ftfttint M S 4• n 1 1 1<»(i n.'m• I tn Sürich(Schweiz) Sttl«| »» l I»»» 4 h<«» n» H» ttt»«»»-Aarich. K»Kf»udungei sranc» gegen srane»� gewöhnlich« Briefe »ach der Schwei, losten Toppelporto. Der SoMemokwt Jentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Aövavemeuts werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und besten belannien Agenten entgegengenommen und zwar zum varaut zahlbaren Vierieljahriprei» von: Fr. ll.— sllr die Schwei, ilireuibands Mi. Z.— siir Deutschland st. l. 70 sllr Oesterreich(Couvert Fr. 2.60 sllr alle llbrigen Länder bei Weltpostverein« lltreuzbandz Zllserite Di« dreigespaltene Petitjeil 2b llt». 20 Psg. R.° 1K Ponncrslag, 8. März. 188S. Zwi»«,»it>I>»>»r»te»-ad A«ms»»»dt>itil de»„Sosiildemokrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland»li auch tn Oesterreich»erboten ist, be,w.»erfolgt wird, und die dortigen «thirden stch alle Muhe geben, unsere verdtudungen nach jenen Ländern mbglichst»u erschweren, resp. Briefe von dort an un« »ud unsere Zeitung«» und sonstigen Sendungen»ach dort abiusanaen, so ist die äußerste Vorficht im fjostnerkehr nothwendig und darf leine Vorfichtimastregel»ersäumt«erden, die vriefmarder llber den wahren Absender und SmpsZnger, sowie den Inhalt »er Sendungen ,u täuschen, und letzter« dadurch ,u schätzen. Haupterfordernitz ist hie,u einerseit«, daß unsere Freunde so selten al» möglich an den.Sozialdemokrat', resp. deffen Verlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtig« stehenden Schwierigleiten den.Sojialdemolrat' unser» Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Parteigenossen! Kesugnehmend aus dir sritherigr« KeKauutmachuugeu. die Allgemeine parteiberathung drtrrsseud, ersuchen wir Euch nochmals, die llöthigeu Zlorkehruagru daidigk treffen zu wollen. Nor Allem iff nöthig. die Namen der siir die Nartciberathung bekimmten Nertranensmänner schleunig ff uns ans den Such bekannten Wegen mitjutheiteu, damit wir denselben zur rechten Zeit nähere Weisung inkommeu taffen können. Kitte deutlich geschriebene sichere Adresse, an wen die betreffende Weisung gelangen soll, ist öeiznsngen. Zürich. 1. Mörz 1883. Die Redaktion und Srpeditiou des„Zoiialdcmokrat". — Die Genossen von Barmen-Elberfeld erklären sich mit den Beschlüssen der sächsischen Delegirtentonserenz einverstanden. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Tozialistengesehes. Bom Oktober ist nachzutragen: HildeSheim Mk. 1,—• Fiir November: Siel 7,50. Im Januar gingen ein: Pforzheim Mk. 30-, Franks. a/O. 20,—, de«gl. 4,-, Netzschkau 10,—, Königsberg i. Pr. 5,—, desgl. 5,40, Bon den rothen Surgästen in Baden-Baden 16,—, Mittweida 6,60, Cölln b. Meißen 24,— Penig 4,50, Bon den Genossen de« 18. sSchs. Wahlkreise« 100,-, Greiz 34,65, MIU« heim a. Sth. 30,—, Quedlinburg 3,— Bom LandeSanSschuß der deutschen Sozialisten in der Schweiz 80,—, Karlsruhe 100,—, desgleichen 20,—, Mainz 50,—, Liegnitz 9,—, Stollberg 7,50, Potsdam 5,—, Pforzheim 7,50, Zittau 15,—, Zeitz 4,—, Augsburg 32,50, W erbau 20,—, Barmen 30,—, Kiel 25,—, Ernstthal 3,80, Potsdam 20,—, Schleswig 10,—, Neumtinster 3,75, Lübeck 50,—, Solingen 50, Elberfeld 100,—, Schwe- rin 2,50, Danzig 30,-, Baden 8,—, Köln(b. K.) 100,-, B. Berlin 10,—, Minden(d. Krck.) 15,—, desgl. 1,20, Hannover 33,—, Hamburg 59,75, Görlitz 8.—, Forst 31,—, Kiel 11,10, Ronsdorf 20,—, Alten- bürg 5,40, Rendsburg 6,—, Neumiinster 4,—, Gaarden 5,—, Schleswig 2,—. Gera Mk. 35,—, Halle 22,—, Erfurt,„Das Banner hoch!" 35,—, R.«. Köln 30,—, Halberstadt 9,50, Gotha,„Die Schwindler" 47,—, Berlin VI 6,50, Herford 20,—, Rendsburg 10,—. Im Februar gingen ein: Creseld 16,-, Cassel 9,70, Rostock 20— Plauen i. B. 15,—, Görlitz 9,20, Ernstthal 8,—, Spremberg 5,—, Cölln b. Meißen 5,—, Sprem- berg 5,—, Brandenburg 40,—, LangenWelau 15,—, Gaggenau i. Baden 7,—, Bieleseld 50,—, St. Johann 8,—, Königswalde 4,80, Mittweida 7,50.— Hannover 100,—. Ferner gingen ein: Hebert Mk. 4,— Romeo und Julia Mr. 25,—) 20,—, D. B. WädeuSweil(Fr. 7,—) 5,60, Sozialisten von Montmartre (Fr. 5.-) 4,-. Soz. Zug(Fr. 1,—)—,80, Für eine von Fritzsche in Philadelphia zum Besten der Ausgewiesenen geschenkte und von ihm bei der Weih. nachtSseier de»«erein» versteigerte Bretzel(Doll. 15,30) 61,68, L. in Clle. 2,-, M. M. 2,—, Heidesheim 1,—, Zittau 10,—. O. P. Grand- son(Fr. 1,30) 1,04, Vom rotheu Quartett in Chur(Fr. 1,50) 1,20, Bon einem Arbeiter in London, der aus Grund de« Hastpflichtgesetzes den Prozeß gegen seinen Ausbeuter gewonnen(Fr. 25,20) 20,16. Zusammen: Mk. 1975,33. Agitationsfonds. Parteigenossen i. Brüssel d. L.(Fr. 4.30) Mk. 3,84. Bon einem Russen(Fr. 5,—) 4,—.». Heim« i. Oneida(1. Rate z. Kouserenz- fond«)(Dllr. 3,50) 14,—. Flensburg(Parteibeitrag) 20,—. H. Däh- nert u. Gen. in Philadelpia(Dllr. 10,—) 40,96. Zusammen Mk. 82. 80. Anthellfonds-Quittung. Sch. Basel Mk. 4,—. Gera 32,—. Schwerin 20,—. Frankfurt a. d. O. 16,—. Solingen 24,—. R. Freiburg i. B. 4,—. Borige Quittung Mk. 2693. 60 Hierzu„ 100.— Zusammen Mk. 2798, 60 „Die reaktionäre Masse." Dieser Tage ward eine gewaltige„Geistes- und Geisterschlacht" im preußischen Abgeordnetenhaus geschlagen. Hie Christenthum! Hie Wissenschaft! war die Devise. Hie Stöcker! Hie Virchow! Königlich preußischer Hofprediger auf der einen, königlich p reu- ßischer Professor auf der anderen Seite! Das„Multerthier" de« königlich preußischen Professor« DuboiS-Reymond, Erfinders und zeitweiligen Chef» der wissenschaftlichen Leibgarde der Hohen- zollern, wie er wiederholt die Berliner Universttät betitelte, hatte zu dem Strauß den Anlaß gegeben.„Herr DuboiS-Reymond", so zeterte der protestantische Kapuziner und königlich preußische JntelligenzstaatShofprediger,„Herr DuboiS-Reymond predigt den nacktesten Materialismus, er degradirt den Menschen zum Thier, und zerstört Religion und Moral— die einzigen Stützen des Staat« und der Gesellschaft. Nieder mit den Gottesleugnern und Umstürzlern!"„Auf den Scheiterhaufen mit ihnen!" sagte Herr Stöcker nicht, er dachte es aber. Und was hatte Herr Virchow, der große Wissenschaftler und Fortschrittler, zu antworten? Schleuderte er dem heuchlerischen Pfaffen ein zorniges:„Ja, die Wissenschaft zerstört die Religion!" entgegen? Gestand er mit männlicher Offenheit: „Die Wissenschaft ist die Todfeindin Eurer Reli- gion. Zwischen Wissenschaft und Religion gibt es keinen Frieden, höchstens dann und wann einen faulen Waffenstillstand. Und die Wissenschast muß im Interesse des menschlichen Fort- schritt«, im Interesse der Geistesfreiheit, Eure Religion ver- nichten, welche die Entwicklung und Emanzipation der Mensch- hcit hemmt. Die Religion legt uns Ketten an, und zieht uns Schranken. Die Wissenschaft zerbricht die Ketten, und wirft jegliche Schranken zu Boden. Die moderne Wissenschaft, welche da heißt Darwinismus und den einheitlichen Ursprung aller organischen Wesen lehrt, ist das Evangelium der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit— und wer dieser Wissenschaft entgegentritt, ist ein elenderReaktionär, der snns treve et»ans reläche(ohne Waffenstillstand und ohne Erschlaffung) bekämpft werden muß"— war das die Sprache des großen Wissenschaftlers und Fortschrittlers Virchow? O nein! Der Mann, welcher vor vier Jahren schon das berüchtigte: die Wissenschaft muß Halt machen!(eine abgeschwächte und verschlechterte Lesart deS offiziellen:„die Wissenschaft muß umkehren!") ausgesprochen hatte,„blieb sich selber getreu" und— verleugnete den Darwinismus.„Auch ich bin— gleich Stöcker—, ein Gegner des Darwinismus!" Schade, daß beide so weit auseinandersaßen, sonst würde der königlich preußische Hosprediger dem königlich preußischen Professor an den Hals ge- sprungen sein.„Aber", fuhr der königlich preußische Professor und Fortschrittler fort,„wenn ich auch ein Gegner des Darwi- nismuS bin, so verlange ich doch die vollste Duldung für ihn!" Duldung für die Wissenschaft! Das ist das Höchste, zu dem sich der große Wissenschaftler und Fortschrittler Virchow emporschwingen kann. Herr Virchow sagte freilich noch vieles Andere. Er nahm ein paar Dutzendmale das Wort Wissen- schaff in den Mund, und bestritt Herrn Stöcker das Recht, über wissenschaftliche Dinge zu reden— das ändert indeß nichts an der Thatsache, daß er die Wissenschaft verrathen, und, indem er für die Wissenschaft bloß D u l d u n g fordert, sich sogar unter die preußische Verfassung gestellt hat, welche ein Recht der Wissenschaft anerkennt. Daß Herr Virchow die Sittlich- keit der Wissenschaft betonte, kann uns mit diesem schmach- vollen Verrath nicht aussöhnen. Ja, gewiß ist die Wissenschaft sittlich, allein daraus folgt, daß die Religion unsittlich ist. Und das wagte Herr Virchow nicht zu sagen. Er schlich wie die Katze um den heißen Brei, faselte von der Reinigung der Religion durch die Wissenschaft, von der Versöhnung der Religion mit der Wissenschaft— kurz, daS alte Heiopopeio jenes widerlichm Zwitterdings, genannt Freireligiösität oder „Aufklärung". Fürwahr, da ist der königlich preußische Hofprediger uns noch lieber, als dieser königlich preußische Fortschrittler und Professor, der, die verkörperte Halbheit, in seiner Person die Halbheit seiner Klasse, der Bourgeoisie, zum klassischen Ausdruck brachte. Ob sie in inbrünstiger Liebe vor dem Hohenzollernhaus aus den Knieen Herumrutschen, oder die Sache der Wissenschaft feig und schnöde verleugnen— wir können für diese, mit ihrem Radikalismus prahlenden Fortschrittler nur das Gefühl der Verachtung haben. Und wer will es tadeln, daß wir ihnen ihren Platz anweisen neben den Stöckers, Windthorst, Minnigerode— in Mitten der„reaktionären Masse"? Die Sozialdemokratie und die Ausnahme- Gesetze. Aus mehrfachen Wunsch lheiten wir hiermit auch noch die vortrefflichen Schlußworte Liebknecht'« in der Debatte vom 11. Januar 1883 über seinen Antrag:„Abschaffung aller Ausnahmegesetze" mit. Sie find in jeder Beziehung bemerkenswerth: Liebknecht: Aus der ganzen Rede des Herrn Abgeordneten Windt- Horst haben wir trotz aller Windungen und Wendungen, die zum Theil den vom Abgeordneten Richter angedeuteten Grund haben mögen, nicht« andere« herausgehört al« da«: Nein!— E« ist kein triftiger prak- tischer Grund vorhanden, gegen diesen Antrag zu stimmen, wenn man Gegner der Ausnahmegesetze ist. Der Antrag mag praktische Schwierig- keilen haben, diese kommen hier gar nicht m Frage. Wer p r i n z i- p i e l l für die Aushebung der Ausnahmegesetze ist, kann, soll und muß für diesen Antrag stimmen. Wer e» nicht thnt, hat Bedenken gegen die Abschaffung de« einen oder de« anderen, wo nicht aller Ausnahmegesetze, steht also nicht aus dem prinzipiellen Boden derFreiheit und de« gleichenReqr». Essoll über da« Prinzip abgestimmt werden, und, wie schon gesagt, sämmt- liche Mitglieder und Parteien de« Hause« sollen Farbe bekennen. E» gibt manchen, der gerne für die Abschaffung de« Sozialistengesetze« stimmen möchte; er stößt sich aber an den Diktaturparagraphen, den die Regierun g für Elsaß. Lothringen nöthig hält; einen anderen stört da« da« Jesuitengesetz. Meine Herren, wer so befangen ist, steht aus dem Boden der Ausnahmegesetze, ist sähig, den Weg der Ausnahmegesetz- gebung weiter zu wandeln; er ist prinzipiell für Ausnahmegesetze, und au« Nützlichkeits- und Jnteressengründen bloß gegen die Ausnahme- gesetze, welche ihn genire». Wir haben keine Lust, den lln- entschiedenen und Unklaren den Rückzug zu erleich. lern und theilen also die Abstimmung nicht. Meine Herren, der Abgeordnete Windthorst hat mit einem großen Pathos, welches, wie e« mir scheint, den Mangel an eigentlichen Gründen hat er- setzen sollen, aufgcsordert, wir sollten jede Gemeinschaft mit den Nihilisten, jede Gemeinschasl mit der Pariser Kommune abschwören. Er hat dabei den Versuch gemacht, mich in einen Gegensatz zu früheren Reden in diesem Han« und zu meinen Parteifreunden zu bringen. Er hat ferner verlangt, wir sollen den revolutionären Zielen abschwören; denn die revolutionären Ziele erheischten auch revolutionäre Mittel. Ich habe dem Abgeordneten Windthorst hier zu antworten, daß ich keine Aeußerung, die ich oder irgend einer meiner Partei- genossen jemals im Hause mit Bezug aus die Rihi- listen, dieKommune und dieRevolutiongemacht hat, zurücknehme oder gar ihr entgegentreten kann. Wir haben nicht den geringsten Grund, die Nihilisten zu verleugnen. Wir haben mit den Nihilisten nie etwas zu thun gehabt; ich dementire nicht eine gemeine Polizeilüge. Die Nihilisten find ans einem anderen Boden gewachsen, al« der deutsche Boden ist; die Nihilisten sind das nothwen- dige Produkt der russischen Zustände; in Rußland hat der Dolch und der Meuchelmord Jahrhunderte lang von oben herab seine blutige Arbeit verrichtet, der Meuchelmord ist in Rußland so zu sagen eine Institution. Ich habe schon früher von dieser Stelle au da« bekannte Wort erinnert: in Rußland ist der Despotismus towporö pur I'assassinat, durch den Meuchelmord gemäßigt. Jetzt kommt da» assassiuat von unten, während es bisher immer von oben gekom- men ist; der Nihilismus ist also ein- spezifisch russische Erscheinung; aber daß wir die Männer, welche, verfolgt, unmenschlich gehetzt von der Polizei, sich aufgelehnt haben gegen da« herrschende System, Männer, die, solange in Rußland politische Verbrechen noch von Geschworenen abgeurtheilt wurden, sogar von den russischen Geschworenen freigesprochen wurden,—daß wir diese Männer hier verleugnensollte», da« fällt mir, da« fällt un« nicht ein; da« wäre eine Unwür« d i g k e i t; ich bin überzeugt, daß die Nihilisten aus sittlichen und edlen Motiven handelten, (hört I hört! recht«) und ich bin serner Überzeugt, daß sie jene» schmachvolle System, welche» jeden anderen Protest, jede andere Willenskundgebung unmöglich macht, in der einzigen möglichen Weise bekämpfen. Die Ent- rüstung muß sich gegen da« S Y st e m richten, nicht gegen dessen Opfer. Ebensowenig sällt e« un« ein, die Pariser Kommune zu verleugnen. Ich muß hier bemerken, daß wir nicht, wie der Abgeordnete Windthorst zu glauben scheint, erst neuerdings für die Kommune eingetreten sind, sondern, daß wir schon, ehe die Kommune gefallen war, unsere Soli- darität mit ihr erklärt haben. Den Gefallen, meine Herren, thun wir Ihnen nicht, daß wir etwa« zurückziehen, wa« wir früher in Kon- seqnenz unsere» Prinzip«, einmal bekannt haben. Wenn Sie die Kom- mune für etwas falsches halten, so ist da» I h r e Sache. Unter- richten Sie sich darüber, wa» dieKommune inWirk- lich keit war und lesen Sie nicht blo» da«, was seile Schreiber über sie gelogen haben, dann werden Sie finden, daß die Kommune die Sympathie aller edlen Menschen verdient. Alle«, wa»«an als„Ber- brechen" der Kommune" zu bezeichnen pflegt, ist entweder einfach erlogen; oder die Kommune hat nicht« damit zu thun gehabt. Wa« nun den Verzicht auf die revolutionären Ziele betrifft, so können wir auch in dieser Beziehung dem Herrn Abgeordneten Windthorst den Gefallen nicht thun. Ich befinde mich in dieserBeziehungmitkeinemmeinerKollegen irgend- wie im Gegensätze. Da», wa» ich vorhin ausgeführt habe, hat Ihnen bloß beweisen sollen, daß die Polizeilegende, welche theilweise auch in die Presse übergegangen und durch die Presse theilweise auch Ihre Ansicht geworden ist, jeglichen Grunde» entbehrt. Unsere Partei hat nie nnd nimmermehr, weder durch den Mund eine» der Abgeordneten noch durch den Mund irgend eine« mit un» in Verbindung stehenden Organ» erklärt, daß wir prinzipielle Gegner der gesetzlichen Reform seien und die Revolution in Deutschland machen wollen. Wir haben stet» erklärt, ähnlich, wie ich die» vorhin ausgesprochen habe, daß wir die Wahl, ob Rekorm oder Revolution, nnsern Gegnern überlassen, daß diese allein die Entscheidung zu treffen haben. Wenn wir aber trotzdem gesagt haben und sagen: wir sind eine revolutionäre Partei, so haben wir auch stet« verlangt und verlangen, daß man „Revolution",„revolutionär" nicht im Polizei sinne gegen un« an- wendet. Wenn wir sagen: wir find eine revolutionäre Partei, so heißt da«: wir glauben nicht, daß durch Palliativmittelchen, dadurch, daß man ein kleine« Geschwür am GesellschastSkörper beseitigt, eine soziale Sur bewerkstelligt werden kann. Wir sind Gegner aller Kur- Pfuscherei, auch derjenigen, die jetzt offiziell betrieben wird. Wir wollen eine radikale Kur, eine vollständige Heilung de» gesellschaftlichen Organismus, und da» ist unser revoln- tionäre» Ziel. Und wenn der Abgeordnete Windthorst sagt: wer diese» revolutionäre Ziel will, muß auch die Mittel wollen, so ist da» wiederum richtig, wenn er da« Wort„revolutionär" in dem Sinne nimmt, wie wir e» gebrauchen. Wir haben un» weder in diesem, noch in einem anderen prinzipiellen Pankte geändert. Unsere Partei ist, wa» sie war, und nnserePartei bleibt, wassie ist. Durch weitere Ausnahmemaßregeln treibt man un» höchsten« weiter nach link». Man hat uns ferner zugemulhet, wir sollen unsere Partei- presse im Auslande deSavouiren, unsere Entrüstung ausdrücken über den heftigen Ton dieser Presse, demüthig pator poooavi sagen. Ei, da« sällt nn« nicht ein! Berlangen sie doch von einem Manne, der die Faust seine« unversöhnlichen Feindes an der Gurgel hat, daß er akademisch ditkutiren soll! HebenSie daSAuS- n ah me g es e tz au f, dann«erden wir sehen! Solange wir die Faust unsere« Todfeinde» an der Gurgel haben, können Sie nicht von un« verlangen, daß wir gemüthlich debattiren. Daß in unserer auswärtigen Presse ein« heftige Sprache ge- führt wird, ist richtig, wird aber sattsam durch da« Ausnahmegesetz er- klärt. Sie haben alle unsere Zeitungen in Deutschland unterdrückt, Sie haben selbst die Blätter unterdrückt, welche in der vorsichtigsten Weise unsere Grundsätze zur Geltung zu bringen suchten, wa» ist un« da noch Ubng geblieben? Wir haben, da wir uns nicht todtmachen lassen, und uns dieFreiheit nehmen, zu leben, ob Sie eswollen oder nicht,— wir haben uns eine Presse im Auslande zu schaffen gesucht. Dazu haben Sie uns gezwungen. Es ist hier bereits erklärt worden, daß, wenn wir ein Blatt al« unser Organ anerkennen, das nicht bedeutet, daß wir filr jede» Wort einstehen, welches darin steht, ebensowenig wie Ihre Minister sllr Alle», was in der Norddeutschen oder in der Provinzial-Korrespondenz steht, eintreten können. Aber daß unsere Presse, das Organ der Opfer des Sozialistengesetzes, der Empörung, dem Zorn, der Wuth der mißhandelten Opfer in leiden- schaftlicher Weise Ausdruck gibt, das versteht sich einfach von selbst. E» ist die nothwendige Frucht de« Ausnahme- gesetzes. Alsö nochmals: heben Sie da« Ausnahmegesetz auf, dann werden wir ja sehen, ob und wie die Sprache sich ändert. Ich habe Ihnen vorhin da» Beispiel der englischen Trade« Union» vorgeführt; wenn Sie sich ein Exempel daran nehmen, eine Lehre daran« ziehen wollen, nun, so brechen Sie mit der Ansnahmegesetzgebung. Wollen Sie die« aber nicht, so beschweren Sie sich wenigstens nicht Uber die Wirkungen Ihrer Ausnahmegesetze. Meine Herren, ich will in Bezug auf unseren Antrag nicht mehr in Detail« eingehen. Wir stehen auf dem Boden de« Prinzips, wir verlangen, daß auch Sie sich daraus stellen; wer für den Antrag stimmt, bei dem ist der Grundsatz: justitm est fundamentnm regnorum*) wirklich in Fleisch und Blut Ubergegangen; wer dagegen stimmt, in dem können wir nur einen prinzipiellen Anhänger der AuSuahmegesetzgebung erkennen. S t i in in e n S i e, mit diesen Worten, schließe ich, st i m- men Sie, wie Sie e« sllr gut halten; das Volk wird sehen, wer inDeutschland eine resormatorischeEnt- Wicklung will, und wer sie nichtwill. Sozialpolitische Rundschau. ZUrich, 7. März 1883. — Geständnisse einer schönen Seele. Der E r z j u n k e r von Mirbach, Hauptsllhrer der Agrarier, richtet von Nizza*"*) aus einen offenen Brief an das„Deutsche Tageblatt", worin er der Welt seine Schmerzen, will sagen seine„Gedanken" Uber die Steuer- debatte im Preußischen Landtage mittheilt. Wunderbar ist die Weisheit, die der edle Agrarier da zum Besten gibt. „Meiner engeren Heimath, Ostpreußen," erzählt er uns,„wurde im vorigen Jahre eine recht reiche Ernte zu Theil, deren gllnstiger Einfluß sich nicht blo« auf dem platten Lande, sondern auch in den Städten geltend gemacht hat. Welch' einen Ausschwung wllrde aber di e P r o v i n z n e h m e n, wenn das Brod theuer wäre, wenn die zum Theil recht niedrigen Getreidepreise um 50 Prozent höher ständen. Wie wllrde die erhöhte Kaufkraft de« Landmann» gerade der städtischen Arbeit und damit auch den städtischen Arbeitern zu gute kommenl Welche Unternehmungen wllrde sie in'« Leben rufen, wie viele andauernde, gesicherte Arbeit bei dadurch nothwendig erhöhten Löhnen wllrde sie der arbeitenden Bevölkerung bringen!" Hat man so etwas schon gehört?„Wenn nur da« Brod recht theuer wärel" Nach dieser famosen Logik wllrde e« sllr die Menschheit nicht« Bessere« geben können als eine recht große Thenerung, und sllr das arbeitende Volk kein größeres Unheil als billiges Brod. Das lohnte sich allerding« von Nizza nach Berlin zu schreiben. Aber wie kommt Herr v. Mirbach zu dieser schlauen Entdeckung? O, die Sache ist ganz einfach. In Ostpreußen sind die Lebensmittel billiger als im Westen Deutschlands, und trotzdem strömen die Arbeiter von dem Osten nach dem Westen. Und in den Jahren 1871/72, wo die Getreidepreise gleichfalls sehr hoch standen, blllhten Handel und Industrie. Nichts näherliegend, wenigsten» sllr einen junkerlichen Denkerschädel, al« der Schluß, daß 1871/72 die Industrie„blllhte", weil das Getreide theuer war, und daß im Westen und Südwesten Deutschlands der Ar- beiter nicht ganz so schlecht gestellt ist wie im Osten, w e i l die Leben«- mittel im Osten zu billig sind. Diese Folgerung hat schon deshalb viel sllr sich, weil sie mit den Interessen de« Edlen von Mirbach zusammen- stimmt: sllr den Großgrundbesitzer find hohe Getreidepreise in der That ein„wahrer Segen." Aber diese Entdeckung hat noch eine weitere Schönheit zur Folge: sie zerstört die Forderung nach einer erhöhten direkten Steuer sllr die großen Einkommen al« Ausgleich gegen die höhere Belastung de« Volke« *) Die Gerechtigkeit ist die Grundlage aller Staaten. **) Dieser arme Landsklave muß sich wirklich sllr sein täglich Brod arg abgerackert haben, sonst brauchte er seine wenigen Sparpfennige doch nicht in dem zwar sehr schönen, aber auch recht thenreu Nizza zu verzehren. durch die indirekten Steuern, welche Forderung sllr Herrn v. Mirbach einen„beinahe kommunistischen Beigeschmack" hat. Denn die Arbeiter mllffen noch dankbar sein, wenn durch landwirthschastliche ec. Schutz- zölle ihre Bedürfnisse vertheuert werden. ES ist da« voller Ernst, man höre nur: „Eine besondere Entschädigung hat also die arbeitende Be- völkernng keineswegs dafür zu beanspruchen, daß da» System der indirekten Besteuerung bei uns jllngst wieder mehr ausgebildet worden ist. Im Gegentheil, das indirekte Steuersystem lsegt ge- rade im Interesse der arbeitenden Bevölkerung selbst, soweit die indirekten Steuern Schutzzölle sind." Was nach Herrn Mirbach'« Logik bei S9 Prozent der Fall ist. Nun, was sagt Ihr dazu, Arbeiter? Werdet Ihr endlich einsehen, was sllr unwissende und unverschämte Patrone Ihr bisher gewesen? Unwissend, weil Ihr Euch einbildetet, daß, wo hohe Löhne gezahlt wer- den, auch hohe Lebensmittelpreise zu ertragen find, daß letztere indeß nie die Ursache flotten Geschäftsganges gewesen sind, wohl aber die Folge eines solchen sein können, unwissend, weil Ihr wähntet, daß die indirekten Steuern, namentlich die Stenern ans die nothwendigsten Lebensmittel, auf Euch, auf der großen Masse lasten, während— hört und staunt!— auch diese Steuern vorzugsweise von den Reichen gerragen werden, weil dieselben— wagt e» nicht, zu lachen l—„Dienstboten zu ernähren haben und häufig zahlreiche Gäste bewirthen!" Unverschämt aber wart Ihr, indem Ihr Eure Wohlthäter, die guten Agrarkonservativen, bekämpftet, anstatt ihnen blindling« zu folgen, daß Ihr Abschaffung der indirekten Steuern fordertet anstatt Erhöhung. Geht in Euch, arme, verblendete Proletarier! Vor Jahren sahen wir einmal eine Posse, in der ein jlldischer Trödler einer Anzahl Bauern auseinandersetzte, daß, wenn er verdiene, auch die ganze Welt verdiene.„Hab' ich gekaust einen alten kupfernen Kessel und ihn lassen versilbern aus'ne neue Art, worauf ich ihn Hab' verkauft sllr silbern. Ist die Familie, die daraus gegessen hat, krank geworden. Hat verdient der Arzt, hat verdient der Apotheker, hat verdient der— Todtengräber— hat verdient die ganze Welt!" Eine nette Logik, nicht wahr? Aber wenn man den obigen frommen Wunsch nach recht hohen Brodpreisen liest, dann kommt e« Einem doch vor, als ob zwischen ihr und der de» Herrn von Mirbach eine gewaltige Aehnlichkeit besteht. Der Unterschied liegt nur darin, daß der schamlose Jude eine Schöpfung dichte- rischer Phantasie war, Herr von Mirbach aber Mitglied de« Herrenhauses und erster Vorsitzender des Vereins der Steuer- und Wirthschastsresormer, eine Säule de« christlich-germanischen Antisemitismus ist. — W i e wenig hohe Getreidepreise auf die Löhne der Arbeiter wirken, das zeigt eine un» eben in die Hände fallende Statistik der Löhne der belgischen Kohlenarbeiter von 1840 bis 1880 im Verhältniß zu den Getreidepreisen." Nach derselben betrug: Im Jahre der Jahreslohn eines Arbeiters der Preis fllr 100 K Weizen Nach der Logik de« Herrn von Mirbach hätte 1860 und 1870 der Lohn am höchsten sein müssen, während er seinen höchsten Stand im Jahre 1875 hatte, wo die Getreidepreise erheblich niedriger als in den genannten Jahren waren. Zu sonstigen Schlüssen find diese wenigen Zahlen nicht geeignet, aber sie genllgen zur Abfertigung der famosen Theorie von dem Nutzen hoher Getreidepreise sllr die Arbeiter. — Keine Ausnahmegesetze. Ein Genosse au« dem Rheingau sendet un« eine längere Zuschrift, in der er gegen unseren Artikel in Nr. 5:„Monarchische Wölse und„demokratische" Schafe" polemifirt, weil dieser sllr Frankreich ein Ausnahmegesetz gegen die Prinzen der ehemaligen Regentenhäuser befürwortet, wir aber prinzipielle Gegner aller Ausnahmegesetze sein mllßten.„Man wende", sagt der Einsender u. A., das gemeine Recht auf diese Leute an. Haben sie sich außerhalb desselben gestellt, so stelle man sie wieder daraus. Als Bllrger sollen sie behandelt werden, sind sie keine, so ernenne man sie hiezu. In der Republik darf e« keine Unterschiede in Bezug ans die Stellung gegenüber dem Gesetze geben. Konspiriren sie mit ihren Reichthllmern gegen die Republik, so konfiszire man dieselben. Sind ihre Besitzungen ehemalige Domänen fllr Prinzen vou Geblüt, so entziehe mau ihnen diese. Mau enthebe sie aller Aemter und militärischen Grade, wenn sie dieselben nicht vorschriftsmäßig Feuilleton. pie Kerker des ßzare«. In Nachstehendem veröffentlichen wir einen uns von Freundeshand zugehenden Brief, der ein grelles Streiflicht auf die in den russischen Gefängnissen herrschenden Zustände, insbesondere auf die schändliche Be- Handlung politischer Gefangener und Untersuchungs- gefangener in Rußland wirft, der einen neuen Beitrag liefert zur Beant- wortung der Frage: wer hat in Rußland den Terrorismus hervor- gerufen? „Wohl den meisten Genossen dürste die Affäre Treposs-Bogol- j u b o s f bekannt sein. Hat doch der Schuß der heldenmllthigen W e r a S a s s u l i t s ch in ganz Europa Wiederhall gefunden, als bekannt wurde, daß das edle Mädchen sein Leben hauptsächlich deshalb aus'« Spiel setzte, um die Mißhandlung politischer Gesangenen der ganzen Welt kuudzuthun. Und doch wußte man damals noch nicht Alle«, man hatte nur von der AuSpeitschuog Bogoljuboff'S erfahren, nicht aber ven den sich an dieselbe knüpfenden Vorgängen im UntersuchungSgesängniß. Aber auch sie find c» werth, der Oeffentlichkeit mitgetheilt zu werden. Ich befand mich damals im gleichen Gefängniß, in dem Bogoljuboff saß, und war gleichfalls Zeuge jener entsetzlichen Brutalität, welche Wera Sassulitsch den Revolver in die Hand drückte. Gestatten Sie mir, Ihnen Einiges über da« zu erzählen, wa« mich und meine Mitgefangenen in jenem Augenblicke beseelte. Ein Schrei des Entsetzen» und der tiefsten Empörung ertönte in allen Zellen, siedend heiß kochte unser Blut, al« man den unglücklichen Bogoljuboff unter den Fenstern der Frauenab- theilung zu peitschen begann.„Man schlägt ihn I Man schlägt ihn mit Ruthen!" so flog der Schrecken»- und Wuthschrei von Mund zu Mund, von Wand zu Wand, von einem Kerker zum andern. Es war der schrecklichste Augenblick in meinem Leben und wohl in dem der nieisten Gefangenen. Zusehen zu mllffen, wie einer der Unfern mißhandelt wurde, zum ohnmächtigen Zuschauen verurtheilt zu sein, wo man keinen andern Gedanken trug al» den, sich aus die Bestien zu stürzen, die Bogoljnboff mit Ruthen zerfleischten: e« war entsetzlich. Man raunte wie wahnsinnig gegen Mauern und Thllreu. Aber sie waren fest und stark und spotteten unserer verzweifelten Anstrengungen. So jeder Möglichkeit beraubt, deu besten und geachretsten Freund au« den Hände» der Henker befreien, ihn rächen zu können,— da« war in der Thal zum Rasendwerden. Der Eine raufte sich die Haare au», ein Anderer schlug solange mit dem Kopse gegen die Wand, bis er ohnmächtig niederstllrzte; noch Andere schlugen heftig gegen die Thllre und schrieen, man solle aufhören, Bogoljuboff zu schlage». Wieder Andere zerbrachen Alle«, wa» ihnen unter die Hände kam. Einige, die gerade zu dieser Zeit im Korridor waren, schlugen die Scheiben ein oder zertriimmerteu ganze Fenster. Der Lärm war ungeheuer und dauerte langt. Erst al» das Peitschen vorbei war, wurde e« auch in den Zellen etwa« ruhiger. Plötzlich hörte ich aus einer entfernten Zelle einen heftigen Schrei, ich wußte nicht, wa» da« zu bedeuten halte, aber mir sollte bald Aufklärung werden. Nach kurzer Zeit hörte ich die Thllre der benachbarten Zelle auf- gehen, und gleich darauf einen rohen Lärm, au« welchem ich das laute Stöhnen meines Nachbars genau unterscheiden konnte. Jetzt war es mir klar, wa« der erste Schrei bedeutete, jetzt wußte ich,»m wa« es sich handelte. M a n'll b t e R a ch e an uns. Ich hörte die Thllre der benach karten Zelle zuschlagen. Jetzt standen die Henker vor meiner Zelle, die Reihe war an mich gekommen. Ich war damals noch ganz gesund, ich hatte mein schwere« Herzleiden uoch nicht und war sehr stark. Ich schaute mich nach etwa« um, um mich vertheidigen zu können, fand aber nicht«, denn außer Bett, Tisch und Stuhl war in der Zelle nichts vorhanden, wa« mir als Waffe hätte dienen können. Ich ergriff den Stnhl, die Thllre öffnete sich und die Gensdarmen erschienen. Mein Stuhl flog durch die Lust gegen den Kopf de» Einen derselben, ich selbst warf mich auf den Nächsten; ich hätte sterben mögen, e» war mir Alle« gleich. Aber ich erlag, man warf mich auf den Boden und begann, auf mich loSzu- schlagen. Man schlug mich auf die Brust, aus den Kopf, in'« Geficht, Überallhin. Mein Gesicht blutete, aus meinem Munde floß Blut; die Hände der Henker waren rolh von meinem Blute, aber sie hörten immer noch nicht auf. Wenn ich mich jetzt daran erinnere, so wundere ich mich selbst, daß ich lebend davon gekommen bin. „Genug!" schrie endlich eine donnernde Stimme au« dem Korridor, „führt ihn in den Karzer!" Zwei Gensdarmen hoben mich auf und trugen mich viele Treppen hinab in den�Karzer; hinter mir ging ein Dritter und versetzte mir von hinten Schläge aus Kops und Rücken. Bor dem Karzer angelangt, öffnete man die Thllre uud warf mich hinein. Der Karzer war eine kleine, dunkle Zelle, ungefähr 3 Meter lang und 2 Meter breit, die aus eine cigenthllmliche Art konstruirt war. Uu- gesähr 2 Zoll vou den Wänden waren im Innern der Zellen starke Drahtnetze ausgespannt und mit einer dicken Filzschichte beschlagen. Dieze Einrichtung war getroffen, um die Gefangenen, welche hier eingesperrt wurden, zu verhindern, sich die Köpfe an der Wand zu zerschmettern, wa? früher zum Leidwesen unserer Peiniger oft der Fall gewesen. Damit man den Boden nicht zum Selbstmorde benutze, hatte die Regierung aus eine andere, ebenso abscheulich« wie schreckliche Weise gesorgt. Der Boden im Karzer war weich, aber nicht vom Filz, sondern— die Haare werden Euch zu Berge stehen, Europäer, die Ihr mit der Grausamkeit der russischen Regierung und ihrer Kreaturen, mit den Eigenthllmlichkeiten der russischen Gesängnisse noch wenig vertraut seid!— der Boden war weich von de« zlllreiulicheiten der«efiigelle»! E« steht und stand im Karzer nichts sllr die Ausnahme der dem Körper nicht mehr nothwen- digen Stoffe, sie werden von jeher aus den Boden entleert. Der Boden schien mir lebendig zu sein: es krochen und wimmelten da Millionen von allerlei Würmern und Ungeziefern. Entsetzlich, wahrhast pestileuzialisch war die Luft in dem kleinen Raum, dessen Wärme wohl 30—40 Grad betragen mochte; und sllr die Erhaltung dieser animalischeu Wärme war in rosfinirtester Weise gesorgt. Röhren, welche in der Wand angebracht waren, leiteten diese heiße Lust. Es war unmöglich, sie einzuathmen. Ich erworben haben. Man jage aber auch diejenigen Kreaturen aus Amt und Würden, welche vor diesen Abkömmlingen von Wegelagerern und Banditen in die Kniee sinken und sie anbeten. Fügen sich dann diese Leute noch nicht dem gemeinen Gesetz, wollen sie noch immer nicht als gewöhnliche Bllrger behandelt fein und werden sie dann noch durch ihr Verhalten der Republik gefährlich, so bringe man sie einfach dahin, wo Schiller sagt, daß der Laudvogt Geßler den Tell wollte bringen lassen, nämlich dahin, wo weder Sonne noch Mond sie bescheint." Wir haben daraus nur zu erwidern, daß die Mehrzahl der hier vor- geschlagenen Maßregeln auch nur auf Grund von„Ausnahmegesetzen" möglich wären. So namentlich die un« sehr sympathische und von unfern Genossen in der„Egalitä" geforderte Konfiskation der dem Volke abge- preßten und abgeschwindelten Millionen, denn vor dem bürgerlichen Gesetz ist das Eigenthum„heilig", gleichviel woher e« kommt:„la t6- cherche de Ja pateriutd est interdite" /die Nachforschung nach der Vaterschaft ist verboten), heißt e« da. Auf Grund des gemeinen Rechte« ist den Prälendeuten aber nicht beizukommen, da sie sich schlanesten« hüten, in eigener Person gegen die Republik zu wühlen. Dafllr haben sie eben ihre Ober- und Unteragenten. Und wenn man sie vor Gericht stellte, wo fänden sich bei der heutigen Gerichtsverfassung Frankreichs Richter, welche den Herren etwa» zu Leide thäten? Nein, auf Grund des gemeinen Rechtes sind diese Jntriguanten nicht zu soffen, und un- schädlich werden sie erst sein, wenn Frankreich nicht nur dem Namen, sondern auch dem Wesen, den Einrichtungen nach Republik sein wird. Bis dahin wllrde die Ausweisung noch di« mildeste Maßregel sein, und mehr hat der Schreiber unseres damaligen Artikel« auch nicht sagen wollen. Ein Thronprätendent aber ist kein Staatsbürger wie Andere. — Es lebe die Offiziersehre! Der Rechtsanwalt Kaufs- mann in Berlin hat seinen Abschied au» der Armee— er war Reservelieutenant— erhalten, weil seine Thätigkeil als Vorsitzender des fortschrittlichen(!) Vereins„Waldeck" uud des„Verein« fllr Richtschutz und Justizreform" sich nicht mit der vou einem Königlich Preußischen Lieutenant zu verlangenden„patriotischen" Gesinnung ver- einigen läßt. So deuten wenigsten» die konservativen Blätter die Maß- regel, während die liberalen— nicht« sagen.„Der Vorgang entzieht sich jeder öffentlichen Besprechung, da di« Verabschiedung durch eine k a i s e r- liche KabinetSordre erfolgt ist", heißt es in der„Frankfurter Zeitung". Nun ist die Entlassung au« einem Heere, dem ein Schuft wie Prinz Karl von Preußen zur Zierde gereichte, zwar kein großes Unglück, aber das ist hier Nebensache, die Hauptsache ist, baß Wilhelm der„Gütige" einem Manne einen Schimps— wenigsten« nach seiner Anficht— anthnt, der nicht« verbrochen hat, als daß er einer gemäßigten bllrger- lichen Oppositionspartei angehört. Daran erkennen wir den Kartätschenprinz! Oder sollte die Entlassung deshalb erfolgt sein, weil Dr. Kauffmann energisch dafllr sorgte, daß der Justizmord au dem Theologen Hansen verhindert und daß der schuftige schlesische Prügeljunker R o t e n h a n zur Verantwortung gezogen wurde? Wir halten e» zum Mindesten fllr sehr wahrscheinlich. Wozu hieße Wilhelm sonst auch der„Gerechte"! Wie dem nun auch sei, die famose preußische Offiziersehre wird durch diese allerhöchste Verfügung wieder glänzend charakrerisirt! Arme Mädchen be- trügen, wehrlose Untergebene schinden, sich sllr eine reiche Mitgift an irgend eine alte Schachtel zu verkaufen— das erlaubt sie, aber fllr Ver« s a s s» u g und R e ch t einzutreten, gesetzwidrigen Uebergriffen anmaßender BolkSschinder entgegenzuwirken, da« verträgt sich nicht mit hr— in Preußen! — Zur Sparig-Afsäre. Au» Nürnberg schreibt mau un«: Da« Erkennmiß in Sacken de« Sparig ist heute noch nicht ge- sprachen werden; da» Landgericht, welchem der Casus große Kopf- schmerzen zu verursachen scheint, hat die Fällung de« Erkenntnisse« aber- mal« vertagt. Inzwischen haben wir hier eine Abschrift der famosen Proskriptionsliste erhalten— ein Monument denunziatorischer Nieder-' tracht, wie e« klassischer nicht gedacht werden kann. Diese Liste, deren verworfener Zweck beim ersten Blick in die Augen springt, für einen „Organisation« plan" auszugeben— dazu gehört in der That die ganze Unverschämtheit und Dummheit eine« Sparig. Zur Charakteristik diese« Subjekt« noch ein kleine« Anekdötchen. Al» er heut vor acht Tagen nach Schluß der Gerichtsverhandlung den Saal verließ, traf er an der Thllre mit seinem ehemaligen Freunde Weigand zusammen, der ihn soeben moralisch hingerichtet hatte. Jhu sehen, ihm freundlich auf die Schulter klopfen und die altgewohnt« Frage an ihn richten:„W o kneipst Du? Wollen wir nicht einSeidel zusammin- trinken?" war sllr deu Sparig Ein«. Ob e« zu der gemeinsamen „Kneiperei" gekommen ist, weiß ich nicht. Der widerliche Vorgang zeigt aber recht drastisch, wie vollständig diese« Individuum alle« Scham- und Ehrgesllhl» baar ist. In der guten alten Zeit mußte der„Patient" legte mich auf den Boden, mit dem Kopse gegen die Thllre; ich preßte meinen Muud an eine kleine Spalte, die zwischen der schwelle und der Thllre war, und durch welche ein klein wenig frische Lust ia die Zelle hineinströmte, und lag so, bis der THUrwächter kam, der mir ein Stllck- lein Brod in den Karzer hereinwarf, wobei er feine glase mit dem Finger zudrückte. Ich hatte schrecklichen Durst; er quälte mich so stark, daß ich fürchtete, deu Verstand zu verlieren. Al« der Thllrwächter mir das Brod brachte, bat ich ihn, mir ein wenig Waffer zu geben; aber statt Wasser bekam ich die Antwort:„Es ist verboten, Dir heute Waffer zu geben!" —„Freund", bat ich ihn,„habe mit mir Erbarmen, bring' mir nur ein paar Tropfen!"—„Keinen einzigen, Du willst, daß ich Deinetwegen die Stelle verliere", antwortete er kurz und schloß rasch die Thllre. Drei Tage brachte ich in diesem Karzer zu. Ich lag die ganze Zeit in obenbeschriebener Weise an der Thllre, beständig von Durste gequält. Am zweiten Tage brachte man zwar Wasser, aber nie so viel, daß ich mich satttrinken konnte. ES war eine entsetzliche Folter, und ich wundere mich, daß ich dabei den Verstand behalten. Doch war diese Mißhandlung nicht spurlo« an mir vorüber gegangen. Bor diesem Ereigniß war ich stark und gesund, als ich aber au« dem Karzer herauskam, da war es aus mit meiner Gesundheit. Seitdem leide ich an einer unheilbaren Herz» trankheit. Ich war nicht der Einzige, den man auf diese Weise behandelte; alle Karzer de« Gefängnisse« waren voll, und wenn un« nicht in Wera Sassulitsch ein Engel der Rache erschienen wäre, so hätte vielleicht die zivilifirt« Welt bis jetzt uoch nicht« von der abscheulichen Mißhandlung der politischen Gefangenen ersahreu. Der Schuß von Wera Sassulitsch, die Angabe der Motive, die sie zu ihm veranlaßlen, die Freisprechung durch die Geschworneu hatten ein so große« Aussehen gemacht, daß e« der Regierung nicht mehr möglich war, die an Bogoljnboff verübte Schaudthat zu verheimlichen. In den russischen Gefängnissen aber ist es nicht besser geworden. E« gehen darin nach wie vor die schrecklichsten Dinge vor sich, wie z. B. Folterung; aber diese werden wahrscheinlich nie in vollem Umfange an die Oeffentlichkeit gelangen. Die Regierung sorgt dafllr, daß die Opfer, welche der Folter unterworfen werden, nie wieder da« Tageslicht zu sehen bekommen." *** i Soweit der Brief. Bedarf er noch eine« Kommentar«? Wir denken, nein! Aber eine Frage wollen wir an ihn knüpfen, deren Beantwortung' wir namentlich den guten Seelen anempfehlen, die mit so großer Ent-> rllstung vou„revolutionären Greuelthaten" reden: Hat jemals eine Revo- i lution«- oder Besreiung«partei ihren Feinden gegenüber Dinge verübt, s die an rasfiuirter Scheußlichkeit auch nur annähernd Dem gleich kämen,; was hier verübt wurde von Vertretern der„staatlichen Ordnung" im Juteresse von„Religion und Moral"? sich bei dem Henker bedanken, der ihm seine ordnungsgemäße Tracht Prügel verabreicht. Jedenfalls wollte der biedere Sparig, dieser guten alten Einrichtung eingedenk, sich bei seinem ehemaligen Freunde bedanken, daß dieser ihn nicht bloß moralisch geprügelt, sondern sogar todtgeschlagen hatte. Und wo kann man sich besser bedanken, al« in der Kneipe, beim Glas Bier? Nachschrift. Meine obige Mittheilung ist insofern zn ergänzen, al« die UrtheilSauSsetzung in der ausgesprochenen Abficht erfolgte, um dem Beklagten die Möglichkeit zur Beschafsung weiteren Material« gegeu den Sparig zu geben. Auf Antrag des Bertheidigers werden der Amt«- Hauptmann und der Kreishauptmann als Zeugen geladen werden. Da« wird diesen beiden Beamten und ihrem„Chef", dem biederen Nostiz» Wallwitz, der so eifrig dem Sporig ein Tugendzeugniß ausgestellt hat, durchaus nicht angenehm sein. Daß der Sparig— wie der sächsische Minister und Edelmann ihm bezeugt—„dem Ministerium" die famose Proskriptionsliste nicht„eingereicht" hat, kann wohl richtig fein; gewiß ist aber, daß die Proskriptiousliste in die Hände derjenigen sächsischen Verwaltungsbeamten gelangt ist, für welche sie bestimmt war. Uebrigen« hat der Sparig seinen denunziatorischen Berkehr mit der Leipziger Amt«- bezw. Kreishauptmannschaft hier vor Gericht ein- gestanden, indem er sich durch seine Dummheit zur Aussage ver- leiten ließ:„Wenn mir ein„Sozialdemokrat" oder sonstige» Blatt mit besonders revolutionärem Inhalt zuging, überschickte ich die betreffende Nummer mit Randstrichen allerdings an den Herrn Kreishauplmann— allein, fügte er im aufdämmernden Bewußtsein seiner Niedertracht hinzu, da« war doch keine Denunziation!" Und seinem Exsreund Weigand gegenüber hatte er vorher erklärt,„der Leipziger Kreishauptmann sei bei ihm gewesen." Bermuthlich wird Herr Nostiz Wallwitz da« Erscheinen des Amts- und de» Kreishauptmann« vor dem hiesigen Gericht zu verhindern, und dahin zu wirken suchen, daß die beiden Beamturbloß schriftlich von einem Dresdener Richter vernommen werden— was sehr bequem wäre, da die Dresdener Richter sich vortrefflich aus die Behandlung heikler Prozesse verstehen(Beweis:„Prozeß" Schmidt!). Hoffentlich gelingt es jedoch, derartige Winkelzüge zu vereiteln. Im Moment, wo ich schließen will, erhalte ich au« Leipzig die Nachricht, daß da« Dresdener Oberlandesgericht den Beschluß de» Leip- ziger Landgericht«, welches in dem dem Prozesse Sparig-Löwenstein paral- lelen Prozesse Sparig-Perl« den Antrag aus Zeugenvernehmung de« Amt«- und des Kreishauplmann« von Leipzig zurückgewiesen hatte, aufgehoben und die Vernehmung der genannten Beamten angeordnet hat. Der Sparig wird also da« Glück haben, ver- schiedene Male hingerichtet zu werden. Nun— doppelt genäht, hält gut. Und dreifach auch. Freilich, die späteren Hinrichtungen finden nur noch an einem Cadaver statt. — Zwei nette Gesellen. Dem Reichstag liegt eine von sttt- licher Entrüstung triefende Petition gegen die Spielhölle von Monaco vor. Die braven und tugendhajten Patrioten, welche die Petition unter- zeichneten, würden vielleicht weniger Eifer entwickelt haben, wenn sie bedacht hätten, daß unter den zwei Haupteigenthümern der Spielhölle Monaco sich ein Fürst Radzhwill befindet, d. h. ein— Hohenzoller! Der zweite Hauptattionär ist beiläufig ein Sohn de» berüchtigten Pariser „Mordpeter»", also ein Vollblut- Bo naparle. Wenn es gilt, die famose Maxime de» snum euitzus— rapere*)(Jedem da» Seine — nehmen) zu verwirklichen, dann sind sie alle einig, die Hohenzollern und die Bonaparte. — Au« B a j u v a r i e n. Die in München bisher erschienene demo- kratische„Süddeutsche Post" ist von der Regierung von Oberbayern verboten worden. Gründe:„Loyale Handhabung des Sozialisten- gesetze«". Genosse Trieb el, der nicht einmal da« Glück hat, deutscher Reichs- ungehöriger zu fein, sondern Schweizerbürger ist, wurde, weil er in einem Gasthos einem Andern ein Gedicht vorgelesen, ohne An- rechnung zweimonatlicher Untersuchungshast zu einem Monat Gesängniß verurtheilt. Da« hoch verrätherische Gedicht heißt: „Der Ausgewiesene." Wie konnte der Mann auch sich darüber nicht klar sein, daß in Deutschland die Poesie unter polizeilicher Aussicht steht! E i n S a u p f a f f. Ein nette« Bild von der Kultur eines Distriktes, wo die Herrschaft der Psaffen unbestritten ist, liefert der Prozeß de« Pfarrer« Parzinger von Ottenbühl(Oberbayern) gegen die Bauersfrau Anna Hofstetter. Dieselbe hatte ihrem Manne gegen- über den Mann Gottes einen S a u p f a f f e n genannt, weil dieser dem Trsteren gerathen hatte, sie z u p r ü g e l». Der Bauer hatte den Priester- lichen Rath wiederholt befolgt und, al« die Frau aus den Saupsaffen schimpfte, diesem sofort den„Schimpf" berichtet. Und der ehrenwerthe Berkünder der christlichen Liebe ging hin und verklagte die Frau, die auch richtig zu 10 Mark Geldbuße verurtheilt wurde. Aber Recht hat sie doch, der Kerl ist ein S a u p s a f f. Der Hieb hat gesessen! In Kaufbeuren wurde am 1. März bei mehreren unserer Genossen gehaussucht. Man schnüffelte nach Nr. 6 de«„Sozialdemokrat", in der die Beamtenwirthschast beim Bau der Heilanstalt I r s e e gekennzeichnet wurde, fand aber leider kein Exemplar der fatalen Nummer vor. Der betr. Artikel selbst hat ganz ge- waltig eingeschlagen, so daß jetzt schon da»„Kausbeurer Anzeigeblalt" berichten muß, daß Untersuchung eingeleitet sein soll. Der gebrandmarkte „Bansührer" Becker aber ist so außer sich vor Wuih, daß er derselben durch ein„poetisches" Eingesandt in besagtem Blättchen Luft zu machen suchte, da« an unfreiwilliger Komik seine» Gleichen sucht. Zur Belustigung unserer Leser sei es hier mitgetheilt: „An die UZER in Jrsee! Motto: Nicht ziemen sich mehr ritterliche Waffen,— sobald man„nach Kotzebue" mit Tiger und Affen zus-mmm-ngepsercht ist.— gegen solch vierbeinig Gesindel ist allein noch berechtigt der Ruthenbündel! Euch Herren sei hiermit in'« Gedächtniß gerufen: „Als seinerzeit Götter sich Ebenbilder schufen, Gab's d'runter auch Pfuscher, die vom Erschaffen nicht« ver- standen, Und— Viecher— statt Menschen— aus den Erdenball sandteu; Ja unter Viechern ward noch Unterscheidung gemacht Und schuf der Herr Teufel„zur Hantirung bei Nacht—" Die Kröten, und Schlangen, und wa« sonst ohne Bedeutung; Und als deren Organ— eine sozialistische Zeitung!" Becker, Bauführer der Heil- und Pflegeanstalt I r s e e." Vom Teufel geschaffen, und„Organ für Kröten und Schlaugen und was sonst ohne Bedeutung"— der hat'« uns einmal gegeben! � Au« dem Reichsfüllhorn. In Stuttgart wurde Ge- uoffe Franz Steiuer aus Feldmoching(Bayern) wegen Verbreitung de«„Sozialdemokrat" zu 1'/, Monaten Gefänguiß verurtheilt.— In Breslau wurde bei verschiedenen polnischen Genossen gehauSsucht, sogar einen 80jährigen Grei« suchten die Spürhunde heim. Ein Arbeiter Czaruecki, bei dem einige Nummern de»„PrzedSwit" sowie *) Schon vor länger al« hundert Jahren ergänzten so die P o l e n den Hohenzollernspruch. mehrere sozialistische Schriften gesunden wurden, wurde sofort verhaftet. — Au» Elberfeld und Köln werden gleichsall» Haussuchungen und Verhaftungen gemeldet. Der Schuhmacher Szimmath, der— o der Verruchlhett!— einer geheimen Verbindung angehört und sich auch sonstiger Schandchaten, Verbreitung verbotener Schriften ic., verdächtig gemacht haben soll, hat es vorgezogen, der Luft de« herrlichen deutschen Kaiserreiches Ade zu sagen Ueber eine lustige Spitzelgeschichte, die sich jüngst im Rheinland abspielte, in nächster Nummer. — Schweiz.„Es kracht an allen Ecken!" schreibt der „ G r ü t l i a n e r".„Das Seideugeschäst Bavier und Kompagnie in Zürich hat mit 20 Millionen Passiven die Zahlungen eingestellt. In Baar that dasselbe die Müllerfirma Weber und Jäger. Dieser Sturz riß wieder andere mit, speziell in Zürich. Müller Bünzli in Niederuster schädigt mit seinem Konkurs auch viele Leute des Mittelstände«. Ber- muthlich au« ökonomischen Gründen erschoß sich der Müller Barthol. Müller in Auw(Freiamt). Dasselbe that der Käsehändler Lehmann in Lotzwyl, durch dessen Ruin zugleich verschiedene unteremmenthalische Käsereien schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Wirth RUegSegger in Thun ist mit Hinterlassung von falschen Wechseln und einer Masse Schulden verduftet. Wie gesagt, es kracht an allen Tckezt!" — In Schafshausen wurde nach hartnäckigem Wahlkamps im dritten Wahlgang der Kandidat der Arbeiter, portirt vom Grütliverein, in den Kantonsrath gewählt. Bürger Ad. Strub, Mechaniker, erhielt 814 Stimmen; das absolute Mehr betrug 771. Seine zwei Gegenkan- didaten(Advokat Frauenselder und Proscssor Bendel) blieben mit 400 und 237 Stimmen in Minderheit. Strub ist Mitglied de» GrütlivereinS. Vivat sequens! — Oesterreich. Auch im Lande der Korruption und Niedertracht kämpfen die reaktionären Parteien den famosen Kampf um den„armen Mann". Regierung, Rechte und Linke überbieten sich in„Arbeiter- sreundlichkeit". Regierung und Rechte beurkunden dieselbe durch zünft- lerisch-reaktionäre Maßregeln, die Linke durch Nachäffung von Bismarck'« „Sozialreform", die solchermaßen beglückten Arbeiter aber zeigen, wo sie nur zum Wort gelangen, deutlich, daß sie diesen„guten Freunden" in«- gesammt nicht trauen, sondern ihnen in jeder Beziehung aus die Finger sehen, daß auch sie sich ihre guten Rechte nicht um ein Linsengericht ab- schwatzen lassen. Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema liefert folgende, unserm Bruderorgan„Wahrheit" entnommene Mittheilnng: „Die österreichische Regierung hat vor einiger Zeit im Abgeordneten- Hause einen Gesetzentwurs in Betreff der Einführung von Gewerbe- Inspektoren eingebracht. Der Gewerbe-Ausschuß, dem der Entwurf zur Borberathung zugewiesen worden war, veranstaltete eine Expertise, die am Montag stattfand und lud zu derselben auch die Arbeiter G e h r k e (der bekanntlich seit Jahren an der Spitze der Sattler-Bewegung steht), Höger(Schriftsetzer, Vorsitzender des Wiener Buchdrucker-VereinS) und Kretschmer ein. Von Seite der beiden zuerst genannten Ge- nossen wurde die Einführung von Gewerbe-Jnspektoren unter gewissen Bedingungen akzeptirt. Da« Beispiel insbesondere Englands zeige indeß, daß die Beschränkung dieser Einrichtung ans Fabriken sich nicht em- pfehle, indem gerade in diesem Lande die Ausbeutung der jugendlichen weiblichen Arbeiter in sehr großem Maße zu beobachten sei. Gerade im Kleingewerbe zeigen sich vielfach Mängel und Schäden, deren Ausdeckung und Beseitigung dringend nothwendig wäre. Die Genossenschaften(unter Genossenschaften sind hier die zünstlerischen Fachorganisationen der Meister zu verstehen) aber können al« ein geeignetes Organ zu einer solchen Beaussichtigung nicht angesehen werden, wie denn überhaupt die Genossen- schasten durchaus nicht in ersprießlicher Weise wirken und keineswegs die Interessen des Gewerbe« in geeigneter Weise wahrnehmen. Es würden sich im Kreise der Genossenschaft kaum Persönlichkeiten finden, welche die Befähigung besäßen oder die erforderliche Zeit oder die Geneigtheit haben würden, die verschiedenen Gewerbe zu beaufsichtigen und da« In- speklorat als ein unbezahltes Ehrenamt auszuüben. Ferner erklären sie sich d a g e g e n, daß die Ernennung der Jnspek- toren dem Handelsminister im Einvernehmen mit dem Minister des Innern zustehen solle. Denn die I n s p e k t o r e n sollen z u m S ch u tz e der Arbeiter eingeführt werden, und deshalb dürfen sie nur au« der Wahl der Arbeiter selbst hervorgehen. Ist die« der Fall, dann werden sie auch bestrebt sein, den Arbeiter zu schützen." Man begreift, daß weder die feudalen, noch die börsenliberalen Arbeiter- freunde von dieser Auskunst erbaut waren. Wie berechtigt aber da» Mißtranen der Arbeiter gegen ihre Freunde au« der„guten" Gesellschaft ist, zeigt folgendes von der„Schweizerischen Handelszeitung" unter dem Titel:„Wie man iuOesterreich die Wittweu und Waisen plündert" mitgetheilte Faktum: „Zu dem Skandalösesten, das wir kennen," schreibt diese« von einem noto- rischen Ehrenmann und ausrichligem Republikaner redigirte Blatt,„ge- hört der„Oesterreichische Eisenbahn Unterstützungs-Fond»." „Seine wesentlichste Leistnng ist: einer Anzahl vergnügungssüchtiger Eisenbahnbeamten die Möglichkeit zu bieten, sich alljährlich ein prächtiges Ballsest auf Kosten der öffentlichen Wohlthätigkeit zu arrangiren." Und nun berichtet das Blatt über das„Wohlthätigkeits"-Ballfest des Jahre» 1832, welche» im Ganzen von 49 Beamten, 79 anderen Herren und 86 Damen besucht war, die zusammen 879 Gulden Entree bezahlten. Das Fest aber kostete die niedliche Summe von 4102 Gulden, ergab somit ein Defizit von 3223 Guldeu. Anstatt, daß nun die ballgebenden 49 Beamten da» Defizit unter sich vertheilt hätten, wobei auf jeden g&Vt Gulden gekommen wären—„ein Opfer, da« gewiß uicht unerschwinglich gewesen wäre, da sich unter den Herren, welche in wenigen Stunden 4102 Gulden vertanzten, schwerlich viele Weichen- Wärter, Wagenschieber und Schaffner befunden haben dürften"— deckten sie e» au« dem Ertrage einer au« Anlaß diese» Festes bei höchsten und allerhöchsteu Herrschaften veranstalteten Kollekte, die zusammen 6SS3 fl. ergeben hatte, und wofür die wohlthäligen Herren die edlen Spender„im vorhinein des Danke« und der Segenswünsche der zahlreichen Un- glücklichen, sowie der dankbarsten Verehrung und Hochachtung des Komite»" versichert hatten. Wie zahlreich die Unglücklichen sind, erklärt da» Platt mit beißendem Spott, nicht zu wissen, die freigebige Hand des Eiseubahu-UnterstützungSfond» öffnet sich aber für insgesammt 483 dar- bende Wesen, die für ein lange» Jahr pro Person 6 Gulden 10 Kr. erhielten, während unter den Ballkosten al«„Damenspende" 831 Gulden figurireu, d. h. pro tanzende Dame 9 Gulden 66 Kreuzer. „Wir nennen die»", schließt die„Schweiz. Handelszeitg.", eine Schande sonder gleichen und hoffen, daß irgend eine Wiener Zeitung gründlich dafür sorgen werde, dieser schmachvollen Ausbeutung der öffentlichen Wohlthätigkeit und allen„Eisenbahn-Bällen" für immer ein Ende zu machen." Hiezu bemerkt unser Brnderorgan: „Au» der Schlußbemerkung ersieht man wohl, daß der Herr Ver- sasser nicht in Wien lebt. Denn in diesem Falle müßte er wissen, daß um solchen Bettelgefiudel« willen unsere Preß-Piraten sich uicht der Gefahr aussetzen, vielleicht ein Dutzend Abonnenten ihrer Wische zn ver- lieren." — In Krackau und Lemberg haben zahlreiche Verhaftungen von polnischen Sozialisten— im Ganzen 43!— stattgefunden. Geschieht denselben ganz Recht, warnm haben sie keine„Trinkgelder" genommen wie der edle Graf Kaminski, und warum sind sie nicht bereit, die Rechte der österreichischen Bevölkerung abwechselnd an die höchstbezahlende Partei im Wiener ReichSrathe zu verkaufen, wie es die patentirten polnischen „Patrioten" thun. Nicht umsonst lautet die österreichisch« Staat«- Hymne: lieb' Korruption und Niedertracht Bis an die kühle Gruft! Dann wirst zum Ritter Du gemacht Und stirbst als Herr von Schuft. — Belgien. Die Affäre M e t a y e r- C i v o c t läßt die bel- zischen Polizeiesel nicht schlafen. Unsere Leser werden au« den Zeitungen bereit« erfahren haben, wie die genannten Anarchisten oder vielmehr der Letztere dadurch in die Hände der Polizei gerieth, daß eine Dynamit- bombe, welche Metayer in der Tasche(I) bei sich trug, explodirte und diesen tödtete. Civoct ist au» dem Lyoner Anarchistenprozeß bekannt, über den verstorbenen Metayer werden die abenteuerlichsten Bermuthungeu laut. Sein Name soll nur fingirt sein. Für wen die Bombe bestimmt war, wird man wohl schwerlich erfahren, wir enthalten un» daher jeder Meinungsäußerung. Im Allgemeinen aber müssen wir bemerken, daß die von gewiffer Seite genährte Sucht, ohne genügende Vorkenntnisse, aus bloße Rezepte hin, mit Dynamit und ähn- lichen Sprengstoffen zu experimentiren, un« lehr albern vorkommt. Da verbrennen sich die guten Leute ihr Gesicht mit herumspritzender Säure, da explodirt Anderen der Apparat, weil sie ein Röaumurthermometer statt eine« Celfiu» gebrauchen, und dergleichen mehr. Aber wie e« scheint, gehört e« auch zur Anarchie, auf's Geradewohl „revolutionäre Experimente" zu machen. — In Belgien und Holland hielt Genosse V o l l m a r jüugst auf Einladung dortiger Gesinnungsgenossen eine Reihe von Vorträge» über die Ziele des Sozialismus und den Kampf der Sozialdemokratie in Deutschland. Den Anfang der Versammlungen machte am 18. Februar ein Arbeitersest in A n t w e r p e n, das von den dorttqen(au« BIS- mingern und Deutschen zusammengesetzten)„Brocderbond" veranstaltet war und zu welchem belgische und deutsche Genossen aus allen Theileu Belgiens herbeigekommen waren. Die auswärtigen Besucher wurden mit rothen Fahnen und Musik aus dem Bahnhof empfangen, woraus sich der große Zug über die Boulevards nach der Versammlung begab. Am nächsten Tag sprach Vellmar aus einem vortrefflichen Arbeiterfest in Gent und wurde von den dortigen musterhaft organisirten Partei- genossen auf das Wärmste empfangen. Am 21. sprach er in der hol« ländischen Hauptstadt Haag, wo Vellmar zuerst Gelegenheit hatte, die rührig thätige Sozialdemokratie der Niederlande kennen zu lernen; und am 22. in A m st e r d a m, wo die Versammlung namentlich sehr gut besucht war und zum ersten und einzigen Mal Vollmar ein Gegner in der Person eines Herrn Mayer au« Dortmund entgegentrat. Dieser machte den Versuch, die Hohenzollern al«„Glück de« deutschen Volke»" darzustellen und der Risikoprämie, dem Militarismus und dem Sozia- listengesetz und dergl. ein Loblied zu fingen, legte aber damit bei der au» Holländern und Deutschen gemischten Zuhörerschaft sehr wenig Ehre ein. Schließlich hielt Vollmar noch in L U t t i ch eine deutsche Volk»- Versammlung ab, in welche sich einzumengen die Polizei nicht ganz lassen konnte. Die Genossen an den genannte» Orten, sowie wo er sich sonst noch aufhielt, empfingen Vollmar als den Vertreter der deutschen Sozialdemo- kratie aus das brüderlichste und gaben überall ihre Sympathien mit unserer Partei kund. Die junge, au« sechs Sektionen bestehende sozia- listische Organisation in Holland hat sich auf dem neulichen Kongreß zu Rotterdam einheitlich gegliedert und macht der bisher alleinigen Arbeitervereinigung, dem schulze-delitzschen„WerkmanSbond", einen er- solgverheißenden Kampf. Ihr von dem unermüdlich thätigen Genossen Domela-Nieuenhuis herausgegebenes Organ„Recht voor Allen" gewinnt immer mehr Leser und soll zum-Behuf seines Druckes demnächst an die Gründung einer Genossenschaftsbuchdruckerei gegangen werden. In Belgien fehlt e» zwar nicht an überzeugten und entschlossenen Sozialisten, wohl aber fast vollständig an Organisation, so daß der Au«. druck„sozialistische Partei Belgiens" eine Gefinnungsverwaudtschaft, nicht ein zu praktisch politischen Zwecken gegliedertes Ganze bezeichnet. Die Folgen diese« Mangel« zeigen sich n. A. in dem Rückgang der Propaganda und der Anhängerschaft in großen LandeStheilen, z. B. in Boriuage, sowie in der leidigen Thalsache, daß von den vielen srüherm Arbeiterorganen(ohne Schuld äußerer Gewalt) heute nur mehr zwei übrig geblieben sind: die in französischer Sprache in Vervier« erschei- vende„Sentinelle" und die vlämische„Toekomst" in Gent. Eine Au»« nähme von dem herrschenden Organisationsmangel machen die in dieser Beziehung schon öfter erwähnten wackeren Arbeiter von Gen t. Nament- lich haben dort die Weber eine mächtige Organisation und bilden den einen Haupthalt der Bewegung. Der andere liegt in der vorttefflichen Einrichtung der Genossen schaftsbäckerei, welche durch Liefe- rung vorzüglichen und billigen Arodes die Arbeiter anziehen und dem Einfluß der Klassenidee und sozialistischen Bewegung gewinnen, sowie zugleich organisatorisch wirken und Geldmittel zur Propaganda schaffen. Welche Entwicklung diese einer eingehenderen Studie werthe Einrich- tung gewonnen hat, zeigt der Umstand, daß die direkt in den Händen der Partei befindliche jGenossenschaftSbäckerei„B o r u i t"(Vorwärts) binnen Kurzem schon uicht mehr mit Handarbeit, sondern mit vervoll- kommneten Maschinen(Knetmaschinen, Heißwasserosen k.) arbeiten wird und zum Zwecke ihre« Betriebes eine fast in Mitte der Stadt liegende umfassende Gcbäudeanlage aus 20 Jahre gemiethet hat, in welcher außer dem eigentlichen Geschäft noch Bibliothek, Versammlungslokale, Buch« Handlung, Gastwirthschast u. s. w. untergebracht werden, so daß dieselbe eine wahre Zentrale und Feste der Partei wahren wird. — Frankreich. In Frankreich ist e« von lange herjSitte, daß der Staa oder auch die Gemeinden bei größeren Jndustrie-Ausstellungen Mittel zur Entsendung von Arbeitern nach den betreffenden Ausstellungsorten bewil- ligen. Da nun demnächst in Amsterdam eine große holländische Jndustrie-AuSstellung stattfindet, so hat bereit» der Gcmeindrath vou Pari« 5000 Franken zu diesem Zweck bewilligt, andere städtische Kollegien sind ihm gefolgt, und in der Kammer ist ein Antrag eingebracht worden, aus Bewilligung von 100,000 Franken. Die Pariser Arbeiter« Syndikatskammern(Fachvereine) haben bereits mehrfache Besprechungen Uber diesen Gegenstand gehabt, und am letzten Freitag beschloffen, die Ausstellung zu beschicken, die Unterstützung aber nur anzunehmen, wenn keinerlei Bedingung daran geknüpft wird. Die Delegirten sollen lediglich von den Fachvereinen ernannt werden. Ein Beweis, wie eifersüchtig die französischen Arbeiter auf die Wahrung ihrer Unabhängigkeit bedacht sind. In vielen Jndustriebranchen herrscht zur Zeit große GeschästSstille. Tausende von Arbeitern lausen beschäftigungslos herum. Die Syndikat»- kammer der Bautischler hat daher die Initiative ergriffen zur Ab- Haltung einer großen Versammlung aller arbeitslosen Kollegen, welche nächsten Freitag den 9. März, Nachmittag« 2 Uhr, vor der Esplanade der Invaliden unter freiem Himmel stattfinden soll.„Wenn solche Ber- sammlungen im monarchischen England gestattet find", heißt e« in der Einladung,„so sehen wir nicht ein, warum sie in der Republik nicht sollen stattfinden dürfen." Gegen den wackeren Format in Lille ist bereit» der dritte Prozeß angestrengt worden, und zwar wiederum von einem in seiner Ehre gekränkten Fabritanten. Der Biedermann fordert neben der Bestrafung nur 3000 Fr. Entschädigung für sich. Bon unbekannter Hand geht un« ein Flugblatt der jounssss äömo- cratiquo(demokratische Jugend) zu, welche» eine Art von polittschem Programm enthält. Wenn e» auch nicht durchgängig in unserem Sinne abgefaßt ist, so muthet e« un« doch sehr sympathisch an. ES weht ein ganz anderer Geist au« diesem Manifest der Jugend de»„verkommenen" Frankreich«, als er un« heute in den Erlassen der Söhne der deutschen Bourgeoisie entgegentritt. Der Gegensatz zwischen dem Einfluß der Republik und der Monarchie kann nicht drastischer gekennzeichnet werden, al« wenn man diese« Flugblatt mit den Publikationen de«„Verein« der deutschen Studenten" vergleicht. Hier wirklich fortschrittlicher Geist, Ver- ständniß sllr alle Probleme der Neuzeit, dort Kult»« veralteter und abgelebter Einrichtungen, Servilismus und hochmitthiger Dünkel. Wir kommen aus dieses interessante Aktenstück vielleicht noch zurück. Die„ E g a l i t 6" hat nach kurzem Bestände ihr Erscheinen leider schon wieder einstellen müssen. Es wird un« darüber geschrieben: Da« Redaktiou«-Komite der„Egalitö" halte mit einem Drucker einen Bertrag auf zwei Jahre abgeschlossen, wonach dieser die Kosten über- nahm und den Gewinn zur Hälfte mit der Redaktion theilte. 6000 Exemplare verkauft, deckten die Kosten. Die erste Nummer verkaufte fich sofort zu 3800 Expl. Aber bei der dritten Nummer schon erklärte der Drucker, er wolle nicht länger Geld zahlen sllr die Verbreitung von Ideen, die er nicht theile, er werde nur noch Satz und Papier zahlen, da« Uebrige müsse die Redaktion zuschießen. Verweis auf de« Kontrakt half nicht. Annehmen oder da« Blatt hört auf(o'ost ä prenärs cm k laisser). Dafür überließ er denn endlich der Redaktion die Einnahme au« den Annoncen und den Berkaus außerhalb Paris. Vier Tage später erklärte der Drucker, auch das müsse aufhören, die Redaktion müsse da« Blatt für ihre Rechnung übernehmen. Da dieser gerade die Mittel hiesür fehlten, war da« Blatt damit verurtheilt. Die Redaktion wird den Mann wegen Kontraklbruch verklagen, aber da« Blatt bleibt be- graben. Das ganze Geheimniß ist, daß der Mann ein große« o r l e a» n i st i s ch e« Blatt zn drucken bekommt und ihm offenbar vorgeschrieben ist, er müsse zuerst die verdammten Sozialisten, die da« Verbrechen be- gangen hatten, Konfiskation de» Vermögens der Orleans zu befürworten, an die Lnst setzen. — Spanien. Die Nachrichten, welche der Telegraph au« diesem Lande berichtet, klingen für den ordnungsliebenden Spießbürger ungemein gruselig:„Anarchistische Verschwörung",„schwarze Hand",„Todes- urtheile",„Vehmgerichte",„Hunderttausend Anhänger". Sollen da dem guten Bürger nicht die Haare zu Berge stehen! Allerdings, verehrte« Publikum, könnten sie da«, aber nicht ob der großen Verschwörung, sondern ob de» kolossalen Elend«, da« in Spanien, und ganz besonder« in Andalusien, diesem fruchtbaren Garten de« Süden», herrscht, nicht ob der anarchisti- scheu Todesurtheile, sondern ob der Brutalität der alfonfistischen Polizei und der Verlogenheit der offiziösen spanischen Presse. Daß die spanischen Anarchisten mit der„schwarzen Hand" nicht« zu thun haben, geht au« der neuesten Nummer de» Hauptorgan» derselben, der„Revista social", hervor, welche von dieser mysteriösen Gesellschaft schreibt, daß sie sie„ w e d e r k e n n t n o ch v e r t h e i d i g t", und auch sonst wenig über die Agrarbewegung in Andalusien berichtet. Au« einer Korrespondenz der Pariser„Justice" aber geht hervor, daß die „schwarze Hand" wahrscheinlich überhaupt nur in den Polizeiakteu existirt und die Regierung nur wieder einmal Lust verspürt, die Gesellschaft zu retten. Das Bild, welches dieser sehr gut unterrichtete Korrespondent von der entsetzlichen Lage de« Volk» unter der Schandwirthschaft Alsonso'« I. entwirst, ist ergreifend. Ueberschwemmungen im Frühling und Dürre im Sommer haben im vorigen Jahre die Ernte vernichtet— die Regierung aber setzte mittelst der gefügigen Kammer neue Getreidezölle durch. Die Ausholzung der Wälder erweist sich immer mehr al« unabweisbar nothwendig— die Regierung veräußert ihre Staatswälder. Seit 10 Monaten schmachtet da« Volk im tiefsten Nothstand; wa» thut die Regierung? Sie erfindet eine soziale— B er s ch w ö- r un g I „Die ganze Polizei ist auf den Beinen; da die gewöhnlichen Gerichte keinen Grund zum Einschreiten finden, so bildet man neue Gerichtshöfe. Spezialuntersuchungsrichter werden von Madrid nach Ziere« und Cadix gesandt; man verstärkt die GenSdarmerie und verdoppelt die Besatzung der Fort». Man verhaftet 200 und noch mehr Personen; wer blutarm ausschaut, schlechte Kleider oder lange Haare trägt, wird aufgegriffen und verhaslet." „Al» wir aber Erkundigungen einzogen, um wa« es fich bei dem großen Lärm in Wahrheit handelt, welche Handlungen man den Ange- klagten zur Last legt, wa« für Verbrechen begangen worden sind, da erfuhren wir, und wir bürgen die volle Echtheit unserer Mittheilungen, Folgendes: „Einige unglückliche Hungerleider haben aus einem Landgut 300 Re- aleu(60 Mark), einige Säcke Getreide nnd mehrere Psund Brod gestohlen, sodann aus einem anderen Gute— man wird e» nicht glauben I— zwei Schweine entwendet! Anarchisten, welche wenigsten« einen Tag Fleisch essen«ollen, haben 2 Schweine gestohlen! Die Sache wäre sehr belusti- gend, wenn sie nicht ihre sehr traurige Seite hätte; und wir fragen un«, wohin wir gehen und wohin un« diese unheilvolle und blödfinnige Regierung noch sühren wird." So der Korrespondent der„Justice". Mag er auch nicht in Allem Recht haben und die revolutionäre Be- wegung im Volke unterschätzen, so scheint er in der Kernsrage doch da« Richtige getroffen zu haben. Die Polizei ist in allen Ländern dieselbe. — Rußland. Die Krönung Väterchen« ist also ernsthast im Werke. Daran ist nicht mehr zu zweifeln, seit, wie die Zeitungen melden, mehrere hunderttausend Schnapsgläser zur KrönungSseier bestellt worden find. Die„getreue" Moskauer" Bevölkerung schwebt bereit« in Wonne ob de« großen Rausche«, der ihr bevorsteht. Da» muß man übrigen« sagen, billig thun e» die hohen Herrschasten, daß e« sast unglaublich klingt. Nur 17 Millionen Rubel(circa 35 Mil- lionen Mark) wird die Krönung mit Allem, wa» drum und dran hängt, kosten. Welche Kleinigkeit! Bedenkt man aber, daß in mehreren Pro- vinzen Süd- uud Mittelrußland» entsetzliche Hungersuoth herrscht, und daß seit Jahren Handel und Gewerbe in Rußland darniederliegeu, so wird man begreifen, warum die„väterliche" Regierung so weise Spar- samkeit walten läßt und nicht noch mehr für eine unter so schwierigen Verhältnissen zu Stande gebrachte Feier drausgehen läßt. E« wäre wirtlich nicht hübsch von den Nihilisten, wenn sie diese« so billige Ver- guügen etwa in unsauster Weise stören wollten. Uebrigen« scheint e« un»— Scherz bei Seite— auch gar nicht in der Absicht der russischen Revolutionäre gelegen, A l e x a u d e r III. vor der Krönung aus den Leib zu rücken; welchen Entschluß wir durch- au« gerechtfertigt finden würden. Heute erwarten Tausende in Rußland, daß nach vollzogener Krönung Reformen eingeführt oder gar eine Kon- stitulion verliehen werden würde. Nun haben zwar die letzten Wochen wiederum einen deutlichen Beweis geliefert, daß alle diese Hoffnungen durchaus ausfichtlo« find, wir erinnern nur an da« Verbot de« liberalen „Golo«"; indeß sie find einmal da, und die Revolutionäre haben selbst dazu beigetragen, sie im Volke zu nähren. Da» hätte doch gar keinen Sinn, wenn sie ein Attentat planten. Wenn wir trotzdem von entdeckten Komplotten, von Verhaftungen ,c. lesen, so ist da« nur ein Beweis von der kolossalen Angst, die in den oberen Regionen herrscht, und der Niedertracht der russischen Polizei- organe, die, um den Feigling Alexander von ihrer Tüchtigkeit und ihrem Nutzen zu überzeugen, in willkürlichster Weise mit Freiheit und Leben«- glück der rnsfischen Staatsangehörigen umspringe». Und wa» nennen diese Polizeiseelen nicht Alle« Komplott! Eine verbotene Schrift, ein un- verständlicher Bries. ein physikalischer Apparat— das Geringst- genügt so einem Polizeiesel, eine Verschwörung zu wittern. Und der geschwätzige Telegraph ist schnell bei der Hand, um Suropa zu beweise», wie vor- trefflich jetzt die Polizei in Rußland organisirt sei. Verschiedene Zeitungen berichten nun zwar von einem Gespräche, da» Leo Hartmann jüngst mit einem Reporter in Philadelphia gehabt haben und in welchem derselbe fich allerding» dahin geäußert haben soll, daß die Krönung auch diesmal nicht stattfinden werde. Da« widerspräche freilich unseren eben entwickelten Ansichten, kann un« aber nicht von ihrer Unrichtigkeit überzeugen. Wir haben eine zn hohe Meinung von den Männern der wirklichen Aktion in Rußland, al« daß wir annehmen sollten, dieselben werden ihre geheimen Absichten einem Zeitungsreporter mittheilen. Schwatzhaftigkeit ist nie ihre schwache Seite gewesen. Da« Borstehende war bereit« gesetzt, al» wir die Nummer 7 de« Thicagoer„Borbote" vom 17. Februar erhielten, aus der wir zu unserer Genugthuung ersehen, daß da« angebliche Gespräch eine Mystifikation gewesen ist. Wir hätten keinen Augenblick daran gezweifelt, wenn wir e« nicht in zwei sonst gut unterrichteten Blättern gefunden hätten. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. - Au« dem 1». säckstfchen Wahlkreise. Lang ist's her, daß man nicht« von Euch gehört, wird mancher alte Kämpe sagen, doch darf Niemand glauben, daß wir geschlafen hätten. Wer könnte e« auch, wuchern doch bei dem Mangel jeder Preß» und Redefreiheit die sozialen Schäden jetzt erst recht, nnd gibt c« für Jeden, welcher Kops und Herz am rechten Fleck hat, so viele», wa» er ändern möchte. Wie bekannt, ist unser Krei» von jeher einer der schwierigsten in der Agitation ge- wesen, denn abgesehen von etlichen kleinen Städten(mittel« deren wir es gewöhnlich bis zur Stichwahl brachten) besteht der Krei« au« lauter Dörfern, aus welchen der reaktionäre phrafendreschende, für Getreide- und sonstige Zölle schwärmende Großbauer F r e g e sein Mandat al« Bolkszertreter vermittelst Amtshauptleuten, Pfaffen und Gen«- darmen holt, welche Bauernfängerei ihm Eugen Richter au» Konkurrenz- neid ja schon im Reichstag unter die Nase rieb.*) Unsere im Allgemeinen noch ziemlich gut fituirte Landbevölkerung läßt sich's eben nicht nehmen, fich von solch geriebenen Schuften nasführen zu lassen. Der vorgemalte augenblickliche pekuniäre Nutzen de« Getreidezolles u. s. w. springt den Leuten mehr in« Auge als das Hinterrrücks- Erdrosseln aller Bolksrechte und doch hätten Viele alle Ursache, mit un« zu sympathisiren. Wer e« nicht glaubt, mag sich nur die Hypothekenschnlden eine« einzigen Dorfe« vor die Augen sühren, auch hier werden die Großen größer und die Kleinen kleiner. Sind doch schon heute nur diejenigen glücklich zu preisen, welche nicht allzutief stecken, d. h. nicht allzuviel Schulden haben; etliche schlechte Ernten, ein unglücklicher Krieg im Vaterland wird Viele stürzen! Der sich wenig um Politik kümmernde Land- mann ahnet nicht, daß diejenigen, welche ihm jetzt noch heuchlerisch Honig um den Mund streichen, in nichst allzuserner Zeit diejenigen sein werden, welche, wenn sie ihre unersättlichen Begierden nicht mehr an dem immermehr zu Grunde g e h en d e n G e w e r b e- und Arbeiterstand im ausreichenden Maße decken können, ihre Krallen nach ihm, den„lieben" Bruder Bauer, ausstrecken, um ihn vor lauter Liebe zu fressen. Kein Wunder, daß sich Bruder Bauer thörichterweise noch derart in« reaktionäre Schlepplau nehmen läßt: sein voller Magen hält ihn vom Denken ab, seine geistige Speise besteht nur au» Kirchgang und Kartenspiel; und damit er hübsch fromm und reichstreu bleibe, bearbeitet ihn eine unter der Polizeisuchtel stehende Presse. Die hiesigen Redak- teure find, um mit ihren Freund Bismarck zu reden, die reinen Sau- Hirten, sie sind die erbärmlichsten Heuchler und Lügner. E« ist kaum glaublich, was sie Micheln oftmals in ihrem Schmierblättchen aufhalsen. Für soziale Uebelstände hat das Pack keine Augen! Wie traurig steht es im Erwerbsleben, in welchem sonst der Land» mann seine überzähligen Söhne unterbrachte! Fast alle Branchen klagen; die Ausbeutung der Arbeiter ist unerhört; die mittleren und kleineren Geschäfte vegetiren, infolge der erdrückenden Konkurrenz, zwischen Sein und Nichtsein, die ehrlichen Leute nennt man glattweg die Dummen! Die„Klugen" dagegen Helsen sich durch die verschiedensten Machinationen: Hier muß eine hübsche Frau, Kellnerin oder Ladenmädchen da» Geschäft auf eine hier nicht näher zu bezeichnende Weise rentabel machen, weil e» aus andere Weise nicht mehr geht; dort schmarotzt Einer nnterthänigst nach oben. Wa« wird nicht alle« unter dem Kaisernamcn verkaust, vielleicht kommt man noch auf Kaiserspucknäpfe; in Gasthäusern ist das Aushängen von Kaiser- und Königsgesichtern zu einer wahren Seuche geworden; meisten» geschieht e« au« Heuchelei, weil gerade der Gastwirthstand ein von Polizeiwegen viel verfolgter ist. Kurz, überall wird geheuchelt; aber alle Gutgefinntheit wird Dir, o Denkervolk nicht« helfen. Seht ihr nicht, daß trotz, oder vielmehr in- folge euerer Loyalität die Steuerlast immer drückender wird und Beamten- Willkür, Ausbeutung und Korruption wie noch nie fortwuchern? Ihr aber, Arbeiter und Freunde de« unterdrückten Volke«, tretet vom Neuen ein in den Kampf für Recht und Wahrheit! Obne Kampf kein Sieg! Ohne Sieg keine Besserung! R o t h h e r z. — Chemnitz, 3. März. Wir hatten in letzter Zeit hier nnd iu der Umgegend mehrere sehr gut besuchte Volksversammlungen. Am Sonnabend vor acht Tagen sprach unser Abgeordneter Geiser in Gablenz über die Sozialresorm der Reichsregiernng, den folgenden Tag hier über dasselbe Thema, und den Montag daraus hielt Liebknecht in dem benachbarten, jedoch zum 19. Wahlkreis gehörigen Burkhard»- dorf einen Bortrag über Arbeitsbücher und Sozialresorm. Der Verlaus aller dieser Versammlungen war ausgezeichnet und zeigte, welch trefflicher Geist unsere Arbeiterbevölkerung beseelt. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn ich schreibe, daß auch nicht e i n Arbeiter die BiSmarck'sche Kur- Pfuscherei und Schwindelreform für Ernst nimmt. Die Versammlung in Burkhardsdors hatte insofern noch ein« weitere Bedeutting, al« e» die erste öffentliche Volksversammlung war, welche seit 1878 im 19. sä ii fischen Wahlkreis abgehalten werden durste, und al» sie unmittelbar nach der Beanstandung der Ebert'schen Wahl statt- fand. Daß die, unter dem schamlosesten Druck und durch Anwendung der skandalösesten Beeinflussungsmittel zu Wege gebrachte Wahl de» Grubenbesitzer», BrbeiterauSbeuter» und praktischen Christenihümler» Ebert vom Reichstag einstimmiq beanstandet wurde, hat die vereinigten Ordnungsmänner de« 19. Wahlkreises geradezu niedergeschmettert. Dessen hatten sie fich nicht versehen. Und sllr die Arbeiter, aus denen e» bisher wie ein Alp lag, ist der Zauber gebrochen; sie athmen wieder auf, und der nächste Wahlkamps wird sie am Posten finden. Aber wann wird derselbe sein? Beanstandung und UngiltigkeitSerklärung einer Wahl ist zweierlei, nnd kann auch im Fall Eberl'« die Ungiltigkeit«- erklärung nicht ausbleiben, da sämmtliche im Wahlprotest behaupteten Thatsachen leicht und durch zahlreiche Zeugen zn beweisen sind, so ist die UngiltigkeitSerklärung doch in dieser Session nicht mehr zu erwarten. Der betreffende ReichStagSbeschluß dürste wohl im nächsten Winter er- folgen, und die Neuwahl würde dann frühesten» im Anfang de« künf- tigen Jahre« statthaben, also etwa ein halbe« Jahr vor der all- gemeinen Wahl. Trotzdem beschäftigt man fich hie und da schon mit der Kandidatensrage, ohne daß e« bisher zu einer förmlichen Be- rathnng, geschweige denn Beschlußsassnng gekommen wäre. Die Nachricht eine« süddeutschen Blatte«, daß Genosse Biereck al« Arbeiterkandidat aus- gestellt sei oder aufgestellt sein solle, ist hiernach zu berichtigen. E« handelt sich bis jetzt nur um private und lokale Meinung« äußeruugen, wobei übrigens verschiedene Genossen genannt worden find. *) Es drehte sich um die Berger'sche Wahl. Ankrage. Wer über da» frühere uud jetzige Thun und Treiben(neben der Be- rufsarbeit) eine« gewissen P. I. Fasse l au« Engenhahn in Nassau, gegenwärtig in Mainz bei der Eisenbahn beschäftigt, Au«- kunft ertheilen kann, wird gebeten, mir solche durch die Expedition de» „Sozialdemokrat" zukommen zu lassen. Ein Arbeiter. Georg Hossmann in Kopenhagen, früher Nadler iu Leipzig(siehe Nr. 9 de»„Sozialdemokrat") ist nicht zu verwechseln mit Genosse Loui« Hofmann(gleichfall« Nadler) au« Pegau und früher in Leipzig, jetzt in Zürich, wa« wir aus dessen Wunsch hiermit ausdrücklich hervorheben. Brteflasten der Redaktion: Kode» II. von Köln: Was Euer schwarzer „Bolkssreund" über„falsche Sozialdemokratie" sagt, ist nicht« Andere« als eine Umschreibung de« berüchtigten„Reich»boten".Artikel de» saube- ren M. Oppenheimer. Ueber den„Fall" Lawinsky selbst gibt am besten die nachstehende Erklärung de« L. Auskuust: Erklärung: „Ich der Unterzeichnete erkläre hierdurch in der Affäre Mose« Oppenbeimer da« Folgende: 1) Ich habe von der Veröffentlichung de« p. Oppenheimer keine Kenntniß gehabt, habe Oppenheimer dca Vollmar'schen Zettel auch keineswegs behufs Veröffentlichung in gegnerischen Blätterin gezeigt und erkläre da« Verfahren desselben sllr einen groben Vertrauen»- mißbrauch. 2) Es ist unwahr, daß mir die 10 Fr., die ich au« dem Unterstützungsfond erhielt, vom Lohn abgezogen find. Die abgezogene Summe von 12 Fr. war vielmehr eine Extravorschuß. 3) Was den Arbeitslohn anbetrifft, den ich erhalten habe, so war ich allerding« zuerst der Meinung, daß man mir im Ganzen nur Fr. 2,50 pro Tag berechnet habe. Durch Bollmar'« plötzliche Abreise war es mir nicht möglich, sogleich zu erfahren, daß mir auch eine Speiseanwnsung für Mitlag- und Abendessen, die ich auf eine Woche erhallen hatte, zum Lohn hinzugerechnet war. Diese« Mißverständniß ist auf mein Befragen sofort aufgeklärt, und ich erkläre mich in jeder Beziehung mit dem erhaltenen Lohne zufrieden. St. Gallen. 2. März 1883. Carl Lawinsti. Man ersieht hieran«, in welcher„Zwangslage" sich Herr O. befand, als er„um einem Gekränkten Genugthuung zu verschaffen", seinen Schimpf- artikel in den un« feindlichen antisemitis chen„Reichsbote" ein- schickte; nämlich genau in derselben Lage, in der er die Ente vom Ankauf de« Wydeuer Feste» und den gesälschlen denunziatorischen Bericht über Grillenberger'« Festrede in die Welt setzte, beide»„ganz unschuldige" Scherze, welche nur Spaße» halber von der reaktionären deutschen Presse zu einer Heye auf die Schweiz benutzt wurden. der Expedition: G. H. Stgt.: Mk. 1,— Ab. März erh.— K. F. u. Gen. B: Mk. 11,- Abon. Ende Juni erh.— Rother xam: Ausbleiben von 8 räthselhaft. Künstig zunächst bei dortiger Post reklamiren. Ersatz allseits abg. am 1/3.— Alb. D. Amst.: Kostet pr. April separat Fr.—,85.— O. M. Amst.: Betr. B.-Bericht hier. Weiteres besorgt.— Slbrg. H.: Mk. 25,— pr. Schst. u. Ab. erhalten. Bstllg. tc. notirt.— B. G. Obgzbg.: Mk. 2,30 s. Z. erh.— Rothe« Quartett Thür: Fr. 1,50 d. Usd. dkd. zugewiesen.— Michel Stieber: Mk. 142,45 f. Schst. u. Ab. erh.- L. Hffm. Z.: Fr. 2,— Ab. 1 Qu. erh.— Th. B. Castleford: Mk. 1,— f. Annonce erh. Adr. geordnet.— Rother Boigtländer: Mk. 18,— baar und Ggrchg. pr. Ab. 1. Qu. gut- gebracht. Adr. vorgem. Wenn P. nicht zahlt, sperren!— Agst.: Mitthlg. vom 26/2. erh. und vorgem.— Bruno; Bf. v. 2. am 6/3. beantw.— Bayr. Hiesel: Sdg. v. 4. erh. Adr. K. gelöscht.— Der Bekannte: Bf. v. 2. am 6/3. beantw.— Rothbart: Bf. v. 28/2. am 5/3. beaniw.— Lucius: Bf. u. Aufstllg. v. 26/2. erh. Ersatz für verl. Athle. abgeg. Cassa erw. Bfl. am 5 3. Weitere«.— Der alte Rothe: Thun Sie, wa« möglich ist, in jeder Hinficht.— Seesturm: Beachtet.— Elbtäuber: Bs. v. 6/3. erh. Adr. notirt. Weitere« erwartet.— H. Ntzsche N.-Dork: Sdg. v. St. erh. Nota erbeten. Ihre Bstllg. am 7/3. abgeg.— A. Lans. Chicago: Bestllg. am 7/3. fort. Adr.-c. notirt.— Ruprecht: Mk. 39,— ä Cto. Ab. tc. erhalten.— W. Hoffm. London: Fr. 25,20 ä Cto. alte Rchng. erh.— Bon einem Arbeiter, der aus Grund des Hastpfl.-Ges. den Prozeß gegen seinen Ausbeuter gewonnen: Fr. 25,20 pr. Usd». dkd. erh. Soeben ist erschienen und durch un« zu beziehen: Die Entwicklung des Sozialismus von der Wtopie zur Wissenschast. Bon Friedrich Engel». Oktav. 4'/, Bogen stark. Pret«: Für Deutschland: 35 Psge. Für die Schweiz und Ausland: 40 Cl«. Gegen Baar. Vorauszahlung. Auf Einzel exemplare nach Deutschland 5 Pfennige Portozuschlag. Kei größerem Keillge entsprechender Rabatt. Vol�sduckkäuckliutg Hottingen. Expedition de«..Soilaldem." Soeben ist iu zweiter Auslage mit einem Nachworte erschienen und durch un» zu beziehen: Die deutsche Geheimpolizei im Kamvfe mit der Sozialdemokratie. Abtenßiichk nnd«»thällnngt» auf Grund authentischen Material» zusammengestellt. Buchhändlerprei»: 1 Fr.— 80 Psge. Arbeiterprei»: 50 Ct«.— 40 Psge. Franko für Rabatt, nur gegen BaarvorauSzahlung. Bei Einzelbezug nach Deutschland 10 Pf. Portozuschlag beizulegen. Aus größere Posten bedeutender Rabatt. Versandt auf Gefahr der Empfänger, ohne gebundene Lieferzeit. Weitere» für Deutschland bekannt.