KrlHeist »•«««•Mi««inmal Zürich(Schweiz) lnl*a »»ltSd«chhan»l««g H«tti«s»n-ZSrich. liBftniuaäE» fcanco gegen fcanco. Gewöhnliche Briefe »ach der Schwei, losten Doppelporto. R° 39. Der SoMemkrat Jentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Aöonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zun» »orauO zahlbaren Bierteljahrspreii vorn Fr. 2.— für die Schweiz lKrenzbands Ml. S.— für Deutschland(Sondert st. 1. 70 für Oesterreich(Sondert Fr. 2.50 für alle übrigen Länder bei Weltpostdereini(Kreuzbands Juseratt Die dreigespaltene Petitzeii e 25 lltS.--- 20 Pfg. Donnerstag, 20. September 1883. Da der.So,ialdemokrart sowohl w Deutschland all auch in Oesterreich derboten ist, bezw. derfolgt wird, und die dortigen «ehirden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst in erschweren, resd.'Zriefe von dort an und «td nnsere Zeitungi- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Lorstcht im Pestoerkehr nothwendig und d-rf keine«arfichtZmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Gmpsänger, sowie den Inhalt »« Sendungen ,n täuschen, und letztere d-dnrch zu schützen. H-npterfordernitz ist hiezu einersetti, daß unsere Freunde so selten Kti« n» ilt Zi�iststtsttt« llstd ßorresst-stdenteil de««S-sialdemtKrat". A> a» möglich an den.Sozialdemolrat-. resp. dessen»erlag selbst adresstren, sondern flch möglichst an irgend eine unverdächtige Sdreste außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt? anderseits aber, daß auch UN» Möglichst unversängllche»ustellungSadreffen Mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt stch behufs größerer Sicherheit«elommandrrung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entaeaen. stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemolrat- unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern.""gegen Parteigenossen! Vergesst der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Zur Naturgeschichte der besten der Welten. Die„Leipziger Nach richten Amtsblatt, veröffentlichten am 3. ds. Mts. ein prächtiges Bild aus dem Leben dieser »besten der Welten." Es war da unter der Rubrik Leipzig Zu lesen: »Vorgestern Abend hielt ein Schutzmann in der Dresdener Straße einen in seiner Kleidung ganz reduzirten Menschen an, der eben zum Dresdener Thor hereingekommen war. Der Be- treffende erzählte auf näheres Befragen, daß er am vergangenen Donnerstage auS dem Bezirksarmenhause zu Strehla (an der Elbe) entwichen sei, weil dort die Behandlung zu streng sei. Er wolle wieder ins Zuchthaus, und deshalb habe er am Tage nach seiner Entlassung, am Freitag früh gegen 4 Uhr, in der Gegend von Oschatz auf der Ganziger Flur einen Getreidefeim angezündet, dann sei er nach Leipzig ge- laufen. Der Strolch wurde natürlich verhaftet und eingesteckt. Im Polizeiamt erkannte man in ihm einen alten Bekannten, der schon öfters in Leipzig aufgegriffen worden ist. Er entpuppte sich als der 41 Jahre alte Handarbeiter Taube aus Lonnewitz, ein schon vielfach, auch wiederholt mit Zuchthaus bestraftes Subjekt. Es ist nicht das erste Mal, daß er eine Brandstiftung begangen hat, um in das Zuchthaus zu kommen. Bereits im Frühjahr 1880 ist er schon einmal auS dem Arbeitshause zu Strehla entsprungen, weil ihm die Behandlung daselbst nicht human genug erschienen ist, und hat dann in der Nähe von Casabra bei Oschatz einen Rapsfeim in Brand gesetzt, lediglich um in'S Zuchthaus zu kommen. Sein Wunsch ist ihm damals in Erfüllung gegangen. Das hiesige Schwurgericht hat ihn zu drei Jahren Zuchthaus verurlheilt, welche Strafe er bis Juni dieses Jahres in Waldheim verbüßt hat. Nach der Ent« lassung ist er als unverbesserlicher Landstrei cher wieder in jenes Arbeitshaus gekommen und dort ist die Sehnsucht nach Waldheim(dem Zuchthaus) bald wieder in ihm erwacht. Er wird das Ziel seiner Wünsche bald wieder erreichen, denn das umfassende Geständ- niß, welches er, wie man uns mitthcilt, bezüglich der Brand- stiftung vom 31. August an Polizeistelle abgelegt, läßt es als zweifellos erscheinen, daß er dieses Verbrechen auch wirklich be» gangen hat. Solchen Personen gegenüber, ist es lebhaft zu be- dauern, daß der„Willkommengruß", der früher den rückfälligen Verbrechern in den Zuchthäusern in Gestalt einer Tracht Prügel dargebracht wurde, den Anforderungen unseres humanen Zeitalters hat weichen müssen." Also ein Mensch befindet sich in einer solchen Lage, daß ihm das Zuchthaus ein Gegenstand der„Sehnsucht", das„Ziel seiner Wünsche" ist! Wer da weiß, was ein Zuchthaus ist: daS Einerlei des Lebens, die furchtbare Strenge der Disziplin, die Kärglichkeit der Nahrung, die absolute Entbehrung der Freiheit — der wird ermessen können, in welchen Abgrund von Elend ein Mensch versunken sein muß, um sich nach dem Zuchthaus zu sehnen, um im Zuchthausleben die Erfüllung seines Ideals zu erblicken. Und derartige Fälle sind bekanntlich nicht selten. JnS- besondere kommt es häufig vor, daß gerade aus den Arbeits- Häusern Arme entspringen und sich, durch Begehung irgend eines Verbrechens, in's Zuchthaus zu flüchten suchen. Man sollte doch denken, daß im Arbeitshaus für des Leibes Nothdurft ge- sorgt und außer dem„Wolf Hunger" auch der„Geier der Verzweiflung" fern gehalten sei. Das ist aber eine Täuschung. Die deutschen Arbeitshäuser und speziell die sächsischen(deren „erfolgreiche Wirksamkeit" neulich noch in einem Artikel des be- rüchtigten Professor B ö h m e r t, jetzt Chef des sächsischen statistischen Bureaus und offizieller Schönfärber der modernen Gesellschaft, gepriesen ward) sind nämlich nach dem englischen Workhouse- Rezept eingerichtet: nicht Unterstützung der Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen ist der Zweck, sondern Abschreckung der- selben. Die Inschrift der Dante'schen Hölle:„Lasciate ogni speranza voi ch'entrate"— Ihr, die Ihr eintretet, laßt alle Hoffnung draußen!— diese Inschrift, welche die fromme eng- lisch? Bourgeoisie in Gedanken über jedes Workhouse, diese »Bastille des armen Mannes", geschrieben hat, paßt auch für die deutschen, speziell die sächsischen Armen- und Arbeitshäuser. Ja noch in höherem Maße. Denn nicht nur herrschen im patriarchalischen Deutschland— wie Marx richtig gesagt hat— unter der gleißnerischen Hülle vielfach schlimmere soziale Zustände als in England, sondern es herrscht auch durchschnittlich eine noch größere Rücksichtslosigkeit und Brutalität gegen die Armen als in England, wo das Gesetz immer- *)»Ueber Wilhelmsdörfer"— auch eine schöne Gegend. hin der Willkür, auch dem Aermsten und Verkommensten gegen- über, gewisse Schranken setzt. Solche Schranken gibt's nicht in unseren Arbeitshäusern. Wer einmal hineingesteckt ist— freiwillig geht sicherlich Niemand hinein— hat keine Persönlichkeit mehr— er ist blos noch ein Klotz, der hin- und hergestoßen und auf den losgeschlagen wird. Keine bestimmten, festen Behandlungsregeln— Alles ist„gemächlich"„dem freien Ermessen" der Anstaltsbeamten überlassen. Und das sind keine geschulten Männer, wie unsere Gefängniß- und Zuchthausbeamten, sondern ungebildete Leute, die blos deshalb zu dem Posten er- nannt sind, weil sie den Herren Gutsbesitzern und Bourgeois, welchen daS Anstellungsrecht zusteht, das nöthige Maß von „Energie", soll heißen Roheit, zu besitzen scheinen und die Arbeit am billigsten verrichten. Die Folge ist, daß die Verwaltung dieser Arbeitshäuser, vom einfachen Verwaltungs- standpunkt aus betrachtet, eine erbärmliche ist und daß allen denjenigen Insassen, welche sich nicht auf die eine oder andere Weise die Gunst deö Aufsehers zu erwerben wissen, das Leben zur Hölle gemacht wird. Strafen aller Art, Entziehung der warmen Kost und Prügel, Prügel, Prügel das ist das Leben eines ArbeitshauS-Bewohners. Und dazu kommt noch, daß der Insasse auf unbestimmte Zeit in diese Hölle ge- sperrt ist. Er hat nicht gleich dem Zuchthäusler die Aussicht: an dem und dem Tag endet Deine Qual! Nein, er ist auf Gnade und Ungnade dem Aufseher und dessen Patronen über- liefert und kann erst dann diese Folter verlassen, wenn es dem Aufseher und dessen Patronen beliebt. DaS ist das Entsetzliche— die absolute Hoffnungslosigkeit der Lage. Diese Endlosigkeit der Tortur und das schrankenlose, launen- hafte Willkürregiment— das ist es, was dem Insassen, der nicht mehr die Kraft in sich fühlt, den Kampf um die Existenz oder gegen die Gesellschaft aufzunehmen, das Leben im Zuchthaus als ein lockendes Ziel erscheinen läßt. Im Zucht- hauS, da herrscht keine Willkür, da herrscht eiserne Disziplin, und wer sich ihr fügt, entgeht dem Stock— was im Arbeitshaus unmöglich ist— und erhält sein warmes Essen, warme Wohnung und Kleidung— was im Arbeitshaus nur Derjenige bekommt, der sich bei dem Aufseher einzuschmeicheln versteht. Kein Wunder, daß die Insassen des Arbeitshauses das Zucht- Haus vorziehen! »Ja, ja!" heult die Meute der Prügelapostel,„da sehm wir's. Das Zuchthaus ist ein zu angenehmer Aufenthalt, ist zu human. Führen wir wieder den„Willkommgruß" ein! Lassen wir Jedem, der in's Zuchthaus kommt, beim Eintritt 25 aufzählen, und es wird besser werden!" O diese Humanität der Zuchthäuser! Wir sprachen von warmer Kost, warmer Kleidung, warmer Wohnung— das klingt gar schön! Aber diese Kleidung und Kost ist von der kärglichsten, einfachsten Art; Zusam- mensetzung und Quantität des Essens so, daß es gerade zum Leben ausreicht— nichts drüber; und ebenso bietet die Woh- nung nicht die mindeste Bequemlichkeit, nicht den geringsten „LuxuS", wie man nach dem Gezeter der Prügelpädagogen denken sollte— sie enthält nur diejenigen Einrichtungen, welche von Wissenschaft und Erfahrung als unerläßlich für die menschliche Gesundheit erkannt worden sind! Nicht mehr! Kurz, das durch Wissenschaft und Erfahrung fest- gestellte Minimum des zum Leben Gehörigen. Soll etwa, so fragen wir die Herren Prügelapostel, die gegen unsere„humanen" Gefängnisse und gegen den„Luxus" in den Gefängnissen eifern— soll etwa der Staat unter diese» Minimum herabgehen? Das wäre ein Attentat auf die Humanität,— und der Staat, der dies thäte, würde sich außerhalb der Zivilisation stellen! „Aber haben es die freien Arbeiter so gut wie die Zucht- Häusler? Leben nicht Hunderttausende, Millionen ehrlicher Leute viel schlechter, als der Sträfling im Zuchthaus lebt? Ist das Recht? Nein, es ist nicht recht! Aber daS Unrecht besteht nicht darin, daß es den Sträflingen im Zuchthaus zu gut, sondern daß es den ehrlichen freien Arbeitern zu schlecht geht. Daß der ehrliche Arbeiter bei allem Fleiße häufig nicht vermag, sich zu dem vom Zuchthaus gewährten Minimum der„LebenS- Haltung"(des Standard of Life) zu erheben, das ist das Schmachvolle— das beweist die Existenz so schmachvoller Gesellschaftszustände, daß Jeder, der einen Funken von Gerech- tigkeitSsinn hat, sich die Beseitigung derselben zur Pflicht machen muß! Mit dem Stock ist da nichts geholfen. Die einzige Wirkung wäre ein noch gewaltsameres Reagiren der unterdrückten, miß- handelten Menschennatur; statt der relativ harmlosen Brand- stiftung: Mord und Todtschlag! Wenn die Herren Prügelapostel das mit ihrem Feldzug gegen die Humanität bezwecken— dann nur zu! Die sächsischen Landtagswahlen und die Sozialdemokratie. Die sächsischen Landtagswahlen sind vorüber, und die Sozialdemokratie kann mit dem Ausfall derselben sehr zufrieden sein. In Berücksichtigung der Verhältnisse kann die Partei bei den Land- tagswahlen auf große Erfolge nie rechnen. Einmal veranlaßt der Zensus für das aktive Wahlrecht, daß sehr viele unserer Parteigenossen nicht stimmen können. Dann beschränkt der Zensus für die Wählbarkeit die Zahl der Kandidaten auf ein Minimum. Bei dem Zensus von drei Mark direkter Staatssteuer ist die große Mehrheit der Steuerzahler vom Wahlrecht ansgeschlossen, sie beträgt nicht weniger als 64 Prozent, und dies verursacht, daß unsere besten Reichstagswahlkreise oft die schlechtesten für die Landtagswahlen werden, weil sie die größere Zahl der armen Steuerzahler enthalten. Der Zensus von 30 Mark und die Bestimmung, daß der Abgeordnete das 36. Lebensjahr überschritten haben muß, für da» passive Wahlrecht, schließen mehr al» 99 Prozent der Steuerzahler von der Wählbarkeit aus und gestattete uns nur mit vier Kandidaten iu's Feld zu rücken, die dann alle mehrfach aufgestellt werden mußten. Letzteres wird aber von einem Theil der uns ferner stehenden Wähler insofern? ungünstig aufgenommen, als bei den Landtags- wählen die Kirchthumsinteress en eine besondere Rolle spielen und fast jeder Wahlkreis seine besonderen Wünsche hat, die er vertreten sehen will und zu deren Vertretung er einen Kreisangesessenen am besten hält. Nehmen wir ferner hinzu, daß das Ausnahmegesetz die freie Agitation verhindert, daß es fast nirgend« möglich war, Versammlungen abzuhalten, und die ganze Agitation mehr aus eine Ueberrumpelung der Gegner be- rechnet werden mußte, dann wird man erstaunen über die großen Mino- ritäten, die unsere Kandidaten trotz alledem davontrugen. Die gegne- rischen Blätter geben dieser Ueberraschung auch unverblümten Ausdruck. In den erlangten Wahlresultaten steht voran der glänzende Sieg, den unsere Chemnitzer Parteigenossen erfochten haben, indem sie mit 2 5 2 4 S t i m m e n, die sich aus V o l l m a r vereinigten, über den Kandidaten der„Ordnungspart eien", Fabrikant Roth, der nur 1189 Stimmen bekam, siegten. Dieser großartige Sieg wiegt voll die Schlappe auf, die wir im Wahl- kreis Stollberg-Land empfingen, den bisher Rechtsanwalt Frey- tag innehatte, und der jetzt verlorenging, indem Parteigenosse S t o l l e mit 1655 Stimmen seinem Gegenkandidaten, Professor Raumer, der 1337 Stimmen erhielt, erlag. Konstatirt muß aber werden, daß in diesem ländlichen Wahlkreis, wo die Bergarbeiter des Lugauer Reviers stark vertreten sind, unsere S t i m m e n z a h l gegen früher sich g e h o b e n hat und der Sieg unser gewesen wäre, wenn nicht die Grubenverwal- tungen Alle» aufgeboten hätten, die Arbeiter von der Wahlurne sernzu- halten, beziehungsweise sie abzuschrecken, dem sozialdemokratischen Kaudi- daten die Stimme zu geben. Hocherfreulich ist auch das Stimmenresultat im Krimmitschau- Werd auer Wahlkreis, wo S t o l l e 761 Stimmen, der liberale Kau- didat nur 993 erlangte, obgleich sür letzteren die gesammten„ O r d- nungsparteien" in's Feuer gingen. 1377 erhielt Rechtsanwalt Frehtag in demselben Wahlkreis nur 317 Stimmen. Ebenfalls sehr günstig ist da» Wahlresultat iu Dresden ausgefallen. Dort siegte in der Friedrich»- und Wilsdrusser Vorstadt der liberale Kandidat, Stadtrath B ö n i s ch, nur dadurch, daß in letzter Stunde die Konservativen ihrenKandidateu zurück- zogen, al» sie erfuhren, daß ein sozialistischer Kan- didat austreten werde, und nun sämmtliche gegnerische Par- teien für den liberalen Kandidaten stimmten, der mit 1553 Stimmen über den im Wahlkreis fast gänzlich unbekannten Parteigenossen Pflaum, der 836 Stimmen erhielt, siegte. Da für die Landtagswahlen in Sachsen die relative Mehrheit ent- scheidet, also engere Wahlen ausgeschloffen sind, so würde ohne dieses Bündniß aller Parteien gegen die Sozial- demokratie die letztere in wenigsten» drei Wahl- kreisen gesiegt haben. Auch im zweiten Dresdener Wahltreis(Pirnaische und Johann-Bor- stadt) stellte sich da« Wahlresultat sür uns günstig. Hier wurde von vorneherein aus einen Sieg nicht gerechnet, da da» höhere Beamtenelement und die Bourgeoisie den überw iegenden Theil der Landtagswähler bilden. Hier erhielt der Konservative Heger 1435 Stimmen, der Fortschrittler Dr. S ch a f f r a t h 757, B o l l m a r 719, der Antisemit P i n k e r t 539 Stimmen. Da» Auftreten unserer Partei iu diesem Wahlkreise hatte aber einen wichtigen negativen Erfolg. E« verhinderte, daß einer der wüthendsten Sozialistensresser, d e r F o r t s ch r i t t le r Dr. Schafsrath, gewählt wurde. Schaffrath war e», der semerzeit(1881) in der Laudtagsfraktion seiner Partei den Beschluß durchsetzte, daß dieselbe öffentlich ihre Parteigenossen im ganzen Lande anfforderte, bei den engeren Wahlen lieber für einen Konservativen als für einenSozialisten zu stimm en. Schassrath war es ferner, der im gleichen Sinn unter seineu Partei- genossen iu Dresden wirkte, wodurch dieselben fast eiumüthig für Stübel und gegen Bebel stimmten. Indem er jetzt bei der Landtagswahl in Dresden durch die sozialistischen Stimmen gestürzt wurde, hat er den verdienten Lohn für seine Charakterlosigkeit erhalten. Schaffrath ist an« der Kammer hinausgeworfen, da er auch in seinem alten Wahlkreise durchfiel. Beachtenswerthe Stimmenzahlen erhielten weiter: im Wahlkreise Meerane-Waldenburg: Münch 487. Die» ist einer der Wahl- kreise, wo drei Viertel der Reichstagswähler zum Landtag nicht wähl- berechtigt sind. Im Landkreise Chemnitz: Volkmar 576. Ungünstig fiel die Wahl im dritten Leipziger Wahlkreis au», wo Münch mit 365 Stimmen gegen 1358 konservativ. liberale und 167 fortschrittliche unterlag. Die Ursache ist in dem gänzlichen Uubekanntsein de« Kandidaten zu suchen, für den deshalb nur die nächsten Parteigenossen stimmten. 1 Das Fazit der diesmaligen ErgSnzungS Wahlen*) zum sächsischen Land- tag ist: die Eroberung mehrerer Sitze durch die Konservativen, Steigen der sozialdemokratischen Stimmenzahl und entschiedener Riickgang der „Liberalen" auf der gauzen Linie) wie dies schon seit mehreren Wahl- Perioden der Fall war. Diese letztere Thatsache bedarf einer Erklärung. Der sächsische Liberalismus ist der f e i g st e und faulste in ganz Deutschland. Da« aggressive Vorgehen der Sozialdemokratie hat die feige sächsische Bourgeoisie Uberall eingeschüchtert. Flehentlich sieht sie sich nach einer Schutzmauer gegen die sozialdemokratische Hochfluth um und wirft sich der Regierung und den Konservativen bedingungslos in die Arme. Die Furcht vor der Sozialdemokratie war es, welche die sächsische Bourgeoisie in diesem Wahlkampf Uberall lähmte; zitternd vor dem un- fichtbaren Gegner, der bis in die letzten Tage seine Angriffskolonnen verschleiert hielt, wagte sie vielfach nicht, in den Wahlkampf mit dem konservativen Gegner zutreten, sondern Uberließ diesem da« Feld. So in Leipzig, wo der Gewählte zwar als nationalliberal ausgeschrieen wird, in Wahrheit aber konservativ ist. Es galt die Wähler, die auf eine offene konservative Kandidawr nicht hereingesallen wären, hinter'S Licht zu fuhren. Dieser Zustand im Lande und in der Kammer, scheinbar ein Rück- schritt, ist in Wahrheit ein Fortschritt. Erste Bedingung fUr eine gesunde Entwickelung ist Klärung der Gegensätze. Je uuverhUllter die Reaktion ihr Haupt erhebt, in Stillstand und Versumpf- ung verfällt, um so besser. In einer Zeit, wie die unsere, wo täglich auf allen Gebieten des ökonomischen und sozialen Leben« die Uber- raschendsten Fortschritte gemacht werden, Erfindungen und Entdeckungen austauchen, welche den Umgestaltungsprozeß der Gesellschaft riesenhaft beschleunigen, da kann kein Staatswesen auf die Dauer im Stillstand verbleiben, ohne daß es mit den Lebensinteressen des Volkes in den stärksten Wider- spruch gerät h. Verbleibt es dennoch im Stillstand oder geht es gar rückwärts, dann hat sein letztes StUndlein bald ge- schlagen. Möge» also Regierung und Bourgeoisie in Sachsen wie anderwärts sich immer zu unserer Bekämpfung die Hände reichen, wir lachen dazu und spotten ihrer. Moralisch sind wir schon heute die Sieger, faktisch und praktisch werden wir e» morgen sein, und dann ist'S mit ihrer Herrlichkeit zu Ende. B. Eine preußische Muster-Ordnungsstütze. ii.**) Wir sind heute in der Lage, die versprochene Fortsetzung unserer Mit- theilungen Uber den Verbrecher in Polizeikommissärs-Uniform, Herrn B l e h, folgen lassen zu können. Bley ist nicht allein ein Freund de« schönen Geschlechts, sondern auch offenbar ein Freund der Kunst, wie uns nachfolgende Thatsache beweist: Eines Tages erschien er im Vorzimmer der Theaterintendanz und erklärte dem inzwischen durchgegangenen Theaterdiener Ettling, der Herr Polizeipräsident Hergenhahn habe ihn geschickt, derselbe wünsche für den Abend zwei Logenplätze, man möge die Billete nur ihm(Bley) zu- senden, er wolle sie dem Herrn Präsidenten schon hinbesorgen. Selbst- verständlich wurde dem Wunsch de« durch seinen Beamten zur Intendanz herabgestiegenen Polizeipräsidenten entsprochen, und Ehren-Bley erhielt fUr seinen Vorgesetzten die Karten. Dabei wäre nun eben nicht« Schlim- me« gewesen, wenn nicht an besagtem Abend auf diesen Plätzen zwei vom KommissariuS protegirte Freudenmädchen gesessen hätten. Die Intendanz soll ob solch' betrügerischem Mißbrauch beim Präsidium vorstellig geworden sein, und siehe da, es stellte sich heraus, daß der Polizeipräsident gar keine Karten verlangt hatte! Ferner erfahren wir in derselben Angelegenheit, der Theaterdiener sei vernommen worden und habe den Vorfall so erzählt, wie wir ihn hier geschildert. Um sich nun an diesem Diener zu rächen, spürte der Ver- brecher in Uniform dessen Thun und Treiben nach, infolgedessen allerlei schmutzige und skandalöse Geschichten herauskamen. Bley machte gegen Ettling, dem er, was Moral und gute Sitte betrifft, zum mindesten ebenbürtig ist, eine Anzeige wegen Kuppelei, und die Folge war, daß Ettling sich veranlaßt sah, eine« schönen Tage« unter Zurücklassung von Weib und Kind zu verschwinden. Seit unser erster Artikel in Nr. 28 erschienen ist, von welchem„Ver- brecher Bley" sehr erbaut gewesen sein soll, suchte derselbe seine Schntz- leute, welche wir als Zeugen gegen ihn aufgeführt haben, auf die schmach- vollste und gemeinste Art und Weise zu verdächtigen, und bei den ge- rmgsten Kleinigkeiten legte er Anzeigen gegen sie vor, die zum Theil da- mit endeten, daß die armen Teufel Arrest erhielten. Bley renommirt, wie wir erfahren, mit seiner Unschuld in den hiesigen Wirthschaften und frißt dabei fröhlich auf anderer Leute Rechnung weiter. Hierbei wollen wir docb erwähneu, daß der KommissarinS namentlich den Konditor Ed. C. Zamecznik, Paulsplatz 17/19, um Torten und sonstige Süßigkeiteu brachte. Zamecznik, der nicht zu Denen zu gehören scheint, welchen ein preußischer Polizeikommissariu» zu imponiren iu der Lage ist, schickte ihm für das bei ihm Verzehrte und fUr Bley'« Frau Bestellte emsach die Rechnung. Bley soll dieselbe jedoch bis heute noch bezahlen, hat dagegen aus Erkenntlichkeit seinen Schutzleuten Auftrag gegeben, den Zamecznik bei den geringsten Kleinigkeiten zu denunziren, infolgedessen Zamecznik außer seiuem Schaden noch empfindliche Geldstrafen zu be- zahlen hat. Bestechlich ist Bley, wie wir bereits in Nr. 28 mitgethcilt, in hohem Grade. Ein hiesiger Wirth, dessen Namen wir heute nicht nennen wollen, war so glücklich, die so berühmte, auch vielen unserer Parteigenossen auf- erlegte„Feierabendstunde" zu besitzen. Seine Gesuche um Aufhebung dieser Maßregel blieben erfolglos. Endlich verfiel er auf den originellen Gedankeu, dem KommissariuS Bley 24 Flaschen Wein zu senden; und siehe da, die Feierabendstunde wurde ohne jede« weitere Gesuch plötzlich aufgehoben. Ein bekannter Stellenvermittler Namen« de Stoppany, Buchgasse Nr. 8, derselbe, welcher deutsche Mädchen an englifche Hnrenhäuser ver- schachert, ist ein intimer Freund des KommissariuS und sorgt für dessen fleischliche Bedürfnisse, deren Verbrecher-Bley iu hohem Grade bedürftig fein scheint, in ausgiebigster Weise. Geld dafür auszugeben, ist der Herr nicht verpflichtet, denn er besitzt ja die Qualifikation eine« preußischen Polizeikommiffarius, die ihn vor Geschenken an diese Damen bewahrt. Er ist diesem Gestndevermiether aber erkenntlich und sorgt dafür, daß dessen Mietherinen uicht unter Polizeikontrole kommen. Bley verkehrte früher viel mit einem hier sehr fein auftretenden Hoch- flapler, der sowohl Bley'« Frau, als auch einer Kellnerin im Hotel Kräusel (Buchgasse), welches inzwischen polizeilich gesperrt wurde, bedeutende Geschenke, bestehend in Gold, silbernen Ketten und werthvolleu Arm- spangeu, machte. Der Zufall wollte es, daß Bley seinen Saufkumpan und Beischläfer seiner Frau selbst verhaften mußte. Da ihm nun bekannt war, daß auch da« Kellnermädchen Goldsachen empfangen hatte, so ver- langte er diese von ihr heraus, wurde jedoch mit dem Bemerken abge- fertigt, daß sie nur dann ihre Geschenke der Polizei aushändige, wenn auch die Frau Polizeikommissär die ihrigen herausgebe. Bley ließ sich hieraus aus naheliegenden Gründen uicht weiter sehen. Inzwischen ist auch Bley's Köchin eines todten Knäblein« genesen. Obgleich unser Artikel iu hiesigen Kreisen sehr viel Beifall gefunden *) Im sächsischen Landtag scheidet alle zwei Jahre ein Drittel der Abgeordneten au«. **) Vergleiche Nr. 28 des„Sozialdemokrat". hat und sehr gerne abgedruckt worden wäre, wenn unser famoses Aus- nahmegesetz die« zuließe, läuft Verbrecher-Bley, den seine gesammten Kollegen, unter denen sich übrigen« auch noch manche« räudige Schaf befindet, schon seit geraumer Zeit für einen großen Halluuken halten, und desscu Gesellschaft die Besseren unter ihnen soviel als möglich meiden, frecher denu je in Uniform herum. Unsere Parteigenossen werden in Preußen auf's Schändlichste verfolgt, und derartige Spitzbuben laufen stet« frei au«. Man sieht, da» p r i v i- le girte Hallunkenthum ist uns gegenüber immer im Recht. Weitere» über Bley sowohl wie über die ihm um nichts nachstehenden Kollegen folgt bald. Frankfurt am Main, im September. Die rothe Vehme. SozialpolUische Rundschau. Zürich, 19. September 1883. — Wie schaut'S au«? ES wird wieder schauerlich viel in hoher Politik gemacht. Auf Ischl, Gastein und Salzburg, wo die be- rühmte Triple-Allianz, au« der nachgerade eine Quintrupel(fünffache) Allianz geworden sein soll, indem sich dem deutsch. österreichisch-italie- nischen Herzensbund noch Serbien und Rumänien zugesellt haben sollen — kommt nun noch Spanien hinzu, so ist da« halbe Dutzend fertig— folgt jetzt die trauliche Familienfeier in Kopenhagen. Der König von Dänemark versammelt seine theuren Familienmitglieder um sich, und e» ist natürlich nur Zufall, daß der König von Griechenland sein Sohn, der Kaiser von Rußland und der zukünftige Beherrscher Englands seine Schwiegersöhne sind. Von einem Gegenbündniß, das dem Bordringen Oesterreichs im Orient einen Halt gebieten, ihm den berühmten Weg nach Salonichi versperren soll, kann gar keine Rede sein. Herr Gladstoue ist nur aus Höflichkeit gleichfall« nach Kopenhagen gereist. So wird offiziös versichert, glauben thut e« natürlich Niemand. ES wird eben noch immer das alte Jntriguenspiel hinter dem Rücken der Völker und auf Kosten derselben gettieben, jene« Spiel, wobei die Könige solange Alle« und die Völker Nicht« find bis es zum Klappen kommt, wo dann Plötzlich die Völker Alles und die Könige Nichts— einsetzen müssen. Es ist deshalb auch ganz natürlich, daß für die schweizerische und französische Republik weder hüben noch drüben ein Plätzchen frei war, dort gibt es eben keine Personen, die von sich sagen können:„Der Staat bin I ch". Da» Schweizervolk ist übrigen« keineswegs unglücklich darüber, daß es bei diesen feinen Kombinationen außer Be- tracht bleibt, und wenn die Franzosen vernünftig wären, so sollten sie darüber jubelu, daß sie von gewissen„Mächten" als nicht bündnißfähig bettachtet werden. Je mehr die französische Republik um die Gunst irgend eine« der europäischen Gewaltstaaten buhlt, um so mehr sinkt sie, und mit Recht, in der Achtung der Völker, und sie wird sich um so mehr die Liebe aller wahrhaft demokratischen Elemente im monarchischen Europa erwerben, je weniger sie sich um die Gunst der europäischen Kabinette bekümmert. Und so fest stehen die GotteSgnadenthümer— „Gott" sei Tank— denn heutzutage doch nicht, daß der Wille der Völker ihnen gegenüber gar nicht ins Gewicht fiele. Zum Glück sorgen übrigen« die Herren selbst dafür, daß der Gedanke d er Volkssouveränetät immer wieder neue Nahrung erhält, wie der famose russische Staatsstreich in Bulgarien beweist. Par Ordre de Mufti muß der Batteuberger plötzlich wieder den Liberalen spielen, eine Verfassung ausarbeiten, nur um die Serben und Rumänen gegen ihre österreichisch. deutsch.freundlichen Regierungen, die autokratische Gelüste verspüren, aus- zuHetzen. Auch iu Kroatien sollen russische Agenteu gehetzt haben. Daß eine Regierung, je autokratischer sie zu Hause ist, um so„revolutionärere" Neigungen in Bezug aus die guten Nachbarn„draußen" verspürt, ist nichts Neue», immerhin können wir von dieser neuen Dokumentiruug des alten Satze«„in der Politik sind alle Mittel recht", Akt nehmen. Die hohe Politik besteht darin, Bündnisse zu schließen, die man nicht zu halten denkt, und zu stänkern. Wann werden die Völker endlich ihrer überdrüssig werden?! — Der„Frankfurter Zeitung" genügte die Blamage, die sie sich mit ihrem famosen Rathschlag an unsere sächsischen Genossen — überall wo der Sieg«ine» Fortschrittlers dadurch in Frage gestellt werden könne, auf eigene Kandidaturen zu verzichteu—, geholt hat, noch uicht; in ihrer gewohnten Rechthaberei sucht sie jetzt die Schuld an dem Wahlerfolg der Konservativen unserer Partei in die Schuhe zu schieben anstatt die Ursache da zu suchen, wo sie einzig und allein zu findeu ist — in der Erbärmlichkeit ihrer, der„Frankfurter Zeitung", poli tischen Freunde. Das weiland demokratische Blatt— denn ein Blatt, da« in Herrn S ch a f f r a t h einen Mann erblickt, der„die gute alte Tradition des sächsischen Liberalismus vertritt", wird doch im Ernst nicht den Anspruch erheben wollen, al« demokratisch zu gelten— hat kein Wort de» Tadel« dafür, daß die sächsischen Fort- s chrittler da, wo sozialdemokratische Kandidaten in Frage kamen, lustig für die Konservativen stimmten(so z. B. in Stollberg-Land für S t r a u m e r�gegen Stolle)— darüber schweigt de» Sänger» Höflichkeit, an den Siegen der Konservativen ist vielmehr nach ihr die „thörichte Taktik" der Sozialdemokraten Schuld, die nicht für die Kon- scr vativen stimmten. Man sieht, im Verdrehen derThatsachen nimmt e« da« Frankfurter Blatt mit dem berüchtigtsten der preußischen Offiziösen auf. Da die Politik unserer Genosseu darin bestand, für keine Kandidaten des sächsischen OrdnuvgSbreie« zu stimmen, sondern lediglich für Männer eiozutreten, die fest aus den Boden unserer Prinzipien stehen, so haben wir einen Maßstab dafür, was man in Frankfurt am Main thörichte Politik nennt. Natürlich fehlen in den staatsmännischen Erwägungen der Frankfur- terin die berühmten„Nullen" nicht.„Oder sollten die Sozialisten wirklich geglaubt haben, die Wähler Dresden« und Leipzigs für solche Nullen wie die vorgeschlagenen Kandidaten waren, gewinnen zu können?" Nun ist e« richtig, unsere Partei verfügt nicht Uber den Reichthum au politisch en Kapazitäten, der die Volkspartei im Allgemeinen und deren sächsischen Zweig im Besonderen auszeichnet, unsere Genoffen Münch Pflaum uud Bollmar— denn diese find gemeint— gehören nicht zu jenen Sternen ersten Range«, die es verstehe», heute röthlich und morgen weislich zu schimmero, aber— so fragen wir noch ein- mal— sind denn Ueberzeugung und Prinzipien auf der Eschenheimer Gasse so in KourS gesunken, daß man sie dort Uberhaupt nicht mehr„notirt"? — Auch die Berliner Arbeiterbewegung erfreut sich der allerhöchsten Ungnade der„Frankfurter Zeitung" uud wird von ihr in einer Weise mit Koth beworfen, wie nicht einmal iu der Presse der Fortschrittspartei, gegen welche sich diese Bewegung doch mit richtet. Uud warum? Weil die Berliner Arbeiter bei den Stadtverordnetenwahleu selbstständig vorgehen und den Herren von der Fortschrittspartei wie denen von der famosen„Bürger"partei gleich kräftig die Wahrheit sagen. Da» liebenswürdige Organ der Volkspartei überschüttet die Berliner Arbeiter mit seinem Spott, weil sie den Herrn Träger ernst nahmen, al« er in der auch von uu» erwähnten Bersamm lung sich al» Demokrat geberdete. Nun, es ist immer noch ehrenhafter, einmal zu anständig gewesen zu sein, als die Grundsatzlofigkeit soweit zu tteiben, wie Herr Träger et nach der„Frankfurter Zeitung" und unter dem Beifall der- selben gelhan. Geschadet hat die„Komödie" der Wahlbewegung der Berliner Arbeiter keineswegs. Dieselbe geht vielmehr kräftig ihren Gang. Herr Paul Singer, der von den Arbeitern als ihr erster Kandidat bezeichnet wird uud der voll und ganz auf dem Boden der Arbeiterbewegung steht, hat jüngst vor glänzend besuchter Versammlung seine Kandidatenrede gehalten und stürmischen Beifall geerntet, als er mit den Worten Johann! Jakoby's schloß:„Einer für Alle, das ist Menschenrecht, Alle für Einen,! das ist Menschenpflicht." Bor ebenfalls llberfüllter Versammlung wurden am 15. September! die weiteren Kandidaten der Arbeiterpartei nominirt uud zwar: 1) Kaufmann R o s e n t b a l*) für den Wahlbezirk 8 und 11; 2) Kaufmann Singer für den Wahlbezirk 12 und 24; 3) Hausbesitzer S ch ä f e r*) I für Wahlbezirk 14 und 38; 4) Tischlermeister T ll tz a u e r(Hausbesitzer)| für Wahlbezirk 15; 5) Dr. Meilitz für Wahlbezirk 27; Maschinen- bauer G ö r ck i für Wahlbezirk 23; 7) Tischler Herold für Wahlbezirk 25 und 26; 8) Uhrmacher K a k o r S k y für Wahlbezirk 32 und 33; 9) Vergolder Ewald für Wahlbezirk 37 uud 42; 10) Maurer Conrad für Wahlbezirk 36 und 41. Diese Liste zeigt, daß die Berliner Arbeiter weder nach Stande«- noch Rossenunterschieden fragen, sondern lediglich nach Prinzipien und Be- thätigung derselben. — Der„Herrgott" ist in der vergangenen Woche wieder arg hergenommen worden, in Düsseldorf mußte er die Generalversammlung der deutschen Katholiken und in Wittenberg die zur Lutherfeier versammelten Gläubigen der protestantischen Kirche mit dem Lichtstrahle seiner göttlichen Gnade erleuchten. Eigentlich gibt es doch keine ärgeren Gotteslästerer als die Pfaffen, und wenn wir Herrgott wären, so ließen wir es uns sicher nicht gefallen, daß jeder hergelaufene Kerl, der einige Semester Theologie geschwänzt und Bierologie gettieben hat, unseren Handlungen diejenigen Motive unterschiebt, die ihm gerade in den Kram passen. Aber die guten GotteSgläubigen stört da» nicht, sie lassen es ruhig über sich ergehen, wenn ihnen„Gott der Herr" als der Hausknecht der Pfaffen hingestellt wird. „In diesem Monat vor 400 Jahren war Luther noch nicht geboren, aber Gott hatte ihn schon erwählt, das Licht de« Evangelium« in voller Klarheit hervorzubringen", verkündete der Oberkonsistorialrath S ch m i e d e r am 12. September 1883(I!) in der Schloßkirche in Wittenberg, und in dieser lustigen Weise ging's die ganze Woche hindurch, so daß die Anspracht des„liberalen" Kronprinzen noch als e>ne Oase in der Wüste ausposaunt wird, eine Ansprache, in der als Hauptttumpf da«„demllthige Streben nach der Erkenntniß christlicher Wahrheit" figurirt. Wir anderen Sterblichen sind der Anficht, Wahrheit sei Wahrheit, ob christlich oder nicht, und halten da« rücksichtslose Streben nach Wahrheit über da« Christenthum, wie über jede Religion, für die einzige dem Geist der Neuzeit entsprechende Aufgabe. Mögen darum liberale Blätter darüber jubeln, daß„unser Fritz" von„Gewissensfreiheit und Duldung" gesprochen hat, un» lassen diese Phrasen kalt. Zur Gewissensfreiheit gehört für uns vor allen Dingen die volle Tren- nung der Kirche vom Staat und vou der Schule— wir verlangen nicht Duldung, sondern Gleichberechtigung aller Nichtgläubigen. Unserer Meinung über den Held der Feierlichkeiten, über Luther, haben wir bereits in Nr. 33 de«„Sozialdemokrat"'Ausdruck gegeben, mag noch folgender Ausspruch diese»„Bergmannssohnes" hier seine i Stätte finden, der die Begeisterung der herrschenden Klaffen für ihn erklärlich macht: „Dem armen Manne gebührt Last, Fressen nnd Schläge, gleichwie dem Esel, sonst wird er über müthigl" *** In der Katholikenversammlung mußte der Herrgott der kleinen Exzellenz W i n d t h o r st helfen, die Gegensätze, welche der Klassenkampf in der heutigen Gesellschaft zeitigt, im Interesse der weltlichen Macht der| Kirche uothdürstig zu verkleistern. Die katholischen Zünftler wurden mit einer Resolution abgespeist, die nicht Fleisch nicht Fisch ist,! desgleichen die katholischen Arbeiter, denen die trostreiche Mittheiluug wurde, daß die soziale Frage auch eine religiös sittliche ist. Natürlich> ducken die Arbeiter vor den Pfaffen, so ducken sie anch vor dem Ausbeuter. Keine Forderungen, sondern Gebete und Bitten, keine Rechte,! sondern Wohlthaten und„Gnaden". Erst kommt mir der H i m m e l t und dann die Erde, erklärte der alte Sünder kategorisch. Wie unschuldig' da« klingt I Natürlich versteht Herr Windthorst unter Himmel nicht jene» abgeschmackte Gebilde orientalischer Phantasie, sondern die Kirche, das Papstthum. Tie Macht des Papstlhums über Alle« I tönt es hüben, Wieder. Herstellung der Psaffeuherrschasl erschallt es drüben, Wittenberg und Düffel- darf vertreten keine Prinzipien gegeneinander, sondern nur noch K o n k u r- renziuter essen, und wenn am 10. November die Einen ihren Luther seiern und die Andern demonstrative Gebeisversammlungen abhalten, dann mögen die Worte noch so süßlich klingen, so werden au« ihnen doch nur heraustönen: N e i d und Haß. Hüben aber wie drüben wird„Gott" sein. — Nieder mit der Wissenschaft, e« lebe die„Ordnung"! Die Polizei-Herostrate haben ihren Zweck glücklich erreicht: der Fort«- bildungsverein für Arbeiter in Leipzig hat da» Ver- brechen, die Veranlassung und dm Schauplatz für einen wissenschaftlichen Vorttag abgegeben zu haben, den der Erz-Jgnorant Hohlseld nicht zu verstehen kapabel war, zwar nicht mit sofortigem Tod, aber mit tödt- licher Verstümmelung büßen müssen. Der Appell vom Teufel au seine Großmutter hatte den üblichen Erfolg: die Kreishauptmannschast hat dm Polizei-UkaS, welcher den Fortbildungsverein für einen politischen Ver- ein erklärt, bestätigt, und so war denu dieser Tage im„Leipziger Tage- blatt" folgende Annonce zu lesen: „FortbildungSvereiu für Arbeiter. Laut Verfügung der Königl. Kreishauptmannschast können Personen, welche das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, unserem Berein al» Mitglieder nicht mehr angehören. Da da« Polizeiamt auch die i Theilnahme am Unterricht den miuderjährigenPer-! soneu nicht mehr gestattet, so sehen wir uns veranlaßt, u n- sere.UnterrichtSkurse bis auf Weitere« einzustellen. Der Borstaud." Wir wünschen, schreibt man un« au» Leipzig, unseren Gesellschafts- rettern Glück zu diesem Erfolg, welcher die Berechtigung unserer Feinde, sich als Hüter unserer modernen Kultur auszuspielen, in bril- lantester Weise illustrirt! ES wird Sache unserer Vertteter im Landtag sein, diese» schmachvolle Polizei-Attentat zur Sprache zu bringm und dm obersten Chef der Hohlseld und Genossen zu einer Erklärung zu nöthigen. Bei dieser Gelegenheit werden wir dann ja auch sehen, wie die„liberalm Parteien", mit denen die naive„Frankfurter Zeitung" un« für die Laudtagswahlen zusammenkoppeln wollte, ihre„liberalen Grundsätze"— im Jargon der„Frankfurter Zeitung" zu reden,— bethäligm werdm. Bis auf den letzten Mann und Fortschrittler werden sie zu dem, was der Herr Minister erklärm wird, Ja und Amen sagen. Und der Herr! Minister wird erklären:„Der Hohlseld und die Herreu von der Leipziger j Kreishanptmamischaft haben recht gethan." Wir werden'« un» aber merken. Der Polizeistreich gegm den Fortbildungsverein für Arbeiter ist ein würdiges Seitmstück zu der schmachvollm Unterdrückung unsere» Arbeiter« *) Letter der Bewegung für Schließen der Läden am Sonntag Nachmittag. **) Sprecher der freireligiösen Gemeinde. bildungsvereins nach den Attentaten. Es ist wahr, dieser Verein hatte sich offen auf de» Boden der Sozialdemokratie gestellt, aber er hatte niemal» agitirt, und noch lange bevor da» Sozialistengesetz in Kraft trat, hatte er jeder THZtigkeit, die als eine politische betrachtet werden konnte, entsagt, und sich ausschließlich den BilduugSzwecken gewidmet, die Ubri- gen» nie in den Hintergrund gedrängt worden waren. Trotzdem er- folgte da» Verbot und die Konfiskation der Bücher—»nd eine Anstalt war zerstört, der Tausende von Arbeitern ihre Ausbildung und ihre Existenz verdankten. Jetzt ist'S wieder so. Hat auch der Fort- bildungSverein für Arbeiter— hauptsächlich in Folge de? durch das in- fame Ausnahmegesetz hervorgerufenen Mißtrauens— nicht dieselbe Blüthe erlangen können, wie der 1873 zerstörte Arbeiterfortbildungs- verein, so hat er doch viel Gute» geleistet und einer erklecklichen Zahl von jungen Arbeitern im Zeichnen, in Sprachen, in Stenographie, in allgemeinen Wissenschaften, und in technischen Fächern ein Kapital von Kenntnissen gegeben, mit Hilfe dessen sie den Kampf ums Dasein leichter hätten bestehen können. Das ist nun zu Ende— da politischen Bereinen nach dem sauberen sächsischen Vereinsgesetz keine Unmündigen angehören dürfen, so können jetzt nur noch Arbeiter, die das 21. Jahr zurück- gelegt haben, Mitglieder sein; und mit den schönen Unterrichtskursen ist» zu Ende. Ob dieselben wieder aufgenommen werden können, ist sehr in Frage: find doch gerade diejenigen Altersklassen, für welche sie eigentlich bestimmt waren, durch den Polizeistreich an der Theilnahme gehindert. — Der Stieber übertroffenl Stieber hat bekanntlich piel in seinem Leben geleistet, er hat Briefe gestohlen, Protokolle gefälscht und Meineide geschworen. Aber Eines hat er doch nicht gewagt: Offen die Gesetze mit Füßen zu treten. Seme Nachfolger im Reiche der Gottes- furcht und srouimen Sitte haben auch das fertig gebracht. Vor Kurzem wurden dem neuen Abgeordneten für M e tz, dem Protestler A n t o in e, verschiedene Briefe jc. konfiszirt, man sprach von einem Hochverraths- Prozeß oder gar von Landesverrath und dergleichen. Daraus wurde »un uichts, plötzlich veröffentlicht aber die„Norddeutsche Allgemeine" ganz wider d e n k la r en W o r t l a u t des Gesetzes mehrere bem Herrn Antoine abgenommenen Briefe. Da» ist der Gipfel der Schamlosigkeit. Natürlich wird sich aber kein Gesetzeswächter vulgo Staatsanwalt in Preußen-Deutschland finden, der dafür sorgt, daß dem beleidigten Gesetz Genugthunng werde. Ja, wenn cs sich um einen beleidigten Polizeidiener handelte! Aber ein ganz gewöhnlicher A k t e n d i e b st a h l, was will das sagen? — EinBeitragzursozialen Frage. Die Blätter melden, daß die Baronin von R o t h s ch i l d sich in den Badeort Plombidres ihren Borrath an Fächern in einer kleinen Kiste hat nachkommen lassen, deren Werth auf 350,000 Fr.(ca. 280,000 Mk.) an- gegeben war. Wie viel Arbeitslöhne sind in diesen Hunderttausenden, die für eine Mode- thorheit vergeudet werden, enthalten? Wie viele Arbeiterfamilien, und wie lange müssen dieselben sich in das Joch anstrengendsten Schaffens spannen, um 350,000 Fr. zu verdienen, die eine Börsenbaronin in Fächern anlegt, um sich Kühlung zuzuwehen? Der Schmied an dem Ambos, der Maschinenbauer in der Gluth der Werkstätten und Fabrik- räume, der Steiuklopser an der Landstraße, der Zimmerer auf dem schwanken Baugerüst haben nicht Zeit, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen— und Frau von Rothschild? Nun, der Herr Ge- mahl, der König der Könige, hat ja die französischen Deputirten von der Ordnungspartei, macht ja die Gesetze, läßt das Kabinet nach seiner Flöte tanzeu, verlheilt Trinkgelder und gibt inärchenhafte Feste. Seine Be- ziehungeu zu allen Höfen und Ministerien macheu ihn zum Herrscher der Börse, und wenn ein anderer Finanzgauner, Bontoux, ihm in's Hand- werk Pfuscht, so bricht er ihm da» Genick. Millionen von Menschen nanen am Hungerwche, und die Gnädige von Rothschild hat für 350,000 Fr. Fächer für einen Theil der Badesaison! Es besteht das Kunststück der modernen Kapitalwirthschaft ja hauptsächlich darin, den die Arbeitermassen aufreibenden und Millionen von Schweiß- tropfen ehrlicher Thätigkeit aussaugenden Produktionsprozeß den„zart- empfindenden" Gemüthern und den leichtverletzten Augen der genießenden Ausbeuterklassen, der„oberen Zehntausend", vorsichtig zu verhüllen. Es werden ans silbernen Schüsseln die goldenen Früchte— die Produkte— dargeboten, die Produzirenden in ihrer Arbeit für die Andern sieht man nicht. Die Aktionäre der Eisenbahnen, die Theilhaber an industriellen Unternehmungen, die ihre Koupon» abschneiden und damit ihr Tagwerk vollbringen, sehen gar nicht die Lohnsklaven, die für elenden Sold ihre ganze Eristenz einsetzen. Sie haben bloS die„Papierchcn"— die Sachen und die Personen, auf denen der ganze Mammonismus steht, durch deren systematische Aussaugung und Beraubung er existirt, werden mit Vergnügen ignorirt. Es erinnert da» an die bekannte Anekdote, nach der die Frau Kommerzienrath sagt:„Ich weiß gar nicht, weshalb die Leute so über die Kleinheit der Semmeln jammern? Sie können ja statt einer zwei essen!" Da» ist die Weisheit der gefühlvollen Bourgeoisie! Die Denkende sieht bekanntlich gar nicht ein, weshalb die„Leute" überhaupt Semmeln zu essen brauchen. Hoffentlich wird es bald ander». „— Au» Leipzig, 12. September, wird uns geschrieben: Der Hohn, den unsere Reichstagsvertreter in ihrer Erklärung über die sog. Rechtsertigungsschrift der sächsischen Regierung für den Leipziger Be- lagerungSzustand ausgössen, hat unsere Polizei in große Aufregung ver» setzt. Eifrig ist sie daran, zu beweisen, daß sie doch nicht so dumm ist, wie mau sie hält, und so hat sie seit 14 Tagen einen Arbeiter N i tz s ch e und seit ein paar Tagen auch den Zigarrenarbeiter H o f m a n n der Staatsanwaltschaft überliefert, beide unter der Anklage, verbotene sozio- listische Schriften verbreitet zu haben. Seitens der Staatsanwaltschaft wird in echt inquisitorischer Weise— im Widerspruch mit dem Gesetz— gegen die Angeklagten vorgegangen, und werden die gemeinsten Schimpf- Wörter nicht gespart, um den Angeklagten Geständnisse zu erpressen. Die Angelegenheit wird gelegentlich im nächsten Landtag beim Justizetat zur Erörterung kommen. Ist es nicht erstaunlich, daß wir, die Umstürzler, abwechselnd die Polizei, die Staatsanwälte und die Richter an die Gesetze erinnern müssen, die zu respektireu ihre» Amte» ist, die sie aber un» gegenüber fortgesetzt in der gröblichsten Weise verletzen? Unser famoser Polizeidirektor hat jetzt eine neue Methode erfunden, die Sozialdemokratie zu bekämpfen: er hat die Polizeistunde von 12 auf— 2 Uhr verlängert. Herr Bretschneider kalkulirt folgendermaßen: Nicht« bringt die Menschen besser von ernsten und ideellen Bestrebungen ab, als wenn man ihnen Gelegenheit gibt, liederlich zu werden. Dazu bietet aber eine gewisse Sorte von Kneipen, die iu Leipzig wie Pilze au« dem Boden schießen, ganz besondere Gelegenheit. Unter deu Inhabern dieser Lokale soll in Folge der Bretschneider'scheu Verordnung eine so begeisterte Stimmung herrschen, daß sie bereit» zusammengetreten find, um zu berathen, in welcher Weise sie Herrn Bretschneider am besten ihre Dankbarkeit ausdrücken können. Wenn Herr Madai das hört, wird er elend vor Aerger, denn er hat für Berlin die Polizeistunde auf Nacht» 12 Uhr beschränkt. Der löbliche Eifer, mit dem unsere Polizei neuerdings auf die Sozia- listen fahndet, hat nach einer anderen Seite einen Mangel an Mann- schaft erzeugt, weshalb eine Anzahl Mannen neu angestellt und da» Polizeibudget entsprechend erhöht werden soll. Die Dirnen iu gewissen Straßen unserer Borstädte, heißt«S nämlich, werden Mangels Polizei- licher Ueberwachung immer dreister und setzen die arme unschuldsvolle Männerwelt argen Versuchungen au». Da aber da« Angebot von Dirnen der Nachfrage im frommen Leipzig entsprechen dürste, empfehlen wir Herrn Bretschneider, seine Vigilanten anzuweisen, auch ein wenig ihre Aufmerksamkeit auf diese unschuldsfromme Männerwelt zu richten. Er macht alsdann vielleicht die Entdeckung, daß darunter gar mancher ehr- same Eheherr, Stadtvater und Vertreter der„Sitte und Ordnung" sich befindet, der seiner(Herrn Bretschneider'S) Rede am heiligen Sedan- feste wider den„inneren Feind" lauten Beifall gezollt, aber mit Ver- gnügen dem Teufelsgelüst nachgibt, einmal heimlich über die Stränge zu schlagen.— Die Neuigkeit des Tages, die aber unser ehrsame»„Tageblatt" seinen Gläubigen bisher verschwiegen hat, ist: Herr Dietze auf Pomm- ßen, Vertreter von Leipzig Land i m R ei ch» t a g, h a t „Umstände halber" sein Mandat niederlegen müssen, so daß eine Nachwahl bevorsteht. Die„Umstände" die den Vertreter der„Ordnungsparteien" zwingen, sein Mandat niederzulegen, sind sehr delikater Natur. Herr Dietze auf Pommßeu ist kurz gesagt, bankerott, und zwar infolge seiner und seiner Ehehälfte ausschweifenden und verschwenderischen Lebenswandels. Herr Dietze galt bis vor Kurzem als einer der reichsten Grundbesitzer der Leipziger Gegend und war die« auch früher; er hatte aber kostspielige Bedürfnisse, namentlich in Bezug auf da« weibliche Geschlecht, da» ihm heidenmäßig viel Geld kostete. Seine Gemahlin eut- schädigte sich nach dem Grundsätze:„Wie Du mir, so ich Dir". Häufige Festlichkeiten und Feten, an denen zahlreiche Hausfreunde Theil nahmen, verschlangen Unsummen, und so kam, was kommen mußte. Die„Ordnungsparteien" haben uns wieder einmal au einem ihrer Vertreter gezeigt, wie sie Sitte und Ordnung verstehen. Am meisten wird Herr S P a r i g den Fall seines Freunde« Dietze bedauern. Herr Sparig war für Herrn Dietze'» Wahl stet« der eifrigste Agitator und thatsächlich verdankt ihm derselbe seine Wahl. Aber diese Wahl kostete Herrn Dietze immenses Geld und davon sollen unterschiedliche Tausende in die opferwilligen Taschen de» Herrn S P a r i g geflossen sein. Umsonst ist der Tod. Unsere Parteigenossen hoffen diesmal bestimmt, den Wahlkreis zurück- zuerobern. Glück auf zum Wahlkampf! — Schweiz. Von den Resolutionen, welche auf dem Arbeilertag angenommen wurden, dürften die nachstehenden auch für die Leser de»„Sozialdemokrat" von Interesse sein. Nachdem Kantonsrath Strub(Schaffhausen) in sehr ausführlichem Referat nachgewiesen hatte, wie sehr die Ausführung des Fabrikgesetzes in der Schweiz noch zu wünschen übrig läßt und wie nothwendig eine schärfere Kontrole sei, was von allen an der Debatte sich betheiligenden Rednern bestätigt ward, wurden über diesen Punkt folgende zwei Resolutioneu beschlossen: „Nach Anhörung des Referats seitens Brg. Strub und den Ausführungen in der Debatte, aus denen unumstößlich hervorgeht, daß das Fabrikgesetz in seinen wesentlichsten Bestimmungen für die Arbeiter nur aus dem Papier steht, weil die Kantonsregierungen durch Handhabung des Gesetzes dasselbe vielfach illusorisch machen, und weil der Arbeiter wegen seiner abhängigen sozialen Stellung oft nicht in der Lage ist, die so häufig vorkommenden Ueberschrei- tungen und Mißachtungen znr Kenntniß der Behörden zu bringen und damit ihre Abstellung herbeizuführen, beschließt der Arbeitertag: 1) Es soll ein Hauptaugenmerk bei der Agitation darauf gerichtet werden, daß die einzelnen Bestimmungen des Fabrikgesetzes in der Arbeiterpresse, in Broschüren und Versammlungen mehr als bisher zur Kenntniß der Arbeiter zu bringen. 2. Es soll überall dahin gewirkl werden, daß bei einer Abände- rung de» Fabrikgesetzes die Ausführung de« Gesetzes von den Kantonsbehöeden an die Bundesbehürden übertragen werde."— „Der Arbeitertag hat mit Entrüstung die Nichtbeachtung de« Fabrikgesetzes aus allen Gaueu unsere« Vaterlandes vernommen und verlangt vom Bundesrath, sofort die Weisung an die Kantons- regierungen gehen zu lassen, dem Gesetze strikte nachzukommen, da- mit die Handhabung des Fabrikgefetzc» voll und ganz durchgeführt wird." In Betreff der Agitation für internationale Fabrik«- gefetzgebung schlug der Referent, Professor Vögelin, folgende Resolution vor: „Der schweizerische Arbeitertag ersucht den Bundesrath, die Unter- Handlungen mit den hauptsächlichsten Industriestaaten zum Zweck der Anbahnung einer internationalen Fabrikgesetzgebung weiter fortzuführen und jenen Staaten bestimmte Vorschläge in Sachen vor- zulegen." Dieselbe ward einstimmig angenommen, desgleichen die nachstehende Resolution, welche mit Rücksicht aus die Sprödigkeit der Regierungen, der Anregung der Schweiz Folge zu leisten, gestellt wurde: „Der Arbeitertag fordert da» Bktiouskomite auf, mit den Arbeiterparteien anderer Länder behufs Agitation für die mternationale Fabrikgesetzgebung in Verbindung zu treten". Zur Frage der staatlichen Alters- und Invaliden- Unterstützung stimmte der Arbeitertag nach kurzer Debatte den nach- stehenden Thesen de« Referenten Bernstein zu: „1. E« ist Pflicht der organisirten Gesellschaft dafür zu sorgen, daß ihre arbeitsunfähigen Mitglieder im ausreichenden Maße gegen Mangel geschützt werden. 2. Unter der Herrschast des Privateigenthum« und der kapita- listischen Produktionsweise ist die beste Form dieser Fürsorge die obligatorische Allers- und Jnvalidenversicher- ung auf b er u s» g e n os s ens ch asl li ch e r Basis mit Selbstverwaltung der Arbeiter, bezw. der dem Gesetz unterstellten Personen. 3. Die Mittel für die Versicherung sind aufzubringen zu einem Theil von den betheiligten Arbeitern, zum anderu Theil durch Staatszuschuß. 5. Dieser Staatszuschuß wird gebildet durch eine von deu Unter- nehmern einzuziehende Steuer für jeden von ihnen angestellten versicherungspflichtigen Arbeiter." Da die Frage der Alter»- und Invalidenversicherung auch in Deutsch- land demnächst zur Debatte kommt, so werden wir in einer der nächsten Nummern auch die Begründung dieser Thesen veröffentlichen. E» dürste da« um so eher geboten sein, als in Berichten deutscher Blätter arge Mißverstäudniffe untergelaufen sind. - Oesterreich. Die Theilnehmer an der Demonstration vom 10. August sind zu mehrmonatlichen G-sängnißstrafen, einer sogar zu vier Jahren Gesänguiß verurtheilt worden. Iu kleinerem Maßstabe fand am 6. September eine Neuauflage diese» Krawalls statt, welche gleichfalls nur den Zweck hatte, daß eine Anzahl Arbeiter hinter Schloß und Riegel gebracht, andere vou den wülhenden Soldaten schauerlich mißhandelt worden sind. Der Weber Schustaczek hatte aus den 6. Sep- tember eine Versammlung einberufen, welche von der Polizei verboten ward. Trotzdem hatten sich zur festgesetzten Stunde mehrere hundert Arbeiter eingefunden und die Polizei hatte es auch ruhig geschehen lassen, daß dieselben sich iu dem festge- setzten Lokale ansammelten. Dann aber gebot sie plötzlich Auseinandergehen, dem sich die Arbeiter nicht fügten, und so kam e» zum Handgemenge. Mit Hilfe requirirten Militär» ward dann die Straße, wie e» im Polizeijargon heißt,„gesäubert", wobei es, wie gesagt, an Brutalitäten aller Art nicht fehlte. Wir find nun keineswegs der Ansicht, daß jeder Widerstand gegen die Polizeigewalt schon dann zu verwerfen ist, wenn nicht die Sicherheit de» Siege« gegeben ist; e» gibt vielmehr Verhältnisse, unter denen wir jedem Versuch solchen Widerstandes zustimmen würden; aber der oben- erwähnte Fall trägt zu deutlich den Stempel der Polizeimache an sich, als daß wir ihu unter diese einzureihen vermöchten. Ganz zweifellos haben die Arbeiter einer Parole gefolgt, die unter ihnen ausgegeben wurde—„man wußte nicht, woher sie kam". Wer aber das Habsburgische RegierungSsystem kennt, wer den Vorgängen inSgesammt, die sich in der letzten Zeit in Wien abspielten(der wunderbare Merstallingerprozeß, die Vertheilung der anarchistischen Flugschriften gelegentlich der Wiener Brände sc.) einigermaßen gefolgt ist, der wird auch wissen, wohin die Fäden der letzten Affäre zurückführen. Die infamen Manöver der österreichischen ReaktionSklique wären eben nicht möglich, wenn nicht in Oesterreich und speziell in Wien die söge- nannten Sozialrevolutionäre noch einen verhältnißmäßig großen Einfluß auf gewisse Arbeiterkreise ausübten. Diesem Einfluß vermochten die Ein- sichtigen unter den österreichischen Sozialisten schon deshalb nicht erfolg- reich entgegenwirken, weil sie die Manöver gewisser„Anarchisten" der Oeffenttichkeit hätten aufdecken müssen— d.h. auch der Polizei. Und obwohl die Anarchisten durch ihr gemeines, verleumderisches Vorgehen jeden Anspruch auf Schonung verwirkt haben, so widerstrebt es doch jedem ehrenhaften Sozialdemokraten, der Polizei irgend einen Vorwaud zum Einschreiten zu liefern. Es ist eine sehr schwierige Lage, in der unsere Genossen in Wien sich befinden. Um so mehr ist ein Flugblatt zu begrüßen, welches in den letzten Tagen von ihnen ausgegeben wurde und seine Wirkung nicht verfehlen dürfte. Es trägt den Titel:„Die sozialdemokratische Partei Oesterreichs an die Arbeiter" und behandelt in klarster Weife die Fragen:„Wer macht Revolutionen, w i e macht man Revolutionen und warum macht man Revolutionen?" Die Streiche der Anarchisten werden darin in einer Weise gekennzeichnet, au« der hervorgeht, daß der Verfasser de» Flug- blatte» über dieselben sehr gut unterrichtet ist. Wir werden in nächster Nummer einige darauf bezügliche Auszüge aus diesem beachtenswerthen Dokument bringen, für heute mag es genügen, einige Stellen aus dem Schlußkapitel desselben wiederzugeben. „Die sozialistische Propaganda", heißt es da,„bedroht die herrschenden Klaffen in allen ihren Vorrechten, ihr Wachsthum ist ein Gegenstand de» Schreckens für Regierungen, Kapitalisten und Pfaffen, kein Wunder da- her, wenn man sie durch alle Mittel zu hemmen sucht. Auch in Oester- reich dehnte sich der sozialistische Jdeenkreis beständig aus, trotz Berfol« gung und Druck von Oben, trotz Verleumdung und Hohn seitens der gegnerischen Presse. Da versuchte man die Partei zu spalten; es gibt immer Unzufriedene und Jntriguanten, die, wenn sie nicht über da« Ganze herrschen können, Theile von der Partei lostrennen, um dort ungehindert terrorisiren zu können. Solche Leute waren immer von der Reaktion sehr gesucht, an sie drängten sich stet« Polizeispione, um ihnen zu schmeicheln, ihren Größenwahn zu kultiviren und sie so für die Dieuste gefügig zu machen, für welche die Polizei sie braucht. Nun werden die Arbeiter unter einander verhetzt, um leerer Schlagworte willen die Partei gespalten, die Vertrauensmänner verdächtigt und damit das Terrain für eine der Reaktion dienende Armee von Proletariern geebnet. Durch die raffinirtesten Mittel sucht man das Bewußtsein der Solidarität unter den Arbeitern zu ersticken, indem man eine recht„radikale" Taktik em- pfiehlt und alle Gegner derselben als Verräther und„Auchsozialisten" oder„Palliativsozialisten" verdächtigt. Nachdem eine hinreichend weite Kluft zwischen den Arbeitern geschaffen, geht man daran, Verschwörungen zu bilden und alle« für die Veranstaltung von Putschen vorzubereiten, von denen erwiesenermaßen die Polizei vorher immer genau unterrichtet ist. Um das Proletariat zu demoralistren, vielleicht auch, um einigen Hallunken Geld zu verschaffen, werden Raub, Diebstahl, Betrug als löbliche Thaten im Interesse der„Par- t e i", die aber bloS aus den Lumpen besteht, ane mpfohlen. Wer al» Lump, wer al» Fanatiker mitwirkt, ist dann natürlich nicht mehr zu unterscheiden. „In diesem Sumpf geht der Sozialismu» jämmer- lich zu Grunde, er wird zu einer scheußlichen Fratze verzerrt, die den Abscheu und den Eckel jedes ehrlichen Proletariers' hervorruft. Darum sagte auch der Mitarbeiter am Merstallinger- Attentate, der berüchtigte Hotze:„Die Prosessio nsbrüder(das heißt die wirk- lichen Arbeiter) können wir in unseren Klubs nicht brauchen." „Eine so präparirte Masse ist auch zu den wahnsinnigsten„Thaten" fähig, sie ist das Material für die Revolutionsmacher von Profession. Hat man es einmal soweit gebracht, dann ist nur ein Schritt zur„Ge- sellschaftsrettung"- Hat man den Bürger- und Bauernstand durch ver- rückte Gewaltthaten eingeschüchtert, ihn mit Grauen vor dem Sozialismus erfüllt, die moralischen Gefühle gegen die Sozialisten ausgestachelt, dann ist auch die Bahn frei für die niederträchtigste und erbarmungsloseste Razzia gegen die wirklichen Sozialisten, die mit Mördern, Räubern und Brandstiftern identifizirt werden. Die verrückten Fanatiker werden wie tolle Hunde niedergeschlagen. Die Reaktion triumphirt! *** „Arbeiter I Ihr seid hiermit gewarnt! Hütet Euch vor Jenen, die Euch zu„Thaten" auffordern, die sie selbst wohlweislich unterlassen. Folgt keiner Aufforderung zu Gewaltthaten, sondern verlauget von Jenen, die Euch dazu auffordern, s i e sollen mit„gutem" Beispiel vorangehen. Dann werdet Ihr hören, welche Ausflüchte sie ge- brauchen, um ihr eigenes kostbares Dasein nicht in Ge- fahr zu bringen. Trauet Jenen nicht, die Straßendemonstrationen veranstalten, selbst aber in sicherer Ferne bleiben und hintennach behaupten, die Demonstration sei au» dem Schooße der Arbeiterschaft selbst hervor- gegangen, sie seien nicht daran betheiligt gewesen. Ver- breitet unsere Prinzipien, schließt Euch an die öffentlichen Organisationen der Arbeiter an, sorget für die politische Aufklärung des Volkes, und Ihr werdet Euch um die Sache de« Proletariats wahrhaft verdient machen I Wer Euch aber zu Attentaten auffordert, zu Straßendemon- strationen verleiten will, wer gemeine Verbrechen empfiehlt, der ist ein Schurke, ein bezahlter oder u n b ez a h l t e r A g e n t d e r Reaktion." — Mehrere Arbeit erkongresse werden in den nächsten Tagen stattfinden. Am Sonntag, den 30. September, wird in Pari» der Kongreß der französischen Sozialisten St.Etienner Richtung eröffnet werden, während die Sozialisten Roanner Pro- gramms Milte Oktober oder noch später in Roubai xstagen werden. Die spanischen Sozialisten hatten ihren JahreSkongreß für die Dauer des Belagerungszustandes vertagt, und berufen denselben jetzt auf den 4. Oktober nach Valencia ein. Unter Anderem wird dieser Kongreß, wie die neueste Nummer der„Revista social" mittheilt, sich mit der Frage der sogenannten P a r c er i e(Theilhaber) v er tr ä g e befassen, d. h. einer Art Erbpacht. Da« anarchistische Blatt ist der Ansicht, daß diese Verträge zwar nicht die Lösung der sozialen Frage sind, wohl aber„da» praktischste und zuverlässigste Mittel, zu ihr zu ge- langen", weil sie, so heißt es weiter,„als Mittel zur Organisation der Landarbeiter nicht ihres Gleichen haben.„Sie erretten ihn— den Laudarbeiter— sofort au» den Krallen de« Lohnsystem» und de» Bettler- thums, indem sie alle Fragen, welche auf da» Bestehen der Arbeiter- vereine, die Organisation und Vertheilung der Arbeit, Bezug haben, in einfacher Weise dem Zivilrecht unterstellen, wo weder der Haß der Bourgeois noch der Hochmuth der Behörden etwa« vermag, foudern nur die Entscheidungen der Gerichtshöfe." „Mit dem Parcerievertrag erhält da» zahlreichste, schlichtest unterrichtete Element de« Proletariat» Lebensfähigkeit, da iu dem Augenblick, wo er abgeschlossen wird, der Großgrundbesitz die Form wechselt, zum unmittel- baren Nutzen de« Arbeiter», der durch ihn ein verbrieftes Recht auf das Land erwirbt, das ihm weder die spanische Bürgerwehr noch die stehenden Heere Europa'» entreißen können." Außerdem wird sich der Kongreß mit der Frage der gesetzlichen An- erkennung der Arbeitervereine befassen. Wie man sieht, sind die spanischen Anarchisten ein ganz eigenes Völkchen, so eine Art englischer Gewerkschaftler im proudhonistischen Ge- wände. Korrespondeuzen. — Bremeu.(Schluß). Der saubere Kriminalschutzmann Wolsson hatte die Frechheit gehabt, während Genosse Anders sich in Hast be- fand, in die Wohnung des letzteren zu dringen, nm von der Fran ein ihren Mann kompromittirendes Geständniß zu erzwingen, und als diese sein Ansinnen zurllckwie», that das verkommene Jndivi- duum, als wolle es der Frau Anders Fesseln anlegen uud sie so Uber die Straße schleppen. Durch dieses Manöver ward leider der Widerstand der Genannten gebrochen und wenigstens Belastungsmaterial gegen Ge- uosse Springer herbeigeschafft. Dieser Wolsson, ursprunglich Jude, trat zur lutherischen Konfession Uber, um im Dienste zu avancireu und seine Kollegen zu verdrängen. Er scheut kein Mittel, wenn es ihm zur Erreichung seines Bortheils geeignet erscheint; da er nun auch von einem gewaltigen Liebesdurst besessen ist, so treibt er sich des Abend« in deu Wallanlagen herum. Trifft er dort ein lustwandelndes Liebespaar, so versteht er, dasselbe einzuschüchtern, droht mit Verhastung, und schließlich muß in der Regel das Mädchen fich ihm ergeben. Dabei schuldet der Ehrenmann Juden und Christen, so dem Wirth B U s ch e r in der Faulenstraße seit 2 Jahreu eine ansehn- liche Zechschuld. Seine Frau ist das getreue Ebenbild ihre« liebenswürdigen Mannes. Die Bewohner der Neustadt wissen davon ein Liedchen zu fingen, denn der genannte Stadtrheil ist von der sittlichen Dame vorzugsweise zum Schauplatz ihrer Thätigkeit ausersehen worden. Fast allabendlich sucht sie mit ihrer kaum der Schule entwachsenen Tochter sogenannte Nacht- wirthschaften auf, fingt, deklamirt, läßt fich traktiren und für gute Be- Zahlung zu Dingen gebrauchen, vor denen selbst eine Prostituirte Abscheu empfinden würde. Sogenannte„Spazierfahrten, natürlich mit den Ber- tretern und Stützen unserer heutigen Religion und Sittlichkeit unter- nommen, gehören zu den gewöhnlichen Arten ihrer Liebenswürdigkeit. Soviel Geld nun aber auch die edle Dame auf diese lobenswerthe Art verdient, so gilt doch bei ihr da« Sprichwort:„Wie gewonnen, so zer- rönnen!" Krämer, Putzmacherin, Schneiderin, Manufakturhändler u. s. w. dringen vergeben« auf Bezahlung. Uud weshalb soll sie auch bezahlen? Ihr Mann bezahlt ja auch nicht. Jetzt geht Herr Wolsson mit dem Gc- danken um, seine Tochter an eineu Polizeibeamten zu verheirathen, der ihr Vater sein könnte— jedenfalls in der väterlichen Abficht, sein Kind vor der Helenenstraße zu bewahren.(Heleneustraße ist der Wohnort der Prostituirten und Bremer Staatsmonopol oder wenigstens, wie es selbst von kompetenter Seite fest behauptet wird, ein Privatunternehmen einiger SenatSmitglieder.) Warum sollte er auch seinen Sprößling in dieser Anstalt unterbringen? Wenn sie die achtbare Frau eines seiner Gefin- nuugs- und Standesgenoffen wird, kann sie, wie ihre Mutter, auf eigene Faust weit bessere Geschäfte machen. Seht, das ist der Mann, der zum Wächter der Sicherheit und Ord- nung eingesetzt ist! Bezahlt ihn, und er überläßt Euch seine Frau; bezahlt ihn, und Ihr habt seine Tochter! Denunzirt und leistet dabei einen Meineid, und er schneidet Euch selbst vom Galgen ab! Und Ihr, die Ihr eine Wirlhschast betreibt uud hohe Steuern und Abgaben leisten müßt, borgt dem Wolsson und mahnt ihn nicht, laßt seine Frau die tollsten Orgien in Euren Lokalen feiern— oder er könnte Euch bei passender Gelegenheit einen Denunzianten in'« Haus schicken, dessen Eid eilten hohen Gerichtshof veranlassen wird, Euch zu verurtheilen I Doch wir Sozialdemokraten können stolz daraus sein, daß man stets nur die verworfensten Subjekte, die längst ihres Postens hätten enthoben werden müssen, nur Leute, die längst das Zuchthaus verwirkt haben, gegen uns in's Feld zu führen vermag. Daß man keinen ehrlichen Mensch mehr gegen uns aufbieten kann, beweist, daß unsere Gegner mit ihrem Latein am Ende find. Wenn die„Weserzeitung" in ihrer Mittagsansgabe vom 17. August meint, daß die gegenwärtige Hochfluth der sozialdemokratischen Bewegung von der zunehmenden Verbreitung des Parteiorgans herrührt, so hat sie Recht. Recht hat sie, wenn sie glaubt, daß da« Organ in aufsteigender Entwicklung begriffen sei; wahr ist es, wenn sie annimmt, daß das Wach- sen der sozialdemokratischen Bewegung auf die Haltung de« Parteiorgan» zurückzuführen sei; Recht mag sie wohl haben, wenn sie sagt, daß die Sprache des Sozialdemokrat nachhaltiger aus die arbeitenden Klaffen eiuwirke, als ehedem die 40 oder 50 öffentlich erschienenen sozialdemokratischen Blätter— aber unwahr ist e«, wenn sie behauptet, daß fast jede Num« mer Verläumduagen und Verdächtigungen aller Art, und zwar unter vollster NamenSnenuung der Betreffenden, bringe, die niemals widerlegt würden, und daß Alles auf Treue und Glauben von den Arbeitern hin- genommen würde. Ist das wohl auch Verläumdung, ehrbare Herren von der„Weser- zeitung", was wir in dieser Korrespondenz berichteten? Da« Berichtete hat sich doch unter Ihren Augen zugetragen. Ziehen Sie nur mit aller Sorgfalt über diesen Punkt Erkundigungen ein, und Sie werden Alles vollauf bestätigt finden. Ja, noch mehr, wir find im Befitze noch ganz anderer Geschichten. Jetzt haben wir nur einen niedriger stehenden Schuft dem Publikum gezeigt, aber schließlich könnten wir auch einmal höher greifen. Material ist vorhanden, nur sei erst Uber die Echtheit desselben Erkundigung eingezogen, und dann, wenn es sein muß, lassen wir die Kanonen spielen. Gerne glauben wir, daß da» Vorhandensein unsere« Parteiorgans ver- schiedenen Leuten recht unangenehm ist, allein sie selbst haben un« in ihrer Verblendung diese Waffe in die Hand gedrückt. Es soll sein ein zweischneidig Schwert, da» wir schwingen den Armen und Unterdrückten zum Heil, den Schurken und Ausbeutern zum Verderben; es soll sein eine HeilaudSgeißel, mit der wir die Volksrecktverschacherer aus dem Tempel de« Volkes hinauStreibeu; e» soll sein eine Laterne, die mit ihren hellen Strahlen nicht allein die Dunkelheit verscheucht, soudern auch Dem plötzlich ihren Lichtschein in's Geficht wirft, der sich aus Schleich- wegen befindet, fich unbeachtet glaubt und ungestört seine Schurkenstreiche auszuführen gedenkt, bis einst, Sieg und Glück verkündend, überall die rothe Fahne weht. Jenen, die uns mit Material versehen, um schurkische Beamte an den Pranger zu stellen, unseren Dank; weiterem Material sehen wir unter Zusicherung strengster Diskretion ebenfalls dankend entgegen, bis zum Mindesten zunächst der Beamlenstand von Schwindlern, Betrügern:c. gereinigt wird. Der gemeinsame Schlachtruf laute: Krieg den Schurken überall! Rüdiger. — Iserlohn, Anfang September. Zur Eriunerung an Lassalle'» Todestag war an dem bei der Stadt gelegenen Fröndenberg- eine mächtige rothe Fahne so aufgepflanzt, daß sie in der ganzen Stadt und Umgebung sichtbar war. Freitag Morgen wäre dieselbe jedoch vou einem Polizeidiener und Flurschützen von der Stange gerissen und mitgenommen. Da«„Mitnehmen" verstehen unsere Polizeiseelen aus dem ff! Polizei und Schandarmerie recherchirten übrigens am Mühlenberg uud dem Wasserbaflin nach den rothen Fähnrichen. Aus letzterem war nämlich vor Jahressrist die rothe Fahne aufgehißt. Wir werden den Machern des Sozialistengesetzes und der allem Recht und Gesetz hohnsprechenden Polizeiwillkür zeigen, daß wir auf da» infame Gesetz etwa» pfeifen! Im Uebrigen empfehlen wir gewissen Leuten folgenden Satz aus Zschokke'» Anthologie(im Fragmente Freiheit): „Ein Staat, welcher die eine oder die audere Art der Freiheit ver- nichtet durch seine Gesetze, vernichtet damit deu Plan und die Ordnung der Schöpfung, verkrüppelt die Menschheit, ist widernatürlich und der Auflösung wert h." — Oschatz in Sachsen. Der konservative Prügelheld von R o t e n h a n hat in unserer Stadt würdige Nachfolger gesuuden, und wir haben um so mehr Ursache, dieselben im Parteiorgan zu brand- marken, als die beiden hiesigen Wurstblältchen in schändlicher Weise alles tödtschweigen, was der sogenannten hohen Obrigkeit m irgend einer Weise Verlegenheit bereiten könnte. Am 30. Mai hatte der Sohn eine» armen Arbeiters da« Unglück, eine Ente todtzuwerfeu. Der Eigenthümer, der R e st a n r a t e u r Leonhard, der die Ungezogenheiten seine« eioenen Jungen gänzlich übersieht, hatte nichts Eiligeres zu thun, als e» einem bei ihm verkehrenden Polizeibummler anzuzeigen, und dieser er- staltete sosorr Bericht an den gestrengen Herrn Bürgermeister, welcher den Knaben auf das Ralhhau« bestellte, und ihn alsdann dem Schuldirektor S i e b e r zur Bestrafung übergab. Auffallend war dabei nur, warum der Herr die Bestrafung nicht selbst vollzog, denn er ist ein hier rühm- lichst bekannter P r ü g e l m e i st e r, der bis dahin die Bestrafung höchst eigenhändig vollzog und schon so mancher Knabe war von ihm auf die Bank geschnallt worden. Vielleicht hielt ihn eine kurz zuvor bei solcher Gelegenheit pasfirte Fatalität ab, oder er wollte seinem Freunde Sieber auch einmal einen derartigen Hochgenuß verschaffen. Jedenfalls erwie» sich dieser Pädagog als der rechte Prügelheld. Denn der hochgebildete Herr schnallte den Knaben fest und bearbeitete den Aermsten derart mit einem Rohrstocke, daß derselbe, als man ihn wieder abschnallte, bewußtlos zusammenbrach. Nachdem er sich wieder erholt hatte, stellten fich Symptome von Geistesstörung ein, zu denen noch Krämpfe hinzn- traten. Der Junge schrie Tag und Nacht, weil er in seiner Phantasie seine Peiniger auf sich eindringen sah. Diese brutale Handlung eine» Schurken, welcher selbst nicht weiß, was Kinder den Ellern Werth sind, (denn er befitzt keine) hatte den Knaben so ruinirt, daß er in Folge dessen am 8. Juni starb. Die Aufregung unter der Bevölkerung hatte jetzt ihren Höhepunkt er- reicht, was der Orduungsbande sehr unbequem zu werden schien. Sie suchten daher nach einem Retter m der Roth, welcher fich auch in der Person de» Bezirksarzte» Dr. Siegert fand. Dieser Siegert, welcher eigentlich Bezirkspfuscher genannt werden könnte und auch ge- nannt wird(Privatpraxis befitzt er fast gar keine; au» mehreren Kassen, in welchen er als Arzt fungirte, wurde er herausgeworfen, nur die Stadtkrankeukasse beschäftigt ihn noch, weil die weisen Stadtväter ihren Freund nicht auch blamiren wollen), dieser Siegert mnßte den Knaben untersuchen und konstatirte, daß derselbe nicht an den Schlägen, sondern am Scharlachfieber gestorben sei. Der Bürgermeister beeilte sich denn auch, diesen Befund amtlich bekannt zu machen, und der To�dtschlä- ger Sieber war entsündigt und dem Zuchthause bis auf Weiteres entrückt. Das Volk aber behauptet nach wie vor, daß der Knabe doch an den Folgen der Prügel gestorben ist. Man sollte nun meinen, daß der Prügel- Held nach der That sofort seines Amtes verlustig erklärt oder mindestens Untersuchung über ihn verhängt worden wäre, doch davon schreibt Paulus nicht»— er fitzt nach wie vor in Amt und Würden. Bei der Beerdigung stellte der Pfaffe den Tod des Knaben als eine„Fügung Gottes" hin. Mehrere Stimmen au« dem zahlreichen Publikum aber schrien: „Ja t o d t g e s ch l a g e n hat man ihn!" Die Polizei, die sonst ihre Nase überall hat, und mit Schleppern, armstarken Knüppeln k. da- herschleicht(als ob mau in Rußland lebte), hielt sich, wahrscheinlich auf Befehl, fern. Nun ein Gegenstück: Bor längerer Zeit steckte der Sohn eines hiesigen reichen Kaufmann» und Droguisten das Hau« seine» Vaters zweimal in Brand, und da jedemal nur der Tachstuhl brannte, so versuchte es der Schlingel das drittemal im Keller, wobei man ihn erwischte. Dafür hätte er nun nach der Logik des obigen Falles wohl mindestens zweimal sodtgeprügelt werden müssen? Bewahre! Das war ja der Sohn de« reichen Kaufmann Müller, während der todtgeprügclte uu- glückliche Ententödtcr nur der Sohn eines Arbeiters war und als Brandstifter mindestens sofort nach der Besserungsanstalt Bräun» darf gekommen wäre. Der dreifache Brandstifter Müller aber wurde „standesgemäß" nur nach Dresden in Pension gegeben. Nicht wahr, schöne Logik? Für eine Ente todtwerfen, wird der Sohn de» Armen todtgeschlagen, der reiche jugendliche Taugenichts aber, der ein Haus m e h r m als anbrennt uud damit einen ganzen Stadttheil gefährdet, kommt in Pension. Ein rühmenswerther Ehrenmann ist auch der hiesige Lehrer Sei- f e r t, welcher seinem Geficht nach eher einem Jesuiten als einem Volks- bilduer ähnelt. Dieser Schurke trieb voriges Jahr mit seinen 12— 14jährigen Schülerinnen derart unsitt- liche Handlüngen, daß man im Publikum ernstlich meinte, er werde in Untersuchung gezogen werden und mindesten» 1—2 Jahre Ge- säugniß oder Zuchthaus bekommen. Die einzelnen Schmutzereien dieses Schurken find haarsträubender Natur. Was geschah aber? Um der öffentlichen Meinung etwa« nachzugeben, wurde Seyfert aus einem Oberlehrer ein„gewöhnlicher" und statt der großen Schülerinnen bekam er die kleinsten. Er ist jedoch schon wieder bi» zur 2. Klasse ausgerückt. Der schon vorhin erwähnte Bürgermeister— Härtwig ist sein Name—, welcher wegen seiner schändlichen bei der letzten Reichstagswahl entwickelten Polizeiwillkllr vom Abg. Liebknecht im sächsischen Landtage angenagelt wurde, konnte die Schandthaten seiner Person und die seiner Spitzel nur durch die Hervorbringung mehrerer Lügen decken. Streiks, wie von anderwärts, sind von hier nicht zu melden. Die Arbeiter sind hier von den Fabrikanten so eingeschüchtert; so schwer gedrückt, daß sie es nicht wagen, ihr Haupt auftecht zu halten; suchen sie ja doch fast jede Begegnung mit bekannten Sozialisten zu meiden. E« ist ihnen allerdings unter AndrohungsofortigerArbeit»- entlasfung verboten, mit Sozialisten Um gang zu pflegen. Da verstehen es die Herren Beamten der Stadt anders, die verlangen vom Bürgermeister bis zum Rathsdiener Lohnzulage, und damit ja keine Störung eintritt, wird drauflos bewilligt, natürlich au» dem Säckel der Steuerzahler. Ueber unfern Günther- Saalhausen, diesen Erzreaktionär, der unfern Kreis im Reichstag vertritt, wollen wir, um Raum zu sparen, hinweggehen; erwähnt sei nur, daß er der Busenfreund des Ackermann ist, und als solcher natürlich für die Arbeitsbücher eintrat. Leider konnten wir in der Krage der Arbeitsbücher nicht selbständig vor- gehen, da un« zu Versammlungen jeder Saal von den Wirthen mit dem Hinweis verweigert wurde, daß ihnen das Militär entzöge» würde. Der Gewerbeverein, der doch meisten» aus Spießbürgern besteht, wollte für die Arbeitsbücher agitiren, und als sich ein Lehrer B e r u h a r d(liberal) zum Wort meldete und da» Treiben der Gewerbevereine als reaktionär bezeichnete, wurde ihm vom Vorsitzenden, Lehrer Holzmüller(konser- vativ), da» Wort entzogen. Selbst eine Versammlung einzuberufen, dazu fehlte e« den Liberalen an Muth. Wir wollen für heute schließen, und behalten un« vor, die Herren Au«- beuter und Leuteschinder bei ihrem Thun und Treiben auch ferner ge- hörig zu beobachten, und ihnen aus die verbrecherischen Finger klopfen. Euch aber, Arbeiter von Oschatz, rufe ich zu: Fasset Muth! Laßt ab von Eurer Gleichgültigkeit gegenüber der großen Arbeiter- bewegung l Je mehr Ihr Euch duckt, um so mehr tritt man Euch, nur der wird heute geachtet, der sich durch energische» Auftreten Geltung verschafft. Darum zögert nicht länger, schließt Euch der Sozialdemo- kratie, der Partei de» arbeitenden Volke» an, zeigt, daß Ihr entschlossen seid, um jeden Preis für Euer gute« Recht zu kämpfe». Ohne Kampf kein Sieg! Uud der Sieg muß unser werden! Der rothe Strahl. — HechtSheim, bei Mainz, im September. E» wird für manchen Leser de«„Sozialdemokrat" von Interesse sein, wenn ihm auch einmal etwa« Erfreuliches von unserem Orte mitgetheilt wird. In ganz Hessen baben in diesem Jahre die Ersatzwahlen zum Gemeinderath stattzufinden. Hier fanden sie am 22. August statt, und hatten die hiesigen Genoffen hierzu 3 Arbeiter al« Kandidaten aufgestellt, welche auch al» Sieger au» der Urne hervorgingen. Die Liberalen und die Ultramontanen, die je 3 Kandidaten aufgestellt hatten, waren über ihre Niederlage ganz verblüfft, al» da« Resultat bekannt wurde. Diese Herren, welche fich einbildeten, sie hätten die Sitze im Gemeinderath gepachtet, haben sich diesmal ge- täuscht. Wie in unserem Orte die Bewegung fortschreitet, davon liefern die folgenden Zahlen den besten Beweis: Im Jabre 1874 bei der Reichs- tagswahl hatten wir 4 Stimmen, 1877: 34; 1378: 72; 1381: 142; bei der Stichwahl 1881: 241 Stimmen; und bei unserer jetzigen Ge- meinderathswahl, bei welcher blo» diejenigen wählen dürfen, die ihre Umlagen bezahlt haben und wobei auck viele Arbeiter fich der Wahl ent- halten hatten, weil sie auf keinen Erfolg rechneten, brachten es unsere 3 Kandidaten auf 110, 109 und 99 Stimmen. Zum Schluß will ich noch bemerken, daß unsere Herren Liberalen die Wahl beanstandet haben und hierbei folgende Gründe angaben: Ts habm nämlich einige Liberale ihr Wahlrecht ausgeübt, welche mit ihren Um- lagen im Rückstände waren, aber mit der Gemeinde in Rechnung stehen. Nun ist aber bei früheren Wahlen ebenso versahreu worden, und Jeder durfte wählen, welcher ein Guthaben von der Gemeinde zu beansprnchen hatte. Zwei von den„rückständigen" Liberalen waren sogar im Wahl- vorstand(wovon der eine, ein Pascha rohester Sorte, au» dem Gemeinde- rath auszuscheiden hat und auch glücklich für immer ausgeschieden sein wird), und gerade diese Beiden haben die Wahl beanstandet, welche sie geleitet haben. Wer lacht da nicht? Ts Hilst ihnen aber alles nichts, denn sollte e» wirklich zu einer Neu- ______ wähl kommen, dann werden unsere Kandidaten ganz sicher die dop pelte Stimmenzahl erhalten, da wir noch eine bedeutende Reserve haben, und auch fast der ganze Ort über das Gebahren der Liberalen entrüstet ist. Der Sieg muß unser bleiben! M. K a ch r« f. Wiederum hat uns der Tod zwei brave Genossen entrissen! Am 4. September starb nach langen und schweren Leiden unser treuer Freund und Genosse Otto Eichler, Tischler, im Alter von 29 Jahren, und Genosse Posern, Maurer, am 11. September im gleichen Alter. Eichler war einer der Ersten, welche, als der Belagerungszustand über Hamburg verhängt wurde, von da ausgewiesen wurden. Durch diese schuftige Maßregel existenz- und subsistenzloS gemacht und daher mit der bittersten Roth kämpfend, erwarb er fich den Keim zu seiner Krank- heit, von der er fich nicht wieder erholen sollte. P o s e r n, welcher an der Kehlkopsschwindsucht starb, hat sich fein Leiden in der Moltke'schen Bildungsanstalt geholt; er hatte fich al« Soldat bei einem Manöver eine Erkältung zugezogen, woraus sich seine Krank- heit entwickelte, der er erlegen ist. Beide Genossen standen stets, wann und wo es immer galt, für unsere Sache zu wirken, iu den vordersten Reihen der Kämpfenden. Darum Ehre ihrem Andenken! Die Parteigenossen von Dresden und Umgegend. Quittung. Für die schlesischen Wasserzeschädigten find 1200 M k ausgezahlt worden. Zu dem Restfond ist feit der letzten Abrechnung noch der Betrag von 32 Mk. 98 Psg.— durch Herrn Rudolf in Brooklyn, an Bebel adressirt— gekommen. B o r s d o r f, 2. September 1883. Wilhelm Liebknecht. Friedrich Vogeuitz, Zigarrenarbeiter in Newyork, wird ersucht. seinem Bruder eme Nachricht von sich zukommen zu lassen und seine Adresse mitzutheilen. A. V o g e u i tz, Schriftsetzer, A l t e n b u r g(S.-A.), Kunstgaffe 17. Freund H. W, Leipzig! Die Listen habe ich schon vor einem halben Jahre an den„S.D." geschickt. Siehe Quittung in Nr. 10 1883. Rücksendung der Listen an Euch unter- blieb deshalb, weil es mir an sicherer Adr. mangelte. H. Dähuert, Philadelphia, 1749 South 13 Str. Brieftaften der Redaktion: Em. K. in Md.: In nächster Nummer. Besten Gruß I— Köln,„BikariuS", Pforzheim,„Urtheil" contra Lehmann: desgleichen. der Expedition: Rother Hahn: Bestllg. vom 14/9. crh., folgt, � — Lüneburger Haide: Wir können doch nicht wissen, wie viel Sie N. schulden. Schreiben Sie'».— Hameln'scher Reichstagswahlkreis: Mk. 15,-� f. d. Kongreßkosten angenehm. Spezialqttg. folgt, sobald Abrechnung in unserer Hand. Bfl- Weitere«.— Rother Boigtländer: Der Teufel weiß, woran da« liegt. Weiteres kapirt.— Ferd.: Alle« hier. Marschirt leid- lich.— K. G. Z.: Fr. 2,30 Abon. 3. Qu.-c. erh. 20 Cts. pr. Agsd. dkd. verw.— E. Ae. Bds.: 20 Tt». Porto erh.— Berrina: Mk. 2,— s. 2 Expl. Fbrg. erh. Bfl. Weitere».— Maulwurf Gz.: Mk. 60,— st Cto. erh. Bf. erwartet.— A-n: öwsl. 1,20 s. Schst. erh. Schade, daß Sie Adreffe vergessen haben.— Därmig: Mk. 44,05 f. Ab. 1. und 2. Qu. u. Schst. erh. Weitere» besorgt. Gruß!— Unversönhnlicher: Mk. 110,— durch Ihn. erh. und mit Bf. v. 15/9. direkt Mk. 24,40, welche laut Borschrift pr. Ab. u. Schst. gutgebracht sind. Mk. 6,— dir. Ab. 4. Qu. 83 und 1. Qu. 84 f. 2 Expl. reichen nicht, da Mk. 1,60 pr. Expl. Portozuschlag.— E. F. Lgtz.: Mk. 8,— f. Schft. erh. Sdg. folgt.— F. H. Bgz: Mk. 3,20 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Bldr. abges. Z - Bhvr. Bukarest: Fr. 6,45 s. Schft., Fr. 2,50 f. Ab. 4. Qu. uud Fr. 3,36 pr. Agsd. dkd. erhalten.— Arb.-W.-Chronik, Pest: Fr. 5,— für div. Schft. erh. Sdg. am 13/9. abges.— Komm. A.-B.-Ber. London: Fr. 50,40(2 Lstrl.) erste Rate in Baar und Mk. 15,50 pr. Gegen- rechnung v. Lke. erh. Fr. 50,40 2. Rate eingetr.— Bers. St. Gallen: Fr. 13,90 f. Schft. erh. durch B.— Columbu»: Mk. 50 st Cto. Abon. w. gutgebr.— Moorbrenner: Mk. 40,— st Cto. Ab. ab Hzg. erhalten. Weitere» notirt. Dckadr. folgt.— K. i. W.: Mk. 3,20 Ab. 4. Qu. erh. Gewünschte» Haber wir nicht. Soll(pr.„Berliner BolkSzeitung") heran»- gegeben von Philipp für Mk. 3,— zu haben sein.— Rother Z.: Mk. 2,50 zuzüglich Mk. 19,10 Guthaben Ab. 3. Qu. erh., gutgebr. Bfl. mehr. Anzeigen. Soweit der Borrath reicht, sind bei un« zu haben Einzelabzüge de» Gedichte»: Gedanken eines Softalijien im Gefängniß. Bon Daniel Lehmann- Preis pro Exemplar: 2 Psg.(2 Cts.). Porto extra. 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