«•«•«tu« ,»«««» Zürich(Schweiz) »»I»«b«chhan»luns H«ttwg«i»-Zarich. Iiffntssira ftanco zegi» ftanco. »twdhnliche Briefe »aft der«chv ei, kosten Doppelporto. Der S�iaAmoKrat >entral'Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Avottaemmts werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim»erlag und dessen belannien Agenten entgegengenommen und zwar zum voran« zahlb aren Vierteljahr»))»!« von: gfr. 2.— für die Schweiz(Rteuzbank) Ml. S.— für Deutschland ICouvert st. l. 70 für Oesterreich«louvert> Fr. 2. S0 sllr alle übrigen Länder de« Weltpostvereins lKreuzband) Zuserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 St».-- 20 Pfg. R: T3. Ztonnerslag, t8. Oktober 188S. Zii»« U» aü|nrtf(r»«4f*im de»«LisialdnuKrit". Sa der.Sazialdemolrat- sowohl w Dentschland al, auch in Oesterreich verb-ten ist, bez«. versolgtwird.nnd die dortigen »ehSrden stch alle Mühe geben, unsere verdtndungen nach jenen Ländern»älllichst iu erschweren, resp. Briese von dort an UN» «>d unser- Zeitung», und sonstigen Sendungen nach dort abzusangen so ist die inz-rst- vorstch« im �ostverkehr nothwmdig und darf lein« Borfichlimaßregel versäumt werden, die Briesmarder«der den wahren Absender und«Ntpsäng-r. sowie den Inhalt der»endungen ,» täuschen, und letzter- dadurch zu schützm. Haupt-rsord-rui» ist hi-zu einerseit», daß unser« Freunde so selten al» möglich an den.Sozialdemolrat', resp. deffen«erlag selbst-dr-sfir-n, sondern sich möglichst an irgend ein- unverdächtige Adreffe außerhalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welch- stch dann mit UN» in Verbindung setzt; anderseit» aber, daß auch un» möglichst unverfängliche Zustellungiadresten mitgetheilt werden. Zn zweifelhaften Fällen-mpfiehlt sich behufi größerer Sicherheit«ekommandirung. Soviel an un» liegt,»erden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten den»Sozialdemokrat� unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Partetgenosscnl Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Trog und Stall. Welch' eine herrliche Gesellschaft ist es doch, in der wir leben I Nie zuvor hat die Menschheit auch nur Annäherndes geleistet in der Hervorbringung von Allem, was das Leben angenehm zu gestalten, zu verschönern geeignet ist. Jeder Tag fast bringt neue Erfindungen, neue Entdeckungen auf dem Gebiete der Technik; immer vollkommener werden unsere Werkzeuge, immer mehr wird die Natur in ihren verschiedenen Formen in den Dienst der Menschheit gespannt, Entfernungen verschwinden gegenüber den Leistungen unserer großartigen Verkehrsmittel, und Dank Alledem verfügt die heutige Gesellschaft über eine wahrhafte Unsumme von Genußmitteln aller Art, über einen Reichthum, der AlleS übersteigt, was jemals die Phantasie früherer Jahrhunderte sich erdacht. Paläste um Paläste entstehen, mit einem Komfort ausgestattet, daß man sich in ein Paradies auf Erden versetzt glauben möchte, wenn man sie betritt. Immer neue Magazine aller Art thun sich auf, voll der Herr lichsten Gegenstände, die nur Desien zu harren scheinen, der ihrer bedarf. Man sollte meinen, daS goldene Zeitalter sei gekommen, die Menschheit schwimme imUeberfluß, das Wort Mangel sei au« ihrem Wörterbuch gestrichen. O es könnte gewiß so sein, aber eS ist nicht so. Und daß es anders ist, dafür sorgt mit allen Mitteln unsere herrliche Gesell- schaft, die sich stolz die zivilistrte nennt. Wohl herrscht heute Ueberfluß, aber nur eine kleine, verhält- nißmäßig sehr kleine Anzahl erfreut sich desselben. Die weitaus größte Zahl unserer Gesellschaftsmitglieder, und zwar gerade Die, welche alle die herrlichen Produkte, mit denen die herrschen- den Klassen sich brüsten, erzeugen, sie leiden Mangel, bitteren Mangel am Nothwendigsten. Bis in die entlegensten Welttheile senden die Besitzer der Produktionsmittel ihre Agenten, um Käufer für ihre Produkte zu finden, während in ihrer Nähe Tausende, Hunderttausende, Millionen sich befinden, welche diese Produkte nölhig hätten, wenn— unsere herrliche Gesellschaft nicht wäre, wenn jenes wundervolle Produktionssystem, die Lohnsklaverei, nicht bestände, die zur nothwendigm Folge hat, daß die Einen, die wenigen Reichen, immer reicher, die Anderen, die große Masse der Arbeitenden, immer ärmer werden! Ein wundervolles System! Sein größtes Wunder besteht freilich darin, daß die unter ihm Leidenden nicht schon längst mit gewaltiger Faust dareingeschlagen und ihm eine Ende gemacht haben. Ebenso wundervoll wie das System sind jedoch die Mittel und Wege, welche seine Träger einschlagen, um es solange als möglich aufrechtzuerhalten. Mitten in einer Gesellschaft, deren ProduktionSkraft eine so große ist, daß ihr nur E i n c S zur vollen Entfaltung fehlt: der Absatz, predigen sie dem Volke Entbehrung, mitten im Ueberfluß von Waaren, die verderben, weil eS an Käufern fehlt, zerbrechen sie sich den Kopf nach allerhand Methoden, dem Volke das— Sparen beizubringen. Spare, entbehre! räth der liberale Manchestermann dem Proletarier, der nichts zu essen hat;— entbehre, spare! ruft der christlich-konservattve„Arbeiter- freund" seinem„lieben Bruder" zu, nachdem er ihm den kargen Lohn gekürzt. Nach der Logik diese? edlen Brüderpaares— denn so bitter sie sich auch befehden, so sind sie doch Brüder in der Ausbeutung— braucht der Arbeiter eigentlich weiter nichts als eine Abfüttmingsanstalt und eine Schlafstelle: Trog und Stall! Da treten sie in Komites zusammen und gründen„Arbeits- kolonien" und„Verpflegungsstattonen" für arbeitslose Handwerts- burschen und thun noch, als ob sie ein wunderbar gutes Werk damit verrichten. Aber die Verpflegungsstationen sind nichts als AbfütterungS- undAbschiebungS anstalten, die jeder Arbeiter, der noch einen Funken von Ehrgefühl hat, meidet, sie gewähren Dem, der auf sie angewiesen ist, gegen eine entwürdigende Arbeitsleistung Trog oder höchstens Stall und Trog, worauf sie ihn bei Strafe der sofortigen Ueberweisung an die Polizei schleunigst weiterschieben*), während die famosen Arbeitskolo- *) Wir hatten Obige« bereit« geschrieben, al« un» von« a r l« r u h e ein Erlaß de« vom grundherrlichen Adel in die erste Badis che Kammer gewählten Kammerherrn von Bodman zugeht, der für den Landbezirk Karlsruhe Verpfleguugsanstalten empfiehlt, deren Leistung in einmaliger Mahlzeit— Suppe und Brod— und bei vorgerückter Abendstunde in Nachtquartier im Arrestlokal auf Strohsäcken besteht. Dafür wird dann da» Umschauen nach Arbeit vir- b o t e u I Nur weiter so, uud Ihr werdet den lammfrommsten Arbeiter zum verbifiensten Gegner Eurer herrlicheu Gesellschaft gemacht haben! n i e n dem entblößten Proletarier gegen strenge Arbeit solange Trog und Stall gewähren, bis er— bei Unterbezahlung— soviel „verdient" hat, daß er wieder weiterwalzen kann. Und wie dem ar- beitsuch end en, so auch dem in Arbeit getretenen Proletarier. Arbeiterwohnungen und Volksküchen, da8 ist die höchste Leistung der heutigen Gesellschaftsklassen gegenüber der großen Masse der Besitzlosen. Trog und Stall, was verlangt der Mensch noch mehr? Glaubt Ihr etwa, wir übertreiben? O, Ihr kennt unsere herrschende Gesellschaft schlecht. Die fortschrittliche„Minde- ner Zeitung" z. B. jammert sogar in ihrer Nummer vom 10. April noch über die im dortigen Kreise eingerichteten Verpflegungs- anstalten, die dem reisenden Arbeiter gegen Straßenreinigcn:c. eine einmalige elende Kost und dito Lager gewähren: „Bequemer wie eS jetzt mit der Verpflegung der wandernden Gesellen gemacht ist, kann eS kaum werden. Viele werden in Folge dessen bei guter Jahreszeit eS vorziehen, im Lande umher zu ziehen, statt zu arbeiten." Trog und Stall, das ist nach Ansicht dieser Helden des Liberalismus der Gipfel des LuxuS für die Arbeiter! Und wie die christlich-konservativen„Arbeiterfreunde" von den Bedürfnissen der Arbeiter denken, lehrt unS die erzkonservative, in„Sozialreform" machende Königsberger„Ostpreußische Zeitung" vom 12. Oktober. Da wird von einer Anstalt des„Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Gettänke" erzählt, die am so vielfach denkwürdigen 13. Oktober"(bekanntlich Jahrestag der Schlacht bei Leipzig, wo das deutsche Volk 3 Tage lang gegen Napoleon für die Freiheit— seiner Fürsten kämpfte) er- öffnet werden soll, und folgendes verlockende Loos, welches den Königsberger Arbeitern alLdann bevorsteht, entworfen: „Herr Kronemann hat in seiner Bahnhofrestauration Versuche angestellt und ist zu dem Resultate gekommen, daß sich'/2 Liter trinkb aren Kaffees für 5 Pfg. uud einen kleinen Bruch theil eines Pfennigs herstellen läßt, und ist demnach der Preis für daS konsumirende Publikum auf 6 Pfg. festgesetzt. Außerdem sollen in dieser Schenke nur noch Thee, Butterbrod und ganz billige Fleischwaare verabfolgt werden. Die Bereitung und der Verkauf unseres Nattonalgerichts„Fleck"(eine auS sog. Kutteln bestehende Suppe) ist in Aussicht genommen. Unsere Ar- beiter können dann in der That nicht klagen, daß für sie nicht gesorgt ist. Wenn Einer Morgen« und Abends je'/a Lit er Kaffee trinkt, Abends noch für 5 Pfennige Fleck ißt, fein Mittagessen aus der Volksküche für 8 Pfennige entnimmt und zu allen diesen Mahlzeiten vielleicht für 20 Pfg. Brod verzehrt, so hat er für 36 Pfennige eine vollkommen ausreichende, gesunde und kräftige Tagesnahrung." In der That, das reine Sybaritenleben I Man denke sich z. B. einen Schiffs- und Speicherarbeiter, und gerade diese sind in's Auge gefaßt, der den ganzen Tag in der freien Luft arbeitet, wie wohl er sich bei solcher Kost fühlen muß! Morgens i/4 Liter„trinkbaren" Kaffees— was ist nicht Alles trinkbar!— und für 5 Pfg. Brod, und dann bis Mittag Luft, frische, nordische Luft; Mittags für 8 Pfg.„Volksküche" und für 10 Pfg. Brod; dann wieder— Luft bis Abends, wo der Arbeiter für 5 Pfg. Fleck,'/» Liter Kaffee und für 5 Pfg. Brod schmaust— kann man sich einen reichlicheren— Trog denken? Daß die Arbeiter bei solcher Opulenz sich den Genuß von Spirituosen vollständig abgewöhnen werden, namentlich angesichts des guten Beispiels, welches ihnen die ostpreußischen Magnaten in dieser Beziehung geben, wer wollte daran zweifeln? Jndeß nicht um diese Frage handelt es stch hier, sondern darum, wa« nach Ansicht der herrschenden Klasse die„Vernunft- gemäßen Bedürfnisse" deS Arbeiters find. Daß der Arbeiter essen muß, um zu leben, läßt stch nun einmal nicht wegdispu. tiren, die lebendige Maschine muß so gut geheizt werden alS jede andere. Daß aber die lebendige Maschine schließlich auch noch andere Bedürfnisse hat, al« tagaus tagein dasselbe Futter in Wärme und weiter in Arbeit umzusetzen, waS geht daS diese braven Menschenfreunde an? Hier steht der Trog, nun friß daraus! So sicher sind die Herren, daß der Arbeiter nunmehr in Ueber- fluß schwelgt, daß er nach ihrer Ansicht von dem„ansehnlichen Rest" seines Lohnes nicht nur einen sehr geordneten Haushalt führen, d. h. Frau und Kinder ernähren, kleiden, logiren ic. kann, er muß auch„sehr nennenswerthe" Ueberschüsse machen, und damit kr diese nicht etwa zu sündhaftem Luxus verwende, ertönt in der- selben Notiz als Schluß der Mahnruf: Sparen! Wir haben es euch ja so bequem gemacht! Postsparkassen, Pfennigsparkassen, Schulsparkassen, Sparmarken, also spart, spart, spart! Spart, während sich die Magazine, in denen die Erzeugnisse eures Fleißes feilgeboten werden, von Tag zu Tag an Zahl, Ausdehnung und Inhalt vermehren, während die Besitzer der- elbm jammern, daß eS an Käufern fehlt; spart, während Hun- derttausendc, nach Arbeit suchend, umherlungern und nichts zu essen haben, weil zu viel Genußmittel vorhanden sind, spart, spart, spart, ihr Erzeuger alles Nützlichen und Schönen! Trog und Stall für euch, während eure Erzeugnisse ver» derben I Das ist die Weisheit der heutigen Gesellschaft! Das ihr Heilrezept gegen alle Uebelstände unserer Epoche! Ihre Vertreter schimpfen auf den Kommunismus mit seinen Gleichheitsideen, sie höhnen über den Gedanken, alle Gesellschaftsmitglieder nach Maßgabe des gesellschaftlichen Reichthums mit Wohnung, Lebens« und Genußmitteln zu versorgen— sie, die sich damit brüsten, wenn sie für die große Zahl der Arbeitenden Quartiere und Küchen herrichten, die tief unter dem Niveau der Neuzeit stehen, die ein Hohn sind auf die Produktionsfähigkeit unserer Epoche! Aber laßt sie nur schimpfen, laßt sie nur spotten, Proletarier! Wir wollen indessen unablässig arbeiten an der Beseitigung des heutigen miserablen Wirthschaftssystems. Schaaren wir uns zu- sammen, wenden wir alle unsere Kraft an, an seine Stelle ein neueres, besseres, vollkommeneres zu setzen. Ein System, dessen Weisheit nicht im Sparen auf der einen und Verschwenden auf der anderen Seite beruht, sondern das zum leitenden Grund- satz hat die zweckmäßige Verwendung aller gesell- schaftlichen Kräfte zur Erhöhung der Genüsse Aller. Fort mit der bürgerlichen Oekonomie, es lebe die sozialistische Gesellschaft! Nieder mit Trog und Stall, es lebe der Kommunismus! Einiges über die neuesten Bauernaufstände in Rußland. Odessa, 17/29. September. Daß bei den letzten Plünderungen in JekaterinoSlaw außer den Juden auch die Polizei ziemlich zu leiden hatte, haben die Zeitungen bereit» gemeldet, man konnte es der russischen Gesellschaft beim besten Willen nicht verheimlichen. Ueber da» Nachspiel jedoch, welche« diesen Juden- krawallen folgte und welche« bereit» einen revolutionären Charakter zeigt, indem e» in einer bösen„Unterhaltung" zwischen den Bauern einerseits und den Gusbesttzern, d. h. der Polizei, anderseit» bestand— über diesen zweiten Theil sucht man unsere der Zensur unterstellte Gesellschaft vorsorglich im Dunkeln zu halten. Glücklicherweise gibt e» indessen in Rußland noch Leute, die nicht an die heilsame Wirkung und gute Absicht der väterlichen Zensur glauben und daher sich manchmal erlauben, mit Umgehung de» vortrefflichen Institut» diese oder jene Thatsache, welche v�n gesellschaftlichem Juteresse, der Regierung aber schädlich ist, der Oesseutlichkeit mitzutheilen. Auf solche Weise erfahren wir dann gelegeut- lich, daß der russische„dumme" Bauer gar nicht so dumm ist, wie e» die Bourgeoisklaffe in allen Tonarten wiederholt, und mit seinem Schick« sali gar nicht so zufrieden ist, wie e» die Gouverneure in ihren Berichten an„Bätercheu" beständig versichern. Hören Sie, wa» mir einer dieser an die Wirkung der Zensur nicht Glaubenden unterm 11/23. September d. I. au» I e k a t e r i n o» l a w meldet: „... Einige Tage vorher(geschrieben am 3. September) wandten sich die Bauern de» Nowomoskowsky-Kreise«(Gouvernement JekaterinoSlaw) m allersriedlichster Weise an den Gutsbesitzer diese» Kreise» mit der Bitte, ihnen unentgeltlich Land abzutreten. Ihre Bitte motivirteu sie wie folgt:„Land haben wir keine«, also haben wir nicht» zu bearbeiten, nicht« zu essen; die Steuern find hoch, eingefordert werden sie streng, und zahlen können wir nicht. Wenn Sie uu» kein Land geben, dann sterben wir Alle vor Hunger au»!" Der Gutsbesitzer schickte natürlich die Hungernden zum Teufel und rapportirte da» Geschehene, wie e» diese feigen Ausbeuter gewöhnlich zu thun Pflegen, sofort dem Jsprawnik.') Dieser telegraphirte zunächst dem Gouverneur, eilte dann aus da» Gut uud hielt den Bauern eine große Ermahnungsrede, indem er die unver- geglichen— ja unvergeßlichen— Worte Väterchen» wiederHolle, die dieser nach der Krönung einer Bauerndeputation zugerufen hatte:„Glaubt keinen trügerischen Gerüchten über eine schwarze(heilige) Umtheilung; e» wird den Gutsbesitzern kein Land genommen und Euch keine» gegeben" u. s. w. Die Bauern antworteten dem Jsprawnik ruhig, da» Alle» sei nicht wahr, der Kaiser könne nie so etwa» gesagt haben... Arme» Bolkk E» glaubt noch immer an die guten Absichten diese» Menschen, unter deffen zweijähriger Herrschaft Armuth, Trunksucht uud Krankheiten im Volke zum Normalzustand geworden find! E» hofft immer aus Hilfe von einer Seite, die ihm dieselbe dem natürlichen Gange der Dinge nach nicht geben kann, da ihre Interessen im Gegensatz zu den Jutereffen de» Volke« stehen!— Der Jsprawnik bestand natürlich auf seinen Behauptungen uud drohte bereits mit Prügeln, Soldaten, Kerkern rc., al» ein Beamter de» Gouverneurs eintraf, um sich Uber die Sache zu informiren und die Revolte(gerechte, friedliche Forderungen heißen bei diesen Leuten Revolten l) eventuell zu unterdrücken. Die Bauern knieten vor ihm nieder und baten um einen Rath, wie sie ohne Land die Steuern aufbringen sollen, an wen sie stch mit ihrer Bitte wenden sollen u. s. f. Er aber leierte ihnen dasselbe Lied ab wie der Jsprawnik, sprach ebensall» von den köstlichen Worten Väterchen» und schloß mit Drohungen. Die Bauern ließen sich damit aber natürlich nicht abfertigen, sondern schrieen:„Land wollen wirk wir bitten um nichts al» Land!" Der erschrockene Derschimorda') rieth ihnen, eine Deputation zu wählen und an den Gouverneur zu senden. Bekanntlich werden solche Deputationen sofort mit Ketten gefesselt und in >) Ländlicher Polizeikommissär. V Ein ergebener Polizist au» Gogol'»„Revisor". den Kerker geworfen. Das Boll ließ sich jedoch diesmal nicht irreführen und schrie:„Wir brauchen keine Deputation, wir werden Alle hingehen I" Und sie gingen in der That Alle zum Gouverneur. Was fUr eine Ant- wort der Gouverneur ihnen gegeben hat, ist mir unbekannt; wahrfchein« lich hat er ihnen daffelbe gesagt wie seine Untergebenen, da die Bauern mit finsteren Mienen zurückkehrten und sich seitdem sehr unruhig verhalten. So wurde bei einem Gutsbesitzer der Gehilfe ermordet(was auch von den Zeitungen gemeldet wurde), in zwei Orten wurden Brandstiftungen inszenirt, ein Gutsbesitzer wurde überfallen und unterzeichnete ein Dokn- ment, in welchem er sein Land den Bauern schenkte. Um dieselbe Zeit begannen die Judenhetzen in NowomoSkowSk. Man zerstörte und plün- derte buchstäblich Alles und schonungslos. Es war unmöglich, Militär herbeizurufen, da die Telegraphendrähte zerschnitten wurden. Das Volk wüthete und seine Wuth wurde durch die Erinuerung an das unläugst in JekaterinoSlaw vergossene Blut noch gesteigert. Dort hatte nämlich daS Militär in die Menge geschossen, wobei eS mehr als hundert Todte gab. Als die wüthenden Massen schon fast am Ende der Zerstörung waren, kam der Generalgouverneur mit Kosaken herbeigeeilt, den Aufruhr zu unterdrücken. Feuer ward nicht gegeben, doch wurden einige Bauern buchstäblich mit Peitschen todtgeschlagen. Einer wurde bi« in den Flnß verfolgt, wo er ertrank, und über sechSzig find verhaftet." Wie man sieht, wurden in diesem Falle Aufruhr und Plünderung von den Behörden selbst förmlich provozirt: da» Volk hungert, schreit nach Brod, bittet um Land, wendet sich an seine unmittelbare und höhere Obrigkeit und bekommt überall nur Spottreden, grobe Mißhandlungen und lügnerische Vorspiegelungen. Zuerst friedlich gesinnt und ruhig sich verhaltend, wird e» so nach und nach bis auf's Aeußerste gereizt und— t» entsteht ein Aufruhr, ein„Pogrom." „... Zur selben Zeit", heißt es in dem Brief weiter,„spielte sich 60 Werst von NowomoSkowSk folgende Szene ab: Die Bauern, vom Gou- verneur ohne Hoffnung auf eine Unterstützung höhererseit» abgewiesen, entschloffen sich nach einigen Unterredungen mit den Gutsbesitzern, die zu keinem Ecgebniß führten, beim Gutsbesitzer das Vieh, Brod, verschiedene Speisen selbst zu nehmen, vnd begannen da« herrschaftliche Land gemeinsam zu bearbeiten. Da» hieß schon eine wahre Revolution, denn bisher haben sich unsere Bauern noch nie selbst und mit eigener Gewalt Land genommmenl... Merkwürdig aber, daß diese Revolution auf die friedlichste Weise und ohne Gewaltthätigkeiten feiten» der Bauern gemacht wurde. „Am S/21. September eilte der Gouvernenr mit Militär nach dem Orte dieser unerhörten Frevelthat, wo er sich noch jetzt(geschrieben den den 21. September) befindet. Was dort vorging und vorgeht, ist mir vorläufig noch unbekannt. Ob man den Bauern Alles wieder abgenom- men und ob friedlich oder durch Anwendung von Militärgewalt— wer« den wir hoffentlich bald erfahren." Der Brief schließt mit der Mittheilung de» Gerüchte», daß in Werchuje- Dnjeprowsk Judenhetzen begonnen haben sollen. Wer weiß, ob solche Bauernbewegungen. wie- sie in diesem Briefe geschildert find, nicht auch in anderen Orten Rußland« vor sich gehen? In den Rapporten der Derschimorda'» und der offiziellen Bourgeoispreffe heißt es zwar, daß„Alle» in Ordnung ist", allein die„Unterirdischen" zerstören die Träume der ruhig schlafenden Gesellschaft und künden da» Herannahen eine» Tage», vor dem alle« Dagewesene erblassen wird. L. Ob der Tag aber, von dem unser Berichterstatter schreibt, so bald ein« treten wird, ist eine Frage, die sich unserer Beurtheilung entzieht. So« viel ist sicher, daß es in Rußland gewaltig gährt. Dafür zeugt u. A. die Thatsache, daß von RegieruvgSseiteu neuerdings energischer gegen die Judenhetzen eingeschritten wird, die man bisher durchaus nicht ungern sah, ja von gewisser Seite her sogar poussirte. Nachdem sich aber gezeigt hat, daß da» ohnehin unzufriedene Landvolk, wenn einmal zur Aktion gebracht, sehr geneigt ist, gegen seine wirkliche n Feinde Front zu machen, scheinen die Herren in Petersburg und Moskau die Parole ausgegeben zu haben: Ruhe um jeden Preis! Ruhe um jeden Preis! Das Landvolk schmachtet in grenzenlosem Elend, den Boden hat ihm der Adel zum größten Theil bei der Land« regulirung gestohlen, und den Rest stehlen ihm seitdem im edlen Wett- kämpf Steuereintreiber lund Wucherer; die städtische Intelligenz drängt nach politischer Emanzipation, nach geistiger Befreiung— obeu aber hat man nur neue Lasten, neue Fesseln! Und da soll e« möglich sein, die Ruhe auftecht zu erhalten? Nein und tausendmal nein! Wohl mag e» einige Zeit dauern, bis die allgemeine Gährung zum Aus« bruch kommt, im Leben der Völker zählt man nicht nach Tagen und Wochen, aber unausbleiblich ist der Tag, an dem mit der Herrlichkeit de« Zaren« absolutismu« grünblich aufgeräumt wird. Daun wird endlich in Rußland eine Sozialdemokratie in europäischem Sinne möglich fem, dann wird auch unsere Partei wirklich in Aktion treteu können. Was bis dahin geschieht, ist nur Vorarbeit, die selbstverständlich nicht minder wichtig ist. Ein künstlich in Aberglaube und Unwissenheit erhaltene» Volk kann nicht mit emem Sprunge au» dem Absolutismus in die freie und sozia« listische Republik übergehen, da« beweisen gerade die unsinnigen Juden« hetzen. Erst müssen die Hindernisse beseitigt werden, die dem freien Wirken der aufklärenden Wissenschaft im Wege stehen, und das Haupt dieser Hindernisse ist der Zarenabsolutismus. Ohne seine Beseitigung ist kein Fortschritt in Rußland möglich. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 18. Oktober 1883. — Freude herrscht in Troja'S Hallen— die deutsche Bourgeoisie jubelt, deun Otto, der große Otto, ist in puncto der„So- zialresorm" plötzlich sehr lau, dagegen in puncto der Verlängerung de« Sozialistengesetzes plötzlich sehr warm geworden. Und da ist allerding« schwer zu sagen, was den Herren Bourgeois angenehmer ist: jene Lauheit oder diese Wärme. Die Sozialreform, so jämmerlich und schwindelhaft sie sein mochte, war immerhin„des Prinzipes halber" ein fatale» Experi- ment, und es kann deshalb ihren Gegneru nur zur höchsten Beruhigung gereichen, daß sie in da« Stadium der„Versumpsung" emgetretei, ist. Es steht nämlich fest, daß Bismarck und seine Leute au dem neuen UufallversicherungSgesetz noch nicht«ine einzige M i n u t e g e a r b e i t e t und an das verheißene Alterverfiche« rnngSgesetz noch nicht eiue Minute gedacht haben: Das kann nur bedeuten, daß die Sozialreform, mit der es der biedere Otto so eilig hatte, als es galt, zwei Etat» hintereinander berathm zu lasseu, jetzt, nachdem er seinen Zweck erreicht hat, temen Werth mehr für ihn befitzt. Jedenfalls ist e« dankbar auzuerkenueNs daß der„Oedipus des neunzehnten Jahrhunderts" sich so wenig Mühe gibt, der Well zu verbergen, wie vollkommen„Wurst" ihm die Sozialresorm ist und wie sie ihm blos Mittel zu seinen reaktionären Zwecken war. Und ähnlich verhält es sich auch mit der Verlängerung de« Sozialisten gesetzes. Bismarck weiß, daß die Bourgeoisie, überhaupt die befitzeuden Klassen, nicht« mehr sürchten, als die ungestörte Eutwicklung der Sozial« demokratie, und daß er sich dieselben nicht besser verpflichteu kann, al» durch Verlängerung jene» mfamen Gesetze». Er sichert sich dadurch eine Majorität im Reichstag, die er ander« nicht haben könnte. Köstlich ist, wie die Verlängerung motivirt wird. Daß da» Sozialisten- gefetz die sozialdemokratische Bewegung nicht aufgehalten, ja eher gefördert habe, wird nicht in Abrede gestellt. Auch nicht, daß die sozialdemokratische Bewegung durch das Ausnahmegesetz in ein revoluttonäreres Fahrwasser getrieben worden ist— aber: wenn die Sozialdemokratie wieder öffent- lich auftretm könnte, würde sie dem Staat bei seinen BolkSbeglückungSversuchen„eine zu gefährliche Konkurrenz machen"— die Sozialdemokraten würden dem „armen Maun" mehr bieten, als ihm der Staat bieten kann. Und obgleich sie in Bezug auf Leistungsfähigkeit hinter ihm zurückstehen, so würden sie durch ihre Versprechungen doch da« Werk der staatlichen BolkSbeglllckung erschweren. Da» find, dem Sinne nach genau, zum Theil wörtlich die Argumente, welche die deutsche Regieruugspresse für die Berläugerung des Sozialisten- gesetze» vorbriugt. Nun, daß die Verlängerung de» Sozialistengesetzes beantragt werden würde, haben wir niemals bezweifelt, ebensowenig daß sich der Reichstag mit großer Majorität für die Verlängeruug er- klären wird— überraschend ist un» bloß die Begründung. Solche— Bescheidenheit hätten wir in der That nicht erwartet. Also der Staat kano in puncto der Volksbeglückung nicht mit der Sozialdemokratie kon, kurrire»! Schönen Dank für das Kompliment. Daß wir aber dem „armen Mann" mehr versprechen könnten al» die heute am Ruder befindlichen Bauernfänger, da» müssen wir energisch bestreiten. Der Unterschied ist blos, daß der„arme Mann" den Sozialdemokraten glaubt und die herrschenden Bauerusänger mit ihren überschwänglichen Versprechungen für da» hält, wa« sie sind: für Schwindler und Betrüger. � Zur Franzosenhetze in Deutschland erhalten wir von einem unserer bewährtesten Genossen aus Deutschlaad die nachstehende Zuschrift, die wir um so lieber zum Abdruck bringen, als sie in allen wesentlichen Punkten unsere Aussührungen in voriger Nummer bestätigt: „Frankreich entehrt"— das ist die Phrase, in welche die servil-chanvinistische Presse Deutschlands ihr Urtheil über die Auspfeifung de» unglücklichen„Ulanenkönigs" zusammenfaßt.„Frankreich entehrt", weil ein paar tausend oder auch hunderttausend Männer in Paris, deren Ehrgefühl besser entwickelt war al» ihr Opportunismus, die„Frechheit" begingen, ein vor wenig Wochen noch von der gesammten europäischen Presse wegen seiner Lächerlichkeit und Lüderlichkeit moralisch aus- gepfiffene« Individuum auch physisch auszupfeifen, ein Judi- viduum, das sich von den Feinden Frankreichs und der Freiheit zur Jnsultirnng der französischen Republik hatte gebrauche» lassen! Da« ist ja zum Lacheu, und die Preßreptilien, die so entrüstet thun, glauben natürlich selbst nicht, was sie schreiben. Mag sein, daß die Pariser Auspfeifer unter den obwaltenden Umständen nicht ganz klug gehandelt haben — daß e« vielleicht besser gewesen wäre, sie hätten den verächtlichen „Ulanenköuig" mit stiller Verachtung gestraft— aber weit entfernt, ehrlos zu sein, war ihr Handeln im Gegentheil von echtem Ehrgefühl ein« gegeben und jedenfalls tausendmal ehrenhafter als der„loyale Enthusiasmus", in den servile Spießbürger durch den Anblick sürstlicher Persön- lichkeiteu, und wären sie von zweifelhaftestem Werihe, versetzt zu werden pflegen. Wahrhaft infam ist aber die Fruktifizirung der Pariser Vorgänge durch die deutsche Regierungspresse. Deutschland soll beleidigt sein! Ganz Frankreich soll kein andere» Gefühl haben al» da» der Revanche! Der Zweck diese» Manöver» liegt klar zu Tage: man will da« deutsche Volk gegen da« französische verhetzen. Daß die Franzosen methodisch gereizt worden sind, wird verschwiegen. Bor dem berüchttglen„Kaltwasser. strahl" des Bismarck'schen Auano-Organ» hatte die deutschfeindliche Stim- mung in Frankreich bedeutend nachgelassen, wie die» am besten aus der Thatsache erhellt, daß die Zahl der Deutschen in Frankreich tn den fünf Jahren zwischen 1876 und 1881 von 59,028 aus 81,986 gestiegen ist, also sich um 22,958, d. h. um 37 Prozent vermehrt hat. Durch die Haltung der deutschen Regierungspresse ist allerdings eine starke Animosität erzeugt worden, worüber man sich nicht wundern kann. Der Kaltwasserstrahl« Artikel de« Bismarck'schen Guano-OrgauS wurde von der gesammten deutscheu Presse dem deutschen Reichskanzler persönlich zugeschrieben, ohne daß ein Dementi e r f o l g t w S r e. Ist es den Franzose» Übel zu nehmen, daß sie a n die Verfasserschaft de« deutschen Reichskanzler« glaubten? Und mußten sie dann nicht folgern, daß der deutsche Reichskanzler sie insultireu und zum Kriege provoziren wollte? Und jener Artikel, der für Hunderte von deutschen Zeitungen da« Signal zu einer Fluth pöbelhaftester Angriffe auf Frankreich— Regierung und Adel— abgab, war nur der Anfang einer Kette von provokatorischen Demonstrationen, die in der Ernennung de» aus der Reise nach Pari» begriffenen Alphon» zum Obersten eines in Straßburg stationirteu Ulaneuregiments gipfelten. ES ist wahr, die Empörung über das Thun des deutschen Reichs- kanzlers hat sich in Wuthausbrüchen gegen Deutschland geäußert, die nicht zu billigen find. Allein abgesehen davon, daß die Franzosen provozirt waren— wer sind denn dieLeute, die inFrankreich jetzt den Deutschenhaß predigen? Es find die Jmperia« listen, Royali st eu und„honueteu" Republikaner (Gambettisten)— mit einem Worte die Reaktionäre jeder Art, die gleich unseren deutschen Reaktionären den Chauvinismus Pflegen, weil nur bei systematischer Bölkerverhetzung ihr Weizen blühen kann. Die demokratischen Republikaner, namentlich die A r b e i t e r, beobachten eiue sehr würdige Haltung und unterscheiden sehr wohl zwischen dem deutschen Volk und der deutscheu Regierung. E« zeigt sich bei dieser Gelegenheit wieder recht deutlich, daß bloß die B o l t S m a s s e u, soweit sie zu politischem Leben erwacht sind, ein Verständniß für die modernen Kulturausgabeu haben, während die herrschenden Klaffen m Deutschland wie in Frankreich und den anderen Kulturstaateu kulturfemdliche An- schauungeu haben und dementsprechend kulturfeindliche Zwecke verfolgen. Speziell in Deutschland ist e« ausschließlich die Sozialdemokratie, welche den Chauvinismus bekämpft. Selbst die söge« nannte„Bolkspartei", die sich so gerne al» die„wahre Demokratie" auf- spielt, bläst in da« chauvinistische Horn und macht in„Patriotismus". Die„Frankfurter Zeitung" z. B. ist ganz rabiat; sie hetzt mit den Bis- marck'schen Blättern um die Wette und ist nicht einmal durch die chauvinistische» Steine, die in Sonnemaun'« Fenster geworfen wurden, zum Bewußtsein ihrer Jämmerlichkeit gebracht worden.*) Die Verhaftung de« bisher von ihr protegirten Antoine ist dem Eigenthümer und seinen Redakteuren offenbar in die Glieder gefahren. Wie dem nun sei, unsere Parteigmossen in Frankreich dürfen über- zeugt sein, daß die deutsche Sozialdemokratie, welche vor 13 Jahren unter weit s chwierigeren Verhältnissen ihren internationalen Standpunkt wahrte und ihrer internationalen Verpflichtungen eingedenk war, auch in der gegenwärtigen Krisi» furchtlos den Weg wandeln wird, welchen da» sozialdemokratische Programm ihr vorschreibt. Von unseren französischen Brüdern erwarten wir, daß auch sie ihre Schuldigkeit thun werden, e« komme, wa» da wolle." — Eine kleine Rückerinnerong. In Dresden ist dieser Tage der OberlandeSgerichtSrath Dr. v. Mücke gestorben. Was ist *) Die Pariser„Justice" trifft übrigen« in einer Polemik mit dem gam- bettistischen Blatt„Paris" auch nicht neben die Scheibe, wenn sie von der„Frankfurter Zeitung" sagt: „Man begreift übrigens, daß da» Blatt des Herrn Sonuemann zu viel kommerzielle Interessen zu wahre» hat, um jene„stolze Unabhängigkeit" zu beobachten, von der die Schriftsteller de«„Pari»" wie Farbeublinde reden, und welche eiu sofortiges Verbot des Blatte« zur Folge haben würde." Wenigstens ein Verbot in Elsaß-Lothringen. Mauteuffel kannte seiue Pappeuheiuer, al« er die„Franks. Zeitung" freigab. Herr v. Mücke? Herr v. Mücke war der Präsident des Schwurgerichts, das seiner Zeit 1872 über die Anklage der Vorbereitung zum Hochver- rath Liebknecht, Bebel und Hepuer zu entscheiden hatte. FUr die„Ver- dienste" die sich Herr v. Mücke durch die Verurtheiluuz der beiden Haupt- angeklagten um Staat und Gesellschaft erwarb, wurde der Brave von der sächsischen Regierung mit dem Verdienstkreuz I. Klasse, von der preu- ß i s ch e n Regierung mit dem Kronenorden III. Klasse und von der öster- r e i ch i s ch e n Regierung mit dem Orden zur eisernen Krone dekorirt. Nun ist der arme Mann todt, und die beiden„Hochverräther" find immer noch flott an der Arbeit. Wie hier im Kleinen, so geht'« auch im Großen mit der Bewegung. Hetzt, verfolgt, verurtheilt, setzt eure Polizei, eure Staatsanwälte, eure Richter und schließlich auch eure Soldaten gegen uns in Bewegung, e« nützt euch alles nichts; der Tag kommt doch, wo wir als Sieger euch auf den Köpfen stehen und eure Zwingburgen: Kirchen, Kasernen und Befäng- uisse, in Trümmern uns vor den Füßen liegen werden. — Die jetzt endlich vollständige Statistik der letzten sächsischen Landtag»« ahlen ergibt folgende? Resultat: in den 12 städtische» Wahlkreisen wurden zusammen 22,569 Stimmen abgegeben. Davon fielen auf konservative Kandidaten 3161 Stimmen; auf nationalliberale 3703; auf s e z e s s i o n i st i s ch e 1181; auf fortschrittliche 2897; auf sozialdemokratische 6006; aus die sogenannte„Reformpartei"(Judenhetzer) 510; zersplittert 81. Sonach erhielten die Konservativen 36.3 Prozent der Gesammt- stimmenzahl; die Nationalliberalen 16.9; die Sezessio- nisteu5.2; die F o r ts ch r i tt l er 12.9; die S oz i a l d e m o kr a ten 26.6; die„R e f o r m e r" 2.4. Gewählt wurden 3 Konservative, 2 Nationalliberale, kein Sezessionist, 1 Fortschrittler, 1 Sozialdemo- mokrat, kein„Reformer". Aus jeden gewählten Konservativen kommen also 1020 Stimmen, aus jeden gewählten Nationalliberalen 1851; aus den gewählten 1 Fortschrittler 2397; und auf den gewählten 1 Sozialdemokrat 6006. E« zeigt dies, wie ungerecht das heutige Wahlsystem und wie nothwendig die Einführung der Proportional- wähl ist. Hätten die Sozialdemokraten gleich den Konservativen mit je 1020 Stimmen einen Kandidaten durchgebracht, so würden sie 5 Ber- treter bekommen haben statt 1. Und richtete die Zahl der Gewählten sich nach der Gesammtzahl der abgegebeneu Stimmen, so würde ein Abgeordneter auf je 1380 Stimme» kommen, und e« würden die Konservativen- statt 8 Abgeordnete bloS 4, d. h. die Hälfte haben; die Nationalliberalen 2(die sie auch jetzt haben); die Sezessionisten und Fortschrittler zusammen 2, und die Sozialdemokraten 3— das fehlende zwölfte Mandat wäre entweder de» Sezessionisten und Fortschrittlern oder den Sozialdemokraten zugefallen. Wir sehen, in den städtischen Wahlkreisen Sachsen» find die S o zial d o m o kr at eu ziem lich so stark wie die Ratio« nalliberalenundFortschrittlerzusammengenommen, und wir hatten ganz recht, al» wir sagten, der Kampf sei eigentlich nur noch zwischen Konservativen und Sozialdemokraten. Daß die„Mittel« Parteien" selbst bei einer Zensuswahl so vollständig in'« Hintertreffen geratheu find, spricht für die hohe wirthschaftliche und politische Entwicklung Sachsen». Schlimmer steht e« auf dem Land, wo der Sozialdemokratie durch da« Ausnahmegesetz die Agitation außerordentlich erschwert und den Kouservativen durch da« Eingreifen der Behörden beinahe eiu AgitatiouS- Monopol geschaffen ist. In den 16 läudlicheu Wahlkreisen wurden zu- sammen 25,496 Stimmen abgegeben— davon entfielen auf die Kon- servativen 16,577; aus die Nationalliberalen 236; aus die Sezes- fiouisteu keine; aus die Fortschrittler 5791; auf die S o z i a l d e m o- k r a t e u 1749; aus die„Reformer" keine; zersplittert 93. Gewählt wurden 10 Konservative und 6 Fortschrittler— die andern Parteien gingen sämmtlich leer au». In den 28 ländlichen und städtischen Wahlkreisen zusammen wurden 43,065 Stimmen abgegeben; davon erhielten die Konservativen 25,738; die Nationalliberalen 3989; die Sezessionisten 1131; die Fort- schrittler 8683; die Sozialdemokraten 7755; die„Reformer" 540; zer« splittert 174. Die Konservativen haben im Ganzen 13 Kandidaten mit durchschnittlich je 1430 Stimmen durchgebracht; die Nationalliberalen 2 mit je 1995; die Fortschrittler 7 mit je 1241; die Sozialdemokraten Einen mit 7755. Diese Zahlen bedürfen keine« Kommentars. Nur dieß, daß wenn die Gesammtstimmenzahl proportiouell auf die Gewählten vertheilt würde, aus je 1703 Stimmen 1 Abgeordneter käme und die Sozialdemokraten mindesten 4 Abgeordnete hätten anstatt 1. Im Jahre 1877, wo in den nämlichen Wahlkreisen gewählt wurde — da» Mandat für den sächsische» Landtag ist ein sechsjährige», und alle 2 Jahre scheidet ein Drittel der Abgeordneten au«— brachten die Sozialdemokrateu e« aus 3400 Stimmen. Die sozialistische Stimmenzahl ist demnach in den letzten 6 Jahren, unter der Herrschaft de» Sozialistengesetze», um mehr als das Doppelte gestiegen, in den Städten allein, wo wir damals blo» 2507 Stimmen hatten, sogar um 139 Prozent. Auch diese Thatsache bedarf keine» Kommentar». — Wie vollständig die„Nationalliberalen" sich selbst aufgegeben haben, erhellt mit tragikomischer Deutlichkeit au» der Thatsache, daß ihr offizielle» Organ, die„Nationalliberale Kor- respondenz" sich auf die„Achtung" der„Provmzialkorrespondenz" beruft, und au« dieser„Achtung" Trost und Hoffnung schöpft. Daß Schafe an da» Mitleid de» Wolfe« appelliren und an sein schaffteundliche« Herz glauben— da« wird un« in Märchen und Fabeln erzählt und auch— leider l— durch die Erfahrung de» täglichen Leben« bestätigt. Daß aber ein Schaf aus die Achtung deSWolse« stolz gewesen wäre, da« haben wir in keiner Fabel und keinem Märchen gesunden und ist un« auch in unserer Lebenspraxis bisher nicht vorgekommen. Mit demselben Rechte hätten die noch nicht gefressenen Griechen in der Höhle de« Polyphem diesem für die ihnen bewiesene„Achtung" Dank aussprechen können. — Sie sind sich doch überall gleich, die ehrenwertheu Herren vom„wahren Ehristmthum" und der echt-ritterlichen Gesinnung! Wie unsere Kleist-Retzow, Minuigerode ic. neben ihrer eifrigen Bekämpf- ung de»„sündhaften Materialismus und Mammonismu» unserer Zeit" sich sehr gut aus ihren materiellen Bortheü verstehen und da« Riemeuschueiden au» des Volke» Haut mit einer Geschicklichkeit prakti- ziren, um die sie der geriebenste Börsengauuer beneiden könnte, so auch die nicht minder ehrenhaften Lord» de» christlichen Musterstaate« Eng- land. So schreibt mau der„Frankfurter Ztg." au» L o n d o n: „Der HerzogvonArgyll hat e, hübsch fertig gebracht, zwei Herren zu dienen. Er posiert(d. h. spielt sich aus) al« großer Freund und Gönner der Mäßigkeit, indem er auf seinem Besitz, den Inseln Lismore und Jouer, über welche er als Mac Callum Moru unbeschränkt gebietet, den Verkauf aller Spirituosen untersagt. Ander» dagegen steht e« in Campbellown au«; auch dort regiert seine Gnaden der Herzog. Campbeltown aber zählt zweiundzwanzig Destillerieu; und da jede dieser Branntweinsabriken jährlich 100,000 Gallonen Whisky produzirt, so überschwemmt die Stadt die Nachbarschaft jährlich mit 2,200,000 Gallonen Branntwein. Natürlich gewinnt der Herzog durch diese bemerkenswerthe Unparteilichkeit gewaltig. Auf seinen Inseln geht da« Pachtgeld regelmäßig ein, weil die Pächter ihr Geld nicht in Spiri- tuosen umsetzen können, das ist sehr einkömmlich. In Campbeltown wirft die Whisky- Produktion ihm ein Erkleckliches ab— da» ist noch eiukömmlicher." „Doppelte Buchführung" nennt da« die„Frankfurter Zeitung". Ein treffendes Wort. Ueberall, wohin wir unsere Blicke in der heutigen Ge- selljchast schweifen lasseu, stoßen wir auf die„doppelte Buchführung". � Der Psaffe in der Kirche, der vom himmlischen Mauna predigt, aber sehr * darauf bedacht ist, daß ihm das irdische nicht entgeht, ist z. B. ein würdiger Bertreter dieses vortrefflichen Systems. Aber auch der Fabrikant, der al« volksparteilicher„Demokrat" für Freiheit und Gleichheit mannhafte Reden hält und zu Haufe feine Arbeiter nach allen Regeln der Kunst knechtet, was betreibt er Andere« al« die berühnite doppelte Buchführung? — Nur logisch. Da« Reichsgericht hat da« Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in einem neuerlichen Erkennt- mß für eine„unbedingte Folge der ganren kirchlichen Lehre" und feine Schmähung al« eine Beschimpfung der katholischen Kirche erklärt, die nach Z 166 des Reichsstrafgesetz- buche« mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft wird. Diese Erklärung, über welche sich einige liberale Blätter skaudalifiren, macht dem Reichsgericht alle Ehre. Warum sollten auch die Besitzer der Unfehlbarkeit in Leipzig die Unfehlbarkeit des römischen Papstes nicht in Schutz nehmen? Die eine ist soviel werth al« die andere. Wir, und unsere Leser sicherlich mit uns, empfinden vor den unfehlbaren Aus- sprächen de« Oberhauptes der katholischen Kirche keine geringere Hoch- achmug, al» vor den weltlichen Rechtssprüchen der Leipziger nnsehlbaren ReichsgerichlsrSthe. Soweit find wir mit dem Reichsgericht ganz ein- verstanden. Für nn» liegt der Fehler einfach in der Existenz diese» ganzen Para- graphen 166, der ein Hoho aus die sogenannte Freiheit der Wissenschast, auf da« Recht der freien MeinnugSäußermig ist. — Der EinbernfungStermin für den sächsischen Landtag erinnert uns au ein Artikelchen, da« die„Dresden. Nachr." vor einigen Wochen brachten. Dieses Organ für Korruption, Zotologie und Altweiberklatsch sah sich veranlaßt— wir wissen nicht, ob in höherem Auftrage—, der Landtagsmajoritär den guten Rath zu geben, den sozial- demokratischen Rednern möglichst das Wort abzuschneiden, da diese nur aus Kraiehl ausgingen und durch den Lärm ihrer Reden da« Land viel Geld kosteten. Handelte da« Blatt nicht in höherem Austrage, als es die» schrieb, so sicher im Einverständniß mit Herrn v. Nostiz-Wallwitz und seinen Kollegen, die stet« eine Art Magenkrampf empfinden, wenn vom Landtag die Rede ist, in dem es ehemal« so„gemüthlich" herging. Jetzt ist die„Gemüthlichkeit" verschwunden, daran sind allerdings die Sozialisten schuld, aber infam gelogen ist, wenn man bchaupler, s i e hätten den Landtag in die Länge gezogen und dadurch dem Lande viel Kosten verursacht. Ju die Länge gezogen wird der Landtag, weil die Deputationen, in denen kein Sozialist sitzt, denn man hält sie geflissentlich ferne, mit schneckenartiger Geschwindigkeit arbeiten, so daß fünf, auch sechs Wochen vergehe», ehe eine ordentliche Sitzung stattfinden kann. In die Länge gezogen wird er ferner, weil die Majorität stet» für gut findet, schon Freilag Vormittag« Schicht zu machen und Montag Nachmittags erst anznsaugm, um in der Zwischenzeit nach Hause„zu den väterlichen Ochsm" jähre., zu können. Endlich werden die Weihnachtsferien so ans- gedehnt, daß sie wohl 4—5 Tage früher beginnen könnteu, und während der Ferien gehen die Diäten fort. Die sozialtstischen Abgeordnelen, die nur ihre Schuldigkeit thun, wen» sie Mißstände in der Verwaltung de» Landes oder Klagen großer Kategorien der Bevölkerung zur Sprache bringen, werden sich durch Drohungen ä la„Dresdener Nachrichten" nicht einschüchtern lassen. Versucht aber die Majorität de« sächsischen Landtages im Sinne diese« edlen Blattes zu handeln, dann werden die sozialistischen Abgeordneten Mittel finden, der Majorität zu zeigen, wie sie im Interesse de« Landes zu arbeiten hat. Die Volksvertretung ist nicht gewählt, um der Regierung Komplimente i zu machen und zu ihren Vorlagen Ja und Amen zu sagen, sondern um Kritik zu üben und Verbesserungen vorzuschlagen und gerechte Beschwer- den zur Sprache zu driugeo. Da« Geld, da« für dlese Zwecke da« Land alle zwei Jahre nur kurze Zeit auszugeben hat, zahlt es gerne, und ist diese Summe von viel zu geringfügiger Bedeutung gegenüber den Kosten, die andere nutzlose Institutionen— wir erinuern an die Fütterung der Pfassen au« dem Staatssäckel, die kostspieligen Gesandtschaften, das über- flüssige hohe Beamtenthum, die politische Polizei tc.— alljährlich ver- schlingen. Wollte die Regierung im Juteresse des Lande« handeln, dann mußte sie den Landtag Ende September, spätestens Anfang Oktober einberufen, was sie recht gut konnte. Dann konnte derselbe bis Weihnacht fertig sein und Ferien waren nicht nöthig. Diejeuigen Mitglieder, die dem Reichetag angehören, könnten sich voll und ganz diesem nach Neujahr widmen. Wir haben aber den Verdacht, die Regierung berief den Landtag so spät, damit er m i t d e m R e i ch s t a g e kollidire und die Mitglieder der Opposition, die meist zugleich Mitglieder de« Reichstages sind, ihr minder unbequem werden können. Man merkt die Absicht, aber— erreicht wird nichts damit. — Die Ordnnugsbestien an der Arbeit. Zn der m Nr. 41 mitgetheilten Affäre aus der Haide bei Mülheim am Rhein schreibt uns ein Genosse folgende»: T ö l n, im September. Bon einem Augenzeugen wird mir folgender Sachverhalt Uber die Affäre auf der Mülheimer Haide berichtet: Am Sonntag den 23. September Nachmittag« um halb 6 Uhr waren auf einem Feldweg neben den Artillerie-Schießständen der Mül- heimer Haide eine Anzahl Leute, angenscheinlich den verschiedensten Stän- den angehörig, beisammen; darunter Spaziergänger mit Kindern. Anfang» waren e« nur wenige gewesen, allmählich hatten sich aber immer mehr angesammelt, wie die« stet» der Fall ist, wo Ren- gier die Leute herbeilockt. Ob nun wirklich ein besonderer Zweck dieser Zusammenkunst zu Grunde lag, werden ja die im Gang befindlichen Untersuchungen ergeben. Da tauchten auf einmal an» dem Gebüsch der ! Jufanterie-Schießstände drei Wachtposten vom 16. Regiment, ein Polizei- Kommissär aus Nippe«, drei Polizisten, ein Schandarm und eine in einen grauen Anzug gesteckte Zivilperson auf, welche letztere sich nachher auch al« Polizist entpuppte. Diese kamen im Sturmlauf in einer Entfernung von 150 Schritt quer über die Artillerieschießstände, die Soldaten mit gefälltem Bajonett, die Polizisten mit gezogenem Säbel aus den Menschen- kuäuel lo». Die Leute hatten mit einer gewissen Verwunderung diese Eskorte kommen sehen. Al« dieselben aus der letzten Böschung au- gekommen waren, begann die Menge sich zu zerstreuen. Da schrie der Kommissar und der im grauen Anzug:„Ihr feigen Hunde, wollt ihr '«Ohl stehen bleiben! Soldaten, schießt I" Gleich nachher nahm der Kommissar da« Wort:„Schießt!" wieder zurück. Wahrscheinlich hatten die ig noch nicht geladen, sonst wäre e» zu spät gewesen. Der Kommissar gnss nun aus der Menschenmenge einen der Größten heran« und schrie ihn an: Wie heißen Sie? Der Mann antwortete. Darauf zweite Frage: Wer ist der Rädelsführer?„Da« weiß ich nicht." Was?„Ich durch- bohr« Sie I Und nun ging die Treibjagd los. Ein Soldat legte sich aus die Erde zum Schießen und die Uebrigen trieben„da« Wild" zusammen. ®« wurden im Ganzen 34 al» Gefangene erklärt, die sich theils frei- willig ausstellten, theil» gezwungen werden mußte». Hierauf nahmen . die Brutalitäten eigentlich erst ihren Anfang. Ts hatten schon vorher «iue Anzahl Verhafteter Kolbenstöße und Fausischläge in« Gesicht und Stöße mit dem Säbelknopf empfangen, die Mißhandlungen aber auf dem j F-ldwege von der Haide bis nach Nippe« spotten jeder Beschreibung. Da hieß e», zu vier Mann in Reih und Glied durch Morast marschiren. Wollt Ihr wohl Reihe halten I Und wenn Ihr Hunde versanft, I h r Nänber, Ihr Lumpen!— und alle sonstigen denkbaren Schimpf- Worte.„Ihr wollt wieder einen Hödel haben!" und der- gleichen, Alle« unterstützt durch unzählige Kolbenstöße. Wer schon ein- mal Gelegenheit hatte, die Viehtreiber in ihrer Blüthe zu sehen, der mag sich dieselben als reine Engel vorstellen gegenüber diesen„Wächtern der Ordnung". Al« man sich der Vorstadt Nippes näherte, hieß es: Nun ruhig, damit die Einwohner nichts merken! — von den Rohheiten nämlich. Ein einziger von den Treibern, der Gensdarm, hatte sich etwas anständiger benommen; er hatte die Leute nicht mißhandelt und auch einmal den Polizisten zugerufen, sie sollten die Rohheiten einstellen, denn die Leute gingen ja ruhig. Auf dem Hof des Depot« in Nippe» wurden die Rohheiten wieder fortgesetzt. Einzelne wurden hier vorgeführt und durchsucht und dann ein Protokoll aufgenommen. Um 12 Uhr Nachts wurde der 33. entlassen, während der festgehaltene 34. am andern Morgen nach Cöln transporlirt ward, wo er bis Donnerstags Abend festgehalten wurde. Gegen diesen wird nun Anklage erhoben(Rohr und Genossen) und es sind schon einige der Mit- verhasteten als Zeugen gegen die Anderen vorgeladen. Ich muß noch erwähnen, daß u. A. ein Arbeiter mit seinem 15jShrigen Sohn verhaftet wurde, und al» der Sohn vorgeführt ward und im Vor- gefühl seiner Unschuld nicht sofort in Ohnmacht fiel, griff ihn der Poli- zist beim Halse, und ihn anbrüllend:„Sie Grünschnabel auch dabei!" schlug er ihn mit der Faust ins Gesicht. Die« ist die„moralische Seite" der Nippes'er Polizei. Auf der anderen Seite finden wir Tag« darauf zwei von den Polizisten vor Gericht. Einer davon wurde wegen„fahr- lässigem Ei d",(welch schöne» Wort!) zu 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt. Da derselbe nun anstandshalber nicht mehr Polizist fem darf, so hat man, zweifelsohne der Herr Bürgermeister, dafür gesorgt, daß der Mann ein bessere« Unterkommen findet, und zwar als Platzmeister in derDampf-Sägemühle beiAuerinNippes. Es wurde auch dafür gesorgt, daß Diejenigen, welche mit verhaftet waren, außer Brod gesetzt wurden, und Einer wurde deswegen an« der Königlichen Zentralwerkstätte entlassen. Für die meineidigen Polizei- Hallunken wird gesorgt, und die f l e i ß ig e n A r b e i t er bringt man außer Brod, da« ist die Moral der Ge- schichte. — Wiederum ein Spitzel in'« Z u ch t h a u». Als s. Z. Spitzelschmidl, schreibt man uns aus S t u t t g a r t, der hiesigen Stadt- direktion seine Dienste anbot und nachfrng, ob es hier nichts für ihn zn denunziren gebe, antwortete ihm bekanntlich die hiesige obere Polizei- behörde ablehnend. Natürlich war es nicht Abscheu vor dem schmutzigen Handwerk der Spitzele!, was diese Ablehnung veranlaßt«, sondern der Grund lag ganz wo ander». Unsere Stuttgarter Polizei ist nämlich„hie gut würltembergisch alleweg"; ihre Liebe zum„Schwabeländle" läßt es nicht zu, fremde Spitzel in Dienst zn nehmen, sie hat ihre„eigenen Leute", denen sie die Ueberwachung der Rothen überträgt, und konnte daher auf die Dienste de« königlich sächsischen Spitzels verzichten. Natürlich dienen so wenig wie in Sachsen in Württemberg anständige Leute der Polizei. Neben ihrer Spitzelei treiben sie Dinge, die sie in'«— Zuchthans führen. Dem sächsischen ist der königl. württembergische Spitze Sanier in» Znchlhans gefolgt. Sanier ist ursprünglich Schreiner, und al« er in der hiesigen Möbel- sabrik von Stern Arbeit nahm, merkten die dortigen Genossen bald, daß ein Spitzel unter ihnen weilte. Diverse Haussuchungen und Berneh- münzen sanken statt, bei denen sich heraus stellte, daß die Polizei von den Vorkommnissen in der Fabrik genau unterrichtet war. Trotzdem richtete sich der Verdacht der Genossen ansang« nicht auf Sanier, der am lautesten auf die Polizei und Polizeiwirthschaft schimpfte und bei dem die Polizei zum Schein gleichfalls gehaus- sucht hatte. Schließlich fanden gleichzeitig sieben Haussuchungen bei Arbeitern der Stern'schen Fabrik statt, in Folge dessen ward Genosse Schwab verhaftet und wegen Verbreitung verbotener Schriften in Untersuchung genommen, die schließlich zur Verurtheilung Schwab'« führte. Noch immer wußten die Arbeiter der Stern'schen Fabrik nicht, wer der Spitzel unter ihnen sei. Erst Schwab fand, al« er nach feiner B-rurtheilung seinen Strasantritt zu den Akten gab, einen Brief in denselben, worin Sanier an den Staatsanwalt schrieb, „doch nicht zn verrathen, daß er der Denunziant, da er sonst seines Leben» nicht sicher sei.« Kurze Zeit nach Bekanntwerden dieser Thalsache ward Sanier eine» Nachts anges hoffen und schwer verwundet. Er verbreitete, daß er auf einem Spaziergange angefallen worden sei. Die hiesigen Genossen gaben sich schon der Hoffnung hin, daß Sanier der Behme verfallen und durch einen der von ihm Denunzirten zur Rechenschaft gezogen sei. Da« war ein Jrrthum. Sanier wurde bald daraus verhaftet, nach seiner Genesung vor die Geschwornen gestellt und wegen Einbruch und Meineid zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. Die Verwundung hatte er durch einen Schuß erhalten, der feiten« der Hausbewohner auf die Ein- brechen abgegeben wurde. Unser Honold und„Schwarzwald".Kern sollen arge Zahnschmerzen wegen diese« Falle« haben. Nebenbei mag noch bemerkt werden, daß vor Kurzem einige Personen einen Mann am Bothengerweg dabei ertappten, wie er Abend« au» einem Kohlfelde stch diverse Köpfe zusammenannektirte. Verscheucht, aber nicht eingeholt, konnte die Persönlichkeit nicht festgestellt werden, dagegen konnte mau erkennen, daß der Felddieb die Uniform der Stadtpolizei trug. Spitzbuben als EigeathumSwächter— das famoseste Charakteristikum unserer ganzen famosen Gesellschaft I — Tin demokratisches Musterorgan. Der Charakteristik de«„G l a u ch a n e r Beobachter« in Nr. 34 des„Sozialdemokrat" schreibt man nn» an» Apolda, wollen wir eine Charakteristik des derzeitigen Redakteur« desselben Blattes, Herrn G r a h l, beifügen. Derselbe war bis zu seiner Ueberstedelung nach Glauchau, Redakteur de» hiesigen„Tageblattes", einer in allen reaktionären Farben schillernden Sumpfpflanze. Al» solcher war Grahl hier in den Gem einderathssttzungen als Bericht- erstatler anwesend. Der Rath verlangte in einer Sitzung die Bewillig- ung von 150 Ml. zur Erhöhung der Feier de» Sedantage«. Unsere Genoffen, deren wir einige im Gemeiuderath haben, protestirten dagegen, daß man zur Verherrlichung von Kriegen, die da« Volk so unsäglich nn- glücklich machen, auch noch den Gemeindesäckel in Anspruch nehmen wolle. Es möchten Diejenigen, welche durchaus eine Sedaufeier haben wollen, die Kosten au« ihren Privatmitteln bestreiten. Die» gab nun Herrn Grahl Veranlassung, in so gehässiger Weise über unsere Genossen herzufallen, daß sich der ganze Gemeinderath darunter beleidigt fühlte und einstimmig beschloß, Herrn Grahl zu den Gemeinde- rathssitzungeu nicht mehr zuzulassen. Auch an Begrisssverwechslung von Mein und Dein scheint Herr Grahl zn leiden. Derselbe kassirte Jnseratenrechnungen, ohne in den Geschäftsbüchern zu qnittireu, und die Expedition erhielt nicht eher Kenntniß davon, als bei der Versendung der Rechnungen die bereit» quittirten entgegengehalten wurden. Wir werden auf Wunsch mit ein- zelnw Fällen aufwarten. Man sieht, Herr Advokat S ch r a p«, der Eigenthümer de» Glauchauer Beobachter", hat einen seiner würdigen Redakteur für sein„dem». kratische»" Blatt. Leider wird der„Glauchauer Beobachter" von nn- seren Genossen noch viel zu sehr nnterstlltzt, ja mau kann sagen, daß er dem Abonnement derselben seine Existenz ver- dankt. Doch auch wir sagen-Unsere Genossen werden wissen, wassiezuthunhabeul Verita«. Wir können dem geschätzten Einsender zu seiner Gmugthuung mit- theileu, daß lant einer nn« au» Glauchau zugegangenen Korrespondenz, die wir demnächst zum Abdruck bringe» werden, unsere dortigen Ge- nossen den„sauberen„Beobachter" vollauf satt bekommen haben, und daß bereit» der Abonnentenstand desselben erheblich gesunken ist.„Wir werden wohl demnächst gezwungen sein, den„Beobachter" zu Grabe zu tragen", heißt es wörtlich. Bravo! — Polizei und Staatsanwalt schreibt man nn» aus Leip. zig, 10. Oktober, haben nach so vielen vergeblichen Anstrengungen end- lich eine kleine Genugthuung zn verzeichnen. Innerhalb weniger Tage wurden 3 unserer Parteigenossen vor das Forum de« Gerichts gezogen und verdonnert. Markthelfer N i tz s ch e erhielt drei Monate Ge- fängniß, Schriftsetzer Posselt drei Wochen Gefängniß und eine Woche Haft, Zigarrenmacher Hofmann drei Monate Gefäng- niß. Außerdem blüht allen Dreien nach der deliebten Praxi«, sobald sie ihre Haft verbracht haben, die Ausweisung. Wir setzen'« auf Conto des Uebrigen und rechnen dann alle» zusammen ab. Alle drei haben sich nach Ansicht des Gericht« der Verbreitung ver- botener Schriften schuldig gemacht und zwar Nitzsche und Hos mann unter„erschwerenden Umständen"; Posselt erhielt die Woche Haft wegen „groben Unfug«". Er hatte anläßlich der letzten Landtagswahl auf da« Trottoir und auch an ein Haus die Worte„Wählt Münch" kräftig in schwarzer Farbe gemalt nnd war dabei erwischt worden. Diese« Er- tappen wurde aber nun auch in anderer Hinsicht für ihn und Hofmann verhängnißvoll. Posselt trug einen Brief an Hofmann bei sich, in dem verbotene Schriften bestellt worden sein sollen, und dieser Brief in Ver- bindnng mit Notizen, die man in Hofmanns Notizbuch gefunden haben will, genügte dem Gericht als Beweis für die„verbrecherische Thätig- keit", und e« vernrtheilte wie erwähnt. Nitzsche fiel dadurch dem Ge- richt in die Hände, daß man Quittungen über den Bezug de»„Sozial- demokrat" bei ihm fand, die ursprüngliche Veranlassung zur UntersuchungS- Haft würde seine Verurtheilung nicht möglich gemacht haben. Wann werden unsere Parteigenossen so klug, ver- fängliche Notizen, Briefe und sonstige„Beweisstücke» fürPoltzei und Gerichte nicht mehr mit sich umher- zutragen? Diese Manie scheint unausrottbar zu sein, alle Warnungen und Weisungen fruchten nicht«, immer finden stch neue, die der Polizei da« Ma- terial in die Hände liefern, da« dieselbe mit ihrem Witz nicht zu entdecken vermag. Polizeiwachtmeister D L b l e r, welcher gegen Posselt und Hosmann zeugte, wurde unter Ausschluß der Oessentlichkeit vernommen; wa« er Geheimnißvolle« auskramte, werden wir noch erfahren. Ganz erregt war der Staatsanwalt Häntz schel, der den„Sozialdemokrat" ein Schand- blatt nannte,*) weil er den Parteigenossen Winke gibt, wie sie sich vor ihm und Seinesgleichen zu verhalten haben, und ausrief, die Angeklagten seien hervorragende Anhänger(woraus sie kein Hehl machten) nnd Agitatoren der Sozialdemokratie und dafür müßten sie büßen. Der Gerichtshof schloß sich dieser Auffassung an und vernrtheilte. — Heitere« vom anarchistischen Kriegsschauplatz. Einige Genossen fragen uns an,„ob es wirklich wahr sei, daß Hans Most in New-Iork einer öffentlichen Disputation mit Genossen I. Franz über den Anarchismus muthig ans dem Wege gegangen sei." Ei fteilich ist es wahr, und auch leicht begreiflich, denn vor einem ans Sozialisten bestehenden Publikum und gegen einen so geschulten Sozia- listen wie Franz die anarchistischen Phrasen zu vertheidigen, dazu gehört etwa« mehr als den von den Materialisten des vorigen Jahrhunderts abgethanen lieben Gott noch einmal„todtzuschlagen" und dergleichen Heldenstücke mehr. Die Sache verhält stch folgendermaßen. Der tapfere Hans— drüben wird er John genannt, was unwillkürlich an de« nicht minder tapferen„Sir John" erinnert— der pro Woche mindestens ein Dutzend Tyrannen beseitigt— in Steifleinen natürlich, hatte Ansang August in G r eenp o int bei New- Jork einen Vortrag ge- halten, an die sich eine Diskussion knüpfte. Im Verlaus derselben for- derte Franz, der an derselben theilnahm, Häuschen auf, mit ihm vor öffentlicher Versammlung über drei vorher zu formulirende Fragen zu disputiren. Unter dem Einfluß der Versammlung nahm„Sir John" an, hinterher aber besann er sich eine« Besseren und erklärte in seiner bekannten Manier, die Bedingungen paßten ihm nicht. Es wurde ihm freigestellt, er— Most— solle mit seinen Freunden die betr. Ver- sammlung arrangiren, aber, getreu seinem Vorbild(„und wenn Gründe so billig wären wie Brombeeren, so werdet ihr doch keine von mir hören"), zog Hau« es trotzdem vor, an der„Posse" nicht theilzunehmeu. Und als dann Franz am 14. September in öffentlicher Versammlung über die drei Fragen referirte, war Häuschen, dem die weiteste Redefreiheit zugesichert war, nicht zu Hause! Er hatte„Wichtigeres" zu thun. Acht Tage drauf lud der große Mann eine B o l k« v e r s a m m- l u n g nach Mendel« Affembly Rooms ein, in der er„praktische.Politik" lehren wollte. Zn dieser wichtigen Versammlung hatten sich die Arbeiter so zahlreich eingesunden, daß Referent, sein Stab und die„Massen" e« für rathsamer hielten, eine Kneipe aufzusuchen und dort beim Glase Bier „und einer Pfeif' Tabak" Tyrannenmord zu studireu. Zu schwach be- suchte Versammlungen kommen überall vor, aber für einen Revolutionär mit Siebenmeilenstieseln sind sie doch recht fatal. Noch fataler ist e», daß sich für da« Dynamit, da»„in beliebigen Quantitäten" ans Lager ist, gar keine Liebhaber finden. Da haben diese Leute da» Mittel, da« nach ihrer Behauptung geeignet ist, der Schandwirthschaft ein schnelle» Ende zu machen, in ihrem Blatt ausgeboten wie saure« Bier, und es findet sich absolut Niemand, der davon Gebrauch machen will. Das ist wirklich Jammerschade! — Ein Revolutionär mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung. Der in voriger Nummer von uns gekennzeichnete „Anarchist" Meyer in Nürnberg hat in einer Metallarbeiterversammlung, iu der ihm über seine Denunziation der Metallarbeiter- Krankenkasse gehörig der Text gelesen wurde, sich unter polizeilichen Schutz geflüchtet und erklärt, er werde um die E r l a u b u i ß einkom- men, künstig mit einem Revolver ausgehen zu dürsen. Da» ist der Gipfel der Anarchie! Ueber da« saubere Bündniß diese» echten Revolutionär» und seiner Kumpane mit den Nürnberger Fortschrittlern in nächster Nummer. Ts ist ein zwar sehr widerliche«, aber lehrreiche« Kapitel. — Frankreich. Dey 7. Jahreskongreß der sozialistisch-revolutio- nären französischen Arbeiterpartei war, wie in voriger Ztummer bereit» gemeldet, von 125 Delegirten besucht, darunter ca. 90 au« Pari» und Um- gegend. Sehr viele Orte an« der Provinz haben sich damit begnügt, Pariser Delegirten ihr Mandat zu überlassen. Der Kongreß beschloß, de» Titel der Partei in„Verband der sozialistischen Arbeiter Frankreichs" abzuändern und es jedem Regionalverband zu überlassen, Programm und Nebentitel nach eigenem Ermessen festzusetzen. Ein einheitliches Parteiprogramm besteht somit überhaupt nicht mehr. Der famosen„Theorie der öffentlichen Dienste", dieser Brousse'scheu „Widerlegung des Marx'schen UtopiSmuS" wurde, wie wir vorausgesagt, ein anständiges Begräbniß bereitet. In der Frage der auswärtigen Arbeiter nahm der Kongreß folgende Resolution an: „In Erwägung, daß der Begriff Vaterland ei» bürgerlicher und ver- alteter ist,% *) Schönen Dank, Hr. Staatsanwalt! ein Schimpfwort au« Ihrem Munde ist für nn« ein Complimeut. Wir werden auch serner unsere Schuldig- keit thun und bedauern nur, daß im vorliegenden Falle unsere Winke seilen« unserer Genoffen so wenig beachtet wurden. Wa» wir thun tön- neu, Ihnen Ihr Amt zu erschweren, soll geschehen. D. Red. „daß die Arbeiter der verschiedenen Länder, weit entfernt, natürliche Gegner zu sein, vielmehr dieselben Interessen haben und sich im Kampfe befinden für Bertheidigung derselben gegen ihre internationalen An»- beuter erklärt sich der Kongreß 1) gegen jede Beschränkung der freien Bewegung ausländischer Ar- beiter; 2) dafür, daß da« Gesetz gegen die Fremden aufgehoben werde; für jede Maßregel, die darauf hinausläuft, die Arbeiter der verschiedenen Länder einander näher zu führen, besonder« für Maßregelu, welche die Gesetze ausheben, die die Reorganisation der Internationalen Arbeiter- Assoziation verbieten. Aber in gleichzeitiger Erwägung, daß die Einwanderung fremder Ar- beiter in Frankreich ein Mittel ist, welches die Arbeitgeber anwenden, um ein allgemeines Sinken der Löhne herbeizuführen;! erklärt sich der Kongreß ferner: 1) für jede Maßregel, den französischen Arbeiter auszubilden, wie Ge- werbemuseen, Reisen, Aufenthalt im Ausland, damit er au« Hirn und Muskel, seinem einzigen heutigen Eigenthum, den best-möglichen Vor- theil erziele(?). 2) für gesetzliche Maßregeln, die es den Unternehmern bei Geld- und event. Freiheitsstrafe verbieten, fremde oder frauzöfifche Arbeiter zu anderen Preisen al» zu den von den Arbeiterkorporationen festgesetzteu arbeiten zu lassen. Ju Erwägung endlich, daß in vielen Geschäftsbräuchen die Arbeit- geber da« Gesetz dadurch umgehen könnten, daß sie bereit» iu Maaren verkörperte Arbeit einführen; daß Einfuhrzölle oft auf den Preis der Konsumartikel zurückfallen, erklärt sich der Kongreß für die Organisation össentlicher Atelier» iu den verschiedenen Zweigen der menschlichen Arbeit." Des Weiteren erklärte sich der Kongreß für die Achtstundenarbeit bei einem Rnhetag per Woche, für möglichstes Verbot der Stückarbeit und gänzliche Aufhebung der sogenannten Marchandage(Vergebung von Arbeitern an einen Zwischenausbeuter, namentlich beim Bergbau k. im Schwung), wo diese„Ausbeutung de» Arbeiter» durch den Arbeiter" noch besteht. Schließlich erklärte sich der Kongreß für eine von dem Natioualkomite vorgeschlagene internationale Konferenz, welche am 29. Oktober in Pari« stattfinden soll, und au der die französische Arbeiter- Partei, die englischen Trades-Unioo« und die sozialistischen Arbeiterparteien Spanien» und Italien» theilnehmen sollen, und zwar behuf» Berathung folgender Fragen: 1) Die internationale Fabriksgesetzgebung. 2) Die Regelung der Arbeit ausländischer Arbeiter. 3) Mittel, die Gesetze zu beseitigen, welche iu den verschiedenen Ländern einer ununterbrochenen Verständigung unter den Arbeitern im Wege stehen. Diese Konferenz soll der Vorläufer eine» später einzuberufenden all- gemeinen Kongresse» der Arbeiterparteien aller Länder sein. Dies die wesentlichsten Beschlüsse de« Kongresses. Eine Würdigung derselben behalten wir uns noch vor. — England. Die„Demokratische Föderation" arbeitet ganz tüchtig und gewinnt in Folge dessen auch immer mehr Boden im Volke. Einen glänzenden Ersolg hatte sie jüngst im Osten London» zu zu verzeichnen. Dort sollte in einem massenhaft besuchten Meeting in Stepney Hall die Auswanderungsfrage diskutirt werden und hatten die Einberufer derselben eine Resolution beantragt, nach welcher ange- ficht« der steigenden Nothlage die Regierung aufgefordert wurde, die Auswanderung zu fördern und mit Staatsmitteln zu unterstützen. Dem Referate eines Herrn Boyd traten die Mitglieder der Demokra- tischen Föderation John William» und I. Macdonald energisch entgegen und führten au», daß jedesmal, wenn die Arbeiterklasse sich geltend zu machen versuche, Kapitalisten und LandlordS für die Auswan- derung werben ließen. So habe man es bei der Chartisten- und Reform- bewegung gemacht, und jetzt komme man wieder damit, weil Henry George vor das Volk getreten sei und ihm gezeigt habe, daß es ein Recht auf das Land besitze. Es feien stets die intelligentesten und die fleißigsten Leute, die auswandern, und e» sei daher eine schöne Staats- kunst, diese fortzuschicken und die Verbrecher und NichtSthuer daheim zu beHallen. Die sportliebenden Besitzer der großen Jagdgründe sollten nur diese freigeben, dann wäre für Viele Arbeit zu Hause vorhanden. Eine in u diesem Sinne lautende Resolution wurde unter stürmischem Beifall mit allen gegen zwei Stimmen(die des Einberufer» und de» Referenten) angenommen. Gelegentlich de» Kongresses der Gewerkvereiue in Nottingham arrangirten die Anhänger der„Demokratischen Föderation" in dieser Stadt eine Massenversammlung, die von nahezu 10,(XX) Personen besucht war, welche voll und ganz den sozialistischen Ausführungen de» Referenten zustimmten. Da»„todtgeborene Kind" wird hoffentlich ein recht kräftiger Junge werden. — Spanien. Am 4. Oktober ward in Valencia der Jahres- kongreß de» spanischen Arbeiterverbande» eröffnet; 120 Delegirte waren anwesend, unter ihnen eine Anzahl Vertreter von Landarbeiter- vereinen. Diese stimmten, wie die„Revista social" schreibt,! dem bereit» früher von un» erwähnten ländlichen Theilhaberpachtsystem„begeistert" zu. Einen eingehenden Bericht wird da» genannte Blatt erst in der nächsten Nummer bringen. Der Auspfeifung des Uhlanenkönig» in Pari» widmet die„Revista social" einen Leitartikel, der in sehr treffenden Worten die internationale Solidarität der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker betont. Korrespondenzen. - Frankfurt a. M- Welch' schreckliche Empfindungen sich unserer Polizei au dem geschichtlich nicht zu verwischenden Tage de» 13. Sep- tember bemächtigen, können sich unsere Parteigenossen allerort» leicht vorstellen, wir wollen deshalb die» Thema nicht weiter behandeln, sondern einfach und in kurzen Zügen unsere Erlebnisse vom 18. September 1882 und 1883 bi« zu den jüngst hier stattgehabten, für die Herreu Bourgeois so erbaulichen— Kaisermanövern schildern. Im verflossenen Jahre legten wir, einige 190 Genossen, sämmtliche mit rothen Blumen im Knopfloch, an der Ruhestätte der am 18. September 1843 gefallenen Freiheitsmänner einen Lorbeerkranz mit breiter rother Schleife nieder, welche die Inschrift trug: „Den gefallenen Barrikadenkämpfern gewidmet von den Frank- furtern Sozialdemokraten". Die Schleife wurde jedoch, nachdem man mittelst einer Leiter den Kranz, der an der obersten Spitze de» Denkmal« angebracht war, herab- genommen halte, durch die diebssichere Hand des Kirchendiener» iu unserer Abwesenheit entfernt und dem Schutzmann Nr. 43 übergeben. Auch unsere Bockenheimer Genossen hatten einen hübschen Kranz mit rother Schleife und ähnlicher Inschrift gebracht; doch auch ihn ereilte dasselbe Schicksal durch die allmächtige Hand des Schutzmanns Nr. 59, nachdem der Kranz drei Stunden gehängt hatte. Unsere Wohllöbliche war nun wohl der Anficht, daß un« keine anderen Mittel und Wege zu Gebole ständen, sondern daß wir in diesem Jahre einen ähnlichen Kranz niederlegen würden, damit sie dann wieder ihre gierigen langen Finger nach der kostbaren rothen Schleife ausstrecken könnte. Zu diesem Zwecke hatte sie bereits am 16. September den Fried- Hof sowie die dahin führenden Wege ganz besonder« streng bewachen lassen, jedoch erfolglos; die so sehnsüchtig erwarteten Sozialdemokraten mit Kranz und rother Schleife erschienen nicht, und uuverrichteter Sache zogen unsere, schon mehrmal» geschilderten Tugeudwächter mit langen Gesichtern und verdrossenen Blicke» wieder ab. Trotzdem wurden Namen« der Partei mehrere Kränze mit rothen Immortellen niedergelegt, an welchen sich die Polizei nicht zu vergreifen wagte, da sie bereit« am 18. März, wo sie durch den Schutzman Kern einen großen Kranz hatte wegstibitzen lassen, sich genöthigt gesehen hatte, denselben in Folge stattgefundener Reklamation dem Friedhofwächter mit dem Bemerken wieder zuzustellen: der Kranz sei„nur au« Ver- sehen" annexirt worden. Wie erstaunt mag daher unser Polizeipräsidium und unser Ehren- B l e y gewesen sein, als sie am 18. September beim Morgengrauen mit der Nachricht überrascht wurden, am Roßmarkt(Revier des Kommiffariu« Bley), direkt vor dem Hause des„General-Anzeiger", genannt General- Lügner, wehe an einem Telephondrahte eine mehrere Meter lange, breite, rothe Fahne mit der bedeutungsvollen Inschrift in großen fetten Buchstaben: „Die Fahne rothl Volk, denk' daran: Der Völkerschlacht— zum FreiheitStag! Die Sozialdemokratie." Im ersten Moment verlor man geradezu die Fassung über diese» kecke Wagstück, man zerbrach sich den Kopf, auf welche Weise die Fahne wohl angebracht sei, und doch war die Sache so einfach— selbst em Nacht- Wächter, welcher wohl der Anficht war, es handle sich um Borbe- reitungen zum Einzüge des„Heldengreise»", war zugegen gewesen und hatte un» seinen Beifall über die gelungene, geschmackvolle Art und Weise, wie die Fahne angebracht wäre, sowie den gesunden Einfall, in warmen Worten ausgedrückt. Morgens gegen 5 Uhr standen bereit» 500 Menschen vor dem Hause, und hatten wir Gelegenheit, die verdutzten Gesichter der Spitzel und der übrigen Anwesenden mit einer gewissen Schadenfreude zu beobachten. Auch ein Dienstmann befand sich unter der Menge, welcher sich eierig bemühte, derselben begreiflich zu machen, wie die Fahne angebracht sei und wie der Spruch darauf laute. Sofort ging es nun an's Werk, die Fahne von dem für unsere Zwecke so prächtig geeigneten Telephondrahte zu entfernen; doch diese Sache ging nicht so leicht von Statten. Nachdem ein Schutzmann und der Haus- befitzer über eine Stunde lang sich vergeblich abgemüht hatten, wurde ein Dachdecker geholt, dem e» endlich um Uhr gelang, da» fatale Sym- bol der Rebellion herunterzuholen. Wir waren nun, und mit uns wohl alle Bewohner Frankfurts, ge- spannt— denn es hatte sich bereits mit Windeseile über die ganze Stadt verbreitet, welchen Schabernack der Kobold in Gestalt der Sozialdemo- demokratie unserer wohllöblichen Polizei gespielt hatte—, wa« die Frankfurter Presse, die doch bei derartigen Gelegenheiten immer bei der Hand zu sein pflegt, darüber bringen würde, aber Tag um Tag verging, und wir konnten mit dem besten Willen in derselben, selbst nicht m un- serer biederen Fraukfurteriu, auch nur die leiseste Andeutung finden. Aus die nun eingezogenen Informationen erfahren wir, der Herr Polizeidirektor habe sofort an sämmtliche Zeitnngsredaktioncn schreiben und sie bitten lassen, man möge wegen der nahebevorstehenden Hierherkunft de» „ollen Willem" nichts über diesen Borfall aufnehmen. E» ist hier wohl der Spruch angebracht:„Mein Wunsch soll Dir Befehl sein", und so wurde die Sache einfach todtgeschwiegen; denn hätte der auch hier von anno 1848 noch in gutem Andenken stehende Kartätschen Prinz, vulj-o deutscher Kaiser, davon erfahren, so hätte er seinen Besuch abgesagt und die von unseren Stadtvätern so bereitwillig gewährten 16,000 Mk. hätten nicht in Gemeinschaft mit dem„Heldengreis" verfressen werden können. Und wie viele mögen schon im Wonnegefühl einige Tage lang vorher gefastet haben? Ueber den Kaiser-Einzug ist nicht viel zu erwähnen. Da» Volk war vertreten in Gestalt von Schulkindern, alten Weibern, Polizeispitzeln und ähnlichem Gelichter mehr, die bei jedem durchfahrenden Wagen und selbst bei einem seinem Herrn durchgegangenen Hunde gegröhlartige Hurrah« und Hochs ertönen ließen. Dieselben Ovationen wurden auch dem„ollen Willem" zu Theil, der sich demnach mit dem Hunde in die Ehren des Tage» zu theilen hatte. Mit besonderen Auszeichnungen wurden der Polizeipräsident Her gen- h a h n, welcher in den Adelstand erhoben ward, und unser Rumpfs, der den rothen Raubvogel erhielt, und der Gesängnißinspektor Streitke bedacht, der, früher Feldwebel, seine Stelle dem Herrn v. Madai verdankt, dessen Köchin er, nachdem sie durch Herrn v. Wnrmb in andere Umstände versetzt war, heirathen mußte. Ihm wurde da«— Ver- dienstzeichen angehängt. Dagegen scheint man unseren Oberbürgermeister Miguel, welcher Anfang» der 50er Jahre neben Marx und Engel« Mitglied de» Kommunistenbunde» war und der 1864 iu einer Generalversammlung de» Nationalverein» zu Leipzig gegen einen größeren Krei» der ihn Umgebenden die nicht mißznverstehende Drohung aussprach:„Wenn man in Berlin nicht bald nachgebe, werde man die Arbeiter aufrufen, und dann sei e« um die Köpfe der Herren in Berlin geschehen", absichtlich übergangen zu haben. Armer Miguel! — München, 25. September. In einer Mitte d». Monat» abgehaltenen Parteiversammlung ist al» Kandidat für die nächsten Reichstag»- wählen Genosse Maximin Ernst aufgestellt worden.— Genosse Dr. S ch L n l a n k erfreut sich der ganz besonderen Liebe der Hochlöb- lichen.„Meineidsmichel" kajolirt ihn auf alle Weise durch Vernehmungen, durch da» lächerliche Verlangen de» StaatSangehörigkeitsnachweiseS tc. Wahrscheinlich ist die Nachricht von der Kandidatur Ernst den Polizeiern ganz besonder» arg in die Krone gefahren, und aus Wuth, daß ihre Spitzel die Schnüffelnafen nicht zur rechten Zeit in die„freie" bayrische Lust zur Witterung heranSgereckt hatten, war e» wiederum Dr. Schönlank, der kujonirt werden mußte. Also am Dienstag Borladung vor den Hauptlump G e h r e t, und die wundersame Mittheilung, Schönlank sei hin- reichend verdächtig", an einer sozialdemokrattschen geheimen Versammlung in einem öffentlichen Garten theilgenommen und geredet zu haben. Woher dieser schwarze Verdacht?„Man(d. h. die Polizeispione) hätte— man höre und staune!— einen schwarzen jungen Mann mit sehr vielen Dnell- hieben im Gesicht, mit blauem Rock, an der betreffendm Stelle gesehen." Auf diese köstlichen Indizien hin schreckliche Auflegung unter den Mit- gliedern derlHallunkenhöhle in der Weinstraße— aber Beweise haben sie keine! Woher denn auch? Wir wünschen ihnen gesegnete Mahlzeit und gute Verdauung, den Schlauköpfen von„Gotte» Gnaden"! Die Parteibewegung ist eine recht lebhafte und vielversprechende, V o l l m a r wird noch in dieser Woche wieder, und zwar Uber die Par- teien im Reichstage sprechen.(Die betreffende Versammlung hat statt- gefunden und war glänzend besucht.) Allerdings schürt die Löbliche im Geheimen bei den Wirthen, um die größereu Lokale für die Versamm- lungen un» zu nehmen. Ganz gelingt'S aber nicht. Der Glaser Hermann, von dem jetzt viel die Rede ist, ist nicht nur ein großer Politiker, sondern auch ein guter, ja ein Muster-Gatte. Wenn er in Geldklemme ist— nnd da« soll oft vorkommen— so schickt er seine Frau zu einem lüsternen Oberpfaffen, der sie dann mit Geld versorgt. Da« nennt sich frommer Christ und Patriot! Bogenschütze. Warnung. Wir warnen unsere Genossen, besonder» in der Schweiz, vor dem B n ch b in djer August Moriscfl au» Andreasberg in Hannover. Derselbe gab sich für einen eifrigen Parteigenossen au» und erschwindelte sich unter allerlei falschen Borspiegelungen theil« von feinen Mitarbeitern, theil« von hiesigen Einwohnern mehrere hundert Mark, womit er sich angeblich zu seiner Familie nach Wädensweil, Kanton Zürich, begab. Da Zweifel darüber herrscht, ob da der Name Morisch richtig ist, geben wir hier die Personalbeschreibung: Alter: etwa 32 Jahre, Gestalt: mittelgroß, Haare: blond(und Glatze), Bart: röthlichblond, Augen: grau. Er trägt auch Brille und zeichnet sich durch aalglattes, einschmeichelnde» Benehmen au». Bockenheim, bei Frankfurt a/M. im September 1883. Die Parteigenossen. Etwaige Mittheilungeu über denselben wolle man baldigst an un« hierher gelangen lassen. Die Expedition de»„Sozialdemokrat." Aufgepaßt! I« Irederiksöerg Sei Kopenßage« ik ein Streik der Glasmacher ausgebrochen. Zuzug ist feruzu- hatte«. Mäherer Mericht folgt. per Mertraueusmauu. Quittung. An» Philadelphia sind nachträglich Mk. 113,— eingegangen (gesammelt bei einem Fest in Mendel» Salon); ferner von der„New- Dorker Volkszeitung" Mk. 34,51. Da» au» Frauenfeld zum Streik ge- sandte Geld(Mk. 17,37) ist nach des Absender« Bestimmung nach Stutt- gart für den Schreinerstreik gesandt worden, sowie Mk. 60,— von dem Gelde au» Philadelphia. Mit sozialdemokratischen Gruß! Die Genossen Meerane». Gegen Spione, Kochstapker, Schwindler n. f. w. Immer wieder müssen wir daran erinnern, daß zur Feruhaltung obigen Gesindel» unbedingt von Zureifendeu a l l e r w I r t», ohne jede Ausnahme, schriftliche Legitimation von be» kaunter Hand als alleiniger ZZerläßlichkeitSnachweiS verlangt werden müssen. In Süddeutschland versuchte sich vor Kurzem— angeblich aufder Flucht befindlich— ein Carl D e i tz oder D i e tz au» Dresden unter verschiedenen Machinationen„den Borstand unserer Ge» nossen"— wie er sich ausdrückte— zu erfragen. Natürlich ver- geben». Seinem Auftreten nach ist erPolizeispiou oder Hochstapler. Also aufgepaßt I Die Vertrauensleute in Zürich. Wir fühlen un» verpflichtet zu konstatiren, daß da»„Norddeutsche Wochenblatt" in seiner Nr. 49, die am gleichen Tage wie unsere vor- letzte Nummer herauskam, den iu derselben von un» angegriffenen Artikel wesentlich modifizirt. Wir sind nun zwar auch mit der Lesart nicht ein- verstanden, in welcher die Redaklion neuerdings ihre Ausführungen auf- gefaßt wissen will, sondern halten daran fest, daß unter den obwaltenden Verhältnissen die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland da» nicht leisten kann, wa» da von ihr verlangt, be;w. erwartet wird; indeß das ist eine Frage, über die man eben diskutiren kann. Im vorliegenden Falle war es uns vielmehr hauptsächlich darum zu thun gewesen, einer etwaigen Verwischung unserer Grundsätze entgegenzutreten. Brieftasten der Redaktion: An Alle, die e» angeht: ES gehen un» eine Reihe von Anfragen zu nach dem Verbleib eingesandter Korrespon- denzen, die nicht zur Veröffentlichung gelangten. Wir haben darauf zu erwidern, nnd bitten die Genossen allerort», die» zu berücksichtigen, daß wir beim besten Willen nicht in der Lage find, alle un» zugesandten Be- richte zum Abdruck zu bringen. Zeitweise ist der Andrang so stark, daß wir absolut gezwungen sind, die Mehrzahl der Berichte zurückzulegen, selbst wenn wir ihnen pro Nummer den ganzen Raum widmen wollten. So kommt e», daß manche Korrespondenzen allmälig veralten, durch neue Ereignisse überholt werden. Wir suchen nach Möglichkeit diesem Uebelstand abzuhelfen und bitten die Genossen nur, überzeugt zu sein, daß wir absolut keine Parteilichkeit obwalten lassen, wa» ja auch daran» hervorgeht, daß jede Reklamation von uns berücksichtigt wird. Ebenso wollen sich die Genossen durch diese Notiz nicht abhalten lassen, nach wie vor fleißig mit dem Parteiorgan zu korrespoudiren. Besser zu viel al» zu wenig!— C. B. in London: Besten Dank für Ausschnitte und „Christian Socialist". Letzterer ist allerdings ganz unverhältnißmäßig respektabler als das, wa» auf dem Kontinent unter diesem Titel hausirt. Die Macher sind aber wohl auch keine Hofprediger.— I. D. in S.: Mskpt. dankend empfangen. der Expedition: H. P. Hflde.: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. erh.— H. Rm. Z.: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh.— M. St. Pest: öwfl. 3,— Ab. 4 Qu.„Arbst.",„Szdrkt." und 1. Qu.„N. W." erh. Alle» fort.— Soz. Mitgl. W'thur: Fr. 3.05 pr. Agfd». dkd. erh., Fr. 3,10 P.-B. d. Lds.-AuSschuß übergb.— Rundmacher: Mk. 223,25 k Tlo. Abon. und Schst. erh. Mehrbstllg. notirt.— Sindbad der Seefahrer: Mk. 6V,— k Cto. Ab. erh. Bestllg. tc. geeigneten Orte« notifizirt.— Lodernde Flamme: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. u. Mk. 1,— pr. Usd. dkd. erh.— Brille: Fr. 24,75 Abon. Sp. 4. Qu., sowie Rest von B. u. V. A. bi» Ende 83 erh.— Anhänger Lange» Wien: öwfl. 1,— Pr. Agfd«. dkd. erh.— Bdckr. E. a. R.: Fr. 7,50 Ab. 1., 3. u. 4. Qu. durch O. u. F. erh. — Sal.: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. erh.— Rothkäppchen: Fr. 10,50 ä Cto. Ab. 4. Qu. durch K. erh.— K.«. Z.: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh.— Der Bekannte: Mk. 100,— ä Cto.-c. erh. u. besorgt.— H. R. Stbg.: Mk. 1,— s. Schst. erh.— W. D. jr. D.: Mk. 10,40 Ab. 4. Qu. und Schst. erh.— Der Alte vom Berge: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. u. Fr. 7,11 Ab. 4. Qu. T. u. Sch. erh.— E. B. Lpool: Fr.—.30 f. 1 Expl. 42 erh.— Mönu»: Mk. 1,35 Ab. Rest bi» Ende Sept. erh.— v. d. Eider: Mk. 62,60 k Cto. Abon. 3. Qu. u. Mk. 3,60 Ggrchg. gutgebr.— Der alte Rothe: Mk. 42,25 Abon. 3. Qu. u. Schst. erh., Adr. notirt. Brief- siege! ohne Prägung find zwecklos.— A. B. Schdz.: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. erh.— R. K. Nr. 6: Mk. 6,— Ab. 4. Qu. erh. Adr. geordu. Brandenburg: Sie wünschen dem Ehren-Bley viel Glück in'S Zuchthaus. Wer weiß, ob er dort nicht in zu anständige Gesellschaft käme?— I. D. Chicago: Fr. 5,— Ab. 4. Qu. für 2 Expl. erh.— Rother Paulus: a-n. ist in Bsl.— Därmig: Mehrbstllg. notirt. Weitere» erwartet.— Hbg«. Pdm.: Mk. 13,40 Ab. 4. Qu. erh. Bfl. Weitere».— Jugend!.: Mk. 6,40 k Cto. Ab. 4. Qu. erh.— B. u. H. W.: Fr. 50,— k Cto. Schst. erh.— a-u.: Fr. 1,15 f. Schst. erh.— O. P.«bfid.: Mk.4,30 Ab. 4. Qu. erh.- E. K.: Fr. 3,- pr. Usd«. dkd. erh.— I. Sch. Bhlm.: 30 Pfg. s. Schst. erh.— Blli: Fr.—,40 f. Schst. erh.— ». Wien: Fr. 1,05 f. Schst. erhalten.— H. Oerlk.: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh.— Unversöhnlicher: Mk. 15,50 f. Schst. durch R. erhalten.— Ferd.: Alle» nach Wunsch geordnet. Zhg. erst am 1. Nov.— N.'sritze: Athl. Nr. 793 dkd. gelöscht.— Marat L.: öwfl. 10.— f. Schst. und Ab. 4. Qu erh. Sdg. besorgt.— I. H. Thür: Fr. 10,65 Ab. 4. Qa. Schst. u. Porto erh. Rm. ic. abges.—-s-s-s- Himmel---: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. Sch. erh Weitere« ist besorgt.—„Roth ist die Fahne!" Payerne- Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh.— P. Typ. Pari«: Fr. 2,50 Ab. 4. Qu. erh.— D. Sch. U. a. D.: Mk. 6,30 Ab. 4. Qu. u. Schst. erh. Warum einspännig?— Oncel: Adr. geordnet. Weitere« erwartet. — Stoffel: Bs. v. 15/10 erh. Inhalt notifizirt.— F. Schppl. Glaru»: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh.— W. B. Bukarest: Fr. 40,— pr. Wfd». und Fr. 40,— Ab. 4. Qu. Szd. u. Arbst. u. Schst. dkd. erh. Briefe kreuzten.— P. B. Basel- Fr. 1,— für UnterstützungSfond.— H. O. Par,«: Fr. 2,50 Ab. 4. Qu. erh.-- r Sttgl.: Einige Wochen vor d. schweiz. Arbeitertag haben allerding» die Züricher„Erleuchteten der soz.-rev. Heilsarmee" beschlossen,„demnächst Deutschland in Angriff zu nehmen". Ob Ihr„Kapitän" Na. dorten mittelst Leim» Chloroform oder Haselstaude da»„Wunder" inszeniren wird, bleibt abzuwarten. General Bumbum schwärmt indeß für die Haselstaude, d. h.— sein Hosenkreuz ausgenommen. Sonderbare Schwärmer!-- Arbeiter-Fortbildungsveroin B Derselbe versammelt sich jeden Montag in Jean Gross'» Hamburger Hall 176 Ost 3. 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