-- - - —————— Erscheint wSch entlich einmal in Zürich(Schwei;). Merkag der «»lrtbuchhoitdlung Hottingen-Zürich. poSlelldullgeu tronfo gegen ftanlo Gewöhnliche Briese nach der Echwett loste» Doppelporto. Der SoMldemckrat Aentral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweizerische« Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen belannien Agenten enigegengenommen, und zwar zum vorn»g> ahl bar«» Vierieljahripreii«on Fr ll— sllrdieSchweiz(Kreuzband) Ml Z— sllr Deutschland(Couvert) st. 1.70 sllr Oesterreich(Couoert) Fr. 2 so sllr alle übrigen Länder de» Weltpostverein»(Kreuzband). Austräte die dreigeivaliene Petitzeil« 25«Ii. 20 Psg. N: T8. Donnerstag, 22. November I88A. Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„Soztatdemokrat." Da der.EozialdemolraC sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist. bezw.»ersolgt wird und die doriigen «ebirden ftch alle Müde geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, rejp Briefe von dort an UN» ...J» 1 r r. r________ v.-» r-_____ f-:fl x:« X k». Strt nRviorf»fir n n�fiVnor» S5 ft»l«>\ als möglich an den.Eozialdemolrai», refp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden. welche stch dann mit uns in Verbindung seht; anderseit» aber, dah auch un» mögtichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheiit werden. In zweiselhaslen Fällen empfiehlt sich behufi größerer Sicherheit stielommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Milde noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigleiten den.Eozialdemolrai' unseren Abonnenten mögtichst regelmäßig zu liefern Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Wofür sie Geld haben und wofür nicht. Der Lutherschwindel, von dem Deutschland im Oktober und in der ersten Hälfte des November« heimgesucht war— in der offiziellen Sprache nennt man eS„Jubelfeier des vierhundertsten GeburtStageS unsere? großen Reformators"— hat einer mäßigen Berechnung nach an baaren Auslagen 20 Millionen Mark gO kostet. Und dabei ist bloS von den sogenannten Festlichkeiten, Illuminationen u. f. w. die Rede. Außerdem hat dieses„Luther- Jubiläum" zu einer neuen Gründerperiode den willkomme- nen Anlaß gegeben: nämlich zu einer Massengründung von Kirchen. Mindestens zu hundert Kirchen ist in diesen„denk- würdigen Tagen" das Fundamen�t gelegt worden— und daS bedeutet, niedrig veranschlagt, eine weitere Ausgabe von 20 Mil- lionen. Macht 40 Millionen, welche die herrschenden Klassen— natürlich aus den Taschen des arbeitenden Volkes— im Handumdrehen„für eine Idee" geopfert haben. Freilich, die Idee ist auch danach. Der„große Reformator" war ein Fürstenknecht, der stch zur Herstellung des modernen Absolutismus und des neu byzantinischen GottesgnadenthumS gebrauchen ließ und fein Mög lichsteS that, den„freien Menschengeist" in Kelten, zu Wersen, die„Hure Vernunft" ihren wüthendsten Feinden: den Pfaffen uud Schergen zu überliefern. Durch die feile Geschichtsschreibung ist dieser Erzreaktionär, welcher zu Beginn seiner unheilvollen Laufbahn(gleich so vielen unserer heutigen Reaktionäre, die bis zum Jahre 1848„Volks- männer" waren) sich und viele der Zeitgenossen mil FreiheitS Phrasen berauscht hatte, in einen idealen Freiheitshelden u m g e logen worden: einen Ritter vom Geist ohne Furcht und Tadel, den gewaltigsten Vorkämpfer der freien Forschung und der Ge> Wissensfreiheit. Und ein großer Theil deS Volkes, dessen sagenbildende Phantasie gern menschliche Götzen schafft, hat daS Produkt der historischen Falschmünzerei für baare Münze, für echteS Metall genommen, so daß es den herrschenden Klassen ein Leichtes war, ihrer Feier der Knechtung und Zerreißung Deutschlands den Nimbus freiheitlicher VolkSthümlichkeit zu verleihen. Der Mann, welcher Alles gethan hat, was ein einzelner Mann thun konnte, um die nationale Wiedergeburt oder richtiger Neugeburt unsere« Vaterlandes zu verhindern und den ersten und großartigsten Emanzipationsversuch unseres Volkes zu nichte zumachen— er wurde als Wiederhersteller Deutschlands, als der„Schöpfer der deutschen Nationalität" in allen Tonarten gepriesen, und Hunderttausende glaubten, was ihnen vorgeschwindelt ward— und feierten die nationale Schmach, indem fie eine nationale Großthat zu feiern gedachten. Nie ist mit dem Volk ein schamloserer Schwindel getrieben worden! Und dafür 40 Millionen Mark! Ja, wo und wann eS gilt, ihre Herrschaft zu befestigen, ihre Interessen aus Kosten der Allgemeinheit, des arbeitenden Volkes zu fördern, da schrecken die herrschenden Klassen vor keiner AuS- gäbe zurück— da spendet auch der geizigste Bourgeois mit offener Hand, denn sein Klassentnstinkt sagt ihm, daß daS Geld, welches er ausstreut, nur Saatfrucht ist, die ihm rei chli ch e Ernte bringt. Man gibt in Löffeln, um in Scheffeln nehmen zu können— wie das Bourgeoisregel und Ausbeutungsprinzip ist. Zur Aus- beutung gehört aber die Verdummung. Ein Volk, daS stch seiner Interessen klar bewußt ist. welches das innere Getriebe deS politischen und sozialen Organismus kennt, läßt stch nicht ausbeuten. Die» ist der Grund, warum der auf dem System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhende und diese Ausbeutung zum Zweck habende Klassenstaat nie ernsthaft die Volksbildung erstreben kann und die Schule, insbesondere die Volksschule, zu Verdummungsinstituten und Unterdrückungsinstrumenten machen muß. AlleS, was zur Knechtung der Geister und zur Niederhaltung „rebellischer Elemente" dient, wird freudig begrüßt und— mag es kosten, was es will— die Mittel werden steudig und leichten HerzenS von dm„sparsamen" Herren Bourgeois beschafft. Wenn ein paar lumpige Millionen zur Gründung von AlterSversorg ungs- und UnfallversicherungS lassen votirt werden sollten— sind dieHerrm nicht zusprechen. Jeden Psmnig, der ihnen abgefordert wird, umklammern sie krankhaft, und die Zumuthung, ihn„opfern" zu sollen, gilt ihnen als ein verbrecherisches Attentat auf ihre unverletzlichen Bourgeois« taschen und das heilige Eigenlhumsrecht. Gelegentlich der Bis« marck'schen sog.„Arbeitergesetze" ist dies recht drastisch zu Tage getreten. Zu Gunsten der Ausgebeuteten ist jeder Psmnig zu viel; zu Gunsten der Ausbeuter find die kolossalstm Summen nicht zu hoch. Wer hat je gehört, daß die Gelder zum Bau von Zuchthäusern und Gefängnissen von einer Kammer verweigert worden wären? Und mit welcher Eleganz stimmt der gcsammte Reichstag— die Sozialdemokraten ausgenommen— für den Militäretat, für Festungen und Kasernen, für lebendige und todte Mordmaschinen! Wenn wir die Summen zusammenrechnen, welche die Herr- schenden Klassen für Volksverdummungsfeste(Lutherjubiläum, Sedanfcst zc.) und für die Knebelung der Geister und Leiber (Gefängnisse, Kasernen ic.) ausgeben, so erhalten wir eine riesige Gesammtsumme— eine Summe, die bei richtiger Verwendung, zur Einfährung durchgreifender Resormmaßregeln und zur Anbahnung gerechter und vernünftiger Staats- und Gesellschaftszustände— mit einem Worte: der Sozialreform ausreichen würde. Allein Sozialreform, wie überhaupt jede emsthafte Reform, bedingt die radikale Umgestaltung der Zustände, aus welchen die Uebel, um deren Abstellung es stch handelt, ent- springen. Die Sozialreform, wenn ehrlich und wirklich, fällt deS- halb, was wir wiederholt betonten, dem Wesen und Ziel nach mit der Sozialrevolution zusammen. Eine ernsthafte und wirkliche Sozialreform wollen die Herr- schenden Klassen aber nicht— können sie nicht wollm, ohne auf ihre herrschende Stellung sammt den daraus fließenden Vortheilen zu verzichten, und darum haben sie— soviel sie auch von Sozialreform schwatzen und ihre Arbeiterfreundlichkeit ver- sichern mögen— kein Geld für ernsthafte sozialreformatorische Maßregeln und für ernsthafte Bestrebungen zur— so oft heuch- lerisch betonten—„Hebung der geistigen, sittlichen und materiellen Lage der Arbeiter." Immer und überall dagegen haben sie Geld, viel Geld, wenn es gilt, die geistigen und materiellen Ketten des aus gebeuteten und auszubeutenden Volkes fester zu schling i die Ausbeutung zu verewigen und intensiver- machen. Zur Naturgeschichte der Leipziger Polizei. Eine Studie für Herrn v. Nostiz-Wallwitz und seine belagerungszustandssüchtigen Kollegen. Mitte August v. I. kam eines Nachmittags der von uns mehrfach gekennzeichnete Schriftsetzer und weiland Expedient N e b e l zu dem seitdem ausgewiesenen Schriftsetzer Josef Huber in's Geschäft und verlangte sechs verschiedene Nummern des„Sozialdemokrat", um seine Lektüre komplet zu erhalten. Huber kannte den Nebel blos dem Namen nach, und zwar seit der Zeit vor 1878, und hatte keine Ahnung, welch' schuftige Rolle Nebel spielte. Nebel behauptete, von einem Schriftsetzer Frei, mit dem Huber nach Leipzig gereist ivar, geschickt worden zu sein. Frei kannte Nebel auch nicht als Lump und schickte ihn in guten Treuen zu Huber; da Huber aber die gewünschten Nummern nicht besaß, konnte er sie Nebel auch nicht geben. Von da an kam Nebel öfters zu Huber und suchte ihn auszuhorchen. Er erfuhr indeß nichts weiter, als daß Huber Parteimann sei und den„Sozialdemokrat" halte; durch wen er ihn bezog, erfuhr er nicht. Dagegen bot Nebel Huber das Abonnement auf die„Süddeutsche Post" an u n d brachte ihm das Blatt gratis, als Huber nicht abon- nirte. Dadurch bekam Nebel Gelegenheit, Huber wöchentlich 3— 4 Mal zu besuchen, der in Folge von Tarisstreitigkeiten vom 2. September bis 8. Oktober arbeitslos war und vom Buchdruckerverbande während dieser Zeit unterstützt wurde.___ Mittlerweile war Huber, als er anderen Parteigenossen von den häufigen Besuchen Nebel's erzählte, r�or diesem gewarnt worden und beschloß jetzt, ihn scharf zu beobachten.' Eines Tages brachte Nebel dem Huber verbotene sozialistische Schriften, die er nach seiner Angabe doppelt und dreifach in seiner Bibliothek habe, er wolle sie ihm zum halben Preise verkaufe n.') Huber lehnte den Kauf ab, weil er arbeitslos sei und keine Mittel habe, Nebel drängte sie ihm aber mit dem Bemerken auf: er könne sie bezahlen, wenn er wieder Arbeit habe. So kaufte Huber von Nebel auf Borg verbotene Schriften im Werthe von S Mk. für 5 Mark. Eines Tages kommt Nebel wieder zu Huber und findet bei diesem auf dem Tische fünf Billete zur Abendunterhaltung eines Gesangvereins liegen. Nebel ersucht ihn um vier Stück, die er verkaufen wolle. Ohne Arg gibt sie ihm Huber, entdeckt aber zu seiner Ueberraschung, als das Fest herankam, daß außer Nebel noch Döbler und zwei zwei Geheime das Fest besuchten. So waren die vier Billete verwendet worden. Man wußte genug. Kurz daraus kam Nebel abermals zu H u b e r, als dieser eben einen Brief an seine Braut adressirte. Nebel studirte die Adresse, indem er Huber'S Handschrift kritisirte; da ihm aber H u b e r jetzt sein Mißtrauen merken ließ, zog er bald ab. Huber war verwundert, als er nach zehn Tagen noch keine Antwort von seiner Braut erhielt, allein das Räthsel löste sich bald. In den ersten Tagen des Oktober fand der Hochverrathsprozeß gegen Wunderlich und Genossen statt. Huber besuchte die Verhandlung und auch l) Entweder hat Nebel die Schriften von der Polizei bekommen oder er hat sie seinerzeit, als Expedient der Genossenschastsbuchdruckerei, g e st o h l e n; wir wissen nicht, welche Art der Erwerbung die ehrenvollere ist. Nebel war dort. Ohne es zu wissen, saß Huber neben Döbler. In einer Pause kam Nebel zu Huber und sagte zu ihm:„Sie saßen ja neben de in alten Spitzbuben Döbler, jetzt werden Sie denselben kenne n." Dann fuhr er fort:„Haben Sie schon gehört, gestern wurde abermals ein Paket abgefangen." H'uber sah Nebel scharf in die Augen und sagte:„Dieser Schurke, der schon seit einiger Zeit hier sein Wesen treibt, gehört an den ersten Laternenpsahl aufgeknüpft." Nebel drückte sich verlegen und besuchte Huber nicht wieder! Am 9. Oktober fing Huber in der Druckerei von H i r s ch f e l d zu arbeiten an, am 25. Oktober Abends 6 Uhr wurde er von Döbler und noch einem Geheimen zur Polizei gebracht, wo man eine gründliche Bist- tation seiner Kleider vornahm, ohne etwas von Belang zu finden; dann wurde er zu dem Polizeikommissar Hohlfeld gebracht. Hier begann folgendes Verhör: H o h l f e l d: Kennen Sie die zwei Pakete hier?— H u b e r: Nein! — Hohlfeld: Ist dies Ihre Avr esse?— Huber: Ja!— Hohlseld: Wollen Sie das Paket aufmachen?— Huber: Nein!— Hohlfeld: Dann mache ich es auf! ivorauf er dasselbe aufschnitt und ein Paket„Sozialdeinokrat" zum Vorschein kam.')— Hohlseld: Kennen Sie das Blatt?— Huber; Sehr gut!—Hohlfeld: Woher?— Huber i Weil ich es schon seit seinem Bestehen lese.— Hohlfeld: Sind Sie Sozialdemokrat?— Huber: Ich habe die Ehre.— Hohlfeld: Wie lange schon?— Huber: Seit ich ver- nünftig denken kann.— Hohlfeld: Haben Sie noch Brüder und sind die auch so gesinnt?— Huber: Hoffentlich werden sie es jetzt sein, als ich zu Hause war, waren dieselben noch zu jung.— Hohlfeld: Dann ist es doch gut, daß Sie nicht mehr zu Hause sind, wegen der Verführung.— Huber: Dann thun wir anderswo unsere Pflicht.— Hohlseld: Woher kommt die Sendung?— Huber: Das weiß ich vorläufig nicht. Jedenfalls ist es ein mißglückter Spionenstreich des von der Polizei ange stell- ten Nebel.— Hohlfeld: Aha! Sehen Sie, daß Sie in Ihrer Partei Lu in pen haben?— Huber: Es ist traurig genug von einem Staate, die Roth und Charakterlosigkeit eines verkommenen Subjektes zu Spionendiensten zu mißbrauchen.— Hohlfeld: Einer Partei wie der Ihren gegenüber sind alle Mittel erlaubt.')— Huber: Dann bestätigen Sie also, daß Nebel in Ihren Diensten steht?— Hohlfeld: Wir haben noch mehr und seid Ihr vor Euren eigenen Genossen nicht sicher.')— Huber: Deßwegen bringen Sie uns nicht in Verzweiflung, unsere guteSache siegt doch!') Hohlfeld: Hier ist noch ein Brief an Sie, von wem ist denn der?— Huber: Der Schrift nach von meiner Braut; den vermisse ich übrigens schon lange. Das Verlangen nach Herausgabe des Briefes schlug Hohlfeld ab. Hohlfeld: Was haben Sie für sozialfftische Broschüren zu Hause?— Huber: Die kann ich nicht alle nennen.— Hohlfeld: Haben Sie vielleicht die„Revolution von Mainz"? Und nun nannte Hohlseld alle die Schriften, die Huber zuvor von Nebel gekauft, und die Nebel also offenbar im Einverständniß mit derPolizei Huber aufgedrängt hatte. Ist das nicht infam? Und solche Menschen haben kraft jenes schuftigen Ausnahmegesetzes die Macht über Wohl und Wehe von Tausenden zu verfügen! Hohlseld schloß hierauf sein Verhör mit der Bemerkung gegen Huber, er sei sehr kaltblütig; dann wurde er grob und fuhr Huber an:„Ihre Halsstarrigkeit wird auch noch gebrochen, wenn Sie längere Zeit im Gefängniß sitze n.°> Darauf befahl er, Huber abzuführen; dieser machte ihn darauf aufmerksam, daß er ihn binnen 24 Stunden dem Untersuchungsrichter abzuliefern habe.')— Hohlfeld: Sie bleiben so lange sitzen, wie mir's gefäll t."— Huber: Bei Sozialdemo- kraten wird also das Gesetz für solche Fälle nicht angewandt?— Hohl- seid: Machen Sie, daß Sie fortkommen! Huber wurde nach einer Zelle geführt. Nachts zwischen II und l 2 U h r wurde er durch den Gesängnißwärter und dessen Gehilfen gewaltsam aus dem Schlafe gerissen und stellten dieselben an Huber die gleichen Fragen wie Hohlfeld, die H. aber nicht beantwortete. (Das war offenbar aus Anweisung Hohlfeld's geschehen, man hoffte auS dem Schlaftrunkenen leichter ein Geständniß erpressen zu können. Pfui Teusel!» Andern Tages gab Hohlfeld Huber den jetzt aufgeschnittenen Brief von dessen Braut mit den Worten: Lesen Sie den Brief, das gibt eine ganz verwickelte Geschichte, das arme Mädel dauert inich.— Hohl- feld hatte also wider Recht und Gesetz den Brief er- brochen und gelesen!— Huber: Sie haben das Mädchen gar nicht zu bedauern, ich will mal sehen, wer Ihnen das Recht gibt, Briefe zu erbrechen und zu lesen, ich werde dies dem Staatsanwalt mittheilen.') Hohlfeld lachte. Huber las den Brief und erfuhr daraus, daß vor 4 Wochen in Mannheim bei seiner Braut und deren Schwester eine ') Hohlfeld hat sich damit einer Verletzung der klaren Bestimmungen der Strafprozeßordnung schuldig gemacht, die ihm als Polizeibeamten verbietet, gegen den Willen des Empfängers ein Paket zu öffnen. Das war Sache des Richters. Oder hat die Polizei das Recht, die Gesetze zu mißachten? ') Und wir sagen: einer solchen Staatsretterschast gegenüber ist eben- falls jedes Mittel erlaubt. Verstanden, Herr Hohlfeld? ') Dies ist also das offizielle Zugeständniß, daß Nebel im Dienste der Polizei steht. ') Brav geantwortet. ') Ei, Herr Hohlfeld! Diese Drohung schmeckt recht nach willkürlicher Freiheitsberaubung und enthält eine schwere Verletzung des Strafgesetzes. ') Nicht binnen 24 Stunden, sondern nach§ 128 der Strafprozeßordnung ist der Verhastete unverzüglich dem Amtsrichter vorzuführen. Da aber Huber sich keines Vergehens schuldig gemacht hatte, war die Verhaftung wie die nachfolgende Untersuchungshaft ein Gewaltakt der Polizei. Wir leben in eine m„Rechtsstaat." ') Ist denn das geschehen? sehr eingehende Haussuchung stattgesunden hatte, wobei alle Briefe mitgenom- men wurden. Die Freunde warnten, ihm zu schreiben, weil alle Briefe abgefan- gen würden; da er aber erst vor ein paar Tagen ihr wieder geschrieben, also offenbar von dem Vorgefallenen nichts wisse, warne sie ihn, an sie zu schreiben. Diese Haussuchung war auf Denunziation des Schuftes Nebel er- folgt, welcher— wie oben angeführt— die Adresse von Huber's Braut in dessen Wohnung abgeguckt und der Polizei denunzirt hatte, ohne nur das Geringste von Ungesetzlichem zu wissen. Nach sechsundreißig stündiger Polizeihaft wurde Huber an den Staatsanwalt H ä n tz s ch e l— wohlgemerkt nicht an den Richter— abgeliefert. Der Staatsanwalt war in seinem Benehmen im Ganzen anständig. Einmal meinte er zu Huber, derselbe sei ein Thor, daß er für die Leute in Hottingen-Zürich die Kastanien aus dem Feuer hole. Hub er antwortete, er möge dergleichen Mahnungen unterlassen, mit denen schon Hohlfeld vergeblich versucht habe, ihn herumzubringen. Dann sagte Häntzschel wieder, wir hätten viele Lumpen in der Partei, dies sei unser Untergang. Huber suchte ihn, auseinanderzusetzen, wie Lumpen ent- ständen; in der Sozialdemokratie gebe es nur einen kleinen Theil Lum- pen, dagegen se ien indenOrdnungsparteien nur ein kleiner Theil ehrlich. Von da ab ging Alles sachlich. Erst am 5. Tage kam Huber vor den Untersuchungsrichter, was wieder ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz, welches die Vernehmung spätestens am Tage nach der Vorführung vor Gericht anordnet. Nach einstündigem Verhör theilte ihm dieser mit, daß der Haftbefehl verlängert würde. Auf Huber's Frage, ob denn für die Verlängerung der Haft keine neuen Beweis- mittel angeführt werden müßten, antwortete der Untersuchungsrichter, er fei fluchwerdächtig. H u b e r versuchte nachzuweisen, daß er gar nicht bestraft werden könne, da die Polizei durch die Wegnahme der Pakete gesorgt habe, daß er nicht gegen das Gesetz verstoßen könnte. Er könne doch nicht annehmen, daß man ihn als Sozialist durch eine längere Untersuchungshaft strafen wolle. Darauf schrie der Untersuchungsrichter heftig:„Ich habe Gründe genug gegen Sie, mehr als ich brauche." Die Beschwerde gegen die verlängerte Haft, die Huber erst nach drei Tagen einreichen konnte, wurde nach drei weiteren Tagen verworfen.„Er sei ein eifriges Mitglied der sozialdemokratischen Partei, die Eheleute Krämer,') bei denen er wohne, seien ebenfalls sozialistisch, und es sei notorisch festgestellt, daß die Partei in Leipzig organisirt sei." Was dies Alles mit Huber's Untersuchungshaft zu thun hatte, ist schwer begreiflich, und in der That mußte man Huber nach vierzehn- tägiger, unschuldig verbüßter Untersuchungshaft entlassen, weil nichts gegen ihn vorgebracht werden konnte. Aber das hinderte die Polizei nicht, ihn fünf Tage später aus Grund des„Kleinen" auszuweisen. H u b e r ging zum Kreishaupt- Mann und fragte, was gegen ihn vorliege, und ob Herr Hohlfeld thun könne, was er wolle. Es wurde ihm der Bescheid, sich schriftlich zu be- schweren, doch schiebe dies seine Ausweisung nicht hinaus. Huber verließ Leipzig; und so auf die Landstraße gesetzt, unterließ er es, weiter den Beschwerdeweg zu betreten. Dies ein Bild für Viele. Noch sind eine Reihe ähnlicher Fälle: Ver- hastungen, Untersuchungen, unschuldig verbüßte Untersuchungshaft oder, wie im Küntzel-Apitzsch-Lauschke'schen Falle, Monate dauernde unschuldig verbüßte Strafhaft vorgekommen, und dann warf man die Angeklagten und ungerecht Verurtheilten auf die Straße. Die gesetzlichen Vorschriften über die Verhaftung, die Untersuchung und Untersuchungshaft werden mißachtet, und wenn alle Mittel moderner Tortur nichts nützen, läßt man nach so und so viel Tagen und Wochen den Angeklagten laufen, zerstört aber seine Existenz durch die Ausweisung."') Das nennt man einen„Rechtsstaat", einen„christlichen Staat",— o Schmach über diese Heuchelei! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 15. November. — Die gewerbsmäßigen Hetzer diesseits und jenseits deS Rheins treiben ihr niederträchtiges Handwerk immer unverschämter. Auf deutscher Seite ist es namentlich das Weltblatt am Rhein, die biedere �.Kölnische Zeitung", das sein Möglichstes thut, in Deutschland eine blinde Wuth gegen das französische Volk zu entfachen. Dieses erz- nationalmiserable Blatt trieb die Schamlosigkeit jüngst soweit, rund heraus zu erklären, daß da der Krieg nun ja doch einmal unvermeidlich scheine, es auch am besten sei, wenn er so bald als möglich ausbreche. Natürlich war das eine ganz unabhängige Preßstimme, man weiß ja längst, in welche Blätter man von Berlin aus gewiffe Notizen unterbringt, die alsdann als„Preßstimmen" sorgfältig notirt und verwerthet werden. Welchen Eindruck unter solchen Umständen die betreffende Notiz in Frankreich machen muß, liegt auf der Hand, sie erleichtert dem Hetzern jenseits der Grenze ihr frivoles Treiben. Und sofort sind auf's Neue„Kölnische Zeitung", die reptilienfonds- duftende„Französische Korrespondenz", die unbeanstandet durch fast die ganze deutsche Presse— einschließlich der demokratischen— läuft, und ähnliche Preßinstitute bei der Hand, die Antworten der hitzigsten französischen Blätter brühwarm dem deutschen Publikum vorzulegen: da sieh, Michel, wie die Franzosen wider Dich wüthen! Es ist das ein in- fames Fangballspiel, ausgeführt von gesinnungslosen Subjekten, die sich Patrioten nennen, weil sie das Wohl ihrer Landsleute in gewissenlosester Weift preisgeben. Dabei ist es übrigens noch sehr ftaglich, ob die Ballspieler aus französischer Seite wirklich alle Franzosen sind, oder ob sich nicht sehr verdächtige Deutschftesser unter ihnen befinden, Subjekte, die dafür bezahlt werden, hüben wie drüben die Oeffentlichkeit nicht zur Ruhe kommen zu lassen, damit gewisse Staatsmänner im Trüben fischen können. In dieser Vermuthung werden wir durch einen Brief bestärkt, den ein in Paris lebender Deutscher an seinen Bruder nach Deutschland geschrieben, und der uns von diesem zur Verfügung gestellt worden ist. Obwohl dieser Brief nicht gerade durchgängig„Neues" enthält, halten wir ihn doch für interessant genug, ihn hier im Wortlaut folgen zu lassen: ---„Was die Situation hier anbelangt, so kann ich Dir aus eigener Anschauung folgendes mittheilen: Seit etwa einem Vierteljahr hat sich solche wesentlich geändert. Waren bisher die Franzosen auch nichts weniger wie gute Freunde der hier lebenden Deutschen, so war die Situation doch immerhin erträglich. Man ging sich gegenseitig aus dem Wege und die Sache war abgethan. Der Umschwung fällt zusammen mit dem plötzlichen Erscheinen verschiedener anti-deutscher, resp. antipreußischer Blätter, welche mit einer noch nie dagewesenen Heftigkeit der Sprache über die deutsche Kolonie herfielen. Es gehört hierher der„Anti-Prussien", welcher den Reigen eröffnete, ') Ueber die Art und Weise, wie H o h l f e l d und D ö b l e r den 24 Stunden in Polizeihaft gewesenen Krämer mißhandelten, berichtet Nr. 46 des„Sozialdemokrat vom vorigen Jahre. ">) Die Berliner Polizei ist im Vergleich zur Leipziger noch anständig. Hält sie einen Sozialisten nach ihren Begriffen für so schuldig, weist sie ihn ohne Weiteres aus, blamirt sich und die Gerichte aber nicht erst durch eine schmachvolle Anklagekomödie, bei der in der Regel nichts herauskommt. Möglich, daß die Berliner Staatsanwälte und Gerichte, durch die Erfahrung gewitzigt, sich zu solchen Handlangerdiensten der Polizei nicht hergeben. Im„gemüthlichen" Sachsen ist das anders. sowie die„Pieuvre allemande". Einige andere Blätter desselben Schlages aber weniger gelesen, traten in dieselben Fußtapfen. Obgleich zum Wenigsten die Hälfte der gegen die Deutschen vorge- brachten Anschuldigungen'auf reiner Erfindung beruhte, brachten diese Hetzblätter es doch zu einem ziemlichen Leserkreis. In erster Linie kauften die Deutschen selbst diese Blätter, namentlich den Anti-Prussien, und man konnte namentlich in der ersten Zeit darauf schwören, einem Deutschen gegenüber zu stehen, wenn man im Cafe ein Individuum den „Anti-Prussien" studiren sah. Erst nach und nach fanden auch die Franzosen Geschmack an dieser blödsinnigen Lektüre, das heißt nur eine gewiffe Klasse Franzosen. Weder der Arbeiter noch der wirklich Gebildete gibt diesen Blättern Recht; es ist der M i t t e l st a n d, die jungen Kaufleute und deren Geistesverwandte, welche auf den„Anti-Prussien" schwören und Alles, was derselbe vorbringt, als ein Evangelium weiter- verbreiten. Die verrücktesten Sachen werden von diesen Eseln geglaubt. Sagte mir doch noch vor wenigen Tagen ein Nachbar bei Tisch:„Daß die deutschen Arbeiter in Paris billiger arbeiten, wundert mich gar nicht. Jeder bekommt von der preußischen Regierung ein festes Gehalt von Fr. 1,— pro Tag, eine Art Pension, wodurch sie vor der äußersten Roth geschützt sind." Auf meine Frage, woher er dies denn eigentlich wisse, hieß es einfach: der Anti-Prussien sagt's. Kurz nach dem Auftauchen dieser Hetzblätter erschien der bekannte Artikel in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", der hier un- geheures Aufsehen erregte. Ich muß gestehen, daß mir diese sich schnür- stracks gegenüberstehenden Arttkel(ich meine die Verdächtigungen des „Antt-Prussien" und die drohende Sprache der„Nord. Allg. Zeitung") den Eindruck machten, als ob sie wohl alle Beide aus derselben Quelle herzuleiten seien. Es gibt Leute in Europa, welche es mit sehr scheelen Augen ansehen, daß Frankreich sich wieder erholt, und es wäre ein neuer Krieg wohl das Einzige, um hier hindernd in den Weg zu treten. Wie denselben aber heraufbeschwören, ohne ganz Europa gegen sich zu haben? Nichts einfacher wie das. Man schafft eine Preffe, welche die Franzosen durch ihre hef- tige Sprache derart gegen die Deutschen aufreizt, daß sie eines Tages in Paris über dieselben hersallen. Die Herren in Berlin haben dann den ersehnten Casus belli. Man ruft das Volk, das einfältige lammes- geduldige Volk, zu den Waffen, um die Unbill zu rächen; alle Welt schwört darauf, die Deutschen haben Recht, ihre Landsleute zu rächen, und schließlich ist der Anstifter der ganzen Geschichte selbst ein Deutscher, der, um seinem Ehrgeiz zu fröhnen, nicht davor zurückschreckt, einige Dutzend Deutsche zu opfern, um einen Vorwand zum Kriege zu haben. So ist die Sache und nicht anders. Mir sind diese Blätter, wie der „Anti-Prussien", verdächttg. Uebrigens bin ich nicht der Einzige, der so denkt. Schon vor Wochen und Monaten warnten der„National" und andere Zeitungen vor diesen Hetzereien, an welchen nur Bismarck ein Interesse haben könne. Es sei ferne von mir, behaupten zu wollen, daß Bismarck diese Blätter direkt von Berlin aus besolde. Ich glaube vielmehr, daß die deutsche Regierung hier Agenten unterhält, welche in keiner Weise den Deutschen verrathen und allgemein als Franzosen durch- gehen. Eine derartige Klique, reichlich mit Mitteln aus dem Reptilien- fond versehen, würde mit Leichtigkeit Redakteure finden, welche dumm genug wären, auf den Leim zu gehen und, ohne es zu wiffen, in Bis- marcks Interesse zu arbeiten. Denn nur in Bismarcks Interesse liegt es, wenn heute der Krieg aus- bricht. Frankreich ist heute noch nicht in der Lage, es mit Deutschland aufnehmen zu können und würde unfehlbar geschlagen werden. Es können also nur Frankreichs Feinde sein, welche den Krieg predigen, um Frankreich in den Abgrund zu stürzen. Auch der Vorfall mit dem König von Spanien ist nur ein Glied des gegen Frankreich geplanten Feldzuges. Schon einmal, 1870, hat Spanien herhalten müssen, um die Fran- zosen zu einer Kriegserklärung zu treiben, und die Sache ist damals wunderbar gelungen. Wer weiß, ob man in Berlin sich nicht mit der Hoffnung geschmeichelt hat, die Pariser würden zu Thätlichkeiten über- gehen. Glücklicherweise blieb es beim Pfeifen. Ich habe die Sache selbst mit angesehen. Alphons sollte Nachmittags gegen 4 Uhr hier eintreffen, und sprach man schon einige Tage vorher von nichts Anderem mehr. Ich ging Mittags nach d em Nordbahnhof, um zu sehen, wie die Sachen ständen.*)-- Kurz vor 4 Uhr ertönten die erstenKanonenschüsse, welche die Ankunft des Königs anzeigten und etwa 20 Minute» später fuhren die Wagen in die Rue Lafayette ein. Kaum bemerkte die Menge die langsam vor- dringenden Wagen als ein ganz beispielloser Spektakel losging. Denke Dir ein ganzes Armeekorps, zu gleicher Zeit pfeifend, brüllend und johlend, dazwischen die Rufe: X das I« roi Ulanl a bas le Prussien! Vive la rtSpublique! etc. Von Alphons war nichts mehr zu sehen, die Gardinen der Wagen fest geschloffen, und es sollte mich gar nicht wundern, wenn es ihm in diesem Augenblicke anfing, im Leibe zu kollern. Es hätte nur eines Zufalls bedurft, z. B. eines Stockens in der Weiter- fahrt, und es hätte ihm das Leben kosten können. Die Soldaten hätten ihn nicht schützen können, denn was hätten selbst mehrere Regimenter gegen eine derarttge Volksmenge ausrichten können? Er wäre unfehlbar arg zugerichtet worden, was vielleicht gewissen Leuten sehr in ihre Pläne gepaßt hätte. Luüu, die Sache ist noch so ziemlich gelind abgelaufen; der„Antt- Prussien" und Genoffen Hetzen aber fröhlich weiter. Der Kriegsminister hat vorige Woche den Sttaßenverkauf des Blattes durch die Ausrufer verboten, wahrscheinlich weil der Titel eine Art Beleidigung für eine Macht ist, mit der Frankreich in Frieden lebt. Unterdrücken kann er die Blätter nicht, da die Presse frei ist. Uebrigens scheint es mir, als ob der Glanz des„Anti-Prussien" im Abnehmen begriffen sei, was im Jntereffe Frankreichs zu wünschen wäre. Die in Deutschland verbreiteten Gerüchte auf Ausweisungen der Deutschen beruhen auf Uebertreibungen. Dagegen hat man in den einzelnen Fabriken die deutschen Arbeiter entlassen, um Franzosen an deren Stelle zu setzen, was ich ganz in der Ordnung finde. Den Elsäffern, welche nicht für Frankreich opttrt hatten, ging es ebenso."--- Soweit der Brief, und wie der Briefschreiber denken noch viele Leute in Paris. Was man z. B. den französischen Sozialisten auch sonst vor werfen mag, in einem Punkte ist ihr Verhalten durchaus prinzipiell; in der Bekämpfung der Revanchepolitiker. Ganz besonderes Lob verdienen in dieser Beziehung die Blanquisten, die in sehr geschickter Weise für die Umwandlung der stehenden Armee in die Volksbewaffnung agitiren Lassen wir uns deshalb durch die deutschen Hetzer nicht beirren! Das deutsche Volk hat alle Ursache, keinen Krieg herbeizuwünschen, denn die Sache der Freiheit kann durch einen solchen nur verlieren. Di« deutschen Kriegshetzer sind die größten Feinde des deutschen Volkes, wie die Kriegshetzer drüben die größten Feinde des französischen Volkes sind. — D i e nationalliberalen Angstmeier setzen wieder Auflösungsgerüchte in die Welt. Die„Arbeitergesetze" und die geplante Vermehrung der Artillerie werde zwar— so meinen sie— keinen Anlaß zur Auflösung des Reichstages geben, weil das Mandat deffelben nur bis Ende Oktober des nächsten Jahres reicht und der brave Otto drum noch immer Zeit habe, es mit dem neuen Reichstag zu probiren. Aber anders liege die Sache mit dem Sozialistengesetz; wenn der Reichstag die Verlängerung abweise, dann sei die Regierung zu einer Auflösung gezwungen, weil das Sozialistengesetz vor dem Reichstagsmandat ablaufe(schon am 1. Okt. 1884) und dann„eine ge- fährliche Lücke" entstehen würde. Drei oder vier Wochen ohne Knebel- *) Es folgt nun eine eingehende Schilderung der Volksansammlung am Bahnhofe, die sich nicht wesentlich von den Zeitungsberichten unterscheidet. gesetz und Belagerungszustand— das ist für diese klassischen Vertteter des modernen Bourgeoisliberalismus allerdings ein schrecklicher Gedanke. Was sollte aus der schönen Bourgeoiswelt werden, wenn die bösen So- zialisten nur ein paar Wochen lang ihr im vollen Lichte der Oeffent- lichkeit den Spiegel der Wahrheit vorhalten, über die vornehmen und niederen Verbrecher die Geißel der Kritik und des empörten Rechtsge- fühls schwingen würden! Der Gedanke ist so schrecklich, daß sich auf jedem Bourgeoisschädel ein jedes Haar emporsträuben muß. Das wäre ja die Auflösung aller Bande der Ordnung, das Ende aller Tinge, der allgemeine Kladderadatsch. Nun— wir danken für das Kompliment, das man mit dieser Angst uns unwillkürlich macht, und registtiren mit Vergnügen das Einge- ständniß, daß die bürgerliche Gesellschaft im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte keine drei Wochen der Preß- und Vereinsfreiheit mehr vertragen kann. Um uns für das Geständniß und das Kompliment erkenntlich zu bezeigen, wollen wir den natwnalliberalen Hasenherzen verrathen, daß der Reichstag, mit Ausnahme der sozialdemokratischen Abgeordneten, keine zehn Mitglieder enthält, welche ernsthaft gegen die Verlängerung des Sozialistengesetzes sind; und daß dem betr. Vorschlag der Regierung die Majorität, und zwar nicht eine knappe, sondern eine sehr starke Majorität sicher ist. Sind die Herren nun einigermaßen ge- tröstet? Freilich, den Spiegel und auch die Geißel können wir ihnen nicht er- sparen. Der Spiegel ist unzerbrechlich und er spricht die Wahrheit, wie das Spieglein der Königin im„Schneewittchen"; und wenn unsere Geißel nicht in Deutschland geschwungen werden kann, so soll sie dafür mit verdoppelter Kraft geschwungen werden. Sie reicht weit genug, sie reicht bis in den entferntesten Winkel, und je länger die Peitsche, je weiter der Züchtiger von dem zu Züchtigenden absteht, desto kräftiger und wuchtiger sind die Schläge. Es ist das ein physikalisches Gesetz, das unsere Herren Feinde wohl kennen werden. Oder nicht? —„Vom rheinisch-westphälischen Kohlenbezirke" betitelt sich ein Artikel der Berliner„Volkszeitung", der aus Veranlassung des Prozesses gegen die Martener„Ausrührer" die sozialen Verhältnisse in den:„bedeutendsten Jndustriebezirke des preußischen Staates" einer Betrachtung unterzieht. Natürlich unterläßt es der Attikelschreiber, die nothwendigen Konseguenzen aus seinen Beobachtungen zu ziehen, und deshalb wollen wir seinen Attikel ein wenig ergänzen.. Es wird da zunächst konstatirt, daß nicht nur auf der Zeche Germania, sondern allgemein das Verhältnih zwischen Verwaltung und Arbeitern immer schlechter wird,„je mehr die alten humanen Beamten verschwinden, um jungen, in anderen, aber leider nicht befferen Anschauungen hervor- gegangenen Nachfolgern Platz zu machen." Harmonie zwischen Kapital und Arbeit, liebe„Volkszeitung"! Die jungen Beamten haben den„Geist unserer Zeit" eben besser ersaßt— werden ihnen ja doch in besonderen„Bergschulen" gesunde Anschauungen über den Kapitalismus eingepaukt! „Wenn wir aber", heißt es weiter,„von Arbeitgebern und Arbeit- nehmern gesprochen haben, so ist diese Gegenüberstellung insofern nicht ganz zutreffend, als die Arbeiter mit den eigentlichen Be- sitzern nie etwas zu thun haben. Die Kohlenbergwerke mit ihren großen Tiefbauanlagen gehören entweder Akttengesellschasten oder sogenannten Gewerkschaften*); nur einige wenige alte Gruben sind im Besitze einer einzelnen Person oder Familie. Die Mitglieder des Auf- sichtsrathes des die Gewerkschaft verttetenden Grubenvorstandes beküm- mern sich nur in Ausnahmefällen um die Verhältniffe der Bergleute. Sie bestellen den technischen Direktor, der, in der Regel ein ehemaliger Berg-Affessor oder Berg-Referendar, nicht selten dieselbe Würde bei zwei oder mehr Gruben bekleidet, in der nächsten grö- ßeren Stadt lebt und sich mit der oberen Leitung begnügt, die eigentlichen Betriebsgeschäste, die Festsetzung der Lohnsätze und Gedinge, die Annahme und Entlassung der Arbeiter aber dem Obersteiger oder Betriebsführer überläßt, der somit dem Arbeiter als»«beschränk- ter Herr und Gebieter gegenübersteht."— Kann man sich eine treffendere Krittt unserer Eigenthumsverhältniffe denken, als sie hier gegeben ist? Einen überzeugenderen Beweis von der Ueberflüssigkeit, ja S ch ä d l i ch k e i.t der Gattung Eigenchümer? Der Glückliche, welcher ihr angehört, kümmert sich um nichts, als daß seine Akttcn oder Kuxe hohe Dividenden einbringen. Was geht ihn die Produktion an? Für den Absatz der Produkte sorgt der kaufmännische, für die Leitung der Produktion der technische Direktor, der durch einen Gewinnantheil dafür interessirt wird, die Ausschindung der Kanaille, Arbeiter genannt, gehörig zu besorgen, wobei er sich wiederum aus den Oberschinder— will sagen Obersteiger stützt. Nirgends zeigt sich das Wesen der modernen kapitalistischen Produktion in so klassischer Deutlichkeit als hier, das ja überall dasselbe ist, auch wo scheinbar oder wirklich der Kapitalist gleichzeitig technischer oder kaufmännischer Direttor ist. Für uns Sozialisten ist die Sache eben längst entschieden, daß wir ein lehr- reiches Exempel dafür aber in der„Berliner„Volkszeitung" finden, dieser Lobrednerin der privatkapitalistischen Produktion, das ist der Humor davon. Was soll denn nach der„Volkszeiwng" geschehen, um den Uebel- ständen, die sie so theilnahmsvoll zu schildern weiß, abzuhelfen? Ihr Arttkel ist ziemlich lang, wer aber auch nur die Idee einer Antwort darin suchen wollte, der würde gewaltig irren.„Eine Besserung der Lage der Arbeiter im rheinisch-westphälischen Jndustriebezirke steht leider nicht in Aussicht, solange das gegenwärtige System des„praktischen Christenthums" herrscht", ist der Endrefrain desselben. Sehr richtig, aber nicht in dem Sinne wie die„Volkszeiwng" es meint. Oder will sie uns etwa weiß machen, daß die Rückkehr zum heiligen Freihandel, auch eine Besserung in der Lage der Arbett zur Folge haben werde? Wir glauben nicht einmal, daß sie selbst das glaubt. Auf dem Boden des heutigen kapitalistischen Ausbeuwngssystems gibt es für die Arbeiter keine Rettung aus dem Joch der Lohnsklaverei! Nicht nur das praktische Christenthum, sondern das praktische Ausbeuterthum muß beseitigt werden. — Die Stichwahlen für das Berliner Stadtver- ordnetenkollegium haben der Arbeiterpartei zwei weitere Sitze eingebracht, und zwar siegte der Tischler Tutzauer im 14. Wahlbezirk mit 820 Stimmen über den Liberalen Langerhans und jim 15. Wahlbezirk mit 741 Sttmmen über den Liberalen S ch i e g n i tz, während im 41. Wahlbezirk Maurer Conrad mit 827 Stimmen gegen den liberalen Kandidaten Schulz II., der 1106 Stimmen erhielt, unterlag. Da Tutzauer außerdem bei der Hauptwahl im 13. Wahlbezirk gewählt worden war, so hat die Arbeiterpartei noch zwei Nachwahlen zu bestehen, von denen indeß allseittg zugestanden wird, daß der Sieg der Arbeiterkandidaten gesichett sei. Im Uebrigen war es die sogenannte Bürgerpartei, das Ge- misch von Anttsemiten, Regierungsleuten k., die da, wo es sich um Stichwahl zwischen ihren Kandidaten und den Libeeralen gehandelt haben, den Löwenanthell davontrug. Die„Frankfurter Zeiwng" war daher schnell bei der Hand, die Niederlage ihrer Berliner Freunde damit zu bemänteln, daß sie den Arbeitern unterstellt, aus Haß gegen die Fort- schrittler für die offene Reaktion gestimmt zu haben.„In den Erfolg des gestrigen Tages", schreibt sie,„thellen sich Bürgerpartei und Sozial- demokratie, die sich auch gegenseittg unterstützt haben. Soweit Arbeiter *) Diese Gewerkschaften unterscheiden sich von den Aktiengesellschaften nur dadurch, daß die Zahl ihrer Antheile, Kuxe genannt, geringer ist als die Zahl der Aktien entsprechend großer Aitiengesellschasten, jeder Antheil selbst aber auf einen bedeutend größeren Betrag lautet, als die einzelnen Aktten. Anmerkung der Redaktton. in den zwischen Fortschritt und Reaktionären streitigen Bezirken an der Wahl theilnahmen, stimmten sie für die Letzteren, gaben also dem Ha mehr Raum als der Verachtung." Das ist eiue direkte Lüge. Die Berliner Volkszeiwng" konstatirt vielmehr ausdrücklich, daß da wo die Arbeiter sich bei den Stichwahlen zwischen ihren Gegnern überhaupt be- theiligten— im Allgemeinen blieben sie denselben fern— sie über- wiegend zu Gunsten der L i b e r a l e n stimmten, wie das z. B. im H. Wahlbezirk evident ersichtlich. Dagegen schreibt die„Volkszeitung" von den Wahlkreisen, wo Tutzauer siegte, daß in Beiden höchstens„nur ein Theil der Bürgerpartei für die Arbeiterpartei gestimmt haben kann, wahrscheinlich aber beide Parteien ihren Stimmenzuwachs ihren eigenen Mitgliedern zu verdanken haben". Man muß schon einen großen Haß gegen die Arbeiterpartei hegen, wenn derselbe in so eklatanter Weise, wie bei der Frankfurterin über die— Wahrheit obsiegt. — St ö ck e r in London. Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen, dachte der fromme Hofprediger und zog über den Kanal, vor den Engländern Luther und vor den in London lebenden Deutschen die christlich-germanischc Sozialreform, d. h. sich selbst, zu glorifiziren. Denn bekanntlich läßt sich der brave Stöcker mit Vorliebe als Luther Nr. 2 anpreisen, was auch insofern ganz berechtigt ist, als Herr Stöcker alle Fehler Luther's getreulich nachahmt. Vielleicht machen wir uns einmal gelegentlich den Spaß, eine Parallele zwischen Luther, dem Wortführer des emporstrebenden Absolutismus, und Stöcker, dem Lobredner des überlebten Absolutismus zu ziehen, heute wollen wir dies Thema bei Seite lassen und lieber unseren Lesern mittheilen, was man uns aus London über die dortigen Abenteuer des preußischen Oberhofdemagogen schreibt. Wir erhalten nämlich darüber folgende Korrespondenz: „Herr Stöcker ist mit seinem Versuch, in London„christlichen" Sozia- lismus zu predigen, besser gesagt: Sozialdemagogie zu treiben, schlecht angelaufen. Es war seinem Komite gelungen, für seinen ersten Vortrag den egpptischen Saal im Mansionhouse(Stadthaus), für seinen zweiten die Memorial-Hall in Farringdon-Stteet zu sichern. Der erste Vorttag sollte am 14. ds., Nachmittags l Uhr, stattfinden, Thema:„Die Sozial- reform in Deutschland", der zweite am lö. ds., Abends 7'/, Uhr, Thema: „Der christliche Sozialismus." Da machte ihm nun der hochkonservative neue Lordmajor F o w l e r einen bösen Strich durch die Rechnung, indem er ihm auf Veranlassung des israelitischen Aldermans I s a a c die Er- laubniß zur Benutzung des Mansionhouse-Saales entzog, mit Rücksicht, wie er in den Blättern erklären ließ, auf die respektablen israelittschen Citp-Kaufleute. „Die erste Versammlung mußte also auch in Memorial-Hall, die einer englischen Ronconformisten-(Dissidenten-) Sekte gehört, stattfinden. Vor- her hatte Stöcker noch sein Heiligenlicht in dem Hauptquartier der Mucker Londons, in„Exeter-Hall", leuchten lassen, allwo er einige unverdauliche Phrasen über die Jnternationalität Luther's in noch unverdaulicherem Englisch von sich gab. Zu der Nachmittagsversammlung konnten unsere Genossen, die sämmtlich für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten haben, nicht kommen, da Stöcker denn doch nicht werth ist, einen halben Tag Arbeit seinetwegen zu verlieren. So waren nur einige Genossen anwesend, die dem geistlichen Herrn den Faden seines Vortrags schön in Unordnung brachten, bei dem Namen Luther„Bauernkrieg!" und bei Erwähnung der„Botschaft unseres Kaisers"„Massenmörder!" riefen. Schließlich gab dann auch Stöcker die Sache auf, nachdem er noch geäußert, die Sozialdemokraten sollten erst ihre revolutionären Ideen ablegen, da könne man auch das Sozialistengesetz aufheben. So blau! Diskussion gab es nicht. „War die Nachmittagsversammlung schon ein beträchtlicher Hereinfall. so wurde es am Donnerstag Abend noch schlimmer. Unsere Genossen waren von allen Seiten herbeigeeilt, auch Juden hatten sich in Masse «ingesunden. Als die Thüren geöffnet wurden, war der Andrang so stark, daß die geräumige Halle— sie saßt mit der Gallerte 1500 Per- sonen— im Nu gefüllt war. Von Sozialisten mochten im Ganzen etwa 400—5(10 Mann anwesend sein, und zwar aus beiden Lagern, da So- zialisten und Sozialrevoluttonäre bei dieser Gelegenhett ohne besondere Verabredung zusammengingen. Die Arrangeure der Versammlung hatten auch reservirte Plätze eingerichtet, ä 2 Sh. 6 d.(Mk. 2,50) der Sitz; die Stühle hatten die Schlaumeier mit Stangen und Stricken mit einander verbunden, um einem etwaigen Vordringen der im Hinteren Theile des Saales besindlichen Menge Hindernisse in den Weg zu legen. Unsere Genossen, als erfahrene Versammlungsbesucher, hatten sich natürlich so weit als möglich nach vorn postirt. „Als Stöcker mit seinem Komite erschien, wurde er mit minutelangem Zischen und Lärmen begrüßt, wobei die anwesenden Bourgeois und Juden Hervorragendes leisteten. Letztere brachten dann auch aus Dankbarkeit dem Lordmajor Fowler ein Hoch aus. Ein gewisser Herr F e l d m a n n, der den Vorsitzenden spielen wollte, suchte vergebens Ordnung herzustellen, bis Stöcker schließlich einsah, daß er nachzugeben habe, und den Bürger Daubenspeck bewog, in seinem Namen zu erklären, daß er sein Wort gebe, daß freie Diskussion stattfinden solle; auch offerirte Stöcker den Sozialisten, sich einen zweiten Vorsitzenden zu wählen. Davon wollten aber die Genossen nichts wissen. Sie waren hergekommen, nicht um zu diskutiren, sondern um Herrn Stöcker und in seiner Person Bismarck, seinem Patron und den regierenden Klassen Deutschlands, ihren Haß und ihre Verachtung in möglichst unzweideutiger Weise kundzugeben, auf die Mundtodtmachung unserer Genossen inDeutschland zu antworten, und glaubten das am besten zu thun, wenn sie Stöcker möglichst geschwind zum Verlassen des Saales bewogen. Das Zischen begann von Zieuem, untermischt mit den Rufen:„Raus!"„Nicht reden lassen!" w. Gleichzeitig wurde an zwei Stellen im Saale die rothe Fahne entfaltet, die eine von Bürger S. Kaufmann unmittelbar vor der Tribüne, die andere von einem Mitgliede von Stephens Views (Rose Street) mitten unter den reservirten Plätzen. Beide, von der Masse der Genossen getrennt, wurden leider von den sie umringenden Polizisten und Bourgeois überwältigt und ihnen die Fahnen entrissen. Jetzt war es aber mit aller Geduld vorbei. In geschlossenen Reihen marschirten unsere Genossen auf und über die Sitzreihen hinweg und nahmen, die Bourgeois verscheuchend, von dem Bureau Besitz, von dem Stöcker und sein Komite Hals über Kopf verschwanden. Die Marseillaise wurde an- gestimmt, und volle 10 Minuten erfreuten wir uns unseres spielend errungenen Sieges. „Di- Stöcker'schen hatten inzwischen Polizeiverstärkung geholt. Der Inspektor kam, erklärte, daß„Dr." Stöcker die Halle verlassen habe, und ersuchte(merkt Euch das Wort!) die Anwesenden, die Halle ruhig zu verlassen. Dieser höflichen Aufforderung kamen wir auch nach, freilich so langsam als möglich, um Stöcker nicht Gelegenheit zu geben, doch noch eine Versammlung mit seinen Getteuen abzuhalten. „Wie wir hören, wird jetzt von Stöcker's Seite beabsichtigt, eine ge- geschlossene Versammlung abzuhalten. „Nun, wir können die Herren nicht hindern, hinter verschlossenen Thüren zu tagen und pomphafte Resoluttonen zu fassen. In eine öffentliche Versammlung in London wird sich aber dieser Bismarckische, in Juden- hetze machende christlich-soziale Oberdemagoge wohl nicht so leicht wieder begeben. C. V." Soweit der Bericht. Wie man sieht, nehmen unsere Londoner Genossen die Verantwortung für die„wüsten Tumulte", von denen die Liberalen mit heuchlerischem Bedauern schreiben, voll und ganz auf sich. Sie wollten nicht dis- kutiren, sondern demonstriren. Und wenn man bedenkt, in welch' infamer Weise Stöcker in Deutschland das Sozialistenknebelungs- gesetz dazu benutzt hat, unsere Partei und unsere besten Vorkämpfer mit seinem Geifer zu besudeln, dann wird man diese Art Revanche sicherlich nicht zu schroff finden. Selbst die erzkonservattve„St. James Gazette" schreibt, daß der Professor der Wissenschaft der Judenhetze keinen Grund habe, sich zu beklagen. Die„St. James Gazette" ist das Organ der englischen Hofklique und zweifelsohne von gewissen, der preußischen Kronprinzessin Viktoria nahe- stehenden Kreisen beeinflußt. Die Engländer sagen offen ihre Meinung, die deutschen Liberalen aber, die sich im Stillen unbändig gefreut haben, daß ihr Konkurrent in Servilismus es einmal gehörig bekommen hat, lassen die gute Gelegenheit nicht vorübergehen, auf die rohen Sozial- demokraten den Stein ihrer pharisäerhaften Entrüstung zu werfen, von Verletzung der„Freiheit" rc. zu reden. Diesen Biedermännern sei er- widert, daß unter den„wüsten Schreiern" sich Männer befanden, denen die deutsche„Freiheit" ihre ganze Existenz gekostet hat. Das will etwas mehr sagen, als der bloße Verzicht auf die Verherrlichung des Bismarck- schen Volksbetrugs. Wer die Freiheit Anderer mit Füßen tritt, hat keinen Anspruch darauf, seine eigene Freiheit respektirt zu sehen. — Das Attentat auf Jules Ferry. Wie unsere Leser be- reits gelesen haben werden, ist der Präsident des Ministeriums der französischen Republik, Herr Jules Ferry— Fait-rire(macht lachen) nennen ihn die pietätlosen Pariser— am letzten Sonnabend Gegenstand eines Attentatsversuchs gewesen. Der Attentäter war in das Ministerhotel gegangen, hatte dort den Minister, der zur selben Zeit im Senat war, zu sprechen verlangt, war dann, da er nicht vorgelassen ward, gewaltsam in das Zimmer gedrungen, in welchem er den Minister vermuthete, und bekannte, als ihn die Thürsteher verhasteten, offen, weshalb er gekommen war. Ihr stehlt Millionen, rief er aus, während wir mit 2'/, Franken per Tag verhungern!" Paul Curien, so heißt der Attentäter, ist 18 Jahre alt, von schwächlicher Konstitution und arbeitete zuletzt als Bäckergehülfe in Lille. Er besuchte dort öfters anarchistische Vereine, denen er jedoch als Minder- jähriger nicht beitrat. „Aus unsern Gegenuntersuchungen", schreibt Em. M a s s a r d im „Eri du Peuple"— der seinen Mitarbeiter O l i v i e r P a i n nach Lille geschickt hatte, um nicht auf die offiziösen Quellen angewiesen zu sein— „geht hervor, daß Curien weder wahnsinnig noch ein Polizeiägent ist. Soviel steht fest. Wir sagen das frei heraus, weil die sozialistische Partei kein Interesse daran hat, die Wahrheit zu bemänteln. Curien gehört zu jenen Verbitterten, die wie Fournier in Roanne und Florion in Reims nicht den für eine Erhebung günstigen Moment abwarten können, und die sich einbilden, durch einen Pistolenschuß die Grundlagen der Gesellschaft zu zertrümmern. „Wir billigen das individuelle Vorgehen nicht, wir erklären es offen, weil wir es für unnütz und zuweilen sogar schädlich halten. Gambetta, den Florion beseittgen wollte, ist todt, aber die kapitalistische Ausbeutung ist immer noch oben auf. „Das Leben eines Staatsmannes zählt nicht in dem Leben eines Volkes; wir führen keinen Kampf gegen Individuen, sondern gegen Einrichtungen; die Haut eines Ferry ist uns nicht die Kugel werth die sie durchlöchert, und wir halten dafür, daß der Kampf gegen die Bourgeoisie kein per- sönlicher und vereinzelter, sondern ein gemeinsamer und allgemeiner sein muß: Klasse gegen Klasse. „Das ist aber kein Grund, die Heißblütigen zu verläumden, welche in einem Augenblick der Verirrung der Versuchung nachgeben, die Rolle des Rächers zu spielen. Curien gehört zu ihnen." Schroffer als Massard drückte sich der Anarchist Delory in Rou- b a i x, der Nachbarstadt von Lille aus, den Olivier Pain besuchte. Er sagte: „Dieser Attentatsversuch ist Blödsinn. Was sollte das gewaltsame Verschwinden eines Regierers nützen! Unsere Grundsätze richten sich nicht gegen Einzelpersonen, sondern gegen die ungerechten Einrichtungen." Ganz unsere Ansicht. — Bourgeoisdankbarkeit. Für den Musterbourgeois gibt es keine andere Triebfeder als das Interesse, das nackte, kraßmaterialistische Interesse. Wenn er sich großmüthig zeigt, kann man darauf wetten, daß die Großmuth nur der Deckmantel des gemeinsten Egoismus ist. Am deutlichsten sieht man dies an der Behandlung, welche die Bourgeoisie ihren Handlangern und Vertheidigern zu Theil werden läßt. So- lange sie arbeitsfähig sind, ihr nutzen, werden sie bezahlt— oft(falls es sich verlohnt) gut bezahlt— sobald sie aber arbeitsunfähig werden, ist's auch mit dem Bezahlen vorbei— der„ausgemerzte" Erfinder, Journalist oder was er sonst ist, mag sehen, wo er Brod findet, seine Wiitwe oder Kinder mögen verhungern. Ein recht schlagendes Beispiel von solcher Bourgeoisdankbarkeit wurde uns vor Kurzem durch ein Leipziger Blatt enthüllt. Wir fanden daselbst nachstehende Annonce, die wir im Original beilegen: „Aufträge für Wäschesttckerei, lateinische und gothische Buchstaben sowohl wie Monogramme, nimmt entgegen P. verw. Redakteur Hüttner, Lindenstraße 2, 2 Tr." „P. verw. Redakteur Hüttner" sucht„Aufträge für Wäschestickerei" it., d. h. Arbeit, welche erbärmlich bezahlt wird und knapp ausreicht, das schnelle Verhungern zu hindern, indem an dessen Stelle das lang- same Verhungern gesetzt wird, wie das Hood in seinem„Lied vom Hemd" geschildert hat. Die Verfasserin der Annonce ist also offenbar in der traurigsten Rothlage. Und wer ist nun diese Unglückliche? Der Name hat unsere Leser vielleicht schon auf die richtige Spur gebracht. Es ist die Wittwe des vor ungefähr einem Jahre zu Leipzig verstorbenen Redakteurs Hüttner vom„Leipziger Tageblatt." Dieser Hüttner, den Parteigenossen zur Genüge bekannt, hatte sich an die Bourgeoisie ver- kauft und obgleich seine Fähigkeiten und Kenntnisse nicht weit her waren, jo besaß er doch eine Eigenschaft, die seiner Feder und Redaktions- jcheere(letztere war sein Hauptarbeitsinstrumentj einen ziemlichen Kauf- werth verlieh: er bebte vor keiner schmutzigen Arbeit zurück, ja betrieb 'ie mit Vorliebe— je schmutziger, jjf lieber. Und so kam es denn, daß die Eigenthümer des„Leipziger Tageblatts", Buchdruckereibesitzer P o l z, ihm ein Jahresgehalt von 9000 Mark bezahlten. Jetzt ist er todt und die Wittwe am Verhungern. Die Wittwe kann die schmutzige Arbeit ihres Mannes nicht verrichten— und Herr Polz denkt: keine schmutzige Arbeit, kein Geld— die Wittwe seines gestorbenen Redakteurs(Chef- redakteurs), der ihm fast ein Menschenatter treu als journalisttscher Kon- dottiere*) gedient hat, läßt er kaltblütig in's Proletariat herabsinken, zu Grunde gehen. Und er sieht hierin durchaus nichts Unanständiges— sonst würde er die Blamage dieser Annonce durch ein Bettelalmosen abgewendet haben. Offenbar hätt er sein Handeln für durchaus korrekt; üx so korrekt, daß er sich nicht schämt, den verzweifelten Nothschrei der Wittwe seines langjährigen Chefredaktors in seinem eigenen, von diesem fa st ein Menschenalter redigirten Blatte zu veröffentlichen. Denn das„Tageblatt" ist's, dem wir die Annonce entnommen. Ob er Zahlung für die Annonce verlangt und empfangen hat? Warum nicht? Geschäft ist Geschäft, und in Geldsachen hört die Gemüthlichkeit auf. Der Skandal hat noch eine zweite Seite, auf die wir unseren Blick werfen müssen: der verstorbene Chefredakteur des„Leipziger Tageblatts" gehörte bekanntlich zu den rücksichtslosesten Verunglimpfern der Sozial- demokratte und rechnete es u. A. unserer Partei als ein besonders schweres Verbrechen an, daß sie die deutschen Arbeiter dem Spar- evangelium des sozialen Messias Sch ulze-Delitzsch abwendig mache. Er war mit einem Wort ein fanatischer Vertteter der Spartheorie. durch Sparsamkeit könne alles Elend aus der Welt geschafft werden, durch Sparen, und durch Sparen allein, sei die soziale Frage zu lösen, — Niemand, der spare, könne in's Elend kommen,— wer in unserer *) Wörtlich: Führer, hier im Sinne von Oberhausknecht. besten der Welten in's Elend komme, sei selber Schuld daran, weil er das alleinseligmachende Sparen versäumt habe. Wohlan, dieser biedere Sparapostel huldigte in seinem Leben jener famosen Psaffenmaxime, daß die Lehrer des Volkes, gleich den Weg- weisern an den Landstraßen, zwar den Weg zu zeigen, nicht aber ihn zu gehen haben— er verkneipte Jahr für Jahr seine 9000 Aiark gewissen- Haft bis auf den letzten Pfennig; und als er der Redaktionsscheere und der Leipziger Gose Valet sagen mußte, da war von dem Sparapostel nicht soviel Geld erspart, daß man den Sparapostel hätte begraben können. Man sieht, der Musterred akteur Hüttner war ein ebenso musterhafter Sparapostel, wie sein Brodgeber Polz ein musterhafter Bourgeois ist. Von der Moral der Geschichte brauchen wir nicht zu reden; sie liegt faustdick vor den Augen des Lesers. — Die Volkspartei und das Reich. Herr Sonne mann hielt am 17. November in Göppingen einen Vortrag über die poli- tischen und wirthschoftlichen Tagesfragen. In diesem Vorttag gab er, wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, unter Anderem folgenden Satz zum Besten: „Um ein solches Vorgehen(das Zusammengehen mit den Konser- vativen) zu rechtfertigen, sagen die württembergischen Liberalen, sie seien gezwungen mit den Konservativen zu gehen, weil sie die Volks- Partei bekämpfen müssen, denn diese sei antinational. Zum Beweis für diese Behauptung wissen sie nichts Anderes vorzubringen, als alte Geschichten vor 1866 oder 1870; in dieser Zeit hat bekanntlich auch Herr v. Varnbüler, nunmehr einer ihrer Parteigenossen, das Wort:„Vao yictisl" gesprochen. Gegen die Thätigkeit der Volks- partei seit der Neugründnng des deutschen Reiches wissen sie nichts einzuwenden. Heute erfüllt keine Partei ihre Pflich- ten gegen das Reich treuer und gewissenhafter, keine steht fester auf dem Boden des Reichs als als die deutsche Volkspartei." Das„Reich", um das es sich hier handelt, ist ein Konglomerat von 25„Regierungen", von dem noch jüngst sein„Schöpfer" in seinem Leib- blatte erklären durfte, es sei durchaus nicht ausgeschlossen, daß diese „Regierungen" nicht eines Tages den Reichsvertrag ändern könnten, wenn es ihnen in den Kram passe; dieses„Reich" zählt zu seinen Ange- hörigen Hunderttausende, die nicht Deutsche sind, nicht Deutsche sein wollen, während Millionen Deutscher außerhalb desselben stehen; dieses„Reich" hat eine Verfassung, die jede wirkliche Volksvertretung un- möglich macht— dieses„Reich" ist mit einem Wort das absolute Gegentheil eines demokratischen Gemeinwesens. Jndeß das Reich besteht einmal und deshalb kann man, ohne die die Grundsätze der Demokratte zu verleugnen, in dem gegebenen Rahmen desselben für seine Umwandlung in einen wirklichen Volksstaat wirken, ohne deshalb Landesverrath und dergleichen zu begehen oder irgend ein Interesse des im Reich vertretenen Volkes zu verletzen. Wer sich aber auf den Boden des Reiches stellt, und zwar so fest stellt als alle anderen Parteien, die Deutschkonservativen inbegriffen, der verläßt damit den Standpunkt der Demokratie, der anerkennt das Fürstenkon- glomerat als einen berechtigten Faktor in den Reichsinstitutionen, der anerkennt den Zustand, daß ein Bundesrath alle Beschlüsse der Volks- Vertretung in den Papierkorb werfen darf, der sanktionirt die jämmer- lichste Schöpfung einer kläglichen Kompromißpolitik. Anstatt dagegen zu protestiren, daß man die Gegner des Reiches in seiner heutigen Gestalt als Gegner der Nation hinstelle, zog es Herr Sonnemann vor, zu konstattren, daß er mit Minnigerode, Hammerstein, Bennigsen und Konsorten an demselben Strange ziehe— eher fester als weniger wie sie. Wir begnügen uns damit, von dieser offiziellen Lossagung von der Demokratie, von den politischen Grundsätzen eines Johann-Jakoby, Kenntniß zu nehmen. — Eine Frage. Noch eine Stelle aus der Sonnemann'schen Rede verdient hier näher bettachtet zu werden.„Die Volkspartei", sagte der Führer derselben,„kämpft für den freiheitlichen und sozialen Ausbau des Reiches mit der Waffe des allgemeinen Stimmrechts. Solange wir diese Waffe haben, bleibt die Bahn keinem berechtigten Fortschritt ver- schloffen." „Berechtigter Fortschritt" ist ein sehr schönes Wort, das wir jedoch als einen harmlosen lupsus linguas nicht beachten würden, wenn es nicht vortrefflich die Tendenz, überall einzuschränken, zurückzu- drängen, verriethe. Selbst der arme,(unschuldige Fortschritt, dieser nichts- sagende, zu nichts verpflichtende Fortschritt, muß sich unter ihr in einen berechtigten und einen unberechtigten eintheilen lassen. Wollten wir bos- Haft sein, so könnten wir Herrn Sonnemann unterstellen, daß er jeden Fortschritt, der mit dem allgemeinen Stimmrecht erreicht werden kann, für berechtigt, jeden anderen aber für unberechtigt hätt, und da würde es sich denn zeigen, daß all' die schönen Dinge, von denen er hinterher spricht: Schaffung eines verantwortlichen Reichsministeriums, Umwand- Wandlung des Bundesratses in ein Staatenhaus u. s. w. zum unberech- ttgten Fortschritt gehören, sintemalen sie durch das allgemeine Wahlrecht nicht erreicht werden können. Herrn Sonnemann ist doch das Schicksal des Diätenantrages bekannt? Wir sind aber nicht so boshaft, sondern erlauben nur eine ganz be- cheidene Frage: Haben wir denn in Deutschland überhaupt das allgemeine Stimmrecht? Kann man unter ernsthaften Leuten ernsthast von allgemeinem Stimmrecht reden, in einem„Reiche", wo die Presse geknebelt, das Versammlungsrecht vernichtet, das freie Wort unterdrückt, die Freiheit der Wahl für die Mehrzahl der Wähler eine infame Lüge ist? — Eine Schusterei. Seit über 1 4 Tagen ist der aus Leipzig ausgewiesene Buchbinder Taute, der im Dietz'schen Geschäfte in Stutt- gart Stellung bekam, v e r h af t e t, wie sich herausstellt, in Folge einer Denunziation, daß Taute den„Sozialdemokrat" verbreite. In der That mnd sich bei der Haussuchung in seiner Wohnung ein Brief des bekannten Polizeispions Nebel aus Leipzig vor, worin dieser seinen„Freund Taute" ersucht, ihm eine Anzahl von Exemplaren des„Sozialdemokrat" zu senden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Nebel diesen Brief geschrieben hat, um Taute in die Patsche zu bringen. Taute hat nun zwar keine Blätter gesandt, sitzt aber doch seit über 14 Tagen in Untersuchungshaft und kann unter Umständen warten, bis nach Ansicht der Stuttgarter Richter 'eine Unschuld erwiesen ist. In Leipzig besteht kein Zweifel, daß Nebel es war, der schon vor Jahr und Tag gegen Taute die Denunziation einreichte, einen Arttkel im„Sozialdemokrat" geschrieben zu haben, infolge deren Taute 3 Monate Gefängniß erhielt und dann ausgewiesen wurde. Merkwürdigerweise wollte Taute nie an die Schuftigkeit N e b e l' s glauben— jetzt dürften ihm die Augen aufgegangen sein! — Auch eine„geschulte Kraf t". Jn"dcn Elsaßlothringischen Oberschulrath ist jüngst ein Lehrer Hr. Sachse aus Berlin berufen worden, der das respektable Alter von 2 6 Jahren erreicht hat und noch nicht 2'/, I a h r e— seine Probezeit inbegriffen— im Schuldienst thätig ist. Was muß das für ein Genie im— T u r- n e n sein! Ein Rückgrat von Gummi elastikum! Nicht nur in den Sttahburger Lehrerkreisen, sondern auch in den nicht speziell betheiligten Regierungskreisen ist die„Verwunderung" darüber— d. h. über die Berufung, nicht über das Rückgrat— eine allgemeine, berichtet man der„Fr. Ztg." — Fritz i st in Genua von der üblichen„Volksmenge" mit den üblichen Hurrah's empfangen worden, meldet der Oberoffiziosus. Einige Pfiffe wurden von demonstrativen Hoch's übertönt. Natürlich! Wozu hat man denn seine Leute! — In Potsdam ist ein Schriftsteller, der sich K a r l K l a r e n- t h a l nannte, unter dem Verdacht verhaftet worden, der bekannte ehe- malige Sozialist und spätere Sozialrevolutionär Karl Schneidt zu sein i der Herr redigirte zuletzt die liberale Potsdamer Zeitung. Mit verhaftet wurde ein Herr, welcher angab, ein gewisser Kaulitz zu sein, der dieselbe Entwicklung durchgemacht hat. Was Beide verbrochen haben sollen, ist nicht bekannt. — Milan von Serbien hat nicht umsonst seine Reise nach Hoinburg gemacht, er hat vom Kartätschenprinz gelernt und läßt jetzt— wie die„Wiener Allgemeine Zeitung" berichtet— im Ein- verständniß mit den deutschen und österreichischen Kabinetten, seine Gefangenen— politische Gegner— nach Herzenslust standrechtlich erschießen. Um diese Infamie zu beschönigen, ver- dächtigt er sie der geheimen Agitation für und mit Rußland, eine freche Lüge, wie für Jeden, der den Verhältnissen in Serbien einigermaßen gefolgt ist, aus der Hand liegt. Russisch gesinnt sind in Serbien nur die sogenannten Liberalen unter der Führung des Herrn R i st i t s ch, und trotz aller Anerbieten haben die serbischen Radikalen und Sozialisten noch bei den letzten Wahlen jeden Kompromiß mit diesen Elementen zurück- gewiesen. Sie wissen, welche„Freiheiten" sie von Rußland erwarten dürfen. Ristitsch und seine Kumpane aber, die die Hoffnung nicht auf- geben, wenn der Wind von anders her pfeift, wieder regierungsfähig zu werden, waren die ersten, welche Milan ihrer Treue und Ergeben- h e i t versicherten, als die Hetze gegen die Radikalen losging. Wenn die serbischen Radikalen nicht für das österreichische Bündniß schwärmten, so ist das ihnen sicherlich nicht zu verdenken. Von Oester- reich her weht der Wind der brutalsten Reaktion. Und nach den Mit- theilungen der„Wiener Allgemeinen" ist es Oesterreich, das Milan, wenn der Aufstand allgemeine Dimensionen annehmen sollte, zu Hilfe kom- men wird gegen eine Gebietskompensation: die Rück- Versicherungsanstalt für Milan's autokratische Gelüste gegen das Trinkgeld eines Länderzuwachses! Hinter Oesterreich steht dann natürlich Deutschland als Wache, daß der„Friede" nicht gestört werde, daß Oesterreich seinen Raub in Ruhe verzehren könne! Es geht doch nichts über eine weise Mäßigung! Da lesen wir am Iß. November in unserer guten Freundin, der„Frankfurter Zeitung", folgenden reizenden gemäßigten Satz: „Die serbische Regierung scheint endlich begriffen zu haben, daß ein allzu gewaltthätiges Vorgehen gegen die Radikalen ihr nur schaden kann." Schade, daß Milan das Hauptorgan der deutschen Volkspartei nicht liest. Vielleicht hätte die sanfte Mahnung ihren Eindruck nicht verfehlt, und die serbischen Freiheitskämpfer wären nicht allzu todt geschossen worden! Korrespondenzen. — Halle a. T. Seit unserer Vertheilung des Ochsengedichtes, welches zu verstehen, gewisse Leute immer noch zu dickköpfig sind, haben wir nichts wieder von uns hören lassen. Wir erfreuen uns hier in Halle und Giebichenstein des besten Gedeihens. Es braucht sich auch Niemand darüber zu wundern, denn wir stehen unter dem Schutze einer Vogelsch— pardon des Herrn Kriminalkommissar E r n st Große. Dieser Mann macht seinem Namen Ehre; so schön er ist, so groß ist er, und groß, riesengroß ist auch seine Klugheit. Wer soll aber auch die Verantwort- lichkeit für ihn übernehmen, wenn sein Vorgesetzter, der Herr Regierungs- Präsident von D i e r t schon am frühen Morgen dumm ist? Dieser war es bekanntlich, der seiner Zeit den stenographischen Bericht über die Verhandlung des Liebknecht'schen Antrages,„Aufhebung aller Ausnahme- gesetze" betreffend, verbot, und dadurch die Höhe seiner Klugheit und Gesetzeskenntniß dokumentirte. Jndeß in Preußen sind die Beamten einmal unverantwortlich— weise! Am 8. September wollte unser Genosse Hasenklever über das Krankenkassengesetz sprechen, doch unsere Hochwohllöbliche witterte sozia- listische Lunte iwelch feine Zinse!) und verbot die Versammlung von vorn- herein. Es wäre auch keine geringe Gefahr gewesen, wenn die Hallischen Arbeiter über das liebe Polizeigesetz Näheres erfahren hätten. Um nun der Hochwohllöblichen doch noch die Suppe zu versalzen und die hiesigen Arbeiter über obiges Gesetz aufzuklären, ließ Genosse Hasenklever seine ungehaltene Rede drucken, um dieselbe in Form eines Flugblattes heraus- zugeben. Doch unsere Hochwohllöbliche hatte Wind bekommen, und be- schlagnahmte die Blätter, als gerade der letzte Bogen von der Presse kam. Die Beschlagnahme wurde für rechtskräftig erklärt, weil der richtige Drucker seinen Namen nicht unter die Blätter gedruckt hatte. Dieselbe war in der hiesigen Druckerei von S. S ch l e s i n g e r ge- druckt worden, während Wörlein u. Co. in Nürnberg als Drucker an- gegeben waren. Also beschlagnahmt auf Grund des Preßgesetzes. Von einem Verbot auf Grund des Sozialistengesetzes war der hochkluge und weise Regierungspräsident diesmal zurückgeschreckt— gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Vor einigen Wochen fand hier endlich einmal eine öffentliche Volks- Versammlung statt, seit fünf Jahren die e r st e. Einberufen war dieselbe von der Zentralkranken- und Sterbekaffe der Tischler und ver- wandten Berufsgenossen. Ein Herr C. H e i n e aus Weißensels refe- rirte über die Vortheile der Zentralkassen. Auch Gen. Hasenklever sprach. Die Versammlung verlief sehr ruhig und wurde nur durch die stürmischen Beifallsbezeugungen unterbrochen. Sehr belustigte es uns, als unser Herr Kommissar die Versammlung auflöste, nachdem dieselbe bereits geschlossen war. Er war nämlich ganz außer Fassung gerathen, als die Anwesenden ein Hoch auf Genosse Hasenklever ausbrachten. Wie an vielen Orten in Deutschland, so hat sich auch hier ein Tischler- Fachverein gebildet. Bevor die Polizei ihre Genehmigung dazu ertheilte, hielt sie es für besser, sich erst über die Gesinnung von 75 Mitgliedern zu oricntiren. Natürlich waren alle 7ö— konservativ. Auch ein Schuhmacher-Fachverein besteht hier. Beide Fachvereine erfreuen sich öfter des Besuchs der hiesigen Polizei. Unser„Langbeen" geht am liebsten zu den Schustern, doch soll er Aussicht haben, nächstes Jahr in die Schoten geschickt zu werden. Dann geht sicher kein Spatz hinein. Zu bemerken ist noch, daß die hiesige Pferdebahnverwaltung einige Dutzend stumme Kutscher gebraucht. An den Pferdebahnwagen steht wörtlich:„Jede Unterhaltung mit dem Kutscher ist streng verboten. Den Kommentar hierzu überlassen wir den Lesern. I. A. von D l l o h. — AuS der Oberlausiy. im November. Es ist wohl Zeit, daß wir auch etwas im Parteiorgan von uns hören lassen. Die Partei- verhältniffe haben sich seit einem Jahre gegen die früheren unter dem Sozialistengesetz etwas gebessert, Dank der Rührigkeit der Genossen. Dagegen sind die Arbeitsverhältnisse, die selbst in der besten Zeit, vor zehn Jahren, wegen des damaligen Arbeiterandranges aus Oesterreich nicht besonders glänzend waren, vollends miserabel geworden. Die meisten Fabriken arbeiten seit Jahren mit kaum einem Viertel der früheren Arbeiterzahl. Eine Fabrik steht ganz still und weitere Betriebseinstell- lungen sind zu erwarten, wenn nicht bald günstigere Konjunkturen ein- treten. Die Herren Fabrikanten haben durch maßlose Konkurrenz„ihre" Artikel werthlos gemacht, und, wie immer, muß auch diesmal der Arbeiter den Schaden tragen. In diesem Konkurrenzkampf zeichnete sich besonders der Forlschrittsheld, Schutzzöllner und orthodoxe Jude, Fabrik- direktor Gustav F r ä n k e l aus. Ihm hat Zittau zu verdanken, daß seine Webindustrie einige Jahre früher als es sonst geschehen, ruinirt wurde. Dieser Frankel, auch bekannt als Gründer von Zeitungsdrucke- reien, mußte jedoch, trotz seiner Arbeiterschindereien in den letzten Jahren, als die ebenfalls von ihm gegründete Orleansweberei mit immer größeren Defizits abschloß, dem ultramontauen Herrn Simon F a i r on Platz machen. Und kaum war der Genannte als Direktor eingetreten, so hörte man auch schon von einem Streik„seiner" Weberinnen, einen Tag später, nachdem der Herr zum Stadtrath„gewählt" worden war. Wie es heißt, schindet Fairon noch mehr als Fränkel geschunden, des- halb der Streik. Die Weberinnen sollen dem neubacknen Stadtrath in ziemlich unsanfter Weise ganz besonderen Respekt vor dem weiblichen Geschlechte beigebracht haben. Aber schinden soll er trotzdem. Fränkel brannte in Zittau bald der Boden unter den Füßen, und er versucht gegenwärtig sein Glück in Görlitz. Ein anderes Fortschrittslicht, Herr Sonn, brannte schon vor zwei Jahren bei Nacht und Nebel durch. Auch in der populärsten Gründung Fränkel's, der„Zittauer Morgenzeitung", fängt es zu krachen an. Das Blatt hat zwar nie etwas getaugt und brachte es auch nie bis auf dreitausend Auflage, zeichnete sich aber in der letzten Zeit durch so kor- rumpirende Schreibweise aus, daß wir es nur zu dem Auswurf der„großen Hure von Babylon" rechnen können. Tie gemeinsten Schmähungen gegen unsere Partei und die Parteigenossen gehörten zu seinem Lieblings- thema. Besonders gern nahm es Genosse Münch zum Stichblatt seiner abgeschmackten und niedrigen Angriffe. Es ist wirklich zu bedauern, daß dieses Blatt immer noch in Arbeiterkreisen gelesen wird. Zum lieber, fluß ward auch noch kürzlich das Redaktions-Trifolium: Billig- Dr. Lenk- Ehrentraut sammt Drucker oerhaftet und nach Bautzen geschafft. Die „Morgenzeitung" bemühte sich nämlich, das Sittlichkeitsverbrechen eines Commis voyageur aus Leipzig gegen ein elfjähriges Mädchen als einen unschuldigen Scherz darzustellen und den Amtsrichter in Ebersbach, wo sich der Reisende aus Furcht vor Strafe:c. im Gefängnisse erhängte, als dessen indirekten Mörder zu bezeichnen. Die drei Herren Redakteure, für die vorläufig Ersatz aus Berlin angekommen ist, können in puncto Charakterlosigkeit und Ignoranz jeder Größe in diesem Genre würdig an die Seite gestellt werden. Dieselben haben wahrscheinlich geglaubt, für ihren Geistesverwandten aus Leipzig eine Lanze brechen zu müssen, und haben dieselben nur verdient, daß sie sich einmal die Finger ver- brannten.*) Als während der Manöver der„theure" Sachsenkönig hier war, wurde von Seiten der Mastbürgerschaft illuminirt. Ein Tischler- Meister in der Frauenvorstadt hatte bei dieser Gelegenheit ein Trans- parent angebracht mit der Inschrift: Die Tischlerei, die geht jetzt nicht, Kommunearbeit kriegt man nicht, Drum brenn- ich nur ein einzig Licht. Während das Amtsblatt das fatale Transparent ignorirte, war die „Morgenzeitung" jämmerlich genug, den Mann zu verdächtigen, und wollte, entgegen Hunderten von Menschen, gelesen haben: Die Tischlerei gefällt mir nicht Kommunarbeit mag ich nicht, Drum langt es nur zu einem Licht. Solche Gemeinheit darf nicht vergessen werden. Schrieb doch die „Morgenzeitung" zwei Tage vor der Landtagswahl, als sie hörte, daß wir selbstständig auftraten:„Die Sozialdemokraten versuchten nur des- halb in den Landtag zu kommen, weil es pro Tag 9 Riark Diäten gebe. Sie versuchten deshalb durch unnöthige Interpellationen die Verhandlungen in die Länge zu ziehen und so endgültig die Steuerzahler zu schröpfen!" Nicht wahr, recht fortschrittlich- demokratisch und ebenso „muthig und ftei, der Wahrheit getreu!"?(Motto der„Morgenzeitung".) Was lassen sich die„Siehacker"(Lausitzer Spießbürger) nicht alles weiß machen! Daher im Landkreis, wo wir»ms schließlich betheiligten, das geringe Resultat von 96 Stimmen. Die Wahlbetheiligung»var über- Haupt sehr schwach. Wir hatten bei einer Besprechung schon beschloffen, uns bei der Land- tagsivahl überhaupt nicht zu betheiligen, denn wir wissen sehr gut, daß nur die eigentlichen Arbeiter unsere Wähler sind, aber wir folgten schließlich doch noch dem Rath eines bekannten Genoffen, weil die Agitattons- kosten ohne die Parteibeittäge zu schmälern gedeckt wurden. Auch»vollten wir der künftigen Reichstagswahl halber die Arbeit nicht scheuen, denn dann werden»vir mit einem Lokalkandidaten eintreten und den liberalen Windbeuteln energisch an den Kragen gehen. Die Liberalen und Kon- servattven agitirten zur Landtagswahl mit allen Mitteln, und besonders Erstere scheuten kein Geld. Ihr Kandidat, Gemeindevorstand B ö h n s, nunmehr Landtagsabgeordneter,»vird eine schöne Rechnung bekommen haben; es ging alles auf seine Rechnung. Die Liberalen beriefen auch eine öffentliche Versammlung ein, wo sie sich mit den Konservanven derb auseinandersetzten. Als die Herren tüchtig aneinander gerathen»varen, griff Gen. Renke in die Debatte ein und schlug der„einen reaftio- nären Masse" unter abwechselndem Bravo und Wuthgeschrei recht kernig die Wahrheit um die Ohren. Sogleich versuchten„besonnene Liberale" Waffenstillstand zu blasen, doch vergeblich, die gegenseittge Abschlachterei ging zu unserem größten Gaudium bis zum Schluß der Versammlung fort. Sonst nichts Neues bis auf die Thatsache, daß die„Siehacker" fort- während durch„sozialdemokrattsche Brandschriften" heimgesucht wer- den; Arbeiter»ind Polizei entwickeln einen wahren Wettstreit im Auf- suchen solcher Schriften.«Auch bei der Lehrerversammlung soll es der- gleichen gegeben haben.) Leider kommt aber die Polizei immer um einige halbe oder ganze Tage zuspät. Diese, nach dem Amtsblatt, bei„Herrn Hottingen in Zürich" gedruckten„Brandschristen" werden aber, ebenfalls nach dem Amtsblatt,„immer rechtzeitig konfiszirt. Zum Schluß, Genoffen von Zittau und allerwärts, rufe ich Euch zu: Seid unermüdlich thätig in der Aufklärung der arbeitenden Brüder und führt der Arinee für die Befreiung des Arbeiterstandes beständig neue Kämpfer zu. Vergeht nicht, daß es zum fortwährenden Kampfe fort- währender Mittel bedarf»ind erscheint möglichst pünktlich, wenn Eure Vertrauensmänner Euch rufen, damit Jeder seine Ansicht geltend mache, und niemals auch nur der Schein willkürlicher Handlungsweise auf die Verttauensleute fällt. Der rothe Kapuziner. *) Die Herren zpurden übrigens bald auf„höhere" Intervention frei- gelassen, tmd wie„muthig und frei" sie ihren Tank in servilster Speichelleckerei abstattete», ist in Nr. 44 des„Sozialdemokrat" zu lesen. D. Red. Briefkasten der Redaktion: Neumünster in Holstein: Der„Rebell" ist ein anarchistisches gegen unsere Partei gerichtetes Unternehmen. Nähere Details über denselben können wir an dieser Stelle nicht mit- theilen; nur soviel, daß seine Angriffe auf die Taktik unserer Partei keiner Widerlegung bedürfen.— I. D. in S.: Manuskript erhalten. Wird niit bestem Dank verwendet. Ihre Wünsche bestens vorgemerkt. Was das vin. Fragezeichen betrifft, so so sind wir der Ansicht, so sind wir der Ansicht, daß es nicht angeht, den Arbeitslohn Arbeitsmittel zu nennen, da der Lohn gewöhnlich erst für geleistete Arbeit erlegt»vird.— Elberfeld: Korrespondenz in nächster Nummer.— C r e f e l d: Desgleichen. der Expedition: Eckhorn Wthur: Fr. 1,— pr. Ujds. dkd. erh. — M. si H.: Mk. l 10,60(nicht 70 Psg.> ä Cto eingetroffen. Bf. er- wartet.— S. S. S. Rdbg.: erh.— M. Pttk. R.: Sdg. waren bereits fort, als Nachbestllg. kam. Weiteres liegt nicht an uns. Mk. 1,70 dem Wfds. dkd. zugew.— Hhl. Ich.: Fr. 2.50 Ab. Rov. u. Dez. für G. Pf. erh. Sdg. i. Gang.— I. Z. St. Gall.; Fr. 8,— f. Kal. u. Fr. 7,50 Ab. 4. Qu. erh. sowie Fr. 3.10 an Uh. abgel.— Crefeld: Wie oft sollen»vir Ihnen denn noch sagen, daß je Gramm hierher 20 Psg. Briesporto kosten!? Brief v. 18. ds. kostete 40 Cts. Strafporto= 32 Psg.), weil er 17 Gramm schwer und nur mit 25 Psg. beklebt war.- Blli: Fr. 2.10 f. Schst. zur Grtlfr. erh.- G. Sch. Biel: Fr. 28,— Ab. 4. Qu. erh.— I. G. H- 574: Mk. 6,70 f. Schst. erh. Marx'„Kapital", Neuauflage, vom Verleger zwar annoncrrt, aber noch nicht geliefert.— W. Sch.'Rklghs.: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. erh.- W. B. Krstdt: ö. fl. 6.— f. Schst. erh. Billigste Notirung selbstverständlich.— C. Gr.?: Fr. 23,— durch E. G. u. Co. Zch. dkd. erh. Wofür? — E. F. Pst: Mk.— ,70 f. Schst. u. Portorest erh. Sdg. pr. Doppel- brief direkt fort.— H. W. Z.: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. erh. Fehlendes ersetzt. Reklamiren Sie doch künftig zunächst bei der Post. Sindbad d. Seefahrer: Mk. 100,— ä Cto. durch Freundeshand erh.—-f-j-shim- mel---: Sch. erhielt ab 43(40—43 zus.) und seither Alles; ebenso Lttgh. fortgesetzt und da 2. u. 3. am 28 10. durch Ptrn». bez. Weiteres mit 47 klargelegt. Erhalten?— F- M. Kopenhagen: Fr. 10, P.-Beiträge pr. Agsds. dkd. erh. Material am 15. ds abge�. Verrina: Adr. u. Schstbestllg. notirt. Mk. 17- F. u. H. u- unter betr. Chiffern längst quittirt.— Zinnober: Alles besorgt.— A. H. New- Jork: Schftbstllg. fort. Weiteres erwartet.— Porto-Allegre: Fr. 23,— über Hamburg pr. Ufds dkd. erh. u. zwar von N. N. 2.000 Reis; I. W. 2,000; A. V. 1,000; F. B. 2,000; F. S. 2,000; H. H. 1,000; und K. Grimm 2,000 mit einem„Hoch den Hamburger Genossen aus Brasilien!— A. V. Paris: Bstllg. folgt. Lffllebild in gew. Größe nicht vorhanden, dagegen lebensgroß lt. Katalog.— Unver- söhnlicher: Mehrbestllg. u. Adr. notirt. Hannibal: Bf. v. 19/11. am 20. beantw. Die dorttgen Genossen haben sich von Ansang an für A l l e s haftbar erklärt. P. wird's wohl wissen.— Onkel: Einverstanden mit Ggrchg.— Panzerschiff: Bf. vom 15. am 19/11. beantw.— Michel Stieber: Mtthlg. vom 16. u. 19. dkd. vorgem. u. am 19. beantw.— B. 4a; Mk. 500,— i» Cto. Ab. erh. Weiteres !Zur Wauern-Agitation! Besonder» bearbeitet vom Bersasser der„Mark", erschien soeben in unserem Verlag da» neueste„Baueruslugblatt": Der deutsche Bauer. Was war er? Mas ist er? Mas köante er sei«? 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Lanfermann, 349 Divisionsstreet.* Cincinnati, O. C. Schumann, 16 Mercer Street St. liOiiis, Mo. Gebr. Herminghaus, 1805 Franklin Avenue. Baltimore, Md., Krämer n. Seeger, 5 8. Hallyday Str. I.aw renee, Mass. Louis Martin, 35 Park Street. Buenos Aires Aug. Latzky, Calle de Montevideo 89. San Francisco, Cal. C. Blass, Notoma Street 611. Sie Expedition des„Sozialdemokrat". ««W« jinlch,•«nafftn!4)aft»6u4Sra«ntl yotttngn Sittich.