Oischewj «SchsmtNch einmal in Zarich(Schweiz) seil»» S«l»»bu>hh!,»»lu»s H»t>�«g«z,-Z»rich. Ki!se»d«sltu rancs gegen franco. S?»öhnliche Briefe 2�� der E ch w e i z kosten Toppelporto. Der SoMeWkmt Aentral'-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Ävonuements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zah Ibaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mt. 8.— für Deutschland(Couvert) st. 1. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2.50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzband) Inserate Die dreigespaltene Petitzei e 25 Cts.-- 20 Pfg. R: 30. Donnerstag, 19. Juli. 1883. « iit Juasest« und|«t»fyouStalta de»„Soiioliimaktaf". Xi der.«oiiatbimoliat* sowohl in Dentschlano als auch in o-stmilch y?rboitn ist b«,w.»l.solgt wird, und die dortigen �-�dun7-n?u.« md l«ö«r» t�dnrch PI �iq!» Ha�t�ordttiiij tß hii.u-in-rl-i.5. Ä s-tund- so s-li.n a» mdzlich an d-n.Soziald. nolrat', rrsp. d-Is-n«erlag selbst adresstren, sondern sich mSglichst an irgend-ine unoerdilchtige Adresse außerhalb D-uischlandZ und Oesterreich! wenden, welche fich dann mit uns in Berbindung setzt! anderseits aber daß auch un» mSglichst unoersängliche Anstellung.dresten rnitgetheilt werden. Zn zweiselhasten Fällen-mpstehlt stch behus» größere- Sicherheit Stelom.nandirung. Soviel an und li'gt, werden wir gewiß weder Mähe»och Kosten scheuen, um trotz aller entgegen» stetz-nden Schwierigleiten den.Sozialdemolrat» unser» Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Menschenopfer im 19. Jahrhundert. Seit Wochen beschäftigt der Prozeß von Nyiregyhaza die ge- sammle Presse, seit mehr als einem Jahre streitet man stch um die Frage, ob es wirklich wahr sei, daß noch im 19. Jahrhundert in Europa religiöser Fanatismus das Blut unschuldiger Kinder zu religiösen, gottgefälligen Zwecken abzapfe? Und wenn es nun wirklich wahr wäre, wäre es denn gar so unerhört, gar so dem„Geiste unserer Epoche" widersprechend? Wir verneinen diese Frage. Schicken wir voraus, daß thatsächlich für Jeden, der dem Prozeß unbefangen gefolgt ist, die Unschuld der Tlßa»Eßlarer Juden an dem ihnen zur Last gelegten Verbrechen feststeht. Die Angaben des einzigen Belastungszeugen, eines vierzehnjährigen Jungen, der, einem fanatischen Antisemiten überliefert, nur mit antisemitischer Lektüre verschen, schließlich sich zu einem Geständ- niß preffen läßt, wie es seinen Kerkelmeistern in den Kram paßt, sind gegenüber allen faktischen Beweisen, die ihn Lügen strafen, denn doch zu hinfällig, als daß über den Thatbestand noch ein Zweifel obwalten könnte. Und zudem, wer kennt nicht die sprichwörtliche„Unparteilichkeit" der ungarischen Gerichte? Von demselben Geschwornengerichte, welches jüngst den fana- tischen Judenhetzer Jstoczy, der direkt zur Ausrottung der Juden aufgesorderl hatte, freisprach, ward vor zwei Jahren unser Genoste Leo Frankel zu achtzehn Monaten schweren Kerkers verurtheilt, nur weil er ein bereit« in mehreren ungarischen Blättern unbeanstandet veröffentlichtes Soldatenflugblatt abgedruckt hatte, ohne dasselbe irgend- wie zu empfeh len. Wir haben bezüglich der Gerechtigkeit der ungarischen Gerichte so wenig Illusionen wie bezüglich der der„freien französischen Republik"— von den deutschen, öfter- reichischen und anderen russischen Gerichten ganz zu schweigen. Aber noch einmal, selbst wenn die angebliche Blutthat von Tißa-Eßlar wirklich geschehen, wäre sie gar so unerhört? Wer ist es denn, der im 19. Jahrhundert den religiösen Aber- glauben hegt und pflegt? Sind es nicht gerade dieselben Leute, welche am lautesten ob der entsetzlichen Frevelthat fana- tischer Juden zetern? War es nicht Herr Stöcker, der stch damit brüstete, daß ihm von orthodoxen Rabbinern Zustimmungsschreiben zuge- gangen seien, in welchen ihn diese bäten, sie von der.Pest des ReformjudenthumS" zu befreien? Und haben nicht thatsächlich die Freunde des Herrn Stöcker, als sie an der Macht waren, den Reformbestrebungen unter den Juden alle möglichen Hinder- niste in den Weg gelegt? Waren eS nicht gerade diese offiziösen Organe des ch r i st l i ch e n Oesterreich, welche noch jüngst beider Wahl in einem jüdischen Distrikte Galiziens für den Kandidaten der orthodoxen gegen den der reformirtcn Juden eintraten?„Ein orthodoxer Jude ist unS lieber als ein reformirter", ist die ständige Phrase derselben Leute, welche mit angeblich dem Talmud entlehnten Zitaten auf Judenhetze haustren gehen! Gegner jeder Halbheit, können wir unS so wenig für das sogenannte Reformjudenthum begeistern wie für die Protestanten- veuinlerei. Wir halten jeden KonfeffionalismuS heute mit echtem Freisinn für unvereinbar; wo sie anscheinend doch bei einander sind, ist entweder Eines oder das Andere erheuchelt oder beruht mindestens auf mangelhafter Erkenntniß. Den relativen Fortschritt aber, der im Reformjudenthum liegt, leugnen zu wollen, hieße das Kind mit dem Bade ausschütten. Die bürgerliche Gleichheit ist auch eine Halbheit, und doch ist sie ein Fortschritt gegenüber der mittelalterlichen ständischen Verfassung. Hat nun aber Der, der den Fortschritt, und sei er noch so gering, bekämpst, ein Recht, über die Auswüchse deS religiösen Aberglaubens loszuziehen? Sicherlich nicht! Und wird nicht die Abschlachtung von Kindern, von U n s ch u l- digen„zur größeren Ehre Gottes" gerade in der Bibel, dem „Worte Gottes", den Gläubigen vor Augen geführt? Juden und Christen erzählt man als lobenSwerlh die That des Erzvaters Abraham, der a u f G o t t e s B e f e h l daS Messer gegen seinen einzigen Sohn zückte, um ihn zu opfern. Ja, Gott selbst läßt nach der christlichen Religion seinen einzigen Sohn unschuldig den Kreuzestod sterben, um für die Sünden An- derer zu büßen. Roch mehr, als HerodeS von den Weisen auS dem Morgenlande erfährt, daß in Betlehem der zukünftige König der Juden geboren sei und deshalb die Ermordung aller Reu- geborenen in Betlehem beschließt, da sendet Gott, der Herr, seinen Engel herab und läßt— Joseph befehlen, nach Egypten zu fliehen. Er, der Allgütige, Allgegenwärtige und Allmächtige, läßt aber ruhig geschehen, daß— immer nach der Bibel— sämmtliche Kinder in Betlehem und Umgegend unschuldig um's Leben kommen. Wir könnten diese Beispiele von Blutvergießen aus Gottes Befehl, Gott zu Ehren und unter Gottes Duldung aus beiden „heiligen" Schriften, dem alten und dem neuen Testament, in's Unendliche fortsetzen, es genügt uns aber, gezeigt zu haben, wie noch heute, im neunzehnten Jahrhundert, ein Buch, in dem so roh brutale Anschauungen obwalten, dem Volke als Summe höchster Weisheit dargeboten wird. Was Wunder, wenn hier und da beschränkte Leute die Sache für baare Münze nehmen und in ihrer Bornirtheit danach handeln würden? Man sollte sich vielmehr wundern, daß so etwas so selten passirt, und für- wahr! Schuld der Pfaffen ist es nicht, daß dies der Fall! Wenn die Köpfe heute Heller geworden sind, dann ist es g e g e n die Pfaffen, gegen die Stöcker geschehen, die beständig über die Jrreligiösttät unserer Zeit jammern, dann ist es nicht den Leuten zuzuschreiben, welche, in Oesterreich wie in Preußen, die Parole ausgeben:„Die Religion muß dem Volke erhalten werd en!' Aber Ihr Herren, die Ihr thut» als glaubtet Ihr an die Blutthat von Tißll'Cßlar, und die Ihr über die Vergicßung von Christenblut zu rituellen Zwecken Euch entrüstet, wir haben noch ein anderes Wort mit Euch zu reden. Ihr jammert ob des einen angeblich von Juden geopferten Christenmädchens? Warum, Ihr gefühlvollen Seelen, habt Ihr kein Wort des Abscheus ob der Tausende und Abertausende von Menschenleben, die jahraus, jahrein, offen und vor aller Welt, hingcopfert werden, geopfert nicht irgend einem religiösen Wahngebilde, sondern dem sehr greif- baren Moloch Kapital? Sind es nicht gute Christen, die Glashüttenbesttzer in Schlesien und Böhmen, welche rundweg erklären, sie können auf Kinder- arbeit nicht verzichten, und zwar auf Kinderarbeit ohne jede Ein- schränkung? Seht Euch die armen Kindlein an, wenn fie Nachts von der Arbeit nach Hause gehen! Nicht stürmen fie fröhlich dahin, wie ihre Altersgenossen auS der Schule, nein, matt und trübe schleichen sie dahin, den frühzeitigen Tod auS den einge- fallenen Augen blickend. Geht in die Distrikte Schlesten«, Sachsens, Thüringens, kurz, wo nur die vielgerühmte HauS- industrie vertreten ist, und seht, wie dort Tausende von Kindern durch Ueberanstrengung den Keim zu vorzeitigem Tod, zu einem steten Dahinsiechen fich holen, sind daS keine Menschen- o p ser? Geht in die Fabrikdistrikte, wo immer mehr die Frauenarbeit, die schlechtbezahlte, die Arbeit der Männer verdrängt, wo die Familie vernichtet wird, wo der Mutter mangelhafte Ernäh- rung und Ueberarbeit in ungesunden Räumen Schuld sind, daß das Kind bereits im Mutterleibe zum Krüppel wird, wo die Hälfte aller Neugeborenen schon im ersten Lebensjahre stirbt,— was hat das Blut verbrochen, da» dort so grausam und unerbittlich vergossen wird? Und fragt Ihr erst, ob eS ein Christen-, ein Juden- oder ein Heidenkind ist, dem Ihr in frühester Jugend schon die Lebens- freude raubt? Beutet Ihr ste nicht alle auS, ohne Unterschied der Konfession? Als vor wenigen Wochen die Bäckergehilsen von Preßburg gegen die Ueberarbeit, die fich bis auf siebzehn Stunden pro Tag erstreckte, Front machten, als sie erklärten, ste hielten eS in den ungesunden Backräumen nicht aus, da war es daS Organ des Antisemiten Simon yi, der von christlich-germani- schen Zeitungen mit Vorliebe zitirte„Westungarische Grenzbote", der für die Meister Partei ergriff und den Arbeitern zurief, sie sollten zufrieden sein, es ginge ihnen immer noch besser als ihren Kollege» in Deutschland. WaL macht es Herrn Simonyi, daß die Sterblichkeit unter den Bäckergehilfen eine so enorme ist? Es ist ja nicht der Judengott, dem diese Proletarier geopfert werden, sondern der internationale und interkonfession ale Gott Kapital. Gott oder Moloch, wie man'« nehmen will, zu ihm beten ste alle, zu ihm betet die ganze Ausbeutergesell- schaft, ob sie nun Landmagnaten oder Fabrikbarone sind, ob sie sich Kommerzienräthe oder Exzellenz schimpfen, zu ihm beten fie und ihm opfern sie, nicht nur einmal im Jahre, nein, das ganze Jahr hindurch, nicht ein Menschenleben, sondern gleich Hunderte und Tausende, und kein Richter, kein öffentlicher Ankläger findet ein Fehl an ihnen. Hier legt die Hand an, Ihr edlen„Volksfreunde", wenn es Euch ernst ist um die Sache der Menschheit, bekämpft die Ausbeutung, bekämpft den Kapitalismus, da» heißt den Kapitalismus in jeder Form, wenn Ihr den Menschenopfern im 19. Jahrhundert wirklich ein Ende machen wollt! Zieht gegen den Aberglauben in jeder Form, gegen die übernatürlichen Wahnvorstellungen aller Art zu Felde, wenn Ihr dem religiösen Fanatismus wirklich zu Leibe wollt! Tretet ein für die Gleichheit alles Dessen, waS Menschenantlitz trägt, wenn Ihr dem Rassenhaß entgegenwirken wollt! Ihr aber schürt den Rassenhaß, Ihr fördert den religiösen Fanatismus, Ihr beschönigt und unterstützt die Ausbeutung. indem Ihr das Eigenthum, gleichviel wie es erworben ist. für heilig und unantastbar, die heutige Gesellschaftsordnung als eine göttliche erklär». Zetert daher, soviel Ihr wollt, über die Blutthat von Tißa-Eßlar, uns täuscht Ihr nicht mit Eurem Geschrei! Unser Tißa-Eßlar ist überall, wo die MenschenauSbeutung ihre Opfer fordert, das darbende, ausgehungerte und abgerackerte Pro- letariat ist unsere Esther Solymoss», und die Mörder, das seid Ihr! Wehe Euch, wenn der Tag des Gerichtes kommt! Ein„revolutionärer" Minister. Und zwar meinen wir den Minister eine» monarchische» Staates, nicht den einer Republik, der ja als solcher eigentlich revolutionär sein miljjte. Vor Kurzem hielt der englische Minister Chamberlain eine Rede, in welcher er ein sehr radikales Programm ausstellte und sllr den Fall der Richtdurchssthrung desselben auf dem Wege der Gesetzgebung eine Revolution sllr unvermeidlich erklärte, also„mit der Revolution drohte".„Der Minister eine» monarchischen Staates, der mit der Revo- lution droht— das ist in der That ein neues Schauspiel", meint die Wiener„Reue Freie Presse". Nicht ganz neu— es hat schon wiederholentlich solche Minister gegeben, namentlich in Frankreich und England; und die Revolution ist auch wirklich gekommen, wenn anders ihr nicht, wie in England zu Anfang der Wer Jahre, durch eine das Volk momentan beschwichtigende Reform vorgebeugt wurde. Was speziell Herrn Chamberlain angeht, so ist er, was man so zu nennen pflegt, ein BonrgeoiSrepublitauer, dessen Liebe zur Republik aber eine p l a t o u i s ch e ist, und der sich als monarchischer Minister außer- ordentlich wohl fühlt. In England herrscht bekanntermaßen seit Jahr- Hunderten die Sitte, daß man die größten Schreier, sage man unsert- wegen anch: die fähigsten Kopse, in die Regierung hineinzieht und ihnen dadurch den Mund stopft. Das Kabinet de» Chamäleon» Liberalen Gladstone hat diese alte, bewährte Taktik gleichfalls befolgt und sich die Führer der„Radikalen"(Dilke, Chamberlain sc.)„einverleibt". Sie sind auch schon so ziemlich verdaut; und wenn die Herren e« dann und wann sllr nölhig halten, die alle radikale Fahne au« der Tasche hervorzuholen, so thun fie da« nur, um sich mit ihrem Gewissen abzu- finden. Weitere Bedeutung Hat'S nicht. E r n st h a s t e Revolutionäre treten in kein monarchisches Ministerium. Das weiß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" so gut wie wir, und deshalb ist es pure politische Heuchelei von ihr, daß sie den Bour- geoiS Chamberlain für einen echten, wahrhaftigen Revolutionär ausgibt, der vor den K o n s eq u e u z e n des Parlamentarismus nicht zurück- schreck- und die konstitutionelle Monarchie nur als Etappe zur Republik betrachte— was jeder selbstbewußte Anhänger de« parlamentarischen Regiment» thne und thun müsse. Natürlich kam es der braven„Norddeutschen", Organ sür Bismarck und Guano, blo» aus die Schlußmoral an. Obgleich e» nun Unsinn ist, zu behaupten, die Anhänger des parla- lamentarischen Regiments strebten die Republik an, so kann doch nicht geleugnet werden, daß der Satz:„die konstitutionelle Monarchie ist nur eine Etappe zur Republik" an sich durchaus richtig ist. Bon dem Moment an, wo das Königthum seinen absoluten Charakter verliert und sich ge- nöthigt steht, mit dem Prinzip der Volkssouveräaetät zn pakliren, befindet es fich auf der schiesen Ebene, die, an revolutionären Abgründen vorbei, schließlich zu der absoluten Republik führt, d. h. der Republik, welche aus der Basis der Gleichheit beruht. Da» ist eine Thatsache, welche durch die Logik und die Erfahrung über jeglichen Zweifel hmau« fest- gestellt ist. Darum find aber die Anhänger de« parlamentarischen Regiments noch keine Anhänger der Revolution. Nicht« weniger als da«. Der Verdacht bringt ihnen schon eine Gänsehaut ein. Nein— die Jammergesellen, welche in der letzten ReichStagSsessiou nicht die Kourage hatten, sich der Unver- schämtheiten de« Junker» Bismarck zu erwehren, sind gewiß nicht die Leute, welche die Existenz de» monarchischen Deutschland gefährden. Ge- rade so wenig, wie Herr Chamberlain die Existenz de» monarchi- schen England» gefährdet. Trotzdem ist die Gefahr vorhanden— nur daß sie nicht von den „Revolutionären in Schlafrock und Pantoffeln" ausgeht. Auf politischem Gebiete herrschen dieselben ehernen EntwickelungSgesetze wie auf dem wirthschastlichen. Sind beide Gebiete doch im Wesentlichen von einander untrennbar. So unmöglich e« ist, au» unserer modernen Pro- d u t t i o n da« revolutionäre Element auszuscheiden und fie wieber in die Schranken der mittelalterlichen Zunstorganisation einzuzwängen, ebenso unmöglich ist e«, da« revolutionäre Element au» der modernen Monarchie auszuscheiden und die alte absolute Monarchie wieder- herzustellen. Da« revolutionäre Element wird auf politischem und ökono- mischem Gebiet immer stärker werden und der Monarchie ebenso ficher den Garau» machen wie der heutigen bürgerlichen Gesellschaft. Die Herren Bourgeois— parlamentarische und uuparlamentarische— werden freilich nicht aus Seiten der Revolution stehen, sondern im Gegentheil— die„Norddeutsche" mag sagen, was fie will— sich um die Monarchie schaaren und auf politischem Gebiete die Revolution ebenso bekämpfen wie auf wirthschaftlichem. Ja, fie thun e» jetzt schon und haben e» in kritischen Zeiten stet« und überall gethan. Kommt der Moment der Gefahr, so wird die„Norddeutsche" sammt dem, wa« drum und dran hängt, die Katzbalgerei mit den Anhängern de« parlamentarischen Regiment« flug» einstellen. Denn Katzbalgerei ist'«, weiter nicht«— Katzbalgerei gleich dem sogenannten Kulturkampf zwischen Kirche und Polizeistaat. Der Sozialismus in Nordamerika. Au» dem Bericht Uber amerikanische P a r t e i v e r h ä l tn i s s e, erstattet dem in Kopenhagen am 29. März zu eröffnenden Parteitage, im Austrage der Sektion N e w y o rk, Sozialistische Arbeiterpartei der Bereinigten Staaten. (Schluß.) Sozialistische Hewerkschafte«. Ich sprach oben von einer Aufnahme mit Bezug auf die verhält- nißmäßige Ersolglofigkeit der„Sozialistischen Arbeiterpartei" als emer politischen Partei. Diese Ausnahme ereignete sich bei Gelegenheit der letzten November-Wahl in der Stadt Newyork. Da« Streben unserer Partei nämlich ans Resormirung der nach altem, englischem Muster organifirten Gewerkschaften ist vielfach mit Erfolg ge- krönt worden, so zwar, daß nicht allein eine große Anzahl unserer Mit- glieder thatsächlich die leitenden Kräfte in den Gewerkschaften bilden, sondern daß wir auch eine ganze Anzahl vollständig sozialistisch redigirter Gewerkschastsblätter in englischer, deutscher und böhmischer Sprach« auf- zuweisen haben, wie z. B.„Tarpenter",„Progreß",„Möbelarbeiter", „Hammer" u. s. w. Den bedeutendsten Erfolg aber errangen wir in Newyork, als e» uns im letzten Sommer gelang, einen großen Theil der Gewerkschaften zu einer „Tentral-Labor-Union" zu vereinigen, mit der ausgesprochenen Tendenz, als selbständige Arbeiterorganisation, getrennt von den alten Parteien, in den p o l i t i s ch e n Kampszn ziehen. Mit dieser„Central-Labor- Union" oereinigt, gaben wir im letzten Herbst in Newyork, auf ein durch- au» sozialistisches Campagae- Programm hin, für der Zahl nach Uber- wiegend sozialistische(die übrigen bona Läo Arbeiter-) Kandidaten eine bedeutende Stimmenzahl ab. Wenn e» un« gelingt, die politischen Kor- ruptionisten, die sich, der Bedeutung dieser Organisation wohl bewußt, in diese zu drängen suchen, draußen zu halten, so haben wir, nach diesem Muster in den anderen Städten weiter arbeitend, den festen Punkt unter den Füßen gewonnen, den wir haben müssen, um die alten politischen Parteien au« den Angeln zu heben. Jedenfalls werden wir in dieser Richtung, trotz möglicher Fehlschläge, mit allem Eiser weiter arbeiten. Allgemeine Wirkung der sozialistischen Propaganda. Hat so die„Sozialistische Arbeiterpartei" der Bereinigten Staaten als politische Partei nur vorübergehende Triumphe und augenblicklich keinen allzuglänzenden Stand auszuweisen, kann sie sich mit Bezug auf sozia- listische Reorganisation der Gewerkschaften schöner Erfolge rühmen, so ist die Wirkung, die sie im Denken des Bolkes, im Bewußtsein der Massen und in der Anschauung der Presse— und hier spreche ich selbstverständ- lich von dem Gesammtvolke und von der G e s a m m t p r e s s e der Union— hervorgebracht, eine ganz außerordentliche und wahrhaft revoln- lutionäre. Nur wer mindesten« 19 Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt, kann das Tiefgreisende dieser Umwälzung ermessen. So unglaub- lich es klingt, so ist es doch buchstäblich wahr: die ununterbrochene, sich stetig ergießende Fluth unserer fast rein deutschen Agitation in Wort und Schrift ist durch tausend Kanäle und Spalten auch auf die Felder des öffentlichen englisch-amerikanischen Lebens gesickert und hat dieselben be- fruchtet.*) Der Ton der Presse, die Platformen der Parteien, vor Allem die immer sozialistischer werdenden Forderungen der in tausend Logen, Geheimbünden und Gewerkschaften orgauisirten englischen Arbeiter beweisen die« zur Genüge. Was vor zehn Jahren noch als verderblich und„gegen die Natur de« Menschen verstoßend" verschrieen wurde, wird heute als selbstverständliche Forderung einstimmig anerkannt, wa» damals als absurd verlacht wurde, wird wenigsten» heute ernsthast diekutirt. Die alten Par- teien überbieten sich darin, ihre Wahlprogramme mit sozialistischen Ge- dankenspähnen und„UebergangS"-Planken auSzustafsiren. Die Ideen von dem Gemeinbesitz de« Grund und Boden« haben, besonders seit Henry George, tiefe Wurzeln im Bewußtsein de« Volke« geschlagen und die, auf Drängen der Arbeiter, in einzelneu Staaten orgauisirten Bureau» für ArbeitSstatifiik weisen da« Unzulängliche der„wrxos"(Löhne) un- widerleglich nach und leisten der Propaganda für genossenschaftliche indu- strielle Produktion mächtig Borschub, genau so wie der Uebermuth der Eisenbahn- und Telegraphen- Monopolisten unserer Forderung von der Uebernahme aller Verkehrsmittel durch den Staat in überraschender Weise förderlich ist. E« bedarf nur des Anstoßes, einer neu hereinbrechenden Krifis, um die durch die sozialistische Propaganda im innersten Kerne ihre« Wesens verwandt gemachten Elemente rasch zu krystallisiren und sie zu Organisationen von einer Mächtigkeit und einem Zielbewußtsein zu- sammenznschmieden, wovon man bei der letzten Panik nur vereinzelte Ausätze gehabt hat. Daß sich bei diesem Stand der Dinge die herrschenden Klassen, insbesondere deren Führer, die Herren Monopolisten, aus den letzten Kamps sorgfältig vorbereiten, versteht sich von selbst. Die Zeit rückt heran, da sie die Gewalt, welche sie über die Gesetzgebung und die Gerichte de« Lande« thatsächlich besitzen, in der rücksichtslosesten Weise gegen die Emanzipationsbestrebungen des arbeitenden Volke» ausbeuten werden, und es dürsten sich dann in den Vereinigten Staaten Dinge ereignen, wovon man sich heute in der alten Welt— und vielfach auch in der neuen— noch nicht« träumen läßt. Dann aber wird auch Alles verschwinden, was uns heute die Propa- ganda noch schwierig macht und oft genug unsere schon halbgewonnenen Erfolge wieder in Frage stellt: die inneren Zerwürfnisse, welche zum Theil nur entstehen, weil der gemeinschaftliche Feind nicht so deutlich und scharf markirt ist wie in der alten Welt; die Fiktion der absoluten, politischen Freiheit, welche letztere bald genug durch„Gesetze" beschränkt werden wird; da« verhältnißmäßige Wohlergehen, welche« einem mit mit zahlreichen ökonomischen, verlustvollen Kämpfen durchsetzten müh- seligen Ringen um die tägliche Existenz Platz machen wird. Daß die Partei sich dann ihrer Aufgabe gewachsen zeige, darans kommt Alle» an. Und aus diesen Moment Glissen wir uns schon jetzt vorbereiten. Die„grünen" Sozialisten. Die Jahre 1874 und 1875 und später die Jahre nach Erlaß de» Sozialistengesetzes waren e« hauptsächlich, welche große Massen deutscher Sozialisten an die amerikanischen Küsten warfen. Ein Theil dieser„grü- neu" Sozialisten, wie sie drüben wohl scherzweise genannt werden, wandte sich sofort von jeder Agitationsthätigkeit ab und nur dem eiueu Ziele des Erwerben« zu. Es ist dies selbstverständlich nur ein sehr geringer Prozentsatz der Neueingewanderten. Unsägliche» materielle« Elend, da« sie in Folge ihrer Agitation in der alten Welt erlitten, und der Wunsch, sich nun endlich davon zu befreien, mag die Grundursache ihrer Hand lungiweise gewesen sein. Andere, besonder« ältere Agitatoren, können bei allem Streben nur ein kümmerliche« Brod finden, da sie sich in die neue Arbeitsweise nicht mehr hineinfinden können. Dennoch halten sie treu und ehrenhaft bei der Partei aus. Der weitaus größte Theil hat sich mit wahlhaft befruchtendem Eifer auf die Propaganda geworfen, wobei leider zwei Mißstände hemmend einwirken: zunächst die Thatfache, daß sie alte persönliche Reibereien in die neuen Verhältnisse mit herüberbringen, und dann, daß ihr Blick noch zn sehr der alten Heimath zugewandt ist. Jndeß befreien sie sich von diesen natürlichen Mängeln mehr und mehr und lernen auch die politischeu Methoden ihrer neuen Heimath nach und nach besser würdigen und handhaben. * ** Der übrige Theil de« Berichte« bezieht sich auf die noch in der Ent- Wicklung begriffene sogenannte„sozialrevolutionäre" oder„anarchistische" *; In emer neuern Nummer der Araericain Review wird in einem Jammerartikel dieser„destruktive Einfluß" der deutschen Sozialisten ausdrücklich quitlirt. Anm. der Red. Bewegung in Amerika, sowie auf die übrigen, die Parteiverhältniffe in Deutschland betreffenden Punkte de« Kopenhagener Kongresse». In Bezug aus die Stellung zu dem deutschen Parlamentarismus be- tont der Bericht, daß unsere deutsch-amerikanischen Parteigenossen, wohl wissend, daß der letzte entscheidende Kampf nicht in den Parlamenten ausgefochten werden wird, die Wahlbetheiligung und die Thätigkeit un- serer Abgeordneten im Reichstage wesentlich al« werthvolle Mittel der Propaganda ausfassen und fast einzig und allein nach diesem Maßstab die Haltung der sozialistischen Abgeordneten beurtheilen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 18. Juli 1833. — Vom allzuvielenWissen hat er sicherlich keine Kopfschmerzen gehabt, der kleine L a« k e r, al« er am 23. Juni in New-Iork eintraf. Ein Mitarbeiter der„New-Dorker BolkSzeitung" war dem„großen Parlamentarier" entgegengefahren, um ihn über den Zweck seiner Reise und seine Auffassung von der politischen Situation in Deutschland zu„interviewen", erhielt aber aus die meisten Fragen nur Antworten, wie„darüber habe ich mir noch keine Anficht gebildet", „eine solche Frage zu beantworten, ist sehr schwierig",„darüber könnte man Bände von Leitartikeln schreiben"(warum nicht reden?) und der- gleichen mehr. Die ganzeJämmerlichkcit de« deutschen Liberalismus tritt un« in dem Vertreter für Meiningen II. entgegen, und dabei gehört derselbe noch— so unglaublich e« klingt— zu den entschiedensten Mitgliedern feiner Fraktion. Freilich will da» Wort„entschieden" da wenig bedeuten, e« besagt nur, daß Herr Lasker von Zeit zu Zeit Anwandlungen von Grundsätzen bekomm», alsdann eine oder mehrere schöne Reden hält, worauf der Anfall vorüber ist und der Realpolitiker wieder zum Bor- schein kommt. Und wa« man in Deutschland Realpolitik nennt, ist bekannt: da« ängstliche Zurückweichen vor jeder realen Lösung politischer oder wirthschaftlicher Fragen, da» Nichtanstoßenwollen um jeden Preis, die Vermeidung jeglichen Konflikte«, die Aufrechterhaltung der Lüge vom „Monarchen, der Uber den Parteien steht" k. k. Diese Sorte von Politikern ist so konsequent inkonsequent, daß man nicht einmal einen gesunden Haß gegen sie empfinden kann, sie können nur Mitleid oder Verachtung erregen. Einem Redakteur der„New-Dorker StaatSzeitung" gegenüber zeigte sich Herr Laiker mittheilsamer, allerding» nur, um sich eine kolossale Blamage zuzuziehen. Auf die Frage, ob e« wahr sei, daß sich die materiellen Verhältnisse der unteren Klassen in Deutschland fortwährend verschlechterten, antwortete er mit Nein I und gab al» Beweis für seine Behauptung an, daß im Gegentheil da« Nationalvermögen gestiegen sei. Herr Lasker hat also gar keine Ahnung davon, daß Nationalreichthum und Volkswohlstand zwei grundverschiedene Diuge find, daß der erstere sehr tvohl steigen kann, während der letzlere fällt, daß in der bürgerlichen Gesellschaft diese« Berhältniß sogar ein wirth- schastliche«„Naturgesetz" ist— denn mit dem Reichthum steigt die Konzen- tration der Industrie und mit dieser die Expropriation de« Mittel- stände«, und diese heißt Vermehrung de« Massenelendes. Er hat keine Idee von den Ergebnissen der Steuerstatistik, welche diese« Abnehmen de« Mittelstandes so unverkennbar zu Tage treten lassen, daß selbst ein S o« t b e e r sich gezwungen sah, e« zu konstatiren; er hat keine Idee von den Lohnkämpsen, welche die deutschen Arbeiter zu führen ge- zwungen sind, um sich vor der rapiden Verelendignng zu schützen, er weiß nicht einmal, wa« in seinemeigenenWahlkreise vor- geht, wo, wie Sax in seinem Buche,„die Hausindustrie in Thüringen", nachgewiesen hat, der Nothstand der Massen immer größer wird, kurz, er ist, wie seine liberalen Kollegen insgesammt, blind, blind, blind,— er sieht nicht, er will nicht sehen. Darum brachte er e« auch fertig, auf die Frage de« Mitarbeiter« unsere« BruderorganS, ob iu Deutschland bald eine Revolution stattfinden werde, zu antworten, e S fehle in Deutschland an Gründen zu einer Revolution, und „die Sozialisten haben gar keine Bedeutun g." Die Wahl in Hamburg war eine treffende Antwort darauf. Ob sie aber Herrn Lasker belehrt hat? Schwerlich. Wie er die Reaktion nicht sehen wollte, bi« sie ihn am Kragen hatte, so wird e« ihm auch mit der Revolution gehen: er und seine Freunde werden eine« Tage» zu ihrer Ueberraschung merken, daß sie bereit« mitten in der Revolution drin stehen, die sich nicht ankündigt, wie ein Spektakelstück, sondern die sich vollzieht, als ein historische« Ereigniß, das unscheinbar beginnt und in seinem Verlause immer größere Dimensionen annimmt. — Zur Wahl in Kiel. Wenn diese Nummer in die Hände unserer Leser gelangt, ist da« Resultat der am 20. Juli in Kiel erfolgenden ReichStagSwahl bereit« bekannt. Dennoch dürste der nach- stehende S t i m m u n g« b er i ch t au« P a rt ei kr e i s e n. nicht zu spät kommen. „Kiel, 10. Juli 1383. Mit sozialdemokratischemGruß! Schon lange ist e» her, seit au« unseren nordischen Gefilden, insbesondere au« Kiel und Umgegend, ein Lebenszeichen in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Die Parteigenossen müssen jedoch nicht glauben, daß hier Alle« schläft. Mit nichte», hier wird gewühlt und gearbeitet, wie e« unter dem „beautiful exception law"(schönen Ausnahmegesetz), ohne die Ausmerk- samkeit der Spione und Polizisten aus un» zu ziehen, nur immer möglich ist. Gehaussucht wird freilich übergenug, wenn auch natürlich stet» ohne Resultat. Namentlich jetzt, da der Tag der Wahl immer näher heran- rückt, wo e« heißt„Hie Heinzel! hie Hähnel!", erfreuen wir un» der liebevollsten Aufmerksamkeit der Hochlöblichen. So kleiu nun die Zahl der hiesigen Parteigenossen auch ist, welche snrchtlo« und in enger Verbrüdernng zur Fahne haften, um den Unverstand der Massen, der un» hier, trotz der langjährigen Agit«- tion, noch immer dicht umlagert, zu durchbrechen, so lassen wir e« bei der bevorstehenden ReichStagSwahl doch in keiner Weise an der gewohnten Rührigkeit, welche nur unserer Partei eigen ist, fehlen, um ein günstige« Resultat für unfern Kandidaten Stephan Heinzel, Schneider in Kiel, zu erreichen. Es wirddie« allerdingsäußerstschwer halten, denn in de» um Kiel herumliegenden Ortschaften und Gütern spielen die meisten Gutsherren, wie wohl bekannt seiu dürfte, Ankläger, Richter und Henker zugleich, und wirken so in jeder Weise auf die Be- wohner ein. So lieferte z. B. die Ortschaft Blumenthal, wo wir früher für nnseren Kandidaten sehr viele Stimmen erhielten, beim letzten Wahlgang nur eine sozialistische Stimme. Der Grund hiefür ist der, daß die in genannter Dorsschaft wohnenden Grundbesitzer nach bekannt gewordenem Wahlresultat den Arbeitern Fuhren, welche diese sonst lei- steten, Stroh, Milch und sonstige zum Lebensunterhalt nöthige Mittel, entzogen: Dank dieser Maßregel wurden alle bi« auf einen kopfscheu und wählten gar nicht.(Ein lehrreicher Beitrag zur Kritik de»„freien" Wahlrechte«. Die Red.) Die früher von uns befolgte Taktik und Organisation bei der Reich«- tagswahl ist soviel wie irgend möglich verbessert, um sowohl eine wirk- saniere HauSagitatiou al» auch bei der Verbreitung von Flugblättern eine schnellere Erledigung zu erzielen. Die auf den gestrigen Tag, den 3. Juli, in Ausficht genommene Verbreitung von 10,000 Flugblättern, betreffend die Wahl unsere« Kan- didaten zum Reichstagsabgeordneten, wurde binnen 1'/, Stunden voll- führt, ohne daß die Polizei etwas ahnte. Sie merkte erst von der Ver- breitung, als diese bereit» geschehen war. Drum Brüder aller Orten, Im Süden und im Norden, Im Osten und im West, Haltet, haltet fest l Wie e« auch sich wende— Eure Hand zum Schwur: Bi» zum Lebensende Treu wie Ronsdors schwur!" Rataebe. Da ein weiterer Brief aus Kiel über Mangel an den nöthigen Geld- Mitteln klagte, so hat die Verwaltung de«„Sozialdemokrat" im Ver- trauen ans die Opferwilligkeit der Genossen, wie beim Meeraner Streik, sofort einen größeren Betrag ausgelegt und nach Kiel geschickt. Da e» nun außerdem möglicherweise zu einer Stichwahl zwischen Heinzel und H ä n e l kommen wird, so ist eine weitere Ur- fache vorhanden, nach Kräften für Kiel zn sammeln. Genossen! E« wäre einer unserer schönsten Triumphe, wenn es un«! gelänge, den Mann, der die Berschärfuug der(politischen) 1 Strafgesetze anempfahl durch einen bewährten Kämpfer für die volle politische und soziale Befreiung de» Volke» zu ersitzen. Laßt I daher Kiel nicht im Stich! Beiträge find an die bekannten Adressen in Deutschland oder an die! Expedition de«„Sozialdemokrat" zu richten. — Der Lohn kämpf in Deutschland. Da« Hauptinteresse! nimmt zur Zeit der Kampf der Schreiner Stuttgart» � gegen die Unverschämtheit der dortigen Prinzipale, iu Anspruch. Wir erhalten darüber folgende Zuschrift: „Stuttgart, 14. Juli. Wegen Lohndifferenzen und s ch l e ch t e r I Behandlung stellten in der hiesigen Möbelfabrik von G. S ch ö t t l e> 123 Arbeiter die Arbeit-in. Ein Faustschlag in'« Gesicht der Stutt- I zarter Gesammlarbeiterschast feiten» des hiesigen Verein« der Möbel- j sabrikanten war die Antwort. Sämmtliche Möbelfabriken wurden ge- schloffen und die Arbeiter, 720 Mann, wurden aus'« Pflaster geworfen. � Uni) der Grund!? Die Herren Fabrikanten wollten dnrch den Au«- I schluß ihrer Arbeiter diese zwingen, aus die Schöttle'schcn Arbeiter em- s zuwirken, daß diese unter den alten Bedingungen die Arbeit wieder aus-> nehmen sollten. Der Handschuh wurde ausgenommen, und die hiesige Arbeiterschaft er- j klärte die Sache der Schreiner für die ihrige. Sammlungen wurden organifirt! und Alle« gethan, den Kampf siegreich für die Arbeiter zu gestalten. Die i Fabrikanten, die wohl angenommen, daß die Arbeiter sofort zu Kreuze\ kriechen würden, sahen sich getäuscht, und da sie bei dem Stillliegen; „ihrer Hände" den gewohnten„Mehrwertb" ausbleiben sahen, ging ihre s Einigkeil bald in die Brüche. Al» erste Errungenschaft ihres Kampfe» hatten die Arbeiter da« Sprengen der Fabrikanleuorganisation zu ver-' zeichnen. Ein Theil der Fabrikanten nämlich bot seinen ausgeschlossenen Arbeitern die Wiederaufnahme der Arbeit unter den alten Bedingungen an. Zu dieser plötzlichen Sinnesänderung trug nicht wenig der Umstand � bei, daß einer der Ausschlußfabrikanten, Namens Buschle, durch das Ge-: meindegericht zur Zahlung eine« 14tSgigen Lohnes an jeden seiner aus- geschlossenen Arbeiter verurtheilt wurde. Da« wirkte abkühlend auf die j Kampflust der AuSbeuierklique, ist doch der Geldbeutel bei dieser Sorte' Menschen der empfindlichste Theil des Körpers. Sie machten, wie er-.! wähnt, den Arbeitern Vorschläge zur Wiederaufnahme der Arbeit. Die■ Arbeiter antworteten ihnen, wie sich« gebührt: sie stellten eine Reihe von � Fordernngen auf, von deren Erfüllung sie die Ausnahme der Arbeit ab-; hängig machten. Diese Forderungen sind folgende: 1) 33', Prozent Extraaufschlag für Ueberzeitarbeit. 2) l'/t Stunde Mittagspause bei Beginn der Arbeitszeit um 7 Uhr t Morgens, Schluß um 6 Uhr Abend». Jede Fabrikordnung ist zu I entfernen und durch Anschlagen der fixirten Arbeitszeit, sowie be»| Abdrucks der§§ 122 bi» 124 der Gewerbeordnung zu ersetzen. 3) Die Prinzipale zu verpflichten, den Lohn für die Zeit der AuS- i sperrung bis zur Wiederausnahme der Arbeit zu zahlen. 4) Aus jede Maßregelung zu verzichten, eventuell die Arbeitseinstellung t zu gewärtigen. Eine Fabrik, Tpple u. Ege, hat die Forderung angenommen, und S gestern sind die Ardeiter wieder in die Fabrik einmarfchirt, und haben j die Arbeit begonnen; mit anderen Firmen schweben die Verhandlungen. I Fest steht schon jetzt, daß der Ausschluß mit einer Niederlage der Fabri- kanten endigt, und daß auch die Aussichten für den Streik iu Schönte'«| Fabrik günstig find. Erwähnt muß noch werden, daß einige der Fabrikanten, als sie ihre; Jndustriekasernen schlössen, den Arbeitern nicht einmal den rückständigen Lohn auszahlten; sie wollten„ihre Leute" aushungern, damit die\ selben desto eher kirre würden. Dem einen der Fabrikanten, dem schon. erwähnten Buschle, soll übrigen» die Jache sehr schlcch: bekommen. Man spricht hier davon, daß der Ausschluß ihn materiell ruinireu wird. Ein. Bankhaus, bei dem er Geld erheben wollte, verweigerte ihm diese« mit; dem Hinweis darauf, daß feine Arbeiter ja nicht schaffen. Die Herren{ Bankiers wissen sehr gut, daß ohne die Arbeit Werthe nicht erzeugt. werden. Zur vollständigen Durchführung des Kampfe» bedarf es aber noch. großer Anstrengung und besonders Unterstützung an Geld. Die deutschen- Arbeiter werden gewiß die Stuttgarter Schreiner nicht im Stiche lassen." Einer zweiten Zuschrift entnehmen wir die Mittheilung, daß den' Arbeitern der Firma Epple und Ege, welche die Arbeit unter der Be-| dingung der Bewilligung der gestellten Forderongen wieder aufnahmen,° am letzten Samstag ausnahmslos auf 14 Tage gekündigt wurde. Jndeß legten die Arbeiter sofort die Arbeit nieder: die angebliche Bewilligung f war ein Advokatenkniff, um die Arbeiter um ihren 14tSgigen Lohn« f anspruch wegen widerrechtlicher Entlassung zu bringen. DerKampf wirdalso heftiger, schließt unser Korrespondent.\ Wir wiederholen daher unsere dringende Aufforderung, Zuzug fern zuhalten und na chKrästen Unter stütz ung en einzusenden. Adresse: A. Lohrmaun, Schreiner in Stuttgart, Neckarstraße 31 III. Der Schreinerfachverein in Stuttgart zählt zur Zeit weit über 1100 eingeschriebene Mitglieder. Infolge der neueren Lohnbewegung sind ihm über 200 neue Mitglieder beigetreten. Bravo! Die Frankfurter Schreiner haben ihre Lohnerhöhung«- sorderung siegreich durchgesetzt. Unter den eingegangenen Unter- stützungen figuriren auch 700 Frk. au« Paris, welche übrigens, da mcht mehr nothwendig, mit Dank retournirt werden konnten. E» lebe die Jnternationalität der Arbeiter! Die Schreiner München« haben sich nun auch organifirt uud| zählt der dortige Fachverein bereit« 500 Mitglieder. Fabrikanten. Uebermuth. In Glauchau hat der Iu- Haber der Firma R e i s s ch u e i d e r u. C i e. fünf Arbeiter, die al«. Deputation ihrer Kollegen um eine Lohnerhöhung von 15 Prozent e r< I suchten, da sie mit dem bisherigen Lohn vonachtMarkpro, Woche(!!) nicht auskämen, ob dieser Frechheit« n t l a s s e n. Da könnte e« wirklich nicht schaden, wenn einmal ein Exempel statnirt würde l In Gotha findet am 26. und 27. August eiu allgemeiner Schuhmacher-(Arbeiter)- Kongreß statt.— Der in voriger Nummer angekündigte Handwerkertag der deutschen Zim-■ merleu te soll am 13. und 20. August in Berlin statt-> finden. Da» Programm desselben enthält u. A. folgende Punkte: i Hebung der materiellen Interessen der deutschen Zimmerleute aus Grund einer gewerkschaftlichen Konstitution(politisch-parteilos) durch a) Gründung eine» Verbandes deutscher Zimmer« l e u t e. b) Die möglichste Lohnausbesserung allerort«. c) Die Regnliruug der Arbeitszeit gegenüber der heutigen Ma«. schiaenproduktiou. ck) Größtmöglichste Einschränkung der SonntagSarbeit. s) Erstrebung eine» Schutze« gegen Zahlungsunfähigkeit de» Arbeitgeber»(Garantie de« Arbeitslohnes). k) Schutz de» Zimmermann« gegen Unfall; 1) durch Errichtung einer gesetzlich garantirten Unsall«-Kasse, 2) durch RechtSbei stand im Falle de» Verschulden« dritter Personen, 3) durch öffentliche Klarstellung der technischen und prallischen dies- bezüglichen Fragen. g) Die Erreichung einer wirklichen Vertretung der Gesellenschaft im Meisterrathe, bezüglich Gesellen-. Arbeits- und Lohnfragen, sowie auch de» LehrliugSwesens.-- k) Allgemeiner Rechtsschutz durch dauernde» Engagement eine» tüchtigen VerbaudS-RechtS-Anwalt». I) Gegenseitige technische, praktische und moralische Belehrung in Wort und Schrift zur allgemeinen Vervollkommnung. m) Die Wahrung der Ehre des Handwerk« und de» bürgerlichen Lebeu« im solidarischen Jntereffe nach jeder Richtung. Anträge, Anmeldungen tc. find an A. Marzian, Berlin!?., GreifSwalderstraße 56 baldmöglichst zu seuden. — Die Dirne Justiz hat wieder einmal ihre Schul- digkeit gethan. Da« Urtheil im Prozeß gegen unsere poluischen Benoffen ist gefällt, die Herren Richter find noch über den Straf- antrag de« Staatsanwaltes hinausgegangen und haben auf Grund der §§ 110 und 130 de« Reichsstrafgesetzbuche» unsere Genossen Päd- lewski zu zwei Jahren sechs Monaten Gesängniß und dreiMonatenHaft, Grzeskiewicz zu zweiJahrenGe- fäugniß und SlotwinSki zu einemJahr sechsMonateu Befängniß verdonnert. Das Verbrechen der Angeklagten bestand in angeblicher Anheftung eines sozialistischen Aufrufs und dito Verbreitung verbotener Druckschriften. Grzeskiewicz soll fich außerdem noch einer MajestätSbeleidigung, sowie emer Bedrohung schuldig gemacht haben. Die wahrhaft unerhörte Höhe des Strafmaßes bildet einen würdigen Abschluß diese« Prozeffe«, bei dem man fich in der That frage» muß, wer die verächtlichste Rolle gespielt hat, Staatsanwalt, Richter oder— die Zeugen. Waren es doch, ganz abgesehen von den der direkten Polizei- spitzelet verdächtigen Subjekten, eine ganze Anzahl von Bürgern, meist sogar Arbeitern, welche gegen unsere Freunde der Polizei Schergendienste leisteten. Da« ist die Frucht der infamen Hetzerei der nationalpolnischen Presse und der polnischen Ulttamontanen gegen die„Verworfenen", die e« wagten, die polnischen Arbeiter zur Bildung einer selbständigen Ar- beiterpartei aufzufordern, ihnen zu zeigen, daß fie mit ihren deutschen Kollegen gleiche Interessen hätten und sich daher mit diesen verbinden sollten. Auf ihr Haupt die schweren Strafen, denen unsere verurtheilten Genossen sich unterziehen müssen I Wie wir schon in der letzten Nummer sagteu, war da« Verhalten de» Houptangeklagten Padlewski ein durchaus rUhmenswerthe». Ohne Prah« lerei, aber auch ohue Schwäche, vertrat er seine, unsere Sache. So wie« er mit großem Eifer die Berechtigung de» Aufruf» nach, dessen Verbreitung man ihn beschuldigte, und als der Staatsanwalt, Berndt heißt der Edle, ihn fragte, warum er diesen Ausruf so warm vertheidige, da er doch bestreite, denselben verfaßt oder verbreitet zu haben, antwortete er: der Aufruf rührt von meiner Partei her, und deshalb halte ich mich als Parteimitglied für verpflichtet, ihn zu vertheidigen. Als am Schluß de« Prozesse« der Staatsanwalt, der die U-berzeuguugStreue de« Au- geklagten nicht zu leugnen vermochte, diesem, um ihm doch möglichst niedrige Motive unterzuschieben— wa« versteht so eine Kothseele auch von Aufopferung für eine für recht und gut erkannte Sache I— der Ruhmsucht zieh und hinzusetzte, er„glaube doch", daß der im Allgemeinen „unreife" Padlewski sich die sozialdemokratische Agitation zum Geschäft gemacht habe, da antwortete dieser: „Wenn ich aus Ruhmsucht gehandelt hätte, dann hätte es doch in meinem Interesse gelegen, mich gefangen nehmen zu lassen und unter meinem richtigen Namen auszutreten; denn was ffür eiu Ruhm ist es für Padlewski, wenn Hossmann*) hier aus der Anklagebank steht,(Heiter- keit im Auditorium, der Präsident ermahnt zur Ruhe.) Als unreife Menschen bezeichuet man stets solche, die unangenehm sind. Die Behaup- tung, daß erst»ach meiner Anwesenheit Hierselbst sozialdemokratische Um- triebe begonnen haben, weise ich als eine Beleidigung meiner Posener Parteigenossen zurück. ES ist sehr natürlich, daß nach dem Mendelssohn- Prozeß die hiesige Bewegung eine Zeitlang geruht hat. Dies dürfte nach jedem größeren Sozialistenprozesse überall eintreten. Schließlich entwickelt fich die Bewegung doch wieder von selbst. Herr Dr. Szymanski hat ja auch bekundet, daß noch vor meinem Eintreffen in Posen im Juli v. I. sozial-demokratische Agitationen Hierselbst stattgefunden haben. Ich kam auch keineswegs blo» hierher, um Unfrieden zu stiften. Ich fand eine Partei Hierselbst bereits vor, die mich auch sogleich mit Vertrauen aus- nahm. Ich habe mich sehr gefreut, daß der Herr Staatsanwalt, anstatt das Prinzip, da« ich vertrete, meine Person angegriffen hat. Durch den Angriff aus das Prinzip hätte er mich ebenfalls angegriffen; so aber har der Herr Staatsanwalt bekundet, daß er da« Prinzip nicht anzu- greifen in der Lage ist. Es wäre ein Wahnsinn, wollten wir die Ar- beiter zu Gewaltlhätigkeiten auffordern. Es ist allerdings meine per- sönliche Meinung, daß ohne eine gewaltsame Revolution die Heuligen Verhältnisse sich nicht werden ändern lassen. Dadurch aber, daß mau im Stande ist, in die Zukunft zu blicken und die Revolution für die ferne Zukunft zu prophezeihen, ist man weil entfernt, zur Revolution aufzu- fordern. Niemand ist überhaupt im Stande, eine Revolution zu machen; dieselbe ergibt sich stet» au« den gesammten Gesellschastsverhältnissen. Der Unfrieden der Arbeiter existirt überall in mehr oder weniger bewußter Form; dieser braucht nicht erst geschürt zu werden. Dadurch, daß wir diesen Unfrieden konstatiren und den Arbeitern zeigen, welch legaler Weg behufs Besserung der Verhältnisse einzuschlage» ist, machen wir uns doch keines Verbrechens schuldig. Durch unsere etwaige Verurthellung werden Sie auch nicht im Stande sein, die Sozialdemokratie in Posen au« der Welt zu schaffen. Die Ausrottung der Sozialdemokratie in Posen dürste jetzt zu spät sein." Letztere« hoffen auch wir, wenngleich auch dieser Prozeß einen neuen Beweis dafür geliefert hat, welch große Schwierigkeiten einer erfolgreichen sozialistischen Agitation in Posen im Wege stehen. Es wird unendlich schwierig sein, dem polnischen Volke klar zu machen, daß die FreiheitS- Phrasen im Munde seiner nationalen Führer eben nur Phrasen sind, hinter denen absolut nicht« steckt, daß c» von diesen Leuten eine Besse- rung seiner sozialen Lage nun und nimmermehr erwarten kann. Jndeß, der Same zu einer erfolgreichen Agitation in Posen ist gelegt, hoffen wir, daß er bald aufgehen und gute Früchte zeitigen werde. Zum Schluß wollen wir nicht unterlassen, die Namen der ehren' werthen Richter hier zu veröffentlichen. Da» Kollegium, welches so leichten Herzen« die obige Freiheitsberaubung verfügte, setzte sich zu- sammen aus den Herren: Landgerichtsdirektor H a u» l e u l n e r(Prä- fident), den LandgerichtSräthen T r e u t l e r und M y l i u s, dem Landrichter Renz und dem Gerichtsasseffor Koch(Beisitzende). Möge ihnen die angemessene Belohnung bald zu Theil werden l 1 — TineSönigSreise. Au« dem 22. sächsischenWahl- kreise schreibt mau uu«: Eine widerliche Farce mußten wir am 3. und 4. Juli erleben. Es galt, Königstag-, d. h. Moskauer Fest- tage«n miniatnrs, zu feiern. Der König von Sachsen hatte allergnädigst geruht, im lieben Vogtlande bezw. in den Städten Kirch- berg, Leugenseld, Reichen bach, Mylau, Netzschkau, Glsterberg und einer Anzahl ländlicher Orte einen Durchzug zu halten. Infolge der Nähe der königlichen Sonne gerieth der reaktionäre Orb- uungsbrei in die gewaltigste Gährung. In wahrhaft verrückter Weise machten Gemeinden und Private den kolossalsten Auswand. Während sonst, und mit Recht, gegen die unfinnige Verwüstung der Sträucher und Bäume geschrieben und gesprochen wird, *) Unter diesem Namen trat Padlewski in Posen auf, deshalb die °v, gen drei Monate Hast. — war zu Ehren Sr. Majestät Alle« gestattet. Während sonst von Seiten der Gemeinden der Straßenreinigung viel zu wenig Beachtung geschenkt, dem Armenetat wegen Mangel an Mitteln nur da« Nothdllrf- tigste zugewiesen wird, von andern gemeinnützigen Einrichtungen gauz zu schweigen- waren au den KönigStagen viel Tausend Mark dispo- uibel. Nun gar die Herren Bourgeois, die sonst so schlecht gestillt find, daß fie die mäßigsten Lohnforderungen nicht, oder erst nach hartem Kampf vermittels Streik bewilligen können,— heute streuten sie da« Geld han- fenweise zum Fenster hinaus; es galt, fich nicht lumpen zu lassen. Alle» glitzerte und flimmerte im größten Glänze, so daß e» dem geliebten Lande«« vatec beim besten Willen nicht möglich war, etwa» von der sprichwört- liche» Roth im Vogtlande zu hören und zu sehen. Wa» nur laufen konnte, war auf den Beinen, sei es um eiu Stück vom König oder von den übrigen seltenen Dingen zu hören und zn sehen. Bei solchen Gelegen- heiten befinden sich Polizeiseelen und Speichellecker aller Art so recht in ihrem Element, während viele aiiS Geschäftsrücksichten den Patrioten herauskehren. Eine rohe Polizeithat ist au« Reichenbach zu vermelden. Der dortige Stadtwachtmeister Freitag, ein Schmarotzer und Runks*) erster Klaffe— dies Prädikat sollte ihm auf die Stirn gebrannt werden— der auch die ihm unterstellten Schutzleute brutal behandelt, ohrfeigte am Königs- abend eine Frau, deren Mann in Frankreich begraben liegt, blo« de«- halb, weil dieselbe der Aufforderung zum„Platzmacheu" nicht schnell ge- nug Folge leisten konnte. Die Frau nannte den Kerl, und mit Recht, einen„Runks", worauf ihr mit Verhaftung gedroht wurde. Sie zwang sich, zu schweigen, und entging somit der Verhaftung. Am nächsten Tag kam sie bei der Fabrikarbeit zu Schaden— fie wird einige Zeit arbeits- unfähig sein und kann dabei als Wittwe über den herrlichen Krieg, die prächtigen Königstage und die angenehmen Fabriken uachdeuken— und hungern. Auch den Fabriken galt der königliche Besuch. E« ist bekauut, daß nur die größten besucht und diese auf alle mögliche Art aus die allerhöchste Ehre vorbereitet wurden. Außer allerlei Schmuck, stehen auch die Arbeiter besser gekeidet da, so daß allenthalben und auch bei den sorgsam arrangirten Ausstellungen die hohe königliche Befriedigung erzielt wird, während in der That Alles nur Blendwerk ist. Man hört viele Arbeiterstiinmen, welche meinen, der König müßte u n- angemeldet in die Fabriken treten, da könnte er eher etwas hören und sehen, namentlich könnte er dann seine Geruchsnerven in der Reichen, bacher Lumpenfabrik, die einen ganzen Stadtheil mit Staub und Gestank belästigt, auf die Probe stellen. Der königliche Fabrikbesuch—„der Mensch denkt und Gott lenkt"— kam in Mylau in der Fabrik Georg! u. Co. zu einem unglücklichen Ab- schluß und damit die Reise zu einem unerwart rascheu Ende. Die Herren befanden sich im zweiten Stocke und stellten sich unter Leitung de« Fabrikdirektors auf den Fahrstuhl, um in den dritten Stock zu ge- langen. Statt aufwärts geht der Stuhl abwärt« und prallt auf den Boden. Hierdurch hakt oben ein zwei Zentner schweres Gewicht au«, welches, neben dem König, dem Kreishauptmann Dr. Hübel den Schädel, dem Fabrikdirektor den Arm zerschlägt. Ein Ruf de« Schrecken« geht von Mund zu Muud, und Netzschkau und Elsterberg sind um den königlichen Besuch gekommen. Die hohen Herrschaften aber haben nun persönlich erfahren, welch tausendfachen Gefahren die Arbeiter in den Fabriken ausgesetzt find und in dieser Hinsicht könnte die Königsreise den Fabrik- arbeitern nützlich sein, wenn gewisse Leute lernen könnten. Man zerbricht fich den Kopf, auf welche Weise da« Unglück möglich geworden. Nachbarblätter munkeln sogar von sozialistischer Attentäterei. Ein Glück, daß der Direktor, ein junger Brausekopf und patriotischer Kollege des Fabrikbesitzers, den Fahrstuhl dirigirte, daß die„Herren" so recht gemüthlich unter sich waren, denn hätte ein Arbeiter die Fahrt ge- leitet, er wäre sofort hinter Schloß und Riegel gekommen. Aber die Herren Fabrikdirektoren stehen oftmals mit ihren theoretischen Kenntnissen bei einfachen Dingen in der Praxis rath- los da, wie die Ochsen am Berge. Im Allgemeinen war die Stimmung der Arbeiterwelt eine sehr kühle. Wir Sozialdemokraten haben wenig oder gar nicht hingesehen. Als beste That glaubten wir eine Sammlung für den Unterstützung«- sond vornehmen zu müssen, und diese hatte gute» Erfolg." B r a v o I — Unser bester Agitator in Hamburg war unstreitig Herr Eugen Richter. Das gemeine Verhalten diese« Herrn in Sachen der Liebknechl'scheu Interpellation, seine pöbelhaften Angriffe auf die Sozialdemokratie und seine Parteinahme für die Hamburger Polizei in der letzten Sitzung des Reichstags, seine Feigheil, die ihn zwang, hinter verschlossenen Thüren zu reden, seiue skandalösen Wahlflugblätter, in«- besondere die von ihm geschriebene und eigenhändig korrigirtech) wahrhaft pöbelhafte Schandschrift:„Gegen Bebel I"— mußten jeden anständigen Menschen empören und einer Sache abwendig macheu, die von einem solchen„Anwalt" vertreten wird. Her Richter — da« haben wir schon öfters gesagt— ist ein einfacher Klopffechter und PaSqnillant, ein in's Fortschrittliche übersetzter T r e i t s ch k e— ein Mensch, der keine höheren Gesichtspunkte hat, kein ernsthaftes Wissen besitzt(blos Kcnntniß seiner Spezialität) und Alles persönlich auffaßt und persönlich behandelt. Fortschrittliche Blätter, auch die„Fraukfurter Zeitung", die ja nach- gerade unter der Redaktion des Klugmeyers Stern zum Fortschritts- organ herabgefnitken ist, nennen Herrn Richter einen„großen Agitator". Em großer Agitator ist er— kein Zweifel— aber einer von der Sorte, die für denGegner agitiren. Außer in Hamburg haben wir es jüngst auch im Landauer Kreis gesehen. Hoffentlich agitirt Herr Eugen Richter noch recht lange für uns. — Unter den schmutzigen Kniffen, deren sich Herr Eugen Richter bediente, um bei der letzten Hamburger Wahl seinem Fort- schrittS-Rabe den Sieg zu erschwindeln, gehört auch dies, daß er in allen ihm zugänglichen Zeitungen kurz vor der Stichwahl schrieb oder schreiben ließ, die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordnelen hätten sich in Ham- bürg gar nicht sehen lassen. Die Absicht liegt aus der Hand: unter den Arbeitern sollte Mißstimmung gegen die sogenannten„Führer" erzeugt und Gelegenheit zum Fischen im Trüben beschafft werden. Dabei wußte Herr Eugen Richter ganz genau, daß K a y s e r, Liebknecht und Hasenclever, letztere beide sogar je zweimal, zur Wahlagitation in Hamburg gewesen waren. Konnten sie nicht öffentlich auftreten, so war da« uicht ihre Schuld, sondern die des hohe» Senate», der, m i t Billigung des Herrn Eugen Richter, den Sozialdemokraten die Abhaltung von Versammlungen unmöglich machte. — Gar nicht so dumm. In deutschen Lakaien und Philister- blättern lesen wir folgende Kronprinzenanekdote(beiläufig ist Methode darin, daß der„künftige deutsche Kaiser" mehr und mehr von sich reden läßt. Er scheint sich eiu eigenes Preßbureau im Inland und im Au«- land— z. B. England— angelegt zu haben): „Als der Kronprinz bei seiner letzten Anwesenheit in Golm bei dem dortigen Schmied vorbeikam und den Meister allein bei der Arbeit sah, erkundigte er fich nach der Ursache des Gehilfenmangel». „Die sind nicht zu bekommen I" war die Autwort. Auf den Ein- wand de« Kronprinzen, in Berlin gebe e« doch Gehilsen, erwiderte der Schmied:„Die sind auch alle Sozialdemokraten, und dazu kann unsereinernichtsthuu."„Unser *) Rüpel. f) Was wir dem sauberen Patron im LeuznungSsalle beweisen können. Redaktion de«„S.-D." einer auch nicht", lautete die Entgegnung des Kronprinzen, ehe er fich von der Schmiede entfernte." Wenn die Anekdote wahr ist, hätte der preußisch-deutsche Kronprinz wenigstens etwa« begriffen. Deshalb steigen uns aber gelinde Zweifel auf.— — Ein neuer Agitator für den Sozialismus! F. Asper von PittSburgh und S. B. Benson von Philadelphia, schreibt der Chicagoer„Vorbote", haben soeben ein Patent erlangt aus eine Maschine, die unter der Leitung eine» einzigen Manne» im Kohlengraben dreißig Bergleute ersetzt. Die Erfindung muß in der That eine praktische fem, sonst würden Personen, wie die Ex-Senatoren Blaine, Davis und Mahone sicherlich nicht für die Uebernahme de« Patente», Fabrikation der Maschinen»c. zu gewinnen gewesen sein. Die drei Genannten haben nämlich bereits eine Aktiengesellschaft gegründet, und soll die Fabrikation der Maschinen nächste Woche schon in Baltimore in Angriff genommen werden. Wo früher also hundert Bergleute be- schäftigt waren, werden nach diesem drei, im höchsten Falle vier genügen. Schätzen wir die Zahl der jetzt in den Bereinigten Staaten beschäftigten Bergleute auf 100,000: nach der allgemeinen Einführung dieser Maschine würden 4000 Mann genügen, um dieselbe Arbeit zu verrichten. Was soll mit den verbleibenden 96,000 überflüssigen Arbeitern geschehen? Wir glauben, daß diese Frage nicht nur berechtigt, sondern auch sehr zeit- gemäß ist. Gegner de« Sozialismus sind ersucht, diese Frage zu be- antworten l — Au« Leipzig, den 14. Juli, wird uns geschrieben: Der H o h l s e l d ist fürchterlicher, als ich ihn mir vorgestellt habe. Nicht genug, daß er einen armen Bruder Studio für da« schwere Verbrechen, von Nationalökonomie mehr zu verstehen al» ein königlich sächsischer Polizeiassessor, au» Leipzig ausweisen ließ und in seiner Karriere störte, hat er nun auch dem„Berein für Volksbildung", in welchem er seine Ignoranz so erfolgreich zur Schau getragen hat, meuchlings einen Schlag versetzt, an welchem derselbe wahrscheinlich zu Grunde gehen wird. Er hat nämlich bewirkt, daß dieser, einzig Bildungszwecken gewidmete Verein für einen p o l i t i s ch e n Verein erklärt und damit unter da» sächsische Vereinsgesetz gestellt worden ist, welche« bekanntlich noch reaktionärer ist und der Polizeiwillkür noch breiteren Spielraum gewährt al« da« preußische, Diese Maßregelung hat die doppelte Folge, daß der Verein von nun an seine Sitzungen anzumelden und unter polizeilicher Ueberwachung abzuhalten hat, und daß sämmtliche Mitglieder unter 21 Jahren ausscheiden müssen. Da der Verein, wie sein Name besagt, die Bildung des Volke«, d. h. der Arbeiter, welchen der Staat aus sehr guten praktischen Gründen den geistigen Brodkord hochhängt, zum Zweck hat, mit anderen Worten: da» von der Volksschule Versäumte nachzuholen sucht, so hat er hauptsächlich der Schule entwachsene Arbeiter, zwischen 17 und 21 Jahren, zu Mit- gliedern. Diese müssen jetzt ihre Mitgliedschaft aufgeben und der Berein ist damit seines eigentlichen Wirkungskreises beraubt— warum beging er aber auch„die verbrecherische Thorheit", Zeuge der phänomenalen Ignoranz des Herrn Hohlseld zu sein? Die von Hrn. Hohlfeld und der wohllöblichen Polizei, Amtshauptmann- schaft und Kreishauptmannschast— denn das Alles hängt weichfelzopf- artig zusammen, und wer an die Unabhängigkeit der verschiedenen„In- stanzen" von einander glaubt, ist ein großer— Optimist— also die von dem Polizei-Ring der Möglichkeit, sich auszubilden, beraubten jungen Arbeiter mögen ohne Bildung aufwachsen oder in den BolkSverdum- mungSverein der Biedermänner und Pfaffen gehen. Charakteristisch ist jedenfalls die Geschichte. Man verfolge nur die einzelnen Partien. Also: 1) in einem Verein wird ein durchaus wissenschaftlicher und dem Ver- einszweck angemessener Bortrag gehalten; 2) ein königlich sächsischer Polizeiassessor, dessen Erziehung vernachlässigt worden ist, und der infolgedessen nicht weiß, wa« ein wissenschaftlicher Vortrag ist, hört den Bortrag mit an; 3) besagter Ignorant und Polizeiassessor stolpert über ein paar Worte und macht die— freilich an sich nicht ganz dumme— Entdeckung, daß die Wissenschaft revolutionär und umstürzlerisch sei; 4) als praktisches Resultat dieser Entdeckung wird die VereinSversamm- lung ausgelöst; 5) um die Auflösung gerechtfertigt erscheine» zu lassen, bewirkt der Ignorant und Polizeiassessor die Ausweisung des Staatsbürger«, der den Vortrag gehalten; und 6) endlich, da der Ignoranz de« Polizeiassessors diese« Opfer und diese Sühne noch nicht genügt, so bewirkt unser Ignorant und Polizeiassessor den Ruin de» Verein«, welcher der Schauplatz'seiner Jgnoranz-Aus- stellung und seiner Blamage war und vernrtheilt— wohl nach dem Grundsatz, daß es angenehm ist, Gefährten de» Unglücks(und Unwissen- heit ist doch gewissermaßen auch eiu Unglück) zu haben— die meisten Mitglieder des ruinirten Verein« zu gleicher Ignoranz wie derjenigen, welche ihm selber zu seinem Amt verholfen und den hier kurz geschilderten Staatsstreich inspirirt hat. Vielleicht sind loir noch nicht am letzten Kapitel. Jndeß, wenn wir auch schon am Schluß sind— lehrreich ist die Geschichte, da« wird Nie- mand in Abrede stellen. In diesem kleinen Polqeigeschichtchen spiegelt sich unser ganzes politische» Leben. Noch ein Bild. Bei Frau K ü n tz e l war neulich ein Polizeibeainter— sein Name sei vorläufig verschwiegen—, erkundigte sich scheinbar theilnehmend nach ihrer Lage und warf, al« das unglückliche Weib daraus hinwies, daß die Polizei durch Verweigerung der Rückkehr ihre» Schwagers ihr jede Mög- lichkeit der Existenz abgeschnitten habe, ganz arglos hin:„Aber S i e werden ja doch von der Partei gut unterstützt!"„Wie meinen Sie das?" fragte Frau Küntzel, welche die Tragweite dieser Be- merkung sofort erfaßte. Der biedere Polizist hatte, unter der Flagge der Humanität, eine» Polizeifischzug machen und da» Unterstützungskomitä auSspioniren wollen!— Ju Lindenau— einem unserer Vorstadtsdörfer—, wo eine neue Kirche gebaut wird, brach während de« Gewittersturme« vom vorigen Montag die noch unfertige Thurmspitze mit dem darum befindlichen Bau- gerüste zusammen, wobei vier Arbeiter sofort den Tod fanden und ein fünfter schwere Verletzungen davontrug. Ein Wunder, daß die übrigen mit dem Leben davonkamen. Gleichzeitig mit der Kunde de» Unglück» verbreitete sich die Nachricht, in Lindenau sei eine Windhose gewesen, von einer Stärke und Heftigkeit, wie sie sonst nur in Westindien vorzu- kommen pflege, und diese Windhose habe die Katastrophe verschuldet. Da» „Tageblatt" meldete anderen Tag» auch pflichtschuldigst da» Phänomen von der Windhose, hinzufügend, daß die Bauunternehmer keine Borficht«- maßregel unterlassen hätten(jedoch gegenüber einem solchen Naturereigniß sei der Mensch machtlos) und kündigte im Annoncentheil schon einen Vortrag über die wunderbare Windhose an. Die Windhose erschien mir von vornherein verdächtig. Ich begab mich an Ort und Stelle und fand, daß zur kritischen Zeit wohl ein ziemlicher Gewittersturm war— wie noch nie in Leipzig— jedoch nicht« einer Windhose Aehnliches. Ich untersuchte da« Terrain— nirgend, em ge- knickter Baum, ein beschädigte» Dach, eine zerstörte Esse, absolut keine Spur, die aus eine Windhose hingedeutet hätte. Daß eine Windhose au» den Wolken herunterfällt, eine Kirchthurmspitze abdreht und dann gletch wieder in die Wolken steigt, ohne die umgebenden Bäume, Häuser, Schornsteine zu berühren— das ist einfach unmöglich. Kurz: D,e Wmd- hose ist in Wirklichkeit ein Wind mantel, mit welchem die ver- brecherische Fahrlässigkeit der Bauunternehmer , n g e d e ck t und den Augen entzogen werden soll. Au« zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß da» Gerüste höchst mangelhast aufgenchtet war. und daß nur in dieser mangelhaften Herstellung die Ursache de«„Unglück»" zu suchen ist. E« ist das alle Lied! Auf dem„Submisfionswege" wird ein Bau an den billigsten Bieter vergeben; dieser lann für den ausbedungenen Preis die Arbeit nicht gut liefern uud keine anständigen Löhne bezahlen — verlieren will er natürlich nichts, und so wird denn schlichtes Material geliefert, liederlich gearbeitet und an den Löhnen geknausert. Paffirt in Folge dessen ein„Ungliick"— je nun, die tobten Arbeiter find todt, und die gutgesinnte Presse sorgt schon dafiir, daß dem biederen Herrn Unter- nehmer kein Schade geschieht und Alle» hllbsch mit dem Mantel christ» licher Liebe zugedeckt wird. Diesmal war der Mantel zur Abwechslung eine Windhose. Ob die Staatsanwaltschaft, welche nicht umhin konnte,„sich der Sache zu bemächtigen", die Schuldigen an den Tag bringen nnd zur Strafe ziehen wird? Unzweifelhaft. Der Werkfllhrer ist mit verunglückt und— der war unzweifelhaft der Schuldige— die Tobten find in solchen Fällen immer schuldig und die Lebenden unschuldig.— Apropos, ob unsere Frommen in dem Fall der Lindenauer Kirche den beliebten„Finger Gottes" erkennen werden? Wohl schwerlich. Da paßte ihnen der Mylauer Fahrstuhl noch besser, obgleich der todtgeschlagene Kreishauptmann ein fatales Gegengewicht gegen den„wunderbar" gerettetm König abgibt.— Dieser Letztere hat au«„seinem" loyalen Lande etliche Hundert Glückwunsch-Deputationen und-Adressen erhalten— auch verschiedene aus unserer großen Seestadt— und ist dadurch so gekräfttgt worden, daß er seine so gar jäh abgebrochene Reise wieder fortsetzen kann und daß die armen„Dekorationen", deren Ueberflüssigkeit von den Spießbürgern so herzzerbrechend bedauert ward, nun doch noch zur Verwendung gelangen. Daß von nationalliberalen und anderen reaktionären Kretin« die Mylauer Affäre zu einem sozialdemokratischen Attentat zugestutzt werden sollte— brauche ich kaum zu melden, da e« von vornherein selbstver» ständlich war. Die Dummen und die Ordnunqshallunken werden nicht alle. Leider bat es da» Schicksal so gefügt, daß die Anklage nicht ganz unbegründet ist, jedoch ihre Spitze nach einer anderen Seite richtet. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Herr Betriebsdirektor T l a d, um fich vor dem König recht auszuzeichnen, den mit Handhabung de» Fahrstuhl« vertrauten Arbeiter entfernte und selber die Lenkung übernahm, ohne etwa» davon zu verstehen. Die Lenkung von Fahrstühlen erheischt aber unter allen Umständen viel Erfahrung und Sachkennwiß. So hat also die S e r v i l i t ä t und auf die Spitze getriebene„Königstreue" eine» nationalliberalen Heißspornes den Kreishauptmann H U b e l um'« Leben und da« Leben de« König« und anderer(für die Loyalität freilich nicht in Frage kommender) Per- sonen in Gefahr gebracht. Die Moral der Geschichte ist: auch Servilität und Königstreue können mitunter gefährlich werden— was unsere Herren Königstreuen sich merken mögen. Ob König Albert, angesichts der Mylauer„Schreckenstage", seinem „Onkel" Friedrich Wilhelm IV. von Preußen beistimmen wird, der f. Z. meinte:„Auch in ihrer Uebertreibung ist die Königstreue schön!"? Im Fahrstuhl von Mylau war's sicherlich nicht schön. — Herr Madai, der Reichsoberpolizist, tritt also, wie jetzt offiziell mitgetheilt wird, demnächst auch formell von seinem Amte zurück, da« er seit dem Schlaganfall nach dem Kopenhagener Kongreß thatsächlich nicht mehr hat verwalten können. Die Lähmung der Zunge soll nachgelassen haben, im Uebrigen aber kann von einer Herstellung nicht die Rede sein— der Mann ist so gut wie blödfinnig. Wir haben schon früher eiumal darauf aufmerksam gemacht, wie häufig Geisteskrankheiteu in den Reihen der Staatsverbrecher find, die sich— sei es an» Berranntheit und bornirtem Fanattsmu» oder um de« lieben Geldes willen— die Bekämpfung der neuen Ideen und die Verfolgung ihrer Bekenner und Anhänger au» Beruf erwählt haben. Von den blutdürstigsten Henkern der Pariser Kommune ist mindesten« ein halbe« Dutzend dem Irrsinn verfallen, und welch' lauge Reihe von Geiste«- kranken begegnet un», wenn wir die hervorragendsten Demagogenriecher und Sozialistenhetzer unseres deutschen Vaterlandes durchmustern!— Den Reigen eröffnet der infame T zs ch o p p e, welchen die Gespenster der Verfolgten in« Tollhau« trieben; ihm folgt der am dolirimn tremens in grauenhafter Raserei Verstorbeue G e o r g i, der Mörder des unglücklichen Pfarrer W e i d i g— und so fort bis in die neueste Zeit zu jenem Münchner Staatsanwalt, der jüngst ähnlichem Schicksale ver- fallen ist wie jener Georgi, und zu M a d a i, der vorläufig der letzte ist, e« aber nicht lang bleiben wird. Es wäre ganz interessant, wenn Jemand sich die Mühe nähme, eine Statistik der auf diese Weise„Gezeichneten" zusammenzustellen. Man könnte sie den frommen RückwärtSlern widmen, die uns so viel vom „Finger Gottes" vorschwätzen. Apropos, zum Verwundern ist's nicht, daß der Kampf gegen die neuen Ideen, diese todeswürdige Sünde gegen den heiligen Geist, den Kämpfern so häufig die Sinne umnachtet. E» ist die in der Natur de« Kampfe« selbst liegende Vergeltung. Ter Kampf wider den heiligen Geist der Zeit, wider den ewigen, unaufhaltsam fortschreitenden Weltgeist bedingt eine Abtödtung des Denkens, welche die Denkfähigkeit selbst angreifen, nnd allmählich vernichten muß. Mechanische Naturen, die Maschinen- mäßig ihre Reaktion»- und Polizei- Arbeit verrichten, halten e» ja au»; allein, wer Verstand zu verlieren hat und sein Denken nicht mechanisch zu dresfiren vermag, geht unfehlbar in diesem unnatürlichen, wider- natürlichen Kampf de« Ungeist» wider den Geist geistig wie moralisch zu Grunde. — Frankreich. Die Nationalfeier vom 14. Juli ist in Paris ohne bcmerkeuswerthen Zwischenfall vorübergegangen. Die Theilnahme war keine so lebhaste al» in den Borjahren, was sicherlich mit auf Konto des unrepublikauischeu Verhalten« der Regierung und Volksvertretung zu setzen ist. Echt der Monarchie nachgeäfft ist zum Beispiel da» Verhalten de« Ministerpräsidenten F e r r y und des Minister» de« Innern W a l d e ck- Rousseau, die der Enthüllung der Statue der Republik fernbliebeu, weil in der Rede de« die Enthüllung leitenden Vorsitzenden de» Pariser Gemeinderathe« der Amnestie und der politischen Rechte von Pari» ge- dacht wurde. Die deutsche Ordnungspresse berichtet mit Behagen, daß zwei Anarchisten, welche die Statue mit einer schwarzen Fahne zu dekoriren versuchten, von der umgebenden Menge nahezu todtgeschlagen worden wären. Au« Pariser Blättern aber ersehen wir, daß die Haupt- wuth nicht so sehr der schwarzen Fahne galt, al« vielmehr dem Stock- degen, den der eine dieser Demonstranten kindischer Weise gezogen hatte. In dem Zug, der nach der Enthüllung vorbeidefilirte, wurden viele rothe Fahnen, auf denen da« Wort Amnestie stand, bemerkt. Auch in den Dekorationen der Arbeiterviertel bildete die Amnestie einen stetigen Refrain. Stürmischer verlief die Nationalseier in R o u b a i x(Nordfrankreich). Der Telegraph spricht von Anarchisten, die erst durch da» Militär aus- einandergetrieben werden mußten. Da aber nachgerade von Polizei uud Spießbürgerthum da» Wort Anarchist zum Sammelnamen für jede ener- zische Opposition gebraucht wird, so nehmen wir bi« auf Weiteres an, daß e» sich überhaupt um eine lebhafte Demonstration zu Gunsten der Amnestie gehandelt hat.(Hat fich nachträglich auch herausgestellt.) Der„Proletaire" hat seine tägliche Ausgabe einstellen müssen, und wird wiederum als Wochenblatt erscheinen.„Wir hätten olle Kräfte der Partei auf mindesten« sechs Monate hinaus lediglich für das Blatt auf- wenden müssen, wenn e« als tägliches weiter erscheinen sollte, und da« wollten wir nicht", erklären die Herausgiber in der letzten Nummer. E» ist da« gerade kein sehr gute« Zeugniß für die Pariser Arbeiter, denn mochte man an dem Blatt auch aussetzen, was man wollte, so war es doch ein lediglich den Arbeiterinteressen dienende« Blatt, welche» trotz aller Opfer au Lesermangel zu Grunde ging. Au sozialistischen oder fich sozialistisch nennenden Tageszeitungen fehlt es freilich nicht in Paris. Korrespondenzen. — Burgstädt in Sachsen, IS. Juni. Mein letzter Bericht hat hier allgemeines Aufsehen erregt und dem Organ neue Leser zugeführt. Heute habe ich wiederum Einiges auf dem Herzen, was zur Charakterisirung unserer Berhättnisse von Interesse ist. Als Titel für meinen Bericht wähle ich: Drei nette Pflanzen. Die erste ist unstreitig unser gestrenger Herr Bürgermeister Bauer, der vor zwei Jahren in sehr intime Bekanntschaft mit der Staats- anwaltschaft kam. Er hatte nämlich das Ergebniß der Stadtverordneten- mahl gefälscht, und nur der strangulirte Amtsrichter rettete ihn vor der Bestrafung. Weiter ist der saubere Patron ein leuchtendes Beispiel in -wneto Moral und guter Sitte. Schon UJ verschiedenen Malen hat er höchst Mich- Attaken allf Frauenzimmer B,rU6t_®'nnia{ vasssrte ihm dabei das Malbeur, daß er ft'ne Geldbörse verlor. Unter Anderem � unser Stadtoberhauvt da« Dienstmädcken de« Ratbskellerwirtb« B., sowie die Frau de« Diennmanns Gr. in seinen spessellen Schutz genommen, ob er dense.oen Beariffe über Anstand und out« Sitte beibringen w>ll, kann Schreiber Diele« nicht sagen. Die»weite Pflanze ist Herr Schuldirektor Mehner, ein Mann, bei dem wir an den Ausspruch de« Herrn Schnlrath Dr. D i t t e S an» Wien auf dem deutschen Lehrertag in Bremen erinnert werden:„ES gibt zwei Rich.angen aus dem Gebiete der Pädagogik, die antonome, au» dem freien wissenschaftlichen Forschen hervorgegangene, nnd die a u t o- r i t a t i v e, die keine Selbständigkeit kennt, sondern lediglich noch Ordonnanzen bo idelt". Dieser Letzteren gehört unbedingt der genannte Mehner an, der seinen Beruf verfehlt zu baben scheint, denn er würde sich al» Polizeibüttel viel besser ausnehmen, statt als Vorstand einer Büroer- schule. E» ist schon sebr bänfia vorgekommen, dost von Seiten de« Direktors, sowie einiger Lehrer. Ueberariffe gegen Kinder stattgesnnden baben, denn sie huldigen dem Rezept der Konservativen; Brüaelflrafe ist die Parole. Wenn nun diese Musterpädogogen eiumal zn spendabel gewesen stnd nnd KmKe blutrünstig traktirt haben, nnd die Eltern geben beschwerdeführend an da» Direktorium, so werden ste ans Grnnd de« Paragraphen so und so de? ReichSstrofgcfetzbuch» zur Tbüre hinanSspedirt. Verschiedene Leute haben sich schon gezwungen gesehen, ihre Kinder in benachbarte Gemeinden zn tbnn, um sie nur dielem vorirefflichen Svstem zn entziehen. Dieses Jabr meldete«>n Parteigenosse sein lech» Jahr alte? Söbnchen zur Aufnahme in die Schvlean. Dasselbe kührte den Namen Marat Danton. Man kann sich da» Entsetzen vorstellen, daß so ein Revolutionär mit eingereiht werden sollte.— Nein, nein, da« kann nicht oeben. nnd der Herr Mehner hatte nicht« Eiligere» ,n tbnn, als eine Eingabe an da« Amtsgericht zu macheu, e« solle den Betreffenden veranlassen, resp. zwingen, andere Namen eintragen zu lassen. Da» Amtsgericht nahm sich auch der Sache sehr warm an, auch da« Ober- landesgericht, sowie da« Ministerium find zu Rathe gezogen worden, e« scheint aber doch diese Sache den Herren etwas zu heikel vorzukommen. Als dritte Pflanze verdient noch erwähnt zu werden, der hiesige Amts- blattredakteur und Kreditvereinsdirektor K ö b l i tz. Dieser Ehrenmann. dem man die Menschenfreundlichkeit schon vom Weiten anmerkt, macht mit besonderer Vorliebe in Sozialistentödterei. Wenn er nur einiger- maßen etwas gegen uns in anderen Blättern aufstöbern kann, so spickt er mit Wollust sein Käseblättchen damit, d-vn aus feinem eigenen Hirn bringt er nicht» heraus. Es ist ibm gegen uns nichts zu gemein nnd zu ordinär, wenn es nur geeignet ist, bei den Spießbürgern Haarsträuben zu erregen. Als Köblitz noch nicht Direktor war, hatte er sich einmal im Lokal de« Kreditverein« befunden, als gleichzeitig der frühere Direktor, Herr Kaufmann Kühn, ein sonst ganz respektabler Mann, nnd der Kassier Bogel anwesend waren. Nun waren an diesem Tag 2000 Tbaler in Scheinen eingelegt worden, und diese waren mit dem Fortgehen der beiden Herren verschwunden. Herr Kühn wurde hierauf in Haft genommen und sein Lokal, sowie seine Bücher durchsucht, der saubere Köblitz aber kam mit beiler Haut davon, indem er es verstand, den Ber- dacht von fich abzulenken. Die öffentliche Meinung war fich aber schnell darüber klar, daß der Spitzbube kein Anderer war, als Köblitz. Er brachte es wotzdem fertig, Direktör zu werden, und hat feit diesir Zeit die Mitglieder in einer Weise„doch" genommen, wie e« selten vorkommt E« bewahrheitet sich hier genau, was er selbst immer sagt:„Ein Ouentchen Glück ist mehr Werth, al» ein Zentner Verstand. Uebrigen« rathe ich dem gekennzeichneten Kleeblatt, fich im Terzett zu üben und die Strophe einzupauken: Wo man mich nicht gern sieht, Da bleib' ich; Wa« die Leute verdrießt, Da« treib' ich! Ein guter Junge. Erklärung. Schon mehrfach haben die Unterzeichneten Veranlassung genommen, die Re- daktion de»„Sozialdemokrat" nachdrücklichst darauf aufmerksam zu machen, daß der bisherige Vertrauensmann diese« Ehrenamt nicht mehr bekleidet und daher nicht befugt ist, im Namen der hiesigen Genossen mit dem Parteiorgan zu verkehren. Alle diesbezüglichen Reklamationen blieben bisher ohne Erfolg. In Kopenhagen wurde dem Vertreter de«„S.-D." sowie auch einem Abgeordneten eine vollständige Darstellung de« Jach- verhalte« gegeben und namentlich von Letzterem sofortige Remedur ver- heißen. Demungeachtet hat vor Kurzem abermal« ein Artikel seinen Weg in die Spalten de» Parteiorgans gefunden, ohne daß den hiesige Genossen auch nur da« Mindeste davon bekannt gewesen wäre, und ohne von dem jetzigen Vertrauensmann mitunterzeichnet zu sein, in welchem drei Leute al« Polizeispitzel denunzirt werden. Wir erklären hiermit ausdrücklich, daß wir diesen Berössentlichungen vollständig fernstehen und daß die frivole Art und Weise, mit der man von gewisser Seite bemüht ist, Leuten. gegen die ein irgendwie greisbarer Beweis durchaus nicht vor- liegt, die Ehre abzuschneiden, in den Kreisen der hiesigen Genossen allseitig die größte Entrüstung hervorgerusen hat. Unbegreiflich ist es un», wie die Redaktion d. Bl. derartige Jn die- Acht-Erklärungen aufnehmen kann, ohne sich zu vergewissern, ob dieselben von den Parteigenossen am Orte gebilligt werden; die« Verfahren ist mindesten« sehr unvorsichtig. In dem betr. Artikel heißt e», daß die drei angeblichen Spitzel«durch ein sehr eigenthümliche« Manöver" entlarvt worden sei; wenn man statt „eigenthllmlich" emfältig gesetzt hätte, wäre man der Wahrheit näher ge- kommen. Diese« berühmte eigenthümliche Manöver bestand einzig und allem darin, daß Herr Ulbrich zur Polizei geht, dort Befürchtungeu laut werden läßt wegen seiner isolirten Stellung al« Spitzel und dort nun von dem Polizeikommissar dahin aufgeklärt wird, daß außer ihm noch die drei Genannten der Polizei Dienste leisten. Und auf Grund diese« allerding» sehr eigenlhiimlichen Manöver» schickt man nun jene Jn die-Achterklärung an die Redaktton de«„Sozialdemokrat", und diese hat nicht» Eiligere« zu thun, als sie abzudrucken. Die« Manöver ist um so eigenthümlicher, wenn man bedenkt, daß Herr Ulbrich mehre Wochen mit den beiden in dem Artikel erwähuten Berliner Geheimpolizisten verkehrte, ohne den hiesigen Genossen nur Mittheilung von deren Anwesenheit hier im Thale zu machen. Wie gesagt, da« Verfahren der Redaktion ist un« durchaus unverständlich. Wer, und wenn es der ehrlichste und beste Parteigenosse wäre, ist dann noch vor dem Treiben jener Klique sicher, wenn weiterhin so verfahren wird. Der Polizei ist es ja natürlich äußerst angenehm, wenn sie Miß- krauen und Verwirrung in unser- Reihen tragen kann. Selbst aber wenn e« wahr wäre, was in dem qu. Artikel behauptet wird, war die Redaktion immer noch nicht berechtigt, denselben ohne die Unterschrift wenigsten» de» Vertrauensmannes aufzunehmen. Wir verlangen daher nochmals, und zwar zum letztenmal«, daß unser Vertrauensmann bei der Redaktiou anerkannt wird und nur von diesem unterzeichnete Schriftstücke al« Kundgebungen der hiesigen Genossen be- trachtet werden. Sollte auch diesmal unserem gerechten Verlangen nicht nachgekommen werden, so sehen wir uns genöthigt, jede Verbindung mit Zürich abzubrechen, man wird ja dann wohl sehen, auf welcher Seile die Gesammlheit der hiesigen Genossen und aus welcher eine kleine im Tr üben fischende Klique sich befindet. Die Genossen von Barmen. Wir haben zu dieser„Erklärung" zu bemerken, daß die Einsender sich ohne Grund ereifern. Der Artikel, der ihren Zorn erregt, trägt eine Unterschrift, die in keiner Weise die Bermulhung auskommen läßt, al» schreibe der Verfasser im Namen der Barmer Mitgliedschaft. Da nun gegen denselben auch bi» heule absolut nichts vorliegt, wa« seine politische Ehrenhaftigkeit in Zweifel stellt, so lag für un» kein Grund vor, seine Einsendung zurückzuweiseu. Wir können uns nun und nimmer darauf einlassen, ausschließlich solche Korrespondenzen aufzunehmen, welche der Mehrheit der Parteigenossen eine« Ortes entsprechen. Das hieße die Minorität, die doch auch manchmal Recht haben kann, todimachen. Wer- den in einer Korrespondenz Dinge behauptet, die unwahr oder unerwiesen find, so steht es Jedem, der sich benachtheiligt fühlt, zu, Gegenerklärungen zu veröffentlichen. Das haben wir auch sofort den Einsendern auf ihre Reklamatton ge- antwortet und ihueu anheimgegeben, eine solche Erwiderung gegen den fraglichen Arttkel zu schreiben oder einfach zu erklären, daß sie demselben fernstehen. Sie bestanden indeß auf der Veröffentlichung in obiger Form, die auf Entscheid der maßgebenden Personen hiermit erfolgt. Wir bemerken noch, daß es uns nie in den Sinn gekommen ist, den Vertrauensmann der Barmer Genossen nicht anzuerkennen. Die Drohung, eventell„mit Zürich zu brechen", war daher höchst überflüssig. Wo wir im Rechte zu sein glauben, machen derartige Drohnngen vielmehr den entgegengesetzten Eiudruck von dem ans un«, der damit beabsichtigt wird. Die Warnung vor den drei früher bezeichneten Personen erscheint u u« nach der obigen Darstellung der Ermittelung ihrer Verbindung mit der Polizei keiueswegs so ungerechtfertigt al« die Einsender annehmen. Und daß Jemand, der eiuen Polizeiagenten hinter'« Licht führe» will, nur soviel Personen davon benachrichtigt, als unbedingt geboten ist, liegt wohl auf der Hand. Die Redaktion des„Sozialdemokrat", i An die Genossen in Amerika! Da in den Rhein- und Maingegenden an unsere lokalen Unterstützung«- komite« keine Anforderungen mehr gestellt werden, so halte ich es, im E'nverständuiß mit Freunden, für da« Zweckmäßigste, von dem Reste: der uns zur Verfügung gestellten Unterstlltzungsgelder für Wasserbeschä» digte zunächst— da noch ein kleiner Reservefond nöthig ist— 1200 Mk.; für die Opser der Ueberschwemmungeu in Schlesien zu verwenden.| ES find bereits die nöthigen Schritte geschehen, um die Unterstützung«- bedürftigen zu ermitteln und eine gerechte Vertheilung zu ermöglichen. Bemerken muß ich bei dieser Gelegenheit, daß in meiner letzte»■ Quittung(siehe„Sozialdemokrat" vom 17. Mai d. I.) als zweite Sendung aus New-Haven aufgeführten Mk. 37,07 identisch sind mit den bereit« vorher quitlirten Mk. 35,07. Die D u p l i k det betreffendeu Postanweisung kam mehrere Wochen später als die eigentliche Anweisnng •'z meine Hände und wurde deshalb von mir für eine neue Anweisung gehalten, umsomehr al« der Betrag nicht genau stimmte. Die Differenz; erklärt sich aber daraus, daß die Umrechnung der Dollars(3,50) in Mark am Aufgabeort eine andere war als in Berlin. Statt Mk. 2151,79 find also bl°S noch Mk. 2114,72 in Kasse. B o r« d o r f, 7. Juli 1883. W. L i e b k n e ch t.] Warnung. Friedrich Schneider, früher von Aachen und Bervier« aus al« D e n u n n z i a u t uud P o l i z e i s p i o n gekennzeichnet(siehe Nr. 7 und 24 de«„S.-D." 1882) beabsichtigt in nächster Zeit wieder j von hier nach Belgien zu reisen. Er gibt vor, für die„Garten«' laude" zu schreiben, also allseits aufgepaßt! N e w y o r k, 1. Juli 1833. Ein Vertrauensmann. Briefkasten der Expedition: C. 9t. Btgn. Pari»: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh— Antwerpen C.: Fr. 16,— Ab 3. Qu. erh.— Kmnn O'straß: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. u. Schrft. erb.— Spielhölle O'straß: Fr. 1,— f pr. Agfd. dkd. erh.— H. R. Stßbg.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.—> Newyork: Fr. 607,55(= 120 Doll.) f. d. Hamburger Wahl durch Gen. Praast und Garwe dkd. erh. und nach Vorschrift angewiesen.— 1371r:. Mk. 25,— Ab. 3. Qu. u. ä Cto. 4. Qu. erh. Mehrbstllg. folgt. Bravo! — W. B. Bbg.: Mk. 3,— Ab. 1. März bi« Ende Juli und 50 Pfge. f. Schft. erh. Bf. folgt.— Fiskus v. Venedig: Fr. 1,10 s. Schrsl. erh. j Fr.£ O'straß: Fr. 2,— Abon. 3. Qu. erh.— v. d. Gen. Jeßnitz- i Anhalt: Mi. 3,— pr. Usd. dkd. erh.— Jßntz: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— E. B. L.: Mk. 12,45 f. Schft. erh. Sdg. folgt.:— W. S.D.: j Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— M. u. Z. Z.: Fr. 7,50 Ab. 3. Qu. erh.; — A A. B.: Fr. 2,40 s. Schft. erh.— I Singbartl Winona: Fr. 5,—? Ab. 3. v. 4. Qu. erhalten und Fr. 5,20 für die streikenden Weber in Meerane dkd. zugew.— N. Schaffhausen: Fr. 10,— i Cto. Ab. erh.—! A. Höhne, N.-D.: Fr. 56,20 ä Eto. Ab. u. Schst. erb.— Lzr. Fltrn.: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. erh.— G. L Eognac: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh. — F. F. Pstn.: Mk 4,95 Ab. 3. Qu. u. Schst. erh. Sonstige» nottrt. — Rothkragen a. d. Cislar: Mk. 9,— Ab. 3. Qu. erh.— W. Sch. St.: Mk. 3,75 f. Schft. erh.— 7/9— 27: öwfl.!,— f Schft. erh. und öwfl. 5,— d. Agsd. dkd. zugew. Erbetene» durch L. erh.— Roth- � käppler: Mk. 8,60 Ab. 3. Qu. erhalten. Sdg. v. 2/2. wurde durch F. i. G. für Sie beordert und von da für Sie rcklamirt, obschon wir prompt abgeschickt halten. Im Weiteren ganz wie Sie wollen.— Bon den Ge- treuen au« Herford: Mk. 6,40 pr. Usd. dkd. erh.— A. D. 3 N. S.:; Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Blaschka: öwfl. 15,— f. Schft. ic. erh. Mx. erscheint schwerlich in Lieftg. Müssen Annonce abwarten. Sog. fort am 19/7. Weitere« werden gerne zur Kenntniß nehmen.— H. K. Tlg.: Mk. 3.— Ab. 3. Ou. erh.— Lidge: Fr. 20,— Abon. Juni und Juli erh. Fr. 2,90 pr. Agsd. gutgcbracht. Alle» beachtet.— G. Sch. Bieune: Fr. 9,— Ab. 3. Qu. erh.— Blume: Mk. 10,— Ab. 3. Qu., s. Schft. uud Porto erh. Weiteres suchen zu vermitteln.— Durch Mz. Z.: Fr. 2,50 für eine Hamburger Wahlwette d. Usd. dkd. zugew.— Pariser Gen.: j Fr. 50,— pr. Agsd. dkd. erh. Desgl. Fr. 50— den österr. Geu. zum gleichen Zweck und Fr. 25,— d. Ausgew. Sch. dkd. ausgefolgt. Athlsch. nach Borschrift am 18/7. abges.— W. G. R. d. B.: Fr. 5,— f. Schst. erh. Bestellte« suchen zu schaffen.—«. H. Prbg.: öwfl. 11,— Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Weitere« wird s. Z. besorgt.— E. B. B.: Mk. 1,—• f. d. S. erh. Sdg. abgg.— r: Fr. 13,— Rest 2. Qu. und Ab. 3. Qu. erh.— A. Lsrm. Chicago: Fr. 202,55 ä Eto. Ab. I.Qu. u. Schst. erh./ K. Hde.: Ml. 3,- Ab. 3. Qu. erh.-W9B. D. Dg.: Mk. 3,— Abon. 3. Qu. erh.— 500: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. und 50 Psg. pr. Usd. dkd. erh.— I. B. Ehcgo: Fr. 5,10 Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Sdg. abgeg. Gruß!— Ferd. Bs. v. 16. erh.«eil. besorgt. Isostsf, den 21. Juli, Abends 8 übr, im„Cafd ÄU.I 1CI1. Kessler, Stüssibofstatt Geschlossene Versammlang der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Ersatzwahl in den Landesausschuss uud wichtige Parteiangelegen' j heiten. Der Lokalaasiohuss der deutschen Sozialisten. eitotiltriMit G«a»fitnschaliibuchdr»ck»r»i