Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag Boltsbuchhandlung Hottingen- Zürich. Bottsendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toften Doppelporto. R: 6. Der Sozialdemokrat 18 samo Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 1. Februar. Jeis an die Abeunenten und Borrespondenten des„ Sozialdemokrat". 80 Da der, Sozialdemokrat sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Berbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns and unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorfit im Boftverkehr nothwendig und barf teine Borsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterfordernis in hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten 36.anements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag unt dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.- für die Schweiz( Kreuzband) Mt. 3. für Deutschland( Couvert) 1 f. 1. 70 für Oesterreich( Couvert Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband) Inserate Die dreigespaltene Petitzeil 25 Gts.= 20 Pfg. 1883. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige dresse außerhalb Deuts glands und Desterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß aus uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trog aller entgegenRehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat" unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Nachtrag zu Oktober und November: Kaffel Mt. 10,-. Desgl. 10,-. Halle 60,-. Verden 12,20. Eilenburg 5,70. Potsdam 20,-. Nürnberg( Sept.) 60,-. Desgl. ( Ott.) 55,-. Ein Dentscher in Genf 120,-.-g Leipzig 2,-. E. Biala 15, O. H. Arnstadt 43,-. Groigsch 2,50. Zwentau 4,40. Groizsch 3,-. Oft II. 8,-. Durch Kampf zum Sieg" 20,-. Dezember: Von den Rothfragen 13,-. Magdeburg 100,-. Frankfurt a. M. 50,-. Lüben i. Schl. 6,05. Potsdam 15,-. Hamburg 300,-. " Nordhausen 11,35. Frankfurt a. D. 15,20. Ulm 6,-. Hannover 18, Gotha 13,-. Brandenburg 10,-. Hamburg 133,90. Chemnitz 15, Minden 50,- Großenhain 4, Brandenburg 7,-. Elberfeld 92,08. Brandenburg 57,40. Dresden 52,-. Löbtau 5,-. Rousdorf 20, Celle i. H. 14,-. St. Johann 8,15. Dortmund 32,30. Großenhain 33,- Eckernförde 11,90. Buchholz i. Erzgeb. d. W. 13,50. Königfteele 4,-. Görlitz 10,-. Nürnberg( Nov.) 40,-. Br. G. 150,- Apolda 22,70. Mittweida 60,-. Ungenannt 895,-. Jn voriger Quittung sind für Mittweida irrthümlich nur Mt. 10, quittirt, während es Mt. 60,- beißen muß. Durch ein Versehen wurde ein im Auguft eingegangener Poften aus Hemelingen nicht quittirt; derselbe betrug Mt. 40,-. Ferner gingen ein bis Mitte Januar: Johannes B. 4,-. C. M. 3. 2,40. Ungenannt in X. 5,40. Reichsmaulwurf Th. i. p. 3,60. Bom Kollegium Chur( Fr. 1,50) 1,20. Genoffen alten Schlages i. Flensburg 11,30. Ans Tönning d. F. 3,10. Weihnachtsgeschent", ges. v. einigen Zigarrenarbeitern bei Straiton u. Storm i. New- Yort, d. R. Carlson( D. 25.-) 101,26. Gera 15,-. " Die alten Tannen" 1,-. Hpl. Chur( Fr. 2,70) 2,16. D. E. B. Berlin 94, Genossen Forst, Unsere Antwort auf die letzte Sozialiftendebatte im Reichstag" 100,-. J. S. Winona 3,68. Deutsche Soz. Winterthur, ges. in der Linde zu Wülflingen( Fr. 5,-) 4,-. G. Sch. in D.-P.( Fr. 1,40) 1,12. Dr. W. in A. 4, Genossen in Cincinnati d. C. Schumann( D. 33,10) 134,08. J. H. H. 3,-. Br. i. Antwerpen-, 56. J. J. in N. o. T. 11, Nr. 500: 1,-. H. B. L.( Fr. 6,25) 5,-. Die alte Garde 1,-. O. M. in A.-80. B. G. Groizsch 5,-.-Straßburg 20,- D. Arb. Bild.- Verein Wthur( Weihnachtsgeschenk)( Fr. 10,-) 8,- Rothfragen u. Gen. a. d. C. 10,-. V. d. Sangeslustigen d. D. Vereins Chur( Fr. 2,75) 2,20. Ulm 1,-(-, 40,-40 und 20). V. einem Freund der Sache 10,-. = " . Pariser Genossen( Fr. 5,-) 4,-. V. einer Spielgesellschaft in Baris( Fr. 2,25) 1,80. B. einer lustigen Gesellschaft d. Verlobten in Baris( Fr. 11,10) 8,88. Parteigen. in London, Antheil am Reinertrag eines Konzertes( Bf. St. 1,1,9) 21,64. Oberrad 2,-. Vergeßt die Berfolgten und Gemaßregelten nicht"( Fr. 1,-)-80. D. Verein Zürich, Abendunterhaltung( Fr. 31,-) 24,80. M. u. Genoffen St. Jmer ( Fr. 8,10) 6,48. Lodernde Flamme" 1,-. Bom Kassier des schweiz. deutschen Landesausschusses( Fr. 300,-) 240.( hiervon schon frither quittirt: Bern Fr. 12,- Bug Fr. 16,40 Mt. 22,72). C. Mz. 3. ( Fr. 1,-)- 80. Ohlau( Jahresabschluß 1882) 11,30. Ohlau drei arme Teufel 3,50. F. K. E. Neuchatel( Fr. 2,-) 1,60. R. Meyer, Newyork, für nicht getrunkenes Bier"( Dollars 1,75) 7,08. Ueberschuß einer fl. Gesellschaft in Newyork( Dar. 5,-) 20,27. B. d. Sozialiften der Südwestseite Chicago( Dar. 24,25) 98,24. B. Butareft 2,-. Tabs durch Piep( Fr. 3,-) 2,40. Die alten Tannen 4,-. Die alten Rebellen in G. 3,40. Genoffen in Amsterdam( Fr. 12,-) 9,60. Genoffen in Brüffel( Fr. 10,-) 8,-. Reutlingen 9,-. Genoffen in Lüttich durch B.( Fr. 7,85) 6,28. Mimis Liebfter" 3,20. Von den Gen. in Jeßniz 4,-. Bon Gen. Sommerfeld 10,-. Zusammen Mt. 3904. 54. Agitationsfonds. Baden i. B. Mt. 10,10.„ Weihnachtsgeschent", ges. v. d. Zigarren arbeitern bei Straiton u. Storm, Newyork, d. R. Carlson( D. 25,-) 101,26. Prof. C. Sch. in M. 9,68. Mertens u. Sons Shop Newy ort d. Berggren( D. 20,-) 81,- Bariser Genossen( Fr. 100,-) 80, Merturius G. i. B. 2, Kopenhagen( Parteibeiträge und Rest von H.) ( Fr. 4,80) 3,24. O. B. Lyon( Fr. 1,25) 1,-. Bon einer Rechthaberin ( r. 1,-)- 80. Lüttich durch B.( Parteibeiträge Fr. 1,30) 1,04. Zusammen Mt. 290. 12. Flugschriften- Fonds. 110 Parteigenossen! Wie schon in Nr. 35 des„ Sozialdemokrat" anläßlich der Mittheilung über die Berathung der Parteivertreter in der Schweiz angedeutet wurde, ist die Veranstaltung einer allgemeinen Parteiberathung für das Frühjahr in Aussicht genommen. Wir richten nunmehr an Euch die Aufforderung, dieser Angelegenheit ohne Zögern näher zu treten und Euch unter einander zu berathen, wie Ihr dieselbe beschicken wollt. Allgemeinste und zahlreichste Betheiligung un serer inner: und außerhalb Deutschlands lebenden Parteigenossen ist erwünscht und dringend nothwendig. Tretet also zusammen, berathet, wen Ihr als Euren Vertrauensmann dazu senden wollt und schafft Mittel. Da das bekannte infame Gesetz uns nöthigt, die Berathung im Ausland stattfinden zu lassen, wollt Ihr hiernach den nöthigen Aufwand bemessen. Ein Zeit opfer von mindestens acht Tagen inclusive Reise müßt Ihr für Eure Vertrauensleute in Rechnung stellen. Wenn es sehr erwünscht ist, daß jeder einzelne Ort, in dem wir eine größere Zahl von Genossen haben, selbstständig vertreten ist, wird dies in Rücksicht auf die Kosten unmöglich sein. Allein die größeren Orte sind verpflichtet, das Opfer zu bringen und selbstständig einen Vertrauensmann zu schicken, die kleineren Orte und ärmeren Bezirke mögen zu gemeinsamer Berathung und Wahl zusammentreten. Parteigenossen! Ein außerordentlicher Fall verlangt außer ordentliche Mittel, das erwägt und richtet darnach Eure Opferwilligkeit. Da aber überall das Spizelthum seine langen Ohren hinhält, um seinen Patronen etwas denunziren zu können, so rathen wir Euch Vorsicht und strenge Geheimhaltung der Namen Eurer Vertrauensleute an. Die Namen der letzteren wollt Ihr uns in der bekannten Weise und unter den bekannten Adressen sofort nach getroffener Wahl, spätestens aber bis Ende Februar anzeigen, worauf dann weitere Mittheilung erfolgt. Für lepteren Zweck ist genaue und sichere Adresse anzugeben. Der gewählte Vertrauensmann muß eine von mindestens zwei uns bekannten Genossen unterschriebene Vollmacht als Aus= weis vorzeigen können. Die vorläufige Tagesordnung für die Berathung werden wir in einigen Wochen mittheilen. Parteigenossen! Auf und frisch ans Werk! Zürich, 25. Dezember 1882. Zur Beachtung. Mehrseitige Anfragen, ob die zur allgemeinen Parteiberathung zu sendenden Vertrauensleute von Organisationen zu wählen find, nöthigen uns zu folgender Antwort: Da unter den heutigen Verhältnissen in Deutschland geschloffene Organisationen, wo überhaupt solche bestehen, nur lokaler Natur sein können, die wir weber zu kennen, noch zu kontroliren in der Lage sind, muß die Frage berneint werden. Es ist Jeder willkommen, der nachweist, daß er im Namen einer größeren Anzahl für diesen Zwed zusammengetretener Parteigenoffen zur Parteiberathung kommt. Der Ausweis wird verlangt, damit wir wissen, daß der Betreffende Parteimann ist und nicht auf eigene Faust kommt. Die gegenseitige Bekannt fchaft der Zusammenkommenden wird dann dafür sorgen, daß tein räubiges Schaf unter die Heerde kommt. Die Redaktion und Expedition des„ Sozialdemokrat". Nach Dresden. Parteigenossen! Eure Polizei hat Euch wahrscheinlich aus Merger über ihren Reinfall mit Spion Schmidt die Deutsche Soz. Wthur( Fr. 1,75) 1,40. Pariser Genoffen( Fr. 5,-) Sammlungen für Beschickung der allgemeinen Parteiberathung Zusammen 5,40. 4,-. Antheilfonds- Quittung. Lübeck Mt. 15,60. Bittan 20,- Flensburg 24,-. Itzehoe 16,-. Mittweida 32,-. Caffel 48,- Hannover 80,-. Fürth 64, Oneida 8, Crefeld 12,-. Reichenbach i. B. 20, Halle a. S. 12 Leipzig 100,-. Paris 4,0-. Paris 4,0-. Olten 4.- Chemnitz 48, Stuttgart 100, Berliner Genossen 150,-. Berliner Freunde 200, B. G. Hanau 40,-. B. Gen. Spremberg 20,-. Borige Quittung 1645. Zusammen 2698. 60 verboten. Dafür können wir Euch mit einer guten Nachricht dienen. Am 29. Januar traf ein Brief aus Meißen bei uns ein, enthaltend einen Hundert Mark Schein mit der Bemerkung: Einliegende 100 Mark als Beitrag an die Dresdner Parteigenoffen für Sendung eines Vertrauensmannes zur Parteiberathung" Ein Parteimann, der es entbehren kann." Der Zufall will, daß ein begüterter Parteigenosse hier auf Besuch ist, der diesen Vorgang erfährt, er übergab uns sofort für den gleichen 3wed 50 Fr.( 40 Mr.) Die 140 Mr. stellen wir Euch zur Verfügung; erlauben uns aber einen Vorschlag. Ihr sammelt 140 Mr. für die Familien der Ausgewiesenen und sendet sie uns. Das kann Euch die Polizei nicht verbieten. Ihr kommt so zu den Mitteln für einen Vertrauensmann, wir zu einem Beitrag für den Unterstüßungsfond, und die Polizei genießt das Nachsehen. Damit ist uns allen Dreien geholfen. Probatum est! Die Expedition des„ Sozialdemokrat". Was sich Berlin erzählt. Wir haben bereits in voriger Rummer dem dahingeschiedenen Prinzen Karl von Preußen einen wahrheitsgetreuen, wenn auch nicht gerade ehrenvollen Nachruf gewidmet. Beides läßt sich eben bei diesen edlen Sprossen des Stammes der Hohenzollern nicht vereinigen, und so fand denn, wie schon so oft, zwischen uns und der gesammten deutschen Ordnungspresse eine Arbeitstheilung dahin statt, daß wir es übernahmen, der Wahrheit die Ehre zu geben, und es jener überließen, Wahrheit und Ehre einem Prinzen zu Liebe preis zugeben. Natürlich ist uns der Mensch an sich, der bei Lebzeiten Prinz Karl von Preußen hieß, sehr gleichgültig, es würde uns also auch sein Tod nicht mehr kümmern, als z. B. der Tod des berüchtigten Einbrechers Böttcherkarl, wenn es eben nicht der Prinz Karl gewesen wäre. Böttcherkarl starb im Zuchthaus, Prinz Karl in seinem Palais; Böttcherkarl wurde ohne Sang und Klang eingescharrt, Prinz Karl erhielt ein pomphaftes Begräbniß mit allen militärischen Ehren an der Spitze des Zuges schritt der höchste Kriegsherr", Kaiser Wilhelm, einher; über Böttcherkarls Tod war in Presse und Publikum nur eine Meinung zu hören, Prinz Karl's Tod wurde von der Presse betrauert, im Publikum, im Volte aber ist von Trauer keine Rede. In der Oeffentlichkeit muß dasselbe zwar angesichts der schändlichen Spionage- und Denunziantenwirthschaft schweigen, im vertrauten Kreise aber, da sagt es Einer dem Andern, was das preußische Volk an dem verstorbenen Prinzen, verloren". Und nicht von Einer, nein von zehn verschiedenen Seiten gehen uns zuschriften zu, in denen Leute, theils Parteigenossen, theils Fremde( Letztere ermuthigt durch Buttfamers letzte Reichstagsrede das hätten Sie wohl nicht gedacht, Exzellenz?) uns Mittheilungen darüber machen ,,, was sich Berlin erzählt". vom Prinzen Karl natürlich. Und eine Zuschrift bestätigt immer den Inhalt der anderen. Dies vorausgeschickt, wollen wir zunächst die von uns in voriger Nummer mitgetheilten Thatsachen auf Grund der obengedachten Zuschriften ergänzen. Ueber die Motive, weshalb Prinz Karl seinen Kammerdiener erstach, erfahren wir jetzt Folgendes: Der Kammerdiener überraschte den Prinzen, als derselbe seine des Kammerdieners halberwachsene Tochter mißbrauchte. Er war so bornirt, das nicht für eine ehrenvolle Herablaffung zu halten, sondern machte dem Prinzen Vorwürfe; der aber verstand teinen Spaß und der Kammerdiener wurde talt, oder wie BöttcherKarl gefagt hätte, still gemacht. Die prinzliche Heldenthat blieb indeß nicht geheim, und ob von oben her in Umlauf gesetzt, oder ob nur ein Erzeugniß der Volksphantafie, wollen wir dahin gestellt sein lassen, im Volksmund hieß es, daß der Prinz auf Befehl des verstorbenen Königs einen hänfenen Strick um den Hals tragen mußte, da er ein todeswürdiges Verbrechen begangen hatte, ohne daß ihn der„ irdische Richter" deshalb an den Kragen faffen konnte. Natürlich hat Niemand den Strick um den Hals des Prinzen gesehen, wohl aber Viele den Verdienstorden an einem Emaillehalsband. Ferner erzählt sich Berlin von dem Prinzen: Ein Herr Liederley hatte zwei reizende Töchter unter 16 Jahren; dieselben gefielen dem Brinzen Karl, der ihnen nachstellte und sie auch durch Geld, gute Worte, ist und Gewalt verführte. Der betreffende Liederley. wollte nun aus diesem Verbrechen pardon! aus diesem prinzlichen Vergnügen, Vortheil ziehen und bedrohte den Prinzen mit Denunziation bei der Deffentlichkeit. Eine Antlage wegen Erpressungsversuch, einige Monate Gefängniß und dann Anstellung des Liederley als Beamten das war das Ende vom Liede. Der Hauptkuppler des Prinzen war der spätere Direktor des„ ViktoriaTheaters", Herr Cerf, ein in Künstlerkreisen wegen seiner Unwiffenheit berüchtigter roher Patron, dessen einzige Beschäftigung eine Zeit lang war, frisches Fleisch" und junges Gemütse" für den Prinzen Karl einzukaufen. Als Lohn für diese Thätigkeit verschaffte Prinz Karl diesem brauchbaren Menschen die Konzession zum Bittoria Theater". Bedingung bei der Konzessionsverschaffung war, daß kein Balletmädchen an dem Theater auftreten durfte, bevor es vor dem Prinzen Revue passirt hatte. Bei solchen Gelegenheiten opferte der Prinz einen ganzen Thaler, und hieß deshalb Jahre lang bei dem weiblichen Personal des Vittoria- Theaters" der Thaler Prinz". " Cerf wurde später wegen seiner Verdienste um die Kunst königlicher Kommissionsrath. Es ist dies ein Titel, von dem der verstorbene Minister Eulenburg einmal sagte: Wenn ein Lump so groß ist, daß man sich sogar schämt, ihn zu adeln, so ernennt man ihn in Preußen zum Kommissionsrath. Berlin aber erzählt sich noch weit mehr: Der eingeweihteste Vertraute des„ Thaler- Prinzen" war der Geheime Hofrath Wedecke. Derselbe aber mißbrauchte das für ihn doch so schmeichelhafte Vertrauen in schmählicher Weise er wollte petuniären Vortheil daraus ziehen, anstatt sich mit dem durchlauchtigsten, höchst ehrenvollen Danke zu begnügen. Das sollte für den Undankbaren verhängnißvoll werden; rechtzeitig aber gewarnt der Warner soll der Schatten des gemordeten Kammerdieners gewesen sein entfloh Wedecke nach Zürich. Er hatte aber seine Rechnung ohne Stieber gemacht, der auch ein Vertrauter des Prinzen war. Stieber reiste nach Zürich, machte mit Wedecke unter einem fingirten Namen Bekanntschaft, veranlaßte denselben in„ Geschäftssachen" mit nach Basel zu reisen, vertiefte ihn, promenirend, in ein interessantes Gespräch auf dem Bahnhofe( es war vor der Grenzregulirung), und da das Bahnhofterrain zum Theil in der Schweiz, zum Theil in Baden lag, so gelang es dem Stieber, den Arglosen auf badisches Gebiet zu verschleppen, wo er von preußischen Häschern ergriffen wurde. Wedecke nicht der Prinz wurde in Berlin wegen Sittlich teitsvergehen angeklagt und in geheimer Sitzung, in welcher nicht einmal nichtfungirende Richter zugelassen wurden, zu Gefängniß verurtheilt. Niemals ist das Urtheil publizirt worden. Nach einigen Tagen fand man Wedecke, unter Umständen, die den Selbstmord ausschlossen, im Gefängniß aufgehängt. Der Mann wußte zu viel. Diese Sachen paffirten in den 40er und 50er Jahren. Anfangs der sechsziger Jahre wußten Berliner Zeitungen von einem Kaufmann zu berichten, der wegen Mißbrauch eines minderjährigen Mädchens angeklagt war und fich zum Beweise seiner Unschuld oder vielmehr dafür, daß das Mädchen nicht mehr unschuldig gewesen sei, auf das Zeugniß eines Prinzen des Königlichen Hauses berief." Ueber den Ausgang des Prozesses verlautbarte nichts weiter. Er wurde niedergeschlagen. Bezüglich der in voriger Nummer erwähnten Jagd des Prinzen auf Ronfirmandinnen, namentlich der in der Nähe seines Palais gelegenen Dreifaltigkeitskirche, waren die betreffenden Prediger durchaus nicht im Unklaren, und sollen sich die ehrenhaften unter ihnen sehr erbittert darüber geäußert haben. Aber ihr Zorn war ohnmächtig, denn die Obrigkeit ist von Gott". Berlin weiß noch Manches vom Prinzen Karl zu erzählen, indeß das Vorausgeschickte mag genügen. Das Gesammturtheil über den Prinzen faßt das Berliner Volk in folgende Worte zusammen:„ Es gibt keinen Paragraphen des Strafgesetzbuches, welchen derselbe noch nicht verletzt hat." " Dieses Urtheil ist ungerecht. Wir wissen nämlich aus sicherer Quelle, daß Prinz Karl weder silberne Löffel gestohlen, noch Wechsel gefälscht hat er hatte das freilich nicht nöthig. Ueberhaupt enthalten die von uns mitgetheilten Erzählungen Berlin's keine für einen Prinzen ftrafbare Handlung. Wäre Prinz Karl bürgerlich geboren ja Bauer, das wäre dann allerdings etwas anderes! Wäre Prinz Karl bürgerlich geboren! Wir haben in voriger Nummer die Antwort mitgetheilt, welche Friedrich Wilhelm IV. selbst auf diese Frage gab: ,, Wären wir bürgerlich geboren, so würde ich wahrscheinlich Künstler, mein Bruder Wilhelm Unteroffizier geworden sein, Karl aber wäre wahrscheinlich im Zuchthause gestorben." Und mit diesem königlichen Ausspruche, der zugleich eine vortreffliche Kritik des monarchischen Systems enthält, wollen wir unsern Artikel schließen. Er faßte eben in knappen Worten alles zusammen, was sich Berlin vom Prinzen Karl erzählt. Die Sozialdemokratie und die AusnahmeGesetze. Aus der Rede Liebknechts vom 11. Januar 1883. ( Dem stenographischen Bericht entnommen.) ( Schluß.) Da kommen denn zunächst die gegen die katholische Kirche gerichteten Ausnahmegesete. Meine Herren, in dieser Beziehung habe ich prinzipiell nichts weiter anzuführen; was prinzipiell gegen ein Ausnahmegesetz zu sagen ist, ist auch gegen das andere zu sagen. Ueberdies hat, als dasjenige unter den Gesetzen gegen die katholische Kirche, welches dem Unverstand wohl am sympathischsten war, das Gesetz gegen die Jesuiten, im Jahre 1874, wo es im Reichstag zur Berathung fam, unser Freund Bebel dieses Gesetz in einer sehr eingehenden Rede bekämpft, welche den Standpunkt unserer Partei gegenüber allen Ausnahmegesetzen und selbstverständlich auch den die katholische Kirche betreffenden zu vollem Ausdruck bringt. Damals schon erklärte unsere Partei durch den Mund ihres Sprechers auf der Rednerbühne des Reichstages, daß wir prinzipiell je des Ausnahmegesetz verurtheilen, und daß wir auch für die katholische Kirche die vollkommenste Freiheit wollen, wenn wir auch nicht auf demselben Standpunkt stehen, wie die katholische Kirche, ja überhaupt einen kirchlichen Standpunkt nicht einnehmen und der Ansicht find, daß der Staat feinen religiösen Charakter haben soll. Und nun zu den Jesuiten. Ich für meinen Theil bin Protestant von Geburt, und auch nicht katholisch geworden, aber ich ge stehe, daß ich die Angst nicht begreife, die in gewissen Kreisen vor dem Jesuitismus besteht. Ich habe die Geschichte des Jesuiten ordens studirt, und dabei bin ich häufig geradezu mit Bewunderung erfüllt worden durch das, was dieser Orden geleistet hat, durch die gewaltigen Ideen, wenn auch meiner Ansicht nach auf falsche Ziele gerichtet, durch die wahrhaft großartige Organisation des Ordens, und durch die Selbstlosigkeit der Mitglieder. Ich muß gestehen, was das geistige Leben betrifft, so habe ich bei den Jesuiten nicht weniger Wissenschaftlichkeit gefunden, als z. B. im Protestantismus, und selbst in solchen protestantischen Kreisen, die noch obendrein sehr mit ihrer Freifinnigkeit tokettiren. Aber, meine Herren, glauben Sie nicht, daß ich ein Anhänger der Jesuiten bin; ich will im Gegentheil den Jesuitismus au 8 rotten, ich will noch viel mehr aus rotten als den Jesuitis mus, aber die Religion und die religiösen Ideen kann man nicht mit Gewalt, nicht durch Ausnahmegesete beseitigen, da muß das Volt erzogen werden, das ist Sache der Schule. Jeder Gedanke und sei er noch so falsch, der gewaltsam bekämpft wird, gegen den man mit brutalen Machtmitteln losgeht, ist stärker als die stärkste Faust, jeder Gedanke die Weltgeschichte zeigt das in Tausenden von Beispielen, den man gewaltsam zu vernichten versucht, stärkt sich durch die Versuche, ihn zu unterdrücken. Die falschen Jdeen, die Utopien zeigen sich erst in ihrer Falschheit und Utopisterei durch die Praxis, die Praxis ist der Prüfstein dafür, ob eine Idee richtig oder falsch ist. " Das haben wir an einem großen Beispiele gesehen, das mich eigentlich in dieser Beziehung zum ersten Male ich will es fagen flug gemacht hat, in den Kämpfen der französischen Revolution gegen die katholische Kirche. Ich habe mich Jahrzehnte lang eifrig mit dem Studium der französischen Revolutionsgeschichte beschäftigt. So lange ich jung war, gehörte ich zu denjenigen, welche glauben, man fönne vermittelst energischer Maßregeln mit der Kirche leicht fertig werden, da lernte ich aber aus der Geschichte der französischen Revolution, wie von dem Moment an, wo die revolutionäre Regierung anfing, den Katholiken in das Gewissen einzugreifen, ihr religiöses Gefühl zu verlegen, der Widerstand gegen die Revolution zunahm, wie die Vendée geschaffen wurde, wie trotz der titanischen Gewaltanstrengungen der Republit, welche obendrein die modernen Jbeen in ihrem Dienste hatte, es doch vollständig unmöglich gewesen ist, der katholischen Kirche, des Katholizismus Herr zu werden. Die„ höllischen Kolonnen" des Konvents, die Diayançais" zogen durch die Vendée sengend und brennend. An der Spize ihrer Bajonnette trugen sie die Ideen der Revolution, glaubten sie, das Recht zu tragen. Wer ihnen entgegentrat, wurde vernichtet, sie rotteten die Gegner aus, und was haben fie ausgerichtet? Tausende und Tausende von eingeäscherten Häusern schickten ihren Rauch zum Himmel, die Vendée war war faft enivölkert, und als der Vertilgungskrieg scheinbar fiegreich beendet war, da waren die Vendéer wieder da, die katholische Kirche stand aufrechtste war unbesiegt. Kurz, mit der Schneide des Schwertes, mit Polizeimaffen, felbst wenn hinter ihnen die großartigen Ideen der französischen Revolution stehen, tann man gegen Ideen, auch wenn diese Ideen falsch sind, nichts ausrichten, geschweige denn, wenn die Jdeen des Junker und Polizeiftaates, die doch wahrhaftig feine modernen Kulturideen sind, und gewiß nicht im Stande sind, irgend Jemand zu begeistern und irgend Jemanden einen Glauben zu er setzen, dahinterstehen. Wir verlangen also ebenso die Aufhebung der verschiedenen Ges.ge gegen die tatholische Kirche als wie die Aufhebung des Gesetzes gegen die Sozialdemokratie. Em drittes Gesez, dessen Aufhebung wir beantragen, ist der fog naunte Dittaturparagraph, welcher Elsaß Lothringen betrifft. Dieser Paragraph ist ein Ausnahmegesetz im schlimmsten Sinne des Wortes. -Bereits im Jahre 1870, als die Frage der Annexion von Elsaß- Lothringen uns im norddeutschen Reichstag beschäftigte, habe ich mit meinen Parteigen offen gegen die Annerion von Elsaß- Lothringen protestirt. Ich sagte damals, die Annexion von Elsaß Lothringen sei nicht bloß ein Verbrechen an der Humanität, ein Verbrechen am Selbstbestimmungsrecht der Völker, sondern sie sei auch auch ein großer politischer Fehler; und ich führte aus, daß das annettirte Elsaß- Lothringen ein Pfahl im Fleische Europas sein werde, daß in Frankreich die Revancheidee erwachen müßte, daß eine Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich auf lange, lange Zeit hin unmöglich gemacht, und daß Frankreich geradezu genöthigt werde, sich mit Rußland zu alliiren, und daß das Gespenst der russischfranzösischen Allianz uns nicht werde zur Ruhe kommen laffen. Damals wurde ich hier im Hause und zwar auf der linken so gut wie auf der rechten Seite ausgelacht. Nun, meine Herren, jezt haben Sie das offiziöse und offizielle Geständniß, daß die Situation in Europa in den letzten Jahren durch die Befürchtung eines russischfranzösischen Bündnisses beherrscht worden ist. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß der Tag, an dem ElsaßLothringen ich will nicht sagen an Frankreich zurüdgegeben wird; denn die Franzosen haben eben so wenig ein Recht, ein Land zu besigen, die Autonomie der Bevölkerung anzutaften, als wir ich bin überzeugt, daß der Tag, an welchem dieser Pfahl nicht mehr im Fleische Europas ist, der Tag, an welchem das Prinzip der Autonomie der Nationen zur Anerkennung gelangt, ein Tag des Segens sein wird für Deutschland und für Europa. ( Bravo!) Da kommt von Zeit zu Zeit so etwas, was man einen„ kalten Wasserstrahl" nennt,„ Krieginsicht- Artikel", wie wir sie z. B. erst neulich erlebt haben, wo plöglich, während Deutschland gerade daran war, nachdem die Krisis so lange gedauert hat, endlich einmal in Frieden ein gutes Weihnachtsgeschäft zu machen, wo dann plötzlich so ein talter Wasserstrahl fam, zwar nicht nach Paris und Petersburg, wo man über diese Kindereien sehr gelacht haben wird, aber auf die deutsche Geschäftswelt. Kindereien? nein, Bübereien, um den richtigen Ausdruck zu gebrauchen! Millionen und Millionen sind durch diese Hezartikel dem deutschen Volke verloren gegangen; und wie viel gewisse Personen durch diese vollständig unbegründeten, geradezu frevelhaften Artikel an der Börse gewonnen haben, das weiß ich nicht, aber der eine oder andere wird vielleicht näheres darüber sagen fönnen. Die Herren, die diese Krieginsicht- Artikel periodisch verbreiten laffendas ist vielleicht das zehnte oder zwölfte Wial- und die außerdem zu den Sprüngen eines gewissen Hofpredigers, zu der antisemitischen Bewegung u. s. w., in einer Art von Patronatsverhältniß stehen, haben meiner Ansicht nach tausendmal mehr Unruhe in der Bevölkerung erzeugt als diejenigen, gegen welche die Ausnahmegesetze gerichtet sind. Man spricht von schneidiger Handhabung". Gut, dann sei man schneidig gegen die wahren Ruheftörer. Wir haben aber nicht gehört, daß man gegen sie eingeschritten ist und hier mache ich Sie auf eins aufmerksam: wann ist die antisemitische Bewegung entstanden? In dem Moment, wo die sozialdemokratische Bewegung unterdrückt wurde. Die ganze antisemitische Bewegung, die eine Schmach für unser Jahrhundert, mag sie in pfäffischer Weise noch so mit christlichem Del übergossen werden, diese Bewegung ist erst möglich geworden unter dem Schutz des Ausnahmegesetzes! Da haben Sie noch eine Frucht des Ausnahmegesetzes! Die freiheitliche Bewegung, die gesetzliche Reformbewegung machen Sie un möglich, und diese Giftpflanzen werden gehegt und gepflegt. Ein Moment der Freiheit und dieser abscheuliche Unfug wird durch die sittliche Entrüstung des Volfes von der Oberfläche weggefegt! Wie schon gesagt, wir stellen uns auf das prinzipielle Gebiet. Das Prinzip ist untheilbar! Der Antrag bleibt so, wie er ift. Derjenige, welcher vielleicht gern für die Abschaffung des einen Ausnahmegesetzes stimmen möchte, aber sich scheut, für die Abschaffung eines anderen Gesetzes, z. B. des Jesuitengesetzes, zu stimmen, derjenige, der vielleicht gern für die Abschaffung des Jesuitengesetzes stimmen möchte, aber nicht für die des Sozialistengesetzes stimmen will, wird durch seine Abstimmung gegen den Antrag einfach zeigen, daß er nicht auf dem Boden des Prinzips der Gerechtigkeit, des gleichen Rechts für alle steht. Man wird möglicherweise der Abstimmung auszuweichen suchen, man wird sagen, es ist keine passende Gelegenheit zu einem Votum des Reichstags. Nun, meine Herren, qui s'excuse, s'accuse, wer sich ent schuldigt, zeigt, daß er nicht für den Antrag ist; wer sich der Abftimmung enthält, stimmt auch! Wir wollen, daß Farbe betannt wird, und wer sich vor dem Farbebekennen scheut und sich drückt - bekundet dadurch genügend um den Ausdruck zu gebrauchen seine Stellung zu diesem Antrag und zu dem darin enthaltenen Prinzip. --In Deutschland, das muß ich allerdings sagen, ist der Haß, der durch das Sozialistengesetz erweckt worden ist, in mancher Beziehung noch tiefer als der Haß, der in Frankreich durch die Mezeleien der Kommune erzeugt worden ist. Es ist eine bekannte Thatsache, daß beständige Nadelstiche, beständige Nörgeleien, systematische Verfolgungen, die sich über einen langen Zeitraum fortsetzen, mehr erbittern, mehr Empörung erzeugen, als die ä gften nach einem heißen Kampf in der Leidenschaft verübten Grausamkeiten. Solche Grausam feiten fönnen weit eher verziehen werden als systematische Berfolgungen, denen, wie es in Deutschland der Fall, kein die Leidenschaften entfesselnder Kampf vorausgegangen ist, die methodisch, in aller Ruhe und mit dem vollkommenen Bewußtsein, daß es sich gar nicht um eine Gefahr für die Gesellschaft handelt, betrieben, wenn Eristenzen zertreten, Tausende und Hunderttausende geächtet, gehetzt furz, so bebandelt werden, als ob sie keine Menschen wären, sondern wilde gemeinsd, ädliche Thiere. Das erzeugt allerdings einen furchtbaren Haß. Die Provinzial Korrespondenz, ein Organ der Regierung, hat einmal gelegentlich der Reformgesetzgebung von dem Fürsten Reichs tanzler gesagt. Der Reichsfanzler tann nicht warten. Das mag sein: er rechnet vielleicht blos mit der Dauer seines Lebens. Wir tönnen aber warten. Wir können es aushalten. Wenn gegen uns haben, so haben wir noch Tausend und einen gegen Sie noch Tausend Schachzig wir werden mit Ihnen fertig. Die Taktik wird bei fortschreitendem Kampf sich allmählich verändern, die Verschiebung unseres Schwerpunktes nach links wird weitergehen, aber die Partei als solche wird durch keine Maßregel, die Sie gegen uns ergreifen tönnen, in ihrer Existenz geschädigt, in ihrem Bestande erschüttert werden; und Jeder von uns weiß, daß wir sie gen werden. Die Mühler der Geschichte mahlen zwar mitunter langsam, aber sie malen sicher. In Frankreich haben wir das zweite des StaatsKaiserreich gehabt. Es wurde geboren mit dem Bürgern, bie das streiches vom Dezember. Tausende von Gesetz gegen die Gewaltthat von oben vertheidigt haben, sind in's Eril geschickt, zu Grunde gerichtet worden. Nun, meine Herren, das Kaiserreich ist gefallen und die französische Republik entschädigt in diesem Augenblid die Opfer des französischen Kaiserreichs. Diese Thatsache zeigt Ihnen recht deutlich die Nemesis in der Geschichte. Wer nach dem Staatsstreich von 1851 vorausgesagt hätte: die Volksvertretung wird einst beschließen, daß die Opfer dieses schmachvollen Verbrechens, der Vergewaltigung von oben, durch den Staat Entschädigung erhalten müssen, dem hätte man vielleicht mit ebenso ungläubigem Lächeln zugehört, wie die meisten von Ihnen mir zuhören werden, wenn ich sage: die Zeit wird kommen wir sind dessen gewiß wo die deutsche Volksvertre tung den Beschluß fassen wird, daß die Urheber des Sozialisten gefeges mit ihrer Person und ihrem Vermögen für das ungeheure Unrecht und für den ungeheuren Schaden, für alle die Frevel, die sie ver. anlaßt haben und die in ihrem Nicht Andere ſollen haftNamen verübt worden sind, haftbar gemacht werden. bar gemacht werden; nicht, wie man in Frankreich gethan gat, soll der Staat die Entschädigung bezahlen, denn ras hieße nur, daß das Volk selbst für den Frevel, der am Volke verübt worden ist, aufzu tommen hätte. Man muß sich an die Schuldigen halten, und Sie tönnen überzeugt sein, in Teutschland wird das Rechtsgefühl der Nation verlangen, daß diejenigen für die Folgen aufzukommen haben, welche für die fluchwürdige Maßregel verantwortlich sind. Und nun, meine Herren, wählen Sie! dem ich übrigens ( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Präsident: Wenn ich den Herrn Redner die weitesten Schranken gelaffen habe recht verstand, so bezeichnete er foe ben ein gegenwärtig geltendes Gesetz als eine„ fluchwürdige Maßregel". Diesen Ausdruck kann ich nicht paffiren lassen. Ich rufe den Herru Abgeordneten Liebknecht deswegen zur Ordnung. ( Bravo!) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1. Februar 1883. Aus dem deutschen Reichstage. Die Spezialberathung des Reichsetats ist von unseren Genossen im Reichstage mehrfach benutzt worden, an verschiedenen„ Reichsinstitutionen" scharfe Kritik zu üben. Sehr schneidig ging am 22. Januar Vollmar gegen die Mißhandlung der Soldaten durch höhere und niedere Vorgesetzten vor. Nach Konftatirung unseres prinzipiellen Standpunktes jeder Bürger Soldat und deswegen jeder Soldat Bürger" Zustand, wo die Soldaten, die sogenannten„ Gemeinen" als Proletarier des Staates erscheinen, entgegenstellte, sagte Vollmar: den er dem heutigen ,, Wenn ich und meine Partei unter den heutigen Umstän den auf das Militärbudget Einfluß hätten, so würden wir jedenfalls die ganze Geld- und Naturalverpflegung der Truppen bei Weitem erhöhen, selbstverständlich mit den nöthigen Abschnitten nach oben hin. Ich glaube, wenn man bei den Geschäften der Herren vom Major an aufwärts gehörig den Rothstift handhabt, würde Geld genug übrig bleiben, um den Soldaten eine wesentlich bessere Stellung zu geben, als fie gegenwärtig haben." Dann bei Besprechung des Kapitels vom höheren Ehrgefühl": " Ich meine nun aber, wenn ein Stand so überaus empfindlich ist im " Ehrenpunkt", so sollte man doch billig annehmen müssen, daß derselbe eine Handlung, welche ich als die infamste betrachte, die ich überhaupt tenne, nämlich die Mißhandlung eines Menschen, der sich nicht wehren kann unbedingt nicht als eine ehrenhafte betrachten würde; ( sehr richtig!) ich habe aber noch nicht gehört, daß irgend eines der Offizierkorps, von denen man so oft hört, daß sie mit dem oder jenem Offizier wegen oft geringer Verflöße nicht mehr zusammen dienen zu können erklären, ich habe, sage ich, nicht gehört, daß ein Offizierkorps erklärt hätte: Wir dienen nicht mehr zusammen mit einem Menschen, der die Infamie bes ging, einen wehrlosen Menschen zu mißhandeln. Nun wurde vorher von dem Herrn Kriegsminister erklärt, daß das verfassungsmäßige Reichsoberhaupt sich fortlaufend Bericht erstatten lasse über die Strafen, welche für Soldatenmißhandlungen ergehen, und Herr von Kameke glaubte in diesem Umftande einen großen Schutz zu erblicken. Ich muß jedoch Herrn Richter darin beipflichten, daß in dieser Berichterstattung keinerlei ernste Garantie liegt." Vollmar schloß mit folgenden Worten: ,, Man spricht so viel von dem hohen Beruf der Vertheidigung des Vaterlandes, von unseren Heldensöhnen, von dem Stolz, der den jungen Deutschen beseelen soll, in das Heer einzutreten u. s. f. Wenn man aber so spricht, dann sollte man doch alles Mögliche thun, damit nicht an die Stelle dieser Gefühle die Furcht tritt, welche diesen wie Sie meinen Stolz nicht aufkommen läßt und verhindern muß, daß die jungen Leute eintreten mit dem Bewußtsein, ihre Dienste dem Vaterlande zu weihen. Wenn die Rekruten aber von ihren Vorgängern erfahren, in welcher Weise der ,, Vertheidiger des Vaterlandes" gedrillt und disziplinirt wird, dann kann wahrhaftig von dem verlangten sittlichen Bewußtsein" nicht allzuviel vorhanden sein. Für mich sind die Soldaten Angehörige des Volkes, auch wenn sie augenblicklich ein anderes Kleid tragen und in der Kaserne wohnen, und als Angehöriger der Arbeiterpartei, der sozialdemokratischen Partei, halte ich darauf, wie für alle Unterdrückten, so auch für die Söhne des Volkes einzutreten. Ich weiß wohl, daß man denselben systematisch ein Bewußtsein zu geben sucht, was dem Volfe entgegensteht, daß man in ihnen einen Begriff großzuziehen sucht, der sie aus dem Volke heraushebt und sie zu einem Körper macht, welcher dem Volke in seinen Bestrebungen feindlich gegenüberstehen soll. Das fann mich aber nicht abhalten, diesen Söhnen des Volkes meine Sympathie zu beweisen. wie es schon Und damit mir nicht wieder entgegengehalten wird wiederholt, namentlich vom Herrn Dr. Windthorst, geschehen ist daß meine Partei sehr häufig die Sache, welche sie vertheidigen will, verderbe dadurch, daß fie in gehässiger Weise vorginge, so kann ich nur erklären, daß es mich freuen sollte, wenn Sie die Waffen, welche uns Beschwerdepunkte, wie die von mir angeregten, gegen Sie geben, in Zukunft aus den Händen winden würden dadurch, daß Sie den Angehörigen des Volkes, die kraft ihrer gesetzlichen Zwangspflicht in das Heer eingereiht sind, eine bessere, menschenwürdigere Behandlung schaffen, als ihnen bisher leider sehr häufig zu Theil geworden ist." Dem feudalen Herrn von Malzahn- Gülz, der sich über die Bezeichnung: Das verfassungsmäßige Reichsoberhaupt" sehr entrüftet geäußert hatte und außerdem die Selbstmorde in der Armee uns in die Schuhe schieben wollte, weil wir den Glauben an den lebendigen Gott den Menschen nehmen", antwortete Vollmar sehr gut: " " Der Herr Abgeordnete v. Malzahn Gülzz hat mir insinuirt, daß ich die Bezeichnung Gemeine" für die Soldaten in einem gewiffen verächt lichen Sinne gebraucht hätte. Das ist selbstverständlich durchaus nicht der der Fall. Wenn man in dem erwähnten Wort einen solchen schimpflichen Sinn entdecken zu können glaubt, so sollte man eben den Soldaten einen anderen Namen geben. Solange aber der ordonnanzmäßige Ausdruc , Gemeiner" ist, muß auch ich denselben gebranchen können. " Zum zweiten hat der Herr Abgeordnete von Malzahn Gülzz bemängelt, ,, verfassungsdaß ich den Ausdruck wie er sagte, das Neutrum mäßiges Reichsoberhaupt" gebraucht habe. Dieser Ausdruck ist vollständig parlamentarisch zulässig; er bezeichnet eine Person, bezw. eine Institution, welche nach der Verfassung„ Oberhaupt des Reiches" ist. Ich kann mir nicht das Recht nehmen lassen, diese Person oder Institution so zu nennen, wie ich es für gut halte, glaube übrigens auch nicht, daß dieselbe durch die Bezeichnung, Neutrum" eine besondere Erhebung erfahren habe. Drittens hat der Herr Abgeordnete v. Malzahn- Gülz behauptet, daß gerade ich und meine Partei dadurch, daß wir den Menschen den Gott rauben" zur Steigerung der Selbstmorde im Allgemeinen und der Selbstmorde in der Armee ganz besonders beitragen. Ich bezweifle, ob es sehr angebracht war, Derartiges hereinzuziehen, denn ich kann ihm darauf zurückgeben, daß nicht wenig Selbstmorde gerade aus religiösem Wahnfinne entstehen. Uebrigens sehe ich in der Bemerkung des Herrn Abgeordneten v. Malzahn- Gülz nur eine Bestätigung des alten Sazes, daß man gerne Sünden bekannter Personen auf eine beliebige unbekannte Größe 011( 1) abzuwälzen fucht." " Zum Marine Etat brachte Blos eine ganze Anzahl Beschwerden gegen das arbeiterfeindliche Verhalten der Werftdirektion in Wilhemshaven vor, die z. B. Arbeiter von über 40 Jahren nicht einstellt, ganz unerhört niedrige Löhne zahlt, ihre Arbeiter politisch schuhriegelt, furz ein wenig einladendes Bild der Bismarck'schen„ Sozialreform" darbietet. Es bilden diese Einrichtungen" sagte Blos,„ die Kehrseite der Medaille zu den hübschen Versprechungen und schönen Schlagworten, die wir mehrfach von den Sizen der Minister zu hören bekommen haben; allein das kann ich Sie versichern, das„ arbeitende Volt", wie sich jetzt der Herr Minister von Butttamer auszudrüden pflegt, fühlt sich ebenso wenig verpflichtet, sich seine politische Gesinnung vorschreiben zu lassen, wie die Angehörigen aller anderen Voltetlaffen." Der Justizetat gab Bollmar Gelegenheit, mit dem bieberen Reichsgericht eine kleine Abrechnung zu pflegen, indem er dessen Verhalten bei den bekannten Hochverrathsprozessen gebührend brand markte. Namentlich die Verurtheilungen politischer Verbrecher zu Zuchthaus fanden ihre passende Kritik. Wir entnehmen dieser Rede zwei Stellen: Run frage ich: wohin sollen solche Grundsäße führen? Und ich frage weiter: glauben Sie, daß Sie durch solche Dinge den„ Geist der Gesetzlichkeit" im Volke bedeutend fördern werden? Jedenfalls steht das Eine feft, für mich wenigstens: wenn die Richter der früheren oder späteren Prozesse, wenn das Reichsgericht glaubt, daß es einen politischen Angeklagten, einen Mann, dessen Vergehen ein Meinungsvergehen ist, das geradezu aus der Ehrliebe und der Selbstlosigteit fließt, wegen der fehlerhaften Wahl seiner Mittel durch die Verurtheilung zum Zuchthaus und die Stellung unter Polizeiaufsicht seine Ehre nehmen tönne wenigstens bei uns Sozialdemokra ten schießt es absolut fehl, da erreicht es gerade das Gegentheil. Selbst Leuten, die nicht zu uns gehören, in Bezug auf die fich jeder Sozialdemokrat sagt, daß ihre Mittel ungeschickt find und auf die von ihnen gewollte Weise nichts zu erreichen sei- selbst solchen Lenten wendet sich unsere Sympathie zu, blos deswegen, weil sie verurtheilt, ftigmatisirt, bestraft worden sind ihrer politischen Meinung wegen! Der Verurtheilte verliert durch derartige Urtheile die Ehre nicht!" -- Der Herr Abgeordnete Dr. Windthorst hat uns mit dem Pathos, das ihn so schön kleidet, vor einiger Zeit erklärt, daß wir der Justiz Respekt schuldig find. Meine Herren, Personen und Institutionen, welche Respett genießen wollen, müssen sich selbst Respett verschaffen! Wenn aber in Prozessen, wie in dem Ihnen vorher charakterisirten Hochverrathsprozesse geschehen ist, ein solcher Abgrund von Infamie vor das Forum des Gerichtes kommt; wenn nach den Worten des Vertheidigers Lewald mit der Justiz in diesen Brozeffen geradezu Komödie getrieben worden ist; und wenn dann ein Gericht den Schleier, welcher über diesen Dingen ruht, nicht zerreißt, sondern geradezu sein Siegel darauf drückt: dann bin ich allerdings der Meinung, daß das nicht geeignet ist, Respekt einzuflößen! Indessen paßt das Vorgeführte vollkommen zu dem System, das wir gegenwärtig haben. Dies ist treffend charakterifirt worden durch die Worte, welche Herr von Puttkamer im vorigen Jahre ausgesprochen hat: daß nämlich derartige Mittel, wie wir sie durch die Polizei u. s. w. ange wendet gesehen haben, Provokationen, Spionage und dergleichen mehr nöthig gewesen seien, solange zivilifirte Staaten eriftirt haben." Meine Herren, nicht in den zivilisirten, wohl aber in allen despotischen Staaten sind solche Mittel allerdings immer noth wendig gewesen. Aber die despotischen Staaten find auch durch derartige Mittel niemals gerettet worden. Um nicht zuweit zurückzugreifen, brauche ich Ihnen blos zwei Namen in's Gedächtniß zu rufen: denken Sie an die Regierung Louis Philipp's und an die Napoleon's III. Sind sie durch ähnliche Mittel gerettet worden? Nein! Und wenn man ' bei uns so fortfährt, so wird man... ( Glocke des Präsidenten) .. auch unser herrschendes Staats- und Gesellschaftssystem wird durch derlei Mittel nicht von seinem Sturz errettet werden! Vizepräsident Freiherr zu Frankenstein: Ich muß den Redner unterbrechen, er hat sich vom Gegenstand der Debatte entfernt. Vollmar: Ich bin auch zu Ende." Und dem Herrn Karl Braun, der zwar die Spionagewirthschaft u. s. w. sehr drastisch geschildert, aber das Reichsgericht selbst reinzuwaschen gesucht hatte, sowie dem ultramontanen Fuchse Windthorst antwortete Vollmar in einer Replik: " Der Herr Abgeordnete Windhorst hat mir zum Vorwurf gemacht, daß mein Vortrag ein„ einseitiger" gewesen sei. Wenn ich mit diesem Bortrag wie bei allen anderen strenge von dem Standpunkte meiner Grundsätze ausgegangen bin, so kann ich dem Vorwurf natürlich nicht entgegentreten; fann ihm auch sagen, daß wir für alle Zukunft nicht auf eine Vielseitigkeit reflektiren, wie wir sie in der neueren Zeit namentlich beim Zentrum bewundern. ,, Weiter hat Herr Braun dem dahingeschiedenen Obertribunal etwas spät ein Denkmal gesetzt. Ich habe hierauf nicht weiter einzugehen und auch nichts dagegen zu sagen, wenn Herr Braun das Obertribunal in Schutz nimmt vor einem Vergleich mit dem Reichsgericht. Wenn dann weiter gesagt wurde, daß das Reichsgericht in seinem Erkenntniß in dem ersten großen Hochverrathsprozeß sich nicht habe dupiren laffen von den Polizeimachenschaften, so habe ich zunächst nicht das Gegentheil behauptet. Ich freue mich indessen, daß die Thatsache tonstatirt worden ist, denn ich kann natürlich von meinem Standpunkt nur die Schlußfolgerung daran knüpfen, daß sein Verhalten dann um so schlimmer ist.". Beim Reich seisenbahnamt trat in sehr energischer Weise Kayser für die unteren Eisenbahnbeamten ein und protestirte dagegen, daß man die großen Eisenbahnunglücke auf diese abzuwälzen suche, anstatt die Schuldigen da zu suchen, wo sie sich in Wahrheit befinden, namentlich bei den Herren, welche die niederen Beamtenproletarier mit Arbeiten überbürden. Auch verschiedene Schlagworte der Konservativen wie Liberalen, die Sonntagsfeier, das Staatsbahnsystem und die Lage der Landwirthschaft betreffend, wurden von Kayser zurückgewiesen. Soviel über die Thätigkeit unserer Abgeordneten. Was die sonstigen Debatten anbetrifft, so ist als charakteristisches Faktum aus derselben die von Vollmar konstatirte„ Vielseitigkeit" der Zentrumsmänner hervorzuheben. Man kann auch sagen, Vielf ar bigteit. Nachdem die Herren in allen möglichen Farben geschillert, tragen fie jetzt ein Schwarzweiß zur Schau, das nichts zu wünschen übrig läßt. Beim Militär- Etat spielten die klerikalen Junker Schorlemer- Alst und Ballestrem den Fortschrittlern gegenüber die Rolle der freiwilligen Regierungskommissare mit ebensoviel Eifer als Unverschämtheit. Man mag über die Eugen Richter'schen Etatsreben sonst denken, wie man will, jedenfalls muß es das Recht eines jeden Abgeordneten sein, überall, wo das Voltsintereffe in Frage kommt, Kritik anzulegen; die Herren der Partei für„ Wahrheit, Freiheit und Recht" geberdeten sich aber wie rasend, als Richter es wagte, verschiedene von den Fa ch leuten längst gerigte Uebelstände zur Sprache zu bringen. Die Bevorzugung des Adels im Offizierftande, die Aufrechterhaltung der sehr kostspieligen und dabei geradezu zwecklosen Kürassierregimenter und des reinen Luruszwecken dienenden Berliner Garde wurden als Dinge hin gestellt, über welche die Volksvertretung kein Recht habe, der Armeeverwaltung dreinzureden. Die Tradition in der Armee muß beibehalten werden als ob nicht schon viele Kriege trot oder gerade wegen der Erhaltung von solchen Traditionen verloren worden seien. Nun, uns kann es nur Recht sein, wenn diese Herren den reaktionären Pferdefuß immer deutlicher zu Tage treten laffen. Die rheinisch- westphälischen Arbeiter werden ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben. Darüber in nächster Nummer mehr. Professorenservilität. Wohl Jeden, der die wissenschaft. liche Literatur fritherer Jahrhunderte studirt, überkommt das gleiche Gefühl tiefsten Mitleids, wenn er sieht, wie ganz besonders im lieben Deutschland die erleuchtetsten Denker und Philosophen gezwungen waren, um die Gunft der Großen zu betteln, die Früchte jahrelangen Forschens irgend einem Fürsten vor die Füße zu legen, der sich in den Armen seiner Mätreffen über sie luftig machte, weil er sie nicht verstand. Tiefes Mitleid empfinden wir namentlich mit jenen Denkern, von denen wir wissen, wie schwer fie unter einer solchen Erniedrigung litten, wie fich ihr ganzes Jnnere dagegen empörte, wenn sie die Wissenschaft, die ihnen eine hehre Göttin war, in Ansprachen und Huldigungsakten, zur Dirne der Fürsten erniedrigen mußten. Ist es heute anders geworden? Freilich; ob aber besser, das ist eine andere Frage. Heute sehen wir die Leuchten der Wissenschaft vor den Fürsten nicht gezwungen, sondern freiwillig friechen, getrieben nicht von der Sorge um ihre Existenz, sondern von der Hoffnung auf ein rothes Bändchen, auf ein gnädiges Lächeln. O, auch Das könnte Mitleid erregen, aber dieses Gefühl wird zurückgedrängt durch den Etel, der sich unserer bemächtigt, durch den Zorn, der uns erfaßt, wenn wir eine so hundsjöttische Charakterlosigkeit sich breitmachen fehen. " Da hat neuerdings wieder einmal Herr Dubois- Reymond in Berlin das Bedürfniß gefühlt, zu zeigen, daß er nicht blos das Zeug zu einem tüchtigen Phyfiologen hat, sondern auch zu einem ausgezeich neten oder, was hier dasselbe sagt, niederträchtigen Lataien. Auf einem Balle des Vereins Deutscher Studenten" eine notorisch antisemitisch feudale Verbindung brachte vor einigen Tagen ,, Seine Magnifizenz", Herr Dubois ist nämlich zur Zeit Rektor, wie das „ Deutsche Tagebl." berichtet, einen Toaft aus auf die akademische Jugend, das, geistige Leibregiment der Hohenzollern". Seine Magnifizenz knüpfte unter dem Beifall der Festtheilnehmer an die Uebernahme seines ersten Rektorates an, die am Tage der Schlacht bei Weißenburg 1870 stattfand. Er habe damals in seiner oft erwähnten Rede die Berliner Universität das geistige Leibregiment der Hohenzollern genannt. Das sei ihm zwar sehr verdacht worden, aber er bleibe dabei und lehre in diesem Sinne sein Glas auf das Gedeihen der Universitas litterarum Berolinensis." M So infam dieser Ausspruch an sich ist, so infam es namentlich war, ihn in dieser Gesellschaft von Strebern und bornirten Junkersöhnchen zu thun, so kann doch die Charakterlosigkeit, die er verräth, ihrem ganzen Umfange nach nur von Dem beurtheilt werden, der die Verhältnisse der Berliner Universität kennt. Es war nämlich gerade Herr Dubois Reymond, der Jahre hindurch in Berlin vergeblich um Erweiterung der Universität, um den Bau eines physiologischen Laboratoriums gekämpft hatte, dem von hohenzoller'scher Seite damals erwidert wurde, man habe für die Erweiterung weder Geld noch Platz. Das Geld wurde für das Militär verwendet, den Platz, der damals in Betracht kam, brauchte die körperliche Leibgarde der Hohenzollern, die zur Landesvertheidigung ganz überflüssige, sehr theuere Garde du Corps für ihre Pferde. Erst als die Milliarden in's Land kamen, wurde nach vielem Unterhandeln der Bau des Laboratoriums durchgesetzt. Wir wissen von einer, Herrn Dubois sehr nahe stehenden Persönlichkeit, daß der jezige geistige Leibgardist der Hohenzollern damals gedroht und auch im engsten Kreis den Entschluß befundet hatte, in's Ausland zu gehen. Dann wolle er aber den Herren die Wahrheit sagen". Nun, es kam anders, Herr Dubois ist in Preußen geblieben, hat eine prachtvolle Amtswohnung bezogen und sagt den Herren" unterthänigste- Artigfeiten. Sein allergnädigster Herr aber ist noch der Alte geblieben und äußert fich, wenn man ihm von den geistigen Leibgardisten spricht, weg werfend:„ Sehr schön; aber meine strammen Jungens vom Garde'corps mit ihrem Helmbüschen und Quasten sind mir doch lieber." Uns auch! Thu' mir nichts, ich thue Dir auch nichts- so rufen sich auf der Straße Jungen zu, wenn sie zu feige find, miteinander anzubinden, und„ Thu' mir nichts, ich thu' Dir auch nichts", das ist der Sinn eines Schreibebriefes des alten Wilhelm an den Papst Leo, der in diesen Tagen zur Erbauung des deutschen Volkes von der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht wurde. Aber die Zeit, da das Volk, entgegen der Sozialdemokratie, noch an den Kulturkampf glaubte, ist vorüber, man weiß jetzt, daß es sich nur um Herrschaftszwecke handelt, und daß man heute bereits einig ist, die Herrschaft über das Volk friedlich zu theilen darum konnte der Brief im günstigsten Falle ein mitleidiges Achselzucken erregen. Mögen Journalisten und Fachpolitiker aus des altersschwachen Wilhelm kraft und saftlosem Brief herauslesen, was sie wollen, beim Volke heißt es: Der alte Schwindel zieht nicht mehr. " Die Eidesfrage macht in neuester Zeit wieder von sich reden. Der antisemitisch reaktionäre Pfaffe apte hatte vor einem jüdischen Richter den Eid nicht ablegen wollen, weil sein Gewissen" ihm gebiete, nur vor einem Chriften Gott anzurufen. Die Liberalen sind darüber sehr erbost, aber die Logik ist unstreitig auf Seiten des christlich sozialen Heuchlers, ganz gleich giltig, ob dieser woran in der That gar kein Zweifel möglich mit seiner Weigerung nur einen Angriff auf die Gleichberechtigung der Juden bezweckte. Entweder ist der Eid ein religiöser Akt, und dann muß ein wirklich gläubiger Christ allerdings nicht sehr angenehm berührt sein, wenn er vor einem jüdischen oder gar +++ freidenkerischen Richter seinen Christengott anrufen soll und vice versa, oder aber der Eid ist ein bürgerlicher Akt, und wozu dann die Phrase: so wahr mir Gott helfe"? Den Kundigen verhindert sie doch nicht, eventuell einen Meineid zu leisten, und dem Unwissenden kann man die Bedeutung des Eides besser klar machen als durch eine so nichtsfagende Redensart. Die konservativen Ultras haben mit Rücksicht auf den Fall Hapke einen Antrag eingebracht, daß Christen, Juden 2c. auf Verlangen den Eid vor einem Geistlichen ihrer Konfession sollen ablegen dürfen. Das flingt sehr tolerant, ist in Wahrheit aber, weil praktisch nicht durchführbar, auch nur eine Finte; man will den Richtern womöglich ein orthodor christliches Glaubensbekenntniß abverlangen. Das werden die Herren also nicht durchsetzen. Aber sie haben den Stein in's Rollen gebracht, und deshalb werden, wenn Andere es nicht thun, hoffentlich unsere Abgeordneten die Gelegenheit beim Schopfe packen und Abschaffung des religiösen Eides beantragen. Die Chancen find nicht ungünstig, und es wäre ein famoser Wig, wenn die frommen Herren auf diese Art wider ihren Willen Veranlassung gegeben hätten zur weiteren ,, Entchriftlichung des Staates". Prinzliche Passionen. In dem christlich- germanischen tönigstreuen Deutschen Tageblatt" finden wir folgende Notiz: " Die Sammler sind eine ganz eigenthümliche Spezies von Menschen und jeder von ihnen geht beim Sammeln seine besonderen Wege. Einer eigenthümlichen Neigung folgt z. B. ein bekannter Prinz eines bekannten großen Fürstenhauses. Er sammelt die Porträts aller jenen Damen, welche zu Fürst lichkeiten seines Hauses in Beziehung(!) gestanden haben. Ihre Bilder schmücken in langer Reihe das Schlafgemach des Junggesellen. Freilich den Menschen, den Prinzen, fesselten diese Erscheinungen mit den tragischen Konflikten, die sich an ihre Spuren in der Geschichte hesten, wohl weniger als den dramatischen Dichter, welcher eine dieser Gestalten in seinen Dichtungen aussprechen läßt, was sie vor dem poetisch gestaltenden Blick rechtfertigt: Abhängig muß ich bleiben sung " Bon meiner Liebe, sie kann mich erretten, Den Himmel mir erschließen oder mich Auf ewig elend machen, mich zerstören!" Die Moral, die Welt urtheilt hart über sie, der Dichter ent schuldigt sie!" In der That, ein echt dichterisches Bergnügen, diese lange muß in der That sehr lang sein- Gallerie der Opfer hohenzoller's cher Wolluft. Denn nach der Schlußbemerkung tann gar tein Zweifel sein, daß es der Prinz Georg von Preußen ist, der diese eigen thümliche Neigung" hat. Es ist übrigens sehr hübsch von ihm, daß er in seinen Boefien jene Frauen entschuldigt, welche die Moral, die Welt verdammt", verdienstvoller wäre es, die Männer anzut lagen, welchen die Moral, die Welt" Alles erlaubt. Daß den Prinzen als Menschen" diese Erscheinungen weniger fesseln", glauben wir nach dem, was die Welt von Prinz Georg's sonstigen Passionen sagt, ohne jeden Rückhalt. Es ist das aber ein Thema, über wel hes man nicht gern spricht. Judeß, Lakaien plaudern Wan hes aus, und so erfahren wir vielleicht auch einmal, daß i gend ein liebenswürdiger Prinz desselben Hauses Revanche genommen und zur Damengallerie des Prinzen Georg das Gegenstück angelegt hat. Würde auch recht lang werden und den Beweis liefern, daß, wenn ein Hohenzoller wirklich einmal kein Militär, er doch zum Mindesten ein großer Soldatenfreund ist. - zum Thema: Beamtentorruption erhalten wir aus Kaufbeuren folgende Zuschrift: Vor ca. 3 Jahren wurde zur Adaptirung der Kreisirrenanstalt Jrsee von Kreisbauassessor Maron und von Regierungsrath Schmalix in Augsburg ein Mensch Namens Becker, seines Zeichens Steinhauer, zuletzt verdorbener( bankerotter) Bauspekulant, als Bauführer dort installirt, welcher es sich seit dieser Zeit über Alles angelegen sein ließ, die jetzigen, für die Arbeiter so ungünstigen Zeitverhältnisse für sich auszunüßen. Nicht nur, daß er die Arbeiter mit wahren Hungerlöhnen abfertigte, es war auch u. A. die noble Einrichtung getroffen, daß der Samstag am Ende der Woche nicht mehr ausbezahlt wurde, was viele austretende Arbeiter um diesen Taglohn brachte, da nicht jeder tagelang in Jrsee bleiben und von Pontius zu Pilatus laufen konnte, um diese paar Nickel zu erhalten. Auch sonst suchte dieser hochmüthige Mensch auf jede Weise zu zeigen, daß die Arbeiter seine Untergebenen seien und sich nicht mucksen dürfen. So mußten dieselben beispielsweise am Samstag stundenlang unter dem Portale stehen und auf die paar Mark warten, ehe sie den Heimweg, der bei vielen über eine Stunde lang ist, antreten konnten. Für die Zeit der Adaptirung wurde in der Anstalt provisorisch eine Schreinerwerkstätte etablirt, in welcher noch 4-5 Schreiner arbeiten. In dieser Werkstätte ließ nun besagter Becker für sich nach und nach heimlicher Weise eine ganze Hauseinrichtung anfertigen, und wurden die solchergestalt in Arbeit befindlichen Gegenstände, sobald Besuch des Verwalters oder Direktors von Kaufbeuren aus zu erwarten stand, sorgfältig versteckt, da von letzteren solche Be- schäftigungen nicht geduldet würden. Auch die beiden Gönner Becker's, Schmalix und Maron, gingen natürlich nicht leer aus, und manches schöne Stück aus dieser Werkstätte wanderte nach Augsburg. Diese Herren haben sich dann auch diesem brauchbaren Menschen erkenntlich gezeigt, indem sie es bei den Herren „ Landräthen"( nachdem jetzt ein Bauführer überflüssig ist und Beck sonst nirgends untergebracht werden konnte) durchsetzten, daß derselbe als fünftes Rad am Wagen für die Anstalt als ständiger Techniker" angestellt werden durfte, jedenfalls mit sehr gutem Gehalt. " Der Rechnungsführer der Anstalt Jrsee, Schrödel, hält ein Küchenmädchen auf der Straße an, durchsucht dessen Taschen, und als er ein Würstchen findet, das es sich am Munde abgespart hatte, um es seiner Mutter zu bringen, veranlaßt er dessen Entlassung; von diesen Sachen aber, die täglich um ihn herum vorgehen, sieht der Herr nichts. Ja Bauer, das ist ganz was Anderes: man darf den Teufel nicht bei seiner Großmutter verklagen! Wir übergeben diese Sachen hiermit der Oeffentlichkeit, damit das Volk sieht, daß nur noch die Sozialisten den Muth haben, solche Dinge an's Licht zu bringen. Warum wir das nicht in der hiesigen Tagespresse gethan haben, hat seinen Grund darin, daß den hiesigen Blättchen über der Gier nach Verdienst jede Opposition gegen Leute, bei welchen etwas herausschaut, zuwider ist. Wenn es sich um einen armen Teufel handelt, welcher bei den jetzigen gesellschaftlichen Zuständen herunterkommen mußte, den würde besonders der Tagblättler schön prügeln. Bei ,, Denen" hat es keine Gefahr, die abonniren doch nicht und geben auch sonst nichts zu verdienen. Kommentar überflüssig. Mehrere Arbeiter. 3ur kapitalistischen Entwidelung. Aus Sachsen berichtet man dem„ Norddeutschen Wochenblatt": Die Handelskammer in Plauen ist jetzt selbst in der Lage, erklären zu müssen, daß die Handweber seit den letzten Jahren fast ganz auf den Aussterbe- Etat gesetzt worden sind. Man hatte nämlich bis in die neueste Zeit hinein behauptet, daß die Handweberei in bestimmten Zweigen noch Aussicht auf Erfolg habe, so die Mullweberei, weil der feine Mull nur auf Webstühlen hergestellt werden könne. Nun aber verwendet man eben diesen Mull nicht mehr, sondern lediglich den Maschinenmull, der viel billiger ist. In der Zwickauer Gegend ist allerdings noch eine große Anzahl von Handwebern auf baumwollene Stoffe beschäftigt, doch ist der Lohn seit einigen Jahren um 10-15 Prozent gesunken, so daß auch dort die Handweber bald schon verschwinden werden. Die Maschine hat also die Handarbeit verdrängt, ohne und das allein ist zu beklagen- den Maschinenarbeitern eine leidliche Stellung zu verschaffen. Der Beweis ift hier aber wiederum gegeben, daß der Handwerker, der selbstständige Arbeiter immer da an der Konkurrenzunfähigkeit zu Grunde geht, wo die Großproduktion sich irgend einer Branche bemächtigt. Deshalb ist alles Zunftwesen, aller Jnnungszwang abgesehen von ein paar Kunsthandwerkern eitel Humbug und kann den Handwerkerstand nicht erretten. Ueberhaupt wird es nicht lange mehr dauern, daß man von einer Handwerkerfrage nicht mehr spricht, da dieselbe nach und nach in der Arbeiterfrage aufgeht. Recht und Gerechtigkeit in Preußen. Aus Hannover wird uns unterm 25. Januar geschrieben:„ Ich will Ihnen heute einen kurzen Bericht über einen Prozeß geben, welcher zwar nicht unsere Partei betrifft, aber unsere skandalösen Justizzustände so grell beleuchtet, daß er im Parteiorgan, welches ja die Sühnung des verletzten Rechtes und die Geißelung der Frevler am Recht zur Aufgabe hat, erwähnt werden muß. Jm vorigen September verurtheilte das hiesige 2 andgericht den Welfen Metjen, Chefredakteur der hier erscheinenden„ Deutschen Volkszeitung", wegen eines Artikels, der angeblich eine Majestätsbeleidigung enthalten sollte, zu zwei Jahren Gefängniß! Das Neue an diesem Prozeß war, daß der Präsident des Gerichtshofes, Landgerichtsdirektor Haate aus Ostpreußen, bei Eintritt in die Verhandlung die Anklagerede hielt, so daß der Staatsanwalt der sattsam be tannte Isenbiel sich einfach auf die Rede des Gerichtspräsidenten bezog; und daß der Gerichtshof in seinem Loyalitätsfanatismus über den Antrag des Staatsanwalts hinausging, der sich blos zu 1½ Jahren verstiegen hatte. Metjen hat nicht appellirt, weil er keine Luft hatte, seine Haft noch um ein halbes Jahr zu verlängern. Denn die Zeit bis zum Entscheid des Reichsgerichts wäre ihm nicht angerechnet worden, und bis jezt ist es noch nicht vorgekommen, daß das Reichsgericht ein vom hiesigen Landgerichte in einem politischen Prozesse gefälltes Urtheil aufgehoben hätte. Ein Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus, und wer gegen den Teufel bei deffen Großmutter Hilfe sucht, ist sprichwörtlich verloren. " Nun muß ich aber auch das corpus delicti vorlegen, damit Jeder für sich urtheilen kann. Die inkriminirte Stelle betitelt sich:" Betrachtungen an Königs Geburtstag", ist zuerst im Stuttgarter Beobachter" erschienen, behandelt die preußische Annexionspolitik und schließt mit folgenden Worten, welche zu der Anklage und Verurtheilung Veranlaffung gegeben haben: ,, Wenn unter dem Druck des jetzt herrschenden Einschüchterungssystems Niemand mehr zu reden wagt, mögen Fahnen und andere Zeichen es sein, mit denen man gegen Abfall, gegen Fälschung des Volksgeiftes protestirt. Deutschland über Alles! rufen auch wir: aber Deutschland unter dem Banner deutscher Treue und Freiheit, und nicht unter dem Banner schwarzweißen Bureaukratismus und Militarismus." Durch die gesperrten Schlußworte soll, wie der Gerichtspräsident in seiner Anklagerede erklärte und der Gerichtshof annahm, indirett ausgesprochen worden sein, daß der deutsche Kaiser, oder König von Preußen, welcher nach dem Verfasser des Artikels den schwarzweißen Bureaukratismus", das Gegentheil von deutscher Treue" vertrete, d. h. wortbrüchig, heimtüdisch, verrätherisch u. f. w. sei. Wäre dieses juristische Taschenspielerstückchen der indirekten" oder ,, konstruktiven" Majestätsbeleidigung nicht schon Dutzende und Dutzende von Malen durch servile Richter verübt worden, so könnte man wirklich glauben, die Hannöver'schen Landrichter seien wenigstens gescheidte Leute. Gegen die Arbeitsbücher haben wieder eine ganze Anzahl Bersammlungen stattgefunden, über welche uns zum Theil ausführliche Berichte vorliegen, so aus Köln, Erfurt, Rendsburg, Hamburg 2c. Raummangels halber müssen wir uns für heute darauf beschränken, zu konftatiren, daß überall die Reden unserer Genoffen mit größter Begeiste rung aufgenommen und energische Resolutionen gefaßt wurden, die von der entschloffenen Gesinnung der Arbeiter Kunde geben. Aus Berlin, 26. Januar, schreibt man uns: Den Parteigenossen im übrigen Deutschland und auswärts ist bekannt, daß gegen Ewald seit längerer Zeit bedeutendes Mißtrauen herrscht. Von der Rolle, welche derselbe in der hiesigen Gewerkschaftsbewegung spielte, foll hier nicht geredet werden: genug, er entwickelte unleugbar eine große Geschicklichkeit und wußte unter sehr schwierigen Verhältnissen so zu operiren, daß der Verdacht gegen ihn zwar Nahrung, aber keine feste Grundlage erlangen konnte. Als Herr Ewald nun Ende des vorigen Jahres mit seinem Zeitungsprojekte fam, wurde der Verdacht mächtig gestärkt. Die Genossen sagten sich: Zu einem täglichen Blatte gehören Mittel, welche die Arbeiter jetzt nicht aufzubringen vermögen; außerdem ist das Blatt auf Gnade und Ungnade der Polizei preisgegeben, die es bei dem ersten freien Wort unterdrückt; Ewald muß also über Mittel gebieten, die nicht aus Arbeiterkreisen stammen, und jedenfalls der Duldung der Polizei sicher sein. Gegen dieses Naisonnement war wenig einzuwenden; Dank der Schlauheit Ewald's und gewissen Umständen, die nicht erwähnt zu werden brauchen, kam es nicht sofort zum Bruch. Die Angelegenheit wurde aber auf's Genaueste geprüft und das Material für und wider sorgsam gesammelt, auch Ewald in die Lage versetzt, fich vertheidigen zu können. Das Ergebniß ist, daß die Partei mit Ewald jede Verbindung gebrochen hat und jede Solidarität mit ihm ablehnen muß. Konnte auch nicht der positive Beweis erbracht werden, daß Ewald im Solde der Herren Madai und Stöcker stehe, so ist doch soviel unumstößlich festgestellt, daß er den Parteigenossen gegenüber verlogen, unehrenhaft gehandelt und die Partei zu mißbrauchen versucht hat. Hierüber kann kein Zweifel obwalten. Das Belastungsmaterial ist erdrückend. Ob Ewald direkt von Madai, Stöcker und Kompagnie bezahlt ist das, wie gesagt, kann nicht entschieden weiden; wohl aber haben wir positive Beweise dafür, daß die Madai, Stöcker u. Cie. ihn als ihr Werkzeug betrachten. Es ist ja möglich, daß Ewald die polizeilich- hofpredigerliche Protektion nur benutzen wollte, um sich in Berlin zu behaupten, und daß er auf eigene Rechnung er ist sehr ehrgeizig mit der ,, Reaktion" und der Sozialdemokratie spielen wollte, indeß, das ändert an der Sache nichts, und auch in diesem, dem für ihn günstigsten Falle wäre das Verfahren Ewald's nicht zu rechtfertigen. Dies wurde von den Genoffen erwogen und die Entscheidung einstimmig getroffen. Erwähnt soll blos noch werden, daß die Angriffe der fortschrittlichen Preffe auf Ewald das Urtheil in teiner Weise beeinflußt haben. ( Im Moment, wo ich schließe, erfahre ich, daß Herr Ewald sein Blatt hat eingehen lassen da er von den Sozialdemokraten erkannt" war, hatten seine Herren Gönner auch kein Intereffe mehr daran, Geld in das Blatt zu stecken.) Warnung. Wie man uns mittheilt, wird in Nord- und MittelDeutschland im Auftrag Bremer und Hamburger Häuser stark zur Auswanderung nach den Sandwichs- Inseln angeworben, und zwar meist auf festen Kontrakt hin. Wir warnen hiermit alle Arbeiter dringend, auf die Vorspiegelungen solcher Agenten nicht hineinzufallen. Mögen fie fich namentlich nicht durch scheinbar hohe Löhne verleiten lassen; der Geldwerth, bezw. die Kaufkraft des Geldes ist durchaus von der in Deutschland verschieden, und wenn gewisse Nahrungsmittel auch verhältnißmäßig billiger find als bei uns, so find dagegen sehr viele andere, für jeden Europäer im dortigen Klima unentbehrliche Gegenstände ganz unverhältnißmäßig theurer. Zudem find die Verhältnisse meist derart, daß der Einwanderer, auch wenn in seinem Kontrakt nichts davon vermerkt ist, sofort nach seiner Ankunft in ein Schuldverhältniß zu den Großhandelshäusern geräth, das ihn in unbedingte Abhängigkeit von diesen bringt. Um frei zu werden, racert er sich ab und erliegt um so eher dem ungewohnten Klima. Die Anwerbung wird deshalb mit so großem Eifer betrieben, weil die chinesischen Arbeiter, die bisher dorthin importirt wurden, nicht mehr mitmachen wollen. Was die Chinesen sich nicht gefallen laffen, dazu hält man die deutschen Arbeiter für gut genug. Also Vorsicht, Vorsicht und noch einmal Vorsicht! Ungarn. Am 6. Februar verläßt nach zweijähriger Haft unser Genosse Leo Frankel das Gefängniß Waizen. Er war im ,, Lande der Preßfreiheit" von Geschworenen wegen Abdrucks eines für Deutschland bestimmten sozialrevolutionären Flugblattes zu der unerhörten Strafe von anderthalb Jahren Gefängniß verurtheilt worden, zu der noch mehrere Monate Haft an Stelle einer Geldstrafe kamen. Unsere Budapester Genossen wollten Frankel ein demonstratives Empfangsfest bereiten, derselbe hat aber alle Ovationen auf das Entschiedenste abgelehnt. Ein herzliches Willkommen dem bewährten Kämpfer für die Sache des arbeitenden Voltes! Frankreich. Das schmachvolle Lyoner Urtheil hat in den Arbeiterkreisen toloffale Erbitterung erregt. Tag für Tag bringen die sozialistischen Blätter weitere Protestrefolutionen gegen das Urtheil und Solidaritäts- und Sympathieerklärungen mit den Verurtheilten. In dieser Beziehung gibt es teine Fraktions- und Sektendifferenzen. Einen Gradmeffer für den Ernst dieser Sympathieadressen geben die Sammlungen zu Gunsten der Verurtheilten und deren Familien ab, welche im Berhältniß zu früheren Sammlungen zu ähnlichen Zwecken ganz außerordentlich günstige Resultate ergeben. Die Berfolgungen gegen die Sozialisten dauern übrigens fort. In Montluçon wird demnächst der Prozeß gegen unsere Genoffen Guesde, Lafargue und Bazin wegen erfolglos gebliebener Aufreizung zu Raub, Plünderung und Gewaltthätigkeiten" beginnen; in Lille ist unser Bruderorgan, der Forçat", der noch jüngst wegen Fabrikanten beleidigung zu Gefängniß und Geldstrafe verurtheilt worden war, wegen des gleichen Verbrechens" zu 100 Franken Geldbuße und 600 Franken Entschädigung verurtheilt worden. " In demselben Blatt finden wir eine Erklärung der Gewerkschaft der Baumwollenspinner von Lille, worin diese mehreren englischen und belgischen Gewerke- und Fachvereinen Dank für Unterstützung während des letzten Streits fagt. Die Internationale Arbeiter- Assoziation lebt trog alledem und alledem! " Der Prolétaire" bringt eine Schilderung der Lage der streifenden Borzellanarbeiter von Limoges. Die Löhne belaufen sich auf durchschnittlich 2 Fr. 50 Ste. bis 2 Fr. 75 Cts, pro Tag. Und dabei sind die sehr häufigen Stockungen und Ausfälle nicht berücksichtigt! Die Streifenden finden allgemeine Sympathie, und wenn es auch eine Bourgeoisente ist, daß die englischen Trades- Unions ihnen 150,000 Fr. Unter ftützung bewilligt hätten, so find ihnen doch schon namhafte Unterstützungen aus England zugefloffen. In der Prinzen, bezw. Prätendentenfrage ist noch nichts entschieden, Doch dürfte den Herren wenig Leide zugefügt werden, Dank den Intriguen ihrer guten Freunde und dem Doktrinarismus gewisser, Radikaler". Korrespondenzen. -Aus dem fächsischen Erzgebirge. Die Barteiverhältnisse find hier noch die alten, aber die Industrieverhältnisse sind so ganz und gar traurige, daß mehrere Genossen der genußreichen Anregung unseres Organs entsagen müssen. Wenn jemals ein Agitator unsere Gebirgsgegend bereisen würde, resp. in alle Hütten schauen könnte, so würde er sagen, daß er es fich so traurig, so armselig, so jämmerlich elend doch nicht vorgestellt hätte. Hierorts wird meiftens das Spitzenklöppeln und die Nähgorlarbeit betrieben; und diese Arbeiten, die früher größtentheils von Frauen und Mädchen verrichtet wurden, werden jetzt auch von Männern verrichtet. Die schön gefertigten Spizen von Seide u. dgl, in welche sich die Bourgeoisie gesellschaft büllt, haben einen so geringen Arbeitsertraa, will sagen Arbeits lohn, daß die Verfertiger kaum die geringen von Wolle tragen fönnen. Eine tüchtige Arbeiterin kann es gegenwärtig nur auf drei, vier oder im ganz hoben Fall auf fünf Mart pro Woche bringen, aber woblgemerkt, eine Arbeiterin, die nichts Anderes betreibt und vom frühen Morgen bis Abends 10, 11 und auch 12 Uhr an der Arbeit sitzt. Während so in Folge diefer Ueberanstrengung der Körper gebrochen wird, leidet der Arbeiter Hunger, und von Zeit zu Zeit trägt man Leute zu Grabe, von denen es einfach heißt: Lungenschwindsuchts- Typhusund Auszehrungsleichen". Der Druck, den die beutige Bourgeoifte( bier die großbürgerliche Spitzenbandlungsfippe) ausübt, trifft aber auch die Zwischenhändler, die unseren Ideen und Brinzipien fernfteben. Diese müssen sich von dieser Bande ebenso behandeln laffen wie die meisten Arbeiter. Eine andere Kategorie von Arbeitern find die Dienstboten. Der Dienstbote ist ein förmliches Laftthier. Von früh Morgens bis spät in die Nacht hinein, vom Montag bis Samstag ohne Rub' und Raft, muß unter dem Joche der schwersten Arbeit bei einem Hundelohn von 3-4 Mark und einfachster Roft ein Knecht sein Leben unter den bittersten Verhält nissen fristen. Warum aber, mird Mancher fragen, solche schlechte Löbne? Liegt es am Bauer? Daraufbin ift zu antworten: Nein! Der Bauer selbst muß ein eingezogenes und einfaches Leben führen, er muß allen Genüffen des Lebens entfagen, er darf die Natur, die schöne Erde 2c. nicht kennen lernen, dafür sorgt in raffinirter Weise unser herrliches Staatssystem mit seinen Stenerlaften. Es ist geradezu unglaublich, daß das Volk sich noch so treten und fnechten läßt, und es wird endlich Zeit, daß wir uns erbeben für unsere Sache, damit dem Treiben der Bolte betrüger und Müssiggänger ein schleuniges Ende bereitet werde. Tobe, rafe, wilder Sturm! Lod're Flamme, die mich brennt! Wie? Ist dem zertret'nen Wurm Auch das Krümmen nicht vergönnt?" Toben und rafen wird einft der Sturm, wenn das arbeitende, das gedrückte und gefnechtete Volk unter die Fahne der Befreiung sich schaaren wird dann möge gerecht und fattfam über das heutige Ungeziefer gerichtet und es für die Zukunft unschädlich gemacht werden. Mögen die Genossen auswärts agitiren, daß unsere Jdeen recht bald zur Verwirk lichung gelangen und es Allen veraönnt ist, menschenwürdig zu leben. Streben wir daher auch in diesem nenen Jahr wieder darnach, unseren Sieg einige Schritte näher zu rücken! Allen Genossen ein frohes und thatt räftiges Neujahr! Bei der am 27. Dezember stattgefundenen Gemeindrathswahl brachten unfere prinzipientrenen Genoffen in Königswalde den Genoffen Gustav Mann fiegreich in und aus der Wahlurne. Glückauf! Glückauf! B. G. A. - Löbtau- Dresden. Die verfl- irten Sozialdemokraten! Schon wieder hat eine der zuverlässigften Kräfte" im Gemeindeamte springen" müffen, und zwar auf Antrag der sozialistischen Gemeinderathsmitglieder, denen es gelungen ist, den Betritgereien deffelben auf die Spur zu kommen. Der Bursche heißt Mendler, er batte die Armenunterstützungen auszuzahlen, hat aber mehr verrechnet, als er ausgezahlt hat. Armes Löbtau, es ist wahrlich kein Wunder, wenn Dir die Schulden über den Kopf wachsen und Deine Einwohner nicht mehr wissen, wie sie die Steuern aufbringen sollen! Denn Teine Verwaltung ist in der That türkisch. Wenn jetzt Tank dem energischen Eingreifen des Gemeinderatbes im Laufe eines Jahres bereits drei Beamte wegen Untreue suspendirt werden mußten, mie mag es erst damals bergegangen sein, als die ganze Leitung der Geschäfte noch in den Händen einer freundschaft lichen Klique sih befand! Zablen und Thatsachen sprechen: so hat sich jetzt herausgestellt, daß der frübere Gemeindevorstand Krülle 17,000 Mark Schulgelder zu Bauzwecken vermendet hat, die aber durch Stehenlaffen seines Gehaltes wieder ausgeglichen wurden", insoweit nämlich Belege vorhanden sind, er muß aber trotzdem noch etliche Tausende Mark herausbezahlen. Ferner bat der Baumeister Poble beim Schulbau 1000 Mart zuviel bekommen, die er natürlich zurückzahlen muß. Auch der Ortsrichter Leischner hat einige Boften, wenn auch kleinere Beträge, zu„ berappen", während der Vorgänger Krülle's und ehemalige Restaurateur Knöfel auch noch 100 Mart zu ,, berichtigen" hat. Letzterer Herr meinte gar in naiver Weise, diese paar Mark tönne ihm die Gemeinde schenken. Selbstverständlich! Die direkten und indirekten Diebstäble, die feit 15 Jahren am Gemeindesäckel ausgeführt worden sind, soll die Gemeindeverwaltung auch noch belohnen. Der verstorbene ebemalige Schulvorstand Bröger hat Schulbangelder zum Ankauf von Zigarren verwendet, so daß nach dessen Tod seine Frau die Beträge ratenweise abzahlen mußte. Und alle diese Herren waren und sind„ Ordnungsmänner". Und daß die Sozialdemokraten den Stein des Anstoßes in's Rollen gebracht, der nunmehr Alles mit sich fortreißt, was mit ihm in Verbindung ftebt, diesen Erfolg spricht ihnen heute Niemand mehr ab. Und dies ist gut so! Ein Unverbesserlicher. Gaggenau( Baden). Am 9. Dezember 1882 wurde der harmlofe Ort Gaggenau durch Haussuchungen nach sozialistischen Schriften in große Aufregung versetzt. Die Veranlassung hiezu war folgende: Ein in Karlsruhe unter Kreuzband aufgegebenes, an Hermann Luck aus Subl, Büchsenmacher dabier, adreffirtes Packet, Flugschriften mit der Ueberschrift: Noch ein Wort zur Aufklärung", enthaltend, wurde in Karlsruhe beschlagnahmt, und es erschienen daher am 9. Dezember 1882 ein Polizeikommissär und ein Kriminalbeamter mit zwei Schußleuten von dort, zwei Gendarmen und zwei Ortsangehörigen von hier, also ein Aufgebot von acht Mann welche das Ausgangsthor der Fabrit, sowie die Wohnung des Luck bewachten. Bei Luck wurden einige alte Nummern des„ Sozialdemokrat" gefunden. Die Haussuchung bei zwei andern Arbeitern war refultatios. Laut ausgestellten Haftbefehls wurde Luck nach Karlsruhe abgeführt, einigemal verhört und nach fünf Tagen auf ausdrückliches Verlangen wieder auf freien Fuß geftellt. Kaum hier angekommen, wurde Luck mit einer zweiten Haussuchung bedacht, jedoch ohne gewünschtes Resultat. Ein mit Luck in Feindschaft lebender Nebenarbeiter, Karl Kopp, Eisendreher, gebürtig im Oberamt Bag( 18 ber Denunziation ſehr ( Württemberg), welcher aus verschiedenen sehr naheliegenden Gründen verdächtig erschien, wurde sofort von seinem Nebenarbeiter zur Werkstatt himans, die Stiege hinunter geworfen und fand es für gut, Gaggenau fofort zu verlassen. Wie ich soeben erfahre, ereilte ihn das gleiche Schicksal in Karlsruhe, wo Kopp hernach in Arbeit stand. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemerken, daß auch hier eine Versammlung wegen Stellungnahme zur Einführung der Arbeitsbücher stattfand, und eine Petition gegen Annahme dieser Arbeitsbücher, mit weit über 200 Unterschriften bedeckt, an den Reichstag gesendet wurde. _? Winterthur. Der Deutsche Arbeiterbildungsveerein hat in seiner Generalversammlung vom 6. Januar beschloffen: " Von Neujahr ab steuert der Deutsche Arb.- Verein pro Monat und Mitglied 10 Cts. zum Allgem. Unterstütungsfond, ferner gibt derselbe Fr. 10,- als Weihnachtsgeschenk zum Unter fügungsfond, welche sofort eingesandt wurden.( Bravo! Es lebe die Organisation! Die Red.) Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands.odat Organisation in der Schweiz und dem übrigen Ausland. Beim Landesausschuß sind zum Unterstützungsfond folgende Beiträge eingegangen: Deutscher Verein Frauenfeld Fr. 10,-. Mitgliedschaft Baden Fr. 2,-. Mitgliedschaft Chaurdefonds Fr. 3,85. Zusammen: Fr. 15. 85. sid binder Warnung Unterzeichneter Verein warnt hiermit nachdrücklichst vor dem BuchFerdinand Hübschmann, angeblich aus Dresden, thatsächlich aus Kamenz. Derselbe hat hiesige Vereins- und Parteigenossen mittels lügenhafter Vorspiegelungen empfindlich geprellt und ist spurlos verduftet. Hübschmann ist 25-30 Jahre alt, von mittlerer Größe, schlank, hat einen dünnen Hals, schielt, trägt eine Brille und ist von sehr einnehmenden Manieren. Wir machen alle Brudervereine und Parteigenoffen hiermit auf diesen Schwindler aufmerksam, und bitten, falls ihnen über Hübschmann's Aufenthalt etwas bekannt wird, um allfälligen Bescheid. Deutscher Arbeiterbildungsverein Winterthur. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden jetzt mit Einladungen zu Volksversammlungen förmlich überschwemmt. Nach Möglichkeit wird den Einladungen Folge geleistet, allein mitunter läßt es sich beim besten Willen nicht machen, entweder weil die Versammlungen zu früh anberaumt sind, oder weil keiner der Abgeordneten zur anberaumten Zeit frei ist. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß die Parteigenossen sich rechtzeitig mit den Abgeordneten in Verbindung setzten und erst nach Uebereinkunft mit ihnen die Versamm lungen anberaumten, oder doch wenigstens dafür sorgten, daß die Abgeordneten acht Tage vor dem festgesetzten Tag Nachricht erhielten. Briefkasten der Expedition: K. B. Rbg.: Mt. 4,80 Ab. 1. Qu. erh. Einverstanden. Der alte Rothe: Mt. 7,40 pr. Ufds. dkd. erh. stehe Spezialattg. Rother Xam: Fr. 19,50 à Сto. Ab. 1. Ou. Schft. u. - B. I. 2c.: p. Usds dkd. erh. Aufstellg. stimmt so nicht. Bitten Genaueres senden. P. G. Kopenhagen: Fr. 3,90 Nov., Dez. u. Jan. P.-B. erh. Fr. , 90 v. H8. Rückstand. P. Gen. Brüssel: Fr. 10,- pr. Ufds. dtd. erh. Felix: Mt. 54, Ab. 4. Qu. d. St. erh. Rtlg.: Mt. 35,90 Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Gottlieble: Mt. 8,60 Ab. 1. u. 2. Qu. pr. dir. Bf. erh. B. G. Reutlingen: Mt. 9,- pr. Ufds. dkd. erh. Karl Wormser: Mt. 64,- pr. Schft.( u. 3. Qu.) erh. B. G. Stutt gart: Mt. 100,- pr. Anthl.- Cto. dkd. erh. Weitere folgen. G. D. Lyon: Fr. 2,50. Ab. 1. Qu. erh. D. B. Lyon: Fr. 5,- Ab. 1 u. 2. Qu. erh., Fr 1,25 d. Agfds. dkd. zugew. Fr.-, 75 f. Annonce. Bf. enthielt nur 28 Marken à 25 Ct., also Fr. 7,- und nicht Fr. 9, wie Sie angeben. C. L. St. Gallen: Fr. 4, Ab. 4. Qu. 82 und 1. Qu. 83, sowie Fr.-, 25 Cts. à Cto. Schft. erh. Kümmeltürte: Fr. 10,75 pr. 1. Qu. 83 für 2 dir. durch 2. St. G. erh. Mimis Liebster: Mt. 3,20 pr. Ufds. dkd. erh. Gewünschtes demnächst. Mt. 150, à Cto. Ab. erh. E. F. i. P.: Mt. 4, Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Jm Weiteren nach Wunsch. Roderich: Mt. 5,- pr. 1. Ou., Schft., sowie Expreßsendg. verwendet. Merkurius G. in B.: Bf. v. 28/1. erh. u. Adr. nach Wunsch geordnet. Ferd.: Bf. v. 29/1. eingetroffen.- W. Wblgr. Ffeld: 1,60 für Schft. erh.-W. D. Lausanne: Fr. 26, Ab. 1. Qu. u. Flgschr. erh. Sog. mit 5 abgeg. Rosa Beck: Mt. 100,- à Cto. erh. Bf. angenehm. Agst. Bf. v. 29/1. erh. Liegt an der Zwischenhand. X. Y. Brfe. erh. Wird Alles besorgt werden.- P. B. T.: Mt. 3,- Ab. 1. Qu. erh. Weitere Mitthig erwartet. M. W. Payerne: Fr. 2, Ab. 1. Qu. erh. Liège: Fr. 3, Febr. u. März erh. Weiteres siehe Fondsquittung. M. † H.: Mt, 119,20 à Cto. eingetr. Bf. erwartet. J. O. Paris: Fr. 1, pr. Jan. erh. G. u. 1.: Mt. 47,30 Ab. bis Ende 2. Qu. mit E. verrechnet. W. St. Jt.: Mt. 2, Ab. Febr. u. März erh. Gracchus F.: Mt. 140,30 à Cto. Ab. erh., ebenso mit Mt. 74,70 altes Conto beglichen. B. Gen. Brüssel: Fr. 4,80 pr. Ende Nov. bis Jan. 83 erh. Gewünschtes abg. Rothschwanz: Mt. 8.- à Cto. Schft. erh. J. R. war schon fort. Berliner Jule: Fr. 4,10 Ab. 4. Qu. 82 und 1. Qu. 83 erh. Gruß! --W. Ich ersuche die Parteigenossen, keine Briefe oder sonstige Sendungen an meine Adresse zu schicken, bis ich meine neue Wohnung angebe. Glasgow, 26. Januar 1883. 1.00] Ernst Köhler, 81 Glebe Str. II. Berthold Müller, ift gebeten, seine Adresse seinem 2yoner Freunde recht bald einzusenden. [-, 75 bez.] Zur Beachtung! New- York Arbeiter- Fortbildungsverein Derselbe versammelt sich jeden Montag in Jean Grosz's Hamburger Hall 176 Ost 3. Street. 1.00]( 7) Der Vorstand. Verlag des ,, Sozialdemokrat" In unserem Verlage ist erschienen und durch uns sowie durch die Volksbuchhandlung in Hottingen zu beziehen: Programmbroschüre ( Was die Sozialdemokraten sind u. was sie wollen). 1 Bogen 80 broch. 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