Hrschewt • c i um a 1 in Zürich(Schweiz) Inlii H»t:tns«n.Z»rich. y>tf»tKKi» litnca gegen fianco. AeOihnliche Briese »ich der S ch w e i> losten Doppelporto. Der SoMlüemckrat Jentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweijerischen Postbnreoux, sowie beim Berlag und besten delannien Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus»ahlbeeren Vierieljahrspreii von: Fr. 2.— für die Schweiz(ftreujbanb) Mi. 3.— für Deutschland sllouvert) st. l. 70 für Oesterreich«louvert Fr. 2.S0 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins(Kreuzband» Inserate Die dreigespaliene Peiiizei» e 25 SiS.= 20 Psg. N- 32 Z>«nnerslag, Z. August. 1883. Iii» an>ie Ikmeiitn und tonesstandenten de»„S-iialdemakrai". Da der.eozialdemolrai- sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bez«. verfolgt wird, und die dortigen Behörden st» alle Müde geben, unsere Zierbindungen nach jenen Ländern mbglichst zu erschweren, res?,»riefe von dort an uns »ud unsere Zeiwngi- und sonstigen Sendungen nach dort abzusangen, so ist die äußerste vorficht im Postverlehr nothwendig und darf feine»orfichiimaßregel versäumt werden, die»rieimarder über den wahren Absender und«mpslnger. sowie den Inhalt de» Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersorderuij ist hiezn einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Soeialdemolrat', resp. besten»erlag selbst-dresstren. sondern fich mbglichst an irgend eine unverdächtige «dreste außerhalb Deutschland« und Oesterreichs«enden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns mbglichst unverfängliche Zustellungiadresten mitgetheilt werden. Zn, weiselhaften Fällen empfiehlt stch behufs grbßerer Sicherheit«elommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemokrat' unsern Abonnenten mbglichst regelmäßig zu liesern. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Liberale Zukunstspolitik. Berlin, 24. Juli 1883. Den deutschen Liberalen(die Fortschrittspartei mit eingeschlossen) bietet die Gegenwart so wenig Erfreuliches, daß man ihnen nicht verargen kann, wenn sie die Blicke in die Zukunft richten und für die traurige Gegenwartspolitik in einer heiteren Zukunft s- Politik Trost suchen. Die Zukunstspolitik— daS ward in diesem Blatte schon früher angedeutet— beruht auf einer Hypothese*) und auf einer Mythe-): auf der Hypothese, daß der im 87. Jahre stehende Kaiser Wilhelm in Kürze(trotz der ihm an- gedichteten Phönix- Verjüngung) der Natur ihren Tribut werde zahlen müssm; und auf der Mythe vom.liberalen Krön- Prinzen". Was die Hypothese betrifft, so hat sie ja unzweifelhaft Manches für sich. Kaiser Wilhelm ist zwar.unsterblich", wie die Anbeter des Heldengreises versichern, allein daß er ewig leben wird, ist doch wohl kaum anzunehmen, und sofern nicht bis dahin ganz Unvorhergesehenes eintritt, wird nach seinem Tod auch ein neuer Kaiser in Gestalt deS Kronprinzen auf den Thron kommen. Und die Mythe vom liberalen Kronprinzen— wer kennt sie nicht— diese uralte Mythe, die seit Jahrhunderten die geduldigen Völker in Ruhe hält und die, obgleich in jedem einzelnen Fall bisher ausnahmslos der Hoffnung die Enttäuschung gefolgt ist, doch auch heute noch von Millionen geglaubt wird? Unter dem Vater des jetzigen Kaisers grassirte der Mythus vom liberalen Kronprinzen mit besonderer Jntenstvität. Kam der junge Friedrich Wilhelm auf den Thron— so begann eine neue Aera und daS Volk wurde frei und glücklich. Nur wenige Querköpfe waren anderer Meinung, und als das Erhoffte endlich sich verwirklichte und der liberale Kronprinz den Thron bestieg, da heftete einer jener unverbesserlichen Skeptiker an das Schloß einen Zettel mit den Worten: Du wohnest zwar in Sanssouci, Doch Friedrich der Große wirst Du nie, Als Kronprinz hast Du uns viel verheißen, Al» König wirst Du uns was— Das Schlußwort, welches das parlamentarische Bürgerrecht noch nicht erlangt hat— obgleich dies wohl bald geschehen dürste— muß der Leser stch selbst ergänzen. Parlamentarisch war das Epigramm nicht, aber prophetisch. Wie vollständig es eingetroffen ist, das lebt noch in frischem Andenken. Und jetzt, nach fast einem halben Jahrhundert, nach- dem der Bruder jenes viel verheißenden Kronprinzen durch eine wunderbare Verkettung von Umständen und eine noch wunder- barere Gedächtnißschwäche des Volkes aus dem verhaßten reak- tionärm Kartätschenprinzen zu einem liberalen Regenten, popu- lären König und populäreren Kaiser geworden ist, dessen Popu- larität aber nicht mehr die immer tiefer und allgemeiner werdende Unzuftiedenheit mit dem in seinem Namen ausgeübten Regimente zurückzudrängen vermag— jetzt grassirt der Mythus vom libe- ralen Kronprinzen wieder mit derselben Jntensiivität wie zu Ende der dreißiger Jahre. Wird die Enttäuschung ebenso groß sein? Zwar wäre es zu viel gesagt, wollten wir behaupten, der Libe- ralismus aller Kronprinzen sei bloß politische Komödie und Be- rechnung und, einmal auf dem Thron, wären die liberalen Kronprinzen genau so reaktionär wie ihre reaktionären Vorgänger. Warum soll es nicht Kronprinzen geben, die Illusionen und ernst gemeinte Reformpläne haben? Freilich die Illusionen verfliegen, sobald erst die monarchische Regicrungspraxis beginnt, und mit den Illusionen die Reformpläne. Und es hieße den Kronprinzen und Fürsten überhaupt eine viel zu hohe Bedeutung beilegen, trauten wir ihnen die Fähigkeit zu, sich dem Einflüsse der Zeit zu verschließen und nach ehernen, sich gleich bleibenden Grundsätzen zu regieren. Nein, etwaS ltberaler als sein Lorgänger ist jeder Fürst— und hier steckt das Körnchen von Wahrheit im Mythus vom liberalen Krön- Prinzen— etwas liberaler als sein Vorgänger ist jeder Fürst, allerdings meist liberal wider Willen,„mehr der Noth gehorchend als dem eigenen Triebe", und unter dem allmächtigen Druck der geschichtlichen Entwicklungsgesetze. Diesen Gesetzen müssen sogar »eiserne" Reichskanzler stch unterwerfen, geschweige denn Krön- Prinzen, die Alles in der Welt sein mögen, nur nicht eisern. Der.liberale Kronprinz" von heute ist sicherlich nicht von Eisen— und darum schon kann er den.eisernen" Reichskanzler nicht leiden. Insoweit gehen die liberalen Zukunftspolitiker von richtigen Voraussetzungen auS. Unter dem Pantoffel seiner eng. tischen Frau stehend, die ihm den in England üblichen liberal- lonservativ-parlamentarischen Firniß aufgestrichen hat, betrachtete *) Vvraussetzuug. **) Sage. der Kronprinz den Reichskanzler vom Moment an, wo derselbe an's Ruder gelangte, mit unsympathischen, ja antipathischen Blicken. Er trug Sorge, die Welt wissen zu lassen, daß er nicht mit ihm harmonire. Als im Juni 1863 die berüchtigten Juni- ordonnanzen die fortschrittliche Presse knebelten und die Ent- rüstung über die BiSmarck'sche Wirthschaft auf's Aeußerste steigerten, da beeilte der Kronprinz sich, in der famosen Dan- ziger Rede zu erklären, daß er an den Ordonnanzen ganz unschuldig sei— was allerdings sehr wahr war. Und genau ebenso hat er vor drei Monaten, als die berüchtigte k a i s e r- liche Botschaft vom 14. April auch den hammelhaftesten Philister in Harnisch brachte, nicht unterlassen können, zu betheuern, daß er an jener Botschaft ganz unschuldig sei, was wiederum die strikteste Wahrheit. Wir könnten Dutzende ähnlicher Anek- doten, und noch obendrein echter, erzählen, welche die Antipathie des„liberalen Kronprinzen" gegen den Fürsten Bismarck bekun- den. Und die Antipathie ist keine erheuchelte. Man denke sich nur in die Lage des Kronprinzen hinein: er ist längst im zweiten Halbjahrhundert seines Lebens, also in einem Alter, wo Jedermann der Regel nach in seinem Geschäft schon das Tüch- tigste geleistet hat, und er hat in seinem Geschäft(e'ost man m Stier ck'vtre roi, meinte einst Joseph ll.) noch absolut gar nichts geleistet. Er hat auf die Regierung nicht den mindesten Einfluß, hat mit Bezug auf die Regierung so gut wie nichts zu thun und muß, damit manchmal von ihm geredet wird, die komischsten, offenbar von der tödtlichsten Langeweile eingegebenen Allotria treiben: als Dorfschulmeister unterrichten, im Schwimm- bad sich mit den Soldaten balgen und dergleichen mehr. Daß er dem Reichskanzler, welcher ihn absichtlich und ostensibel in den Schatten stellt und zu dieser fast komischen Rolle verurtheilt, nicht gewogen sein kann, das liegt auf der Hand und bedarf keiner näheren psychologischen Begründung. Aber diese Antipathie, auf welche die Liberalen ihre Hoffnungen setzen, ist im Grund höchst harmloser Natur, sonst wäre sie innerhalb der 20 Jahre in irgend einer That zum Ausdruck und Ausbruch gekommen. An Gelegenheit hat es wahrhaftig nicht gefehlt. Kurz, die Zukunftspolitik der Liberalen, indem sie sich auf den „liberalm Kronprinzen" stützt, ruht auf sehr, sehr wackliger Grundlage. Achtundvierziger. Das alte Spiel. Herr von Wageuer(mit e und von Dummerwitz) macht seit einiger Zeit wieder von sich reden. Und da das ohne Erlaubniß seines undank- baren Schülers, de» Junkers Bismarck, kaum möglich wäre, so müssen wir schließen, daß dieser seine Undankbarkeit bereut und zu der Ansicht gekommen ist, Herr von Wagener sei noch sehr gut zu gebrauchen. Und e« ist unleugbar: unter sämmtlichen Rathgebern de» sozialen Oberkur- Pfuschers und deutschen Reichskanzler» versteht der genannte Herr da» meiste von der sozialen Frage, und ist(seit dem Tode von Rodbertn», dessen Ralh aber zu keiner Zeit von Bismarck gehört ward) der Einzige, von welchem vernünftige Borfchläge, wenn auch nicht zur Lösung der sozialen Frage, doch zur politischen A n S b e u t u n g de» Sozialismus ausgegangen find. Zu Anfang der Kver Jahre, als die Fortschrittspartei dem Herrn Kanzler— damals noch simplen preußischen Ministerpräsidenten— un- bequem wurde, setzte Herr Wagener die bekannte schlesische Weberdeputation in Szene und brachte die Annäherung Lassalle'« an Bismarck zu Stande. Es sollte für die Arbeiter„etwas geschehen." Außer einem jämmerlichen Versuch zur Gründung einer Produktiv-Assoziation ist aber nicht» ge- scheheu. Und da die widerspenstige Bourgeoisie stch nach den„glorreichen Siegen" de» Bruderkrieg« von 1866 freiwillig unter da» BiSmarck'sche Joch fügte, dem plötzlich zum„großen Staatsmann" gewordenen Krautjunker für seinen brutalen Verfassungsbruch Indemnität ertheilte und da»„Kainszeichen" aus einmal nicht mehr sah,— brauchte Herr Bismarck da» rothe Gespenst und die sozialistischen Experimente nicht mehr; da» famose„Versprechen de« König«" wurde in den Schornstein geschrieben, und verblieb daselbst fast zwei Jahrzehnte lang. Erst in neuester Zeit, wo die Bourgeoisie wieder bockbeinig ist, erin- nert man fich de« Versprechens und sucht die Arbeiter durch den Hum- bug der„Sozialresorm" zu ködern. Sie haben jedoch nicht angebissen, und wäre der Eine oder Andere auch au« Mangel an politischer Bildung auch geneigt gewesen, ans den Köder anzubeißen, so hat Bismarck durch da« niederträchtige Sozialistengesetz, dessen er zur Durchführung seiner reaktionären Pläne beoölhigt zn sein glaubte, jeden Arbeiter, der einen Funken von Verstand und Ehrgefühl hat, zum glühenden Feind der Bismarck'schen Wirthschaft und insbesondere der BiSmarck'schen Sozial- reform gemacht. Und die Kapuzinaden de» Stöcker konnten hieran eben- sowenig ändern, wie die unreifen und verlogenen(Siehe das„Patrimo- uinm der Enterbten") Deklamationen de» scheingelehrten Professor Wagner. Mit dem bisherigen Verlauf der BiSmarck'schen Sozialreform-Kam- pagne ist nun Herr Wagener(mit e) durchaus nicht zufrieden; er hält da« Krankenkassengesetz für verfehlt und die übrigen projektirteu Sozial- gesetze für unzulänglich; er glaubt, daß man den Arbeitern Greifbareres bieten müsse(z. B. Unterstützung von Produktivgenoffenschafteu) und äußert seine Ueberzeugung dahin, daß die Regierung in ihrer inneren Politik ein schmähliche« Fiasko erleben werde, wenn es ihr nicht ge- linge, die Arbeiter für sich zu gewinnen. Anläßlich der jüngsten Ha mburger Wahl schrieb Wagener in seinen„Politischen G-sellschaftSblättern", e» sei sehr thöricht, daß Konser- vative stch über den Sieg de» S ozialdemokraten ärgerten.„Die Besorgniß der Bourgeoisie, daß die Stelluug de» fortschrittlichen Liberalismus durch die Sozialtzemokraten erschüttert wird, hat fich", so meint er,„durch diese Wahl als begründet erwiesen; und e» hat sich bestätigt, was wir von Anbeginn behauptet haben:Daß die Herrschaft der Bour- geoisie nur mitHilfe de» viertenStandes gebrochen werden kan n." Ganz richtig I Eine tiefe Wa hrheit! Freilich, auf dem Miste de« Herrn Wagener und seiner Hinter- und Nebenmänner ist sie nicht ge- wachsen. Ein Theil der französischen Legitimisten und später der letzte Bonaparte haben da« schon viel früher gesagt, und in England hat der vor wenigen I» hren verstorbene, langjährige Minister- Präsident, Lord Beaconsfield(mit seinem bürgerlichen Namen Disraeli) dasBündniß der Arist okra tie mit der Arbeiterklasse al« sein und der Jungtorie» Programm aufgestellt, da» in dem hoch- interessanten politischen Roman„Iybil" des Näheren entwickelt ist. Die Aristokratie sollte die soziale Frage lösen, und, mit den Arbeitern vir- bündet, die Mittelklasse(Bourg eoisie) wie zwischen zwei Mühlsteinen zer- reiben. Eine tiefe Wahrheit, ein prä chtiger Gedanke! Schade nur, daß die Sache einen Haken hat, und deshalb in England und Frankreich schief ging. Die sozialeFrage kann nichtohne dieSelbstthätig- keit der Arbeiter gel öst werden, und ihre Lösung setzt einen demokratischen Staat voran», welcher dem Arbeiter die nöthige Bewegung»- und Organisationssreiheit gewährt. Wir wollen nicht sagen, daß eine, nicht au» Arbeitern bestehende Regierung, an sich unfähig sei, die Lösung der sozialen Frage— man verzeihe un« den vielmißbrauchten Ausdruck!— anzubahnen(wohlgemerkt, nur anzubahnen), aber sie kann es blo» dann, wenn sie an die Arbeiter fich wendet, und das große soziale Reformwerk durch die Arbeiter m'S Leben führen läßt, indem sie sich bloß die gesetzgeberische Jniziative vorbehält, wa« ihr nicht bestritten werden wird. Eine solche Regierung wäre aber mcht bloß eine demokratische, es wäre eine sozialdemokratische Regierung. Und da» ist der Haken. Die Sozialreform ist möglich, jedoch nur, wenn eine, sozialdemokratische Regierung sie in Angriff nimmt. Wenn nicht, nicht. Die französischen Legitimisten waren keine Sozialdemokraten, und darum blieb ihr Sozialismus eine taube Blüthe; die Jungtorie»(auch„Jung-England" genannt) mit Di»- raeli an der Spitze, waren keine Sozialdemokraten, und darum absolute Unfruchtbarkeit de» von ihnen gepredigten„StaatSsozialiSmuS". Beiläufig speisten die Torie» ihre künstigen„Bundesgenossen" nicht ganz mit leeren Versprechungen ab: sie setzten die Zehnstundenbill durch — allerdings weniger aus Arbeiterfreundlichkeit als au« Haß gegen die Bourgeoisie; und die Zehnstundenbill ist eine zehnmal werthvollere „Sozialreform" wie sämmtliche schon geborene und noch ungeborene Sozialgesetze de« Herrn Bismarck. Trotzdem mißlang der Plan der Torie«: die englischen Arbeiter ver- kauften ihr Erstgeburtsrecht nicht für da« Linsengericht der Zehnstunden« Bill. Herr Bismarck, der den deutschen Arbeitern weit Geringere» bietet, al» die Zehnstundenbill— der ihnen obendrein die Schmach des Sozia- listengesetzes angethau hat— die Peitsche und kein Zuckerbrot!— muß toll sein, wenn er von den deutschen Arbeitern erwartet, daß sie ihm die Hand küssen, und sich zur„Sauhatz" aus die Bourgeoisie hergeben werden. Die Berechnung de» Herrn Wagener ist zweifellos richtig: erlangt die Regierung den Beistand der Arbeiter, so wird sie spielend mit der Bour- geoisie fertig. Allein die Rechnung ist ohne den Wirth gemacht, d. h. ohne die deutschen Arbeiter, die für den Urheber de« infamen Sozialisten- gesetze« und der schwindelhasten Sozialreform" nur da« Gefühl» de» Hasse« und der Verachtung haben. mt. Die Martener Arbeiter-Revolte. Au» Marten bei Dortmund erhalten wir die nachstehende Zuschrift über den in voriger Nummer erwähnten Arbeiterkrawall: Eine Arbeiterrevolte fand gestern, den 17. Juli, Nachmittags, auf Zeche Germania bei Marten statt. Als die Mittagsschicht genannter Zeche, aus etwa 250 Personen bestehend, zur Anfahrt kam, fand dieselbe einen Anschlag am Schachte, laut welchem die seitherige Arbeitsordnung dahin abgeändert wurde, daß die Ausfahrt eine Stunde später al« seil- her beginnen, die Leute also länger und zwar volle acht Stunden vor Ort arbeiten sollten. Da« heißt, diejenigen, die weit im Innern de» Betriebs ihren Arbeitsplatz haben und mit den letzten Förderzügen an« fahren. Diejenigen Bergleute aber, die mit dem ersten Förderkorb an- gefahren sind und nahe am Schachte sind, hätten demnach über neun Stunden in der Grube zu arbeiten. Denn wenn ein Bergmann de« Mittags um 1 Uhr mit dem ersten Förderzuge angefahren ist und des Abends den letzten Zug erhält, was bei einer Verspätung von fünf Minuten der Fall sein kann— e« heißt nämlich: wer fünf Minuten vor Beendigung der Schicht an den Schacht kommt, wird bestrast mit einer Mark Buße, und um die Zeit, wo die Menschenförderung beginnt, strömen wohl 300— 400 Mann nach dem Schachte— so kommt er nach dieser nenen Or dnnng erst ein viertel vor elf an» Tageslicht, fitzt also 9'/, Stunden in der Grube. Die Morgenschichl wurde von der Neuerung nicht betroffen, d. h. vorläufig, denn wenn erst die Mittagsschicht„resormirt", so wären die humanen Herren der Germania wohl schon bald wieder da. Der betreffende Direktor Grau wird wohl vielen Bergleuten noch von dem Streik auf der Nachbarzeche Borussia bekannt sein, wo er den Arbeitern den Revolver mit dem Be- merken entgegenhielt: Hier, Ihr Hunde, kommt heran, Ihr Feiglinge! Der saubere Held hatte sich allerdings einen Schutz von 12 Gensdarmen und Polizisten ausgesucht, die ihm den Riickeu kalt halten mußten. Kaum also war dieser Patron aus Germania angekommen, so haben anch wir schon die schöne 9— lOstllndige Arbeitszeit wieder; aber der Herr Direktor Grau war so— muthig, 10 Minuten bevor der obige Ukas angeschlagen wurde, ins Bad zu reisen, damit er seine Hände in Unschuld waschen könne. Die beiden BetriebSfllhrer mußten die Sitndenböck« spielen und die von ihm eingebrockte Suppe ausleeren, was ihnen freilich nicht gut bekommen ist. Unter dem Anschlage befand sich außerdem noch die Bemerkung, daß diejenigen Arbeiter, welche mit der neuen Einrichtung nicht einverstanden seien, sofort ihre Abkehr erhalten könnten. Besonders der letzte Passus war es, der die Arbeiter erbitterte, da die gegenseitige KUndiguug vier- zehn Tage vor Ablauf des Monats, also am IS. erfolgen muß und nicht willkürlich verfügt werden darf. Von einem Bergmann wurde deshalb am Schacht angeschrieben:„Nicht anfahren!" Dies wirkte, nur wenige wollten die Arbeit unter den so veränderten Verhältnissen aufnehmen, aber auch diese wurden zurückgehalten. Die Arbeiter wählten nun ein au« drei Kameraden bestehendes Komite, welches sich zu dem Betriebsführer begab, um von diesem die Zurücknahme der Neuerung zu erlangen, oder ihn zu ersuchen, der Belegschaft zu erklären, au« welchen Gründen diese Neuerung eingeführt werde. Der Betriebssllhrer ließ sich jedoch auf gar Nicht« ein, zeigte sich auch der erregten Volks- menge nicht, die nun vor fein Hau« zog. Viele wollten daselbst eindringen, um Antwort auf die gestellte Frage zu haben, wurden aber von zwei Gensdarmen— e« waren solche seitenSderZechenverwallungs chon vorher requirirt worden— zurückgedrängt. Hierbei erlaubte sich der Geusdarm Hußmann die Frechheit, sein Gewehr durch das Fenster auf die erregten Arbeiter zu richten, um sie, fall« sie nicht„pariren", niederzufüfiliren. Die« war das Signal zu einem stürmischen Exzeß. Die ohnehin erregte Menge begann da» Haus des Betriebssllhrer» und de» daneben liegenden Zeichnenbüreau zu bombardiren. Alle«, wa« den Arbeitern in die Hände kam, wurde als Wurfgeschoß benutzt, und die beiden Gebäude ganz schauerlich zugerichtet, sogar die Mobilien in den Zimmern sind zum Theil zerstört. Nach allen Richtungeu hin ward nach polizeilicher Hilfe telegraphirt, denn die beiden anwesenden Gensdarmen hatten nichts Eiligere« zu thun gehabt, als durch ein Fenster im Hinterhause die Flucht zu ergreifen, um schleunigst nach Dorf«Marten zu gelangen, wo die Bauern behuf« Allarmirung einer Bürgerwehr Sturm läuten sollten. Aber der größte Theil der Bewohner find Bergleute, die aus der Zeche waren, und die Uebrigen lehnten da« Ausinnen de« Herrn Gensdarmen ab. Schließlich kamen Gensdarmen au« dem ganzen Bezirk und Polizeileute au« Dortmund, aber sie konnten alle nichts ansrichten. Die MittagSfchichl, ein Theil der Frühschicht, zu welcher sich schließlich noch die Abendschicht gesellte, wich nicht vom Platze, und wenn auch keine Exzesse mehr vorkamen, so war doch die Haltung Bieler eine keineswegs friedliche. Die Wirthschasten waren aus polizeiliche Veranlassung sämmt- liche geschlossen worden. Seiten« de« königl. Oberbergamtes erschien Geheimrath Runge, und gab sich die größte Mühe, die Ruhe herzustellen. Da aber Seiten« der Zechverwaltung eine bündige Erklärung nicht er- folgte, so dauerte diese Volksansammlung bi» 11 Uhr Abends, um welche Zeit es den Bemühungen des Polizeikommissariu« Wagner aus Dorstfeld gelang, die Arbeiter zum Weggehen zu bewegen. Seinem ruhigen und besonnenen Austreten ist e» zuzuschreiben, daß von weitereu Exzessen Abstand genommen wurde. Was den Gensdarm Hußmann anbetrifft, der sich bei dieser Gelegen- heit so gut benommen hat, so erfolgt hier eine Charakteristik diese» Burschen. Der H. besitzt die Freundlichkeit, bei den Wirthen Biere und Speisen zu prüfen, ohne zu bezahlen, daß sein kurze« Gedächtniß daran schuld daran sei, möchten wir bezweifeln. Alsdann treibt der Herr für eine Firma, Seifarth in Camen, einen Nähmaschinenhandel, für jede verlauste Maschine erhält er IV Mark Provision. Wer nun bei dem Herrn gut angeschrieben sein will, wuß wohl eine Nähmaschine nehmen. Ferner geht der Herr mit einem bekannten Branntweinbrenner, Tönnis au« Kley, herum, Branntwein zu verkaufen, und wer den Herrn Huß- mann nicht böse machen will, muß gleichfalls kaufen, sonst bleiben die bekannten Polizeistrasen nicht au«. Mit Gruß und Handschlag! Ein Arbeiter. Der Ausgang der Affäre ist leider der gleiche wie bei allen derartigen Widerstandsversuchen unorganifirter Arbeiter. Die Zechenverwaltung gab insofern nach, als die neue Arbeitsordnung erst vom IS. September ab in Kraft treten soll, und die Arbeiter traten, nachdem ihnen„Indemnität" zugesichert war, allmählig wieder an. Das heißt, die Indemnität bezog sich nur aus da»„Nicht anfahren!" Die„Rädelsführer" der Exzedenten wurden nachträglich verhaftet, die vier zuerst Verhafteten trausportirte mau sogar in Ketten, und sollen die Einen auf Grund de«§ 153 der Gewerbeordnung, die Andern wegen Landfriedensbruch und anderer schönen Dinge prozessirt werden. Das Ende vom Liebe wird also sein, daß mehrere Arbeiter, die ihrer Wuth über eine als unverschämt anerkannte Zumulhung in unüberlegter, aber nur zu gerechtfertigter Weise Luft machten, auf Monate, vielleicht Jahre in'» Gefängniß wandern müssen, damit der„Gerechtigkeit" Ge- nüge geschehe. Dem aufreizenden Gensdarmen geschieht natürlich nichts. Werden die Arbeiter aus diesen Vorgängen die handgreifliche Lehre ziehen? Werden sie sich aufraffen au« ihrer Lethargie, um Organisa- tionen zu schassen zur Wahrung ihrer wirklichen Interessen? Oder wer- den sie fortfahren, abseits der großen Arbeiterbewegung zu stehen, bi» ihnen wieder und immer wieder neue Lasten aufgebürdet werden, unter deren Wucht sie schließlich zum denkunfähigen, energielosen Arbeitsthier herabsinken müssen? Wacht auf, Ihr Sklaven der Grube, rafft Euch aus! Nicht gelegen«- liche Ausbrüche Eurer gerechten Wuth helfen Euch, sondern bewußte Thätigkeit für die endgiltige Befreiung der Arbeiterklasse insgesammt, Nur durch planmäßigen Kampf könnt Ihr Freiheit und Brod erringen I Oder wollt Ihr ewig Sklaven bleiben? Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1. August 1883. — Au« Sachsen. Sonntag, 15. Juli, fand irgendwo in Sachsen sagen wir im grünen Gewölbe--dieLandeSversammlung der sächsischen Sozialdemokraten statt. Den Hauptgegenstand der Tage» orduung bildeten die bevorstehenden Landtagswahlen. Die gefaßten Beschlüsse werden den Gegnern und Feinden durch die Ausführung rechtzeitig bekannt werden. Für jetzt fei nur erwähnt, daß einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, bei der Wahl keinem einer anderen Partei zugehörigen Kandidaten die Stimme zu geben. — Staatssozialismus und Staatshumanität. In der letzten Sitzung de« Reichstags vor Sessionsschluß brachte Liebknecht den Fall eine« HilfSbriesträger«, Namen» Deisel au« Borsdorf bei Leipzig, zur Sprache, der, in seinem Berufe schwindsüchtig geworden, bei schlimmstem Wetter noch über Land gehen mußte, weil er sonst mit seiner Familie hätte verhungern müssen, da keine Krankenunterstütznng bezahlt wurde. Als der Mann absolut nicht mehr fort konnte, übernahm die hochschwangere, schwächliche Frau den Dienst, nur um die Mark Lohn welche der großmllthige Arbeitgeber Staat dem Landbriesträger für eine halbtägige Arbeit bezahlt, zu verdienen. Einige Wochen darauf starb der Mann. In ihrer Verzweiflung wandte die unglückliche Wirtwe sich an die kaiserliche Postdirektion in Leipzig mit der Bitte um Unterstützung. Sie wurde jedoch abschlägig beschieden. In diesem Stadium war der Fall, als er von Liebknecht vor den Reichstag gebracht wurde. Herr Stephan, obgleich von Liebknecht scharf provozirt, antwortete damals nicht; ein Regierungskommissar, welcher die Postverwaltung in jener Sitzung vertrat, erklärte, es fei Alle« in Ordnung; die Postdirektion in Leipzig habe durchaus korrekt gehandelt, indem sie der Familie des bi» zum Tode vom Arbeitgeber Staat ausgebeuteten BorSdorfer Landbrief- Wägers jegliche Unterstützung verweigerte. Die Wittwe machte hierauf noch einen letzten Versuch; sie richtete ein UnterstützungSgesuch direkt an Herrn Stephan, den großen, mit semer Gelehrsamkeit und christlichen Korrektheit prahlende» General-Post-Pascha. Die Autwort ist jetzt eingewossen. Sie rührt gar nicht vom edlen Herrn Stephan her, denn dieser hält es nicht mit seiner Würde vereinbar, an ein arme« Proletarierweib zu schreiben— er hat die Sache einfach an die Leipziger Postdirektion zurückgegeben, d. h. an die Behörde, welche da» Gesuch schon früher abschlägig beschieden hatte und gegen deren Eni- scheid an ihn appellirt worden war. Und die Leipziger Generalpostdirektion blieb natürlich bei ihrem ablehnenden Bescheid; sie hielt e« jedoch, gleich dem edlen Herrn Stephan, ebenfalls nicht mit ihrer Postwürde vereinbar, direkt an da» Proletarierweib zu schreiben, sondern stellte dem Postagenten in Borsdorf den Bescheid zu, mit dem Aufwag, ihn der ängstlich harren- den Wittwe mitzutheilen. Wa« dann auch geschehen ist. Die Frau de« BorSdorfer Landbriefwägers mag nun sehen, wie sie mit ihren 5 Kindern — davon da« jüngste ein Säugling— hinkommt. Der großmüthige Arbeitgeber Staat wäscht seine Hände in Unschuld; er kann Arbeiter genug unter denselben Bedingungen erlangen, und so wäre es„unwirth- schaftlich" gehandelt, wollte er durch Unterstützung der unglücklichen Wittwe gar noch da«„Heirathen und Kinderkriegen der unteren Beamten er- muthigen". Kurz, der Staat als Arbeitgeber hat in diesem Fall wieder einmal gezeigt, daß er au schmutziger Selbstsucht und Herzlosigkeit dem rohesten manchesterlichsten Privatarbeitgeber nicht nachsteht. Und sage man nicht, wenigsten« insoserne unterscheide sich der Arbeitgeber Staat vor- theilhaft von einem Privatarbeitgeber, als dieser für seinen Privat» nutzen, der Staat dagegen für las Gemeinwohl die Arbeiter aus- beute. Für den heutigen Klassen-, Polizei- und Junkerstaat existirt da« Gemeinwohl gar nicht— er kennt blo« da« Wohl der herrschenden Klassen und verbraucht den Schweiß und das Blut der von ihm ausgebenteten und geknechteten Arbeiter zu den verwerflichsten und niedrigsten Zwecken: zur Erhalmng eines ungeheuren Heere« und einer Armee von Spitzeln und sonstigen überflüssigen und gemeinschädlichen Beamten hohen und niederen Grade«; zur Unterdrückung, Berdummung und Aussaugung de« Volke«. Also auch in dieser Beziehung hat der Staat als Arbeitgeber vor dem schlechtesten und gemeinsten Privatarbeitgeber nicht» voraus. Jedensalls ist e» nöthig, bei jeder Gelegenheit den Herren Staatssozia- listen und Aposteln de«„praktischen Christenthnm»" den Spiegel der Praxis vor die Augen zu halten, den Widerspruch zwischen Theorie und Wirklichkeit zwischen Worten und Thaten durch den Gegensatz klar und augenfällig hervortreten zu lassen und dem heutigen Staatssozialismus das Brandmal niederträchtigster Heuchelei und Ber- l o g e n h e i t auf die freche Stirne zu drücken. Gleich korrupt und volks- feindlich wie da« französische Kaiserreich de« Lump« Boustrapa*) hat da« deutsche Kaiserreich auf dem Gebiete der„Politischen Heuchelei" zehnmal mehr geleistet al» da« französische: in diesem Punkt hat die Bismarck'sche Kopie da« Bonaparte'sche Original unzweifelhaft weit hinter sich gelassen— und gerade die„Sozialresorm" ist das Feld, wo die Gleißnerei der deutschen „Staatskunst" sich am ekelhastesten breitmacht. — Der Niedergang des Kleingewerbes. Nach einem in der österreichischen„Statistischen Monatsschrift" erschienenen Aufsatz nahm in der Zeit von 1869 bis 188V zwar die Zahl der selbstständigen Gewerbeweibeuden Wiens um S,66S zu, bei einem Bevölkerungszuwachs von 118, S91 Personen(?), aber die Erwerbssteuer stieg nur von 1,V12,S61 Gulden auf 1,V64,88V fl., bewug also pro Gewerblreibenden 1869 22,08 fl., 1880 dagegen nur noch 20,67 fl. Die Einnahmen der Gewerbetreibenden haben sich also im Durchschnitt verringert. Diese Verringerung ist wesentlich dem Niedergange de« Kleingewerbes zu- zuschreiben. Es betrug nämlich die Zahl der Unternehmer in Wien Im Gewerbe der Bäcker Schneider Schuhmacher Schlosser Gürtler und Bronzeure Weber Handschuhmacher Hutmacher Buchbinder Tischler Drechsler Faßbinder Man sieht hier unverkennbar, schreibt die„Neue Zeit", der wir diese Notiz entnehmen, wie der Untergang de» Kleingewerbe» und die Kon- zentriruug des Kapitals in wenige Hände mit Riefenschritteu vorwärts gehen. Was geschieht nun mit den Zugrundegegangenen? Theil« werden sie Lohnarbeiter, theil« aber wenden sie den letzten Rest ihre« Vetwögen» aus, um sich selbstständig zu erhalten, und werden Zwischen- Händler. Man zählte in Wien 1869 1380 Zunahme Kleinhändler 5275 5813 538 Gastwirthe 1617 2140 523 Kafseesieder(CasetierS) 509 806 297 Branntweinhändler 520 845 323 Es zeigt sich hier deutlich, wie albern e» ist, in der Vermehrung der Zwischenhändler die Ursache der wirthschastlicheu Nothstände zu suchen, während sie in Wahrheit eine Folge derselben ist. Die Bestrebungen auf Einschränkung oder gar Beseitigung de» Zwischenhandel« laufen da- her iu letzter Instanz nicht darauf hinaus, da«„ehrliche Handwerk" zu heben, der„redlichen Arbeit zu ihrem Rechte zu verhelfen" und wie die schönen Phrasen sonst noch lauten, sondern einfach einer Anzahl ruinirter Existenzen die letzte Zuflucht zu rauben. Vom Standpunkt de« revolutio- uären Pessimismus könnte man daher im Grunde nur einer solchen Maßregel zustimmen, für eine solche„Untergrabung der bestehenden Staat«- und GesellschastSordnung" überlassen wir aber gerne die Ber- antwortuug den Stöcker und Konsorten. — Kein Attentäter da? Bismarck braucht wiederum ein Attentat oder Aehnliche»— nicht um die Verlängerung de» Sozialistengesetze« durchzusetzen(daran liegt ihm nicht sonderlich viel und er hat sie, Dank der Gefügigkeit de« Zentrums, ohnehin bereit« in der Tasche), aber um sich dem Kronprinzen, der nun doch„im Laufe der Natur" demnächst aus den Thron kommen muß, unentbehrlich zu machen und auch nach dem Thronwechsel seinen Posten zu behalten. Da» Mylauer Unglück hätten seine Subjekte gar zu gerne zu einem hübschen Attentät- *) Boustrapa— der Beiname de« sog. Napoleon III., zusammengesetzt au« den Anfang« silben der Orte, wo dieser kaiserliche Hallunke sein Mord- und Räubhandwerk S t r a ßburg, P a ri«. besonders eklatant ausübte: Boulogue, chen verarbeitet, es ging aber beim besten Willen nicht. Ebenso unglücklich war man mit dem W i l y e l m s h a f e n e r„ L a n d e» v e r r a t h", durch den da«„rothe Gespenst" in recht gruseliger Gestalt heraufbeschworen werden sollte. Die Genossen werden seinerzeit in den Tageszeitungen gelesen haben, daß vor etwa 9 Monaten in Wilhelmshaven urplötzlich ein Maschineozeichner von der kaiserlichen Werft und ein Werftarbeiter verhaftet und gleich darauf gegen einen OberbootSmannSmateu, Namen« G l ö g e, wegen LandeSverrathS ein Steckbrief er- lassen wurde. Es sollte sich um die Auslieferung von wichtigen Staats- geheimnissen an die französische Regierung handeln und die Thäter sollten mit Gewalt Sozialdemokraten sein. Bor 5 Jahren ein sozialdemokratisches Attentat, jetzt ein sozialdemokratischer L an d e s< v e r r a t h schönster Sorte. Nun— die Zeiten haben sich doch etwa» geändert; unbesehen, wie vor 5 Jahren, nimmt da« Publikum heutzutage kein Attentat und keinen LandeSverrath mehr hin, nnd so mußten denn wohl oder übel Beweise herbeigeschafft werden. Das hatte jedoch seine Schwierigkeiten. Neun volle Monate lang inquirirte man iu der probaten Weise der alten Hexenprozesse an den Gefangenen herum — nur daß man statt der physischen Daumenschrauben die mar a- tische Folter anwandte und statt Daumenschrauben zu appliziren, dem Einen die Familie, dem Andern da« Geschäft und die Existenz vernichtete — allein e« half nicht«. Beweise, welche da« Licht der Oeffentlichkeit ertrugen, waren nicht zu beschaffen, und so mußte man wohl oder übel die zwei Gefangenen, nachdem man sie zu Grunde gerichtet hatte, iu Freiheit setzen und den Steckbrief gegen Glöge zurückziehen. Ein andermal wird man es besser zu machen suchen. Herr Bismarck, sagten wir zu Anfang, braucht wieder ein Attentat oder etwa» AehnlicheS. Und wozu hätte man die Polizei, wenn sie der- artige staatSmänuische Bedürfnisse nicht befriedigen kann? Also— — Die Freigebung der Süddeutschen Post durch die sogenannte Reichsbeschwerde-, alias Reichsgalgen- Kommission hat in einem Theile der Presse zu optimistischen Schlußfolgerungen Anlaß ge- geben, welche von mebr Phantasie al« gesundem Menschenverstände zeugen. Wenn die optimistischen Phantasiepolitiker oder»Kannegießer Recht hätten, wäre eine neue Aera in der Handhabung de« Sozialistengesetzes einge- treten, und hätte jetzt eine„milde Praxis" begonnen, welche den Ueber gang zur gänzlichen Abschaffung diese«— freilich ebenso dummen al« schuftigen Gesetzes bilden würde. Obgleich wir nicht glauben, daß irgend einer unserer Parteigenossen einer so kindlichen Auffassung der Dingt fähig ist, so wollen wir doch kurz nachweisen, warum die erwähnten Schlußsolgerungen jeden Grundes entbehren. ES ist wahr, die„Süddeutsche Post" hatte eine schärfere Sprache ge- führt, al« verschiedene Preßorgane, welche seit Inkrafttreten de«„Sozia- listengesetzes" unterdrückt und schließlich anch von der„Reichsgalgenkom- Mission" erdrosselt worden find; und wahr ist serner, daß die„Süd- deutsche Post" notorisch und eingestandenermaßen zum großen Theil von Sozialdemokraten gehalten wurde— ein Moment, welches früher in Preußen und Sachsen zur Unterdrückung einer Zeitschrift ausreichte. Allein, wenn die Reichsgalgenkommisfion der Süddeutschen Post gegen- über eine andere Praxis befolgte, als in früheren Fällen, so erklärt siih die» zur Genüge au« dem Umstand, daß da« Verbot der„Süddeutschen Post" von bayrischen Behörden ausgegangen war. Bayern ist in Berlin nicht„gut Kind", wie da» von Hrn. Nostiz-Wallwitz elegant de« Annexion zugesührte Sachsen und, wie jeder halbwegs Eingeweihte weifs macht e« der preußischen Regierung viel Spaß, den Bayern etwa? in> Zeuge zu flicken, und liebt sie es notorisch, verhaßten Parteien und Regier- ungen den Stein der Sozialdemokraten in den Garten zu werfen. Dur� einen Formfehler, dessen auch in den EutscheidungSgründen der Reick« galgentommission gedacht ist, hatten die bayrischen Behörden es versäu�- Artikel anzugeben, deren Inhalt, außer dem Verbot einer einzelnen«reiC mer, die Unterdrückung des Blattes nnd das Verbot seine» WeitererscheiuenS, motivirten oder motiviren sollten— un» dieses, allerdings grobe Verseheu, gab dann der Berliner Oberbehörd« die willkommene Gelegenheit zu einer Ohrfeige an die Adresse der bayri- scheu Bundesbrüder. Also nicht der Sozialdemokratie eine Gefälligkeit erzeigen, sondern den bayerischen Behörden einen Schlag versetzen, wolltt die Reichskommission. In München hat man da« anch verstanden. —„Der Appell an die Furcht findet keinenWider- hall in einem preußischen Herzen!" Am 27. Juli ver- kündet da«„Deutsche Tageblatt" offiziös, der Reichskanzler verspüre tro? eingettetener Besserung„sehr wenig Lust, diese körperlich günstige Position zu benutze» und die erforderliche Reise nach Kissingen anzutreten, moch« vielmehr lieber--- den Sommer dort(in Friedrichsruh) ganz' l i ch zubringen." Am 29. Juli, zwei Tage später, erfährt die Welt durck den Telegraphen, daß Bismarck am 28. Vormittag« von Friedrichsnii nach Kissingen abgereist sei. Der Eingang» zitirte Ausspruch rührt von Niemand ander« her al» von Bismarck. Borficht ist der bessere Theil der Tapferkeit, sagt— Falstaff. — Aus Leipzig schreibt man un«: Zu dem„Fall" de« jüng? ausgewiesenen Studenten habe ich einen höchst interessanten Nachttag z» liefern. Da» Manuskript des Borttag«. welcher zu der Ausweisung un« den sonstigen Polizeimaßregeln geführt Hot, ist von Professor Roscht« geprüft, und der Bortrag von diesem in einem amtlichen Gutachten au»- drücklich als„durch und durch wissenschaftlich" bezeichnet worden.(J>» muß hinzufügen, daß der Bortrag strikt nach dem Manuskript gehalten wurde und Exlemporationen nicht vorkamen.) Nu» ist zwar Profess»' Roscher der größte aller lebenden(und vielleicht auch der tobten) Kathedel- und sonstigen KonsufionSräthe, aber trotzdem für die Gelehrtenwelt ein- Autorität aus dem Gebiete der Nationalökonomie und jedensalls beff6 al« ein Polizei-Affessor im Stande, zu beurtheilen, wa« wisseuschafflick und wa« nicht wiffeuschaftlich ist. Daß Herr Polizei-Affessor Hohl' selb hierzu nicht im Stande ist, da» weiß sogar der Herr Polizei Assessor Hohlfeld. Wohlan, da» Gutachten de« Professor» Roscher hat die Riicknah«' de» Ausweisung« Ukase» nicht nur nicht zur Folge gehabt, sondern Polizei noch zu weiteren Verfolgungen angestachelt. Nicht genug, de» Arbeiterbildungsverein einen heimtückischen Dolchstoß versetzt zu Hadem an welchem sich diese hochnützliche Bildungsanstalt wahrscheinlich»er- bluten wird, hat die Polizei nun noch den Plan gesaßt, den Studenten- Berein, iu welchem der, die Ignoranz de« Polizei- Assessor Hohlst» enthüllende, Borttag zuerst gehalten wurde: die„freie wiffeuschaftliV Bereinigung" durch Chikanirungeu und Maßreglungen jeder Art Z" Grunde zu richten. Die„freie wissenschaftliche Bereinigung" ist ein genannter Debattirklub hiesiger Studenten; er hat politisch absolut kein- Farbe, und wenn bei der Diskussion natioualökonomischer Themata fr1,1 kathedersozialistische Richtung hervorgetteten ist, so liegt die« darin, dni der KathedersozialiSmu« jetzt auf sämmtlichen deutschen UniversitätS« vorherrscht. Der wahre Grund, warum dieser Studentenverein unsere Polizei und den Reaktionären überhaupt ein Dorn im Auge ist, ¥ indeß mit der Politik nicht« zu thuu: die Mitglieder sind kein Biersäuserund keine Raufbolde»lias Duellanten, und»» paßt nicht in unser heutige» System, welche« die Berdusel.un g ntn Verrohung de» Volke« erstrebt, weil e» ohne sie nicht besteh� kann. Gewöhnten die deutschen Studenten sich da» kommentmäß'S Saufen und Pauken ab, so würden sie nicht, im Vergleich zu der stu� reudeu Jugend anderer Länder, eine so klägliche Rolle spielen und V" kämpser der Freiheit sein statt, wie jetzt, blinde Verehrer de« DeSpotiöwn der die niedersten Instinkte in ihnen pflegt, um sie zu desto fügsamen-' 4) Werkzeugen zu machen. Das Mittel ist auch probat: die ärgsten Sauf- und Raufbolde werden fast ausnahmslos die servilsten Beamten. n Noch eins, ehe ich weiter gehe: Herr Professor Roscher meinte in n seinem„wissenschaftlichen" Gutachten, der Vortrag sei durch und durch h»wissenschaftlich", und„ganz ftei von sozialdemokratischen Ideen." Der r erzgelehrte Herr Konsufionsrath scheint also keine Ahnung davon zu >, haben, daß die Sozialdemokratie auf dem Boden der Wissenschaft steht, « daß die wissenschaftliche Nationalökonomie die Nationalökonomie der '' Sozialdemokratie ist, und daß der s Kathedersozialismn», welchem r er da« Recht der Wissenschastlichkeit zuspricht, zur einen Hälfte Quatsch, n zur andern Plagiat an der Sozialdemokratie ist. Oder hält etwa der '* Herr Konfusionsrath den Quatsch fUr Wissenschaft oder meint er doch s wenigstens, der Quatsch verleihe da« wissenschaftliche Gepräge, die wahre le wissenschaftliche Weihe? -> Der S p a r i g-l» F r i e d e n» b r e ch e r und R- b e l l— da« ist :e da« Neueste. Von dem„Ehrenamt" eines Branddirektors, wie von a anderen„Ehrenämtern" entfernt, hat der Sparig, der überhaupt mit ll dem Gemeinderath seiner Gemeinde Reudnitz— seit er nicht mehr l- regiert— auf gespanntestem Fuße steht, dem neuen Branddirektor den n Gehorsam versagt und mit Hülse der paar ihm noch gehorsamen Feuer- * Wehrrüpel eine kleine Erneute iuszenirt, die neulich um ein Haar zu it seiner Verhaftung geführt hätte, und jedenfalls zu einem Prozeß wider :I ihn wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, wo nicht wegen Auf- a ruhrs sühren wird. Seit der Bursche von seiner Höhe herabgestürzt und Gegenstand der allgemeinen Verachtung geworden ist, hat er fich seiner bekannten Lieblingsleideuschast mit so ausschließlichem Eifer er. lt geben, daß er schon Anfälle von delirium tremens hat und auch in >„lichten Augenblicken" seiner Sinne nicht mehr vollkommen mächtig ist. Sie transit gloria mundi! „Vom Kriegsschauplatz nicht« Neue»." Unter Gotte« gnädiger Fürsorge steht Alle« aber gut— wofür unserm gottessllrchtigen Herrn e Polizeidirektor spezieller Dank geschuldet ist und hiermit auch aus- a gesprochen sei. — Viel Vergnügen! Wilhelm, Kaiser von Deutschland, und Franz Joseph, dito von Oesterreich, treffen, wie die Zeitungen melden, � am 7. August in Ischl zusammen. In verschiedenen Hotel«, heißt e« weiter, sind bereit» Zimmer für— vierzig B a l l e r i u e n de« Wiener Hosoperntheaters bestellt worden. Biel Vergnügen! Aufgepaßt! Au« Bielefeld meldet man un« da« Durch- D brennen des dortigen Polizeisergeanten Alex Niedere e, gebürtig aus der Wiesbadener Gegend. Niederde erfreute sich trotz offenkundiger Schwindeleien der besonderen Protektion seiner Behörden, die auch, al» '' von München-Glabbach die Kunde kam, daß Niederee sich dort gestellt ' habe, äußerten, man möge ihn nur lausen lassen. Da der saubere Ord> " nuugsheld neben Schuldenmachen in letzter Zeit namentlich das edle » Schnüsselhandwerk gegen Genossen von un« betrieb, so wird vermuthet, ° daß Niederde, sei es im Ausland, sei es in Deutschland selbst, speziell diesem ehrenhasten Berufe sich zunächst widmen wird. Die Genoffen aller- >' orts seien daher vor ihm gewarnt. h Niederde ist mittlerer Größe, stark gebaut, hat dunkelblonde« Haar nnd » Vollbart— den er sich vielleicht jetzt abschneiden dürfte— und hat hinten am Hals eine tiefe, von einem Schuß herrührende Narbe. Er r geht ein wenig geduckt und spricht da«„r" sehr scharf au». Sein ursprüng. I> licher Beruf war Buchbinder. » Weiteres über diesen Burschen sowie über Bielefelder Zustände Uber- Haupt in nächster Nummer. i — Bon N a h und Fern. In Preußen-Deutschland l wüthet seit neuester Zeit wieder einmal der„Krieg im Frieden". Die oppositionellen Zeitungen wimmeln förmlich von Berichten über I Soldaten Mißhandlungen, Unverschämtheiten von Offizieren gegen Zivil- d Personen und desgleichen mehr. So lange aber dieselben Blätter e« t nicht wagen, grundsätzlich dem Militarismus zu Leibe zu gehen, i> wird alles Geschrei über derartige durch die Ausnahmestellung de« Mili- il tär« geradezu provozirten Uebergriffe wirkungslos bletben. Dem Schaden e gegenüber, den da» im deutschen Reiche bestehende Militärsystem in wirthschastlicher, sozialer und politischer Beziehung dem deutschen Volke zugefügt, fallen die Uebergriffe kaum noch ins■Gewi ti- » Angesichts der vorgeschrittenen Jahreszett tntt der Lohn kämpf der deutschen Arbeiter nach und nach in den Hintergrund, da- e gegen werden die organisatorischen Arbeiten um so eifriger betrieben. 1 Von größeren Streiks nimmt augenblicklich immer noch der T i s ch l e r- ' streik bezw. Ausschluß in Stuttgart unser Interesse in An- spruch. Nach den zuletzt eingetroffenen Nachrichten find die Aussichten für die Sache der Arbeiter günstig. Ausdauer auf der Seite der Ausgeschlossenen, und fortgesetzte Hilse von Seiten der nicht- streikenden Brüder sind allerdings unbedingt nothwendig, wenn der Sieg l errungen werden soll. Bis zum 25. Juli waren von auswärts 4277 Mk. 78 Ps. au, Stuttgart selbst 3468 Mk. 30 Pf. Unterstützung,- gelber eingelaufen. In der Liste der auswärtigen Orte fehlt Zürich; dies findet darin seine Erklärung, daß die Schreiner Zürichs zu gleicher I Zeit selbst einen Streik auszusechten hatten, der übrigens mit einem Sieg i der Arbeitersache endete. Sie würden sonst sicher nicht die Letzten ge- Wesen sein, die Solidarität der Arbeiter praktisch zu bethätigen. t Das in der letzten ReichStagSseffion zustande gebrachte Kranken- - kafsengesetz soll am 1. Dezember in Kraft treten. Es ist von der > größten Wichtigkeit sür die Arbeiter, sich vorher Uber vie Konsequenzen diese« Gesetze« klar zu werden und die geeigneten Maßregeln zu ergreisen, : der ibnen drohenden Beeinträchtigung ihrer bisherigen Unabhängigkeit durch Beitritt zu bestehenden, oder Schaffung anderer fehlender, unab- t hängiger Krankenkassen vorzubeugen. In Baden nnd W ü r t t e m- . b er g hat in verschiedenen, sehr zahlreich besuchten allgemeinen Arbeiter- j Versammlungen der sozialistische Abg. Blas die„erste sozialreformato- rische Arbeit" de« deutschen Reichstage» einer scharfen Kritik unterzogen. In MUHlburg bei Karlsruhe suchte in einer solchen Bersamm- luug der Volksparteiler D i l l i n g e r für seine Partei Propaganda zu macheu, fand jedoch in dem Arbeiter Ehrhardt einen heftigen Oppo- , uenteu, der ihm mit Recht die nationalliberale Haltung der Volkspartei | bei der Abstimmung über das Krankenkossengesetz vorhielt. Auf die jammervollen Argumente, mit denen die„demokratissche Korrespondenz" au« diesem Anlaß die Abstimmung nachträglich zu motiviren sucht, kommen wir vielleicht noch zurück. „Rosen auf den Weg gestreu t". In Konstanz fand am > 22. Juli ein große« Turnfest statt, zu dem extra sau« Leipzig ein Extrazug mit 1000 sächsischen Turnern eintraf. Auf ihrem Umzüge durch die Stadt wurden dieselben zu ihrer nicht geringen Ueberraschung mit zierlichen Bouquet« förmlich Uberschüttet. Noch größer war die Ueberraschung, al» sie entdeckten, daß in jenem Bouquet etwa» verborgen lag, und sie steigerte sich noch, al« e« sich ergab, baß dieser Inhalt au« — sozialdemokratischen Flugblättern bestand. Und da sagt man noch, wir Sozialisten wüßten nicht, was guter Ton ist! In Berlin hat die Polizei die Bücher der Max Hirsch'schen Arbeiter. Jnvalidenpensionskasse konsiszirt, und zwar auf die Beschwerde eine» früheren Kaffenmitgliede» hin. ES ist ein Skandal, und für die Hirsch'schen Manipulationen charakteristisch, daß selbst fortschrittliche Blätter die Maßregel der Polizei als nicht ungerechtfertigt bezeichnen müssen. Nachdem diese Jnvalidenkasse von Generalversamm- lung zu Generalversammlung ihre Beiträge erhöht hatte, die sie Anfangs, um Bauernsang zu treiben, lächerlich niedrig normirt hatte, hat sie aus der letzten Generalversammlung die Karenzzeit mit r ü ck w i r- kend er Kraft(!) von 5 aus 15 Jahre erhöht, und da sie außerdem für Zwistigkeiten mit ihren Mitgliedern einen schönen Paffu» hat, der den gerichtlichen Weg ausschließt und ein aus Mitgliedern der Kasse bestehendes Schiedsgericht vorschreibt, so sind die mit ihren Maß- regeln nicht einverstandenen, um ihre Beiträge betrogeneu Mitglieder absolut wehrlos. Auf diese Weise war e« möglich,!daß einem Arbeiter, der sechs Jahre Mitglied war und Invalide wurde, nicht nur die Pension verweigert, sondern er außerdem aller seiner Ansprüche an die Kasse für verlustig erklärt wurde! Da hört schließlich Alles auf! Die österreichischen Sozia lkonservativen haben neuerdings ein soziales Programm ausgeheckt und nach großer Wichtig- und Geheim- thuerei in die Welt hinausgeschleudert, da« aus die alle Utopie von der ständischen Berfassnug hinausläuft. Boa den Arbeitern wird dieses von ftommei. Phrasen triefende Machwerk mit dem verdienten Hohn- gelächter beantwortet werden. Au« Amerika liegen jetzt Berichte über die Vorkommnisse vor, welche den Ausschluß der Newhorker Cigarrenarbeiter zur Folge hatten. Sie lauten ähnlich, wie wir voraussetzten. Die Mit- glieder der„International Union" haben bei einem Konflikt in einer Werkstatt(Ottenberg Brother«) ihre Kameraden von der„Progressiv Union in schmählicher Weise oerrathen. E» arbeiteten in der. betreffenden Werkstatt ca. 150 Mitglieder der„Progressiv Union" und nur 40 Mit- glieder der„Internationalen Union". In einem Konflikt mit den Prin- zipaleu nun— es handelte sich um den Modus der Lohnauszahlnng— waren e» gerade die Letzteren gewesen, die scheinbar von einem Nach- geben nicht« wissen wollten, al» aber die Prinzipale zwei Mitglieder der Arbeiterkommisfion entließen, und wunderbarer Weise just die, welche der Progressiv-Union angehörten, da blieben sie— einige ehrenhafte Mitglieder ausgenommen— ruhig an der Arbeit anstatt mit ihren Kol- legen zu streiken, bis die widerrechtliche Entlassung zurückgenommen war. Jnsolgedeffen wurden sie von den Streikenden als„Skabs", d. h. Anti- gewerkschaftler, bewachtet und ihre Entlassung gefordert. Da« gab der Prinzipalkoalition Veranlassung, im Interesse der„Freiheit der Arbeit" den Ausschluß aller Unionsmitglieder zu inszeniren. So weit bis jetzt Nachrichten da sind, ist die Stimmung der Arbeiter eine entschlossene und siegesgewiffe. Möge sie die Oberhand behalten und das schmutzige Manöver, denn e« handelt sich da sicher nicht um einen„zufälligen" Streit, sondern es soll ein„test"-ease, ein für die Zukunft maßgebender Fall, entschieden werden. Schmach aber über die Verräther an der Arbeitersache! In Genf haben die Arbeitslosen eine Demonstration veranstaltet, um die Regierung zu veranlassen, sür Arbeit zu sorgen. Durch die Dazwischenkunft der Polizei entstanden, wie gewöhnlich, Unruhen, die zu Verhastungen führten. Neue tokel! — Sozialistische Presse und Literatur. Aus Mai- land erhallen wir die erste Nummer eines neuen sozialistischen Wochenblattes„Il Fascio Operajo"(Da« Arbeiterband). Dasselbe er- scheint in großem Format und wird, wie eS scheint, von dem„Verein der Söhne der Arbeit" herausgegeben. In dem AntrittSarkikel wird dem tiefempfundenen Bedürfniß Ausdruck gegeben nach Zusammenfassung aller Arbeiterelemente Italien« in eine„Italienische Arbeiter- Liga", deren höchstes Ziel wäre„die volle Befreiung der Arbeiter von der Unterdrückung de« Kapitals und die internationale Verbindung aller Arbeiter der W e l t." Es heißt dann weiter: „Gleich entfernt von ausschließlichen Sektirereieu wie von unbesonnenen Mitteln, die nur dazu dienen, die Befreiung der Arbeiter zu verzögern, wollen wir den breiten Weg des praktischen Vorgehen« einschlagen, wie ihn der gesunde Menschenverstand, das Studium, unsere Erfahrung und der Rath unserer Arbeitsgenossen erheischen." Wir begrüßen den neuen Mitstreiter aus» Wärmste. Ferner ist aus unserem RedaklionStisch eingetroffen: B. M a l o n, dlaimel d'Economie sociale Paris, Derveaux. Wir behalten un» eine eingehende Besprechung dieses 332 Druckseiten umfassenden Buche« vor. — Frankreich. Wie wir bereits in vorletzter Nummer schrieben, hat es sich bei den Unruhen von R o u b a i x nicht um einen anarchistischen Putsch, sondern um einen von der übereifrigen Polizei provozirten Krawall gehandelt, der allerdings und mit Recht die radikal gesinnte Arbeiterschaft dieser Stadl auf« Höchste erbitterte. Die verhältnißmäßig hohen Strasen, mit welchen die„Tumultuanten" belegt wurden, haben zur Steigerung dieser Mißstimmung nicht wenig beigetragen. Es ist ein wahrer Skandal, wie schüchtern die französischen Gerichte gegen die monarchistischen Krakehler sich benehmen, die von Tag zu Tag frecher auftrelen und mit Drohungen und Aufrufen zur Vergewaltigung der Republik nur so um fich werfen, während sie die„Ausschreitungen" wirk- licher Republikaner nicht hart genug strafen können.„Hätte ich eine weiße Fahne"— das Abzeichen der Legnimisten—„in der Hand ge- habt, so wäre ich billiger als mit einem Jahre davon gekommen", sagte der zu dieser Strafe verurtheilte Paul B u r y, und die Pariser „Justice" setzt hinzu:„Treffeuder konnte man sich nicht ausdrücken". Der bisher in Lille erschienene Format" ist eingegangen, dafür er- scheint jetzt daselbst, im gleichen Sinne redigirl,„Le Bengenr"(Der Rächer.) Der Grund zu dieser Veränderung ist wohl in den Prozessen zu suchen, mit denen der tressliche Kämpfer der Arbeitersache überschüttet wurde. Ferner werden für A m i e n«, Armentidre«, St. Pierre-lez- Calais und R o u b a i x Separatausgaben dieses Blattes unter ent- sprechenden Titeln herausgegeben. Ueberhaupt geht es mit der sozia- listischen Bewegung in Nordfrankreich unzweifelhaft vorwärt». ES würde wohl auch an anderen Orten besser gehen, wenn nicht die Spaltung unter den Sozialisten wäre. Das hat sich auch letzthin bei der Wahl in Narbonne gezeigt. Bei den Wahlen von 1831 war der Revolutionär Digeon mit 7000 Stimmen in die Stichwahl ge- kommen, wo er 8074 St. erhielt, diesmal erhielten Fouruiöre(sozia- listischer Kandidat) 2318 Stimmen, Digeon, der übrigens wiederholt erklärt hatte, unter keinen Umständen anzunehmen, aber trotzdem von seinen Anhängern aufgestellt ward, 1730 Stimmen, und zum Ueberfluß war noch ein dritter Arbeiterkandidat aufgestellt, der aber nur63Stim- men auf sich vereinigte. Das steht nicht» weniger al« ermulhigend au». E» ist unzweifelhaft, daß die revolutionäre Tradition, welche die Franzosen vor un« Deutschen voraus haben, wie beiläufig alle Traditionen, einer gesunden Partei- bildung mehr hinderlich als von Nutzen ist. Wie günstig im Grunde die Situation einer wohlorganisirten soziali- stischen Partei wäre, hat sich wieder am letzten Sonntag bei der Ge- meinderathswahl im 13. Arrondissement gezeigt. Dort haben fämmtliche bürgerlich radikalen Kandidaten es für nöthig gehalten, sich den Titel sozialistisch beizulegen. Das zeigt, wie stark die öffentliche Meinung dem Sozialismus sich zuneigt. Und wie viel Stimmen erhielt der Kandidat, der von Rechtswegen den Sozialismus vertrat? Von 1576 abgegebeneu Stimmen fielen auf den Arbeiter Boiffon ganze 130. Im fünften Ar- roudissement erhielt der Arbeiter Chabert 261 von 3107 Stimmen. In der Kammer streiten sich Radikale und Opportunisten wegen der Eisenbahnfrage herum. Die Ersteren sind für Rückkauf der den großen Kompagnien gehörigen Bahnen durch den Staat, während die Oppor- tunisten sür Verträge mit den betreffenden Gesellschaften stimmten. Da unter den heutigen Umständen beim Rückkauf der Preis auf jeden Fall ein zu hoher sein würde, so können wir in die Entrüstung der Radikalen Uber die Ablehnung der Berstaatlichungsprojekte nicht einstimmen, wenn- gleich wir gar nicht bezweifeln, daß es die Kompagnien, beziehungsweise Rothschild, an„Trinkgeldern" nicht haben fehlen lassen. Trinkgelder würde auch bei der Verstaatlichung nicht gefehlt haben, denn auch da gibt es, wie Deutschland zeigt,„was zu handeln". Gegen die Redaktion der„Bataille" und verschiedene Revolutionäre ist wegen Beschimpfung und Bedrohung der Richter, die Louise Michel verurtheilten, Anklage erhoben worden. Korrespondenzeu. — Rendsburg, 22. Juli. Die Wahlkampagne hat für unsere Polizei-, richttger Pascha wirthschast mit einem großen Fiasko geendet, so daß zwischen unserem Kandidaten und dem Fortschrittler eine Stich- wähl stattfinden muß, was feit dem Jahre 1874 nicht mehr vorge- kommen ist. Trotz aller erdenklichen Chikauen, welche man uns in den Weg legte, erlangte unser Kandidat, Genosse Heinzel, eine Stimmenzahl von 6651, also 1826 Stimmen mehr als bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1881. Der miser—, Pardon liberale Professor Hänel hatte ein Stim- mendefizit von 1450 Stimmen und der konservative Kandidat Graf R e v e n t l o w mußte ebenfalls mit einem Defizit von 273 Stimmen abschließen, wa» auf Konto Nachlässigkeit und Gleichgiltigkeit zu setzen ist; bei einer etwa« größeren Rührigkeit der Konservativen hätten die- selben mindestens einen Zuwach« von 1000 Stimmen erhalten, welche dem großen Hahn abgezapft worden wären, denn auch hier kommt das Sprichwort:„Der Bauer will für sein Geld etwas sehen und hören l" zur Geltung. Darum heraus mit den öffentlichen Wählerversammlungen, in denen die verschiedenen Meinungen sich geltend machen können! Nur so ist ein richtige» Wahlresultat zu erzielen. In Nachstehendem will ich über die Polizei-, resp. Paschawirthschaft in Rendsburg vor und während der Wahl einige Details mittheilen. Vor Allem reiste der„wirkliche" Bürgermeister zwei Wochen vor der Wahl auf vierwöchentlichen Urlaub, wahrscheinlich um mit seinem An- stand«- und Rechtsgefühl allen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Nach erfolgter Abreise erhielt sein Stellvertreter, Senator L e h- mann, da« Szepter in die Hand gedrückt, der es auch mit aller Wucht über die bösen Sozialdemokraten schwenkte und Alle«, was von uns her- rührte,„vernichtete". Unser erste« Flugblatt, welche« in allen den Bevölkerungsklaffen, an die es gerichtet war, mit großer Befriedigung aufgenommen ward, wurde auf Anzeige de» Herrn Lehmann bei der Regierung von derselben verboten. Eine angesagte allgemeine Wählerversammlung wurde an demselben Tage, da sie stattfinden sollte, von Lehmann verboten; die dazu angeklebten Plakate wurden auf Anordnung Lehmann'S(die Leh- mann'» scheinen von guten Borfahren abzustammen) von den Polizei- dienern mit und ohne Mordinstrument abgekratzt, und zwar mit„be- glacdten Tatzen"— ein köstliche» Schauspiel. Die Folge dieser Maß- regeln war, daß sich die unabhängig denkende Bevölkerung Rendsburg'« aus Seiten der Unterdrückten stellte, was sich auch am Wahltag doku- mentirte. Im Jahre 1831 hatte Heinzel hier 233 Stimmen erhalten, diesmal erhielt er 414, also ein Mehr 121 Stimmen, während Hänel 177 Stimmen weniger erhielt als im Jahre 1831. Also nur immer so weiter gewirthschastet, Herr Lehmann, dann erhalten Sie auch als sozial- demokratischer Agitator da« Prädikat:„Sehr gut!" Unser zweites Flugblatt ereilte ein noch viel schnelleres Geschick, denn der sozialdemokratische Agitator Lehmann ließ dasselbe ohne Verbot von Haus zu Haus wieder abholen mit dem Bemerken,„das Flugblatt ist verboten." Auf Anfrage eines Genossen bei Lehmann, wer denn das Flugblatt verboten habe, konnte demselben nur mitgetheilt werden, daß die Flugblätter von der Polizei konfizzirl werden, und al« sich Lehmann und der Polizeikommissär A r p S belehren lassen mußten, daß da« Ver- breiten eines nicht verbotenen Flugblattes kein Bergehen sei, wurde der Arps wild wie ein angeschossener Eber. Denn„was die Polizei thut, ist wohl gethan." Wir gemeingefährlichen Sozialdemokraten aber wollten das nicht einsehen(pfui!) und sorgten für Ersatz der konfiszirten Exemplare. Am Borabend der Wahl erhielten die Nachtwächter Ordre, für diese Nacht eine Stunde länger Dienst zn thun, und der Dienst der Polizisten begann darauf Morgens 4 Uhr, Alle» natürlich unentgeltlich. Der Polizeipascha Lehmann war in furchtbarer Aufregung, es war doch unbedingr für diese Nacht eine sozialdemokratische Hauptaktion ge- plant, und diese wollte der Herrscher von Rendsburg mit seinen Gimpeln verhindern. Es wurde uns erzählt, daß es ein recht genußreicher Morgen gewesen sei, al« alle 14 Polizeibeamte(Nachtwächter mit eingerechnet) Straße auf und Straße ab trabten, um die bösen Sozialdemokraten ans frischer That zu ertappen. Aber Alle« umsonst, denn wir hatten schon Abends vorher von all' diesen Borsichtsmaßregeln Wind erhalten und leisteten un« just an diesem Morgen einen laugen und stärkenden Schlaf, zum Aerger der Polizei. Morgens 8 Uhr begann«! wir unser Werk, und den ganzen Tag über wurden die Leute fleißig ermuntert, wa» das obige günstige Resultat zur Folge hatte. Es mag vielleicht von Manchem gesagt werden, wir haben aber doch schon in Rendsburg auf unseren Kandidaten 607 Stimmen vereinigt! Diesen diene hiermit Folgendes zur Information: daß Rendsburg, eine Militär- und Beamtenstadt, in den besten Jahren 1873—78 mindestens 2—3 mal mehr Arbeiter beschäftigte al» gegenwärtig, und daß die noch vorhandenen Arbeiter in ihrer Mei« nungsäußerung so sehr gedrückt find, daß e« mehrfach vorkommt, daß die- selben mit Stimmzetteln versehen von ihrer Arbeit nach dem Wahllokal geführt werden. Und das nennt man„freie» Wahlrecht"!" Schwamm darüber I In dem Wahlkreis Kiel-Rendsburg, welcher au» 5 Städten und 250 bis 280 Dörfern besteht, bedarf es noch harter Arbeit, ehe ein Sozial- demotrat in den Reichstag gesandt wird, denn au« dem Landkreis Rend«- bürg allein ist in 43 Dörfern nicht eine einzigeStimme für Heinzel abgegeben worden! Und was ist diesmal auf- gewendet worden, um die Bauern zu bekehren! Aber Alle» umsonst, und wie hier, so noch an vielen Orten. Unsere Stimmzettelausträger aus dem Lande wurden wiederum ver- haftet, eingekerkert, bis auf die Haut entkleidet, ja sogar ihre Stiefel und Strümpfe wurden nach staatsgesährlichen Schriften untersucht, aber Alle» umsonst, so daß man sie nach zweistündiger Freiheitsberaubung wieder loslassen mußte. Aber Alles geschah„von Rechtswegen". Unseren Genoffen in Kiel und Neumünster für da« erzielte gute Wahlresultat ein donnernde« Hoch! Möge die Stimmenzahl bei der Stichwahl fich verdoppeln, damit Eurem Mühen der Lohn, und der Sieg der unsere wird! Nun noch einmal nach Rendsburg zurück. In unfern Mauern existirt ein ,,Auch"-Ardeitervereiu mit zirka 400 Mitgliedern, welcher das schöne Prinzip verficht: Aufklärung und Beleh- rung unter den Arbeitern zu verbreiten. In diesen Verein meldeten sich im April d. I. 12 wirkliche Arbeiter, um auch etwa« von obiger Lehre zu empfangen; sie wurden aber fämmtliche mit dem Vermerk abgeschubst, daß, wenn sich diese Anmeldungen wiederholen, der Borstand von seinem Posten gedrängelt wird. Folglich muß ein Vorstandssitz im Arbeiterverein — es gibt deren 11— ein einträgliche» Geschäft sein. Die hiesige Spar- und Leihkasse gibt aber auch zum Wohle des Berein« jährlich 1200 Mk. her, d. h. für den Vorstand, Professoren, Doktoren, Lehrer, Fabrikanten, Kausleute, Handwerker und eine Portion Speichel- lecker, von denen mehrere mit Ge>ängniß und einer sogar mit Zuchihau» bestraft sind; aber alle sind„Auch". Arbeiter. Ehrlichen Arbeitern jedoch, welche sich im Schweiße ihre« Angesicht« Tag sür Tag abrackern, wird die Aufnahme verweigert, man erklärt sie somit für ehrlo». Der Admini« stration der Spar- und Leihkaffe rathe ich daher, bei einem im nächsten Jahre zu vertheilenden Geldüberschuß darüber nachzudenken, ob da« an den Arbeiterverein gegebene Geld zum Nutzen der Insassen Rendsburg» verwendet wird. Ich sage bestimmt Nein, denn da, wo sür den Arbeiter etwa» geleistet werden soll, schließt man den Arbeiter au«. Den Arbeiterverein wird dasselbe Schicksal erreichen, da« im Laufe diese» Jahre» der allgemeinen Krankenkasse, einem von der Spar- und Leihkasse im Laufe der Zeit mit 6666 Mk. unterstützten, durch und durch korrumpirten Institut, passirte, nämlich sich von dem wirklich gesunden Institut, der von Arbeitern verwalteten Krankenkasse, trotzdem diese durch da» Sozialistengesetz stark belästigt wird, in Gnaden aufnehmen lassen zu müssen. Sobald das BereiuSrecht durch Aufhebung de» Sozia- listengesetzes wieder Giltigkeit erlangt, werden die wirklichen Arbeiter RendS- bürg« einen gesunden und kräftigen Arbeiterverein schaffen, und dann ade„Auch".Arbeilerverein! Die Administration der Spar- und Leihkaffe mürbe obige 1200 Mk. nutzbringender anwenden, wenn sie alljährlich zwei oder drei kleine, d. h. arme Handwerker einen dreimonatlichen Kursus in der Fachakademie absolviren ließe. Ihr aber, Arbeiter Rendsburgs, schließt Euld der Arbeiterbewegung an, beweist, daß Ihr Eure wahren Interessen erkannt habt und Eurer Bedeutung Euch bewußt seid, denn ohne Euch Nichts und mit Euch Alles I Und am Tage der Stichwahl Alles aus Posten! Und wie hier, so überall! Ein sozialdemokratischer Agitator, auch Lehmann. kein es alle ZU in ein — Dresden, 11. Juli. Schon längere Zeit ist e» her, daß Bericht von hier im„Sozialdemokrat" erschienen ist. Nicht, als ob hier an Stoff dazu mangele— im Gegentheil: wollte ich über___ Thikanen und Schurkereien der Gegner, sowie der Hochlöblicheu, be richten, so müßte ich eine ganze Nummer iu Anspruch nehmen. Der Grund des laugen Ausbleibens war nämlich der, unser Organ so viel als thunlich mit Lokalberichten zu verschonen, um den Raum lieber für allgemein belehrende politische und ökonomische Erörterungen offen"• lassen. Die Lohnbewegung der verschiedenen Branchen ist auch bei uns Fluß gekommen, leider etwas zu spät, so daß für dieses Jahr an erfolgreiches Vorgehen der Arbeiter kaum gedacht werden kann. Einige Branchen, so u. A. die B a u h a n d w er k e c, sind noch nicht einmal organifirt. Schaffen dieselben jedoch diese« Jahr eine gute Organisation, um nächstes Jahr zu Anfang der Bansaison geschlossen vorgehen zu können, so wird ihr Unternehmen unzweifelhaft von Erfolg gekrönt werden. Da» zeigt uns ja B e r l i n, wo die Arbeiter sich rechtzeitig organisirt und daher auch Erfolge aufzuweisen hatten. Die Tischler haben sich so ziemlich organifirt, nnd schickten sich an Versammlungen einzuberufen, nachdem sie vorher einen Fachverein ge gründet hatten. Sie hatten jedoch die Rechnung ohne— die Polizei gemacht. Wohl erhielten die Einberufer polizeilicherseit« die Erlaubniß zur Abhaltung von Versammlungen, aber jedesmal entzog der betr. Lokalinhaber in letzter Stunde sein Lokal. Auf Befragen erklärten die betr. Wirthe(e« war bereits bei sämmtlichen Saalbefitzern Dresdens der Versuch gemacht worden, eine Versammlung zu Stande zu bringen) es fei ein„vornehmer Herr" dagewesen, und hätte ihnen gesagt, daß, wenn sie ihr Lokal zu solchen Versammlnugen hergäben, sie viel Schaden haben würden n. dgl. mehr. Wer der„vornehme Herr" gewesen sei, war uns Allen klar, nur fehlten uns die Beweise, bi» endlich der Besitzer von „B r a u n'S H o t e l" so ehrlich war, und uns den ganzen Rummel erzählte. Es sei ein K r m i n a l g e n S d a r m bei ihm gewesen und babe ihm gedroht, daß, falls er sein Lokal zur Versammlung hergäbe, ihm das Militär entzogen würde, keine Militärkonzerte mehr bei ihm abgehalten werden dürsten und dergleichen mehr. Nachdem uns noch der Wirth die Person de» Polizisten näher bezeichnet hatte, stellte es sich heraus, daß e» MoSjö F i ch t n er gewesen war. Wer paßte auch besser zu solchen schuftigen Manipulationen, wie diese» ehrlose Subjekt, da» schon Dutzende von Meineiden auf dem Gewisseu hat. Wie oft schon hat dieser Hallunte durch wissentlich falschen Eid unsere Genossen um Freiheit und Existenz gebracht! Endlich gelang es doch, bei einigen Wirthen, die sich nicht beeinflussen ließen, Versammlungen zu Stande zu bringen, und waren dieselben von Arbeitern und— Polizisten massenhaft besucht, wobei die Letzteren, Allen voran der Kommissar Paul, derselbe Paul, der in einem Bordell— pardon in einer„W e i n h a n d l u n g" auf der kleinen Brüdergasse „Stammgast" ist, durch provozirende« Auftreteu die Versammlung zu verhindern suchten. Der Fachverein der Schuhmacher, welcher bereits seit drei Jahren be- steht, und dessen Mitglieder früher tüchtige Parteigenossen waren, ist der Indifferenz versallen; diese Leute haben sich von dem öffentlichen Leben beinahe ganz abgeschloffen und vertreten in ihrem Berein die bornirte Anficht, daß die Schuhmacher, wenn sie praktisch durchgebildet seien, den Kampf mit dem Großkapital erfolgreich durchführen könnten. Sie sind ganz glücklich, daß ihr Fachverein bei der Polizei„so gut an- geschrieben" steht. Nicht einmal in der für die Schuhmacher so wichtigen Angelegenheit der Arbeitsbücher hat der Fachverein auch nur den Versuch gemacht, eine öffentliche Versammlung einzuberufen, und den Arbeiterstandpunkt in dieser Frage zu wahren, refp. gegen diesen Schwindel zu Protestiren. Hoffentlich raffen sich die Schuhmacher auf, um den Fachverein nicht zu einer mittelalterlichen Zopsgesellschaft herabzudrücken, wozu er jetzt aus dem besten Wege ist. Unsere sächsischen wie überhaupt die deutschen Preßkosaken machen immer noch in sittlicher Enttüstung über die Deutschenhetzen in Oester- reich; daß aber das Land der Gottesfurcht und frommen Sitte feine eigenen Bewohner von Ort zu Ort hetzt, sie materiell ruinirt, und jeden Ausländer, der eine andere politische Meinung hat, als es im deutschen Büttelstaat erlaubt ist, dito kujonirt, da« finden diese Skribifaxe ganz in der Ordnung. So wurde vor einigen Wochen der Schriftsetzer R S n i tz, ein geborener Ungar, von hier ausgewiesen. Da Ränitz weder „bestrast" ist, noch sich sonst irgendwo„vergangen" halte, wohl aber Sozialdemokrat ist, so suchte man ihn erst ans indirektem Wege los zu werden, indem man einen Spitzel zu dem Prinzipal de« Ränitz schickte und ihn bei demselben seiner politischen Stellung halber zu ver- dächtigen suchte, in der Hoffnung, ihn so arbeit«- und subfistenzlos zu machen. Als die« aber wider Erwarten nicht gelang, wie» man Ränitz kurzer Hand au«. Ueber solche schuftige Maßregeln hat unsere Presse natürlich kein Wort des Tadel«, weder der„anständige" Anzeiger, noch da« Organ der Dresdner Dünger. Export-Gesellschaft auf der Marienstraße. Am 31. Mai spielte sich wieder einmal nach längerer Pause im hie» sign Landgericht ein Sozialistenprozeß ab. Angeklagt waren der Bürsten- macher Fromm, der Mechaniker Weiß, Handarbeiter Wille wegen Verbreitung sozialistischer Schriften. Fromm, welcher sieben Wochen in Untersuchungshaft gesessen und ein Opfer gedankenloser Schwätzerei geworden, wurde freigesprochen, Weiß und Wilke zu je 14 Tagen Gefängniß verdonnert. Ter Stand unserer Bewegung ist im Allgemeinen ein guter und sehen wir den im Herbst kommenden Landtagswahlen mit guter Zuversicht entgegen. 9). E. Reib. ER an die Sozialdemokraten. Bon einem rothen Kapuziner. Heiss a, Juchheissa, Dudeldumdei Das geht ja hoch her,— trotz Polizei! Sind da» gesetzte Unterthanen, ehrsame Bürger, Oder SanSkulotten und blutgierige Würger? Ist da» eine Art, sich auszuführen? Ihr geht zu Kongreffen, laßt die Löbliche sich blamiren; Statt wie in guteu alten Zeiten fromme Schafe zu bleiben, Trotzt Ihr der Staatsgewalt, laßt Euch den Bebel verschreiben I Meint Ihr denn, wir haben keine Gejänguisse mehr? O, wir haben noch Richter, Gesetze, Staatsanwälte und andere« mehr. Ihr glaubt nicht an Krankenkassen-, Invaliden- und Unfallgesetz, Alle unsere schweren Sorgen sind Euch ein leeres Geschwätz, Euch gotivergessenen Sozialdemokraten. Statt ruhig zu schaffen mit Feile und Hammer, mit Hacke und Spaten, Führt Ihr aufrührerische Reden, horcht jedem Lästermaul, Lauft Ihr der rothen Fahne nach, seid zu StaatSgesährlichem nie faul, Treibt allerhand frivole Allotria,— Glaubt Ihr die Staatspolizei fei zum Narren da? In'» heilige deutsche Reich der frommen Zucht und Sitte, Bringt Ihr demokratische Unzucht und soziale Unsitte. Mein Befehl: Keine Gölter sollst Du haben neben mir!— Ist Euch Quark; statt Bismarck ist der Marx Euer Plaisir. Ihr achtet nicht Kaiser noch Reick, verleugnet was groß, was hehr, Selbst den Lehren der Kirche lauscht Ihr nicht mehr.— O glückliche Zeit, wo das Jenseits der Herren Pastores Noch ernst nahm das Volk und da» Gezänk der Tüoolox!« Professores! Jetzt verleugnet Ihr frech die göttlichsten Einrichtungen Und behauptet keck, das feien menschliche Erdichtungen. Mit allem Heiligen treibt Ihr Spott, Habt depoffedirt den alten Herrgott, Und zuletzt, o ich armer geschlagener Mann, Kommen sogar noch Euere Fürsten daran! Sei Landrath, Fürst, Priester oder König man, Das Alles ficht Euch verflucht wenig an. Wer, zum Teufel, kann eine solche Bande regieren, Wenn sie auf so eine höllische Art thut opponiren l Sonst war der Deutsche doch fromm und geduldig, Ihr aber bleibt keinen Gegenscklag schuldig. Doch daran find schuld die verruchten Naturwissenschaften; Und der fff französischen Revolution sogenannte Errungenschaften. Die haben da» schöne Märchen vom Jenseits zerstört, Das göttliche Recht der Fürsten zu bekritteln gelehrt. Und was soll ich erst sagen von Eurer Nationalökonomie? S' ist wahr, die staatlich approbirten Lehrer haben weder Witz noch Genie, Ihre Logik, wenn sie je welche hatten, ist längst nicht mehr koscher, Wer glaubt heute noch an Leute wie Roscher? Müßt Ihr deswegen aber gleich dem Lassalle nachlaufen, Und gar, der Teufel schlag drein, die Marx'schen Bücher Euch kaufen? Alles auf Erden trägt Samen, kriegt Junge, vermehrt sich offenbar, So auch das Kapital mit Zinsen und Prozenten, das ist doch klar. Ihr Schlucker, Ihr Hungerleider, aber habt Nicht« zu verliere», Drum denkt Ihr auch an» Reformiren oder gar Revolutioniren. Vergeßt ganz, daß nur der Mann galt, gilt und wird gelten, Der einen goldenen Löffel mit brachte in diese beste der Welten; Oder der, eigener Gründer de« Glücks, mit geschickter Hand De» Glückes Karten vortheilhaft zu mischen verstand. Was schadet's, wenn, um so großen Zweck zu erreicben, Der Gründer thut knappemang am Zuchthaus vorbeistreichen? Ist Einer erst zu Reichtbum gekommen, So wird er auch gleich in die gute Gesellschaft aufgenommen; Die NicbtShaber aber, die Arbeitsbienen, Die müssen, so ist'« bestimmt, uns dienen, Denn der Reichtbum ist kein leerer Wahn: Ehre, Achtung. Stellen und Würden hänaen daran. Was ist natürlicher, als daß, wer einen Arbeiter miethet, Auch über das erzeuate Produkt frei gebietet? Spricht man Euch aber von de? Kavital« EntbebrungSlobn, So schreit Ihr gleich: Das ist der von den Arbeitern entbehrte Lohn? Was soll denn Eure tolle Erdreistung. Zu schreien, der Kapitalist iabl' Euch nur 6 Stunden für ILstündige Arbeitsleistung? Wo thut denn bleiben sein Profit Wenn er Euch Euren vollen Arbeitsverdienst gibt? Ein solche» Treiben ist ja unerhört Und staatSgefährlich Alles, was Ihr begehrt. Bon wa» soll denn die gute Gesellschaft leben, Wenn Ihr wollt das Privateigentbum aufbeben? Grund und Boden und Häuser, Arieitswerkzeug und Maschinen Sollen, meint Ihr, statt Privaten, künftig nur dem Staate dienen. Mit dem könnt' ich mich allenfalls noch befreunden, Aber, Ihr Schwärmer, wollt stiften Arbeitsgemeinden. O, Ihr Prinzipienreiter, Ihr GleichheitSmänner, macht mir Verdruß— Ganz anders als in Eurem Kopf malt sich in meinem der Sozialismus: Ich bin gewiß ein arbeiterfreundlicher Mann, Wenn die Arbeiter meinem Willen sind unterthan; Aber wenn Ihr wollt einen eigenen Willen haben, Da soll doch gleich ein heilige« Donnerwetter drein schlagen. Ihr nennt Euch Bolkssübrer, seid in Wahrheit Volksverführer, Verbreitet das Gift der Unzufriedenheit in alle Glieder. Aber, Herrgott von Spandau, noch lebt die Polizei! Gegen Uns gestatten wir Euch keine Bolksaufwiegelei. Nicht Diebe, Betrüger und Hallunken machen uns Schmerzen, Biel mehr liegt uns der Gehorsam de« Volke« am Herzen, Den zu erhalten scheuen wir keine Gesetzübertretung,' Zudem haben wir ja in der Hand die Klinke der Gesetzgebung Und behalten natürlich auch das Recht der Gesetzauslegung, Wenn Ihr auch zetert und schreit von Gesetzverdrehung. Nichts hätt' ich dagegen, wenn Ihr die Hölle machtet heiß Den Liberalen, den Juden und sonstigem ordinären Geschmeiß. Aber ungeschoren müßt Ihr mir lassen beim Höllenkrater I Den stolzen Adel, die fromme Kirche, den greisen Landesvater. Drum geht in Euch, fügt Euch ruhig den Staatsgewalten Und lasset alle« Politische hübsch beim Alten; Ertränkt in Bier oder Schnap« nach Neuerungen den Durst, Sonst thut, was Ihr wollt, das Uebrige ist mir Wurst! An die Genossen im 14. hannover'schen Wahlkreise. Die Celler Genossen ersuchen Euch, zweck» Organisation für die nächste Wahl Adressen au» den verschiedenen Orten entweder direkt nach Celle oder aber an irgend einen unserer Reichstagsabgeordneten zu übermitteln. Warnung. Um weiteren Denunziationen vorzubeugen, und damit früher oder später die Genoffen nicht in die schlimme Lage kommen, warnen wir hiermit vor dem Drechsler Ernst Willecke, Bruder des au» Leipzig ausgewiesenen Tischlers Rudolph Willecke. Derselbe hat schon zu wieder- holten Malen hiesige Parteigenossen in öffentlichen Lokalen und in Gegen- wart von Polizeibeamten denunzirt. Er spielt sich mit besonderer Bor- liebe al» Sozialdemokrat auf, sucht dieselben zu seinen Zwecken zu ge- Winnen, um sie später, wenn sie ihn durchschaut haben, aus alle Art ein- zuschüchtern und schließlich zu denunziren. Diese« saubere Handwerk betteibt er hauptsächlich gern in Krankenkaffenversammlungen, und glaubt er diese« al« Bevollmächtigter der hiesigen Filiale der Zenttal-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und verwandten Berufsgenossen(Hamburg) an ihm persönlich unliebsamen Personen und gestützt auf jene« bekannte Zirkular vom vorigen Jahr ungestraft ausführen zu können. Zeitz, im Juli 1883. Die Vertrauensleute von Zeitz. Erklärung. Ich erkläre es al« eine gemeine Verleumdung der Tribuns eis Gendre, mir die Autorschaft de« mit 8cb. gezeichneten, im Most'schen Revolutionsmoniteur erschienenen Artikel« zuschreiben zn wollen, und erkläre zugleich, Herrn 3eb. persönlich nicht zu kennen.-JOS Jens, im Juli 1883. Ludwig Klopfer. Wir lehnen jede Gemeinschaft mit den Anarchisten und dem in der „Freiheit" erschienenen Artikel, der mit 8eb. unterzeichnet un d„Die freie Schweiz" betitelt ist, ab. Pens, im Juli 1883. Für den Lokal-Ausschuß der deutschen Sozialisten in Genf: O. F e ch n e r. Quittung. Aus Wunsch de« Kommunistischen Arbeiter-BildungSverein« zu London find mir 102 Mark, die für den nunmehr beendeten Weberstreik in M e e r a n e gesammelt waren, durch Genosse ViktorFriedländer in Meerane übersandt worden. Ferner wurden mir für den gleichen Zweck gesammelte Mk. 141,07 durch H. R u d o l s in Brooklyn zur anderweitigen Verwendung zugestellt. Borsdors-Leipzig, 27. Juli 1883. A. B e b e l. 5 Mark durch Herrn August König iu N e w y o r k für die Familie unseres verstorbenen Genossen Minkwitz dankend erhalten. Die Stötteritzer Parteigenossen. Brieftasten der Redaktion: H. Seisfert, Buchbinder au« Ton- der», hier: Wir bestätigen Ihnen gern, daß der seinerzeit gegen Sie ausgesprochene Verdacht der Betheiligung an der Denunziation wider den Buchbinder Reinhold Köhler durch die inzwischen ermittelte That- fache, daß Köhler eine Schwindler ärgster Sorte ist, jede Begründung verloren hat. Es ward auch sofort in der Warnung vor Köhler(Nr. 1 des„Sozialdemokrat" von diesem Jahre) ausdrücklich gesagt, daß„der Verdacht der Selbstdenunziation in der Affäre Stuttgart, 13. September(siehe„Sozialdemokrat" Nr. 39 v. I.)" auf Kühler ruhe, da aber trotzdem vielfach die damalige, auf den Aussagen Köhler'« be- ruhende Warnung als noch in Kraft bestehend betrachtet wird, so sei die- selbe hiemil ausdrücklich widerrufen. der Expedition: Ferd.: War schon in 30 quittirt. Verlangtes ging am 24/7. durch O. R. Weiteres besorgt.— P.-Gen. Paris: 20 Tausend Bfm. dkd. erh.— G. D. Lyon: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— P.-Gen. Pforzheim: Mk. 20,— für die Kieler Stichwahl dkd. erh.— Oncel: Mk. 25,— Abon. 3. Qu. erh.— Dr. Bdkt. Agu.: Fr. 7,80 f. Schrft. erh.— SA.: Fr. 1,25 zur Bekämpfung HSnel'S dkd. erh. — C. Mz. Z.: Fr. 12,— Ab. 3. Qn. erh.— I. L. Chauxdefonds: Fr.—.60 s. Schst. erh.— W. FS. Br.: Mk. 3,- Ab. erh. Weitere« durch Freundeshand.— I. H. Schwtz.: Mk. 3,— Abon. 3. Qu. erh.— L. Kb. Jlhn.: Mk. 3,- Ab. 3. Qu. erh.— M. P. R.: Mk. 21,60 Ab. 3. Qu. ,c. erh.— Der Alte G.: Mk. 18.- Ab. 3. Qu., Mk. 5,—! pr. Agfd. und 40 Pfg. f. Schst. dkd. erh. Adr. uotirt. Deckadr. war gründlich verhauen. Nähere» bfl.— Roland: Mk 50,— i Cto. Ab.:c. erh Weitere« erwartet. S. war am 30/7. hier. Der Andere noch nicht. — A. H. Bkrst.: Fr. 5,— Ab. 3. n. 4. Qu. erh. Hptsdg. geht stet« pünktlichst. Nr. 23 total vergriffen.— Rnss. Post: Fr. 30,— ä Cto. erh. — Zinnober Zsn.: Fr. 4,25 Ab. 1. u. 3. Qu. sowie Schst. erh. Sdg. pr. fbd. fort.— Rundmacher: Mk. 35,— Rest 3. Qu und Mk. 29,80' f. Schst. erh. Alle« abgerückt.— Lodernde Flamme: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. und Mk. 1,— pr. Ufd. dkd. erh.- I. G. Kbg.: Mk. 8,60 Ab. 3. u. 4 Qu. erh.— Bäff: Mk. 92,— s. Schst. erh. Bse. kreuzten sich. „Ladung, Zeugen, Sachbetreff sind in Ordnung".„Bäff, bäff, bäff!" —. G. Ri. de Beb.: Fr. 6,50 Ab. 3. Qu. u. 4. Qu. nebst Schstn. erh — T. v. Main: Mk. 45,— Ab. 2. Qu. erh. Längst erwartete Mehr- bestllg. jc. notirt.— Kleiner Thrgr.: Mk. 32,4) Ab. Juli u. Mk. 3,20 f. Schst. erh. Bfl. am 29/7. Weitere».— Catilina: Fr. 3,— f. Schst. erb.- Cäsar Sch. Z.: Fr. 1,50 f. Schst. erh.- F. F. Wld.: Mk. 1,— Ab. Aug. erh.— Eintracht Nachfolger: Mk. 75,— ä Cto. Ab. und Schrft. erh. Gut l— H. O. Paris: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh — P. G. Oschatz: Mk. 5,— pr. Ufd. dkd. erh. 50 Pfg. jc. nach Borschrist vorgemertt.— W. D. jr. Dr.: Mk. 3,30 Ab. und Schst. erh Nicht„Usus", sondern lapsu» psnnas war'S, ftf-s- Himmel———i Erbetenes umgehend senden, um Cto. Fd». zu ordnen.— Bevey D. B.: Schlußabrchg. von Meer, haben noch nicht erh., aber erbeten. Weiteret besorgt.— A. H. Clyde: Bs. u. P.-K. v. 15. u. 16/7. erh. Alles fort, auch Znschneidekunst. Allseits Grüße!— Dtsche Gen. Rewyork: Fr. 330,80 (Doll. 60) 2. Rate f. d. Hamburger(Kieler) Wahl d. Whlsd. dkd. zuge- wiesen.— G. A, Seeger, Balttmore: Einverstanden. Alles hier. Für die streikenden Weber in Meerane(Sachsen) werden zunächst durch dortige Vertrauensleute noch nachstehende Po stet quittirt: Deutscher Verein Bevey Mk 12,80, P.-G. Konstanz Mk. 6,—, P.-w Liege Mk. 10,08, durch Bley(?) Mk. 2,—, P.-G. London Mk. 102,— P. E. Köln a. Rh. Mk, 13,35. Schlußanffteltoglt» gillde! Abonnements auf den„Sozialdemokrat" I werden ausser beim Verlag und dessen bekannton Agenten_ so- wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegef genommen bei folgenden Filialen und Verkaufsstellen: Züricli Volksbuchhandlung, CasinostraJtse 8, Hottingon,.__ Winterthnp Deutscher Arbeiterverein, Haidenstrasse. Baisel Deutscher Verein. Hern Restaurant„Hahnenkopf", Zeughansgasse. Deutscher Verein. Cllmr F. Pflaum, Buchdruckerei Conzett. Xug F. Sigle, im Allgem. Arbeiterverein. T-nzern Wagner, Hofsirasse 41 a, CJenf Chr. Raab, Deutscher Verein. Frauenfeld Heinrich Meyer, zur Blume, L.an»aunc Arbeiter-Leseklub, Cafe Helvetia, Rue Chenau d« Bourg. St. linier G. Roth, pr. Adr. Picard& Bloch. Biel Schwarz, Wirthschaft Bigler, Juravorstadt. Sclinttliaaaen Vogler, zum Steinadler. Paris Martin Schulz, 90 Rue Fajibourg St. Antoine, Hotel dl Nord. Kopenhagen K C. Hördnm, Römersgade 22 Stuen. hrent Jan Flnjaer, Belgradstraat 36. Briissel A. Hochheim, rue de Pdscalier 4. M. Starke, cordonnier, Rue grand Cannes 9. Vervier» Charles Plcreaux, 20 rue de Luxembourg, Andrimont- Anisterdam Cafd Cosmopolite, Dykstr. 33. Antwerpen Ph. Coenen, nie Dambrugge 11. Commnnlst. Arb.-Rild.- Verein, 49 Tottenham Street, Tottenham Court. Road, W. H. Rackow, 35 Charlotte Street Fitzroy Square W. J. W. Goedbloed, Tobacconist, 29 Foley Street, Gt Tichfield Street. York 4 Co., Buchhandlung 131a, London Wall, Citf Mr. H. Stevens, stationer, 223 Qoswell Road E. C. Mr. H. SchackwitZ, Friseur, 10 Featherstone Str., City Mr. Charles Schmidt, Foreign Provisioner, 17 Gray Str.' Silbertown. Mr. Klotzbach, Friseur, Edward Street, Sehe. Mr. Schaper, Restauration, 41 Greek Street, Sehe. Mr. B. Breul, 104 Whitfield Street, Tottenham Court Road. Mr. Gee, Stationer, 42 High-Street Islington. Cantleford bei Torkshire Theobald Völkel, i Dentonterrasse- Hnll Friedr. Ronniger, Balkanstreet. Bukarest W. Bast, Strata Occidentului 13. John Heinrichs, 83 Allen Street. H. Hitzscbe, 548, 9. Avenue, City. Jos. Stranss, 356 East. 19 Street. A. Böhne, care of„New-Yorker Volkszeitung", 184 William Street. Jean Gross, 176 Ost 3. Street. W. F. Schmidt, Nr. 613 Caliowhill Street care of Philad. Tageblatt. F. W. Fritzsche, 325 Caliowhill Street. Lanfermann, 401 Divisionsstreet. 4 C, Schumann, 16 Mercer Street Gebr. Herminghaus, 1805 Franklin Avenue. , Gust. A. Seeger, 7 Watson Str. I-awrencc, Man«. Louis Martin, 35 Park Street. Buenos-Aire» Rudolfe Mücke, Calle 25 de Mayo 241. San Praneiaco, Cal. C. Blass, Notoma Street 611. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Echweijerischf Ä nosienschaftsbuchdruckerei Hottfagia-Zürich. Xiondon Xew-York Philadelphia Chicago III. A. Cincinnati, O. 8t. i.oniM, Ufo. Baltimore, Kd.