Grschkint »Hch»«tlich Iii nm a I in Zürich(Schweiz) l«Uu B* I f« 6 u 4 M;n» Tu n A H«tti>»g««-ZSrich. fiiftuiiHttätu ftanco gegen frone». Sewihnlichc Briese noch»er L ch w e i t losten loppelporto. Der So�aldmokrat .entrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei ollen schweizerischen Postbureaux, sowie beim B-rlog und besten bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Ättujfmni) Ml. 3.— für Deutschland sEouvert) st. l. 70 fiir Oesterreich< Fr. 2.60 für alle übrigen Sünder des Weltpostvereins lKreuzdands ?» se r« t e Die dreigespaltene Petitjei e 25 EtS.-- 20 Pfg. N 28. Donnerstag, 5. Juli. 1883. Jstri*«i Itt Ikmealc« und K»rres»»»dt»tt« de»„Soiialdemodrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bez«.»erfolgt wird, und die dortigen Wehbrden sich all« Mühe geben, unsere Leroindungen nach jenen Sündern«bglichst zu erschweren, reip. Briese von dort an uns Und unsere Zeitung»» und sonstigen Sendungen nach dort abzusaugen, so ist die äußerste vorficht im Pofiverlehr nothwendlg und darf lein« vorstchtimaßregel versäumt werden, die Briesmarder über den wahren Absender und Smpsünger, sowie den Inhalt d«r Sendungen zu Huschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als mdglich an den.Sozialdeinolrat', resp. deffen Verlag selbst adresfiren, sondern sich müglichst an irgend eine unverdächtige Adreffe außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich sann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadresten mitgetheilt werden. Zln zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs grißerer Sicherheit«elommandirung Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, nm trotz aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemolrat' unsern Abonnenten Abglichst regelmäßig ZU liefern. Unfern Abonnenten in der Schweiz zur gef. Kenntniß, daß wir diejenigen bisherigen Abonnenten, welche die Annahme unseres Blattes seit Beginn dieses Quartals nicht ablehnten, auch für das laufende Quartal als Abonnenten vortragen und Nachnahme mit Nr. 29 erheben werden, sosern bis zum 15. ds. M. die betreffenden Abonnementsbeträge nicht eingesandt wurden. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Republik oder Monarchie? Zum Jahrestag des Aastilcekurm es. Es könnte befremdlich erscheinen, daß wir im„Sozialdemokrat" heute eine Frage erörtern, die für jeden denkfähigcn Menschen längst keine Frage mehr ist. Wenn man indeß in Betracht zieht, mit welch' geflissentlicher Schadenfreude die deutsche Presse— wenige, sehr wenige Ausnahmen abgerechnet— aus alle Schäden hinweist, welche in der französtschm Republik zu Tage treten, wie andererseits jede Kritik des monarchischen System«, die über den Wechselbalg des konstitutionellen Königthums hinausgeht, in Deutschland verpönt ist, wie die Phrase vom sozialen Königthum dem deutschen Volk heute in allen Tonarten vorgesungen wird, dann wird man es auch verstehen, warum wir es für unsere Pflicht halten, von Zeit zu Zeit von einem republikanischen Lande her dem deutschen Volke zuzurufen: Laß dich nicht irreführen! Die Demokratie, die wahre Volksfreiheit ist nur möglich in der Republik! „Es lebe die Republik!" so schlössen wir in der vorigen Rum- mer unsern Artikel über den Prozeß Louise Michel, einen Prozeß. der an Niedertracht seines Gleichen sucht, der stch dem Schlimmsten würdig an die Seite stellt, was in den Monarchien heutzutage geleistet wird. Es fällt uns natürlich nicht ein, das Urtheil irgendwie beschönigen, entschuldigen zu wollen, wie es zum Beispiel in wahrhaft skandalöser Weise die biedere„Frankfurter Zeitung" thut, die sich dabei zu folgendem ebenso reaktionären, wie juristisch ungeheuerlichen Ausspruch versteigt: „Freilich wird kein Mensch die Michel jetzt für eine Broddiebin halten, aber das Bewußtsein der zwölf kleinbürgerlichen Geschwor u en konnte es nicht über sich gewinnen, Jemand freizusprechen, der öffentlich zu Mord und Eigenthumszerstörung auffordert und an der Spitze v er Banden steht, welche notorisch dieBäcker- lüden geplündert haben. Eine eigenthümliche Sorte von Sozial-Revolutionären das, welche ungescheut zum Raub und Todlschlag im Großen auffordern,' aber entrüstet sich in die Brust werfen, wenn man sie beschuldigt, un- gerechter Weise ein Brödchen sich angeeignet zu haben. Sie selber mögen es fertig bringen, Beides streng aus- einanderzuhalten, aber wenn der Mob ihre Predigt sofort in die That umsetzt, wie zu Paris geschehen, sind sie dann von Schuld ganz frei? Wer diese Frage ehrlich mit Ja beantworten kann, der möge einen Stein auf die Pariser Geschworncn werfen." Nein, das Urtheil, das stch weder auf eine„Aufforderung zu Mord", noch auf eine zu„EigenthumSzerstörung" stützt und trotzdem L. Michel als eine Broddiebin behandelt, ist infam, da gibt es nichts zu vertuschen. Und ebenso haben die Prozesse von Monceau-les- Mines, von Lyon und Moulins gezeigt, daß. die Justizpflege in der französischen Republik eine im höchsten Grade parteiische ist, wie sich bei verschiedenen Gelegenheiten auch gezeigt hat, daß die Organe der öffentlichen Sicherheit in Frankreich an Brutalität und Neigung zu Uebergriffen der Polizei in den monarchischen Ländern keineswegs nachstehen. Das zu leugnen oder auch nur zu verschweigen, fällt uns gar nicht ein. Aber was beweist diese Thatsache gegen die republikanische Staatsform an sich? Gar nichts. Ganz abgesehen davon, daß die franzöfische Republik kaum 13 Jahre besteht und man sich daher nicht wundern darf, daß der korrumpirende Einfluß des Kaiserreichs noch nicht überwunden ist, daß es der Republik noch an Republikanern, an republikanischem Geiste fehlt— auch in der freien Schweiz und im freien Nordamerika passtren Dinge, die einer Republik wenig Ehre machm— muß doch immer festgehalten werden, daß die republikanische Staatsform eben nur eine Form ist, die solange ihren Zweck nicht erfüllen kann, als ihr der entsprechende Inhalt fehlt. Für eine bloS nominelle Republik ohne republikanische Einrichtungen, für eine Republik ohne Republikaner wird sich natürlich kein Sozialist erwärmen. Nein, was wir erstreben, ist die Republik mit allen ihren Kon- fequenzen. Und daß die Form ohne Inhalt nichts ist, ist für uns noch kein Grund, die Form überhaupt für entbehrlich zu erklären. Denn, und das ist namentlich festzuhalten, alle polizeilichen Willkürakte, die wir in Frankreich, in Amerika ic. stch abspielen sehen, all' die verschiedenen Attentate auf die VolkSfreiheir, sie stehen im strikten Gegensatz zum republikanischen Prinzip, wäh- rend sie dem Prinzip der Monarchie keineswegs widersprechen. WaS in der Monarchie ganz in der Ordnung ist, ist in der Republik Mißbrauch, wird als solcher erkannt und bekämpft. Daher sehen wir heute in allen Republiken eine stetige Entwick- lung im Sinne der Beschränkung oer Regierungsgewalien, sehen wir, wie immer mehr der Schwerpunkt des öffentlichen Lebens in die Volksmasse verlegt wird, während in den Monarchien jede derartige Bestrebung als hochverrätherisch betrachtet und womög- lich auch bestrast wird. Das Elftere mag, solange das Volk selbst noch unentwickelt ist und von seinen Freiheiten und seinen Rechten keinen Gebrauch zu machen versteht, zeitweise zu manchen Unzu- träglichkeiten führen, aber es wirkt unzweifelhaft dahin, daß das politische Verständniß des Volkes geschärft wird und daß dieses schließlich lernt, seine Rechte auch in seinem Interesse zu benutzen. Man gewöhne sich ab, das Leben eines Volkes nach der Dauer eines Menschenlebens zu beurtheilen, und man wird dem zu- stimmen müssen. Was bisher vielfach dazu verleitet hat, den Werth der Repu- blik zu verkennen, ist die Thatsache, daß man von ihr Unmög- liches verlangt hat. Sie kann nicht Fragen in einem Tage lösen, an denen Monarchien jahrhundertelang vergeblich herumerperi- mentirt haben. So kann auch in der Republik der Sozialismus erst zur Verwirklichung gelangen, wenn die Vorbedingungen dazu vorhanden sind. So verhindert die Republik, solange die bürger- gerliche Gesellschaft mit dem Prinzip der Ausbeutung besteht, nicht die mit ihr ursächlich verbundene Korruption, aber sie zwingt sie, sich offen zu zeigen, während in der Monarchie die Korruption latent ist, d. h. heimlich in allen Fugen nistet. Die Republik heißt Oeffentlichkeit, die Monarchie Kabinetswirthschaft. Die O'effentlichkeit hat gewiß manche Unannehmlichkeiten im Gefolge, aber politische Fragen werden nicht mit Sprengen von Rosenöl gelöst. Wer stets im Zimmer sitzen bleibt, ist vor manchen Un- fällen geschützt, aber er wird sein Lebtag ein erbärmlicher, hilf- loser Wicht bleiben. Man weist so oft mit Entrüstung auf die Korruptionswirthschaft in Amerika hin. Gewiß, sie ist eine Schande für die große Schöpfung Jcfferson's. Aber man vergesse nicht, daß sie ihre Nahrung �findet in den Ausnahmeverhältnissen, unter denen die Vereinigten Staaten sich entwickelt haben und noch entwickeln: der starken Einwanderung von Leuten, deren einziges Bestreben ist, reich zu werden. Aber warum spricht man nicht von der Korruption in Europa, in Deutschland? Ist sie da etwa schöner, weil sie kleinbürgerlicher, feiger auftritt, weil sie sich hinter der Reichstreue, der„Anhänglichkeit an das Herrscherhaus" ver- steckt? Ist Bleichröder etwa ehrenhafter als Vanderbilt, Jay Gould weniger skrupulös als die Kardorff, die Stumm und Konsorten? Wie korrumpirend das monarchische System in jeder Beziehung auf das öffentliche Leben wirkt, das zeigt stch jetzt ganz besonders in Oesterreich beim Kampf um die Sprachgesetze. Wäre Oester- reich Republik, so würden die verschiedenen Nationalitätsgruppen dieses Landes gezwungen sein, sich mit einander zu verstän digen, und eine Verständigung ist nur möglich auf demokra- tisch er Basis. Die Sache der Freiheit würde gewinnen und die Sache der Kultur mit ihr, denn es würde sich ein Wett- kämpf im besten Sinne des Wortes zwischen den verschiedenen Rationalitäten entwickeln. Was sehen wir aber heute? Einen Wettkampf in der Niedertracht. Die eine Nationalität.sucht die andere an hündischem Servilismus zu übertreffen, um sie so in der Gunst der kaiserlichen Sonne auszustechen und alsdann mit Hilfe der kaiserlichen Regierung unterdrücken zu können. Die Volksrcchte werden um den Preis eine? kaiserlichen Kopfnickens schmählich verschachert— die Gesinnungslosigkeit ist zum Prinzip erhoben. In der schweizerischen Republik kennt man keine Sprachenfrage. Wir könnten die Vergleiche noch unendlich weit ausspinnen, denn auf allen Gebieten sehen wir heute die Monarchie sich der Kulturentwicklung hindernd in den Weg stellen. Die Phrase von dem Königthum, das über den Parteien steht, ist eine Lüge. Da» Königthum stützt sich auf bestimmte Gesellschaft«- klaffen, wie es selbst wiederum die Stütze dieser Klassen ist. Es ist nicht nur nicht parteilos, es ist selbst Partei. Das zeigt sich namentlich in Preußen-Deutschland, wo jeder Versuch, das Volks- recht zu erweitern, als ein Angriff gegen die Monarchie be- trachtet wird. Alle Fehler, alle Gebrechen der Republik finden wir in der Monarchie in verstärkter, wenn auch häufig versteckter Form, nicht aber ihre Vorzüge. In der Monarchie, sagten wir früher ein- mal und wiederholen wir heute, wird das viele Schlechte ver- tuscht und das wenige Gute in den Himmel erhoben, in der Republik aber gilt das Gute als selbstverständlich und wird alles Schlechte, jeder Mißbrauch, an da« Tageslicht gezogen. In der Monarchie fehlt dem Volk die Freiheit, sein Brod zu erkämpfen, in der Republik ist es Schuld des Volkes, wenn ihm die Freiheit nicht auch Brod verschafft. Die Monarchie ist die Lüge in Per- manenz, die Republik ist der Weg zur Wahrheit. Darum rufen wir trotz aller Polizeischurkereien und Gerichts- infamien zum 14. Juli mit unseren französischen Brüdern ge- meinsam aus voller Brust: Es lebe die Republik!" Der Sozialismus in England. Endlich scheint auch in England, dem Musterlande der modernen Industrie, der Sozialismus festen Fuß gefaßt zn haben. Das Exekutiv- komite der demokratischen F öderation, von deren Gründung und Entwicklung wir unsern Lesern seinerzeit Mittheilung machten, ver- sendet jetzt ein Manifest, in welchem die wesentlichsten Grundsätze de« sestländischen Sozialismus figuriren. Bei der Bedeutung diese» Dokuments für die Geschichte d er Sozialdemokratie halten wir es für geboten, dasselbe in seinem wesentlichsten Theile an dieser Stelle im Parteiorgan zu veröffentlichen. Da« Manifest führt den Tile l:„Was ist Sozialismus? Ein soziale« und politisches Manifest der demokratischen Föderation. Bildet! Agitirt! Organisirt!" und beginnt folgendermaßen: Mitbürger! Die Stunde ist gekommen, in der e» absolut nölhig ist, daß die Masse des Volkes selbst und ernsthast ihre eigenen Angelegenheiten in die Hand nimmt, will sie nicht, daß ihre Lage bald schlechter sein soll, al« sie je gewesen. Die politische und soziale Gewalt ist heute da« Monopol Derer, die von der Arbeit ihrer Mitbürger leben, und Tones oder Konservative, Whigs, Liberale oder Radikale sind lediglich bemüht, die Arbeiter in Unkenntniß über die Thatsachen zu erhalten, die sie am nächsten angehen. Seit der Reformbill von 1832 gehen die Kapitalisten, abgesehen von einer Frage, Hand in Hand mit den Landlord«, und seit der Aushebung der Korngesetze(1846) bis zum heutigen Tage sind Geldsacksbarone und Landjunker zusammen die absoluten Herren über die Millionen von wirklich Arbeitenden im Gebiete des vereinigten Königreich». Ihre Gewalt ist so vollständig, daß seit 1348 bis heute teiu wirksamer Anlauf versucht wurde, sie zu stürzen. Aber wa» war das Re- sultat der Herrschaft der reichen Klassen für die Arbeiter? Während fünfzig Jahren haben sie einander um Löhne Konkurrenz gemacht, die sie kaum in den Stand setzen, ihr Leben zu fristen. Während sie Reichthümcr schufen und das JahreSeinkomm en unsere» Lande» sich mehr al» ver- dreisachte, blieben Diejenigen, welche diese Reichthümer hervorbrachten, eine Klasse von Lohnsklaven, überarbeitet und unternährt, jeder Krisis preisgegeben, die Opfer jeder darauf folgenden GeschäftSlofigkeit. Die Ber« vollkommnnng der Maschinerie, die Ausdehnung der Eisenbahnen, die Anwendung der Dampskraft und der Elektrizitätt— diese großartige Steigerung der Herrschaft des Menschen über die Natur, welche die hauptsächlichste Erscheinung unserer Epoche ist, hat al« Folge gehabt Ueberfluß für eine Minderheit, Elend und Herabwürdigung für die Mehrheit. 1374 wurden die Liberalen wegen ihrer Unfähigkeit heim- geschickt und die Konservativen rückten auf sechs Jahre an ihre Plätze. Während der langen Dauer ihres Amtes führten sie nicht eine einzige Maßregel durch, welche das Loo» der Millionen Darbenden irgendwie zu erleichtern geeignet war. Die Konservativen fielen in Mißgunst, die Liberalen kamen wieder an» Ruder, und wiederum liegt keine einzige Maßregel dem Parlament vor, keine einzige Maßregel ist in Aussicht genommen, welche den Arbeitern, Männern wie Frauen, welche that- sächlich die einzige Quelle alles Reichthums sind, von Nutzen sein könnte. Mitbürger! Der Fortbestand dieser traurigen Hinauszieherei hängt von Eurer Unwissenheit ab und wird so lange dauern wie Eure Gleich- gültigkeit. Landjuuker und Kapitalisten, die da» Oberhaus in Besitz ge- nommen haben, und die das Haus der Gemeinen anfüllen, haben kein anderes Bestreben als ihre Interessen unter dem Vorwand zu wahren, für die Euren zu wirken. Nehmt daher Euer Erbe aus Euch, schiebt diese reichen Parasiten beider Gruppen, die mit Eurer Arbeit schachern, beiseite, und traut in Zukunft nur auf Eure eigene Kraft. Betrachtet die folgenden Zahlen: Besammtproduktion im Berein. Königreich Psd. St. 1300,000,000 Von Landlord», den Kapitalisten und Profit- machern eingesteckt„„ 1000,000,000 Rest für die wirklichen Produzirer„„ 300,000,000 Denkt über diese Ausstellun g nach, Ihr, die Ihr leidet, und ertragt e«, daß Andere nichts thun und reich find; blickt auf die Armuth, da» Dahinsiechen, die Prostitution, die Euch umgeben, Ihr die Ihr arbeitet, und gebt den Ertrag Eures Tagewerk» Euren Ausbeutern für den Ertrag von zwei oder drei Arbeitsstunden. Erwägt diese Thatsachen, überdenkt Euch diese Ausstellung, Männer und Frauen Englands, und dann fragt Euch, ob e» der Mübe Werth ist, um solcher Resultate willen Euch vor den„herrschenden Klaffen" in sklavischer Unterwürfig- keit zu beugen, oder ob Ihr nich t die volle Frucht Eure» Fleißes ver- langen und erlangen und selbst Eure herrschende Klasse werdeu sollt. Unterwerft Euch alsdann nicht länger einem System parlamentarischer Regierung, da» im Interesse derer, die Euch berauben und unterdrückeu, errichtet wurde, das sich selbst Generationen hindurch al» bankrott und trügerisch erwiesen hat. Agitirt! Organisirt! Mitbürger! Wir, die Anhänger der demokratischen Föderation verlangen volle« Stimmrecht für alle erwachsenen Männer und FrauendieserJnseln, da nur auf diesem Wege das ganze Volk seinem Willen freien Ausdruck geben kann; wir sind für Entschädigung der Abgeord« ueten und jährliche Legis latsiren, weil nur so das Volk seine Vertreter kontroliren kann, wir kämpfen für freie direkte Abstimmung über alle wichtigen Beschlüsse und für die Bestrafung jeder Art von Korruption als entehrendes Vergehen, weil nur so die Tyrannei beseitigt und die Bestechung ausgerottet werden kann; wir fordern Abschaffung aller erb- lichen Autorität, weil solche Aemter nothwendigerweise vom Willen der Volksmassen unabhängig find. Aber alle diese Reformen, wenn durch- geführt, bedeuten nur, daß die Männer und Frauen diese« Lande« nach- gerade Herren in ihrem eigenen Hause sein wollen. Die politische Maschinerie an sich ist aber wertblos, wenn sie nicht beniizt wird, um gute soziale Zustände zu schaffen. Aller Reichthum entstammt der Arbeit, folglich gebührt der Arbeit aller Reichthum. Wir find Fremde in unserm eigenen Laude. 30, WO Personen befitzen den Grund von Großbrittanien, gegenüber den 30 Millionen, welch« darauf leben sollen. Eine lange Reihe von Räubereien und KonfiS- kationen hat un» des Bodens beraubt, der unser Aller sein sollte. Die orga- nifirte brutale Gewalt der Wenigen hat Generationen hindurch über die unorganifirte rohe Gewalt der Vielen triumphirt und sie beraubt. Wir fordern jetzt Nationalifirung des Grund und Bodens. Auf dem Lande und in den Städten, in Bergwerken, Wäldern, auf den Bergen und in Haiden soll der Boden dem Volke für das Volk gehören, um bearbeitet, bebaut und beackert zu werden, nach Maßgabe der vom Volke für zweck- mäßig erkannten Bedingungen. Die Handvoll Marodeure, welche ihn heute besitzen, haben keinen anderen Rechtstitel und können keinen an deren haben als den der brutalen Gewalt gegenüber den Millionen, welche sie benachtheiligen. Aber der Privatbesitz an Grund und Boden ist in der heutigen Ge- sellschaft nur eine und nicht die schlimmste Form des Mouopolismu», der die besitzenden Klassen befähigt, die Produktionsmittel gegen die Ar- heiter, die sie versklaven, auszunützen. Von den 1000 Millionen Pfund Sterling, welche die Klasse der Nichlarbeiter von den 1300 Millionen der Jahresproduktion in die Tasche steckt, kommen auf den direkten Antheil der Grundbesitzer, die unfern Boden genommen haben und uns vom Genuffe desselben ausschließen, wenig mehr als 60 Millionen Pfund. Die wenigen tausend Personen, welche Inhaber der Staatsschulden find, welche das Parlament der Landlord« dem Volke aufgebürdet hat, schöpfen von der Arbeit ihrer LaudSleute jährlich 28 Millionen Pfund für nicht« und wieder nichts ab, die Aktienbesitzer, denen man gestattete, an unfern großen Eisenbahnverbindungen Hand anzulegen, eine noch etwa« größere Summe. Ueber Alle aber ist es die Klaffe de«„thäligen" Kapitals, sind e« die Lohnschinder, die Landwirthe, die Minenausbeuter, die Vermittler, die Fabriklord«, die modernen Sklavenhalter, sind e« diese, welche ver- mittelst ihre» Geldes, ihrer Maschinen, ihre« Kapital» und Kredit« jeden Fortschritt de» menschlichen Wiffen«, jede Vervollkommnung der mensch- lichen Geschicklichkeit in ein Mittel verwandeln, um au» der Arbeit anderer Menschen Reichthum zusammenzuscharren und immer mehr Mehrwerth au« den Lohnsklaven herauszuziehen, die sie beschäftigen. Solange die Pro- duktionSmittel, ob Rohmaterial oder Fabrikate, Monopol einer Klaffe sind, so lange müssen die Arbeiter auf dem Lande, im Bergwerk oder in der Fabrik sich für einen zum nothdürstigsten Unterhalt dienenden Lohn ver- kaufen. Wie der Grund und Boden in Zukunft Nationaleigenthum sein muß, so auch die anderen Mittel zur Produktion und Bertheilung der Güter. Die Herstellung der Produkte ist bereits eine gesellschaftliche, weil Jeder gezwungen ist, mit seinen Nächsten Hand in Hand zu arbeiten; c« ist hohe Zeil, daß auch die Vertheilung der Produkte gesellschaftlich und dem Einfluß der individuellen Gier und dem individuellen Profit entzogen werde. Um einer befferen Zeit vorzuarbeiten, empfehlen wir zur unverzüglichen Annahme: Die obligatorische Errichtung von gesunden Wohnungen für Land- und Industriearbeiter nach Maßgabe der Bevölkerung. Diese Wohnungen sind zu einem Preise zu vermiethen, der lediglich die Bau- und Unterhaltungskosten deckt. Obligatorischen freien Unterricht für alle Klassen mit Lieserung von mindestens einer gesunden Mahlzeit pro Tag. Einen NormalarbeitStag vonachrStunden oder weniger für alle Gewerbe. Progressive E i n k o m in e n st e u er aus all« Einkommen Uber ein festzusetzende« Minimum, da» 300 Pfd. pro Jahr nicht überschreiten darf. Staatliche Uebernahme der Eisenbahnen gegen oder ohne Entschädigung. Die Errichtung von Nationalbanken, welche alle Privat- iustitule, die mittelst Operationen mit Geld oder Kredit Profite machen, beseitigen sollen. Schleunige Tilgung der Staatsschuld. Nationalifirung de» Grund und Boden« und Organi- sirung von Land- und Jndustrie-Armeen unter staatlicher- Konrrole und nach genossenschaftlichen Prinzipien. Bei solchen Maßregeln wird ein gesunde«, unabhängige« und tüchtig gebildete« Volk allmälig um un« heranwachsen, bereit, den verderblichen Konkurrenzkampf um Hungerlöhne, dcr unsere gegenwärtige Arbeiter- bevölterung ruinirt, aufzugeben, bereit, die Arbeit Jede» für den allge- meinen Nutzen zu organtsireu, und entschlossen, die volle soziale und politische Maschinerie eine« Staate« endlich in die Hand zu nehmen, in welchem die Klassenunterschiede und Klassenprivilegien aufhören, zu existiren. Sagt Jemand, daß wir da» Privateigenthum angreifen? Wir leugnen e». Wir greisen nur da» Privateigenthum für einige tausend Faullenzer und Sklavenhalter au, da« Millionen das Eigenthum an den Früchten chrer Arbeil unmöglich macht. Wir verwerfen da« Privateigenthum, da« die Armuth gleichzeitig zu einer Nothwendigkeit und zu einem Verbrechen macht." E« folgt nun noch einmal ein Appell in obigem Sinne, woraus e« heißt: „Die Zwecke und Ziele der Demokratischen Föderation liegen Euch vor. Ein Erfolg kann nur durch organisirle« Vorgehen erzielt werden. Unterrichtet! Wir bedürfen all' unserer Intelligenz. Agitirt! Wir bedürfen all' unsere« Enthusiasmus. Organifirt! Wir bedürfen all' unserer Kraft. Unterrichtet! Agitirt! Organifirt! Da» Exekntiv-Komite der Demokratischen Föderation: Herbert Burrow». John Clark. Patrick Henueffy. I. L. Johne». Jame« Macdonald. Jame» Murrah. Andrea« Scheu. H. H. Champion, Ehren- Sekretär. A. I. Dadsou. H. M. Hyndmann, Borsitzender. Tom. S. Lemou. William Morris. H. W. Rowland, Ehren- Sekretär. Helen Tahlor. Joh. William»." Ueber diese Persönlichkeiten ist uns Folgende« l ekanut: Frl. Helen Taylor ist die Stieftochter de« bekannten Schrift- steller« I. S t n a r t M i l l. Sie hat, wenn wir nicht irren, in hervor- ragender Weise für Unterstützung der irischen Bewegung in England ge- wirkt, wie sie auch bei den letzten deutschen Reichstagswahlen(1881) un« durch Frl. E. Marx einen namhaften Beitrag zn dem Wahlfond« zugehen ließ. W. Rowland ist Vorfitzender de» Gewerkvereins der Londoner Kutscher. Er war es, der auf dem letzten Trades-Unions-Kongreß zu Manchester beantragte, der Kongreß möge sich für Nationalifirung de» Grund und Boden» aussprechen, wa» auch geschah. Andrea» Scheu ist der bekannte österreichische Sozialist, der somit von seinen blanquistischen Neigungen zurückgekommen zu sein scheint. A. I. D a d s o n ist der Kandidat für den demokratischen Verein von Marlhbou«(Stadtviertel von London) für die nächsten allgemeinen Wahlen. ** ♦ Die Pariser„Justice" veröffentlicht folgende Resolution, welche am 26. Juni auf einem von dem obigen Komi» einberufenen Meeting au- genommeu wurde: „Die Versammlung sendet au Madame Louise Michel den Aus- j druck ihrer aufrichtigen Sympathie gelegentlich der ungerechten, rachsüch- tigeu und grausamen Verurtheilung, welche von den Dienern der jetzt republikanischen Bourgeoisie in Frankreich gegen sie gefällt wurde." Eine preußische Muster-Ordnungsstütze. Au» Fr ankfurt am Main erhalten wir folgende Zuschrift: Auch wir find hier in der Lage, zu dem Thema:„Die Tugend unserer Tugendwächter" einen zwar nicht sehr erquicklichen, aber um so charak- teristischeren Beitrag zu liefern. Am SS. Mai d. I. fanden wir in den hiesigen Zeitungen folgende Lokalnotiz: „Der Schutzmann Herr Lehmann de« vierten Reviere» hatte vor einiger Zeit das k. Polizeipräsidium um seine Versetzung in einen andern Polizeibezirk ersucht, weil zwischen ihm und dem Revier- kommissariu«, Herrn B l e h, Zerwürfnisse ernster Natur beständen. Nachdem die Versitzung genehmigt worden, hat Herr Lehmann eine RechtsertigungSschrist dem Präsidium eingereicht, auf Grund deren eine Disziplinaruntersuchung gegen Herrn Bley ein- geleitet sein soll." Wir hielten e« nun für unsere Pflicht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um diesem zwischen dem Herrn Kommissariu« und seinem Unter- gebenen— welch' Letzterer noch so ein Stück Jnventarium au« Alt-Frank- für ter Zeit ist— entstandenen Zerwürsniß auf die Spur zu kommen, da ja derartige Vorkommnisse bekanntlich stet» verdunkelt zu werden pflegen, denn„wie der Herr so der Knecht". E« ist un« die« nun auch glücklich gelungen, und gerade im Begriffe, diese Zeilen niederzuschreiben, finden wir in den hiesigen Blättern folgende zweite Notiz: „Frankfurt, 2. Juni. Herr Polizeikommissariu« Bley ist von seinem Urlaub zurückgekehrt. Wa» die gegen ihn von Herrn Schutzmann Lehmann ein- gereichre Beschwerdeschrift betrifft, so soll derselben von seinen Bor- gesetzten irgend welche Folgt nicht gegeben worden sein." Also die Angelegenheit de« Ehrenmanne», der sich neben dem bekannten Polizeirath Rumpf im Leipziger Hochverrathsprozeß(Oktober 1881) hervorgelhan, soll einfach nicht publik werden. Nein, Ihr, Wackern, so haben wir nicht gewettet, wir wollen vielmehr den sauberen Herren einen Strich durch ihre ohne un» gemachte Rechnung ziehen. Wir haben nämlich erfahren, daß die von Schutzmann Lehmann eingereichte Beschwerde vollständig der Wahrheit entspricht, aber au» dem Grunde unterdrückt werden soll, weil die Polizei sich. wenn die Angelegenheit vor den Strasrichler käme, in unerhörter Weise blosstellen würde. Die Thatsachen, soweit wir sie bis jetzt in Erfahrung gebracht haben, sind sehr gravirender Natur. So wird dem sauberen Polizeikom- miffar in erster Linie vorgeworfen, daß er sein Amt zur Protektion von zweifelhaften Frauenzimmern, deren Wohnungen sich in der Kleinen Bockenheimergasse, Bethmanstraße rc. befinden, mißbraucht hat, ja öfter» seien sogar seine eigenen Untergebenen im Bureau— also im Polizei- revier, Neue Rothstraße 17— dazu gekommen, loie er vorgeladene Mädchen, sogar Frauen, in gemeinster Weise handgreiflich insultirte. Wie sehr Ehren- Bley eine gewisse Kategorie von Frauenzimmern pro- tegirt hat, geht schon daran« hervor, daß er einen bei der Prostituirten Sauer gepsändeten Seffel dadurch der Veräußerung entzog, daß er ihn einfach aus sein Revierbureau nahm. Beim Wildprethändler Walluf aus der Großen Bockenheimergasse beschlagnahmten die Schutzleute diese« Ehrenmanne« Wildpret. Der Herr Kommiffarius hielt e« nicht unter seiner Würde, dem Präsidium mitzu- theilen, daß nicht» gesunden sei, und Walluf„aus gewissen Grün- d e n"(Bley steht nämlich in intimem Bcrhältniß zu Walluf'» Frau) das Wildpret zurückzugeben. Sodann hat Ehren-Bley in verschiedenen Kuppeleiprozeffeu, wovon noch einer, nämlich der gegen Marie Ressing, geb. Müller, Verdingsbureau am Römerberg 17, vor der Strafkammer schwebt, Akten unterschlagen, um die Angeklagten, welche ihn mit Geld oder aus sonstige Weise bestochen haben, vor harten Strafen zu bewahren. Ferner hat Bley Leute, namentlich Schutzleute, zu unwahren Aussagen in Bezug aus die gegen ihn schwebende Untersuchung veranlassen wollen. Daß er, um einen drastischen Ausdruck zu gebrauchen, sein Revier abgefressen hat, dafür sind die Wirlhe Carl Riehl, Weinwirlh zum Hau« Frauenstein, Römerberg 25, Hrch. Franz Dörmer, Kirchnerstraße Nr. 10 p., Georg Fay, Hotel Schwan, Steinweg 1'., M. A. I. Martio- Stotz, zum Prinzen von Arkadien, Große Bockenheimerstraße 9, Peter Bollhardt, Restauraleur zum Wintergarten, Goctheplatz 13, die beredtesten Zeugen. Man sagt dem Kommissar serner nach, er habe Leute zum Meineide verleitet, doch auch in diesem Falle hat das wohllöbliche Polizeipräsidium es vorgezogen,„aus gewissen wohlweislichen Gründen" von einer Unter- suchung Abstand zu nehmen. Ferner liegen bestimmte Anzeigen dafür vor, daß er die jetzige Pro- stituirte Jauneck bereit« vor ihrem 14. Lebensjahre mißbraucht hat, außer- dem erzählt man sich noch Schmutzereien von ihm, wie sie Emil Zola'« Nana und ihre Freundin Satin begangen. Daß Bley der Bestechung ebenfalls zugängig, davon kann Herr C. Pfeiffer, Rcstaurateur zur Neuen Börse, sowohl al» die Frau de» Kommissariu« E. selbst, welche die gol- denen und silbernen Halsketten ,c. auch nicht dem Gehalte ihre« Manne« verdankt, ein Wörtlein mitsprechen. Auch pasfionirter Hazardspieler ist Herr Bley, und da» Case zur Oper war sehr häufig der Schauplatz ausregender Szenen, wobei Bley, ein notorischer Trunkenbold, die Hauptrolle gespielt hatte. Zum Schlüsse wollen wir noch al» Kuriosum anführen, daß Bley seine alte schmutzige Dienstmagd in andere Umstände versetzt hat. Die besten Zeugen für alle diese, einem Polizeikommissär und bekannten Sozialistenfresser gut anstehenden schönen Sachen sind die Schutzleute Christian Lehmann, Oskar Ulrich, Joh. Renk, Wenglein und auch Herr Polizeidirektor I. Langer, ja der Polizeipräsident Carl Friedrich August Hergenhahn selbst. Dies« letzteren Ehrenmänner erhielten schon eine Menge Anzeigen, haben es aber auch durchaus nicht für nölhig gehalten, da» Verfahren gegen Ehreu-Bleq einzuleiten. Wir behalten un« über diesen Fall noch eine sehr pikante Fortsetzung vor und bemerken schließlich noch, daß Bley wegen ähnlicher Stänkereien seinerzeit von Berlin nach Frankfurt versetzt worden ist. I-nr. NB. Soeben vor Abgang diese« finden wir folgende weitere Lokal- uotiz: „Einige Schutzleute de« vierten, jetzt wieder von Herrn Kom- miffar Bley verwalteten Revier» sind theil» nach Bockenheim, theil« nach Bornheim versetzt worden, und ersahreu, daß ein von sämmtlichen Schutzleuten de» 4. Revier» unter- zeichnete» Beschwerdeschreiben der Staatsanwaltschaft zugegangen ist. Bielleicht trägt unsere Korrespondenz dazu bei, die Einleitung de« Straf- verfahren« gegen diesen lockeren Patron zu beschleunigen. Mindesten« soll die Oessentlichkeit erfahren, welcher Art die Stützen der heiligen Ordnung i» Preußen sind, um derentwillen man un« ächtet. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 4. Juli 1383. — Bebel gewählt! Der erste HamburgerWahlkreis erobert! Mit dieser Freudennachricht eröffnen wir unsere heutige Rundschau. Mit 11,711 Stimmen, bei Weitem mehr, al« wir in der Zeit der intensivsten Agitation erzielten, hat der Kandidat der Sozial- demokratie den Fortschrittler, der nur 11608 Stimmen erhielt, an« dem Felde geschlagen. Die„Schmach, zwei Sozialdemokraten in den Reich«- tag entsenden zu müssen"— wie sich die Fortschrittler in ihrem Flug- blatt ebenso taktvoll wie demokratisch ausdrückten— ist der stolzen Hausestadt nicht erspart geblieben, die„Republik" Hamburg wird jetzt durch zwei überzeugte wirkliche Republikaner im deutschen Reichstage vertreten fem. In der That, welche Schmach! Die Fortschrittler trösten sich über ihre Niederlage mit der Thatsache, daß dieselbe nur durch die Wahlenthaltung eine« Theiles der Liberalen und Handwerker möglich war. Nun, un» kann'« gleich sein, welche Händel unter unfern Gegnern zu unserm Siege beitrugen. Die Wucht i der 11,700 Stimmen wird dadurch nicht verkleinert, die gehören u n s. I Wir haben nicht um die Stimmen anderer Parteien gebuhlt und g e-! bettrlt, wir haben mit der Macht unserer Argumente gekämpft und mit- reinem Schild, rein von jedem Flecken entehrender Kompromisse, geht> unsere Partei al» Siegerin au« dem Kampfe hervor. Unsere Hamburger Genossen können stolz sein. Sie haben ihre Pflicht i im vollsten Sinne des Wortes gethan. Mit Bewunderung blicken die| Genossen au» ganz Teutschland, blicken die Sozialisten aller Länder auf! die unentwegten Kämpfer der Arbeitersache in dem belagerten Hamburg.{ Sie haben gezeigt, welche trefflichen Faktoren Zähigkeit und Ausdauer- im Kampfe sind. Gegen solche Elemente sind alle Ausnahmegesetze der Welt unmöglich. Wenn e« noch nöthig war, das Sozialistengesetz ad ab-> surdum zu führen, so hat Hamburg da« gethan. E» hat dem Wert des Attentatsjahres den moralischen Todesstoß versetzt. Und noch aus einem besonderen Grunde sreut un« der Sieg in Ham- bürg. Dresden ist gerächt. Allen ihren Reden von Freiheitsliebe enl- i gegen stimmten 1881 die Fortschrittler Dresden« für den Konservativen| Stllbel gegen Bebel, und lieferten damit diesen Wahlkreis der Reaktion aus. Mögen sie darob jammern und wehklagen, daß die Hamburger f Konservativen ihnen nicht Mann für Manu den Liebesdienst wieder ver- i gölten haben, ihr Schmerz ob der nicht erhaltenen Stimmen der offenen f- Reaktionäre macht sie uns nur noch verächtlicher. Uebrigcn» ist es ganz begreiflich, wenn die Handwerker lieber'? Bebel al» einem Fortschrittler ihre Stimmen gaben. Die Leute: sehen, daß sie de» Kampf mit dem Großkapital aus die Daner nicht mehr führen können, ihr erster Wunsch ist natürlich, Mittel zu finden, s ihre soziale Position künstlich aufrechtzuerhalten. Haben sie sich erst über- l zeugt, daß da« nicht geht, dann ist e« ganz selbstverständlich, daß sie lieber einer Partei zustimmen, die eine radikale Aenderuug der Prodnk- tionsweise erstrebt, al« einer Partei, die sie dem schrankenlosen Konkur- 4 renzkampf mit dem Großkapital preisgibt. Bon Rechtswegen ge- i hören, wie die Stimmen der Arbeiter, so auch die! Stimm err der Handwerker der Sozialdemokratie. Wie dem nun auch sei, der Sieg ist errungen und wir haben allen, Grund, un« seiner au« vollem Herzen zu freuen. Und daß ein so schnei- 1 biger Kämpfer wie August Bebel die Zahl unserer Vertreter im Reich»- i tage vermehrt, erhöht unsere Freude noch. Wenn die„Frankfurter l Zeitung" sich einbildet, daß die„Verbitterung", welche die Nieder- 1 lagen vor zwei Jahren in ihm erzeugt haben, nunmehr„kühler Erwägung j. und besonnenem Maßhalten" Platz machen werde, so wissen wir, daß sie damit auf dem Holzwege ist. So wenig Bebel ob der damaligen. Niederlagen verbittert war, so wenig wird er jetzt im Sinne der Frankfnrleria „besonnen" werden. Nach wie vor wird er vielmehr der Mann der kühlen Erwägung blliben, er wird sich nicht in dem Drange,„positiv"' wirken zu wollen, zu jener kläglichen„Wenn und Aber"- Politik ver,— Ab. 3. n. 4. Qu. erhalten. Mk. 4,— d. Ufd. dkd. zugew.—1 G. E. Bldgh.: Mk. 3.— Ab. 3. Qu. erh.— C. E. Kssch.: Mk. 6,— i Ab. 2. und 3. Ou. erh.— K. M. E. Lgk.: Mk. 4,- Abou. bis Ende i Oktober erh. und Mk. 1,— f. Schft. Sdg. folgt nach Borschr. Adr. i S ch k. längst erloschen.— Dreibein: Mk. 6,— Ab. 3. u. 4. Qu.' 1 erh.— W. P. Hbg.: Mk. 4,39 Ab. 3. Ou. erhalten. Adr. geordnet.— I Namenlos: Mk. 59,— baar und Mk. 14,— Ggr. st Cto. gutgebr.— j Mehrbstllg. notirt. Schsl. u. Brf. folgen.— I. Schr. G.: öwfl. 1,79! Ab. 3. Qu. erb.— Bukarest: Fr. 9,—(Kours für 19 Lei) pr. Ab. 3. Qu. u. Schrft. erh. Rest guiltiren im Lgsd. Bf. vom 39/6. eingetr... — Dittersbach: Mk. 6,— st Cto. Ab. gutgebr. Bfl. Näheres. A d r.!. ft'8. i st längst erloschen!— Dreifuß i. L.: Mk. 42,— Ab. Mai j bi« Ende Sept. erh. Reklamirte« kommt noch.— St. Loni«: Fr. 59,— � „Beitrag zur Lockerung des jetzigen Staatsbaue»" von den Arbeitern de« Kundenschneidergeschäfte« Schmidt pr. Ufd«. dkd. erh.— Rother Holländer H.: Mk. 3,— Ad. 3. Qu., Mk. 2,— f. d. Gehetzten und Mk.— ,99 f. Schft. u. Porto erh. Bfl. nach Wunsch Weitere«.— A Winterthur: Fr. 15,— Ab. 2. Qu. baar u. Ggrchng., sowie Fr. 3,65» s. Schft. w. erh.— Zug: Fr. 19,— pr. Agfd». zur Kieler Wahl dkd. 1 erh.— C- Sch. Cincin.: Fr. 199,— st Cto. Ab.»c., sowie 2 Bfe. u. Krzbd. erh. Weiteres folgt, sobald Spezialaullouce Erscheinen fignalifirt.! — O. Gppg.: Mk. 6,— Ab. 3. u. 4. Ou. erh.— O- Heims Clyde: i i Fr. 5,29 Ueberschuß v. d. Spieldose st Conto erhalten.— Kllbrgr.- Hrgn: Fr. 4,— Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— Cassel: Mk. 19,— f. d-; Wahl Bbls. bei einem Fäßchen ges. und ein Hoch den Hamburger Geu. eiugetr. u. somit weiterbesorgt.— P. a. a. a.: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. erh.! Fr. 3,— d. Agsd». dkd. zugew.— Bon einem nichtsozialist. Gegner der Ausweisungen: Fr. 5,— pr. Usds. dkd. erh.— B. G. Basel: Fr. 7,25' st Cto. erh.— H. B. L. Nbg.: Mk. 5.— pr. Wahlfd«. dkd- erh.— i Stoffel: Mk. 1,89 f. Schft. erh. Gewünschte« folgt.— D. Fr. a. B.:% Mk. 3,— 1. Juni bi« Ende Aug. erh.— Wsl».. Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.- S. D. Mchn.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.- Wht Z.: Fr. 2,-> Ab. 3. Ou. erb.- B. Ed. Rsbch.: Fr. 4.- Ab. 3. u. 4. Ou. erb. — Uhrwerk: Wird besorgt.— H. P. Hslde: Mk. 3,69 Ab. 3. Qu. u. I Schft. erh.— Rother Hans; Anfrage bfl. beanlw.— Rother Boigtl.: I Mk. 9,— Ab. 2. Qu. M. u. P. erh. Bfl. Weitere».— Kruzifix: Will-! kommen!— Kabeldepesche an E. Klälsig u. Peter Knauer, Amerika: i Zahlungstemperenz andauernd; Jubeljahr pr. Anfang dritte» Quartal| aussichtslos; Drahtantwort ob Maulseuche noch immer nicht Geld, j Schrummbumm!— "Tri» Samstag, den 7. Juli, Abends 8 übr, im„Catä ioil. Widder, Rennweg: Geschlossene Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Ersatrwalil in den Landesausschusg, Traktanden des Arbeitertages. Der LokalaasacbuBB der deutschen Sozialisten. Landesausschuss-Sitzung: Montag Abend 81/, Uhr im Cafe Morf. €tD(i](ci>4( ernoffmlchaliibuchdraserei HsUmgen-Zürich.