Otschewt • i«:m« I Ait-ich(Schweiz) Snl«I »« l r» d u ch l»«i»» l.»»« H»tti«gt«-A»rich. Iilftolnni» Jtanco gegen ftonco, sewdhnliche Briese nach der Schweiz tosten Toppelporto. Der WMUMW Jentral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. N: IS. A�itttmeuts werden bei allen schweizerischen Postbureau;, sowie beim Verlag unl dessen belannten Agenlen entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbar«« VierteljahripreiS von: Fr, 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Ml. S.— sür Deutschland(Souvert) st. 1. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des Weltpostverein»(Kreuzbands Zllserate Die dreigespaltene PetitzeU 25 EtS.--- 20 Pfg. Ztonnerslag, Z. April. 1883. Zlin«»»»ie Atninte» ll»i>>>rres?slldtllte« de»„Sosialdemokrlt". Da der.kozialdemolrat' sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bezw.»erfolgt wird, und die dortigen Behörden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Lindern miglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an UN» Nld unsere Zeitung»- und sonstigen Sendungen»ach dort abzufangen, so ist die iußerste Borstcht t« Postvertehr nothwendig und darf lein« vorfichtimagregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Srnpfinger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterfordernitz ist hiezu einerseits, daß unser« Freunde fo feiten ali möglich an den.Eozialdemolrat', resp. dessen Verlag selbst adresfiren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welch- stch dann mit un» in Verbindung setzt i anderseits aber, daß auch un» möglichst unverfängliche ZustellungS-dressen mitgetheill werden, Zn zweifelhaften Fällen empfiehlt stch behuf» größerer Sicherheit Ziekommandirung, Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemotrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Unser« auswärtigen Abonnenten, Filialen, Bertrauensleuteu«c. legen wir ans Herz, A b- rechnungen und Abonnementserneue rungen, soweit noch nicht erfolgt, ungesäumt zn bewirken, ebenso wollen alle A b o n- n e n t e n an unsere Vertrauensleute unbedingt während de« ersten Monat« im Quartal Zahlung leisten, damit keine Unter- brechung m der Lieferung eintreten muß. Unsere Bertrauensadressen sind bekannt. Me Lieserungen erfolgen nur auf Gefahr der Besteller. Briefmarken aller Länder werden sür voll angenommen. Größere Beträge in Papiergeld oder Post-Einzahlnng. Da viele auswärtige Besteller, besonder« in Deutschland, sowie w Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenügend frankiren, wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt: Einfache Briefe(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz kosten: au« Deutschland(und dem übrigen Ausland). 20 Pfg. au« Oesterreich-Ungarn 10 Kr,. Bei schwereren Briefen kosten immer je 15 Gramm weitere 20 Pfg» be,w. 10 Kr,. Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, a l S wir ungenügend srankirten Sendungen in der Regel die Annahme verweigern müssen. Die«ipediti»» des„Sijialdemikrat". Ein deutscher Professor als Friedensapostel und Büttelwissenschaster. Wie die Servilität deutscher Professoren sprüchwärtlich geworden ist, so verdient es auch ihr Mangel an Logik zu wer- den und beide Eigenschasten hängen zusammen: die Gestnnungs- losigkeit ist es, welche die Denkfähigkeit, d. h. die Fähigkeit, richtig und logisch zu denken, schwächt und schließlich vernichtet. Ein glänzendes Beispiel hiefür ist der nationalliberale Professor von Holtzendorf, der vor einiger Zeit eine Broschüre über„die Idee des ewigen Völkerfriedens- veröffentlicht hat. Herr von Holtzendorf schwärmt nämlich für den„ewigen Frieden", zugleich aber auch für daS stehende Heer und hohe Militär- Etats, und da diese zwei Leidenschaften logisch nicht in Har nonie zu bringen sind, so muß die Logik geopfert werden. Herr Holtzendorf beginnt ganz vernünftig: „Der Idee des ewigen Friedens gebührt keineswegs der Spott und die Geringschätzung...... Im Gegentheil der Idee des ewigen Friedens gebührt die höchste Ehrfurcht". (Seite 48.) Sehr gut charakterisirt Herr von Holtzendorf die Gegner des Frieden« und die Vcrherrlicher des Kriegs, die auf Kant folgten:„Da waren die kirchlichen Eiferer des Legitimismus, wie Joseph le Maistre, welche Tag für Tag eine Plenarsitzung des göttlichen Strafgerichts über die sündige Mensch- heit anberaumten, Vorgänger des protestantischen Geschichtslehrers Leo, der den Krieg gewissermaßen als welthistorische Hygiene zur AuStilgung des„skrophulösen Gesindels" und der BevölkerungS- Überschüsse, als nothwendigen Volksadcrlaß anpries. „Da erhoben sich die Nomantiker in der Literatur, denen der Friede als unpoetisch, spießbürgerlich und unerträglich langweilig erschien, die Männer, welche Alle« für Burgruinen, Strickleitern, Minnegesänge, Turniere, Waffengeklirr und Kampf oder Mond- scheingespenster zu begeistern trachteten, ohne zu bedenken, daß auL der modernen KriegssührungSweise Strahlen poetischer Mondscheinbeleuchtung nur spärlich zu gewinnen find. „Da erhoben stch endlich die MenschheitSpädagogen der Ge- fchichtsphilosophie, welche wie Hegel, Trendelenburg und zahlreiche Andere lehrten, daß der Krieg den Beruf übe, Lehrmeister zu sein für die größten Tugenden menschlicher Selbstaufopferung, edelster Vaterlandsliebe, strenger Zucht und eisernen Gehorsams. Ihnen folgten dann manche andere in akademischer Freiheit dresfirt« Käsern engeister." S. 34.) In der Verspottung dieser Biedermänner find wir mit Herrn von Holtzendorf vollkommen einverstanden. Und wir stimmen ihm auch bei, wenn er sagt, daß die bisher von den FriedenSgefell- fchaften vorgeschlagenen Mittel nutzlos sind. Auch wir find der Meinung, daß internationale Schiedsgerichte und allgemeine Entwaffnung nichts helfen, so lange die Ursachen, welche zum Kriege treiben, nicht beseitigt sind. »Diese Ursachen zu beseitigen, daS ist die Aufgabe für diejenigen, welche den Weltfrieden herbeisehnen." »Das größte Bedürfniß nach Frieden muß dort herrschen, wo die nachtheilige Folge einer Niederlage und die Verlust« auf dem Schlachtfelde am allgemeinsten empfunden und die Gefahren eines Krieges vorher am gründlichsten erwogen werden." Das Letztere mag allenfalls noch hingehen. Unmittelbar darauf beginnt aber das Opfer des Intellekts, die Abschlachtung der Logik. Aus vorstehendem Satz schließt der Herr Professor, daß„Militärmonarchien immer noch mehr Bürgschaften für Erhaltung deS Friedens bietm, als Militärdemokratien". (S. 45).„Fälle, in denen Monarchen auS eigener Jniziative einen unvolkSthümlichen Krieg auf ihre eigene Verantwortung übernehmen, finden sich in neuerer Zeit seltener als diejenigen Fälle, in denen die Erregung und die Leidenschaften der Menge gegen die Neigung der Monarchen die Armeen auf die Schlachtfelder zu drängen suchten." Als Exempel werden Napoleon Ii', und Alexander II. angeführt. Mit anderen Worten, nach der Behauptung des Herrn von Holtzendorf wären diese genannten„friedliebenden Monarchen" durch ihr Volk in den Krieg hineingetrieben worden. Die Geschichte lehrt uns aber das genaue Gegentheil. Sowohl das russische als das französische Volk waren gegen die letzten Kriege, und wurden durch die Regierungen und die Diplomatie in den Krieg hinein- getrieben, wobei in Bezug auf den Krieg von 1870/71 die Frage ganz unberührt bleibt, ob es die deutsche oder französische Diplomatie war, welche den Krieg einfädelte. Der Herr Professor scheint auch den Krieg von 1866 ver- gessen zu haben, der notorisch gegenden ausgesprochenen Willen des Volkes und der Volksvertretung von der preu- ßischen Militärregierung in Szene gesetzt ward. Und wo sind die„Militärdemokratien", von denen Herr von Holtzendorf spricht? Es gibt keine. Der Herr Professor hat sie einfach erfunden, und auch hiermit einen glänzenden Beweis seines Mangels an Logik geliefert, denn jeder Mensch, der kein deutsches Professorengehirn hat, ist sich klar bewußt, daß Militarismus und Demokratie einander widerspre» chende, ja einander aufhebende Begriffe sind, der Aus- druck„Militärdemokratie" also einen aoussns(Unsinn), eine contradictio in adjecto(ein Widerspruch der verbundenen Wörter) bildet. Doch daS ist nur eine kleine Leistung der Holtzendorf'schen Professorenlogik. Die Hauptleistung kommt jetzt. Herr von Holtzendorf will„die Ursachen der Kriege beseitigen". Diese Ursachen sind ihm zufolge—„die demokratischen Ideen. Das nächste Ziel aller Friedensfreunde muß daher darauf ge- richtet sein, die Quellen revolutionärer Erhebungen zu zerstören, oder unschädlich zu machen. Kurz eine— internationale Polizei- undMilitär- razzia gegen die Demokratie, deutlicher die Sozial- d emokratie. „Da"— so demonstrirt Herr von Holtzendorf S. 51—„da die Feinde der öffentlichen Ordnung international find, so müssen sich auch die Regierungen international vereinigen, um sie gemein- sam zu bekämpfen. Nur auf diese Weise können die Grundlagen desWeltfriedens hergestellt werden." „Somit ergibt sich, daß der praktische Weg zur Sicherung des Völkerfriedens auf haltbarer Unterlage nur dann ge- baut werden kann, wenn die in ihrer Kultur und ihrem Ver- fassungszustande verwandten Länder alles aufbieten, um mit ver- einten Kräften die grundsätzlichen Feinde der öffentlichen Rechtsordnung im Zaume zu halten. Bevor der äußere Staatsfriede sichergestellt werden kann, ist der innere Friede der sämmtlich en Kulturstaatcn in seiner dreifachen Gestalt: alS Religionsfriede, beruhend auf der Gleich- berechtigung aller Kulte und der gemeinsamen Abwehr jeder die Selbständigkeit de« Staates angreifenden Kirchenmacht; als wirth» schaftlicher Friede, beruhend auf einer gemeinsam den Mißbrauch der ökonomischen Uebermacht einschränkenden Erwerbs- ordnung; und als gesellschaftlicher Fried e, beruhend auf der Versöhnung feindseligen Klossenhasses, als Aufgabe völkerrechtlicher Verbindung der Staates anzuerkennen und zu pflegen. Innerhalb einer solchen Verbindung verwandter Kulturstaaten, denen die Nothwcndigkeit des inneren FriedenSzustandes als Vor- bedingung de« äußeren VöSlerftiedenL einleuchtet, würde dann auch die wechselseitige Auslieferung aller solcher Verbrecher, die sich nicht bloS an der politischen Ordnung eineS einzelnen Staates, sondern an der allenStaaten gemeinsamen Friedensordnung ver- griffen haben, als eine Rothwendigkeit der neueren Zeit begriffen werden müssen." Man ist im ersten Moment verblüfft durch diese schwindelnde Akrobatik.„ReligionSftiede",„wirthschaftlicher Friede",„gesell- schaftlicher Friede" ist bloS das ideale Ziel; und um dieses Ziel zu erreichen, wird der Krieg gepredigt, und zwar der Krieg gegen diejenigen, welche sich die Herbei- führung deSFriedenS unter denMenfchen zur Auf- gäbe gemacht haben! ES wäre nicht zu glauben, hätten wir eS nicht schwarz auf weiß vor Augen. Und in seiner FriedenSwuth gegen die Partei, welche durch die Beseitigung der inneren und äußeren Kriegsursachen den Frieden unter den Menschen herbeiführen will, geht der friedens- wüthige und liberale Professor sogar über die russisch-Bis- marckische Polizei hinaus und fordert die internationale Auslieferung der„politischen Verbrecher!" Der Servilität wurde die Logik geopfert, und das Resultat dieses ungeheuerlichen Opfers des Intellekts ist ein ebenso ungeheuerliches Opfer aller Prinzipien und aller Scham. Der liberale Herr Professor„apportirt" der krassesten Reaktion, deren ausschweifendste Wünsche er übertroffen hat. Und dieser Held des Liberalismus gilt in Deutschland nicht bloß für einen großen Gelehrten, sondern auch für einen Charakter! Einen Orden in sein Knopfloch!-i-s. Die Mark. (Fortsetzung.) Die Markverfassung war in der Urzeit so ziemlich die ein- zige Verfassung derjenigen deutschen Stämme, die keine Könige hatten; der alte Stammesadel, der in der Völkerwanderung oder bald nachher unterging, fügte sich, wie alles mit dieser Verfassung zusammen naturwüchsig Entstandene leicht in sie ein, wie der keltische Clanadel noch im 17. Jahrhundert in die irische Bodengemeinschaft. Und sie hat im ganzen Leben der Deutschen so tiefe Wurzeln geschlagen, daß wir ihre Spur in der Entwicklungsgeschichte unseres Volkes aus Schritt und Tritt wiederfinden. In der Urzeit war die ganze öffentliche Gewalt, in Friedenszeiten, ausschließlich eine richterliche, und diese ruhte bei der Versammlung des Volks in der Hundert- schaft, im Gau, im ganzen Volksstamm. Das Volksgericht aber war nur das Volks-Markgericht, angewandt auf Fälle, die nicht bloße Markangelegenheiten waren, sondern in den Bereich der öffentlichen Gewalt sielen. Auch als mit Ausbildung der Gauvcrfassung die staatlichen Gaugerichte von den gemeinen Markgerichten getrennt wurden, blieb in Beiden die richterliche Gewalt beim Volke. Erst als die alte Volksfreihcit schon in starkem Verfall war, und der Gerichtsdienst neben dem Heeres- dienst eine drückende Last für die verarmten Freien wurde, erst da konnte Karl der Große bei den Gaugerichtcn in den meisten Gegenden das Bolksgericht durch Schöffengerichte�) ersetzen. Aber dies berührte die Markgerichte durchaus nicht. Diese blieben im Gegentheil selbst noch Muster für die Lehnsgerichts- Höfe des Mittelalters; auch in diesen war der Lehnsherr nur Fragesteller, Urtheilsfinder aber die Lehnsträger selbst. Die Dorfverfassung ist nur die Markverfassung einer selbständigen Dorsmark und geht in eine Stadtverfassung über, sobald das Dorf sich in eine Stadt verwandelt, d. h. sich mit Graben und Mauer befestigt. Aus dieser ursprünglichen Stadtmark- Verfassung sind alle späteren Städteverfassungen herausgewachsen. Und endlich sind der Markverfassung nachgebildet die Ordnungen der zahllosen, nicht auf gemeinsamem Grundbesitz beruhenden freien Genossenschaften des Mittelalters, besonders aber der freien Zünfte. Das der Zunft erthcilte Recht zum ausschließ- lichen Betrieb eines bestimmten Geschäftes wird behandelt ganz wie eine gemeine Mark. Mit derselben Eifersucht wie dort, oft mit ganz denselben Mitteln, wird auch bei den Zünften dafür gesorgt, daß der Antheil eines jeden Genossen an der gemein- samen Nutzungsquelle ein ganz oder doch möglichst gleicher sei. Dieselbe fast wunderbare Anpassungsfähigkeit, die die Mark- Verfassung hier auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens und gegenüber den mannichsachsten Anforderungen ent- wickelt hat, beweist sie auch im Fortgang der Entwicklung des Ackerbaues und im Kampf mit dem aufkommenden großen Grundeigenthum. Sie war entstanden mit der Niederlassung der Deutschen in Germanien, also in einer Zeit, wo Viehzucht Hauptnahrungsquelle war und der aus Asien mitgebrachte, halbvergessene Ackerbau erst eben wieder aufkam. Sie hat sich erhalten durch das ganze Mittelalter in schweren unauf- "im Kämpfen mit dem grundbesitzenden Adel. Aber sie loch immer so nothwendig, daß überall da, wo der Adel das Bauernland angeeignet hatte, die Verfassung der :n Dörfer eine, wenn auch durch grundherrliche Eingriffe beschnittene Markverfassung blieb; ein Beispiel davon In wir weiter unten erwähnen. Sie paßte sich den wechselndsten Besitzverhältnissen des urbaren Landes an, so lange nur noch eine gemeine Mark blieb, und ebenso den ver- schiedensten Eigenthumsrechten an der gemeinen Mark, sobald diese aufgehört hatte, frei zu sein. Sie ist untergegangen an dem Raub fast des gesammten Bauernlandes, des vertheilten wie des ungetheilten, durch Adel und Geistlichkeit unter williger Beihülfe der Landesherrschaft. Aber ökonomisch veraltet, nicht mehr lebensfähig als Betriebsform des Ackerbaues, wurde sie in Wirklichkeit erst, seit die gewaltigen Fortschritte der Land- wirthschaft in den letzten hundert Jahren den Landbau zu einer Wissenschaft gemacht und ganz neue Betriebsweisen eingeführt haben. Die Untergrabung der Markverfassung begann schon bald nach der Völkerwanderung. Als Vertreter des Volkes nahmen *) Nicht zu verwechseln mit den BiSmarck-Leonhardt'schen Schöffen- gerichten, wo Schöffen und Juristen zusammen Urtheil finden. Beim allen Schöffengericht waren gar keine Juristen, der Präsident oder Richter halte gar leine Stimme und die Schöffen sanden das Urtheil selbstständig. die frankischen Könige die ungeheuren, dem Gesammtvolke ge- hörenden Ländereien, namentlich Wälder, in Besitz, um sie durch Schenkungen an ihr Hofgesinde, an ihre Feldherren, an Bischöfe und Aebte zu verschleudern. Sie bildeten dadurch den Stamm des späteren Großgrundbesitzes von Adel und Kirche. Die letztere besaß schon lange vor Karl dem Großen ein volle« Drittel alles Bodens in Frankreich; es ist ziemlich sicher, daß dieses Berhältniß während des Mittelalters für das ganze katholische Westeuropa gegolten hat. Die fortwährenden inneren und äußeren Kriege, deren regelmäßige Folge Konfiskationen von Grund und Boden waren, ruinirten große Mengen von Bauern, so daß schon zur Mero- vingerzeit es sehr viele freie Leute ohne Grundbesitz gab. Die unaufhörlichen Kriege Karls des Großen brachen die Haupt- kraft des freien Bauernstandes. Ursprünglich war jeder freie Grundbesitzer dienstpflichtig und mußte nicht nur sich selbst ausrüsten, sondern auch sich selbst sechs Monate lang im Kriegsdienst verpflegen. Kein Wunder, daß schon zu Karls Zeiten kaum der fünfte Mann wirklich eingestellt werden konnte. Unter der wüsten Wirthschaft seiner Nachfolger ging es mit der Bauern- freiheit noch rascher bergab. Einerseits zwang die Roth der Normannenzüge, die ewigen Kriege der Könige und Fehden der Großen, einen freien Bauern nach dem andern, sich einen Schutzherrn zu suchen. Andrerseits beschleunigte die Habgier derselben Großen und der Kirche diesen Prozeß; mit List, Versprechungen, Drohungen, Gewalt, brachten sie noch mehr Bauern und Bauernland unter ihre Gewalt. Im einen wie im andern Fall war das Bauernland in Herrenland ver- wandelt und wurde höchstens den Bauern zur Nutzung gegen Zins und Frohn zurückgegeben. Der Bauer aber war aus einem freien Grundbesitzer in einen zinszahlenden und froh- nenden Hörigen oder gar Leibeigenen verwandelt. Im west- fränkischen Reich, überhaupt westlich vom Rhein war dies die Regel. Oestlich vom Rhein erhielt sich dagegen noch eine größere Anzahl freier Bauern, meist zerstreut, seltner in ganzen freien Dörfern vereinigt. Doch auch hier drückte im 10.—12. Jahrhundert die Uebermacht des Adels und der Kirche immer mehr Bauern in die Knechtschaft hinab. Intereffenpolitik. Alle« will heutzutage„Jnteressenpolitik" treiben. Bisher sei sie ver« uachlässigt, nicht verstanden worden; jetzt mllffe sie znr Geltung kommen — darin liege da« Heil der Menschheit. Ohne Intereffenpolitik könnten Staat und Gesellschaft nicht gesunden. Wo Begriffe fehlen, pflegt bekanntlich ein Wort sich einzustellen, dem von dem gedankenlosen Hausen der Plapperer und Nachplapperer eine wunderwirlende Kraft beigelegt wird. Ein solche» Wort ist die„Jntereffea- Politik". Was versteht man darunter? So viel Antworten, so viel Meinungen. Nicht zwei verstehen daffelbe darunter. Und das ist sehr natürlich. Denn Jeder hat nur seine eigenen, persönlichenSonder« Interessen im Auge, und diese sind, je nach der gesellschaftlichen und wirthschaft- lichen Lage verschieden. Der Kleinbauer hat andere Jntereffen als der Großbauer, dieser wieder andere als der Landmagnat; der Handwerker andere als der Fabrikant; der Kleinfabrikant andere als der Großsabri- kant; der Handeltreibende andere als der Industrielle; der Schlosser andere als der Tischler und so weiter in's Unendliche. Herr Bismarck, oder richtiger die reaktionären Rllckwärtsresormer, die ihn unter Kuratel genommen haben, bezwecken mit dem von ihnen nnter die Leute geworfenen Stichwort: Intereffenpolitik zweierlei: 1) einerseits alle gemeinen Instinkte der Selbstsucht in den Menschen zu entfesseln; anderseits in dem verzweifelnden„armen Mann" aller Kategorien allerhand vage Hoffnungen zu erwecken, und ihn dadurch zu ködern. 2) sollen dem famosen Satz de» divide et impera!(Theile und herrsche) entsprechend, die verschiedenen Gesellschaftsklassen gegen einander geyetzt und dadurch verhindert werden, sich gegen den gemein- s a m e n Feind zu verbunden, dem sie, in ihrer Getrenntheit, wider« standsunsähig znr Beute fallen müssen. Was Bismarck und seine Leute in puncto des Verhetzen« geleistet haben, da« ist unfern Lesern bekannt. Nie hat es eine Regierung gegeben, die mit gleicher Gewissenlosigkeit und gleichem Zynismus an die gemeinsten Instinkte appellirt, die niedersten Leidenschaften entfesselt, durch lügenhafte Borspiegelungen die Massen zu täuschen versucht hätte. Genau betrachtet, hat da« Wort„Intereffenpolitik" gar keinen beson- deren Sinn. Entweder heißt es, daß man Politik treibt, um seine Interessen zu sördern, oder es heißt nichts. Daß aber die Herren, welche Politik treiben, von jeher und in aller Herren Länder die Politik zur Förderung ihrer Interessen benützt, also „Intereffenpolitik" getrieben haben, ist eine Thatsache, mit der Jeder de« ABC der Geschichte Kundige vertraut ist. Bismarck und seine Leute verstehen dies auch für sich unter Interessen- Politik, und sie haben den Beweis geliefert(Bismarck durch den Sachsen- wald und ein„Eigenthum" von ca. 30 Millionen Mark) daß ihre Vor- liebe für die Intereffenpolitik keine bloß platonische ist. Aber der „kleine Mann", den man braucht, soll in den Wahn versetzt werden, daß die großen Weltbeglücker: Bismarck und seine Leute, auch für ihn und in seine Taschen„Intereffenpolitik" treiben wollen— der plumpste Bauernfang, dessen sich je politische und unpolitische Schwindler schuldig gemacht. Greisen wir nnr die„Intereffenpolitik" der Getreidezölle heraus. Die reichen Junker und Laudmagnaten stecken 30,000—40,000 Mark jährlich rein in die Tasche, während dem Kleinbauer zwar ein paar lumpige Mark ostenfiv in die rechte Westentasche gesteckt, gleichzeitig aber zehn Mal so viel Mark heimlich au« der linken Westentasche stiebitzl werden. Das ist schon nicht mehr politische Taschen s p i el er ei, da« ist politische Taschen d i e b e r e i! Gewiß soll die Politik Jnteressenpolitik sein: allem, wie wir die» schon früher ausführten, nicht die Politik verwerflichen, antagoui- stischen Sonder interesse«, sondern die Politik der harmonisirten Interessen, de« Gemeininteresse«— kurz s« z i a- listische Politik. Jede andere Jnteressenpolitik ist Raub oder Bauernfängerei. Bon dieser wahren Jnteressenpolitik haben die herrschenden Klassen jedoch keine Ahnung. Sie haben zu allen Zeiten nur an ihre Sonder- interessen gedacht. Wie ander« da« Proletariat. Hat der Adel, hat die Bourgeoisie jemals einen Beweis solch erhabener Selbstverleugnung gegeben wie da» e n g l i s ch e P r o l e t a r i a t, als es zu Ansang der sechziger Jahre nach Berhänguug der B l o k a d e über die amerikanischen SUdhäsen und der hierdurch hervorgerusenen Baum- wollen n oth— stall in da» Geschrei der reaktionären, sür den Sklavenhalterbund schwärmenden Aristokratie und Bourgeoisie einzu- stimmen, sich für die N o r d st a a t e n, und für die Berechtigung der Maßregel erklärte, dieihmdenHungeriusHau« brachte? Da« Sonder interesse trieb die englischen Arbeiter damals zweifellos in da» Lager der Sklavenhalter und ihrer Patrone; allein da» höhere Interesse: ihr K l a s f e n i n ter e ff e, und da« Interesse der Menschheit trieb sie in da» Lager der gegen die Sklaverei kämpfenden Nordstaaten. Indem sie ihre Sonderintereffen den Klassen- und Meuschheitsinter- essen unterordneten, leisteten sie der Kultur einen unvergeßliche» Dienst, beschleunigten sie die Emanzipation der arbeitenden Klassen und trieben wahre Jnteressenpolitik. Da» Beispiel de» englischen Proletariat« wird an den Proletariern der übrigen Länder nicht verloren sein. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 4. April 1883. — Wie das Proletariat seine Tobten ehrt. Zu einer würdigen, erhebenden Demonstration hat sich die T r a u e r f e i e r ge- staltet, welche die Arbeiter New-Vork» am 19. März im Eooper- Institute veranstaltet hatten, um da« Andenken ihre» unsterblichen Lehrers und Mitkämpfers Karl Marx zu ehren. Um 8 Uhr, berichtet die „N.-D. Bolkszeimng", war in der mit dem Porträt des Verstorbenen, Fahnen der verschiedenen Gewerke und Bereine, Blumen und Inschriften reich gezierten großen Halle kein Platz mehr und Tausende, die kemen Einlaß mehr finden konnten, drängten sich in den Korridor» und auf den Trottoir« vor dem Gebäude. Die große Menschenmenge verhielt sich würdig, ruhig; Alle waren feierlich gestimmt, und als mit dem Orgelvortrag von Beethoven'« Trauermarsch die Feier begann, war es still im Saale, wie in einem Grabgewölbe. Nachdem Genosse M c. G u i r e die Ver- sammlung mit einer kurzen Ansprache eröffnet hatte, in welcher er sagte, dieselbe sei nicht berufen worden, um Personenkultus zu treiben, sondern um das Andenken eines großen Denker» zu ehren, folgten Reden in englischer, deutscher, russischer, böhmischer und französischer Sprache. Der erste Redner war Viktor Drury. Er sagte u. A.: „Wir betrauern heute den Verlust eine« Manne», der, obwohl nicht selbst Arbeiter, den Arbeitern geHolsen hat in dem Kampfe der Schwachen und Armen gegen die Mächtigen und Reichen. Karl Marx ist verlacht und verhöhnt worden, wie Alle, die sich in der Internationale a<« Denkerund Kämpfer hervorgethan haben. Man hat die Internationa'« ver- lacht und todtgesagt, aber Euer Hiersein heute Abend ist ein Bewei», daß sie noch lebt!(Großer Beifall.) Und so lange noch ein Tropfen warmen Blutes in den Adern denkender Arbeiter fließt, so lange wird die inter- nationale Brüderlichkeit der Arbeiter fortdauern. Das von der Inter- nationale begonnene Werk wird trotzalledem und alledem noch zu einem herrlichen Ende geführt werden." Ihm folgte John Swinton: „Wir halten heute ein Requiem sür Karl Marx, der die Welt so- eben verlassen hat. Im August 1880 habe ich Marx zum ersten und zum letzten Male in England gesehen und er hieß mich in seiner Sommer- wohnung am Meere bei Ramsgate willkommen. Ich fand ihn zusammen mit seiner Familie von zwei Generationen. Die graziöse Frau mit dem sanften Gesicht und der süßen Stimme, welche mir die Thür öffnete, war die Herrin de» Hause», das Weib von Karl Marx, und der Mann mit dem massiven Kopf, der großmüthigen Miene, dieser Mann mit dem buschigen, grauen Haar und Bart, dieser merkwürdige Mann ist Karl Marx, der Student von Berlin, der Kritiker Hegels, Journalist, Revo- lutionär, der Autor des„Kapital", der Gründer der gefürchteteu Juter- nationale, der Verbannte, der Flüchtling, welcher seit 40 Jahren eine solche sormidable Rolle in der Revolutions-Politik der Welt gespielt und hinter den Erdbeben gestanden hat, welche Nationen erbeben gemacht und Throne zerschmettert haben, und der noch die gekrönten Häupter und Betrüger mehr bedroht, wie irgend ein anderer Mann in Europa, Joses Mazzini nicht ausgenommen. „Während de« halben Sommertages, den ich bei Marx zubrachte, war ich oft von seinen Worten überrascht. Sein Dialog erinnerte mich an Sokrates— so frei, so vernichtend, so schaffend, so schneidend, so wahr— mit seinem sardonischen Anflug, seinen Witzesblitzen und seiner burschi- kosen Lustigkeit: Er sprach von politischen Kräften und Volksbewegungen in den verschiedeneu europäischen Ländern, der großen Strömung in Rußland, der Bewegung in den Gemüthern der Deutschen, der That- kraft der Franzosen, der Unbeweglichleit der Engländer. Es war klar, daß dieser Mann, von dem man in der Oeffentlichkeit so wenig sah und hörte, tief in den Strom der Zeiten eingriff, daß von der Newa bi» zur Seine, von den Pyrenäeu bi» zum Ural seine Hand am Ruder war. Und seine Arbeit war nicht umsonst; er hat so manchen heilsamen Wechsel hervorgebracht, und als ich ihn frug:„Warum thun Sie jetzt nichts?" bemerkte ich, daß er sah, daß ich zu den Uneingeweihten gehöre und daß er keine direkte Antwort geben könne. Er sprach unumwunden von seinen Zeitgenossen, dem stürmischen Russen Bakunin, dem brillanten Deutschen Laffalle, dem Franzosen Rochefort und ich konnte sehen, wie sehr sein Geist sich mit den Menschen beschäftigte, welche unter anderen Verhält- nissen die Weltgeschichte bestimmt haben möchten. Ich fand auch, daß Marx die Vorgänge in Amerika genau beobachte, und seine Aeußerungen zeugten deutlich von seiner scharfen Auffassungsgabe und gerechten Beur- theilung. „Ich habe in Marx den Mann gesunden, wie ich mir ihn vorgestellt hatte, einen Mann ohne Sucht nach Schein und Ruf, der nichts um Prahlerei und Aussehen gab, ohne Hast und ohne Rast, einen Mann mit starkem, großem, erhabenem Geist, voll von weitreichenden Projekten, logischen Methoden und praktische» Zielen. Solche Männer hat es zu keinen Zeilen viel gegeben. Wenn sie erscheinen, werden sie von der Menschheit nicht willkommen geheißen, sondern sie werden verachtet, außer- halb de» Gesetze« gestellt, eingesperrt oder gehängt. „Karl Marx plante die Befteiung der ganzen Menschheit von Unter- drückung und Knechtschaft. Er war ein Mann von erhabenem Geist, ausgerüstet mit allem Wissen seiner Zeit. Er hat die Liebe der ganzen Menschheit verdient. Er hat Außerordentliche« geleistet und erst später wird der ganze Umfang seines Wirken« gewürdigt werden können. Karl Marx proklamirte fruchtbare Ideen, die sich m der Internationalen Arbeiter-Affoziation verkörpert haben und die den Arbeitern der ganzen Welt den Schlachtruf in den Mund gelegt haben. Er widmete sein ganze« Leben den Enterbten und vernachlässigte seine eigenen Jntereffen, indem er sich dem Hasse der Mächte bloßstellte, welche ihn außerhalb de« Ge- setze« erklärten. Indem er der Menschheit Alle« gab, gab er mehr, al« irgend ein Anderer tonnte, er gab sich selbst I Sein Verlust für uns ist groß. „Genossen überall, vereinigt Eure Wehklagen mit den Unsrigen. In vielen Werkstätten unsere» Lande« find die Augen der Arbeiter heute feucht, weil ein Träger de» Licht» gesunken ist. Hunderte junger Stu- deuten in vielen Ländern trauern um ihren Meister. Seine Schüler in den Gesängnissen von Deutschland, Oesterreich, Rußland, Spanien und Italien weinen um ihn; aus den Steppen von Sibirien wird um ihn gewemt.- Aber, obwohl er gestorben, er ist nicht tobt, er lebt in den Herzen der Menschheit und sein unsterblicher Geist weilt unter uns l(Sich nach dem Bilde von Marx wendend): Bleibe bei un» mächtiger Schatten, und dennoch, fahre wohl, theurer Freund, fahre wohl l"(Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Dr. Adolf D o u a i: „Bor Deutschen und in deutscher Sprache die Bedeutung von Karl Marx zu würdigen, heißt eigentlich Wasser in» Meer tragen. Diejenigen Deutschen, welche noch nicht seine Schriften, vor allen„Das Kapital", gelesen, d. h. studirt haben, sind zu bedauern, wenn sie dazu noch keine Gelegenheit gehabt haben; wenn sie es aus anderen Gründen nicht gethan, sind sie zu verurtheilen. Ganz besonder» die Gelehrten, für welche da« Studium diese« streng wissenschaftlichen Werke« keine Schwierigkeit hatte, wie für Hunderte, ja Tausende von Arbeitern, welche nicht abließen, bi« sie es verstanden. Es gibt in der ganzen Ge- schichte der Wissenschaften nicht« Schmachvollere« al« die Art, wie deutsche Gelehrte, selbst Fachgelehrte de« Marx'schen Fache«, sein Werk behandelt, d. h. wie sie es todlzuschweigen gesucht haben. Wenn sie die Ergebnisse einer so bedeutenden Forschung nicht billigten, so war es ihre wissenschaftliche Pflicht, e» zu widerlegen; wenn sie daran zu berichtigen fanden, e« zu berichtigen; wenn sie e» nicht widerlegen oder berichtigen konnten, die» einzugestehen. So gebeut e« da« wissenschaftliche Ehrgefühl und Gewissen. „Die Regierungen aber und die Ausbeuterklasse haben da« unwider- legliche Werk, sobald e« von Tausenden intelligenter Arbeiter begriffen war, dadurch geehrt, daß sie die Verbreitung feiner Wahrheiten verboten haben. Sie haben Ausnahmegesetze gegen die Anhänger von Marx erlassen, sie haben ihnen Rede-, Preß- und Bersammlungk-Freiheit ent- zogen und dadurch bewiesen, daß da« Werk unwiderlegliche Wahrheit enthält und daß mit Gewalt deren Ausbreitung verhindert werden muß, wenn sie selbst fortbestehen sollen. Ja, in ganz Europa, die Schweiz und England ausgenommen, ist dem Worte, welches Wahrheit spricht, Gewalt entgegengesetzt, und für die Anhänger de« Marx gibt e« keine Redefteiheit mehr. Hat man je einem wissenschaftlichen Werke ein schlagendere« Werthzeugniß ausgestellt als diese«? Aber damit hat mau zugleich dem arbeitenden Volke gelehrt, daß Gewalt nur durch G e- w a l t vertrieben werden könne. Man hat von oben herab bestätigt, wa« Marx bewiesen hat,„daß die Gewalt noch immer die Hebamme aller großen Neuerungen gewesen fest" „Als Deutschen geziemt e« un«, diesen Stolz der Nationalität, diese« unsterbliche Verdienst unseres Marx zu würdigen. Kein Gelehrter unserer Nation hat in seinem Fache Größere» geleistet al« Marx, selbst nicht K o p e r n i k u s, der die Himmelskunde revolutionirte. Er hat diejenige Wissenschaft revolutionirt, welche da« allgemeine Volkswohl aller Völker am tiefsten berührt, welche mehr als die Religion, mehr selbst al« die Naturwissenschaften, oder die Geschichte auf alle Menschen einwirkt. Er hat seinem Volke die größte Ehre unter allen Gelehrten, und allen Völkern die größte Wohlthat erwiesen." S. E. S ch e w i t s ch: „Dies ist die größte internationale Versammlung, die ich jemals ge- sehen habe. Diese Tausende, die ich hier vor mir habe, find entschlossen für die Ideen de« unsterblichen Marx zu leben und zu sterben!(Großer Applaus.) Ich will jetzt zu meinen russischen Landsleuten reden und ich versichere die Bürger diese« Lande«, daß die russische Jugend, die russischen Studenten, die Ideen von Karl Marx kennen, daß sie sür sie in Kerkern und Bergwerken schmachten, und daß, so lange es noch russische Revolutionäre gibt, so lange werden sie nicht aufhören, Marx' Ideen zu verbreiten und für ihre Verwirklichung zu kämpfen!" Der Redner sprach dann mehrere Minuten lang in russischer Sprache, woraus er eine deutsche Ansprache hielt, die mit den Worten begann:„Es lebe Karl Marx!" (Großer Jubel.) Die Ideen von Marx leben und werden in alle Ewig- keit leben. Die Größe von Marx besteht darin, daß er der Welt sagte, weshalb, um was sie kämpfe. Er hat nachgewiesen, daß die Eutwickelung der Bourgeoisie, wie sie jetzt ist, eine geschichtliche Nothwendigkeit war. Die kolossale, die welterobernde Kraft, welche au» seineu Werken spricht, besteht darin, daß er nachweist, daß au« den bestehenden Verhältnissen sich die kapitalistische Produktionsweise entwickeln mußte. Die Internationale war die Verkörperung seiner Werke. Der Mann, der das„Kapital" schrieb, konnte nicht anders, er mußte der Gründer der Internationale werden I Die Internationale ist nur der Form nach todt, aber in der Wirklichkeit wird und kann sie nicht sterben, sie lebt und wird immer leben, auch wenn die Völker verbrüdert und befreit sein werden. Lasset un« heute geloben, für die Ideen, welche Karl Marx ausgesprochen, zu leben, zu kämpfen und auch, wenn'« nöthig werden sollte, dafür zu sterben!(Großer Beifall.) E« sprachen hieraus noch JosephBunatain böhmischer, The oph il; Millot in französischer, Mc. Guire in englischer und Johann M o st in deutscher Sprache. Eine Resolution, welche den durch Marx' Tod erfolgten unersetzlichen Verlust sür die Sache der Arbeit tief beklagt und gelobt, niemals da» große Wort:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch l" zu vergessen, wurde mit rauschendem Beifall begrüßt und dann die Feier mit dem Vortrage eines Liebe« geschlossen. — Niedriger hängen. Mit einer Ausnahme, sagten wir in letzter Nummer, legte die sozialistische Arbeiterpresse Zeugniß dafür ab, wie klar sie sich der Bedeutung von Karl Marx ist. Diese eine Ausnahme ist— der Pariser„Prolctaire". Dort thul Herr Paul B r o u s s e unfern großen Lehrer in folgender Weife ab: „Marx zeigte sich al» ein gewaltiger Denker und in ökonomischen Dingen(nur in ökonomischen?) al« ein Analytiker und Kritiker ohne Gleichen. Er erörterte zunächst systematisch die Idee einer materialistischen Geschichtsausfassung und wenn der Sozialismus eine wissenschaftliche Bahn eingeschlagen hat, um sie nicht wieder zu verlassen, so verdanken wir da» ihm. Aber muß man darum mit Herrn Engel« erklären, daß die Marx'sche Lehre da« G l a u b e n« b e k e n n t n i ß de» universellen Sozialismus ist, oder mit Herrn Lawroff, daß da«„K a p i t a l" da» sozialistische Evangelium ist? Muß man mit den Frommen der Pariser „Verwachsung" in vollständige Uebereinstimmyng mit seiner Lehre treten? Da« wäre übertrieben. Marx war ein großer Mann, er ist kein Gott. WieOwen, wie Saint Simon, wie Proudhon ist er heute ebenfalls überholt, die wissenschaftlichen Arbeiten der Neuzeit haben die Grundlagen der materialistischen Geschichte bedeutend erweitert, und wa» die kommunistische Eutwickelung de« Eigenthum» an« betrifft, so läßt die Theorie der„öffentlichen Dienste", die aus den außerhalb de« Marx'schen Einflüsse« stehenden internationalen Kongressen von Brüssel und Bern 1874 und 1878 entstand, den Marx'schen Kommunismus weit hinter sich in der Utopie." So Herr Brousse, weiland Mitglied der bakunistischen Allianz, Auar- chist par excellence und glühender Verehrer von Hödel und Nobiling. Was sollen wir dazu sagen? War es nicht wirklich schwere« Unrecht von Herrn Lawroff, dem Verfasser der„historischen Briefe", in dem die russischen Sozialisten seit Jahren ihre bedeutendste geistige Kraft erblicken, erst bei Herrn Brousse, den er ja in Pari« so reichlich Gelegenheit hat, zu sehen, über die Bedeutung des„Kapitals" anzufrageu? Von den Ignoranten Engel« und Lafargue ganz abgesehen. Diese Leute wissen gar nicht, wa» in der wissenschaftlichen Welt vorgeht, daß Marx längst überholt ist, überholt von der Wissenschaft, überholt von den Herreu Brousse und Genossen I Die„Theorie der öffentlichen Dienste", davon habe ich ja noch gar nicht« gehört, mag hier mancher unserer Leser ausrufen. Leider, müssen wir beschämt gestehen, haben wir bisher noch die Gelegenheit verabsäumt, unsere Leser mit dieser großen Neuheit bekannt zu machen. Doch wir können daS schnell nachholen. Wohl Jeder von un» hat schon in Agitation»- Vorträgen und Diskussionen die Gegner de» Sozialismus daraus hin- gewiesen, daß wie schon heute öffentlich- Anlagen, Museen ,c. auf Kosten der Gesammtheit dem Einzelnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, so in der sozialistischen Gesellschaft der«reis dieser gesellschaft- lichen Leistungen immer mehr erweitert wird, bi» der kommunistische Grundsatz„Jedem nach seineu Bedürfnissen", zur Verwirklichung gelaugt ist. Dieser gemeinplätzliche Gedanke ist die angeblich in Brüssel und Bern ausgeheckte Neuheit, die Marx und seinen Kommunismus weit hinter sich„m der Utopie" zurückläßt. Wie konnte dieser Marx auch 1847 im kommunistischen Manifest schreiben: „Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung de» Proletariat« zur Klasse, Sturz der Bourgeoisieherrschast, Eroberung der politischen Macht durch da« Proletariat. Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs aus Ideen, aus Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt find." „Das Proletariat wird seine politische Herrschast dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alle« Kapital zu entreißen, alle Pro- duktions-Jnstrumenle in den Händen de« Staat«, d. h. de» al« herrschend- Klasse orgauifirteu Proletariat« zu zeutralisiren, und die Masse der ProduktionSkräste möglichst rasch zu vermehren." Oder 1871 in der Adresse de« Generalrathe« der Internationalen über den„Bürgerkrieg in Frankreich": „Die Arbeiterklasse verlangte keine Wnnder von der Kommune. Sie hatte keine ßx und fertigen Utopien durch Bolkabeschlnß einzu- führen. Sie weiß, daß, um ihre eigne Befreiung und mit ihr jene höhere Lebensform hervorznarbeiten, der die gegenwärtige Gefell- fchaft durch ihre eigene ökonomische Entwicklung unwiderstehlich ent- gegenstrebt, daß sie, die Arbeiterklasse, lange Kämpfe, eme ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die Menschen wie die Umstände gänzlich umgewandelt werden. Sie hat keine Ideale zu verwirklichen; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die sich bereis im Schooß« der zusammenbrechenden BonrgeoiSgesellschaft entwickelt haben. Im vollen Bewußtsein ihrer geschichtlichen Tendenz, und mit dem Heldenent- schluß, sich ihrer würdig zu zeigen, kann die Arbeiterklasse sich be- gnügen, zu lächeln gegenüber den plumpen Schimpfereien der Lakaien von der Presse, und gegenüber der lehrhafteu Protektion wohl- meiuender Bourgeois- Doktrinäre, die ihre unwissenden Gemeinplätze und Sektirermarotten im Orakel- ton wissenschaftlicher U u s e h l b ar k e i t abpre» d i g e u." Doch wozu weiter zitireu, jede Seite iu Marx' Schriften, vor allen Dingen sein„Kapital", zeigen un« den Utopisten, dem man, um sich nicht gar zu sehr zu blawireu, kritische Schärfe allenfalls zuerkennen mag, sonst aber einen mitleidigen Fußtritt versetzt— nun, da er todt ist. So lange er lebte, verleumdete man seinen Charakter— Marx Pflegte persönliche Angrisse, wo er nicht antworten mußte, zu ignorireu— uun er todt ist, seine Leistungen. Aber da« Eine wie da« Andere wird zer- schellen an der Wahrheit, auch wenn die Angreifer nicht blo« in der Kunst der Verläumdung Leistungen aufzuweisen haben sollten. Hören wir indeß Herrn Brousse zu Ende: „Ich hätte noch von Marx al» Agitator zu reden. Aber aus diesem Gebiet müßte ich seine Rolle in der„Internationale" und seinen Ein- fluß in den verschiedenen„Arbeiterparteien" behandeln. Hier mache ich Halt. Ich bin nicht im Stande, eine Zeile zu schreiben, die den Schmerz semer Freunde und Berwandten verhöhnen könnte, aber al» Feind aller feigen GewissenSbeschwichtiguogen könnte ich mich nicht entschließen, die Wahrheit zu überschminken." Dieser Schlußsatz hat natürlich auch nur den Zweck, unter dem Schein der zarten Rückfichtnabme dem lobten Löwen einen Fußtritt zu versetzen. Wollte Herr Brousse wirklich Rückficht üben, dann konnte er schweigen, diese zarte Andeutung aber ist perfider al« der gröbste Angriff. Wie wir die Freunde Marx' kennen, kann sie diese Art nur beleidigen. Marx' Charakter und Handlungen liegen offen da und brauchen keine Kritik zu scheuen. Am allerwenigsten aber die eine« Manne«, der die Lehre, in deren Namen er 1872 gegen Marx intriguirte, heute selbst verwirft oder wenigstens verleugnet. Und damit genug von diesem Thema. Wer un« etwa wieder Ber- letzung der internationalen Höflichkeit vorwerfen sollte, dem antworten wir: Herr Brousse ist nicht die sranzöfische Arbeiterpartei, und wir find zu sehr Feinde seiger Gewissensbeschwichtigungen, um die Wahrheit zu überschminken. Wer aber meint, daß wir mit diesen Zeilen Herrn Brousse zu viel Ehre erwiesen haben, dem gesteheu wir zu, daß er Recht haben mag. — Dasersolgreiche Attentat auf den Thüringischen Minister Wangenheim hat zwar unter den höhereu Beamten einigen Schrecken verbreitet, allein es ist Niemandem eingefallen, der That politische Be- deulung beizumessen und sie zu politischen Zwecken ausbeuten zu wollen. Und doch ist die Aehnlichkeit mit dem Nobiling-Attentat geradezu frappant. Hanss gleich Nobiling war ein Mann mit stark entwickeltem Selbst- und Ehrgefühl; Hanss wie Nobiling war durch ein von seinen Vorgesetzten ihm zugefügte«(wirkliches oder vermeintliches) Unrecht erbittert worden; Hanss wie Nobiling beschloß, sich um« Leben zu bringen und„Einen mitzunehmen"— und zwar Denjenigen, welchen er iu erster Linie für da« ihm zugefügte Unrecht verantwortlich machen zu müssen glaubte. Kurz in den wesentlichsten Punkten die ausfallendste Aehnlichkeit. Bei der Beurtheilung und Behandlung beider Attentate dagegen welche Berschiedenheit. Während bei Hanss die privaten Motive so ausreichend erachtet werden, daß kein Mensch daran dachte, nach politischen Motiven zu suchen, wurden bei Nobiling die ossen zu Tage liegenden privaten Motive geflissentlich ignorirt, und politische Motive erfunden. Zu dem bekannten Zweck I Jeder, der kein Brett vor der Stirn hatte, wußte e« freilich von vornherein, daß da» reaktionäre Geheul über die Nobiling-Schüffe bloß einer erheuchelten oder künstlich erzeugten Tollwuth entstamnite, und da« in- famste Stück politischer Heuchelei war, welche« je von Schurken inszenirt und unter Mitwirkung von Dummköpfen durch- und aufgeführt wurde, allein e» ist immerhin recht nützlich, an einem schlagenden Beispiel, durch Vergleich und Analogie, die Niederträchtigkeit jene« Attentats-Siaat« streich« ack ocalog zu demonstriren I Beiläufig hat sich hiutennach herausgestellt, daß Hauff mit seiner Be- schwerde vollkommen Recht hatte. Und komischer Weise soll der er- schossene Minister unmittelbar vor dem tödtlichen Angriff da« Dekret zur Rehabilitirung und Wiederanstellung Hanss'« unterzeichnet haben, nachdem er denselben zwei Jahre lang hatte warten und zappeln lassen. Da« ist ebenso wunderbar, wie das Histörchen, daß Czaar Alexander II. „gerade" am Morgen de» Tag«, wo er hingerichtet wurde, den Wünschen der Nihilisten entsprochen, und eine Verfassung unterzeichnet haben sollte — die heruach aber wieder spurlos verschwunden ist. Ebenso wunderbar und ebenso— wahr! — Mehr wider Willen. Wenn unsere Gegner über neuttale oder doch momentan vom politisch-sozialcn Parteikampf unberührte Themata schreiben, pasfirt e« ihnen oft, daß sie unwillkürlich die Wahr- heit sagen und sich die merkwürdigsten Gestäudnisse entschlüpfen lassen. E« ist leicht, Beispiele, zum Theil der ergötzlichsten Art, beizubringen, und Jeder von un» ist iu der Lage. So finden wir zum Exempel in der letzten wissenschaftlichen Beilage der hochkonservativen„Leipziger Zeitung", de» amtlichen Organ« der sächsischen Regierung, folgende zwei Aussprüche: I) In einem Artikel über die französische Schreckenszeit der 90er Jahre de» vorigen Jahrhundert« lesen wir:„Die große Masse, der man wie heut« so viel versprochen und so wenig g«. halten— hatte da« Nachsehen." Der Verfasser de« Artikel« hatte natürlich nur die französische Schreckenszeit und die heutige französische Regierung im Auge. An die deutsche Regierung dachte er nicht. 2) Einem Artikel über den amerikanischen Schauspieler Booth, der gerade in Leipzig Gastrollen gegeben, schließt der Erzkonservative Hans Marbach, Sohn des ehemaligen Zensor« Oswald Marbach, wie folgt: „Es soll un» ein hossuuugsspeudende» Zeichen fem, daß Amerika, da» Land der Zukunft, un» diesen Vertreter der edelsten Muse herüber gesandt hat." Also Amerika, da» heißt die große transatlantische Republik ist dem Sohn de» sächsischen Exzensor» da« Land der Zukunft(„da« Land der Zukunft" ist im Original gesperrt). Und im amtlichen Organ der konservativen sächsischen Regierung wird hiermit ausdrücklich die �kpublik als die StaatSsorm der Zukunft anerkannt! Ist da« nicht köstlich? — Einen argen Schreck wird Sparig gehabt haben, al« im„Leipziger Tageblatt" vom 22. März nachsteheuden Bericht la«: „Landgericht Leipzig. Strafkammer II. Die aus Verleitung z u m M e i n e i d gesetzte geringste Strafe besteht in eiuemJahr Zuchthaus. Aus solche mußte da» Gericht in der gegen den Schlosser Johann August Gottftied H e l l s r i tz s ch au« Schilbach erkennen. Der genannt« Angeklagte hatte bei seiner Abmeldung aus dem hiesigen Polizeiamte— er wollte eme Stelle in Altenburg au- nehmen— einige Umständlichkeiten gehabt und sich darüber in einer Restauratton am Südplatz m allerdings unziemenden Ausdrücken geäußert, deren Zeuge u. A. ein Polizeibeamter war, welcher ihm da» Ungehörige verbot und nachmal» Anzeige über den Vorfall er- stattete. Zu der betreffenden Schössengerichtsverhandlung waren mehrere Zeugen vorgeladen, unter Anderem ein gewisser Schumann, welcher in Hellftitzsch'» Stelle eingetreten war. Dieser besuchte eine« Tage» Schumann und da» Gespräch kam aus die bevorstehende Verhandlung, iu welcher auch ein gewisser Popp zeugen sollte. Letzterer erhielt einen Brief, iu welchem er zu jeiner dem Angeklagten günstigen Aussage ausgesorder» wurde; diesen Brief zeigte Popp anderen Personen und auch der bettessende Polizeibeamte nahm Kenntniß davon, so daß dieser Brief in die Hände der Behörde gelangte. Der Angeklagte versuchte zu bestreiten, daß er die Polizeibeamten beleidigen und eine Ber- leitung zu einer falschen Aussage habe veranlassen wollen; allein der Gerichtshof erachtete den Schuldbewei« für er- bracht, um gegen Hellftitzsch aus die im Eingange erwähnte Sttafe nebst zwei Jahren Verlust der Ehrenrechte zu erkenneu." Bekanntlich wurden in der Gerichtsverhandlung zu Nürnberg gegen Sparig Briefe de« Letzteren vorgelesen, au« welchen erhellt, daß er seinen ehemaligen Freund, den Branddirektor Weigand in Chemnitz, zur Nicht- abgab« seine» Zeugnisse«, beziehungsweise zu falschen Aussagen zu ver- leiten suchte. Wenn da» Gericht sich der Sache bemächtigte, würde e« Herrn Sparig schlecht ergehen, fintemalen ein Jahr Zuchthau»„die auf Verleitung zum Meineid gesetzte geringste Sttafe" ist. Freilich, da« Gericht wird sich der Sache nicht bemächtigen, weil Herr Sparig— Sparig ist. — Heldengreisliche«. In deutschen Blättern lesen wir— al« ernsthaste Lektüre— solzende Anekdote:„Marsch iren k ö n- n e u s i e nicht. Bon dem neulichen Kostümfest, welche» in Berlin stattfand, wird ein Scherzwort de« Kaiser» Wilhelm berichtet. Al» die Künstler vorbeigezogen waren, fragte Jemand den hohen Herrn, wie ihm da» gefallen habe. Lächelnd antwortete er:„Ganz vorttesslich und voll- ständig über meine Erwarwngen l Aber— marschiren können sie nicht I" —„Aber marschiren können sie nicht!" Das heißt: nicht im Stechschritt. Homer, Dante, Raphael, Schiller, Göthe— sie Alle konnten„nicht mar- schiren"— nach der Hohenzollern'schen Weltanschauung find sie alle nur Menschen zweiter Klasse. Da» Roß aber, da» den richtigen Regiment«- Trab gelernt hat, ist ein- Mensch erster Klasse nach dem bekannten Hohenzollern'schen Pserdestall-Jdeal, jedenfalls mehr werth als ein Homer, Dante, Göthe und andere unmilitärische Genie«. Apropo«: Die Armee ist die beste Volksschule. In Sachsen wartet jetzt ein„dreifacher Mörder" auf die Hinrichtung, der ein musterhafter Soldat war, und in Magdeburg haben sie jetzt einen Mörder schlimmster Sorte ergriffen, der ebenfalls ein Mustersoldat war. Daraus erhellt, daß die Armee, wenn sie wirklich eine Schule und eine so gute Schule, daß sie eine Schule für Mord, Todtschlag und sonstige königliche Lieb- habereien sein muß. — Stimmt ausfallend. Im„Hamburgischen Korrespondent" finden wir folgende Charakteristik eines genialen Staatsmannes:„Der „große Patriot" opfert dem Wunsche, seine Söhne dahin zu bringen, „daß dieselben ihn der Welt ersetzen können"(der eine in der Politik, der andere„bei den Damen") alle Rücksichten de« politischen Anstckhde«, der hochgeborene Aristokrat läßt seinem Geize so maßlo« die Zügel schießen, daß die Beamten seine» Ressort» die telegraphische Depesche be- zahlen müssen, in welcher er sich für die bei seinem Dienstjubiläum be- reiteten Ovationen bedankt." Und so weiter, und so weiter. Die beiden Söhne, die von dem Bater pousfirt,„bei den Damen" und in der Politik allerhand sonderbarliche Abenteuer erleben, heißen nicht Herbert und Bill; und der„große Patriot", der so geizig und habsüchtig ist, daß er seine Privatdepeschen vom Staat bezahlen läßt, dem Staat die schuldigen Steuern vorenthalten will und ähnliche Allotria zu Gunsten seiner Privattasche tteibt, oder trieb, heißt— Gortschakoff. Nur keine Verwechslung I — Polizistische«, oder wie es gemacht wird. Au« Karlsruhe, Mitte März, schreibt man un»: Ein Parteigenosse theilt un« mit, daß in den Kreisen der Genossen folgende Anekdote zirkulirt. In F r e i d u r g interesfirt sich die Hochlübliche für einen Partei- genossen(der, nebenbei bemerkt, weit ungefährlicher ist, al« an„hoher" Stelle geglaubt wird) so sehr, daß er iu einer Wocye sowohl Privat- Besuch vom Herrn Polizeikommissär, einem alten Bekannten der Psorz- heimer Genossen, al« auch amtlichen Besuch eine» uniformirten Polizei- soldateu erhielt. Der Herr Polizeikommissär unterhielt sich in der fteundschaftlichsten Weise mit unserem Freunde über die Freiburger Klauenseuche. Er wollte ihn nicht auf da« Polizeibureau bemühen, wahrscheinlich um die Wohnung«- Verhältnisse der Proletarier zu studiren. Der Polizeisoldat fing, wieder iu sreuudschaftlichster Weise, ein Verhör an, ob er einen gewisse» Dreesen al« Arbeiter hätte, der in einem Verhöre zu Frankfurt a. M. angab, daß er seine Militärpapiere bei ihm zurückgelassen habe. Der Partei- genösse erklärte, daß er davon nicht« wisse, mußte die« schreiben und mit seiner Unterschrist bezeugen; dieser letztere Stteich gelang der Polizei noch bei ewigen Leuten, die die Hochlöbliche in ihrer Weisheit für fs-f Sozialdemokraten hielt. Wahrscheinlich beabsichtigt die Polizei sich ein Antographen-Album(eme Handschristeu-Sammlung) unserer Genossen anzulegen. Also ausgepaßt.— Genossen seid auf der Hut! — Au« Sachsen schreibt man'uns: Da« Waldheimer Lokalblatt enthält folgenden„Dank" der gefammten Bauarbeiter von Kriebstein und Kriebethal:„Unserm allverehrten Arbeitgeber Herrn Albert Niethammer für die uns freundlichst geschenkten, an» eigen« dazu angefertigtem Papier hergestellten neuen Landesgesangbücher unfern aufrichtigsten Dank". Wa« sich„die gesammten Bauarbeiter von Kriebstein und Kriebethal" für dieses splendide und moralische Geschenk wohl„kaufen" können? Und woran» da«„eigen« dazu angefertigte Papier" wohl bestehen mag? Gewiß au» Lumpen der besten Sorte. Jedenfalls kann an dem Lumpen-Ursprung de« Geschenke» kein Zweifel sein. Herr Albert Niet- Hammer, bekanntlich mit Hilfe sächsischer Kreis- und Amtshauptleute wohlbestellter, jedoch vom böseu Reichstag„beanstandeter" Reichstags- abgeordneter, hat in der Nähe Waldheim's eine Papierfabrik und son- stige Fabrikanlagen, ist ein außerordentlich frommer Manu, und tteibt da«„praktische Christenthum" nebst obligater Selbstberäucherung(auch obiger„Dank" rührt von ihm her) ganz geschäftsmäßig. Er ist ein so- genannter„Muster-Arbeitgeber", ttieft von Arbeiterfreundlichkeit, hat allerhand philantropische Einrichtungen gettoffen, die sehr wohlfeil sind, dafür aber, weil sorgsam an die große Glocke gehängt, eine höchst wirk- same und einttägliche Reklame bilden. Natürlich beulet er seine Arbeiter nach Noten und mit Methode au«, wie e« nur ein„praktischer Christ" kann, und ist ein wahrer Fabrikpascha, wa« ja auch zum„praktischen Thristenthum" gehört. Korrefpondenzm. — vkattbor, Anfang» März.(DieHerreu von derStaat»- a n w a l t s ch a f t an der Arbeit.) E« war am 15. Febr. d». I»., al« e» obengenannten Herren wieder einmal emfiel, am hiesigen Orte eine ordentliche Rundschau zu halten, und zwar nach dem verbotenen Gift, den„Sozialdemokrat". Die Berurtheilung de» Genossen K l a p» hatte doch nicht» genützt, es mußten doch noch mehr solcher Elemente in unserem Orte sein, de, m der„S." fand hier wie immer seine Berbrei- tung. Um aber denselben da« Handwerk ordentlich zu legen, ehe Klap» wieder au« dem Gefängnisse entlassen wird,(seine Zeit ist am 20. März zu Ende) so begab sich nun der Herr Polizei- Commissarm» mit noch zwei Herren von der Staatsanwaltschaft am 10. Februar zu dem Werk- sührer Paul Fläschel, um dort während der Abwesenheit desselben (denn Fl. war iu der Fabrik) einmal ordentlich zu plündern. Fast kein Gegenstand in der Wohnung blieb unberührt, die Betten wurden über den Hausen geworfen und tüchtig durchstöbert, um da» corpus delicti zu entdecken. Leider waren alle Anstrengungen umsonst, wa« die Herren suchten, wurde eben nicht gefunden. Beschlagnahmt und versiegelt wur- den 15 Broschüren, darunter einige verbotene. Das genügte aber den Herren nicht, da« Gift mußte doch gesunden werden, und so begab man sich gleich darauf in die Wohnung eine« ebenfalls bekannten Genossen, de» Werkführer« Kluge, wo man gleichfalls in Abwesenheit de« solcher- maßen Beglückten zu schnüffeln begann. Suchet, so werdet ihr finden, heißt» im Evangelium, deshalb fanden die Herren denn auch allerhand, aber wiederum nicht da» Gesuchte. Und sie gaben sich doch solche Mühe l Wenn etwa« vom Schrank heruntergelangt wurde, so ertönte immer da« Wort„verboten", und wa«„verboten" war, wurde von den Herren schlankweg beschlagnahmt. Indeß ward ihnen doch klar, daß sie auf solche Weise nicht» definitive« feststellen konnten, und so hals man sich ebenso genial wie einfach damit, daß man gegen Fläschel und Genossen Anklage wegen Verbreitung verbotener Druckschriften erhob. Da aber nicht die geringsten Belastungsmomente vorhanden find, und man vor dem Untersuchungsrichter aus unseren Genossen auch nicht« herausbekommen konnte, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Klage verworfen werden wird. So Ihr Herren, die Ihr mit Eurer Schlauheit nicht einmal Spitz- buben und gemeine Verbrecher absangen könnt, bei un« Sozialisten kommt Ihr erst recht zu spät. Diese unsere vernünftige Idee hat selbst in dem kleinsten Orte Wurzel gesaßt, und Ihr seid am allerwenigsten im Stande, sie auszurotten, denn Ihr kommt doch immer bei solchen Sachen zu spät, trotz Ausnahmegesetze, Ausweisung und Einkerkerung. Denn Verfolgungen schassen nur Märtyrer und kräftigen die Sache, die sie zu zerstören suchen. Wir halten an dem Banner, da» wir erfaßt, fest, bi» der Tag unserer Abrechnung kommt, und schließen deshalb mit den Worten: Wir kämpfen alle Mann für Mann Für freie Menschenrechte, Weit lieber All' zu Grunde geh'n Als dienen wie die Knechte. Die Genossen zu Ratibor. — Crimmitschau in Sachsen. Vom hiesigen Stadttath ist eine Verordnung erlassen worden, durch welche die Bettelei gründlich abgeschafft werden soll.„Jede Verabreichung von Gaben an Bettler jede« Standes, Alter« und Geschlecht»„Seiten» Privatpersonen" wird mit einer Geldbuße von 1 Mark, und im Rückfalle von 5 Mark bestraft. Da« ist radikal. Wir gestehen, wir sind keine Freunde der Bettelei und der Bettler und wahrlich auch nicht de» Almosengeben«, allein wenn Jemand zu bestrafen ist, so sind es doch diejenigen, welche die Bettelei erzeugt, und fleißige Menschen zu Bettlern gemacht haben, und nicht die, welche den Bettlern Almosen verabreichen. Gewiß: mit Almosengeben ist nichts genützt, aber wer Almosen gibt ist immerhin doch unter sonst gleichen Bedingungen ein humanerer Mensch, al« wer Almosen verweigert. Der wohllöbliche Crimmitschauer Stadt- rath hat im wahrsten Sinne de» Wort« eine Strafe aus die Humanität gesetzt— die allerdings in unserem Zeitalter der Mords- kultur und de« MordSkulluS einem Normalbürger und gar Normal- beamlen unsere« modernen Klasseu-Polizei- und MilitärstaateS als ein Nebel und Verbrechen erscheinen muß. Originell ist, daß unser Crimmitschauer Stadttath von Bettlern„jede» Stande«" spricht! Sollte ein sozialdemokrattscher Spaßvogel diesen Ausdruck in die Verordnung eingeschmuggelt, und dadurch die Wohl- löblichen in den Verdacht zu bringen gesucht haben, sie glaubten, es gebe auch in den oberen Ständen Bettler(und in diesen erst recht)— z. B. Fabrikanten, die StaatShülse in Gestalt von Schutzzöllen erstrebten, Beamte bis zu den höchsten und allerhöchsten, die Gehaltserhöhungen forderten u. f. w. u. f. w. Und daß bloß Privatpersonen da» Almosengeben bei Strafe verboten ist— das steht ebenfalls einem sozial« demokratischen Kukuksei ähnlich wie ein Ei dem andern. Nicht privat- Personen, also Fürsten, Regierungen, Abgeordneten ist es hiernach erlaubt,„Bettlern jede» Stand«" Dotationen, Gehalt»- erhöhungen, Schutzzölle u. s. w. al« Almosen zu verabreichen. Ist die ganze BiSmarck'sche Zoll- und Steuerreform nicht im Grunde ein Almosen, gezahlt oder zu zahlen an die„B e t t l e r jede» Standes", welche vom Reichstag und der ReichSregierunz Unterstützung verlangt haben, und welche zufälliger Weise bloß den oberen und herrschen. den Ständen angehören? Purer Zufall! Denn eigentlich schlägt, wie man weiß, da« Herz unsere» Reichskanzler« al» Anwalte« des„armen Mannes" für die niederen Stände. Schade nur, daß sie von der Liebe nicht» verspüren, oder richtiger nur wenig Liebsame», z. B. neue Steuern. Doch in der Bibel heißt'S ja schon: Wen Gott lieb hat, den züchtigt er. Und daß Bismarck,„der Anwalt des armen Manne»", ein Gott ist, wer wollte e» längnen?— Item, unser wohllöblicher Stadttath hat einen recht schönen und lehr- reichen Beitrag zur Jllustrirung der heute in Staat und Gesellschaft herrschenden Grundgedanken geliefert. Und dafür sagen wir ihm unseren Dank. — Mainz, Ende März. Viele Monate sind in« Land gegangen seit der letzten Korrespondenz von hier. Wie der Frühling Alle« belebt in der weiten Natur, so brachte auch diese Zeit wieder neue« Leben in die Parteibewegung. Da« Ei« des Winters ist gebrochen, und wie der Land- mann mit seinen im Winter hergestellten Geräthen frisch an die Arbeit geht, so haben die hiesigen Genossen wieder eine fefle Organisation ge- schassen, wozu die Wmlermonate benützt wurden, um im Frühling organisirt und gerüstet zu sein zum Kampfe für der Menschheit Wohl und Recht, da» in der Jetztzeit immer mehr mit Füßen getreten wird. Aus Sonntag, den 18. März, war eine große Volksversammlung ein- berufen, die aber von der zuständigen Behörde verboten wurde und zwar so spät, daß eine Bekanntmachung de« Verbote« nicht mehr möglich war. Um die sestgesetzte Stunde, Nachmittag» 3 Uhr, hatten sich Tausende vor dem Versammlungslokal eingefunden und al« Genosse V o l l m a r, der iu der Versammlung über die Arbeitergesetze und Sozialreform sprechen sollte, mit einigen Bekannte» erschien, wurde er aus'« Wärmste mit Hoch« aus ihn und die Sozialdemokratie begrüßt. Zu gleicher Zeit wurde ein Flugblatt in Tausenden von Exemplaren vertheilt, worin da» Verbot mitgetheilt war und da» eine scharfe Kritik gegen da» Verfahren der Behörde und den Sozialresormschwindel enthielt. Ein Theil mag hiermit zum Abdruck kommen, indem derselbe von allgemeinem Interesse ist. Derselbe lautet:„Nachdem die Versammlung bereit« seit 10 Tagen angemeldet gewesen, ohne irgendwie beanstandet zu werden, wurde sie in letzter Stunde durch den„liberalen" Provinzialdirektor verboten. Damit ist denn ausgesprochen, daß da« arbeitende Volk nicht einmal da« Recht haben soll, sich über seine allereigensten Angelegenheiten zu äußern und daß ihm von seinen angeblichen„Wohlthätern" nicht einmal da» Recht, da« man dem letzten Verbrecher vor Gericht nicht verweigert, zugestanden wird: vor der Entscheidung über sein Loo« ein Wort zur Bertheidigung seiner Interessen zu sprechen. Jeder Reaktionär und politischer Pfuscher, der sich au« de» armen Volke« Haut Riemen schneiden will, wird mit seinen Vorschlägen„zur Verbesserung der Lage de« Volke«" gehört; d a« Volk selbst aber, über dessen Hanl man verhandelt, muß schweigen und soll sich ohne Wimperzucken Dem überliefern, wa« Beamte, Junker, Kapitalisten, kurz wa« seineHerren über e« zu verfügen belieben! Ein vernichtenderesUrtheil über die vorliegenden Gesetze und über da» ganze System der„Sozial- reform" ist gar nicht denkbar! Wa« keine Kritik aushält, ist unter der Kritik; wa« da« Tage«lkcht s�eut, hat mit dem Bolk«wohl nicht« zu thuu! Unterdrückung jeder freien Meinung; Ausnahmegesetze gegen die wahren Vorkämpfer de« arbeitenden Volke«, die Sozialdemokraten; Polizeiherr- schaft; stetige Vermehrung des Steuerdruckes; Bertheueruug der Lebensmittel durch Zölle zum Vortheile der Reichen; politische und ökonomische Entrechtung und Ausbeutung der Millionen des Volke« zu Gunsten einer Handvoll Bevorrechteter—— das ist Alles, was da« Poll bisher von seinen Herren empfangen hat>.. Und man hat noch die Kühnheit, vom Volk„Vertrauen" zu ver- laugen I Nein, das arbeitende Volk hat kein Vertrauen zu den herrschen- den Klassen! Es erwartet von denselben keine Verbesserung seiner traurigen Lage, sondern ist der Neberzeugung, daß man mit der famosen„Sozialresorm" es nur vom rechten Weg zur Besxeiung abbringen, es auf'» Reue bethören und ihm neue Fesseln schmieden willl Die Befreiung de« arbeitendes Volke« wird niemals al« ein„Geschenk" von Oben kommen, sondern muß da« Werk de» Volke« selbst sein; sie kann nur auf demWege der Sozialdemokratie er- s o l g e u l" Die Polizei bemühte sich sehr eifrig, die Bercheilung möglichst zu verhindern. Besonders war es der Hochlöblichen ärgerlich, daß eine nicht unbedeutende Anzahl in die nebeuangelegeue Kaserne zu den Fenstern hinein vertheilt wurden. Hierauf ging« mit Hochs auf die Sozialdemokratie in Massen nach verschiedenen Lokalen, wo sich Genosse Vellmar hinbegab und sozialistische Lieder und Borträge weckten wieder manch alten Kämpfer aus der Saum- seligkeit und die Sache der Sozialdemokratie hat in Mainz wiederum einen Schritt vorwärts gemacht. So lange auf derartige Verbote von Versammlungen eine solche Antwort erfolgt, lebt die Sozialdemokratie im Volke kräftiger al« jemals zuvor. Deshalb, Genossen von Mainz, nur so weiter vorwärts und wir werden bald keiner Stadt der Welt verhältnißmäßig an Zahl und Energie nachstehen. Frisch auf zum fröhlichen Kampfe gegen Finsterniß und Bedrückung, denn der Sonnenausgang läßt sich nicht durch Purpurmäntel und Kutten verhängen. Die Polizei hat verschiedene Haussuchungen nach dem„Sozialdemokrat" vorgenommen und auch einen Genossen verhastet, jedoch nach 11 Tagen wieder entlassen. Zwei Arbeiter haben denselben denunzirt, er habe sich der Verbreitung des„Sozialdemokrat" schuldig gemacht, ihre Aussage beschworen und sind dann ausgerissen und zwar nach Pari«, wohin da« Nöthige bereit« mitgetheilt ist, um wenn möglich nicht» unbelohvt zu lassen. — Karlsruhe, Ende März. F ü r P u 1 1 k a m e r. In der dieser Tage stattgefundenrn Schwurgerichtsverhaudlung gegen die beiden Re- dakteure Gerber(Ultram.) und Zahn(Demokr.), welche wegen Beleidigung der Eisenbahnverwaltung durch die Presse angeklagt waren, von den Geschworenen jedoch freigesprochen wurden, leistete der hiesige Hochnationalliberale Oberstaatsanwalt Fieser einen köstlichen Beitrag zur Heiligkeit de« Eides! „Sie sind ein infamer Lügner", schlenderte der Herr Staatsanwalt einem beeideten Zeugen in« Gesicht, um das durch die Anklage zu Tage geförderte korrupte System zu retten. Nur eins ist möglich, Herr Staatsanwalt:„Entweder mußten Sie den in öffentlicher Ber- Handlung meineidig erklärten Zeugen sofort verhaften lassen, oder e« ist Ihnen im Eifer da« Geständniß entschlüpft, daß Sie selbst an die Heilig- keit des Eide» nicht glauben." Etstete« ist nicht geschehen, somit müssen wir das Letztere annehmen und begrüßen wir Sie al« Kämpfer gegen eine der schlimmsten ZwangSeinrichtungen der heutigen göttlichen Ordnung! E» ist köstlich, wie diese Stützen der göttlichen Ordnung oft wider Willen dazu gezwungen sind, dieselbe zu untergraben. So sagte einst der frühere Minister von Stößer im badischen Landtage: „Das Konzilium in Rom kam mir vor wie eine Menagerie"; auf das Geschrei der Römlinge antwortete die Opposition mit dem An«- spruche Pia Nona«:„Die protestantischen Kirchen sind öffentliche Häuser", und was sagt Wilhelm?„Die Religion, der Glaube, muß dem Volk erhalten bleiben"! Nicht wahr, Herr von Puttkamer:„Es sind schöne Stützen, diese Stützen der heutigen göttlichen Ordnung." Ein schlichter Arbeiter. — Mannheim, 24. März 1883. Zwei schreckliche Tage sind vor- über, Tage der Aufregung, aber nicht für uns, sondern für diejenigen, welche berufen find, darüber zu wachen, daß der Staat nicht ans dem Leim geht! Am 22. kam Genosse Vollmar hier an und bekam gleich — wie aufmerksam doch die Polizei ist— eine ganz nette unisormirte Dienerschaft, welche dafür zu sorgen hatte, daß unserem Genossen„kein Haar gekrümmt werde"! Am Abend genannten Tage« fand sich Vollmar in der„Hölle" ein, allwo ihn zirka 150 Parteigenossen erwarteten. An „Reden" war nicht zu denken, auch wurde von uns nicht beabsichtigt, „Reden" halten zu lassen, da sich die Diener der Hermandad sehr zahl- reich einfanden und dem Wirth Unannehmlichkeiten entstanden wären. Aber viel zu schlucken bekaqien die Pinscher! Genosse Vollmar erzählte uns, die wir lautlos zuhörten, die bekannten Kaltenbach'schen Stinkereien, die Polizeischurkereien K.— e« war eine harte Aufgabe für die nni- formirten Esel, die, wie e« den Anschein hatte, übrigen» die vielen Sticheleien und Polizeiblamagen gar nicht merkten; sie standen da, wie Opferlämmer, die zur Schlachtbank geführt werden sollen. Daß aber die hiesige Polizei die eselhafteste, dümmste Bande der ganzen Welt ist, lassen wir un« nicht nehmen, was wir nun beweisen werden. In der Familie de» Genossen Vollmar war früher während langen Jahren eine treue Seele al« Erzieherin de« jungen Vollmar. Dieselbe ist seit Jahren hier verheirathet an den Genossen Schaub. Vollmar freute sich,„seine Louise" wieder zu sehen und Louise weinte vor Freude, al» sie erfuhr, daß ihr ehemaliger Pflegebefohlener hierher komme. Es darf daher Niemand wundern, wenn sie in der„Hölle" an jenem Abend neben Vollmar saß und ihn andern Tag« auch im Gasthaus, allwo der- selbe abstieg, besuchte. Vollmar nannte sie„Louise", was der Polizei viel Kopfweh verursacht haben mag! Als sie gestern Mittag den Gasthof verließ, näherte sich so ein tölpelhafter Bengel von einem Schutzmann und schrie sie an:„Sie sind verhastet!" Unsere gute Louise— die noch keinem Menschen etwa» zu Leide that— fragte: warum, und wollte vorher noch ihrem Manne, den sie gleich nannte, Mittheilung machen. Aber pfiffig, wie so ein Gauner ist, erwiderte er mit schlauem Lächeln: „Kommen Sie nur, w i r kennen Sie schon I" Louise folgte also zur Wachtfiube, allwo sie folgende« Verhör zu bestehen hatte: Wer sind Sie und woher kamen Sie zugereist? Louise: Ich bin die Frau de« Schneider« Schaub und wohne schon jahrelang hier I Der Polizcib— engel: Lügen Sie nicht, wir kennen Sie, Sie sind die Louise Michel!!! Tableau! Frau Schaub hat sich nun sofort legitimirt, nichtsdestoweniger wurde sie nach dem Amt»gesängniß geschleppt, allwo sie sich bis auf'« Hemd entkleiden mußte. Die Kleider wurden nach Dynamit, Sprengbomben, revolutionären Schriften ,c. durchsucht— natürlich vergeben», denn woher sollte die schlichte Bürgerin zn so etwa« kommen? I Bon da an» mußte sie nochmals unter starker Eskorte zur Wachtstube, allwo man sie in Freiheit setzte I Wäre die Geschichte nicht so verflucht ernst, man wäre versucht, sich todt zn lachen übet den köstlichen Reinfall der bornirten Mannheimer Polizei! An« der einfachen Thatsache, daß Vollmar seine Erzieherin mit„Louise" anredete, deduzirten diese weisen Hüter de« Staate«, daß die» Louise Michel, die Kommnnardin sein müsse. Dieser einfache Um stand genügte, eine friedliche BürgerSsran von offener Straße wie einen Hund abzufangen und herumzuschleppen I Da« ist eine treffliche Illustration zur Sicherheit der persönlichen Freiheit im„Rechtsstaate", der solch einer korrupten und blöden Bande bedarf, um nicht über Nacht au« dem Leim zu gehen.„Die Lächerlichkeit tödtet"— sagt der französische ' Volksmund, unsere deutsche Polizei aber ist unsterblich in ihrer Vielseitigkeit. S i e predigt Haß und Verachtung unter der obrig- keitlicheu Eselskappe, den großen Haufen der Gleichgiltigen rüttelt sie auf durch da« schallende Gelächter, da« ihre unsterbliche Blamage der Welt entlockt. Frau Schaub hat sofort Beschwerde über die Verhaftung und die rohe Behandlung der Hallnnken erhoben; man kann zwar im Voran« sagen, daß da« nicht« nützen wird, denn Teufel« Großmutter kann doch ihr Enkelchen nicht verrathen. Aber da« Volk soll weiter erfahren, wie es gemacht wird, wenn e» gilt, dem Polizeiesel in der gesetzlichen Löwenhaut den Nimbu« der Macht und de« Ansehens zu retten und lernen mag es daraus, wie e» g e m a ch t w e r d e n m n ß, die ganze HanSwurst-Bagage schleunigst zum alten Plunder zu betten. Glückliche Reise und viel Vergnügen! Der s chwarze Rothe. — Genf, im März. Die deutschen Sozialisten allhier haben be- schloffen, eine internationale Brieftn.'rkensammlnng zu veranstalten, deren Ertrag zu Gunsten de« Uuterstützungssond« verwendet werden soll. Um aber einen Erfolg zu erzielen, ist es nothwendig, solche Sammlungen im Großen zu organisiren. Deswegen ersuchen wir alle Vereine in den verschiedensten Ländern, sowie alle Genossen, das Ihre zum Gelingen de» Werke« beizutragen. Es ist daher nothwendig, allüberall Verbindungen anzuknüpfen, Filialen zu errichten, Jemand zu wählen, der mit un» korrespondirt, Marken empfängt und abliefert n. f. w. Erst wenn die» vollständig organifirt ist, können wir auf einen nenneuSwerthen Erfolg hoffen. Genossen allerorts, an die Arbeit. Ts gilt einem guten Zweck. Wir alle korrespondiren. Die Briefmarken, die wir bisher meisten» dem Kehrricht Übergeben, sollen zu Geld— zu Brod gemacht werden, um manche Thräne der Familien zu stillen, die ihren Ernährer durch die in- same Sozialistenverfolgung verloren hat. Aber nicht blos da». Durch eine solche Verbindung sind wir in den Stand gesetzt, un« gegenseitige nothwendige Mittheilungen zu machen, uns zum frohen Schaffen anzü- spornen u. f. w. Wir ersuchen schließlich, vorläufig alle Briefe, Marken ,c. zu senden an den Vorstand des Deutschen Arbeitervereins Genf, ms Guillaume Teil. — London, 19. März 1883. Als ich Ihre Broschüre zu Geficht bekam, welche über die Polizeispitzelei in und außerhalb des heiligen deutschen Reichs interessante Ausschlüsse bringt, war für mich ganz be- sonder« interessant, daß ich aus einer der letzten Seiten die Adresse fand: 13 TaddiuAton Green, W. An diese Adresse, wußte ich nämlich, ging schon seit langer Zeit, unter dem Namen T h. Walker, ein Exemplar unseres Blatte»; und ich sah in dieser Thatsache einen neuen Beweis, daß wir hier immer von einem Corp« von Spitzeln um- geben sind, woran ich zwar nie gezweifelt, und deshalb schon immer sehr vorsichtig war. Heute biu ich in der Lage, Ihnen einen Beitrag zur Spitzelwirthschaft zu liefern, der immerhin für unsere Genossen interessant sein dürfte. Statt selbst zu schreiben, lasse ich lieber gleich folgen, wa» mein Ge- währsmann mir darüber mittheilt: „Es ist vielleicht nicht überall bekannt, daß in letzter Zeit von der vereinigten europäischen Polizei ganz besondere Anstrengungen gemacht werden, um die revolutionären Elemente abzufassen, und daß besonder« hier in London seit etwa 14 Tagen ein förmliches Armeekorps von Hauptspitzeln eingetroffen ist, um Rekruten zu werben und zu dressiren für den Dienst des„Baterlandes" der Angstmonarchen. So wenig nun daran zu zweifeln ist, daß e« der vereinigten Weisheit und Tugend der europäischen Hau«- und Heulmeier gelingen wird, selbst den letzten„Gentle- man" Europa'«, den alten Gladstone, zum Beitritt zur Büttelliga zu pressen, und so wenig im Grunde genommen die„Revolutionäre" sich daran kehren werden, so intereizaut muß e« doch für Alle sein, die e« einmal angehen könnte, die Personen zu kennen, welche die Mächtigen al« ihre« Vertrauens würdig erachten, und welche deshalb an die Spitze dieser polizeilichen Räuberbande gestellt werden. In den Dienst de« Herrn von Bismarck, oder vielmehr de« heiligen römischen Reichs„Schönhausen", ist da in letzter Zeit ein Mann ge- treten, der in London al« Gauner gefürchtet, al« �allunke berüchtigt ist, Gustav Ludwig heißt der Mann und wohnt 17 Bnelde Street. Nach seiner eigenen Angabe heißt er: Gbarle», Gustave, Louis de Bourbon und ist ein Nachkomme Ludwig XVI. Seines Zeichen« Baga- bund, kennen Hutten und Ge., Newgate Street, London, seine besondere Ehrlichkeit. Nebenerwerbzweig Loui«?— Nein, er zieht da« Geschäft in Kellnern und anderen Jünglingen vor. „Der hinterlistige Gustav" nennt ihn die Londoner Welt im Osten, in IVbiteebapel, wo hauptsächlich der Schauplatz seiner Thaten zn finden.— Also aufgepaßt auf diese polizeilichen Prätendenten." Soweit mein Gewährsmann. Sie ist doch interessant diese Sippschaft- Kompagnie: Bismarck, Wilhelm, Alexander, Bourbon, Schmidt, Loui», Nostiz-Wallwitz und Co. und sonstige Räuber und Banditen als Be- schützer der Ordnung und de« Eigenthum». Weiterer Kommentar Über- flüssig. Sprechsaal. Avis für Schreiner! Geehrte Redaktion! Im Interesse unserer Kollegen vom Tischlergewerk in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz ersuchen wir Sie, folgenden Zeilen in Ihrer geschätzten Zeitung Raum zu geben. Al« vor ungefähr drei Jahren die Auswanderung au« den oben- genannten Ländern nach den Bereinigten Staaten von Nord Amerika anfing, sich in einer Weife zu steigern, wie da» nie vorher der Fall war, da waren es ganz besonder» die Tischler, welche ein sehr starke« Kontingent zu den Auswandernden stellten. Die« hatte wohl hauptsächlich seinen Grund darin, daß gerade damals da« Geschäft in Deutschland im Niedergang begriffen war, während e« hier nach einer Periode der Geschäftsflanheit von einer Dauer von sechs Jahren anfing, fich etwa» zn heben. Tischler konnten verhältnißmäßig leicht Beschäftigung finden, und die Löhne waren, mit den derzeit in Deutschland Üblichen ver- glichen, nicht schlecht zu nennsn. Die Auswanderung nach hier nahm infolgedessen stetig zu bi» in die neuste Zeit, obgleich die Ber- Hältnisse seitdem wesentlich andere geworden find. Wie e« nicht ander» zu erwarten stand, hat da» emsige Fabrizireu plötzlich einem Stillstand Platz gemacht. Bus allen Städten der Vereinigten Staaten, wo unser Industriezweig überhaupt vertreten ist, gehen un» Berichte zu über übersüllteWaaren- Häuser und geschlossene, sowie ans verminderte Zeit bei rednzirten Löhnen betriebener Fabriken und über Tausende von beschäftigungslosen Arbeitern. Wa« die Lage der Arbeiter noch verschlimmert, ist der Umstand, daß die Lebensbedürfnisse und alle Bedürfnisse de? Arbeiter« während der letzten Jahre sehr theuer waren und es jetzt noch sind. Die» führt die Beschäftigungslosen um so rascher in Roth und Elend. In New- Dork ist die Zahl der Schreiner, welche schon seit Monaten keine Be- schästigung haben, enorm. Da nn« nun die Erfahrung belehrt, daß von Korporationen und Per« soneu, welche an einer starken Auswanderung ein direktes Interesse haben, nur Günstige« über die diesigen Verhältnisse verbreitet wird, während man alle« Ungünstige sorgfältig verschweigt, und daß dadurch vielen hier Einwandernde» bittere Enttäuschung und Noch bereitet werden, so sehen wir nn» veranlaßt, ans die oben angeführten Thatsachen aufmerksam zu machen. Diejenigen unserer Kollegen, welche au» irgendwelchen Gründen veranlaßt werden, die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika in Erwägung zu ziehen, werden deßhalb in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie unsere Warnung nicht un- berücksichtigt lassen. New-Dork, im März 1883. Mit Brudergrnß und Handschlag! Im Austrage de« Exekntiv-Komite» der Internationalen Möbelarbeiter-Union in Amerika: H. E m r i ch, korresp. Sekretär. 819 First Ave. Letzte Nachricht. — Genosse Vollmar soll am 3. April auf einer Reise von Kopenhagen, in Kiel verhastet und trotz Berufung auf die„U n- v e r l e tz b a r k e i t" der Volksvertreter während der Session, in Kiel festgehalten worden sein. Seine sofortige telegraphische Beschwerde an da« Präsidium de» Reichstage» kam zu dessen Kenntniß. Eine An- frage des Genossen Rittinghaufen aber um Auskunft, o b e i n e Benachrichtigung de« Reichskanzler« erfolgt sei, soll der Präsident(am 3. April) dahin beantwortet haben, daß dieselbe vor morgen früh nicht erfolgen könne. Immer etwa« dunkel zwar, aber dennoch wunderbar! — In Nenmünster(Holstein) verhafteten nach einem Telegramm der N. Z. Z. am 4. April Berliner Kriminalpolizeibeamte die aus Ko- penhagen kommenden Genossen Bebel, Dietz und Auer. Nach einstün- digem Verhör, worin dieselben jede Auskunft über einen angeblichen Kopenhagener Kongreß verweigerten, und nach Konfiskation der Schrift- stücke(?) erfolgte die Freilassung. Auch Genosse Vollmar, ebenso Frohme, der ebenfalls verhaftet gewesen sein soll, befindet sich wieder iu Freiheit. Kntgegnung. Die Mindener Parteigenossen beschuldigen mich in einer Korrespondenz in Nr. 14 de«„Sozialdemokrat", daß ich sie mit Erstattung eine« Re- ferat« über die Arbeitsbücher frage fitzen gelassen, resp. ein ihnen gegebene» Wort nicht gehalten habe. Diese Beschuldigung ist um so u n- gerechter, al« die Mindener Genossen ganz genau von mir darüber unterrichtet wurden, warum ich zur angegebenen Zeit nicht nach dort kommen konnte. Ich hatte allerdings versprochen, in der betr. Versammlung zu referiren, war aber inzwischen an Rheumatismus erkrankt, wodurch ich verhindert war, in Berlin anwesend zu sein, wohin die Mindener Genossen während- dem Nachricht über den Tag der Versammlung hatten gelangen lassen. Obwohl ich nun nach Berlin schrieb, die Mindener, fall» dieselben den Tag der Versammlung schon festgesetzt haben sollten, zu verständigen, so wurde e« doch zu spät, die Sache noch nach Wunsch arrangiren zu können. Da» ist, wie gesagt, den Mindener Genossen bekannt, und daher der Angriff völlig ungerechtfertigt. C. Grillenberge r. Warnung. Wir warnen hiermit vor dem aus Berlin und Hamburg ausgewiesenen Tapezierer Rudolph Goldberg au« Berlin.*) Derselbe hat fich hier gemeiner Betrügereien an Genossen und Unterschlagung von Parteigeldern schuldig gemacht. Die Antwerpener Parteigenossen. ♦) E» ist die« scheint« derselbe G., vor welchem unsere Genossen in Oldenburg(siehe„Sozialdemokrat" Nr. 50 von 1881) schon gewarnt haben. Expedition des„Sozialdemokrat". Briefiasten der Expedition: P.-Gen. Verden: M. 12,— Cto.-Athle. am 27/2. ohne Angabe d. Bestimmung erh. Deshalb Qttg. heute erst.— Elbräuber: Bf. v. 31/3. am 3/4. beantw. Bstllz. folgt.— K. B. Antwerpen: Fr. 8,50 Ab. 1. Qu. u. Schst. erh. Wer bezahlt die andern drei Bl.? Folgen doch stet« 8, wovon 6 fest.— Hh. Brüssel: Fr. 15,— h Tto. Ab. erh. Mku folgen. Alle« besorgt.— L. P. i. S.: M. 6,— Ab. 1. Qu. erh. Neubstllg. besorgt.— Schwäö. Heiland: M. 1,70 f. Porto erh. Wird abges.— Pickelhaube: Fr. 125,— u. Remitieudeu a Cto. gutgebr. Bs. folgt.— Der Alte v. Berge: Fr. 9,50 Ab. 2. Qu. P. u. Ich. jc. erh.— W. D. Lausanne: Fr. 15,30 a Cto. Ab.»c. erh. Adr. uotirt. S. besorgt.— ffi. L Polstern; 4,90 Ab. 2. Qu. u. Ichft. erh. Sdg. abgg.—(— i:) öw. fl. 5,20 s. Schst. u. Ab. 2. Qu. erh. Bfl. Nähere«.— Fz. Stllbg: M. 3,- Ab. 2. Qu. erh. Reihenfolge beachtet.— B. Fuchs Baltimore: Fr. 25,60 ä Cto. Ab. u. Schft. erh. K. folgt.— Rother Franz: Fr. 2,45 u. M. 1,90 i Tto. erh. Bestllg. folgt.— Schbschw: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— G. B. Wlch: M. 6,50 Ab. 1. u. 2. Qu. u. Schft. erh.— Unversöhnlicher: M. 85, ä Tto. Ab. u. Schft. erh. Adr. geordnet.— Gracchus W.; M. 15,— Abon. 1. Qu. erh. Weiteres notirt.— Ich. H. O.: M. 4,40 Ab. 2. Qu. erh. — Der alte Rothe: M. 17,25 n. Ggr. pr. 1. Qu.®. u. 2. Qu. f. 2 Efp. erh.— G. L. Cognac: Fr. 3,50 Ab 2. Qu. u. Schft. erh.— H. P. Hfldr: M. 3,— Ab. 2. Qu. erh.— Blaschke: öw. fl. 5,90 Ab. 1. u. 2. Qu. u. Schft. erh. Bf. folgt.— Peter: M. 30,— Ab. 1. Qu. erh. Mehrbstg. tc. folgt.— Dreibein: M. 3,— Ab. 2. Qu. erh.— Badener; M. 50,— ä Cto. Ab. ic, u. Ggr. gutgebr. N. genügend vorgemerkt.— Gen. i. Paterson: Fr. 22,—(Doll. 4,80) f. d. Ueberschwemmten d. Rheinthale» n. Vorschr. dkd. weiter besorgt.— Th. I. London: Fr. 10,70 ä Tto. Ab. erh. Sdg. n. Nota abgg.— Rother Boigtländer: M. 10,— Ab. l. Qu. M. u. P. erh. Sonstiges vorgemerkt. Betreffende Sendung war nicht von uns.— v. d. Saar: M. 3,— pr. Ab. gutgebr. Mtthlg. dkd. benützt. — O. P. Grandson: Fr. 2,05 pr. Ab. S. n. Arbst. April, sowie Ichft. erh. Sdg. mit 15 fort.— Allg. Arbver. Luzern: Fr. 6,30 v. d. Märzfeier pr. Ufd». dkd. erh.— I.®. Amsterdam: Fr. 2,50 Ab. 2. Qu. erh.— Wsht. Zürich; Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— Schwarzer Tauge- nicht«: M. 15,— Ab. 2. Qu. erh. Bfl. mehr.— A. Heim« Syrakuse: 4 Doll. f. T. u. 1 Doll.(Fr. 5,10) ä Cto. erh. Gruß l- Rechthaber: Fr.— ,30 f. Schst. erh.— I. Strauß N.-Uork: Fr. 101,25 ä Tto. am 4/4. eingetroffen. Soeben ist erschienen und durch uns zu beziehen: Die Entwicklung des Soziatismus von der Utopie zur Wissenschaft. Bon Friedrich Engel«. Oktav. 4'/, Bogen stark. Prei«: Für Deutschland: 35 Psge. Für die Schweiz und Ausland: 40 Tt». Gegen B a ar. Vorauszahlung. Auf Einzel exemplare nach Deutschland 5 Pfennige Portozuschlag. ßei tiiiftm« Ktsügt tntfyrttfcento Sofcntt. Neuestes Flugblatt. (Kleinoktavsormat.) Mucker-, Maffen- und Königsschwindel. Zur Naturgeschichte der Volk«au«beuter. (1. Die fromme Bourgeoisie. 2. Die loyal« Bonrgeoiste.) Prei» bei Maffenbezng nur gegen BaarvorauSzahluug: Für die Schweiz per Expl. 2 Et», franko für Rabatt. Für'» Ausland per 2 Expl. 5 Cts.„„„ Für Deutschland per Expl. 2 Pfg.„„„ Einzelexemplare per Brief 5 Psg. und 10 Pfg. Porto. Besten« empfohlen! Tolkjbncbb&ndliiiig Hottingen. Expedition de«„Soiialdern." Ei» stellenloser Kaufmann lManufakturist) findet in der Schweiz bei einem wöchentlichen Salair von Fr. 30,— Stellung. Auskunft durch die Expedition de«„Sozialdemokrat". Inmitm, den 7. April, Abends 8 Uhr, im Gatt Kessler: Geschlossene Versammlnng der deutschen Sozialisten. Da sehr wichtige Parteiangelegenheiten zur Verhandlung kommen, sind die Parteigenossen aufgefordert, sämmtlioh zu erscheinen. Der Lokalanssohuss der deutschen Sozialisten. kvveflerisch» Seooffmschaflsbuchdraenii H»It!»a«»-Zsrtch.