Orschewt «•«tutli« f inmal In Zürich(Schweiz) fnlii »»lttbachhandlung lilftKiiafta ftanco gegen franco, Gewihnliche Briefe «ach der Schweiz losten Dovpelporto. R° ST. Der KoMldemokrat Aentrat'Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 16. August. Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim«erlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren VierteljahrSpreii von: Fr. 2.— für die Schweiz lllreuzbands Ml. 3.— für Deutschland lLouvert} st. 1. 70 für Oesterreich lToudert Kr. 2.S0 für alle übrigen Länder det Weltpostvereins(Kreuzbands Znslrate Die dreigespalten- Petitzeil e 25 S,S.= 20 Pfg. 1883 m Sit ItaitalH-ad Inrtfioiieaitn de,„Sosialdem-kr-i". _.Sozialdemolrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich all. Mühe geben, uni-r-«--bwdnng.n nach jenen Ländern mdglich�u ntchwnen. re�p. von � uns »nd»nsere Zeitung», und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Lorstcht im yostverkehr nothwendtg und darf leine«orfichtSm-ßregel versäum» werden, die V-i.-stnard-r über den Wabren Absender und S-tPfäng-r, sowie den Inhalt de» Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen, v-upt-rfo-derniß tst hiezu-inerseit», daß unsere Freunde so selten -l, mbglsch an den, Sozialdemokrat-, resp. d-ffen Verlag selbst adr-tstren. sondern stch möglichst an irgend-in- unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und O-st-rr-tchS wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber dast auch UN» möglichst unverfängliche AustellungSadresten mitgetheilt werden. Zn zweifelhaften Fällen empfiehl, stch behufs größerer Sicherheit»etommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Muhe noch Kosten scheuen um trotz aller-ntaeaen. stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! An die parteigenojsen in Sachsen! Da am lg. September d«. IS. die«rgänzungstwah len Zum Landtag stattfinden und ein Theil der Parteigenossen dabei betheiligt ist, halten wir für nothwendig, folgende Winke zu geben. Nach dem einstimmigen Beschluß der Landesversammlung dürfen die Parteigenossen keinen Kandidaten einer anderen Partei, weder direkt noch indirekt, unterstiitzen. Wo kein Parteikan- didat aufgestellt ist, haben sie sich der Stimmabgabe zu enthalten. Wähler für dm Landtag ist, wer seit mindesten» zwei Jahren sächsischer Staatsbürger ist, da» 25. Lebensjahr überschrilten hat und an direkten StaatSstcnern(Einkommen- oder Grundsteuer oder an beiden zusammen) wenigsten» 3 Mk. jährlich bezahlt. D e r Z u s ch l a g wird nicht gerechnet. Die Wahlhandlung muß mindestens von Vormittags 9 Uhr bis Nach- mittags 3 Uhr währen, eine längere Ausdehnung der Wahlzeit ist der Wahlbehörde gestattet. Die Bcrtheilnng der Flugblätter und Stimmzettel organifire man so, daß dieselbe rasch von Statten geht. Die Stimmzettel mache man von so großem Format, dag dieselben eventuell beschnitten werden können, um sie den gegnerischen gleich zu machen. Man spare nicht mit den Stimmzetteln, lieber tauseud zu viel als hundert zu wenig. Da Stimmzettel laut Beschluß des Reichstags nicht als Drucksachen im Sinn de» Preß- und Sozialistengesetze« angesehen werden können, dürfen auch Diejenigeu sich an der Verbreitung von Stimmzetteln betheiligen, denen da» Recht zum Schriftenvertrieb entzogen ist. Die Konfiskatiou von Stimmzetteln ist ein entscheid. nder Grund für dieUngiltigkeil der gegnerischenWahl. Ebenso ist da« polizeiliche Wegholen von bereits vertheilten Flugblättern aus den Häusern ein ungesetzlicher Akt. Da die polizeilichen Schnapphähne höchstwahrscheinlich von Oben herab augewiesen werden, die Konfiskation der Wahlflugblätter möglichst vor der Verbreitung zu bewerkstelligen, so treffe man hiergegen seine Vor- sichtsmaßregeln. Jeder, der sich mit der Verbreitung von Wahlaufrufen befaßt, wird gut thun, sich mit irgend einer Legitimation zu versehen. Wird er wegen der Verbreitung polizeilich angehalten und verhaftet, so Protestire er gegen die Berhastung und verlange nach erfolgter Legitimirung seine s o f o r- t i g e Freilassung. Die bloße Tharsache der Verbreitung eines sozialistischen Wahlflugblattes rechtfertigt unter keinen Umständen eine Verhaftung, und sollte der Verhaftete unter allen Umständen bei der Staatsanwaltschaft die Denun- ziation wegen Mißbrauch« der Amtsgewalt und widerrechtlicher Freiheit«- entziehung einreichen. Behauptet der Polizist oder Gensdarm, die Verhaftung erfolge wegen des Inhalt«, dann verlange man von ihm Auskunft, wodurch ein Ver- gehen begangen sein soll, welcher Art dasselbe sei, der Verhastete verlange dann aber auch seine sofortige Borführung vor den ordentlichen Richter, damit dieser entscheiden kann, ob ein Vergehen vorliegt. Die verbreiteten Flugblätter müssen den Namen des Drucker« und Verleger« enthalten, andernfalls können die Verbreiter preßgesetzlich dafür verantwortlich gemacht werden. In jedem Wahlkreis sollte wenigstens ein Mann bestimmt werden, an welchen alle während de» Wahlkampfe» vorkommenden Unregelmäßigkeiten und Ungesetzlichkeiten sofort zu berichten find. Dieser hat den Sachverhalt genau und wahrheitsgemäß zu untersuchen, namentlich auch Ort und Tag de« Vorkommnisse« und Namen der betheiligten Personen und Zeugen festzustellen und Alles zu Papier zu bringen. Ist die Wahl für die Partei ungünstig ausgefallen, so ist diese« Mate- rial sosort zu einem Protest zu verarbeiten und dieser bei dem Zu- sammentritt de« Landtages an die Zweite Kammer einzusenden. Die im Landtag fitzenden Vertreter unserer Partei find von der Absendung und demJnhalt de« Protestes in Kenntniß zu setzen. Aber auch im Falle eine« günstigen Wahlresultates müssen die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten und Ungesetzlichkeiten unseren Parteivertretern mitgetheilt werden, damit diese im Landtage entsprechend auftreten können. Was wir nicht thun können und was wir thun sollen. (Eine zeitgemäße Betrachtung.) Die von der deutschen Sozialdemokratie von jeher vertretene Ansicht, daß Revolutionen nicht auf Kommando von Parteien gemacht werden, sondern gleich gewissen Naturereignissen und mit der Nothwendigkeit derselben eintteten, sobald bestimmte Vor- bedingungen erfüllt sind, d. h. wenn die politischen und sozialen Verhältnisse sich derart zugespitzt haben, daß das Gefühl der UnHaltbarkeit des Bestehenden ein allgemeines geworden ist, hat zu mancherlei Mißdeutungen Veranlassung gegeben. Sie ist einerseits gewissen Leuten ein bequemer Vorwand, sich einer beschaulichen Ruhe hinzugeben und Andere zu gleich beschaulichem Abwarten aus den Tag der Erlösung, der ja doch kommen muß, zu verkosten, während fle andererseits den Zorn aller Derer erregt, welche den Beruf in sich verspüren, Weltgeschichte zu machen, und ihnen immer wieder Wuthausbrüche über eine Theorie entlockt, die auf den Thatendrang kühner Geister„geradezu lähmend" wirkt. Aber trotzdem sie selbst über diese verderbliche Lehre thurmhoch erhaben find, thun diese guten Leute beharrlich nichts, absolut nichts, wenn man in ihrer unaufhörlichen Ver- kündigung von Thmen nicht schon die That sehen will. Von der Revolution ganz zu schweigen. Wie verhält es sich nun aber in Wirklichkeit mit dem Ein- gangs entwickelten Satz? Sagt er wirklich, daß wir nur mit offenem Munde dazustehen brauchen, bis uns eines schönen Tages die gebratenen Tauben der sozialen Revolution in den Mund fliegen? Ergibt sich wirklich aus ihm keine andere praktische An- wendung als die Nothwendigkeit der schönen Tugend des Ab- Wartens? Keineswegs. Nur schwache Logiker, nur metaphysische Denker — und Viele, die sich Materialisten nennen, gehören zu dieser Kategorie— nur Leute, für welche es in der Weltgeschichte nichts als Schufte oder Helden gibt, welche in dem bei Revolutionen meist unvermeidlichen Blutvergießen das Wesentliche derselben erblicken, nur die Theologen der Revolution können zu einem derartigen Schluß gelangen. Thalsächlich gibt die Er- kenntniß, daß Revolutionen nicht Sache des Zufalls sind— und der freie Wille einer Anzahl von Revolutionären ist ja schließlich auch nur ein Zufall— vielmehr Denen, die sie be- greifen, einen sicheren Maßstab für die Wirksamkeit ihrer Maß- nahmen, sie zeigt ihnen, w o sie den Hebel ihrer Thätigkeit anzu- setzen haben, und bewahrt sie ebenso vor Illusionen, wie sie ihnen die unausbleibliche Folge derselben: Enttäuschung, erspart. Keinen Rausch, aber auch keinen Katzenjammer, sondern Klarheit über Das, was wir können und demgemäß sollen— das finden wir in ihr. Sie ist unromantisch, nüchtern und muß da- her sensationslüsterne Geister abstoßen, aber sie gibt uns eine Eigenschaft, die den Gegner zur Verzweiflung bringt: Zähig- keit und Ausdauer. Gegen diese kein Kraut gewachsen ist. In dem Satze nämlich, der allen Revolutionsschwärmern so zuwider ist, daß Revolutionen nicht gemacht werden können, steckt gleichzeitig auch der alle Polizciseelen zur Verzweiflung bringende Satz, daß Revolutionen nicht verhindert werden können. Sie stehen über dem Willen einzelner Menschen, wie Wind und Wetter, Sonnenschein und Regen. Wie aber die Wissenschaft der Wetterkunde den Menschen immer mehr in den Stand setzt, das Eintreten von Wind und Regen vorher zu be- rechnen, sie veranlaßt, danach ihre Einrichtungen zu treffen, und so das Beten um gute Witterung auf den Aussterbeetat setzt, so setzt die Gesellschaftswissenschaft auch das Beten um die Revo- lution auf den Aussterbeetat. Wir wissen, daß sie kommt, daß sie kommen muß. Das hat nicht zur Folge, daß wir nun die Hände müssig in den Schooß legen, sondern eS veranlaßt uns, ihr, der erlösenden, die Wege zu ebnen, und uns, das arbeitende Volk, auf ihr Eintreten vorzubereiten. Denn der Sozialdemokratie wird die Aufgabe zufallen, die Revolution durchzuführen, und diese Aufgabe will wahrhaftig studirt sein; sie erfordert mehr Kraft als die Entfachung von 1000 Krawallen und Putschen, zu denen man heute in allen Großstädten brauchbares Material in Masse vorfindet. Es ist allerdings danach. Kein Wort ist mehr mißbraucht worden als der Marx'sche Ausspruch: Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesell- schaft, die mit einer neuen schwanger geht. Mit ihm hat Marx keineswegs sagen wollen, daß man nur Gewalt anzuwenden brauche, um eine neue Gesellschaft zu Stande zu bringen. Der geschickteste Geburtshelfer wird mit den besten Instrumenten kein lebendige» Kind zur Welt bringen, wenn die Frucht im Leibe nicht reif ist. Und doch bilden stch einige Schreier ein, sie brauchten nur recht viel Dynamit anzuschaffen, dann sei die soziale Revolution ge- sichert. Geht nach Pommern, nach Posen, nach Bayern, nach Württemberg und sprengt soviel in die Luft, als Ihr nur immer vermögt, und Ihr weidet alles Andere eher als die soziale Re- volution erzeugen. Die Gewalt an sich ist weder ein revolutionärer noch ein reaktionärer Faktor, sie ist nur ein Mittel zur Zerstörung. Aber Zerstörung heißt noch nicht Revolution, geschweige denn soziale, sozialistische Revolution. Wir gehören nicht zu den Phi- listern, welche die Nothwendigkeit des Zerstörens leugnen. Es wird VieleS aus dem Weg geräumt werden müssen, um für das Neuzuschaffende Licht und Raum zu gewinnen, aber nichts ist Verderblicher als der Wahn, man brauche nur zu zerstören, das Uebrige mache sich dann schon„von selbst." Beiläufig: ist es nicht komisch, daß dieselben Leute, welche so entrüstet gegen uns donnern, weil wir uns nicht auf Revolutions- macherei einlassen, nach der Revolution plötzlich Alles von den Verhältnissen erwarten zu dürfen glauben? Wenn wir der Zu- kunft nicht kommandiren, so entspricht das unserer Gesammtauf- fassung von dem Gang der Geschichte, die Revolutionsmacher aber stehen hier an der Grenze ihres Lateins. Die Ursache dieses Widerspruchs, den wir am konsequentesten im Genfer„Revolte"— das einzige anarchistische Organ, mit dem man zur Roth noch diskutiren kann— festgehalten finden, liegt in der, wie wir sie oben nannten, metaphysischen Denkweise dieser Herren. Sie suchen die letzte Ursache aller Uebel in politischen Fornzen, in den Rechts- w. Einrichtungen, während diese nur der gesetzliche Ausdruck der wirthschaftlichen Struktur der Gesellschaft sind. Solange die materiellen Bedingungen der Herrschaft des Privateigenthums nicht aufgehoben sind, wird jede Nichtigkeitserklärung seiner juristischen Geltung wirkungslos bleiben. ES wird vielmehr nach kurzer, sehr unheilvoller Anarchie stch die letztere mit Gewalt zurückerobern. Zeigen wir das soeben abstrakt Hingestellte in seiner praktischen Anwendung. Die winhschaftliche Basis des Privateigenthums ist die zur Zeit noch vorherrschende individuelle Produktionsweise. Glaubt man nun, daß wenn heute eine siegreiche Revolutions- Partei verkündet: das Privateigenthum ist aufgehoben, das Erb» recht iit abgeschafft u. s. w., damit der Kommunismus eingeführt sei? Wir rathen den Herren Anarchisten nicht, diesen Versuch zu machen, sie könnten sonst etwas erleben. Würden die Herren nicht beständig in ihren Einbildungen schwelgen, so müßte ihnen ein einfaches Nachdenken doch sagen, daß die Menschen, ehe sie sich mit Politik befassen, doch essen wollen, sich kleiden, wohnen u. s. w. Nun pflegen Revolutionen nicht gerade in Zeiten großen Wohlstandes auszubrechen, sondern gewöhnlich in Zeiten wirthschaftlicher Krisis. In solchem Moment das Privateigenthum als abgeschafft erklären— das heißt den mäch- tigsten Antrieb zur Produktion, solange nicht der Kommunis- mus eingeführt ist, vernichten— wäre der helle Wahnsinn, müßte den Nothstand steigern anstatt, was das erste Erforderniß ist, ihm abzuhelfen. Es liegt vielmehr im dringendsten Interesse der siegreichen Revolution, daß die Produktion möglichst wenig Unterbrechung erleide, und da ihre erste Aufgabe sein wird und sein muß, die konzentri rten Betriebe auf sozialistischer Basis zu organifiren, eine Aufgabe, die keineswegs mit einigen Dekreten abgethan ist, so liegt aller Grund vor, dafür zu sorgen, daß vorderhand Kleinbürger und Kleinbauern ruhig fortarbeiten. Wir haben hier nicht die Frage zu erörtern, welche Maß- nahmen die Sozialisten zu treffen hätten, falls sie in absehbarer Zeit die Gewalt in die Hände bekämen, aber soviel dürfte aus dem Vorhergehenden ersichtlich sein, daß nicht das Zerstören, sondern das Aufbauen, das Schaffen, den wichtigsten Theil dieser Aufgabe bildet. Und diese Erkenntniß liefert uns auch den Fingerzeig, worauf wir gegenwärtig das Schwergewicht bei unserer Thätigkeit zu legen haben: auf die Organisation der Arbeiterklasse, auf die Erziehung des Pro- letariats zur Selbstregiernng, zur politischen Herrschaft. Alle Mittel, welche uns heute gegeben sind, müssen zu diesem Zwecke benutzt werden: Agitation durch Wort und Schrift, Or- ganisation zu politischen und ökonomischen Zwecken, politische Schulung durch Theilnahme am öffentlichen Leben, Eindringen der Arbeiter in alle verwaltenden und gesetzgebenden Körper- schaften. Mag die„Demokratische Föderation", deren Programm wir jüngst mittheilten, ein„todtgebornes Kind" sein oder nicht, ihre Formel bleibt nichtsdestoweniger die rechte: Agitirt I orga- nisirt l erzieht! Die Revolution, das wiederholen wir, läßt sich nicht komman- diren. Sie ist eine Nothwendigkeit, soviel lehrt uns die Geschichte im Allgemeinen und die Beobachtung unserer sozialen und poli- tischen Entwicklung im Speziellen. Wann sie aber eintritt, das heißt wann die soziale Umwälzung, die sich im Schöße der Heu- tigen bürgerlichen Gesellschaft vorbereitet, so weit gediehen ist, daß das Gefühl der Unhaltbarkett der bestehenden sozialen Ord- nung ein allgemeines geworden ist, das zu bestimmen, sind wir nicht, ist Niemand in der Lage; wie ja auch Niemand einem Volke dies Gefühl mit Gewalt beibringen kann, wenn die Vor- bedingungen desselben nicht erfüllt sind. Ereignisse, die zu be- stimmen, nicht in unserer Macht liegt, können den Zeitpunkt, da die Sozialdemokratie stch vor die Aufgabe gestellt findet, die Verwirklichung ihres Programmes in die Hand zu nehmen, hin- ausschieben, sie können aber auch sein Eintreten beschleunigen. Darum ist und bleibt unsere Aufgabe die, das Volk von der Nothwendigkeit der sozialen Revolution zu überzeugen und unermüdlich dafür zu wirken, daß die Arbeiterklasse die zu ihrer Mission, den Sozialismus durchzuführen, nöthige Kraft, Energie und Erkenntniß in sich aufnehme. Wem diese Aufgabe zu langweilig scheint, und sie fordert aller- dings unendlich mehr Aufopferung und Muth als das vu banque- Spielen mit Putschen und dergleichen, der mag zeigen, daß sein Thatendrang nicht blos Phrase und Marktschreierei ist. Attentate und Attentate. Anläßlich der Hinrichtung des Zaren Alexander führten wir au», daß es zweierlei Attentate gebe: solche, die entweder zur Erreichung eines hohen politischen Zwecke» mit Berechnung der Folgen unternommen wer- den oder sonst au« tiefen sittlichen Motive» hervorgegangen find; und solche, die au« niedrigen Motiven hervorgegangen und ohne würdige« Ziel oder ohne Berechnung der Folgen unternommen find. Erster« seien zu rechtsertigeu und lönnteu unter Umständen von Nutzen, ja nolhwendig fein; letztere dagegen seien unter allen Umständen zu verurtheilen. Die Hinrichtung de»„Jnformers"(Spitzel» und Berräther») C a r e y ruft uns unsere damaligen Betrachtungen wieder iu'S Gedächtniß. Al» die Nachricht der That kam, gab es wohl keinen, von den Schurkereieu de» Getödteten halbwegs unterrichteten Menschen— gleichviel welcher politischen Partei angehörig—, der nicht im ersten Impuls gesagt oder doch gedacht hätte:„Es ist ihm Recht geschehen!" Selbst die englischen Regierungsblätter konnten fich diesem Gefühl nicht verschließen. Die That ist eine zu natürliche, menschlich zu berechtigte, als daß sie Abscheu erregen könnte. Daß ein Jrländer den Mann, welcher Irland zu befreien ge- schworen, seine Kampfgenoffen aber oerrathen und an den Galgen ge- bracht hat, zur Sühne für„Verbrechen", bei denen er selbst mitgeholfen — daß ein Jrländer diesen Mann tödtet, das ist ein Akt berechtigtster Vergelwng, ja man kann sagen, eine Handlung poetischer Gerech- tigkeit. Und daß das gesammte irische Volk der That und dem Thäter zujubelt, das ist ebenso natürlich und menschlich, wie daß bei der Vor- stellung von Wilhelm Tell das zuschauende Volk die Erschießung Geßler'S als eine erlösende und gerechte That begrüßt. Daß die brutale Gewalt und da» gewallthätige Unrecht nur durch Gewalt und unter Umständen nur durch Gewalt gegen die Person abgewehrt und gebrochen werden kann, das fühlt und begreift jeder Mensch, und jeder Mensch fühlt und begreift, daß es Verbrechen gibt, die unabweislich Sühne erheischen und zu deren Bestrafung, fall» die organifirte Gesellschaft— der Staat— sie verweigert(sei es, weil sie selbst Urheberin des Verbrechen», mitschuldiger oder zustimmender, wenigstens duldender Theil ist), auch das einzelne Individuum berechtigt ist. Nur die politische Heuchelei oder die blasse Angst Derer, die eiu böses Gewissen haben und die Anwendung auf sich fürchten, kann diese einfach menschliche, natürliche Wahrheil leugnin, deren allgemeiner Anerkennung wir viele der schönsten und glänzendsten Seilen der Welt- geschichte und viele der schönsten und glänzendsten Dichlungswerke ver- danken. Thaten, wie die der Männer, welche an dem Zar Alexander und dem Polizeischuft Carey Justiz übten, sind mit logischer Nothwendigkeit a u S dem BolkSgewissen hervorgegangen und können der Volks- sache nur nützen, wohingegen Attentate, die nicht wie diese durch den Zweck geheiligt und durch die Verhältnisse geboten find, vom Volks- gewissen verurtheilt werden und deshalb der BolkSsache auch nur schaden können. Das mögeu die Herren sich merken, welche das„Attentätern" als solches zur Religion erhoben haben, durch Attentate die Weltgeschichte willkürlich lenken zu können vermeinen. Wer die sinnlosen Schüsse des Halbidioten Hödel und de» Tollhäus- lers N o b i l i n g mit den Schüssen auf eine Stufe stellt, die an den beiden Verbrechern John Carey und Alexander Romanoff das Urtheil de» Volksgewissens vollstreckten— der zeigt, daß er das Wesentliche von dem Unwesentlichen nicht zu trennen vermag, und den Zweck mit dem Mittel verwechselt, indem er die Gewalt, welche unter Umständen ein notwendiges Mittel ist, zum Zweck ohne Unter- schied macht. Wenn da» T ö d t e n an sich etwa« Verdienstliche» und etwas Revolutionäre» wäre, dann müßten wir den Tamerlan, den Na- poleon, den Bismarck und ähnlichen Organisatoren de« Massenmordes die Palme revolutionärer Verdienste zuerkennen. Eine Kulturpartei, d i e Kulturpartei— denn das ist die Sozialdemokratie— kann unmög- lich dem Kultus de« Mordes huldigen. Und die Tödtung eines Menschen, die nicht durch die Verhältnisse zwingend gefordert wird, ist Mord. Die Einkonunensbewegung in Sachsen. ii. Während sich die„Entsagenden" mit über 100,(XX) Mark Einkommen von 132 aus 153 vermehrten und ihr Gesammleinkommen von 32 auf 36 Millionen Mark stieg, steigerte sich die Zahl der Umsonstesser mit mehr als 1 Million Mark Einkommen von 3 auf 5, verdoppelte sich also beinahe, und ihr jährlicher Profit, den sie verschmausen oder zu weiterer„Entsagung" produktiv anlegen konnten, vermehrte fich von fünf auf a ch t M i l l i o n e n; ihr durchschnittliche« Einkommen betrug 1873: 1,685,189 Mark und 1882: 1,641,851 Mark! Hier wie bei den 100,000-Mark'MSnnern ist da« durchschnittliche Ein- kommen etwas zurückgegangen, aber nur, weil die Zahl der Per- fönen unverhältnißmäßig zunahm, was die relativen Zahlen, weil die „Entsagenden" der Gesammtheit gegenüber ein kleines Häuflein bilden, nicht erkennen lassen. Eine wie anständige Entschädigung die„entsagenden" Kapitalisten für die Aufopferung, daß sie ihr Kapital nicht ausessen, verlangen, zeigt nns auch die folgende, die Einkommen von über 9,600 bis 100,000 Mark umfassende Klasse. Diese Prachtkerl« begnügten sich 1878 mit 97 Millionen, beanspruchten aber 1882 für'ihre Plackereien und Qualen 125 Millionen, d. h. nahezu 12 Prozent de» Gesammteinkommens, obgleich sie blo« ein halbes Prozent der Eingeschätzten bilden. Ihr durchschnittliches Einkommen stieg von 19,252 Mk. auf 20,064 Mk. Gewiß ein anständiger „EntbehrungS"lohll! Und nun die Kehrseite der Medaille: 49, gz Prozent sämmtlicher Eingeschätzten haben durchschnittlich 380 Mk., weitere 31m Proz. haben durchschnittlich 679 Mk. pro Jahr Einkommen, beide zusammen bilden 81,,, Proz. der Eingeschätzten, haben aber blo« 44,,, Proz. des Gesammteinkommens. Acht Zehntel der Eingeschätzten müssen mit vier Zehnteln des Einkommens vorliebnehmen. Welch' kolossales Elend, welch' schreiende Ungerechtigkeit verralhen nicht diese Zahlen! Theilen wir die Gesammtheit der eingeschätzten Personen in 2 Klassen, von denen die erste alle Steuerzahler mit einem Einkommen bis zu 1600 Mk., d. h. die produktiven, in dürftigen Verhältnissen lebenden Arbeiter, die zweite Alle umfaßt, welch- Uber 1600 Mk. Einkommen haben, d. h. die Plusmacher, welche die großen Profite einheimsen, das höhere Lumpenproletariat und einen Theil der sogenannten ideologischen Stände, so erhalten wir folgende» Resultat: die erste Klasse zählt 91,,, Prozent sämmtlicher Steuerzahler mit zusammen 611 Millionen Mark Einkommen; die zweite Klasse zählt 3,,, Proz. der Eingeschätzten mit zusammen 447 Millionen des eingeschätzten Einkommen» zur Verfügung. Man sieht, der bürgerliche Reichihum beruht einzig und allein auf der Ausbeutung de« Proletariat« und wird erkauft durch die Roth und den Jammer, welchem die Alles produzirenden Arbeiter innerhalb der kapi- talistischen Produktion ausgesetzt sind. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die von 1373 bis 1882 erfolgte Steigerung de« durchschnittlichen Einkommens in der untersten Klasse um 1 Mk.(von 379 auf 380), in der zweiten um 4 Mk. durch die infolge de«„Schutzes � der nationalen Arbeit" eingetretene Erhöhung der Lebensmittelpreise nicht nur ausgeglichen, sondern weit, weit überflügelt wird.so daß die Lebensweise der Arbeiter sich verschlechtert haben muß. Noch Ein«! Wie bei Betrachtung der Personcnzahl, so zeigt fich auch bei Untersuchung de» Gesammteinkommens der verschiedenen Steuerklassen ein relativer Rückgang der mittleren Einkommen. Das G-sammteinkom- men der Steuerklassen von über 950 bis 9,600 Mk. betrug 1878: 42, Prozent und 1882; nur noch 40,„ Prozent des Gesammteinkommens. Bon welcher Seite immer man die Zahlen ansieht, stets sieht man den Kleinbürger, den Kleinbauer zurückbleiben und das Proletariat und die Krösusse im Sturmschritt vorwärts eilen. Wir sind's zufrieden! Eine Gesellschaft aber, deren immanente(in ihrem Wesen wurzelnde) Gesetze Zustände zeitigen, welche die Masse immer ärmer und einzelne Wenige immer reicher macheu, hat da« Recht zur Existenz verloren und geht unfehlbar ihrem Untergang entgegen. Wir haben im vorigen Artikel bemerkt, daß unsere sächsische Bevölke- rung sich bereit« in u n t e r englischen Zuständen befindet, und wollen nicht ermangeln, zum Schluß den Beweis hiesür zu geben. Er ist lehr- reich genug, so daß die Leser es uns nicht Übel nehmen werden, wenn wir sie nochmals einladen, uns in das traurige und aride(trockene) Feld der Statistik zu folgen. Die nachfolgenden englischen Zahlen datiren au» den Jahren 1866/67 und sind von Dudley-Baxter aufgestellt(wir halten un» streng an die jenseitige Eintheilung der Einkommensklassen und geben die entsprechenden sächsischen Zahlen in Parenthese bei:) Einkommen Bis 740 Mk. 1030„ 1500„ 2050„ 6150„ 20,500„ „ 102,500„ Ueber 102,500„ (bis („ (, 700 Mk.) 1100 1600 2200 6300 26,000 100,000 (über 100,000 Um die Zahlen vergleichbar zu machen, muß, abgesehen davon, daß die englischen 15 Jahre älter find als die diesseitigen, der Unterschied de» Geldwerthe« fixirt werden. Einen Maßstab hierfür liefert uns da»„eherne ökonomische Lohngesetz". Berücksichtigt man, daß in Sachsen die Masse der Bevölkerung zwischen 500 bis 700 Mark und in England zwischen 700 bis 1000 Mark Einkommen hat, und daß diese Summen den durch- schnittlichen gewohnheitsmäßigen Lebensunterhaltungskosten einer Arbeiter- familie entsprechen, so find 1000 Mark in England gleichwerthig mit 700 Mark in Sachsen. Man wird also, um die verschiedenen Einkommens- klaffen beider Länder vergleichen zn können, die englischen immer um ein Drittel höher greifen müssen als die sächsischen. Soweit dies möglich ist, haben wir e« bei der folgenden kleinen Znsammenstellung gethan, die wir der besseren Uebersicht halber noch folgen lassen(das sächsische Einkommen wie oben in Parentbese): Einkommen Vi» Mk.) Personen Englands Sachsen relativ 79.» 18.» 1.. 84. 13.. 1-89 t i g en B e r- 1500 Mk.(dl» 1100 „ 6150„(„ 4300„) Ueber 6150„(über 4300„) Demnach ist der Prozentsatz des in dür Hältnissen lebenden Proletariats iuSachsen größer als in England: hier bildet es 79„g, dort 84, g, Prozent der Ge- sammtheit. Der Unterschied ist hier ebenso wie bei den großen Einkommen ein ganz geringer. Allerdings ist die Konzentration des Reichthums in Sachsen noch nicht ganz so auf die Spitze getrieben wie in England: er vertheilte sich in Sachsen aus 1,», und in dem klassischen Lande der großen Industrie auf 1.,, Proz. der Gesammtzahl. Angesichts des stärkeren Pro- letariats hierzulande bleiben fich aber die beiden Pole gleich fern. Was un« jedoch am meisten interessirt, da« find die Mittelklassen: ihre relative Zahl beträgt in England 18, z, Prozent und in Sachsen nur 13,.,! Der Unterschied ist auffallend, und zwar zu Ungunsten Sachsens. Jenseits des Kanal« kommt auf 4,., diesseits erst auf 6„ Pro- letarier ein Mittelbürger. Ein großer Kapitalist schlägt viele kleine lodt, dieses Geschäft blüht bei uns besser al« in England, denn in Sachsen nimmt der Mittelstand einen bei weitem kleineren Prozentsatz ein als in dem„profitwüthigen" Albion; und wenn wir auch zugeben, daß es in dem größeren England Industriezentren geben kann, geben wird, mit u n t e r s ä ch s i s ch e n Bevölkerungsverhältnissen, so ändert die« nicht« an der Thatsache: daß die ökonomische Entwicklung Sachsens von keinem Lande der bürgerlichen Gesellschaft übcrtrossen wird. Daher der Jammer, daher das Elend, daher die fast permanenten Nothstäude unter der sächsischen Bevölkerung. Alle Heilpflästerchen Helsen da nichts, das Massenelend ist der nothwendige Begleiter der kapitalistischen Produktion. Es gibt nur einen Weg aus dem Jammerthal der bürger- lichen Gesellschaft, und dieser führt in die freie Gesell- schaft de« Kommunismus! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 15. August 1883. — Wie schaut's ans? Der spanische Ausstand oder vielmehr die Aufstände in Spanien sollen, wenn man dem Telegraph Glauben schenken darf, vollständig beigelegt sein. Da wir aber dem Telegraph, und namentlich dem der alphonfistischen Regierung, keinen Glauben schen- ken, so nehmen wir an, daß die Gährung im Lande der Revolutionen noch fortdauert.�) Wenn sich AlphonS in Madrid hat bejubeln lassen kön- nen, so ist damit noch nichts bewiesen; Madrid ist für republikanische Schilderhebungen in Spanien nie maßgebend gewesen, Barcelona, Kar- tagena, Valencia, Sevilla, da« sind die großen Städte, in denen da« republikanische Blut Spaniens pulsirt. Die deutschen Blätter halten sich darüber aus, daß die republikanischen Putsche in Spanien von Militär» inszeuirt werden. Sehr richtig be- merkt die„Züricher Post" darüber, daß es wohl immer noch besser ist, wenn Offiziere sich für das politische Schicksal ihre» Lande« interessiren, und nicht jedem xbeliebigen Herrn um jeden Preis dienen mögen, als wenn sie ihre freie Zeit mit Kartenspielen und dergleichen todtschlagen. Und wir setzen hinzu, daß es ihnen alle Ehre macht, wenn sie lieber einer freien Republik als dem hergelaufenen lüderlichen Sohn eiues lüderlichen Weibsbildes dienen wollen. Uebrigens muß man, um der- artige Vorgänge richtig beurtheilen zu können, in die Institutionen und den politischen Charakter de« betreffenden Volke» eindringen. Daß eine demokratische Republik für die Entwickelung der Dinge in Spanien der alphonfistischen Monarchie vorzuziehen ist, beweist da« kürzlich erst von der Kölnischen Zeitung gemeldete Autodafs von 2000 protestantischen Lesebüchern. Alphonso kann fich nur durch die Psassen halten und wird daher auch gleich seiner Mutter den Pfaffen jeden möglichen Vorschob leisten, wenn er Uberhaupt nicht bald— abgeschoben wird. Dann mag er mit seiner Gattin Christine, die sich mit ihm pur ordre de mufti ausgesöhnt hat, in dem Zufluchtsorte so vieler Depossedirten, Oester- reich, seine Heimath aufschlagen. Dort finden weggejagte oder durch- gebrannte Thronräuber von jeher die liebevollste und zuvorkommendste Aufnahme. Um so infamer aber springt man in Oesterreich mit Flüchtling«» um, die nicht zu der erlauchten Gesellschaft der profesfionSmäßigeu Volk«- schulder gehören, die weder mit einem Staatsschatz durchgebrannt find, noch an der Spitze von Räuberbanden Mord und Plünderung betrieben haben. Da« hat der Londoner Anarchist Ernst Steven« ersahreu: unter de m Verdacht, daß er der Expedient der Freiheit John N e v e *) Ist nach den in letzter Stunde einlangenden Depeschen auch der Fall. sei, ward er sieben Monate lang in Untersuchungshaft gehalten und schließlich„abgeschoben". Ja, noch mehr, die prenßisch-deutsche Re- gierung hatte ganz unberechtigtermaßen die Auslieferung von Stevens verlangt, Stevens Vertreter aber ausdrücklich gefordert, seinen Klienten nicht an die deutsche Grenze abzuschieben. Trotzdem machte es die österreichische Polizei mit diesem wie seinerzeit mit L i e b e r m a n n, sie ließ St. gerade an die preußische Grenze bringen, wo er von der— zweifelsohne vorher informirten— Polizei in Empfang genommen wurde. Jetzt heißt e», daß St. in H a n a u sitze und ein Hochverrathsprozeß gegen ihn angestrengt sei. Dieser infame Polizeiakt und die wiederholten Konfiskationen der„Zu- kunft" waren die Veranlassung zu einer erbitterten Demonstration Wiener Arbeiter gegen die Polizei, die infolge brutalen Einschreitens der Letzteren in einen blutigen Krawall ausartete, so daß die Polizei die Hilfe des Militär« in Anspruch nehmen mußte. Daß die Demonstration eine berechtigte war, wird nach dem oben ausgeführten Niemand bezweifeln, ob sie aber klug und zweckmäßig war, ist eine andere Frage, über die wir un« vorderhand kein Urtheil erlauben wollen. Höchst eigenthümlich aber berührt es uns, daß der Redakteur der„Zukunft", Herr Peukert, in Wiener Blättern es als eine„infame Denunziation" bezeichnet, daß er au der Demonstration theilgenommen haben soll. Niemand braucht fich etwas nachsagen zu lassen, was er nicht gethan, es hätte sich aber mit Rückficht auf die Demonstranten wohl geschickt, eine andere Form der Berichtigung zu wählen. Ging die Bewegung zu der Demonstration von der Partei des Herrn Peukert au», wie behauptet wird— ob mit Recht lassen wir dahingestellt sein— so wäre es vielmehr Pflicht de» Herrn gewesen, an derselben Theil zu nehmen. Auf der einen Seite aus die deutschen„Führer" schimpfen, weil sie so„feige" gewesen seien, die Solidarität mit Hödel und Nobiling abzuleugnen, und auf der anderen Seite fich der Theilnahme an einer an fich ziemlich ungefährlichen Demonstration gegen die Polizei entziehen, das stimmt nicht gut mit einander. Allerdings darf man von gewissen Leuten alles Mögliche ver- langen, nur nicht Konsequenz. Als praktische Folgen der Demonstration sind zunächst eine ganze Reihe von Verhaftungen von Theilnehmern an derselben und verschiedene Ver- sammluugsverbote zu verzeichnen. Daß sie der niederträchtigen öster- reichischen Regierung eine Menetekel sein werde, ist bei der bekannten Charakterlosigkeit derselben kaum anzunehmen. Der Schreck wird bald verwunden sein, nachdem das Militär sich„so gut bewährt" hat. Bemerkeuswerth ist es auch, wie man von gewisser Seite sich beeilte schleunigst Franz Joseph von dem Krawall telegraphisch in Kenntniß zu setzen, der bei der Kunde sofort das Theater verließ— man denke, trotzdem einBallet gegeben wurde! Es ist bekannt, w e r ein Interesse daran hat, daß die Regenten sich in beständiger Angst vor Revolten be- finden. Einen anderen Charakter als die Wiener Unruhen trugen die dem Aus- gang des Tißa Eßlaer Prozesse» gefolgten antisemtiischen Exzesse in Bu d a- Pest. Hier war es thatsächlich die Hefe der Bevölkerung, welche fich den brutalsten Ausschreitungen hingab, und wo sie nur konnte, sinnlos zerstörte und plünderte. Es zeigte fich da recht deutlich, wie verkehrt es ist, an das tagediebische Gesindel, da» sich in jeder Hauptstadt ansammelt, in Sachen der Revolution zu appelliren. Da« arbeitende Volk hat keinen schlimmeren Feind, als diese jederzeit käufliche verkommene Bande. Das sind die Elemente, welche die Arbeiter von Pari« meinen, wenn sie bei Revolutionen den Ruf„morts aux voleurs! u(Tod den Dieben!) prokla- miren.„Jeder Arbeiterführer, der diese Lumpen als Garde verwendet, oder fich aus sie stützt", schreibt Engel« in der Borrede zum„Deutschen Bauernkrieg",„beweist sich schon dadurch als Verräther an der Bewe- gung". Hier war es daher gauz am Platze, daß die Sozialisten von Budapest den niederträchtigen Versuch der antisemitischen Presse, ihnen die Tumulte in die Schuhe zn schieben, enerzischst zurückwiesen. Es ist beiläufig nicht da« erste Mal, daß die Herren Verhovay und Kon- sorlen Slraßentumnlte provoziren und dann die Verantwortung auf die Arbeiterpartei abzuwälzen suchen.' Um so mehr Grund haben die Ar- beiter, fich davor zu hüten, für solche Leute die Kastanien aus dem Feuer zu holen. In Frankreich haben am letzten Sountag Erneuerungswahlen zu den Genera lräthen— so etwa» wie die Provinzialausschüffe in Preußen— fiatlgejuuden, bei denen die Republikaner eine ganze Reihe von Sitzen eroberten. In verschiedenen Distrikten haben auch die Sozialisten Kandidaten ausgestellt, mit welchem Erfolg, ist aus den bis jetzt vorliegenden Depeschen nicht klar zu ersehen. Soviel ist sicher, daß, abgesehen von den Sozialradikalen, mehrere Sozialisten durchgedrungen sind uud Andere, wie Lalauze(Alais), Baillant(Birzon) jc. in Stichwahl kommen. Aus Italien liegen uns Berichte über den Kongreß der Sozialisten der Romagna vor, der am 5. August in R a- v e n n a stattfand. An demselben nahmen im Ganzen 300 Personen, darunter 80 Vertreter von Vereinen aus der Provinz Theil. Die Er- össnungssitzuug wurde von der Polizei, die mit Gewalt in den Sitzung«- saal eindrang und die Versammlung auslöste, gestört, die späteren Sitzungen nahmen dagegen ihren ungestörten Verlaus, allerdings unter polizeilicher Ueberwachung. Die Organisation der romagnolischen Sozia- listen wurde befestigt und eine Kommission gewählt, welche einen all- gemeinen italienischen Sozialistenkongreß einberufen soll. Ferner betonte der Kongreß seine Solidarität mit den Sozialisten aller Schulen in ihrem Kampf gegen jede Form des Privilegium«. Au« Amerika liegen eingeheudere Nachrichten über den Aus- gang de« Zigarreuarbeiter- Ausschlusses noch nicht vor. Der Streik der Telegraphisten ist nicht, wie in voriger Nummer irrthümlich berichtet, bereit« durchgefochten, sondern dauert noch fort und nimmt immer größere Dimensionen an. Hoffen wir, daß die Geldprotzen, die aus den Hunger als Bundesgenossen spekuliren, schließlich doch nachgeben müssen. — ZurNatnrgeschichtederVolkSpartei.„Wessen wir un« unter gewissen Umständen von unseren Nachbarn im Westen und Osten, den nach Rache dürstenden Franzosen und den von Neid und Haß erfüllten Russen zu versehen haben, weiß nachgerade jede« Kind in Deutschland. Darüber herrscht keine Meinungsverschiedenheit, und vonkeiner Seite w e r d e n Ae u ß e r un g en des Tadels laut, wenn die R e i ch s r e g i er u n g und die höchsten militärischen Behörden alle durch die Verhältnisse gebotenen Borsichtsmaßregeln treffen."— Was meinen unsere Leser wohl, in welcher deutschen Zeitung wir diesen Satz jüngst lasen? In der„Provinzialkorrespondenz", in der„Norddeutschen All- gemeinen", in der„Nationalzeitung" oder dergleichen, wird man rathen. Fehlgeschossen! Diese Generalvollmacht für Bismarck und Moltke steht an hervorragendster Stelle in der Morgennnmmer der„F r a n k f n r t e r Zeitung" vom 10. August. Sie ist die Einleitung einer sehr staats- männischen Bettachtung, die darauf hinausläuft, daß die deutsche Presse Hetznachrichten au» Rußland mit Vorsicht ausnehmen soll, weil dieselben leicht von den bösen Polen in der bösen Abficht, Deutsche und Russen zu verhetzen, in die Welt geschleudert sein könnten.„Oder", heißt e« schließlich,„sollte es am Ende gar wahr sein, wa« von unseren Gegnern behauptet wird, daß man e» an gewisser hervorragender Stelle gar nicht ungern sehe, wenn da» deutsche Volt auf einen Konflikt zwischen Ruß- land und Deutschland als etwa» Unvermeidliche« vorbereitet und da« selbe daher gegen den Nachbar immer feindlicher gestimmt werde? Wir glauben e» nicht." Wenn das Bild von der Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt, noch nie gerechtfertigt war, dann ttifft e« hier zn. Der Schluß wendet sich in— beilänfig echt franksurterlich-feiger— Polemik gegen etwa«, n was in der Einleitung nackt und dürr ausgesprochen ist: Die Unver« ;• m eidlichkeit des Konfliktes zwischen Deutschland und den von„Neid und S Haß erfüllten" Russen, und die infolgedessen sich ergebende Nothwen- t bigfeit,„alle militärischen Vorsichtsmaßregeln zu treffen". Eine so hör- e rende Zumnthung an die Gedächtnißschwäche ihrer Leser ist selbst in der e �„Frankfurter Zeitung" unerhört. -! Aber lassen wir diesen Widerspruch Widerspruch sein, nicht er veran- t laßte uns, von dem betreffenden Artikel Kenntniß zu nehmen, sondern a � der Inhalt, der Kern desselben. Wir sagten schon oben, er ertheilt eine Generalvollmacht für Bismarck und Moltke. Eine solche in der braven Frankfurlerin zu finden, darf r i uns aber keineswegs Wunder nehmew i E» gibt zwei Sorten von Politik: die Eine bafirl aus bestimmten 8 Prinzipien, die andere richtet sich nach den jeweiligen Konjekturen. Bon e devi Augenblick an nun, da man auf der Es chenheimer Gasse Prinzipien al« höchst überflüssigen Ballast über Bord warf und in Konjekturalpolitik machte, war nicht« richtiger, al« von Zeit zu Zeit in sehr gelehrten An,- einaudersetzungen dem Herrn Reichskanzler„ganz Recht" zu geben. Bon der Autorität, deren dieser sich in auswärtigen Dingen erfreut, mußte � danu ja auch ein Theil auf da« leitende Organ der deutschen Volk«. Partei abfallen, welches so große« Berständniß für seine Politik offen- bart. Man konnte vorderhand nur gute Geschäfte machen, deun die i Fehler, die große Herren begehen, werden solange al» möglich durch den l Apparat, der diesen zur Versügung steht, vertuscht. So wurde, so lange als es ging, Bismarcks Orientalpolitik als das Musterstück diplomatischer Weisheit gepriesen, deren Konsequenz die jetzige ! politische Situation ist. Und daß diese eine für Deutschland erquickliche sei, wird selbst die Franlfurterin nicht behaupteu wollen. Ja, es ist wahr, die Ruffeu, das heißt das ganze o s f i z i e l l e Ruß. � land ist deutschfeindlich, ist von Neid und Haß gegen Deutschland erfüllt. Wer aber hat jahrelang davon nicht« wissen wollen? Die„Frankfurter Zeitung". Wer hat Rußland Borschub geleistet, als es io Serbien und Bulgarien Befreier spielte? Die„Frankfurter Zeitung". Wenn Rußland, immer da» offizielle, jetzt sein wahres Geficht zeigt, so ist es wahrlich nicht da« Verdienst der„Frankfurter Zeitung", daß„jedes Kind in Deutschland" darauf gefaßt ist. Nur ist nicht„jedes Kind m Deutschland" so schnell bei der Hand, ob der Berhetzung zwischen Deutschland und Rußland auf die— P o l e n zu schimpfen. Zu einer solchen Niederträchtigkeil gehört da« diplomatische Genie der„Frankfurter Zeitung". — Trau, schau, wem?„Die Bauern» und Arbeiter- s ä n g e r e i", wird uns au« S a ch s e n geschrieben,„ist heutzutage in der Mode, nicht blo» bei der Reichsregierung, sondern auch bei den ver- schiedenen Ordnuugsparteieu— den konservativen wie liberalen(und fortschrittlichen). Hier in Sachsen z. B. geben namentlich die Herren Fortschrittler sich die erdenklichste Mühe, unter dem Schirm des Sozia- listeugesetze« die sozialdemokratischen Arbeiter in ihr Garn zu locken. Sie haben mehrere Blätter gegründet, welche wesentlich oder einzig und allein diesen Zweck verfolge:,. Ja Leipzig die„Bürgerzeitung", deren Einfluß jedoch vollständig gleich Null ist; in Glauchau den„Beobachter", welchem es leider gelungen ist, sich in diesen und jenen Kreisen den Ruf eines demokratischen, ja sozialdemokratischen Blattes zu erwerben. Zur Charakteristik des letzteren Blattes, welchem endlich die Maske heruntergerissen werden muß, diene ein in Nr. litt(vom 22. Juli)»er- össentlichler Artikel über den bekannten Entscheid der Reichsdeschwerde- kommission in Sachen der„Süddeutschen Post". Der Artikel ist so charakteristisch, daß wir ihn vollständig zum Abdruck bringen wollen; er lauret: „Die Wiederaushebung des Verbotes der„Süddeutschen Post" ist sehr j geeignet, die Aufmerksamkeit aller politisch Denkenden auf die neueste j Stellung d e r Sozialdemokratie zu lenken. Die Entscheidung hält zwar die Unterdrückung der Nr. 24, in welcher bekanntlich ein Bericht einer ütewyorker sozialistischen Zeitung über eine Besprechung mit dem russischen Nihilisten Harlmanu abgedruckt war, aus- recht, hebt dagegen das Verbot des Wiedererscheinens des Blattes wie- derum aus. Und noch interessanter ist die Motivirung, daß nämlich nicht etwa der Wiederabdruck aus einem verbotenen Blatte Grund zur Unterdrückung sei, sondern nur ein Grund darin gesunden werden könne, daß durch einen solchen Abdruck sozialistische Bestrebungen gefördert würden. Der Umstand, daß der sozialistische Reichstagsabgeorduele(?) Viereck und der ebenso anerkannt sozialistische Kegel(früher bei der„Themnitzer Freien Presse") die Redaktion besorgen, ist gleich gar nicht erwähnt, da- gegen besonders betont, daß die daierische Verwaltungsbehörde unterlassen habe, diejenigen Artikel zu bezeichnen, au« welchen angeblich ebensall» „sozialistische Bestrebungen" hervortreten. Nimmt man dazu, daß vor Kurzem der früher bei allen Stichwahlen durchgesalleue Bebel in Hamburg mit 1V3 Stimmen Majorität lediglich deshalb gegen einen Fortschrittler gewählt worden, weil sich die National- liberalen und Konservativen theil« der Wahl enthielten, theil» direkt für leine Wahl(namentlich in den„Hamburger Nachrichten") wirkten, so ist gär kein Zweifel mehr: Die Sozialdemokratie wird, einen geeigneten Ausdruck finden wir nicht gleich,„ s a l o u s ä h i g". Man behandelt sie wie eine andere gleichgestellte Partei--- und das ist offenbar der erste Schritt zur Aufhebung der Ausnahmestellung, welche ihr das Sozialistengesetz angewiesen. Ob freilich bei einer solchen Aushebung das Sprengen von Versamm- lungen, wie es noch auf dem letzten Reichstage von dem Abgeordneten Richter dem Abgeordneten Liebknecht vorgeworfen wurde, damit aushören wird, das steht dahin. Jedensall« gibt es dagegen Abhilsemittel, wie ja auch z. B. nach der kalifornischen Gesetzgebung da« unerlaubte Eindringen in die Versamm- luugen fremder Parteien und Beleidigungen in solchen öffentlichen Ber- sammlungeu ganz gehörig geahndet wird, und wenigsten» gegen die So- zialisteu die schon bestehenden Gesetze, wenn auch mit einer unserer Anficht nach ungerechtfertigten Härle in einem Falle zur Anwendung gebracht find, indem ein württembergische» Gericht gegen einen Sozialisten, der zu einer Versammlung einer anderen Partei, von welcher Sozialdemokraten ausdrücklich ausgeschlossen waren, gekommen war und sich ganz ruhig »erhallen hatte, die Bestimmungen über den Hausfriedensbruch in An- Wendung brachte und ihn zu 1« Tagen Gesäuguiß verurtheilte. Die Meldung von der Wiederaushebuog des Verbot« der„Süddeutschen Post" ging durch viele Zeitungen mit der Bemerkung, sie sei ein demo- kratische« Blatt gewesen und unverdient in den Geruch eine« sozialdemo- kralischen gekommen. Da« Erste ist gewiß richtig, daß sie nämlich ein demokratisches Blatt »gewesen", während das Andere falsch ist. Die Bemerkung zeigt aber immerhin, daß man io den Kreisen der Interessenten e» angezeigt hält, einige Vorsicht in künftigen Beröffent- lichnugeu zu beobachten, und der Jubelgesang, den noch die letzte Nummer der„Süddeutscheu Post" über den Untergang der demokranschen «Augsburger Tagespost" gebracht hat, dürste also wahrscheinlich, wenn « noch nicht gedruckt gewesen wäre, heute nicht mehr erschemen. Die ganze Siwation ist aber-- wie sie jetzt ist— eine jedensall« Mteressaute. Bei der Unterdrückung de«„Beobachter»" gab man noch die Motivi- rung, daß der verantwortliche Redakteur de« Blattes jine Zeit lang (nicht mehr zur Zeit der Unterdrückung) ein„notorischer Sozialdemokrat", Flachowsky, gewesen sei, ein Grnnd, welcher offenbar hinreichen würde, «ine» der Glauchauer Amtsblätter au» zu unterdrücken, und welcher in einer äußersten Konsequenz dahin führt, nicht nur alle Sozialdemokraten, sondern auch alle an sozialdemokratischen Blättern beschäftigt gewesenen Setzer und Drucker brodlos zu machen. Damals wurde ferner als Grund gellend gemacht, daß der„Beobachter" Fortsetzung der„Glauchauer Abendzeitung" sei, die(zwar selbst nie unterdrückt worden) aber einem notorischen Sozialdemokraten, dem Tischler Quaas, gehört habe. Bei der„Süddeutschen Post" hat selbst die Betheiligung der Herren Viereck und Kegel keinen Grund zur Unterdrückung gegeben. Da« ist sehr lehrreich für die nächsten Zeiten, vor Allem in Verbindung mit den Vorgängen in Hamburg. Wir werden es erleben, daß die Konservativen und Ratio- nalliberalen unter dem Banner der Sozialisten-- gegen Fortschrittspartei und Volkspartei kämpfen. Das wird ein höchst interessantes Schauspiel geben!"— Dies der saubere Artikel, der aus jeder Zeile die Bosheit de« Ver- sassers und dessen grenzenlosen Haß gegen die Sozieldemokratie heraus- blicken läßt. Mit noch größerer Schamlosigkeit, als es seitens der Berliner fort- schrittlichen Presse geschehen ist, wird die alberne Lüge von dem Bllndniß der Sozialdemokraten mit den Konservativen aufgetischt. Bündniß der Verfolgten mit den Verfolgern! Man muß vor Leidenschaft blind sein, um solchen Widersinn glauben zu können. An konservativen Lockungen der Sozialdemokratie gegenüber hat e« wahrhastig nicht gefehlt— da» weiß der wohlbekannte Verfasser de« Artikels so gut wie wir— aber er weiß auch so gut wie wir, daß die Sozialdemokratie alle derartigen Lockungen mit Verachtung zurückgewiesen hat— gewiß nicht au« Sym- pathie für die liberale, fortschrittliche und volksparteiliche Bourgeoisie, sondern weil unsere Prinzipien es gebieterisch erheischen. Wenn die deutschen Sozialdemokraten sich— was in konservativen und RegierungS- Kreisen allerdings lebhaft gewünscht wird— dazu verstehen wollten, den Feudalreaktionären bei der„Sauhatz" auf den Liberalismus al« Hätz Hunde zu dienen, dann wäre das Sozialistengesetz längst abgeschafft— auch das weiß der Verfasser des Artikel» so gut wie wir. Trotzdem kolportirt er mit eherner Stirn die stupide, durch die handgreif- lichsten Thatsachen schlagend widerlegte Verläumdung, und fügt an sie — von anderen Gemeinheiten abgesehen— noch die weitere, längst widerlegte Verläumdung, daß die Sozialdemokraten die Versammlungen anderer Parteien systematisch gesprengt hätten. Freilich, wir brauchen den Namen de« Verfassers nur zu nenilen, und Niemand, der den Mann kennt, wird sich über die perfiden und zugleich kindischen Auslassungen wundern. Derselbe heißt Schraps, war eine Zeitlang Reichstagsabgeordneter und stand im Geruch sozialistischer Gesinnung, ist aber— zum Theil au« persönlicher Feindschaft gegen Bebel und Liebknecht— zu einem verbissenen Sozialistensreffer geworden, der glücklicherweise viel zu konfus ist, um einer anderen Partei schaden zu können als der seinigen. Er nennt sich Demokrat, bekennt sich zu den Grundsätzen der Volkspartei(welche immer sie sein mögen) und glaubt unter der Herrschast des Sozialistengesetze« mit Erfolg Arbeiter- sängerei treiben, für seine Partei im Trüben fischen, und der tödtlich gehaßten Sozialdemokratie endlich die Schlinge um den Hal» legen zu können. Herr Schraps ist aber nicht bloß Verfasser des gekennzeichneten Ar- tikels: er ist auch Redakteur und Eigenthümer des in Glauchau er- scheinenden„Beobachter". Da Herr Schraps seit dem— durch die Reichsbeschwerdekommisfion ausgehobenen— Verbot de«„Beobachter«" seine Person wohlweislich in Schatten gestellt hat, ist es ihm gelungen, durch dann und wann zur Schau getragenen politischen Radikalismus einige sozialdemokratische Abonnenten zu gewinnen. Diese werden nun wissen, was sie zu thun haben. Gelegentlich folgt Fortsetzung. — In Berlin erscheint seit etwa anderthalb Monaten täglich zum Preise von S Ps. die Rümmer eine sog.„Deutsche Arbeiter- und Landeszeitun g", Zentralorgan sür Handwerk, Industrie und Landwirthschast". Dieses Blatt, welches von Kumpanen des Herrn Stöcker auf die verkrachte„Landeszeitung" de« Glücksritters Niendorf — der Titel-Kops ist theilweise derselbe— gepfropft worden ist, hat zum Zweck, die Arbeiter Berlins für die bevorstehende Stadtverordnetenwahl auf den antifemitisch-agra- ri scheu Leim zu locken. Zu warnen brauchen wir unsere Genossen nicht, zumal da« Blatt so ungeschickt und plump redigirt ist, daß über seinen reaktionären Charakter auch der Naivste sich unmöglich täuschen kann. — Die Wiesbadener Wahl hat wieder einmal recht deutlich den Nutzen von ernsthaften Kandidaturen, im Gegensatz zu sogen. Zähl kandidamren gezeigt. I ö st hat mehr al» doppelt so viel Stimmen erhalten wie bei der letzten allgemeinen Wahl Liebknecht, der nur al«„Zählkandidat" ausgestellt war. Da« Stimmenverhältniß ist folgendes: 1381 1383 Fortschrittler 10291 7014 3277 weniger Zentrum 4125 3250 875„ Konservative 1305 886 919„ Sozialdemokraten 616 1338 722 mehr Die Genossen sollten sich diese Lehre zu Herzen nehmen und, absehend von„bekannten Namen", für die bevorstehende Wahl Uberall darauf bedacht sein, Kandidaten aufzustellen, welche im Falle der Wahl den Wahlkreis auch vertreten können. Dadurch erhält die Agitation sofort größeren Ernst. Und gibt e« da« erste Mal nicht viel Stimmen, da« zweite Mal gibt es mehr, bi« schließlich die Majorität gewonnen ist. Beiläufig. Die biedere Frankfurterin hat bei Besprechung dieser Wahl nicht« von„Nulle n" verlautbaren lassen. Und I ö st ist doch nur ein Schreinergeselle! — Kontraktbruch seitens der Arbeiter ist wieder kriminell strafbar, wenigstens gilt diese« vorläufig sür S t u t t- gart. Der Thatbestand ist, wie uns von dort geschrieben wird, kurz folgender: Nach Ausbruch de» Streiks in der Schöttle'schen Möbelfabrik erhob diese Firma Klage gegen ihre Arbeiter beim hiesigen Gemeinde- gericht— zu einem GewerbeschiedSgericht hat das industrielle Stuttgart es bisher noch nicht gebracht— und zwar wurde geklagt auf Wieder- aufnähme der Arbeit wegen böswilligen Verlassens derselben. Der Herr Gemeinderichter Siegel entließ die Herren Fabrikanten mit einem tiefen Bückling und der Versicherung, daß man ans ihn rechnen könne. Dementsprechend fiel auch da« Urtheil au«: Die Arbeiter wurden zur Wiederausnahme der Arbeit bis zu einer bestimmten Zeit, eventuell zu einem Tag Hast verdonnert. Selbstverständlich wurde die Arbeit nicht wieder ausgenommen, und— 19 von den streikenden Schreinern wurden als ersteSerie eingesperrt. Nun bestimmt der§ 105 der Gewerbeordnung ausdrücklich, daß da« Ber- hälwiß zwischen Arbeiter und Arbeitgeber rein zivilrechtlicher Natur ist, daß dasselbe der„freien Uebereinkunft" der Betreffenden überlassen bleibt. Da« Urtheil und seine Bollstreckung find also u n g e s e tz l i ch, sind ge- fällt und vollzogen gegen die ausdrücklichen Bestimmungen der Gewerbe- ordnung. So wird da»„Recht" gegen die Arbeiter gehandhabt I Und gegen die Fabrikanten? Die ausgesperrten Arbeiter haben seit drei Wochen gegen die Fabrikanten wegen widerrechtlicher Entlassung Klage erhoben, b i» h e u t e i st— die Klage der Buschle'schen Arbeiter, die unmittelbar nach dem Ausschluß vorgingen, ausgenommen— noch kein Urtheil ge- fällt! Nach dem klaren Wortlaut de« Gesetze» müssen die Fabrikanten verurtheilt werden. Ob der Herr Richter Siegel diese seine Freunde wohl auch zu„eventuell einen Tag Hasj" verurtheilt? Schwerlich! Schölle Phrase, dieses„gleiche Recht"! Gegen die Einsperrung der Arbeiter ist Beschwerde bei der KreiS- regierung erhoben. Nützen wird e» natürlich nicht», denn da« Sprich- wort von der Krähe, die der andern kein Auge aushackt, hat noch immer Geltung. — Au» Leipzig, 4. August, schreibt man un»:„Wie au« Plauen gemeldet wird— so lesen wir in den hiesigen Blättern— find die Erörterungen wegen des iu Mylau am 4. Juli l. I. vorgekommenen Unglücksfalle« seitens der königlichen Staatsanwaltschaft eingestellt worden, nachdem sich ergeben hat, daß Niemandem ein Verschulden zur Last fällt. Da« Durchgehm de« Fahrstuhls und damit das Unglück selbst ist dadurch bewirkt worden, daß die Bremse im kritischen Augenblick nicht gehörig wirkte." Eine köstliche Notiz. Also„Niemandem fällt ein Verschulden zur Last". Die Hyperloyalität und byzantinische Bauch- rutscherei, welche da«„Unglück" herbeisührte, ist hochlöblich und darf nicht sür ein„Verschulden" gelten. Am Köstlichsten ist die Erklärung de»—„Unglücks". Es„wurde dadurch bewirkt, daß im kritis chen Augen« blick die Bremse nicht gehörig wirkte". Das erinnert lebhaft an die Er- klärung jene» Arztes:„Der Grund der Schmerzen liegt in den äoloros (lateinisches Wort für Schmerzen); wenn die dolor«» aufhören, hören auch die Schmerzen aus." Warum die Bremse nicht gehörig wirkte, da» sagt uns der offiziöse Notizschreiber ebensowenig, wie jener Arzt, wodurch die dolores verursacht waren. UebrigenS hat das„Unglück" doch etwa« Gute» zur Folge gehabt: Unser Ministerium hat eine Unter- suchung veranstaltet, von deren Ergebniß es abhängen soll, ob der Ge- brauch von Fahrstühlen und Aufzügen in gewerblichen Anlagen, Hotels u. s. w. noch serner zur Personeubesörderung zu gestatten sei. Besser wäre es freilich gewesen, die Untersuchung wäre auf das Gesammt- gebiet dessen, was zum Schutz der Gesundheit und des Leben» namentlich in gewerblichen Anlagen w. noth- wendig ist, ausgedehnt worden. Jedenfalls haben wir hier wieder ein- mal die Richtigkeit jene« englischen WitzworteS erkannt: Erst muß ein Bischof verunglücken, dann wird an Abhilfe gedacht. Die Bischöse stehen nämlich in England noch in hohem Ansehen. Korrespondenzen. — Mittweida(15� sächsischer Wahlkreis), im Juli. Wenn wir noch wenig Veranlassung nahmen, an den„Sozialdemokrat" zu berichten, so leitete uns der Wunsch, den Raum unseres Parteiorgans nicht un- nützer Weise zu benutzen, namentlich nicht sür Wiederholung von schon Da« gewesenen. Freilich soll das, was ich heute berichte, durchaus nicht etwa etwas„noch nie Dagewesenes" repräsentiren, doch dürsten die Thatsachen immerhin es verdienen, im Organ festgenagelt zu werden. Vor ungefähr zwei und ein halb Jahren erhielten wir hier einen neuen Bürgermeister, einen Dr. Keubler, der zuvor Staatsanwaltsgehilfe in Leipzig war, in letzterer Eigenschaft aber sich zu ungeschickt dem Ver- wallungssache zugewandt hatte, um hier seine Doktoreigenschasten zu eut- wickeln und die ihm versagten Lorbeeren zu ernten. Da konnte es selbst- verständlich nicht fehlen, daß des Herren erste Thätigkeit die Jagd aus Rothwild war. Haussuchungen bei Parteigenossen sowohl, als auch selbst bei seinem guten Freund, dem Fabrikant Backofen, welcher vor zwei Jahren der Sammelstelle für die Unterstützungen der Familien der Aus- gewiesenen in Deutschland vorstand, wurden vorgenommen, und wenn Keubler auch nichts vorfand, als alle Zeitungen, z. B- alte Nummern des „Sozialdemokrat", eine Londoner„Freiheil" vom Jahre 1879, einige „Bolksstaat" u. s. w., bei dem B. einige Geldanweisungen, bei dem Andern einige Groschen baare« Geld, so genügte es ihm doch, sofort Anklage bei dem hiesigen Amtsanwalt zu erheben. Jeder der Behaus- suchten bestand ein Verhör, und dann ruhte die Sache vollständig, weil eben nicht« Strafbares vorlag. Dadurch aus den Sand gesetzt, versuchte sich unser Keubler nun in den niedrigsten Polizeidienerdiensten; wo immer er Handwerksburschen erwischen konnte, arretirte er sie und blamirt sich auch da durch seine Sucht, wo er Vergehen gegen seine Autorität heraus- wittert, sofort die Gerichte in Thätigkeit zu setzen. Da« Gericht in Chemnitz hat da einmal den gewesenen Staatsanwaltsgehilsen wundervoll abblitzen lassen. Aber Kenuulnisse hat der Wackere doch: so will er z. B. der In- dustrie aus die Beine helfen. In einem Vortrage im Handwerkerverein hier entwickelte er, wie nothwendig es sei, die S e i d e nz u ch t einzu- führen, um Japan aus dem Felde zu schlagen. Zu diesem Zweck ließ er sich mehrere Raupen kommen, um später den Erfolg dem Verein mit- zutheilen; der Verein aber wartet heute noch geduldig auf die Resultate. Wir vermuthen, daß sich die Raupen in einem gewissen Schädel fest- gesetzt haben und dort Seide spinnen. Daß die Raubritter de« Mittelalter« in neuer Gestalt noch immer ihr Wesen treiben, ist ja eine bekannte Thatsache. Es ist aber doch gut, wenn das Album dieser Herren vervollständigt wird. Am 28. Mai brach hier unter den Polierern der Winkler'schen Stuhlbausabrik ein Streik aus. Welche Zustände in diesem modernen Zuchthaus herrschen, geht au« folgendem hervor: Unter Vorspiegelung hohen Lohnes find 8 Lehrlinge bei 20 Polierern in der Fabrik und es kann sonach nicht fehlen, daß in kurzer Zeit Ueber- fluß von Arbeitskräften vorhanden sein wird. Die besten älteren Ar- beuer verdienen in der guten Zeit 15—18 Mark pro Woche bei einer täglichen Arbeitszeit von 14 und mehr Stunden, im Winter verdienen dieselben 8—10 Mk. pro Woche. Da» Arbeitsmaterial muß in der Fabrik bezogen werden bei einem Aufschlag von 25, 33'/,, sogar 50 Proz., wie nachstehende Zahlen beweisen: 1 Liter Politur kostet in der Fabrik M. 1.75, beim Kaufmann M. 1.20 1„ Spiritus 1„ Lack IBchSchleispapier„ Franks. Schwarz„ Mahagonibraun 0.93, 3.80, 0.90, 1.-. 0.45, 0.60 3— 0.65 0.50 0.30 Bon diesem Material werden bei 14tägiger Lohnzahlung durchschnittlich in der guten Zeit 8 Mark gebraucht. Außerdem braucht ein Polierer noch und muß au» seinen Mitteln bestreiten: Bimsstein, Pinsel, Wiener- kalk, Polierlappen, Schellack, die nöthigen Flaschen, eigene Lampe, einen eigenen Arbeitsanzug, der öfter« erneuert werden muß, und et ist gering angeschlagen, wenn man dafür pro Woche 2 Mark ansetzt. Wa« nun die Strafen anbetrifft, so sind dieselben geradezu drakonisch. 40 Pfennig Strafe kostet es z. B., wenn ein Arbeiter mit seinem Kameraden spricht oder wenn er zu spät kommt! Demgegenüber forderten die Polierer per Eingabe: 1. Regelmäßige Bertheilung sämmtlicher Lehrlinge unter die Polierer, resp. Beaufsichtigung derselben durch diese. 2. Erhöhung der Löhne auf einzelne Nummern. 3 Ueberlaffuna des Arbeitsmaterial« zum Selbstkostenpreis oder be- liebige Selbstbeschassung. 4. Wegsall der Strafen und Aushängen eine« bestimmten Preis- kourant» in den Poliererräumen. 5. Wegfall des Holen» der Arbeit au» der Fabrik(während die Lehr« lmge die Arbeit zugestellt erhalten). Da aber die Herren der Fabrik keinerlei Zugeständnisse machten, wandten sich die Polierer vertrauensvoll an unseren obigen Bürgermeister, der ihnen versprach, die Vermittlerrolle zu übernehmen. Jadeß sahen die Arbeiter sehr bald ein, daß der„Vermittler" ihnen nicht Helsen wollte, und so suchte nun jeder wieder in Arbeit zu kommen. Zu diesem Zweck wollten die Arbeiter Mittwoch den 30. Juli ihr Arbeitszeug, beziehentlich ihr theuer erkauste» Material holen, sie gingen deshalb in ihre frühere Werkstatt, benachrichtigten den Werkfllhrer von ihrer Absicht, und der meldet es im Comptoir. Da stürzte nun Herr Franz Winkler und sein Reisender Schulze wüthend herbei, um das zu verhindern, packen die Nächsten an, suchen denselben ihre Flaschen zu entreißen und brüllen: Heran» au« der Fabrik! bei welcher„Attake" Betde sich von Lack und Firniß beschmutzten. Die Arbeiter entfernten sich und den Spuk hatte sein Ende. Ein Arbeiter, der den Bürgermeister aus der Straße trifft, theilt diesem noch immer vertrauensvoll mit, was passirt sei. Der geht mit hinan« zur Fabrik, aber alles war vorüber. Tags daraus wird Anzeige gemacht aus Störung der öffentlicher Ruhe, Körperverletzung und Hausfriedeusbruch und jetzt sind die Arbeiter vom Landgericht in C h em n i tz von dieser Anklage in Kenntniß gesetzt worden. Die Winkler'schen Arbeiter find fast alle — der kleinere Theil find noch junge Leute— die ruhigsten Bürger unserer Stadt, und es weiß kein Parteigenosse etwa«, daß sie jemals zu uns gehört haben: aber die Sozialdemokraten müssen Schuld sein, und deshalb muß ein Exempel statuirt werden. Und wer ist der Urheber dieser Anklage? Wie ich au» zuverlässiger Quelle weiß, Niemand ander«, als unser Bürgermeister! Anstatt den Fabrikanten wegen seine« betrügerischen Verkauss von Arbeitsmaterial an die Arbeiter beim Staatsanwalt anzuklagen, sucht dieser würdige Patron den sich in ihrem Recht befindenden Arbeitern noch Ichaden zu- zufügen. Ts ist das jedenfalls eine schöne Illustration zu der Cremer'- scheu Phrase: Gerechtigkeit für Alle l Der konservative Fabrikant Winkler, beiläufig bemerkt, der stellvertretende Vorfitzende beim letzten Wahlkomite für den Amtsrichter hier, darf seiner Unehrlichkeit wegen nicht bestraft werden, trotzdem alle behördlichen Spitzen hier von seinem Thun unter- richtet find, die Arbeiter aber werden unter den nüchtigsten Gründen in Anklagezustand versetzt. O diese famose Klique I Aber mit diesem Prozeß war es noch nicht genug. Der Bürgermeister, Dr. Kendler, hätte vor allen Dingen gern einen Sozialistenprozeß gehabt und dazu gab ihm der Sozialistenkongreß in Kopenhagen endlich Gelegenheit: war ja auch ein Parteimitglied au« Mittweida dort gewesen. Nach dem Bekannt- werden dieser Thatsache nun, wurde dem Staatsanwalt in Chemnitz sofort Bericht erstatter, und es fand bei dem Betreffenden abermals unter Beobachtung aller gesetzlichen Vorschriften eine Haussuchung statt; allein immer wieder erfolglos. Trotzdem wurde aber eine Anklage zusammengedrechselt, und zwar auf Verbreitung verbotener Schriften. Als Be- weise der„Möglichkeit", da« Verbrechen begangen zu haben, wurde an« geführt: 1. Es sind verschiedene Nummern des Züricher„Sozialdcmo- kral" in einem Zustand gefunden worden, daß sich„annehmen läßt", auch Andere haben dieselben gelesen. 2. ist der Beschuldigte ein no'orischer Sozialdemokrat, der jedesmal unterrichtet ist, wenn ein hervorragender Führer, wie Bebel, Geiser und Vollmar nach hier kommt(welche« Ver- brechen!) 3. wird er allgemein der rot he Fischer genannt!(Höchst strasbares Moment!) 4. ist er in Kopenhagen gewesen. 5. find in ver- schiedenen größeren Sendungen, welche beschlagnahmt wurden, auch kleinere Sendungen an Fischer vorgefunden worden, die mehrere Nummern gleicher Art enthielten. 6. Jnkulpat hat auch zweimal in Versammlungen als stellvertretender Leiter sungirt u. s. w. u. s. w. Als Kronzeuge i la Stieber wurde der Bürgermeister Dr. Kendler angeführt. Das Land- gericht in Chemnitz aber hatte aus alle dem wohl ersehen, daß genannter Fischer Sozialdemokrat ist, war aber der Ueberzeugung, daß dies Alles noch nicht die Veranlassung zu einer Anklage sein könne, und daß de«. halb die Anklage niederzuschlagen sei. Wie Sie sehen, ist der Mittweidaer Bürgermeister zn allem Möglichen fähig, nur zu nichts Vernünftigem. Was aus der Anklage gegen die 17 Polierer wird, davon werde ich später berichten. (Sie sind, wie nicht ander» zu erwarten, wegen„Hausfriedensbruch" zu zwei Wochen bis zwei Monat Gefängniß verurtheilt worden. Herr Keubler kann zufrieden sein. Anm. d. Red.) Wahlkreis Kaiserslautern- Kirchheimbolanden, den 22. Juli. Zwei Gründe bestimmen uns, auch einmal etwa« Platz im Organ zu beanspruchen; und zwar erstens der, der Partei ein kleines Lebenszeichen zu geben; und zweiten« zu konstatiren, daß auch in der „freien" Pfalz gewisse Hirnschädel ebenso servil sind, wie anderwärts. Ende Oktober v, I. rerzog unser Genosse Schäftefabrikant Karl Berg von Kirchheimbolanden nach Kreuznach, und bereiten ihm seine Freunde eine Ovation in Form eines gemllthlichen Abschieds- schoppen. Die Einladung war von Bergs engeren Freunden au Leute der verschiedenen politischen Richtungen ergangen, und hatten sich auch ziemlich viel Gäste eingefunden. Bei dieser Gelegenheit nun sprach Ge- uoffe Mahr und zollte Berg Anerkennung für seine Thätigkeit im Sinne der Arbeitersache. Berg antwortete mit einem Hoch auf die universelle Freiheit, in welch beide Hochs die auf Kommando anwesenden Gensdarmen kräftigst mit einstimmten— man weiß nicht, ob au« Dummheit oder Erkennwiß der im Grunde doch identischen Interessen. Einige Tage später erfolgte bei Berg in Kreuznach und Mahr in Kirchheimbolanden Haussuchung. Gegen beide wird wegen G e h e i m b ü n- d e l e i Untersuchung eingeleitet, in deren Gefolge natürlich die obligate Briefsperre erfolgte. Am 17. Dezbr. ward Mahr nicht aber Berg mit- getheilt: die Untersuchung ist niedergeschlagen. Jndeß schon unterm 3. Jan. verhängt, am 7. Jan. eröffnet man über Mahr und 14 andere Personen, darunter mehrere Nichtsozialisten, wiederholt Brief- sperre, Haussuchungen, riesige Verhöre zc., das Kaiserslauterner Gericht erscheint drei Mann hoch, und jetzt geht's an die Generaljagd! Gesunden und mitgenommen wurde Verschiedenes, darunter wenig vou Belang. Allgemeine Bestürzung der„guten" Gesellschaft, und doch im Grunde genommen Sympathie für uns und ungetheilte Verurt�eilung de« polizeilichen Uebereifer«; man sagte ganz offen:„An diesen Leuten ist nichts zu fangen, die Kerle find viel zu hell, da muß man Dümmere nehmen,(mindestens so dumm, wie der Kirchheimer Amtsanwalt). Kurz, der Skandal zieht sich bis zum 11., resp. 27. Juni hin, an welchem Tage allen 16 Personen amtlich die Zustellung wird, daß„M a n g e l» hinreichender Beweise zur Ueberführung dieUnter- suchung eingestellt unddieBetressenden außerBer- solgu n g gesetzt seie n". Also über sieben Monate dauerte die Geschichte, und nun da« jämmerliche Ergebniß! Zur Parteisache selbst sei noch bemerkt, daß in unserem Wahlkreis die Sache noch arg in den Windeln liegt. Eine rühmliche Ausnahme macht allerdings Kirchheimbolanden, in drei verschiedenen Wahlen waren unsere Stimmen: 1877— 12; 1878— 47; 1831— 61, und das gibt der Bande zu denken! Kaiserslautern 1377— ca. 600: 1881 gar nur 117. Hier fehlt viel I Znm Schlüsse noch die Bemerkung, daß die polizeilichen Machereien uns ebensowohl Achtung wie Grund und Boden verschafft haben. Denn man hatte es durchweg mit geachteten, gern gesehenen und tüchtigen Leuten zu thun, und wunderte man sich verschiedentlich,„solche Leute" als Sozialdemokraten zu wissen. Da« alberne Märchen vou den„besof- ienen Knüppelhelden" will manchen Lenteu eben absolut nicht aus dem Kopf. � Würzburg. Am 5. August fand zum erstenmal nach dem Au»- nahmegesetz qier wieder eine allgemeine Arbeiterversamm- l u n g statt mit der Tagesordnung:„Die Zünftler und die heutige Arbeiterbewegung". Referent: Herr R i ck. Dieselbe war gut besucht und nahm einen günstigen Verlauf. Folgende Resolution gelangte ein- stimmig zur Annahme: „Da« Bestreben der Zünftler ist ein den Arbeitern seiadliche«. Die heutige Arbeiterversammlung macht es sich zur Ausgabe, überall hierorts, wo e» möglich, Fach ver eine zu gründen. Ferner erklärt die Versammlung das Vorgehen der Stuttgarter Ge. nassen(Schreiner) als ein durchaus gerechtes und beauf- tragt den Schreinerfachverein hier eine Aufmunterung zum Au»- harren, bis die Forderungen endgültig bewilligt sind, nach Stull- art ergehen zu lassen. Im Weiteren erklärt sich die Versammlung ereit, nach Kräften Unterstützung gewähren zu wollen." Eine Tellersammlung ergab Mk. 15. 70 zu diesem Zwecke. — Konstanz Feste, Feste, und kein Ende! Die Herren arran- giren Feste und die Proletarier, die bösen Sozialdemokraten, thun mit, weil sie sich eben auch amüfiren wollen; jeder allerding« in seiner Art. Mitten in der Sauregurkenzeit kündet die demokratischftiberal-konservativc „Konstanzer Zeitung" eines Tage« im bekannten Tone an: Der Helden- greis, unser allgeliebter hochgeehrter rc. Kaiser kommt heute per Extrazug an, unser do. do. Landesvater, der do. do. Großherzog kommt um einige Stunden früher, um seinen Schwiegerpapa(d. d. Einen von den Vielen) in eigener Person zu begrüßen. Vorausgeschickt muß werden, daß Ein- geweihte, darunter natürlich auch die Sozialdemokraten, schon früher um diesen Besuch wußten, auch haben die Letzteren Folgendes erfahren: Bor einigen Monaten kommandirten die Offiziere des hiesigen Regi- ments die„bessere Blase", d. h. jene Vereine, an deren Spitze Speichel- lecker, Berussdniunzianten und andere Streber stehen, zum Empfang „unseres Kaiser«". Sie kommandirten, sagen wir, und das ist da« richtige Wort, denn sie schrieben an den Männergesangverein„B o d a n", das„Obere Musen m", den„G e r st e n s a ck" rc., daß die„O f s i- ziere" zum Gaudium unsere« Heldengreises„Etwas aus der rühm- reichen Geschichte der Hohenzollern" ausführen werden. Ten Mitgliedern der genannten Bonrgeois-:c. Beamten waren hier einige Statistenrollen und die Rolle des Zahlens zugedacht. Die Herren Offiziere, die bei den hiesigen Geschäftsleuten noch genug Schulden vom letzten Fest haben, wollten nur den Spuck leiten und arrangiren. Aber leider hatten sich die Herren diesmal verrechnet. Die Loyalität der biedern Bürgerschaft ist eitel Schwindel und hört da auf, wo die G e l d f r a g e ansängt. Die Vereine sagten: Wir sollen zahlen und die Herrn Offiziere den Profit einstecken?(juoä non I Wir thun nicht mit.— Und so ward der schöne Plan zu Wasser. Uns Sozialdemokraten kanns ja Wurscht sein, ob Hinz oder Kunz den alten Kartätschenprinzen anhocht, aber g'spaßig ist's doch, wie sich die Geburtsaristokratie in Geldfragen stets an die Geldaristokratie wendet, welche sie sonst vornehm über die Achsel ansieht. In den genannten Bereinen gibt es indeß Burschen, die wie verrückt thun, wenn ihnen eine so große Ehre zu Theil wird. Die Mitglieder dieser Bereine find nämlich Beamte, zu deren Beruf unbedingt Loyalität gehört, und Geschäftsleute, die um des lieben Geschäftes willen in Loyalität machen. Aber der Spaß sollte 1500 Mark kosten, und das war denn doch— kein Spaß. So wurde also nur den Soldaten be- fohlen, vom Bahnhof bis an den Hafen Spalier zu bilden. Es sah aus, als ob diese« Spalier„Väterchen" vor allzugroßer Liebe des Volkes hatte schützen sollen. Wäre nicht nöthig gewesen, denn da«„Volk" bestand aus Kindern, Weibern, Beamten, Soldaten und deu aus dem ganzen Land zusammengetrommelten Polizeispitzeln. Diese schrieen ihre Hochs, das Schiff dampfte mit seiner und unserer„theuren Last" ab und damit war die Geschichte in Konstanz zu Ende. Draußen auf offener See aber schaukelte an dem kaiserlichen Schiff ein Boot vorüber, das auf semem Segel groß die Inschrift trug: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Eine rotbe Flagge wehte stolz, senkte sich aber nicht zum Salut. Ob sie wohl den„erhabenen Monarchen" an die 48er Märztage und an seine„lieben Berliner" erinnert hat? Einen anderen Besuch hatten wir einige Tage später. Am Sonntag den 22. Juli kamen ca. 1000 Turner an« Sachsen zum hiesigen Turn- verein auf Besuch. Die Polizei, reip. das Bezirksamt,„genehmigte" den Empfang und das Abholen der Gäste am Hafen, verbot aber jeden Toast, jede Musik bei dieser Gelegenheit. Selbst Böllerschießen ward untersagt.„Für die Aufrechthallung der Ordnung werden wir die»ölhige Anzahl Schutzleute an den Hafen beordern", hieß es in gedachter„Ge- uehmigung". Als trotz alledem zur gegebenen Zeit ein Schuß ertönie, sprangen zwei dieser Schutzengel im Trab der Richtung zu, aus welcher der Schall kam, aber leider vergebens. Die Tnrner hatten ihre Böller zwei Schritte über der nahen Grenze in der Schweiz aufgestellt und knallten von dort au» lustig herüber, dem Herrn Bezirksamtmanu S e u- b e r t mit sammt seiner„nöthigen Anzahl Schutzleute" zum Spott. Sie dachten jedenfalls, wie einst unser Bracke sagte: Wir pfeifen aus diese« Gesetz! Waren nun unter den hiesigen Einwohnern diese Polizeifuchteleieu Grund zur allgemeinen Mißstimmung und Unzufriedenheit, so kann man begreisen, mit welch schadenfrohem Lächeln sich Nachmittag« selbst Gegner von uns erzählten, daß trotz der„nöthigen Anzahl Schutzleute" im Festzug „sozialdemokraftsche Schriften" verbreitet worden seien. Und so war es auch; wir hatten ca. 1000 Bouguet« angefertigt, um deren Stiele je 2—3„Mucker-, Pfaffen- und Königsschwindel", sowie„Fliegen und Spinnen" gewickelt, und sie so in den Festzng geworfen. Erst nach drei Stunden wurde Einer von der„nöthigen Anzahl" darauf aufmerksam gemacht, was in den Bouguetchen entHallen fei. Nun ging es aber los! Ich habe noch selten Polizeispitzel mit längeren Gesichtern gesehen. Man sah ihnen die Nasen an, die'« gegeben hatte. Der Herr Öheramtmann erschien in höchst eigener Person auf dem Turnplatz, und seine Trabanten suchten auf dem Boden, als ob hinter jedem Grashalm ein Dynamit lager zu entdecken gewesen wäre. Aber Alles umsonst, da? Schreckliche war geschehen. Die Flugblätter waren geworfen, und von der ganzen Ladung fielen ca. 15—20 Stück der Polizei in die Hände und vielleicht 10 Stück wurden nicht beachtet und zertreten. Oberspürhund D e r n- b a ch schlug vor lauter Zorn sein Hauptquartier im Gasthaus„zum Bodan", dem vermuthlichen(!) Ort der That auf, soff und belästigte darin die Gäste und den Wirth mit Verhören u. s. w., bis sich die Wirthin den Skandal ernstlich verbat. Um die Kellnerin und da« Büffet- Mädchen machten sich 5— 6 Spitzel und Gensdarmen herum und baten sie in bekannter und berüchtigter Weise, sie sollten doch gestehen, daß sie die Bouguetchen geworfen haben, man habe sie ja ganz gut gesehen und bemerkt, es helfe Alle« Leugnen nichts. Wie sie denn die BouquetS gemacht haben und von wem sie die Schriften bekommen hätten. Es ge schehe ihnen gar nicht viel!" Wenn unser Dernbach, genannt„Wind' Hund", nicht gar so elend dumm wäre, hätte er wissen müssen, daß solche Mädchen viel zu harmlos find, um der Polizei eine derartige Nase zu drehen. Freilich, die Koustanzer Polizei hat noch Niemand bei Verbrei- tnng sozialdemokratischer Druckschriften erwischt, und so ist es sehr natür- lich, daß sich Dernbach keine Vorstellung von derartigen„Verbrechern" machen kann. In der Nacht holte man ein ganze» Dnyend Dienstmänner aus dem Bett und zitirte sie auf die Polizei, bis Einer sich fand, dem die Bouquets zum Besorgen ins Gasthaus, von wo sie geworfen wiiv' den, übertragen worden waren. Uns wunden'«, daß sie nicht sofort diesen armen Teufel verhasteten, um wenigstens den einen„Erfolg" zu haben. Sachsen ist zu drei Viertel sozialdemokratisch, folglich mußten die säch- fischen Turner fast lauter Sozialdemokratin sein, s o folgerten unsere Polizeiesel. Andern Morgen« war wieder die„nöthige Anzahl Schutz- leute" am Hafen und besah sich jeden Einzelnen, der zur Vergnügung«- Tour nach Bregenz in« Dampfbool einstieg. Haben doch keine Anderen al» diese verstuchten Sachsen die Bouguetchen gebracht und die ganze Hetze verursacht.�) Die Meinungen Fernstehender find getheilt. Die Einen halten Konstanzer, Andere die Schweizer und wieder Andere die Sachsen für die Sünder. Run, lassen wir sie ruhig rathen. Nur dem Dernbach möchten wir auf die Spur helfen und verralhen ihm des- halb, daß weder Herr Herbst im„B o d a n" noch dessen Kellnerinen an der Geschichte betheiligt waren. Wenn er sich also diesmal einen Orden verdienen will, so muß er diese Leute unbehelligt lassen und seinen Scharf- sinn in einer andern Richtung Probiren. Trotzdem dieser Windhund eigentlich ein ganz charakterloser elender Tropf ist, wollen wir ihm doch noch eine Gelegenheit geben, sich berühmt zu machen, und ihm heute schon gestehen, daß in kurzer Zeit in Konstanz wieder eine derartige Verbreitung unserer Schriften stattfinden wird. Durch wen, wie und wo? Nun, harmlose Spionennatur, zeig' was Du kannst!!!— HB. Binnen Kurzem folgt auch ein Bericht über verschiedene Stückchen in Bezng auf Gottesfurcht, Zucht und fronime Sitte unfrer Offiziere, Oberamrsrichter Wenker's und de« famosen früheren Polizeimeisters von hier. Ebenso besitzen wir betreff« der Beziehungen unsere»„aller- gnädigsten LandeSvaterS" zur Gräfin Langenstein ein Stückchen„Tugendspiegel" für Herrn von Puttkamer, im Reichstag bei nächster Sozialistendebatte vorzutragen. Nebst Supplement: Wie der Herr Gras Douglas die H—---- grofchen dieser Tugendrose am Zähringer Wappenkranze geerbt hat. Der rothe Bodanus. *) In starkem Verdacht, einige Sozialdemokraten al« Mitglieder zu haben, steht auch der Konstanzer Turnverein; und dessen Ehrenmitglied, der Herr Professor Conrad, Vorstand des Kriegerbunde«, wird seine liebe Roth haben, den Verein vor dieser Schmach zu bewahren. Statt sinnlose Erklärungen zu»erlangen, thäte er besser, genauere Kontrole im Kriegerbund zu üben. Er könnte sich dann vielleicht überzeugen, wo mehr Sozialdemokraten find. Wir find im Stande, an dieser Stelle über jede Versammlung de« Kriegerbunde» zu reseriren. Anmerkung de« Einsender». Zur Beachtung. Es ist mehrfach der Fall vorgekommen, daß Parteigenossen, die durch ihre Thätigkeit in Gewerkschaftssachen gemaßregelt wurden, sich an Ver- tteter der Partei wandten und Unterstützung verlangten. Solche kann leider nicht gewährt werden. Die Partei kann unter deu obwaltenden Umständen für die Gewerkschaftsbewegung in keiner Weise ver- autwvrtlich und haftpflichtig gemacht werden. Wer im GewerkschastSkampf geschädigt wird, muß sich mit seinen GewerkSgenossen auseinandersetzen. Herzlichen Gruß allen Genossen in Berlin und Umgegend von Ludwig Hecht au» Tempelhof, z. Z. in Buffalo(Nord- Amerika). Warnung. Die Stettiner Genossen warnen vor dem Schneidermeister Mark- mann, a n g e b l i ch aus Berlin ausgewiesen. Derselbe hat mehrere Genossen denunzirt, sozialistische Schriften verbreitet zu haben; überhaupt liegt der dringende Verdacht vor, daß er Polizeispion ist. Zum Meerauer Weberstreik. Auf Grund der im„Sozialdemokrat" und durch Expreßzirkulär des- selben ergangenen Aufforderung zur Unterstützung der streikenden Meeraner Weber, sind von Seiten unserer Parteigenossen noch folgende Gelder direkt eingegangen: Au« Lidge 10 Mk. 8 Pf. Frauenfeld So;. 8.87. Frauenseld Deutscher Verein 9.—„Sozialdemokrat" 300.—. London Kom. Arb.- � Bild.- Berein 61.20. Desgl. 40.80. Genf<£. K. 39.—. Paris 12.80. Paris Bley 2.—. Konstanz 6.—. Köln a. Rh. 13.35. Crefeld 15.15. Plagwitz b. Leipzig 12.50. Hannover 27.90. Erfurt 30.—. Vlotho 10.—. Vevey Deutscher Berein 12.80. Meridan Amerika 35,10. Philadelphia 60.—. New-York 123.73. Webster 30.94. Wien E. P. D. 8.55. Summa 860 Mk. 77 Pf. Da diese Gelder erst nach Beendigung de« Streik« eingingen, und in Folge dessen nicht mit zur Auszahlung gelangen konnte, wurde an jeden Geber die Frage gestellt, zu welchem Zweck die betreffende Summe ver- wendet werden soll. Ts haben sich bis auf die fünf letzter n Orte alle entschieden, wonach incl. Ausgabe eine Rückzahlung von Mk. 464.41 zu bewirken war. Zum Reichstagswahlfond wurde von dem vorstehend Auf- geführten bestimmt 396 Mk. 36 Pf. Bilanz. Eingegangen Mk. 860. 77 Rückzahlungen incl. Ausg.„ 464. 41 ReichStagswahlsond„ 396. 36 Den braven Gebern sei hiermit nochmals der beste Dank gezollt. Gruß und Kampfgemeinschaft! Der Beauftragte. XL. Die in Nr. 32 stehende Quittung ist hier ebenfalls mir ver- zeichnet. Die Gelder sind aber noch zum Stteik verwendet worden. Meer an e i. S., 5. August 1833. d. O. Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands. Organisation in der Schweiz und dem übrigen Ausland. Vom Arbeiterbund Basel sind durch Gen Lchmr. Fr. 25,— an de» UnterstützungSfond eingegangen, was auf Wunsch quillirt Der Sekretär. Briefkasten der Redaktion: Perikles: Ihre Einsendung kommt in nächster Nummer. Weiteres, dem Raum unsere« Blatte» angepaßt, wird gleich- fall« dankbar verwendet werden.— Garve in Newyork: Quitwug in nächster Nummer.— E. K. in Mailaad: Besten Dank für Jnsor- mationen. Wird verwendet. der Expedition: Onkel: Bs. v. 13/8. nach Abgg. von Nr. 33 erh. Weiteres beachtet.— H. Nitzsche N-Uork: Fr. 151,90 ä Cto. Ab. u. Schft. erh. Sdg. fort.— Pfeisenklub Lawrence: Fr. 59,45(Doll. 11,74) mit„Hoch auf Hamburg!" pr. Whlsd. dkd. erh. Desgl. vom Arbeiter- verein Lawrence: Fr. 25,31(Doll. 5,—), L. Marl, Lawrence: Fr. 15,13 (Doll. 3,—) ä Cto. gutgebr.— Zoroaster: Fr. 33,— durch Gld. st Cio- erh. und mit Mk. 26,40 gebucht. Promptere Regulirnng unerläßlich- Bf. erwartet.— Album: Mk. 79,50 st Cto. Ab. n. Schfr. erh. Ggrchg- gutgebr.— H. Bgbsn. Z.: Fr. 4,— Ab. 3. Qu. erhalten.— Wfe.' Fr. 26,70 f. Schft. erh. Desgl. Fr. 1,— pr. Agfd. nnd Fr. 1,— pr- Usd. dkd. verwendet.— v. o. Eider: Bs. v. 12/8. erh. Weitere« dei»' nächst.— Arstdt.: Mk. 7,20 Ab. Juni erh. Adr. vorgemerkt.— Rothck Boigtländer: Mk. 27,— Ab. 3. Qu. erh. Schftsdg. ist abgg.— Bär«»' stein: Mk. 1.39 pr. Usd. dkd. erh.— Panzerschiff: Mk. 41,40 Abo»«- 2. Qu. und Mk. 10,60 st Cto. erh. Bf. erwartet.— T. Schmdi. ZU Fr. 3,40 f. Schft. erh.— Ich- Gbn.: Mk. 3,- Ab. 3. Qu. erh. Der Alte vom Berge: Fr.—,70 f. Schft. u. Photogr. erh.— Gppgr- Pleiter: Fr. 25,— durch M. erh. Bf. erw.— P. T. Paris: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— 4 Schaafskoppspieler, Buffalo:(2 Doll.) Fr. 3, So f. Schrft. und Porto B. und Fr. 6,64 pr. Usd. dkd. erh. Weiteret besorgt.— W. D. Grenoble: Fr. 6,— Ab. 2 u. 3. Qu. find jetzt ein- troffen.— Dtsche. P.-G. Newyork:(Doll. 64,39) Fr. 326,— dritte und letzte Rate zur Hamburger Wahl durch Garve dkd. erhalten und besorgt- Spezialquittung demnächst.— Wtt. Z: Mk.— ,50 Agitm. für W. E- erh.— Dtsch. Ber. Bern: Fr. 57,— Ab. 3. Qu. durch H. erh.— F. Habener Bevey: Fr. 1.25— für Ab. 3. Qu. sind an die„Arbeiter- stimme" für Sie bezahlt. Uns jetzt gulkommend Fr.— ,55, da Sie nur Fr.—,70 gut hatten.— Gracchus F.: Ml. 2,60 st Cto. Ab. u. Schst- erh. Ihr Mittelsmann hat Sdg. erst am 11./8. lt. Poststempel losgelassen. — Ferd.: Bf. v. 11. hier. Alle« vorgemerkt. Winke existiren längst alt Expreßbeilagcn.— A. B. Paris: Schstbstllg. folgt, soweit klar. Bitte« künftig präziser!— O.$. London: Schft. abgeg. G. u. A. folgen. ZN' gesagte» sehr erwünscht.— Hippokrate«: Vergessen Sie doch mit dei« Schreiben nicht auch das Zahlen!— B. Bukarest: Bstllg. folgt. Für