O»schei«t »•«•«Mi« einmal Zürich(Schweiz) Perl»» »»lr»»nchhan»lung H»Uing»«-A»rich. D»tst»»»«l«l Iranco g-g-n franco. Uewihnlicht Brirf« «ach der Schwill kosten lopPelPorto. R' SS. Der So)mli>emckrat Jentmt-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. AölmumeJtts werden bei allen Ichweizerischen Postbureaux, sowie beim«erlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar jurn voran» zahlbar«« Bierteljahripreii von: Fr. 2.— für die Schweiz lltreuzbands Mk. Z.— für Deutschland lllouvert st. l. 70 sstr Oesterreich«louvert Fr. 2.50 sllr alle übrigen Länder bei Weltpostverein» lKreuzbands ? n s t r ll t e Die dreigespa'ltene Petitzeil e 25«ti. � 20 Psg. Donnerstag, 23. August. 1883. Jiri« n Mt Ikrainin und st»„SosUlliemkiat". Da der.Tolialdemokra,' sowohl in Divtschland all auch in Oesterreich»erboten ist, be,w.»erfolg« wird, und die dortigen »ihbrden stch alle Mühe gebm, unsere Verbindungen nach jenen Ländern mbglichst»u erschweren, res p. Briese von dort an un» —...„~'-------- �— c---— r. tm vi.«..NA* notdwendlg und '' Inhalt ' selten all mbgltch an den.Soiialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresssren, sondern stch mbglichst an irgend eine unverdichtiae «dressl außerhalb Deutschland« und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit un» in Verbindung setzt! anderseit» aber da« auch un»««glichst unverfängliche Anstellungsadressen mitgetheill werden. In iweiselhasie» Fällen empstehlt stch behuf» arbstere« Sicherheit Zlekommandirung. Soviel an un» liegt, w-n—!, i, i" _, lt werden. In-weiselhaften Kä . werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuem um trotz aller entaeaen. stehendm Schwierigkeiten den.Solialdemokra,- unfern Abonnenten mbglichst regelmäßig zu liefern.'nigegen Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Kretinismus. Das Herrschen demoralisirt den Herrscher noch mehr als den Beherrschten— das ist eine alte Wahrheit; und es demoralisirt nicht blos— außer dem Charakter leidet auch der Körper und die Denkkraft. Alle herrschenden Völker, von denen die Geschichte unS berichtet, verweichlichten und gingen allmälig physisch, moralisch und intellektuell zu Grunde. Man nehme nur das Beispiel der Mcder, Perser, Mazedonier, Römer. Von Herr- schenken Geschlechtern(Dynastien) gilt dasselbe. Die Demo- moralisation und Degeneration alter Tynastengeschlechter ist eine anerkannte historische Thatsache. Wir erinnern nur an die Stuarts, die Bourbonen, die Habsburger, Wittelsbacher und andere ähnliche Herrschergeschlechter. Auch bei herrschenden Klassen finden wir dieselbe Erscheinung, was ja ganz natürlich ist, da gleiche Ursachen gleiche Wirkungen hervorbringen muffen. Wenn wir die Bourgeoisie von heute mit der Bourgeoisie des vorigen Jahrhunderts vergleichen— welch' koloffaler Abstand! Auf allen Gebieten des geistigen Lebens entwickelte damals das Bürgcrthum eine wunderbar schöpferische Energie, es hatte die höchsten Ideale, und kein Ideal, dessen Verwirklichung es nicht für möglich ge- halten hätte. Kühn eroberte das Bürgerthum der Wissenschaft neue Reiche, vor keinem Problem, vor keiner Lösung, vor keiner Konsequenz schreckte es zurück. Und noch heute ergreift unS staunende Hochachtung, wenn wir die Werke der französischen Encyklopädisten und Materialisten, sowie der sonstigen Pioniere des emporstrebenden Bürgerthums lesen. Reben diesen titanischen Conquistadores(Eroberern) der neuen Welt der Bourgeoisie er- scheinen die heutigen Vorkämpfer und Vertreter der Bourgeoisie als jämmerliche Zwerglein. Heute stimmen die bürgerlichen Männer der Wissenschaft in den Ruf der Reaktion ein:„Die Wissenschaft muß umkehren!" und die größten wissenschaftlichen Thaten der Neuzeit: die Re- volutionirung der Naturwissenschaften durch Dar- win unddie Revolutionirung der Nationalökonomie durch Marx haben sich gegen den Willen, unter dem heftigsten Widerstand der Bourgeoisie vollzogen. In den Besitz der Herrschaft gelangt, hat die Bourgeoisie kein anderes Ziel, als sich im Besitz der Herrschaft zu erhalten und ihre Herrschaft auf's Aeußerste auszunutzen. Diesem Ausnutzungs- zwecke wird allcS Andere untergeordnet. DaS Euricliisso�-vous! (bereichert Euch!), welches Guizot unter dem Bürgerkönig Louis Philipp der Bourgeoisie zurief, ist das einzige Gebot, welches sie noch kennt. Und in diesem„wüsten Materialismus", der nur die niedersten Organe wirken läßt, muß das Hirn verkommen. Man nehme nur unsere Bourgeoispresse zur Hand, und man wird erschrecken über die tödtliche GeisteSöde und Beschränktheit. Einen drastischen Beweis für diese Hirndegeneration hat in den jüngsten Tagen das angesehenste und oberste Organ der engli- schen Bourgeoisie, der entwickeltsten der Welt: die Londoner „Times" geliefert, und zwar in einem Artikel über die Kieler Wahl. Da werden wir aufgeklärt über das Wesen des deutschen Sozialismus; durch Marx, Lassalle und andere Demagogen sei er mit„rohen Entwürfen zur Verbesserung der Gesellschaft" ver» sehen worden und im Laufe der Dinge zu„Mordverschwörungen" gelangt, welche das Werk eines Eugen Richter, Lasker, Forcken- deck, Bamberger unterbrochen und zerstört hätten." Neuerdings aber habe die sozialistische Bewegung in Deutschland ihren ge- fährlichm Charakter verloren, waS daraus zu schließen sei, daß die konservative Partei sich mit den Sozialdemokraten alliirt habe. In anderen Ländern kämen solche beschämende Allianzen nicht vor. Uebrigens brauche man die ganze Sache nicht ernst zu nehmen, denn„zur Ehre der Sozialisten muß gesagt werden, daß sie nie Anspruch erhoben haben, als zurechnungsfähig und mit gesunden Sinnen begabt betrachtet zu werden." Denke Niemand, er habe es hier mit einem mehr oder weniger schlechten Spaß zu thun— nein, es ist ein ernsthafter Leitartikel, den wir hier zusammengefaßt haben— ein Leitartikel, dem die„ TimeS" selbst so großes Gewicht beilegt und der ihr selbst so gut gefällt, daß sie seitdem mehrere Male auf ihn zurückgekommen ist. Wir gestehen— die pyramidale Unwissenheit und der ebenso pyra- midale Blödsinn, die uns aus dem Elaborat der„Times" ent- gegengetreten sind, haben unS mit Bewunderung erfüllt, obgleich wir in der Bourgeoispresse an Leistungen des Unverstandes ge- wohnt sind. DaS dumme Zeug, das über Marx, Lassalle und die„Entwürfe" der Sozialdemokratie gesagt ist, lassen wir bei Seite, aber merkt denn die„Times" nicht, daß sie nur ihre Schützlinge und Freunde: die Eugen Richter, Lasker, Forckenbeck, Bamberger und Konsorten trifft, wenn sie sagt, das glorreiche „Werk" der betreffenden großen Männer sei durch solche Idioten von Sozialisten, die sich selber nicht für zurechnungsfähig halten, „unterbrochen und zerstört worden"? Was für jämmerliche Kerle müssen da wohl erst die Schützlinge und Freunde der„TimeS" sein! Die„Allianz der Konservativen mit den Sozialdemokraten" schenken wir der„Times"— es ist das ein Bär, den ihr irgend ein deutscher Liberaler auf die Nase gebunden hat— freilich ein Bär, bei dessen Erzeugung menschliche Intelligenz nicht im Spiele war. Allein wie kann die„Times" die Unwissenheit soweit treiben, daß sie behauptet, von konservativer Seite seien nirgends sonst derartige Annäherungsversuche an Arbeiterparteien gemacht worden? Die„Times", der mit der Denkfähigkeit auch das Gedächt- niß abhanden gekommen zu sein scheint, hat also vergessen, daß gerade in England derartige Annäherungsversuche wiederholt, und nicht blos von konservativer, sondern auch von liberaler Seite gemacht worden sind? Die Zehnstundenbillbewegung, das Disraeli'sche„Jung-England", der pfäffische Sozialismus eines KingSley(„Alton Locke"-c.), die heuchlerische Jdentifizirung liberaler Bourgeoisforderungen mit den Klassenforderungen der Arbeiter— daS ist noch eine viel längere Liste, als für solche Arbeiterfängerei-Versuche in Deutschland aufgestellt werden könnte. Genug— das Hauptorgan der englischen Bougcoiste— wie gesagt der entwickeltsten der Welt, die der unseligen als Muster vorschwebt— hat unverantwortlich dummes Zeug geschrieben. Es hat dies unverantwortlich dumme Zeug über eine Bewegung geschrieben, welche genau zu kennen, nach Wesen und Zielen sorgsam zu erforschm, ein Lebensinteresse der Bour- g e o i s i e ist. Wenn ein Bourgeoisorgan über die sozialdemokra- tische Bewegung statt Aufklärung zu geben, statt richtige An- sichten zu verbreiten, die albernsten Jagdgeschichten in die Welt schickt, den lächerlichsten Altweiberklatsch kultivirt, in Bezug auf Wesen und Ziele sich selber und seine Leser auf das Tollste belügt— dann zeigt dies, daß die Zeitvorgänge ihm böhmische Dörfer sind und daß eS in der schlaraffenmäßigen Behaglichkeit des Besitzes und Genusses mit der Denkfähigkeit sogar dm Instinkt der Selbsterhaltung verloren hat! Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit— geistiger— Blindheit, sagten die Alten. Jn's Politische kann man daS damit übersetzen, daß der Verlust der Herrschafts- fähigkeit dem faktischm Verlust der Herrschaft vorangeht. AuS der Verkretinifirung der Bourgeoisie können wir sehen, daß die Tage ihrer Herrschaft gezählt sind! Fort mit Euch Kulturfeindcn, Platz für die neue Gesellschaft des wahren Fortschritts l Sozialdemagogen. Eine» der beliebtesten Schlag- und Schimpfworte der Feinde gegen un« ist die Bezeichnung: Sozialdemagog. Bei jeder Gelegenheit muß sie gegen uns ausmarschiren, und e« gibt auch Leute, Tausende von Leuten, die den Ausdruck allen Ernste» für sehr passend halten und Wunder» glauben, wie wehe sie un» thun, wenn sie ihn anwenden. Die Gedanken- losen I Wir verzeihen ihnen, denn sie wissen nicht, wa» sie thun und reden. Sie gleichen den Kindern, die eine Masse handhaben, von deren Natur und Bedeutung sie keinen Begriff haben. Fassen wir einmal den Ausdruck in'« Auge. Wa« heißt denn eigentlich Sozialdemagog? Ein D e m a g o g ist nach festem, allgemein angenommenem Sprach- gebrauch ein Mensch, welcher au» persönlichen Moliven, sei e» um seiner Eitelkeit zu fröhnen und eine Rolle spielen, sei e» um sich ein Amt, finanzielle oder andere Bortheile, Einfluß im Staat, der Gemeinde u. s. w. zu verschaffen, die Massen in Bewegung setzen will, agitatorisch thätig ist. Ein S o z i a l demagog ist demgemäß ein Mensch, welcher die soziale Frage in demagogischer Weise auszunutzen sucht und aus dem Gebiete der sozialen oder sozialistischen Bewegung in seinem eigenen persönlichen oder Klassen-Jnteresse, zu seinem Privatnutzen, oder sei e« auch nur zur Befriedigung seiner Eitelkeit und um eine Rolle zu spielen, agitatorisch thätig ist. Die interessirte Ausnutzung der agitatorischen Thätig- keit gehört zumBegrisf d e» D e m a g o g en th u m«, da« ohne sie nicht gedacht werden kann. Nun bedarf es aber blo« de« mäßig- sten Nachdenken«, und e« leuchtet ein, daß bei Sozialdemokraten diese Bedingung nicht zutrifft— au» dem einfachen Grunde, weil die Sozialdemokratie geächtet ist und die sozialdemokratische Agitation dem Agitator keine Bortheile, wohl aber schwere Nachtheile bringt I Ander« wenn wir die feindlichen Parteien durchmustern. Da finden wir, daß sie s äm m t li ch in sozialer Frage machen, und daß sie die« nicht im Interesse Derjenigen thun, welche unter den sozialen Mißständen leiden, sondern in ihrem eigenen, sei e» persönlichen oder Partei- und Klassenintereffe. Und da» sind die charakteristischen Bestandtheile de» Demagogenthums. In den Reihen unserer Feinde, die hier, wie bei ihren meisten Beschuldigungen gegen un«, nur in den Spie- gel gesehen und ehre eigenenSlloden uns angelogen haben, erblicken wir die wahren und echten Sozialdemagogen. Entsprechend den drei reaktionären Hauptströmungen im heutigen Staat»- und GesellschastSleben zerfallen die Sozialdemagogen in drei Hauptgrnppen. Zunächst die Staatssozialisten oder„Sozial- r e f o r m e r" Bismarck'scher Gefolgschaft, welche daraus ausgehen, die „Arbeiterbataillone" für den bankerotten Junker-, Polizei- und Militär- staat zu mobilistren und den„armen Manu" für seine praktisch christ- lichen„Anwälte" die Kastanien au« dem Feuer holen zu lassen. Damit diese Sorte von Sozialdemagogen, der Obersozialdemagoge Bismarck an der Spitze, noch eine Zeit lang ihre politische Schwindlerrolle fortspielen und„die Klinke der Gesetzgebung" zu ihrem Privat-, Partei- und Klassen- vortheil benutzen können. ist die..Sozialreform" zwar nicht erfunden (denn e« ist nur eine verschlechterte Kopie älterer Muster), aber doch auf'« Tapet gebracht worden. Bertritt die erste Gruppe der Sozialdemagogen den reaktionären Staat, so vertritt die zweite die reaktionäre Zwilling«. schwester de» Staate«: die Kirche. Da» Pfaffenthum kalho- lischer und protestantischer Konfession— namentlich da« erstere, da« vor dem ketzerischen Konkurrenten einen etwa» ausgebildeteren Korpsgeist und politischen Verstand vorau» hat— hat den„christlichen Sozialismus" gegründet in der einzigen Absicht, die Arbeiterklasse als Stütze für den morschen Bau der Kirche zu verwenden und durch den Köder de»„christlich-sozialen" Linsengericht« die Massen in den großen Schafstall hineiuzulocken. Die dritte Hauptgruppe von S ozialdemagogen vertritt die reaktionäre Gesellschaft, die Gesellschaft der Bourgeoisie. Von dem Augenblick an, wo da« Klassenbewußtsein sich in den Arbeitern zu regen anfängt, sehen wir die Bourgeoisie eifrig bemüht, sich au die Spitze der sozialen Bewegung zu drängen und die Arbeiter durch Palliativmittelchen oder Eharlatanerien jeder Art von dem, durch die Logik der Thatsachen und den Instinkt der Selbsterhaltung ihnen vorgeschriebenen Pfade der Sozialrevolution abzulenken. Schulze'sche Kredit- und Konsum-Bereine, Hirsch-Duncker'sche Gewerkvereine— da» find so die bekanntesten dieser Palliativmittelchen und Eharlatanerien. Daß die Reaktionäre in Staat, Kirche und Gesell- s ch a s t, obgleich sie einan der bi» zu einem gewissen Punkte heftig be- seinden, sich mit so rührender Einmüthigkeit auf die soziale Frage ge- warfen haben, findet seine natürliche Erklärung darin, daß die soziale Frage, vermöge der mächtigen ökonomischen Entwickelung unserer Zeit, zur Kardinalfrage geworden ist, um welche alle anderen Fragen sich drehen, und daß die Arbeiter in der That der Fel» sind, auf welchem allein der Staat nnd die Gesellschaft heute eine feste Grundlage erlangen können. Da die Sozialdemagogen es mit der Lösung der sozialen Frage und den Arbeitern nicht ehrlich meinen, so ergibt sich von selbst, daß Alle», wa« sie z u r Lösung und als Lösung der sozialen Frage vorschlagen, den Stempel der Unehrlichkeit, de« Lug» und Betrugs an der Stirne trägt. Man nehme die schwindelhasten Pfuschgesetze, welche der Ober- sozialdemagoge Bismarck dem Reichstag vorzulegen die Stirn gehabt, das skandalös bornirte„Programm", welche» die Herren Christlich-Sozialen soeben ausgeheckt haben, die grauenhafte Mißwirthschaft, welche anläßlich de» jüngsten„Krach«" in den Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen an den Tag gekommen ist, und man wird un» beistimmen, wenn wir mit dem Satze schließen: gleich reaktionär ihrem Ursprung und ihren Zielen nach find die Sozialdemagogen, einerlei, ob sie die Reaktion im Staat, in der Kirche oder in der Gesellschaft vertreten, auch einander gleich in der Stümperhaftigkeit. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 22. August 1883. — DasSozialistengesetz ist t o d t, es lebe daSSozisa- l i st e n g e s e tz! Da« ist also, wenn man dem offiziösen Korre- spondenten der„Kölnischen Zeitung" Glauben schenken darf, jetzt offiziöse Parole in Deutschland. Nun, so wenig wir sonst dem Reptiliengesindel trauen, diese Nachricht glauben wir gern. Osdimus quin absurdum: sie zeugt von so großer Bornirtheit, daß wir sie glauben müssen. Würde un» Jemand sagen, die preußische Regierung, d. h. Bismarck, sieht ein, daß da« Sozialistengesetz eine pyramidale Eselei war, daß er mit ihm absolut nicht» ausgerichtet hat, noch die geringste Hoffnung hat, je Etwa» mit ihm auszurichten, er will also weder e» zu verlängern, noch an ihm herumzudoktern versuchen— wir würden ihn für den größten Lügner oder für den leichtgläubigsten aller Dummköpfe halten. Aber daß Bismarck, nachdem er mit seinem famosen Sozialistengesetz in einer Weise Bankrott gemacht hat, wie sie kläglicher nicht gedacht werden kann, nun nach einem neuen Sozialistengesetz, nach funkelnagelneuen Ausnahme- Paragraphen lechzt, da» sieht dem„größten Staatsmann de« Jahr- Hunderts", dem Manne de«„Nach Kanossa gehen wir nicht I" so ähnlich, daß wir jeden Zweifel an der Richtigkeit diese» Waschzettel» für eine — Kanzlerbeleidigung halten. Dem Manne von Blut und Eisen eine andere Politik zumuthen, hieße vom Doktor Eisenbart verlangen, daß er aus Säge und Hackebeil 2c. für seine wunderbaren Kuren verzichten möge. Also ein neue« Sozialistengesetz soll„angesichts de« Auftreten« der Arbeiter in neuerer Zeit" angefertigt werden. Ja, worin besteht denn „das Austreten der Arbeiter in neuerer Zeit"? Sie suchen ihre Lohn- Verhältnisse zu verbessern, nachdem man ihnen die Lebensmittel im Hin- weis auf die(bis jetzt ausgebliebenen) höheren Löhne vertheuert hat. Soll ihnen das al«„staatsgefährlich" verboten werden? Sie erklären da, wo sie Gelegenheit haben, sich über die großartige„erste sozialrefor- motorische Maßregel", da« famose Krankenversicherungsgesetz, zu äußern, daß sie dasselbe sllr ein durch und durch stümperhafte« Machweck halten. Zwar nicht sehr schmeichelhaft für den oder die Fabrikaulen desselben— sollen die Arbeiter bei Zuchthausstrafe gezwungen werden, es für wunderbar schön zu erklären? Sie betheiligen sich an öffentlichen Wahlen und wählen Vertreter, die ihnen konveniren— sollen sie für da» Ausüben ihrer staatsbürgerlichen Rechte außer Lande» gejagt werden?*) Sie— ja, wa« thun die Arbeiter denn sonst noch? Halt l sie lesen den immer unbequemer werdenden„Sozialdemokrat", dem diezartestenFamilien- *) Nach der neuesten Lesart hat man allerdings etwas der Art in Aussicht. Anmerk. de» Setzer». geheimuisse nicht heilig sind. Ei, aber der„Sozialdemokrat" ist ja doch längst verboten, Eure Spitzel liegen ja beständig auf der Lauer, ihn abzu- fassen, seine Verbreiter zu erwischen— ist da« Gesetz daran Schuld, daß die Arbeiter schlauer find, als sie? Nnn, so versucht's mit einem Gesetz, da« den Arbeitern befiehlt, dümmer als Cure Polizei zu sein! Es muß ein wunderbares Machwerk werden, dieses neue Sozialisten- gesetz, da« die Wirkung hervorbringen soll, welche da» alte nicht zu Stande bringen konnte! Denn so wie jetzt darf e» nicht fortgehen. Die Arbeiter sollen und müssen zur Raison gebracht werden, es muß ihnen eingebläut werden, daß nur der ihr Freund ist, der ihre geistige, politische und soziale Knechtschaft in alle Ewigkeit verlängern will. Ihr wollt MICH nicht als Euren Anwalt anerkennen, bildet Euch ein, Ihr versteht selbst am besten, wo Euch der Schuh drückt? Wartet, Ihr sollt Mich kennen lernen l Meine erste Peitsche hat nicht geholfen, jetzt werde ich mir eine zweite machen lassen. Und wenn die nicht» hilft, wieder eine andere. Und dann wieder eine--- Wie? Ihr fürchtet Euch nicht? Ihr zuckt höhnisch mit den Achseln? Ihr untersteht Euch gar, MIR in's Geficht zu lachen? Ich werde Tuch! Sagtet Ihr was? Ich habe Euch nicht recht verstanden; was antwortet Ihr? Nur zu» Euer Durchlaucht! Nur zu! Das ist in der That die einzige Antwort, die wir auf die Drohung mit dem neuen Sozialistengesetz haben. Nur zu, Ihr Bismarck, Puttkamer und Konsorten. Die deutsche Sozialdemokratie ist aus Alles vorbereitet. Verschärft Eure Maßregeln, verdoppelt, ver- dreisacht Eure Vcrsolgungeu— unserer werdet Ihr nicht Herr! Unsere Partei hat die Feuerprobe bestanden, nicht an ihr ist das Nachgeben. Fangt an, was Ihr wollt, uns werdet Ihr nicht lo». Sie hatten da- malS ganz Recht, Exzellenz Puttkamer, als Sie es uns zum bitteern Vorwurf machten, daß wir nicht so plump vorgingen, wie Herr Most, der Ihnen deshalb auch„lieber" ist, sondern„systematisch schleichend". Da» Schleichen haben Sie ja doch selbst nicht buchstäblich genommen, aber da» Systematisch lassen wir um so mehr gelten. Was Sie auch thun mögen, wir werden fortfahren, ganz systematisch zu kämpfen, daran sollen uns weder Ihre Schergen, noch Ihre �Zents provoenteurs verhindern. Aber da» Eine machen Sie sich, Sie und Ihre ganze Sippschaft, klar, ehe Sie an Ihr gesetzgeberisches Werk gehen: Jeder Versuch, das hat die Geschichte des alten Sozialistengesetzes gezeigt, jeder Versuch, zwischen der Sache der deutschen Arbeiter im Allgemeinen und der sozialdemokratischen„Umstnrzpartei" einen Gegen- satz zu konstruiren, ist von vornherein aussichtslos. Den Schlag, den Sie der Sozialdemokratie versetzen, trifft die gesammte Arbeiterklasse, wird von dieser als solcher empfunden, und jede Bewegungsmöglichkeit, die Sie den deutschen Arbeitern lassen, lassen Sie uns, der deutscheu Sozialdemokratie. Eine Trennung ist da nicht möglich. Wir sind keine Verschwörungspartei: unsere geheimen Konventikel, das sind die Gruben, die Fabriken, die Werkstätten jeder Art, wo gearbeitet wird. Wollen Sie Krieg bis auf's Messer mit uns, nur zu I Sie werden mit der gefammten Arbeiterklasse Krieg zu führen haben. Und die Sache der Arbeiter ist unüberwindlich! — Deutsche Reichswohlthätigkeit. Herr Stephan— der deutsche Reichspost-Czar— hat durch einen Post-Ukas dekretirt, daß von allen Postämtern und Postagenturen des deutschen Reichs für die Opfer der Katastrophe von I s ch i a gesammelt werden soll. Bei den Ueberschwemmungen de» verflossenen Winters, die Hunderttausende seiner Mitbürger schwer trafen, ist es Herrn Stephan nicht eingefallen, eine öffentliche Sammlung veranstalten zu lassen. Freilich, die Opfer der Ueberschwemmungen waren nur deutsche Staatsbürger, die in Deutsch- land ja nur dazu da find, auSgesogeu, geschunden und geknufft zu wer- deu, und oochbitiu meist arme Teufel, um die unser Reichspost- Czar sich nicht kümmern kann— und JSchia, ja das ist ganz wa« andere»!— Jschia ist derSommeraufenthaltSort unserer vornehmsten Welt, von der verschiedene Mitglieder beinahe mit verunglückt wären, und— Jschia gehört zu Italien, das jetzt, um da» r e p n b l i k a- uische Frankreich zu ärgern, kajolirt werde» muß. Und so wurde denn die Komödie in Szene gesetzt. Für die Wittwe de« armen Landbriefträgers von BorSdorf, der im nnd am Postdienst gestorben ist, halte der in d i e F e r n e so mildthätige Pofistephau keinen Pfennig aus seinem DiSpositiouSsond übrig! Um dem Humbug vollends die Krone auszusetzen, hat sich„unser Fritz" allerhöchstselbst zum Protektor der Sammlungen sür Jschia er- nannt, während Wilhelm aus„seiner" Chalulle 50,000 Mark bewilligt hat. Wohlthun ist eine sehr schöne Sache, ganz besonders wenn e» auf Kosten der eigenen Unterthauen geschieht. Beiläufig, als vor wenigen Monaten Moltke sich an der Riviera herumtrieb, da machten sich die deutschen Blätter ob der Beklemmungen lustig, welche französische Bläiter über die Landpartien de«„berühmten Strategen" an der sranzösisch-italienischen Grenze empfanden. Nun, so ganz ohne scheint die Witterung der Franzosen nicht gewesen zu sein. Die politische Situation wird immer ungemllthlicher, und in der That- fache, daß durch offizielle Bettelei die Sympathie de» italienischen Volke« errungen werden soll, können wir nicht« weniger als einen Erfolg der deutschen Diplomatie erblicken. Solche Wohlthaten werden leicht ver- geffen, namentlich wenn die Frage dagegen zur Entscheidung steht, ob Nizza oder Trieft eine reifere Frucht sei. — Rettung der M e i st e r h e r r l i ch k e i t, da« ist der Refrain verschiedener H a n d w e r k e r k o n g r e s s e, die in den letzten Wochen in verschiedenen Städten Deutschland« getagt haben. Gejammer über die Gewerbesreiheit, die es„einem 20.jShrigen Menschen, der vom Handwerk absolut nichts versteht, freigibt, sich al» Meister zu etabliren, wodurch der Ruf der deutschen Industrie geschädigt wird", und ähnliche Schild- bürgereien bildeten da« Lieblingsthema der Unterhaltung, während hinter honigsüßen Reden von Fürsorge für da» Wohl der Arbeiter sich der Haß gegen die unabhängig gesinnte Arbeiterschaft versteckte. Um die Arbeit»- bücher auf Umwegen wieder einzuführen, beschloß man. Wandernuter- stützungskassen in'« Leben zu rufen, die dann nur gegen Vorzeigung eines Arbeitsbuches Unterstützung gewähren sollen. Natürlich soll auch die Gesetzgebungsmaschinerie gehörig ausgebeutet werden, und sind diese Herren bereit, alle Volksrechte zu verschachern, jeden Fortschritt zu hinter- treiben, wenn ihnen nur die Meisterherrlichkeit zu Theil wird, auf daß sie Fuchtel wieder über die Arbeiter schwingen können. Wir haben wahrlich alle« Mitgefühl sür den armen Kleinmeister, der im Konkurrenzkampf gegen die Großindustrie sich vergeblich abrackert, aber nicht diese Leute sind e», welche auf den„Handwerkertagen" das große Wort führen, sondern da geben Ehrenmänner deu Ton an, welch- da« Ausbeutergeschäft besser verstehen als de- ärgste Schlotjunker. Das hat sich ganz besonders bei dem Kongreß der Schornsteinfeger- meister in Berlin gezeigt. Die Herren Berliner Schornsteinfeger- meister sind durchgängig reiche Protzen, die man auf allen Pferderennen u. s. w. paradiren sehen kann, während sie die Gehilfen in wahrhaft jammervoller Weise ablohnen. Hört man aber ihre Wortführer, daun hätte man meinen sollen, sie müßten unter der Aera der Gewerbefreiheit, die beiläufig in diesem Gewerbe nur nominell besteht, verhungern! Eine schöne Gesellschaft! Nun, lassen wir sie ihre reaktionären Projekte ruhig aushecken, erreichen werden sie trotz alledem nicht«. Die moderne Entwickelung halten sie nicht auf, und die Arbeiter werde» den Attentaten auf ihre Ehre und Unabhängigkeit zu entgegnen wissen. Wer wirklich getroffen werden wird, wenn die Handwerkersrage im Sinne dieser Kongresse gelöst wird, da» find gerade die kleinen Meister, und soweit dieselben sich in bornirtem Dünkel zu Schleppträgern dieser Bewegung hergeben, wird ihnen nur Recht ge- schehen. Im Kampfe zwischen Kapital und Arbeit gibt e» nur ein Hüben und Drüben, und wer sich nicht voll und ganz auf die Seite der Arbeit stellt, ist Werth, daß er zu Grunde geht. — Au« Leipzig, 17. August, wird uns geschrieben: Da der „ Kleine" glücklich erneuert ist, also keine unmittelbare Nothwendigkeit für staat«- und gefellschaftSretterifche Polizeithaten vorliegt, so verhält unsere heilige Hermandad sich seit einiger Zeit sehr still. Auf die Hoff- nung, die Verbreitung de« Parteiorgans hindern oder auch nur ein- schränken zu können, hat sie nachgerade verzichtet, und ihr ganzer Ehr- geiz konzentrirt sich jetzt darauf, wenn einmal in Folge diese« oder jene» Zufalls irgend ein Päckchen mit sozialistischen oder vermeintlich sür Sozialdemokraten bestimmten Schriften in unrechte Hände kommt, den Adressaten auszuweisen. Es ist das eine sehr bequeme Beschäftigung, bei der man sich nicht im Mindesten anzustrengen hat. Die Polizei braucht gar nicht» zu machen: sie wartet nur aus die Anzeige seitens der Post, und der Rest findet sich von selbst. Die Post spielt in der jetzigen Spitzel- Aera die Hauptrolle. Da« ist eine bekannte That- fache, indeß herrschen doch Uber die Art, wie die Post dabei vorgeht, vielfach irrige Ansichten.„B r i e f st i e b e r e i" in dem alten gewöhn- lichen Sinne de« Wort» kommt nur noch selten vor, die BloSstellungen im Reichstag haben demnach ihre Wirkung geeigneten Ortes doch nicht verfehlt. Gegenwärtig wird hauptsächlich auf Grund jener berüchtigten, von Genosse Liebknecht vor anderthalb Jahren im Reichs- tag verlesenen Verordnung operirt, welche die Postbeamten anweist, alle Postsendungen aus verbotene Schriften hin zu prüfen, und sobald sie etwa» Verdächtiges bemerken, oder zu bemerken glauben, die Polizei in Kenntniß zu setzen. Die verdächtige Sen- dung wird dann richtig dem Adressaten überbracht, und, ehe dieser noch Zeit hat, die Sendung zu öffnen, oder während er sie öffnet, erscheint die Polizei, haussucht und— da« Weitere braucht nicht geschildert zu werden. Dieses Schnüffeln nach verbotenen Schriften erstreckt sich auch auf größere Packete, die, wenn sehr gut verpackt, oft in der unver- antwortlichsten Weise ausgerissen werden, um einen Blick in» Innere zu ermöglichen. Ferner ist die Post angewiesen, von jedem Brief und Packet an eine nicht mehr gültige Adresse(in Folge Um- zug«), auch wenn der Adressat ohne Mühe zu finden ist, der Polizei Anzeige zu machen. Alle« die« ist„gesetzlich"; es ist aber auch Spionage der gemeinsten Sorte. Also gesetzliche Spionage,— die Spitzelei und Schnüffelei gesetzlich regulirt uud zum Gesetz er- hoben!— Manchmal schläft nicht bloß der alte Homer, sondern auch da» Leip- ziger„Tageblatt". Borige Woche pasfirte ihm das Pech, daß die durchgegangene RedaktionSscheere einen Artikel ausschnitt, in welchem da» vom„Tageblatt" inbrünstig angebetete Sozialistengesetz„ein r e a k t i o- näre» Zwangsgesetz" genannt wurde. Ob der unglückliche Uhse (HUttn er'S Nachfolger), al» er beim Erwachen den Schaden sah, in Ohn- macht gefallen ist oder nicht, darüber schweigt die Weltgeschichte. Ein paar Tage später aber— da« Bier in der Stammkneipe ist gut— wie- derholte sich da« Malheur, nnd die ganz tollgewordeue Redaktion»- scheere erwischt einen Artikel, welcher den Kampf gegen die Spitzeldemo- kratie als einen aussichtslosen hinstellte und die entsetzliche Wahrheit aussprach, daß Alle», wa» znr Unterdrückung der Sozialdemokratie geschehen sei, dieselbe nur gestärkt habe, und daß bei der Sozial- demokratie eine richtigere Ausfassung und Benützung der fBerhältnisse zu finden sei, als bei den Gegnern der Sozialdemokratie. Welchen Katzenjammer der arme Uhse gehabt haben mag, als er aus dem Schlummer erwachte, während dessen die Scheere diese« Unheil an- gerichtet hatte! — Zur Lohn- und Arbeiterbewegung inDeutsch- land. Der Streik der Schreiner in Stuttgart ist noch immer nicht beendet. Die Arbeiter halten fest zu ihrer Fahue und sind entschlossen, ihre Forderung mit der äußersten Energie durchzukämpfen. Die Unterstützungen find auch bi» jetzt so ausreichend eingegangen, daß allen Ansprüchen an da« Streikkomite entsprochen werden konnte, und werden bei dem vorttefflichen Geist, der gerade unter den Schreinern in Deutschland herrscht, sicherlich nicht nachlassen, so daß der Sieg der Ar- beiter zu erwarten ist. Da« wäre ein großer moralischer Erfolg sür die Arbeiterbewegung in Deutschland, denn dieser Sieg hieße Anerken- nung der Organisation von Seiten der Ausbeuter. Die Parole lautet nach wie vor: Zuzug fernhalten und nach Kräften Unterstützung senden. Nur ein Theil der Berliner Fachvereinsvorstände ist in zweit er Instanz von dem Landgericht Berlin wegen angeblicher Uebertretung des Vereinsgesetzes— zu übrigens unbedeutenden— Geld- strafen— verurtheilt worden, während die Mehrzahl freigesprochen und die vom Staatsanwalt beantragte Schließung der Vereine nicht beliebt wurde. Die Vorlesung unserer Auslassungen über die Berliner Be- wegung wurde vom Gerichtshof auf Antrag der Vertheidigung mit Recht abgelehnt, denn sie gehörte absolut nicht zur Sache. Uebrigens würde sie auch dem Herrn Staatsanwalt wenig genutzt haben, denn es ist uns nie eingefallen und konnte uns auch nie einfallen, zu behaupten, daß diese Verein«, sozialistisch seien. Wir werdeu e» un» aber nicht nehmen lassen, überall, wo Arbeiter im Kamps gegen Ausbeutung stehen, diesen unsere Sympathie auszudrücken, seien sie sonst ultramontan oder liberal, konservativ oder demokratisch. Der Hinweis auf unser Blatt war eben nicht» als eine niederträchtige Finte de» Staatsanwalts, mit der er aber kein Glück hatte. Der Biedermann hat übrigen« gegen die Freisprechung der Bereine appellirt. Bon Versammlungen find besonder« zu erwähnen eine am 4. August in München stattgehabte glänzend besuchte Versammlung, in welcher Genosse V o l l m a r unter großem Beifall über„Sozialreform und Krankenversicherung" reserirte. Ueber da« gleiche Thema referirte Ge- nosse Grillenberger in verschiedenen bayerischen Städten unter gleichfalls sehr starker Betheiligung der Arbeiterbevölkerung. Ebenso sau- den in Bayern verschiedene Arbeiterversammlungea statt, in denen über die Petition, betr. Ausdehnung de« Gemeindewahlrechtis auf alle bayerischen Staatsangehörigen, referirt wurde. In Berlin haben zwei Arbeiterversammlungen stattgefunden, in denen die be- vorstehenden Stadtverorduetenwahlen besprochen wurden. Die Berliner Arbeiter wollen in einzelnen Wahlkreisen selbstständig vorgehen und wer- den als Kandidaten derselben die Herren Paul Singer und S. S z a f r a n» k i genannt. Die fortschrittliche Presse ist Uber diese Ver- sammln ngen nicht wenig erbittert und möchte gerne die Arbeiter als Verbündete der Antisemiten und Konservativen verdächtigen, allein damit kann sie wohl— Donk ihrer Verbindungen— da« auswärtige Publicum täuschen, nicht aber die Berliner Bevölkerung. Sehr schön ant- wartete in der Wählerversommlung vom 12. August der Maurer Conrad einem Herrn Rosenrhal, der dem Justirer G ö r ck i vorge- warfen hatte, er wirke für ein Zusammengehen mit der„Deutschen(Bis- marck scheu) BUrgerpartei":„Es jst nicht anzunehmen, daß Herr Görcki es versuchen wird, die Arbeiter in da« reaktionäre Lager zu führen. Sollte er es thuu, wir werden auspassen, adnn werden wir ihn behau- dein, wie e» ihm gebührt. Die Arbeiter besteigen weder die Barke des- Herrn Eugen Richter, noch die des Herrn Stöcker; sie wissen zu gut, daßbeideFahrzeuge sienur indenSnmpfsühre» Ar beiter wollenselbstdasRuderführen, f e I b st st ä n d ig kämpfen und wenn der letzte Mann fal l e n s o l l." Anhallender Beifall, verzeichnet hier der Bericht der Ber- lmer„Kreuzzeitung". Wir denken, da- genügt. — In Berlin ist am 19. August der erste Handwerkertag der deutschen Zimmerleute(Arbeiter) mit einem großen Fest- zng eröffnet worden. Vertreten waren außer Berlin und Umgegend Magdeburg, Kiel, Königsberg i. Pr., Breslau, Nürnberg, Kassel, Düffel- darf, Stettin, Halberstadt, Bremen, Frankfurt a.O., Hannover, Liegnitz, Ohlau, Wolmirstädt-c. tc. Ueber die Beschlüsse diese« wichtigen ArbeitertageS in nächster Nummer. — Unsere Genosseu im 19. hannöver'fchenWahl« kreise(weiland Bennigsen'« Domäne) haben beschlossen, gleichfalls in den demnächst stattfindenden Wahlkampf ewzutreten, und haben den Re- dakteur des„Norddeutscheu Wochenblatt»", H. Oehme in Bremen, al« Kandidaten aufgestellt. Wir wünschen ihnen besten Erfolg. — Höchst wichtig für die Ruhe Europa»! Fürst Georg von Schwarzburg-Rudolstadt und Fürst Günther vou Schwarzburg« Sondershausen haben sich, wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, aus- gesöhnt und bei einer Zusammenkunst herzlich begrüßt. Sie hatten sich nämlich um einige, ihren„Völkern" geraubte Domäne» gestritten nnd sind endlich zu dim hochherzigen Entschlüsse gekommen, den Raub fried- lich zu theilen. Jubelt darob, ihr Schwarzburger von diesseits und die«- seit« der Unstrult! — Schweiz. Genosse Grillenberger befindet sich augenblick- lich in der Schweiz, um auf Wunsch der organisirten deutschen Sozia- listen Borttäge über die sozialpolitischen Verhältnisse in Deutschland zu halten. Bis jetzt hat er in Schaffhausen, Winterthur, Chur, Basel und Bern gesprochen, und zwar überall mit bestem Erfolge. Einzelberichle später. — Frankreich. Die Wahle» sür die ftanzösischen Generalräthe, die ein so günstige« Resultat für die Republik ergaben, find keineswegs so ungünstig für den Sozialismus ausgefallen, wie die Korrespondenten der Bnurgeoispreffe behaupten. An einer ganzen Reihe von Orten haben vielmehr die Sozialisten ihre Kandidaten durchgesetzt und an anderen ansehnliche Minoritäten erzielt. So ist z. B. in Monceau le« Mine« der Arbeiterkandidat B o n n o t trotz kolossalsten Drucke» feiten» der Ausbeuter nur mit 1004 gegen 1095 Stimmen unterlegen. Im Ostkrei» R o u b a i x haben sich die Stimmen der Sozialisten von 200 i m Jahre 1881 auf 892 im Jahre 1882 und 1339 diesmal vermehrt,, welche der Redakteur de«„Formal", H. Carrette, erhielt. Verhält- nißwäßig gute Erfolge sind auch im hochindustriellen Departement A l l i e r erzielt worden, desgleichen im Departement Loire, in Mont- l pellier tc. Es ist jedoch zu bemerken, daß e« sich nicht überall um Kan- didaten der eigentlichen Arbeiterpartei gehandelt hat, sondern auch um Blanquistische-c. Kandidaten. Daß man in gewissen Kreisen allmälig anfängt, ruhiger über die Wahlbetheiligung zu urtheilen, zeigt folgende; St elle aus einem Artikel E d. B a i l l a n t s im„Republicain sozialiste": l „Die Wahl ist ein Mittel, dessen Werth man weder übertreiben, noch unterschätzen darf. Sie ist eine der wirksamsten Stützen der Organi- sation und Propaganda, die man finden kann; sie kann ein mächtiger Hebel der Aktion werden"«. j Die Delegirten der Pariser zc. Arbeiter zur internationalen Kolonial- ausstellung in A m st e r d a m sind bereit« dort eingetroffen und von unfern holländischen Genossen auf'« Wärmste empfangen worden. Im Saale Fraskati zu Amsterdam fand ihnen zu Ehren eine recht gut be- suchte Arbeiterversammlung unter dem Borsitz de« wackeren F. D o m e l a NieuwenhuiS statt, der eine vortreffliche Ansprache an die sranzö« fischen Gäste richlete, die wir wirklich bedauern, hier nicht wiedergeben zu können. Er schloß mit den Worten:„Wir uud Ihr, wir kennen nur eine Nationalität, die Menschheit, wir und Ihr, wir haben nur ein Vaterland, die Erde, wir und Ihr, wir haben nur ein Banner, die Arbeit, wir und Ihr, wir haben nur einen Gottesdienst, der ist da« Streben, allen Menschen da» möglichst- Glück zu erwirken. Dafür wollen wir gemeinsam wirken, leiden und kämpfen, aus daß die Befreiung herannahe, die Armuth verschwinde und Allen eine glückliche Existenz gesichert sei." Reden nnd Gesänge französischer und holländischer Arbeiter wechselten alsdann miteinander ab, und zum Schluß ward unter allgemeinem Applau« eine Resolution angenommen, welche die Solidarität der Ar- beiter aller„Länder und die Nothwendigkeit steten Verkehr» unter den Sozialisten aller Länder betont. — Italien. Wenige Tage nach dem sozialistischen Kongreß von Raven na fand in Bologna ein National-Kongreß aller demokra- tischen Elemente Italiens statt, der gleichfalls einige Renkontres mit der Polizei zu bestehen halte. Es ward auf demselben ein demokratischer Bund mit einem aus drei Personen bestehenden Zentralkomile gegründet, in welche« Bovio, Cavalotti und Costa gewählt wurden. Daß Letzterer die Wahl annahm, hat unter den italienischen Sozialisten große Mißstim- mung erregt, und wird dieser Schritt von Vielen als eine Lossagung be- wachtet.„Wir können", schreibt man un» sehr richtig,„uns wohl mit anderen Parteien über bestimmte Fragen verständigen, wohl mit ihnen zur Erreichung gleicher Zwecke Seile an Seite kämpfen, doch uns mit einer bürgerlichen Partei, und sei es auch die radikalste, verschmelzen. ist ohne Ausgabe unserer Prinzipien nicht möglich." Die Existenz des.Iaoeio Operario", von dessen Erscheinen wir jüngst berichteten, ist, wie wir mit Freude vernehmen, gesichert. In C o m o droht der Weberstreik auf» Neue auszubrechen. — Spanien. Die Ruhe sei, heißt e», im ganzen Lande wiederher- gestellt uud Spanien kann sich ganz dem erquicklichen Bewußtsein hin- geben, seinen Alphon» noch einige Zeit König spielen zu sehen. Der Belagerungszustand dauert vorderhand noch fort, was das Regierm be- kanntlich ungemein erleichtert. Alphon» hat in höchsteigener Person ver- schieden«» Städten einen Besuch abgestattet, unter Anderm auch Bar- celona, wo er, wie der Telegraph meldet,„warm" empfangen wurde. Da nun bekanntermaßen sich zu der unvermeidlichen Herde von unifor- mirteu uud nichtuniformirteu Polizisten nur einige alte Weiber und die hoffnungsvolle Straßenjugend zu gesellen brauchen, um den Telegraph von einem„enthusiastischen Empfang" berichten zu machen, so muß der „warme" Empfang in der Thal sehr erhebend gewesen sein, llebrigen» hat der„warme" Empfang nicht verhindert, daß Alphon» der Bode» in Barcelona bald sehr heiß gefunden hat. Der„Jiovista social", das Organ der spanischen Anarchisten, erklärt, daß so lange der Belagerungszustand andauert. sie sich aller politischen Erörterungen enthalten wird. — Amerika. Während die Newyorker Zigarreuarbeiter einen voll- ständigen Sieg errangen und die Progressive Union im Verlaufe des Streike» von 6000 aus 8000 Mitglieder anwuchs, fcheiuen die Telegra- phisten nun doch, wenn die Bourgeoisie Zeitungen Recht haben, unter- legen zu sein. Wir warten natürlich, ehe wir un« ein abschließende« Urtheil erlauben, arbeiterfreundliche Berichte ab, und drücken einstweilen nur den Wuusch au«, daß auf jeden Fall die amerikanischen Arbeiter die Konsequenzen au« diesen Lohukämpsen mit ihren wechselnden Chancen ziehen mögen. Korrespondenzen. — Kiel, 11. August. Zu den Wahlen im Kreise Kiel- Rendsburg. Neumünster. E» waren heiße Tage, die beiden Wahltage vom 20. Juli und 3. August, aber wir können mit Befriedigung auf sie zurückblicken. Denn wieder hat es sich gezeigt, daß das infame Au»- uahmegesetz nur dazu gemacht zu sein scheint, unsere Partei zu stärken, zu einigen— und von allen unlauteren Elementen zu reinigen. Ja, die Partei der Unterdrückten, welcher Presse, Versammlungsrecht und Alle«, was zur Agitation den sogenannten„OrdnnngS"'Parteien zu Gebote steht, mit Gewalt genommen ist, hat seit den Wahlen vom Oktober 1881 mehr al» 4000 Stimmen gewonnen.(1881 zählte Genosse Heinzel etwas über 4700 Stimmen, während die Stichwahl am 3. Aug. d. I. 8771 Stimmen für Heinzel ergab.) Wenn man auch in Betracht zieht, daß im Jahre 1881 infolge der polizeilichen Uebergrisse etwa 1000 Heinzel zukommende Stimmen nicht abgegeben sind, so ist der diesmal erzielte Erfolg doch ein großer zu nennen. In allen zum Wahlkreise gehörigen Städten, mit Ausnahme von Rendsburg, wo der fortschrittliche Kandidat Hänel etwa 100 St. mehr erhielt als Heinzel, siegte der Kandidat der Sozialdemokratie, in Kiel, Nenmünster und Gaarden sogar mit enormer Majorität. Daß wir Angesichts der 2 0 0 L a n d b e z i r k e, von denen ja die Art und Weise, w i e dort„gewählt" wird, Jedermann bekannt ist, dies> mal noch nicht unseren Kandidaten in den Reichstag schicken konnten, war vorauszusehen; aber der Sieg ist dennoch unserl Wir haben die aufgeklärten Städte erobert.— Kiel, die„H o ch b u r g der Liberalen", wie sich unsere lokale BonrgeoiSpresse, die„Kieler- Zeitung", das Organ des Geldprotzen Dr. Ahlmann, ausdrückte, ist ge- fallen, erstürmt von den unter dem Polizeidruck einig und stark ge- wordenen Sozialdemokraten. Nicht« macht einen lächerlicheren Eindruck, als das SiegeSgehenl, welches diese Zwitter-Presse nach der Stichwahl anstimmte, verglichen mit ihrer Angst vor derselben.„Die gutgesinnten freisinnigen, liberalen Bauern haben unfern Wahlkreis vor einem Sozialdemokraten gerettet" — so lautet der stete Refrain ihrer Jubelhymnen. Und wie steht es mit diesen„freisinnigen" Wählern?— Wen der Herr wählt, muß der Knecht auch wählen.— Bon hundert wahlberechtigten Landbewohnern wissen überhaupt höchsten« zehn, was eine Reich»tag«wahl bedeutet; und diese zehn hatten, da sie nur die liberale Presse zu Geficht bekamen, welche ihnen buchstäblich den Unsinn vormalte, wenn Heinzel in den Reichstag käme, dann gehe sofort das Th eilen lo«— eine größere Angst vor einem sozialistischen Stimmzettel al» vor der astatischen Cholera. Wenn die Taglöhner an die Wahlurne traten, wurde der Zettel erst nachgesehen, ob er auch„richtig" sei, und wenn er den Herren nicht paßte, den Wählern ein„richtiger" ge- geben, welchen diese dann in Gegenwart ihrer Brotherren in die Urne stecken mußten. In einer Ortschaft wurden die Bauern vom Guts- Inspektor bedroht, wenn sie einen Stimmzettel von Heinzel benutzten, dann v er sielen sie in eine Strafe von 1000 Mk. eventuell 6 Monate Haft. In dem Dorfe Großen-Aspe, wo sehr viele Handwerker und Arbeiter wohnen, und wo auch unsererseits vor der Wahl eifrig agitirt worden war, sind bei der Stichwahl hnn- dert und siebzig Stimmen für Hänel abgegeben worden und nicht eine einzige für Heinzel. Ist dieses ohne Schwindel möglich? Natürlich können die Wähler nicht reklamire», weil sie sonst Brod und Existenz verlieren würden. Und mittelst dieser niederträchtigen Schwindeleien ist der„groß- artige Sieg" Hänel'« aus dem platten Lande erzielt worden. Da», Herr Professor, find Ihre„freien braven Bauern", welche da» morsche Bauwerk der Zwitter. Partei noch einmal vor dem gänzlichen Zusammen- brechen bewahrt haben. Nun noch ein Wort zur Charakteristik de« Berhaltens'der Ordnungspresse nach der Stichwahl, der liberalen sowohl wie der konservativen. Anstatt stillzuschweigen und über ihre moralische Niederlage nachzudenken, fangen sie jetzt an, sich in der gemeinsten Art gegenseitig auszuzanken, und jede der andern die Schuld unseres enormen Stimmenzuwachses in die Schuhe zu schieben. Gerade als ob irgend eine der zwei„Ordnung»"- Parteien mit uns oder wir mit ihnen harmonirten! Wenn ein mit den Verhältnissen Unbekannter diese Hetzartikel lesen würde, und ihm dann Jemand sagte, da« seien die Ordnungsmänner, von denen sie ausgehen— fürwahr, er würde den Betreffenden mit einem fragenden Blick nach dessen Oberstübchen den Rücken lehren. Wir aber können mit Stolz auf die Erfolge dieser Wahl zurückblicken. Wir haben tapfer gekämpft; aber wir dürfen uns nicht verschweigen, daß noch mehr, viel mehr hätte gelhau werden können. Nun, nächstes Jahr geht'S wieder lo«. Dann mit neuem Muth und verstärkter Kraft zum Kampsei Unser Hauptaugenmerk muß darauf gerichtet sein, die in Unwissenheit aufgezogenen und künstlich in derselben erhaltenen Landleute aufzuklären. Wir thun damit nicht nur ein gutes Werk für die Partei, sondern auch ein Werk der Menschenpflichl. Darum rüsten wir un» früh zum ikächsten Kampfe. In diesem Jahre ist die H o ch b u r g in der Stadt gefallen, nächste« Jahr muß sie auf d e m L a n d e mit Sturm genommen werden. Nur Muth, nur Muth, Das höchste Gut, Die Freiheit zu erringen I Gebrochen ist de« Feindes Macht. Sein stolzes Bollwerk hat gekracht, Laßt uns Siegeshymnen singen! Der Feinde Trug und Heuchelei'n Trotz allem gleißnerischen Schein, Sie können nicht bestehen! Der Freiheit Sonne bricht sie durch. Auf! Laßt auf uns'rer Feinde Burg Die rothe Fahne wehen! Bon der Eider. - Thüringen, Mitte August. Die Stimmung bei uns ist eine ausgezeichnete: 14 Tage nach Pfingsten hielten wir an höchst geeigneter Stelle unsere Bezirksversammlung in Mitten dasiger Naturschönheiten und Angesicht« so mancher interessanter und lehrreicher Erinnerungen an das durch Zeit und Umstände gebändigte und gebrochene alte Raub- ritterthum ab. Rein und kräftig klang die Marseillaise durch die Luft, al«, wir so recht unter un«, unser seitherige« Thun eingehend er« wogen, al« wir unfern Rath für« unbeugsame Weiterkämpfen gepflogen hatten. Frohen Muthe» zogen wir heimwärts in dem Gefühle, daß unsere Sache eine begeisternde, weil unbesiegbare ist. Der rothe Hubertus. — Augsburg- Lechhause«, im Juli. Schon lange ist es her, seit wir von uns im Parteiorgan etwa» hören ließen, obwohl es an Stoff durchaus nicht mangelt; unsere„Hochlöbliche" ist so rührig wie anderswo, und mindesten» nicht klüger, denn obgleich wir au» den Prozessen gar nicht ganz herauskommen, so hat die Polizei sich doch stet» Blamagen dabei geholt. Solauge wir eben kein Beamten-VerautwortlichkeitSgefetz haben wie in der Schweiz(?), wonach ein ohne allen gesetzlichen Grund angeklagter Staatsbürger von dem Beamten, der die Anklage erhoben hat, entschädigt werden muß— solange machen es sich unsere Staat«. anwälte und Polizisten mit ihrer Sozialistenhatz sehr leicht, sie sagen sich einfach: Nutzt e» nichts, so schadet es— uns wenigstens— auch nicht», und hie und da kann man durch solche Plackereien doch den einen «der anderen Arbeiter um seine Existenz zu bringen. Und einen ehrlichen Arbeiter, der nicht« verbrochen hat, als daß er sich frei zu denken erlaubt, um Arbeit, und dessen Frau und Kinder in'« Elend zu bringen, da» rechnen sich die schuftigen Polizeiseelen von der Sorte Ob ich's als ein höhere« Verdienst au, al» einen betrügerischen Bankerotteur am Ausreißen zu verhindern oder einen mit Retourbillet aus Nimmerwiedersehen ab- fahrenden ZuchthauSkandidalen ü la Wilmersdörffer abzufangen. Keine geringe Aufregung unter unseren Spitzeln verursachte am 13. März die Anwesenheit unsere« Genossen Vollmar. Von der Riünchener Polizei war dessen Ankunft der hiesigen augemeldet, und gab e» sofort ein Laufen und Rennen; trotzdem aber verloren die Spitzel eine Zeit lang die Spur Vollmar'». Mehrere Genossen, welche Vollmar aus dem Bahnhos abholten, geleiteten ihn in den nächst der Bahn gelege- um Gasthos zu den„Drei Kronen", wo sich alsbald noch andere Genossen einfanden. Da da« Lokal aber zu weit außerhalb der Stadt liegt, beschloß man, einen weiter in der Stadt gelegenen Platz aufzusuchen, und begab sich daher zum Bierbrauer Wolf. Wiewohl e» schon spät war und die Nachricht von der Ankunft Vollmar'« erst in letzter Stunde bekannt wurde, folglich eine größere Betheiligung an der Abenduuterhaltung zu Ehren unsere» Freundes nicht mehr bewerkstelligt werden konnte, so hatte sich doch eine größere Anzahl Genossen— nach Zählung der Polizei waren « 40- eingefunden, als um etwa 11 Uhr die heilige Hermandad acht wann hoch erschien und unsere Unterhaltung und freie Bewegung auf s Gründlichste störte, wa» man Ausrechterhaltung der Ordnung nennt. Um »» beweisen, daß wir in einem freien Laude leben, wurde demWirthe seitens der Polizei die vorher offen gewesene Hausthür gesperrt, zwei Mann Polizei davor gestellt und Niemand hinaus- noch hereingelassen; die Thüre zur Gaststube wurde innen und außen durch einen Doppel- Posten besetzt, während der„Führer" dieser Staatsaktion, Rottmeister Krumm junior mit noch einem Schutzengel da« Lokal betrat, die „Versammlung" auflöste und die Anwesenden aussorderte, binnen einer Viertelstunde da» Lokal zu verlassen. Ein homerische« Gelächter folgte dieser Aufforderung, denn da» Zusammensein in einem öffentlichen, für Jedermann zugänglichen Gastlokale al« eine Versammlung zu betrachten, ist ein Heller, man möchte sagen polizeiwidriger Blödsinn. Allein die Hochlöbliche versteht in solchen Dingen keinen— Spaß, sie notirte Namen und Wohnung sämmtlicher Anwesenden, unter denen sich etwa etwa ein halbe« Dutzend Nichtsozialisten— darunter ein haufireuder Eier- und Sardinenhändler— besanden. Alsdann wurde die Aufforde- rung, da« Lokal zu verlassen, wiederholt, woraus sich auch ein Theil der Anwesenden entfernte, während die Anderen noch blieben und erst nach einigen Rencoutre's mit der Polizei mit einem Hoch auf Vollmar ihrer Wege gingen. Nun folgte Sonntag« darauf, um bei un» den 18. März nicht in Ver- gessenheit gerathen zu lassen, eine allgemeine Haussuchung bei den„Auf- geschriebenen, mit dem gewöhnlichen Resultat:— Rull. Dann wurden sämmtliche 40 vor den Untersuchungsrichter zitirt, um über„geheime Verbindung und verbotene Versammlung"— wie die Anklage lautete— vernommen zu werden. Es war der schönste Ansang zu einem Monstre- Prozeß, doch es sollte beim Ansang bleiben, denn heute, nach Verlauf von 4 Monaten, erhielten sämmtliche„Geheimbündler", die sich jetzt aber von 40 auf 39 reduzirt haben, die Zustellung, daß da« Versahren eingestellt und folglich die Angeklagten außer Bersolgung gesetzt find. Also eine« Vorkommnisse» wegen, wo man nicht einmal einen Prozeß iu Szene setzen kann— wozu doch bekanntlich bei unseren Richtern nicht viel gehört— macht man einen solchen Aufwand von Polizeikrästen, man durchsuchte im„Gasthos zu den drei Kronen" sämmtliche Reisenden, ob sie nicht staatSgesährliche Kontrebande mit sich führen, die Kellnerin dortselbst wurde von einer Spürnase ausgefragt, wa« Vollmar gegessen und getrunken habe, wer es bezahlte u. s. w. Ja, man geht im Ueber- eiser sogar so weit, daß man vom Reichstag die Genehmigung zur Ver- folgung Vollmar's verlangte, um nur nicht bis zum Schluß der Reichs- tagssession mit dem lange ersehnten Prozeß warten zu müssen! Wenn dagegen ein Arbeiter bestohlen wird und pflichtgemäß bei der Polizei Anzeige macht, so hat man, wie e» schon vorgekommen ist, nicht einmal Zeit, ihn anzuhören Allerdings, für da« Einsangen eines Diebes bekommt man keinen Orden, wird nicht befördert und erhält keine Prämie aus dem geheimen Polizeifond, was Alles bei falschem Zeugnißablegen gegen Sozialisten und bei ähnlichen Heldenlhateu gegen Letztgenannte verdient werden kann. Allerding» darf sich unsere liebe Polizei nicht zu viel mit erusthafter Verfolgung von Lumpen und Dieben einlassen, denn die Konsequenz führt in'« Große, und da würde» wohl die„Besten und Edelsten" der heuti- gen Gesellschaft in'» Zuchthaus wandern müssen I Noch ein Borkommniß ist bei dieser Gelegenheit zu erwähnen. Al« nämlich am 18. März gelegentlich der schon erwähnten Mass euhaussuchung ein mit einer solchen betrauter Polizeibeamte nebst Zeugen bei einem Genossen eintrat, sagte letzterer zu den betreffenden Zeugen, sie sollen nur den Polizisten auf die Finger schauen. Er erinnerte sich hiebet wahr- scheiulich de» Falle«, der in unserem„lieben Deutschland"— der Ort ist mir entfallen— schon da war, daß die haussuchenden Polizisten etwa« Verbotene« mitbrachten, dasselbe beim Durchsuchen der Effekten irgendwo hineinsteckten, um es Hintenach als gute Prise wiederum zu finden. Dieser Aeußerung wegen wurde Klage erhoben und der betreffende Genosse auf Grund falschen Zeugnisse« eine« der Zeugen, sowie mittelst Ver- drehung der gebrauchten Worte seitens der Polizisten, zu 16 Mt. Strafe verurtheilt. Nun noch in Kürze Einiges Uber die hervorragendsten Handlanger unseres„einäugigen Fuchse«". Da glänzt in erster Linie Herr RechtSralh Metzger. Derselbe vertritt in allen Fällen gegen un» den Ankläger und zeichnet sich durch Rohheit, Mißachtung de« Gesetze« und große Bertilgungswulh uns gegenüber aus. Diese schöne Seele würde überhaupt dem Stande, den sein Geschlechtsname andeutet, mehr Ehre machen al» einem„Rechts"rath. Ihm sekundirt als rechte Hand Ober- rottmeister, aus Ansuchen, O b i ch. Wa« Schamlosigkeir anbetrifft, so wird Ben Akiba durch dieses Prachtexemplar eine« Spitzel« Lügen gestraft; denn nicht nur daß er Ardeiter, die ihm al« Sozialisten bekannt find, bei ihren Arbeitgebern als solche denunzirt, um sie au« der Arbeit zu bringen, versucht er auch Frauen, deren Männer sich rn Untersuchungs- Haft befinden, theil« durch Schmeicheleien, theil» durch dem Gesetz hohu- sprechende Drohungen zu Aussagen gegen ihre eigenen Batten zu bestim- men; ja sogar bei Kindern versucht er diese« schandvolle Manöver, indem er ihnen beim Spielen auf der Straße schmeichelt, sie belobt, dann nach ihrem Vater fragt, wa« dieser sür Blätter lese-c. Um solche Kinder recht zutraulich zu machen, verabfolgt er ihnen manchmal Naschwerk al« Judas- lohn dasür, daß sie ihren Vater an'« Messer liefern, wenn derselbe so unvorsichtig war, vor seinen eigenen Kindern etwa« laut werden zu lassen, da« nicht Jedermann wissen darf. Er(Obich) hat im Gegensatz zu seinem Mllnchener Kollegen, dem bekannten„Meineid»- michel, die Gepflogenheit, zu den nöthigen falschen Eiden bezahlte Subjekte oder Frauenzimmer, die al« Entschädigung ihr„Gewerbe" ohne Karte ausüben dürfen, herbeizuziehen. Das sind so die hauptsächlichsten Retter der Gesellschaft am hiesigen Platze und wird ihre Unverschämtheit und Frechheil nur noch durch ihre Dummheit übertroffen, indem sie trotz aller Schnüffelei doch fast immer an solchen Plätzen haussuchen, wo nicht« zu finden ist. Doch auch unsere Ausbeuter möchte ich ein wenig beleuchten. Es fällt mir da in erster Linie der Besitzer der Tuchappretursabrik, Viktor Martini, ein. In seiner Fabrik war früher die Arbeitszeit von 6 Uhr Morgens bis ff Uyr Abends und der Taglohn für die Arbeiterinen— es sind meisten» Frauen und Mädchen beschäftigt— betrug 1 Mk. 30 Ps. Al» nun vergangenen November ein etwas langsamerer Geschäftsgang eintrat, entließ man einen großen Theil der Arbeiterineu; aber schon nach 14 Tagen nahm man andere an, meist junge Mädchen von 16—18 Jahren, verlängerte dann die Arbeitszeit um eine Stunde und zahlt jetzt, bei längerer Arbeitszeit, 80—90 Pf., höchsten» 1 Mark pro Tag. Dazu kommt noch, daß der ehrenwerthe Herr Direktor dieser Fabrik solche„flott" bezahlte junge Mädchen zur Ausübung seiner Wollust nach Belieben aus'« Komptoir bescheiden läßt, wo sich diese dann, au« Furcht, entlassen zu werden, diesem Wüstling gegenüber keinen Wider- stand entgegenzusetzen getrauen. Also sür 80- 90 Ps. pro Tag noch mit sich Unzucht treiben lassen müssen, nur um nicht arbeitslos zu werden, ist da« nicht eine herrliche„göttliche Weltordnung"! Dafür ist aber auch Herr Martini Mitglied de« Gemeindekollegiums, Vorstand de« Unzucht- — pardon!— des Geflllgelzuchtverein»(eignete sich aber besser für einen Sklavenzüchterverein) und ist in seiner Eigenschaft als Letzterer äußerst spendabel. Wa« nun unsere großen Baumwollenbarone anbelangt, so ist der al» Sparkünstler bekannte H a» l e r, Gerant der Baumwollspinnerei am Sladlbach, besonder» hervorragend. Al« nämlich in früheren Jahren ein- mal mehrere Arbeiter Lohnzulage verlangten, gab er ihnen zur Antwort, sie könnten ganz gut auskommen, sie verständen blo« da» Sparen nicht. Um Geld zu ersparen, dürfe man blo«, wenn man Durst hat, da» sür Bier bestimmte Geld in ein Gla« werfen, alsdann da» Gla» mit Waffer füllen, hernach letztere« trinken, und es werden dann zwei Zwecke erreicht sein: nämlich durch Trinken de« Wasser« wird der Durst gelöscht, und da Waffer vorläufig selbst der Arbeiter nicht zu bezahlen braucht, so sei auch durch Anwendung der Methode Hasler'» Geld erspart. E« wäre wohl besser, wenn Herr H a» l e r mit gutem Beispiele voranginge und bei ihn anwandelndem Durste, statt sür verschiedene Mark Wein zu ver- tilgen, nach seinem eigenen Rezepte verfahren würde. Wer jedoch glaubt, Herr HaSler habe kein Herz für Mildlhätigkeit, der täuscht sich, denn al« vor Kurzem der Präsident de« Berein» süddeutscher Baumwollindustrieller, Fabrikant Staub in Buchen, starb und— weil er wahrscheinlich da« HaSler'sche Sparrezept nicht gekannt hatte— kein Vermögen hinterließ, veranstaltete Herr„Kommerzienrath" Hasler eine Sammlung bei befreuu- beten Fabrikanten, welche 60,000 Mk. ergab, zur Erziehung der Töchter Staub's. Wa» die Mechanische Baumwollspinn- und-Weberei, die Buntweberei und die Mechanische Weberei am Fichtelbach anbetrifft, so haben die Ar- beiter dieser Fabriken durch die vorjährigen Streiks allerding« einige Verbesserungen erlaugt, welche man ihnen aber, nach bekannter Wort- brüchigkeit der Fabrikanten, wieder allmälig hinwegeSlamotirt. Alle» in Allem, ist hier da» Rezept Tamphausen'S zur vollen Geltung gekommen, nämlich höhere Leistungen der Arbeiter und geringere Löhne! Zum Schluß noch Einiges über die„dritte Großmacht", die Presse. Es gibt nicht leicht eine Stadt in Deutschland von der Größe Augsburg», wo die liberale und ultramontane Reaktionspresse in so vollständiger Harmonie bezüglich Vertuschung aller Schurkenstreiche sowohl der Polizei al» des Geldsacke» sich befindet. Eine« der miserabelsten der liberalen Blätter, da« Organ„durch Licht zu Wahrheit und Recht", wie e» sich in der Ueberschrift, wie zum Hohn, nennt, das„Anzeigeblatt", zugleich Leiborgan des Bürgermeister« Fischer, ist zu Grabe getragen worden. Diese» Blatt, welches im Jahr 1877 der Genossenschaftsbuchdruckerei, welche den„Bolkswille" herausgab, einen Krach prophezeite, ist nun selbst mit enormem Defizit verkracht. Die Genossenschastsbuchdruckerei wäre ohne die fortgesetzten Polizeischurkereien de»„rothen Fischer" existenzfähig geblieben, aber der im Prozeß gegen die Genossenschastsbuchdruckerei al» Sachverständiger vernommene Druckereibefitzer und Herausgeber de« „Anzeigeblatte»", F. G r ä s, ist trotz Zuwendung aller möglichen Ar- beiteu seitens seine» Protektors Fischer und trotz Unterstützung vom „Liberalen Bürgervereiu" gründlich verkrachl. Ec kam zu seinem Glücke noch in's Grab, bevor seine ganze Habe gerichtlich veräußert wurde— zum tiefen Leidwesen des„rothen Spitzbuben", der nicht so bald wieder einen Zeugen finden dürste, der so leichten Herzen» aus jeden Wunsch seine» Protektors mit der Miene de» Biedermannes„seinen Eid" ablegt! Die» sind so im Ganzen die Zustände am hiesigen Platz. Da» Bor» gehen der Polizei bei den vorjährigen Streik»— e« wurde nämlich nicht nur jede versuchte Versammlung der Streikenden verboten, sondern jede ganz gewöhnliche Besprechung der Streikenden unter einander wurde polizeilich verhindert— diese« Borgehen, gepaart mit dem unserer Kapital- Hyänen, hat unter den hiesigen Fabrikarbeitern ein derartige« AuSwau- derungsfieber erzeugt, daß in den Jahren 1382 und 1883 so viele Leute von hier und Umgebung ausgewandert sind, als vorher in 10 Jahren zusammengenommen. Auch unsere Genossen wandern massenhaft au», und haben wir seit zwei Jahren gerade Arbeit genug gehabt, um nur immer die entstandeneu Lücken auszufüllen; doch jetzt, wo e« sich im ganzen Reich so gewaltig regt, hoffen auch wir, nicht nur da» alte Terrain zu behaupten, sondern auch neue» dazu zu gewinnen. Dazu ist aber nöthig, Ihr Genossen von Augsburg und Umgebung, daß Ihr Euch enger als bisher zusammen- schaart und sür Verbeitunz unsere« Parteiorgans thatkrästig eintretet, daß überhaupt Jeder seine Pflicht thut; dann wird auch uns der Erfolg nicht ausbleiben! Der rothe Hans am Lech. D a ch r u f e. Am Sonntag den 29. Juli d. I. wurde unser treuer Genosse Mensch zur ewigen Ruhe gebracht. Leider wurde sein Ableben erst am 28. Juli, Abend» 11 Uhr, publizirt, und nahmen infolgedessen an der am frühen Morgen darauf erfolgenden Bestattung nur ca. 50 Personen Theil, welche sich meist mit rothen Nelken und Bändern geschmückt hatten. Unser Kandidat St. Heinzel hielt eine recht kräftige Ansprache nebst Nachruf. Ein hübscher Kran; mit großem rothen Band und der Inschrift: „Unserm treuen Genossen, von der Arbeiterpartei" ward alsdann aus dem Grabe niedergelegt. Bemerken will ich noch, daß einer unserer nächtlichen Sicherheit«- Wächter seine» Posten» enthoben ist, weil er seinem Freund die letzte Ehre erwie«. Kiel, im August 1883. B. d. E. Sonnabend den 11. August verschied nach kurzem Krankenlager unser allseitig beliebter Freund und Genosse Bernhard Müller, Schuh- macher, im Alter von 30 Jahren. Er hinterläßt Frau und drei Kinder. Iu Müller haben wir einen braven Genossen verloren, er scheute keine Mühe und Opfer, sondern wirkte rastlos für unsere Sache, soweit seine Kräfte reichten. Der Lohn war fortgesetzte Chikane von Seilen der„Hoch- wohllöblichen", besonders in Haussuchungen bestehend, die aber stet» resulatlos verliefen. In ihrer Wuth griffen die Schnüffler ihn schließlich von der Straße auf, wenn er ein Packet trug, ließen ihn stundenlang sitzen, um die alten Stiefeln einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen, welche anstatt der geahnten revolutionären Ichristen meist den Inhalt de« Packet» bildeten— aber ihr Zweck war doch erreicht: Müller war materiell ge- schädigt, und da» war die Hauptsache. Selbst da« Begräbniß unsere» Freunde», bei welchem gegen 100 Ge- Nossen anwesend waren, mußte zu einer Polizei-Aktion herhalten, denn unser Grünauge stand mit zwei Gesellen hinter den Lebensbäumen und glotzte wie ein Tiger, der auf Beute lauert, dahinter hervor. Aber die Genossen waren nicht minder auf der Hut. Die letzte Bekanntmachung de« Landeskonsistoriums ist noch in Aller Gedächtniß. Der Abschied von unserem lieben Freunde wurde doch und in einer Weise, wie sich« ge- bührt, gefeiert. E» ging auch ohne den Grünäugigen. Der letzte Scheidegruß lautete: Ruhe sanft, lieber Freund, Du hast genug gekämpft für Dein bischen Leben; wir werden weiter kämpfen I Ehre seinem Andenken! Leipzig, 16. August 4883. R e l b ö d. Sprechsaal. Werther Genosse! Die Ihnen telegraphisch gemeldete Nachricht, daß H. W. R o w l a u d zum Kandidat sür Chelsea ernannt wurde, hat die Wuth des Hrn. Most erregt, der in einer lügenhaften(kull ok Iis») Notiz in der Nummer der „Freiheit" vom 4. August sagt, daß R o w l a n d nur ein Helfershelfer Broadhurst's sein würde. Ich bitte Sie, dem im„Sozialdemokrat" entgegenzutreten, weil sonst einige Ihrer Genoffen irregeleitet werden könnten. Es ist eine Lüge, wenn man sagt, Rowland sei vom gleichen Kaliber wie Broadhurst, und Niemand weiß da« besser al« Most. Denn al« Most hier verhastet wurde, billigte Braodhurst die gegen ihn gethanen Schritte, während Rowland Borsitzender desKomite» war, welches ihn vertheidigte! Al» Mitglied dieses Komite» muß ich sagen, daß es von Most feige und unmännlich ist, über Leute, die ihm beistanden, al« er im Gefängniß war, so au« der Luft gegriffene Lügen und Verleumdungen in Umlauf zu setzen. London, den 19. August 1383. Mit parteigenöffischem Gruße! Ch. I. G a r c i a. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Forst. 17. August 1883. „Zur Berichtigung Ihre« Berichte« au» Forst in Nr. 29 vom 12. Juli zunächst die Notiz, daß grade ich mit Wort und Feder stet« für die Rechte der Arbeiter eingetreten bin, und daß alle Arbeiter meiner Parochie mich al« einen uneigennützigen Freund der Armen nnd Gedrückten kennen. Die Unwissenheit ihre» Korrespondenten mit der Stimmung der hiesigen Arbeiter läßt vermuthen, daß e« ein verkappter Reaktionär ist, der Ihr Blatt hier lächerlich machen möchte I Denn: 1. Bereit» eiu Jahr vor meiner Wahl, bevor ich Forst ie gesehen, war der Neubau eine» Diakonats beschlossen, da da» alte Hau» polizeilich als nicht mehr ausbesserungssähig erklärt war. 2. Der Platz, auf dem da« alte Hau» steht, war zur Verbreiterung der Straße nöthig, der Verkauf des alten Grundstückes aus gleichem Interesse schon vor Jahren eine beschlossene Sache, ehe ich Forst über- Haupt gesehen hatte. 3. Die Gemeindevertretung ist in ihrer ungeheuren Ma,o- rität liberal, zum Theil fortschrittlich im kirchlichen Sinne, wie dies hier natürlich und selbstverständlich ist. Dieser hat mit 46 gegen 6 Stimmen den Bauplatz aus dem Kirchhof bestimmt, an einer Stelle, wo seit mehr al« 30 Jahren Niemand begraben ist, der Platz also rechtlich zur Verfügung der Gemeinde steht. 4. Gegen den Bau find sechs schriftliche Proteste eingereicht, von den Behörden eingehend geprüft und als völlig unbegründet erachtet. Beim Fundamentgraben sind wenig verwitterte Knochen, aber kein Sarg und Skelett gesunden und sofort(laut Kontrakt) angemessen eingegraben. Daß Polizeimacht aufgeboten sei, die Interessenten abzuhalten, ist ebenso unwahr, wie jedes andere Wort Ihre« Korrespondenten über mich und meine Forderungen bezüglich dieses Baues. Ich stelle Ihnen anHeim, ob Sie ein Interesse an der Wahrheit haben, oder ob es Ihnen nur um Verleumdung wohlmeinender Arbeiter- freunde und Bethörung auswärtiger Leser zu thun ist. lüo. theol. Dr. G e r l a ch, Pastor zu Forst." Auf die höchst unpassende Schlußbemerkung sei dem„liberalen und ar- beiterfreundlichen" Herrn Pastor bemerkt, daß wir in unserem Kampf gegen Bolksausbeutung und Volksverdummung nichts höher halten, als die Wahrheit, die volle rückhaltlose Wahrheit. Die Waffe der Verleumdung überlassen wir grundsätzlich unfern Gegnern und ins- besondere jenen Leuten, welche ein von längst widerlegten groben Jrrthü- meru und.Tendenzlügen angefülltes Buch dem Volke als Wort Gottes, al»„heilige Schrift" wider besseres Wissen für gute Bezahlung anpreisen und somit die Uuwahrheit gewerbsmäßig kultivireu. Auf den sachlichen Inhalt der obigen Berichtigung zu antworten, über- lassen wir unserem Forster Korrespondenten. „Der Cyniker." Uno lbis n'est pas coutume, sagt der Franzose, einmal ist no st nicht die Regel. Und deshalb mögen es uns die Leser de«„Sozialdemokrat" nicht übel nehmen, wenn wir heute einmal von unserer sonstigen Gewohn- heit absehen und den Auslassungen de» Herrn Most einen größeren Raum im Organ der deutschen Sozialdemokratie einräumen. Ueber die Gründe, die uns dazu veranlassen, weiter unten. Es ist eine Blüthenlese aus der letzteingetroffenen Nummer des Mosti- scheu Organ«(Nr. 3l), welche wir hier zur Kenntniß der deutschen Arbeiter bringen wollen. Den Ansang mache da» Urtheil des Herrn Most über die Wahl in Kiel: „In Kiel haben die gezähmten Sozialisten wiederum mit Stimm- zetteln gespielt und den Einsatz— sicherlich nicht unter SOOV Mi.— verloren. Darüber haben ihre Freunde, die literarischen Buschklepper der Arbeiterbewegung, nicht« zu berichten. Für da« zum Fenster hinausgeworfene Geld hätte man mindesten« 1VVV Dynamit- bomben herzustellen vermocht. Und eine einzige derselben würde der ReaktionSbande erfahrungsgemäß mehr Respekt einflößen, wie 10 Wahl-„Siege" ä la Hamburg. Aber— der Michel ist und bleibt eben ein Michel." Man frage nicht, warum bei solcher Billigkeit und„erfahrungsgemäßen" Wirksamkeit der Dynamitbomben nicht Herr Most und seine Freunde selbst ihr kulturförderndes Werk vornehmen. Eine solche Frage verräth den— Michel. Der„echte Revolutionär" schickt, wie die Könige, Andere in'S Feld und bleibt selbst im Sicheren hinter der Front. Haben sich die Kieler Arbeiter die allerhöchste Ungnade des Herrn Most zugezogen, so erhalten die irischen, nicht« weniger als sozialistischen Fe n i e r dagegen sein volles Lob. Wodurch sie e« verdient haben? Man höre: „Die königliche Hexe von Windsor, welche schon seit Monaten an Säufer- und anderem Wahnsinn leidet, ist nun abso- luter Tobsucht verfallen. Die Fenier wußten also recht gut, was sie thaten, als sie ihren Leibjokey John Brown vergifteten. Es fitzen etwa 6 Personen im Jrrenhause, weil sie Attentate auf diese« Frauenzimmer gemacht. Da e» die Heuchelei der euglischen Justiz- psassen verbot, diese Leute nach dem 500 Jahre alten Gesetze wegen „Hochverraths und versuchten Königsmord«" zu viertheilen, ihnen da« Herz aus dem Leibe zu reißen und die Viertel sowie den Kops auf den Marktplätzen der größten Städte an Spießen aufzupflanzen, und da e« dem nationalen und„patriotischen" Dünkel John Bull'« schmeichelt, wenn behauptet wird, nur ein„Verrückter" könne seine Hand gegen die Königin erheben, so erklärten die richterlichen Stiefel- Putzer de« Hofe« jedesmal die Betreffenden für unzurechnungsfähig und sandten sie in da« Kriminalirrenhaus, wo sie, nebenbei gesagt, entsetzlicher daran find wie im Zuchthaus. Nun, Madame Viktoria ist jetzt reif, diesen Opfern ihrer Grausamkeit Gesellschaft zu leisten und zwar weil sie, wie gesagt, nicht blo« für verrückt erklärt wurde, sondern in der That der Tobsucht verfallen ist. Hexe, wie schmeckt Euch die Peitsche?" Woher Herr Most weih, daß die Fenier John Brown vergifteten, ist sein Geheimniß. Welcher Nutzen der irischen Sache aus der„Tobsucht" der Viktoria erwachsen soll, desgleiche». Dagegen leuchtet un« seiue Wuth darüber, daß man gewisse Leute einfach in'« T o l l h a u s sperrt, durch- au« ein; wir wollen ihr deshalb eine innere Berechtigung anch nicht absprechen. Eine weitere Notiz in derselben Nummer, die der Kenntnißnahme der deutschen Arbeiter nicht vorenthalten werden darf, ist folgende: „Bon der internationalen Gegenseitigkeit im Beistand beim Kampfe wird jetzt sehr oft und viel gesprochen. Da wäre es wohl nur billig, wenn die New-Uorker, welche kürzlich so energisch für Europa fochten, sich nach Hamburg, Meerane, Mannheim, München, Osseubach, Solingen u. s. w. wendeten, damit man dort für die streikenden Telegraphisten und Schneider, ausgesperrten Zigarreu- wacher-c. sammle. Nicht? Warum nicht? Ja so ist die Solidarität nicht gemeint. Proletarier von Amerika, merkt Ihr was?" Hoffentlich merken sie was, nämlich die niedrige, über alle Maßen gemeine Gesinnung, die aus dieseu Zeilen spricht. Der Versuch, die amerikanischen Arbeiter aufzuhetzen, ihre Brüder in Deutschland in deren Kampf um ihre Existenz nicht mehr oder nur nach Maßgabe der engherzig krämerhasten Berechnung zu unterstützen, richtet sich selbst. E« spricht an« ihr die W u t h de« elenden Wichtes darüber, daß die deutschen Ar- beiter so„knechtsselig", so„michelhast" find, nicht nach seiner Pfeife taozeu zu wollen; der Neid, daß die Bewegung ohne ihn ihren Gang geht. Da er die deutschen Arbeiter nicht korrumpiren, ihnen nicht seine Dieb«- und Banditeumoral beibringen kann, so predigt er den Arbeitern in Amerika Bourgeoismoral— sicherlich mit demselben Erfolge. Denn die amerikanischen Arbeiter wissen, daß, wenn sie der Unterstützungen au» Deutschland bedürften, die deutschen Arbeiter für sie thnn würden, wa» sie nur vermöchten, wie dieselben seinerzeit für die Kommunarden u. s. w. nnd neuerdings für die Kopenhagener und Antwerpener Zigarrenarbeiter sammelten. Nicht„was gebt Ihr uns, wenn wir Euch geben", sondern: wenn Ihr braucht, so geben wir Euch, wa« wir können— so ist die Solidarität der Arbeiter gemeint I— Wir haben an anderer Stelle den Schwindel, der mit den Samm- lungen sür die zu einem großen Theile der besitzenden Klasse au- gehörigen Verunglückten von JSchia getrieben wird, gebührend gegeißelt, und wir halten e« für unsere Pflicht, diesem WohlthätigkeitShumbug energisch entgegenzutreten; aber damit haben wir selbstverständlich den Opfern jener fürchterlichen Katastrophe nicht den Anspruch auf das Mit- leid jede« fühlenden Menschen streitig machen wollen. Schufte gibt e« in allen GesellschastSklassen, und unter den Verunglückten mag mancher Sefühlloser Ausbeuter und Leuteschinder sich befunden haben, der die auf losten von Gesundheit und Leben seiner Arbeiter zusammengescharrten Reichthümer aus diesem irdische» Paradiese verjubelte, mancher Schma- rotzer am Gesellschastskörper, mancher gewissenlose Streber. Aber welcher Mensch fragt bei einem solchen Ereigniß zuerst danach? Wer wäre bestialisch genug, sich eine« Ereignisse« zu freuen, da» Tausende von Menschen unterschiedslos dahinrafft, zu Krüppeln macht, ihnen da« Liebste raubt, was sie besitzen? Welche Frage! „Aus der Insel JSchia bei Neapel treiben sich stet» im Som- mer zahlreiche Vagabunden erster Klasse(Fürsten, Ps-ffen, Protzen, Gesetzgeber, Bankier« u. s. w.) umher. Heuer ist ihnen das sauer ausgestoßen. Am vergangenen Sonntag, al« gerade die ganze„vor- nehme" Gesellschaft in höherem Söffe sich befand, sand ein Erdbeben statt, bei welcher Gelegenheit 4000 Personen mit Tod abgingen, mehr Andere noch verwundet wurden. Leider befinden sich unter den Verunglückten auch Angehörige der arbeitenden Klassen, immerhin nur religionSdnrchseuchte unglückliche Halbmenschen." So schreibt ein Organ, da« angeblich einer Sache dient, welche die Menschheit aus eine höhere Stufe der Kultur emportragen soll. Ist e« erhört? Kann man unsere erhabene Sache schändlicher prostituiren, als es hier in einem Blatte geschieht, da« sich— o der Schamlosigkeit!— die Freiheit uennr? So blutig grausam dachten die römischen Tyrannen, die afiatis chen Despoten, die sich in ihrem Größenwahn für Halb g ö tter hielten. Nur durch geschlechtliche Ausschweifungen entnervte Schwächlinge können eine so tückische Freude am zwecklosen Blutvergießen und MenschevauSrotten haben. Das ist nicht die ent- fesselte Leidenschaft eine« feurigen GemüthS, das ist nicht das Ueber- schäumen einer tiefempfundenen sittlichen Entrüstung, da» ist die hämische Schadenfreude eines sich seiner Impotenz bewußten Feigling«. Mau sage uns nicht, es sei die Frucht der Verfolgungen. Berfol- gungen können die Leidenschaften und den Haß steigern, wie sie den Geist umnachteu, können aber sie machen nicht aus einem edlen Menschen einen Schurken. Wer s o schreiben kann, beweist damit nur, daß eS ihm nie mit der wirklichen Kulturaufgabe unserer Partei ernst war. Herr Most that recht daran, in seiner Schmähschrift gegen unsere Partei Alles, wa» er früher geschrieben, zurückzunehmen— es war wirklich Alles nur Phrase gewesen, war ihm nicht au« dem Herzen gekommen. Genug. Wir haben dem sensationslustigen Patron schon Uber Gebühr Ehre erwiesen. Warum wir uns überhaupt noch mit ihm beschäf- tigen? Nun, wir wollen e« offen heraussagen': weil die Genossen in Deutschland sein Blatt nicht lesen und infolgedessen immer noch zu gut von ihm denken. Ein deutscher Arbeiter,?er sich vor Kurzem vorüber- gehend in Zürich aufhielt und aus unserem Büreau die„Freiheit" la», sagte uns wörtlich:„Ich und mit mir viele Genossen, wir haben bisher nur geglaubt, Most sei überspannt und schreibe seine Tollheiten, weil er die Verhältnisse in Deutschland nicht kennt, aber daß er so bodenlos schlecht sei, hätten wir nie geglaubt. Das solltet Ihr doch einmal gehörig zur Kenntniß der deutschen Arbeiter bringen." Nun, dieser Pflicht denken wir heute nachgekommen zu sein. Wir haben unfern Lesern Proben von der Gewissenlosigkeit, Rohheit, Infamie und Niedertracht der„Freiheit" geliefert, daß ihnen schwerlich nach Weiterem gelüsten dürfte. Und nun noch ein Wort znr Erklärung der Ueberschrift. Schon w früheren Jahren äußerte sich Herr Most wiederholt in Freundeskreisen, daß ihm da« Arbeiten in Reihe und Glied, das Redi- giren auf der Basis eines bestimmten Programms keine Freude mache, er möchte lieber ein Blatt ganz auf eigene Faust herausgeben, in welchem er auf Alle« schimpfen, Alle« herunterreißen würde. Dieses Blatt würde er dann„Der Cyniker" nennen. Man lachte und scherzte damals darüber, und Herr Most lachte schließlich selbst mit. Aber aus der Wiederholung dieses Wunsches war doch zu ersehen, wie sehr ihm der„Cyniker" am Herzen lag. Jetzt dürfte er seinem Ideal so ziemlich uahe sein. E« ist daher auch wohl an der Zeit, seinem Blatte den ihm gebührenden Titel zu geben. Cyniker ist ein Fremdwort, er Ubersetze e« also in» Deutsche und nenne e« künftig Der Hündische. Berichtigung. In unserem, in voriger Nummer veröffentlichten Aufruf an die Partei. genossen in Sachsen hat sich bezüglich der Dauer de» Wahlaktes leider ein Jrrthum eingeschlichen, den wir hiermit berichtigen: Die sächsischen Wahlen beginnen amWahltag Mar. gen» 10Uhr und endigen um3 Uhr Nachmittag«. In Wahlbezirken von weniger al» 100 Wählern kann dieWahlzeit auf3Stundin innerhalb dieser Zeit voulvbi« 3Uhrbeschränktwerden, also von 10—1 oder von 11— 2 oder von 12—3 Uhr. Brkanntmackung. Allen gemaßregelten Parteigenossen zur Nachricht, daß laut Beschluß der Sektion N e w- D o r k in Zukunft kein Genosse mehr auf irgend eine Unterstützung rechnen kann, der nicht einen Ausweis von Partei- beamteu oder denjenigen Vertrauensleuten auszuweisen vermag, an deren Ort er sich zuletzt an der Bewegung betheiligt hat. Ausweisdekrete oder Gerichtsvorladungen können in Zukunft nicht als Beweismaterial an- gesehen werden. Genossen die al I o positiv gezwungen find, zur Auswanderung zu schreiten, mögen obiges beh erzigen. Unterstützungen können so wie so nur noch in ganz dringe|nden Fällen geleistet werden, und ist ein Ausweis dann um so mehr nothwendig. Gleichzeitig möge nochmals bemerkt werden, daß Schuhmacher, Weber, Strumpfwirker und Kaufleute, welche nach hier kommen, sich in den weitaus meisten Fällen bitter in ihren Erwar- tungen getäuscht fühlen. N e w- D o r k, 26. Juli 1883. Das Uuterstützuugskomite der sozialistischen Arbeiterpartei New Dork. XB. Bei Ankunft im hiesigen Hafen vermeide man, sich in der Nähe de« Landungsplatzes einzuquartieren, sondern suche, wenn irgend möglich, da» sogenannte„deutsche Viertel" zu erreichen, woselbst man Logis be- deutend billiger finden kann, als in der Nähe des Castle Garden. Fol- gende Straßen gehören zum deutschen Viertel: Stanton Str., Torseyth Str., Essex Str. Auswanderer können daselbst ohne viel Mühe Uoter- kuoft zu nicht zu hohen Preisen finden. Abrechnung über alle ia Amerika für die Wahl KeKel's gesammelten Kclder. Einnahme. Vom Wandsbecker Klub, 78V, Norfolk Str., durch Kölln Dollar*) 5. Ertrag der Abendunterhaltung am 17. Juni bei I. Groß 16,34. Ertrag der Abendunterhaltung am 23. Juni im Labor Lyceum 3,57. New- Häven, durch Boehm 1. Bon L. Jacobfen 2. Durch die„New-Iorker Volkszeitung" 26,22. Liste Nr. 1 durch Heerlein 7. Liste 2 durch Schröder 1. Liste 4 durch Reimer 2,70. Liste 5 durch Reimer 85 Cent«. Liste 7 durch Reimer 1,10. Liste 8 durch Gerhard 2,75. Liste 9 durch Aug. Schultz 80 Cent». Liste 12 durch Aug. Schultz 2,55. Liste 13 durch Dreßler 4,17. Liste 14 durch Praast 4,45. Liste 15 durch Hosmanu 2,50. Liste 16 durch Piening 2,12. Liste 17 durch Heinrich« 45 Cent«. Liste 18 durch Möller von Wagner'« Lagerbier- Salon 1,50. Liste 19 durch Rutkowski 2,90. Liste 21 durch Sulkmann 1. Liste 22 durch Kleemann 2,15. Liste 23 durch Kleemann 1. Liste 24 durch Kleemann 65 Cents. Liste 25 durch Härtung 1,35. Liste 26 durch Härtung 55 Ct». Liste 27 durch Härtung 2,05. Liste 28 durch Härtung 3,95. Liste 33 durch Härtung 4,20. Liste 34 durch Härtung 2,55. Liste 35 durch Lembeck 4,40. Liste 36 durch I. Groß 8,35. Liste 37 durch Höppner 2,25. Liste 38 durch Schneider, gesammelt von den Zimmerleuten 8,20. Liste 39 durch Vollmer 3,50. Liste 40 durch Gaelgens 1,45. Liste 41 durch Jensen 3,55. Liste 42 durch Jensen von der Schmiede- und Wagner-Uniou 3,45. Liste 45 durch Behnke 95 Ct». Liste 46 durch Behnke 1. Liste 47 durch Behnke 1,90. Liste 50 durch Saeveke von Herzog's Lagerbier- Salon 1,95. Liste 51 von Ad. Pohl(Lincoln Hall) 1. Liste 52 durch Morenz 1,25. Liste 53 durch Schwary 2,55. Liste 55 durch Wießner 1. Liste 56 durch Mentzel 25 Ct». Liste 57 durch Alb. Schmidt 4,85. Liste 58 durch Höhne(Bolkszeitung) 5,90. Liste 59 durch Greisenberg(Volkszeitung) 6,10. Liste 60 von Stachelberg's Zigarrenfabrit 3,35. List« 61 von Stachelberg» Zigarrensabrik 2,25. Liste 71 durch Sulzberger 85 Ct«. Liste 74 von Aug. Jeve, New-Haven 50 Et». List- 93 durch Dreßler 1,75. Liste 94 durch Litz von der S. A. P., Sektion Greenpoint, 1,20. Liste 95 durch Litz von der S. A. P., Greenpoint, 50 Ct». Liste 96 Irnrch Litz von S. A. P., Sekt. Green- Point, 1,50. Liste 97 durch Litz von der S. A. P., Sekt. Greenpoint, 1,10. Liste 98 durch Litz von der S. A. P., Sektion Greenpoint, 70 Ct». Liste 99 durch Dreßler 1,35. Liste 100 durch Gerner 5,05. Liste 101 durch Bogenitz 2,25. Liste 102 durch Hösterey 1,25. Liste 103 durch I. Kölln 70 Tis. List- 104 durch Ludwig 35 Ct,. Liste 105 von Etting 1,55. Liste 107 von mehreren Turnern 1,30. Liste 109 durch Dietze gesammelt unter deutschen Maschinisten 3,30. Liste 110 durch Kleemann 1. Liste 113 durch Härtung 70 Ct«. Liste 114 durch Har- tung 1,50. Liste 115 durch Härtung 30 Ct«. Liste 116 durch Härtung 10 Ct«. Liste 117 durch Harwng 1,40. Liste 118 durch Härtung 60 Ct«. Liste 119 durch Härtung 3,30. Liste 120 durch Härtung 35 Ct«. List- 121durch Härtung 1,15. Liste 122 durch die„N.-D. Volkszeitung" 2,20. 1 Dollar— 4 Mark— 5 Franken. 1 Cent— 4 Pfg.--- 5 Centimes. Liste 125 durch Sonderland, Hoboken, 4,41. Liste 126 durch I. Groß 1. List- 127 durch Litz, von der S. A. P., Sektion Greenpoint, 75 Ct». Liste 128 durch Litz, von derselben 1,45. Liste 129 durch Forschuer 2. Liste 130 durch John Busch 1,15. Liste 132 durch Heinze 1,10. Liste Nr. 133 von Frey Bro»', Zigarrenfabrik 3,65. Liste Nr. 134 durch Brunnhöfer 1,85. Liste 135 durch Schült 75 Cts. Liste 136 durch Richter 1,30. Liste 137 durch Kreu, 3,20. Liste 133 von Petersen, Röther und Lagemann 2,20. Liste 139 durch Kirchner 1,40. Liste 140 durch Baetke 50 Ct«. Liste 142 durch Behnke 50 Ct«. Liste 144 durch Clausen, vom N.-I. Blechschmiedevereiu 2,75. Liste 145 durch Clausen von dem- selben, 2. Liste 146 durch Saeveke 85 Ct». Liste 147 durch Guder 50 Ct». Liste 148 durch Lisowski 50 TtS. Liste 149 durch Gloyer 1,40. Liste 150 durch Dreßler 15 Ct«. Liste 151 durch Dreßler 2. Liste 152 durch Silowsky 2,30. Liste 153 durch Pein 2,35. Dollar 253. 79 Cents. Ferner gingen ein sür die streikenden Weber von Meerane: Liste 17 durch Heinrichs 50 Cts. Liste 19 durch Rutkowski 3,15. Total Dollar 262. 44 Ct». Ausgaben. Für Druck der Listen 1,50. Für ein Telegramm nach Zürich 6,83' Für Ausgaben b. b. Abeuduaterhaltung im Labor-Lyceum 2. Für In- serat in der„N. J. Bolkszeitung" 3,85. Für Baarsendung nach Zürich (drei Raten) 244,39. Porto 3,87. Total Dollar 262. 44 Cent». Heinrich Garve, Finanzsekretair. ,»» Obiges ist von uns in allen Punkten richtig befunden worden. Da« Revisionskomite: Eduard Behnke. Paul Kleemann. Rasmu» Jensen. Eine traurige Nachricht geht un» bei Redaktionsschluß zu: Unser treuer alter Freiheitsveteran Johann Philipp Becker in Genf, der bis zuletzt keinen Augenblick ausgehört hat, sür die Sache de» Proletariat« zu wirken, liegt hoffaungslo» darnieder. Briefiasten der Redaktion: Freund ia London, P e r i k l e S, b. är. München w.: Wegen Raummangels erst in nächster Nummer. Einstweilen besten Dank.— Revolutionär in Nizza: Au« gleichem Grunde � Antwort in nächster Nummer. d e,t Expedition: b. ckr. Mchu.: Beide« eingetroffen und besorgt. — Moritz: Mk. 27,— Abon. 3. Qu. erhalten.— P.-G. Winterthur: Fr. 18,25 Nettoertrag der Versammlung von G. am 13/8. d. Laude»-| auSschuß dtd. zugew.— Klgr. Ffld.: Fr. 4,40 f. Schft. durch S. erh.; — Uuigenitu»: Mk. 120,— i Cto. erh. Bs. erwartet.— P. a. a. a.: Fr. 3,75 Ab. 3. Qu. f. Dpf. W. erh.— Wassermann: Mk. 13, 50 f.! Schft. erh. Sdg. fort.— E. M. Bbd.: Mk.— ,50 s. Nr. 26 erh.— Der Alte Lgz.: Mk. 3,— Abon. 3. Qu. erh.— Marat: Mk. 125,— & Cto. baar, sowie Gegenrechnung gutgebracht. Sie haben einen Doppel- ganzer in L. Bf. folgt.— P. G. Mainz: Mk. 40,— st Cto. Anthle dkd- erh.— Uhu: Jawohl.— M. Jkka, Pari«: Alle Blätter sind bis heute pünktlich an Hotel L. k. abgegangen. Ebenso Lsslle. bi« Heft 34 incl. i Wollen Sie sofort bei dortiger Post reklamiren. Hierher kam nicht«. zurück. Ersatz würden nöthigensalls allein besorgen.— Rolher Greif) Mk. 10,— st Cto. erh.— A. M Hrzbrg.: Mk,40,— eingetroffen. Bs.' erw.— Blli.: Fr.—.55 f. Schft. erh.- R. K. Hlbst.: Mk. 30.- st Cto. gutgebr. Weitere» besorgt.— Rother Holländer: Mk. 4,65 f- Schft. erh. Sdg. fort.„Nachbar Z." war damals nur Ihr Nachb ar im Briefkasten. Gruß!— P. K. Zch.: Fr. 1,90 f. Schft erh.- Hansdampf: Fr. 8,— st Cto. Schft. erh.— I. Fsch. I.: Mk. 48,� st Cto. erh. Bs. erw.— M. u. Z Z.: Fr.—,80 f. Schft. erh.— C*1 gute Rübe: Mk. 12,85 Cto. Ab. 3. Qu. u. Schft. erh., von K. noch nicht». Bstllg. folgt. Alles notirt.— G. Sch. DvS.-Pltz.: Fr. 4,60 f- Schft. u. Ab. erh. Sdg. fort. Fr.—,40 d. Ufd. dkd. zugew.— Nr. 681: Mk. 4,30 Ab. 3. Qu. erh. Gut.— Zoroaster: Mk. 2,20 st Cto. Abon- erh. Weitere» bfl. Rücksdg. ward H. gutgebr., deshalb Quttg. unterblieben- 32 folgt. 30 zur Agit, benützbar.— Aachen: Mk. 4,— von 2 Dominospielern pr. Ufd. Ansg. Jan. i. Ggrchg. dkd. erh., deshalb Qtlg. irrig verspätet.— Ruprecht: Mk. 20,- st Cto. Ab. 3. Qu. dkd. erh.— Beilchenstein: Mk. 100,— st Cto. erhalten. Bf. u. Ggrchg. v. 21/8. hier. Letztere gutgebr.— Rm. St. Gll».: Nein, denn über Kk. waren wir längst im Klaren. Ein richtiger Ochse bringt ja bekanntlich die Hörner mit auf die Welt! Viir-i/"»!-, I&nutai, den 25. August, Abends 8 Uhr, im„CafÄ Kessler, Btüssihofstatt Geschlossene Versammlang der deatsohen Sozialisten. Tagesordnung: Delegirtenwahl zum Arbeitertag. Anträge zur Parteikonferenz etc. Da sehr wichtige Parteiangelegenheiten zur Verhandlung kommen, sind die Parteigenossen angefordert, sämmtlich zu erscheinen. Der Lokalansso hnss ider deutschen Sozialisten. MMt Samstag, den 25. August, Abend« 8 Uhr, im„Taft Rutli": Volksversammlung. Tagesordnung: Bortrag des Bgr. A. Jona« au» New-Bork (Redakteur der„N.-A. Boltsztg.") über Kapitalismus und Sozialismus in Amerika. Zu zahlreichem Erscheinen ladet ein Der Vertrauensmann. Z>ie Henosse« in Amerika, welchen der Aufenthalt meine« Bruder«, de» Schreiber« Gustav Johann Erbe, geboren 1847 in Lüneburg, ausgewandert 1868 oder 1869 nach Amerika und bis 1872 in St. L o u i«, bekannt ist, werden dringend um Mittheilung hierüber gebeten von Frau, Erbe, Harburg a/E., Eißeudorferstraße 10. In Broschürenform ist erschienen und durch uu» zu beziehen: Protokoll de« Kongresses der deutschen Sozialdemokratie z» Kopenhagen 1883. Prei«: bei Eiuzelbezug 20 Pfg.(25 Cts.), bei größeren Bezügen� ent- sprechender Rabatt.— Nur gegen BaarvorauSzahlung. «Ipeditii,»es„Soiialdemokrai" Nolhsbichhaadlilug Echweiierilcht«moffenichaftibuchKruckere! Hotlinam-3«rich.