KisSeist wLcheutNch ci nm a I in Zürich �Schweiz) itrUt »»!! 4 b U s> h, n» I U» g H,ttj>,q»m-A»rich. K,»se,d«,zku Iranio gegen sranco. v-wihnliche Briefe na» der Schwei, kosten Doppelporto. Der KoMeWkrat Zentra5Krgan der deutschen Soziatdemoliratie. Äöonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren BierteljahrSpreiS von: Fr. Z.— für die Schweiz skreuzbands Mk. 8.— sllr Deutschland«louvert) st. I. 70 für Oesterreich iTouverts Fr. 2.50 für alle übrigen Länder di> Weltpostvereins sKrenzbands Inftttit Die drcigespaltene Petitzci e 25e neue Welt, wo wir Sozialdemokraten hin wollen, muß mit der alten und gegenwärtigen Welt eine Natur haben, monistisch ver- bundeu sein. Revolution und Reform dürfen nicht zu weit auseinander gerissen werden, so fordert e« die Logik, da» fordert der Verstand nnd die Vernunft. Eine andere Denkweise hat keinen Sinn, ist unsinnig. Die Anarchisten find tobsüchtig, keine Denker, sondern Berserker. I. D i e tz g e n. Etwas zum Vorlesen für Puttkamer. Zu Baden-Baden, der alten Bäderstadt, passirte jüngst eine Geschichte, die wohl werth ist, in weiteren Kreisen der Bevölkerung be- kanat zu werden, da sie von den Stützen unserer heiligen Gesellschaftsordnung handelt. Puttkämerchen würde sich ein große» Verdienst um Moral und Sitte erwerben, wenn er sie durch Borlesen im Reichstag zur weitesten Kenntniß bringen wollte. Der Herr Bürgermeister von Baden, ein um Wohl und Wehe der Stadt und de» Staate« besorgter Mann, machte jüngst dem dortigen Polizeikommissariu« die Anzeige, daß in O o«(bei Baden) eine Versammlung sozialdemokratischer Vertrauensleute stattfinde, und ver- langte zugleich die„Aushebung des Neste»" I Unser Polizeibüttel hat natürlich nicht» Eiligere» zu thun, al« sich mit noch einigen Polizeiseelen nach Oo« zu begeben, in der seligen Hoffnung, einen großen Fang zu thun. Leider fanden die Herren keine Spur von Versammlung, und kehrten nnverrichteter Sache zurück. Der Polizeikommiffär begab sich enttäuscht in seine Wohnung und überraschte da— man erschrecke nicht l— keine Sozialisten, sondern den sauberen Herrn Bürgermeister in zärtlichster Umarmung mit seiner treuen Ehehälfte! Tableau l! Wa» sich hinter den Kouliffen abgespielt hat, wissen wir nicht. Der Herr Polizeikommiffär hat Urlaub erhalten, ist abgereist und wird voraussichtlich zur Beschwich. tigung seiner gekränkten— Ehre(?I)— irgend einen Orden, eine Auf- besserung ic. erhalten, und damit wird die Sache erledigt sein. Biel- leicht bekömmt der Bürgermeister auch eine Auszeichnung dasiir, daß er in Oos eine sozialdemokratische Versammlung— vermuthete I ES geht doch nicht« Uber patentirte Ehre! Ein zweite« liebe« StUckchen von Offiziers- und anderer Ehre au« unserer Metropole de« Süden«, au« der doppelt bewässerten Stadt Mannheim nebst Umgebung. Letzte Ostern sollte daselbst ein Kind von 13'/, Jahren konfirmirt werden. Die hohe Geistlichkeit und die Schulbehörde fanden e« aber für angemessen, dasselbe nicht in Gemeinschaft mit den andern Kindern zur„heiligen Kommunion" gehen zu lassen, denn besagte« Kind war — schwanger nnd zwar schwanger von einem Dragoner liente- naut, Namen« Grabert(derAeltere), der früher in Mann- heim, später bei dem 1. Leibdragoner-Regiment in Schwetzingen, diente. Trotzdem da« Strasgesetzbuch unzüchtige Handwagen, verübt mit Kindern unter 14 Jahren, nach s 176 de« R.-St.-G.-B. mit hoher Strafe bedroht — Zuchthau« bi« zu zehn Iahren—, trotzdem, daß die Be- Hörden Kcnnwiß von dem Verbrechen hatten, wurde kein Strafver- fahren eingeleitet! Nun, in einem solchen Falle kann der Staat«- auwalt sein Gewissen beruhigen, denn ersten» liegt kein förmlicher Straf- an trag vor(die Eltern de» Kinde« find alte, schwach finnige Leute; und der Bater ist kürzlich an« Kummer gestorben) und zweiten» war e» ja ein O f f i z i e r, der da» mit Zuchthau« bedrohte Verbrechen beging, dessen patentirte Ehre viel vertragen kann. Grabert ist auch aus Urlaub, und wird vielleicht demnächst bei einem andern Regiment mit Avancement und Orden eintreten. Wir werden nächstens für noch mehr Lesestoss für Herrn Puttkamer Sorge tragen. Für heute— gute Verdauung, Du WIchrer der fitttlichen Ordnung l Und Ihr Minnigerode und Konsorten, wie gefällt Euch dieser„Kamerad"? Schneidiger Kerl, nicht wahr? E« lebe die patentirte Ehre! Der schwarze Rothe. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 20. Juni 1883. — Da« Wahlresultat in Hamburg bedeutet einen großen Sieg unserer Partei über Sozialistengesetz und Fortschrittshumbug. Mit 9077 Stimmen ist unser Genosse Bebel al» erster au« der Wahlurne hervorgegangen, der Fortschrittler Rabe brachte es nur aus 6469, der „liberale" Roscher gar nur auf 4555 Stimmen. Nur in der hoch- gradigen Agitation de» Jahre« 1873 hatte e« unsere Partei im ersten Hamburger Wahlkreis zu einer größeren Slimmenzahl gebracht — 10,490, aber auch die Gegner hallen damals zusammen über 13,400 Stimmen: noch nie ist jedoch da« Berhältniß unserer Stimmen gegenüber denen der vereinigtenGegner so günstig gewesen, al» diesmal! Muthig vorwärts, ihr wackeren Pioniere im e r st e n H a m b u r g e r W a h l- kreis, der Sieg muß schließlich doch noch Euer werden! Ueberau« kläglich nimmt fich nach den hochtrabenden Reden der Fort- schrittler da« von ihnen erreichte Resultat au». Noch in der letzten Reich«tag»fitzung prahlte Herr Eugen Richter:„Niemand hat so sehr zu bedauern al« wir, daß Herr Bebel in Hamburg nicht auftLttm kann. Al« ihm in Mainz gestattet war, in einer Versammlung al« Kandidat zu reden, war die Folge, daß er bei der Wahl gegen die Fortschritt«- Partei unterlag"— nun, in Hamburg hatten ein halbe» Dutzend Fortschritts- größen gesprochen, voran der große und berühmte Engen, und siehe da! ganze 6469 Stimmen waren die Frucht dieser außerordentlichen Agitation. Der große Eugen kann aus die überzeugende Macht seiner Redekunst stolz sein. Wa« aber die Flnnkerei bezüglich der Mainzer Wahl anbetrifft, so genügt der Hinweis auf dio Thalsache, daß Bebel trotz de« wohlberech neten„SpringungS"manövtrS der Fortschrittler seinerzeit über 8400 Stimmen erhielt, während Liebknecht mit 8104 Stimmen gewählt worden war, um die Wahrheitsliebe de« edlen Ritter» Eugen zu charakerifiren. Wenn den Fortschrittlern wirtlich damit gedient wäre, daß Bebel in Hamburg öffentlich austritt, so brauchten sie ihm nur in ihren Ber- sammluugen da« Wort zu geben. Aber fie hüten sich schönsten», und Niemand mehr al« Eugen, der muthige— Phrasenheld. — Aufgepaßt! Wir haben Grund zu glauben, daß die d e u t s che Polizei jetzt, da der Reichstag geschloffen ist und dessen Tribüne unfern Abgeordneten für längere Zeil nicht mehr zu Gebore steht, in noch rückficht«- und schamloserer Weise al« bisher vorgehen, und namenllich durch Massenhaussuchungen Material für allerhand Prozesse herbeizuschaffen bemüht sein wird. Die Wnth über den Kopenhagener Kongreß, der Herrn M a d a i einen Schlagansall zugezogen hat, ist nicht erkaltet. Nur getraute man sich nicht, so lange der Reichstag versainmelt war, gewisse Schritte zu thun, die im Reichstag zu unbequemen Debatten geführt hätten. Die von dem preußischen Regierungsvertreter W e q- Feuilleton. Dergangeuheit und Gegenwart des rnsfischen Sojiatismns. in. (Schluß.) Auf den Kongressen im Sommer 1879»ollzog sich die Scheidung der Narodwolzp(Anhänger der letzteren) von den Tschern o- p e r e d j e l z y(Anhänger der ersteren Richtung— die Namen der periodischen Organe als FraktionSbenennung. Anm. des UeberfetzerS.) Da« im Oktober 1879 erschienene Organ der Narodwolzy stellte al» nächste Ausgabe der revolutionären Bewegung die Einberufung einer konstiluireaden Versammlung aus, in welcher den Elementen au« dem Volke ein solche» Uebergewicht angewiesen werden soll, al« sie der Zahl nach in der Zusammensetzung der Bevölkerung de« russischen Staate« darstelle». Da» Organ drückte die Hoffnung aus, daß eine energische vorbereitende Thäligkeit der Partei im Stande sein werde, ihren Prin- zipien in. dieser konstituirenden Bersammlnng den Sieg zu verschaffen. In dem an alle Gruppen der Organisation versandten Zirkular über die „vorberettende Thätigkeit der Partei" stellte aber das Exekutivkomite auch — allerding« al« unwahrscheinlich— die Eventualität ans, daß seitens der Regierung„dem Volke bedeutende Konzessionen gemacht und sogar eine dermaßen freie Verfassung gegeben werden könne, daß für die Partei e» nützlich sein werde, den Ausstand zu verschieben", wie« aber doch „aus die Vorbereitung gerade zum Ausstand" al« auf die direkte Aufgabe der Partei hin, um eine politische Revolution zu bewirken, welche der Partei die Möglichkeit geben werde; eine ökonomische Umwälzung durch- zusühren. Von nun an geht die Geschichte der revolutiollären Bewegung in Ruß- land sast ganz in die der„Naroduaja Wolja"-Partei aus. Schon während de» ersten halben Jahre« ihres Bestehen» zog dieselbe bedeutende Kräfte an sich, die sie um oa« Exekutivkomite organisirle. Dem genannten Komile kam hauptsächlich die leitende und regulirende Rolle zu. In Bezug auf den direkten Kampf waren ihm sowohl die speziellen Gruppen, die zur Thätigkeit in der Armee, in Studenrenkreisen, unter den Arbeitern destimmt waren, al« auch die lokalen Gruppen, welche ihre Thätigkeit bald im Rayon de« einen, bald in dem eine« andern— je nachdem die Gelegenheit günstig war— eatsalleten, unbedingt untergeordnet, wäh- rend fie in der Sphäre ihrer eigenen organisatorischen Thätigkeit natürlich die nolhwendige Selbstständigkeit bewahrten. Unter der Leitung de« Exekutivkomite« wirkten im Jahre 1830 nicht weniger al« zwölf lokale mann in der GeschSflSordnungSkommisfion de« Reichstag» wehmüthig zugestandene Thatsache, daß die Polizei nicht nur von den bösen Sozial- demokraten schmählich dupirt worden, sondern auch außer Stande ge- Wesen ist, da» geringste Belastungsmaterial gegen die Theilnehmer am Kopenhagener Kongreß zu erlangen, hat in der dentschm Polizei da» lebhafteste Bedürsuiß erwecken müssen, Hintennach Entdeckungen zu machen, damit die Scharte einigermaßen ausgewetzt und da« verlorene Prestige zur Roth wieder aufgeftischt wird. Also aufgepaßt! — Volksparteilicher Anstand. In dem letzten(«steno- graphischen") ReichStagSbericht der„Frankfurter Zeitung" find die Lieb- knecht'schen Reden nicht mit einer Silbe erwähnt. Die scharfe Kritik, welche der sozialdemokratische Redner dem parlamentarischen Humbug angedeiheu ließ, war uicht nach dem Geschmack der Herren Volksparteiler, und so wurden die anstößigen Reden einfach ausgemerzt. Sehr nette Praxi» I — Obgleich dieAuslSsungSgerüchte— die überhaupt keine ernsthafte Begründung hatten— seit dem vollständigen Siege Bismarck» über den deutschen Reichstag verstummt find, so ist für unsere Partei nun doch nachgerade die Zeit gekommen, wo in allen Wahlkreisen die Kandidatensrage geregelt werden muß. Die Genossen kennen die Beschlüsse de» Kopeuhagener Kongresse»; fie kennen au» eigener Erfahrung da» Nachtheilige von Doppelwahlen. E» gilt nun in Gemäßheit der Kopeuhagener Beschlüsse nnd unter Beherzigung der gemachten Ersahrungen, in den eil.- zelnen Wahlkreisen fich möglichst bald über die aufzustellenden Kandidaten zu verständigen und solche Kandidaturen zn vermeiden, welche möglicherweise zn Doppelwahlen führen könnten. Rückficht auf Personen kann hierbei nicht in'« Gewicht fallen. Maßgebend ist allein da« Gesammtinteresse der Partei. An geeigneten Kandidaten fehlt es nicht— nur daß der leidige Nameukultu«, sowie lokale Eifersüchtelei dieselben nicht immer erkennen läßt. — Erhabene Beispiele. Marie Christme, au« dem Geschlecht der Habsburger, hat in dem Vergnügen, Königin von Spanien zu spielen, ein Haar gefunden und ist ihrem durchlauchtigsten königlichen Gemahl durchgebrannt. Man kann e« ihr nicht gerade übel nehmen. Alfonfo, der Sohn der tugendhaften Jsabella, trieb seine Heilighaltnng der Ehe so arg, daß schließlich der letzte Gassenbube von Madrid in die Geheimnisse de« Landhause» der schönen Bianca Espronceda eingeweiht war, und al« die eisersüchtige Marie Christine eine« Tages ihren Gatten in allerintimster Umarmung mit der feurigen Blanca ertappte, und dem „treucsten Sohn der Kirche" ein Kapitel über da« sechste Gebot la», da antwortete ihr der„ritterliche Jüngling aus dem Throne" mit— Ohrseigen. Die Fama sagt, daß Blanca ihn dabei kräftigst nnterstützt habe. Ein netter Junge, dieser Alfon», nicht wahr? Und da» find die„von Gölte« Gnaden" eingesetzten geheiligten Lenker der Völker! Dieser Sippschaft dichten heuchlerisch« Pfaffen allsonntäglich alle möglichen und unmöglichen Tugenden an, und zwingen ihre gläubigen Schafe, fromme Gebete für da« Wohlergehen derselben zum Himmel zu plärren. Sie wissen allerdings warum, diese Agenten derinternationalenRück- Versicherungsgesellschaft fürBolkSauSbeutnug und Volksbetrug. Freilich, so etwa» ist nur in Spanien möglich I*) Wilhelm von Preußen zum Beispiel, der Verehrer de« Ballet», schwärmt nur ihrer feinen geistigen Unterhaltung wegen für da» Fräulein von S ch e r f f. Das Berliner Fremdenblatt sagt's, und da muß e» wahr sein. Noch ein erhabene» Beispiel: Helene M a r k o w i t s ch, die un- glückliche Wittwe Jefrem Markowilsch'S, welche den Revolver gegen den Mörder ihres Manne», König Milan von Serbien, gerichtet hatte, ward jüngst im Gcsängniß als Leiche vorgesunden. Erst hieß es, es liege ein Selbstmord vor, jetzt weiß man, daß allerdings ein Mord vorliegt, nur ist noch nicht festgestellt, wer der„Selbst" war. Der robuste, ungeschlachte Enkel de« kühnen Schweinehändlers Obrenowilsch selbstverständlich nicht. — Staatssozialistische«. Wiederum sollen sechs preußische Privateisenbahnen, darunter die Berlin Hamburger, die Oberschlefische und die Rechte- Oder-Uferbohn, zu anständigen Preisen verstaatlicht werden, d. h. da» preußische Volk soll den Herren Aktionären die fetten Dividenden ans ewige Zeiten garantiren und der Staat dafür einige Tausend Beamte mehr zur Verfügung haben. Daß die Verstaatlichung durchgeht, ist gar kein Zweifel, denn von prinzipiellem Widerstand ist in dieser Beziehung keine Rede mehr bei den Herren Volksvertretern. Wir würden gleichfalls kein Wort darüber verlieren, nachdem wir unfern Standpunkt gegenüber dieser Sorte StaatSsozialiSmu» oft genug *) Nachträglich hat der berüchtigte Timestorrespoudent, Qppert von Blowitz, den Austrag erhalten, den Skandal in der auswärtigen Presse möglichst zu vertuschen und die Sache so darzustellen, al« seien Alfon« und Christine nach wie vor ein Herz und eine Seele. Wenn nur da» berühmte Landhaus nicht wäre! und einige spezielle Gruppen. Die Gesammtzahl der in diese Gruppen eingetretenen und folglich mit dem Exekulivkoinite unmittelbar und eng verbundenen Personen betrug 1880 über 500, um welche sich mehrere tausend Anhänger grnppirten, die nur Parteimitglieder waren oder aber — ohne formell in ihre Organisation eingetreten zu sein— ganz unter dem Einfluß der Partei standen. Die„verstärkte Propaganda" unter den Arbeitern, die al» eine der vorbereitenden Parteiausgaben aufgestellt figurirte, ward nicht nur nicht bei Seite geschoben, sondern wurde sogar an manchen Orten auf die Arbeiter aus dem Lande ausgedehnt. In der großen Mehrzahl der kleineu Gruppen nahm die Thätigkeit unter den Arbeitern den grüßten Theil der vorhandenen Parteikräfte in Anspruch. Die erste Arbeitergruppe der Partei„Naroduaja Wolja" bildete sich Ende 1879 in Peter»- bürg; 1880 vervierfachte sich dieselbe und beschäftigte sich eifrigst mit der Schaffung von Arbeiterorganisationen; um dieselbe, al» um einen Bestandtheil der geheimen Organisation, waren viele hundert Arbeiter gruppirt. Vom 15. Dezember 1880 an erschien ihr Organ„Rabvtschaja Gazetia"(„Arbeiterzeitung") unter der Redaktion von S h e l j a b o s f, K o t o w« k y ic. Aehnliche Arbeitergruppe» traten in verschiedenen Städten, namentlich im Süden, unmittelbar in die Parteiorganisation ein und suchten ihren Einfluß auf die Arbeiterklasse zu erweitern. Zwei Lokalgruppen fanden sogar die Möglichkeit, energische Agitation ans dem Boden der Agrar- frage in Bauernkreisen zu betreiben. Hand in Hand damit wurde der energische Kampf de« ExekntivkomiteS gegen Alexander II. fortgesetzt und trotz wiederholter Mißerfolge der Revolutionäre zeigte fich der Absolutismus doch unfähig, Gefahren zu verhüten, und sein Ansehen wurde mehr und mehr geschwächt. Au» den Prozessen erfuhr da« russische Volk, daß gegen den Fetisch: Z a r genannt, nicht nur„Herreu", sondern auch Leute au» seinen(de« Volke») Reihen, Bauern nnd Bürgersleute, die Hand erhoben. Daraus trat für ein Jahr lang Stillstand ein. Die Regierung war aber so gut über da» Gefährliche ihrer Lage nnd ihre Ohnmacht bei An- wendnng von Reaktionsmitteln gegen die Revolutionäre im Klaren, daß sie sich veranlaßt sah, zu den liberalen Halbheiten de« L o r i« Meli- k o s s Zuflucht zu nehmen, und noch einmal versuchen wollte, die Gesell- schaft durch den Humbug einer Einberufung der Repräsentanten der Landgemcüiden zu täuschen. Allein da zeigte da« Exekutivkomite, daß es sowohl abzuwarten gelernt hatte, al» auch eine günstige Gelegenheit uicht zu versäumen. Die Bombe Grinewetzky'S machte am 2. März 1881 der Herrschaft Alexander'« II. ein Ende, nnd Zehntansende von Exemplaren de» „Briefe» an Alexander III." verbreiteten über ganz Rußland hin da» politische Minimnmprogramm der Partei„Narodnaja Wolja", ein Pro- klargelegt haben, wenn sich nicht an die Verstaatlichung der Berlin- Hamburger Bahn eine sehr lehrreiche Episode anknüpfte.'. E» war am 17. April, al« die preußische Regierung dem preußischen Landtage eine Reihe von Sekundärbahnen zur Bewilligung vor- schlug, darunter eine Linie von Laueuburg nach Oldesloe. Al» der Abgeordnete Büchtemann darauf hinwies, daß die Verstaatlichung der Berlin-Hamburger Bahn ja doch vor der Thür stehe und fich alsdann die Linie Hagenow-Möllm Oldesloe als viel zweckmäßiger für die Ver- bindung nach Schleswig heransstelleu werde— ein Blick auf die Karte lehrt die«— da antwortete der Minister Maybach:„Daß die Linie Hageuow-Oldesloe eine rationellesein würde, kann ich zugeben. Di«Frage der Verstaatlichung der Berlin-Hamburger Eisenbahn liegt aber zur Zeit nicht vor, nndwann wir unSdamitbefassenkönnten, ist znr Zeit gar nicht abzusehen." Und die Linie Lauenburg- Oldesloe, die bei Schwarzeubeck den Sachsenwald deSFürstenBismarck entlang geht, ward bewilligt! Natürlich ist da« nnr Zufall, daß der Sachsenwald dadurch erheblich an Werth gewinnt, jede Andeutung, daß hier da»„Gesetz vom zu- reichenden Grunde" eine Rolle gespielt, wie» der Herr Minister mit Entrüstung zurück. Kaum aber find zwei Monate darüber ins Land gegangen, so wird die Berstaattichnng der Berlm-Hamburger Bahn, von der am 17. April„noch gar nicht abzusehen war, wenn wir uns damit befassen können", kräftigst in die Hand ze- n o m me n! Herr M a y b a ch ist wegen„hochgradiger Nervosität" aus Urlaub. Bismarck aber hat die Klinke der Gesetzgebung in der Hand und fingt vergnügt: Wer im Rohr fitzt, kann fich Pfeifen schneiden! Es lebe der StaatSsozialiSmu«! — Die Partei der politischen Heuchelei. Ja der Wahl- Prüfungskommission de« deutschen Reichstag« wurde seiner Zeit, Haupt« sächlich auf Betreiben der fortschrittlichen Mitglieder, ein Beschluß durch- gesetzt, dahin lautend, daß eine Wählerversamlmlung deshalb, weil sie von Sozialdemokraten angemeldet worden, und weil ein Sozialdemokrat als Referent angegeben sei, polizeilich nicht verboten werden könne, und daß eine Wahl, bei welcher durch derartige ungerecht- i fertige Verbot« aus das Wahl-Resulrat eingewirkt worden, für u n- g i l t i g zn erklären sei. Das Plenum trat dieser Ausfassung bei, nnd mehrere— namentlich sächsische— Wahlen wurden auf Grund dessen beanstandet. So weit, so gut. Leider kümmert sich aber die Polizei wenig um Reichstagsbeschlüsse und in Dortmund sowohl al« letzthin in Hamburg verbot und verbietet die Polizei ohne Umstände jede von Sozialdemokraten angemeldete Wahlversammlung. Diese flagrante Nichtbeachtung eines Reichstagsbeschluffes beabsichtigte unser Genosse Liebknecht zum Gegenstand einer Interpellation zu machen, damit womöglich noch vor dem Hamburger Wahltermin(15. Juni) Remedur geschafft werden könne. ES gelang ihm jedoch nicht, die nöthige Zahl von Unterschriften(30) zusammenzubekommen, und zwar weil die Fortschrittspartei, auf da» Drängen de« Herrn Eugen Richter— andere Mitglieder der Fraktion waren für die Unterzeichnung— ihr« Unterschrist verweigerte. Herr Eugen meinte: die Jnlerpellation könnte der s o r t s ch r i t t- f l i ch e n Kandidatur in Hamburg schaden. Also dem kleinlichsten Partei-) interesse ward das Prinzip geopfert! Das ist charakteristisch für Herrn Richter und deffen bedientenhaften FraktionS-„Thoru»". In der letzten ReichStagSfitzung brachte Genosse L i e b k n e cht diese An- gelegenheit bei der dritten Lesung de« Etat» zur Sprache, wa« für nn« de» Nutzen hatte, daß Herr Eugen Richter fich gezwungen sah, den letzten Rest von Schani abzustreifen, und den vielen Leichtgläubigen und Leicht- vergessende», welche die Freiheilsphrasen diese« Vielredners ernst nehmen, gründlich deu Staar zu stechen. Man höre nur die elenden Ausflüchte diese« großen FreiheitSmanne«: „Meine Herren, ich habe keine Veranlassung, die Hamburger Be- Hörden hier irgendwie zu vertreten, ich brauche wohl uicht zu ver- sicheru, daß meine Partei diesem Bescheide der Hamburger Polizei- behöede und de« Hamburger Senat» vollständig fern steht, ich habe nur gehört au« dem wa» der Herr Vorredner au« diesem Bescheid verlese» hat, daß fich diese Ablehnung der Versaminlang stützt auf die besonderen Verhältnisse de« Belagerungszustandes und darauf, daß nicht bloß ein Sozialdemokrat angemeldet wurde, der als Redner auftreten würde, sondern daß hier überhaupt eine große sozialistische Manifestation im Sinne de« Sozialistengesetze» beabsichtigt war. Meine Herren, der Bescheid der Hamburger Regierung also steht doch an sich durchaus nicht im Widerspruch mit dem Be- schluß der WahlprUsungslommisfion. (Ruf: Jawohl!) Nein, er führt auch Gründe an, über die sich die WahlprüfnngS- kommisfion noch nicht ausgesprochen hat." Nach dieser schönen Logik braucht also die Behörde nnr anzugeben, daß nach ihrer Ansicht eine sozialistische Manifestation chezweckt gramm, da« Zengniß davon ablegte, daß fich um diese Partei alle oppo- fitionellen Kräfte Rußland« zu gruppjren vermögen. Da» Einstellen des rochen Terror» war abhängig gemacht worden von der Gewährung voll- ständiger Amnestie(d. h. Einstellen de« weißen Terror«) und von der Einberufung einer konstituirenden Versammlung unter Bedingungen, welche die Wahlsreiheit und die Möglichkeit de» Eintritte« einer genügenden Anzahl Volkselemeute in diese Versammlung garantiren. Die Richtung de»„Tfchoruyi Pcredjel" und die sonstigen Gruppen russischer revolutionärer Sozialisten waren angesichts diese» energischen Kampfes der Panei der„Narodnaja Wolja" mir der Regierung in eine äußerst schwierige Lage gerachen. Ihre sozialistische Ucberzeugung erlaubte ihnen weder, sich damit einverstaudeu zu erklären, daß die Propaganda der besseren„gesellschaftlichen Ideale" zu Gunsten irgend einer politischen Aufgabe hinlangestelll werde, noch damit, daß die Einberufung einer konstituirenden Versaiitmlung bei Forldauer der Herrschaft de« Kapitals dem Programm einer sozialistisch-revoluttonären Partei einverleibt werde. Viele Vertreter der Gruppe„Tschornyi Peredjel", sowie die Redaktoren des gleichnamigen Organ« sahen aber ein, daß es ein einfacher Verrath an der Sache de» russischen Sozialismus von Seiten russischer Sozialisten wäre, Desorganisation in diejenige Partei hineinzubringen, die unter so schwierigen Umständen gegen einen so mächtig« Feind wirkte, al« e« bei der Partei der„Naroduaja Wolja" der Fall war. Sie überließen diese traurige Rolle den ausländischen Gruppen der ukrainischen„ H r o m a d a" und dem anrisozialistischen Blatt „ W o l n o j e S l o v o". Auch war die Organisation de«„Tschornyi Peredjel" weit weniger vollkommen al« die der„Narodnaja Wolja". Dt« gerichtlich-polizeilichen Praktiken verhinderten eine Volksoroanisation noch mehr als ciue sozia- listische Propaganda uud lähmten daher die Thätigkeit de»„Tschornyi Pe- redjel" im Volke. Die besten Elemenle de«„Tschornyi Peredjel" fühlten da« Unbequeme ihrer Lage, da» Anwachsen der Sympathien der lhal- krästtgen Kreise für die Raroduowolzy und sympathifirlen selbst uuwill- kürlich mit hem heroischen Verhallen ihrer früheren Genossen. Fast alle Mitglieder der energischsten Gruppen der ruffischen Jugend stellten sich dem Exekutivkomite zur Berfüguug. Einer nach dem Ändern ging in dieses Lager über, so auch die hervorragendsten Kräfte de»„Tschornyi Peredjel." �, Hier bringt der Verfasser noch weitere theoretische RechtfertigungSgründe vor, auf deren Wiedergade ich indeß verzichten muß. Im Jahre 1882— fährt Lawroff fort— sehen wir in den Reihen der Pariei der„Narodnaja Wolja" die Mehrzahl der einflußreichsten Tschornyiperedjelzy, theilweise auch die der Propagandisten, die e» eut- weder für zweckmäßig hielten, kleineren Gruppen beizutreten, oder keine näheren Beziehungen zu den in Rußland thäligen Gruqpen hatten, aber war, und da« Verbot ist nach Eugen Richter gerechtfertigt. Denn in dein Bescheid de« Hamburger Senate« ist absolut nicht« andere« au«- gesprochen al« eine vage Bermulhung, eine„Annahme". Indem Herr Richter der Polizei diese Hinterthür ossen läßt, zeigt er, dag er kein prinzipieller Gegner de« Ausnahmegesetze» ist, sondern dasielbe nur au« opportunistischen Gründen bekämpft, daß er und mit ihm seine Partei e« nichtverschmähenwürden, wen» sie amRuder sind, zu gleichen Mitteln zu greifen! Denn Richter er- klärte gleich hinterher, daß er nur aus dem Grunde gegen da« Sozia- listengesetz ist, weil e» sewe Partei„in �der Bekämpfung der sozialistischen Partei hindert und schwäch t". Nicht ein einziger Fortschrittler wagte e«, sich gegen eine so undemokratische, frei- heitsfemdliche Erklärung zu verwahren! Natürlich hatte der tapfere Eugen auch einen Borwaud: eine a n- g e b l i ch e BersammmlungSstörung durch unsere Hamburger Genoffen, denn von einer thatsächlichen Sprengung kann, wie au« Richter« eigener Darlegung hervorgeht, gar nicht die Rede sein. Es hatte in der be- treffenden Versammlung der sortschrittliche Resereot ungehindert ge- sprachen, ein Arbeiter ihm geantwortet, und erst während der Replik entstand Unruhe, die den Vorfitzenden veranlaßce, die Versammlung zu schließen. Wie kann da von einer Sprengung die Rede sein? Liebknecht blieb Herrn Richter die verdiente Absertigung nicht schuldig. Eugen mußte fich u. S. an die skandalöse Rolle erinnern laffen, welche er weiland in Großenhain gespielt, er ward ziemlich kleinlaut und bewerkstelligte mit Hilse eine« von der Rechten eingebrachten Schluß- antrag» einen nicht« weniger al» würdigen Rückzug. Und damit war die Sache„erledigt". Die Regierung ließ fich gar nicht emsallen, ihr Verhalten zu moliviren, wurde ihre Sache doch auf's Schönste besorgt durch den freiwilligen RegierungSkommissär Eugen Richter, den Führer der„demokratischen" Fortschrittspartei. — Zur Arbeiterfrenndlichkeit derSöniglich preu- ß i s ch e n B e h ö r d« n. In Nr. 45 der„BaugewerkSzeitung"(Meister- organ) finden wir folgende charakteristische Notiz:„Ja Jnowrazlaw brach am 21. Mai unter den Maurern, welche beim Bau des Kaiserlichen Postgebäude« arbeiten, ein Streik au«. Die Führer wurden v e r h a s t e t." Kommentar überflüssig. — Der geheime Jurist und Hofrath Ackermann soll, wie uns von glaubhaster Seite verstchert wird, neulich aus sozialdemo- kratischen Kreisen eine humoristische und doch sehr ernst gemeinte Dank- Adresse für seine Verdienste um die sozialdemokratische Bewegung er- halten haben. Man kennt da« alte französische Wort: Vivont nob amis les ennemis! Es leben unsere Freunde die Feinde. Die Feinde sind im politischen Kampf mitunter nützlicher al« die Freunde-, jedenfalls gibt e« Feinde, die man mit ähnlichen Gefühlen bettachten muß, wie Wafhingtou jenen englischen General, den er zufällig gefangen hatte, den Engländern aber sofort zurückschickte, weil er einsah, daß der Sache der Amerikaner Keffer gedient sei, wenn ein ungeschickler General gegen fie kommandire. al» wenn er in ihrer Gesangenschast sei. Hr. Ackermann mit der weißen Weste hat unser» deutschen Parteigenoffen in der That durch seine tölpelhafte Reaklionstaktik und-Sttategie, namentlich durch seinen famosen Arbeitsbücherantrag außerordentlichen Borschub geleistet. Er hat es verstanden, die gesammte deutsche Arbeiterwelt aufzurütteln und damit der Sozialdemokratie mehr genützt, als die bestgeleitete sozial- demokratische Agitation, ohne Hrn. Ackermann, es vermocht hätte. Die Dankadreffe war also wohl verdient. Hoffentlich— er ist ja eiu Höf- licher Mann— bedankt sich Hr. Ackermann für die Dankadresse; nur darf es nicht eine Abtritt« rede sein, wie weiland seine berühmte Antrittsrede, als ihn der Reichstag zum zweiten Vizepräsidenten ernannte. — Wegen angeblichen Landesverrath« wurden aus Grund einer anonymen Denunziation in Dresden der 7i)jährige polnische Dichter K r a« z e w« k y, sowie in Berlin eiu Hauptmann a. D. H e n t s ch verhaftel-I Die offiziöse Preffe thut über diese Sache so ge heim, daß man mit Sicherheit aus eine große Blamage schließe» kann. — Herr Madai, der Berliner Polizeipräsident und Chef der „politischen"(d. h. spitzelischeu) deulschen Reichspolizei, der über dem Versuch, seinen Aerger über den nichtverhinderten Kopenhagener Kongreß hinunterzus— chluckeu, einen Schlagansall bekam, ist infolge dessen körperlich und geistig so vollständig gelähmt, daß er von seinem Posten entfernt werden muß. Al» Nachfolger wird der Frankfurter Polizeidirektor Hergenhahn genannt. Vielleicht entscheidet man sich aber noch für dessen strebsamen Kommissariu« R u m p s f, den Schutzpatron de«„Zeugen Horsch", der— wir meinen den Rumpfs, nicht den Horsch, obgleich auch diesem die nöthigen Eigenschaften erst recht nicht abgehen— sich für da« Amt vortrefflich eignen würde. Noch eine andere hervorragende Berliner Polizeigröße ist da« Opfer de« Kopenhagener Kongresse» geworden. Dieser Unglückliche, welcher zu Ansang de« Jahre« speziell den Auftrag erhalten hatte, de» erwarteten Sozialistenkongreß zu hintertteiben, war bei Ersüllung seiner Mission da« System de« müssigeu Abwarten« verschmähte». U» betheiligt blieben nur die Hüter der anarchistischen Traditionen. Die nächste Zukunft wird den Beweis zu liesern haben, ob diese« Ausgehe» der verschiedene» Fraktionen in eine Partei von Dauer sein und ob e« dem Exekutivkomite gelingen wird, die R»lle ei»e« Organisators aller ruffi- scheu oppositionellen Kräfte, besonder« aber der beigetretenen sozialistischen, mit dem Takte zu handhaben, welcher in solchen Angelegenheiten norh- wendig ist. Wie auch der nächste Lauf der Dinge sich gestalten möge, der russische Sozialismus hat«in Werk vollbracht und vollbringt e« noch, da« in der Geschichte Rußlands uuauslöschlich bleiben wird. Durch die Macht der Umstände gleichzeitig vor zwei Fragen gestellt, die Westeuropa nach ein- ander zu lösen hatte, hat der russische Sozialismus mehr geleistet, al« man erwarten konnte. Er begann damit, die vom Westen ausgearbeitete sozialistische Taktik den russischen verhälmiffen der Bertheilung der Arbeit«- beitSkräsle anzupassen. Aus bedeutende Hindernisse in seinem Wege stoßend, verzweifelte er trotzdem nicht. Er hat sein Programm nicht verralheu' die Prinzipien de« Sozialismus nicht ausgegebeu und die Waffen nicht gestreckt. Man kann darüber diskuliren, ob der dabei von ihm gewählte Weg der beste war, aber auch seine Gegner müssen zugeben, daß er mehrmal« versucht hatte, die Kampfbedingungen nüchtern abzuschätzen, und daß er semen Weg mit einer Energie betreten hat, für welche die Geschichte wenig Analogien auszuweisen hat. Er hat furchtbare Verluste erlitten und mehrere innere Zerwürfnisse zu überwinden gehabt. Viele seiner Anhänger traten im Gefühle ihrer Ohnmacht verzweifelnd zurück. Alle diese Schläge erschütterten ihn aber nicht. Nach zehnjährigem Kampfe steht er allein dem zerrütteten Alleinherrscherthuui gegenüber, das nur der OrganisationSunsähigkeit de« ruffischen Liberalismus seine Existenz noch dankt. Da« Vermächtuiß der Dekabristeu ist in so weit erfüllt, al« e» einer kleinen Gruppe energischer und ausopserungSvoller Intelligenzen inmitten einer demoralifirten Gesellschaft und eines jeglicher Tradition eine« öffentlichen Leben« baren Volkes möglich war. L« ist die Basis ge- schaffen für eine großartige politische Partei mit bestimmtem Programm, was alle übrigen Oppofittonsfraktionen nicht zu leisten vermochten. Und dabei haben die russischen Revolutionäre auch nichl auf die mindeste der Ausgaben de« wissenschaftlichen Sozialismus Verzicht geleistet: den Sieg de« Volke« erwarten ste nichtsdestoweniger nur vom Volke selber, von dem Durchdringen der Prinzipien der kollektiven Arbeit und de« kollek- tiven Eigeuthum» in die Arbeitermassen, die allein uur im Stande sind, eine soziale Revolution zu vollziehen, in Rußland wie in allen übrigen Ländern. mit solcher Schlauheit zu Werke gegangen, daß er zur Zeit, wo der Kongreß wirklich stattfand, auf Grund„sicherer Informationen"— London unsicher machte. Es erinnert dies an den hübschen Ber« de» Tschechlied«: „Aber wo war Duucker hin? Duncker, der war in Stettin. Wär' er in Berlin gewesen, Würd' man diese« jetzt nicht lesen, Denn er hätte sonst erratheu, Daß man wollte atteutaten!" Der neue Duncker war zwar nicht in Stettin, aber in London. Wäre er in Kopenhagen gewesen, dann würde er nicht zu der kolossalen Nase gelaugt sein, die ihm wohl ebenso verhängnißvoll werden dürste, wie Herrn Madai sein— Schlaganfall. Was die bösen Sozialdemokraten doch Alle» auf dem Gewissen haben! — Da« sind die„gemäßigten" Hamburger. Unter deb Ueberschrist:„Eiu sozialistisches H eldenstück" schreiben die „Hamburger Nachrichten" vom 16. Juni(am Tage nach der Wahl): „Eine große Menschenmenge hatte fich heute früh Morgen« vor dem 160 Fuß hohen Thurm der Kupserschmälze aus Steinwärder geschaart, um unverwandten Blicke« aus die Thurmspitze zu schauen, wo eine blutigrothe Fahne mit der in weißen Buchstaben prangenden Inschrift:„Hoch lebe die Sozialdemo- k r a t i e!" ausgestickt war. Diese Arbeit, die mau al»« i u b e- sondere« Wag stück ansehen kann, ist jedenfalls in der Nacht ausgeführt worden, nachdem die Wahl zum Reich« tag möglicher- weise einen Freudenrausch unter der sozialdemokratischen Partei her- vorgerufen. Bi« gegen Mittag wehte die Flagge von der Zinn« de« Thurme«, weil sich Keiner entschließen konnte denselben zu besteigen. Der Aufgang ist bekanntlich äußer- lich durch Klammern hergestellt und bei jeden 6V Fuß ist eine Ruhe- stelle angebracht." Was sagen Sie dazu, Herr Weudt? — Eine christlich- germanische Stilblüthe. Der Kröuuugsreporler de«„Deutschen Tageblatte»", dessen byzantinische» Anwinseln de« russischen Despoten sogar der„Frankfurter Zeitung" zu arg war, verübt am Schluß seines Brieses über die große Parade in Moskau, den da«„Deutsche Tageblatt" als Leitartikel druckt, sol- genden klassischen Satz: „Damit ist der Ucbergang gegeben zu den leichten, zu den K o- saken. Auch mit ihnen uns näher zu beschäftigen, nehmen wir un« vor. Jetzt bleibt uur Zeit, zu wiederholen, wa« schon tele- graphisch hervorgehoben, daß dieselben auf das Zeichen wieder Seiner Majestät, wie andere(!) Schwadronen der Dragoner und Husaren, vom Trabe und einmal von.der Stelle zur Karriere übergehend, für den kavalleristischen Menschen in der That eine angenehme Truppe, eiu für da« Auge herrliche« kavalleristisches Schauspiel bedeuten." Welch ein wunderbares Deutsch! Fürwahr, wenn Buffon's Au«- sprach:„Der Stil ist der Mensch" je zutraf, so ist es hier der Fall. Der Satzbau, die Wortbildung, die Jdeenverbindung, Alle» zeigt un«, daß wir e« in dem Verfasser mit einem kavalleristischen, oder sagen wir e« deutsch, mit einem pserde mäßige» Schriftsteller zu lhuu haben. Aber es ist doch wenigsten« ein christlich-germanischer Stallknecht! — Bravo! Wie fest unsere Genossen jeuseil« de« Ozeans noch an der Partei hängen und mit wie gespannter Aujmerksamkeit sie dem Kampf der Zurückgebliebenen folgen, dasüc liefert einen neueu Beweis ein am IL. Juni früh— also kaum 3 Tage nach vollzogener Wahl— eingetroffenes Telegramm aus Newyork, unterschrieben R. Praast, welche« un« beauftragt, 400 Mark, die an un« geschickt werden, sofort nach Hamburg für die Stichwahl abzusenden. Da» ist ein erhebende« Zeichen echt sozialistischer Solidarität und verdient die allgemeinste Auerkennung. Unsere Genossen in Newyork haben erkannt, daß sie nicht durch prahle- rische Reklameresolutioneu die Sache der Freiheil Deutschland« fördern, sondern durch kräftige materielle Unterstützung der Kämpfer in der alten Heimath. — Die Zeit der Wunder ist vorbei! schreib» unser Kor- respondent au« Leipzig, selbst die Polizei kann keine Wunder mehr thun, am Wenigsten da« Wunder, anständig zu sein. Der unschuldig behaussuchte, unschuldig eingesperrte und al« unschuldig wieder entlassene„Geschäftsmann" ist richtig ausgewiesen worden. In 14 Tagen muß der„Kleine" erneuert werden. Was braucht'« weitere Gründe?— Freilich, die Polizei möchte gern noch etwa» m e hr„Material" haben; und mit diesem entschieden berechtigte» Wunsch« hängt e» vermuthlich zusammen, daß der Grünäugige seit einigen Tagen auf der Suche nach einer hochverrätherischen Verbindung und staatsgesährlichen Zusammenkunft die Umgegend von Leipzig„zum Ber- gnügen" durchstreift. E« wird behauptet, ein Spaßvogel habe durch einen anonymen Brief diese, bei der jetzt herrschenden afrikanischen Hitze einiger- maßen beschwerlichen„Vergnügungsreisen" aus dem Gewissen. Jndeß, wie erfolglos immer die„Vergnügungsreisen" und sonstigen An- strengungen unserer hoben und niederen Gesellschaftsretter verlaufen mögen— der„Kleine" wird verlängert. — Durch die unerwartet hastige Schließung de« Reichstag« wurde— wa« theilweise der Zweck war— die Di«- kussion verschiedener unangenehmer und heikler Materien verhindert. Namentlich fiel auch der Kommisfiousbericht in Sachen der Kiel- Neumünsterer Verhaftungen„unter den Tisch", und damit Manchem eiu Stein vom Herzen. E« versteht fich, daß unsere Genossen im Reichstag noch Gelegenheit suchen und finden werden, da« ungesetz- liche Vorgehen der Polizei und die schmählich« Haltung de« Reichstag» an den Pranger zu- stellen. Einstweilen mußten sie sich damit begnügen, in der letzten Sitzung bei der General- und Spezialdebatte der dritten Etats-Lesung der Reichsregieruug, sowie dem Reichstage den Standpunkt klar zu machen— wa« denn auch geschehen ist. — Genosse Kräcker konnte schon Montag den 4. d. M. die Krankenanstalt verlassen. Da er, obschon vollständig genesen, doch einige Zeit zu seiner Erholung braucht, reiste er folgenden Tag« in seine Hei- math, hat aber alSdann seinen Platz im Reichstag wieder eingenommen, um bei der Schlußabstimmung über den Etat mit seinen Fraktionsgenossen gegen den Gesamint-Etat zu stimmen. — Au« Ungarn. Wie wir der„Arbeitecwochenchrouik" entnehmen, hat Genosse Lea Frankel Budapest und Ungarn überhaupt verlassen, und zwar aus lange Zeit. Die Genossen gaben ihm, heißt e«, am 15. Juni im Stadlwäldchen euien Abschiedskommer«,„wo r« an feurigen und innigen Toasten in ungarischer, deutscher und ftanzöfischer Sprache nicht maugelte und der letzte Versuch gemacht wurde, ihn für da« Weiter- bleiben zu bestimmen. Allein Leo Frankel blieb entschieden bei seinem einmal gesaßten Entschlüsse und dankte in langer und inniger Rede den Sympalhiebezeuguagen der Genoffen. Gleichzeitig ersuchte un» derselbe, seinen Abschiedsgruß an die ungarländische Arbeiterschaft zu verkünden und bemerkte, dag sein Geist immer und jederzeit bei un« weilen wird, und daß e» ihm die höchste Freude bereiten wird, wenn die ausgestreute Saal des sozialistischen Gedankeus zur schönen Frucht reisen und da« Land, wovon e« einsten« hieß, daß e« ein Land sei, wo Milch und Honig fließe, wirklich zu diesem Kanaan werde." De« Weiteren schreibt man un« au« Budapest: Die Bäckergehilsen haben vorigen Monat hier einen Streik veranstaltet, der von Erfolg begleitet war, indem ihre Forderungen be willigt worden sind. Sogar der Stadl-Magistrat ließ sich herbei, die gesundheitsschädlichen Backstuben zu inspiziren. E« ist wahr, die Herren Bäckermeister halfen sich auch, indem sie den Preis de« Gebäckes er- höhten und zwar um ein Drittel pro Stück doch waren die Forderungen der Bäckergehilfen so gerechtfertigt, daß da« gesammte Publikum mit den Stteikenden sympathifirte, und die Mißstimmung über die Preiserhöhung nur die Meister trifft. Jetzt streiken die Eisenbahnarbeiter, Packer, Träger, Wagen- schieber. Der Reichstag ist geschloffen ohne ein nützliche« Gesetz gebracht zu haben. Der ganze Reichstag, selbst die Link«(die, nebenbei gesagt, zu einer wahren Duellanten- und Anttsemitenbaude herabgesunken ist), nimmt eine sozialistenfeindliche Stellung ein. Die Ernte-Au»sichten find gut, jedoch neue Steuern in Au»- sicht gestellt. Die GeschästSlosigkeit und die Unsicherheit mehren sich täglich, sowohl in den Städten al« aus dem Laude. Eine wahre Selbst- mordmauie greift um fich, vom 8jlhrigen Schulknabeu bi» zum 70jah- rigen Grei« hatten wir hier Selbstmorde zu verzeichnen. Die Folgen unserer weisen und gerechten(?) Gesetze und unserer in Ungarn viel- leicht im allerschlechtesten Zustande befindlichen gesellschaftlichen Ber- Hältnisse. Mit parteigenösfischem Gruß! St. M. — Frankreich. Die liberale Regierung der französischen Re- publik hat dem russischen Ezarenthum wieder einmal einen Liebesdienst erwiesen, der ihrem politischen Scharfblick wie ihrem Republikanismu» gleich viel Ehre macht: sie hat den russischen Sozialisten P. A l i s s o f s, der seit Jahren in Nizza lebt, au« Frankreich ausgewiesen, und zwar wegen eine» im„RsvoU des Travailleurs" veröffentlichten Aufsatze» über die Lage Rußland«. Dieser Artikel, der durchaus nicht schärfer ist al« Viele«, wa« sogar in deutschen a n t i sozialistischen Blättern über Rußland gesagt wurde, war bereit» im Dezember 1881 im Pariser „Citoyen" mit der Unterschrist de« Verfassers erschienen und damals unbeanstandet geblieben. Die kleinen„Aufmerksamkeiten", welche Alex- ander III. in Moskau den französischen Gästen zu Theil werden ließ, haben gewirkt, die Gründlinge haben auf den Köder angebissen. Wäre e» nicht das französische Volt, welche» die Kosten der Knechtsseligkeit sewer Regierer in letzter Instanz zu tragen hat, so würden wir sagen: Wohl bekomm'« ihnen! Die Blanquisten entfalten neuerdings in Presse und Versammlungen eine lebhaste Agitation für Abschaffung de« stehendenHeere« und Ersatz desselben durch Einführung der allgemeinen Volkswehr. Zu diesem Behuf« haben fie eine„Liga für Beseitigung der stehenden Armee" gegründet, die ihren Sitz in Paris hat. In einem Bericht an die kon- stituirende Versammlung wurden folgeude Worte Blanqui'«, der wie jeder Revolutionär ein eifriger Gegner der stehenden Armee war und in ihr u. A. auch eine Ursache der Entvölkerung Frankreichs erblickte, zitirt: „Wo die Disziplin der Furcht ohnmächtig wird, da strahlt die Di«- ziplin der Hingebung auf, die einzig wahre, die sich bei allen großen Gefahren bewährt, diese Disziplin, die in dem Gefühl der Solidarität, der Zusammengehörigkeit, der Gemeinsamkeit der Ideen der Kinder de«- selben Lande« wurzelt. Da» gegeuseltige Vertrauen, da« Ehrgefühl, der Welteiser, das Pflichtgefühl, alle menschlichen Vorzüge und sogar gewisse Fehler: Stolz und Eitelkeit, bilden ihre feste Grundlage." Ohne die Wirkung dieser Agitation zu überschätzen, können wir e« doch uur billigen, baß auch die Blanquisten von dem ewigen aus die Dauer lächerlichen Revolutionsgeschrei ablassen und die Diskussion irgend einer praktischen Frage iu die Hand nehmen. Und angesichts der fieber- hasten Förderung des Militarismus in Frankreich, unter der die demo- kratische Entwickelung de« Lande« in jeder Weise beeinttächtigt wird, kann mau nicht sagen, daß die Frage der stehenden Heere keine brcn- nende sei. Wenn es aber iu dem blauquistischen„Reveil des Tra- vailleur" heißt, daß„die Unterdrückung der stehenden Armee und ihr Ersatz durch eine nationale Volkswehr die erste Grundbedingung jeder ernsthaften demokratischen Reform ist", so ist dem entgegenzuhalten, daß, so lange die Bourgeoisie in Frankreich am Ruder ist, auch die stehende Armee nicht abgeschafft werden wird, und daß daher die erste Grundbe- dingung jeder ernsthaften demokratischen Reform der Sturz der Bour- geoisieherrschaft ist. Dazu braucht e« aber die Organisation der Ar- beiterklasse zur politischen Partei, welche den Kaurpf gegen die Bour- geoifie nicht nur auf einem Gebiete, sondern auf allen Gebietm zugleich führt. — Aus Paris geht ml« folgende Resolution zum Abdruck zu: In Erwägung, daß es nothwendig ist, Alles zn vermeiden, wa« eine Quelle der Zwietracht zwischen der ftauzöfischen und deutschen sozialistischen Partei werden könnte; In Erwägung, daß mit dem Ausdruck Marxist in Frankreich Personen bezeichnet werden, welche von der Arbeiterpartei ausge- stoßen swd, hingegen im Auslände auch ehrenhafte und aufrichtige Sozialisten; ersucht der Corcls interaational die Redner und Schriftsteller der ftanzösischen sozialiflisch-revolutionären Arbeiterpartei, diesen Ausdruck nicht mehr anzuwenden zur Bezeichnung der auf dem Kongreß von Saint- Etienne von der Partei ausgestoßenen Personen. In der französischen, im„Prolötaire" zum Abdruck gelangten Fassung heißt es statt ausgestoßen üätti(gebrandmarkt). Da uns aber der An- ttagsteller schreibt, daß es in seinem nicht schriftlich eingebrachten Anttag ursprünglich ausgestoßen hieß, so haben wir diese Lesart beibehalten. Was hätte e» auch für einen Sinn, das Wort„gebrandmarkt" beizu- behalten, da gegen den Ausgestoßenen Lasargue z. B. wirklich nichts an- deres vorgebracht werden konnte, al« daß er„Marxist" sei. Uebrigens anerkennen wir gern die gute Absicht, welche dieser Reso- lution zu Grunde liegt. — Rußland. Eine Quittung. Al« Väterchen jüngst in Petersburg unter dem Jubel dazu gemietheter Polizeiagenten einzog, da wurden aus allerhöchsten Befehl die Fabrikanten ersucht, ihre Arbeiter während der Dauer de« Einzuges in den Fabriken zurückzuhalten. Bravo! Diese« Geständuiß, daß die Arbeiter Petersburg» al« politisch gefährlich zu betrachten sind, ist der beste Beweis, daß die Agitation der russischen Revolunonäre unter den Arbeitern keine vergebliche war. Korrespondenzen. ?. Braunschweig, 10. Juni Die unumstößliche Thalsache, daß die sozialdemokratische Arbeiterbewegung ungeschwächt ihren Fortgang nimmt, trotz Ausnahmegesetz, Maßregelungen und Verfolgungen ihrer Anhänger, hat der letzte in Kopenhagen abgehaltene Kongreß zur Evi- denz bewiesen. Nie wird es auch möglich sein, eine Bewegung zu unter- drücken, welche so hohe, edle und gerechte Ziele verfolgt, welche die öko- nomische Ausbeutung des Menschen, wie die politische Ungleichheit ab- schassen will, welche den Staat, der heute einer kleinen Minderheit alle Vortheile und Annehmlichkeiten sichert, in jedem neuen Gesetz seinen Klassencharakter aus'« Schlagendste dolumentirt, so einrichten will, daß derselbe allen seinen Angehörigen gleichmäßig dasjenige Maß von Lebens- sreuden sichert, ohne ein Unrecht gegen den Einzelnen zu begehen, welche durch eine Vereinigung Aller zu diesem Zwecke möglich ist. Der Sieg dieser neuen, das Alte vollständig umgestaltenden Ideen wird nur noch von der weiteren Entwickelung der bereit« als unhaltbar erkannten wirth- schastlichen Zustände abhängen; und daß die« nicht mehr zu lauge dauert, dafür sorgen Technik, Erfindung und Habsucht der Bourgeoisie. Eine offene Frage möchten wir hier an dieser Stelle aussprechen. Wäre es nicht möglich, daß die Kritik der parlamentarischen Thätigkeit des Reichstages weiter herausgegeben werden könnte, wie solche von Bebel bis 1876 herausgegeben wurde? Es wäre die« eine der nothwendigsten und zweckmäßigsten Broschüren und für die lhätigen Genossen im kommenden Wahlkampse geradezu unentbehrlich, weil sie(für eine praktische Propaganda am geeignetsten ist. Sie müßte von den neu herauSzuge- b enden Broschüren zuerst erscheinen. Der 29. Mai, der Geburtstag unseres leider so früh dahingeschiedenen Genossen Bracke war für uns Alle hier ein erhebender nnd schöner Tag. Früh morgen» hatten fich aus dem Kirchhose, aus dem Bracke ruht, eine Anzahl von Genossen eingesunden, welche Grab und Denkmal mit den von den Arbeitern der einzelnen Gewerke und Fabriken im Namen ihrer Kollegen zu diesem Tage gewidmeten Kränzen schmückten. Die Kränze — ungefähr 40 an der Zahl— waren alle mit rolhen und weißen Schleifen versehen und trugen finnreiche, ans die Bewegung, für welche Bracke so uneigennützig und mit seiner ganzen Tbatkrast eingetreten ist, bezughabende Inschriften. Im Namen der Sozialdemokraten Braun- schweig'« schmückten wir das Denkmal mit einem Kranz mit rother Schleife. Auch die Genossen von WolfenbUttel hatten Kränze gesandt. Dieser Tag zeigte aus'« Neue, daß das arbeitende Volk seine Todteu nicht vergißt, sondern in treuer Srinneruug und Hochachtung ihrer ge- denkt.— Am Abend desselben Tages trafen wir uns in einem Garteu- lokal, da Genosse Liebknecht gerade anwesend war, um noch in anregendem Zusammensein ein paar Stunden zu verbringen. Da jedoch die Polizei sich bald einstellte und un« angelegentlichst mit ihrer Aus- merksamieit beehrte, so entfernten wir un« bald, um uns in der Stadt in einem geeigneten Lokale wieder zusammen zu treffen. Dort ver- brachten wir ungestört den Rest des Abends. Möge der Tag in jedem der anwesenden Genossen da« Bewußtsein zurückgelassen haben, daß e« unsere Pflicht ist, zu jeder Zeit und in jeder Beziehung voll nnd ganz unsere Schuldigkeit zu thun. Zum Schluß noch eine Bemerkung. ES war ebenfalls unsere Absicht, als wir die Todesnachricht von Marx erfuhren, auf dessen Grab emen Kranz niederlegen zu lassen. Doch hatten wir leider keinen bestimmten Anhalt, und als wir uns solchen zu verschaffen suchten, verstrich die Zeit, so daß e« zu spät war. Beschlossen haben wir aber, am Todestage un- sere« großen Vorkämpfers 1884 einen Kranz auf dessen Grab nieder- legen zu lassen. L-v. — AuS dem oberen FilSthale.„Alle Mann auf Deck" erscholl der Ruf durch unsere Gegend, und am Sonntag, den 3. Juni, in der Frühe kamen sie alle die treuen Genossen über die Alb zu un« herüber- geschritten, um fich einmal wieder zusammenzufinden und sich zu kräftigen in dem schweren Kampfe, den wir zu kämpfen haben. Und Alle kamen mit freudigem Herzen, und namentlich die an isolirten Orten lebenden, um auch wieder einmal ein Stündchen unter Männern zubringen zu können, die„Farbe haben". Und so kamen sie denn aus dem lieblichen Rems-, aus dem sabriklustgeschwängerten Brenzthale und von der blauen Donau Strande. Besonder« zahlreich aber waren die Alten vom äuße de» Hohenstaufen vertreten, denen sich auch noch mehrere enossen au« Stuttgart anschlössen. Ts mögen zusammen an 50 Mann gewesen, deren gute Stimmung noch erhöht wurde durch die An- Wesenheit eines unserer Reichstagsabgeordneten. Wir nahmen den Bericht vom Kopenhagener Kongreß, den unser Delegirter abgab, entgegen und konnten uns mit den dort gefaßten Beschlüssen einverstanden erklären. In der sich daran anschließenden langen Debatte wurde namentlich— im Anschluß an den Kongreß— beschlossen, bei der nächsten Reichstag«- wähl mit ganzer Energie für einen eigenen Kandidaten in die Wahl einzutreten und die bei uns in Frqge kommende„Bolkspartei" in keiner Weise zu unterstützen. Spät Abends erst kamen wir ,u Ende und viel hätten wir noch zu besprechen gehabt, wäre nicht die Nacht über un» hereingebrochen, die un« zum Heimweg mahnte. So schieden wir denn wieder von einander, Jeder den Wunsch im Herzen tragend, recht �ald wieder zusammenzukommen, mit einem kräftigen Hoch auf die So- zialdemokratie! Dir aber, großer Reichskanzler und Sozialpfuscher(wie er kürzlich an dieser Stelle so treffend genannt wurde) hätten wir gewünscht, einen kleinen Blick in unsere Versammlung werfen zu können, Du wärest viel- leicht zur Erkenntniß gekommen: Da« famose Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie ist und bleibt— Mist! — Ni«mand«heim, im Juni. E« wird den Genosse» gewiß aus- fallend sein, au« NiemandSheim im Parteiorgan Etwa« zu finden. Die Sache ist sehr einfach. Zuerst muß ich mittheilen, daß vor dem Sozia- listengesetz hier wohl einige Genossen vorhanden waren; doch Jeder ging seinen Weg nnd es fehlte der Zusammenhang, sowie die gemeinsame Thätigkeit. Mit der Verhängung de» Belagerungszustandes über Berlin änderten sich die Dinge. Es kamen einige von denen hierher, welche mit dem bekannten„Erlaubnißschein", Berlin binnen 24 Stunden verlassen zu müssen, versehen waren. Und nun kam Leben in die Bude. Es wurde» regelmäßig Zusammenkünfte abgehallen, und wenn auch eine Zeitlang Zerwürfnisse herrschten, hie„Freiheit"! hie deutsche Arbeiter- Partei! als Schlachtruf ertönte, so ist zur Zeit nur noch von der deut- schen Arbeiterpartei und deren bestimmten Programm und dem gegliederten Ganzen die Rede. Durch unsere regelmäßigen Zusammenkünfte find eine Menge Genossen angeworben, welche mit der Zeit uns verlassen, anderswo im„lieben Baterlande", oder jenseits de» Ozeans ihre untergrabende Thätigkeit fortgesetzt haben. Die Quittungen für unsere Maulwurfs- arbeit haben wir von der„Hochlöblichen" ausgestellt erhalten. Wie überall, so auch bei uns, find die bekannteren Genoffen Gegenstand der unvermeidlichen und plumpen Ueberwachung, sowie anderweitiger poli- zeilicher Krastäußerung, welche Veranlassung gegeben haben, daß uns so mancher thätiger Genosse verlassen mußte, und die Ursache find, daß wir Herrn Madai und seinen internationalen Agenten es überlassen müssen, NiemandSheim auSzudüsteln. Ueber die Einzelheiten dieser Bersolgungen will ich heute nicht berichten, sondern nur soviel mittheilen, daß wir durch sortgesetzte»„Wühlen" in ganz NiemandSheim dominiren, und wenn hier Jemand von Bismarckscher Sozialresorm spricht, oder von Kaiserlicher BotschastSsauce die Rede ist, man nur mitleidigem Achsel- zucken oder verächtlichem Lächeln begegnet. Ueber die praktischen Erfolge unserer Thätigkeit will ich Zahlen sprechen lassen, und zu diesem Zwecke die beiden letzten QuarlalS-Abschlüsse den Genossen vorführen. Voraus- schicken muß ich aber, daß„bei großen Ereignissen", al» da sind Wahlen, bei Erklärung von Belagerungszuständen rc. entsprechend größerer Er- folg vorhanden war. Wie in einem guten Haushalt, so ist auch bei uns Alles streng ge- regelt, und jedem Genossen das Feld seiner Thätigkeit zugetheilt, die Folge davon allgemeine Anregung und prompte Abrechnungen. Wir find nicht mehr al« 60 und einige Genossen organifirt und haben im Winterhalbjahr folgenden Umsatz, resp. Einnahme erzielt. Direkte Einnahme bei unserem Parleikasfirer: 4. Quartal 1882 Mark 528.— 1.„ 1883„ 501. 60 Summa Mark 1029. 60 Davon verausgabt: Für auswärtige Agitation und UnlerstützungSsond Für Darlehnsscheine der Druckerei An direkte Unterstützungen manigsacher Are Für unfern Delegirten zum Kopenhagener Kongreß (im 1. Quartal schon verausgabt) Lokal Agitation In Kassa Mk. 230.— 34. 60 103. 40 240.— 276. 80 89. 80 Summa Mark 1029. 60 .' Dem Schriften- Vertrieb und dem Bertrieb de» Parteiorgans ist von jeher große Aufmerksamkeit geschenkt worden, und haben wir solgende« Resultat zu verzeichnen: Einnahmen: 4 Quartal 82 Mark 289. 40. Ueberschuß Mark 80. 90 1.„ 83„ 267. 20.„„ 71. 90 Summa Mark 556. 60. Ueberschuß„ 152. 80 Der erzielte Ueberschuß ist selbstredend zur Propaganda verwendet worden nnd hat dazu gedient, da» sozialistische Gift in weiterere Kreise zu tragen.. � Dem Ausnahmegesetz zum Trotz haben wrr ein Ichnttenlager, enthaltend 263 der verschiedensten verbotenen Schrifteu. Nach den An- strengungen der letzten allgemeinen ReichStagSwahlen wurde die Frage m Erwägung gezogen, ob es nicht rathsam sei, unfern Polizeischnüsslern zum Trotz eine Bibliothek zu errirbten. Da« Resultat dieser Erwägungen ist, daß wir gegenwärtig eine Bibliothek, enthaltend mehr denn 74 Bände, im Werthe von 250 Mark befitzen. So, Parteigenossen, da» ist unsere vorläufige Quittung aus das Sozialistengesetz. Wenn Bismarck und seine Mameluken zufrieden sind, wir find es auch. I-. X. London, 13. Juni. Ich glaube, eS wird von Interesse sein, sol- gendes anarchistische Heldenstück der Oessentlichkeit zu über- geben: Tie diesigen Anaröbisten und Sozialrevolutionäre, wie sie sich zu nennen belieben, hatten jüngst eine öffentlickie Versammlung einberufen, in der in ftanzöfischer, englischer und deutscher Sprache da» Programm der Anarchisten besprochen werden sollte. Ich oing mit einigen Freunden dort hin, um den Streik der Meeraner Wcbcr bekannt zu geben und event. eine Sammlung zu veranlassen. Nack dem Vortrag meldete ick mich zum Wort, schilderte kurz die Berbältnisse der Meeraner Weber nnd stellte den Antrag, zu Gunsten der streikenden Weber sofort eine Tellersammlung zu veranstalten. Anfang» machten die Herren lange Gesichter, man wußte nicht reckt, wa? man thun sollte. und deshalb kam keiner ihrer Redner auf meinen Antrag zurück, bis ich zur Geschäft«- ordnung da« Wort nahm nnd die Versammelten aus die unerhörte Hand- lunqsweise de« Vorsitzenden aufmerksam machte. Da, al» es durchaus nicht mehr anging, die Sache zu vertuschen, als man endlich darauf ein- geben mußte, da war es der bekannte S t e n z l e i t, der die charakteri- stischen Worte aussprach:„Die Meeraner Weber sind keine Anarchisten und dürfen somit nickt unterstützt wer- den."— Bumml— Natürlich blieb, nachdem diese Parole ansge- geben war, mein Antrag in der Minderheit. Merkt'S euch, ihr Meeraner Genoffen: Weil ihr keine Anarchisten seid, findet da« Motto:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch", keine Anwendung und dürft Ihr nicht unterstützt werden, sondern müßt im Gegentheil euren Blutsaugern zn Füßen fallen! Ein dreimalige« Pfui! über diese Leute, welche die Freiheit in ihrer vollendetsten Form anzu- streben vorgeben und schlimmere Despoten sind, als die infamsten Unter- drücker I Unsere Parteigenossen hier haben selbstverständlich sofort Alles gethan, was möglich war, und sind wir bis jetzt schon zweimal in der Lage ge- wesen, an die streikenden Weber Unterstützung zu senden, zusammen 100 Mark, und werden wir, wenn der Strike länger dauert, noch mehr thun.(Bravo k Anm. der Red.) Mit sozialdemokratischem Gruß W. H o s f m a n n. — Kopenhagen.(Berichtigung.) Die Korrespondenz in Nr. 24 de««Sozialdemokrat" über den Streik der hiesigen Zigarren- arbeiter bedarf in einigen Punkten der Ergänzung. Zunächst sind e« nicht 70, sondern 100 Streikende, und zwar Männer und Frauen. Alsdann ist zn bemerken, daß, da der betr. Fabrikant, Lichtinger, von den anderen Fabrikanten mit Waare unterstützt worden ist, da» Arbeiterkomite geoöthigt war, Schritte zu thun, um auch bei diesen Herren die Arbeit niederzulegen. Es bleibt un» kein anderer Ausweg übrig. Wir müssen den Sieg gewinnen. Nieder mit der Kapitalmacht! Da» ist unsere Parole. Also dringend wiederholen wir: Zuzug fernhalten! Weiterer Bericht wird folgen. Mit sozialdemokratischem Gruß! E. H y l l e r, Vorsitzender des Berein»„Enigheden". F. W. G a st e i g e r. -Nachruf. In den ersten Tagen de» Juvi verstarb plötzlich unser guter Genosse Hermann Mähler im Alter von 33 Jahren. Mähler zeichnete fich durch eine außerordentliche Menschenliebe, sowie durch seine Intelligenz und Energie au», so daß sein jäher Tod nicht nur für die hiesigen Genossen, sondern auch für die Gesammtpartei einen großen Verlust bedeutet. Dem Verstorbenen war e« zu danken, daß die hiesige Bewegung, welche durch da« Sozialistengesetz fast gänzlich unter- drückt war, sowohl in der Stadt als auch in den benachbarten Ort- schaften wieder auslebte, ja man kann sagen, neugeschaffen wurde. Er wird nn» unvergeßlich sein! Ehre seinem Andenken! Die Genossen von Ronsdorf. Ueber die Vorgänge bei der Beerdigung Mähler« in nächster Nummer. Innsbruck. Am 18. starb nach langem schmerzlichen Leiden unser Genosse Johann Beck, Schuhmacher, im Alter von 32 Jahren. Auch er zählt zu den Opfern de« Sozialisten- gesetze» nnd der Polizeiwillkür im„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte". Am 5. Februar 1882 wollte der berüchtigte G ehr et in München eine geheime Versammlung der Sozialdemokraten entdeckt haben, und unter den„Entdeckten" befand sich auch Genosse Johann Beck. Mit noch zahlreichen anderen Genossen wurde er verhaftet und, wie e« in Baiern üblich ist. bi? 2. Juni in Untersuchungshaft behalten. E» ist bekannt, daß am letztgenannten Tag achtzehn Parteigenossen von den jederzeit zu Schergendiensten bereiten bairischen Richtern wegen Bergehen» gegen die öffentliche Ordnung zu mehreren Monaten Gefäng- niß verurtheilt wurden; Beck speziell erhielt fünf Monate. Während dieser Hast zog fich Beck infolge der allseit» bekannten elenden Behand- lung, wie sie in bairischen Gefängnissen üblich ist, jene» chronische Leiden zu, von dem er nur durch den Tod erlöst wurde. Nichtsdestoweniger wirkte er bi» in die letzten Tage unausgesetzt für die Interessen der Partei und erwarb sich dadurch sowie durch seinen biederen Charakter unter den hiesigen Genossen allgemeine Sympathie. An dem am 20. Mai stattgesundenen Begräbnisse betheiligten fich etwa 200 Genossen und der hiesige„Arbeiter-Sängerbund" sang an seinem Grabe, wie e» der Brave gewünscht, ein ergreifende» Lied. Ehre seinem Andenken!-r- Warnung. Wir warnen hiemit sämmtliche Genossen vor einem Schwindler, welcher sich al« Parteigenosse ausgibt und den hiesigen Berein aus die gemeinste Weise betrogen hat. Demselben wurde die Sammlung für die Genossen in Meerane aufgetragen, und hat er mit dem gesammelten Gelde, Fr. 30,— da« Weite gesucht. Wir möchten alle Genossen und namentlich die Maler ersuchen, da« Subjekt bei etwaiger Begegnung zu entlarven. Photographien werden gerne zur Verfügung gestellt. Der Schwindler hat sich einigen Genossen gegenüber geäußert, er habe in Hamburg schon Schritte gethan, nm von der Wohllöblicheu angestellt zu werden. Darum ausgepaßt, Genossen in Teutschland, denn diese« Individuum wird wahrscheinlich in nächster Zeit in Gestalt eine» Spitzel» irgendwo austaucheu. . Der Verfolgte heißt Wilhelm Meinecke, Maler. Er ist au« Leipzig und war angeblich von 1871—1880 in Hamburg und zwar auch im Malerverein daselbst, später in Innsbruck(Tyrol) in einer Glas- malerei und im Sommer 1882 in Basel. Signalement: Stator: mittelgroß. Alter: Ende der Dreißiger. Gesicht: länglich. Nase: etwa« gebogen. Haare: dunkelblond. Bart: starken herunter bängcnden Schnurrbart. Kleidung; kleinen, weichen Filzhut. dunkeln Reck, graue Hose, worin verschiedene Farbflecke sind. Luzer». Der Borstand de« Allgemeinen Arbeiterverein«. Volkspoesie. Ich grüße Kttch! Ich grüße Such als meine Brüder, Euch, die der Fttich der Armuth drückt, Aus deren gramdurchsurchte Itirne Er schwer sein Siegel aufgedrückt! Ich grüße Euch als meine Brüder, Solaug noch auf des Liedes Schwingen Vermag ein Trostwort wie ein Mahnruf Tief ein in Eure Brust zu dringen. Ich grüße Euch und möchte gerne Auch Trost in Eure Seeleu gießen, Die Thränen trocknen, die im Stillen, Doch darum um so heißer, fließen. Ja, ich versteh' Euch, ernste Männer! Wenn Ihr Euch stumm die Hände schüttelt Und zähneknirschend— weh, vergeben«!— An den so schweren Ketten rüttelt! Ja. ich versteh' Euch, ernste Männer! Wenn stumm Ihr finst're Blicke tauschet— Geduld! Auch Eure Zeit wird kommen, Wenn auch manch' Jahr dahin noch rauschet! E« wird und muß die Zeit einst kommen, In der Ihr frei als Menschen fühlet, Und nicht der Haß, der lang genährte, Euch mehr da? Hirn, da« Herz zerwühlet! Nur haltet treu und fest zusammen, Die» ist mein einzig heiße» Flehen, Dann nur wird einst au« Eurer Mitte Siegreich dix Freiheit auserstehen! Ein Mädchen au« dem Volke. Vriefiasten d e r R e d a k t i o n: M. a. d. B.: Wie Sie sehen, haben wir dies- mal Ihr Gedicht sofort zum Abdruck gebrockt. Es ist sowohl in der Form al« dem Inhalte nach besser al» da« früher gesandte. Fahren Sie fort, Ihren Gedanken in möglichst einfacher und präziser Sprache AuS- druck zu geben. der Expedition: AuS d. Spielhölle Ostrß: Fr. 1,50 d. Agsd«. dkd. zugewiesen.— O. W. B.: Mk. 50,— baar und Mk. 36,— Gegen- rechnung k Cto. Ab. 1. u. 2. Qu. gutgebracht. Bfl. Weitere».— H. I. Ahn«: Fr. 2,60 Ab. 3. Ou. erh.— Merkuriu» G. i. B.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. u. Mk. 1.— pr. UsdS. erh. Ersatz außer 3 gratis abgz. mit 25. Frankatur Jrrthum der Zwischenhand.— F. B. Hdt.: Mk. 9,— Ab. 3. Qu. Mehrbestllg. erh.— Stbrg.: Mk. 52,30 k Cto. Ab. u. Schft. erh. Bfl. am 18/6. mehr.— fff Himmel--; Mk. 20,— k Cto. W. Je. v. Me. erh. Wünscht weitere Sendung.— Bogel: Mk. 150,— k Cto. u. Bs. v. 16/6. erh. Alle« beachtet. Bestllg. folgt.— Rttlgn.: Mk. 17,30 ä Cto. Ab. erh.— Dummer, roiher Neipel: Mk. 1.65 dem Agsd«. dkd. zugew.— Stg. B— m: Mk. 25,— pr. Agsd«. dkd. erh. A. Hhne N.-Dork: Fr. 151,90 ä Cto. Ab. erh. 2 Lsslle u. Hfte hier., folgen noch 62 Ldrb. Weiteres fort.— F. K Wkdf.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Hypokrate»: Fr. 50,— erh. Bf. erwartet. Rückständige« fort.— I. Heinrichs New.-Dork: Doll. 25,—(Fr. 127,80) ä Cto. u. P.K. erh. Schftbstllg. folgt. Auszug am 20/6. fort.— Pickelhaube: Die beiden Löwen werden sich auffressen bis aus die Schwänze. Gesegnete Mahlzeit!— Rother Greis: Mk. 10,— Ab. 2. Qu. erh.— Bon Zig.« Arb. bei Straton u. Storm N.-Dork: Fr. 50,65(Toll. 10,—) per diverse Fonds dkd. erh.— Serlow: Fr. 13,25 s. schft. erh.— I. F. Gent: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh.— E. Sch. Z.: Fr.—,50 s. Schst. erh. — F. S. Zug: Fr. 5,— f. P. M erh. u. abgel.— Rothbart: Mk. 310,— k Cto. erh. Bestllg. folgt n.-bst Bf.— R. Wthur: Mk. 2,25fl Ab. 3. Qu. f. Pr. erh.- L. P. Pari«: Fr. 66,65 f. Schft. erh.- Gracchus F.: Nachr. v. 17/6. hier. Weitere« benlltzt.— Onkel: Aa- theilschein dkd. gelöscht. Adr. notirt.— L. London: Bumbum hat doppelt quittirt, denn wenn man vom Hirn spricht, merkt er sofort, wa« ihm fehlt.— G— i: Fr. 1,25 pr. Ufd. dkd. erh.— Rothwein: Fr. 2.— pr. Usd. dkd. erh._ Für die streikenden Weber in Meerane(Sachsen) sind serner bei un» eingegangen: Dtschr. Arb.-Ber. Chauxdefond« Fr. 6.—. Deutsche Sozial. Glasgow Mk. 15,—. Tischgesellschaft Alpenrösli Ashl. Fr. 10,—. Flämische P.-G. Gent Fr. 90.—„Es lebe die internatiouale Solidarität der Arbeiter." Dieselben schreiben serner:„Obwohl der Meeraner Streik beendet ist, können diese Unterstützungsgelder für andere Zwecke verwendet werden." P.-Gen. in Zug: Fr. 3, Schneider Hockheim wolle zur dringliche» Mittheilung seinem Freund Peukert Gera direkt oder durch die Expedition de»„Sozialdemokrat" Adresse senden. _ T"" /-> l-> Samstag;, den 23. Juni, Abend« 8 Uhr, im Cafö ZjUriCIl. Kessler: Oeffentliche Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Die sozialpolitischen Zustände in Europa. Referent: Bgr. Bernstein. Jedermann ist eingeladen. Der Iiokalanssobuss der deutschen Sozialisten. Eintndung)mn Abonnement. „Der Sozialdemokrat," Zenlrat-Organ»er»euischen» o,ial»«m o tr aiie. ersteint wöchentlich einmal in Zürich. Auf dem Wlidcner Kongreß zum osfijiellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Dentschlands ertlärt. Hai da» Blatt eine Berbreitang gesunden. wie sie bei seiner Gründung laum erhofft worden war. Aus dem«ongretz zu Kopenhagen tonnte »«»halb mit Grnugthuung gesagt werden, daß die deutsche Sazialdemolrutie in ihre« Organ die mächtigste Waffe gegen da» über fie verhängte Ausnahmegejeß besthe. Da» Abonnement auf da» Blatt ist durch diese» Gesetz nicht verboten, sondern nur die Berbreitung, und zu letzterer haben sich sast allerort» energische und aus- opserungtzsähige Kenoffen genug gesunden