ideint bigentlich einmal in Zürich( Schweiz) Berlag Boltsbuchhandlung Hattingen- Zürich. Hollendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toften Doppelporto. -N: №: 31. Der Sozialdemokrat Bentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 26. Juli. leis an bie bonnenten und Sorrespondenten des„ Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat sowohl in Deutschland als auch in Oesterrei verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Schärben i alle mühe geben, unsere Berbindungen nach jenen Bändern abglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns and unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so i die äußerste Borsicht im Bostverkehr nothwendig und barf teine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und lektere dadurch zu schützen. Haupterfordernist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Parteinenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetes. Nachtrag zur vorigen Quittung: Kaffel Mt. 10,-, Königsberg 83,-, Bremen durch, 2. 25,-, Arnstadt 35,-, Gotha 60,-. Im Mai gingen ein: Wilhelmshaven Mt. 13,-, Frankfurt a/ O. 13,-, Meerane 25,-, Kalt 8,-, Riel 17,50, Neumünster 9,-, Gaarden 7,50, Rendsburg 6,50, Schleswig 3,25, Frankenthal 2,-, Hannover 56,75, Reichenbach i/ v. 18,3midau 44,25, ferlohn 6, Ronsdorf 23,50, X. badischer Wahlkreis 25,-, Schwabach 12,-, Berlin 95,-, desgl. 95,-, A. aus B. 230,-, Herford 13,-, Minden 29,-, Gera 20,-, Kaffel 15,50, Blauen 12,-, Braunschweig 50, R. in C. 30,-, Erfurt Das Banner hoch!" 25,-, Quedlinburg 8,-, Ungenannt durch B. 100,-. Jena 100,-, Berlin ,, Vom grünen Strand der Spree" im Auftrage mehrerer Maulwürfe 300,-, 3u Ehren Madai's" 895,-. Im Juni gingen ein: Gaggenau Mit. 3,50, 3widau 38,50, Danzig 3,-, Ohlau 10,50, Hamburg 156,-, Wittgensdorf 8,-, Flensburg 35,-, Gaarden 7,50, Riel 19,60, Gera 22,50, Ronsdorf 15,50, Waldenburg i/ Schl. 9,50, Mittweida 13,75, Brandenburg 20,-, Crefeld 5,80, Dresden 16,64, St. Johann 13,-, Potsdam 13,-, Brandenburg 25,-, Großenhain 8,-, Pforzheim 22,-, Zittau 8,-, Ulm 8,-, Iserlohn 2,80, Gaarden 9,25, tiel 21,25, Rendsburg 11,75, Neumünster 9,25, desgl. 17,75, Gotha 7,50, Meerane 25,-, 3widan 17,-, Fürth 30,-, Köln„ Bereintes Streben, frohes Leben" 16,-, Altenburg 5,50, Ludwigshafen a Rh. 5,-, Glauchau 15,-, Großenhain 30,-, Stettin 5,50, Erfurt„ Das Banner hoch!" 42,80, Barmen 40,-, Danzig 8,-, Netschkau 13, Ulm 8,-, Augsburg 24,-, Gera 4,50, Ernftthal 10,50, nedlinburg 15,20, Rostock 11,30, Nowawes 3,30. Bis Mitte Juli gingen ein: Solingen 56,-, Schwerin 12,50, desgl. durch D. F. 3,-, Wilhelmshaven 5,50, Potsdam 3,50, Königfteele 4,50, Spremberg 5,10, Reichenbach i/ V. 60,-, Kalt 22,-, Brandenburg 20,-, Dortmund 40,-, Magdeburg 37,-, Minden 5,50, Chemnitz 26,50, Braunschweig 28,50, Meißen 13,50, Posterstein 8,20, Liegnitz 5,-, Danzig 30,-, Mainz 40, Buchbinderfachverein Bern( Fr. 16,-) m. 12,80; W'thur Jud vertauft"( Fr. 60) 48 Pfg.; Alte Tannen: M. 4,85; P.-G. Greiz: M. 8,73; Lodernde Flamme: M. 2,-; B'meier Mhm.: M. 1,60; B. Bl. Harburg: M. 1,-; H. O'straß: M. 8,-; Johannes B.: M. 2,-; Mercurius G. i. B.: M. 1,-; Buffalo:( Fr. 8,50) M. 6,80 von 4 Schafskoppspielern; P.-G. Kreuzlingen: M. 8,30; v. d. Vereinen Biel, Neuenburg, St. Jmier:( Fr. 5,15) M. 4,12; P. G. Stettin: M. 25,-; Dr. W. A.: M. 4,-; St. Louis v. d. Schneidern bei Schmidt: ( Fr.150,-) M. 40,-; Rother Holländer: M. 2, f. d. Gehezten; Kellinghusen: M. 4,50; Schwarzer Taugenichts: M. 2,-; Ph. Rdr. N. Uzwyl:( Fr. 2,-) M. 1,60;. M. Zu: Mt. 4,70; Jeßnig: M. 3,-; v. d. Getreuen Herford: M. 6,40; Nro. 500: M., 50; Spiegelberg jun. B. M. 2 ,; Rockville:( Doll. 5,-) M. 20,24 v. b. Sektion d. soz. Arbpartei; Chur:( Fr. 2,50) M. 2, Erlös aus einem Geschent für ein Ständchen. Bus. 4016,31. Allgemeiner Wahlfonds. Für die Hamburger Wahl gingen ein: C. H. Paris Mt. 40,-, Pforzheim„ Von drei alten Getreuen" 5,-, Ungenannt 40,-, Ungenannt 100,-, München 60,-, Mauerstein Leipzig 9, Solingen 14,28, Baden- Baden 3,-, P.-G. Paris( Fr. 14,60) 11,68 für die nächste Reichstagswahl; dieselben für die Wahl Bebel's ( Fr. 16,75) 13,40, Kommunistischer Arbeiter- Bildungs- Verein London ( Bfd. Stlg. 4 14 4) 94,96 für die Hamburger Wahl, Zigarrenarbeiter bei Straiton u. Storm( Doll. 5,-) 20,25 durch Carlson, Zürich( Fr. 19,-) 15,20 für die Stichwahl in Hamburg, gesammelt am 23/6., Raffel P. G. 10, mit einem Hoch auf Hamburg für die Wahl Bebel's bei einem Fäßchen gesammelt, Zug P.-G.( Fr. 10,-) 8,- für die Kieler Wahl, H. B. L. bürg. 5,-, Ph. Rdr. N'uzwyl( Fr. 1,-)-, 80 fitr Riel, B.-G. Newyork( Doll. 120,-) 486,04 für Hamburg( Kiel) durch Garve und Praaft gesammelt, C. Mz.( Fr. 2,20) 1,76 eine Hamburger Wahlwette, Zürich( Fr. 8,52) 6,81 für die Stieler Wahl von der Mitgliedschaft am 21/7. gesammelt, Merkurius G. in B. 2,- für Kiel, von dem jungen alten Bärchen für die braven Hamburger und Kieler( Fr. 10,-) 8,-. Zusammen: Mt. 955,18. Agitationsfonds. C. A. Heims Clyde:( 2 Doll.) Mt. 8,20 zum Kongreßfonds 2. Rate. Von 2 genauen Rechnern: 3 nagelneue Zornnidelchen à 20 Cts. ( Fr.-, 60)-48. Durch Ede von einem Wucherer( Fr.-, 66)-, 52. Für ein Kipfel aus dem belagerten Jerusalem( Fr. 4,20) 3,36). Für die getränkte Tugend einer Petroleuse( Fr. 2,01) 1,61. Von einer Akrobatengesellschaft( Fr. 95)-76. Strafe für unzarte Vorschläge ( Fr. 1,35) 1,08. Olten( Fr. 5,-) 4, für die ftreifenden Meer aner. Jehoe 14,-. Lawrence( Dll. 2,-) 8,08 von W. Seckendorf durch E. erh. Zug, allgem. A.-V.( Fr. 10,-) 8, für Meerane. Desgl. Zürich, Glaserfachver.( Fr. 10,-) 8,-. Dtsch. Ver. Wthur( Fr. 26,75) 21,40. Soz. Chur bei Diskussion( Fr. 7,35) 5,88. Züricher Thalweil( Fr.-, 80) 64. Dtsch. Ver. Zürich, Horgen, Wädensweil und Grütliver. Thal weil für Meerane( Fr. 20,-) Mt. 16,-. Verlorene Wette d. Lsingen ( Fr.-, 60) 48. 2 Nr. 24 erster Abzug u. Schft.- Rabatt( Fr. 2,-) 1,60. Spenglerfachver. Zürich für Meerane( Fr. 20,-) 16,-. Mertens Sons Shop N. York( Doll. 9,-) 36,44 Diäten für die sozialdem. Abg. Der getreue M. Mt. 4,-. Deutscher Ver. St. Jmier( Fr. 5,-) 4, für Meerane. Desgl. Parteigen. Lausanne( Fr. 12,50) 10,-. Desgl. von einem Mitgl. d. D. Ver. Zürich( Fr.-, 50)-40. D. Arb. Ver. Biel( Fr. 16,40) 13,12 für Meerane. Desgl. vom rothen Regeltlubb ( Fr. 1,60) 1,28. Berner Gen. u. Freunde( Fr. 30,-) 24,- für die unterdrückten Weber in Meerane. Spielhölle Oftraß( Fr. 1,50 n. 2,40) Desgl. Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2. für die Schweiz( Kreuzband) Mt. 3.- für Deutschland( Couvert) f. 1. 70 für Oesterreich( Couvert Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband) Juferate Die dreigespaltene Petitzei e 25 Gta. 20 Pfs. 1833. als möglich an den Sozialdemokrat, resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige adreffe außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß aus uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegenRehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. 3,12. D. Arb. Ver. Chaurdefonds( Fr. 6,-) 4,80 für die streifenden Meeraner. Dtsche Soz. Glasgow Mt. 15,- für Meerane. Dummer, rother Gaigel 1,65. B- m Stuttg. 25,-. Tischges. Alpenrösli Außerfihl( Fr. 10,-) 8,- für Meerane. Zigarrenarb. bei Straiton u. Storm N. York( Doll. 5,-) 20,26 durch Carlson. Flämische P.- Gen. Gent ( Fr. 90,-) 72,-. Es lebe die intern. Solidarität der Arbeiter! P. G. Zug( Fr. 3,-) 2,40 für Meerane. P. G. Baden( Fr. 10,50) 8,40 fitr Meerane. P. G. Bern( Fr. 17,50) 13,30 gef. durch Sch. für Meerane. D. Ver. Wthur( Fr. 45,-) 36,- Parteibeiträge pro 1. u. 2. Quartal per Mitglied 10 Cts. Spielhölle Oftraß( Fr. 1,40) 1,12. C. Silberftein( Fr. 5,-) 4,-. H. Schl. Stuttg. 2,50. Ch. Schmidt- Altmar Holland 2,-. B. Barst.( Fr. 2,45) 1,96. Von einem Nichtsozialisten u. Gegner der Ausweisungen( Fr. 3,-) 2,40. Elberfeld Ueberschuß für ein Hamburger Siegestelegramm 1,15. O. B. Lyon( Fr. 2,50) 2,-. Vegesac 11,20. Buffalo( Doll. 2) 8,80 von vier Schafkoppspielern für Meerane oder ähnl. Zwecke. Singbart! Winona( Dol. 1) 4,16 für die streifenden Meraner. 7/ 9-27( ö. fl. 5,-) 8,32. Lüttich( Fr. 2,90) 2,32 Parteibeiträge. Parteigen. Paris( Fr. 50) 40,-. Desgl. für die Parteigen. in Destereich( an die Wahrheit", Wien und den Volksfrd. Brünn überwiesen Fr. 50,-) 40,-. Spiegelberg jr. B.: 3,-. Stillvergnügter Rebell 97,28. Ueberschuß auf Schrftzhlg. Cincinnati S. Arbpart.( Doll. 10,) 40,50 für Meerane oder ähnl. Zwecke. Zusammen: Mt. 695,97. " Antheilfonds- Quittung. P. G. Wilhelmshafen Mt. 16,-. P. G. Paris( Fr. 35,-) Mt. 28. Vorige Quittung Mt. 2910. 60 " Hierzu 44. Zusammen Mt. 2954. 60 Für ein Marr- Denkmal. Von Ungenannt Hamburg Mt. 3,-. Bei Zusammenkunft der Dtsch. Arb. Vereine Bern, Biel, Chauxdefonds, St. Jmier ges.( Fr. 18,10) mt. 14,80. Zusammen: Mt. 17.80. Worauf es ankommt. In Berlin erscheint seit einiger Zeit ein Blatt, welches das Motto trägt:" Die Politik verdirbt den Charakter!" Der Mann, der an der Spize dieses Blattes steht, Herr Friebrich„ bon" Bodenstedt, hat niemals Verständniß für Das gehabt, was man unter Charakter versteht, er war stets ein charakterloser Sytophant, ist also am allerwenigsten berufen, die Politik, d. H. die Stellungnahme im öffentlichen Kampf, in solcher Weise zu verfehmen. Außerdem ist der Sat natürlich grundfalsch. Weit eher ist das gerade Gegentheil der Fall. Die Politik bildet Charaktere aus. Der Schaden, den die Politik anrichtet, liegt auf einem ganz anderen Gebiete. Jeder Politiker, das heißt Jeder, der die Politik berufsmäßig treibt, ist der Gefahr ausgesetzt, geistig zu verfimpeln, sich das Denken und Urtheilen nach der Schablone anzugewöhnen und somit, gleich dem Schauspieler, eine eingebildete Welt für die wirkliche zu halten, die wirkliche Welt nach der Schablone der eingebildeten zu beurtheilen. Er kennt nur noch Parteien und verliert vollständig den Blick für die realen Strömungen im Gesellschaftskörper, das Verständniß für die im Gesellschaftskörper fich bildenden Umgestaltungen. Ein Typus eines solchen versimpelten Politikers ist der in voriger Nummer von uns charak terisirte Herr Lasker. Herr Lasker behauptet, an eine Revolution sei in Deutschland in absehbarer Zeit nicht zu denken. Warum behauptet er das? Einfach deshalb, weil er keine Partei fieht, welche nach seiner Ansicht Willens und stark genug ist, eine Revolution zu machen. Er beurtheilt die Zustände in Deutschland nach der Stärke der Parteien in den Parlamenten. Was wollen die 12 oder 13 Sozialisten gegenüber den übrigen Abgeordneten besagen? Und selbst die Sozialisten erklären ja, daß sie die Revolution nicht machen wollen. Wie sollte da eine Revolution denkbar sein? Daß eine Revolution eintreten kann, ohne daß sie vorher von Fraktionswegen von irgend einer Partei beschlossen, in irgend einer Zeitung angekündigt worden wäre, scheint Herr Lasker gar nicht zu wissen, obwohl die Geschichte der großen Revolutionen der Neuzeit- von der englischen des Jahres 1688 bis zur 1848er Revolution ihn doch in dieser Beziehung hinreichend belehrt haben sollte. Revolutionen hängen nicht nur nicht von hoher obrigkeitlicher Bewilligung ab, ihr Eintreten wird auch nicht von dem Willen einiger Parteiführer oder Parteien bestimmt, mögen diese sich auch noch so revolutionär geberden. Ja, man kann eher sagen, daß sie meist gegen den Willen der politischen Parteien eintreten, daß sie wie die Regierungen so auch diese überraschen", nach ihrer Ansicht zu früh oder zur Unzeit ausbrechen, und mit den allgemeinen politischen Verhält Unzeit ausbrechen, und mit den allgemeinen politischen Verhält: nissen auch die bisherigen Parteiverhältnisse umwälzen, revolutioniren. Weit mehr als von den bisherigen bürgerlichen Revolutionen gilt das von der bevorstehenden sozialen oder richtiger sozialistischen, denn sozial find überhaupt alle Revolutionen, insofern ste neuen Elementen der Gesellschaft Geltung verschaffen. Die prole tarische Revolution des neunzehnten Jahrhunderts wird aber nicht tarische Revolution des neunzehnten Jahrhunderts wird aber nicht nur eine soziale sein, sondern muß ihrer Natur nach eine sozia listische sein. Die Gründe, weshalb Revolutionen nicht von dem Willen bestehender Parteien bestimmt werden, sind sehr einfach. Zunächst ist es doch klar, daß diejenigen Klassen der Gesellschaft, welche im Stande find, ihre Interessen im öffentlichen Leben gebührend zur Geltung zu bringen, keine Revolutionen dieses Wort in dem gemeingültigen Sinne von gewaltsamer politischer Umwälzung genommen machen werden. Nur diejenigen Schichten der Ges sellschaft sind zur Revolution geneigt, welche, mit den bestehenden Verhältnissen unzufrieden, zur Ueberzeugung kommen, daß sie ihre Bestrebungen nicht genügend zur Geltung bringen können -sei es infolge der politischen, sei es infolge der sozialen Ver= hältnisse. So oppositionell sich die radikale Bourgeoisie heute auch ge= berden möge, so liegt ihr doch nichts ferner als eine Revolution. Von dem Momente an, da bie bürgerliche Gleichheit vor dem Gesetz proklamirt ward, ist jedes wesentliche Hinderniß politischer Machtentfaltung der Bourgeoisie gefallen, die Bourgeoisie als Klasse hat von einer Revolution nichts für sich zu erwarten. Man vergesse nicht, daß in dem anscheinend so erbitterten Kampf, der sich heute in dem deutschen Parlamente abspielt, die Bourgeoisie nicht nur auf der Linken, sondern auch auf der Rechten hervorragend vertreten ist. Die Handvoll Junker konnten nur dadurch zu einer in Betracht kommenden Rolle gelangen, daß sie sich mit der schutzöllnerisch gesinnten Bourgeoisie und den blöder Weise ihr nachtrabenden Handwerkern verbündeten. Diejenigen bürgerlichen Parteien, die heute in verschwindender Minderheit sind, sind es nicht deshalb, weil die politischen und sozialen Einrichtungen sie an der Machtentfaltung hindern, sondern weil fie mit ihren Bestrebungen bei ihrer eigenen Klasse keinen AnKlang finden. Eine Revolution würde daran nichts ändern. Sie kommen für unsere Erörterung daher gar nicht in Betracht. Ist eine gesellschaftliche Klaffe im Stande, eine ihrer Bedeutung entsprechende Anzahl von Vertretern zu ernennen, so fühlt fie absolut kein Bedürfniß nach einer Revolution, vermag fie das nicht, so ist zwar das Bedürfniß nach einer Revolution vorhanden und wird von ihren bewußten Mitgliedern auch als solches empfunden, es fehlt aber den als Partei organisirten Elementen jeder sichere Anhaltspunkt dafür, einen wie starken Rückhalt fte gegebenen Falles in der großen Masse nicht nur des Volkes selbst, sondern auch ihrer eigenen Klasse haben würden. Dies ist der Hauptgrund, weshalb die von Parteien, Verschwörungen 2c. angezettelten Putsche gewöhnlich mißlingen. Es ist also durchaus verfehlt, lediglich aus der Stärke der Parteien auf die Nähe oder Ferne einer Revolution zu schließen. Worauf es in Wahrheit heute ankommt, das ist die Gestaltung der sozialökonomischen Verhältnisse. Sind wir einmal zu der Ueberzeugung gelangt, daß politische Revolu tionen nur der Ausbruck, gewissermaßen die Geburtswehen einer neuer, im Schooße der alten herangewachsenen Gesellschaft sind, dann haben wir, dann hat jeder wirkliche Politiker vor allen Dingen zu prüfen, wie weit die im Schooße der Gesellschaft sich vollziehende Umwälzung gediehen ist. Wie fest stehen die sozialen Elemente der alten, wie start sind die Elemente der neuen Gesellschaft? Das sind die Hauptfragen, die wir uns vor zulegen haben. Wohlgemerkt, wir fragten, wie fest stehen die sozialen Elemente der alten Gesellschaft? Denn die Zahl spielt hier durchaus nicht die Hauptrolle. Der Zahl nach waren die Befißlosen, die Ausgebeuteten, zu allen Zeiten die große Mehrheit, Noth und Elend find von jeher die Attribute der sogenannten zivilisirten Gesellschaft gewesen. Nicht auf die Statik der Gesellschaft kommt es an, sondern auf die Bewegung derselben. Um diese kennen zu lernen, genügt es aber nicht nur, zu wissen, daß die Bourgeoiste so und so viel Angehörige zählt, das Proletariat so und so viel u. s. w., damit ist so viel oder so wenig bewiesen, als wenn wir wissen, die sozialistische Partei hat so und so viel Mitglieder, die liberale so und so viel und so sort die Entwickelung der industriellen Technik und der Produktionsweise überhaupt, die Gestaltung von Handel und Verkehr, die Richtung der Produktion, das Verhältniß der Krisen zur sogenannten Geschäftsblüthe 2c. 2c. das sind die Faktoren, die studirt sein wollen. Und wenn bie Herren Fachpolitiker sich etwas mehr darum bekümmern wollten als um die Frage, ob Bismarc's Nachfolger liberal sein wird, ob der Kronprinz, wenn er an's Ruder kommt, die Kourage haben wird, Bismarck den Fußtritt zu geben, den ihm Vittoria schon lange gönnt, ob die römische Kurie den Kulturkampf fortzusetzen wünscht oder nicht und dergleichen interessante Fragen mehr, so würden sie vielleicht weniger glänzende Neden halten, sich aber auch sicherlich weniger glänzend blamiren, wenn von sozialpolitischen Fragen die Rede ist. So braucht man nur zu beobachten, wie schon heute eine ganze Reihe von Betriebszweigen in einem Maße zentralisirt find, daß sie entweder vollständig in die Hände einzelner großer Monopolisten übergegangen find oder zu Koalitionen der wenigen Konkurrenten geführt haben, die von den Konsumenten noch unliebsamer empfunden werden als offenkundige Monopole; man braucht nur die krampfhaften und doch vergeblichen Be mühungen der Industriellen, die Ueberproduktion zu vermeiden, zu sehen, nur durch die Lektüre der Konkursberichte einen Blick hinter die Koulissen des bürgerlichen Verkehrs zu thun, um zu dem Schlusse zu kommen, daß das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft rastlos und von allen Seiten her unterwühlt wird, daß, so herlich das Gebäude von außen auch aussehen mag, sein Zusammenbruch doch unaufhaltsam ist. Heute stützt eine bürgerliche Existenz sich auf die andere, wie bei einem Haufen aufgeschichter Steine der eine den andern stützt. Wird aber nur einer herausgerissen, so stürzen gleich ein Duzend nach-- ein Bankrott zieht stets eine ganze Anzahl nach sich. Der Mittelbürger weiß meist gar nicht, wie prekär seine Lage ist, sie wird ihm stets erst klar, wenn es längst zu spät ist. Gilt nicht ein Bankrott, bei dem nur 10 Prozent herauskommen, heute als ganz, anständig?" Der knapp bemessene Raum verbietet uns, hier auf Einzelheiten einzugehen, wir müssen uns darauf beschränken, das Ge sammtbild kurz zusammenzufassen. Eine Gesellschaft, welcher Produktionsmittel zur Verfügung stehen und sich von Tag zu Tag vermehren, die sie, Dank ihrer individualistischen Organisas tion, bereits nicht mehr zu bewältigen vermag; immer größere Kon zentration von Macht und Reichthum in immer weniger Hände, immer stärkeres Anwachsen des nichtbesitzenden Proletariats, und zwischen beiden Schichten einen Mittelstand, dessen Situation von Tag zu das heute Tag schwankender wird; ein Kleinbürgerthum, das heute nur noch in reaktionären Chimären die Gewähr seines Bestandes erblickt, aber revolutionär werden muß, sobald ihm die Unmöglichkeit der Verwirklichung dieser Chimären einleuchtet bas ist die bürgerliche Gesellschaft unserer Zeit. Ein wirthschaftlicher Krach, hervorgerufen durch einen Krieg, der bekanntlich beständig in der Luft" liegt, oder durch ein anderes, Handel und Gewerbe lähmendes Ereigniß, und wir sagen nicht die Revolution, aber alle Vorausbedingungen derselben, und mit ihnen ihre Wahrscheinlichkeit sind da. Tritt fie cin, dann ist es allerdings von höchster Bedeutung, daß sie eine zielbewußte Partei vorfindet, welche den Willen und die Fähigkeit befißt, die elementare Kraft, welche sich ihr zur Verfügung stellt, zur Schaffung lebenskräftiger, den neuen Bedürfnissen entsprechendes und den Bestand des Neuerrungenen fichernder Einrichtungen zu benutzen. Nicht von dem Willen einzelner Personen, sondern von dem durch die sozialpolitische Lage bedingten Willen der Volksmasse hängt das Eintreten der Revolution ab. Nicht sie zu machen, sondern sie durchzuführen, ist die Leo. Aufgabe der Sozialdemokratie. Zur Nationalitätenfrage in Desterreich. Jm„ Sozialdemokrat" vom 5. Juli wurde in dem Artikel„ Republik oder Monarchie" auf den Nationalitätenkampf in Desterreich hingewiesen und dabei der verderbliche Einfluß der Monarchie auf denselben hervorvorgehoben. Da dieser Kampf gegenwärtig heftiger denn je tobt und von schwerwiegender Bedeutung auch für die sozialistische Bewegung in Desterreich ist, so dürfte es nicht ohne Werth sein, den Zusanamenhang derselben mit den politischen und sozialen Verhältnissen Desterreichs hier nachzuweisen und dabei seine Bedeutung für die zukünftige Entwickelung der sozialistischen Bewegung anschaulich zu machen, Der verderbliche Einfluß der Monarchie auf die Beziehungen der Nationalitäten in Oesterreich zu einander ist allerdings nicht zu leugnen, er äußert sich nicht nur in dem Sinne, daß die Nationalitäten sich an Schweifwedelei vor der Dynastie zu überbieten suchen, um deren Unterftützung sich zu erbetteln, die Dynastie selbst fördert gemäß dem alten römischen Spruche: divide et impera( theile und herrsche) den Haß der Nationalitäten gegen einander, um, bald auf die eine, bald auf die andere sich stützend, ihre eigenen Interessen auf Kosten des Voltes zu wahren. Jusbesondere war Metternich ein Meister in dieser staatsmännischen Kunst". Und auch der neu entbrannte Kampf der Slaven mit den Deutschen ist ein Beweis dafür, daß diese ,, Kunst" noch keineswegs ausgestorben ist. Die Deutschen, die sich in gewissem Sinne mit kurzer Unterbrechung des Besitzes der Regierungsgewalt und der parlamentarischen Majorität bis 1879 erfreuten, gingen nur dadurch dieser Herrschaft verlustig, daß fie die Annexionspolitik, die mit der Okkupation Bosniens und der Herzegowina( 1878) begann, bekämpften und sich dadurch in Widerspruch mit der Hofflique setten. Alles, was man heute in den offiziösen Blättern über die Ursachen des Sturzes der deutschliberalen Partei lieft, daß sie die Gleichberechtigung der Nationalitäten mißachtet, daß sie die materiellen Interessen vernachlässigt und die Volksfreiheit unterdrückt habe, hat so wahres an sich ist mit dem Sturze derselben nichts zu schaffen. Die Habsburger pflegen nicht Ministerien wegen mangelnder Achtung vor der Freiheit des Volkes zu entlassen, wohl aber ist es vorgekommen, daß ein Ministerium entlassen wurde, weil es eine offenbare Verfassungsverletzung nicht gutheißen wollte. Die schönen Phrasen, durch welche der Systemwechsel in Desterreich den Naiven mundgerecht gemacht werden soll, find nur Blendwerk, um Verwirrung in die Reihen der Deutschen zu tragen und die Opposition gegen das Ministerium Taafe zu schwächen. erkennen und sich durch Reue und Buße und die Zusicherung zukünftigen ununterbrochenen Schweifwebelns der kaiserlichen Huld und Gnade wieder würdig zu machen. Die Wiederholung dieses erhabenen Schauspiels bildet seit Einführung des Parlamentarismus die äußere Geschichte der inneren Politik Defter reichs. Einmal schweiswedeln die Deutschen, ein anderesmal die Tschechen, Bolen 2c., immer aber triumphirt die Dynastie und der verschämt schei nende, in der That aber ganz unverschämte Absolutismus. Wie soll aber dieser Zustand der Selbsterniedrigung ein Ende finden? wird man fragen. Offenbar nur dadurch, daß in den verschiedenen Nationalitäten Desterreichs Parteibildungen sich vollziehen, die auf der Bafis der Verständigung und endgültigen gesetzlichen Regelung der Sprachenfrage die allgemeinen Voltsintereffen gegenüber dem ausbeuterischen und selbstsüchtigen Streben der Dynastie und der herrschenden ausbeutenden Klaffen vertreten. Man wird auf die sozialistische Bewegung hinweisen, die ja mit jenem Streben identisch sei. Allein es wäre Selbsttäuschung, wollte man von ihr für die nächste Zukunft einen irgendwie maßgebenden Einfluß auf die politische Entwicklung Defterreichs erhoffen. Die Arbeiter, insbesondere der gemischtsprachigen Provinzen Oesterreichs, find durch das bekannte demoraliftrende Regierungssystem der Habsburger für eine zielbewußte politische Thätigkeit, wie fie zur Lösung und Ausgleichung der thatsächlich bestehenden nationalen Gegensäge nothwendig wäre, vorläufig zum größten Theil unbrauchbar; es ist daher auch eine leicht erklärliche Erscheinung, daß sich so bedeutende Bruchtheile der österreichischen Arbeiterbevölkerung dem Anarchismus angeschloffen haben und so tief gesunken sind, mit der anarchistischen Propaganda Judenheze u. dgl. zu verbinden, wie es in Böhmen und Mähren nachweislich geschah. Für eine organisirte sozialdemokratische Partei ist es unter solchen Umständen schwer, Boden zu gewinnen, und man wird in Oesterreich einen großen Fond von Geduld vorräthig haben müssen, wenn man auf einen direkten Einfluß der Sozialdemokratie auf das Verhältniß der Nationalitäten zu einander hoffen will. Aber ein anderes Moment ist es, das eine nähere Aussicht wenigstens auf die Milderung der nationalen Kämpfe eröffnet: es ist die zunehmende Einsicht in den kämpfenden Parteien selber, resp. in den Wählerkreisen, daß die Fortdauer dieser Kämpfe mit der Fortdauer des überwiegenden Einflusses der Krone auf die innere und äußere Politik Defterreichs verbunden ist, und daß der Absolutismus so lange nicht beseitigt werden kann, als dem Nationalitätentampfe nicht wenigstens enge Grenzen gezogen find, außerhalb welchen ein Zusammengehen der Wähler nach gemeinsamen politischen Grundsätzen möglich ist. Wir glauben, daß dieses Moment an Bedeutung zunimmt und in dem Maße beständig zunehmen wird, als sich die Klassengegensätze ausbilden und die nationalen Gefühle zurückdrängen. Wird auf diesem Wege, auf dem Wege neuer Parteibildungen, anf der Grundlage nationaler Verständigung, die Nationalitätenfrage nicht in der nächsten Zukunft wenigstens eingedämmt und durch die gesetzliche Lösung der Sprachenfrage wenigstens ihres leidenschaftlichen Charakters entkleidet, so wächst die Gefahr des Zusammensturzes Desterreichs bei der nächsten triegerischen Eventualität in demselben Maße, als die Verhetzung der Völker gegen einander sich steigern muß. Die gewaltsame Depoffedirung der Habsburger, von dem durch Erbschleicherei, Kuppelei und Pfaffendienst erworbenen" Throne wäre nur eine verdiente Züchtigung für die lange Reihe ihrer Schandthaten und für ihre für Desterreichs Völker so verhängnißvolle Anwendung des„ Theile und herrsche". Viennensis. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 25. Juli 1883. - Bravo! Mit nahezu zweitausend Stimmen zu. wach gegen 1881 tommt unser Genosse Heinzel gegen den Mantelpolitiker Hänel in die Stichwahl das ist das Ergebniß der Kieler Nachwahl, ein respektabler Erfolg, mit dem wir wohl zufrieden sein können. Wohl haben wir noch nicht ganz die Stimmenzahl wieder errungen, welche unsere Kandidaten in den früheren Jahren der öffentlichen Agitation in diesem Wahlkreise erzielten, aber so viel wir sehen, sind es nur die ländlichen Distrikte, in denen der Rückschlag noch nicht ganz eingeholt worden, die vier Städte des Wahlkreises Kiel, Rendsburg, Neumünster und Preetz haben sich ganz vortrefflich gehalten und, wie in früheren Jahren, so auch diesmal mit absoluter Majorität für den Sozialdemokraten gestimmt. Im Ganzen wurden diesmal 19,557 Stimmen abgegeben. Davon erhielten: 1883 1881 6659 Stimmen, 4725, 1934 mehr, 9570 11088, 1518 weniger, Graf Reventlow 3321 3465, 144 weniger. Heinzel Hänel • . 11 " Der Vorsprung, den Hänel hat, ist zwar ein ziemlich bedeutender, aber nicht so groß, daß er jede Möglichkeit des Einholens ausschließt. Und unsere waderen Genossen des VII. schleswig- Holsteinischen Wahlkreises, die unter so schwierigen Umständen man vergleiche unsere vorige Nummer muthig den Kampf aufnahmen und so ehrenvoll aus demselben hervorgingen, werden keine Anstrengung scheuen, in der Entscheidungsschlacht den Sieg zu erringen. Wir rufen ihnen dazu ein herzliches Glückauf! zu, und ersuchen die Genossen allerorts, wo diese Nummer noch zeitig genug hingelangt, nach Kräften unfern Kieler Freun den Unterstützung zu senden. Die Stichwahl findet am 3. August statt. Was man sich im„ Reich der Mitte" erzählt. Jm Reich der Mitte lebte einmal ein Kaiser, der sehr alt war, so alt, daß. er zu jedem anderen Berufe als zum Regenten über Millionen Menschen längst untauglich erklärt worden wäre. Dieser alte Kaiser hatte einen Kanzler, auf den er große Stücke hielt, denn er war der Meinung, daß er ihm unendlich viel verdanke. Und so schmutzig undankbar der Kanzler war, so groß war die Dankbarkeit des alten Kaisers. Der Minister durfte schalten und walten nach Belieben, in allen Aemtern saßen seine Kreaturen und wehe ihnen, wenn sie es wagten, eine eigene Meinung zu mit haben! Und ob sie noch so lange des Kanzlers Stiefel geleckt einem Tritt schleuderte er sie von sich und hetzte seine Meute hinter ihnen her. Dieser mächtige Kanzler hatte auch zwei Söhne, die ihm mancherlei Sorgen verursachten. Er hatte sich in ihnen Stützen für sein Alter heranziehen wollen, aber es wollte ihm partout nicht glücken. Dem ältesten Sohn, der nach seiner Mutter schlug, spielte Gott Amor einen bösen Streich. Er ließ sich von einer schönen Venus in Fesseln schlagen, was doch Staatsmännern nicht passiren darf, und ging auf eine gewisse Zeit außer Landes. Der zweite Sohn glich mehr dem Vater, der ihn auch ganz besonders an sein Herz schloß. Kaum hatte der Jüngling seinen Examen absolvirt, so entdeckte bereits der Vater eine tüchtige geschulte Kraft in ihm und verschaffte ihm eine gutbezahlte Stelle im Staatsdienst; einmal stieg er sogar in diesem seinen Sohn höchftselbsteigen zum Volke herab. Die Tschechen, Polen, Slovenen und Deutschklerikalen, die heute sich als Majorität in beiden Häusern des österreichischen Parlamentes so behaglich fühlen, auch fie existiren nur so lange als Majorität, als sie sich allen Wünschen des Hofes gefügig zeigen. Für die parlamentarische Bewilligung des Militäretats schenkt man ihnen auf ihre eigenen Kosten und Unkosten und durch Heranziehung der deutschen Steuerzahler eine Universität, die das Hohngelächter der wissenschaftlichen Welt hervorruft, eine Anzahl Gymnasien und Realschulen, die sie selbst erhalten dürfen. Für die Bewilligung höherer Steuern liefert man den Klerikalen die Boltsschule aus, errichtet man in Galizien Eisenbahnbetriebsämter, damit die Söhne und Neffen verschuldeter polnischer Gutsbesizer, ohne die deutsche Sprache lernen zu müssen, Karriere machen können. So ver wandelt sich die ganze Nationalitätenfrage schließlich in einen Komplex von Schacher, Tausch und endlosen gegenseitigen Konzessionen, deren Hauptresultat die Steigerung des Einflusses der Tynastie und die Demoralisation der Parteien sein muß. Das nennt man heute in Desterreich Versöhnungspolitik". Ihre Tendenz ist aber im Gegentheil, die Nationalitätenfrage immer offen zu halten, die Forderungen der Nationalitäten unbefriedigt zu lassen, indem man durch auf den Augenblick berednete Zugeständnisse ihre Vertreter für ihre wichtigeren Ausprüche auf die Zukunft vertröstet und so immer neue Ansprüche hervorruft. Wird eine Nationalität unbotmäßig und macht sie ihre Zustimmung zu den Forderungen des Hofes von der Anerkennung ihrer nationalen Rechte abhängig, dann wird sie einfach vermittelst des kunstvollen Wahlmechanismus parlamentarisch depossedirt( abgesetzt), und ihre Vertreter haben dann wieder Gelegenheit, bis zum nächsten Systemwechsel über den Werth oder Unwerth fürstlicher Gunst nachzudenken, ihre eigene Ohnmacht zu schöne Frau eines Kaufmanns vom Stamme Sem. Die schönen Semi" Aber, aber, mit Amor ist nicht zu spaßen, auch über den zweiten Sohn den Kanzlers machte er seinen Einfluß geltend. Nur trafen diesen die Pfeile nicht so tief als den ältesten Bruder. Er liebte es, weniger glühend als häufig zu lieben, variatio delectat", Abwechslung muß sein, war schon auf der Schale seine Devise gewesen, wenn er die schlechteste Note erhielt. Häufige Liebes abenteuer sind übrigens durchaus nicht unstaatsmännisch. Einmal verliebte sich dieser geschulte Sohn seines Vaters in die tinnen hatten es ihm überhaupt angethan, und auch in seiner Liebe zu ihnen folgte er nur einem eben so zartsinnigen wie geschmackvollen Ausspruch seines großen Vaters. Lange widerstand die hübsche Semitin den stürmischen Werbungen ihres Aubeters, endlich aber gab sie ihnen doch nach, und Amor feierte einen neuen Triumph. Wenn junge Leute aus reicher Familie lieben, dann überschütten sie gewöhnlich den Gegenstand ihrer Liebe mit kostbaren Geschenken. Anders unser Held. Gleich seinem Vater liebte er es nicht, sich in Unkosten zu ftürzen. Es gibt ja auch andere Mittel, seiner Liebe sich erkenntlich zu zeigen, insbesondere wenn man der Sohn eines so mächtigen Mannes ist. Weißt Du, mein Schatz, sagte er eines Tages zu seiner Holden, was find alle die Kostbarkeiten dieser Erde gegen eine gute Anstellung? Sie find ver gänglich wie die Liebe. Ich werde Deinem verspekulirten Mann ,, für alle Fälle" einen einträglichen Posten verschaffen. Im Ministerium? rief die Tochter Abrahams entzückt aus. Wo denkst Du hin? Einen Semiten im Minifterium des Reiches der Mitte! Es wird sich schon etwas Anderes finden. Und es fand sich etwas Anderes. Es begab sich nämlich, daß das Kollegium der Welteften der Kaufmannstaste in der Hauptstadt des Reiches der Mitte zehn Leute zu ernennen hatte, welchen die Aufgabe obliegt, die Käufe und Verkäufe in Werthpapierchen zu vermitteln und amtlich zu registriren. Eine solche Stelle ist unter Umständen recht einträglich, man schäßt sie in Deutschland auf jährlich sagen wir, einen vortragenden Rath im Ministerium. Unter den Bewerbern befand sich auch der glückliche Ehemann der Herzensgebieterin des Zukunftsdiplomaten. Es fehlten ihm zwar alle zu der betreffenden Stelle nöthigen Eigenschaften, er war gerade mit dem Geschäftskreise, in welchem er fortan thätig sein wollte, völlig unbekannt, indeß er mußte sich doch wohl zu der Rolle eignen auch eine geschulte Kraft", denn als das Kollegium zusammentrat zur Wahl, da wurde ihm die Gnade einer amtlichen Zu schrift aus dem Ministerium des Handels, das dem mächtigen kanzler gleichfalls unterstand, zu Theil, in welchem ihm die Wahl dieses verdienstvollen Mannes dringend empfohlen wurde. vielleicht war er Die Zuschrift wurde natürlich mit jener Hochachtung entgegengenommen, die so wichtigen Dokumenten gebührt; fie einer Besprechung zu unterziehen, wäre unehrerbietig gegen den durchlauchtigen Urheber derselben gewesen. Man legte sie stillschweigend bei Seite und schritt zur Wahl. Und siehe da, der Schützling des Handelsministeriums wurde mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt. Die Krämerseelen hatten sich nicht überzeugen können, daß der Besitz einer schönen Frau und einer gewiffen freien Auffassung von der Ehe genügend sei, jeden Fähigkeitsbeweis zu ersetzen. Sie hatten eben kein Verständniß dafür, wie man in hohen und höchsten Regionen über Verdienste denkt. Auch mögen sie nicht ganz frei von Rachsucht gewesen sein. Denn der allmächtige Kanzler hatte ihnen schon manchen bösen Streich gespielt. * * * Das erzählt man sich im Reich der Mitte. Wer etwa glauben sollte, daß wir hier auf gewisse Vorgänge bei der im vorigen Monat ftatt gehabten Matlerwahl in Berlin angespielt haben wollen, dem versichern wir auf das Entschiedenste, daß Herr Treitel freilich eine schöne Frau hat und trotzdem nicht zum Makler gewählt wurde, daß Wilhelm Bismard genannt Bill, allerdings der Sohn des allmächtigen Kanzlers des deutschen Reiches und Handelsministers des preußischen Staates ist, daß aber in Deuttchland Gottesfurcht und fromme Sitte waltet und nament lich in den oberen Kreisen die heiligen zehn Gebote strenge beobachtet werden, deren sechstes bekanntlich lautet: Du sollst nicht ehebrechen! " Neben einigen Verboten so hat diesmal Freund Con zett, der barob ganz untröstlich sein soll, daran glauben müssen und der Ausweisung des Genossen G. Klose, Schraubendreher, aus Berlin, haben wir diesmal auch eine Verbots aufhebung zu vermelden. Die Münchener Süddeutsche Post" ist nach 19 wöchentlicher Unter brechung vom hohen Reichsgericht gnädigst wieder freigegeben worden. Wer dem Verleger des demokratischen Blattes, für den durch das Ver bot ihm zugefügten Verlust entschädigt, sagt die Hebamme des Sozialistengesetzes, Herr Lasker, der erst jüngst von der im Allgemeinen loyalen" Handhabung desselben sprach. " Bei Schluß der Redaktion erhalten wir noch die Nachricht, daß auch Altona wieder einmal gerettet" werden mußte. Unser Genosse C. Fr. Steinfatt ist nämlich aus dem Bereich der segensreichen Thätigkeit des biederen Engel, Wolff'schen Angedenkens, ausgewiesen worden. 3um Prozeß Padlewski und Genossen erhalten wir aus Posen eine Zuschrift, die im Wesentlichen mit dem bereits von uns in voriger Nummer Gesagten übereinstimmt, und von deren voll ständigen Abdruck wir daher Abstand nehmen. Nur die Schlußworte des geehrten Einsenders glauben wir nicht unterdrücken zu dürfen. Er sagt, nachdem er festgestellt, daß unseren verurtheilten Genossen so gut wie gar nichts Strafbares nachgewiesen werden konnte: Aber wir müssen zugeben, daß diese Richter nicht freisprechen durften, daß sie nicht nur bestrafen, sondern auch ein unerhört hohes Strafmaß wählen mußten! ,, Nun, unsere braven Genoffen werden es zu ertragen wissen, mögen sie es stolz und erhobenen Hauptes thun. Denn was sie nicht erreichen konnten, das hat jetzt die Anklage und ihre Folgen bewirkt: die sozia listische Bewegung in Posen kommt in Fluß! Darüber ist kein Zweifel mehr, und es ist Niemand, der sie noch hemmen kann, und Wenige, die fich noch einbilden, es zu können." Der Servilismus lebensgefährlich! Einer unserer daß Mitarbeiter aus Leipzig schreibt uns: Ich schrieb ihnen schon, das Mylauer ,, Unglück" durch die Servilität des Betriebsdirektors her beigeführt worden ist. Heute kann ich ergänzend hinzufügen, daß die als Servilität bei der Affaire eine noch viel größere Rolle gespielt hat, ich damals dachte. Wenn ein Fahrstuhl sicher gehen soll, so muß, wie jedem Sachkundigen bekannt ist, das Gewicht möglichst gleich mäßig vertheilt werden. Dies wurde in Mylan versäumt Der geheiligten Person des Königs wagte keiner der übrigen Fahrstuhl Passagiere zu nahe zu treten"; fie hielten sich alle ,, in respektvoller Entfernung", so daß der König auf einer Seite allein stand und die übrigen 6 oder 7 sämmtlich auf der anderen Seite. Hier durch gerieth der Fahrstuhl aus dem Gleichgewicht, und der Rest ist bekannt. Das kommt davon, wenn man Könige für etwas besseres als gewöhnliche Menschen hält. a L " je D I so be B Ба fin bet 5 61 dig un Di ୧୫ ihr er TE bli we zä vie ge faz hie die ein lös Ge ſch gr gam an rec Ar Ko fie geE It e Ve do 8. de δα m Wi Eri zu der un die die pre Ha ham paf def fro Mi gel mi Gr gef Ve der gie eim tof all mil S V Ku De 5 e in ift Aus der sittlichsten der Welten. Eine nach mehreren Seiten hin interessante Verhandlung, schreibt man uns aus Mann heim, spielte sich am 20. Juni vor dem hiesigen Schöffengericht ab; fie lieferte einen trefflichen Beweis eirerseits für die vielbe- rühmte Gleichheit vor dem Gericht, anderseits aber eine klassische Jü stration zur Butttamer'schen Heiligkeit der Ehe. De eigentlichen Gegenstand der Verhandlung bildeten zwei unschuldige" ano nyme Briefe, welche eine Schauspielerin an das Theaterkomite- Mitglied Maschinenfabrikant, Großgrundbesitzer zc. Sch. Lanz, bezw. deffen Frau geschrieben haben soll, und worin einer anderen Priesterin der Kunst der zärtlichsten Wese vorgeworfen wird, sie haben besagtem H. Lanz ihre Waden zu weit gezeigt 2c. 2c. ein fleine Ursache Diese Künstlerin tlagt wegen Beleidigung, und es kommt bei dieser Gelegenheit ein haben oft große Wirkungen Standal an den Tag, der einer Hof- und Nationalbühne" alle Ehre macht. de La pla 1 Kurz nach Beginn der Verhandlung beschließt der Gerichtshof, bestehend aus einem„, unparteiischen" Richter Namens Hildebrand und den ehrenwerthen Bürgerschöffen Dörrschlag und J. Darmstädter, daß man die Deffentlichkeit ausschließen müsse, weil das Sittlichkeitsgefühl des Volkes durch die Verhandlung verlegt werde. Nur einigen ,, Privilegirten", u. A. dem sauberen Besitzer des Mannheimer Tageblattes, Mar Hahn, und einigen Fabrikanten" aus der hiesigen honetten Gesellschaft wurde erlaubt, dieser figlichen Verhandlung anzuwohnen, jedenfalls in der Voraussetzung, daß das Sittlichkeits- und Ehrgefühl dieser Stüßen der Gesellschaft nicht mehr verletzt werden kann! Der Gerichtshof zeigt sich willfährig, verhandelt hinter verschloffenen Thüren, damit die Thaten der Herren nicht in die Oeffentlichkeit kommen sollen, damit das gewöhnliche Volt" es nicht erfahre, wie Fabrikbefizer, Hofräthe und sonstige Kreaturen aus einem Kunstinstitute ein Bordell machen! Mit Arbeitern wäre man anders verfahren, man hätte sie auch in der Oeffentlichkeit todt zu machen versucht! Natürlich find die Herren, um die es sich handelt, verheirathet; sowohl der Fabrik, befizer Lanz als der artistische Leiter der hiesigen Hofbühne, der ge= heime Hofrath Dr. Jul. Werther. Letterer erklärte sehr faltblütig in der Verhandlung, daß es richtig sei, daß er mit der angeschuldigten Schauspielerin in so intimen Verhältnissen gelebt habe und lebe, und daß eben dieses intime Verhältniß zu einer Entbindung besagter " Dame" geführt habe. Er paradirte gleichsam mit seinem Ehebruch. Die Frau Hofräthin kennt das saubere Verhältniß, macht sich aber, wie es scheint, nicht viel daraus, was wohl daher kommen mag, daß ste ihrem Gemahl schon ein Kindlein mit zur Ehe brachte! Herr Lanz, dem vermuthlich die Waden der„ Künstlerinnen" intereffanter erschienen, als die Kunst, bekundete eine riesige Vorliebe fürs weibliche Theaterpersonal. Wenn die Wadenbesichtigungen hier ohne weitere Folgen blieben, so ist das nur der Routine der" Damen" anzurechnen! Ein weiterer Hofrath, Namens Rumpel, scheint auch, trotzdem er 67 Jahre zählt, viel geliebt zu haben, auf daß ihm viel verziehen werde. Darüber vielleicht ein anderes Mal. Ich würde über die ganze Geschichte den Mantel„ chriftlicher Liebe" gedeckt haben, wenn nicht die hiesigen Blätter, voran das Tageblatt des sauberen Sozialistenfreffers Mar Hahn, das bei jeder Gelegenheit den hiesigen Parteigenossen auf dem Nacken sitzt und sonst Alles, was nicht die höhere Gesellschaft" blos stellt, getreulich rapportirt, die Sache mit einigen nichtssagenden Zeilen abgemacht hätte, und wenn diese standalösen Vorgänge nicht abermals zeigten, wie verkommen gerade die Gesellschaft ist, die sich unverschämterweise die bessere" nennt. Da schreien sie stets: die Sozialdemokraten zerstören die Ehe; wenn aber große Herren neben ihren Weibern Maitressen halten, das Bauer, ift ganz was Anderes! Mit obigem Max Hahn, sammt seinem verkommenen pardon, verantwortlichen Redakteur Roth werde ich demnächst einmal gründlich abrechnen. Der schwarze Rothe. Ein wichtiges Reichsgerichtsertenntniß. Zwei Arbeiter, E. und H., hatten sich an dem Abonnement eines ihrer Kollegen K. auf den Sozialdemokrat in der Weise betheiligt, daß fie sich denselben gegen Bezahlung von 35 Pfg. pro Monat zum Lesen geben ließen. Dadurch, d. h. durch das gemeinschaftliche Abonnement, sollten sie sich nach der Ansicht der Staatsanwaltschaft eines Vergehens gegen§ 19 des Sozialistengesetzes schuldig gemacht haben. Es wurde Anklage gegen fie erhoben, das betr. Landgericht erkannte jedoch freisprechend. Hierauf appellirte die Staatsanwaltschaft, und am 8. März d. J. hat nun das deutsche Reichsgericht I. Straffenat die von der Staatsanwaltschaft beantragte Revision verworfen das heißt das freisprechende erstrichterliche Erkenntniß bestätigt, da und wir machen die Genossen allerorts auf diese Begründung aufmerksam ―: ,, die Angeklagten die Blätter weiteren Personen zum Lesen nicht abgegeben haben. Durch diese Thatsache ist auch eine etwa bestehende Absicht der Angeklagten, an andere Personen die Blätter abzugeben, als widerlegt zu erachten. Es ist somit nicht nur objektiv dargethan, daß eine Verbreitung der fraglichen Blätter seitens der Angeklagten nicht stattgefunden hat, wie das Gesetz eine solche voraussetzt, sondern es konnten hiernach auch die Angeklagten bei einer Beschränkung der Mittheilung der Blätter lediglich zu eigenem Lesen sich bewußtsein, daß eine Verbreitung an andere Personen ferne gehalten sei. Demnach hat weder E. dem H. die Blätter zur Weiterverbreitung mitgetheilt, noch ist hinsichtlich des Letteren überhaupt eine Mittheilung an irgend eine Person erwiesen. Es liegen auch Anhaltspunkte dafür nicht vor, daß die Angeklagten durch ihre Theilnahme am Abonnement, welches schon zuvor von R. allein unternommen worden war, ihrerseits die Zusendung der Zeitschrift an K. mitbewirkten und die hierauf unter ihnen erfolgende Mittheilung derselben als eine gemeinschaftliche Ausführung der den Angeklagten zur Laft gelegten und dem K. mit zur Last fallenden Handlung aufzufassen wäre." Wir rathen allen Genossen, die in gleicher Weise unser Blatt lesen, dieses Erkenntniß gut aufzubewahren und sich eintretenden Falles auf dasselbe zu berufen. Bei dem Bestreben der großen Mehrzahl der preußischdeutschen Staatsanwälte und Richter, den Begriff der Verbreitung ungemein au 83udehnen, wird es noch oft nöthig sein, den Herren die Entscheidung des als höchste Autorität geltenden Reichsgerichts unter die Nase zu halten. Doch der Schnaps, der Schnaps ist gerettet. Der preußisch- junterliche Schnaps natürlich. In dem neuen spanisch- deutschen Handelsvertrage, der beiläufig zu dem vor drei Jahren als die Summe handelspolitischer Weisheit gepriesenen System ,, autonomer Zolltarife" paßt wie die Fauft auf's Auge, ist festgesetzt, daß nur der Spiritus, dessen Heimath urkundlich nachweisbar das Land der Gottesfurcht und frommen Sitte, der Wohlthaten dieses Vertrages theilhaftig werden soll. Mit anderen Worten, daß dem in Hamburg bisher zur Veredelung gelangenden russischen Spiritus in Zukunft Spanien verschlossen ist. Damit ist der verhaßten Hansestadt ein neuer Schlag beigebracht und ein Greuel vor dem Herrn Schnapsbrenner Kardorff aus der Welt geschafft. Angeblich habe die spanische Regierung just auf diesem Passus des Vertrages bestanden. Eine sonderbare Laune, wie man ebenso sonderbarer Weise auch nicht den geringsten Versuch gemacht hat, die Regierung Alfonso's von einem Verlangen abzubringen, welches auf eine ganze Industrie absolut mörderisch wirkt. Die deutsche, Kartoffel wird also in noch stärkerem Maße als bisher als Fusel nach Spanien gehen, um als feuriger Alicante, Sherry oder dergleichen in aller Herren Länder Kranke und Gesunde zu erfreuen. Die Kartoffel würde ungebrannt vielleicht nützlicher sein, aber auch Ich bin ein Schnapsbrenner"! Eine seltsame Verwandtschaft. Gleichzeitig Jemandes Vetter, Bruder und Schwiegervater zu sein, ist gewiß ein Kunststück. Und es ist auch kein Geringerer als Wilhelm der Erste, Deutschlands Heldenkaiser, der das fertig gebracht und den Groß herzog von Baden in obiger Weise benennt. Natürlich, sagt die gut demokratische Schweizerische Handelszeitung", ist es die Hofetikette, welche zu dieser wunderbaren Verklitterung führt. -3u Madai's Nachfolger ist, wie, die Zeitungen melden, ein Herr von Colmar auserwählt worden. Das wäre allerdings der Rechte, denn einen servileren Streber als diesen verdienstvollen Landrath des Kreises Chodziesen, der nach ihm eines schönen Tages plößlich den Namen Colmar erhielt, hätte man kaum auftreiben können. Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, so werden wir nicht ermangeln, eine Biographie dieses geadelten Musterbeamten im Parteiorgan zu veröffentlichen zu Nutz und Frommen der„ loyalen" Bevölkerung Berlins. Aus Leipzig, den 21. Juli, schreibt man uns: Wir leben bekanntlich heute in der Zeit des„ praktischen Christenthums" und da versteht es sich denn, daß die Herren und Herrchen am Ruder auch theoretische Christen sind, und in der Theorie chriftliche Nächstenliebe aus allen Boren herausschwitzen. Natürlich besteht die christliche Nächstenliebe darin, daß man die bösen Sozialdemokraten mit jener Liebe liebt, welche nach der Bibel den geliebten Gegenstand züchtigt. Doch davon wollte ich jetzt nicht reden, sondern bloß die Thatsache konstatiren, daß das theoretische Christenthum ein Lästerer würde vielleicht sagen: Maulchristenthum unter unseren Beamten immer mehr grassirt; und namentlich ist es die( fromme!) Polizei mit Allem, was drum und dran hängt, welche start im theoretischen Christenthum macht ebenso start wie im praktischen". Unser sächsischer Hr. Oberpolizist, Minister Exzellenz von Nostiz- Wallwig, fließt von theoretischem Chriftenthum über, desgleichen unser Kreis und unser Amtshauptmann, und jetzt auch unser neuer Polizeidirektor. Daß Hr. Hohlfeldt, der frither höchst weltlich gewesen sein soll, fich neuerdings bekehrt hat und jeden Sonntag mit abwärts gesenkten Augen in die Kirche marschirt, das versteht sich von selbst. Wie der Herr so der Diener wie der Bretschneider so der Hohlfeld. Der frömmste der Frommen ist unstreitig unser neuer Polizeidirektor; sein Dienstmädchen erzählt darüber ganz sonderbare Dinge. Er betet Morgens, Mittags und Abends zum Essen und vor dem Schlafen; er erfleht die Hilfe des himmlischen Vaters im Kampf gegen die gottlosen Feinde des Staats und der Gesellschaft, und soll sogar schon mit den Polizeibeamten Betstunden angefangen haben. So wäre es gar nicht unmöglich, daß wir den Grünängigen und seine Kollegen nächstens nur mit Gesangbuch und Bibel unter dem Arm auf ihren Schnüffel. Pardon Geschäftstouren herumgehen sehen, und daß Haussuchungen fünftig bloß noch unter Absingung eines Chorals vordas genommen werden. Spigelei mit Kirchengesang und-Musik wäre allerdings eine prächtige soziale Reform", und, trotz Ben Atiba, noch nicht dagewesen. Auf die Lage der armen Frau Künzel, die nun mit vier kleinen Kindern dasigt, muß ich nochmals zurückkommen. Nach dem Tode des Mannes bestand ihr einziges Vermögen in der von diesem gegründeten und zu einem rentablen Unternehmen gemachten ,, Reichsgerichtekorrespondenz". Die Frau konnte das Unternehmen natürlich nicht ohne Hilfe fortführen der jüngere Bruder ihres Mannes, ebenfalls ein tüchtiger Stenograph und Reporter, war dazu bereit und geeignet. Aber die Polizei hatte ihn ausgewiesen. Da jedoch die Ausweisung auf Grund einer Anklage verfügt worden war, die nach gerichtlichem Urtheil keine thatsächliche Grundlage hatte, so gab Frau Künzel sowohl als ihr Schwager sich der Hoffnung hin, die Ausweisung werde rückgängig gemacht werden. Daß alle hierauf zielenden Versuche erfolglos geblieben sind, das wissen die Leser, welche ich nicht mit Wiederholungen behelligen will. Genug schließlich erklärte auch der brave und chriftliche Hr. Nostiz- Wallwitz, als oberste Justanz, dem jüngeren Künzel sei Recht geschehen, es müsse bei der Ausweisung sein Bewenden haben. Ihm sei Recht geschehen! Es geschieht also Jemand sein Recht" meint dieses Muster von einem Minister, Freiherrn und Christen, wenn er wegen eines Verbrechens bestraft wird, das er laut Richterspruch gar nicht begangen hat. Sonderbare Begriffe von Recht", die wir uns merken wollen. " Und wenn nun das Verbrechen wirklich verübt worden, und die richterliche Freisprechung bloß wegen Mangels an juristischen Beweisen erfolgt wäre was dann? Wäre das Verfahren der Behörden weniger schmachvoll? Betrachten wir uns doch das Verbrechen. Künzel soll Geld für die Ausgewiesenen gesammelt haben! Das ist das Verbrechen, um deffentwillen ein in fester Stellung befindlicher Mann aus seiner Stellung geworfen und eine ganze Familie dem Elend falls nicht von irgend einer Seite Hilfe kommt dem Hungertod überliefert wird! Also die Existenz von acht unschuldigen Menschen denn auch der jüngere Künzel hat noch zwei Personen zu versorgen erbarmungslos zerstört, weil die Polizei in ihrer brutalen Verfolgungssucht einen einfachen Akt der Humanität zum Verbrechen stempelt einen Att der Humanität, dessen Unterlassung, nach den Moralbegriffen gewöhnlicher Menschen, eine brandmarkende Herzlosigkeit und Niedertracht wäre. Doch die Herren von der Polizei bis hinauf zum Minister haben ihre eigenen Moralbegriffe; sie sind ja gute Christenz theoretische und praktische! Das„ Tageblatt" gibt sich die erdenklichste Mühe, das Lindenauer ,, Unglüc" als etwas Unvermeidliches hinzustellen und die ,, Windhose" zu Ehren zu bringen. Die Staatsanwaltschaft, so wird uns versichert, habe sich von der Wirklichkeit der Windhose bereits überzeugt, und dem entsprechend sich ausgesprochen. Da die Staatsanwaltschaft längere Erhebungen anzustellen und das Resultat nicht dem ersten besten Tagblatts- Stribenten auf die Nase zu binden hat, so wird diese ,, Tageblatts" Behauptung wohl eitel Wind sein, gleich der„ Windhose" selbst. Ein Staatsretter auf Wanderschaft. Aus Hannover, im Juli, schreibt man uns: Sie erinnern sich noch des berüchtigten Isenbiel, seines Zeichens Staatsanwalt. Wohlan, in Bezug auf diesen Herrn habe ich eine Nachricht mitzutheilen, die unsere Genoffen, besonders die Breslauer, intereffiren wird. Der genannte Herr ist nämlich ,, auf seinen Wunsch" in seine ,, Vaterstadt" Breslau versetzt worden. Da Breslau zwei sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete hat, so glaubt dieser Streber dort vielleicht ein dankbareres Feld für seine Thätigkeit zu finden, als hier in Hannover, wo es ihm trotz der kolossalften Anstrengungen nicht gelungen ist, einen MonstreProzeß gegen uns zu ,, konftruiren" und sich so den heißersehnten Orden zu ergattern. Die Breslauer Genossen seien hiermit auf den Patron aufmerksam gemacht. Möge er in Breslau so wenig seine Rechnung finden, wie er sie hier gefunden hat.( Nun, die Breslauer Genossen werden mit dem Jsenbiel schon fertig werden. Red. d. S.-D.) Das Hamburger Wahlresultat hat auch hier großen Jubel hervorgebracht. Die braven Hamburger haben sich im vollsten Sinn des Wortes um die Partei verdient gemacht. Es war sozusagen eine Probeschlacht, eine Vor schlacht des im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlkampfs, dem jeder nun mit gesteigerter Zuversicht, mit Siegesgewißheit entgegenblickt. Von Nah und Fern. Der Streit in Staffordshire ist beendet, im ganzen Distrikt haben die Streifenden die Arbeit wieder aufgenommen. Selbst das tumultuarische Vorgehen hat ihnen den Sieg nicht verschaffen können. Es hat sich auch hier gezeigt, daß die beste Waffe in den Händen der Arbeiter eine gute Organisation ist. Aus Amerika bringt der Telegraph die Kunde von einem großartigen Streit der Telegraphenarbeiter der Western UnionGesellschaft und einem umfangreichen Zigarrenarbeiterausschluß in New- Yort. Letzterer soll dadurch entstanden sein, daß die Arbeiter in einer Fabrik von dem Prinzipal verlangten, er solle die einer ihnen feindlichen Gewerkschaft angehörigen Arbeiter entlassen. Es handelt sich da zweifelsohne um den seit Jahren geführten Kampf zwischen der Jnternationalen Zigarrenarbeiter Union und der ProgressivUnion der Zigarrenarbeiter. Die erstgenannte Union ist die ältere, aber infolge der von ihr befolgten Schwanzpolitik im steten Rückgang begriffen und vermag sich nur dadurch am Leben zu erhalten, daß sie aus den wenigen Werkstätten, wo ihre Mitglieder dominiren, die Mitglieder der mächtig aufstrebenden, vom ächten Geist der modernen Arbeiterbewegung beselten Progressiv- Union hinausbugfiren läßt. Nachdem alle Aufforderungen, von diesem unsauberen Vorgehen zu lassen, nichts gefruchtet, 5 scheint die Progressiv- Union endlich das Messer umgekehrt zu haben, worauf die Prinzipale diesen Anlaß benutzen, eine Sprengung dieser ihnen höchst unbequemen Gewerkschaft zu versuchen. Sie werden sich aber hoffentlich dabei die Finger verbrennen. Ein Beitrag zur Lehre vom freien Wahlrecht". Die Polizeidirektion von Wiesbaden( an deren Spizze bekanntlich der famose Wurmb steht) hat eine Wählerversammlung, in der der sozialistische Kandidat, Genosse Franz Jöst, sprechen sollte, auf Grund des Sozialistengesetzes verboten. Die pfeift nach bekanntem Muster auf Reichstagsbeschlüsse. Hoffentlich bekommt sie noch Gelegenheit, flöten zu gehen. Der Lohnkampf und die Organisationsthätigkeit der deutschen Arbeiter nehmen ihren steten Fortgang. Jn Stuttgart dauert der Ausschluß der Tischler fort, wir wiederholen daher unsern Aufruf unterstützen! von voriger Woche: 3uzug fernhalten und nach Kräften In Köln und Mainz fanden vor Kurzem große Arbeiterversammlungen statt, in denen Genoffe Grillenberger mit großem Erfolge als Referent auftrat. Jn Köln ergab eine Tellersammlung zu Gunsten der Stuttgarter Tischler 150 Mart. Den Arbeitern dieser ,, ultramontanen Hochburg" ein kräftiges Bravo!" Jn Marten bei Dortmund hat das„ praktische Christenthum" der preußischen Regierung sich wieder einmal glänzend bewährt. Ein Utas nach russischem Muster kündigte den Arbeitern eine Schichtverlän gerung an, und als dieselbe eine Deputation entsandten, um mit der Verwaltung Rücksprache zu nehmen, erklärte man das für einen Arbeitertrawall und nahm verschiedene Verhaftungen vor. Wenn die Arbeiter nun noch nicht zur Ueberzeugung gelangen, daß der preußische Staatssozialismus das ,, einzig Wahre" ist, so ist ihnen überhaupt nicht zu helfen. Sozialistische Literatur. Von Engel's, Entwid lung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" erscheint jetzt auch eine italienische Uebersezung von Pasquale Martignetti in Benevent. Dieselbe ist nach der französischen Ausgabe gemacht und recht gut. Sie ist dem Verfasser zur Durchsicht eingesandt, der sie durch die Zusäße der deutschen Ausgabe vermehrt hat. Ferner erfahren wir, daß auch eine russische Ausgabe dieser Schrift in Arbeit ist. Aus Paris geht uns ein neues Blatt zu ,, Le Republicain socialiste du Centre". Das Redaktionskomite besteht aus vier Anhängern der Partei des Revolutionären Zentralfomite von Paris" ( Blanquisten), u. A. Ed. Vaillant. Als Mitarbeiter werden neben den bekannteren Mitgliedern dieser Partei( Cournet, Eudes, Flotte 2c.) A. Rogeard, Verfasser der„ Bemerkungen des Labienus" und Andreas Scheu genannt. Auch kündigt das Blatt an, daß ihm unser Freund Paul Lafargue aus dem Gefängniß eine Studie über die Landfrage in Frankreich schicken wird. Das Blatt wird sich neben der Propaganda der revolutionären Jdeen namentlich die Förderung der ,, Liga zur Abschaffung der stehenden Heere und Ersatz derselben durch die Volkswehr" angelegen sein laffen. Ohne uns mit seinem Programm vollständig zu identifiziren, wünschen wir ihm guten Erfolg. - Desterreich. Wie man im, freien Galizien" politische Gefangene mißhandelt. In ihrer Nr. 9 vom 20. Juni veröffentlicht die in Lemberg erscheinende„ Praca"( Wahrheit) folgenden Brief der in Lemberg eingeferterten Sozialisten: ,, Nach sechs Monaten Untersuchungshaft wurden wir zu einer langen Freiheitsstrafe verurtheilt. Die Kälte, die wir in unseren schlecht geheizten Zellen erlitten, die Nahrung, die man vielmehr Spülicht nennen tönnte, haben unsere Gesundheit so sehr geschwächt, daß es Jahre bedürfen wird, sie wieder herzustellen. Wir sind aus dem Regen in die Traufe gekommen. Man hat uns in den„ Bezirk" transferirt. Stellen Sie sich ein Zimmer mit niedriger Decke vor( man erreicht sie mit der Hand), ein Zimmer, deffen Wände durch und durch feucht und mit Gallerte bedeckt sind, die unenträthselbare Zeichnungen bilden, deffen Luft mit Miasmen aus den Gefäßen mit Excrementen angefüllt ist; dazu mit Mist und beiderlei Gattungen von Insekten angefüllte Strohsäcke, vollständiger Mangel an Bettzeug, kleine Fenster, die der Luft kaum gestatten, in's Innere zu dringen, vollständiger Mangel an Desinfektion und vor Allem eine Koft, welche Erbrechen und Etel erregt, gesteigert durch eine schwere und heiße Atmosphäre. Alle unsere Beschwerden sind nur mit allgemeinen Phrasen beantwortet worden. Seit acht Tagen entbehren die Kranken jedweden Beistandes, obgleich einer unserer Gefährten wiederholt Blut gebrochen hat. Seit zwei Tagen nehmen wir keine Nahrung mehr zu uns; wir haben uns entschlossen, lieber Hungers zu sterben, als unter dem ,, Schuße der Verfassung" elend zu vegetiren. „ Indem wir alles dies der Redaktion zu wissen machen, hoffen wir, daß wenn die öffentliche Meinung nicht ihre Stimme erhebt, um die Rechte zivilifirter und keineswegs verbrecherischer Menschen zu vertheidigen, vielleicht der Thierschutzverein von der Regierung eine erträglichere Existenz für Menschen erlangen wird, welche ihrer Freiheit beraubt sind und nur eine passive Opposition machen können. Lemberg, 10. Juni 1883. Die eingekerferten Sozialisten." Leider haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können, ob dieser Nothschrei eine Befferung der Lage unserer unglücklichen Genossen zur Folge gehabt oder welchen Ausgang die beabsichtigte Hungerrevolte genommen. Korrespondenzen. Hamburg. Nach errungenem Siege gedachten die hiesigen Genoffen ihres früheren Kandidaten für den ersten Hamburger Wahlkreis, unferes unvergeßlichen August Geib, und legten einen Kranz mit folgender Juschrift auf sein Grab: " Zum Andenken an den braven Genossen, durch dessen Vorarbeit ein so glänzendes Resultat erzielt wurde. Die Parteigenoffen des ersten Hamburger Wahlkreises." Ein ähnlicher Kranz wurde auf das Grab unseres jüngst verstorbenen Genossen Brenner niedergelegt. Rbt. Berlin. Wiederum ist einem tüchtigen Arbeiter von dem Chef des Spizelgesindels die Existenz vernichtet worden. Genosse Klose, Schraubendreher, ist ausgewiesen und hat am 14. Juli Abends Berlin verlassen müssen, um jenseits des Ozeans sich ein neues Heim zu gründen. Er hinterläßt Frau und vier Kinder. Bei dieser Ausweisung nahmen sich die Polizeihallunken eine nenen Frechheit heraus. Bisher wurde jedem Ausgewiesenen die Ausweisungsordre zugestellt, diesmal verfuhr man anders. Am Dienstag tam ein Polizist und brachte Genossen Klose die Ordre, er solle Mittwoch zwischen 11 und 12 Uhr nach dem Präsidium tommen. Dort wurde diesem dann von dem Polizeitommissar Gerstlich eine Litauei vorgelesen, daß man ihm 74 Fälle der Verbreitung des„ Sozialdemokrat" nachweisen könne. Hierauf ward ihm die Ausweisungsordre vorgelesen und ein Protokoll darüber zum Unterschreiben vorgelegt. Eine Verweigerung der Unterschrift würde seine Verhaftung nach sich führen. Auf das Verlangen Klose's, Ausweisungsordre ausgehändigt zu erhalten, erwiderte Gerstlich höhnisch, die bekäme er nicht; er würde sie ja nur dazu benutzen, um sich unterstüßungsgelder damit zu beschaffen. Wenn indeffen die Hallunken meinten, Klose mit dieser Właßregel noch besonders schädigen zu können, so waren sie auf dem Holzwege. Die Nachricht von der Ausweisung war binnen Kurzem in allen Schraubendrehereien die bekannt und das Resultat war, daß ca. 400 Mart für Klose gesammelt| iüdischen Proletariats von den jüdischen Kapitalisten und anderseits die wurden. - Plauen im Voigtland, 3. Juni. Daß unsere Feinde immer mehr an ihrer heiligen Aufgabe, nämlich die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung zu verewigen, verzweifeln, beweisen sie dadurch, daß fie immer nach neuen Mitteln suchen, unserer Agitation entgegenzuwirken. Die gesammten bisher angewandten Versuche, die Verfolgungen jeder Art, als Verhaftung, Ausweisung, Arbeitsentlassung u. s. w. haben immer das Gegentheil von dem bewirkt, was damit bezweckt war. Um nun wenigstens die heranwachsende Generation vor sozialdemokratischer Ansteckung zu bewahren, versuchen diese Schlaumeier jett, auf das em pfängliche Gemüth der Kinder einzuwirken. Die Ehre oder vielmehr die Schande eines solchen Versuchs gebührt dem hiesigen Volksschullehrer Delitzsch an der dritten Bezirksschule. Dieser Volksbildner setzte am 31. Mai der 2. Knabenklasse in längerer Ausführung, nachdem er vorher „ Achtung!" und" Ruhig!" kommandiri hatte, auseinander, daß das Berwerflichste alles Berwerflichen die Sozialdemokratie sei; vorzugsweise machte er die Kinder auf das„ Theilen" aufmerksam. Wie Sie das erklären, Herr Delitzsch, hat bei uns große Heiterkeit erregt, ebenso die weise Behauptung, daß Sozialdemokratie Diebstahl sei. Umgekehrt, Herr Delitzsch, die Sozialdemokratie will den Diebstahl abschaffen, den Sie und Ihresgleichen täglich am Volke verüben. Aus welcher Quelle haben Sie denn Ihre Weisheiten geschöpft, Herr Delitzsch? Etwa aus dem„ Voigtländischen Anzeiger"? Da find Šie allerdings in eine trübe Pfütze gerathen. Es sollte doch Niemand bon Dingen reden, die er nicht versteht, am wenigsten ein ,, Voltsbildner". Stecken Sie Ihre Nase in ein Buch und lernen Sie zunächst das ABC des Sozialismus, und dann versuchen Sie es, Andere darüber zu belehren! Spaßeshalber seien hier noch einige Fragen mitgetheilt, die der Jgnorant an seine Schüler richtete, nachdem er ihnen auf seine Art den Sozialismus auseinandergesezt hatte. Delizsch: Also was wird mit der Welt geschehen?( bei der Herrschaft der Sozialdemokratie nämlich.) Schüler: Die Welt wird zu Grande gehen. Delitzsch: Also was ist Sozialdemokratie? Schüler: Sozialdemokratie ist Diebstahl. Delitzsch: Warum ist Sozialdemokratie Diebstahl? Schüler: Weil sie den reichen Leuten Ehre und Eigenthum stiehlt. Und so mit Grazie weiter. Welche Achtung wohl die Schüler vor ihrem Lehrer empfinden werden, wenn ihnen die Eltern zu Hause klar gemacht, was der Sozialismus in Wirklichkeit will. Selbstverständlich werden sie ihn entweder für einen Heuchler oder einen Ignoranten halten. Was dünkt Ihnen angemessener, Herr Delitzsch? Sie haben nur zu wählen. Der rothe Voigtländer. Sprechsaal. Erwiderung. Nachdem wir in Nr. 21 einer gegen Herrn M. Dragomanow gerichteten Einsendung Raum gewährt, dürfen wir selbstverständlich auch seiner Antwort die Aufnahme nicht versagen. Um jedoch die Debatte nicht über Gebühr auszudehnen, haben wir uns erlaubt, zu den Auslaffungen des Herrn Dragomanow, welche uns einer Richtigstellung bedürftig erscheinen, unsere Anmerkungen unmittelbar hinzuzusetzen, und hoffen, damit diese Polemik, die übrigens nach unserer Ansicht des Intereffes durchaus nicht ermangelt, schließen zu können. Geehrte Redaktion! Erst jetzt werde ich auf einen unter dem Titel ,, Eingesandt" veröffentlichten Artikel in Nr. 21 des, Sozialdemokrat" aufmerksam gemacht, der die Broschüre:„ Der erste internationale Antisemiten- Kongreß" betrifft. Der Verfaffer des Artikels, ein russischer Jude", behandelt mich in gar böser Weise, und die Redaktion des Sozialdemokrat" bemerkt dabei, fie sei bereit, wenn ich es wünsche, mir seinen Namen zu nennen. Ich danke der Redaktion des„ S." sehr für ihre Bereitwilligkeit, sehe aber nicht ein, wozu ich den Namen des Herrn russischen Juden" eigentlich brauchen könnte, da ich im Grunde sogar nicht verstehe, warum er für nöthig gefunden, mit mir über die genannte Broschüre eine Polemik anzutnüpfen. Obgleich ich überzeugt bin, daß, wenn die Redaktion des„ Soz." die Broschüre in toto lesen fönnte, sie dieselbe nicht so entsetzlich finden würde, wie fie eben von dem Herrn ,, russischen Juden" hingestellt wird, muß ich doch erklären, daß ich in keinem Falle die Verantwortlichkeit für diese Broschüre auf mich nehmen kann, da ich weder deren Autor, noch deren Herausgeber bin und auch nie in irgend einer Beziehung zu antisemitischen Kongreffen, Agitationen und Bewegungen gestanden.) In einer Reihe von mir unterschriebener Artikel und auch in dem von dem Herrn ruffischen Juden" zitirten Wolnoje Slowo"( deffen Redakteur ich erst feit 1. Januar d. J. bin) habe ich meine persönlichen Anschauungen über die jüdischen Fragen in meinem Vaterlande( die russische und öfterreichisch- ungarische Utraine) ausgesprochen, Anschauungen, die mit Raffenhezzerei und Rassenpartikularismus jedenfalls nichts zu thun haben.*) Zum Beweis erlaube ich mir, Ihnen die Uebersetzung einer kleinen, von mir und meinen Genossen( den ukrainischen Sozialisten- Föderalisten Herren Lia chotij aus Rußland und M. Pa w lit aus Galizien) unterschriebenen Notiz aus dem gedruckten Aufrufe:„ Von einer Gruppe jüdischer Sozialisten" vorzulegen.( Die genannte Gruppe hatte die Absicht noch vor den antisemitischen Tumulten, in der jüdischen Bevölkerung Rußlands und der benachbarten Länder sozialistische Propaganda durch Publikationen in dem bei der israelitischen Bevölkerung dieser Länder üblichen Dialekte zu betreiben oder beffer, zu beginnen.) Es heißt in der erwähnten Notiz: In der Gegend, die von Ukrainern in Rußland und Desterreich bevölkert sind, wohnen jezt mehr als eine Million Juden. Noch nirgends wahrscheinlich hat so ein erbitterter Kampf zwischen den Ureinwohnern und Juden gewüthet, wie es in der Ufraiue im 17. und 18. Jahrhundert der Fall gewesen, wo die Juden als Organe einer vom Volte gehaßten ftaatlichen und sozialen Ordnung fungirten. " Jezt kann nur ein Drittel der Juden in der Ukraine zu der Klaffe offener Exploitateurs gerechnet werden. Ein anderes Drittel gehört zu den arbeitenden Klaffen( wie auch ein guter Theil des dritten Drittels die Diener und Angestellten der jüdischen Bourgeoisie) und, weit entfernt, von dem Einkommen der jüdischen Kapitalisten zu genießen( obgleich diefes Einkommen mit Hilfe des jüdischen Proletariats erworben wird), befindet es sich in einer Armuth, welche die Armuth des„ chriftlichen" Proletariats übertrifft. Und doch hat der alte sozial- nationale Kampf zwischen Ukrainern und Juden eine so lebhafte Erinnerung in den Nachtommen beider Rassen hinterlassen, daß bis jetzt Angehörige einer und derselben und unter den gegenwärtigen ökonomischen Verhältnissen leidenden Klaffe, wenn sie nur verschiedener Raffe find, einander fremd und feindselig geftimmt gegenüberstehen. Bei den gegenwärtigen Berhältnissen zwischen Utrainern und Juden tann man erwarten, daß jede revolutionäre Bewegung der ersteren gegen den jeßigen Stand der Dinge von blutigen Szenen einer Judenverfolgung begleitet sein wird, die noch ungerechter sein würden als die Judenverfolgungen des 17. und 18. Jahrhunderts.**) Anderseits ist der Antagonismus der Juden und Nicht- Juden in der Ukraine eine Ursache der Solidarität zwischen Schichten der jüdischen Bevölkerung, deren Interessen wesentlich entgegengesetzter Natur find. ,, Wie wichtig für die Sozialisten der ukrainischen Region die Organifation einer Propaganda ist, deren Ziel ist, einerseits die Trennung des *) Beiläufig sei bemerkt, daß die Redaktion des„ Wolnoje Slowo" ( Freies Wort) dem Namen und den Zielen dieser Zeitung gemäß ihren Korrespondenten stets eine große Freiheit der Meinungen überließ und nur fattische Argumentation von ihnen verlangte. Ueber die semitische Frage wurden im W. S." auch Artikel aus der Feder jüdischer Autoren und mit ausgesprochen philosemitischen Tendenzen veröffentlicht. **) Sachkundige können bezeugen, daß das genannte Unternehmen nicht verwirklicht wurde, hauptsächlich in Folge feindseliger Stimmung der Vertreter russischer und polnischer Sozialisten, welche eine Bergliede rung ihrer respettiven national- sozialistischen Parteien befürchteten, im Falle die russischen und polnischen Sozialisten jüdischer Abkunft ihre Wirksamkeit ihrem eigenen, bis jept von ihnen gänzlich unberücksichtigt gelassenen Volte widmen wollten. Vereinigung der jüdischen Arbeiter mit den Arbeitern anderer Raffen zu bewirken, springt somit in die Augen. Nun, ein gutes Mittel dazu wäre freilich die sozialistische Presse, die gedruckte Propaganda in dem bei der israelitischen Bevölkerung üblichen Dialekte. Wir sind überzeugt, daß alle unsere Genossen in der Ukraine Region das oben erwähnte Unternehmen unserer jüdischen Genossen unterstützen werden.+) So viel über die von dem Herrn russischen Juden" berührte Frage. Ich gebe jetzt zur Anmerkung der Redaktion des„ Sozialdemokrat" über. Für den Theil dieser Anmerkung, wo Sie mich, einen ukrainischen Föderativ- Sozialisten, aus der Partei der russischen Revolutionäre" ausschalten, und besonders solcher Revolutionäre, wie es die Herren Arelrod, Plechanow, Deutsch 2c. sind, die den wissenschaftlichen Sozialismus in die Lehre von der schwarzen Umtheilung" verdreht 2) oder sogar das ukrainische Volt des Tschigiriner Bezirkes durch bin ich ein falsches Manifeft im Namen des Zaren betrogen haben ³), Ihnen sehr dankbar. Jede Propaganda des Faktums, daß ich mit solchen russischen Sozialisten(?) nichts gemein habe, betrachte ich als vortheilhaft für die Sache, welcher ich diene, und für meine Genossen in Rußland und Defterreich. Ich muß Ihnen aber erklären, daß es ganz verfehlt war, wenn Sie, unexakten und parteilichen Gerüchten trauend, folgende Zeilen schrieben: ,, Schon vor einiger Zeit haben P. Arelrod, Bochanowski, L. Deutsch, B. Saffulitsch 2c.( G. Blechanow), Herrn Dragomanoff öffentlich aufge fordert, seine vagen Verdächtigungen der russischen Revolutionäre offen oder vor einem Ehrengerichte zu beweisen, der Herr zog es jedoch vor, dem so berechtigten Verlangen nicht nachzukommen." Ich bedauere recht sehr, über ein so trauriges Thema sprechen zu müssen, kann aber nicht anders thun, als hier das Zeugniß abzugeben, daß gerade ich es war, welcher dem Fräulein W. Sassulitsch ein Ehrengericht über Verläumdung meiner Person vorgeschlagen habe, und daß es kein Anderer war als fie, W. Sassulitsch, und nicht ich, welche den Vorschlag eines Ehrengerichtes nicht annehmen wollte. 4) Was nun den offenen Brief betrifft, in welchem mich die Herren Arelrod, Deutsch, Plechanow 2c. zu persönlichen Erklärungen aufforderten, so habe ich denselben in der That nicht beantwortet und werde ihn auch nicht beantworten; erstens weil ein guter Theil der darin gestellten Fragen von Jedem, der die russischen Angelegenheiten einigermaßen fennt( und vor Allem von den Herren Axelrod, Blechanow 2c. felbft) beantwortet werden kann,++) und zweitens, weil meine Antwort hauptsächlich in der Veröffentlichung der an mich gerichteten Briefe desselben Herrn Arelrod bestehen würde Briefe über ein ihm in Gemeinschaft mit mir von einer in Rußland lebenden Gruppe zur Publikation zugesandtes und von dem Herrn Axelrod mitsammt den Herren Stefanowitsch( auch einer der Tschigiriner Volksbetrüger), Deutsch, Plechanow 2c. estamotirtes Programm diese Veröffentlichung aber einen für die ganze Bewegung, zu der auch die genannten Herren in gewiffer Beziehung stehen, schädlichen Standal hervorrufen könnte.) Sie werden hoffentlich zugeben, daß solche durchaus persönliche Sachen fich am wenigften zu einer Besprechung vor dem großen und besonders einem fremden Publikum eignen. 7) Ja, ich glaube, daß, vor einem Publikum, das weder die russischen Angelegenheiten genan kennt, noch der russischen und ukrainischen Sprache ( in welcher ich hauptsächlich meine Artikel schreibe) mächtig ist, es nicht bequem wäre, sogar einige Fragen von viel allgemeinerer Bedeutung zu ventiliren so z. B. die Frage über meine und der politischen Gruppen, mit denen ich mehr oder weniger solidarisch bin, Stellung zu der sogen. ruffischen sozialrevolutionären Bewegung. Ich führe die Polemik gegen viele Personen und Gruppen, das steht jedenfalls feft. Aber nur eine vollkommene Sachunkenntniß könnte Jemanden zu dem Schluffe veranlassen, daß ich als Gegner der russischen fozialrevoulutionären Bewegung und der sozialrevolutionären Partei, a le solcher, auftrete! Erstens ist eine einheitliche sozialrevolutionäre Partei in Rußland nicht vorhanden und kann auch nicht vorhanden sein,- aus Mangel an Bedingungen für die öffentliche Organisation einer solchen Partei, wie sie in Westeuropa existiren, wo jedoch die Sozialisten auch in Fraktionen, die mit einander oft in sehr scharfer Polemik stehen, zerfallen. In Rußland wird die sozialrevolutionäre Bewegung in den letzten zehn Jahren durch Individuen und Gruppen von außerordentlich verschiedenen Ideen und Tendenzen vertreten. Diese Individuen und Gruppen erlauben sich oft, im Namen der ganzen sozialrevolutionären Bartei" zu sprechen; zugleich aber kümmern sie sich meistens wenig um die Uedereinstimmung ihrer Aeußerungen mit den Worten ihrer Vorgänger und Zeitgenossen, ja fogar mit dem, was sie selbst früher gesagt haben, und manchmal auch mit den Grundsätzen des Sozialismus und der Freiheit, wie sie überall in der zivilifirten Welt verstanden werden. Ale politischer Schriftsteller muß ich sehr oft vielen Meinungen der ,, russischen Revolutionäre" entgegentreten und oft manchmal aus dem einfachen Grunde, weil diese Revolutionär fich selbst widersprechen! " Ich habe schon das ek latante Beispiel der Tschigiriner Affäre oben berührt. Noch ein Beispiel aus dem Bereich der semitischen Frage, welche uns den Anstoß zu dieser öffentlichen Debatte gegeben hat, wird Ihnen beweisen, wie schwierig es ist, sich ein genaues Urtheil über unsere Anlegenheiten zu bilden: Wissen Sie, daß das berühmte Exekutivkomite des Volkswille" seinerzeit einen Aufruf an das ukrainische Volt erließ, mit der Einladung, auf die Juden loszuschlagen? 8) Wissen Sie, daß dieser Aufruf von keinem Anderem als von mir ftreng verurtheilt wurde und zwar in demselben Wolnoje Slovo", von welchem der Herr„ russische Jude" infinuirt, daß es eine„ Agentur des Grafen Ignatieff" wäre?! Wenn Sie meine polemischen Schriften lesen könnten, würden Sie darin nicht wenige Beispiele wie die oben angeführten finden, und Sie würden auf Abhandlungen stoßen, die ganz in der Art Ihrer eigenen Zeitung verfaßt sind, wie z. B. der Artikel über die sogenannte Merstallingeraffäre(„ Der Sozialdemokrat" 1883 Nr. 13,„ Diebstahl und Revolution"). Berücksichtigen Sie ferner, daß der moskowitische zentralistische Nationalismus in gewissen russischen sozialrevolutionären Gruppen immer ziemlich stark ausgeprägt war( fiehe darüber meinen Artikel:„ Der kleinrussische Internationalismus" im Jahrbuch für Sozialwissenschaft" 2. Bd.) und daß jezt, wo die ursprünglich sozialistischen Tendenzen dieser Gruppen zu einem politischen Jakobinismus herabgeführt worden sind, dieser Nationalismus, gegen welchen ich, als ein Ukrainer und Föderalist, die Interessen von allen Völkern von Rußland vertheidigend, ganz natürlich auftreten muß, noch viel prägnanter geworden ist und Sie werden genug natürliche Motive finden für eine Polemit zwischen mir und verschiedenen Mitgliedern der sogenannten„ russisschen sozialrevolutionären Partei." Aber noch einmal: um diese Polemik zu beurthellen, muß man die Verhältnisse und die Sprachen Rußlands genau kennen." Mit Hochachtung verbleibe ich Ihr ergebenster Diener M. Dragomanow. * ** Anmerkungen der Redaktion. 1) Ist auch in dem Artikel nicht behauptet, sondern lediglich Herrn Dragomanom die Mithilfe bei der Verbreitung dieser allerdings im schlimmsten Sinne des Wortes antisemitischen Broschüre zum Vorwurfe gemacht worden. 2) Ueber die Auffassung, daß der russische Agrarkommunismus den Ausgangspunkt für eine sozialistische Umwälzung der Gesellschaft abgeben könne und daß die sozialistische Agitation daher an ihn und seine Tra ditionen anzuknüpfen habe, läßt sich sicherlich streiten, aber von einer Verdrehung des wissenschaftlichen Sozialismus kann hier wohl nicht die Rede sein. Unter Berdrehung versteht man eine absichtliche Fälschung. 3) Stefanowitsch und Deutsch wollten die Tschigiriner Bauern durch die Thatsachen überführen, daß fie vom Zaren nichts zu erwarten haben, †) Das war fast ein Jahr vor den jetzt bekannten 1881er antijüdischen Bewegungen in Südrußland geschrieben. ++) So z. B. werde ich( mit dem Anschein wahrhaft kindischer Naivetät) gefragt: welche russische Revolutionäre die Verläumdung als Mittel zum Kampf mit ihren Gegnern, resp. Konkurrenten gebraucht haben? Wer von den Ruffen weiß nicht, daß die russischen„ Blanquisten" Broschüren herausgaben, in denen versichert wurde, der Redakteur des Vorwärts", Herr Peter Lawrow, stehe im Verkehr mit der dritten, Abtheilung') ( siehe z. B. in soeben erschienener Thun's Geschichte der revolutionären Bewegungen in Rußland S. 74) 2c. 2c.? " " um sie auf diese Weise für eine Voltserhebung zu gewinnen. Man kann den Optimismus, der diesem Versuch zu Grunde lag, als ungerechtfertigt bezeichnen, es ist aber doch mehr wie kleinlich, Leute wegen einer List zu Betrügern zu stempeln, die sie nothgedrungen anwenden mußten, um überhaupt mit den Bauern in Verbindung treten zu können. Stefa nowitsch, den Herr Dragomanow hier beschimpft, büßt sein fühnes Unternehmen mit 15jähriger Zwangsarbeit. 4) Wera Saffulitsch ging die Angelegenheit, wegen deren Herr Dragomanow ihr ein Ehrengericht vorschlug, gar nichts an, wohl aber waren ihr die Angriffe Dragomanow's gegen die russischen revolutionären Parteien oder sagen wir präziser gegen die attiven Revolutionäre nicht gleichgiltig. 5) Herr Dragomanow wählt hier ein Beispiel, das für die Art seiner Polemik sehr bezeichnend ist. Die russischen Blanquisten, von denen er hier spricht, find Niemand anders als Herr Peter Ttatschow und deffen Freunde vom„ Nabat", Leute, die in der russischen revolutionären Bewegung nie eine andere Rolle gespielt haben als Herr Most gegenwärtig in der deutschen Sozialdemokratie, und deren unehrliche Polemik übrigens auch Fr. Engels seinerzeit im„ Volksstaat" gebührend zu kennzeichnen sich veranlaßt sah.( Flüchtlings- Literatur,„ Voltsstaat" 1875.) Die ruffischen Revolutionäre der systematischen Verläumdung bezichtigen und dann als Beweis auf Herrn Ttats chow hinweisen das ist in der That ein sehr reines Mittel". 6) Herr Dragomanow gestatte uns zu bemerken, daß die Dokumente, von denen er hier spricht, seinerzeit von Axelrod aus Rußland durch einen Delegirten an seine Freunde zur Durchficht und zum Druck geschickt worden waren, und daß, was die Briefe Arelrod's anbetrifft, dieser ihm die formelle Erlaubniß gegeben hat, sie zu veröffentlichen. " 1 7) Allerdings. Deshalb ist es auch Pflicht, solche persönliche Verdäch tigungen in seinen Schriften zu vermeiden. 8) In der betreffenden Proklamation wurde der Judenheze als solcher keineswegs das Wort geredet, sondern ausgehend von den Judenunruhen zum Kampf gegen alle Elemente der Ausbeutung aufgerufen. Sie beruhte freilich auf einer optimistischen Auffaffung der Judenkrawalle als Anzeichen einer beginnenden Volkserhebung wurde aber sofort, als man den Frrthum einsah, fallen gelaffen. Die strenge Verurs theilung" derselben durch Herrn Dragomanow beftand übrigens anfangs darin, daß er seiner Genugthuung darüber Ausdruck gab, daß sie in Kleinrussischer( ukrainischer) Sprache verfaßt war, und in einer beiläufigen Bemerkung, daß sie doch zu weit gegangen sei. Erst später wurde sie zur Diskretitirung der Partei der„ Narodnaja Wolja" in's Feld geführt. 9) Gewiß. Man muß vor Allem wissen, daß, was Herr Dragomanow ,, mostowitischen zentralistischen Nationalismus" nennt, nichts anderes ist als die Erkenntniß, oder sage man unsertwegen Ansicht, daß zunächst in Rußland das Moskowiterthum, der zarische Absolutismus, gebrochen werden muß, um eine wirkliche sozialistische Voltsbewegung möglich zu machen, und daß daher auf den Sturz des Zarismus die Hauptkraft der russischen Revolutionäre gleich viel ob Groß- oder Kleinruffen, ob Juden oder Slaven gerichtet sein muß. Und weiter muß man wissen, daß Herr Dragomanow fich in einen nationalistischen Föderalismus ver rannt hat, der in seinem Kopfe vielleicht mit dem Sozialismus und der Demokratie vereinbar ist, der aber bei dem heutigen Stand der Dinge in Rußland weiter nichts sein würde als eine äußerst brauchbare Stütze des zarischen Absolutismus. Quittung. Be 201 ba bew bi be fü фо B un 8 ge за pr W A .a Von Frankfurter Genossen durch J. U. C. Bennigsen zur Nachwahl im ersten Hamburger Wahlkreis Mt. 133. 31 erhalten zu haben, bestätigt J. A. Rothbart. go ne Briefkasten der Redaktion: 2. K. und A. F. in Genf: Erklärungen für diese Nummer leider zu spät. Bernstein G. in B.: Mt. 16,45 der Expedition: Catilina: Fr.-, 70 f. Schft. erh. Spiegel berg jr.: Mt. 3,- pr. Agfd. u. Mt. 2,- pr. Ufd. dkd. erh. Weiteres dfd. verwendet. Gewünschtes besorgt. W. H. Agrm.: öwfl. 2,40 Kleiner Thrgr.: Mt. 21,50 à to Ab. 3. Qu. und Schrft. 2c. erg. Ab. Juni erh. Ggrch. gutgebr. Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Alles beachtet. J. Gcks. Amst.: Fr. 3,10 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Britch. O'straß: Fr. 2, Abon. 3. Qu. Waldenburg: erh. H. R. London: Fr. 126, à Cto. Ab. 2c. erh Marat L.: öwfl Mt. 5, à Cto. Ab. 3. Qu. erh. Bft. Näheres. 6,70 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Sdg. nach Wunsch besorgt am 21/7.. Otto Vorw. Jammerthal: E. K. Villefr.: Fr. 2,20 f. Schrft. erh. Mt. 21,6) Ab. 2. Qu.( 2. Expl.) und Reft f. R. pr. Ab. 3. Qu. gut gebracht, welches fortan unter" Rothe Fahne" quittiren werden. Bruno in Br.: Mt. 140, à Cto. Ab. 1. u. 2. Qu. sowie Schft. baar erh. Ggrch. laut Auszug gutgebr. Ihre Aufftlg. ist uns unklar. Bfl. Weiteres. Von einem stillvergnügten Rebellen: für eine Schriften schuld von Fr. 3,40 mt. 100,- pr. Agfd. dtd. erh. Bumpernickel: mit. 22,10 baar und Mt. 17,90 pr. Ggrchg. à Cto. Ab. gutgebr. Bstüg. folgt. J. G. O'strß: Fr. 2, Ab. 3. Qu. erh. Emr. Amftd. Fr. 2.50 Ab. 3. Qu. erh. Durchsatz: Fr. 5, Ab. 3. Qu. 2 Erpl erh. Ttthmstr. besorgt. C. Hdm. Kophgn.: Fr. 43,51 Ab. 2. Du u. Schft. erb. Heinrich: Mt. 10,- f. Saft. erh. Sdg. unterwegs. F. hat allerdings Anfangs Mai Mt. 275,- gesandt. Bfl. Näheres. Stud. J.: Fr. 2, f. Schft. erh. P.- Mitgl. Zürich: Fr. 8,52 f. d Kieler Wahl am 21/7. gesammelt, dem Wfd. dko. zugew. Kappahn. Mt. 3, Ab. 3. Qu. 2. H. erh. Sdg. fort. Roth ist die Farbe", Payerne: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Bf. war verspätet, deshalb Nachn. Bitten fünftig Alles für uns an Exped. d. S." adressiren. L. Hffm. Zh.: Fr. 2,- Ab. 2. Qu. erh. J. G. H. B.: Mt. 6, Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Schft. besorgt. Bingermann: Fr. 2, " 2. Qu. durch Mßr. erh. Rebus: Mt. 12,10 Schrft. und Ab. Juni und Juli erh. Rother Greif: Mt. 20,- à Cto. Ab. erh. Früheres ebenso. Schft. folgen. Rockville v. d. Sekt. d. soz Arbpart.: Fr. 25,30 ( Doll. 5,- pr. Ufd. dkd. erh. Lwky. 3.: Fr. 8,08 f. Schft. erh. Ab. 2. u. 3. Qu. reftiret. Blume: Mt. 2, Ab. 3. Qu. auf Weiteres erh. Adr. gelöscht. L. Sch. E.: Mt. 4, Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Merkurius G. in B.: Mt. 2, f. d. Kieler Wahl d. Wfd. zugew. -atore: Mt. 105,15 Ab. 2. Qu. u. Schft. durch D.- Floor erh. Für E. B. Ma.: Mt.-, 55 f. Schft. Dich u. Ag. Einiges mitgenommen. erh. S. A. P. Cincinnati: Fr. 50,65( Doll. 10,-) f. d. streik. Meer. d. Ufd. dkd. zugew. K. Tpz.: Chur: Fr. 2,50 pr. Ufd. dtd. erh. öwfl. 1,70 Ab. 3. Qu. erh.-h.: Mt. 123,05 à Cto. Ab. u. Schft. erh. From. 3.: Fr. 2, Ab. 3. Qu. erh. Album: Bf. v. 23/7. erh. Weiteres erwartet. Rothbart: Bf. v. 23/7. erh. Schft. betr. bfl. Näheres. W. D. Grenoble: Bis 26/7. Nichts eingetroffen. Peter: Mt. 56,- Ab. à Cto. 2. Qu. u. Adr. erh. Bfl. am 21/7. geantw. B 4 a: Danton: Bf. v. 23/7. am 25/7. beantwortet. Alles notirt. Mt. 400,- à Cto. Ab. 2c. u. Bf. erh. J. K. Baltimore:„ Einzig in seiner Art" ist Bumbum längst nicht mehr. Der Kronzeuge von Tißa Eßlar gehört in dieselbe Spezies." Folie morale"( moralisches Frresein) nennen's die Frrenärzte. Soll angeborne Hirnschwäche sein. Sucht, von sich reden zu machen, Gewohnhertelügnerei, Feigheit, Roh heit sind besondere Symptome. Moriz Scharf ist dem unseren" aber noch über, der sich wenigstens ärgert, wenn man bei ihm auf die lockere Schraube tippt. D. Ver. Chur: Fr. 10,20 den ftreifenden Schreinern in Stuttgart bkd. zugew. Basel ni V bi bc bo N තබීම ප T ar D ni m 23 A de a Бо ti lä la U Ab. ชิน ra de 3 ra re K VE ge 10. de bi zu fid ItE da pr al al ge e pr Ei nic rid life for Samstag, den 28. Juli, Abends 8 Uhr Versammlung der deutschen Sozialisten in der Restauration zum Gotthardt, Spalenvorstadt 31. Zahlreiches Erscheinen ist erforderlich. Die Mitgliedskarten find mit zubringen. In obengenanntem Lokale werden regelmäßig alle 14 Tage je am Samstag die Rersammlungen abgehalten, wozu jeder Gesinnungsgenosse Der Lotalausschuß. freundlichst eingeladen ist. Schweizerische Genoffenschaftsbuchdruderei Gottingen- grid.