Orscheiut »»ch»«tl»ch« i»!«« l w Zürich(Schweiz) »eri«, ««-Zürich. D»ßse»»»i»e> sranco gegen fr»»c». ch-wdhnliche Briese «ich der k ch w e i, loste» loppelporto. Der SoMdeWkrat Dentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Aö�anements werden bei»llen schweijerischea Postbureaux, sowie beim»erlag und dessen dekannten Agenten entgegengenommen und zwar|um »•tau« zahlbaren LierteljahrSprei» von: Fr. 2.— für die Schweiz(streu, band» Ml.».— fiir Deutschland(«oudert» st. l. 70 sllr Oesterreich(llouvert Fr. L.50 slr alle übrigen Länder de» Weltpostverein»(Kreuzbands Inserate Die dreigespaltene Petitzeil 25 dt».= 20 Pfg. N? 13. Donnerstag. 22. März. 1883 Iii« n We Jimniln nai ßorresstaatenten de»„Sasialtmillrat". Da der.Sozialdemokrat- sowohl ln D-»»schland al» auch in Oesterreich»erdoten ist, bezw. dersolgt wird, und die dortigen »ehbrden stch alle Milbe geben, unsere verbwdungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briese von dort an un» »nd unsere Zeiwng»» und sonstigen Smdungen nach dort abzufangen, so ist die äujerste vorficht im Poftoerkihr nothwendig und »ars leine vorstch,, Maßregel versäumt»erden, die»riefmarder über den«abre» Absender-nd«mpMger, sowie den Inhal, der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersorderniß ist hiezu einersei», daß unser- Freunde so selten al» möglich an den.Sozialdemokrat-, resp. desten»erlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschland» und Oesterreich»«enden, welch« stch dann mit un» in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch un» möglichst unverfängliche Zustellungladresten mitgetheilt werden. Zn zweiselhasten Fällen empfiehlt stch behus» größerer Sicherheit Siekommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemolrat- unscrn Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Kcwgllchmeud auf die seitherize« LeKarnttmachttugeu. die Allgemeine parteiberathung betreffend, ersuchen wir Euch nochmals, die uothigeu S-rKehrungeu baldigü treffen zu wollen. Nor Allem ist nöthig, die Namen der fnr die Varteiberathnug bestimmten Nertraueusmauuer schleunig Ii uns auf den Such bekannten Wegen mitzlltheileu, damit wir deufelbca zur rechten Zeit nähere Weisung zukommen laffen könne«. Kitte deutlich geschrieöeue sichere Adresse, au wen die vetreffeude Weisung gelangen soll, ist beizufügen. Zürich. 1. März 1888. Die Redaktion und Sipedition des„Sozialdemokrat". Der Ojiertag. Tag der Erlösung, nahe heran! Siehe die Völker in Fesseln und Bann, Siehe die Wahrheit gesälscht und geächtet, Siehe die Arbeit gedruckt und geknechtet, Siehe die Freiheit im ZUchtlingSkleid, Tag der Erlösung, o komm', e« ist Zeit! Einstens, erzählen die Sagen, da Hab' Man die Wahrheit versenkt in ein steinern' Grab, Und dennoch habe sie kühn sich entfaltet, Habe den mächtigen Felsen zerspaltet, Und wie die Sonne das Dunkel durchbricht, Sei sie auf's Neue gestiegen zum Licht. Man feiert dies herrliche Wunder noch heut' Mit Orgelgctöne"nd Glockengeläut', Doch siehe, der F lerniß Schergen, sie haben Die freie Wahrt, auf's Neue begraben, Sie ward von d.', NIcht'gen gegeißelt, verlacht, Gekreuzigt und sich zur Ruhe gebracht. Wir stehen am l. abe mit dllsterem Blick, Kein Engel wälzr heute den Grabstein zurück. Nur durch der Völker vereinigtes Wollen Bringt man den Felsen aus'« Neue in'« Rollen, Wenn an die Arbeit gemeinsam wir geh'u, Wird die Begrab'ue erst wieder ersteh'«. Drum, Proletarier, macht Euch bereit, Zur Auferstehung ist endlich die Zeit, Zu lange die Freiheit im Kerker schon schmachtet, Zu lange wird Wahrheit und Recht schon verachtet. Stehet zusammen, sei Jeder ein Mann, Dann nahet das Ostern der Freiheit Hera». dl.«. Ztos Wegraöniß von Kart Warr. Samstag 17. März wurde Marx auf dem Friedhof zu Highgate zur stinhe gelegt, im selben Grabe, in dem seine Frau vor fünf. zehn Monaten beerdigt worden. Am Grabe legte G. Lemke zwei Kränze mit rothen Schleifen auf den Sarg, im Namen der Redaktion und Expedition des „Sozialdemokrat" und in dem des Londoner Kommu» nistischen Arbeiterbildungsvereins. Dann sprach F. Engels ungefähr folgende« in englischer Sprache: „Am 14. März, Nachmittags ein Viertel vor drei, hat der größte lebende Denker aufgehört, zu denken. Saum zwei Minuten allein gelassen, fanden wir ihn beim Eintreten in seinem Sessel ruhig entschlummert— aber für immer. „WaS da« streitbare europäische und amerikanische Proletariat, was die historische Wissenschaft an diesem Mann verloren haben, daS ist gar nicht zu ermessen. Bald genug wird stch die Lücke fühlbar machen, die der Tod dieses Gewaltigen gerissen hat. „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx da« Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Ueberwucherungen ver- deckte einfache Thatsachc, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion u. s. w. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebens- mittel, und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eine« Zeitabschnitts die Grundlage bildet, au« der sich die StaatSeinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst, und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und auS der sie daher auch erklärt werden müssen— nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt. „Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Bewe- gungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entdeckung des MehrwerthS war hier plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen sowohl der bürgerlichen Oekonomen wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten. „Zwei solche Entdeckungen sollten für ein Leben genügen. Glücklich schon der. dem es vergönnt ist, nur eine solche zu machen. Aber auf jedem einzelnen Gebiet, daS Marx der Unter- suchung unterwarf, und dieser Gebiete waren sehr viele und keines hat er blos flüchtig berührt— auf jedem, selbst auf dem der Mathematik, hat er selbständige Entdeckungen gemacht. „So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Die Wissenschaft war für Marx eine geschichtlich bewegende, eine revolutionäre Kraft. So reine Freude er haben konnte an einer neuen Entdeckung in irgend einer theoretischen Wissenschaft, deren praktische Anwendung viel- leicht noch gar nicht abzusehen,— eine ganz andere Freude empfand er, wenn es sich um eine Entdeckung handelte, die sofort revolutionär eingriff in die Industrie, in die geschichtliche Ent- Wicklung überhaupt. So hat er die Entwicklung der Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität und zuletzt noch die von Marc Deprez, genau verfolgt. „Denn Marx war vor Allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen StaatSeinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewußtsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisse, das Be- wußtsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte— das war sein wirklicher Lebensberuf. Der Kampf war sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähigkeit, einem Erfolg wie wenige. Erste rheinische Zeitung 1842, Pariser Vorwärts 1844, Brüsseler deutsche Zeitung 1847, Neue rheinische Zeitung 1848— 49, New-Aork Tribüne 1852 bis 1861— dazu Kampfbroschüren die Menge, Arbeit in Vereinen in Paris, Brüssel und London, bis endlich die große Internationale Arbeiterassoziation als Krönung des Ganzen entstand— wahrlich, daS war wieder ein Resultat, worani sein Urheber stolz sein konnte, hätte er sonst auch nichts geleistet. .Und deswegen war Marx der bestgehaßte und bestverläumdete Mann seiner. Zeit. Regierungen, absolute wie republikanische, wiesen ihn aus, Bourgeois, konservative wie extrem-demokratische, logen ihm um die Wette Verlästerungen nach. Er schob daS alles bei Seite, wie Spinnweb, achtete dessen nicht, antwortete nur, wenn äußerster Zwang da war. Und er ist gestorben, verehrt, geliebt, betrauert von Millionen revolutionärer Mit- arbeiter, die von den sibirischen Bergwerken an über ganz Europa und Amerika bis Kalifornien hin wohnen, und ich kann es kühn sagen: er mochte noch manchen Gegner haben, aber kaum noch einen persönlichen Feind. „Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk!" Marx' Schwiegersohn, Longuet, verlas dann folgende, in f r a n- zösischer Sprache eingegangene Adressen: l.„Aus da» Grab von Karl Marx gelegt von den russischen Sozialisten: „Im Namen aller russischen Sozialisten sende ich einen letzten Scheidegruß dem hervorragenden Meister unter allen Sozialisten unserer Zeit. Einer der größten Köpfe ist entschlafen, einer der energischsten Kämpfer gegen die Ausbeuter des Proletariats ist gestorben. „Die russischen Sozialiften neigen sich vor dem Grabe deS Mannes, der mit ihren Bestrebungen sympathiflrt hat im Ver- lauf aller Wandlungen ihres schrecklichen Kampf»; eines Kampfs, den sie fortführen werden, bis die Grundsätze der sozialen Revo- lution endgültig werden triumphirt haben. Die russische Sprache war die erste, die eine Uebersetzung des„Kapitals" besaß, dieses Evangeliums des zeitgenöffischen Sozialismus. Die Studenten der rusfischen Universitäten waren die ersten, denen eS zu Theil wurde, eine sympathische Darlegung anzuhören der Theorien deL gewaltigen Denkers, den wir jetzt verloren haben. Selbst die- jenigen, die sich mit dem Gründer der„Internationalen Arbeiter- Assoziation" im Gegensatz befanden in Bezug auf praktische Orga- nisationsfragen, mußten sich doch stets beugen vor der umfassenden Wissenschaft und der hohen Denkkrast, die das Wesen des modernen Kapitals, die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformen, und die Abhängigkeit der gesummten Menschheitsgeschichte von diesen Entwicklungsformen zu ergründen verstanden. Und selbst die leidenschaftlichsten Gegner, die er unter den Reihen der revo- lutionären Sozialisten fand, konnten nicht anders als dem Ruf gehorchen, den er vor 35 Jahren, zusammen mit dem Freunde seines Lebens, in die Welt hinausgerufen hatte: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" „Der Tod von Karl Marx wird betrauert von Allen, die seinen Gedanken zu erfassen und seinen Einfluß auf unsere Zeit zu schätzen verstanden. „Und ich erlaube mir hinzuzufügen, daß er noch schmerzlicher betrauert wird von denen, die Marx im intimen Verkehr gekannt, besonders von denen, die ihn als Freund geliebt haben. „Paris, 15. März 1883. P. Lawroff." II. Telegramm. „Die Pariser Genossenschaft der französischen Arbeiterpartei drückt ihren Schmerz aus beim Verlust de« Denker«, dessen materialistische Geschichtsauffassung und dessen Analyse der kapita» listischen Produktion den wissenschaftlichen Sozialismus und die gegenwärtige revolutionäre kommunistische Bewegung geschaffen haben. Sie drückt ferner aus ihre Verehrung für den Menschen Marx und ihre vollständige Einstimmung mit seinen Lehren. „Paris, 16. Mär; 1883. Der Sekretär: Löpine." III. Telegramm. „In meinem eignen Namen und als Delegirter der spanischen Arbeiterpartei(Genossenschaft von Madrio) betheilige ich mich an dem ungeheuren Schmerz der Freunde und Töchter von Marx bei dem so grausamen Verlust des großen Sozialisten, der unser Aller Meister war. Paris, 16. März 1883. Josö Mesa y Leompart." Hierauf sprach Liebknecht, wie folgt, in deutscher Sprache: „Ich bin aus der Mitte Deutschlands gekommen, um dem un- vergeßlichen Lehrer und treuen Freund meine Liebe und Dank- barkeit auszudrücken. Dem treuen Freund! Sein ältester Freund und Mitstreiter hat Karl Marx soeben den bestgehaßten Mann dieses Jahrhunderts genannt. Wohl. Er war der bestgehaßte, er ist aber auch der bestgeliebte gewesen. Bestgehaßt von den Unterdrückern und Ausbeutern des Volks, best geliebt von den Unterdrückten und Ausgebeuteten, soweit sie sich ihrer Lage be- wüßt sind. DaS Volk der Unterdrückten und Ausgebeuteten liebt ihn, weil er es geliebt hat. Denn derTodte, dessen Verlust wir beklagen, war groß in seiner Liebe, wie in seinem Haß. Sein Haß war der Liebe entsprungen. Er war ein großes Herz, wie er ein großer Geist war. Das wissen Alle, die ihn kannten. „Doch ich stehe hier nicht blos als Schüler und Freund; ich stehe hier auch als Vertreter der deutschen Sozialdemo- kratie, die mich beauftragt hat, den Gefühlen Ausdruck zu geben, welche sie für ihren Lehrer empfindet, für den Mann, der unsere Partei geschaffen hat, soweit man in dieser Be- ziehung von Schaffen reden kann. „Es würde sich nicht schicken, wollte ich hier mich in Schön- reden ergehen. War doch Niemand ein leidenschaftlicherer Feind der Phrase als Karl Marx. DaS gerade ist sein unsterbliches Verdienst, daß er das Proletariat, die Partei des arbeitenden Volke« von der Phrase befreit und ihr die feste, durch nichts zu erschütternde Basis deS Wissenschaft gegeben hat. Revolutionär der Wissenschaft, Revolutionär durch die Wissen- schaft, hat er den höchsten Gipfel der Wissenschaft erklommen, um herabzusteigen zum Volk und die Wissenschaft zum Gemein- gut des Volkes zu machen. „Die Wissenschaft ist die Befreierin der Menschheit. „Die Naturwissenschaft befreit uns von Gott. Doch der Gott im Himmel lebt fort, auch wenn die Wissenschaft ihn ge- tödtet hat. „Die Gesellschaftswissenschaft, welche Marx dem Volke erschlossen hat, tödtet den Kapitalismus, und mit ihm die Götzen und Herren der Erde, welche so lange sie leben, den Gott nicht sterben lassen. „Die Wissenschaft ist nicht deutsch. Sie kennt keine Schranken, vor Allem nicht die Schranken der Nationalität. Und so mußte der Schöpfer des„Kapital" naturgemäß auch der Schöpfer der„Internationalen Arb eiter« Assoz ia- tion" werden. „Die Bast« der Wissenschaft, welche wir Marx verdanken, setzt unS in den Stand, allen Angriffen der Feinde zu trotzen, und den Kampf, welchen wir unternommen haben, mit stets wachsenden Kräften fortzusetzen. „Marx hat die Sozialdemokratie auS einer Sekte, aus einer Schule zu einer Partei gemacht, zu der Partei, welche jetzt schon unbesiegt kämpft, und den Sieg erringen wird. „Und das gilt nicht bloß von un« Deutschen. Marx gehört dem Proletariat. Den Proletariern aller Länder war sein ganzes Leben gewidmet. Die denkfähigen, denkenden Proletarier aller Länder sind ihm in dankbarer Verehrung zugethan. „Es ist ein schwerer Schlag, der uns getroffen hat. Doch wir trauern nicht. Der Todte ist nicht todt. Er lebt in dem Herzen, er lebt in dem Kopf deS Proletariats. Sein An- denken wird nicht verblassen, seine Lehre wird in immer weiteren Kreisen wirksam sein. „Statt zu trauern, wollen wir im Geiste deS großen Tobten handeln, mit aller Kraft streben, daß möglichst bald ver- wirk licht werde, was er gelehrt und erstrebt hat. So feiern wir am Besten sein Gedächtniß. „Todter, lebender Freund! Wir werden den Weg, den du uns gezeigt hast, wandeln bis zum Ziel. DaS geloben wir an Deinem Grabe!" Am Grabe waren außer den schon Genannten noch gegen- wältig u. A. der andere Schwiegersohn von Marx, Paul Lafargue, Friedrich Leßner, 1852 im Kölner Kommu- nistenprozeß zu fünf Jahren Festung verurtheilt, G. Lochner, ebenfalls altes Mitglied des Bundes der Kommunisten. Die Naturwissenschaft war vertreten durch zwei Celebritäten ersten Ranges, den Zoologen Professor Ray Lankaster und den Chemiker Professor Schorlemmer, beide Mitglieder der Londoner Akademie der Wissenschaften Society). F r. Engel». Die Mark.*) (Fortsetzung.) Zu Eäsar'S Zeit bebaute wenigstens ein großer Theil der Deutschen, nämlich das Suevenvolk, das noch nicht zu festen Sitzen gekommen war, den Acker gemeinsam; dies geschah, wie wir nach Analogie anderer Völker annehmen dürfen, in der Art, daß die einzelnen, eine Anzahl nahverwandter Familien umfassenden Geschlechter das ihnen zugewiesene Land, das von Jahr zu Jahr gewechselt wurde, gemeinschaftlich bebauten und die Produkte unter die Familien vertheilten. Als aber auch die Sueven gegen Anfang unserer Zeitrechnung in den neuen Sitzen zur Ruhe gekommen waren, hörte dies bald auf. Wenigstens kennt Tacitus s150 Jahre nach Cäsar) nur noch Bebauung des Bodens durch die einzelnen Familien. Aber auch diesen war das anzubauende Land nur auf ein Jahr zu- gewiesen; nach jedem Jahr wurde es neu umgetheilt und ge- wechselt. Wie es dabei herging, das können wir noch heute an der Mosel und im Hochwald an den sogenannten Gehöferschaften sehen. Dort wird zwar nicht mehr jährlich, aber doch noch alle 3, 6, 9 oder 12 Jahre das gesammte angebaute Land, Becker und Wiesen zusammengeworfen und nach Lage und Bodenqualität in eine Anzahl„Gewanne" getheilt. Jedes Gewann theilt man wieder in so viel gleiche Theile, lange, schmale Streifen, als Berechtigungen in der Genossenschaft bestehen, und diese werden durch's Loos unter die Berechtigten vertheilt, so daß jeder Genosse in jedem Gewann, also von jeder Lage und Bodenqualität ursprünglich ein gleich großes Stück erhielt. Gegenwärtig sind die Antheile durch Erbtheilung, Ver- kauf u. s. w. ungleich geworden, aber der alte Bollantheil bildet noch immer die Einheit, wonach die halben, Viertels-, Achtels- w.-Antheile sich bestimmen. Das unbebaute Land, Wald und Weide, bleibt Gemeinbesitz zur gemeinsamen Nutzung. Dieselbe uralte Einrichtung hatte sich bis in den Anfang unseres Jahrhunderts in den sogenannten Loosgütern der bairischen Rheinpfalz erhalten, deren Ackerland seitdem in Privat- eigenthum der einzelnen Genossen übergegangen ist. Auch die Gehöferschaften finden es mehr und mehr in ihrem Interesse, die Umtheilungen zu unterlassen und den wechselnden Besitz in Privateigenthum zu verwandeln. So sind die meisten, wo nicht gar alle, in den letzten vierzig Jahren abgestorben und in gewöhnliche Dörfer von Parzellenbauern mit gemeinsamer Wald- und Weidenutzung übergegangen. Das erste Grundstück, das in Privateigenthnm des Einzelnen überging, war der Hausplatz. Die Unverletzlichkeit der Woh- nung, diese Grundlage aller persönlichen Freiheit, ging vom Zeltwagen des Wanderzugs über auf das Blockhaus des angesiedelten Bauern, und verwandelte sich allmälig in ein volles Eigcnthumsrecht an Haus und Hof. Dies war schon zu Tacitus' Zeit geschehn. Die Heimstätte des freien Deutschen muß schon damals aus der Mark ausgeschlossen und damit den Markbeamten unzugänglich, ein sicherer Zufluchtsort für Flüchtige gewesen sein, wie wir sie in den späteren Markord- nungen und zum Theil schon in den Volksrechten des 5.-8. Jahrhunderts beschrieben finden. Denn die Heiligkeit der Wohnung war nicht Wirkung, sondern Ursache ihrer Verwand- luug in Privateigenthum. Vier- bis fünfhundert Jahre später finden wir in den Volksrechten auch das angebaute Land als erblichen, wenn auch nicht unbedingt freien Besitz der einzelnen Bauern, die das Recht hatten, darüber durch Verkauf oder sonstige Abtre- tnng zu verfügen. Für die Ursachen dieser Umwandlung haben wir zwei Anhaltspunkte. Erstens gab es von Anfang an in Deutschland selbst, neben den bereits geschilderten geschlossenen Dörfern mit vollständiger Feldgemeinschaft, auch Dörfer, wo außer den Heimstätten auch die Felder aus der Gemeinschaft, der Mark, ausgeschlossen und den einzelnen Bauern erblich zugttheilt waren. Aber nur wo die Bodengestaltung dies sozusagen aufnöthigte: in engen Thälern wie im Bergischen, auf schmalen, flachen Höhenrücken zwischen Sümpfen wie in Westfalen. Später auch im Odenwald und in fast allen Alpenthälcrn. Hier bestand das Dorf, wie noch jetzt, aus zerstreuten Einzelhöfen, deren jeder von den zugehörigen Feldern umgeben wird; ein Wechsel war hier nicht gut möglich und so verblieb der Mark nur das umliegende unbebaute Land. Als nun später das Recht, über Haus und Hof durch Abtretung an Dritte zu verfügen, von Wichtigkeit wurde, befanden sich solche Hofbesitzer im Vortheil. Der Wunsch, diesen Bortheil ebenfalls zu erlangen, mag in manchen Dörfern mit Feldgemeinschaft dahin geführt haben, die wieder- holten Umtheilungen einschlafen und damit die einzelnen Antheile der Genossen ebenfalls erblich und übertragbar werden zu lassen. Zweitens aber führte die Eroberung die Deutschen auf römisches Gebiet, wo seit Jahrhunderten der Boden Privat- eigenthum(und zwar römisches, unbeschränktes) gewesen war, und wo die geringe Zahl der Eroberer unmöglich eine so ein- gewurzelte Besitzform gänzlich beseitigen konnte. Für den Zu- sammcnhang des erblichen Privatbesitzes an Aeckern und Wiesen mit römischem Recht, wenigstens auf ehemals römischem Ge- biet, spricht auch der Umstand, daß die bis auf unsere Zeit erhaltenen Reste des Gemeineigenlhums am urbaren Boden sich gerade auf dem linken Rheinufer, also auf ebenfalls erobertem, aber gänzlich germanisirtcm Gebiet findm. Als die Franken sich hier im fünften Jahrhundert niederließen, muß noch Ackergemeinschaft bei ihnen bestanden haben, sonst könnten wir jetzt dort keine Gehöferschaften und Loosgütcr finden. Aber auch hier drang der Privatbesitz bald übermächtig ein, denn nur diesen findm wir, soweit urbares 9and in Betracht kommt, im ripuarischen Bolksrecht des sechsten Jahrhunderts erwähnt. Und im inner» Deutschland wurde das angebaute Land, wie gesagt, ebenfalls bald Privatbesitz. *) Au«„Tie Eutwicklunz de« SozialiSlnu« von der Utopie zur Wissen- schafl" von Fr. T n g e l«. Herunter mit der Maske! Wir haben nu« schon wiederyolt über die sogenannte Arbeiter- k o l ou i e Wilh e l m« d orf, von der jetzt in Deutschland soviel Aus- Heien» gemacht wird, ausgesprochen, und diese» MusterinMut praktisch- christlicher Nächstenliebe al« da» gekennzeichnet, als wa« e« dem Nenner bereit» nach der verhimmelnden Schilderung sein« braveu Schutzpatrone erscheinen mußte, nämlich al« eine in jeder Beziehung verschlechterte Ausgabe de« berüchtigten englischen„Workhouse". Wohl Mancher, der unsere Kritik mit der m der Tage»preffe fich breit machenden Reklame verglich, die leider auch von einigen sonst recht ver. nünftig redigirten Blättern wiedergegeben wurde, mag die Bermuthung ausgesprochen haben, wir übertreiben die Sache, so schlimm werde e» doch wohl nicht sein. Nun, wir find heute in der Lage, den Beweis lieferu zu können, daß zwar unser in früheren Nummern in dieser Be- ziehung gefällte« Urtheil dem wahren Sachverhalt nicht vollständig ent- spricht, daß e» aber nicht zu scharf, sondern noch zu milde war. Wir waren trotz aller Erfahrung, trotz aller Borficht doch beinahe auf den Leim gegongen, wir hatten die Heuchelei zwar gemerkt, aber nicht in ihrem ganzen Umsauge durchschaut. Wir haben wieder emmal zu g u t von dieser Sorte„Bolksfreunde" gedacht. Jndeß, wir find nicht die Leute, einen gemachten Fehler nicht einzusehen oder nicht einzugestehen. Bielmehr halten wir e« für unsere Pflicht, da- für Sorge zu tragen, daß nicht andere Leute in denselben Jrrthum versallen, bezw. in demselben Jrrthum beharren. Mit dem Workhouse, dieser von allen englischen Arbeitern, die noch auf ihre Menschenwürde etwa« halten, tödtlich gehaßten Schöpsuug des bruta- len Manchesterthum«, hatten wir die praktisch-christenthümliche Arbeitskolonie Wilhelmsdorf verglichen— der Vergleich stimmt nicht. Die Kolonie Wil- Helmsdorf läßt fich nur mit dem Z u ch t h a u« vergleichen, aber nicht zum Nachtheil de» letzteren. Sie übertrumpft dasselbe noch. Man lese nur den nachstehendeu„Arbeitskontrakt", de» die armen Arbeitsuchenden Arbeitslosen vor ihrem Eintritt m da« Muster- iustitut unterzeichnen, diese Verschreibung, durch welche fie fich auf Wochen, Monate hinaus zur freiwilligen Sklaverei verpflichten müssen: Arbeitskontrakt zwischen demBorstand derArbeiterkolonie Wilhelmsdorf einerseits und dem Arbeiter Heinrich Ebber» au« Bocholt(Kr. Borken) aoderseitS. Der unterzeichnete Arbeiter verpflichtet fich unter folgenden Bedingungen die Arbeit in der oben genannten Kolonie anzutteten: 1. Erklärt er hiermit ausdrücklich, daß er, ohne andere Arbeit finden zu können, au» B a r m h e r z i g k e i t(!) in der Kolonie Wilhelmsdorf auf- genommen worden ist, und daß er durch seinen Anfeuthalt in derselben keinerlei rechtlichen Anspruch erwirbt, daß er zufrieden ist, wenn er nur für Kost und Obdach arbeiten kann, und daß Alle«, wa« ihm mehr als diese« gewährt wird, freieGüte de« Borstande» von Wilhelmsdorf ist. Im Falle er sich in irgend einer Weise, al« ungebührliches Bettagen und dergl., die Unzufriedenheit de« Hausvaters zuzieht, kann er nicht nur jederzeit entlassen werden, sondern hat dann auch alle ihm freiwillig zugesagten Belohnungen für fleißige Arbeit verwirkt. 2. Unterwirst er sich in allen Stücken den von ihm beim Einttitt in die Kolonie durchgelesenen Borschristen, nach welchen fich alle Kolonie- Arbeiter zu richten haben, und der bestehenden Hausordnung. Bor Allem muß er sich zuerst einer gründlichen Reinigung nach Anordnung unter- werfen. Tie gettagenen Kleider hat er vor deren fernereu Benutzung an den Hausvater abzugeben, und soweit dieselben nach Ansicht de« letzteren unbrauchbar find, werden ihm seilen« der Kolonie die noth- wendigen Ersatzstücke, welche mit dem Stempel„Wilhelmsdorf" versehen find, vorläufig leihweise verabreicht, über deren Empfang er mit der be- sonderen Erklärung guittirt, daß eine Mitnahme derselben von der Kolonie, ehe sie verdient sind, als Diebstahl anzusehen und dessen Be- strasung durch die bettessenden Behörden zu gewärtigen ist. Wenn er die Kolonie wieder verlassen will, ehe er die erhaltenen Kleider verdient hat, so hat er nur Anspruch aus die Kleider, die er mitgebracht hat, und zwar auch nur aus diese iusoweit, als sie s r ü h e r n i ch t a l S u n b r a u ch b a r e r k l ä r t w ar e u. 3. Verpflichtet er sich, die ersten 14 Tage ausschließlich für die ihm von der Kolonie zu liefernden Kost und da« Logi« zu arbeiten. Nach Ablauf dieser Frist empfängt er, fall« Fleiß und Betragen zufrieden- stellend waren, während den darnach folgenden vier Wochen anßer Kost und Logi« eine freiwillige Vergütung von 2 5 P s e n n i g e n pro Tag. Bei einem noch längeren Berbleiben in der Kolonie wird bei bisher zufriedenstellender Arbeit— wobei stet« da« von dem vorstehenden Bruder uud dem HauSvater auszustellenden Zeugniß maßgebend ist— die Grati- fikation exkl. Kost und Logi« auf 40 Pfennige freiwillig erhöht. Ist aber nach dem Ermessen der eben erwähnten Beamten seine Arbeit nicht mehr werth als Kost und Logis, so hat er k e i n e r l« i A u» si ch t aus Geld- Vergütungen. Im Falle von Akkordarbeiten oder bei Beförderung zum Vorarbeiter kann eine weitere Erhöhung ausnahmsweise stattfinde», doch wird noch einmal wiederholt, daß alle diese Zulagen zu Kost und Logi« ganz freiwillige Geschenke für fleißig« Arbeiter sind, und daß dieselben jederzeit wieder entzogen werden können und keinerlei gesetzlicheu Anspruch auf dereu Auszahlung für deu Unterzeichneten mit fich bringen. 4. Es ist ihm bekannt, daß der Hausvater auf« strengste angewiesen ist, ihm kein baare« Geld zu verabfolgen, dagegen wird ihm jede zu- gedachte Gratifikation gutgeschrieben, um zunächst auf die Schuld für die etwa empfangenen Kleidungsstücke ab g erech neft zu werden. Em etwaiger Mehrbettag wird für ihn in einer Sparkasse angelegt. 5. Der Hausvater ist jederzeit berechtigt, den unterzeichneten Arbeiter zu entlassen, und braucht jener einen besonderen Grund hiesür nicht anzugeben, doch ist e» der Wunsch de« Vorstände«. fall» der Arbeiter fich uutadelhast beträgt, daß er solange in der Kolonie bleibt, bi» er fich Kleidung uud Arbeitszeug verdient hat, so daß ihm anderweitig lohnende Arbeit nachgewiesen werden kann, wozu aber der Vorstand nicht verpflichtet ist. Der Arbeiter hat fich zu bemühen, daß ihm außerdem ein gute« Zeug- niß mitgegeben werden kann. Will der Arbeiter die Kolonie au» eigenem Anttiebe verlassen, so hat er dem bettessenden Hausvater 3 Tage vorher davou Anzeige zu macheu, damit seine Papiere rc. vorher geordnet werden können. 6. Nicht nur ist der unterzeichnete Arbeiter zum Berlaffeu der Kolouie verpflichtet, wenn er sich genügende Kleidung verdieut hat, um ein« andere Arbeit zu übernehmen, die seinen Kräften und seinem Berufe entspricht oder angemessen ist, sondern namentlich auch dann, und zwar sofort, sobald er fich schlecht bettägt und zum Verlassen der Kolonie aufgefordert wird. In jedem Falle erhält er bei dem Abgange au» der Kolonie mit dem Zeugnisse über seinen Fleiß und seine Führung gleichzeitig die Bescheini- gung über die von ihm verdienten Kleider und Arbeirszeuge. 7. Jede« Sträuben gegen seine angeordnete Entlassung von der Kolouie wird al« Hausfriedensbruch betrachtet, und demgemäß bei der zuständigen Behörde auf Bestrafung unuachsichtlich angetragen werden, wa« dem Arbeiter ganz besonder» bekannt ist." Die« die Seelen- und Körperverschreibung. Der Arbeiter, der fie un» einsendet, setzt lakonisch hinzu: „Kommentar, außer für jeden Mucker und Prllgelpädagogen, überflüssig." Er hat Recht. Ein Kommentar ist wirklich überflüssig. Oder bedarf es noch eines Hinweise«, wie durch die fürsorgliche Wegnahme der eigenen Kleidungsstücke, über deren Brauchbarkeit nicht der Arbeiter, sondern der Hausvater— man kennt diese lieben„Väter" l— entscheidet, uud die Verabreichung der Zuchthau«.— Pardon! der Kolouialuoiform dem Arbeiter eine Kette angeschweißt wird, die, wenn er fie bricht, ihm da« Brandmal de» Diebstahl» zuzieht? Bedarf e» noch eine» Hinweise» auf den grausame» Hohn, der dariu liegt, daß dem Unglücklichen, der am Rande de» Abgrunde» steht, von diesen barmherzigen Samaritern vorher eine schriftliche Bescheinigung dafür abverlangt wird, daß er nur au» Gnade und Barmherzigkeit für Kost und Obdach fich abrackern darf, willenlos, gleich einem Sklaven? Nein, er bedarf wirklich keine» Kommentar«, dieser christliche Arbeitskonttakt, auf dem e« heißt: hier alleRechteund keine Pflichten, dort nur Pflichten uud keine Rechte, dieser Berpflichtungsscheio, gegen den der Schuld- schem de» Juden Shylok noch hochherzig erscheint! Aber fteilich, Hunger thut weh, und, wie Herr Bodelschwingh auf dem Agrariertag ttinmphirend berichtete, trotz der harten Arbeit»- Konttakte,„von denen wir fürchteten, daß fie viele abschrecken würden" — die Herren wußte» also, wa« sie thaten!— ist die Anstalt überfüllt. Welche vernichtende Kritik unserer sozialen Zustände! Wa« muß der Arbeiter, der einen solchen Kontrakt fteiwillig unterzeichnet, vorher durchgemacht habe» I Wie muß er gehetzt worden sein, wie muß er e» müde sein, von jedem Tölpel von GenSdarmen fich anflegeln zu lassen! Und wenn er verzweifelnd an die Thüre pocht: Gebt mir Arbeit, welche e» auch sei, um welchen Preis es auch sei— dann richten ihn diese Samariter nicht auf, dann lehrt man ihm nicht, fich wieder als Mensch, al» Gleich- berechtigter unter Gleichen zu fühlen, sondern dann ruft man ihm zu: f Hier, knie nieder, erkenne an, daß Du ein Knecht, ein zum unbedingten Gehorsam verpflichteter Knecht bist. Bete und arbeite, aber verlerne es, einm Willen zu haben, zu fordern! Es ist eine rasfinirte Dreffuranstall sür menschlich« Sklaven, diese hochberühmte Arbeitskolonie! Daher der begeisterte Beifall, den sie sofort bei deu Leuteschindern aller Art gefunden. Daher der Eiser, fie überall einzuführen, fie in alleu Provinzen, in allen Kreise» obligatorisch zu machen. Unter dem Deck- mantel der Humanität, unter der Firma„praktisches Christenthum" die verdammten Arbeiter, welche nicht mehr Ordre pariren, nach Belieben hin- und Herwerfen zu können: auf die Landstraße mit Dir, Unverschämter I In die Kolonie mit Dir, Vagabund! Hinan« au» der Kolonie mit Dir, der Herr Baron X, der Kommerzienrath S) brauchen Arbeiter, und Du hast jetzt beten und gehorchen gelernt I— gibt e« eine angenehmere Perspektive für Ausbeuter? Die Arbeitskolonie ist, dessen waren wir uns von Ansang an klar, eine grob« Lüge, fie kann nur eine Lüge sein. Aber wenn wir auch wußten, daß sie keine Hülfe sür die Arbeiter, sondern nur eine Hülfe v o n den Arbeitern war, so glaubten wir doch, daß ihre Macher wenigsten« so viel Schamgefühl haben würden, sich damit zu begnügen, die guten Bürger auf eine billige Art zeitweise von der„Bagabundenplage" zu be- freien. Weit gefehlt! Dazu sind diese Herren zu„praktische Christen". Sie machen mit der Wohlthätigkeit ein G e s ch ä s t, sie gewöhnen den Arbeiter, der in ihre Hände fällt, an die stärkste Ausbeutung, die über- Haupt denkbar ist, sie erziehen ihn zur Willenlofigkeit de« indischen Kuli. Ma» ist der wirkliche Zweck der Arbeiterkolonien? Nicht um der Arbeiterklasse emporzuhelfen, sondern um die Knechtung derselben zu er- leichtern, ruft man sie in» Leben. Sie sind keine Hülfe sür die Arbeiter,! sondern eine solche sür die Herren Ansbeuter. Mögen die Ausbeuter und AuSbenterfteunde daher die Erfinder de»„segensreichen" Wilhelmsdorf verherrlichen, wir halten es für unsere Ausgabe, alle Legenden zu zer- stören und allen Schwindel bloSzustellen. Die Arbeiterfteundlichkeit dieser frommen Gründer ist Legende. Die Wohlthätigkeit ihrer Schöpfung ist Schwindel. Darum herunter mit der Maske! Diebstahl und Revolution. Der traurige Prozeß, welcher stch jetzt in Wien abspielt, nöthigt uns zu einer kurzen Betrachtung. Fern sei es un«, die Unglücklichen, welche sich dort aus der Anklagebank befinden, über einen Kamm scheeren und »uns fa$on verurtheileu zu wollen. Wohl haben wir e« theilweise un- zweiselhast mit sehr unsauberen Elementen zu thun, aber ein Theil der Angeklagten— soweit fie die ihnen zur Last gelegte That wirklich be- gangen haben— sind unzweifelhaft von edlen Beweggründen geleitet worden. Leider ttifft jedoch der hier berühmte Ausspruch de« Kultur- Historikers Buckle zu, daß die Unwissenheit verbunden mit guten Ab- sichten auf der Erde mehr Unheil angerichtet hat, al« berechnete Schlech- tigkeit. Wir argumentirten die Urbeber de« Attentat» aus Merstallinger(inso- weit fie nicht Polizeiagenten oder sonstige Lumpen sind)? „Wir brauchen Geld für die gute Sache, d. h. für die soziale Revolution. Geld ist bloß bei der Bourgeoisie zu finden. Da« Geld der Bourgeoisie ist der Ausbeutung de» Proletariat« entsprungen— e« ist deu Arbeitern, also un», gestohlene« Geld. Wir haben aber, wa» jeder Gerechtdenkende zugestehen wird, da« Recht, unser Eigenthum von denen, die e» un« ge- stöhlen haben, zurückzufordern. Und da sie es uns nicht gutwillig heraus- geben, so bleibt un« nicht« übrig, al« un« selbst zu unserem Rechte zu verhelsen. Die Bourgeoisie im Allgemeinen, al« Ganze», können wir jetzt noch nicht zur Herausgabe de« un» Gestohlenen zwingen, weil fie vorläufig noch zu stark ist. Wollen wir nicht unthätig bleiben und auf die Geltendmachung unsere« Rechte« verzichten, so müssen wir uns, statt an die Bourgeoisie im Allgemeinen, an die Bourgeois im in z einen halten. Was der K l a s s e gegenüber erlaubt ist, muß auch den Einzelnen gegenüber erlaubt sein. In der Person de» einzelne» Bourgeoi» greifen wir die Bourgeoi» k l a s s e au, und indem wir dem Bourgeois Merstallinger da» von ihm dem Proletariat gestohlene Eigenthum wieder- abnehmen, machen wir von unserem guten Rechte Gebrauch und er- füllen obenendrein eine heilige Pflicht gegen unsere Partei, gegen die Sache de« Proletariat«, der Menschheit." Da« ist die Logik de« Attentat« Merstallinger, in den Köpsm Derer, die dabei in gutem Glauben handelten. Die Argumentation würde unwiderleglich sein, wenn die Aktion gegen ein Individuum gleichbedeutend wäre mit der Aktton gegen eine Sammlung von Individuen, gegen eine Armee, eine Klasse; da» ist aber nicht der Fall, uud hier steckt der Argumentati-uSfehler. Zunächst ist e» vollkommen falsch, daß jeder einzelne Bourgeoi» für die Sünden und Verbrechen der Bourgeoisie verantwortlich sei. Die ungeheure Mehrzahl der Bourgeois hat, wenn fie auch Klassen b e w u ß t- sein, wenigsten« Klasseu i u st i n k t hat, durchaus nicht da» Bewußtsein, in Ausübung ihrer kapitalistischen Thätigkeit ein Unrecht zu begehen, im Unrecht zu sein. Und e« ist schon au« diesem Grunde ganz unmöglich, jedem«inzelnen Bourgeoi« persönlich die Verantwortlichkeit für die Sünden und Verbrechen de« kapitalistischen Ausbeutungsprozesse« auf- zuladen. Die Personen find die Produkte der Verhältnisse. Die Set- Hältnisse gilt e« zu ändern; find fie geändert, dann ändern sich die Menschen von selbst. Nun ist e« ja wahr: die Verhältnisse können nicht geändert werden, ohne daß man Personen zu Leibe geht; allein von seltenen Au«n-Hme sällen abgesehen, darf man den Bernichtuugskampf gegen gemeinschädliche Zustände und gegen die Klasse der Aussauget und Unterdrücker nicht al« BernichtungSkamps gegen einzelne Personen auf- fassen. Eine solch« Kampfmethode widerstrebt nicht nur der Achtung, welche jeder Kulturmensch vor dem Menschenleben hat, und ist nicht nur, wie oben gezeigt ward, eine Ungerechtigkeit, sondern fie ist und wäre auch im höchste Grade unpraktisch, und witrde genau da» Gagiu» theil de« beabfichtigteu Zwecke« erreiche». Nehmen wir an: da« Merstalliuger-Attentat würde von den Sozial- demokraten aller Linder nachgeahmt; man griffe sich überall wohlhabende Bourgeoi» herau«(nicht arme Teufel wie dm Schuster Merstallinger), und da«„gestohlene Eigeuthum" würde„zurückgmommen"— wa« wire die Folge? Daß die Sozialdemokratm aller Linder von Allm, die etwa« besttzen, oder unter dem geistigen Einfluß der Besitzmdm stehm— da» heißt vou neun Zehnteln aller Mmschm— für Rinber und Mörder er- klirt und wie wild« Thiere mit dem La»kertnüppel(der dann Wirklichkeit wire) todtgeschlagen würdm. Und da» von Rechtlwegm. Ein andere» Beispiel. Unsere Armee ist die Stütze der heutigen Staat«- und Gesellschaft«- ordnung. Nicht» Ehrenvollere« und Nützlichere« al» die Armee und mit der Armee die heutige Staat»- und Gesellschaftsordnung, sei e« im Straßenkampf, sei e» im offenen Feld, überwindm. Da die« nun seine Schwierigkeiten hat, so konnte man nach der Merstallinger-AttmtatS-Logik auf die Idee versallm, die Armee, welche man al» Ganze« nicht zu überwinden vermag, im Detail zu vernichten, d. h. die einzelnen Soldaten zu ermorden. Da» ist möglich. Wer wollte e« leugnen? Wa« würde jedoch die Folge sein? Noch ehe man den hundertstm Soldaten au« der Welt geschafft hätte, wäre die Empörung— und nicht bloß der herrschenden Klassen— so groß, daß kein Sozialdemokrat sich mehr aus der Straße sehen lassen könnte, ohne gelyncht zu werden. Und da» von Rechtswegen! Der einzelne Soldat ist für da« System, welche« er stützen muß, ge- rade so wenig verantwortlich, wie der einzelne Bourgeois für die Sünden der Bourgeoisie und der kapitalistischm Produktion. Der gemeine Ipitzbnbe, der Straßenräuber— sie führen in ihrer Art auch Krieg gegen die bürgerliche Gesellschaft, und dieser ihr Krieg hat insofern seine Berechtigung, al» er durch die Mängel und Schäden der heutigen Gesellschaftsordnung hervorgerusm ist. Aber e» ist doch wahrhastig kein revolutionärer Krieg. Revolutionär wird der Kampf gegen die heutige Staat«- und Gesellschaftsordnung erst dadurch, daß er sich gegm die Träger und Stützen dieser angeblichen Ordnung richtet, und nicht gegen einzelne Personen, durch deren Tod sie nicht im Mindestm berührt würde. Da« Wesen de« revolutionären Kampfe»— da« wa» ihn zum revo- lutionären Kampf macht, ist: daß er die radikale Vxruichtung d er heutigen Staat«- und Ges.ellschaf>«ordnung zum Ziel hat, und, wenn siegreich, auch dazu führen muß. Fällt aber die bürgerliche Gesellschaft über den Haufen, wenn ein Reisender in den Appeuiunen zusammengeschossen, oder wenn ein arm- seliger Schuster in Wien chlorosormirt und halbtodt geprügelt wird? Da« Proletariat, wo es wirklich und ernsthaft in Aktion trat, hat diesen Unterschied zwischen revolutionärem Kamps und unrevolu- tionSrem Detailkampf sehr wohl begriffen und die Grenzlinie stet« scharf gezogen. Die Männer de» Detailkriege», da» heißt in gewöhnlicher Sprache: die Räuber und Spitzbuben hat es einfach gehängt oder füsilirt. I-os voleuro aont rnis ä mortl war in den Februartagen von 1843 au den Mauern von Paris zu lesen. Und es war blutiger Ernst, und revolutionärer Ernst.'*) ®8 wird uns vielleicht eingewendet, daß in Rußland, in Irland der revolutionäre Kamps sich allerdings gegen' einzelne Personen richtet. Gut, gegen einzelne Personen I Diese einzelnen Personen haben sich jedoch sämmtlich an dem Kampf gegen da« unterdrückle Volk aktiv b e t h e i l i g t, sei es als Gutsherren, welche ihre Pächter von Hau» und Hof trieben, oder als Beamte, welche die Vertreter der BolkSrechte niederträchtig verfolgten. Die Opfer der agrarischen„Verbrecher" Irland» »der der Nihilisten Rußland» waren ausnahmslos oder doch fast au»- nahmslos aktive Feinde de» Voltes, die angreifend vor- gegangen waren und in ihrer eigenen Münze Bezahlung empfangen haben. Bon dem armen Schuster Merstallinger oder dem Gros unserer Klein- bürger, Bürger und Bourgeois wird aber doch Niemand behaupten wollen, sie hätten das Proletariat zu Racheakten und Repressalien ge- zwuugen; und ihr Tod durch Proletarierhand bringe der Sache de« Pro- letariat» Vortheil! Genug— die Bourgeoisie und die heutige Staats- und Weltordnung wollen wir in ihrer Gesammtheit, al« Ganze», ver- Nichten und umstürzen— da« ist revolutionär. Die Bourgeoisie im Detail vernichten, ist— wie die Dmge liegen ~ revolutionär noch ehrenhast. Da« Privateigenthum im Großen und Ganzen abschassen, ist r e v o- lutionär. Da« Privateigenthum im Detail abschaffen, ist— der Ilegel nach— Spitzbubenpraxi«. B. Tombattant. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 21. März 1883. e 1 1 8. M ä r z ist in allen Lindern, wo überhaupt den Arbeitern die Möglichkeit gegeben ist, ihre Gedenktage festlich zu begehen, auch diesmal in der üblichen Weife gefeiert werden. Am großartigsten in Pari», wo zwar angesichts des unerhörten Ausgebot« von Polizei und Militär und der offenkundigen Absicht der Regierung, den geringsten Anlaß zu gewaltsamen Einschreiten zu benutzen, von allen Straßen- demonstralionen abgesehen wurde, wo aber in 21 Versammlungen— theil« Banketten, theil« Volksversammlungen— der Kommune, ihrer Kämpfe und ihrer Kämpfer in feurigen Reden und Gesängen gedacht wurde. Die zahlreichen Verhaftungen und Bernrtheilungen der letzten Tag- hatten nur dazu beigetragen, den Ernst der Feier zu erhöhen. Ebenso fanden in Frankreich, in fast allen größeren und mittleren Ortschaften der Provinz Bankett» und Feierlichkeiten zu Ehren der Kommunekämpfer statt. In der Schweiz wurde die Erinnerung an die Märztage in Basel, Bern, Ehur, Genf, Zürich ,c. festlich begingen. In Zürich war der Besuch ein überaus glänzender, dem auch die festlich gehobene Stimmung entsprach. Genosse Grillenberger hatte die Festrede übernommen, die natürlich au den Tod unsere» großen Vorkämpfer« Karl Marx an- knüpfte, dessen Leben und Wirken er in markigen Linien kennzeichnete. Die eigentliche Festrede durchzog al« rother Faden die Schilderung de« Gegensatze« von Bourgeoisie und Proletariat, der in allen Revolutionen, in allen politischen Kämpfen de« lg. Jahrhundert« mit steigender Schroff- heit zu Tage tritt und mit dem Untergang der Bourgeoifiegesellschaft enden muß. Uuter stürmischem Beifall schloß Grillenberger mit den Worten de« kommunistischen Manifeste,:„Mögen die herrschenden Klaffen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben »'cht, iu ihr zu verlieren al» ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen." ..*)»Wenn die französischen Arbeiter bei jeder Revolntion an die Häuser flfc;? en' �opt aus voleurs I Tod den Dieben! und auch manche er- 'W.[0 geschah das nicht au« Begeisterung für da« Eigenthum, son- rn m der richtigen Erkenntniß, daß man vor Allem sich diese Bande krieg" �atten"Me." Fr. Engels, Vorrede zum„Deutschen Bauern- Daß die Taktik der Bourgeoisbcraubung un« aber gerade diese Bande aus den Hals laden würde, liegt auf der Hand. Anm. d. Red. Selbstverständlich unterließ e» die Versammlung nicht, dem Andenken von Karl Mar; eine feierliche Ovation zn bringen.! Außerdem verdient noch der kernige Apell T o n z e t t'» an die an- wesenden Schweizer: mit aller Kraft, wmu nöthig, mit Freiheit und Leben, für da« Palladium der Schweiz, da« Asylrecht, einzutreten, der mit einer wahren Beifallssalve aufgenommen wurde, besonder« Erwäh- uung. Die sozialistische Preffe aller Länder würdigte die Erinnerung an den 13. März durch Festgedichte und Festartikel. Und wo e« den Sozialisten nicht vergönnt war, sei e« iu Wort oder Schrift, der Erinnerung au die Märztage, und der durch sie geweckten Empfindungen Ausdruck zu geben, in Gefängnissen und in den Ländern, die nur Ein große« Gefängniß find, da haben sie im Stillen der früheren Kämpfe gedacht und sich gelobt, dem Andenken ihrer gefallenen Vor- kämpfer durch unentwegte« Festhalten an den erhabenen Grundsätzen unserer Lehre gerecht zu werden. Kein Sozialist, der den 13. März un- beachtet vorübergehen läßt. Der 13. März ist, wie kein zweiter Tag, ein internationaler Festtag de» Sozialismus geworden, er ist im wahren Sinne de« Worte« ein Festtag de« Internationalismus! — Die Politiker der Furcht hatten in den letzten Tagen wieder einmal da« Wort. Da» Londoner Dynamitattentat hat verschieden« hohe und allerhöchste Gemüther ganz außer Rand und Band gebracht— wenn nur da» Wort Dynamit tönt, so fallen heute sämmtliche regierende» Häupter Europa» in Ohnmacht!— und so ging denn wieder einmal die Hetze lo». Selbst die nüchternen Engländer beginnen, wie au» dem Briese de« Genossen Garcia ersichtlich, den Verstand zu verlieren. Denn ist e« nicht geradezu blödsianig, au« der Dynamitexplosion aus die Roth- weudigkeit von Unterdrückungsmaßregeln gegen die revolutionären Elemente in Staat und Gesellschaft zu schließen? Ist doch gerade da« Dynamit die Rsductio ad absurdum, der Nachweis der Lächerlichkeit aller politischen Unterdrückungsmaßregeln. Das Dynamit setzt ja gerade die unterdrückten und versolgteu Parteim in die Lage, sich„trotz alle- dem" Gehör zu verschaffeu. Da« Dynamit ist ohnmächtig, eine Revolution zu machen, e« ist aber ein wirksame« BertheidigungSmittel im politischen Kampf. Wider da» Dynamit kein Kraut gewachsen ist. Anstatt aber diese natürliche Konsequenz zu ziehen, schreien die poli- tischen Jammerknaben nach schärferen Maßregeln gegen die staatSgefähr- lichen Umsturzmänner. Die alte Erscheinung, wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Wa« nun da» Dynamitatlentat in London im besonderen anbetrifft, so sind auch wir der Anficht Garcia's, daß e« entweder da« Werk eines Schurken oder das eine« Verrückten gewesen ist. Aber wenn wir e» auch vom Standpunkt der Taktik verwerfen, so müssen wir doch sagen, daß wir die ungeheure Entrüstung, mit der die Liberalen und Konservativen aller Nationen darüber losziehen, weder theilen noch als berechtigt an- erkennen können. Die Herren, die kein Wort darüber verlieren, wenn im Kriege Hunderttausende von Menschenleben geopfert, ganze Dörfer und Städte verwüstet werden, sollen doch ganz ruhig sein. Der Straß- burger Münster ist von den Preußen unter dem Jubel der ganzen Bildung«- und Kulturmeute bombardirt worden, und zwar um eines Zwecke« willen— der Eroberung von Elsaß-Lothringen— der wahrhaftig nicht edler war als der Zweck, dem angeblich zn Liebe das englische Ministerialgebäude theilweise zerstört wurde. Nur keine politische Heuchelei, Ihr Herren! —„Zeitweilige Geistesstörung." In Petersburg hat der Staatssekretär und ehemalige Minister M a ck o w„in Folge zeitweiliger Geistesstörung" sich eine Kugel vor den Kopf geschossen oder vergiftet— e» gibt zweierlei Lesarten— also melden die Zeitungen. Daß in dem Ressort des braven Staatssekretär« und ehemaligen Ministers ein Defizit von etlichen Millionen entdeckt worden ist, hat mit dem Selbstmorde nicht» zu schaffen. Da» hätte den braven Staatssekretär und ehemaligen Minister nicht im Mindesten genirt, wenn er in vollem Besitz seiner geistigen Fähigkeit gewesen wäre. Wa« heißt ein paar Millionen stehlen? In Rußland stiehlt Alle« bis hinauf zum Zaren, und der stiehlt erst recht. Ja anderen Kultur- und Halbkulturländern wird auch nach Noten ge- stöhlen, und bildet der Diebstahl in Form der kapitalistischen Ausbeutung sogar die„heilige" Grundlage der gesammten Staat«- und Gesellschaft«- ordnung. Und die großen Diebe(zu denen der brave Staatssekretär und ehemalige Minister Mackow sich gewiß rechnen konnte) werden ja sprich- wörtlich nicht gehängt, sondern meist noch mit Ehren überhäuft, haben sonach keinen vernünftigen Grund zum Selbstmord. Wenn ein solcher Millionendieb im vollen Besitz seiner Geistesfähigkeiten ist, dann stiehlt er gemüthlich weiter und, wird er erwischt, so arraugirt er entweder die Sache oder macht eine kleine Justizfarce, genannt„Prozeß", durch und stiehlt iu beiden Fällen gemüthlich weiter. Sind aber seine geistigen Fähigkeiten gestört, so bekommt er einen Anfall von Schamgefühl und Reue und schießt sich todl oder vergiftet sich, wie der brave Staatssekretär und ehe- malige Minister Mackow. Kurz— solange der brave Staatssekretär und Exminister Mackow stahl, war er geistig gesund, al« er aber in einer Anwandlung von Schamgefühl die— nach nicht verbourgeoifirten Moralbegriffen— erste und einzige anständige Handlung seine« Leben« beging und die Welt vou einem großen Spitzbuben und Hallunken be- freite, war er im Zustand„zeitweiliger Geistesstörung"! Sie ist köstlich, unbezahlbar, diese„zeitweilige Geistesstörung". Den geistreichen Vertretern der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung, von welchen die Redewendung herrührt, danken wir von Herzen für da« köstliche und nnbe- zahlbare Wort. Niemal« ist eine beißendere, vernichtendere Satire gegen die heutige Staat»- und Gesellschaftsordnung mit ihrer privilegirten Moral geschleudert worden, al« diese Redewendungen von der„zeitweiligen Geistesstörung" de« braven Staatssekretär« und Exminister« Mackow. Enrichissev-yous!*) Bereichert Euch I Beutet Eure Mitmenschen au«! Stehlt! Stehlt! Stehlt, solang Ihr stehlen könnt! La propridtd c'est le vol I Da« recht- und ordnungsmäßige Eigenthum ist Diebstahl! Glaubt an die Heiligkeit de« Eigenthum« und folglich de» Diebstahl«! Laßt Euch nicht durch alberne Gewissensfkrupel beirren l Seid erhaben über jene kindischen Naivetäten, welche da« dumme Volk und da« Volk der Dum- wen Scham- und Ehrgefühl nennt I Könnt Ihr Euch über solche Skrupel und Naivetäten nicht hinwegsetzen— je nun, so seid Ihr nicht würdig, in unseren Reihen, unter den Stützen und Zierden der heutigen Staat«- und Gesellschaftsordnung, zu wandeln— fort mit Euch l Und habt Ihr schon zu un« gehört, in unserer Mitte geglänzt, wie der brave Staat«- sekretär und ehemalige Minister Mackow, dann zucken wir mitleidig die Achseln und erkennen Euch, au« alter Freundschaft, die mildernden IKn- stände„zeitweiliger Geistesstörung" zu! \og\xe la galere! Das ist die Moral dieser„zeitweiligen Geistesstörung" de« braven Staatssekretär« und ehemaligen Minister«, de« biederen Millionendiebs Mackow, der sich iu einem Anfalle von Scham- und Ehrgefühl todt- geschossen hat. — Auch ein Beispiel christlicher Liebe. Da« antisemitisch-kon- servative Familienblatt„Daheim" hat eine Rubrik„Rechtsrath", die bestimmt ist, auf Anfragen Auskunft über Rechtsfragen zu ertheileu. In einer der jüngsten Nummern diese« ur christlichen Blattes nun befindet sich folgende charakteristische Anfrage: „Ein erst kürzlich konfirmirter Hütejunge wird von seinem Pfarrer wegen ungehörigen Betragens zurechtgewiesen; von diesem Zeitpunkt ab grüßt der Junge(wahrscheinlich auf Antrieb seine« Brodherrn) den Pfarrer nicht mehr: ist nun der Pfarrer strafbar, *) Der berüchtigte Zuruf Guizot'«, de» Bürgertönig-Minister«, an die französische Bourgeoisie. wenn er den Schlingel da» nächste Mal, wo er nicht grüßt, züchtigt, un d k au u er g eri ch tli ch b e- langt werden? Natürlich kann er da», und mit Recht. Wa« aber ist die Antwort der Redaktion de»„Daheim"? Weist der konservative„Rechtsrath" den Mann Gotte«, der diese Anftage sicher selbst gestellt hat, mit den Worten de« Evangelium»:„Liebet Eure Feinde, segnet die Euch fluchen" ,c. in seme Schranken zurück? O, nein, er antwortet noch charakteristischer: „Da» Züchtigungsrecht de» Pfarrer« gegenüber einem der Schul- Pflicht entlassenen Burschen ist nicht unzweifelhaft.(!) So sehr e« unbefangener Beurtheilung einleuchten mag, daß im vorlie- genden Falle der Pfarrer zu einer angemessenen Züchtigung b e r e ch- t i g t sein m u ß(! I), so ist e« doch nicht sicher, ob die G e r i ch t e nicht da« ZüchtigungSrecht verneinen und demgemäß den Pfarrer wegen Mißhandlung bestrafen möchten. Uebrigm« müßte unsere« Erachten« schon der§ 233 des Strafgesetzbuch»(„Weun Beleidig- nngeu mit leichten Körperverletzungen auf der Stelle erwidert werden, so kann der Richter mildere oder überhaupt keine Strafe eintreten lassen") den Pfarrer vor Strafe schützen, denn da« demoustra- tive Richtgrüßen de« Psarrer« ist offenbar die Verweigerung der schuldigen Achtung, ja offene Darlegung der Mißachtung, also Beleidigung. (Welch Prachtstück von jesuitischer AuSleguugSkunst! Hängt Euch, Jünger Loyola'«! dieser protestanttsche Mucker ist Euch über.) Ein Gericht würde seine Ausgabe v e r k e n n e n(! I), wenn e« die natürliche Autorität de» Psarrer« einem halbwüchsigen Burschen gegenüber nicht schützen wollte." Die brutale Denkweise, welche in dieser Auskunft zu Tage txitt, richtet sich von selbst. Sie ist der klassische Beweis für die„veredelnde Wirkung der Religion", an welche selbst sonst vorurtheilsfreie Leute leider noch immer gern glauben. Schwindel, Schwindel und noch einmal Schwindel! — Ein Wunder und doch kein Wunder. In dem christlich- konservativen„Deutschen Tageblatt" finden wir folgende Notiz: „John Bright über den Eid. In einem an die Parlamentarische Debatten-Gesellschaft in Hobden-Bridge gerichteten Schreiben hat sich John Bright in der folgenden Weise über die Eidesfrage geäußert: „E» ist wohl nichts im Neuen Testament so nachdrücklich verurtheilt und verboten al» da« Schwören. Da« Beschwören einer Thatsache schafft zwei Arten der Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wenn der Eid den Nutzen hat, die Wahrheit zu bekräftigen, so vermindert er dafür in gleichem Maße den Werth der gewöhnlichen Aussage und der Wahrscheinlichkeit ihrer Wahrhaftigkeit. Wenn unwissenden Leuten nicht ein Eid abgenommen wird, so glauben sie, ungestraft lügen zu dürfen, und ihre Lügenhaftigkeit scheint ihnen keinen Vorwurf zu verdienen. Ich glaube, daß da» Schwören und die E i d e» ab l e g u n g mehr gethan haben al« irgend etwas, die Wahrheitsliebe zu erschüttern und den Glauben an da« Manneswort zu untergraben." Eine gewisse Berechtigung wird man diesen Anschauungen de« Eng- länder« nicht absprechen können." In einem Blatt, welche« mit ganz besonderem Aplomb für den„christ- lichen", d. h. den konfessionell-christlichen, Charakter de« Staate« einttitt, plötzlich ein solche« Zugeständniß zu finden, nicht wahr, da« sieht wirklich einem Wunder so ähnlich wie nur etwa»? Und doch ist es kein Wunder, denn die obige Notiz befindet sich zwar im„Deutsche» Tageblatt", aber— unterm Strich, im Feuilleton. Wa« aber da unten steht, unterm„Vermischten", wird nicht für voll angesehen, da bringt man den größten Unsinn, oder wenn e« der Zufall, d. h. die Scheere einmal will, auch hie und da etwas Vernünftige«. Und da« ist unter Umständen noch ein wahrer Segen, denn gerade von dem„Deutschen Tageblatt" gilt der bekannte Spruch: Wa« unterm Strich ist, ist zuweilen lesbar, wa« aber Uber dem Strich steht, da« ist immer unter der Kanone. — Fein umschrieben. Der HaudelStheil der„Frankfurter Zeitung" veröffentlichte jüngst den Bericht der Spinnerei und Weberei Hüttenheim-Benfeld, ein ehedem verkrachte» Etablissement, da« von den Herren von Erlanger und Söhne im Konkur» angekauft— wie theuer, ist nicht angegeben— und in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 2,500,000 Mark umgewandelt worden ist. Der Bericht ist ganz Wonne und gipfelt in der erhebenden Mittheilung, dag bereit« eine Divi- dende von 8 Prozent vertheilt werden konnte. Diese«„günstige Trgebniß" verdankt die Gesellschaft, heißt e« da... „3) einer rationellen Bemessung der Arbeit»- löhne." Wie schön da« klingt: rationelle Bemessung! Rationell heißt Vernunft- gemäß, vernünftig; was ist also gerechtfertigter al« eine vernünftige Bemessung der Arbeitslöhne? Sicherlich haben die Spinner und Weber vorher unvernünftige, d.h. unvernünftig hohe Arbeitslöhne bezogen, die nun, Dank der weisen Verwaltung,„vernunftgemäß" herabgesetzt worden find; die Herren Barone von Erlanger haben bei dieser Grün- dung sicherlich auch nur vernunftgemäße Profite eingeheimst I So löst sich Alle« zum Besten auf— Lohnherabsetzung und Dividenden- schinderei— in der guten„Frankfurter Zeitung". D. h. im H a o- d e l« t h e i l, den die Arbeiter nicht lesen oder, wenn sie ihn lesen, wegen seine« Kauderwälsch nicht verstehen. — Ein hübsches Wort, da« notirt zu werden verdient, finden wir in der„Westlichen Post" von St. Louis. In diesem Organe de« Herrn Karl Schurz schreibt, anläßlich deSTode« de« Prinzen Karl, ein Berliner Korrespondent ,am Schlüsse eine« im Wesentlichen mit dem von un» gebrachten übereinstimmenden Nachrufe: „Als ich in diesen Tagen mit einem alten Kriminalrichter au dem neuen Justizpalast vorbeiging, und wir von dessen Thürmen die zu Ehren de« verstorbenen Prinzen aus Halbmast ausgezogeneu Fahnen auf- und herabwehen sahen, meinte der alte Herr ironisch: „T h e m i«(die Gerechtigkeit) trauert, daß ihr ein Opfer unbestraft entgangen ist." Sehr gut. Wenn jedoch Themi« bei jedem voruehmen Schurken, der ihr m Preußen unbestraft entgeht, Trauer anlegen wollte, dann käme die schwarze Fahne da» ganze Jahr nicht herunter. Zum Glücke aber thut sie da« nur bei Mitgliedern de« regierenden Hause». — I e« k o vou Puttkamer, de» preußischen Minister« Söhnchen, Uber dessen„Fahrten" wir neulich berichteten, ist unter die— Journa- listen gegangen; in Bodenstedt'»„Täglicher Rundschau" strahlt un» sein berühmter Name hell entgegen. Aber wa« schreibt er? Nun, sagt die „Newyorker Volks-Zeitung", der wir diese Notiz entnehmen, wa» ein preußischer Junker im allergünstigsten Falle zu schreiben versteht, über — Pferderennen und Maskenbälle. Sein Aufsatz ist betttelt:„Der Kar- neval in Nizza". — Wozu radikale sozialistische Flugblätter g ut sein können, ersehen wir au« der Budapester„Arbeiter-Wochenchronik". „Au« den Salmschen Eisenwerken bei B l a n» k o", schreibt unser Bruderorgan, wird von einer anarchistischen Bewegung unter den Arbeitern berichtet. Die Veranlassung hiezu scheint da» auch in Plößnitz zur Bertheilung gelangte böhmische Flugblatt gegeben zu haben. Die Arbeiter, die nichts weniger al« Anarchisten sind, nützten diese Angst- meieret zu einer 30 prozentigen Lohnverbesserung au», welche ihnen auch gewährt wurde." Recht so. — Oesterreich. Der Prozeß Merstallinger ist in dem Augenblick, da diese Nummer in die Preffe geht, noch nicht beeudet. Fünf der Angeklagten, unter ihnen Motz und Führer, mußten indeß schon im Laufe der Verhandlungen in Freiheit gesetzt werden, da selbst der Staat»- anmalt die Anklage gegen sie nicht aufrechterhalten konnte. In Wien haben in einer Sffentlichen Versammlung die sogenannten „Radikalen", d. h. die Anhänger der„Zukmift", einen glänzenden Sieg Uber die„Gemäßigten" davongetragen. Die Herren waren bei der Bureauwahl m der eklatanten Minorität geblieben und tobten nun solange, bi« der RcgiernngSvertreter die polizeiliche Schließung verfügte, wa« die„anarchistisch-revolntionären" Helden mit lauten Bravo'» begrüßten. Da» nennt man Anhänger der„absoluten Freiheit". — Frankreich. Bon den Verfolgungen, mit denen da« Ministe- riom Ferry in der letzten Woche die französischen Revolutionäre heim- suchte— die offiziösen Telegraphenbureau«, von denen eine» immer kor- rupter ist als da» andere, machten sie sammt und sonder» zu Anarchisten— im Einzelnen Kenntniß zu nehmeu, fehlte uns heute der Raum. Eine Anzahl hat wieder freigelassen werden müssen, andere werden prozeffirt werden. Die Gerichte gehen allerdmg» mit einer Brutalität vor, wie sie selbst in Monarchien nicht alle Tage vorkommt. In M o n l i n find unsere Freunde Gue»de, L a f a r g n e, D o r m o y und Chapoul- lier wegen Aussorderung zu Mord, Brandstiftung und Plünderung zu 2 Jahren Gesängniß und 3000 Franken Geldbuße verurtheilt worden. Dieses Vergehen» sollen sie sich in einer früheren Versammlung schuldig gemacht haben. Natürlich ist es keinem Einzigen der Genannten, die es übrigen» gar nicht der Mühe Werth gehalten hatten, zur erstrichterlichen Verhandlung zu erschemen, eingefallen, zur Plünderung jc. aufzufordern, vielmehr find Staatsanwalt und Belastungszeugen so schlau gewesen, und die Richter haben demgemäß erkannt, den Hinweis auf die Nothwendigkeit der friedlichen oder gewaltsamen Expropriation de« heutigen Eigenthums in diesem Sinne zu deuten. Selbstverständlich werden die Berurtheilten den Rechtsspruch anfechten und die Berechtigung ihrer Ausführungen eingehend vor Gericht nachweisen. Mit welchem Erfolge, das bleibt abzu- warten. Die Appellation der im Lyoner Anarchistenprozeß Berurtheilten ist so gut wie erfolglos geblieben. Nur einige der minder hervorragenden Angeklagten erzielten Strafherabfetzungen. Im Uebrigeu wurde da« erste Urtheil bestätigt, und sind eine Anzahl der Gefangenen bereit» uach Tlairvaux übergeführt worden. — Au« England.(Die Explosion in Charles- Street. Vortrag Uber dieLandfrage inJrland. Parnell geht nicht nach Amerika. Verurtheilung von Pachtver- w e i g e r e r n.) Wie Sie au« den Zeitungen ersehen werden, befindet fich London in großer Erregung über die Explosion vom letzten Donnerstag. Natürlich behaupten die Zeitungen e» liege hier ein Gewaltakt der Fenier vor, da sie nicht wissen oder, wie ich glaube, nicht wissen wollen, daß die Fenier, resp. wie sie sich jetzt nennen, die„Irische republikanische Ber- brüderung", Mordthaten sowie die Zerstörung öffentlicher Gebäude weder zum Ziele hat noch hatte, sondern vielmehr die Organisation behufs offener Empörung betreibt.„Ehrliche Leute" i la Cärey und prahlerische Kläffer wie O'Donnovau Rossa haben sich gelegentlich der Bewegung angeschlossen, in der Hoffnung, sie für ihre eigenen Interessen ausnutzen zu können, ebeoso wie Parnell und Genossen ihren Freunden den Ber- such erlaubten, sie in ihr Fahrwasser zu lenken. Aber sobald solche Elemente erkannt wurden, wurden sie auch regelmäßig ausgeschlossen. Ueber die Explosion selbst drängen fich mir zwei Bermuthungen auf: 1) daß sie von einem Narren als„Ulk" infzenirt wurde, in welchem Falle ich wünschte, daß der Thäter ermittelt würde; 2) daß sie ein Ber- such war, Herrn Gladstone zu tödten, der aber in Folge der Unkenntniß de» Attentäter« über die genaue Lage de» Gladstone'schen Hause» fehl- schlug. Der Abriß, den ich Ihnen beilege, zeigt, daß die Explosion fast gegenüber der Rückseite der Amtswohnung de» Herrn Gladstone stattfand, und es ist sehr wohl möglich, daß der Mann oder die Männer entweder Charles Street für Downiug Street(beide münden in Whitehall) hielten oder daß sie, nachdem sie sich überzeugt, daß die Anwesenheit de» Posten« vor Gladstone'« Hau» sie an dem Hineinwerfen der Sprengmasse ver- hinderte, sich entschlosseu, sie irgendwohin zu werfen, ehe sie sich ent- fernten. Das find die einzigen Gründe, die ich für die That ausfindig machen kann, da doch absolut kein Sinn darin liegt, noch je liegen kann, ein leere« öffeutliche» Gebäude zu zerstören. Und es ist, gelinde gesagt, sehr eigenthümlich, daß gerade an diesem Abend Herr Gladstone nicht im Unterhanse gewesen, sondern zu Hause geblieben sein soll. Jndeß, da» sind alle« Vermuthungen. Die Thatsache bleibt bestehen, daß die Explosion stattfand und daß sie von aller Welt als Borwand benutzt wird, um nicht nur gegen die irischen Revolutiouäre, sondern auch gegen un«, seien wir Engländer, Franzosen, Russen oder Deutsche, loszuziehen. Eine Folge davon wird zweifelsohne ein Aufhalten der demokratischen Bewegung in England sein, und hier muß ich es offen aussprechen, daß die Männer, die solche Thaten in England verüben, Schurken und Ver- räther an der Sache find. Hier wird weder durch sinnlose Angriffe auf leere Gebäude noch durch Ermordung Einzelner Etwa» erreicht. Die eng- tische Denkweise ist eine solche, daß Versuche, durch derartige Gewaltakte Schrecken einzuflößen— lediglich die Engländer zuui Widerstand auf- stacheln, sie veranlassen, nun erst recht ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn hier je die Revolution zum Siege gelangen soll, so kaun die« nur durch Auskläruog des Volke« über die Prinzipien der Sozialdemokratie geschehen, nie aber wird die» durch Polterei geschehen. Deshalb, wiederhole ich, ist alle Gewalt, außer wenn sie im Widerstand gegen Ungerechtigkeit ausgeübt wird, verbrecherisch, und diejenigen, welche sie predigen, sind ebenso infame Schufte und Berräther wie der Judas Jscharioth Carey. Es würde etwas andere» sein, wenn wir, wie in Rußland, nicht die Möglichkeit hätten, unsere Grundsätze öffentlich zu vir- künden. Da« voraussichtliche Resultat diese» Versuche» aber wird eiu er- ueuerter Ansturm gegen da» Afylrecht, welche» England bisher den Männern aller politischen Bekenntnisse, woher sie auch kamen, gewährte, sein. Schon wühlen der„Daily Telegraph", die„St. Jame« Gazette" und andere Toryblätler dafür, und ist es daher die Pflicht aller ehrlichen Sozia- listen, die brutale Gewalt zu verwerfen. Wir führen keinen Krieg gegen Gebäude, sondern gegen Ideen, wir werben nicht für Skandalmacherei, sondern für hart praktische Arbeit.— Vergangenen Sonntag hielt Herr I. L. I o y n e», ein Freund von Heury George, mit dem er im vorigen Jahr in Irland verhastet wurde, einen Bortrag über seine in jenem Land gemachten Beobachtungen. Er schilderte in überzeugender Darstellung die verzweifelte Lage der Landbevölkerung uud wie« zum Schluß nach, daß die Hauptursache derselben da« Privat- eigenthum an Grund uud Boden und die Habgier der Landlord« sei. Herr Joyne« war Lehrer am Elon Colleg, einer aristokratischen Schule, verließ aber diese Stelle, weil er nicht auf die Agitation für den Ueber- gang de« Grund und Boden» und Kapitals in Allgemeinbesitz verzichten wollte.— Herr Parnell hat die Absicht, die Zusammenkunft der Landliga in Philadelphia zu besuchen, ausgegeben, weil er glaubt, daß seine Anwesenheit im Parlament uöthiger sei. Da» ist da« Beste, was er thun tonnte, denn wäre er hingereist, so hätte die» der Ansicht Borschub geleistet, er mache sich davon, weil er sich vor den Enthüllungen fürchtet,, die der Prozeß in Dublin zeitigen könnte. Vor einigen Monaten war eine lebhafte Agitation unter den crofters (Kleinbauern) der an der Westküste Schottland» gelegenen Insel Skye im Gange; dieselben weigerten sich, die fälligen Zinse zu zahlen, uud zwar aus dem doppelten Grunde, weil sie 1) infolge der schlechten Zeit nicht» hätten, wovon sie bezahlen könnten, uud 2) weil ihre Pachtzinse zu hoch seien. Lord Mackenzie, dem fast die ganze Insel gehört, verklagte sie vor dem obersten Bericht von Schottland, erhielt einen Exekutionsbesehl gegen sie und schickte, al» sie auf der Zahlungsverweigerung bestanden, Polizei- und GerichtSbeamte, nm sie zu exmittireo. Die Crofter» aber bereiteten ihnen mit Knüppeln und Steinen einen derartigen Empfang, daß sie sich auf den Dampfer zurückziehen und zurückfahren mußten. Damit machten sie fich indeß der Widersetzlichkeit gegen eine gerichtliche Behörde schuldig, und letzten Donnerstag wurden drei von ihnen zu zwei Monat Gesängniß verurtheilt. Dieser UrtheilSspruch wurde in Schottland mit großem Un- willen aufgenommen und eine Petition(?) an Sir W. B. Harcourt ge- schickt, er möge ihn aufheben. Ich wünsche den Leuten, daß er da« thue, da aber Harcourt selbst Landlord ist, und zwar ein sehr hartherziger, so glaube ich nicht daran. C h. I. G a r c i a. — Aus Russisch-Polen. Eine unverschämte P o li- zeiversügung und eine kräftige Arbeiterantwort. „Der hiesige Polizeimeister", so schreibt man un« au« Warschau, „hatte zu Anfang Februar d. I. die geradezu unerhörte, ja empörende Verfügung erlassen, daß alle in Fabriken, Etablissement» oder Werkstätten beschäftigten Frauen und Mädchen in Zukunft gleich den Prostituirten einer periodischen sanitätspolizeilichen Untersuchung unterzogen werden sollen. Die Arbeiter antworteten daraus mit einem Ausrase, welchen wir, au« dem Polnischen wortgetreu übersetzt, hier folgen lassen: Bürger, Arbeiter! Alle in Fabriken, Werkstätten und Magazinen beschäftigten Arbeiterin- neu, ebenso die Dienerinnen der öffentlichen Anstalten sind zufolge einer vom 10. Januar datirten Verfügung de« Polizeichefs der fanitätspolizei- lichen Ueberwachung unterworfen. Eine Beschimpfung, die ohne Beispiel dasteht! Von seiner Arbeit leben genügt also, um da« Brandmal der Prostitution aus der Stirne zu tragen. Da« Gesetz stellt also eure Töchter und Schwestern, die da« Schicksal zur industriellen Arbeit zwingt, aus dieselbe Stufe mit den mit ihrem Körper Handel treibenden öffentlichen Dirnen. Um der entehrenden Untersuchung zn entgehen, muß man die wohlwollende Gnade de« Herrn Fabrikanten erwerben; dieser kann jede Arbeiterin, die sich nicht allen seinen Zumuthungen fügt, in die Hände der Polizei ausliefern und in die Liste der Prostituirten eintragen lassen. Arbeiter! Man hat Euch eme Ohrfeige versetzt; man hat Euch ernie- drigen, Eure Geduld und Unterwürfigkeit erproben wollen. Wie werdet Ihr aus diese Beschimpfung antworten? Werdet Ihr den schuftigen Agenten gestatten, den schwächeren Theil der arbeitenden Klaffe zu mißhandeln? Werdet Ihr dieselben der äußersten Ausbeutung und der Ausschweifung der von unserem Blute genährten Fabrikanten und Jenen überantworten, welchen die Regierung heute eine neue Waffe in die Hand drückt, um jeden Mangel an Unterwürfigkeit zu strafen? Arbeiterl Gestattet die« nicht! Weicht nicht vor der Gefahr zurück, welche Euren Stand bedroht! Weist den Angriff zurück, selbst wenn dieser Protest mit Blut bezahlt werden wüßter. Besser den Tod al» die Entehrung! Wir rufen Euch heute zu: Leistet dieser unedlen Verfügung Widerstand! Beweist, daß Ihr Män- ner seid, welche ihre Ehre zu vertheidigeu wissen, daß Ihr vor den er- forderlichen Opfern nicht zurückschreckt! Sie wollen den Kampf haben— sie werden ihn haben! Warschau, 13. Februar 1883. Da« Arbeiterkomite." Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. —-Offenbach-Dieburg, 10. März. Am 4. d«. fand eine Kon- ferenz von 63 Genoffen au« 17 der größten Orte unsere« Kreise» statt, in welcher die Angelegenheiten der Partei berathen wurden. Der nach vorheriger Berathung sämmtlicher offizieller Punkte der Tagesordnung der allgemeinen Parteiberathung gewählte Vertrauensmann wurde beaustragt, im Sinne der gefaßten Beschlüsse zu wirken und herrschte in unseren Reihen allgemeine Begeisterung. Eine so zahlreiche und srucht- bare Konferenz von Genossen hatten wir schon seit Jahren nicht, und selbst zur Zeit der sogenannten freien Bewegung war e» uns unmöglich gewesen, die Genossen so zusammenzubringen. Da sah man wieder ein- mal die alten Gesichter und in aller Augen leuchtete da» Feuer der Be- geisterung für unsere gerechte Sache. Sämmtliche Beschlüsse wurden einstimmig gesaßt und nach dreistündiger Berathung trennten wir uns in bester Sttmmung. Mögen die Genossen beim Lesen diese» Be- richte« von Neuem an ihre Pflicht denken und und dafür sorgen, daß zur nächsten Wahl Alles mobil ist. — Zeitz, ö. März. Heute Abend sollte Genosse Liebknecht hier Uber Arbeitsbücher und Sozialreform sprechen. Zwei zu diesem Zweck ordnungsmäßig angemeldete Versammlungen wurden aber vom Stadttath aus Grund de» Sozialistengesetzes verboten, weil Lieb- knecht sowohl als die Einberuser notorisch- Sozialdemokraten seien. Sozialdemokrat, Mord- und Brandstifter und Umstürzler ist diesen Angst- Philistern einerlei. Liebknecht war trotzdem gekommen und erschien in der öffentlichen Sitzung der Mitglieder der WanderunterstützungSkasse für Tabaksarbeiter. Sobald er zur Beantwortung einer Frage da» Wort ergriff, wurde„die Versammlung" von der in zwei Exemplaren ver- tretenen Polizei aufgelöst, wobei e» der bekannte Polizeikommissar Barneck, dessen Verstand zu seinem streberhaften Eiser im umgekehrten Berhältniß steht, fertig brachte, sich gründlich zu blamiren— eine Kunst, iu welcher der gute Mann eine große Birtuoifität erlangt hat. Gegen da» willkürliche VersammluugSstören durch die Polizei, wie gegen die durchaus ungerechtsertigten Verbote wird Beschwerde erhoben werden— natürlich nur um die herrschende Rechllofigkeit zu konstatiren. Da» aber dürfen die Herreu Stadträthe und Polizisten fich merken: Diese Bersammlungsauslösttng haben unsere Sache, die Sache der Sozialdemo- kratie und folglich de»„Umsturzes", mehr genützt, al» die beste ungestört verlaufene Versammlung gethan hätte. Gestern hatte Liebknecht in Groitzsch über Arbeitsbücher und Jnnungswesen sprechen sollen, der Stadtrath hatte ihm aber auf Grund de» Sozialistengesetze» da» Reden verboten. Die Ver- sammlung durste statlfinden, e» kam in Gegenwart Liebknecht« zu einer lebhaften Debatte, und, nachdem eiu Vertreter de« Zunstzopfe» eine Lanze für die ZwangS-Jnnungen gebrochen hatte und dann uner all- gemeinem Gelächter ausgerissen war, wurden scharfe Resolutionen gegen die Arbeitsbücher und die Zwangsinnungen einstimmig gefaßt. Die Genossen waren dann noch bi» spät Morgen» beisammen, und zwar in heiterster Stimmung, wozu da« lächerliche Benehmen de» wohllöblichen Stadtrath» ein gut Theil beigetragen hatte. — Paris, 14. März 1883. Alle Regierungen Europa« haben sich mit einander verbündet, um den Sozialismus zu ersticken. Sie haben eine internationale Polizei geschaffen, welche fich rekrutirt au» verschiedene Sprachen redenden Individuen, die sich in alle unsere Gruppen, in alle unsere Zirkel und Assoziationen einschleichen, um dieselben von dem vor- gezeichneten Wege abzubringen, sie zur Emeute zu verleiten nnd un» so zu verhindern, zur sozialen Revolution zu gelangen, welche unser Endziel ist. Die Macht der sozialistischen Partei beruht besonders in der Thatsache, daß sie fich zusammensetzt au» Angehörigen aller Nationen, aller Menschen- rassen, aller Sprachen, und daß alle diese Menschen die Begründer und Bertheidiger ein und desselben Gedanken» sind: der sozialen Gerechtigkeit. Diese Macht, diese einheitliche Idee zu vernichten, haben sich'alle Regie- rungen Europa» und ihre internationale Polizei zur Aufgabe gemacht. Deshalb erregen sie die Instinkte de« Hasse» und der brutalen Gewalt, deshalb suchen sie die zur Bertheidigung der Menschenrechte uud ihrer Pflichten vereinigten Proletarier zu entzweien, um sie mehr unterjochen zu können. Um diese mternationale Macht der Völker zu zerstören, sprechen sie von Eroberungen, Revanche, Verhöhnungen, von PattiotUmu« und Baterland. Sie hoffen, un» auf diese Weise gegen einander zu Hetzen, damit wir un» gegenseitig vernichten. E» ist somit die Ausgabe aller Sozialisten, aller Weltbürger, diesen Plan der Regierungen zu vereiteln; sie müssen fich deshalb vereinigen, um gegen jede Regierung Front zu machen, welche e» versuchen sollte, eine neue Menschenschlächterei herbeizuführen. Wenn der Krieg aus der Tagesordnung unserer Deputirtenkammer oder de« deutschen Reichstag»(wenn man ihn überhaupt srägt) stehe» sollte, so ist die Pflicht unserer Genossen: der Ausstand in Pari», der Ausstand in Berlin, der Aufstand in Lyon, Marseille, Lille, der Aufstand in Dresden, München, Stuttgart, der Ausstand überall. Sache der Sozialisten ist e«, den Massenmord zu verhindern, und der überraschten Welt zu zeigen, daß e« für die Sozialisten weder Völker noch Nattonen, noch Grenzen gibt, sondern eine Erde, ein Vaterland für alle Menschen; eine Raffe, die Menschheit— eine erste Pflicht, den Frieden. Darum, Bereinigung de« gesammten Proletariat» gegen alle Regierungen iu dem einen Gedanken der sozialen Gerechtigkeit für die Zukunft! Lorcle international k Paria. — Karlsruhe, 16. März. Die Kunde von dem Ableben unsere» großen Borkämpfer« Karl Marx hat uns Alle rief erschüttert und drücken wir hiermit seinen Hinterbliebenen Angehörigen unser innigstes Beileid Uber den sie so schwer treffenden Verlust au«; wir verbinden damit den Wunsch, daß der Heimgang dieses großen und um die Be- freiung des Arbeiters au» den Fesseln der modernen Sklaverei hochver- dienten Manne« ein neuer Sporn sein möge für alle an dieser Befreiung Wirkenden! Mögen alle unablässig thätig sein für diese« Ziel, um auf diesem Wege dem Wirken de» leider für uns zu frühe Dahmgeschiedeneu gerecht zu werden. Di« Parteigenossen von Karlsruhe." ZSaruung. Der Tischler Loui« Schmidt, au» Berlin gebürtig, hat fich hier Unterschlagungen, sowie verschiedene Schwindeleien zu Schulden kommen lassen. Besagtes Individuum hat sich angeblich nach Amerika begeben, und seien die Genossen allerorts vor ihm gewarnt. Sch m i d t ist 30 Jahre alt, hat dünnes blondes Haar uud starken blonden Schnurrbart, spricht den ausgeprägten Berliner Dialekt. Die deutschen Genossen in Pari«. Brieffasten der Redaktion. 9).£.: Alle» erhalten. Wird besorgt werden.— „Verlorener Posten" in— w i tz. Wir gratuliren Ihnen zu der beabsichtigten„Ueberraschung" im Borau«. Sorgen Sie aber dafür, daß diejenigen, welche Sie mit der Besorgung beaustragen, nicht vorher von dem Inhalt Kenntniß nehmen. E« ist da« von jeher, d. h. seit da« Sozialistenvertilgungsgesetz besteht, unseren Leuten im Reiche streng zur Pflicht gemacht und auch stets von ihnen beobachtet worden: 1) um die Geheimhaltung, die Mutter jeder wirklichen Ueber- raschung, besser zu wahren, und 2) damit die Verbreiter nicht eventuell für den Inhalt verantwortlich gemacht werden können. Wir bedauern, daß die desbezügl. Instruktion seit Jahresfrist vergriffen ist, e« hat sich aber bi» jetzt da« Bedürsniß einer Neuauslage nicht fühlbar gemacht.— „La L ib er t6": Ihre Mittheilung war un« sehr interessant, und werden un» weitere derartige Berichte stet« sehr augenehm sein.— Sch. in P a t e r s o u: Wie Recht Sie hatten, zu der Versöhuungsheuchelei I ckon't believc in it zu sagen, werden Ihnen inzwischen die Thatsacheu bewiesen haben. Wir kannten unseren Pappenheimer zu gut, um auch nur einen Augenblick über die Aufrichtigkeit seiner Betheuerungen im Zweifel sein zu können, würden auch sckönsten« für ein- Bersöhnung danken müssen. Wir achten jede Meinung, die mit Ernst und Energie vertteten wird, und unsere Partei ist durchaus nicht so„autoritär", zu verlangen, daß ihre Mitglieder auf die Worte der jeweiligen Führer blindlings schwören sollen. Aber einen Menschen, der je nach Ort und Publikum seine Ansichten wechselt, der gewissenlos genug ist, die Arbeiterbewegung im Interesse seiner persönlichen Eitelkeit in eine Abenteurerbewegung umwandeln zu wollen, kann sie in ihren Reihen nicht brauchen. Mag er un» Spießbürger nennen, da» läßt un« kalt, nicht die Phrase ist da» Kennzeichen freier Denkart; mag er un« bischimpsen und verdächtigen, seine Angrisse ehren un« nur. Was er auch von un«, von einzelnen unserer Kämpfer sagen möge, im„Sozialdemo- krat" wird ihm unter keinen Umständen geantwortet werden, er hat für uns den Anspruch aus Diskussion verwirkt.— M r. in W.: Ihre beiden Gedichte sind niqt ohne Werth, namentlich verräth„Eine Lehre" eiu hübsche» Talent. Leider aber halten sie fich nicht durchgängig aus gleicher Höhe; so versallen Sie oft in den Fehler, um de« Reimes willen Worte zu wählen, die mit dem übrigen Inhalt schlecht übereinstimmen, ge« w ähnlich zu hochtönend sind, und dadurch eine nicht beabsichtigte komische Wirkung hervorbringen. Beispielsweise ist e« nicht recht ersichtlich, warum Sie die so vernünftige Lehre de« Fluye» mit„stillem Grausen" mit nach Hause nahmen. Wir stellen Ihnen daher beide Gedichte zur nochmaligen Ueberarbeitung zur Verfügung. d e r E x p e d i t i o n. P. G. Pari«: Fr. 55,— Cto. Athle. erh.— A. Höhne N. Dork: Fr. 101,25 u. Rmlt. k Cto. Ab. gutgebr. Mehr- bstllg. u. Schst. folgen.— Sastmann: Ml. 55,— i Cto. Ab. u. Schft. erh.— W. Liege: Fr. 4,— Ab. Mär; u. Fr. 13,— st Cto. Schft. erh. Sdg. abgg. Fehlende« vergriffen. Fr. 3,50 d. Usd«. dkd. zugew.— Der Bekannte: Mk. 100,— st Cto. erh. Adr. notirt.— I. G. H. 574: Mk. 6.— Ab. 1. u. 2. Qu. erh. An un» soll» nicht fehlen.—! Sch. Brüssel: Fr. 20,— v. d. dortg. Gm. erh. u. nach Borschr. au»- g-häudigt.- Jgdl.: Mk. 6,44 Rückzahl. st Cto. Cl. erh.- Blli.: � Fr. 4,— Ab. Bchlr. 1. u. 2. Qu. 82 erh.— Märzfeier 1883 ,c.: Fr. 37,40 f. div. Schst. durch B. u. Gen. erh.— Soz. Arb.-Bereiu Lawrmce: Fr. 50,65(Doll. 10,—) f. d. v. d. Ueberschwemmung heim- gesuchten Gen. dkd. abgeliefert; de»gl. Fr. 25,35(Doll. 5,—) Kollekte v. Gen. im engeren Kreise.— L. Martin Lawrence: Fr. 10,10(Doll. 2,—) st Cto. Ab. erh. Weitere« besorgt.— Rebus: MI. 6,— Ab. März erh. Adr. geordnet.— E. Lägt.: Mk. 3,— Ab. 2. Ou. erh.— P. Ax. H,: Fr. 6,— Ab. bi» Ende März u. Fr. 2,70 Ab. B. 4 Mt. —Ende Juni erh.— R. P. A.: öwfl.—,20 kr. f. Schft. erh.— Dhorst: Bf. v. 13. erh. Alle« besorgt.— Mercuriu» G. i. B.: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh. u. Mk. 2,50 d. Usd«. dkd. zugew. Ja 4 Quittirte» richtig.— Listge: Bf. am 20. erh. u. weitergesandt. Adressat wohnt nicht mehr hier.— Rothkragen an der Zislar: Bs. v. 17/3 am 20. be- antw.— Album: Bs. v. 12/3 am 19. aulsührl. beantw. Der faule Bruder soll rangeholr werden.— F. H. Pdm.: Bs. v. 14/3 hier und Alle« notirt.— Rosa Beck: Bstllg. v. 18. folgt. Bfl. Weitere».— Roland: Am 19/3 Aufschluß abgg.— Unigenim«: Zusendg. v. 15/3 besten» verwendet. Am 19. Weitere« briefl.-- h: Bstllg.-c. nach Borschr. abgg.— K. Wormser: Mtthlgn. v. 17. u. 18/3 erh. Alle» beachtet. Wo bleibt □ Je. jc. gar so lauge!?— Schorfe: Bstllg. v. 13/3 folgt sobald fertig, H. geordnet.— Heinrich: Adr. notirt. K. u. Co. haben noch Nicht» avisirt.— A. d. Eider: Bstllg. v. 13/3 folgt nebst Mehrbstllg. Weitere» bfl.— Lüneburger Haide; Gut. Wa« soll» mit Hze.? Unverständlich l— Pickelhaube: Bon Nr. 7 retoursmdm wa« da. Brauchen« dringend! Versandt ab hier stet« pünktlich!— i New-Dork-Brooklyn: Bi««lässig und Knau er zum Zahlen so, wie zum Trachten und Dichten bereit, fing lustig mit„Dichter" Knauer ich fort:„Da» ist eine herrlich« Zeit!" ¥,An«lAn Ooxnm. Arbelter-Bildungs- Verein 49 Xottenbam Street. Tottenb&m Court Road. Die Wirthschaft des Vereine iat gefllfnet von Morgens 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. S&MtIzmiS' G«n»flenich»lt«duchdn><»rei hoMigra-ZSrlch.