Krschewt W»ch»»tltch ZSrich(Schweiz) »«!,» „t-Zürich. P»ßst«>U»»t« sc«»»» gegkn franco Sewihnlichr Briefe »ach der Schwei, koste» Doppelporto. Der SoMldemoKrat >entrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. �£*dtuments| werden bei allen schweizerischen Pastbureaux, sowie beim Verlag und desten deiannien Agenien entgegengenommen und zwar zum »»rauch zahlbaren LIerteljahrzprel» von: Fr. 2.— für die Schweiz Ml. sür Deutschland«kouvertf st. l. 70 für Oesterreich«louvert Fr. 2.50 sür alle übrigen Länder de, Weltpoftvereini sltreuzbandf ? u s e r» t l Die dreigespalten- Peiitzeil 25 St». 20 Pfg. N: lO. Z>onncrstag, 1. März. 188S Juri««i Sie A»»»» eiltt»»,ü de«„Äoiiaidemskrit' Da der.Sozialdemolrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen »ehbrden stch alle Müh- aeben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern mbglichst zu erschweren, resp.»riefe von dort an uns »nd.'nitre Zeitnngs» and ionstigen Sendungen nach dort abzufangen, so i» d'e äußerste vorficht im V oft: erlehr nothwendig und darf.'eine vorstcheimastregel versäumt werden, die«ritsmardtr über den wahrer Absender und«mpfänger, sowie den Inhalt »«r Sendungen zu täuschen, und letzter« dadurch zu schützen. H-upterf-rderniz ist hiezu einerseit», daß unsere Freunde so selten als mbglich an den.Sozialdemolrat', resp. desten Verlag selbst adresstren, fondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige tzldrefft außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche ZuftellungSadreffen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt stch behufs größerer Sicherheit hietomnandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen- Setzenden Schwierigleiten den.Sozialdemolrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Stjugnehmend auf die seitherigen Lekanntmachllllgen, die Allgemeine parteiberathung betreffend, ersachen wir Euch nochmals, die nöthigen Sorkehrnngen baldigst treffen in wollen. Nor Allem ist nöthig, die Namen der fiir die Narteiberathnng bestimmten Nertranensmäniler schlennigst ons ans den Euch bekannten Ulcgcn mitilltheilen, damit wir denselben znr rechten Zeit nähere Weisnag zukommen tasten können. Eine deutlich geschrieöeue sichere Adresse, an wen die die betreffende Weisung gelangen soll, ist beizufügen. Zürich. 1. Mär; 1883. Die Redaktion und Expedition des„Sozialdemokrat". Das Märchen vom„sozialen Königthum". In der berühmten Berliner Arbeiterversammlung oom 8. Januar dieses Jahres suchte Herr Stöcker u. A. auch den Hinweis auf die Großariigkeit des„sozialen Königthums* der Hohen- Zollcrn als Trumpf auszuspielen. Allerdings, wie aus dem Be- richt ei sichtlich, mit vollständigem Mißerfolg; die politisch ersah- reuen Berliner Arbeiter lachten den Beichlvater des alten Wilhelm derart aus, daß der sonst so gewandte Demagog vollständig außer Fassung gerieih. Es heißt in dem Bericht: Stöcker:„Den Arbeitern kann nur geholfen werden, wenn sie wieder zur Religion zurückkehren und Königstreue üben.(Rufe: Das ist nicht wahr.) In welchem Theile der Welt ist den Arbeitern jemals mehr geboten worden als in der bekannten kaiserlichen Boljchast.(Oho! Lärm.) Ein Parteiführer kann den Ar beilern wohl mehr versprechen, aber nicht durchführen. Ganz etwas Anderes ist es aber, wenn ein König den Arbeitern zu helfen vcrspiicht, dann stnd alle königlich gesinnten Leute für diese Hilfe.(Großer Lärm.) Warum verschmähen Sie denn die Hilfe des Königs? Sie werden doch nicht etwa glauben, daß durch Revolution etwas zu erreichen sei.(Großer Lärm.*) Das gleiche Lied, wie es hier Stöckcr vergebens anstimmte, ist zu unzähligen Malen in der ganz- und halboffiziösen deutschen Presse angestimmt worden. Nicht blos alt-, neu-, frei-, deutsch-, sozial- und der Teufel weiß, was noch für konservative Blätter, sondern auch sogenannte„liberale* Organe, wie z. B. die „Konstanzer Zeriuiig*, die„Nürnberger Presse* u. s. w. ver- kündeten begeistert die Mär vom sozialen Königthum der Hohen- zollern, priesen die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1881 als das Evangelium einer neuen sozialen Aera. Wie Recht aber die Berliner Arbeiter mit ihrem Hohngelächter hatten, wie sehr das„soziale Kölligthum* mit Allem, was drum und dl an hängt, nur eitel Humbug ist, daS hat sich jetzt in evidentester Weise im preußischen Landtag offenbart, und zwar bei der Diskussion der famosen Steuerreform. Da hat es sich gezeigl, w i e alle königlich Gesinnten folgen, wenn ein König den Arbeitern Hilfe verspricht. Umgekehrt wurde ein Schuh daraus. Die königlich Gesinnten sagten: Geld geben ist nicht, und oer König leistete ihnen in der Gestalt seine« Finanz- Ministers Heerfolge und erklärte: Ja, was zu viel ist, ist zu viel; die höheren Einkommen mit einer progressiven Einkommensteuer zu belegen, das ist ja der helle— Kommunismus. Sie sind außerordentlich lehrreich, die Debatien vom 21. und 22. Febiuar im Hause der Abgeordneten zu Berlin, in denen es sich um die belühmie Abschaffung des SteuerexekulorS handelte. AlS Ausgleich gegen die die untersten Klassen unverhältniß- mäßig belastenden indirckien Steuern sollten jetzt die vier untersten Steue, klaffen von direkten Steuern ganz befreit, die oberen dagegen stäiker herangezogen werden. Was geschah indeß? Die „töingötreue* Kommission des Abgeordnetenhauses beantragte, vorläufig nur die zwei untersten Sieuerstufen(bis 900 Mk. Ein. kommen) gänzlich, die andern beiden aber nur lheilweise zu ent- lasten und empfahl betreffs der zukünfligen Regelung der Klassen- und Einkommensteuer eine Resolution, in welcher die progressive Einkommensteuer stillschweigend eskamotirt wird. Dieser Resolution war die Zustimmung des Hauses und der Regierung von vornherein gesichert, deshalb erhoben stch gegen sie mit sur�lbarem Geschrei der konservative Sozialdemagoge o. Hammerstein und der Psalmist des sozialen Königlhums, Her Adolph Wagner. Mit E'sterem, dessen Komödienspiel szu durchsichilg war, als daß auch nur eine Seele darauf hinein- gefallen wäre, haben wir uns hier nicht zu befassen; um so mehr iniercsfirt uns Herr Wagner, der Erfinder des famosen Patri- mouiumS der Enielblen. Od Herr Wagner ein Reptil ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, sicher aber ist, daß ei ein Prachzexemplar von Amphibium>st. Die Doppelzüngigkeit ist diesem Menschen zur zweiten Natur geworben, eine natürliche Folge der ihm als deutichen Professor eigenthümlichen Feigheit. Herr Wagner möchte sich gern auf die Massen und die Regierung stützen, aber— o wehe!— in dem Augenblick, wo er seine auf die Massen berechnete Rede vom Stapel ließ, wo er nach alter Ge- wohnheit das soziale Königthum auftischte, wurde ihm mit dürren Worten aus.inandergesetzt, daß im Landtag, wo die Herren„unter stch* sind, derartige„Phantasien" keinen Zweck haben; vergebens richtete Herr Wagner, da ihm die Massen, aus die er sich hätte berufen können, fehlten, seine Blicke Hilfe- suchend nach der Regierung seines Herrn und Meisters. Die- selbe überließ ihn lächelnd seinem Schicksal, den Herren Windt- Horst, Rickert und Hänel, die ihn voll Wuth zerzausten, und verabfolgte ihm Tags darauf zum Dank für seinen Eifer den landesüvlichen Fußtritt. Herr Wagner hatte sich auf die„herrliche deutsche kaiserliche Botschaft* gestützt, in der„in prächtigem Lapidarstyl" anerkannt sei, daß„die arbeitenden Klassen Anspruch auf die Hilfe des Staates haben", daß der Staat nicht nur eine nothwendige, sondern auch eine wohlthätige Anstalt" sei. Was erhält er da- rauf zur Antwort? Windthorst erwidert ihm und zwar mit vollem Recht:„WiS in der kaiserlichen Botschaft steht, das unter- schreibe ich wörtlich, aber führt sie denn zu irgend welchen klaren Resultaten?(Abgeordneter Wagner: O, ja!) Also Herr Wagner ist der Meinung, daß man mit allgemeinen Sätzen konkrete Fragen entscheiden kann. sSehr gut!) Ich sage ihm, ein Manchestermann kann die kaiserliche Bo tschaft un t erschrei b en, ohne etwas von seinen Grundsätzen aufgeben zu müssen". Und Rickert, der bisherige Manchestermann, erklärt auch richtig:„Wir sind gleichfalls für die kaiserliche Botschaft, es kommt nur darauf an, wie man sie versteht." Die Regierung aber sitzt dabei und— schweigt. Ja, TagS da- rauf heißt es in den offiziösen„Berliner politischen Nachrichten", die im Verlage der„Norddeutschen Allgemeinen* erscheinen: „Noch deutlicher trat am heutigen Tage jene maßlose, unklare, bis an die Grenze kommunistischer An- schauung abirrende Grundtendenz der spezifisch Ber- liner Gruppe in der konservativen Fraktion in den Reden Pros. Adolf Wagner's hervor. Wird hier nicht bald eine mäßigende Kraft bemerkbar, so dürften der kon- servativen Fraktion üble Erfahrungen nicht erspart werden." Kann man deutlicher rede»? Schwerlich. Man lese nur nach, wofür Herr Wagner eigentlich eingetreten war. Er hatte seinem Schmerz über die Ablehnung des Tabakmonopols Aus- druck gegeben, sowie der Resolution Hammerstein das Wort ge- redet, nach welcher„bis aus Weiteres" auf die großen und größten Einkommen ein Zuschlag von 15— 25 Prozent zur bisherigen Steuer erhoben werden sollte, d. h. im Maximum eine Er- höhung der Steuer von 3 aus 3'/� Prozent— auf die Einkommen. Und dieser lächerlich unbedeutende Aufschlag, der lange noch nicht an das heranreicht, was in anderen Ländern die Besitzenden schon längst zahlen müssen, wird als„maßlos", als„kommuni- stisch" bezeichnet! Wo bleibt da die Bereitwilligkeit der„königs- treuen" Leute? Und königstreu sind sie ja Alle, Alle im preußischen Landtag. Von Kleist-Retzow, dem Hochkonservativen, bis zu Herrn Joseph Stern, dem bürgerlichen Demokraten. Nun ist doch soviel klar, daß wenn irgendwie dem arbeitenden Volke ernsthaft geholfen werden soll, dazu Mittel gehören, und daß diese Mittel daher genommen werden müssen, wo Ueber- fluß, und nicht daher, wo Mangel ist. Diese Mittel müssen vom Parlament, Land- oder Reichstag, bewilligt werden, in den Parlamenten aber ist, Dank den polizeistaatlichcn Gesetzen und Einrichtungen, fast ausschließlich die b es itz end e Klasse ver- treten und sperrt sich gegen jede Zumuthung an ihren Geld- beutel, gegen jede Beeinträchtigung ihrer Ausbeuterrechte. Gegen die besitzende Klasse kann die heutige Regierung nicht? aus- richten, weil sie auf dieselbe angewiesen ist. Sie ist nichts an- deres als die Verwalterin der Interessen derselben. DaS König. thum ist mit der Bourgeoisie groß geworden, hat mit ihrer Hilfe die Macht des Adels gebrochen, ehe es diesen in seinen Spezial- dienst nahm, um nicht von der Bourgeoisie allzu abhängig zu werden. Aber allmälig ist der Adel selbst verbourgeoistrt, so daß er trotz gewisser Jnteressenkämpse an demselben Strange mit seiner einstigen Gegnerin zieht. So ging er, bevor ihn die amerikanische Konkurrenz auf den Pelz brannte, mit der frei- händlerischen, und heute mit der schutzzöllnerischen Bourgeoisie. Und wo die Arbeiterklasse energisch Miene macht, ihre Interessen zur Geltung zu bringen, da bildet er mit der Bourgeoisie die Partei der„Ordnung", die staatserhaltende Partei. Und nicht auS Liebe zu einem abstrakten Slaatsbegriff find sie„staats- erhaltend", sondern weil der Staat, der heutige Staat, ihr Handlanger ist. Das sehen aber die Wagner und Konsorten nicht ein, oder vielmehr sie wollen es nicht einschen. Sie wollen es nicht begreifen, daß noch keine herrschende Klasse gutwillig die Mittel zu ihrer Beseitigung f>eigegeben hat, daß jede Stärkung des heutigen Staates nur die Stärkung der herrschenden Klassen, der Besitzenden, ist, sie wollen nicht begreifen, daß die Lehre von dem Königthum, das über den Parteien steht, nur zutrifft, so lange es sich um die Parteien unter den Besitzenden handelt, daß sobald diese aber zusammenstehen, dasselbe nicht über sondern unter ihnen steht, und ruhig zusehen muß, wie sie erklären: „Die kaiserliche Botschaft ist eine leere Redensart, bei der wir uns denken können, was wir wollen". Niemand kann zweien Herren dienen, heißt es in der Bibel. Das ist richtig. Niemand kann gleichzeitig die Interessen der Ausbeuter und der Ausgebeuteten vertreten. Ein soziales König- thum, dessen Gesetze und Einrichtungen sammt und sonders im Interesse der herrschenden Klassen getroffen sind, ist ein Unding. Ein wirklich soziales Königthum müßte seinen ganzen Einfluß aufwenden, der Arbeiterklasse zur politischen Macht zu verhelfen, um sich auf sie stützen zu können. In PreußemDcutschland ist das Gcgentheil der Fall. Die Regierung strebt darnach, die Arbeiter noch einflußloser zu machen als fle heute schon sind. Die famose Krankenversicherung, die Verstaatlichungsprojekte. kurz alle sogenannten staätssozialistischen Maßregeln laufen da- rauf hinaus. Damit ist daS„soziale Königthum" gerichtet: es ist nicht blos eine Unwahrheit, eS ist eine bewußte Lüge. DaS beweist das Verhalten der Regierung am 21. Februar. Die Arbeiter aber werden die Konsequenzen aus dieser Bankrott- erklärung ziehen. Von der Erkenntniß durchdrungen, daß sie für ihre wirkliche Befreiung nur auf stch selbst zu rechnen haben, werden sie unablässig darauf bedacht sein, sich die politische Macht zu erobern. So lange die besitzenden Klassen an der Herrschaft sind, werden alle Reformbcstrebungen im günstigsten Falle nur Stückwerk herbeiführen, ganze Arbeit kann nur dann vollbracht werden, wenn die Herrschaft der Besitzenden gebrochen ist. Diese Aufgabe zu erfüllen, ist aber die Monarchie und wenn sie stch tausendmal sozial nennt, nicht in der Lage, die wirkliche Befreiung des Proletariats kann und wird nur erreicht werden in der sozialistischen Republik. Die loyale Bourgeoisie. Die Loyalität unserer Bourgeoisie— heute ebenfalls in schönster Bllithe stehend— ist wie die Frömmigkeit derselben lediglich Heuchelei; die Leimruthe, womit man die demokratischen Gelüste des Volkes nach Frei- heil und Gleichheit zu bändigen versucht. Wo eine zum Klassenbewußlscin gekommene Bourgeoisie religiös frei- sinnig ist, wird sie immer politisch konservativ, d. h. monarchisch sein. Sie fühlt, daß sie für die Autorität ihrer Herrschast einer höheren Autorität bedarf. Daher die Erscheinung, daß in den politisch sreiesten Ländern— Nordamerika, England, Schweiz, Belgien— die Bourgeoisie am frömmsten ist. Da« Volk muß einen Zügel haben, an den man e» legt: Monarchie oder Religion. Ist da« Volt in der Selbsterkenntniß vorgeschritten, droht e« den Zügel zu zerreißen, dann legt man ihm beide an. So heute in Deutschland. Die Bourgeoisie ist also loyal au« Berechnung, wie sie fromm au» Berechnung ist. Beide Eigenschaften treten in dem Maße stärker hervor, als die Gegensätze innerhalb der Gesellschaft wachsen und eine Explosion droht. Ist da« richtig, und die Richtigkeit dieser Anschauung kann Nie- mand bestreiten, dann ist in Deutschland die Spannung der Geister auf einen hohen Grad gestiegen, denn die LohalitätSbezeugungen der Bour- geoisie, ihr Schreien nach Religion, Religion und wieder Religion, al» Rettung aus den sozialen Uebeln, hat den höchsten Grad wohl erreicht. Ein Rückblick aus die Enlwickelung diese» Zustande« in den letzten Jahrzehnten hat sein besondere» Interesse. Die religiöse Phase wurde schon erörtert, gehen wir kurz zu der Entwickelung der politischen über. Sollen wir die deutsche Revolution von 1848 mit wenigen Worten charakterisiren, so müssen wir sagen: Die Bewegung, bestimmt, die Herr- schast der Bonrgeoiste zu begründen, trug insofern einen zwieschlächtigm Charakter, al« da» an Zahl weit überwiegende Kleinbürgerthum demo- kratisch-republikanisch, die Bourgeoisie liberal-monarchisch war. Die große franzöftsche Revolution stand der deutschen Bourgeoisie al« mewonto mori vor den Augen, deshalb ward ihr Staarsideal England. Die Bourgeoisie an der Regierung,„ein gikrönte» Mastschwein" al» König aus dem Thron— um da« bekannte Napoleouische Gleichniß zu ge- brauchen— da« war der Gipfel ihrer Wünsche. Die Wünsche wurden nur lheilweise erreicht. Da» deutsche Parlament ging in die Brüche, aber der größte deutsche Staat bekam eine Ber- fassnng mit einem Wahlsystem, da» der Bourgeoisie sür künftig den maßgebenden Einfluß ficherte. Die Reaktionszeit und die fünfziger Jahre benutzte sie redlich zu ihrer materiellen Entwickelung, wozu ja Dentschland in seinem Kohlen- und Erzreichlhnm, sowie seiner rasch zunehmenden Bevölkerung, in weit höherem Grade al« Frankreich die Mittel besitzt. Sie wuch, fröhlich heran und ward kräftig, aber die politischen Schranken, die auch eine Menge sozialer aufrecht erhielten: Zunft- und Bannrechte, schwer erlangbare« Staat»- und Ortsbürgerrecht, eine veraltete Heimath»- und Ehe-Gesetzgebnng jc. hinderten sie gewaltig an ihrer Entwickelung. Die Regentschast in Preußen, der italienische Krieg de» Jahre« 1859 und die»ufreguckg, die er im Gefolge hatte, gaben ihr da» Signal, aus'« Neue mit ihrem Programm hervorzutreten. Der deutsche Nalionalvereia ward gegründet, an dessen Spitze die Benningsen und Miguel, die Braun und Schulze-Delitzsch, die Oetker und Völck, die Hölder und Biedermann und tntli gnanti traten. Die RrichSverfassung von 1849 ward, wenn auch vielfach nur widerwillig, denn sie galt Vielen al» zu radikal, aber al» einzig brauch- bare Fahne ausgepflanzt. Aber in Preußen entwickelte sich in Folge der neuen Heeresorga nisation der Konflikt mit der sehr überwiegend liberalen jammer. Das Ministerium Bismarck half die Gegensätze verschärfen, und hier zeigte sich, bis zu welcher Feindseligkeit sich auch die Bourgeoisie versteigen kann, wenn man ihren dringendsten, nothweudigsten Forderungen entgegentritt, ihre Jutereffen schädigt. Obgleich man in der Kammer immer noch da« Dekorum gegcuitber der Krone wahrte, hatte sich allmälig ein furchtbarer Haß nicht nur gegm Bismarck, sondern auch gegen den Träger der Krone, den jetzigen Kaiser, ausgebildet. Hatte dieser doch alle Anträge und BeschlUffe der Kammer zurückgewiesen und wiederholt und in der entschiedensten Weise seine Zufriedenheit und Uebereiustimmung mit dem Ministerium Bismarck kundgelhau. Mau war außer sich, Schimpfworte, die stärksten Drohungen, auSge- stoßen im vertrauten Kreise, zeigten da« Maaß de« Haffe» an. Noch deutlicher that sich jener Zorn und Haß jenseits der schwarz-weißen Grenzpfähle kund, wo die Presse freier war und kleinstaatlicher Partiku- larismu«, der Haß gegen da« gesllrchtete Preußen, dessen Appetit nach Land und Leuten man zu gut kannte, der Preßsreiheit ein weite« Maß gestattete. Was damals in Zeitungsartikeln, Broschüren und Karrikaturen gegen den Träger der Krone und da» Ministerium Bismarck geleistet wurde, erscheint heute in Deutschland kaum glaublich. Eine halb so starke Sprache würde heute genügen, die schwersten Strafen des Kriminalstras- gesetzbuchs aus den Sünder herabzuziehen. Sprach doch damals Herr Miquel, der jetzige Oberbürgermeister von Frankfurt und Mitglied de« Herrenhauses, in einer Generalversammlung de» Nationalverein» zu Leipzig gegen einen größeren Kreis der ihn Umgebenden die Drohung aus: wenn mau in Berlin nicht bald nachgebe, werde man die Arbeiter ausrufen, und dann sei e« um d ie K ö p f e d e r H er r en in B erl in geschehen.*) Der König, jetzige Kaiser, war selbst allmälig in Folge all' der An- griffe einer Ausregung verfallen, daß er Halluzinationen hatte und, aus da» iu der Nähe seines Palai» stehende Denkmal Friedrich'« des Großen zeigend, seiner Umgebung zuries, ob sie denn nicht sehe, daß man dort da« Schafsot ausbaue, aus dem er und seiueFamilie enden sollen. Auch Fürst Bismarck hat noch vor einem Jahre im Reichstag e» au«- gesprochen, daß er damals, sich als patsr familias(Familienvater) fühlend, sein kleines Vermögen in Sicherheit gebracht**) habe, weil er da« Schicksal Strafford's befürchtete. So sah es vor 1866 in Deutschland mit der Loyalität der Bourgeoisie aus. Von all' den Loyalität«- und Ehrfurchtsbezeugungen, die sich heute bei dem geringsten Anlaß in der widerlichsten Weise wiederholen, bei sürstlicheu Geburtstagen und Namenssesten, Heirathen, Geburten, Todes- fällen, bei Reisen, Manövern, Paraden, Jagden ec. war keine Spur vor- Händen. Man konnte lange suchen, bis man da« Bild oder die Photo- graphie eines„Landesvaters" fand, es sei denn als Karri katur. Das Blättchen hat sich 1866 gewendet, und mit Recht. Die Nieder- werfung und Ausschließung Oesterreich« au« Deutschland, die Gründung des Norddeutschen Bunde», dessen Erweiterung aus die süddeutschen Staaten zum jetzigen drmschen Reich nur eine Frage der Zeit war, hatte den Wünschen der Bourgeoisie zwar eine nicht erwartete, aber darum nicht minder willkommene Lösung gegeben. Es wurde der Pakt zwischen Regierung und Bourgeoisie geschlossen, die Regierung bekam plem pouyoir (volle Machlbcsugniß) in allen politischen und militärischen Fragen, die Bourgeoisie die vollste Freiheit für die Ausnutzung ihrer Interessen. Die ganze Sozialgesetzgebung de« deutschen Reiches trägt diesen Stempel auf der Stirn. Die Bourgeoisie hat sich gewaltig wohl dabei befunden und machte Forlschritte in ihrer Entwicklung wie nie zuvor. Nur Eine» störie sie: der verfluchte Travailleur, der jetzt auftrat und die impertinente Frage stellte: Und wo bleibe ich? Von da an ihre steigende Sorge und Angst. Das systematische, stetige Wachsthum der Sozialdemokratie bei jeder neuen Wahl lag ihr wie ein Alp auf der Brust, trieb ihr den Schreck in alle Glieder. Denn die Bourgeoisie ist von Natur feig; sie ist sich ihres Ursprung« und der Ursache ihrer sozialen Macht wohl bewußt und kennt ihre schwachen Seiten sehr gut. Jede Unruhe und Gefahr, die da« Geschäft stört und die Kurse in'« Wanten bringt, ist ihr ein Greuel. War sie also schon geneigt, sich dem Königthum sür die ihr geleisteten Dienste dankbar zu erweisen, so wurde jetzt zur Nothwendigkeit, die« in möglichst demonstrativer Weise zu thun, um die Ausmerksamkeit der Massen gewaltsam nach jener Seite zu lenken und von der Sozial- demolratie abzuziehen. So begann denn seit 1866, und in weit höherem Grade noch seit 187l), jener Konkan der Loyaliiätsbezeugungen, der sich in den verschiedensten Formen bei der geringsten Veranlassung, sich selbst übertreibend, überall zeigt. Die mit dem Jahre 1871 sich einstellende ProsperitälSperiode mußte als das klar gewollte und selbst erzeugte Resultat kaiserlichen Wohlwollens sür das Volk herhalten und wurde„sruktifizirt". Es begannen alle jene seitdem im Uebermaß erlebten Loyalitälsbezeugungen, die in dem Beinamen der„HeldengreiS", der„Heldeukaiser", der das„Reich der Gottesfurcht und srommen Sitte" gegründet, zunächst ihren schwächsten Ausdruck sandeu, dann aber bei der Feier der Ruhmestage, wie Gründung des deutschen Reiches und Sedau, bei den Geburtstagen, den Hochzeilen und Geburten, bei den Todesfällen, bei Badereisen, Manövern, Paraden, Jagden, dann Besuch von Ausstellungen tc. ihre widerlichsten Formen annahmen. Es regnete bei all' diesen Gelegenheiten Deputationen, Ge- schenke, festliche Auszüge und Triumphbogen, servile Ansprachen, Hochrufe, Telegramme, Adressen, WidmungSgedichle, Toaste bei den Hunderten von Festessen, deren Wortlaut dann die loyale Presse dem Volle in extenso eifrigst miuheilt, da es selbst von dem Genuß der vollen Schüsseln und Flaschen ausgeschlossen ist. Die Idolatrie(Götzendienst) mit dem Reichsoberhaupt übertrug sich auch auf die Familie. Jede« kleine Familienereigniß ward zu einem „Nationalcreigniß" ausgebauscht,„an dem da« gesammte deutsche Volk vou den Palästen bis zur Hülle den innigsten Antheil nimmt." Bilder und Photographien von den Häuptern bi« hinab zum kleinsten Säugling — oft sich recht lächerlich ausnehmend— wurden in Hundertlausendeu von Exemplaren verbreitet. Aber da diese Anbetung der Zeutralsouue und ihrer Nebensonnen die Planeten zweiter bis sünfter Größe im deutschen Reiche leicht in Schatten stellen konnte, so sorgte die liberale Bourgeoisie dajür, daß auch diese nicht zu kurz kamen. Seitdem wurde jeder„Landesvater" und jede«„Duodez-Laudesvätercheu" aus den noch übrig gebliebeneu achtzehn deutschen Thronen, wenn nicht zu einem Gott, so doch zu einem Halbgott gestempelt. Alle, alle find Muster von Tugenden: Alle, Alle treue Ehegallen(Wer lacht da l) gute Familienväter, AuSduude von Frömmigkeit, Genie» an Verstand und Weisheit. Alle arbeilen mühselig von früh bis spät und sinnen Tag und Nacht daraus, wie sie ihrem Volt am besten Frieden, Wohl- stand, Glückseligkeit bereiten können. Die meisten dieser armen Fürsten fingen an zu begreisen, daß sie bei dieser guten Meinung einigermaßen thun müßteu, als sei sie begründet, *) Herr Miquel war zu Anfang der fünfziger Jahre neben Marx und Engel« Mitglied des K o m ni u n i st e n b u n d e s, und sind noch recht interessante Briese von ihm au« jener Zeit in London vorhanden. Der Kommunisteubund hat überhaupt dem deutschen Reiche verschiedene Oberbürgermeister geliefert, so neben Miquel den verstordeueu Oberbürger- meister von Mainz, Wal lau, und den jetzigen Oderbürgermeister von Köln, Dr. Becker(der„rolhe Becker" genannt), Letzlerer wie Miquel Mitglied de« Herreuhanje«. **) Das„kleine Vermögen" de» damaligen Junkers Bismarck ist mililerweile zu einem Vermögen de« Fürsten Bismarck von ca. 30 MU- tioneu angeschwollen. daß e« nicht genüge, sich blo« für Soldaten, schöne Pferde, schöne Frauen, Ballet und Jagd zu interessireu, sondern auch für Kunst, Wissenschast, gewerbliche Entwickelung»c. Man vertheilte also Orden, Titel, Würden, hinwieder auch ein paar Stipendien, man unternimmt allergnildigst da» Protektvrat vou allerlei Ausstellungen und besucht auch ab und zu dieselben, indem man, wie bei einer Parade, an den aufgestellten Gegenständen vorbeidefilirt. Leider find die Gegenstände keine Soldaten, die man selbst defiliren lassen kann. Da» wäre bequemer. Schließlich nimmt mau nach diesen Strapazen ein feines Dejeuner oder dergleichen, spricht ein paar(anerkennende Phrasen, und die Bourgeoisie ist vor Wonne im siebenten Himmel. Sie thut wenigstens so. Die Presse stimmt ein Hofiannah an über da«„warme lebhafte Interesse Ihrer königlichen Majestäten" oder„königlichen Hoheiten", jede noch so unbedeutende Aeußerung wird al» ganz besonderen Weis- heitsspruch verbreitet. Ist da« nicht widerlich? Sicher I Und den hohen Herren mag e« manchmal selbst ekelhast vorkommen, sich immer mit denselben nichtigen Phrasen anreden, anhochen, anfingen zu lassen und ebenso nichtig hohl und leer darauf zu antworten. Aber dergleichen ist heute eine wichtige Regierungshandlung, da» fühlen Fürst und Bourgeoisie, und daher dieser ewige Elser, diese Uner- mlldlichkeit, wenigstens alle vier Wochen einmal einen größeren Pomp iu Szene zu setzen. Man muß sich in unserer schnelllebigen Zeit dem Volk immer wieder in» Gedächtniß rufen, damit e» sieht, daß sein Landes- vater noch vorhanden ist und sich für es„aufopfert". Wir leben nicht blo»>n einer raschlebigen, leicht vergessenden, sondern auch in einer rebellisch machenden Zeit. Die Bourgeoisie mag schwelgen, nach Titel, Orden, Adelsdiplomen jagen— die Baronisirungen von Jtzig'S und Hirsch'« mehren sich in einer fast unanständigen Weise und diSkreditiren den armen alten Adel auf's ärgste, Geheime Kommer- zien- und KommifsionSräthe, Menschen mit gefülltem Beutel, aber meist hohlem Kops und dem faulsten Charakler, find zahlreich wie die Hunde auf der Straße— das arbeitende Volk darbt, darbt täglich mehr. Progressiv wie das Wachsthum de« Reichthum» auf der einen Seite, ist das Wachsthum von Brmuth auf der anderen. Und der loyalste Magen knurrt, wenn er Hunger hat, und hungrig« Mägen gibt's bald in allen Schichten. Nicht blos in der Arbeiterklasse, bei unseren Gewerbtreibenden, Beamtenschichteu, in den Kreisen der Intelligenz. Wir haben nicht blo« Ueberproduktion an Waaren,„Ueberprodukliou" an Arbeiterhänden, an Handwerkern, Händlern, Kleinbauern, wir haben auch Ueberproduktion an„Intelligenz". Di« deutsche Jugend, welche die sogenannten höheren Berufe sich erwählte, weiß nicht mehr, wo ankommen, so übersetzt find alle Fächer und Zweige. Die Rebellion dringt bis tu die höheren bürgerlichen Familien, in die Bureaukratie. Alle rufen nach Hilfe und wissm nicht woher und wie. Die lächerlichsten und wirkungslosesten Vorschläge jagen sich. Nun gut, das ist die rechte Atmosphäre, wo die Sucht nach Neuerung gedeiht. Die Sucht wird Sehnsucht, unwiderstehliche« Verlangen. Der Augenblick nahtf wo die Eierschale er.tten Gesellschaft gesprengt wird, wo weder Religion noch Loyalität das Verlangen nach menschenwürdiger Existenz, nach freier Entfaltung de» Menschenwesen» zurückzuhalten vermag. Können Gottesgnadcmhum und Kirche im Verein mit der Bourgeoisie nicht Wunder verrichten, dann find sie in Bälde verloren. Und die Zeit der Wunder ist vorbei. So rettet also die Bourgeoisie weoer ihre„Frömmigkeit" noch ihre „Loyalität". Eorasous l'infame! Vernichten wir die Jnfamel Soziale Skizzen aus Deutschland. Au« einem Sachsen-Altenburgischen Ackerbaudorfe. Mitten im deutschen Reiche liegt ein Ländchen, das wohl infolge seines guten Bodens und seiner zweckmäßigen Bewirthschastung zu den geseg nelsten Deutschlands gehört. Hier blüht Ackerbau und Viehzucht, und die großen, rings von Gebäuden umgebenen Bauernhöfe lassen auf einen ziemlichen Wohlstand der Eigenthümer schließen. Dort verkünden die hohen Schornsteine, daß e« an Fabriken nicht mangelt, während die schwarzen, hohlwangigen Arbeiter in der Gegwd von Meuselwitz den „Segen" des Bergbaues verrathen. Diese« Ländchen ist da» Herzogihum Sachsen. Altenburg, in dessen Ostkrei» man die angeführten Produkte vorzugsweise findet, während au« dem Westkrei« alljährlich hunderte von Männern hinaus in die Welt ziehen, ihre iu der Heimath gefertigten Spielwaaren, Leitern, Backmulden, Rechen u. dergl. au den Mann zu bringen. Der heutige Bericht soll die Leser des„Sozialdemokrat" nun Haupt- sächlich mit den Verhältnissen der Dorsbewohner de« O st k r e i s e« beschäftigen. Wie überall, so ist auch hier Ausbeulung, Bevormundung und Klassenhaß an der Tagesordnung. Ja vielen der nahe bei einander liegenden Dörser befindet sich neben den Bauernhöfen noch ein sehr große« Rittergut, dessen Besitzer gleichzeitig Amtsvorsteher, Schied«- richter und mitunter auch Standesbeamter ist. Diese Rlttergutsbesitzer beschäftigen nun einen großen Theil der ganz besitzlosen oder mit einem Häuschen versehenen Handarbeiter der Gemeinde, welche im Winter bei täglich lOstündiger Arbeitszeit Mt. 1. 20, im Sommer bei 12stündiger Arbeitszeil Mk. 1. 50 erhalten, während die Frauen, die iu sehr großer Zahl aus diesen Gütern beschäftigt find, sich in derselben Zeit mit 60 bis 70 Psg. begnügen müssen. Doch kommt es auch häufig vor, daß Familienväter bei' den Bauern dreschen und sonstige Handarbeit verrichten und einschließlich Kost nur 3—4 Mark wöchentlich erhallen. Die meisten dieser Arbeiter haben fich nun so an ihre gedrückte Lage gewöhnt, daß sie glauben, e» fei gar nicht möglich, daß sie jemals ihren rechtmäßigen Antheil an den von ihnen erzeugten R.ichthümern genießen könnten; sie denken und wissen nicht«, und da» Lesen einer Zeitung gehört zu den Seltenheiten. Jndeß gibt e« auch rühmliche Ausnahmen, die Lehren de« Sozialismus sind bereit« iu fast jede» Dorf eingedrungen und zählen selbst Grundbesitzer zu ihren Anhängern. Allerdings können wir aus einen Wahlsieg unserer Partei noch nicht hoffe»; man bedenke, daß da« ganze Herzogthum nur einen Wahlkreis bildet, trotzdem e« 150,000 Einwohner hat. Die Bevölkerung besteht au« Abkömmlingen der bis hierher vorgedrungenen und um die alten Ritter- bürgen, die e« hier in großer Zahl gibt, angesiedelten Serben-Wenden, und vertheilt sich heute aus 10 Städte und ungesähr 500 Dörfer. Die Zahl der Dorsbewohner ist bedeutend höher al» die der Städter, infolge- dessen bei ersteren eine sehr energische Agitation uöthig ist. Bi» jetzt ist die Agitation immer noch mangelhast auSgesührt worden, und vermögen die Herren Rittergutsbesitzer aus ihre Lohnsklaven einen noch sehr großen Einfluß auSzuüden. Doch die Zeit wird auch hier nicht mehr fern sein, wo sich die Arbeiter, ihrer gedrückten Lage bewußt, un» an- schließen werden, um mit vereinten Kräften die un» vorenthalten« Gleich- berechtigung zu erkämpfen; strahlt doch auch un« schon der Stern der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit entgegen. Und wenn auch die Herren von der Aristokratie sich alle Mühe geben, den Sendboten der Sozialdemokratie hindernd in den Weg zu treten, so soll un« doch Nicht« abhalten, unablässig Propaganda sür die sozialistische Arbeiter- Partei zu machen. Die Reden, welcher unser Genosse Stolle vor einigen Jahren iu einzelnen Dörfern unseres Herzoglhum» gehalten hat, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die künftigen Wahlen werden zeigen, daß auch wir am Platze find. Wir werden trotz Ausnahmegesetz und Widerstand der Rittergutsbesitzer den Bauern und Lohnarbeitern die Männer empfehlen, welche die Leiden de« Volke» kennen und die Schäden der heutigen ausbeuterischen Gesellschaft aufdecken, welche unerschrocken für da« Wohl der Arbeitenden Klassen eintreten. Wir werden ihnen sagen, daß sie Beherrschte und Unterdrückte find, und daß sie Erlösung nur durch die Sozialdemokratie erlangen können. Aus der Rede des Abgeordneten Geiser über den Reichsetat. Gehalten am 14. Februar 138 3. (Nach dem stenographischen Bericht.) Meine Herren, ich hatte den Auftrag, bei der ersten Lesung de» Etat« den Standpunkt unserer Partei zu vertreten. Ich bin aber daran ver- hindert worden durch den Schluß der Debatte. Ich bin nun genöthigt, das Versäumte an dieser Stelle nachzuholen. Die Position, die ich da- durch bekommen habe, ist eine wesentlich veränderte gegen vorher; wir stehen abgemachten Tharsachea gegenüber. Der Eratkampf ist zu Ende, wir wissen, was in demselben geleistet worden ist. Nun, meine Herren, wenn wir un» da« zurückrufen, so finden wir, daß es sich we,-: tlich darum gehandelt hat, an den Positionen, welche von der Regierui.� auf- gestellt worden find, soviel wie möglich zu sparen, daran zu streichen. Meine Herreu, e« ist von keiner Seite bestrilteu worder., drß diejenigen Summen, welche im Etat von der Regierung verlangt worden sind, das deutsche Volt außerordentlich schwer bedrücken, daß sie sehr hoch find. Es ist von der linken Seite diese» Hauses, welche im wesentlichen den Kamps gesührt hat, erklärt worden, es würde sich dabei darum handeln, soviel al» möglich zu sparen, und auch au« dem Zentrum de« Hause» ist mit besonderer Belonnng dem beigepflichtet worden. Nun, meine Herren, wir scheu jetzt, wie viel im Sparen geleistet worden ist. Alle« in Allem genommen sind, soviel ich weiß, 11 Millionen Mark abgestrichen worden von dem 601 Millionen betragenden Etat. Von den 600 Mit- lionen kommen aus den Kopf der Bevölkerung zirka 13 Mark; von dem, wa« gestrichen worden ist, würde aus den Kops der Bevölkerung etwa 25 Pfennige kommen, wenn ich mich nicht sehr irre.» Nun, meine Herren, ich weiß nicht, ob da« al« ein besonder« glän- zende« Resulat anzuerkennen ist,— ich weiß nicht, ob Sie mit diesem Resultat zufrieden sein können, und ob da« deutsche Volk Ursache hat, Ihnen dafür irgendwie erkenntlich zu sein. Ich weiß das um so weniger, als ich mir denke, daß die Regierung sehr wohl daraus vorbereitet war, daß abgestrichen würde von dem Etat, und daß sie angesichts dieser Gewißheit zweisellos Rücksicht genommen hat aus das Slreichbcdllifniß der linken Seite. Sie hat sicherlich nach verschiedenen Richtungen hin mehr gefordert, als sie ursprünglich brauchte. Im Anschluß an diese Erwägung tritt die Frage auf, ob nicht vielleicht dadurch, daß 11 Mil- lionen Mark gestrichen werden sind, im Ganzen und Großen weniger noch gestrichen worden ist, al« worauf sich die Regierung vorbereitet hatte; in jedem Falle aber kaun man gewiß sein, daß schließlich doch wenigsten» annähernd bewilligt worden ist, was die Regierung noch- wendig zu haben glaubte. Meine Herren, dann ist zu betrachten: wo ist gestrich en wor- den? um den Werth dieser viele Wochen hindurch audauernden parlamentarischen Thätigkeil fich ganz zu vergegenwärtigen. Es ist viel an Bauten, bei Postgebäuden sowohl als bei Kasernemenl«, abgestrichen worden; entweder sind die Kostensummen sür ganze Gebäude, die da errichtet werden sollten, vollständig verweigert worden, oder e» sind Theilsummea von dem Gesammibetrage weggenommen worden. Nun, dabei ist zu berücksichtigen, daß Sie damit Arbeitsgelegenheiten beseitigt, also Gelder gestrichen haben, die wenigsten» zum Theil in die Hände de» arbeitenden Volk» geflossen wären. Es hat also auch aus diesen Ge- sichtspunkien betrachtet, thatsächlich da» Volk sehr viel weniger Ursache, sich befriedigt zu zeigen über da«, wa« bei der EtalSdebalte erreicht worden ist, al« hier vielfach angenommen wird. Ferner, ineine Herren, ist es denn wirklich eine so hervorragende staatSmännische Weisheit, die darin besteht, nur zu sparen? Ich meine, das Volk hätte viel mehr Ursache, zufrieden zu sein mit dem, was hier geleistet worden ist, wenn die Regierung nach manchen Richlungeu hin e: heblich mehr gefordert hätte, al« sie gefordert hat. E« ist ja aller- ding« wahr z. B., für da» deutsche Reichsheer wird außerordentlich viel gebraucht; aber aus allen Seiten des Hause» werden die Herren mit wenigen Ausnahmen wohl zugeben und der Regierung sogar gern zu- geben, daß unter den gegenwärtigen Umständen, w:nn man nicht ganz mit den herrschenden Systemen brechen will, wesentlich zu sparen nicht möglich ist. Dagegen, meine ich, wäre dem herrschenden System zum Trotz positives zu leisten sehr wohl möglich. Wir haben z. B. verschiedene Positionen im Etat, auf die ausfallend wenig vou den Einnahmen des Reich» verwandt wird, und sür die das wenige, was gefordert wird, vom Reichstage nicht einmal gern bewilligt wird. Wir haben z. B. die Position de« Gesundheitsamtes, die de« statistischen Amt«; wir sehen im Etat, daß sehr wenig sür wissen- schastliche Zwecke ausgegeben wird u. s. w. -- Warum denkt mau nun denn nicht daran, nach diesen Rich- tüngen hin etwa« zu leisten? Warum geht der Staat nicht an« Werk, durch Organisalwu von Gesundheilsämtern Uber da« ganze Land hin, wie das von dem Gesundheitsamt selbst schon vor Jahren empfohlen worden ist, endlich einmal au die Heilung so schwerer Schäden ernnlich heranzutreten? Meine Herren, wenn dem Gesundheilsamt gegenüber, wie hier geschehen ist, eine so kühle Hallung bewahrt wird, wenn mau sogar Lust zeigt, womöglich die ganze Position zu streichen, wie da» von der linken Seite am liebsten geschehen wäre,— dann drängt man die Regierung doch nicht vorwärts aus dem Wege der Verbesserung der Verhälmisse, unter denen da« Volk leidet, das heißt auf dem Wege, der allein zum Heile des Volke» führen kann. Ebenso geht e« mit dem st a t i st i s ch e u A m t. Daß die Statistik eine außerordentlich vernachlässigte Wissenschast ist, wird gleichfalls wohl von keiner Seite bestritten werden. Da« ist zunächst zu hören von den Gelehrten der Statistik, von allen Univerfitäten und statistischen Aemtern. Die Statistik ist eine sehr jung- Wissenschaft, sie bedars nicht nur finan- zi-ller Unterstützung, sondern sie bedars vor allen Dingen auch wissen- schastlichen Material«, und diese« wisseuschastliche Material ist nur zu erlangen durch großartige statistisch- Untersuchungen, die große Bevöl- kerungSkreise, ja das ganze Boll selbst heranziehen müssen zur statistischen Hilssihäligkeit, und diese statistische Hilssthäligkeit kann wiederum mch- geleistet werden, ohne daß dafür große Summen Geldes verausgabt werden. Wenn man z. B au die Lösung der sozialen Frage oder nur au die Vorbereitung zu einer solchen immer mehr aus die Nägel bren- uendeu Lösung herantreten will, meine Herren, dann wird man ganz andere statistische Maßregeln ergreifen müssen, al« Reichstag und Regie- runq bisher sür ausreichend gehalten haben. Wenn wir richtig urtheileu wollen über die Lag- de« Volke», so werden wir un« nicht mil solchen statistlschen Erhebungen, wie bisher bei der Volkszählung geschehen, be- gnügen dürfen, sondern wir werden die statistischen Untersuchungen au«- zudehnen haben ans die Wahnungsverhältnisse des Volkes, überhaupt aus all- Lebensverhältnisse de» Volte« und bis in alle Details derselben hinein; und da« b-oars widerum Geld, sehr viel mehr Geld, al» für statlstische Zwecke bisher iu die Etat» aufgenommen worden ist, viel mehr, al» Sie geneigt waren, dafür zu bewilligen. Es werden außerdem eine ganze Reihe anderer Positionen besser au«- gestattet werden müssen, und e« wird zu berücksichtigen sein, daß da» R-ich in den Krei« seiner Kompetenzen eine Reihe von Dingen btuneu kurzem wird hineinziehen müssen, welche gleichsalls sehr wesentuche Au»- gaben veranlassen. Ich deute nur hin aus da« Unterrichtsweseu und aus die A r m e u l a st, wenn thatsächlich geHolsen wndeu soll u. s. w. Also oeterum esnseo: t« muß nach vielen Richtungen htu nichigespart, soudernmehr ausgegeben werden, al« bi« heute ausgegeben worden ist. Nun wird wahrscheinlich gefragt werden: wo sollen denn diese Mehrausgaben hergenommen werden? wa» jetzt gethan wird, drückt ja schon ganz ungeheuer schwer aus da« Volk.— Gewiß, da» wissen wir am besten; dieser empfindüche Mißstand kommt aber daher, weil man fich bisher bestrebt hat, da» Geld hauptsächlich da zu nehmen, wo e» u i ch t zu finden ist, statt daß mau e» da sucht, wo e« thatsächlich in erheblichen Massen vorhanden ist und und zu immer größeren Reichthümern angehäuft wird, da, wo e« sehr leicht flüssig gemacht werden könnte für die Zwecke de» Staat«. Meine Herren, ei ist sehr oft von der Äußersten linken Seite und speziell von uns vorgeschlagen worden die Einsiihruug einer allgemeinen progressiven Einkommensteuer, ks ist aber meine« Wiffens, wenigsten« hier im Hause, noch keine Detailberechnung gegeben worden, wie viel wohl durch eine solche progressive Einkommen- fieuer, die nicht allzusehr die wohlhabende» Kreise de« Volke» belastet, mehr eingebracht werden könnte, al» bi» heute durch Einkommensteuer ausgebracht worden ist. Nun, meine Herren, ich habe eine derartige Berechnung angestellt, mit deren Detail« ich Sie selbstverständlich nicht behelligen will, deren Grundzllge ich aber mir hier anzudeuten erlaube. Wenn wir bei der klassifizirten Einkommensteuer von der Grundlage ausgehen, welche die preußische Regierung selbst angenommen hat, näm- lich davon, daß ein Einkommen vou über 3000 Mark mit 3 Prozent besteuert wird, wenn wir dann den Prozentsatz steigern lassen— natürlich muß eine progressive Einkommensteuer nothwendig bi« zu einem hohen Prozentsatze hinausgehen— z. B-, wie ich für sehr gut thunlich erachte, bi» aus 50 Prozent de« Einkommen« in der höchsten Sleuerstuse, so würde, fall« wir die höchste Steuerstufe z. B. beginnen lassen bei dem Einkommen Uber 72,000 Mark, bei der Berechnung, die ich entworfen habe, und die ich jeden Augenblick vorlegen kann, in Preußen bei der klasfizirten Einkommensteuer allein eine Mehremnahme zu erzielen sein von 120 Millionen Mark. -- Da«, meine Herren, ist in knapp bemessenen Grundzügen da», wa» ich zur dritten Lesung de« Etat« ausühren wollte. E« ist selbst- verständlich, daß wir im Großen und Ganzen überhaupt gegen den Etat stimmen werden, und zwar nicht etwa deswegen, weil wir meinen, daß der heutige Staat Uberhaupt wesentlich geriugere Ausgaben machen könnte, sondern weil wir meinen, daß da» System, nach welchem die Einnahmen verwendet werden, so geartet ist, daß e» mit den Interessen de« Volke« nicht übereinstimmt; aber die Interessen des Volke« sind— und da« unterscheidet uns ganz wesentlich von den anderen Herren, die aus der linken Seite diese« Hause« fitzen— nicht so sehr im Sparen zu suchen und immer nur im Sparen, bei dem doch nichts herauskommt, al« ein Schlag in» Wasser, sondern vielmehr in höhrer Auswendung für alle die Zweige der StaatSthätigkeit, welche aus die Gesammtlage des Volke«, vor allen Dingen de« niederen Volkes, günstig zu wirken im Stande sind. Wenn nach diesen Richtungen die Regierung mehr verlangt und damit dem Volke auch mehr gewährt al» bisher, so wird sie, gerade so wie es bei der Position de« Gesundheitsamt« der Fall war, finden, daß wir ebenso entschieden, al« wir jetzt immer wieder gegen den gesammten Etat stimmen, sür alle die Positionen, welche wir al» vereinbar erkennen mit einer wahrhaft der Volkswohlsahrt dienenden Politik, eintreten und im Volke dafür wirken werden. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 28. Februar 1833. — Festgefahren. Trotz aller süßen LiebeSbetheuerungen, die der protestantische Papst in Berlin und der katholische Papst in Rom seit einiger Zeil wieder austauschen und zur Erbauung der„misera con- tribuens plebs"— auf Deutsch: der dummen Steuerzahler— veröffentlichen, hat e« im preußischen Landtage vor Kurzem wieder ganz gehörig gekulturkämpfelt. Aber o weh I nicht mehr ertönten die begeisterten Kulturpauken der Bamberger, Hänel und Konsorten, kein Bennigsen sprang der Regierung zu Hilse, mit stiller Schadenfreude saßen diese Herren da und überließen es den Regierungsvertretern, aus die Attakeu Windt« Horst'«, Schorleiner'« ic. zu antworten. Darob große Wulh im Reichs- kanzleramte, welcher die biedere„Norddeutsche Allgemeine" denn auch Tags darauf in folgendem köstlichen Wuthschrei Ausdruck gab: „In den erregten Debatten über den Kullusetat, welche jetzt schon mehrere Tage währen, haben die liberalen Parteien eine auf- fällige Zurückgezogenheit beobachtet. Unsere« Erachtens muß die Regierung aus diesem Schweigen nothwendig schließen, daß sie in dem Streit zwischen dem Staat und der Kurie nicht mehr in dem Maße wie früher aus die Unterstützung der liberalen Parteien rechnen könne, und sie wird sich deshalb vielleicht(!) veranlaßt fühlen, gegen die päpstlichen Wünsche nachgiebiger zu sein, als es bisher der Fall war." Merkst Du was, Leser? Der„große" Staatsmann, der sich einbildete, die sämmtlichen großen Parteien in der Tasche zu habeu, hat sich so gründlich seflgesahren, daß er jetzt bei den von ihm am ureisteu gehaßten um Sukkut« betteln muß. Denn die Drohung, daß die preußische Regierung der päpstlichen eventuell mehr Nachgiebigkeit zeigen werde als bisher, ist natürlich nur das Gestäudniß, daß es für sie heißt: Der Bien muß! Die ZentrumSfraktion oder vielmehr die Zentrums- Wähler wollen von Bismarck'« polizeistaatlichen Passionen nichts wissen, Bismarck aber will und kann auf diese nicht verzichten— wo bliebe auch Preußen ohne Polizeiherrschast!— denn wenn er es köunte, dann brauchte er überhaupt keinen„Frieden mit Rom." So sitzt der„geniale Staatsmann" jetzt in der Klemme fest, und wenn die Liberalen diesmal ihrem Namen Ehre zu machen versuchen, oder wenn sie uur keine Esel sind, dann rächen sie sich gründlich sür da« bekannte An-die-Wand- Drücken und lassen ihren treulosen Freund zappeln, bi« er—„quietsch t." Die Freiheit, sowohl die politische wie die religiöse, würde dabei nicht zu kurz kommen. — Eine moralische Hinrichtung, so schreibt man uns anter dem 21. Februar au« Nürnberg, wurde heute im Sitzung«. saale de« hiesigen Landgericht» vollzogen, eiue Prozedur, die wegen der Person de« Delmguenteu für die Leser de«„Sozialdemokrat" ein ganz besondere« Interesse haben wird. Der Delinquent war nämlich der sattsam bekannte, unqualifizirbare„natioaalliberale" Agitator" S p a r i g aus Leipzig Reudnitz. Man wird sich erinnern, daß im Frühling de« vorigen Jahre« im„Sozialdemokrat" und verschiedenen deutschen Zeitungen be- richtet wurde, der genannte unqualifizirbare Herr habe eine Proskription»- liste mit den Namen von 200—300 prononzirten Sozialdemokraten au« Leipzig und Umgegend entworfen und dem Ministerium eingereicht. Herr S P a r i g, der sich in der Illusion wiegte, der Wahrheitsbeweis könue nicht gegen ihn erbracht werden, hatte die Stirne, drei deutsche Zeitungen, welche die betreffende Notiz veröffentlicht hatten, zu verklagen: die „Frankfurter Zeitung", die„Fränkische Tagespost" und die„Leipziger Bürgerzeiwng"— und da der Wahrheitsbewei« in der That au» gewissen Gründen noch nicht zu erbringen war, gelang e« dem unqualifizirbaren Herrn auch, in allen Fällen Verurtheilnvg zu erwirken und von der „Fränkischen Tagespost" und„Leipziger Bürgerzeitung" sich sogar ganz hübsche EutschädigungSsümmchen al» SchmerzenSpflaster sür die angeblich geschädigte(Sparig'sche!) Ehr« zu erpressen. Wenigsten« ein erstinstanz liche« Erkeuutniß in diesem Sinne. Allein man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Da» erfuhr Herr Sparig! Die„Frankfurter Zeitung", welche die Proskriptionslisten- Affäre al« eine sozialdemokratische Angelegenheit betrachtete, ließ e« zwar, da sie in ihrer komischeu Sozialisten- und Polizeiangst mit peinlicher Sorgsalt Alle« vermeidet, wa« sie in den Verdacht sozialdemokratischer Sympathie bringen könnte, beim ersten Urtheil bewenden und zahlte flug« Strafe qod Kosten, die beiden anderen verurtheilten Blätter ergriffen aber Rekur«, und— siehe da, da« nöthige Bewei, Material wurde beschafft. Der„Kollege" de» Sparig, welchem die Proskrjpliou«lifie von diesem gezeigt worden war, und zwar unter charakteristischenAeußerungen, der Brand- direktor W e i g a n d au« C h e m n i tz, erklärte sich bereit, Zeugniß abzulegen; an Zeugen, welche die Person und Thäligkeit de« Sparig in'« richtige Licht stellen konnten, fehlte e» nicht, und so war Alle« klar zum Gefecht. Die Appellverhandlung gegen die„Leipziger BUrgerzeitung" sollte ur- sprünglich am 17. d. stattfinden, wurde aber auf Antrag de« Redakteur« Perl» vertagt, weil dieser die Vernehmung de« Kreizhauptmann» und de» AmlShauptmauu« von Leipzig bezüglich der denunziatorischen Praktiken de« Sparig forderte. Die Redaktion der„Fränkischen Tage«- post" hätte nun auch Vertagung erlangen können, allein sie wünschte den möglichst raschen AuStrag der Sache, und der Anfang« auf den morgigen Tag(22. d. M.) anberaumte Appelltermin wurde sogar um eineu Tag zurückgeschoben(auf heute). Die Verhandlungen begannen um l/t9 Uhr vor gefüllten Zuhörerbänken. Al» Zeugen für die Ber- theidigung waren Branddirektor Weigand und Liebknecht erschie- nen. S P a r i g, der sich(wohl um zu beweisen, daß ihm jede» Scham- gefühl fremd) persönlich einfand, war fichtlich betroffen, al« er die Zeugen erblickte. Und die Bussagen der Zeugen waren derartig, daß seine Unbe- haglichkeit von Minute zu Minute wuch«, und er schließlich dasaß wie ein begossener Pudel. Die Aussagen waren auch vernichtend. Die Liste h a t existirt, e» war eine Prostriptionsliste, und sie war von Sparig entworfen in der ausgesprochenen Absicht der Mittheilung an die Behörden. Herr Weigand begnügte sich nicht mit bloßen Behaup- tungen— er verlas eine Anzahl eigenhändiger Briefe de« Sparig, welche an dessen Schuld keinen Zweifel lassen, und obendrein den Bewei« liefern, daß er seinen„Kollegen" an der Abgabe des Zeugnisse« v e r- hindern wollte. Der Eindruck war niederschmetternd. Da« Zeugniß Weigand'« wurde durch Liebknecht ergänzt, der— aus Befragen de« Präsidenten und de« Vertheidiger«— ein wahrheitsgetreue« Bild de« sich den Angstschweiß von der Stirne wischenden Delinquenten gab, verschiedene„Streiche" de«- selben erzählte, ihn mit dem„größten Schimpf- und Schandblatte Deutsch- lands", dem„Leipziger Tageblatt", und dessen Hauptmitarbeiter, dem Postspitzbuben Lconhardt in Verbindung brachte, Hand in Hand mit Hödel aufmarschiren ließ— kurz, ihn al« einen Menschen schilderte, der von der eigenen Partei uur wegen der von ihm geleisteten schmutzigen Arbeit gehalten wird und die Verachtung jede« ehrlichen und anständigen Menschen verdient. Der Auwalt Spang'« wußte nicht Andere» zu sagen, al« daß die in- kriminirte Notiz seinen Klienten beschuldige, die Liste eingereicht zu haben, und da« sei nicht erwiesen; außerdem sei e« keine„Proskriplionsliste" gewesen, sondern— der famose Organisationsplan, welcher in den Mo- tiven zur Beschönigung de« Belagerungszustande« und in mehreren Reden des Herrn von Nostiz-Wallwitz eine Rolle spielte— allein die Absurdität dieser Ausrede wurde sofort von Liebknecht nachgewiesen. Herr Sparig, der zum Schluß Einiges zu seiner Entlastung sagen wollte, ver- schnappte sich'zum Gaudium der Zuhörer dermaßen, daß er zuletzt eine» der kompromitlirendsten Fakten: die Herstellung der Wahlzettel au» ge- sranztem, leicht erkennbarem und unnachahmliche» Papier ausdrücklich eingestand. Der formell Angeklagte(in Wirklichkeit war es der Sparig) L ö w enstein, Redakteur der„Tagespost", sprach nach der Rede seine» Anwälte« Cronacher nur ein paar Worte, aber e« waren kräftige Worte:„Hätte ich, al« ich den Artikel aufnahm, Alle« gewußt, was ich jetzt weiß, so hätte ich nicht ein, nein, ich hätte hundert und lausend Psui I hingesetzt." (Der inkrimiuirten, au« der„Frankfurter Zeitting" abg:�.'�n Notiz war nämlich von ihm ein redaktionelles Pfui! beigefügt,.« von der Anklage al« besonder« erschwerender Umstand bezeichnet worden war.) Da« Erkenntniß soll erst in 8 Tagen gefällt werden. Wie immer es lauten möge— eine Verurtheilung wegen einfacher Beleidigung ist nach deutschem Gesetz auch trotz de« gelungensten Beweises der Wahr- heit nicht ausgeschlossen— soviel steht fest: Sparig ist gerich t und hin- gerichtet, und der ritterliche Nostiz Wallwitz kann sich zu seinen Agenten gratuliren. Neulich sein Berichterstatter Schmidt als Fälscher und Betrüger zu vierjährigem Zuchthaus verurtheilt, heute sein Schützling S p a r i g als Denunziant, Lump und Lügner moralisch zum Tode ver- urtheilt— Sie habeu Glück, Herr v. Nostiz-Wallwitz I Und wenn nun gar noch herauskommen sollte, daß der Sparig die Proskriptionsliste doch eingereicht hat— wie dann, Herr von Nostiz? — Nach oben kriechend, nach unten. brutal— diese Maxime aller Knechtsseelen ist das Motto sast aller kleinstaatlichen Regierungen Deutschland» geworden. Je tiefer sie vor Preußen in den Staub sinken, um so brutaler benehmen sie sich„zu Hause". Allen voran die Regierung de«„Königreichs" Sachsen, die, Preußen gegenüber absolut willenlos, sich nur da als„Herr im Lande" zeigt, wo e« zu unterdrücken und zu chikauiren gibt. Einen neuen Beweis kleinlich gehässiger Bedientenrache liefert ihr Verhalten in der Angelegenheit unsere« jüngst verstorbenen Genossen K ü n z c l. Dieser hat bekanntlich seine Wiltwe mit drei unerzogenen Kindern und der Aussicht aus ein vierte« im Zustand völliger Mittel losigkeit hinterlassen. Der Wittwe und den Kindern könnte aber, wie un« au« Leipzig geschrieben wird, ein ganz hübsche« Einkommen ge- sichert werden, wenn die von Klliizel gegründete und zu hoher Blüthe gebrachte„ReichSgerichlskorrespondenz" al« Eigenthum der Familie im Interesse derselben sortgesührt würde. Die» ginge nun ganz leicht, wenn der jüngere Bruder Kllnzel«, der vorigen Sommer unter den bekannten skandalösen Umständen von Leipzig ausgewiesen wurde, die Erlaubniß zur Rückkehr erhielte. Der jüngere Künzel ist gleichfalls-in sehr tüchtiger Stenograph, und hat seinem verstorbenen Brnder bei Gründung der „Rcichsgerichtslorrespondenz" wesentliche Dienste geleistet, auch längere Zeit bei der Redaktion geholfen und ihn wiederholt vor dem Reichsgericht vertreten. Kurz, er ist nach jeder Richtung eine geeignete Persönlichkeit. Wohlan: er wandte sich aus den dringenden Wunsch seiner unglücklichen Schwägerin an die KreiShauptmannschast mit dem Gesuch, ihm die Rückkehr nach Leipzig zu erlauben. Allein er versäumte es, zu Kreuze zu kriechen und seine Grundsätze zu verleugnen: sein Gesuch wurde abschlägig beschieden. Die arme Wittwe mag mit ihren Kin- dern verhungern, oder da« Stadtalmosen erbetteln l Um die ganze„Moral der Geschichte" zu ersassen, muß man sich in« Gedächtniß zurückrufen, daß der jüngere Kllnzel auf Grund einer An- schuldigung ausgewiesen ward, deren Grundlosigkeit durch letzt- „stauzlichen Richterspruch festgestellt worden ist. War e« schon ein frivole« Attentat auf Logik und Recht, daß der AuSweisuugSuka« nicht sofort nach Fällung de» letztinstanzlichen Unheils al« elwa» selbst- verständliche« zurückgenommen wurde— um wie viel schmachvoller und verbrecherischer ei scheint diese« Attentat, wenn man erwägt, daß c» unter sotcheu Umständen, angesichts einer verzweifelten Wiltwe und unversorgten Waisen, Monate nachher mit kalter Ueberlegung noch formell sank- t i o n i r t und gewissermaßen wiederholt worden ist. Da« ist die vielgerühmte„sächsische Gemüthlichkei t". — Preußische« au» Baden. Au« Pforzheim, 9. Februar, wird uu« geschrieben: Im badischen Ländle ist bekanntlich die Polizei noch weit preußischer, d. h. schuftiger al« in Preußen selbst. Gestern hat sich nun die hiesige„Obrigkeit" wieder einmal große„Lorbeers" errungen. Bei drei hiesigen Bürgern kamen die die öffentliche Sicherheit gefährdenden Organe angerückt, um„Haussuchung zu thun". Gesucht wurde selbstverständlich nach verbotenen Schriften, gesunden aber nicht«. Da die mit diesem offiziellen Hausfriedensbruch Bedachten al« Sozialdemokraten nicht bekannt find, so kann nur eine der hier an der Tagesordnung befindlichen Post stiebereien die Veranlassung dazu gegeben haben. Bor einigen Wochen kamen nämlich hier Brieskouverl», in denen sich Zeitungen befanden, zerrissen an, so daß deren Inhalt ganz gut„geprüft" werden konnte. Einer der Adressaten erhob gegen diese„Bibelstcherheit" Beschwerde zur Postdireklion und die Antwort hierauf waren— die HauSsuchnngen! Solche erbärmliche Büttel- dienste leistet die hiesige Post— ist sie ja doch eine Reich» instituiion!— der Polizei öfter«. So wurde seinerzeit dem Genossen D i t t u» ein Brief 3 Wochen laug vom Amtsgericht behalten, an da» er gleichfalls au» „Gesälligkeit" abgeliefert worden war. Al« D. den Brief endlich verlangte, wurde der Brief verleugnet, bi« endlich der Postdirektor so weit gebracht wurde, schriftlich die Erklärung abzugeben, daß der Brief in der That an da« Amtsgericht abgeliefert sei— notabene, ohne daß über Dittn« gerichtliche Briefsperre verhängt war! Al» nun die Herreu B r i e f d i e b e zur Verantwortung gezogen werden sollten, da biß kein Staatsanwalt an und die ganze Geschichte wurde für ein„Versehen" erklärt. Natürlich! Doch darf man sich über derartige Vorkommnisse hier nicht wundern, denn der höchste hiesige Beamte ist zugleich auch der schlechteste, und es war lange Zeit ortsüblich, daß die Polizei alle« Mögliche stahl. So wurde einem Parteigenossen von einem Krimi- nalschutzmann Holz gestohlen; ein anderer Kriminalpolizist stahl einen Schwartenmagen(da« Schwartenmagenstehlen war früher blo» bei den Würzburger Polizeidienern Usu») u. s. w. Al« diese Art von Eigenthumsbehütung gar zu blamabel wurde und zum gerichtlichen Austrage kommen sollte, kommandirte der Stadt- direktor einfach eine Anzahl Schutzleute zum Meineid, der natürlich auch geleistet wurde— denn wozu wäre der Meineid sonst auch da, al« um geschworen zu werden?— und die Sache war abgethanl! Und al« dann die sauberen Kronzeugen wegen Meineid« belangt werden sollten, bedeutete man von„höherer" Seite dem Staatsanwalt, daß der Prozeß sehr unerwünscht sei, und versetzte den Beamten. Wie Sie sehen, existirt hier eine solche Untiefe vou Schusterei, natürlich von Oben sich aus die unteren übertragend, daß Einem ein-sörmliche« Grauen ankommt, wenn man all' Da« schildern soll. Und die» sind die Stützen unserer„Ordnung",„Sitte",„Moral" u. s. w. — ganz ä la Puttkamer, Madai und Kompagnie. Nachgerade dürfte man aber doch auch in Pforzheim eingesehen haben, daß mit solchen Gemeinheiten eine edle, g er e ch t e Sache nicht besiegt werden kann. Und sollte diese Ueberzeugung wirklich noch nicht ganz zum Durchbruch gekommen sein, so wollen w i r schon dasür sor- gen, daß e« recht bald geschieht. — Ans verschiedene Anfragen sei hiermit geantwortet, daß die Wahl im vierten Berliner Reichstagswahlkrei«, wo Bebel nur mit wenigen Stimmen gegen den Fortschrittler Träger unterlag, von der WablprUfungSkommisfiou, trotz wiederholten Drängen« von Seiten unserer Abgeordneten, in Folgender Erkrankung de» Refe- renten noch nicht erledigt ist. Es ist aber da« positive Versprechen gegeben worden, daß die Sache nach Ostern auf'« Schleunigste erledigt und er- forderlichen Falle« ein anderer Referent ernannt werden soll. Kann auch, wie unseren Lesern bekannt, nicht aus unmittelbare Kassirung der Wahl Träger'« und einfache Proklamirung der Wahl Bebel's erkannt werden (weil die Zahl der ungerechtfertigter Weise annullirten Stimmzettel mit dem Namen Bebel'« nicht ausreicht), so unterliegt doch, da auch andere Unregelmäßigkeiten in dem Wahlproteste gerügt find, die Beanstan- d u n g der Wahl nicht dem mindeste» Zweifel. Dasselbe gilt von der Wahl im Leipziger Landkreis und im Dresdener Landkreis, deren Beanstandung bald nach Wiederbeginn der Sitzungen vom Reichstag ausgesprochen werden wird. Daß die Wahlprüsungen sich so in die Länge ziehen, ist übrigens nicht die Schuld der Wahlprüsungskommission, welche durchaus kein Tadel trifft, sondern der Mangelhaftigkeit de« ganzen, früher bereit« von uns gekennzeichneten Verfahren«. Bon unseren Abgeordneten wird noch in dieser Session ein aus Reform des Wahlgeschäfts hinzielender Antrag eingebracht werden, der außer der Forderung von Stimmzettel- Couvert«, Verlegung de« Wahltages aus einen Sonn- oder Feiertag ,c. auch die Bestimmung ent- halten wird, daß der Reichstag spätesten» 6 Wochen nach seinem ersten Zusammentritt alle Mandate geprüft haben muß, und daß die anzustellen- den Erörterungen in Fällen der Beanstandung derart zu beschleunigen sind, daß die endgiltige Beschlußsassung über Giltigkeit oder Ungiltigkeit einer Wahl spätesten« 6 Wochen nach ausgesprochener Beanstandung er- folgen kann. Aus diese Weise würde schon in der ersten Session— die Minimumdauer einer Session ist doch wohl 3 Monate— die Mandat- prüsungsarbeit vollendet und könnten vor Beginn der zweiten Session schon die nöthige» Neuwahlen vorgenommen werden— während nach der jetzigen Praxi? die Wahlprüfung wesentlich nur einen formellen Werth hat und auf eme unwürdige Farce hinausläuft. — Noch einmal d i e„Frankfurter Zeitun g". Au« dem „Sozialoemokral" ersehe ich, schreibt un» einer unserer Abgeordneten, daß die„Frankfurter Zeitung" in einer ReichSlagSkorrespondenz, oder einem ReichSta.istelegramm, die Unverschämtheit gehabt hat, gelegentlich einer der Abstimmungen über den Militär-Etat vom Fehlen verschiedener sozialdemokratischer Abgeordneten in nörgelnd gehässiger Weise zu reden. Die betreffende Notiz rührt von Herrn Sonnemann selbst her und ist sür diesen Herrn um so charakteristischer, al« er unmittelbar nach der fraglichen Abstimmung, und noch ehe er seine Korrespondenz(oder Telegramm) abgeschickt, aus eine impertinente Bemerkung hin, in sehr deutlicher, wenn auch(verdientermaßen) nicht gerade höflicher Weise belehrt worden, daß er sich geirrt hatte, und daß die Abgeordneten, welche seiner Bchauptunq nach gefehlt haben sollten, zum Essen in die dem ReichSiag gegenüberliegende Restauration gegangen, aber, verabredeter- maßeu im entscheidenden Moment benachrichtigt, rechtzeitig zur Abstimmung erschienen waren. Herr Sonnemann hat also wider bessere« Wissen die Unwahrheit gesagt, um der Sozialdemo- kratie, die ihm iu Frankfurt gefährlich zu werden beginnt, etwa» am Zeuge zu flick.-n. Dieser Vorgang steht nicht vereinzelt da; e« können auf Wunsch andere, ebenso kleinliche und skandalöse Beispiele augeführt werden. — Der Kirche muß Recht geschehen! So sagte der Pastor der G e m e i n d e Lesum zu einem armen Bahnwärter, der mit seinem kärglichen Lohne sechs Kinder zu ernähren hatte, als diesem zwei der- selben gestorben waren und der betrübt- Vater den Herrn Pastor um Erlaß der Gebühren bat.„Es geht nicht, die Kirche muß ihr Recht haben I" Der Todtengräber verzichtete aus seine Gebühren, aber der Herr Pastor mußte sein Geld haben. Ein anderer Fall religiöser Nächstenliebe passirte in dem unweit Lesum gelegenen Städtchen B l u m e n t h a l an der W e s e r. Der Herr Pastor Müller hatte ein Paar zu trauen. Al» er der Braut anfichtig wurde(die Trauung geschah in einem Privathause), schlug derselbe» den Kranz vom Kopfe und zerriß ihn. Und der Bräutigam? Nun, der sah zu, anstatt dem Beleidiger seiner Frau eiue gebührende Tracht Prügel zu verabfolgen. Nur so weiter, Ihr Herren! Da» Volk ist zwar sehr dumm, aber schließlich dürste e» doch einsehen, welche unwürdige Rolle e» vor dem „Altar Gottes" spielt, wo angeblich alle Menschen gleich sein sollen. Auch da heißt e«: hier reich— hier arm l Einem reichen Mädchen gegenüber hätte sich der Pjaffe eine derartige Unverschämtheit nicht erlaubt. Die Moral von der Geschichte ist demnach: Der Standesbeamte zer- fiebert keine Braut- und„Jungsernkränze" und der Kirche muß ihr Recht geschehen— also weggeblieben! — Polizeistaatliches. In Erfurt wurde am 20. Februar Mitlag« Genosse B., als er in seine Wohnung trat, von zwei Geheim- Polizisten empfangen, die ihn erwarteten und diesmal eine„gründliche" Durchsuchung nach verbotenen Schriften vornehmen wollten. Hauptsächlich wurde nach der Broschüre:„Die deutsche Geheimpolizei" geschnüffelt. Gesunden wurde außer einigen laufenden Nummern de»„Sozialdemokrat" nicht«. Für da» Verbrecher- Album reis soll sich dabei, schreibt man un« au» Ersart, der Spitzel G ö m st e d t benommen haben, der dort al« brutaler Schuft erster Klasse bekannt ist. In«erlin, in GlaiShammer bei Nürnberg, in Mün- che», in L i m b a ch bei T h e m n i tz und an vielen anderen Orten Deutschlands find Versammlungen, in denen die ArbeitSblichersrag', der Normalarbeitstag und dergleichen besprochen werden sollte, verboten worden. Warum? Darum! — Zur Oppenheimer-AffSre. Da eine von Herrn Mose» Oppenheimer Uber seine Züchtigung durch Genosse Fischer veranlaßt« Notiz der„Neuen Zürcher Zeitung" die Runde durch die gutgesinnte deutsche Presse macht, so sehen wir uns veranlaßt, hier die gleichsall» in der„N. Z. Ztg." erschienene Gegenerklärung Fischer'« mitzutheilen. Dieselbe lautet: „Sie bringen in Ihrer gestrigen Nummer die Nachricht, daß Herr Mose« Opp-nheimer von sechs Sozialdemokraten, unter Ansührnng de« Setzer« Richard Fischer und de« Buchbinder« Karl Manz angefallen und blutig geschlagen worden sei. Zur Berichtigung dieser Bebauptnng nnd Widerlegung der daran geknllpslcn Folgerungen, bitte ich Sie, Fol- gendem Ausnahme zu gewähren: „Hrrr Opprnheimer, seit einigen Jahren in Dienst und Lohn der sozialdemokratischen Partei, hat am Samstag unter Jronisirung der Partei zugestanden, daß er an den antisemitischen Stöcker'schen„Reichs- böte" einen Artikel über Verhältnisse und Personen der deuischen sozio- listischen Partei geschrieben und an die„Limmat" und andere Blätter zum Wiederabdruck gesandt habe, der von Unwahrheiten und Entstellungen strotzt. Am Montag Abend, al« ich mit mehreren Freunden nach Hanse ging, begegnete uns zufällig Oppenheimer, aber nur ich allein be- merkte ihn. So sehr ich nun Gegner der jeden Mann infamirenden Prügelstrafe bin, so wird doch jeder Parteimann begreisen, daß mir b-im Anblick de« Mannes, der um ein paar Groschen Honorar willen von hier au» sicherem Verstecke die Partei und deren unter den heutigen Preß- und Polizeiverhältnissen in Deutschland doppelt wehrlosen Vertreter verdächtigt und verleumdet, der Zorn die Faust ballte, und ich ihm die Züchtigung ertheilte, die meiner Ansicht nach der Verräther verdient „Es ist wahr, ich habe ihn gezüchtigt, ich werde auch die eventuellen Folgen tragen; aber unwahr— wenn auch eine optische Tänschnng in solchem Augenblicke seitens de« Herrn Oppenheimer leicht begreiflich— ist e«, daß wir zu S e ch s e n über einen Mann hergesallen; au einem solchen Akt der Feigheit würde ich nie theilnehmen. Den» auch der Buchbinder Manz hat, nachdem ich Herrn Oppenheimer angerufen und meine Begleiter nicht« ahnend weitergegangen, an» ähnlichem Impulse diesen einen Augenblick an den Haaren gesaßt. Die Ehre, einen Ver- rälher an der Partei, deren Grundsätzen ich voll und ganz ergeben bin, gezüchtigt zu haben, beanspruche ich in diesem Falle für mich allein. Richard Fischer, Schriftsetzer." Von verschiedenen Stätten der früheren Thätigkeit Oppenheimer's, namentlich au» Barmen-Elberfeld, sind übrigens bereit« ZuflinimungSschreiben zu dieser gebührenden Abfertigung de« VerrätherS eingelausen. — Italien. Die Roth unter der Landbevölkerung ist eine entsetz- liche; an verschiedenen Orlen, so namentlich im Venezianischen, haben förmliche Ausstände staltgefundeu. Da« Landvolt zog vor die Gemeindchänser und verlangte stürmisch„Brod und Arbei t." Wie alle Bourgeois- regierungen, so hat auch die italienische zunächst nur eine Antwort auf diesen Ruf: Verhaftungen und Absendung von Miliiär„zur Ruhestlslung". Wo sollte sie auch Hilse für die ausgehungerten Landbewohner hemevmen? Viel wichtiger ist ja die Vermehrung der Panzerschiffe und die Einstellung neuer Regimenter. In dieser Beziehung hat Preußen in Europa„Schule" gemacht. Ein Opfer der Verfolgungen. Carlo Casiero, der ehemalige italienische Anarchist, der fich aber in den letzien Jahren mehr zu der Taktik der Sozialdemokratie hinneigte, ist infolge der brutalen Behandlung, welcher die italienische Regierung ihn im vorigen Jahre unterwarf, nach einem hitzige» Nervenleiden nunmehr vollstänoig für die Bewegung verloren. Sein Geist ist umnachtet; und der äußerst begabte Mann, der sein mehrere Hunderttausende bctragendes Vermögen voll- ständig für die Sache der sozialen Revolution hingeopsert hat in einem Irrenhaus untergebracht werden müssen. C a f i e r o war mit einer Russin verheirathet; seine Frau befindet sih in— Sibirien. Welch' ein charakteristisches Bild unserer Zeit! . Spanien. Fast noch mehr al« in Italien scheint in Spanien der Hunger seine revottirende Stimme zu erheben. In ganz Ändalnsien gährt es. Die Regierung„entdeckt" massenhaft anarchistisch: Berschwöru» gen, denn die Wuthausbrüche de« verzweifelten Volke« sind ja nach der bekannten Polizeilogik immer nur auf anarchistische ic. Agitationen zurück- ,usühren. Schade nur, daß trotz aller Verhaftungen diese„Agitationen" lein Ende nehmen wollen. Da« spanische Volk hat die Herrlichkeit de« Königthnm« von Gotte« Gnaden gründlich satt bekommen. Die republikanische Bewegung gewinnt täglich mehr an Kraft, und die Arbeiterbewegung, die natürlich in sich republikanisch ist, wächst gleichfalls in ersrenlichcm Maße. — Aus England. Newcastle, 23. Februar. Für diesmal ist der Arbeiterkandidat dem Geldsack— im wörtlichsten Sinne— unter- legen, und zwar»och ehe die eigentliche Schlacht geschlagen wurde. Wa« man wo ander« durch brutale Gewalt vergeblich zu erreichen sucht, gelingt m diesem klassischen Lande der politischen Heuchelei durch den viel wirk- sanieren Druck des Geldes. Nominell berrscht völlige Freiheit: die Presse ohne jede Fessel, kein Einmischen der Polizei in Versammlungen; aber wie im Reineke Fuch« heißt e«: „Wer blechen kann, für den wird Rith, Weh' dem, der nichts im Säckel hat!" Es besteht hier nämlich die schlaue Einrichtung, daß die Kandidaten außer ihren persönlichen Unkosten für Versammlungslokale, Flugblätter u. s. w. auch noch noch für die Ausgaben aufzukommen haben, welche sonst dem Gemeindeiäckel zujallen, wie z. B. Miethe für die verschiedenen Wahlräame, Anstellung von Beamten an den Uruen, Druckkosten für Bekanntmachungen, Wählerlisten u a. m. Für diese sogenannten legalen Kosten ist eine gewisse Summe vor der Wahl zu hinterlegen, und zwar am Tage der sogen. Nomination, an welchem die Kandidaten offiziell sefigcftelll werden. Die gesetzlich höchste Summe hiesür ist 700 Pfd. Stlg.(14,000 Ml.), und richtig, der Stadt- Scherifi verlangte 660 Psd. Stlg., da« heißt, da im Ganzeu drei Be Werber austraten, für jeden 4400 Mark. Was für den Liberalen und Konservativen Spielerei, war für den Arbeiter eine Unmöglichkeit, und so mußte man denn die Kaudidalnr fallen lassen. Da die Wahl auf Gaund der alten Listen statlstnden sollte, wa« die Kosten bedeutend verringert, hatte das Arbeiter konnte sich aus hövsteu« 100 Psd. Stlg. gefaßt gemacht. Es Herrschi denn auch unter den Arbeitern eine ziemliche Erbitterung, da wohl leicht einzusehen ist, daß diese ganz iinvcrhälinißmäßige Forderung ein scklanes Manöver war, die lästige Arbeiterkandidanir ohne Sang und Klang zu begraben. Aber aufgeschoben ist uicht aufgehoben. Ohne sich entmuihigeu zu lassen, haben die Arbeiter sofort eine Liga für Arbeiterwahlen gegründet, und bei der nächsten Gelegenheit werden sie wieder und alsdann wohlgerüstei den Kamps aufuehmen. Trotz de« unglücklichen Ausgange« ist da« Vorgehen der Newcastler Arbeiter von höchster Bedeulung für England. an sie auch von den beschränkten Führern der TradeS-Union« im Stich gelassen wurden. so liefe» doch von allen Seiten, und namentlich von London, so viele Z.!stimmu»gSschreiben ein, daß man sich der berechtigten Hoffaung hin- g ben dais, daß die englischen Arbeiter endlich ansangen werde», fich von der B vormuiidung durch die liberale Partei zu befreien.-o- Korrespondenzen. — Stollberg(in Sachsen), 25. Januar. Zum Verbrecher- Album. Wenn man die Reden nnd Schriften unserer Konservativen über die Frage:„Was ist zu lhun, um der herrschenden ArbeilSnv begegnen?" genau durchliest, so tönt un« als letzte Weisheit dieser He., i immer da« Eine Wort entgegen: Prügel! Prügel find da« beste Re> zept gegen alle soziale Schäden. Das ist nun echt russische Knutenkultur, wie ja überhaupt die konservative Partei in ihren Konsequenzen neben der religiösen Heuchelei alle Keime der Verrohung der Massen in fich trägt. Einer der verschlagensten Führer unserer sächsischen Konservativen ist der Minister V. Nostiz-Wallwitz. Kein Wunder daher, wenn wir in Sachsen die Prügelstrafe, z. B. in Arresthäusern, schon haben. So kam in diesen Tagen ein Handwerksbursche— also ein Opfer unserer traurigen Verhältnisse—„per Schub" in seinen Heimathort Stollberg, wurde im Amtsgericht allda inhaftirt und vom GerichtSamtS-Wachlmeister und Gefangenendieuer Granbner visitirt, wobei sich der Handwerks- burfche bis auf die Haut entkleiden mußte. Bei dieser Visitation titalitte der Gefangenendiener Graubner den Handwerksburschen mehrmals „Vagabund"; der aber protestirte gegen diese Bezeichnung und erklärte ruhig, er sei kein Vagabund, sondern nur arbeitslos. Nach Graubner'S Logik wäre dessen Vater in H. auch Vagabund, er habe diesen erst vor Kurzem mit 20 Pfg- unterstützt. Diese unerwartete Sprache versetzte den Graubner in die äußerste Wuth, er ergriff den bereitgehaltenen Stock nnd schlug mit aller Gewalt auf den nackten Körper des„frechen Vaga- buuden" lo». Der Wachtmeister stand daneben und bil- ligte diese brutale Mißhandlung. Der Handwerksbursche wurde nach einigen Tagen wieder entlassen und traf auf dem Wege nach Jahnsdorf drei alte Bekannte, denen er seinen mit blutunterlaufenen Striemen bedeckten Körper zeigte. Bitteren Groll im Herzen, mußte er weiter, denn Arbeit hatte er nicht gefunden. Es ist nun nicht da« erste Mal, daß dieser Graubner arme Hand- werksburfchen mit dem Stock traktirte; würde aber ein so untergeord- neter Beamter wohl solche Brutalität wagen, wenn er nicht wüßte, daß sein Verhalten nach Oben hin Billigung findet? Und nun wollen wir uns den Herrn Graubner einmal näher be- trachten: Unter den ärmlichsten Verhältnissen erzogen, war er, ehe er zum Militär kam, der ehrlichen Arbeit keineswegs zugethan; darum fand er e» später für einträglicher, nach Oben hin zu schmarotzen. Bon Bil- dnng ist natürlich keine Rede bei ihm, desto größer seine— E i n b i l- dnng. Seine Frau— ein ganz ehrloses Weibsbild— mußte sich der Kerl aus dem Gesängniß holen, um nicht unsittlicher Handlungen wegen, die er mit dieser Person im Gesängniß getrieben, selbst in's Gesängniß spazieren zu müssen. Wir glauben daher, daß diesem rohen Lümmel im„Sozialdemokrat" ein„Gedenkstein" an richtiger Stelle einzuräumen ist. I- — München, Jahreswende 1882/83. Ein schwere» Jahr ist e«, da« wir hinter un« haben.-Der Ansang des Jahres brachte uns die Verhaftung von 18 unserer besten Genossen und damit eine schwere Last. Wir durften die ihrer Ernährer beraubteu Familien nicht ver- lassen. Aber die Münchner haben sich wacker gehalten. Im Jahre 1882 waren wir genöihigt, 2088 Mk. zu verausgaben, und von dieser Summe wurden in München allein 1588 Mark von den Sozialdemokraten auf- gebracht, gewiß eine ansehnliche Leistung von Leuten, die selbst nicht viel haben und von allen Seiten in Anspruch genommen werden; den Rest sandten un« brave Genossen. Zur Zeit brummen noch sechs unserer Freunde im LandeSzellengefängniß zu Nürnberg, zwei Monate müssen sie noch der blinden Justiz al« Sühne widmen, dann kehren auch sie wieder heim zu neuen Chikanen unserer löblichen Polizei. Diese hat übrigens neuerdings auf ihren Hochmuth einen bedenklichen Dämpfer erhalten; wir meinen die Beanstandung der letzten hiesigen Reichstagswahl, allwo sich unsere Hermandad allzu tölpelhast unverschämt benommen hatte.— Die politische Thätigkeit der hiesigen Arbeiterkreise lag ebenso wie in den paar früheren Jahren, so auch im letzten Jahre, ganz darnieder. Auch das gewerkschaftliche Leben ist so ziemlich erstorben. Die Polizei hat selbst Krankenkassen gegenüber unglaubliche Dinge geleistet; in Folge dessen verloren die Beiheiligten den Muth und alle Organisation ging in Trümmer. Neuerdings versuchten einige Kaffenvorstände vermittelst einer Petition an den Reichstag um Ablehnung des Krankenkassengesetzes die Starre zu brechen; sie erzielten wohl einigen Erfolg, aber doch nicht genügend. Al» jedoch jüngst der hiesige demokra'ijche Volksverein eine von gut 1000 Personen besuchte Versammlung einrief, in der neben dem Volks- parteiler auch die Genossen Grillenberger und Biereck hier über die Arbeitsbücher sprachen, regte es sich lebhaft in den Kreisen der hiesigen Arbeiter; sie scheinen endlich au« ihrer bisherigen Theilnahms- losigkeit herauszutreten und fich wenigsten» an den volkswirthschaftlichen Fragen unserer Zeit betheiligen zu wollen. ES ist aber auch Zeit, denn der bisherige Stumpfsinn war geradezu fäulnißbringend. Hoffentlich wird auch die Neuwahl nicht ohne Einfluß bleiben, und namentlich den hiesigen Genossen neuen Muth und das Bewußtsein bringen, daß ein b-auchbare« schneidige« Schwert nie rostend in der Scheide stecken darf. Genossen, sammelt Euch uud vereinigt Eure Kräfte! Denn einen lustigen Streit bringt un« da« Jahr 1883. Aus Ovid's Metamorphosen.*) E« flickt ein Schneider ein Gewand Für eine Majestät, Und wie er'« hält in seiner Hand Und in die Falten späht: O Wunder, Wuuder I was schaut heran«? Eine Laus, eine Lau«, eiue königliche Lau«. Der Schneider hüpft vor Freud' empor, Sieht sie mit Wollust an, Und holt sein Messer flug« hervor, Und ach! was macht er dann? O Wunder, Wunder! er spaltet sie, Spaltet sie, spaltet sie, diese» königliche Bieh. „Die eine Hälfte bleibet mir Bon dieler Königslau«, E« stecket soviel Blut in ihr, Ein Fürst wird wohl noch draus." O Wunder, Wunder! er speist sie geschwind, Und er wird, und er wird, wird ein für nehm FUrstenkind. Da fragen die Gesellen ihn: „Was aber kriegen wir?" „Die andre Hälft' ist euch verlieh'»; Da« ist genug für vier." O Wunder, Wunder! au« der halben Lau» Kommen noch, kommen noch sünsthalb Grafen wohl heraus." Ter Lehrjung sah fich Alles an: „Herr Meister, lagt mir jetzt, H- r, sehe ich, kriegt Jedermann, WiS krieg i ch denn zuletzt?" „O lecke, lecke das Messer rein, Uud Du wirst, uud Du wirst'n schlechter Edelmann noch sein!" Heinrich Hoffmann v. Fallersleben. („Unpolitische Lieder"(Hamburg). Auch diese» prächtige Gedicht bildet einen charakteristischen Beitrag mm Thema von der„loyalen" Bourgeoisie. Bor 40 Jahren, al« die Bourgeoisie noch radikal war, schrieb Hoffmann von Fallersleben ihr „aus der Seele". Herne lecke» ihre erleuchtetsten Geister mit Wollust„da« Messer rein". Und da leugne Einer noch den Fortschritt! - Hffeue Anfrage au die sozialdemokratischeu Reichstagsabgeordneten Nachdem die meisten Lokalblätter berichteten, daß bei dem Antrage Windthorst's betreffend Dautesvotum für den Kaiser fich s ä m m t l i ch e Abgeordnete von ihren Sitzen erhoben hätten, erlauben sich mehrere die Frage, wie fich diese« Verhalten mit der politischen Ehre der sozialdemokratischen Abgeordneten vereinbart? FUrth. B. Sch.«. N. »«» Aus die offene anonyme Anfrage eine offene anonyme Antwort Keiner hat fich erhoben. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter: L. Anonymus. Warnung. Bor dem au« Berlin ausgewiesenen Bildhauer Blonk wird hiermit dringend gewarnt. Nach übereinstimmenden Berichten au» Berlin, D r e« d e n und L e i p z i g hat Blonk dort da« Anpumpen systematisch betrieben, und liegen Anzeichen vor, daß er auch politisch nicht sauber ist. Friedrich Vogeuitz, Cigarrenarbeiter in Newyork, wird ersucht, seinem Bruder eine Nachricht von fich zukommen zu lassen und seine Adresse mitzutheilen. A. Vo genitz, Schriftsetzer, Alten bürg(S.-A.), Kunstgasse 17. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Brieflasten der Redaktion: H. Hinze in R e w- U o r k: Wir haben Ihr „Eingesandt" nicht aufgenommen, weil eine derartige„Ermahnung" leicht mißverstanden werden könnte. Haben Sie nur Vertrauen zu unseren Berliner Parteigenossen; dieselben werden sicherlich Alle» aufbiete: in den damaligen Fehler zu verfallen. Die Verhältnisse haben sich inzwischen ganz wesentlich geklärt. der Expedition: X3: Mk. 30,— a Cto. Ab. erh. Bf. erwartet. P. L. M.: Mk. 2,— f. Schst. erh Die Adresse Herter ist längst erloschen, ebenso Obrist-Ste-ner.— H. Z.: Fr. 1,50 f. 10 Expl. Nr. 8 erh.— Rackow London: Bf. v. 22/2. u. Rmttd. erh. u. gutgebr. In Nr. 9 Fr. 116,— statt Fr. 126,— quittirt. Druck- sehler.— F. K. Pari«: Seit Nr. 2 bereits Nicht« m hr avges. 1 dünue» folgt.— Gracchu« W.: Nachr. v. 22. u. 23. hier. Gewünschtes kommt. — Blitz: Gut. Der Tausch wird gemacht.— Eintracht: Bestllg. folgt. — R.: GeuSdarmerie, Polizei, Nachtwächter und Flurschütz mußten die teuflischen Blätter sammeln? Haben hoffentlich vom vergeblichen Bücken „roihe Nasen" davongetragen.— R. G. London: L. vorgemerkt. Weitere« wird besorgt.— Rother Franz: Für R. H. keine Aussicht. In betr. Branche auch hier„Holland in Noth". Höchster Verdienst kaum Fr. 12,— Durchschnitt pro Woche und Massenangebot von Arbeiterinnen obendrein.— ö. IV.: Diss.-Ges. dort i. jeder Buchh. Bf. folgt.— W. D. Lausanne: K. ab 3 besorgt. F. ab 9. Preis Mk. 3,— pr. Quartal. Weitere« wie sonst für Sie abgg.— Victoria: Erste Sdg. am 19/2. Bs. am 20. abges., desgl. Forts, laufend. Bald antworten!— M-f H.: Reibe wird eingehalten. Bsl. am 23. geantw. Adr. geordnet.— Album: Der„Zablungslustige" bringt scheint« die Hand nicht mehr au« der Tasche. Nachr. v. 22. u. 23. am 27. u. 28. beantw.— Unigenitus: Alle« besorgt, lt. Bf. v. 27/2.— Bayr. Hiesel: Die 20 find unterwegs. In Obgzbg. wünscht Jemand 16 von der Sorte.-- atore: Nachr. v. 16. und 19. erh. Sch.'« Adr. leider unbekannt. Wollen versuchen anderseits abwinken zu lassen.— L. P. Pari«.„Entwicklg." noch nicht versandtfertig.— Ferd.: Bf. v. 22. erh.— Lüneburger Haide: FondS- quittg. kommt. Weitere« besorgt und gut.— Rother Greis: Wahrscheinl. durch Zwischenhand verknobelt. Weitere« vorgemerkt.— Hippokrale«; Ansstllg. erh. u. entspr. gebucht. Alle« fort. Ersatz unmöglich. Betr. Beitrags einverstanden und gemeldet. Bezugsquelle d. F. unbekannt. Weiteres n. Wunsch.— Robert Blum: Mk. 4,— Cto. Anthle. gulgebracht. Abrechng. glatt.- Nordlicht: Mk. 31,70 Ab. u. Schst. erh. K. dem- nächst nen.— H. M. Genf: Fr. 45,— Ab. 1. Qu. u. Fr. 10,— für Marken an K. erh. u. besorgt.— Kilian: Mk. 40,80 Ab. 1. Qu. erh. Mehrbestllg. ic. notirt.— Flensburg: Mk. 20,— P.-Blrg. dem Agfd«. dkd. zugew.— F. R. Hüll: Mk. 5,— Ab. 1. Qu. u. Schst. erh. Wird schon noch werden.— Dr. E. I. SP.: Mk. 12,— Ab. pr. 1883 erh. — Schorfe: Mk. 185,— ä Cto. Ab. ,c. erh.— Pfeil B.: Mk. 65,65 Ab. 1. Qu. baar und in Ggrchng. erh. Mehrbestllg. n. Nachlfrg. soweit mögl. Weitere« notirt.— Der alte Rothe: Mk. 24.40 k Cto. Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Weitere« geeigneten Orte« dargelegt und vorgem.— Nr. 548: Strdt. längst vergriffen. Weitere« kommt. Adr. geordnet.— M. M.: Mk. 2,— dem Agfd«. dkd. zugew. desgl. Mk. 1,— Heidesheim. Alles besorgt.- A. B. Bern: Fr. 50,50 Ab. 1. Qu. Fr. 22.50 Druck- konto u Fr. 10,— f. Sch. an K. erh. und besorgt. Qttg. veranlaßt.— N. H. Oerlikon: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. erh.— Blli: Fr. 1,50 s. div. Schst. v. d. B. erh.— a. d. Eider: Mk. 40.20 ä Cto. Ab. 1. Qu. erh. Bsl. am 27/2. geantw.— Heinrich: Mk. 16,50 Ab. 1. Qu. erh. u. Mk. 10.— d. Ufd«. dkd. zugew. K. benachrichtigt.— Badener: Mk. 70,— ä Cto. Ab. u. Schst. erh.— Schstbestllg. folgt. Weitere« ver- anlaßt.— Sch. H. O.: Mk. 4,40 Ab. 1. Ou. erh.— H. Verl. Frbg.: Mk. 2.— f. Schft. erh.— Titelsritze: Mk. 3— k Cto. erh. Weiterenach Einzug durch G. Adr. B- geeordnet. Ers. 6 folgt.— Ahasoeru«: Mk. 12,— Ab. 3. u. 4. Qu. 82«. u. Z. erb.— F. Bloch: Alle» besorgt.— Gracchu« F.: Bestllg. ic. notirt. Roth, wenn möglich.— A. S. Basel: Fr 15,— Ab. 1. u. 2. Qu. 2 Expl. E. erh.— Heim« Oneida: Fr. 17,50 1. Rate dem„Konseren, sonds" dkd. zu Gründe gelegt. Fr. 12,50 an T. behändigt.— Liffag. franz. nicht mehr zu schaffen. H. B. ist allerding« der„poetische" Maler mit dem blutigen Pinsel. Grüßet — Z.: Mk. 6,— Ab. 1. Qu. erh. Ueber Einzelabonnenteu„wegen Ver- breitung Anklage und Bciessprrre" zu verhängen, haben Madai u. Co. stet» da» Bedürsniß, wenn ste fich noch lange nicht genug blamirt haben. — Rother Holländer: Mk.—,60 gntgebr. ZwaugSeinladungen zu solcher Benefizvorstellung erhielten außer Ihnen u. Nachbar Z.— wie Sie sehen — noch mehrere hochgeachtete Personen. Ers. folgt.— A. L. B.: Ihre Abonnenten warten mit großer Spannung auf» Blatt? Wir aus'» Geld. Bitte, grüßen Sie den Molkenmarkt pränumerando von un» und den Andern, die auch warten mußten.— Herm. Dähnert u. Gen. Philadelphia: 10 Doll. dem Agitfd». dkd. zugew.— Otto Plettner Grd«.: Fr.—.70 Ab. März 1 Expl. u. Fr. 2,— Ab. B. März bi» Ende Mai u. Fr. 1,30 pr. Ufd». dkd. erh. r7-i-i-rv;r»Vi SMUtag, den 3. ,März, Abends 8 übr, im Caf4 AiLll IC-i-l. Kessler: Oeffentliche Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Sozialpolitische Rundschan. VifanslAn Oomm. Arbeiter-Bildungs- Verein 49 Tottenham Street, Tottenham Coart Road. Die Wirthschaft des Vereins ist geötfnet ron Morgens 9 t,is Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. Echwri irrische St-nolsrnschafitbllchdrnckerii HoNina----Z»rich