, mit welcher da« gebildete deutsche Publikum Birchow's Stellungnahme entgegennahm. Man fühlte sich von einem Alp befreit durch Virchow'« Worte, von dem Alp rücksichtslosester Ausbeutung der Darwinschen Theorie seitens deutscher Gelehrter, und man empfand es al» eine Genugthuung, daß eine Autorität wie Virchow diesem Charlatanismus mit dem vollen Gewicht ihrer Per- sönlichkeit entgegentrat." Dieses„man" bedeutet die RUckwSrtsmänner des„Reichsboten", die an die leibhaftige Existenz des Teufels glauben— siehe die Rede S t ö ck e r'S über den Conrad'schen Mord— und die noch immer nicht von dem„köstlichen" Glauben lassen wollen, daß„Gott den Menschen schuf, Ihm zum Bilde." ES ist in der That nur natürlich, wenn die Sänlen der Orthodoxie von Virchow'« Poltern gegen den Darwinismus, diese schärfste aller Waffen gegen den biblischen Wunderkram, höchlichst erbaut sind. Ob aber der protestantenvereinliche Professor ob dieser Wirkung seiner Rede auch sehr erbaut sein mag? — Höherer Blödsinn. In einem Vortrage Uber das neue Reichstagsgebäude(zu Leipzig) sagte ein Herr Dr. Portig u. A.: „Das neue ReichStagsgebäude soll die schöpferische Universalität des aus den Tiefen schöpsenden germanischen Geistes darstellen und ein Denkmal desselben sein für alle Zeiten."(„Leipziger Tageblatt" vom 28. Oktober diese» Jahres.) Au! Au! Au! Wie es im Schädel dieses Herrn Portig aussehen mag? Die Bausteine für das Reichstagsgebäude sollen also vom„deutschen Geist"„aus den Tiefen"„geschöpft" werden— wohl aus den Tiefen des Meere«? Oder eines Brunnens? Ein sonderbarer Platz für einen Steinbruch da»! — Dem Verdienste seine Krone. Die„Köln. Zeitung" vom 18. Oktober enthält folgende Korrespondenz: „Rio de Janeiro, 25. September. Zu Ehren de» deutschen Konsul« Hermann Haupt fand in den reich geschmückten Räum- lichkeiten der Gesellschaft„Germania" am 21. d«. ein Bankett statt, um dem vielverdienten Beamten, der sich seit langen Jahren durch die aus- gezeichnete Führung des deutschen Konsulats allgemeinen Dank erworben hat, Anerkennung auszusprechen. Unter Beisein des deutschen Ministers, de» neuen Konsuls und einer zahlreichen Gesellschaft wurde Herrn Haupt, nachdem er gegen'/,6 Uhr erschienen war, eine geschmackvoll gebundene und mit vielen Unterschriften bedeckte Adresse überreicht, in welcher die hiesige deutsche Kolonie ihrer Erkenntlichkeit Ausdruck verleiht. Um 6 Uhr begann sodann da» Festessen, das in gehobener Stimmung auf's Ersreulichste verlief. Da» Fest endete nach 10 Uhr und wird dem Konsul Haupt den Beweis dafür geliefert haben, daß seine eifrige, zu- weilen gewiß recht undankbare Arbeit in weiten Kreisen die verdiente Anerkennung gesunden hat." Wie aber kommt Herr Konsul Haupt au« der„Köln. Ztg." in den „Sozialdemokrat"? Sehr einfach. Hermann Haupt au« Hamburg, in London im Jahre 1359 HandlungS- kommis, wurde Mitglied de« Bundes der Kommunisten. Es war um die Zeit, wo der Bund(eine geheime Propagandagesellschast) sich spaltete in die„Partei Willich-Schapper" und die„Partei Marx". Haupt blieb bei der letzteren, ging aber Ende 1859 oder Anfang 1851 nach Hamburg zurück. Kurz daraus fielen der preußischen Polizei Akten- stücke de« Bunde«(Partei Marx) in die Hände, die zu Verhaftungen von Bundesmitgliedern führten und zuletzt zum berüchtigten Kölner Kommunistenprozeß. Einer der ersten Verhafteten war Haupt. Kaum eingesperrt, gestand er, angeblich unter dem Druck seiuer Familie, alle«, wa» er wußte. Namentlich, daß die Zenttalbehörde de» Bundes in Köln sitze, und daß sie au« Daniels, Bürger« tc. bestehe. Dieser Verrath des»c. Haupt führte sofortige Verhaftung der Kölner herbei, die nach anderthalbjähriger Untersuchungshaft zu 5—7 Jahren Festung verurtheilt wurden. Haupt aber wurde provisorisch freigelassen und von seinem Bater, einem angesehenen Hamburger Kaufmann, der in Rio de Janeiro eben- fall« ein Hau« hatte, nach dieser Stadt spedirt. Die preußische Regie- rung beeilte sich, einem so erprobten Manne bei der ersten Vakanz ihr Konsulat zu übertragen, da« sich später in ganz natürlicher Abfolge in norddeutsches Bunde«- und deutsches Reichskonsulat verwandelte. So wird man deutscher Reichskonsul. — Der 3 6. Bericht der Kommissäre Uber Wahnsinns« fälle in Großbrittanien meldet eine Anzahl von 74,842 aller Wahn-, Irr-, Blödsinnigen und Geisteskranken an— eine Zunahme von 1,729 gegen da» Borjahr. Darin sind nicht eingeschloffen 239 Fälle von Solchen, welche lediglich in ihren eigenen Familien behandelt werden. Die Anzahl Derer, welche der wohlhabenden Klasse angehörten, be- trug 4,999 Männer und 3,663 Frauen, zusammen 7,753. Die der ärmeren 29,657 Männer und 37,432 Frauen, zusammen 67,989— ein Zuwachs von 1,717 ärmeren, während der der wohlhabenderm b l o« 12 bettage! Das spricht mehr als ganze Bände von Beweisen, daß der Wahufinn (und das Verbrechen) durch Armuth mehr als durch alle andereu Ursachen erzeugt wird. — Neueste« vom Tempel der Unfehlbarkeit. Er- schrick nicht, lieber Leser, wir wollen dich nicht vom Batikau und der päpstlichen Unfehlbarkeit unterhalten, die Unfehlbarkeit, mit der wir un« an dieser Stelle zu beschästigen haben, hat ihren Tempel in Deutschland, und zwar in der„aufgeklärtesten" Stadt de« protestantischen Deutschland, im Musensitze Leipzig, und ihre Träger nennen fich Reichsgericht. Das ist eine sehr reale Unfehl- barkeit, der du dich zu unterwerfen hast, ob du an sie glaubst oder nicht, sofern du nur das Glück hast, Angehöriger des Reich» der Gottesfurcht und frommen Sitte zu sein. Wider die Unfehlbarkeit de« Reichsgerichts kein Kraut gewachseu ist. Sie ist dabei noch so geartet, daß die Eni- scheidungen dieser Körperschaft unfehlbar da« Wohlgefallen der je- weiligen Machthaber erregen, was, da alle Obrigkeit von Gott ist, als ein ganz besonderes Zeichen ihrer Vorttefflichkeit angesehen werden muß — seitens aller„Gutgefinnteu" notabene. Eine solche wohlgefällige Entscheidung hat da« Reichsgericht wiederum am 3. November in der bekannten Streitsache Bismarck contta Mommsen gefällt. Da hat es unumstößlich zu Recht erkannt: „ES sei ein Rechtsirrthum, daß bei Beleidigung einer Mehrheit von Personen der Einzelne, welcher Strafanttag erhoben, besonder» bezeichnet sein müsse. In subjektiver Hinficht komme es nur darauf au, daß der Beleidiger fich bewußt gewesen, daß er alle Diejenigen habe tteffen wollen, welche die neue Wirthschaftspolilik vertreten, gleichviel, ob er dabei an den Fürsten Bismarck gedacht habe oder nicht." Damit ist die Verurtheilung Mommsen«, an der Bismarck ganz be» sonders lag, besiegelt. Ob und inwieweit gerade in diesem speziellen Falle die geniale Deduktion zutrifft, wollen wir nicht untersuchen, da Mommsen feig genug war, zu behaupten, er habe bei Kritik der neuen Wirthschast»« Politik nicht an Bismarck gedacht, als er vou ihr sagte, sie sei eine Politik de« Schwindel«, gleichviel, ob sie von einem hohen oder geringen Mann in die Hand genommen werde. Wa« uns interesfirt, ist vielmehr der ad usum delphini gefällte„Rechtsgruudsatz". Der„Dauphin" ist hier bekanntlich derselbe, der seinerzeit die Sozialdemotratte eine Bande von Mördern sc. nannte. Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Sollte er oder einer seiner Subjekte in Presse oder Versammlung eine ähnliche Unverschämtheit gegen unsere Partei sich erlauben, dann wird sich hoffentlich in Deutschland ein Genosse finden, der, auf dieses Reichsgerichtserkenntniß gestützt, in allen Instanzen die Bestrafung desselben fordern wird, und sei es auch nur mit dem Resultat, daß das unfehlbare Kollegium in einem neuen Erkenntniß das obige umstößt, zur größeren Ehre— justitiae, was auf deutsch Gerechtigkeit heißt. — G egenwärtig brütet das Reichsgericht wieder über einem Hochverrathsprozeß— üblicher Fa�on. Ein armer Teufel, der die„Freiheit" verbreitet hat und feit einem halben Jahr in Untersuchung«« hast sitzt— in Aachen, von wo er kürzlich nach Leipzig ttansportirt wurde— soll wieder einmal ins Zuchthaus gesteckt werden— in Form Rechten»! Ob diesen Herren Richtern denn gar nicht einmal das Be- wußtsein der schmachvollen Rolle, die ste spielen, aufdämmert? Und wie sie die„Justiz" zum Kinderspott und zum Gegenstand der Verachtung für jeden anständigen Menschen machen? — Ein gründlicher Reinfall. Die biedere Polizei der guten Seestadt Leipzig ist ganz aus dem Häuschen; sie will um jeden Preis die Gesellschaft vor den bösen Sozialdemokraten und dem bösen „Sozialdemokrat" retten, und—„es ginge wohl, aber es geht nicht". Entsetzliches Schicksal: nachdem man, wie Tantalu«, den sruchtbeladenen Ast schon am Munde gehabt, ihn, den lückisch zurückgeschnellten, wie Tantalus nun trotz aller Gier nicht erreichen zu können! Mit dem blinden Eiser, der sich eine« Jeden bemächtigt, der den Faden und die Spur verloren hat, und doch durchaus etwa« haben und stnden will, arbeitet sie blind, planlos daraus los, schlägt bald hier bald dahin, und schlägt, gleich dem unglücklichen Opfer des Katzenkonzerts, nicht blo« da« neben, sondern auch sich selbst auf die Füße. So ist ihr zu Anfang der Woche eine fatale Geschichte pasfirt. Am vorige» Freilag oder Samstag telegraphirte die Frankfurter Polizei(die Polizei de« gebrandmarkten Rumpf) an die Leipziger Polizei, es sei vou dem Abgeordneten Frohme ein großer Reisekorb mit sozialdemokratischen Schriften, hauptsächlich Exemplaren des„Sozialdemokrat", ausgegeben worden. Man solle den Korb, welcher genau beschrieben wurde■— was da« Telegramm wohl den deutschen Steuerzahlern gekostet haben mag?— liegen lassen, bis er abgeholt werde, und dann die abholende Person ver- hasten, in ihrer Gegenwart den gefährlichen Korb öffnen u. s. w. Welcher Jubel, al« da« Telegramm dort eintraf I Freude war in Troja's Hallen I Die Grün-Augen leuchteten vor Vergnügen: kein Zweifel, da« große Werk, da« man schon verloren gegeben, es wird gelingen I Wäre ein Zweifel vorhanden gewesen, er schwand, als der signalisirte Reisekorb auch richtig ankam. Er war schwer, hatte ganz da« Gewicht von zusammengepreßtem Papier, und die Nasen der schnüffelnden„Ge- Heimen" und Nichtgeheimen rochen sogar mit Bestimmtheit„Papier" und„Brochüren". Die Eisenbahnbeamten wurden angewiesen, sobald Jemand den ominösen Reisekorb reklamire, die wachehaltende Polizei zu verständigen. Und da» geschah denn auch. Nachdem der Korb nebst sonstigem dazu gehörigen Gepäck etwa einen Tag lang die Neugier der Polizei unbefriedigt gelassen, erschien in einer Droschke eine Dame, welche die Gepäckscheine präsentirte. Droschke, Dame— da« ist ja der reine Nihilismus. Die Polizei, von dem Ereigniß in Kenntniß gesetzt, stürzt herbei, die Dame wird verhaftet, da» Lorpo» delicti nebst einem Polizisten aus dem Bock untergebracht, und flugs nach dem Naschmarkt— so heißt da« Allerheiligste der Leipziger„heiligen Hermandad". Dort erst kolossale Auf- regung, dann plötzlich, al« die Dame aussteigt, erstaunte, und schließlich sehr, sehr, sehr lange Gesichter. Die Dame war Liebknecht'« Frau, welche da« Gepäck ihrer von Stuttgart und Frankfurt nach Hau» zurückgekehrten Tochter, die Kindergärtnerin ist, abholen wollte. Der Reisekorb, der in Frankfurt allerding« vou Frohme aufgegeben worden, enthielt— Lehrbücher der Kindergärtnerei! Fräulein Liebknecht war von ihrem Schwager Geiser aus der Rück- reise bis Franksurt a. M. begleitet worden, dort empfing sie Frohme, der al« höflicher Mann der Tochter seine« Parteigenossen bei der Gepäck- expediruug behilflich war. Frohme, Geiser, die junge Dame waren aber polizeilich überwacht, was alle drei auch wußten und sahen, dennoch glaubt der Esel von Geheimpolizist, Frohme benutze die Gelegenheit, um im Gepäck der Fräulein Liebknecht ver« boteneSchrifteunachLeipzigzupaschen und auch seinem Ehef, einem noch größeren Esel, dem berüchtigten Polizeirath Rumpf, war die« sehr wahrscheinlich vorgekommen. Längere Gesichter hat da» Leipziger Polizeigebäude nie gesehen. Diese Enttäuschung! Diese Blamage I Und diese Entlarvung und Blo»« stellung de» schuftigen S p i tz e l s y st em», da« jetzt, Dank dem infamen Sozialistengesetz und anderer herrschenden Infamien in Deutschland grassirt! Der Schutzmann, der den Fang machte, ein Neuling, der Liebknecht'« Frau nicht kannte, wird wegen der Verhaftung einen schönen Rüffel bekommen haben.— Natürlich, schreibt man un«, wird die Sache noch weitere Folgen haben. — Echt hofpriesterlich gelogen.„Noch nie ist eine Regie« rung dem„kleinen Manne", dem Handwerker und Arbeiter ihrerseits so weit entgegengekommen, wie jetzt die unserige", so flunkerte am 27. Ol- tober in öffentlicher Versammlung Herr S t ö ck e r. Der bied ere„Ar« beiterfreund" weiß also gar nicht« davon, daß die deutschen Arbeiter allenort« gegen die Bismarck'schen Kassenverstaatlichungsprojekte Verwah- rung eingelegt haben und noch einlegen, er weiß gar nicht» von dem be- rüchtigten„Patrimonium der Enterbten", da» nach der ReichStagSwahl von 1831 wie eine Seifenblase verpuffte. Nicht entgegengekommen ist die deutsche Regierung den Arbeitern, sie ist ihnen bisher bei jeder selbstständigen Regung entgegen getreten. So steht e« Herr Hofpastor! — Die Unterdrückung der letzten Blätter in Deutsch- land, welche unsere Parteigenossen zu lesen pflegten, hat die von un« vorausgesagte Wirkung gehabt: in allen denjenigen Orten, wo die be- treffenden Blätter gehalten wurden, hat sich da» Abonnement auf da» Parteiorgan vermehrt; daß die» die F o l g e der Unterdrückung jener Blätter sei, wurde un« bei verschiedenen der Neu- bestellungen ausdrücklich geschrieben. Man muß den deutschen Polizei- *) Aus alle Fälle ttagen wir Sorge, daß die heutige Nummer der Leipziger Staatsanwaltschaft und dem sächsischen Justizministerium zugeht. E« handelt fich um keine AnttagSvergehen, infolgedessen genügt bereit» diese Form der Mittheilung, um die Eröffnung der Untersuchung zu be- gründen. Dadurch mögen sich aber die Genossen Köppel und Krämer nicht abhalten lasse»;, auch ihrerseits Beschwerde zu erheben. Man darf dm Gegnern kemm Borwand laffm. Die Journalistik Isar- Athen« ist durch eiae Persönlichkeit vermehrt worden, welche, wenn auch in keiner anderen Eigenschaft, so doch durch die Leichtigkeit, mit der sie den Gesinnungswechsel betreibt, an den Athener Alki> biadeS erinnert, nämlich Herrn Anton Memminger Der weiland fliichtige Redakteur des„Filrther Demokratischen Wochenblattes" ist am« nestirt worden und wird jetzt im klerikalen„Bayerischen Kurier" m BiSmarck'scher„nationaler" Wirthschastspolitik machen. Auf wie lange? Da» mögen die Götter wissen. Ueber Memminger's Begnadigung schreiben die deutschen Zeitungen neuerding»: „Wie man nachträglich erfährt, war es Ihre köuigl. Hoheit P r i n- z« s s in Therese gewesen, deren Fürsprache der frühere Demokrat, längst aber wieder(wieder?) konservativ gewordene Publizist Memmingesr seine theilweise Begnadigung von den früher gegen ihn ergangeneu Urtheilen (denen er sich durch die Flucht in die Schweiz, wo er längere Zeit als Flüchtling lebte, entzogen hatte) zu danken hatte. Er hatte am 25. August 1880 bei Gelegenheit de» 700jährigen RegierungsjubiläumS der Wittels- bacher auch unter den zu Bregen; wohnenden Bayern eine bezügliche Feier veranstaltet, zu welcher auch Ihre kgl. Hoheit die Prinzessin Therese von Amsee au» hergekommen war. Jetzt tritt Memminger als Redakteur der handelspolitischen Beilage dem„Bayer. Kurier" bei." Fürwahr, es ist doch eine schöne Sache um die„echte" Unter- thanentreue! kr. Warnung insbesondere an die Parteigenossen in Leipzig nnd Umgegend. Der frühere Expedient der aufgelösten Leipziger Genossenschaft»- Buchdruckerei und jetzige Kolporteur Nebel steht im aller- dringendsten Verdacht, der Leipziger Polizei Spio- nendienste zu leisten und werden die Parteigenossen nachdrücklich vor diesem Menschen gewarnt. Nebel hat schon seit langem den Verdacht, Spionendienste zu leisten, wider sich rege gemacht, in den letzten Wochen find aber in Leipzig Denunziationen vorgekommen, die nach genauester Untersuchung nur auf ihn zurückzuführen find. Also aufgepaßt, und lasse man sich nicht durch heuchlerische Bersiche- rungen abermals dllpiren! — Auch Einer. In dem„Malthustan", dem Organ der Malthu- fianer-Liga, einer Bourgeoisgesellschast, welche da» löbliche Bestreben hat, da» Volkselend durch Dezimirung, d. h. numerische Schwächung, de» Proletariat» auszurotten, damit nur an den Grundlagen der heutigen Bourgeois- Orduung nicht gerüttelt werde— in diesem Blatte finden wir folgenden Bettelbries: „An den Präsidenten der Malthusianer- Liga. Geehrter Herr! Hiermit beehre ich m«ch, Ihnen den„Proletarier" zu Uberreichen, ein dänisches Wochenblatt, welches hauptsächlich der Propaganda der malthu sianistischen Lehren gewidmet ist. Ich hoffe, daß Sie und die Malthusianer- Liga an meinem Kampfe Antheil nehmen, da ich sonst in kurzer Zeit gezwungen sein würde, die Publikation des„Prole- tarier" aus Mangel an Geldmitteln zu unterbrechen. Einliegend finden Sie zwei Empfehlungen zc... Sollten englische Malthusianer gewillt sein, die hier noch im Entstehen begriffene Agitation in irgend einer Weise zu unterstützen, so würde ich Sie bitten, die Antwort an einen der genannten Ehrenmänner zu senden oder an Ihren sehr ergebenen Diener"—— Und dieser ergebene Diener ist Niemand Anderer als Herr William Fleron alias Petersen, der große Sozialrevolutionär und Verschwörer, der von London aus durch Deutschland zog, um den „spießbürgerlichen" deutschen Sozialisten„den Standpunkt klar zu machen." Wieder ein Beispiel, wie hinter den anarchistisch- sozialrevolutionären Phrasen meist nicht? Anderes sich verbirgt als krasse Unkenntniß der ele- mentarstcn Lehren des revolutionären Sozialismus. — Sozialistische Presse und Literatur. Bor uns liegen zwei sozialistische Kalender:„VooruitI"(Vorwärts I) Bolkskalender für Nord- und SUdniederland, und der„ A r b e i t e r- K a- l e n d e r sür das Jahr 1883, herausgegeben von Joses Bardorf". Von beiden können wir nur sagen, daß sie in jeder Beziehung unsere Anerkennung verdienen. Aus dem Inhalte des ersteren heben wir folgende Beiträge hervor: „Wollt Ihr ernten, wo Ihr nicht gesäet habt?" Eine Ansprache an die unorganifirten Arbeiter von dem wackeren Amsterdamer Genoffen H. Gerhard, einem langjährigem Mitgliede der Internationale; Babeuf'» Manifest der Gleichen; Wie kommt es, daß der Sozialismus noch so wenig Anhänger hat? Eine Biographie Ferdinand Lassalle'S, sowie eine interessante Skizze:„Entstehung und Entwickelung der sozialistischen Be- wegung in Gent", von Gen. Ed. van Beweren. Der österreichische Kalender enthält eine sehr interessante sozialpolitische Rückschau auf da« Jahr 1881—32, Aufsätze über: Die Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise(S Y m m a ch o S), Gewerkschaftliche Pro- duktiv- Assoziationen, Russische Frauencharaktere(Jesse Helfmann und Wjera Saffulitsch), Zur Lage deS Bauernstandes, sowie ein Berzeichniß sämmtlicher in Oesterreich-Ungarn bestehenden Arbeitervereine und Kranken- Kassen. — Polizeispitzel in d er Schweiz. Unter diesem Titel zieht unser Bruderorgan, die„Arbeiterstimme", in einem schneidigen Artikel gegen das internationale Spitzelthum zu Felde, das in der freien Schweiz sein Unwesen treibt. Für unsere Leser wird ganz besonder« die Schil« derung eines„deutschen Landsmannes" von Interesse sein, welcher den Namen Schmidt führt und der politischen Spionage im höchsten Grade verdächtig ist. „Schon vor Jahresfrist", heißt es,„meldeten die Dresdener Partei- genossen, daß über Salzburg ein gewisser Schmidt nach Zürich kommen werde, der dringend verdächtig sei, der deutschen Polizei Dienste zu thun. Als Kassier des Dresdener Volksbildungsvereins, später als Leiter eines Möbelgeschäftes ging er mit dem Gelde nie ängstlich um, erregte aber besonders zur letzten Wahlzeit das Mißtrauen, und das Bekanntwerden des Druckers eines sozialistischen Flugblattes und dessen Bestrafung wird ihm zugeschrieben. „Erst ein halbe« Jahr nach dieser Warnung traf Schmidt hier ein und bezog auch sofort in einer bekannten Wirthschaft, in der viele Sozia- listen verkehren, sein Absteigequartier. Sein zudringliche» Benehmen be- stätigte allseits den Verdacht; der von ihm praklizirte alte Polizeikniff, vor jedem neu ankommenden Genossen oder vor jeder fremden Persön- lichkeit sofort als verdächtig zu warnen, konnte dies durch Neben- umstände fortwährend gesteigerte Mißtrauen nicht beseitigen, umsoweniger, als Briefe, die er vorlegte, sich als fingirt herausstellten. Bald hatte man auch erfahren, daß S ch m i d t, der behufs Regelung von Geschäfts- angelegenheiten hier sein wollte, von Dresden aus wegen betrüge- rischenBankerottSundUrkundenfälschungsteckbries- lich verfolgt werde. Und plötzlich, gerade zu der Zeit, da die DreS- dcner Sozialisten offen von Schmidt'» hiesigem Aufenthalte und dessen Zweck gesprochen haben sollen, wird der Steckbrief zurückgenommen und erhält Schmidt Legitimation zugeschickt. Große Summen opferte er für Kneipgelage mit Genoffen, von denen er voraussetzte, daß sie im Zustande etwaiger Trunkenheit etwas ausplaudern konnten, diesen bot er wiederholt Summen von verschiedenen hundert Franken, ohne eine andere Gegenleistung— als Vertrauen— zu fordern. „Als das Alles nicht zog, gab er auch für Parteizwecke Gelder, und ließ sie unter derselben Chiffre quittiren, die ein bekannter Berliner Spitzel zu benützen pflegte. Flugblätter, Broschüren»c. kaufte er stet« in großer Zahl zur Vertheilung; zu dem Feste in Wyden proponirte er die Honorirung einer Musikkapelle; zur Herter-Demonstralion, bei der man ihn auch der Vaterschaft bezichtigte, ebenfalls 30 Fr. für Musik, 20 Fr. für eine Droschke für Herter, und bestellte auch sür die Theil- nehmer Rosenknospen in'« Knopfloch u. s. w. in inümturn. Umsonst." Al» er bei unseren Parteigenossen nichts ausrichten konnte, wandte sich Schmidt an eineu aus der Züricher Parteimitgliedschaft ausgeschlossenen Anhänger der„Freiheit", erbot sich, mit ihm eine Reise nach Gens, Bern»c. vorzunehmen, um ihn dort bei Genossen ein- zuführen. Und schließlich wird Herr Schmidt mit dem ehrenwerthen Redaktor eine» Züricher Sozialisten- Hetzblattes niedrigsterSorte imeifrigstenGespräche beobachtet. Nach dem Borgesagten dürste es wohl keinem Zweifel unterliegen, mit was sür einem Biedermann wir e» da zu thun haben, und werden die Genossen wissen, wie sie sich ihm gegenüber zu verhalten haben. In dem betr. Artikel der„Arbeiterstimme" heißt e» noch über Schmidt: „Eine weitere Thatsache: In seiner Gegenwart wurde ein Brief nach Fr. geschrieben, worin um die Zusendung der Photographie de» Polizeirathe« R. gebeten war. Und siehe da: Mit dem Brief- träger fast zugleich erschien in der Wohnung des Adressaten d i e Polizei, um Hausdurchsuchung und Beschlagnahme eine« Briese« vorzunehmenl!" Ist dem so, woran zu zweifeln wir keinen Grund haben, dann können wir unsere Verwunderung nicht unterdrücken, wie es geschehen konnte, daß der Brief in Schmidt'» Beisein geschrieben wurde, während die Genossen doch von Ansang an davon unterrichtet waren, daß Schmidt zum mindesten verdächtig sei. Wir wollen auf diese Frage hier nicht eintreten, jedenfalls aber können wir unfern Genoffen nicht dringend genug den Satz aus unserm heutigen Leitartikel zur Beherzignng em- pfehlen, daß unüberlegte Handlungen und Sorglosig- keit die größten Verbrechen sind, die der Sozialde- mokrat begehen kann. - Frankreich. In Lille(Nordfrankreich) siegten am 22. Ol- tob er bei den Wahlen zum gewerblichen Schiedsgericht die Kandidaten der Arbeiterpartei in der ersten und dritten Abtheilung(die Abthei- lungen sind nach den Industrien geordnet) mit erdrückender Majorität (durchschnittlich 6ö0 bezw. 250 gegen durchschnittlich 230 bezw. 40 Stimmen). In der dritten Abtheilung kommen sie mit sogenannten uu- abhängigen Kandidaten in Stichwahl. ______ Der„Format"(Sträfling), Organ de» Nordverbandes der Arbeiter- Partei, erscheint bereit» in einer Auflage von 15,000 Exemplaren. Bravo I Die Versammlung in L i l l e, in der L o u i s e M i ch e l sprach, und in welcher die Bourgeoisie durch Gejohle einen vorzeitigen Schluß her- beiführte, fand zum Besten streikender Zwirnerinnen statt. Das hochherzige Weib wußte, daß die„Gebildeten" nur zu dem Zweck kommen würden, sie zu verhöhnen, aber sie sagte: Mögen sie mich zur Zielscheibe ihrer abgeschmackten Späße machen, wenn sie nur für die Arbeiter Enttee bezahlen. Da« Erträgniß ergab denn auch 3000 Fr. sür die Stteikenden. Die Hingabe dieser Frau an die Sache de» Proletariats ist, mag mau sonst über sie denken, wie man will, bewunderungswürdig! — England. Herr P a r n e l l hat jetzt gezeigt, wie ernst c« ihm ist mit seinem Kampfe gegen die Pächteraustreibungen. Letzten Don- nerstag bewarb er sich in Wicklow um die Austreibung von 3 Männern Namen» Ebb«, Kavanagh und B r e n n a n, weil sie mit ihrer Pachtzahlung ihm gegenüber im Rückstände waren. Es handelte sich um eineu Bettag von 179 Pfund Sterling. Der AuStreibungsbesehl wurde ihm zugestellt und so werden die drei Leute mit ihren Familien wahr- fcheinlich auf der Landstraße verhungern dürfen. Kommentar überflüssig. Im englischen Parlament hat ein Theil der irischen Abgeordneten für die schärfste Form der Gladstone'schen Schlußbill gestimmt, d. h. dafür, daß in Zukunft die einfache Majorität genügt, um Schluß der Debatte eintteten zu lassen. Immer deutlicher zeigt es sich, daß die Herren mit Gladstone ihren Palt geschloffen haben, und daß die„Jrish World" Recht hatte, al» sie erklärte, daß die alte Landliga todt sei. Ein sehr interessantes Gespräch de» nach Amerika zurückgekehrten Henry George mit einem Redakteur der„New-Uorker BolkS-Zeitung" über die Lage der Dinge in Irland bringen wir in einer der nächsten Nummern zum Abdruck. Korrespondenzen. — Leipzig. Die große SeestadtLeipzig wird augenblicklich poli- zeilich regiert, wie man es von Schöppenstadt oder Schilda erwarten kann. Da existirt hier ein Arbeiter-Fortbildungsverein, der unter den bestehenden Verhältnissen sich jeder oppositionellen politischen Tendenz enthalten muß und sich thatsächlich enthält. Zum Ueberfluß stehen Leute an der Spitze, die dem konservativsten Gemüthe Beruhigung einflößen sollten. Vor- sitzender ist der Architekt Dr. Mathes, Besitzer mehrer Orden, der über- dies vom König von Sachsen den BaurathStitel beigelegt bekam. Dann war dieser Herr bei der letzten Reichstagswahl Kandidat der Kon- servativen und Zünftler in Leipzig, ist also in jeder Beziehung zweifelsohne„Ordnungsmann". Neben Mathes stehen im Borstand der fortschrittliche Reichstagsabgeordnete Kämpfer und der Redakteur der fortschrittlichen„Bürgerzeitung" PerlS, nebst mehreren anderen, der gleichen Parteirichtung angehörenden Mitgliedern, endlich auch einige, die als Sozialdemokraten bekannt sind. Letztere bilden aber weder die Mehrzahl, noch ist ihr Einfluß der entscheidende. Unsere Hochwohllöbliche ist freilich anderer Meinung; sie schreibt den Sozialdemokraten die Eigenschaften gewisser Gifte zu, die, in der kleinsten Dosis eingenommen, blitzartig sich in dem ganzen Organismus ver- theilen»nd denselben zerstören. So genügt in den Augen unserer Hoch- wohllöblichen ein einziges Individuum dieser gefährlichen politischen Spezies, um die denkungsfrommste Bereinigung in eine staatsgefährliche Berschwörerbande umzuwandeln. Genannter Verein arrangirte nun kürzlich im alten Schützenhau», jetzt Krifiallpalast genannt, ein großes Fest, dessen Ueberschüsse zur Gründung eines sogenannten Arbeiterheims(Vereinshaus) verwendet werden sollten. Der Tag des Feste» kam und siehe da, lange bevor die Pforten de« Festlokals geöffnet wurden, patrouillirten vor demselben ein Piquet mit Gewehren bewaffneter Soldaten, und, unter höchst eigener Leitung des Polizei-Assessors Hohlfeld und de» alten Döbler, 3—10 unisormirte und besäbelte Schutzleute. Herr Hohlfeld hatte an diesem Tage seine wich- tigste Amtsmiene aufgesetzt und stand mit hoch erhobener Nase auf seinem Posten, als wollte er jedem Einzelnen au» der staunend gaffenden Menge, die sich vor dem Portal angesammelt, sagen:„Siehst Du, was für ein wichtiger Mann ich bin, ohne meine Anwesenheit wäre die gute Seestadt Leipzig heut Nacht die Beute einer dynamitbewaffneten Aufruhrbande. Man muß wissen, daß Leipzig sich noch immer in der schrecklichen polizeipräsidenrenloseu Zeit befindet und die Ueberwachung für das Wohl der guten Seestadt ausschließlich aus den Schultern von Prometheus Hohlseld lastet. Fragt man uns im Ernste, was dieser großes Aussehen machende Aufwand von militärischer und polizeilicher Kraft eigentlich bezweckte, so müssen wir ausrichtig gestehen: wir wissen es nicht. Vcrmuthlich wollte Herr H o h l f e l d zeigen, daß Leipzig am besten thäte, wenn es ihn zum Polizeidirektor wählte. Ihr Korrespondent stand lange vor der polizeilich. militärisch bewachten Pforte und betrachtete vergnügt die verdutzten und überraschten Gesichter der zahlreichen Sonntagspassanten, die kopfschüttelnd sich das Gehirn zer- brachen, was da wohl„Verbrecherisches" sich zuzutragen drohe; da hörte er neben sich einen honett aussehenden Bürger ingrimmig zu sich selbst sagen:„Schwindel, nichts als Schwindel, und den müssen wir be- zahlen!" Ich dachte, Der hat Recht, und trollte mich von bannen. Nachträglich höre ich noch, daß ein höherer Polizeibeamter s ä m m t- l i ch e Redaktionen der hier erscheinenden politischen Zeitungen mit Aus- nähme einer besuchte und diesen anempfahl: weder über da« Fest de« Arbeiter- Fortbildung«- Verein» noch Uber desseu sonstige» Treiben da« Geringste zu veröffentlichen, da der Verein sozialdemokra- tischen Tendenzen huldige. Und die tapferen, charakterfesten Vertreter der„öffentlichen Meinung" Leipzigs sind diesem polizeilichen Wink nachgekommen. Preissrage:„Worin unterscheidet sich die sächsische, speziell Leipziger Polizeiwirthschast von der russischen? U. A. w. g. Bielleicht findet sich im Reichstage oder im sächsischen Landtage die passende Antwort für dieses und noch manche» Andere. Und was sagt die konservativ- fortschrittliche Vereinsleitung zu dieser Art polizeilicher Stempelung, wodurch sie als Statisten zur Deckung der sozialdemokratisch- umstürzlerischen Bestrebungen im belagerungszuständlichen Leipzig gebrand- markt werden." — Müncken, Ende Oktober. Bor Allem für die Münchener Ge- »offen die freundliche Aufmunterung,»icht nur auch ferner für eine au»- giebigc Weiterverbreitung'de»„Sozialdemokrat", der hier sehr stark gelesen wird, zu wirken, sondern auch aus eine gewissen- haste Einlieferung der Abonnementsgelder bedacht zu sein. Am sichersten und wUnschenswerthesten ist es, wenn die Abnehmer den Betrag pro Monat voran« zahlen. Dieser„Sozialdemokra:" macht unserer sehr wißbegierigen Polizei viel zu schaffen. Haussnchungen folgen auf Verhöre, Verhöre auf Haussuchuu- gen, wobei die Oesen sorgsam ausgekehrt, Asche und Kohlen tc. gewissen hast eingepackc und mitgenommen werden, um dann auf ihre Bestandlheile chemisch geprüft zu werden. Und trotz dieser göttlichen Schlauheit noch nicht« entdeckt! Wie taktlos unsere polizeilichen Dreckkäfer umhertappen, zeigte sich jüngst bei einein schweren Unglücksfalle. Der Spengler Adam, ein wackerer Genosse, fiel in Ausübung seines Berufes mitsammt einem Nebenkollegen aus beträchtlicher Höhe vom Gerüste und verschied infolge der erlittenen Verletzungen. Das tiefe Beileid der Gesinnungsgenossen blieb der Polizei nicht geheim, und sie inszenirte sofort eine Haus- s u ch u» g bei dem Verunglückten, die wie alle anderen im Sande verlief. Neuesten« hat unsere Hochlöbliche eine ebenso gemeine als borairte Finte erdacht: weil sie in den verschiedensten Wohnungen niemals etwa« vorfinden konnte, durchstöbert sie jetzt auch»och in den jeweiligen Werk- stälten die Arbeitsplätze der Verdächtigen. Findet sie auch nichts, so hat sie doch wenigstens den Betteffenden dem Prinzipal oder Meister al« „gefährlichen UmfUlrzler" dennnzirt und erreicht dadurch nicht selten dessen Entlassung. Diese rachsüchtige Bosheit ist die Triebfeder der Amts- Handlungen einer„kgl. bayer. Behörde", von deren Unparteilichkeit nicht nur jeder„Unterthan" überzeugt sein muß, sondern welcher jedweder auch Gehorsam schuldet. Das genügt! --...___--_________________________________ Briefkasten der Expedition: Ch. L. Wilmington: Fr. 6. 20& Conto Ab. 2. Qu. und 4. Qu. 82 erh. Weitere» laut P.-K.— Gritsch. O'strß.: Fr.— 70 Ab. Oktbr. erh.— R. H. Halifax: Fr. 5.— Ab. 4. Qu. 2 Ex. erh. Nachlsg. abgeg.— F. G. Bkrst.: Fr. 1. 60 sürZSchrft. erh. Fr. 4, 65 d. Usd. dankend zugewiesen. Sdg. abgeg.— Rthr. Franz. Fr. 6.— ä Conto erh. Sdg. abgeg.— H. R. London: Fr. 176. 40 p. P.-K. und Fr. 18. 75 in M. 15.— erh. und hievon Fr. 123. 90 kr Conto 3. Qu., Fr. 71. 25 pr. Echange gntgebr. Rmtt. eingelr. N. W. folgt, soweit noch da.— Blanc: M. 12.— 4 Conto erh. Schft. abgg. Katalog durch F. mit 44 fort, wieso also Preis am 31./10. unbekannt? L P. P«.: M. 3.— Ab. 4. Qu. erh.— A. Hdk. London: M. 6.— A. 4. Qu. f. S. A. erh.— Kümmeltürke: Brf. v. 3. am 6. erh.— Heim», Oneida: Fr. 20. 75 erh. und nach Vorschr. verwendet. Ab. kostet Fr. 2. 50 pro Qu. nach Amerika, deshalb nur Fr. 12. 75. dem Ufd.„von einigen Rothen" dorten dkd. zugew. Weiteres folgt laut Brf. — Ferd.: M. 100.—»c. pr. R. erh. nnd nach Vorschr. gebucht. Dsgl. Weiteres dort i. gem. Ab.-Cto. gutgeb.— Nr. IL: M. 60.— h Conto alte Rchng. gutgebracht. Brf. vom 4./11. hier.— Schufterle: Mk. 6.— Ab. Nov. erhallen. Gewünschtes folgt.— Dtsch. Verein Bern: Fr. 7.— für die streikenden Crimmitschauer dkd. erh. und besorgt.— H. St. Z.: M. 6.— Ab. 4. Qu. erh Beilage folgt zur Agitation gratis.— Jung- feuer: M. 3.- Ab. 4. Qu.. M. 4.— Cto. Athle. und M. 3.— d. Ufd. dkd. zugew. Bfl. Weiteres.— E. und M. London: Fr. 15.— Ab. bis Ende 82 erh.— Merkurius: Bfl. am 6./11. Gewünschtes abges.— F. Bloch.: Alle« erh. Kukukschrei famo«.— Deutscher Arbeiterverein W'ihur: Fr.— 80 sür die arbeitslosen Weber in Greiz dkd. erh. und besorgt.— a. d. Eider.— M. 45.— 4 Cto. Ab. 4 Qu. gutgebracht. Alles notirt. Gewünschte« folgt.— L. IV.: Bf. v. 2./11. erh. Adr. notirt.— Silberstcin: M. 1.— Schft. tc. f. M. erh. Weitere» geordn. C. Rothkäppler: M. 4. 40 Ab. 4. Qu. erhalt. Wenden Sie sich an die dortigen Vertrauensleute.— W. S. Pari«: Fr.—. 50 f. P. erhalten. Schrft. abgegg. Bei Arbst. Adr. gelöscht.— R. T. Zürich: Fr. 2.— Ab. 4. Qu. erh.— H. Ntzsch.«.•?).: Bf. v. 26./10. hier. Sdg. besgt. Bfl. Weiteres.— Rothkragen a. d. Cislar: M. 12.— p. Ab. 4 Qu. erh. Bs. erwartet.— I. K. Schffhsn.: Fr. 2.-4 Conto Schriften tc. erh.— F. W. Fritzsche. Philad.: Fr. 60.76. Ab. 4 Qu. und Fr. 50. 64 sür die Opfer des Sozialistengesetzes erh. Gruß!— M. St. Pest: öwfl. 2.— 4 Conto Anth. tc. erh. Schft. abges.— F. F. W.: öwfl. 2. 50 Ab.-Zuschlag und Schft. erh.— Fürth: M. 20.— p. Ufd». dkd. erh. — Fürth???: M. 20.— d. Agfd. dkd. zugew.— Peter: Mk. 18.— Ab. Okt. gntgebr. Bfl. Weitere» am 3./11.— Felix: Bfe. vom 26./10. und 7./11. hier. M. 63.— pr. 3 Qu. gebucht. Aszg. war irrig. Bfl. Näheres. Gruß! In unserem Verlag erschien soeben: Deutscher Handwerker- und Arbeiter-Notizkalender 1883. Derselbe enthält neben dem Ächreidkaieadari«» für Tage und Ivoiheu-c. eine Anzahl Gesetze: Sewerhe»rd»»lll»»»elt> Soziilißeiiieseh. Haftpiichtgeseh-c. Ferner zwei T-beleu zir Kerechlliitg de» Sewmdeschlltidtil- auf Zeit. spi»deldretzd»»k> sowie eine Reihe von Nergieichiilgs-»nd Kereihnillgi- tabelle», P«»destim«»»,t» tc. Preis: pro Expl. 50 pfg. oder 65 Et», gegen Baarvorauszahlung. Briefmarken werden in Zahlung angenommen. Wiederverkäufer erhalten bei größeren Posten entsprechenden Rabatt. ZSörlei«& ßo, Weizenstraße 12/14, Nürnberg. Bestellungen nehmen auch entgegen: Volksbuchhandlung und Exped. de« Sozialdemokrat Hottingen-Zürich. Lassalle'S gesammelte Ichristen werden in N e w- D o r k iu Lieserungen 4 4 Bogen herausgegeben. Die ganze Sammlung wird ungefähr 40—45 Lieseruugeu umfassen. Die Unterzeichnete ist bereit, Bestellungen zu vermitteln uud auszu- führen und zwar sür das AuSlaud mit Fr.—.50 pr. Lieferung, für Deutschland Mk.-.50 Psg.. �. Gegen Baar-Vorauszahlung. pranko lür Rabatt I Bisher sind erschienen: Lieferung 1-15. Wegen Bezug au» Amcrika Lieserfrist mindesten» 6 Wochen. Weiter empfehlen wir: Lesebuch sür das Volk. Eine kurzgefaßte und leichtsaßliche Darstellung deS Wichtigsten aus Naturgeschichte und Menschenkunde. Bou Dr. ffleo C. Stirbeling in New-Yort, Verfasser von„Sozialismus und Darwinismus". Preis: Fr. 1.25 oder Mk. 1.— pr. Expl., nur gegen baar. Franko für Rabatt. � Volksbuchhandlung und Exped. de« Sozialdemokrat Holtingen-Zürich. Samstag, den II. Noyember, Abends 8 Ihr, im �ilil IC-il. Cafe Kessler Geschlossene Versammlung der deutschen Sozialisten. Schweijtrijche SenoyenschastSbuchdruckil«, Hettmgeu-Zitrich.