Krscheiut »Sch e»tlich i« l n.m a l. in Zürich lSchweiz) ?nl»i v» l»» b u» h» u» r« n s H»tti»«»»-Zarich. Atstsniiuzeu Iranco gtgln franco. Gewöhnliche Briese «ach der L ch« e i i losten Tophelporio. Der ZoMldemokmt Zentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweizerischen Pastbureaux, sowie beim»erlag und dessen belannten Agenien entgegengenommen und zwar zum «orsau» zahlbaren Vierteljahripreii von: Fr. 2.— für die Schweiz Ml. 8.— für Deutschland lllouvert) fl. l. 70 für Oesterreich Fr. 2.50 für alle übrigen Länder bei Welthostverein»(Kreuzbands Inserate Die dreigespaltene Petitzri e 25«t».= 20 Pfg. N- 27. Donnerslag. 28. Juni. 1883. Iii««« tie Atlnvente» nud K»rres»i»>t»te« de«„Saiialde«akrat". Da der.Gozialdemolrat- lowobl w Deutschland alt auch in Oesterreich verboten ist, bezw. virfolgt wird, und die dortigen Gehirden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern miglichst zu erschweren, resh. Briese von dort an UN» «td unsere Zeitung», und sonstigen Sendungen nach dort abzusangen, so ist die äußerste Vorficht im jjollverlehr aothwendig und dars keine vorfichiimastregel»ersäumt«erden, die Briesmarder über den Vahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt dt« Sendungen zu täuschen, und lehtere dadurch zu schützen, tzauhtersordernitz ist hiezu einerseit», daß unsere Freunde so selten al» möglich an den.Sozialdemokrat', resh. dessen Verlag selbst adresstren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige rmt- er- aITC■•mW AaQ••■•■•• Vm•■• W••• w. rt f CXJU W�MM.—ix.■ u o;.. cuu..—tfLz— w � r. X. x.... w.. r.ejf. �.— stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Der Kampf um die Phrase. Wenn die verschiedenen Parteien und Gruppen, welche sich heute um die Herrschaft in Staat und Gesellschaft streiten, ihre wirk- lichen Ziele ebenso offen und frei auf ihr Banner schrieben, als es die Sozialdemokratie thut, so würde dies ein wirklich gesundes Parteileben zur Folge haben. Statt besten aber sehen wir die Parteien der alten Gesellschaft ängstlich bemüht, ihre schmutzigen Sonderinteressen hinter möglichst schönklingenden Phrasen zu ver- bergen. Nicht blos Unwissenheit und Verschwommenheit greifen begierig nach jeder neuen Phrase, nicht blos wo Begriffe fehlen, stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein, wie zum Beispiel bei den sogenannten Anarchisten, sondern auch wo Begriffe, und zwar sehr reale, verborgen werden sollen, muß ein angenehm klingendes Wort herhalten. Bevorrechtung der Großgrundbesitzer wird zum„Kampf wider das Kapital", Bereicherung der Fabrikbesitzer zum„Schutz der nationalen Arbeit", Herrschaft des Pfaffenthums zur„Freiheit der Religion", das Recht auf unbeschränkte Ausbeutung der Arbeiter zum„freien Wettbetrieb der wirthschaftlichen Kräfte", die Verewigung der Meisterherrlichkeit zur„Organisation der produktiven Kräfte", die Willkürhcrrschaft der Polizei zur„Rück- kehr zur Zucht und Ordnung", die Wiederherstellung des Abso- lutismus zum„sozialen Königthum" u. f. w. u. f. w. Nun hat es in unserer schnelllebigen Zeit indeß auch mit den Phrasen seine eigene Bewandtuiß, sie wirthschaften sich schnell ab, wozu neben dem Konkurrenzkampf der Parteim namentlich die steigende politisch- Erkcnntniß des Volkes, ganz besonders der Arbeiterklasse, ihr Theil beiträgt. Die Folge ist ein bestän- diges Haschen nach neuen Phrasen, neuen Schlagwörtern, ein wahrer Wettkampf um die Phrase. Im Allgemeinen ist aus den soeben entwickelten Gründen dieser Kampf für uns wenig gefährlich. Hätten wir volle Bewegungs- treiheit, so würden wir sagen, absolut ungefährlich. Unter den heutigen Verhältnissen aber, wo den Kämpfern der Sozialdemo- kratie in Deutschland da» freie Wort, die Waffe der Kritik un- möglich gemacht ist, wäre es thörichte Selbstverblendung, die Gefahr der Verwirrung der Köpfe durch gewisse Phrasen einfach hinwegleugnen zu wollen. Es ist vielmehr unsere Pflicht, jeder neu auftretenden Phrase zu Leibe zu gehen, ihren Gehalt zu prüfen und dem Volke zu zeigen, weß Geistes Kind sich hinter der schönen Maske verbirgt. So wollen wir uns denn heute mit einer Phrase beschäftigen, die zwar an sich nichts weniger als neu ist, die aber unseres Wissens dieser Tage zum ersten Male als politisches Schlagwort in den Kampf der Parteien geworfen worden ist. Herr Joseph Cremer, der weiland Kampf- und getreue Gesinnungsgenosse des grausamen spanischen Thronprätendenten Don Carlos, hat nach der Berliner„Volkszeitung", vor wenigen Tagen in einer Versammlung des(antisemitischen)„Deutschen ReformvereinS" in Chemnitz folgenden Ausspruch gethan: „Der oft mißbrauchte liberale Satz:„Gleiches Recht für Alle" muß umgeändert werden.„Gleiche Gerechtigkeit für Alle!"" Der betreffende Korrespondent der„VolkSzeitung" macht sich in einer Weife über diesen Ausspruch lustig, aus der hervorgeht, daß er glaubt, hier sei nur ein im Grunde gleichbedeutendes Wort für ein anderes gesetzt worden. Dem ist aber keineswegs so. Die schöne neue Phrase versteckt hier ein bestimmtes System, und zwar ein nichts weniger als schönes. Was ist Gerechtigkeit? Die Verwirklichung dessen, was recht ist. Nun sind aber nicht nur in den verschiedenen Epochen der Geschichte die Anschauungen darüber, was recht und gerecht ist, sehr verschiedene gewesen, sondern auch in einer gegebenen Epoche sind dieselben keineswegs bei allen Elementen der Gesellschaft die gleichen. Auf einer gewissen Kulturstufe gilt eS durchaus für gerecht, den besiegten Feind zu tödten oder auch zu verzehren, und so fatal dies auch von dem Besiegten empfunden wird, eS fällt ihm gar nicht ein, zu behaupten, daß ihm Unrecht geschieht. Ebenso verhält eS sich mit der gegen diese Anschauung einen bedeutenden Fortschritt darstellendm Sklaverei. Erst in einer vor- geschrittenen Epoche wird auch die Sklaverei als ungerecht em- Pfunden, und zwar zunächst von Denen, die gesellschaftlich rechtlos find, den Sklaven, während die Sklavenbesitzer behaupten, daß die Sklaverei durchaus„gerecht" fei. Man kann diese Entwicklung weiter verfolgen in Bezug aus die Leibeigenschaft, die Hörigkeit, das Zunftbürgerthum u. f. w. Bleiben wir indeß bei dem Bilde der Sklaverei, dem am wenigsten komplizirten. In einer auf Sklaverei beruhenden Gesellschaft ist der Ruf: „Gleiche» Recht für Alle!" ein durchaus revolutionärer, heißt er Abschaffung der Sklaverei als Rechtsinstitution. Was heißt aber zur selben Zeit der Ruf:„Gleiche Gerechtigkeit für Alle"? Offenbar nicht anderes als: dem Sklaven soll wie dem Herrn nach bestimmten Grundsätzen sein Recht werden, aber im Rahmen der auf Sklaverei beruhenden Gesellschaft. Er heißt: Fort- bestand der Sklaverei. An der Sklaverei wird nicht gerüttelt, denn das wäre„ungerecht" gegen den Sklavenbesitzer. Maßgebend für das, was gerecht ist, sind Diejenigen, die Recht sprechen, sei es die Gemeinschaft der Freien insgesammt, sei es wiederum eine Minderheit derselben. In dem Rufe:„Gleiche« Recht für Alle!" ist der Begriff der Gleichheit der maßgebende, der Begriff der Gerechtigkeit aber schließt nicht an und für sich den der Gleichheit ein. Nun ist es natürlich auch mit der formellen Gleichheit, wie sie der Liberalismus erstrebt, nicht gethan, es hat sich vielmehr gezeigt, daß auch die bürgerliche Gesellschaft keineswegs jenes Ideal von Glückseligkeit und Wonne ist, als welche sie von ihren Vorkämpfern verkündet wurde. Das„gleiche Recht für Alle", welches übrigens selbst als formales Recht vorläufig kaum auf dem Papier besteht, bleibt solange für die übergroße Mehrheit der Gesellschaft leere Phrase, als es nicht vervollständigt wird durch die materielle Gleichheit der Lebensbedingungen. Der über- großen Mehrheit, das heißt dem Proletariat, erscheint es heute für keineswegs der Gerechtigkeit entsprechend, daß es von dem Ertrage der Produktion mit einem Lohne abgespeist wird, bei dem es beständig darben muß, daß es die Folgen für die Sün- den Anderer— bei Krisen:c.— willenlos tragen soll, daß es zur ewigen Lohnsklaverei verdammt ist. Wenn es daher den Ruf„Gerechtigkeit" erschallen läßt, so versteht es darunter etwas durchaus Anderes als der kapitalistische Ausbeuter, der das Lohnsystem für eine ganz vortreffliche Einrichtung hält. In der heutigen, von Klassen- und Sonderinteressen durch- wühlten Gesellschaft„gleiche T-.�yngreu für Alle" proktamiren, heißt nichts anderes als allen Sonderinteressen gerecht werden. Wer soll nun aber bei der Verschiedenheit der Interessen ent- scheiden, was gerecht ist und was nicht? Niemand anders natürlich als der über der Gesellschaft thronende„unpersönliche, unparteiische" Staat. Der Staat ist aber in Wahrheit nichts anderes als die politische Organisation der herrschenden Klassen. Die herrschenden Klassen verkünden durch den Mund des Staates, was gerecht ist, und selbstverständlich halten sie das für gerecht, was ihren Interessen dient. Ihren Interessen kann es unter Umständen sehr dienlich sein, daß selbst mit dem formalen„gleichen Recht für Alle" aufgeräumt werde. Nach diesen Ausführungen wird es klar sein, warum der klerikalkonservative Herr Cremer das gleiche Recht durch die gleiche Gerechtigkeit ersetzt haben will. DaS gleiche Recht ist gewissm Pfaffen und Junkern, die bürgerlichen Schlotjunker eingeschlossen, von jeher ein Dorn im Auge, sie möchten am liebsten die Klassen- unterschiede auch rechtlich möglichst scharf festgestellt sehen. Auf diese Art hoffen sie ihre gesellschaftlichen Privilegien verewigen zu können. Es ist die sogenannte historische Rechtsschule, die sich hinter diesem Ruf verbirgt, diese Schule, von der Karl Marx schon 1844 in den„Deutsch-französtschen Jahrbüchern" treffend saate:*) HEine Schule, welche die Niederträchtigkeit von heute durch die sjEoerträchligkeit von gestern legitimirt, eine Schule, die jeden Si'�l des Leibeigenen gegen die Knute für rebellisch erklärt, sr■- die Knute eine bejahrte, eine angestammte, eine historische K i, ist.--- Shylock, aber Shylock der Bediente, schwört sie s. jedeS Pfund Fleisch, welches aus dem Volksherzen ge- schnitten wird, auf ihren Schein, auf ihren historischen Schein, auf ihren christlich-germanischen schein."— „Gleiche Gerechtigkeit für Alle!" DaS heißt Aufhebung des rinzitz« der VolkSsouveränetät, das heißt Wiedereinführung der k tandeS- und Geburtsprivilegien, das heißt Verewigung der Knechtschaft des nichtbesitzenden Proletariers. ES ist nicht Kon- servatismus, es ist die krasse Reaktion. Und eS klingt dabei so unschuldig! Gerechtigkeit. Wessen Herz schlägt nicht höher beim Klang dieses Wortes, wer versteht nicht unter ihm den Begriff des edelsten und erhabensten Gutes der Menschheit? Darum her mit diesem Wort. Eine schöne Phrase, eine vortteff- liche Phrase! Mit Speck fängt man Mäuse! Gleiche Gerechtigkeit für Alle! Wer beißt darauf an? Die klassenbewußten Arbeiter gewiß nicht. Die Arbeiter, Ihr Cremer und Konsorten, sind keine Mäuse, die Ihr mit Euren duftigen Worten zu ködern vermögt. Sie kennen Eure Schliche, wie sie die Schliche Eurer liberalen Gegner kennen. Sie arbeiten unbekümmert um Eure Lockrufe rastlos weiter an dem begonnenen Werke der Volksbefteiung und schaue» spottend auf Euren, ach! so geistlosen Kampf um die Phrase. *) Zur Kritik der Hegel'schen Rechtsphilosophie. Louise Michel vor Gericht. Am 35. Jahrestage der furchtbaren Juuischlacht, m welcher das hungernde Pariser Proletariat von den Soldaten der Bourgeoisrepublik niedergeschmettert wurde, ist Louise Michel, die unentwegte VorkSmpferiu der Besreinng des Proletariats, die schwarze Hosmännin der sozialen Revolution, von Bourgeoisgeschwornen wegen angeblicher Aufforderung zur Plünderung zu sechsjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Wenn es je einen Tendenzprozeß gab, in welchem die Gesinnung getrosseu werden sollte und nicht die Handlung, so war es dieser, wenn je ein von Klassenhaß diktirteS Urtheil gesprochen wurde, so ist es hier ge- schehen. Was war das Verbrechen, welche» Louise Michel begangen? Als im letzten Frühjahr die Arbeitslosigkeit in Pari» immer mehr um sich griff, da forderten mehrere sozialistische und revolutionäre Gruppen zu einer Massendemonstration unter freiem Himmel auf. Die Polizei untersagte die Demonstration, auch die meisten Gewerkschaften waren dagegen, nichtsdestoweniger fanden sich zur festgesetzten Zeit einige tausend Personen auf dem vorgeschlagenen Platze ein, unter ihnen Louise Michel. Polizei und Militär, in Masse ansgeboten, suchten mit gewohnter Brutalität die Demonstranten auseinanderzutreiben, es gab kleine Zu- sammenstöße, mehrere Personen wurden verhaftet, im Ganzen aber ver- lief die Demonstration ohne ernstliche Störung der öffentlichen Ordnung. Sie wäre wahrscheinlich ohne jeden Tumult verlaufen, wenn die Polizei durch ihre ungeschickten Maßregeln nicht Stauungen im Publikum verursacht und so ein ruhige» Auseinandergehen der Demonstranten ver- hindert hätte. Louise Michel, der man eine schwarze Fahne, die Fahne des Hungers, in die Hand gedrückt hatte, ging, begleitet von zwei Freunden, Pouget und Mareuil, nach dem Glysee, hinter ihnen her einige hundert Demonstranten, von denen ein Theil in drei an dem Weg ge- legenen Bäckerläden stürmisch Brod verlaugte, das theils freiwillig her- gegeben, theils aber auch gewaltsam genommen wurde. Der Werth der „geplünderten" Backwaaren belief sich inSgesammt auf noch nicht 200 Franken! Die Anklage lautete nun dahin, daß Louise Michel jedesmal durch Niedersetzen der Fahnenstange das Zeichen zur Plünderung gegeben habe. Wir haben seinerzeit mit uuserm Urtheil über die Demonstration nicht hinter dem Berge gehalten, und sind auch heute noch der Ansicht, daß sie höchst ungeschickt organisirt war, wenn von Organisation Uberhaupt die Rede sein konnte. Wir haben auch keinen Geund, zu verhehlen, daß wir unS oft schon die Frage vorgelegt haben, ob nicht bei ihrer vollständigen Kritiklosigkeit Louise Michel trotz ihrer großen Hingebung für die Sache de« Proletariats dieser heute mehr schadet, al» nützt, aber alle diese Erwägungen müssen schweigen gegenüber der charaktervollen Haltung der edlen Dulderin vor Gericht. Hier kann es unter Sozialisten nur eine Stimme geben: rückhaltlose Anerkennung. Wir bedauern lebhaft, nicht den ganzen Prozeß hier wiedergeben zu können, wir wollen indeß doch einige der bemerkenswerthesten Episoden zur KennMiß unserer Leser bringen. Aus der Zeugenaussage Wochefort's. R o ch e f o r t:--„Ich darf wohl meinem Erstaunen Ausdruck geben, wie Louise Michel der Plünderung angeklagt werden kann, ich, der ich sie auch aus dem Schiff gesehen, welches un« nach Neu-Kaledouien brachte. Louise Michel(unterbricht ihn): Nicht doch, ich beschwöre Sie l R o ch e f o r t: Ich bin hier, um die ganze Wahrheit zu sagen. Louise Michel: Nein, nein, ich bitte Sie dringend. Präsident: Wollen Sie gefälligst den Zeugen reden lassen. R o ch e f o r t: Wir wurden gleichzeitig deportirt, ihre Zelle war der meinen gegenüber, ich sah sie, wie sie bei 10 Grad Kälte barfüßig auf dem Verdeck lag, weil sie ihre Schuhe und Strümpfe, Alles wa» sie besaß, verschenkt hatte. Louise Michel: Ich beschwöre Sie, ich werde Sie nicht mehr rufen lassen; nein, nein, schweigen Siel--- R o ch e f o r t:-- Ich war überrascht, sage ich, von der gegen Louise Michel erhobenen Anklage auf Plünderung. In Noumea darbte sie, lies sie ohne Schuhe und Strümpfe herum und gab alle« den Un- glücklichen. Louise Michel: Nein, nein, hören Sie aus l Fahren Sie nicht so fort.... R o ch e s o r t: In Neu-Kaledonien, wiederhole ich, hatte sie ihre Hütte in ein Hospital verwandelt, in welcher sie alle Unglücklichen und Kranken ausnahm und sie pflegte. Sie wurde von MoSguito« zerbissen, sie schlief aus der Erde, sie gab Alle« hin, wa» sie hatte. Louise Michel: Ich habe Herrn Rochesort für alle» Andere vor- laden lassen, al» daß er mir Pein verursache. Der Zeuge wird nicht fortfahren, ich bin dessen sicher. R o ch e f o r t: Ich hatte die Pflicht zu reden, ich bin fertig. „Rochefort'S Aussage", schreibt die„Justice",»ach der wir zitiren, „machte ungeheuren Eindruck, sie rührte alle Anwesenden; die Stimme der Wahrheit über Louise Michel konnte keinen besseren und aufrichtigeren Ausdruck finden." ** * Aus dem Kerhör Louise Wichel's. Präsident: Sie haben also mit der Plünderung dieser beiden Läden nichts zu thun? Louise Michel: Nicht». Präsident: Diese Plünderung paßte doch sehr gut zur Juszeuenirung Ihrer Manifestation. Louise Michel: Wir veranstalten keine Jnszmesetzungen, wir haben genug Jnszenesetzungen von Elend, von Anfang bis zu Ende de« Jahre«.--- Präsident: Sie behaupten Alle» in Allem, mit allen Plünderung»» alten vom 9. Mai nicht« zu thun zu haben? Louise Michel: Ja; was würde es mir ausmache», wenn Un- glückliche für die Dauer eines Tages etwa» Brod hätten und Tags darauf wieder Mangel litten? Ich habe zur Stürmung der Bäckerläden durchaus nicht ermuthigt. Aber ich würde ganz anders gehandelt haben, wenn ich dieser Menge für immer hätte Brod verschaffen können. Ju einem solchen Falle hätte ich die Zurückhaltung für verbrecherisch ge- halten.--- Präsident: Sie behaupten also, daß es eine unverabredete Be- wegung war, von Hungerleideru ausgehend. Warum hat diese dann aber die Bäckereieu verschont, welchen man aus dem Marsche bis zur Rue Canettes begegnete? Louise Michel: Aber das beweist gerade, daß keine Verschwörung behufs Plünderung der Bäckerläden bestand. Präsident: Keineswegs, da» würde beweisen, daß mau einem Zeichen folgte, als die anderen Bäckereien gestürmt wurden.(Welche Logik I) Uebrigens erfolgten diese Ruhestörungen nur auf Antrieb von Leuten, welche im Interesse ihrer Popularität und ihrer Eitelkeit handelten. Louise Michel(unterbrechend): Wenn e» sich um Popularität gehandelt hätte, so hätte ich mich auf der Tribüne verhaften lasten. Nein, eS handelte sich um kein Juteresse für mich. Ich ging zur Manifestation, weil es daselbst Verhungernde gab. Präsident: Sie wurden auf dem Platz Maubert von Pouget und Mareuil unterstützt und konnten sich flüchten? Louise Michel: Meine Freunde wollten nicht, daß ich mich an jenem Tage verhaften ließe. Ich bedauere, ihnen Gehör geschenkt zu habe». Ein andermal wird es nicht der Fall sein. Präsident: Sie nennen eine Manifestation ftiedlich, bei der man drei Bäckerläden plünderte? Louise Michel: Ich nenne solche Manifestation nicht friedlich, wo die Bourgeoisie wie 1871 35,000 Bürger auf den Straßen von Pari« ermordet. Präsident: Wir können un« auf derartige Erörterungen nicht ein- lasten. Setzen Sie sich. Aus Louise Michels's Mertheidiguug. „Warum entfalteten wir über der Manifestation die schwarze Fahne? Weil sie die Fahne der Streik» ist, weil sie anzeigt, daß der Arbeiter kein Brod hat. „Wenn unsere Manifestation nicht hätte friedlich sein sollen, so hätten wir die r o t h e Fahne genommen, die jetzt aus dem Püre-Lachaife befestigt ist, über den Gräbern unserer Tobten. Wenn wir sie aufpflanzen werden, so werden wir sie zu vertheidigen wissen.(Bewegung.) „--- Ich ziehe es vor, Gautier, Krapotkin und Bernard in deu Gefängnissen al» in den Ministerien zu sehen. Dort dienen sie der Sache de» Sozialismus, während man auf den Höhen vom Schwindel ersaßt wird und Alle« vergißt. „Was mich tröstet, ist, daß ich sehe, wie hoch über Ihnen, hoch über den Gerichtshöfen die Morgenröthe der Freiheit und Gleichheit sich er- hebt.(Bewegung.) „Wir sind heute von Roth und Elend umgeben und wir befinden uns in einer Republik; aber da« ist nicht d i e Republik. „Die Republik, die wir wollen, da« ist die, in der Jeder arbeitet, in der aber Jeder da« zu genießen erhält, wessen er zur Befriedigung seiner Bedürsuisse benöthigt; die Rtpublik, wtlche wir wollen, da» ist die, in der man die Blicke fest auf die Zukunft richtet, die keinen Stillstand kennt, kein Aufhalten bei den Ueberresteu der Vergangenheit. „--- Sie sagen, daß wir eine Revolution machen wollen. Aber die Verhältnisse sind es, welche die Revolutionen machen; die Niederlage von Sedan hat da« Kaiserreich gestürzt, und gewisse Verbrechen unserer Regierung werden auch die Revolution zur Folge haben. Das ist sicher. Und vielleicht werden Sie selbst auf Seiten der Entrüsteten sein, wenn Ihr Interesse es erfordert. „Beherzigen Sie es wohl. Wenn e» so viel Anarchisten gibt, so ist e« dem Umstand zuzuschreiben, daß so Viele von der traurigen Komödie, welche unsere Regierer un» seit Jahren vorspielen, angeekelt sind. „--- Ich widerlege nicht die Anklage wegen Raube«, den ich begonnen haben soll, sie ist zu lächerlich. Aber wenn Sie mich bestrafen wollen, so begehe ich täglich durch Schrift und Rede Verstöße gegeu Eure Gesetze. Verfolgt mich also wegen dieser. „Da« Volk hat weder Brod noch Arbeit, und wir sehen nicht» heran- nahen als den Krieg. Wir aber wollen den Völterfrieden durch den Bund der Völker. „Da» sind die Verbrechen, die wir begangen haben. „Jeder verfolgt seinen Weg. Wir gehen den unser» und wir denken, Feuilleton. Keitms aus ernster Zeit. Aic-ftlbert von Sachsen �»Protektor seiner in Etbcrscld wohnkasten Landeskinder wurde. Motto: Wir Sachsen find gemüthlich! Schon längst wäre e» an der Zeit gewesen, über die Borkommnisse in dem hier bestehenden Verein„Vereinigte Sachsen" im Partei- organ zu berichten, nachdem fast jedes Preßorgan in Deutschland und weit darüber hinaus Uber den betreffenden Verein Artikel gebracht, und zwar meist entstellte oder direkt verleumderische. Jedoch unterließen wir e«, im Parteiorgan darüber zu reseriren, um nicht dadurch den schon damals von allen reaktionären Elementen angefeindeten Berein zu schädigen. Heute aber, nachdem dieser ehemals patriotische Berein dem Sozialistengesetz zum Opfer gefallen ist, halten wir es für unsere Pflicht, da» Versäumte nachzuholen. Der hiesige in Loyalität«- und NationalitätS-Tuselei arbeitende Sachsen- verein hat seit seiner Gründung, die vor 7 oder 8 Jahren erfolgte, den Spott der hiesigen Bevölkerung herausgefordert, denn etwas Bernünflige« konnte man selten von ihm zu hören bekommen. Die VereinSthätigkeit bestand hauptsächlich in patriotischen Umzügen bei Sedanfesteu, kaiserlichen und königlichen Geburtslagen ic., wo oie„vereinigten Sachsen" dann gewöhn- lich einige Mann stark, schweifwedelnd mit der Fahne einhertrovten und Uberglücklich waren, wenn sie einmal den Mund zu einem Hoch ans Albert oder Wilhelm aufreißen dursten— während mancher von ihnen vor Hunger den Mund nicht weit genug aufbringen konnte. Buch arrangirte der Berein Festessen, Bratwurstschinäuse zc., wobei auch der zu den gebührenden Hoch» nöthige Wein nicht fehlen durste. An'» Be zahlen wurde in der Regel am Wenigsten gedacht, denn e» erzählt heute noch ein Wirth Jedem, der e» hören will, daß er von diesen Muster- Patrioten noch für so und so viel Flaschen Wein die Bezahlung zu fordern habe. Dieser Verein nun, oder besser gesagt, diese Sippschaft hatte„Seine Majestät" den König von Sachsen zum Protektor und ein halbe» Dutzend andere gekrönte Häupter zu Ehrenmitgliedern, woraus sie nicht wenig stolz war. Aber auch Albert konnte darauf stolz sein, über eine derartige Gesellschaft von Landsleulen Protektor zu sein. Doch wie«« im Homer heißt:„Einst wird kommen der Tag, da da» heilige Jlion hinsinkt", so nahte auch der Tag, da diese Herrlichkeit eine Ende nehmen sollte. Die freisinnig denkenden Sachsen in Elberfeld hatten nämlich de« grau- samen Spiel« genug und begannen daher, sich nach und nach in den Verein als Mitglieder aufnehmen zu lassen, um alsdann der Schandwirthschaft desselben ein gründliche» Ende zu machen, wa» ihnen auch vollständig gelang. Die patriotischen Hanswurste hatten natürlich keine Ahnung von dem, wa« da kommen sollte, sie freuten sich vielmehr, daß der Verein auf einmal so erfreulich au Mitgliedern zunahm. Doch die Freude währte nicht lange, unsere Genossen waren bald so stark im Bereine vertreten, daß sie die Majorität halten. Ter erste Sieg wurde bei der Vorstandswahl erzielt, daß wenn Freiheit und Gleichheit dereinst auf Erden herrscht, die Mensch- heit glücklich sein wird."— Al« der Präsident da« Urtheil verkündet hatte, setzte er hinzu:„Ber- urtheilte Louise Michel, Sie haben drei Tage Frist gegen den Entscheid, der Sie verurtheilt, Einspruch zu erheben", und er erhielt die beißende Antwort: „Nein, mein Herr, Sie haben dem Kaiserreich zu gute Dienste geleistet. Ich werde nicht« unterschreiben!" ** * Da« ist die Frau, welche der deutschen Bourgeoispresse, die„demo- kratische"„Frankfurter Zeitung" natürlich eingeschlossen, seit Jahren al» Gegenstand aller möglichen Augrisse und faden Witze gilt. Mag sein, daß ihr leidenschaftlicher Eiser sie zuweilen über da« Ziel hinausschießen läßt, wa» sie aber thurmhoch über da« Gespött der Gegner, wie über gewisse Revolutionsschreier erbebt, da» ist die bei jeder Gelegenheit be- wiesene Entschlossenheit, die Folgen ihrer Reden und Handlungen im vollsten Umfange auf sich zu nehmen, die stete Bereitheit, da» selbst zu thun, wa« ihr al« nothwendig erscheint. Und Louise Michel, die Verkörperung der Selbstlosigkeit und Aus- opseruug, wurde al« Diebin zu sechs fahren Zuchthaus und zehnjähriger strenger Polizeiaufsicht verurtheilt. Da« veranlaßt sogar die„Justice", den Richtern zuzurusen: Ihr habt als» nicht begriffen, daß Eure Ber- urtheilung sie heiligt?" Die„Justice" hat Recht. So weit bei Revolutionäre» da» Wort über- Haupt einen Sinn hat, wird un« der Name dieser Frau heilig sein! Schmach ihren RichternI *** Zu noch höherer Strafe al« Louise Michel wurde ihr Gesinnungsgenosse Pouget, der eine revolutionäre Brochüre„An die Armee" verbreitet hatte und in dessen Wohnung mau Sprengstoffe-c. vorgefunden hatte, ver- urtheilt: zu achtJahren Zuqthau« bei zehnjähriger Polizeiaufsicht. Auch Pouget lehnte e» ab, zu appelliren. Ein weiterer Angeklagter, M o r e a n, der einige Exemplare dieser Broschüre„An die Armee" weitergegeben hatte, ward dafür mit einem Jahr Gesängniß und 100 Fr. Geldstrafe bedacht. So geschehen im dreizehnten Jahre der dritten französischen Republik, drei Wochen vor dem Natioualseste, dem Jahressest de» glorreichen Bastillesturme«! ES lebe die Republik! Festrede für das Nerbaudsfest der Kritger-, Rtsrrvt- und Zandwehrvereme von Ulrflplialell und Lheinlaud. (Abgehalten am 16. und 17. Juni 1383 in Bielefeld.) Kameraden! Brüder! Wären die Unterdrücker der Nation sich selbst überlassen, ohne Stütze, ohne fremde Hilfe, wa» vermöchten sie gegen un«? Hätten sie, um die Nationen in Knechtschaft zu halten, keine andere Helfer, al« die, welchen die Knechtschaft nützt, wa« wäre diese kleine Zahl gegen ganze Völker? Und d i e s e» ist die„W e i« h e i t G o t t e«", der die Dinge also geordnet, daß die Menschen immer der Tyrannei widerstehen können; und die Tyrannei wäre unmöglich, verständen nur die Menschen die Weisheit Gottes. Aber im Herzen Anderes sinnend, eiferten die Beherrscher der Welt gegen die Weisheit Gottes, welche von den Menschen nicht verstanden ward, für die Weisheit des Fürsten der Welt, de» Satans. Und Satan, der da ist der Köeiig der Unterdrücker der Nationen, gab ihnen, ihre Zwingherrschast zu schützen, eine teuflische List ein. E r sagte ihnen: Diese« müßt ihr thun. Nehmet au« jeder Familie die jungen kräftigsten Männer, und gebet ihnen Waffen, und lehrt sie dieselben führen, und sie werden kämpfen für euch, gegen ihre eigmen Brüder und Schwestern, denn ich werde ihnen einreden, daß diese« eine ruhmvolle That sei. Ich werde ihnen zwei Götzenbilder machen, die da heißen: Ehre und Treue, und ein Gesetz, welche« heißt: stummer Gehorsam. Und sie werden diese Bilder anbeten und blind sich unterwerfen diesem Gesetze, denn ich werde ihren Geist verführen und i h r werdet nicht« mehr zu fürchten haben. Und die Unterdrücker der Nationen thaten, was Satan ihnen ge- der alle könig«lreue Vorstand ward gestürzt, und an seiner Statt wurden Leute gewählt, die von ihm selbst al« Sozialdemokraten bezeichnet worden waren. Da« war der Anfang vom Ende. Jetzt entbrannte heftig der Kampf, jetzt spürten sie erst, wa» im Werke war, aber nun waten auch noch Diejenigen in den Verein ein, welche erst hatten zurück- bleiben müssen, damit die Sache nicht zu ausfällig wurde. Ein frische«, fröhliche« Leben entwickelte sich in dem Berein, unsere Genossen gingen ge- hörig wider die kör.ig»srommen Sachsen in'« Feuer, von eiaer Bersamm- lung zur anderen wurden die Debatten immer stürmischer und interessanter. Alle« freute sich, daß diesen alten Spießern einmal gründlich heimgeleuchtet wurde, und die armen königstreuen Sächser sahen sehr bald ein, daß sie der immer mehr anwachsenden Opposition nicht mehr gewachsen waren. Sie steckten sich sitzt hinter die Polizei und legten sich auf'« Den unziren. Sie zeigten Genossen wegen ihres Auftretens an, beschuldigten sie der Flugblätter-Verbreitung je. Doch auch die hohe Polizei konnte nicht« machen, e» war ihr rein unmöglich, den neuen Mitgliedern irgendwelche „Verbrechen" nachzuweisen. So hatten denn auch hiemit diese Auch-Sachsen kein Glück und e« blieb ihnen kein anderer Weg offen, al« nach einer„gemüthlichen De- balle", wo ihnen ihre Gemeinheiren gegen ihre eigenen Landsleute noch einmal so gehörig vorgehalten warm, daß sie vorWuth und Groll nicht mehr aus ihrem Stuhl zu sitzen vermochten, sich zu beeilen, daß sie zum Tempel hinauskamen; sie erklärten also feierlich ihren AuSwitt, was von den anderen Mitgliedern mit brausendem Bravo begrüßt wurde. Selbstverständlich war nun auf Seiten der Besiegten große Trauer über die Zerstörung ihre« patriotischen Verein». Erklärten doch diese trauernden Gestalten selbst in den hiesigen Blättern, daß sie al» national- gesinnte Minorität der sozialistischen Majorität hätten weichen müssen. Der Berein hatte neben seinen lebendigen Möbeln(König von Sachsen und sonstige Fürsten) auch eine mit den sächsischen Landesfarben au«- gestattete Fahne, welche die königsweue Sippschaft schon vor ihrem Au»- tritt mit Hilfe de« Lokakwirlhe« gestohlen hatte, damit sie dem ihr pro- phezeiten Schicksal nicht zum Opfer fiele; denn einige Mitglieder hatten sich vorgenommen, diese Fahne roth färben zu lassen, was auch so geschehen wäre, wenn sie nicht noch ein ganz andere« Schicksal gehabt hätte. Es war nun eine wahre Lust, die gereizten Philister an der Arbeit zu sehen, wie sie alle» Mögliche anstellten, um dem au» lauter Sozialdemo- kraten bestehenden Verein einen Streich zu spielen. Doch sie konnten thun und machen, wa« sie wollten, anstatt bei unseren im Verein befind- lichen Genossen Aergerniß zu erregen, mußten sie immer die Erfahrung machen, daß sie gerade das Gegentbeil bewirkten. So dachten sie nun ganz bestimmt, dem Vereine dadurch Ein« zu versetzen, daß sie den lieben König von Sachsen unterlhänigst baten, sein Protektorat über den Verein niederzulegen, da die nationalgifinnten Lumpen, Zechpreller, Bankerotteure u. s. w. nicht mehr dabei wären und e« doch der Würde Sr. Majestät nicht entspreche, Uber ordentliche und rechtschaffene Menschen, die sich mit ihrer Hände Arbeit ihr Brod erwerben müßten und keine Schwindler, Hallnuki» und Leutebettüger seien, wie wir tönigSlreuen, vor lauter Patriolismus ersterbenden Gestalten, noch ferner Protektor zu sein. Und unser Albert entsprach selbstredend dem Wunsche dieser Speichellecker, mdem er da« Protektorat niederlegte. Anstalt daß nun aber, wie sich die sagt hatte, und auch Satan erfüllte, was er den Unterdrückern der Nationen verheißen hatte. Und man sah die Kinder des Volke» den Arm er- heben wider d a» Voll! Sah s i e ihre Brüder erwürgen, ihre Väter in K e t t e n w e r f e n, und selbst deu Leib nicht ver- schonen, der sie getragen. Und sagt man ihnen: bei Allem, wa» heilig ist, bedenkt die Un- g erechtigkeit, die Unmenschlichkeit dessen, wa« man euch befiehlt, so ant- Worten sie:„Wir denken nicht, wir gehorchen!" Und sagt man ihnen: Ist denn in euch kein Funke von Liebe für eure Bäter, eure Mütter, eure Brüder und eure Schwestern, welche nach Brod und Freiheit lechzen? Sie antworten:„Wir lieben nicht, wir gehorchen!" Und verweist man sie selbst aus die Religion, in der sie erzogen wurden, richtet man ihre Augen auf die A l t ä r e G o t t e«, der den Menschen geschaffen, und de« H e i l a n d«, der da spricht: Du sollst nicht tödten, sondern deinen Nächsten lieben, so rufen sie au»: Da« find die Götter des Volke»— unsere Götter aber sind die Götter seiner Zwingherru: Treue und Ehre! Ich sage e« hier io Wahrheit: seit der Verführung de« ersten Weibe« durch die Schlange gab e« keine schrecklichere Verführung als diese da. Aber sie naht ihrem Ende. Wenn der böse Geist gute Seelen ver- lockt, so ist die« nur für kurze Zeit, sie liegen wie in einem gräßlichen Traume befangen und beim Erwachen jauchzen sie hell auf, von dieser Folter befreit zu sein. Noch wenige Tage, und die, so für die Un- l terdrücker fochten, fechten für die Unterdrückten, die, welche dafür kämpften, ihre Bäter, Mütter, Brüder und Schwestern in den Fesseln zu halten, werden kämpfen, sie zu befreien. Und Satan wird iu seinen Abgrund fliehen und mit ihm werden flieheu, die Zwingherren der Völker. Dann wird man aller Orten frageu: Junger Soldat, wohin ziehst du? Und er wird antworten und sagen: Ich ziehe in den Kampf für die Gerechtigkeit, für die heilige Sache der Völker, für die geheiligten Rechte de« Menschengeschlecht«. Grsegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kampf, meine Brüder von der Unterdrückung zu be- j freien, ihre Ketten zu brechen und die Ketten der Welt. Gesegnet seien f deine Waffen! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps gegen die Ungerechten, und für die, t welche jene niederwerfen und mit Füßen treten, gegen die Herren; und für die Sklaven; gegen die Tyrannen und für die Frei- I heit. Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, auszurichten die gekrümmten Nacken und zu erheben die Knie, die sich beugen. Gesegnet seien deine Waffen, junger � Soldat. Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, damit die Väter nicht mehr den Tag ver«. fluchen, wo man ihnen sagte: Ein Sohn ist euch geboren worden, noch die Mütter den Tag, wo sie ihn zum ersten Male an die Brust gedrückt, f Gesegnet seien deine Waffen! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kampf, damit der Bruder nicht mehr traure, wenn er 1 seine Schwester dahin welken sieht, wie die Blume, der die Erde die Nahrung| versagt; damit die Schwester nicht mehr unter Thräne» den Bruder an- J schauen möge, der dahin zieht und nimmer wiederkehrt. Gesegnet seien J deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, aus daß ein Jeder in Frieden die Frucht seiner Arbeit genieße; ich ziehe au», zu trocknen die Thräneu der Kleinen, die Brod verlangen, denen die Bäter und Mütter antworten müssen: Wir haben keiu Brod mehr; wa« übrig war, hat man un«' genommen. Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps für den Armen, daß er seine« Antheil« nicht: aus immer beraubt sei am allgemeinen Genüsse. Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat. Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, den Hunger zu vertreiben a i» den Hütten,� zurückzuführen den Ueberfluß, die Sicherheit und die Freude in die Familien! Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat I Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, denen, welche die Unterdrücker in die Tiefe' der Kerker geworfen, die Luft wieder zu geben, die ihrer Brust entzogen alten Spießer vorstellten, die, Ablehnung de» König« von Sachsen aus- betreffender Seite große« Aergerniß erregte, war da vielmehr allgemein' Freude und Jubel, denn unsere Genossen waren durchaus nicht geneigt, l unter königlichem Protektorat zu wirken, und hätte Albert nicht nieder« l gelegt, so wäre ihm höchst wahrscheinlich von gewisser Seite selbst da» Anerbieten gemacht worden, sein Protektorat zurückzuziehen. Wir glauben auch ganz bestimmt, daß Albertchen so etwa« geahnt hat, denn um diese- Schmach nicht zu erleben, machte er so schnell al« möglich, daß er nieder-« legte und mit ihm einige Fürsten— zwei solcher sogenaanteu Fürsten, deren Namen mir entfallen, sind jedoch mit vom Sozialistengesetz betroffen worden. Wohl bekomm'« ihnen! E« werden sich nun viele Genossen, die über die Borgänge im hiesigen Sachsenverein gehört und gelesen, gewundert haben, daß der Berein Bebel zum Protektor wählte. Diese« geschah au» dem ganz einsacheu Grunde, um damit den allen, denunzirenden Mitgliedern sowie der ganzen lönigStreuen Sippschaft zu beweisen, daß die Ablehnung des Königs von Sachsen sehr willkommen war und gleichzeitig den schroffen Gegensatz der Bereinibestrebungen von sonst und jetzt der Oeffentlichkeit gegenüber zu bekunden. Hielt König Albert sich nicht für würdig, dem Berein in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung anzugehören, so hielten die Mit- glieder e» schon längst nicht mehr würdig, ihn al« solchen zu betrachten. Diese» bekräftigte der Berein dadurch, daß er am gleichen Abend, al« der sächsische König niederlegte, den Genossen Bebel einstimmig zum Protektor wählte. Wollt Ihr so, dann macheu wir e« so! Früher König von Sachsen, jetzt August Bebel— konnte es einen schärferen Konttast geben? Sicherlich nicht! Unsere Genossen waren sich bei der Wahl auch darin einig, daß Bebel sicherlich ablehnen würde. Jedoch wurde die Frage g-n, außer Acht ge- lassen, ob er annehme oder nicht, e« handelte sich um eine Demonstration, und damit war der Zweck erreicht. Genosse Bebel lehnte auch unter richtiger Erwägung der Verhältnisse dankend ab. Nach der Wahl Bebel'« ging uuu der Skandal auf'« Nene lo«, alle reaktionären Blätter brachten hierüber Berichte, mau beschuldigte den Verein aller nur denkbaren Schlechtigkeiten, man posaunte au», die bösen Vereiusmitglieder(natürlich Sozialdemokraten) hätten da« Vereinsvermögeu oerfressen, als ob die Maulaffen sich vorstellten, die Mitglieder würden da» Geld hinlegen, bis die hohe Obrigkeit käme und e« konfiszire! Ne Männeken, soa nit, aber verfressen ist e« auch nicht; da« ist noch zu ganz anderen Zwecken ver- wendet worden! Man war sich nun allgemein darüber klar, daß die polizeiliche Auf- lösung erfolgen würde, denn sofort nach der Wahl Bebel'« zum Pro- tektor wurde dieselbe vom Polizeiinspektor Hahne zu Protokoll genom- men, sowie Haussuchung im Bereinslokal vorgenommen. Jede Verein«- sttzuiig wurde von einem Kommissar oder Wachtmeister überwacht sc-, aber Alle» vergeben«, denn e» ging doch Alle» seinen Gang, bi» vor einigen Tagen die Auslösung wie ein Blitz au» heiterem Himmel her- 1 vi, uiedersuhr. 9'1 Der Jnteressantheit wegen lassen wir diese« Schriftstück hier folgen- „Diese» Verbot gründet sich darauf, daß durch die stattgehabte Ausnahme notorischer sozialdemokratischer Agitatoren unter die Mit- glieder und Leiter de» Verein«, durch die Wahl de» Reichstags- abgeordneten Bebel zum Protektor desselben, und n a m e n i l i« hä ali fre ob Ei da au gt' hei G« lev spi Si Ich S> Lu kvi sei kei tai st° hie v« * ist, und da« Licht, da« ihre Augen suchen! Gesegnet seien deine Massen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe iu deu Kampf, die Schranken niederzuwerfen, welche die Völker trennen und sie verhindern, sich zu umarmen wie die Söhne Eine« Geschlech«, bestimmt, vereint zu leben in Einer Liebe. Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps, zu befreien von der Zwingherrschast der Menschen den Gedanken, da» Wort, da« Gewiffeu! Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldati Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in deu Kampf für die ewigen Naturgesetze, für die Gerech- tigkeit, die da» Recht beschützt, für die Liebe, welche unvermeidliche Uebel mildert! Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kamps für die W i s s e n s ch a s t wider die Herr- schaft der Unwissenheit, wider die Herrschast de« Aberglauben». Denn die Wissenschaft ist der einzige Gott nnd die Erkennt- n i ß ist der Heiland der Welt, der die Menschen erlöst von der Macht de« Satan« Unwissenheit. Nieder mit der Herrschaft tausendjähriger Lüge und Wahn«! Wer da blindlings glaubt, ist Knecht, wer da weiß und denkt, ist frei! Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Junger Soldat, wohin ziehst du? Ich ziehe in den Kampf für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! In den Kampf für das wahre Gemeinwohl Aller! Gesegnet seien deine Waffen, junger Soldat! Ei» Veteran der Arbeit. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 27. Juni 1883. — Die Wissenschast muß umkehren!" Das berüchtigte Wort der„rothen" Manteuffel'schen Reaktion ist im„neuen deutschen Reiche" Bismarck'schen Fabrikat» zum offiziellen Programm erhoben worden. Vorläufig bloS sür Preußen, indeß der Rest wird schon bald nachfolgen, theil« gutwillig, theil» sanfter Gewalt nachgebend. Der preußische Knliu«minister, Herr Go ßler, hat nämlich soeben in seiner Eigenschaft al« UnterrichlSunniKer(schon bezeichnend diese Zusammen- koppelung zweier unvereinbarer Gegensätze: Kultu«,d. h. Nega- tion der Wissenschaft, und Unterricht, d. h. Pflege und Berbreitung der Wissenschast!) hinsichtlich des naturwissen- schaftlichen Unterricht» an den höheren Schulen die Bestimmung er- lassen: „Die Vermittlung der Bekanntschast(!I) m i t den neuen Hypothesen von Darwin n. s. w. gehört nicht zu den Aufgaben der Schulen, und ist darum vom Unterricht fern zu halten." Mit anderen Worten: Die modern« Naturwissenschast(denn da» ist der richtige Namen sür die Goßler'fchen„Hypothesen von Darwin") gehört nicht zu de» Aufgaben der Schulen und soll der heranwachsenden Jugend ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch sein und bleiben. Wir wüßten nicht, daß jemals ein frecheres Attentat auf die Wissen- schaft verübt worden wäre— sei es von einer weltlichen, sei es von einer geistlichen Regierung. Oder hat etwa der Papst iu seiner Gncyelika und seinem Syllabu« sich ärger an dem heiligen Geiste der Wissenschaft versündigt. Trotzdem werden die liberalen GefinnungSphilister fort- fahren zu behaupten, der preußische Pickelhaubenstaat vertrete in seinen Spiegelfechtereien, almg dem„Kulturkampf" mit der römisch-katholischen Kirche, die moderne Wissenschaft. Apropos, da» Wort„Kulturkampf" erinnert un» an dessen Urheber, den großen FortschrittS-Wissenschaftler oder Wiff-nschaflS Fortschrittler B i r ch o w, der seiner Zeit den Darwinismus genau ebenso beurtheilte, wie jetzt der preußische Kultus- und Unterrichtsminister; gleich ihm von unerwieseneu„Hypothesen" sprach, und auch für die Fernhallung dieser „Hypothesen" an» der Schule plaidirte. Der große fortschrittliche WiffenschaftSheld ist also diesmal ein w i r k l i ch e r Fortschritlsmanu gewesen, indem er einige Jahre vor dem preußischen Kultusminister schon zu der Erkenntuiß gelangt war, welche diese» zu seinem jüngsten Erlasse begeistert hat. Nicht blo» da« Programm der„rothen" Manteuffel'schen Reaktion ist durch Herrn von Goßler verwirklicht worden, sondern auch da« Programm durch die in gerichtlichen UntersuchungS-Berhaudlungeu konstatirte Thalfachc, daß der Verein, bezw. Mitglieder desselben der Ver- breitung de» gehäffigeu Flugblattes:„Tagelöhne der europäische» Fürsten" Vorschub geleistet haben, al» erwiesen erachtet werden mußte, daß die im z 1 Abs. 2 de« zit. Gesetze« charakterifirteu Be- stredungen in einer die Eintracht der BevölterungSklassen gefähr- denden Weise in dem Vereiu zu Tage treten." Da nun die letzte» beiden angeführten Gründe rein erlogen sind und nicht da» mindeste BeweiSmomenl dafür vorliegt, so hat der Vor- stand de« Vereins, um gleichzeitig der Reichskommifsion ein wenig die Zeit zu vertreiben, Beschwerde erhoben, denn wofür bekommt diese Mißgeburt ihre Tausende von Marl jährlich? Man denke nur, wie schrecklich! So ein schöner Verein wie der hiesige Sachsenverein mit seinen patrio- tischen Grundsätzen, ein Sachseuverein, wo man kein freisinnige» Wort sprach, keineu Sozialdemokraten auskomme» ließ, dieser Verein, der i Könige und Fürsten zu Mitgliedern halte, dieser schöne Verein ist aus ; Grund de« Sozialistengesetzes aufgelöst wordeu! So schreien die Philister, wir aber sagen: So muß es kommen! Gegen einen landsmännischeu Berein, wie e« deren so manche gibt, 1 hätte kein Mensch etwa« gehabt, aber dieser Verein war nichts andere» »als da« Tummelfeld einer Klique, die jeden ihrer LandSleute, der nur eine ' freisinnige Miene machte, am liebsten verbrannt hätte. Und bedenkt man obendrein, von welchem Kaliber die sauberen Burschen waren, die den Elberselder Berein repräsenlirlen, so wird Jeder mir uns übereinstimmen, ■ daß unsere hier lebenden sächsischen Freunde einen Triumpf erzielt haben, ; auf deu sie stolz fem können. Sie haben die Ehre de» sächsischen Namen« gerettet, indem sie dem grünweißen Symbol partikularistischer Beschränkt- l heit gegenüber da» völkerbrlldernde Roth aufpflanzten. Namentlich Ihr, Genossen in Sachsen, könnt mit dem Vorgehen Eurer hiesigen Land»- , leute zufrieden sein I �Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne nicht auch de» traurigen « Subjektes zu gedenken, welches in der Affäre die Rolle de« Denunzianten i spielte. Dieser Lump heißt Carl Trötschel, eine Kreatur allerniedrigster »Sorte, welche da« Zuchthaus schon öfter mit dem Aermel gestreift und ! schon so und so viele kleine Gewerbtreibendc anjden Bettelstab gebracht hat. Seine Eigenschaft al« Präse» de» patriotischen Berein» benutzte dieser Lump dazu, sich überall Kredit zu verschaffen; er borgte, wo er nur . konnte, natürlich au» lauter Patriotismus. Er lebte flott daraus los, seine Gläubiger aber hatten da« Nachsehen, denn von diesem Lump ist keiu Heller eiuzutteiben. Die erschwindelten Gelder belausen sich auf viele tausend Marl. Trötschel nun war es, der mit der Polizei in intimem Berkehr ; stand und unsere Genoffen denunzirte. Wir empfehlen ihn daher allen hiesigen Geuossen zur geneigtesten Beachtung. E» wäre über ihn noch viel zu schreiben, doch hallen wir den Raum unsere« Parteiorgan» für jvlel zu kostbar, um ihu sür ein derartige« Subjekt mehr al» unbedingt geboten in Anspruch zu nehmen. Elberfeld, 1. Juni. Mit sozialistischem Gruß! I~ de» Herrn Virchow. Herr Virchow mag sich zu seinem Erfolg Glück wünschen! Wir find übrigen« weil entfernt, da» Goßler'sche Attentat auf die Wissenschast auffallend, oder gar unlogisch zu finden. Herr von Goßler hat ganz recht: die Wissenschaft„gehört nicht zu den Ausgaben der Schule"— die Wissenschast befreit, und die Schule der Herren Goßler und Konsorten soll Bedienten, soll Sklaven erzieyen. Erziehen? Nein I D r e s s i r e n ist der einzig passende Ausdruck. — Der Gott der Frommen. Im„christlich- sozialen Kor- respondenzblatt" finden wir in einem gegen die Genußsucht unserer Zeit gerichteten Artikel über den Mordfall Sobbe-Kossäth folgenden schönen Satz: „Ernst Sobbe ist ähnlicher Weise zum Mörder geworden und hat sein Verbrechen mit dem eigenen Leben bezahlt; er ist reumüthig gestorben und Gott wird ihm, da« hoffen wir, gnädig sein; un« Menschen steht ein weiteres Gericht über ihn nicht zu, un» ziemt e» vielmehr angesichts solch tieftrauriger Borkommnisse an die eigene Brnst zu fassen, heilsame Lehren und ernste Entschlüsse sür unser » eigenes fernere« Leben daraus zu ziehen. Wir schließen mit den Worten de« Hosprediger» S t ö ck e r bei Gelegenheit seine» er- greifenden Vortrags über den Prozeß Conrad: Wenn ein solcher Prozeß wie ein Ungewitter dahin und wie ein Blitz in die Ge- wissen fährt und sie erschüttert, dann kann er auch sein Gute» haben: Gott will die schlafenden Gewissen wecken, daß sie zur Er- kenntuiß der Schäden unserer Zeit und zum Heilswege gelangen!" Also um die schlafenden Gewissen zu wecken, veranlaßt der Gott de« Herrn Stöcker einen brutalen Mord, läßt er einen armen Familienvater wie den Briefträger Kossäth hiumorden! Nicht Sobbe ist der Mörder, sondern der Gott de» Herrn Stöcker, und ein Mörder au» reinem Ueber- muth, denn ihm, der doch allmächtig sein soll, stehen ja tausend andere Mittel zur Lersüzung,„die Gewissen zu wecken". Welch' ein ungerechter und niederträchtiger Gott I Weun wir zu den Gläubigen gehörten, wir würden mit Enttüstung gegen den Slöcker'schen Erguß Protestiren— er enthält die denkbar größte— Gotteslästerung. — Der„Klein e" über Leipzig verlängert! Unser Leipziger Korrespondent schreibt uns unterm 25. Juni: Da da« Suchen nach Gründen zur Verlängerung des„Kleinen" sich frucht- und hoff- nungslo» erwies, haben unsere„zuständigen Behörden" da» gcthan, wa» sie auch ohne da« Suchen hätten lhun können; sie haben deu„Kleinen" verlängert. Oder vom BundeSrath verlängern lassen. Es läuft ja auf Ein» hinaus, denn die Zustimmung de« BundeSrathe» stand von vornherein fest, und, wie bei frühereu Gelegenheiten, bestanden die betreffenden „Verhandlungen" jener ehrsamen, den deutschen Bundestag seligen Andenken« durch Servilität, ReaklionSeiser und Impotenz in Schatten stellenden Gesellschaft, in einfachem Jasagen oder Kopf- nickem Der schriftliche Antrag wurde von Herrn Nostiz- Wallwitz, unserm biedern Minister des Innern, persönlich eingebracht,— der gute Mann hatte sich zur Erfüllung dieser patriotischen und staatsmännischen Pflicht excra nach Berlin begeben— und mit wenigen, bei der Aufregung des Redner» halb unverständlichen Worten„motivirt". Der biedere Gesell- schaslSretter und Apostel de« praktischen Christenthums hat nämlich da»„r«the Gespenst" und den Dynamit-Teufel so oft an die Wand gemalt, daß er schließlich selber daran zu glauben beginnt und sich vor Angst nicht mehr zu Helsen weiß. Seine Nervosität hat ihn zu allerhand Aeußer- uugen veranlaßt, welche da« von den loyal-partikularistischen„Dresdener Nachrichten" kolportirte, seitdem aber offiziös, jedoch sehr schwächlich dementirle Gerücht, er wolle seine Demission einreichen, erzeugt haben. Zu der Nervosität de» hohen Herrn hat wohl auch der fatale Umstand beigetragen, da) der sächsische Landtag jetzt bald zusammenttittt(in etwa drei Monaten), und dann vor den Vertretern der Sozialdemokratie, Auge in Auge, Rechenschaft abgelegt werden muß. Wie man sich er- inner» wird, ist Herr von Nostiz-Wallwitz im Reichstag allen unbequemen Kollisionen mit den böfen Sozialdemokralen sorgfältig au« dem Wege gegangen. Bei Gelegenheit der Belagerungszustands-Debatte griff er zu der billigen Ausrede, er diskutir« nicht mit Revolutionären; bei der Debatte über den Antrag auf Abschaffung sämmtlicher Au»- nahmegesetze glänzte er durch Abwesenheit; und bei den Debatten über die sächsischen Wahlskandale schickte er erst seinen unglücklichen Better (gleichen Namen«) in« Feuer, und ließ, als dieser die Kourage verlor, die so schwer angeklagte sächsische Regierung zuletzt ganz ohne Verthei- diguug. Nun— in dem Landrage wird er mit den„Revolutionären" doch diskuriren müssen; und eS sei ihm hiermit im Borau» ein ehrliches Profit Mahlzeit I zugcruscu. Sie thut keine Wunder.— Sie t h u t Wunder.— Sie thut keine Wunder. Ich meine die Polizei. Sie hat mich wirklich in Verlegen- heit gebracht, und ich stehe fast da wie Gretchen mit der Gänseblume. Sie thut keine Wunder, sagte ich in meinem vorigen Brief; und heut muß ich weiter zählen: Sie thut Wunder I Da« Unerwartete, da« Wunderbare ist geschehen— der, zur Strafe dafür, daß er unschuldig war, ausgewiesene„GeschSfrsmann" bat die Erlauboiß zur Rückkehr nach Leipzig erhalten. Die Herreu von der Polizei sagten sich offenbar, da e« mit den„Gründen" doch nicht» sei, und der BundeSrath den „Kleineu" auch ohne Gründe koulant verlängern werde(die Rückkehr wurde schon vor dem 21. erlaubt), könne sie zur Abwechslung einmal anständig sei», sintemalen da» Geschäft dadurch nicht geschädigt wird. Immerhin muß diese« Polizeiwuuder in den Kalender geschrieben werden. Aber schnell! deuu nächste Woche hat das Wunder vielleicht wieder aus- gehört. —„Armuth ist keine Schand e", heißt e» zwar im Sprich- wort, im Leben aber ist Armuth mehr al» eiue Schande, sie ist ein Verbrechen. Gleich dem Berbrecher erklärt die heutige Gesellschaft deu Armen, und wenn er noch fo fleißig ist, für politisch rechtlos, sür eiuen Staatsbürger zweiter Klasse. Au« Meer an e bringt die„MUncheuer GerichtSzeiluug" folgenden Bericht, der al» ein Brandmal unserer Zeit verewigt zu werden ver- dient: --„Herr Bürgermeister Beutler soll nun zwar geäußert haben, angesichts der lonstatirteu niedrigen Lohnsätze iu der Fabrik de» Herrn Kommerzienrath Ostwalt, daß es ein wahre« Wunder sei, weun dabei diese Arbeiter pünktlich ihre Steuern zahlten, aber doch sind seit dem Tage, da diese Aeußerung geschehen sein könnte, armen Vätern zahlreicher Fancilien wieder mehrfach Mahnungen durch die Schutzmaunschast zugestellt worden, nachstehenden Inhaltes: „An den Weber ü. N. hier Nachdem die bei Ihne» wegeu rück stständigen Schul- gelde« pro 138 2/3 3 vorgenom mene Zwangsvollstreckung er- folglo« gewesen ist, hat der unterzeichnete Stadtrath beschlossen, Sie der A r m e n o r d n u u g zu unterstellen, und werden Sie daher iu Gemäßheit von§ 61—70 der Armenorduung vom 22. Oktober 1840 solange al» A l m o s e n« mp f ä n g e r behandelt, al» Sie da« restirende Schulgeld nicht bezahlt haben. Infolge dessen wird Ihnen insbesondere der mit Aufwand verbundene Besuch öfsent- licher BergnllgungSort«, worunter Restaurationen und Schankwirthfchaften sonstiger Art zu rechnen sind, hiermit unter- sagt und habeu Sie, wenn Sie iu vorgedachten Lokalen bettoffen werden, W e g w e i s u n g durch die Polizeimannschast und eventuell H aststra se bi» zu 14 Tagen zu gewärtigen, währeud Sie über- die« von den bürgerlichen und Äemeindeehren- rechten, sowie von der Stimmberechtigung bei Wahlen ausgeschlossen sind und der Aufsicht der Armenbehörde unterstehen. Gleichzeitig sei bemerkt, daß die Schutzmannschaft zur Ausführung dieser Maßregel mit ent- sprechender Anweisung versehen worden ist. M e e r a n e, am 4. Juni 1833. Der Stadttath Dr. Körner." Ein Schurke, der Tausende von Familien in» Elend gestürzt hat, wird nicht schimpflicher behandelt al» diese fleißigen Schöpser aller Werthe, deren einzige« Verbrechen darin besteht, arm zu sein. Aller Wahlrechte beraubt I Und Ihr verlangt von ihnen, daß sie von der Gesetzgebung Erfüllung ihrer Bestrebungen erwarten sollen? O, Ihr schamlosen Heuchler! — Ein staatsgefährlicher Vortrag. Vergangene Woche sollte Genosse Liebknecht in Halberstadt auf Einladung de» dortigen Verein» sür Voltsbildung einen„unpolitischen" Vortrag halten, und zwar über Hygiene, d. h. Gesundheitslehre. Wohlan, dieser Vortrag wurde von der Polizei verboten, und deu Borstehern jene» Vereins gesagt, die Vereinsversammlung würde, fall« Liebknecht in derselben da» Wort ergreise, sofort ausgelöst werden. Auf Befragen wurde mitgetheilt, es sei eine Regierungsverordnung eingelaufen, welche bestimme, daß Vorttäge sozialdemokratischer ReichStagsadgeordneten, gleichviel über we Ich e« Thema, nicht zu gestatten seien. Hier- mit steht e« freilich nicht recht im Einklang, daß zwei Reichstag«- abgeorduete vor wenigen Wochen in demselben Verein unbeanstandet Vorträge gehalten haben, indeß darf man von der preußischen Polizei gewiß Alle», nur keiue Logik erwarten. Jedenfalls hat diese« Verbot eine« Vortrags ijber Gesundheitslehre eine kulturhistorische Bedeutung. E« erinnert an jenes berühmte Dekret der spanischen Inquisition, welche» den Versuch, durch Beseitigung de« Schmutzes, und andere hygienische Maßregeln den Epidemien zu steuern und den öffentlichen Gesundheit«- zustand zu beben, sür gottlos und gotteslästerlich erklärte— denn der Mensch greife durch solche» Beginnen in da» Amt de« all- mächtigen und allweisen Herrgotts ein, der selber Alles zum Besten lenke. Wer den Schmutz nicht al» Theil der göttlichen Weltordnung verehrte und konservirte, wurde kraft diese« Dekret» vor da« Inquisition»- gericht gestellt nnd zu langen Kerkerstrasen, mitunter zum Feuertod verdammt. Einen Gotteslästerer verbrennen, war nämlich kein Ein- griff in die Befugnisse Gottes, obwohl dieser in seiner Allmacht da» Verbrennen sehr wohl selber besorgen konnte, fall» er Lust dazu hatte. Die preußische Regierung verbrennt nun zwar nicht den Frevler, der sich unlersängt, durch Anwendung der Wissenschaft aus die Körperpflege dem lieben Gott in'« Handwerk pfuschen zu wollen, aber sie verschließt ihm gewaltsam den Mund. Und sie hat von ihrem Standpunkt au» Recht: in einem gesunden Körper wohnt bekanntlich, wie da» die alten Latemer schon wußten, ein gesunder Geist, und Menschen mit gesundem Geist kann der Polizei-, Militär- und Junkerstaat nicht brauchen. Sie würden ihm rasch den Garau» machen. Er befindet sich also der Ge- sundheitslehre gegenüber im Stande der Nothwehr, und folgt, indem er eiuen Vortrag Uber Hygiene verbietet, nur dem Selbsterhaltungsttiebe. — Der Adel im Militär. Man schreibt un«: Vor einiger Zeit erschien im Buchhandel eine Broschüre, betitelt„Kontra Richter und Genossen", welche die im deutschen Reichstag erfolgten Angriffe wider die deutsche Heeresverwaltung zu widerlegen suchte. In dieser Schrift hieß e« unter Anderem, daß der Adel in der Armee keine Bor- theile genieße und den uuadeligen Offizieren dieselben Avancement»-Aus- sichten zu Theil würden wie seinen adligen Kameraden. Interessant dürste daher dem Leser eine auf Grund der„Rang- und Quartierliste der preußischen Armee pro 1883" angestellte Statistik sein, welche die Verhältnisse von adligen und nichtadligen Osfiziereu in den verschiedenen Chargen beleuchtet, und gleichzeitig den aristokratischen Broschürenmacher Lügen straft. Die preußischen Infanterie-Regimenter und Jäger- Bataillone zählen 6491 aktive Hauptleute und Lieutenant«; von diesen find 3148 adlig und 3343 nicht von Adel. Hier überwiegt da» unadlige Element da« adlige*), doch bald gestaltet e» sich ander«. Von 648 Major» der Infanterie sind 377 adlig, 271 unadlig. Von 171 Oberstlieutenant« der Infanterie sind 105 adlig und 66 unadlig. Von 174 Oberstea von der Infanterie find 129 adlig und 45 un- adlig. Bon 127 Generalmajoren(aller Waffen) sind 80 adlig uud 4 uu- adlig. Bon 25 Generalen der Infanterie resp. der Kavallerie find alle von Adel. Ein adliger Offizier hat also 20 mal so viel Chance Division»- kommandeur, nämlich General-Lieutenant zu werden, als die unadligen Offiziere. Thalsachen, die nur in der preußischen Armee, oder besser gesagt, bei der Leibwache de« König« von Preußeu möglich sind." Deu Söhnen de» Proletariat« ist diese Karriere bekanntlich überhaupt verschlossen, sie bringen es im günstigsten Falle bi» zum Feldwebel mit Zivilversorgung al» Bahnhossportier. Sei'« drum, so tragen sie sich wenigsten» nicht mit Illusionen vom„Marschallsstab im Tornister". — ZurLohubewegung inDeutschland. Ueber deuNürn- berger Schreinerstreik schreibt man uu«: Unsere Forderung ist: lOstündige Arbeitszeit, 20 Proz. Lohnerhöhung Abschaffung der Sonntagsarbeit uud der Ueberstunden. Einige Prinzipale habeu bereit» bewilligt, andere bieten 10 Proz. Lohnerhöhung, die Mehrzahl aber will von gar nicht» wissen. Die Haltung der Kollegen ist eine entschlossene, doch mangelt es leider sehr an Geld zur Unterstützung der Feiernde». Unterstützung ist daher dringend erwünscht und Zuzug unbedingt sernzuhaltrn. Sendungen w. sind an A. Schubert, Kräh'sche Wirthschast, Schlotsegergasse 14 iu Nürnberg, zu richten. Aus Großenhain(Sachsen) wird berichtet, daß die dorttgt Lohn- bewegung der Weber uud Weberinnen mit Durchsetzung einer sieben- prozentigen Lohnerhöhung ihren vorläufigen Abschluß erreicht hat.— In Chemnitz ist der Streik der Arbeiter der Aklienspinnerei(fast ausschließlich weibliche Arbeiter I) leider zu Ungunsten der Stteikmden entschieden. Ein Theil derselben hatte sich durch Neinere Konzessionen verleiten lassen, die Arbeit wieder auszunehmen, und sührteu dadurch die Niederlage der Gesammtheit herbei.— Wie die Polizei de» heutigen K l a s s e n st a a t e« sich deu Aroeitern selbst im reinjökonomischen Kamps aus Schritt und Tritt hindernd in den Weg stellt, hat sich beim M e e- raner Streik wieder recht deutlich gezeigt. Selbst der bürgerliche „Glauchauer Beobachter" konstatirt, daß die Stteikbewegung „unter dem Schutze der Polizei lahmgelegt" wurde. Die Berliner Zimmerer haben die Einberufung eine« Hand- werkertage« der deutschen Zimmerleute in die Hand genomnieu. Glück aus I — Wen man in Preußeu begnadigt. Den beiden Berliner Schutzleuten, die am Abend de» 27. Oktober 1881 den liberalen Lehrer Boßköhler in brutalster Weise mißhandelten, ist vom„milden" Kaiser Wilhelm der Rest der Strafe in Gnaden erlassen worden. In der Aera der Beamten-Uebergrisse doppelt charakteristisch. Natürlich wird dieser Fußtritt die biederen Liberalen, die Fortschrittler, nicht hiuderu, nach wie vor monarchischer zu sein al» der Monarch selber, und zu schreien: Wir wollen von den Hohenzolleru regiert werden! Nun, Jeder wird behandelt, wie er'« verdient. *) weil nämlich die„Söhne de» Adel»" hier nicht ausreichen. — Anarchistische Polemik. Unser Artikel in Sßro. 21 des „Sozialdemokrat" hat uns eine wahre Fluth von Beschimpfungen seitens des in demselben gekennzeichneten Herrn Peukert zugezogen. Da wir die Kampfesweise dieser Sorte Anarchisten zur Genüge keimen, so überrascht uns das keineswegs. Eine Diskussion ist mit diesen Leuten, deren lieber* zeugnng kaum von einer Woche zur andern reicht, eben nicht möglich. Behaupter doch Herr Peukert jetzt frischweg, er habe sich„noch nie" mit einer Silbe überhaupt gegen den Normalarbeitstag ic. ausgesprochen, er habe sich nur„entschieden gegen jene Insinuation verwahrt, daß wir unter den gegebenen Verhältnissen, angesichts unserer politischen und wirthschastlichen Zustände, endlich angefichtS der„Vergewaltigungen, welchen wir Arbeiter im Kampfe um unsere politischen und sozialen Rechte ausgesetzt sind", sür derartige Palliativen erwärmen könnten und uns durch solche„Köder" zu dem Zwecke der feudal- klerikalen Partei ge- Winnen zu lassen." Und das schreibt derselbe Mann in demselben Organ, in welchem er zwei Nummern vorher geschrieben hatte: „Damit ist zur Evidenz bewiesen, daß für die arbeitenden Klassen durch diesen Gesetzentwurs(Normalarbeitstag, Beschränkung der Frauen- und�Kinderarbeit ,c. I) bei der bestehenden Produktionsweise kein Jota an ihrer materiellen Nothlage abgeändert wird!" Wenn die Arbeiter auf den Normalarbeitstag warten sollen, bi« die sozialistische Produktionsweise durchgeführt ist, so hat diese Forderung al» solch- überhaupt keinen Sinn, das sollte selbst ein Anarchist einsehen. Aber Herr Peukert hat„uochs nie mit einer Silbe sich gegen den Nor- malarbeitStag ausgesprochen", nämlich noch nie gegen den Normal- arbeitStag aus dem Monde. Weiter sucht Herr Peukert bei seinen Lesern den Glauben zu erwecken, unser Artikel stütze sich lediglich auf den Zeitungsbericht über seine Aus- sage in der Gewerbekommission, dieser sei„die Grundlage des ganzen Machwerks". Kein Wort darüber, daß wir gleichzeitig seinen Artikel in der„Zukunft" unserer Kritik zu Grunde legten. So kann er uns doch — natürlich in seiner blühenden Sprache—„abgefeimter Ränkeschmied", „prosessionsmäßiger Ehrabschneider"-c., den Vorwurf machen, illoyal vorgegangen zu sein. Die Anarchisten gefallen sich nämlich gern in der Rolle der gekränkten Unschuld. Aus die Insulten, die Herr Peukert dem von ihm vermutheten Ber- saffer de« fraglichen Artikel» an den Kopf wirft, haben wir natürlich keinen Grund zu antworten. Dagegen wollen wir nicht von ihm schei- den, ohne nicht noch zur Belustigung unserer Leser mitgetheilt zu haben, wie Herr Peukert seine Gläubigen, und sie müssen sehr gläubig sein, wenn sie sich eine derartige Redaktion gefallen lassen, über die Partei- Verhältnisse in Deutschland sinsormirt. Da schreibt er: „In allen Theilen de» Reiches gährt e» gewaltig und trotz der Pom- pösen Berichte über die Wirkung des Kopenhagener Sozialisteukongresses, daß die Wahlsozialisten einiger und stärker denn je dastehen, sind es die „revolutionären" Elemente, welche an allen Ecken und Enden spucken. Bon überall(!) gehen Berichte ein, daß Flugschristen revolutionären Inhaltes verbreitet werden. Man kommt immer mehr zu der lieber- zeugung, daß die pompösen Berichte für die„Züricher Gründer- Gesell- schaft" nothwendig sind, um die Wahrheit zu verdecken." Gegenüber solcher Leistung streichen wir allerdings die Segel. — In Heidelberg wurde am 21. Juni der Maler N ö m k ü l l nach sechswöchentlicher Untersuchungshaft wegen Verbreiten« verbotener Schriften zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilt. Die Nichter waren aber so liebenswürdig, die 4 Wochen durch die sechswöchentliche Haft für»er- büßt zu erklären. — Dänemark. Der Redakteur unsere« dänischen Bruderorgans, de«„Sozialdemokratin" zu K o p e n h a g e n, ist auf Veranlassung des Justizminister» mit einer Anklage aus MajefiätSbeleidigung bedacht worden. Es handelt sich um einen Artikel, der die Antwort de« König» auf eine Adresse des FolkethingS bespricht. Der Streik der Zigarrenarbeiter dauert fort. Ein uns zugegange« Zirkular ersucht die Kollegen allerort« dringend um Unterstützung. Gelder sind zu senden an: E. Jsyller Saxogade 35— 5 Sal."VV. Kopenhagen. Korrespondenzen. Hamburg, 20. Juni. Die e r st- W a h l s ch l a ch t ist geschlagen, der rheilweise Sieg errungen. Unser Kandidat Bebel hat eine große relative Majorität erhalten. Am Wahltage entfaltete sich hier ein sehr bewegtes Lebeu auf den Straßen und in den Wirthshäusern, besonder« in den Arbeilerquartieren. In der Mittagszeit m'd in den Abend- stunden durchzogen zahlreiche kleine Trupps die Straßen, um die Säu- migen zur Wahlurne zu holen; doch auch die Gegner waren ans dem Posten, besonder» die Fortschrittler, welche fiegeSgewiß uuter großem Geräusch ihre Agitation betrieben. Ueberall sah man Standarten, die aus den Straßen umhergelragcn wurden, aus denen die Namen Bebel, Rabe oder Roscher prangte». Da die Polizei sich völlig ruhig verhielt, kamen auch nirgend» Ruhe- fiörungen vor. Verhaftet wurden nur zwei jugendliche Arbeiter, die den Namen Bebel an die Häuser und auf das Trottoir schrieben; doch wur- den dieselben sofort nach Feststellung ihrer Personen wieder entlassen. Anwesend war unser Genosse H a s e n c l e v e r, der mit einigen hiesigen Sozialdemokraten die einzeluen Wahllokale besuchte, überall von alten Bekannten und Freunden mit Freuden begrüßt. Dabei sei bemerkt, daß entgegen der Behauptung einzelner fortschrittlicher Blätter, die sozial- demokratischen Abgeordneten hätten sich in Hamburg nicht sehen lassen, außer Hasenclever, der vier Tage hier war, noch die Ge- Nossen K a y s e r und Liebknecht nu« vor der Wahl besucht haben. Den Höhepunkt erreichte die Wahlfrcude, als später auch unsere dänischen Genossen, Holm, Hördum und Westerberg au» Kopen- Hägen, welche sich eine deutsche Wahlbewegung in der Nähe und zu- gleich Hamburg ansehen wollten, begleitet von zahlreichen hiesigen Ge- nassen, von Wahllokal zu Wahllokal zogen. Sie bliebe» nebst Hasenclever noch bis Montag früh hier und sprachen wiederholt ihre Befriedigung au» übcr Hamburg und die Haltung dir hiesigen Parteigenossen, dje sich wohl eriaverieo, wie außerordentlich gastsreundlich die deutschen Sozial- demokraten kürzlich in Kopenhagen von den dänischen Genossen ans- genommen worden waren. So hat dieser Tag da« Band, welche« die dänischen und deutschen Sozialdemokraten vereint, noch mehr befestigt. Am 29. d. M. findet die Stichwahl zwischen Bebel und Rabe statt, und täuschen nicht alle Anzeichen, so werden wir einen entschiedenen Sieg zu verzeichnen haben, obwohl e» die Gegner nicht an Anstrengungen, denselben un« streitig zu machen, fehlen lassen werden. — Spremberg N./L. Montag den 4. Juni hatten wir feit 1878 zum ersten Male wieder da« Vergnügen, einen Genossen, und zwar den Reichstagsabgeordneten K a y f e r, in öffentlicher Versammlung hier spre- chen zu hören. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht, trotzdem der Name de» Referenten au« polizeilichen Rücksichten nicht öffentlich be- kannt gemacht worden war. Ueber den Bortrag selbst ein Wort zu sagen, ist überflüssig; wer Kaiser gehört oder seine Reden gelesen, wird wissen, daß e» ein äußerst gediegener war. Das bekundete auch die Versammlung durch die ge- spannte Ruhe und Aufmerksamkeit, welche während de» Vortrage» herrschte und nur durch wiederholte lebhaste BeisallSbezeugungen unterbrochen wurde. Widerspruch gegen K.'S Aussührnngeu wurde von keiner Seite erhoben, trotzdem die Mitglieder de» hiesigen Gewerkverein« zahlreich zur Stelle waren. Nachdem Genosse Kayser noch mehrere an ihn gestellte Fragen beantwortet hatte, und sich Niemand mehr zum Worte meldete, wurde die Versammlung geschlossen. Ein Hoch aus unser» Kayser, aus der Mitte der Versammlung gebracht, war wohl der beste Dank für seinen vortrefflichen Bortrag; ein baldige« Wiedersehen hoffend, rufen wir ihm hiermit noch unfern besten Gruß zu. Im Großen und Ganzen macht die Partei hier recht erfreuliche Fort- schritte, dafür sorgen schon auf'» Beste unsere Herren Fabrikanten; sie säen Haß, wo sie nur können, möchten sie auch bald die Saat ern- ten! Die Firma L. H. Mittag, durch drei oder viermaligen Konkurs reich geworden, beschäftigt neben zahlreichen Maurer- und Zimmergesellen allein übcr 60 Tischler, wie ober alle diese Arbeiter von ihren Ausben- tern geachtet werden, hat Herr Richard Mittag, ein Bruder von dem schon früher einmal erwähnten Speiser(?), wohl am besten dadurch doku- mentirt, daß er vor kurzer Zeit einmal sagte:.Wenn ich meinem Hunde aus Verseheu aus die Pfoten trete, so thul mir das leid, sehe ich aber, daß meinen Arbeitern von der Arbeit die Hände bluten, so habe ich kein Mitleid." Nun, wir werden uns das auf alle Fälle merken, und wird Herr Richard Mittag seinerzeit auch auf unser Mitleid nicht zu rechnen haben. Ein ebenso rücksichtsloses wie ungesetzliches Vorgehen gegen seine Ar- beiter zeigte dieser Tage auch der Tuchsabrikant Fritz Müller am Roßplatz. Wegen einer geringfügigen Ursache entließ derselbe einen Ar- beiter ohne vorherige Kündigung. Natürlich war dieser damit nicht ein- verstanden und ist jetzt ein Prozeß wegen Lohnzahlung im Gange; jeden- fall» wird Müller aus 14 Tage Lohn zahlen müssen. Um nun Dem künftighin nicht mehr ausgesetzt zu sein, legt- Müller, und zwar, wie sein Werkmeister Dortenzbon behauptet, aus Anrathen unsere« Herrn Bürgermeister», den Arbeitern ein Schriftstück zur Unter« schrift vor, in welchem sie sich einverstanden erklären, wenn sie nicht uach Wunsch de» Herrn Müller arbeiten, sofort entlassen zu werden. Gefällt dem Arbeiter die Arbeit nicht mehr, so bleibt natürlich die Kün- digungSsrist bestehen! Aus Anrathen einiger Genossen beschlossen die Ar« beiter, einige zwanzig an der Zahl, nicht ,u unterschreiben, und wurde infolgedessen fämmtlichen gekündigt und dieselben 14 Tage später entlassen. „Sie werden schon wieder kommen, wenn sie den Hunger werden im Leibe spüren!" höhnte Herr Müller, und wirklich scheint er Recht zu haben, die größere Hälfte der Arbeiter hat, nachdem sie zwei Tage nicht gearbeitet, bereit« diese entehrende Bedingung unterschrieben und die Arbeit wieder aufgenommen, von unseren Genossen ist natürlich Keiner darunter. Wir beabsichtigen nun, Herr» Müller noch eine tüchtige Knute zu Uberreichen, damit er auch Jedem, der etwa noch muckt, auch gleich ein paar kräftige Jagdhiebe ausbrennen kann! Zum Schaden wäre e« nicht. Zum Schluß noch ein paar Worte über obengenannten Dortenthon, wie über die Herren Werkmeister im Allgemeinen. Diese Leute scheinen die Fabriken nur noch al» Bordells zu betrachten, wo sie an den Ar. beiterinnen, gleichviel ob Frauen oder Mädchen, ungenirt ihre Lüste aus- lassen können; nur mit dem Unterschiede, daß sie dort dafür zahlen müssen und hier es eben„ihre" Arbeiterinen sind, die sie beliebig annehmen oder entlassen können. Herrn Dortenthon erinnern wir ganz besonder» an Frau Schulz, deren Familienleben der elende Hallunke auf diese Art zerstört hat. Wir schließen mit dem Ruf: Nieder mit der Pascha- wirthschaft I F. — Stollberg in Sackisen Meine Korrespondenz in Nro. 10 des Sozialdemokrat bat den Erfolg gebabt, daß nack langer Ruhe die Bewegung hier etwa» in Gang kommt. E« ist natürlich die Hochweise, welche die Agitation für un» besorgt. In ihrer Sucht, jeden zu vernichten, der einen Krebsschaden der heutigen Gesellschaft aufdeckt, und um die Schul- digen, den Gerichtsdiener Graubner nebst dem Amtswachtmeister, durch- schlüpfen zu lassen, läßt sie den T b a t b e st a n d der besagten Korre- spondenz: die DurchprUgelung de» Handwerksburschen— eine Sache, die hier allgemein bekannt ist— hübsch beiseite liegen, sucht dagegen unserer Partei Ein» auszuwischen. Haussnchnngen über Haussuchungen werden vorgenommen, und selbst die unschuldigsten Arbeiter in Mitleidenschast gezogen. Nun, ich will heut« den hochweisen Staatsanwalt und da» hochweise Amtsgericht mit der Nase aus die Sache stoßen, damit minde- sten« der Hallunke Berichtsdiener Graubner, nicht sagen kann, meme Korrespondenz beruhe auf Verleumdung! Der Handwerksbursche, Ihr Herren, hieß R ö b n e r und ist au» S t o l l b e r g gebürtig, und wenn Ihr autbentische Zeugen gebraucht, so wendet Euch an die Strumpfwirkermeister Karl Bartbel ksn. und Karl B a r t h e l zun., die können Euch reinen Wein einschenken. Ich sagte, die Hochweise ließe die Sache au« den Augen und bereite lediglich einen Schlag gegen unsere Partei vor..... Ich will die» beweisen. Wären nämlich der Amtswachtmeister oder zum mindesten der Gerichtsdiener Graubner Kläger, z. B. wegen Beleidigung, so hätte die Staatsanwaltschaft mit der Sache gar nicht» zu thun, so aber spielt ein schon seit Jahren bekannter Gesinnungslump den Denunzianten und angehenden Spitzel in der Sache, um einen Pro- zeß auf Grund des berüchtigten Paragraphen 131 ic. zu ermöglichen. Der Name de» Elenden ist Heinrich Kaufmann. Fabrik- arbeite r, gegenwärtig in Mitteldorf bei Stollberg an- säsfig. Dieser Kaufmann, der in früheren Jahren ein blntrother Anarchist gewesen sein soll,„Die Hunde, die Blutsauger und Ausbeuter müssen alle aufgehängt werden; man muß von Oben herab ansangen" und„ich glaube an eine fette Sau"— so und ähnlich soll er sich vor dem Au»- nahmegesetz mit Vorliebe ausgelassen haben; nach Einführung des Au«- nahmegefetzeS ist ihm aber das Her, und die Konraqe in die Hosen ge- fallen; und wie er seiner Zeit wüthend und rebellisch gewesen, so ist er allmälig zum Schmarotzer bei seinem nun verstorbenen Arbeitgeber gegen seine Mitarbeiter herabgesunken. Bei seinem jetzigen Arbeitgeber, dem Sohn seine« früheren, findet diese schöne Seele kein Gehör, und so hat er sich denn ein anderes Feld gesucht. Tharakteristisch an ihm ist: Er wurde vom Militärverein ausgeschlossen, wa« ihm aber, trotzdem er Anarchist sein wollte, doch nicht lieb gewesen ist: ferner wurde er erst vor Kurzem wegen rohen Benehmen« von der Schützengesellschaft her- ausgeworfen. Genug, dieser Kaufmann will einen Brief mit Ausschnitten au« dem„Sozialdemokrat" durch die Post empfangen haben. Er, der frühere Anarchist, gibt nun an, der Brief müsse von hiesigen Sozial- demokraten abgegangen sein, und da» brauche er nicht zu dul- den, und deshalb denunzirt er der Staatsanwaltschaft einen ganz un- schuldigen Familienvater von 7 Kindern al« den Absender und muth- maßlicheu Verfasser meiner oben erwähnten Korrespondenz. E» ward infolgedessen bei obigem Familienvater— Eh. Friedrich Frenze! ist sein Name— ein sehr ruhiger Mann, der trotz seiner zahlreichen Familie doch redlich dasteht und schon manchen Strauß für die Sache der Arbeiter mit au»focht, wiederholt qehaussucht und auch jedesmal der„Sozialdemokrat" vorgefunden, aber leider genügt das nicht für eine Anklage. Wie lange sie e» noch so treiben werden, weiß ich nicht. Frenzel wird zweifellos einen harten Stand haben, aber ich habe Vertrauen zu ihm, daß er trotzdem der Sache der Arbeiter treu bleiben wird. Doch wieder zur Sache. Ich habe durch einen Hausgenossen de» Lumpen Kaufmann erfahren, daß um die fragliche Zeit und schon früher, wo Kaufmann den Brief erhalten haben will, der Gensdarm Günther von hier bei ihm au«« und eingegangen ist. Gcnsdarm Günther ist ein Sozialistenfresser, und ich will ihm durchaus nicht ab- sprechen, daß er etwa« Menschenkenner ist, denn er hat in Kanfmann seinen Mann gefunden. Woher aber weiß Kaufmann, daß die Au«- schnitte au« dem„Sozialdemokrat" find? Und warum hängt er die Sache an die große Blocke, wenn er nicht einen Zweck damit zu er- reichen beabsichtigte? Ist e« nicht viel wahrscheinlicher, daß der Staat«- anwalt den Gensdarm Günther in die Schule genommen, und der Gensdarm wieder den Kaufmann drangekriegt hat, um einmal ein Exempel statuiren zu können? Denn Niemand ander» bat den Brief mit den Ausschnitten aus dem„Sozialdemokrat" an den Kaufmann ge- sandt, als Kaufmann selbst, oder— der Gensdarm Günther, n i e m a l» aber ein Sozialdemokrat! Furcht sollten diese Haussuchungen erwecken; da» Gegentheil wird wohl erreicht werden. Ihr Arbeiter aber sehet mit Verachtung auf diesen Schmarotzer und Berräther Kaufmann.! Er ist ja doch ein roher, habsüchtig elender, un- stäter und unzuverlässiger Mensch und wird auch seinen Brodherru— unsren Gegnern, denen er jetzt dient— wenig Ehre machen. Speziell für mich Hot die Sache de» Prinzipe» halber hohe« Interesse. Ich er- kenne daraus, daß al« A n a r ch i st sich jeder Schreier auffpieleu kann und daß— wie die Erfahrung lehrt— mancher Schuft und Lump sich hinter diese Maske schon geflüchtet hat, denn,— um Sozialdemokrat zu sein, heißt'« lesen, denken lernen. Der Revolutionsschreier hat'« be- quemer und billiger. Er brüllt und mault von Rad und Galgen, Dyna- mit und Welterschütterung in den Tag hinein. Wieso, weshalb, warum, wa« dann? was kümmert'« diese Tröpfe, sie machen ja ihr Geschäft dabei und Profitiren für den Augenblick ein gute« Trinkgeld. Ein Staat von solchem Gelichter, habsüchtig, roh und unwissend, würde jedenfalls mehr zu wünschen übrig lassen, al» unser heutiger Bourgeois- staat. Also— her mit dem vollen klaren Wissen zum Kampf, her mit der Organisation bewußter Kämpfer, dann die siegreiche Revolution I— 1.— Warnung. Um weiteren Denunziationen vorzubeugen, warneu wir hiermit vor dem Dreher Hau« Block, Sohn des verstorbenen Polizeispitzels Block. Derselbe hat die Ausweisung de« Genossen Albert Knapp bewirkt und fich obendrein mit diesem gemeinen Schurkenstreich gebrüstet.— Signalement: Größe 1 Meter 74—75 Ctm., Alter ca. 24 Jahre, schwind- süchtiges Aussehe»; besondere Kennzeichen: Narben am Halse, von Drüsen herrührend, und einige sogen. Grützbentel.— Da» Subjekt wohnt Schönhauser Allee 116 und„arbeilet" in der Maschinenfabrik von R. MoSler, Schönhauser Allee 47. Haß und Verachtung dem Hallunken sowie dem ganzen Spitzel-System I DieBerliner Genossen. Au« Leipzig erhalten wir folgende Zuschrift: „Wir warnen die Genossen hiermit dringend vor folgenden zwei Subjekten: 1) Der schon früher gekennzeichnete Kolporteur H. Nebel ist jetzt| al» offizieller Spitzel zu betrachten; er hat in neuester Zeit der Polizei j verschiedene Liebesdienste erwiesen, wobei er sich allerding» so ungeschickt; benahm, daß e» einen schier erbarmen mochte. Bei der letzten Aus- Weisung z. B. stand Nebel wie angewurzelt vis-i-via der Wohnung de»: ausersehenen Opfer«. Bon anderen Fällen wollen wir schweigen, um gewissen Leuten kein schätzbares Material zn liefern. 2) Boa gut unterrichteter Seite erfahren wir, daß der Schuhmacher: Mauf als Spitzel angestellt ist. Maus, der sich den Anschein gibt, al«! wisse er große Geheimnisse, ist der Sohn des Schuhmacherobermeister» � Maus, welcher die Junungskasse um ca. 6000 Mk. erleichterte und als- dann, vor 3 Jahren, ein Bad für immer nahm. Der„Herr Sohn" hat das Geld größtentheil«„seinem großen Bater" abgezwungen, denn der Alte wäre nicht„so" gewesen, sageu die alten Jnnungsmeister.� Al» z. B. der„Herr Sohn" in einem zweifelhasten Fall zur Rechenschaft gezogen wurde, hatte er den Mäusen gelehrt, die Ziffern au, den Rech' nungeu herauszufressen. Da Mauf junior außerdem an Frechheit und Rohheit nichts zu wünschen übrig läßt, so läßt sich nicht leugnen, daj er die besten Eigenschaften sür«ine Stütze der heutigen Gesellschaft be sitzt Also aufgepaßt!" Brteflasten der Redaktion: Blaschke: Auf Abonnenten, welche die Stimmt der Kritik nicht vertragen können, verzichten wir gern, bestreiten aber auf'« Energischste, daß wir in der Nr. 21 Thatsachcn„arg verdreht' hätten. Dafür müssen wir den Beweis verlangen. Ihre frühere Einsen- dung war bereit« von un« zum Druck fertig gemacht, e» kam aber dan» der Kopenhagener Kongreß dazwischen, und hinterher war sie veraltet- So etwa« pasfirt indeß nicht nur Ihnen, sondern kommt leider öfter» vor. Wir müßten stet« zwei Seiten Korrespondenzen bringen, wollten wir all« Einsendungen abdrucken. Da da» nicht geht, muß Dieser oder Jene« einmal daran glaubeu, geflissentlich aber unterdrücken wir Niemanden. Hochheim in London: Da Ihre Zuschrift fast ausschließlich per sönlicher Natur und nur sür die Genossen in Br. von Interesse ist, s> haben wir Ihren Brief zunächst dem Vertrauensmann in Br. übersand: der Expedition: Spielhölle O'straß: Fr. 2,40 pr. Agfd. dkt er,.— K. B. O'straß: Fr. 1,40 f. Schst. erhalten.— v. d. Eide« Mk. 56,— pr. Ab. 2. Qn. u. Schft.«rh. Mehrbestellg. notirt.— Elt räuber: Mk. 100,— i Cto. Abou. ic. erh. Bs. erwartet.— Zinnobtt Mk. 50,— k Cto. Ab. erh. Weiteres angenebm.— Ich. H. O.: Mk. 4,«f Ab. 3. Qu. erh.— M. B. B.: Mk. 3,— Ab. bi» Ende Aug. erh. � B. I. jc. Mk. 700,— k Cto. Ab. durch FrdShd. erh.— F. Blolf Mk. 80,- d-Sgl. k Cto. Ab. erh.— s- Kr.: Mk. 6,— Ab. 2. und* Qu. erh.— I. K. D-: Mk. 60,— pr. Abon. erh. Bfl. Weiteres. � Moritz: Mk. 18,— Ab. 2. Qu. und Mk. 11,50 f. Schft. erh. QuilNMk auf 1. Outtg. früher schon bewirkt. Bfl. Weiteres.— W. Gfbg. Rumä»- Fr. 2,60 f. Schft. erh.— Fiskns v. Venedig: Fr.—,40 für Photos erh.— C. A. Sgr. Baltimore: Fr. 75,— k Cto. Ab. F. u. f. Schft. er� Sendung folgt ratenweise.— Roderich: Mk. 20,— f. Schft. u. Erpr«? sendung erh.— Dtsch. Ber. Vorwärts Buenos Aires: Fr. 363,30 1 Schft. und Fr. 10,10 Ab. N.?). BlkSztg. eingetr.— R. Mcke. Bueno« Aires: Fr. 31,40 k Cto. Schrft. und Ab. erh.„N. Z." folgt durch«nf ebenso Mehrbstllg. ic. Die„Revista sozial", Madrid könad Sie unter dieser Adr. bestellen. Auszug kreuzte mit Ihrem Bf. v. 21/' Gruß!— Von 4 Schajstopfspieleru, Buffalo: Fr. 8,50 p. Ufd. dst erh.— L. H. Buffalo: Fr. 1,70 f. Schft. erh. Sdg. abgg.—-£).¥ St. I.: öwfl. 1,70 Ab. 2. Qu. erh. Nachlsrg. abgg.— Zürich: Fr. 19,-� ges. im Cafe Keßler am 23 6. zur Hamburger Stichwahl dkd. erh. Blli: Fr. 3,50 f. Schrft. ,c. erh.— Schschtsch. Fl.: Fr. 2,- Abo» 3. Qu. erh.— Cpra. Bern: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. f. G. O. erh. � Blaschke: öwfl. 3,40 Ab. 3. Qu. erh. Gewünschte» kostet in Suwll° öwfl. 16,— franko. Sichere Adr. senden.— C. 28. Mrn.: öwfl. 3,« Abonn. 3. Qu. erhalten.— Deutscher Berein Winterlhur: Fr. 45,'" dem Agitaiioussoud f. Part.-Beiträgi 1. u. 2. Ou. dko. zugewiesen." Schorfe: M. 220,— k Cto. erh.— A. I. Hier: Fr.—.40 f. Sch� erh.— Rother Hahn: M. 317,50 ä Tto. Ab. ic. am 25/6 erh. 28» tere« nach Borschrist. Bfl. mehr.— H. Bzo. W'thur: Fr. 4,70 retok erh.— A. Klgr. Ffld.: Fr. 2,80 f. Schst. u. Annonce erh.— 2t«» Fr. Pr. Chicago: Fr. 5,05 Ab. 3. u. 4 Qu. erh.— Wallfisch« M. 8,30 p. Ufd». dkd. erh.— Jugendl.: M. 7,85 f. Schft. u. nonce erh.— Die alte Garde: M. 27,— ä Cto. Ab. 2. Qu. diw FrdShd. erh.— E. B. R.: M. 5,— Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. M. St. Pst.: Lw. fl. 1,— für Schft. u. Porto erh. Ihnen gutkommc» 30 Ct». Alle» beachtet.— H. B. 22. a. R.: M. 3,- Ab. 3. Qu. — Spielhölle O'strß: Fr. 1,40 pr. Agfd». dkd. erh.— C. Silberstei» Fr. 5,— per Agfd. u. Porto gutgebr.— K. Sch. Aarau: Fr. 2/ Ab. 3. Qu. erh.— Gen. Pari»: Fr. 35,— k Cto. Anth. erh.— M Neuenburg, St. Jmier: Fr. 5,15 per Ufd». dkd. erh.— Moritz»« Ende Rockevillc: Fr. 15,20 Ab. 3. Qu. ic. u. Schrft. erh. Sdg. E»- Juni abgg.— O. B. i. Jammerthal: Fr. 61,92 k Tto. Ab. ic. er> SC. Sch. Amst.: Fr. 5,20 Ab. 3. Qu. n. Schft. erh.__- Für die streikenden Weber in Meerane(Sachsen) sind ferner bei un» eingegangen: Bon den Gen. in Baden durch K. Fr. 10,50, von P.-Gen. in Ber» Fr. 16,50 gesammelt. — Humoristische»,„vlaurothe BiSmärcker. In dem bekann«« strohfarbigen Autoritätslappen von Zürich steht wörtlich folgende 2tod „Zur Beachtung. Wer gegen M a j o r i t ä t« b e s ch luß der Genoß« oder der Warnung der Mehrzabl der G-noss-n entgegen,«« Personen, welche öffentlich b l o« g e st e l l t find, dennoch verkeh« und schließlich ausgewiesen wird, hat die AuSweisuug selbst«« schuldet und von der Partei keine Unterstützung zn beanspruchen. Berl« 30. April 1833. Da« Zentral-Komite." „Wir behalten un» vor, auf diesen schmutzigen Uta», der an Gew«« heit sich mit jedem Dekret der preußisch-deuffchen Polizei kühn meß kann, de« Näheren zurückzukommen. Daß die Drahtzieherbande mit solä« Mittel gegen uu» ankämpfen muß, beweist jedenfalls, daß ihr Eiof« im Schwinden ist. Da» ist da« einzige Erfreuliche an dieser widerltf Geschichte." Also wörtlich zu lesen im Mostischeo Revolution« Moniteur. Daß der Beschluß unserer Berliner Genossen,>' leichtfertigen Bertehr mit anrüchigen Subjekten euergisch entgegenzuwirk« den Beifall von Leuten nicht finden kann, die ihre Anhänger mit& spielloser Eleganz gleich zu Dutzenden in'» Zachthan, zu bringen* standen haben, liegt aus der Hand; daß diese Leute aber die ge g eu« Madai'zcheu Spürhunde gerichtete Maßregel ohne Weit»« auf sich beziehen, da« ist in der That„da« einzige Erheiternde" ms-' (siehe oben). j C4mi)(n|4>»n>»IIn>s»»st»buchdr»«-r,t tz»ttini,n.Z>nch.