Krscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Vertag dcr «olksbuch Handlung Hölting«»»Zürich. Nokseodllazell franko gegen franko Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. WMUWW Jentrat-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. jnc Abonnements JJJ werden bei allen schweizerischen Postbureaui. sowie beim Verlag und dessen b-iannlen Azenien entgegengenommen, und zwar zum voraus zahlbaren Bierlelzahripreii von Fr 2— für die Schweiz iltreuzband) MI 3— für Deutschland(Louvert) fl. 1.70 für Oesterreich) Fr. 2 M für alle übrigen üänder de« Weltpostvereins lkreuzband). Jaserate die dceigeipaltene Petitzeil« 2Ü k«s.----- 20 Pfg. N: 1. Donnerstag. 3. Januar IS8/L. MF" Ävis an dir Aßonnrnten und Üotrcfponbmlni de»„Soziakdemokrat."'MM Da der.Eozialdemolra«' sowohl in Deutschland ol» auch in Oesterreich verboten ist. be,w»erfolgt wird und die dortigen. als u-dglich an den.Soziaidemolrat'. resp. deffen Verlag selbst»dressiren. sondern sich mSglichst an irgend eine unverdächtige Behbrden fich alle Müht geben unsere Verbindungen nach senen Ländern mdglichst zu erschweren, resp Briese von dort an UNS. Adresse außerhalb DeuischlandS und Oesteerei»» wenden. welche st.!, dann mit UNS in Verbindung seht; anderseits aber. daß und unsere Zeitung!- und sonstigen Speditionen nach dort-dzusang-n, so ist die äuheriie Vorstcht im Postverlehr nothwendig und l auch uns möglich» unvcrsängliche ZustellangSadressen mitgeihrilt«erden. Fn zivriselhasein Fälle» empfiehlt stch behus» größerer darf leine Vorsichtsmaßregel»ersäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns lisgt. werden wir gewiß weder Mühe noch jiosten scheuen um troh aller entgegen- der Sendungen zu täuschcn und letztere dadurch zu schuhen baupterjorderniß ist hiezu-inerjeiti. daß unsere Freund- so selten stehenden Schwierigleite» den.Sozialdemolrat' unseren«bonnenlen möglichst regelmäßig ,u liesern Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Unser Neujahrsgruß. Glückauf zum Kampfei Mit diesem Gruße treten wir in daS neue Jahr ein. Wie keine andere Partei ist die unsere eine Partei des Kam- pfeS, ja sie darf sich mit Recht d i e Partei des Kampfes nennen. Denn sie kämpft den echten, wahren Kampf des kühn Empor- firebenden gegen das verrottete Alte.„Rast' ich, so rost' ich!" — lautet daS Motto unserer Bewegung, der Kampf ist ihr Element. Man hat unS auch die Partei der Unruhestifter genannt. Mit Recht. Denn Ruhe heißt Stillstand, und kein größerer Feind für uns als Stillstand. Der stärkste Verbündete unserer Wider- fache»', der mächtigste Gegner, der unseren Bestrebungen im Wege steht, ist jene geistige Trägheit, die am Althergebrachten hängt, weil es alt ist, weil es„von jeher so war", die für unabwendbar, für göttliche Einrichtungen hält, was Menschenwerk ist und deshalb auch von Menschen beseitigt werden kann, wenn eS feinen Zweck erfüllt hat. wenn es aus Vernunft Unvernunft, aus Wohlthat Plage geworden ist. Diese geistige Trägheit, der Fanatismus der Ruhe und Ordnung, sind die stärksten Verbündeten unserer Wider- sacher, ohne sie wäre die Herrschaft derselben längst gestürzt, wären die Ursachen des Elends, unter dem die große Masse des Volkes heute seufzt, längst beseitigt. Hunderttausend, Millionen von Menschen führen heute ein Leben, das sich in Wah.heit nur wenig vom Dasein eines Last« lhiercs unterfcheivet. Sir kennen nnr Arbeit, harte, aufreibende, geisttöd, ende Arbeit und die Befriedigurg ihrer thierischen Bedürf- nisse. Und die Kirche, diese alte Koketle, welche die Armen und Elendm mit Kußhändchen abspeist und mit den Reichen und Mäch- tigcn Orgien feiert, verherrlicht dieseS Jammerdascin durch das Gebot: Bete und arbeite! Bei», das heißt, denke nicht nach über die Zustände, unter denen zu Grunde gehst, sondern bitte Gott, daß er Dich in Ge- duld erttagen lehre, was er in seiner unergründlichen Weisheit übet Dich verhängt!— Und das Volk betet und arbeitet und geht zu Grunde—„um Gottes willen!" Es fügt stch, weil„Gott eS so will!" Darum begrüßen wir freudigst jedes Ereigniß, das Bewegung in diese träge Masse bringt, jeden Vorgang, der sie aus ihrem Traumleben emporrüttelt. Darum freuen wir uns des Kampfes, der uns Gelegenheit gibt, in den Massen unsere Grundsätze, die Erkenntniß der gesellschasllichen Zusammenhänge zu verbreiten, ihnen die Botschaft eines neuen, besseren Daseins, eines Daseins des Genusses und der Freude, zu verkünden; darum betrachten wir die Zeit als verloren, die wir in erzwungener Ruhe zuge- bracht, darum schlägt unser Her; höher, wenn die Werbetrommel gerührt wird, die unS unter die Fahne ruft, wenn der Ruf an uns ergeht: Auf, zu den Waffen! Und darum treten wir mit dem oben ausgesprochenen Gruße in das neue Jahr ein. Denn Kämpfe aller Art stehen uns in ihm bevor. Aus den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens werden die deut- schen Arbeiter in diesem Jahre für ihre Interessen einzutreten, kür ihre Rechte ihre Stimme zu erheben haben. Ueberall aber, wo die Sache der Arbeiter in Frage steht, da ist der Kampfplatz der Sozialdemokratie, die allein die berufene Vertreterin der Arbeiierintereffen ist. Wer ein aufrichtiger Arbeiter freund sein will, muß Sozialdemokrat sein; wer gegen die Sozialdemokratie einen Streich führt, der schädigt die Arbeiterklasse. Das gilt es namentlich den Massen in dem wichtigsten Kampfe zum Bewußtsein zu bringen, der unserer Partei im Jahre 1884 bevorsteht: bei den spätestens im kommenden Herbste, wahr- scheinlich aber schon ftüher stattfindenden allgemeinen Reichs- tagSwahlen. Daß unsere Partei in diesen Kampf eintteten wird, ist heute außer aller Frage. Längst haben die Thatsachen jene Wirrköpse widerlegt, die da meinen, der Wahlkampf sei nicht revolutionär, weil kein Blut dabei fließe, die einen absoluten Gegensatz zwischen dem Kampf auf der Barrikade und dem Kampf mit dem Stimm- zettel konstrnren wollen. In Wahrheit ist daS Verhältniß beider Kampfarten zu ein- ander nicht ein Gegensatz, sondern eine Steigerung, deren Ein- treten indeß nicht vom Willm einzelner Individuen, sondern vom Zusammenwirken bestimmter sozialer und polinscher Ereignisse abhängt. Es ist ein Wahnsinn, zu glauben, daß der geistige Kampf überflüssig sei, weil nicht er allein zum Ziele führt. Freilich, führten wir diesen Kampf, um die natürlichen Feinde der Arbeiter- fache, die Ausbeuter und Unterdrücker, zu belehren und zu be- lehren, so wäre es besser, wir legten die Hände in den Schooß, aber wir nehmen am Wahlkampf Theil, um während jener Er- rcgung der Geister, die mit ihm naturnothwensig verbunden ist, unter den Massen unsere Grundsätze zu verbreiten, vor ihren Blicken unseren Gegnern aller Richtungen die MaSke vom Gc ficht zu reißen. Wir nehmen am Wahlkampf Theil, weil wir jede Gelegenheit benutzen, die Position unserer Feinde zu ver schlechtern; denn jede Schwächung unserer Gegner ist eine Stär- kung untrer Sache. Der Wahlkampf, der unS in diesem Jahre bevorsteht, erfordert in ganz besonderem Maße das Einsetzen aller uns zu Gebote stehenden Kräfte. Eine Reihe von Maßregeln sind von unseren Feinden geplant, die alle darauf hinauslaufen, die Arbciterbewe» gung lahmzulegen, sei eS durch Gesetze, welche den Titel Sozial reform tragen und in der Praxis nichts weiter find als Per- suche, die Abhängigkeit der Arbeiter, die ohnehin in Folge sowohl der wirthschaftlichen als der politischen Verhältnisse schon heute vielfach eine erdrückende ist, noch durch sogenannte Wohl- fahrtseinrichtungen zu steigern, sei eS durch direkte, unverhüllte Eskamotirung der wenigen politische» Rechte, welche dem Arbeiter heute zur Geltendmachung setner Forderungen zur Verfügung stehen. Die Verlängerung des Sozialistengesetzes ist beschlossene Sache, Abschaffung des geheimen Wahlrechts ist gleichfalls in Aussicht genommen, und die infame Praxis, durch jesuitisch Auslegung gewisser Paragraphen des Wahlgesetzes, einen künst- lichen Zensus einzuführen, findet bei unseren Feinden immer mehr Eingang. Gegen alles Das gilt es energisch Front zu mach-n, denn es wäre schmähl-cher Venath an der Sache der Unter- drückten und Ausgebeuteten, wollten wir unihätig zusehen oder durch dumme Stteiche es noch rechtfertigen, wenn die herrschenden Klassen denselben eine Waffe nach der anderen stehlen. Nein, unsere Ehre erfordert es, keine Position freiwillig preis- zugeben, auf die Ausübung keine» Rechtes ohne Kampf zu ver- zichten. Der Zahl nach, das wissen wir, find wir heute die Schwäche- reu. Wenn auch unsere Anhängerschaft von Tag zu Tage wächst, so ist sie doch noch die Minderheit gegenüber der großen Masse der noch auS Unwissenheit oder Verblendung auf Seiten unserer Feinde Stehenden. Aber wie mächtig auch unsere Feinde fich dünken, was sie auch planen mögen, wir fürchten sie nicht. Einen so wirksam Verbündeten sie auch in der stumpfen Gleichgiltigkeit großer Volksmassen heute noch haben, auf unserer Seite stehen doch weit mächtigere Mitstreiter. Die Wissenschaft ist mit uns, sie schmiedet unsere Waffen; und für uns wirbt und wirkt als unermüdlicher Agitator in unserem Kampfe, unS leistet gewaltige Unterstützung, für unseren schließlichen Sieg bürgt unS die wirthschaftliche Entwickelung. Sie zwingt unsere Feinde, Wider ihrm Willen uns in die Hände zu arbeiten, immer neue Streiter führt sie uns zu, immer gewaltigere Breschen legt sie in die Fest« unseres Gegners, der kapitalistischen Ausbeuter- gesellschaft. Wenn wir am Jahreswechsel Umschau halten, wie eS in den verschiedenen Ländern der modernen Gesellschaft mit unserer Be- wegung steht, so haben wir gewiß manche unliebsame Erscheinung zu verzeichnen: hier ist bei einem Theil der Streiter En'muthi- gung eingerissen, dort denutzen ehrgeizige Phrasenhelden ihren Einfluß dazu, die Arbeiterbewegung zu zersplittern, die Kräfte ver- selben zu sinnlosen Experimenten zu vergeuden. Aber doch ist das Gesammtbild kein unerfreuliches: überall sehen wir Leben und Bewegung, in allen Ländern gährt es gewaltig in den Tiefen der Gesellschaft. Hier schreitet die Partei des arbeitenden Volkes rüstig fort auf der beschrittenen Bahn, dort erhebt die Partei der sozialen Revolution, die man soeben noch unterdrückt wähnte, auf's Neue ihr Haupt und ruft den Machthabern Hohn- lachend zu: Ich bin noch da! Und was unS mit besonderer Befriedigung heute erfüllt, das ist die nunmehr unumstößliche Thatsache, daß der moderne wissen- schaftliche, revolutionäre Sozialismus in England, dem Muster- lande der kapitalistischen Produktion, seinen Einzug gehalten hat und bereits die öffentliche Meinung dieses Landes in Athem er- hält. Vor Jahresfrist noch durfte man vergebens die Spalten der englischen Zeitungen nach Berichten über den Sozialismus durchsuchen, höchstens daß man hier und da einen Artikel fand, in dem er als exotisches, ausländisches Gewächs, als Kuriosität erwähnt wurde;— heute existirt kein Blatt in England, welches auf Bedeutung Anspruch erhebt, daS stch nicht eingehend mit der sozialen Frage, mit dem Sozialismus beschäftigte. Alle Mittel, welche die englischen Machthaber angewendet, um dem SozialiS- mus entgegenzuwirken, haben feinen Einzug nicht verhindern können: weder die gewaltsame Unterdrückung, noch das„kluge Entgegenkommen". Denn mächtiger als alle diplomatischen Künste ist die wirthschaftliche Entwickelung, deutlicher als alle Redner spricht die Wucht der Thatsachen. Wohl wird auch in England der Kampf ein harter sein, wohl stehen auch dort dieselben Widersacher wie anderwärts dem So- liSmuS entgegen, aber nachdem derselbe einmal Boden gefaßt, wird und muß er auch immer mehr Terrain erobern, bis sein Ziel erreicht ist, bis die Expropriation der Expropriateurs, die Enteignung der Enteigner vor sich geht. Und ob auch daS formelle Band, die äußere Organisation fehlt, welche die Sozialisten aller Länder verbindet, die Gemein» samkeit unserer Bestrebungen schlingt ein festes Band um uns, das keine Staatsgewalt der Welt vernichten kann. Wir sind eins mit den Proletariern des fernen Westens von Amerika, welche den Kampf mit dem Kapitalismus aufgenommen haben, wie wir eins find mir den Revolutionären deS Ostens, die unermüdlich wider den zaristischen Absolutismus kämpfen. Nicht nur unseren Genossen in Deutschland— den Sozialisten aller Länder gilt unser Neujahrsgruß: Glück auf zum Kampf! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, t. Januar. — Zwei erfreuliche Nachrichten hat uns das alte Jahr vor seinem Scheiden noch gebracht. In Berlin ward am 29. Dezem- ber im 24. Kommunalwahlkreis der Nrbeiterkandidat, Tischler Herold, mit großer Majorität gegen den Kandidaten der Antisemiten, 98» gegen 86» Stimmen,*) zum Stadtverordneten gewühlt, was die Arbeiterpartei, die jetzt S Vertreter im rothen Hause zählt, in den Stand setzt, selbst- ständig mit Anträgen vorzugehen, und in Petersburg ist es den russischen Revolutionären gelungen, einen ihrer grausamsten und gerie- bensten Verfolger, den Polizeichef Shudeikin, Rädelsführer der sogenannten heiligen Liga von Denunzianten, zu vernichten. Zn einem seinem sauberen Bedarfe angemessenen Hause, einem Schlupfwintel der Polizei— eine andere Lesart sagt: in einent Bordelle, was übrigens kein Gegensatz wäre— fand der wüthende Verfolger alles Dessen, was für Freiheit und Recht einzutreten den Muth hatte, sein verdientes Ende. Auch ein Unterpolizist, Gont schar ow, der ihn zlim Schutz begteirete» mußte bei dieser Gelegenheit sein Leben lasten. Der heilsame Schrecken» den diese Erekutirung unter den Amtsgenossen und Spießgesellen von Shudeikin verbreitet hat, soll ein sehr großer sein. Die Schurken glaubten schon ganz ungesttaft wüthen zu dürfen. Die verunglückte Schlittenpartie„Väterchens" ist auch nicht übel. Wenn er mir nicht, um Berlin isch zu reden, unter den Leierkasten kommt! — Puttkamer's„milde" Praxis, und das Sozia- listen gesetz. Vor einigen Wochen geriethen im preußischen Landtag die Fortschrittler mit Herrn Puttkamer und seinen Speziallakaien Wagner und Cremer ob des Verhaltens der Berliner Polizei gegenüber der Ar- beiterpartei arg hintereinander. Die Fortschrittler behaupteten nümlich, daß die„milde Praxis", welche die Polizei bei dieser Gelegenheit beob- achtet habe, nur zu dem Zwecke von oben her angeordnet worden sei» weil man die Arbeiter gegen die Fortschrittler ausspielen wollte, während Puttkamer mit großer Emphase erklärte, das Sozialistengesetz richte sich nur gegen die Ausschreitungen der Sozialdemokratie, gegen die umstürzlerischen, staats gefährlichen Tendenzen derselben» davon sei aber in der Berliner Wahlbewegung nichts zu Tage getreten, infolgedessen könne der Polizei kein Vorwurf gemacht werden, vielmehr zeige der Ruf der Fortschrittler nach schärferer Handhabung des Sozia- listengesetzes, daß es diesen Herren mit ihrer Bekämpfung desselben nicht ernst sei. In dieses von Puttkamer geblasene Horn stießen denn auch Cremer und Wagner mit Wollust ein; als aber dir Fortschrittler ihnen zuriefen:„Dann hebt das Sozialistengesetz auf!" erhielten sie zur Ant- ivört: Aus diese Waffe kann die Regierung nicht verzichten! Einige deutsche Arbeiterblätter haben die Fortschrittler wegen dieser „Anrufung der Polizei" gehörig heruntergeputzt. Wir können ihnen darin nur beipflichten, denn so unbequem den Fortschrittlern die laxe Handhabung des Sozialistengesetzes auch gewesen sein niag, so durften sie, wenn es ihnen ernst mit ihrer Opposition gegen dieses infame Gesetz ist, nun und nimmermehr aus der Nichtanwendung desselben der Polizei oder Regierung einen Vorwurf machen. Nur in dem Moment durften sie die inkonsequente Haltung der Regierung kennzeichnen, wo diese die Frechheit hatte, die Verlängerung des Sozialistengesetzes zu fcrdern. Zu erklären: wir sind zwar Gegner des Gesetzes, da es aber einmal besteht, so wollen auch wir Vortheil davon haben!— das ist ganz dasselbe, als wenn Jemand sagt: ich bin zwar Gegner des Raubmords, aber wenn irgend ein großer Raub verübt wird, so will ich auch meinen Theil davon haben. Im gewöhnlichen Leben nennt man solche Leute Hehler, die Fortschrittler stellten sich mit ihrer Beschwerde auf den Hehlerstand- punkt. Dies festgestellt, halten wir es jedoch für unsere Pflicht, die elende Jesuiterei der Puttkamer, Wagn er und Cremer gebührend an den Pranger zn stellen. Diese Herren haben an» allerwenigsten ein Recht, den Fort-. schrittlern politische Heuchelei und Mangel an Arbeiterfreundlichkeit vor- zuwerfen. Elendere Heuchler und größere Feinde der Arbeitersache als diese von christlicher Liebe und sozialer Fürsorge schwatzenden Soldknechte der großen Landdiebe sind g ar nicht denkbar. Der ärgste Mnnchestermann ist ihnen noch tausendinal vorzuziehen, denn dieser sagt den Arbeitern doch offen heraus: ich will Eu ch nicht helfen, helft euch selbst!— diese augenverdrehenden„Sozialrefo r mer" aber salbadern dem Arbeiter nur deshalb soviel von der Staats Hilfe, von der christlichen Fürsorge und *) Es war ein heißer Kampf, schreibt man uns ans Berlin. Bei der Hauptwahl hatten wir Nil Stimmen, unsere Stimmenzahl hat fich also eit dem 18. Ottober verdreifacht, und wenn wir selbst annehmen, >aß von den lö» Fortschrittlern die Mehrheit für Herold gestimmt hat, ö haben sich doch unsere Stimmen mehr als verdoppelt. Die Stim- mnng zur nächsten Reichstagswahl ist eme sehr günsttge. Der„Rebell" wird auch hier zu verbreiten gesucht, es beißt aber Riemand an. nnbetem Schwindel in die Ohren, damit er sowohl das Fordern ver- lernt, als auch den Gedanken fallen läßt, sich eventnell sein gutes Recht selbst zu holen. Sie wollen die Arbeiter entnerven, sie nach Mog- lichkeit korrumpiren, und deshalb ihr krampfhastech Eintreten für die jetzt beliebte„milde Praxis". Denn diese hat in Wahrhesit, und d a S mußten die Fortschrittler brandmarken, keinen andern Zweck, als die Verlängerung d e s S o z i a l i st« n g e s e tz e s vorzubereiten, als den allgemeinen Widerwillen geifcn dasselbe nach Kräften a b z u- schwächen. Bismarck und Puttkamer haben eingesehen, daß sie mit ihrer plumpen, roh-brutalen Handhabung des Ausnahmegesetzes, wie sie ihrem bornirten Junkerverstand am nächsten lag, nicht nur unsere Partei nicht vernichten. konnten, sondern auch'alle nicht ganz verkommenen Elemente der übrigen Bevölkerung gegen sich aufbrächten, unt'daß sie unter solchen Umständen die gewünschte Verlängerung deffelben, wie es ist— und daran liegt ihnen gerade am meisten: jede Perle, die aus dieser Krone ausgebrochen wird, macht dieselbe fast werthlos in ihren Augen— nur sehr schwer durchsetzen würden. Deshalb ent- schlössen sie sich, so schwer es ihnen fiel,„mildere" Saiten aufzuziehen, und daß sie just bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen die erste Probe machten, das lag bei ihrer Vorliebe für die Berliner Fortschrittspartei ziemlich nahe. Daß aber die„milde Praxis" auch an anderen Orten hin und wieder eine Versammlung ermöglicht, zeigt, daß es sich nicht klös unl einen Sturm auf das„Rothe Haus" handelt. Beiläufig haben die Berliner Arbeiter etwaige Hoffnungen, daß sie sich für die plötzliche Huld, dankbar. erweise» würden, gründlich zu nicht« gemacht. Sie haben allen Verlockungen in dieser Beziehung ein energisches guock nou! fGibt's nicht!), entgegengesetzt, und von der ihnen günstigen Situation einen Ge- brauch gemacht, der Bismarck und Puttkamer keineswegs angenehm sei» dürste. Daß sie die. Situation ausnutzten, war ihr gutes Recht: ein schlechter Kämpfer, der nicht jede Gelegenheit benutzt, dem Gegner eins auszuwischen. Die Fortschriltler, welche das Sozialistengesetz benutzten, unserer Partei den 4: Berliner Wahlkreis zu entreißen ein anderer Ausdruck wäre, beffer am Platze haben am allerwenigsten darüber Klage zu führen. Aber, wie gesagt, die Berliner Stadtverordnetenwahlen kamen nur so nsbeuher mit in Betracht, Hauptsache ist und bleibt dem Sozialisten- gesetz, ohne das Bismarck nun einmal nicht regieren kann., über die Klippen der NichtVerlängerung hinwegzuhelfen. Der Strick, den dieses Polizeigesetz den deutschen Arbeitern um den Hals legt, wird etwas loser gelassen, damit im gegebenen Moment Puttkamer vor den Reichs- tag hintreten kann und sägen: Ihr seht, wie loyal wir vorgehen, die Fortschrittler finden sogar, wir gehen noch zu milde vor. Aber wir sind nun einmal der Meinung, daß die berechtigte Stinnne der Arbeiter sStöcker: Bravo!) gehört werden soll. Gerade deshalb brauchen wir jedoch eine scharse Waffe gegen die wüsten Ausschreitungen der gewerbsmäßigen Agitatoren sStürmischer Beifall rechts, Stöcker schlägt vor Entzücken einen Purzelbaum.) Nehmen Sie uns diese Waffe, dann ist der Arbeiterstand, den wir alle achten und lieben sbis zum Erdrücken nämlich), dem verderblichen Einfluß gottloser Hetzer(Sehr richtig! Jm Zentrum) preisgegeben. Meine Herren, beherzigen Sie das große Wort unseres kaiserlichen Herrn(Stöcker fällt auf den Bauch und kriegt Augenkrämpse):„Die Religion muß dem Volke erhalten werden!"(All- seitiges Bravo rechts und im Zentrum). Vertrauen Sie der Loyalität der Regierung und stören Sie nicht den Gesundungsprozeß, der bereits in Arbeiterkreisen begonnen hat, durch unzeitiges Nachgeben. Bewilligen Sie die Verlängerung im Interesse der Ordnung und Freiheit.(Lang- andauernder Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen). Hieraus erklärt W i n d t h o r st, daß er ein prinzipieller Gegner aller Ausnahmegesetze sei, daß er aber für die Verlängerung stimmen werde, weil man Gesetze, die einmal bestünden, uicht wieder aucheben dürfe, zumal die Sozialdemokraten den Gedanken an eine Revolution nicht aufgeben wollen.(Mit erhobener Stimme): Wenn Sie s o sprechen, dann spreche ich so!(Das ganze Haus bebt.) So lange die Kirche nicht frei herrscht— wollte sagen, ist, bin ich der Ansicht, daß alle Ausnahme- gesetze nichts helfen werden. Deshalb, und weil die Regierung einen so milden Gebrauch von dem Gesetz umcht, stimme ich f ü r die Ver- längerung. So wird der Grundton der Debatte sein, das ist zweifelsohne bereits abgekartet, und da Nationalmiserable und Konservative freiwillig für jede Verlängerung stimmen werden, so wird dieselbe mit g r o ßjM: Majorität gegen die Stimmen der Fortschrittler, Sezessionisten, Volksparteiler, Sozialdemokraten ic., sowie einiger Ultramontanen, deren Wahlkreise bedroht sind, angenommen. Das Spiel ist gewonnen, die Regierung behält den Strick in der Hand und kann ihn nach Be- lieben anziehen und loslaffen. So durchsichtig der Plan ist, so scheint er doch von manchen Leuten, die sonst nicht gerade auf den Kopf gefallen sind, nicht durchschaut zu werden. Anders können wir es uns sonst nicht erklären, wie sich die- selben auch nur den Anschein geben können, als glaubten sie wirklich, das Sozialistengesetz solle nur noch gegen„Ausschreitungen" der Sozial- demokraten in Anwendung kommen. Es gibt keine Ausschrei- tungen der Sozialdemokraten; was die Puttkamer und Konsorten darunter verstehen, das sind dtep rinzip iellenLebens- äußerungen unserer Partei. Die Unterdrückung daher auch nur zum Schein als berechtigt anerkennen, ist eine Taktik, die zur Verwaschung Feuilletou. Das Wecht auf KaulheH. Ii. Der„Segen" der Arbeit.(Schluß.) Welche jämmerliche Fehlgeburt der revolutionären Prinzipien der Bourgeoisie, welch klägliches Geschenk ihres Götzen Fortschritt! Die Philanthropen nennen Diejenigen, die, uni sich zu bereichern, Fabriken errichten und Arbeiter für sich arbeiten laffen, Wohlthäter der Mensch- heit—- es wäre besser, man vergiftete die Brunnen, man süete die Pest, als inmitten einer ländlichen Bevölkerung kapitalistische Fabriken zu errichten. Wo diese erst ihren Einzug gehalten, da heißt es, Adieu Freude, Gesundheit, Freiheit, adieu alles, was das Leben schon, was es werth macht, gelebt zu werden. Die Nationalökonomen werden nicht müde, den Arbeitern zuzurufen: Arbeitet, arbeitet, damit der Nationalreichthum wachse! und doch war es einer der ihrigen, Destut de Traoy, der da sagte:„Die armen Nationen sind es, wo das Volk sich wohlbefindet, bei den reiche» Nationen ist es gewöhnlich arm"; und sein Schüler Eherbullie; setzt hinzu:„Inden, die Arbeiter zur Alchäusung produktiver Kapitalien mitwirken, fördern sie selbst den Faktor, der sie früher oder später eines Theils chres Lohnes berauben wird." Aber von ihrem eigenen Gekrächz betäubt und versimpelt, erwidern die Oekonomcn: Arbeitet, ar- beitet, um eurer Wohlfahrt willen! Und im Namen der� christlichen Milde predigt ein Pfaffe der anglikanischen Kirche, Towsend— er könnte auch Stöcker h eißen: Arbeitet, arbeitet Tag und Nacht; indem ihr arbeitet, vermehrt ihr eure Leiden, und euer Elend erhebt uns der Aufgabe, euch gesetzlich zur Arbeit zu zwingen. Der gesetzliche Arbeits- zwang macht„zuviel Mühe, fordert zuviel Gewalt und erregt zu viel Ausregung; der Hunger ist dagegen nicht nur ein friedlicher, geräusch- loser, unermüdlicher Antreiber zur Arbeit, er bewirkt auch, als die natür- lichste Veranlassung zur Arbeit und gewerblichen Thätigkeit, die gewal- tigste Anstrengung." Arbeitet, arbeitet, Proletarier, vermehrt den Nationalreichthum und damit euer persönliches Elend, arbeitet, um, immer ürnser geworden, noch und Verwaschlappung unserer Prinzipien führen muß. Wer sie befolgt, thut Puttkamer den größten Gefallen. •4m-ckH, jV'v». j.'S. X — Dieeinereaktionäre Masse. Wenn die sächsische R e- gierung es sich zur Ausgabe gemacht hat, das praktische Christen- thum und die Bismarck'sche Sozialreform auf ihre Lächerlichkeck zurückzuführen und die. stniold emokratische Kritik dieses Schwindels zu recht- fertigen, so scheint die sächsische Fortschrittspartei sich der kaum weniger dankenswerthen Aufgabe unterzogen zu haben, die Richtig- keit des in unser Parteiprogramm übergegangenen Satzes an sich selbst zu beweisen: daß der sozialdemokratischen Bewegung gegenüber alle übrigdn Parteien eine reaktionäre Misse sind. Man wird sich noch eristncrn, wie bei den letzten Landtagswahlen in Sachsen seitens der„Frankfurter Zeitung"'unserer Partei der Vorwurf gemacht wurde, sie— die Sozialdemokrotie— habe, weil sie ein Wahl- bündniß mit den linksstehenden Parteien, d. h. Fortschrittlern und Volksparteilern zurückgewiesen,„der Reaktion in, die Hände gearbeitet". Wir antworteten'damalll mit einer Charakteristik dieser„links stehenden" Parteien, hielteck lynen den Spiegel ihrer Vergangenheit vor, und zeigten, daß. sie durch. ihre Handlungen die. Zugehörigkeck zu der einen„reaktw- . nären Masse" hundertfach bewiesen haben.______ Wie recht wir damals hatten, wie vollständig den traurigen Rittern (in der politischen Heuchelei) jedes demokratische Fühlen und Denken, ja jeder Begriff von Liberalismus abhanden gekommen ist, erhellt durch den .neuesten politischen Streich dieser Biedermänner. Z.-. Bekanntlich ist die fortschrittliche Presse Deutschlands auf's Eifrigste bemüht, aus den famosen Aeußerungen Putckamers gegep die. geheime Wmmabgabe bei den Reichstagswahlen politisches Kapckal zu schlagen, und Fie Fortschrittspartei als die begeistertste Ve.theidigerin des all- gemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts hinzustellen. Und hip. Vertreter der Fortschrittspartei im preußischen Abgeordnetenhaus tragen dieselbe inbrünstige Liebe für das allgememe Wahlrecht zur Schau, wie die fortschrittliche Presse es thut.''i'siS Wohlan, ungefähr zur nämlichen Zeck, wo Puttkamer sein Attentat aus das allgemeine Wahlrecht verübte und einen Staatsstreich gegen�das allgemeine Wahlrecht ansagte, verübte die Fortschrittspartei Sachsens'ein ähnliches Attentat, welches dem Puttkammer'schen an Verworfenheit ad- solut nichts. nachgiebt, und ei» ebenso brutaler Fanstschlag in das Gesicht des demokratischen Prinzips ist.. |1 Herr D r. Götz von Lindenau, einer der angesehensten Führer des sächsischen Liberalismus, der sogar— dies speziell für die„Frankfurter Zeitung"— längere Zeit offiziell Mitglied der Volkspartei war und mit Mitgliedern derselben noch heute in engster Fühlung sieht, hat niit Hilfe seiner Parteigenossen eine Bewegung gegen das allgemeine Wahl'- rech? in den sncksiichcn Lmldgemcinden örganisirt, und zur Erreichung seines' reaktionären Zwecks einen Petitionssturm an de» Landtag ver- aniäßt. Das demokratische Wahlrecht unserer Landgemeinden, dem die Sozialdemokraten zahlreiche Siege verdanken, ist den sächsischen Staats- rettern längst schon ein Dorn im Auge, obgleich es durch verschiedene Bestimniungen eingeschnürt ist(die Uiiansässige», obgleich in den meisten_ größeren Gemeinden Sachsens weitaus' in der' Mehr- heit, können trotzdem nur den vierten Theil sämmtlicher Gemeindever- treter wählen u. s. w.) Trotzdem hat die, sicherlich keiner demokratischen Sympathien verdächtige Regierung des Hrn. von Nostitz-Wallwitz bisher nichts gegen das allgenieine Wahlrecht in den Landgemeinden unter- nvmmen. Dem Fortschrittsführer Dr. Götz aus Lindenau, und der sächsischen Fortschrittspartei überhaupt war es vorbehalten, dieses schmach- volle Attentat auf das allgemeine Wahlrecht zu begehen. Allerdings suchen die Fortschrittler jetzt ihr ovtnvt teixibls, den Dr. Götz, von ihren Rockschößen zu schütteln. Es gelingt ihnen jedoch nicht. Mag sein, daß Herr Götz formell aufgehört hat, Mitglied der Fortschrittspartei zu sein; er hat sich aber ausdrücklich als Mitglied'der „liberalen Parteien" bekannt, und das berüchtigte D ö b e l n e r Kompromiß, welches trotz der Chemnitzer sogenannten„Landes- versamnilung", in der eine Z u f a l ls m a j o r i t ä t dagegen protestirte, von allen namhaften„Führern" der sächsischen Fortschrittspartei a n- genommen worden ist, hat die sächsische Fortschrittspartei unwider- ruflich mit den„liberalen Parteien", also auch mit Dr. Götz und deffen Spießgesellen identifizirt. Außerdem haben sich die fortschrittlichen Kammermitglieder einstimmig gegen den Liebknecht'schen Antrag, die Lindenauer Petition auf sich beruhen zu lassen, erklärt, und f ü r die Ueberweisung„zur Kenntnißnahme", d. h. für die indirekte Em- pfehlung der Petition gestimmt. Diese Thatsachen sind durch kein Dementi aus der Welt zu schaffen, und Dr. Götz mit seiner Lindenauer Petition bleibt an den Rockschößen der sächsischen Fortschritts- partei hängen. - S i e lüften die Maske. Die biederen katholischen„Arbeiter- freunde" nämlich. Die Düsseldorfer„christlich-sozialen Blätter" formu- kiren in ihrem neuesten Hefte unter dein Titel„Gartenscheere oder Rottegge" die Bedingungen, unter denen sie, das heißt also die Z e n tr u m f r a k t i on, für die Verlängerung des Sozialistengesetzes eintreten d ü r f t e, a l s o a u ch wtt r d e. Das Sozialistengesetz ist iiiunlich diesen Herren blos eine' Gartenscheere, die nur A uswüchse beschneidet, wogegen sie eine R o t t e g g e" fordern, welche mehr Ursache zn haben, zu arbeiten und elend zu sein. Das ist das unerbittliche Gesetz der kapitalistischen Produktion. Dadurch, daß die Arbeiter den trügerischen Redensarten der Oekonomen Glauben schenken und Leib und Seele dem Dämon Arbeit' verschreiben, tragen sie selbst zu jenen industtiellen Krisen bei, wo die Ueberpro- dnttion den gesellschaftlichen Organismus in krampfhafte Zuckungen ver- setzt. Dann werden wegen Ueberflpß an Waaren»nd Mangel an Ah- nehmern die Fabriken geschlossen, und mit tauscndsträhmger Geißel peitscht der Hunger die Arbeiterbevölkerung. Bethört von dem Dogma von der Arbett sehen die Proletatter nicht ein, daß die Mehr arbeck, der sie sich in der' angeblich guten Geschäftszeit unterzogen haben,-die Ursache ihres jetzigen Elends ist, und anstatt vor die Getreidespeicher zu marschiren und zu erklären: Wir haben Hunger, wir wollen essen!.. Allerdings haben wir keinen rothen Helfer, aber ob wir auch Habenichc se sind, wir sind.es gewesen, die das Korn eingebracht haben"—— anstatt die Lagerhäuser der Heimendahl, der Dannenberg, der Reichen- heim'u, s. w. zu deUgern und zu rufen: Hier, ihr Herren, sind eure Hasplerinnen, Zwirnerinnen, Spinnerinnen und Weberinnen, sie zittern vor Kälte in ihren gestickten Kattunlappen, daß ein Jude darüber Thränen vergießen könnte, und doch sind sie es, welche die seidenen Roben der Mitressen der gesanimten Christenheck gesponnen und ge- webt haben. Die Aerinstcn konnten bei dreizehnstündlger Arbeit nicht an ihre Toilette denken, jetzt miiffen sie seiern und haben daher Zeit, in den- Seide, die sie verfertigt, einherzuraiischen. Seck sie die ersten Zahn«.gewechselt, haben sie für Euch Reichthümer geschaffen und selbst dabei gedarbt,-, jetzt haben sie Pause und wollen daher auch ein wenig von den Fjsiichtci! ihrer Arbeit genießen. Hierher, Herr Herzog, Ihre Seid enwaaren her: Herr Dannenberg wird seine Moiisseline auspacken, Herr Lehmann seine Phankasieattikel, Herr Rosenseld seine schönen Sttesi'letten für ihre kalten und feuchten Füßchen.-- Von Kops bis zu den Füßen eingekleidet, und ausgelassen vor Freude, werden sie Euch einen Anblick gewähre», wie Ihr ihn nicht besser wünschen könnt. Nur keine Ausflucht,— Ihr seid ja doch Christen und Menschensrennde wie sie im Bliche stehen- Stellt Euren Arbeiterinnen die VenNögen zur Verfü gung, die sie für Euch an ihrem eigenen Leibe abgedarbt. haben. Ihr s eid Freunde des Handels?— Befördert den Waarenumsatz; hier habt ihr Konsumenten wie gerufen; eröffnet ihnen unbegrenzten Kredit. Ihr müßt dies ia gegenüber von Geschästsleuten thun. die Ihr zeitlebens nicht g esehen, die Euch absolut nichts geschenkt haben, auch nicht einen Tropfen Wasser. das Uebel sammt der Wurzel ausrottet. Und wie lautet diese Rottegge? l) Es soll ein Gesetz erlaffen werden, welches alle, Gottes Da- sein und die Fundamente jeder natürlichen Staats- ordnung in.Wort und Schrift leugnenden Staats- bürger als Verbrecher(!) unter gemeinrechtliche schwere Strafe(!!) stell t.(Feuertod?) 2) Die K i r ch e muß„freigegeben" werden, d. h. sie muß die Freiheit haben, die Geister zu knechten. „Nur unter diesen Bedingungen und Garantie n", heißt es schließlich,„können wir die einstweilige Ver- längerung des Sozialistengesetzes zugebe n." Run wiffen wir's doch. Ob die Herren den Preis erlangen werden, den sie stellen, ist freilich eine andere Frage, indeß werden sie wohl — wofür wären sie denn christliche Germanen?— mit sich h a n d e ln lassen. Bezüglich der liebenswürdigen ersten Forderung stellen sie be- reits, da sie soviel selbst von Bismarck nicht erreichen werden, die M i n i m a l forderung eines Ketzergerichts wider Beamte und Universitätsprofessoren.„Der Ring des Unglaubens gegen die Anstellung und Geistesprodukte der gläubigen Gelehrten" soll„durch- krochen" werden". ,. v � � Es ist ein wahrer Segen, daß es mck den, blödsinnigen Kulttirkampf zu Ende geht, der diese» Heuchlern es ermöglichte, die Rolle von Freiheitsheiden zu spielen. Mögen sie jetzt ihr wahres Geficht zeigen, .mögen sie jetzt. ebeilsll. willige Handlanger.deffelben Bismarck werden, den sie einst als Anttchrist verfluchten, mögen sie jetzt ein Recht des Volkes nach dem andern an die Landbaronen- und Schlotjunkerbande verschachern, die heut in Preußen den, Ton angibt— je unverhüllter I jnffonofirjiTnör Wir klatschen ihnen Beifall dazu. Herunter mit der Maske, ihr Heuchler, werft den Schafspelz ab, der Euch so lapge genützt, Ihr Wölfe— es ist nothwendig, daß Euch das Volk grundlich kennen lernt!_, — Die Kehrseite der Medaille. In einem schwungvollen Weihnachtsleitattikel macht die Berliner„VolkSzeitung" diesmal eine kühne Exkursion auf das Gebiet der soziale» Frage. An Festartikel.soll man eigentlich aus leicht begreiflichen Gründen keine Kritik anlegen, die Leistung des„Organs für Jedermann aus dem Volke" ist aber eine so außerordentliche, daß eine Ausnahme wohl am Platze ist. Hören wir also zunächst� was das Berliner Fortschrittsorgan seinen Lesern vorphilosophirt: „Und sinnst Du, ernster Volkssohn, in stiller Stunde über ein ttefes Problem, das in unserer Zeit gar vielfach herumgezerrt wird im Streitgewirre der Tagesmeinungen? Sinnst Du am stillen Festtag über die so vielfach in versammelten und zerstreuten Geistern gehegte und betriebene soziale Frage? So horche doch nur auf, was der Weihnachtstag— nicht in Worten, sondern im Hinweis auf Thaten— spricht! Horche ernst auf; denn es ist eine Rede über die soziale Frage, die— wunderbar— keinen Streit wachruft. Es spricht der Weihnachtstag: „Viele Monate bevor ich herniedergestiegen zu der im Tagesschaffen sich mühenden Menschheit, sehe ich eine gewaltige Arbeiterinaffe zu meinem Enipsange sich vorbereiten. Was sie schaffen ist so umfassend, daß sie alle in Elend verkommen würden, wenn ich ihnen in diesem Jahre fern bleiben wollte. Was die höhere Kunst, was die feine Ge- schmacksrichtung, was der Büchermarkt, was Unterhaltungsvergnügen, was die Spielsreude und was die Ueberraschungslust nur ersinnen und erschaffen kann, das regt sich in Werkstätten, in Fabriken, in Kellern und auf Bodenkammern von hunderttausend Händen geleitet und geleistet, zu meinem würdigen Empfange. Wer befiehlt diese Arbeiten?' Wer ordnet diese Thätigkeit? Wer fordert die vielen Millionen, die sie kosten? Wer bürgt für den Berkauf derselben? Wer schützt vor dem Verlust?— Kein König der sozialen Macht ist kühn genug, diese Aufgabe zu erjülleik Kein Sozial- st a a t ist mächtig und thöricht genug, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Keine Soziali st engesellschaft wagt es zu ge- bieten und vorzufchreibeu, was geleistet iverden soll. Und kein sozia- listischer Berechner hegt den Wahn, im Voraus zu sagen, was die Arbeiten alle in Gewinn und Genuß darbieten werden." „Aber dÄi geheimnißvolle Genien des Menschenwesens sind von alten alten Zecken her noch immer die Träger und Reger dieses Schaf- fens. Sie heißen; Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie sind nicht erstorben in der Menschenbrust. Der Glaube spricht: Arbeite imr fort! Das Bedürfniß des Nienschenherzens, den Rebenmenschen zu erfreuen lebt auch ohne Dogma in ihren Herzen und wird zur rechten Zeck nicht erstorben sein! Die Liebe spricht: Sei ge- trost, ich werde wiederum erscheinen und siegen zur rechten Stunde. Die Hoffnung spricht: Ich habe seit Jährtausenden nicht getrogen; ich trüge noch in Jahrtausenden nicht die Menschenkinder!"— Und ver- eint im Gleichklang sprechen sie alle drei den arbeitenden Menschen zu: Schaffet ruhig weiter und vertrauet der edlen Volkssckte, denn sieistdiereineQuellederReligion, dienie v er alt et." Welch lieber alter Herr, dieser Weihnachtstag! Wie schön er uns zu Herzen z» sprechen versteht! Es gehört wirklich ein großer Grad von Statt in den Zeiten der Krisis eine Bertheilung der Produkte und all- gemeine Erholung zu verlangen, rennen sich die Arbeiter vor den Thüren der Fabriken die Köpfe ein. Mck eingefallenen Wangen, ab- gemagertem Körper, dringen sie auf die Fabrikanten mit kläglichen An- sprachen ein: Lieber Herr Stunun, bester Herr Berger, geben Sie uns doch Arbeit, es ist nicht der Hgnger, der uns plagt, sondern nur die Liebe zur Arbeit."' Und kaum im' Stande, sich aufrecht zu halten, ver- kaufen die Elenden 12— 14 Stunden Arbeit um die Hälfte billiger als zur Zeck, wo sie noch Brod im Korbe hatten. Und die Herren indu- striellen Wilgnthrvpen öenutzen die Arbeitslosigkeck, um billiger zu produziren..... Wenn die industriellen Krisen auf die Perioden der Ueberarbeck mck derselben Nothwendigkeit folgen, wie die Nacht dem Tage, und Zwangs- stockungen bei grenzenlosem Elenv„ach sich ziehen, so bringen sie auch den unerbittlichen Bankrott Mit sich. Solange der Fabrikant Kredit hat, läßt er der Arbeitswuth die Zügel schießen, er pumpt und punipt, um den Arbeitern den Rohstoff zu liefern. Er läßt darauf los produ- ziren, ohne zu bedenken, daß der Markt überfüllt ivird und daß, wenn er seine Waaren nicht verkauft, er auch seine Wechsel nicht einlösen kann. Sitzt er endlich in der Patsche, so läuft er zum Geldjuden, steht ihn an, wirst sich ihm zu Füßen, stellt ihm sein Blut, seine Ehre zur Verfügung.„Ein klein wenig. Gold würde mir lieber sein", antwortet ihm der Rothschild, Sie haben 20,000 Paar Strümpfe auf Lager, zum Preise von SO Pfg. das Paar; ich iverde sie ä 20 Pfennige in Zahlung nehmen. Ist der Handel gemacht, so verkauft der Biedermann zu 40 bis zu.50. Pfg. das Paar und steckt klingende Thajer, für die er keinem etwas schuldet, in die Tasche; aber der Fabrikant bat seinen Aufschub nur ermißt,»Ni destvWndlicher zu verkrachen. Endlich tritt der allgemeine Zusammensturz ein, just in dem Moment, wo die Magazine bis an den Rand vollgepfropft sind; da werden dann soviel Waaren aus dem Fenster Herausgeworfen, daß man gar nicht begreisen kann, wie sie zur Thür hereingekommen sind. Nach Hunderten von Millionen beziffert sich der Wetth der zerstörten Waaren; im vottgen Jahrhundert ver- brannte man sie oder warf sie in's Wasser.*) *) Auf dem am 21'. Februar 1878 in Berlin stattgehabten Kongreß deutscher Industrieller schätzte man den Verlust, den allein die Eisen- industrie Deutschlands während der letzten Kttsis erlitten, auf 455 Mill. Mark.- M|| zreß isen- Nill. Verstocktheit dazu, ob dieser melodramatischen Ansprache nicht gerührt zu werden! H Aber leider gibt es heutzutage so verhärtete Gemüther, welche selbst durch die schönsten Ansprachen sich nicht über die nackte Wirklichkeit hin- wegsetzen lassen, sondern an allem noch so Ehrwürdigen mit zersetzender Kritik herumnörgeln. Und die gute„Volkszeitung" hat leider die Rech- nung ohne diese Störensriede gemacht, als sie schrieb, daß die schöne Rede ihres Weihnachtsmannes„wunderbar" keinen Streit wachrufen werde. Zn unserer wunderlosen Zeit ist auch dieses Wunder ausge- blieben. Ein solcher Störensried schickt uns nämlich folgende Antwort an den Volkszeitungsweihnachtsmann: Alter Knabe! Weihnachten ist vorbei, mit ihm die Tage der Ueber- raschungen und Enttäuschungen-, die Prosa des Lebens tritt wieder in ihre Rechte. Jetzt bitte ich Dich, mit mir einmal einen Gang durch dieselben Räume zu machen, deren Leben und Wirken Du uns so an- muthig geschildert. Komm mit mir in die Läden der K'aufleute, in die Magazine der Fabrikanten. Siehst Du, wie ste überfüllt sind mit Waaren aller Art, mit all' jenen Produkten der„höheren Kunst", des„feineren Geschmacks", der Spielsreude— kurz mit„Allem, was Ueberraschungs- lust nur ersinnen konnte", und was, weil auf eine Karte, auf Hoff- nung hin, verferttgt, unverkauft geblieben ist? Siehst Du, wie diele Unternehmer sich in ihren Weihnachtsfabrikaten, welche sie für den schlechten Geschäftsgang deS übrigen Jahres entschädigen sollten, ver- s p e k u l i r t haben? Siehst Du, für wie viele der ganze Gewinn, den sie in diesen Tagen erzielt haben, drausgeht gegenüber dem Verlust, den ste an dem Rest, der unverkaust geblieben ist, erleiden? Siehst Du, wie aus ein vergnügtes Gesicht immer zehn unbefriedigte, betrübte kommen? Und nun komm und laß uns sehen, wie es mit den„gewaltigen Ar- teitermassen" steht, an deren Geschäftigkeit vor den Feiertagen Du so große Freude gehabt hast. Es ist wahr, sie haben fieberhaft gearbettet, diese Hunderttausende fleißiger Alenschen, rastlos geschafft bis in die fpäte Nacht hinein. Was aber haben sie jetzt? Der geringe Mehrver- dienst, den sie durch ihre Uederarbeit erzielt, ist in den Feiertagen drauf- gegangen, jetzt aber, wo das Wetter von Tag zu kälter wird, jetzt naht für sie die Zeit der schrecklichsten, der erzwungenen Ruhe. Denn da ist von keinem Ruhen, von keinem Genießen die Rede. Zahllose Work- statten, in denen Du so eifrig schaffen gesehen, sind geschloffen, ihre In- saffen lausen von einer zur anderen, um Arbeit zu bitten, aber sie sin- den keine.„Wir sind über Bedarf versehen", lautet die Antwort, die ihnen fast überall wird. Andere haben wohl noch Beschäftigung, aber zu welchen Preisen! Zuviel zum Verhungern, zu wenig zum Leben. So müssen sie sich, die Einen wie die Anderen, bis zum Frühjahr unter Entbehrungen aller Art durchschleppen, während die Erzeugnisse ihres Fleißes in den Magazinen verkommen. Und wenn man sie ihnen auch preisgäbe, würden sie ihnen in der Mehrheit nicht einmal nutzen, denn, in der„Hoffnung" auf Dich angefertigt, sind es zumeist Gegenstände des Spiels, der- Unterhattung, des Luxus,— ihnen aber fehlt das zum Leben Rothwendigste. Und daran trägst gerade Du, alter Knabe, einen erheblichen Theil der Schuld. Du, angeblicher Freund der Menschheit, trägst nach Kräften dazu bei, die Produktton in falsche Bahnen zu len- ken. Mit deiner gottverdammten H o s f n u n g! Du hast Recht, kein Sozialstaat ist mächtig und t h ö r i ch t genug, die Verantwortung für eine solche Wirthschast zu übernehmen, keine Soziali st engesellschast würde, unter solchen Umständen, vor- zuschreiben wagen, was geleistet werden solle. Die Sozialistengesellschaft setzt nicht in der Produktion allen Einsatz auf eine so trügerische Karte, sie hofft nicht und spekulirt nicht, sie rechnet. Sie läßt nicht heute übermäßig, bis zur Ermattung, arbeiten, um morgen zwecklos feiern zu lassen, sie will nicht glauben, sondern wissen. Du ftagst:„Wer ordnet diese Thätigkeit?" Niemand, das ist wahr. Aber weil sie Niemand ordnet, darum ist sie so ungesund, sind ihre Folgen so verderblich für die Menschheit. Weißt Du, alter Herr, was man Dir auf die Stirn schreiben sollt»- H«utr Hunger und morgen ver- dorbencr Magen, heute Fieber und morgen Entkräftung, heute Uederarbeit und morgen Arbeitslosigkeit. So siehst Du in Wahrheit aus. Weihnachtsmann, und so mußt Du aussehen, weil deine Devise Glaube, Liebe, Hoffnung heißt. Aber deine Zeit ist vorbei, Du hast Dich überlebt. Die H o s s n u n g hat die Menschheit betrogen, der Glaube ste belogen, die Liebe sie im Stich gelassen. Darum sollen andere, kräftigere Faktoren an ihre Stelle treten. De»' Glaube muß durch Wissen, die Hoffnung durch Erkennen ersetzt und die verschwommene Liebe zum Bewußtsein der nlenkchlichen Solidarität werden. Erst wenn die alten Götzen des Gefühls gestürzt und der Verstand, die Einsicht, herrschen wird, erst dann wird die Menschheit wirklich glücklich sein. Troll Dich, alter Knabe, das Bild, das Du uns gezeigt, schaut glän- zend aus, aber es verdeckt nicht das grenzenlose Elend, das hinter ihm steckt, es vermag uns nicht zu täuschen über die Kehrseite der Medaille. — Die Ausbeutung blosgestellt. Die'z„Sozial- Korre- spondenz berichtete vor einiger Zeit, daß ein sog.„Vaterländischer Frauen. verein"»u Hausdorf bei Neurode im schlesischen Eulengebirge die dorttgen Weber in den Stand gesetzt habe, ohne Vermittelung der Bevor sie sich aber zu dieser Maßregel entschließen, durchlaufen die Fabrikanten die Welt auf der Suche nach Absatzmärkten für die Waaren, die sie angehäuft-, sie schreien nach Handelskolonien am Congo, sie ver- langen die Eroberung Tonkins, sie zwingen ihre Regierung, die-Kauern China's zu zertrümmern, nur damit sie ihre Baumwollenartikel absetzen können. In den letzten Jahrhunderten kämpften England und Frank- reich ein Duell auf Leben und Tod, wer von beiden das ausschließliche Privileg haben werde, in Amerika und Indien zu verkaufen. Tausende junger kräftiger Manner haben in den Kolonialkriegen des Ig., 17. und 18. Jahrhunderts mit ihrem Blut das Meer färben müssen. Wie an Waaren, so herrscht auch U-berfluß an Kapitalien— natürlich nicht für diejenigen, die sie brauchen. Die Finanzleute wissen nicht mehr, wo dieselben unterbringe», und so inachen sie sich denn auf, bei jenen glücklichen Völkern! dte noch Zigarretten rauchend in der Sonne liegen, Eisenbahnen zu legen. Fabriken zu bauen, den Fluch der Slrbeit ein- zuführen. Und dieser Kapitalexport endet eines schönen Tages mit diplomatischen Verwicklungen: in Egpvten wäret, sich England und Frankreich beinahe in die Haare gerathen, um sich zu vergewissern, wessen Wucherer zuerst bezahlt werden, und mit Kriegen ä la Mexiko, wo man die französischen Soldaten hinschickt«, die Rolle von Gerichts- Vollziehern sitr Eintreibung fauler Schulden zu spielen.») *) Tie„Justice" des Herrn Ekembnecau sagte im finanziellen Theil ihrer Nummer vom ö. April des vorigen Jahres:„Wir haben die Meinung aussprechen hören, daß die Milliarden des Krieges von 1870, auch wenn die Preußen sie uns nicht abgenommen hätten, für Frankreich gleichwohl verloren gegangen wären; und zwar in der Form von von Zeit zu Zeit aufgelegten Anleihen zum Ausgleich der Budgets fremder Staaten; das ist auch unsere Ansicht." Man schätzt den Verlust, den englisches Kapitnl bei den südamerikanischen Republiken erlitten, auf fünf Milliarden— die französischen Arbeiter haben nicht nur die an Herrn Bismarck gezahlten fünf Millarden erarbeitet, sie mußten auch die fetten Zinsen aufbringen, welche die Ollivier, die G'irardin, die Bazaine und andere Besitzer von Rententtteln(Staatsschuldscheinen), die den Krieg und die-Niederlage verschuldet haben, einstreichen. Jndeß bleibt ihnen ein Trost; diese fünf Milliarden werden keinen Wiedereinttei- bungskrieg zur Folge haben. Fabrikanten und sogenannten Faktore zu arbeiten; das- Resultat sei ein sehr Günstiges..Mährend sonst", heißt es,„der arme Weber mit seiner ganzen Familie genöthigt ist, von Früh bis in die Nacht hinein angestrengt zu arbetten, um einen Wochenlohn von höch- stens fünf Mark, aber oft auch nur von drei Mark, zu verdienen, erlangt er jetzt bei angemessener Thätigkeit 9— 12 M. und dabei fällt die Arbeit der Kinder, die sonst kaum vom Spulrade wegkamen, w e g, da der Verein den Webern das Garn be- reits gespult liefert. Hierzu konstatirt die„Berl. Volksztg.", daß das glänzende Bild, das da geschildert wird, nur eine Ausnahme ist, daß b« näherer Um- schau sich ergibt, daß nur wenigen Familien jetzt Gelegenheit ge- boten ist, sich besser zu ernähren. Man müsse also die Berechtigung der Arbeiter, ihre Lage erheblich zu verbessern, unter allen Umständen an- erkennen. Schade, daß die„Volksztg." sich darüber ausschweigt, wie sie sich diese Verbesserung durchgeführt denkt. Für uns geht aus dieser Nottz nur hervor, daß nicht eher von einer solchen die Rede sein wird, als bis, was der„vaterländische Frauenverein" zu Gunsten einiger Familien ge- than, für die G e s a m m t h e i t der Arbeiter geschehen sein, die Aus- beutung durch sog. Fabrikanten und ähnliche kapitalistische Parasiten, denn die wirklichen Fabrikanten sind die Arbeiter, allgemein beseitigt sein wird. In welch' unerhörtem Maße diese Schmarotzer die Arbeiter ausbeuten, das hat der vaterländische Frauenverein zu Hausdorf, und dafür gebührt ihm unsere Anerkennung, wieder einmal recht drastisch vordemonstrirt. Statt 3 bis h ö ch stens(!) 5 Mark bekommt der Arbeiter, unter Wegfall der Kinderarbeit, da, wo kein Fabrikant ihm das Fett von der Suppe abschöpft, 9—12 Mark pro Woche, demnach beträgt, wenn wir die Durchschnittspreise annehmen, der Ausbeuterprofit mehr als 61,�, Prozent vom Erlös des Produktes, daS heißt auf jede Mark, die der Weber erhält, entfällt für die Profitschlucker 1 Mark K2 Pfennige, mit anderen Worten 1 K 2>/, P r o z e n t! Begreift man es nun, weshalb die schlesischen Fabrikanten Millionär« sind und eine ganze Repttlienpresse unterhalten können? Beiläufig ist das glänzende Einkomnien von 12 Mark pro Woche immer noch dürstig genug, es ist aber klar, daß, wenn die ganze Schmarotzer- wirthschast beseitigt und die Gesammtproduktion gesellschaftlich geregelt sein wird, der auf das einzelne Mitglied der Gesellschaft entfallende Antheil ein bedeutend höherer sein muß. Von der„freien Gruppe", wie die Anarchisten sie träumen, kann man das freilich nicht sagen. -— Attentäter und Attentäter. Es wurde uns seinerzeit von verschiedenen, der Partei sonst nicht positiv feindlichen Seiten übel vermerkt, daß wir die That O'Donell's, welcher den irischen Verräther und Erzhallnnken Carey wie einen Hund niederschoß, für eine hochsitt- liche Handlung erklärten. Wir wollen heute nicht auf die Frage zurück- kommen, die für Niemanden, der den sittlichen Werth der Handlung nach ihren Beweggründen und Zielen beurtheilt, überhaupt eine Frage sein kann. Wir wollen blos feststellen, daß das vornehmste und angeschenste Wochenorgan der englischen Konservativen, die„Saturday Review", in ihrer Nummer vom 8. Dezember d. I. in Bezug auf O'Donnel, wesentlich denselben Standpunkt einnimmt wie wir, und ausdrücklich er- klärt,„es gibt wohl Niemanden, der den Mörder Carep's mit g l e i- chem moralischem Abscheu betrachtet, wie die Mörder des Lord Cavendish." Ob der moralische Abscheu der„Saturday Review" vor den Mör- dern des Lord Eavendish gerechtfertigt ist, das wollen wir hier nicht unter- suchen: genug, daß das konservattve Organ O'Donnell nicht für einen gemeinen Mörder hält, der mit den Gefühlen ungemischten moralischen Abscheus zu betrachten sei. Freilich, gehängt muß O'Donnel doch werden! fügte das konservative Organ jener Bemerkung hinzu. Politische Gründe erheischen es ge- bieterisch. Mag Carey ein noch so großer Schuft gewesen sein, er hat dem Staat einen großen Dienst g-letstrt, und der Staat kann nicht dulden, daß Jemand deshalb getödtet wird, weil er ihm(dem Staat) einen Dienst geleistet hat. So argumentirt die„Saturday Review", deren Wunsch ja inzwischen in Erfüllung gegangen ist. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nur er- wähnen, daß die Argun,entation des konservativen Organs genau dieselbe ist, vermittelst deren die Montagnards des französischen Konvents im Jahre 1793 zu dem Schluß kamen, daß Ludwig XVI. guillotinirt wer- den müsse.„Politische Nothwendigkeit" war das A und O der berühmten Rede Robespierre's. Man sieht, die politische Nothwendigkeit ist ein zweischneidiges Schwert, das nach rechts ebenso gut treffen kann, wie nach links. — Praktisches Christenthum. Man schreibt uns: Zwei Be- schlüffe, welche das preußische Herrenhans, dieses christlich-feudale Muster- Institut, jüngst gefaßt, verdienen größte Verbreitung. Die preußische Regierung hatte dem Herrenhause einen Gesetzentwurf über eine neue Jagdordnung zur Berathung übergeben, deren Hauptbestimmung darin besteht, daß ein selbständiger Jagdbezirk mindestens die Größe von 100 Hektaren haben soll. Danach würden, wenn dieser Vorschlag Gesetzeskraft erhielte, alle Besitzer von Grundstücken, die kleiner sind als 100 Hektaren— 70,000 Ouadratruthen— und hierzu gehören fast alle Bauern der preußischen Monarchie, mit einem Schlage das bisherige Jagdrecht verlieren. Ein Mttglied des Herrenhauses beantragte nun, statt 10» Hektaren einen Besitz von 75 Hektaren als untere Grenze für die Berechtigung zur Jagd festzusetzen. Dieser Anttag wurde jedoch von der Majorität abgelehnt und der Regierungsvorschlag angenommen.— Mehr Glück hatte ein anderes Mitglied dieses„hohen Hauses" init dem Antrage, die Ausübung der Jagd am Sonntage zu verbieten; derselbe wurde angenommen. Beide Beschlüsse ergänzen sich sehr glücklich, um den etwas unklaren Begriff„praktisches C h r i st e n t h u m" zu verdeutlichen- Der erste Beschluß vernichtet das Jagdrecht Letz kleineren Grundbesitzer und erhöht dadurch die Ergiebigkeit der Jagdausübung für die großen Grundbesitzer; er ist ohne Frage ein sehr„praiti- s ch e s" Kittel, das Leben der„Herren Gutsbesitzer" angenehmer zu gestalten. Nützlich für die Verbreitung des„Christenthum' s dürft« sich der zweite Beschluß erweisen. Denn wohin anders als in die Kirche sollen nach seinem Inkrafttreten die Kaufleute und Beamte am Sonntag Vormittag wohl gehen, wenn es ihnen untersagt ist, die Jagd, ivelche sie vielleicht in einem benachbarten Bezirk gepachtet haben, auszuüben in der sür sie freien Zeit?.„Praktisches C h r i st e n- t h u m zu üben, das haben die Führer im preußischen Herrenhause von der Regierung oft verlangt; wie man sidht,'verstehen sie selbst darunter die Anwendung des Bibelverses:„Wer Vieles hat, dem wird gegeben, damit er die Fülle habe, und wer wenig hat, dem wird auch das Wenige genommen." tir. i. 51. — Roch einige Wahlerfolg« unserer Partei in Deutschland. In Kötzschenbroda bei Dresden erzielten bei der mn 28. Dezember stattgehabten Gemeinderathsmahl unsere Genossen einen glänzenden Sieg. Aus Württemberg ist noch zu melden, daß in Eßlingen drei Kandidaten unserer Partei in den Bürgerausschuß gewählt wurden; in Schwäbisch-Hall ward unser Genosse Schwend mit 442 Stimmen gewählt. In Stuttgart sind unsere Genossen zwar gegen die Koalition der deutsch-konseroativ- reaktionären Koalition unterlegen, doch erzielten ihre Kandidaten recht ansehnliche Minoritäten, ourchschnittlich 630 Stimmen. Unabgeänderte Wahlzettel unserer Partei wurden 5 9 5 abgegeben gegen 778 konser- vative, 220 deutsch-miserable und ca. 40» volksparteiliche. — I m freien Lande Baden, wo der Liberalismus am Ruder sitzt, passiren wunderbare Dinge. Auf Befehl des badischen Amtsgerichtes Konstanz ward am 24. Dezember, am sogenannten Heiligabend, bei dem Schreiner G r i e ß e r auf Reichenau eine hochnothpeinliche Haussuchnng vorgenommen, weil derselbe— das in Stuttgart öffentlich erschie- neue illustrirte Witzblatt„Der wahre Jakob" verbreitet habe! Bei der Gelegenheit wurden dem solchermaßen Beglückten eine ganze Anzahl von Schriften, die ihm bereits 1880 abkonfiszirt worden waren, aber natür- lich wieder herausgegeben werden mußten, auf's Neue fortgeschleppt. Darunter selbstverständlich auch Nichtverbotenes, wie Schäffle's„Quint- estenz" ,c,; Wann wird diese Skandalwirthschast einmal ein Ende nehmen? — Anarchistisches. Der„Revoltö" ist ob der Stuttgarter Raub- Affaire vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen und empfiehlt seinen Freunden die Nachahmung dieses praktischen Vorgehens.„Der denkende Arbeiter", schreibt er,„wird in jedem dieser„Diebe", der die kommunisti- schen Theorien ins Praktische übersetzt, einen Mitarbeiter an der Emanzipation des'Proletariats erblicken." Man wird also künftig in jedem Anhänger dieser Lehre des„prakti- schen Kommunismüs" einen Hehler oder Spitzbuben zu ver- muthen haben, und wir können unseren Genossen in allein Ernste nur den dringenden Rath geben, die Taschen vor diesem Ge- sindel hübsch zuzuhalten. Nicht nur, daß sie— der Appetit kommt bekanntlich beim Essen— wen» es gerade keinen Schuhinacher oder Bankier auszurauben gibt, auch einmal wo anders„praktischen" Kommunismus üben könnten, in dieser Beziehung dürfte ihnen die Aus- beute bei unseren Genossen zu wenig lohnen— sondern sie könnten auch gelegeutlich, nach echter G.aunerpraxis, Einem etwas i n die Tasche praktiziren, was ihnen in den Fingern brennt. Wer mit Spitzbuben Gemeinschaft hält, der darf nicht erwarten, als Ehrenmann behandett zu werden. Es handelt sich da nicht um radikal ober nicht radikal, sondern um Lü m p oder R i ch t l u m p. — Oe st erreich. Aus Wien wird ein großer Kirchenskandal gemeldet. In der Pfarrkirche des Bezirkes Favoriten haben am 30. Dezember mehrere Arbeiter den Redemptoristenpsarrer H a m m e r l e, der ihnen das alte Entsagungslied, den„Ruhm der Arbeit" vorpredigte, mehrfach unterbrochen und schließlich mit Steinen beworfen. Der darob entstandene Tumult wurde noch durch falschen Feuerlärm vermehrt, so daß beim Herausdrängen aus der Kirche mehrere Personen schwer ver- letzt wurden. Ueber die Unterbrechungen des Pfaffen verlieren wir kein Wort, da wir keine Verpflichtung in uns fühlen, uns zu Anwälten der Kanzelprivilegien aufzuwerfen; das Steinwerfen war nach unserer Ansicht eine durch nichts gerechtfertigte Roheit und der Feuerlärm, der nur den Zweck haben konnte, Unheil zu stiften, eine Infamie. Der offiziöse Telegraph meldet, daß die Sache von den Anarchisten „programmäßig" verübt wurde; wenn wir ihm auch keinen unbedingten Glauben schenken, so halten wir diese Meldung doch keineswegs für un- glaubwürdig, derartige Heldenstückchen gehören eben zur anarchistischen „Taktik". Dadurch soll das Eintreten der großen Revolution beschleu- nigt werden. Thatsächlich aber ruft man damit nichts Anderes hervor, als die erbitterte Feindschaft selbst der Kreise, die unserer Sache bisher zum mindesten nicht feindlich gegenüberstanden. Was kümmert das aber die Anarchisten? Sie suchen mit Gewalt die Polizeiherrschaft zu provo- ziren, bis sie endlich den berühmten, heißersehnten Straßenkrawall haben, bis„Blut fließt". Wessen Blut dann fließen wird, w e r die Zeche schließlich wird bezahlen müssen, das ist ihnen gleichgiltig; die Herren Führer werden zu rechter Zeit dafür sorgen, daß sie, wie Herr P e u- k e r t bei der Demonstration in Sechshaus gethan, es als eine„infame Verleumdung" bezeichnen können, daß sie dabei gewesen sein sollen. In der Angelegenheit des Mordes H l u b e k sucht die Polizei bis jetzt vergeblich nach Beweisen für die Schuld Schaafhausers. Bis jetzt sind eben nur Verdachtsmomente da, die keine Handhabe zu einer Verurtheilung bieten, da Schaaffhauser die That entschieden in Abrede stellt. — Frankreich. Zu der in unserer Beilage veröffentlichten Er- klärung bemerkt der blanquistische„Republicain socialiste du centre": „Die deutschen Sozialisten haben ein Recht, von ihrer Solidarität mit den französischen Sozialisten zu reden, denn alle ihre Handlungen legen Beweis von derselben ab und in ihrem gemeinsamen Kampf gegen Monarchie, Willkür- und Kapitalherrfchaft hat die deutsche Sozialdemokratie stets ihre lebhafte Sympathie für die französische Nution bekundet. In diesem Punkt sind alle Fraktionen derselben stets einig gewesen."--— „Wir dürfen übrigens nie vergessen, daß die deutschen Sozialdemo- kraten am Tage nach dem Kriege, inmitten des größten Bourgeois- chauvinismus, allein gegen die Annexion Elsaß-Lothringens protestirten. Auch heute, wo die gesammte Bourgeoispreffe aus Haß gegen die Revo- lution durch unaufhörliche Verleumdungen und Polizeilügen einen Ab- grund zwischen beiden Ländern zu graben sucht, sprechen allein die sozialistischen Organe für den Frieden, die Revolution und die fran- zöstsche Republik. „Im Auftrage des Kapitalismus und der geheimen(Reptilien-) Fonds der Regierungen hetzen die Blätter der reaktionären Bourgeoisie, in Frankreich, wie in Deutschland, zum Haß auf und unterstützen solcher» gestalt die Jntriguen Bismarcks und der Opportunisten, die im ge» gebenen Fall einen europäischen Krieg gegen das Land der Revolutton nach sich zu ziehen geeignet sind." Der Artikel schließt mit einem Nachweis der Solidarität der Revolu- tionäre aller Länder.— Im„Proletaire" und in einer an die radikale und sozialffttsche Presse versandten Erklärung nennt Herr Brousse den Brief unserer Abgeordneten uvo gusrsllo d'alleraand. In Frankreich bedeutet das soviel wie ein vom Zaun gebrochener Streit, man geht aber nicht fehl, wenn man anninnnt, daß Herr Brousse diesen Ausdruck mit der be- stimmten Absicht gebraucht, das Vorurtheil gegen die Deutschen sür sich ins Feld zu führen, denn es ist nicht das erste Mal, daß er denselben gegen uns„vom Zaun bricht". Gehört es ja auch in seiner Polemik gegen Guesde und Lafargue zu seinen Lieblingsargumenten, daß die- selben sich von den Deutschen Engels und Marx beeinflussen lassen, ein Vorwurf, der in der letzten Nummer des„Proletaire" auf's Neue aufgetischt wird, trotzdem der„Deutsch e" Marx nun schon sett fast Jahresfrist zur großen Genugthuung des Herrn Brousse in kalter Erde ruht. Soviel zur Kennzeichnung der Kampfesweise, die von dieser Seite gegen uns beliebt wird. Mit den an den Haaren herbeigezogenen Argumenten des„Protetaire" wollen wir unsere Leser nicht belästigen, darauf denken wir an einer Stelle zu antworten, die Herrn Brousse die Herab- setzung unserer Partei in den Augen seiner Anhänger etwas erschweren dürfte. — Amerika. Die Delegirten der Pariser Syndikatskammern zur Bostoner Industrieausstellung sind bei ihrer Ankunft in Amerika von unseren dortigen Genossen auf das herzlichste bewillkommnet worden. Di« sozialistische Arbeiterpartei veranstaltete ihnen zu Ehren in Steuden Hall eine großartige Empfangsfeier, bei der von Seiten der Einberuser der Redakteur„New- Porter Volkszeitung", Genosse Schewitsch, von Seiten der Gäste L. Balin und B. B. Dumay sprachen. Auch Herr Most lud die Franzosen in seinen Klub ein. Die„New-Aorker Volksztg." hat die ftanzösischen Delegirten auch über die Parteiverhältnisse der französischen Sozialisten interviewt, da dieselben indeß fast durchgängig der Partei des„Proletaire" angehören, so sind die Antworten auch nur als einseitige Auslassungen zu betrachten, und kommen mir daher auf dieselben nicht weiter zurück. Im- Labour Lyceum(Arbeiterbildungsinstitut) von Brooklyn bei N e w- D o r k ward am 29. November eine Gewerbeaus» st e l l u n g zum Besten dieses von Sozinltsten gegründeten Instituts eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Genoffe Alexander Jonas, der wenige Tage zuvor von seiner Reise nach Europa zurückgekehrt war. Die allsgestellten Gegenstünd« sind meist von den Anfertigern desselben dem Institut geschenkt worden; viele derselben sind die Frucht jahrelangen Mühens. Die sozialistische Arbeiterschaft New-Zorks darf auf diese Ausstellung stolz sein. Soweit war diese Notiz bereits gesetzt, als uns mittlerweile die Be- richte über die Festlichkeiten zugingen, welche anläßlich der Rückkehr der französischen Delegirten in New- Dort stattfanden. Wiederum fanden zwei Versammlungen statt, die eine von Herrn Most und dessen Freun- den, die andere von der sozialistischen Arbeiterpartei Nordamerikas ein- berufen. Die erstere war von mehreren hundert Personen, die zweite — im Cooper-Jnstitut— zählte ihre Besucher nach Tausenden, Lange vor Beginn der Versammlung war der mächtige Saal desselben gefüllt. I. P. M c. G u i r e sprach in englischer, AlexanderJonas in deutscher, B u n a t a in böhmischer Sprache, von den Franzosen nahmen D u m a y und R i b a n i e r das Wort. Wir bedauern un- endlich, daß der knappe Raum unseres Blattes es uns nicht gestattet, die vortrefflichen Reden unserer Genossen Jonas und M c. G u i r e wiederzugeben. Bezeichnend für unsere Preßverhältnisse ist es, daß der Telegraph von dieser bedeutenden Versammlung kein Wort berichtete, dagegen von der Mostischen Versammlung, weil daselbst ein französischer Redner„im Namen der Arbeiter Europa's" gesprochen haben soll, wovon beiläufig die amerikanischen Zeitungen nichts wissen, äußerst wichtigthuend Notiz nahm. Unsere Leser mögen daraus auf's Neue ersehen, was sie auf die Nachrichten der gegnerischen Presse zu geben haben.— Unter jden deutschen Genossen in Amerika macht sich zur Zeit eine Bewegung geltend, die darauf hinausläuft, den Versuch des indirekten Einwirkens auf die amerikanische, englisch-redende Bevölkerung mit Rücksicht auf die verhältnißmäßig geringen Erfolge, die in dieser Beziehung von unfern Genossen bisher erzielt wurden und die vorläufige Aussichtslosigkeit des Sozialismus in Amerika, ganz aufzugeben und sich nur noch der theoretischen Weiterbildung und der Unterstützung der d e u t- schen Bewegung zu'widmen. Es sind uns in dieser Beziehung verschiedene Zuschriften zugegangen, in denen der Wunsch ausgesprochen wird, der„Sozialdemokrat" möge zu dieser Frage Stellung nehmen. Soweit das nun aus der Ferne möglich ist, wollen wir dem hiermit nachkommen. Wir sind der Ansicht, daß die der soeben entwickelten Auffaffung zu- neigenden Genossen das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn der bisher eingeschlagene Weg, wenn die bisherige Art der Agitatton nicht das gehoffte Resultat gezeitigt hat, warum gleich in das entgegengesetzte Extrem versallen? Warum sich quasi verkapseln wollen, wo doch unsere Genossen an dem Gang der Ereignisse drüben keineswegs nur ein theo- retisches, sondern auch ein sehr lebhaftes praktisches Interesse haben? Es ist in hohem Grade zu begrüßen, namentlich in Hinblick auf die bevor st ehenden Reichstag swahlen, wenn unsere Genossen drüben eifrigst Kampfmittel sür unsere Partei in Deutschland samnwln wollen, aber kann man nicht das eine thun, ohne das andere zu lassen? So meinen wir, sollten unsere Genossen drüben die Frage stellen, und darauf eine Lösung suchen. Und wir glauben eine Lösung in diesem Sinne müßte möglich sein, wie sie unter kleineren, aber nicht minder schwierigen Verhältnissen ja auch in der Schweiz möglich ge- worden ist. Wenn auch die sozialisttsche Partei als solche drüben unter der englisch sprechenden Bevölkerung nur wenig Anhänger zählt, so scheint es doch, als ob unsere Genossen die Wirkung der Agitation zu ausschließlich nach der Zahl der eingeschriebenen Mitglieder berechnen und die Macht der Einwirkung auf die allgemeine Denkweise des Volkes unterschätzen. Ruch möchten wir darauf hinweisen, wie stark gerade drüben die wirthschaftliche Entwicklung uns in die Hände ar- beitet. — Sozialistische Press- und Literatur, äulen Öiiondo et Pnul Lafargue, Li) Programm da partt nuvrmr, son histoire, ses considsrants, ses nrticlcs. Paris, H. Oriol. Eine in ihrem sachlichen Theil ganz ausgezeichnete Broschüre über das Programm der Arbeiterpartei, wie eine ähnliche in Deutschland ost schon verlangt wurde. In gedrängter, populärer Darstellung werden die Grundsätze und Forderungen des französischen Arbeiterprogramm-z Satz sür Satz erläutert. Unser Artikel:„Privateigenthum und gesellschaftliches Eigenthum" in der Beilage, auf den wir hiermit besonders aufmerksam machen, ist die Uebersetzung des ersten Abschnittes dieser Schrift. P. Doraela Niouwenhuis, Het Kommunisrae eu de offi- ciecle Wetenachaft, een Weer- en Terweerschaft Haag, Liebers et Cie, Lo Travailleur, Organ socialista etc., erscheint wöchentlich in St. Pierre-lez-Calais, unter Mitwirkung von G u e s d e, Lasargue, Deville und D e l a s o n t. „La Defense des Trovailleurs11(Die Vertheidigung der Arbeiter), Organ der revolutionär-sozialistischen Arbettervereine des Nordostens, erscheint wöchentlich in Reims. Steht auf dem Standpunkt des Roanner(„Minimum"-) Programms. „La tjnesHone socialo"(Die soziale Frage). Erscheint wöchentlich in Florenz. Anarchistisch. Korrespondenzen. — Offenbach, 20. Dezember. Eine niederträchtigere Sippe als die Herren, so sich bei uns hessische und deutsche Fortschrittsmänner nennen, dürfte es schwerlich noch irgendwo auf dem Erdenrund geben. Die sog. hessischen Fortschrittler, diese Männer der Richtung Bennigsens, sind schon an sich hinlänglich als versumpft bekannt, aber unsere deutschen Fortschrittler, diese Jammergestalten der Richter'schen Richtung, sie ver- standen es noch immer, sich den Anstrich zu geben, als hätten sie wirklich freisinnige Neigungen und mancher Gimpel ging auf den Leim. Endlich aber dürfte auch den Leichtgläubigsten der Staar gestochen sein, und zwar durch unsere am 21. November stattgehabte Stadtrathswahl, an der sich die hiesigen Genossen zum e r st e n m a l s e l b st ä si d i g be- theiligten, und bei der sie, trotz des äußerst reaktionären Wahlgesetzes der hessischen Städteordnung, einen bedeutenden Erfolg errangen. Bei dieser Wahl fühlten die bisher hier stets unumschränkt in der städttschen Verwaltung maßgebend gewesenen ehrsamen Nachthauben und Kopf- nicker plötzlich den Boden unter den Füßen wanken, und aus Furcht vor der Sozialdemokratte ließen sie ihre früheren Meinungsver'chieden- heitcn bei Seite und trieben vereint das Handwerk der Verdächtigung und Verleumdung unserer Partei und ihrer Anhänger. Das Groß- artigste i» dieser Richtung leistete der Dr. Brüning'sche Ableger des „Frankfurter Journals", genannt„Ossenbacher Morgenzeitung". Dieses saubere Blättchen log das Blaue vom Himmel herunter, und trotzdem selbst gerichtlich festgestellt wurde, daß der� famose Redakteur des Dr. Brünings ein infamer Langsinger vulgo Spitzbube ist, standen sowohl die hessischen als die deutschen Fortschrittler in liebevoller Vereinigung zusammen mit ihm am Wahllokal, um für die„vereinigten Liberalen zu agitiren, bis Genosse Ulrich hinzutrat und dem Spitzbuben öffentlich vor seinen Genossen seine Diebstähle vorhielt, worauf der Held sich druckte, um sich den ganzen Tag nicht mehr sehen zu lassen. Es war übrigens ein rührendes Bild, diesen notorischen Langfinger in der Mitte der Ereme unserer beiden fortschrtttlichen Generalstäbe zu sehen,-ter Aus- ' fall der Wahl selbst darf inimerhin als ein Erfolg unserer Sache angesehen werden, denn trotzdem die vereinigten Gegner mit allem Hochdruck arbeiteten, brachten sie es doch nur auf wenig Stimmen mehr als vor drei Jahren, wo von uns einige Bekannte auf die gegnerische Liste gesetzt ivaren und es auf 117 Stimmen brachten, während die Vereinnigte 747 Stimmen erhielten. Diesmal bekamen die Brüder nur 810 Stim- men auf ihren Höchstbestimmten und nur 690 auf chr enfant terrible, einen Arbeiterschinder erster Klasse, während wir es auf 510, bezw. 346 Stimmen brachten. Die Wahl hat übrigens sehr anregend auf unsere Genossen gewirkt lind steht die alte Garde in gewohnter Festigkeit auf dem Posten. Schon während der vergangenen Wochen wurde von uns gewirtt, um selbst bei einer im Frühjahr nöthigen Reichstagswahl gerüstet zu sein, und trotz der, offen gestanden, in Folge der Kommunalwahlen in einzelnen Orten eingerissen gewesenen Stänkerei, steht unsere Partei befier als je im Kreis. Wir haben überall aus den Ortschaften zum ersten Mal den prinzipiellen Standpunkt im kommunalen Leben hervor- gehoben und dabei recht gute Resultate erzielt; wenn auch nicht überall gleich der Sieg an unsere Fahnen geheftet wurde, so wurden doch die Gegner zusammen getrieben und das gab angenehme Klarheit. Unser Abgeordneter, Genosse Liebknecht, war wiederholt in unserer Mttte und hat in verschiedenen großartigen Versammlungen den Wählern Be- richt über seine Thättgkeit erstattet, und selbst unsere Gegner pnd ge- zwungen, dieselbe anzuerkennen. Genossen allerorts, thut Eure volle Schuldigkeit, damit die bevor- stehende Wahl den Heuchlern und Volksbedrückern eine kernige Antwort gibt auf ihre fortgesetzten Lügen und Gemeinheiten! Tb. — München. Wir haben in Ztro. 47 des Sozialdemokrat die Ge- nossen von dem im Dresdener Milttärgefängniß erfolgten Tode unseres braven Genossen R e m m l e r, hier unter dem Namen Konrad Krebs bekannt, berichtet. Remmler ist das Opfer eines skandalösen I u st i z- mordes. Aus welchen Gründen haben nun seinerzeit die Münchener Richter den Unglücklichen schuldig befunden und ihn zu gleicher Strafe verurtheilt, wie die in S t e i n h a u s e n Verhafteten? 1) weil man in seiner Wohnung einen Zettel mit offenbar falschen Namen, und einige Nummern der„Freiheit" und des„Sozialdemokrat" gefunden hat, 2) weil er mit einigen Berufsgenossen in dem Lokal der Metallarbeiterkasse, deren Niitrlied er war, auch an anderen als an den Versammlungstagen der Kasse verkehrt hat. Remmler ist nachgewiesenermaßen nicht bei der sogenannten geheimen Versammlung in Steinhausen gewesen, und doch wird er aus den oben angeführten zwei Gründen!?? verurtheilt. Klingt es nicht wie ein Hohn auf den gesunden Menschen ver- stand, dies Urtheil? Wenn ein als Sozialdemokrat bekannter Mann verbotene Zeitungen besitzt, und dies ist gesetzlich nicht st r a f- bar, und in einer Wirthschaft verkehrt, dann stürzt er Staat und Ge- sellschaft um. Unsere Pflicht aber ist es, die Menschen offen zu brandmarken, welche über unseren wackeren Genossen Remmler den Stab gebrochen haben. Die Namen des Staatsanwalts und der M ü n ch e n e r R i ch t e r, die ihn ohne jeden Beweis, auf bloße Denunziation hin, verurtheilt haben, schlagen wir hiermit an den S ch a n d- p s a h l. Sie heißen: Baumgärtl, Staatsanwalt, H a r l a n d e r, Vorsitzender, G e i g e l, Böhm, H ö r m a N n, G i r i s ch, Richter. Sie haben die Götttn der Gerechtigkeit zur Dirne gemacht, sie haben uns gezeigt, daß die Korruption und der Klafsenhatz, nicht aber die viel gepriesene„Unparteilichkeit" bei den deutschen Richtern herrscht. Wer aber ist das seile Werkzelig in der Hand der Alünchener Justiz, wer ist der Büttel, welcher die unschuldigen Opfer zur Richtbank schleift? Dieser Henkersknecht ist Michel Gehret, Polizeikommisfär. Dies längst berüchttgte, elende Subjekt, dessen Dummheit nur durch seine Schlechtigkeit übertroffen wird, ist der oberste Polizeispitzel im Dienste der politischen Polizei, der Bediente der Herren P f i st e r, Schuster und Konsorten. G ehr et ist ein Meineidiger, der politische Angeklagte durch seinen falsch geschworenen Amtseid in's Ver- derben stürzt. Michael Gehret, der Wächter der öffentlichen Ordnung, der Beschützer der Staats- und Gesellschaftsmoral, ist ein doppelter Ehebrecher, der seine Frau und den Freund betrogen hat. Michael Gehret ist ein gemeiner Verbrecher, der vor Jahren eine alte, hülslose Frau am Jsarufer überwälttgt und genothzüchtigt hat, er, der Polizeimann! Cr gehört in's Zuchthaus und sitzt in Ehren und Würden! Das sind Deine Sittenwächter, Volk von München! Wie lange wirst Du Dir ihre Herrschaft noch gefallen lassen? Bogenschütze. Sprechsaal. Zürich, im Jan. 1884. Eugen Ärudy,«tud. med., vor dem wegen seiner zweifelhaften Rolle im Merstallinger- Prozeß in Nro. 37 1883 gewarnt wurde, ist wirklich im Anfang des Wintersemesters hier in Zürich aufgetaucht und zwar unter dem weiteren Namen T i b e r i u s v o n G a a l aus B u d a p e st. Durch seine eigene Unvorsichtigkeit, indem er Visitenkarten mit dem Namen Krudy ausgab, wurde seine Identität unzweifelhaft festgestellt, die er, direkt befragt, nicht einmal ableugnen konnte. Er leugnete allerdings, daß er von der im Sozialdemokrat gegen ihn erlassenen Warnung etwas wisse, betheuerte seine Unschuld und versprach auf's Bestimmteste, sofort eine„kategorische Erklärung" gegen die gemeinenAnschuldigun- gen der Anarchisten inicht Sozialdemokraten) an den Sozialdemokrat schicken zu wollen. Dies Versprechen wiederholte er noch einmal schriftlich mit den oben gesperrt gegebenen Worten gegen einen Genossen. Trotzdem aber ist bis heute keine solche Erklärung bei der Redaktion oder sonstwo eingetroffen, was als neues Verdachtsmoment gegen den k. Krudy hinzukommt. Gleichzeitig ist es auffällig, daß Krudy alias Goal fast von dem Tage an, wo er gestellt wurde, aus Zürich verschwunden ist. Angeblich hält er sich seither in Herisau auf. Alles das genügt hinlänglich, um die Genoffen zu veranlassen, vor Krudy weiter auf der Hut zu sein. Die Vertrauen sleute. � In Nr. 29 des„Sozialdemokrat" werden die Genoffen vor meiner Person gewarnt. Ich bedaure, daß man wegen eines von mir gestellten Anttages auf diese Weise gegen mich vorgeht, und ich gebe den Ge- nossen die Versicherung, daß ich mich niemals zu solchen Streichen, wie sie in Nr. 29 angeführt sind, herabwürdigen werde. Was das Selbst- anzeigen anbetrifft, so beruht dieses auf einer falschen Auffaffung; mir wurde vor zwei Jahren eine Tonne mit Beschlag belegt, infolge dessen holte ich mir eine zweite und diese meldete ich vorher der Polizei an. Trotz dieser Verdächtigungen erkläre ich öffentlich, daß ich weder Groll noch Haß gegen Personen hege, und daß ich dennoch für Ver- drettung der Lehren des Sozialismus zu jeder Stunde, wie ich es seit 13 Jahren gethan habe, eintreten werde. Die Agitation führt zum F o r st i. L. Gustav Hohlfeld. Brieftaften der Redaktion: 7/9—27: Zeitungen mit bestem Dank erhalten. Für Fortsetzung würden Ihnen sehr verbunden sein. Herzlichen Glück- wünsch züm Jahreswechsel!— F. L. in Ldn.: Brief Nr. 3 erh. Wird, sobalv es der Raum gestattet, verwendet werden.— Plauen: In nächster Nr. bestimmt.— Halle a/S.: Ist in Nr. 48 erschienen.— ftfl- Himmel: Wir können nur nach Maßgabe des uns vorliegenden beweiskräftigen Materials verfahren. Unbewiesene Beschuldigungen nützen dem„Lumpengesindel" nur. Von anderer Seite wird uns der entgegengesetzte Vorwurf gemacht. der Expedition: Probeabdruck aus der„Schwarzcn'Liste": P e t e r K n a u e r. N e w y o r k: Unterschlug 1881 Abonnementgelder bes„Sozialdemokrat" und vollendete damit seine Studien als Leibdichter des Generals Bumbum. Besondere Kennzeichen: Schwerhörigkeit, trägt sehr defekte Reputation und— mit Leidenschast seine Gedichte vor.— E m i l K l ä s s i g, Brooklyn: Buchhändler mit dauernd u n b e- zahlten„gemäßigten" Parteischriften, deren Ertrag er zu„Thaten" für sich verbraucht. Besondere Kennzeichen: Bestellt stets gegen Baar, leidet seit 2',.>a hren an chronischem Worthalten und der egyptischen Augenkrankheit beim Anschauen gewisser Nummern des„Sozialdemokrat". — Jungfeuer: Mk. 3,— f. Schst. erh. Expreßsendung stets kostspielig, deshalb rechtzeittg bestellen.— Otto Vorwärts, Jammerthal: Mk. 8638 pr. Schst. u. Ab. 4. Qu. gutgebr. Adr. nottrt. Bfl. Weiteres am 28/12.— Rotber Hans: Auf Bf. vom 26. 12. 83 haben nochmals re- cherchirt. Sonstwie folgt Ersatz.— Adelbert: Mk. 150,— ä Cto. Ab. erh. Bestllg. wird besorgt.— Froschauer a/N.: Mk. 4,30 Ab. 1. Qu erh.— Peter H. Wshn.: Fr. 2,50 f. Schst. erh.— W. E. Rsb.: Fr. 4,— Ab. I. u. 2 Qu. erh.— Sch. Lisge: Fr. 10,50 Ab. 4. Qu. erh — Rother Nagelschmidt: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.— Dreibein: Mk. 6,— Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Weiteres siehe Fondsquttgn.— F. Sch Geneve: Fr. 3,95 Ab. 1. Qu. u. Schst. erh.— Stllbrg. i/S.:Mk'. 3, Ab. 1. Qu. 83 erh. Auch 4. Qu. 83 ist geliefert worden und zahl- bar, da Fortsetzung früher von Ihnen gewünscht wurde, auch wenn nicht extra bestellt werde.— Bäff: Mk. 37,20 f. Schst. erh. Prosit!— Lustige Brüder im Elsaß: Fr. 29,90 Ab.-Rest 4. Qu. 83 u. pr. i. Qu. 1884, ebenso Fr. 8,— f. Schst. erh. Sdg. besorgt.— Gppgn. Mk. 15,20 Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Bstllg. folgt— I. Mr. Choisy-le-roi: Fr. 2,60 f. Schst. erh.— Rtzlff. Basel: Fr. 9,50 f. Schst. durch Kl. erhalten.— H. K. Ttt.: Mk.—,20 f. Porto erh.— Sch. Stgtz.: Mk. 1,— Porto- Zuschlag 4. Qu. und h Cto. 1. Qu. erh.— Klgr. Z.: Fr. 2,— Abon. 1. Qu. erh.— T. v. Main: Mk. I,— für Annonce v. Schl. erh. und ä Cto. gutgebr.— Gebr. B. Hg.: Fr. 10,— Ab. bis 1. Okt. 84 erh. — R. B. Sdhs.: Mk. 1,— Ab. pr. Dez. erh.— Kruzifix: Mk. 200,— ä Cto. erh.— Kfm. Mslgh.: Fr. 18,90 Ab. bis Ende März 84 und Schst, erh.— Gg. Bgr. Wsl.: Mk. 6,— Ab. 4. Qu. 83 u. 1. Qu. 84 erh.— P.R.Paris: Fr. 161,— Ab. 4. Qu. erh.— fff Himmel----: Mk. 12,80(Fr. 16,—) von Msch. Eto. W. erh. Ggr. gutgebr.— Dr. W. A.: Mk. 6,— Ab. 1. u. 2. Qu. 84 u. Mk. 4,— pr. Usd. dkd. erh. — Schzr. Zch.: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. erh.— Himmelblau: Mk. 7,— Ab. u. Schft. erh. Adr. nottrt. Sdg. folgt.— Verrina: Mk. 600,— h Cto. Ab. u. Schft. erh. Ertraadr. erwartet.— Eintracht Nachfolger: Bf. v. 30/12. erh.- Rothkäppler: Fr. 2,75 Ab.-Rest 1. Qu. 84 und Schft. erh.— G. i. M.: Mk. 4,30 Ab. 1. Qu. erh.— Rother Holländer: Wk. 3,— Ab. 1. Qu., Mk. 3,— f. d. Gehetzten dkd. erh., Mk. 1,— f. Frachtverg. Weiteres bfl.— Carlo: Mk. 50 ä Cto. 4. Qu. 83 erh. Gewünschtes folgt.— E. I. M. Wdau: Mk. 10,— Ab.-Rest pr. Ende 83 erh. Rückstdges folgt.— Marat Lz.: öwfl. 6,70 Ab. 1. Qu. 84 und Schft. erh. Sdg. fort. Reihenfolge beachtet.— C. K. Zch.: Fr 2— Ab. 1. Qu. erh.- C. M. Zch.: Fr. 2.- Ab. 1. Qu. erh.- F. K. Wkdf.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.— R. Schr. St. Glln.: Fr. 2,60 f Schft. erh.— Bshvr. Bkst.: Mk. 10,— erh. u. pr. Ab. 1. Qu. und Schft. verwdt. Rest von Fr. 3,30 d. Agfds. dkd. zugew.— O. R. Haag: Fr. 5,90 Ab. 4 Mte. 83 u. 1. Qu. 84, sowie Fr. 1,25 f. Kal. erh.; restliche 7V Cts. pr. Usd. dkd. verwendet.— Sch. H. O.: Nur Mk. 4,20 Ab. 1. Qu. erh., nicht Mk. 4,40.— M. Renan: Fr. 1,— pr. Wfd. u. Fr. I,— pr. Ufd. dkd. erh.— Zürich: Fr. 5,— von der Turnsektion des Dtsch. Ver. Eintracht, pr. Ufd. dkd. erh.— A. M. Bgdf.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.- I. Sch. Gz.: öwfl. 1,70 Ab. 1. Qu. erh. — I. W. Mchn.: Mk. 3, Ab. 1. Qu. erh.— Blitz: Mk. 20,— ä Cto. erh. Fortsetzung erwartet. Bstllg. baldigst.— Pantaleon: Mk. 74,80 ä Cto. Ab. u. Schft. erh. Mk. 6,— pr. Wbg. gutgebr. Bfl. Weiteres. — C. Mz. Zch.: 40 Pfg. Porto f. Schz. erh.— Agst.: Mk. 42,— ä Cto. Ab. k. erh.— A. H. Turin: Fr. 2,50 Ab. l. Qu. erh. Rest ist für Koursverlust draufgegangen.— C. Ppe. B.: Mk. 4,— Ab. 1. Qu. erh. — Seesturm: Mk. 12,— Ab. 1. Qu. erh.— A. M. Hbg.: Mk. 4,30 Ab. 1. Qu. erh.— H. Nitzsche, N.-Dork: Fr. 151,90 ä Cto. erh.— A. Anvers: Fr. 7,80 Ab. 1. u. 2. Qu., Schft.:c. erh. Fr. 2,20 dem Ufd. dkd. zugew.— R. T. O'strß.: Fr. 8.— Ab. pr. 1884 erh.— M. St. B.-P.: öwfl: 3,— pr. Ab. 1. Qu. Abst., Sozdit., N. W. erh. 3 Bei hall Hai Lük 3 Ma Ens stoi Bai bur Sch 10c ..D '( 3- 4,5 1 ( 18, Rei Sti 50, Rü Anzeigen. ■ßölitlh Hier durchreisenden Genoffen zur Nachricht, daß N i e- ' mand mehr ohne genügende Parteilegiti m a t i 0 n unterstützt wird. Arbeitslose Parteigenossen nach Belgien zu schicken, ist unverantwortlich, da die Arbeit wohl in keinem Lande mehr gedrückt ist, wie augenblicklich hier. Der Ausschuß. Gesucht: ein S ch r e i n e r bei Schreinermeistei B u s e r in Mühlenthal(Schaffhausen).— ,50. Ve 0-. l.'of jtwe •W '«fc. tili!!, Gi G Der deutsche Bauer. Was war eti Was ist er? Was könnte er sein? Preis bei Maffenbezug nur gegen Boranszahlung, »u da W en U, ebenso wie bei Mucker-, Waffen- und Königsfchwindet. sei W bü R. vo I. Die fromme»ourgeoifie. 2- Die loyale Bonrgeotfie.)' ur Für die S ch w e i z per Expl. 2 Et», stank» für Rabatt. Für'« A u» l a u d per 2 Expl. 5 TtS.„„„ Ei Für Deutschland per Expl. 2 Pfg.„„„ Einzelexemplare per Brief 5 Pfg. und 10 Pfg. Porto. � be Beide Flugblätter eignen sich zur Agitation und Auf-!.. klärung in allen Äesellschaftskr eisen und ergänzen sich b zu diesem Zweck vorttefflich. VolksduobbeutUnuss und Kzpeditloii des„Soz."'"sst Hottingen-Zttricb. r be _____-i B Schweizerisch« Genossensch.istibuchdruckerei Höningen. Zürich. Hiezu eine Beilage. � w G « h° th "• Beilage zu Nr. 1 des„Sozialdemokrat." Zürich Donnerstag, den 3. Januar 1884. IV- h. d«|! vd S. 10 vd H. vl. ur — et f- h- jj. 30 s. to. vir h- 30 nv N. Fonds zur Unterstützung der Opfer de« Bozialistengefetze«. Wie sich herausgestellt hat, ist ein Theil der im April eingegangenen Beiträge zum Unterstützungsfond nicht in die Quittung gekommen, wes- halb die Pusten jetzt nachgetragen werden: Itzehoe Mk. 14,—. Hirschberg 15,—. Halberstadt 33,50. Hagen 3,30. Hammb. Düffeldors 7.—. Rostock 9,50. Schwerin 4,50. Ronsdorf 7.—. Lübeck 30,-. Im Oktober gingen ein: Rowawes Mk. 4,30. Stettin 5,50. Ronsdorf 7,50. Bielefeld«1.—. Mannheim 100,—. Brandenburg R. 20,—. Brandenburg M. 5,—. Eassel 10,—. Hannover 100,—. Rowawes 5,25. Gaggenau 0,30. Darmstadt 5,-. Königsberg 2,50. Rostock 4,80. Iserlohn 3,50. Erfurt.„Das Banner hoch!" 10,50. Zittau 3,50. Hagen 2,50. Potsdam 5,50. Hamburg 85,—. Hemelingen 10,—. Brandenburg R. 25,—. Lüdeck 30,—. Schwerin 15.-. Karlsruhe 5,50. dito 2.50. Elberfeld 571,-. Karlsruhe 100,—. Dortmund 10,—. Herford 8,50. Elberfeld 100,—. Ronsdorf, „Dat Dunnerkiel in de Nähmaschine!" 5.-. Ronsdorf durch G. 20—. Fürth 20.-. dito 10.—. '"E. Leipzig 5,—. Kickericki Leipzig 6,—. Köln 30,30. hn Pforzheim 3,—. ner Pforzheim 1,50. Hannover 11,10. Grauer Staar Hannover 4.50.. Halberstadt, Die Widerspenstigen 22,—. Im November gingen ein: Cassel Mk. 6,50. Desgl. 10.—. Desgl. 23,—. Zitttau5,—. Flensburg 13,25. Desgl. 12,25. Eckernförde 2,25. Neumünster 6,25. Desgl. 12,25. Rendsburg 4,25. Kiel 15,25. Gera 16.—. Ronsdorf 13,15. Rostock 4,80. Stettin 4,10. Pforzheim 3,—. Minden 2,40. Desgl. 4,—. Brandenburg 50,—. Desgl. 2,50. Greiz 27,50. Wiesbaden 5,—. Danzig 30,—. Nürnberg 39,40. Erfurt,„Das Banner hoch!" Mk. 25,—. Im Dezember gingen ein il. Quittung):- Gera L. Mk. 10,—. Pforzheim str. 1,—. E. K.' Zürich sFr. 3.—) Mk. 2,40. Gr. i. M. 2,75. Hagen, Westfalen 4.—. Von einer Sonntagsgesellschaft durch Eckhorn, Winterthur sFr. 4,—) 3,20. Von einem geselligen Abend im rothen Kreise durch Versteigerung und Lotterie zusammengebracht in München 10,95. Vogler, Schasshaufen sFr.—,70)—,56. B. v. O. Amsterdam sFr. 6,50) 5,20. P. B. Amsterdam sFr. 1,—)—.80. Sarau 20,—. Zeitz 14,30. Reichsmaulwürfe 6,—. Für ehve bezahlte Weinprobe vom Kommerzienrathe 4,—. Rothe Schwefelbande H'stdt. 30,—. Porto-Allegre sFr. 23,—) 18,40 von C. Grimm u. Genossen. Eckborn, Winterthur sFr. 1,—.)—,30. E. B. E. 3,—. Zeitz 14,— und 14,40. I. P. Le Chernois sFr. 1,—)—,80. P�Genofsen Frauenfeld sFr. 4,—) 3,20. Lawinsky, Zürich sFr. 5,—) 4,—. Gewonnene Wette durch Naso sFr. 1,—)—,80. 4 Schafskopp- Spieler, Buffalo 4,64. I. I. sFr. 3,85) 3,08. Hildesheim 6,—. Han- nover 2,—. Gesanimelt am Todtenfest, im Andenken unserer großen Todten, Lütticher Schreinerverein sFr. 2,—) 1,60. Neuenbrg. 11,25. Genossen Gera 20,—. Dr. W. A. 4,—. Zusammen: Mark 2,156, 38. e- i- ist hr 'tetr, Agitationsfonds. 'ir Fürth Mk. 10,-. Mitgliedschaft Winterthur Mk. 2,44. Anhänger Lange's Wien 1,68. Vereinigung Dtschr. Sozial. Chicago sDoll. 41,95) 169,92.'New-Haien sDoll. 10,—) 40,62 v. d. Cigarrenmachern in Osterweis' Shop, llnbe- lamvt sFr. 6,15) 4,92. Merkurius i. B. 1,—. Zwei Jacquardweber am Zürichsee sFr. 2,—) 1,60. Charles Shumann, Cincinnatt sDoll. 100,—) 407,84 Reinertrag von der Hoffmann'schen Broschüre. H. i. G. 5,—. C. Michel Chicago sFr. 2,20) 1,80. Newyork sDoll. 50,—) 202,52 von den Handarbeitern bei Straiten u. Storm. Kopenhagen sFr. 10,—) 8,— Parteibeittäge. 7/9. 27 low st. 12,—) 20,76. Fliegender Holländer 22,—. A. Crjsten Aberdeen sFr. 10,90) 8,72. Der Alte v. Berge—.20 Porto- Vergütung. F. Drück, Biel sFr. 1,20)—.96. Ueberschuß. A.Jonas, Neu- Dort sFr. 4,13) 3,20) Rest auf Portokonto. Niederottendorf 5,— von einigen Genossen zu Parteizwecken gesammelt. Zusammen: Mark 918, 08. s- i« « u «: m- las 7: len m.' S: 9: st- ■8; Allgeiminer Wahlfondö. Alte Tannen Mk. 3,—. Partei-Genossen Bukarest sFr. 40,—) 32.- K. T- Z. sFr. 5,60) 4,48. Zusammen: Mark 39, 48. t.) f' sich - Für ein Marr-Denknml. Brandenburg Mk. 5,—. Privateigenthum und gesellschaftliches Eigenthum. Die neuesten Untersuchungen über die ersten menschlichen Gesellschaften zeigen, daß dieselben fammt und sonders bei ihrem Entstehen die Gemeinschastlichkett des Grund und Bodens und seiner Produkte als Grundlage haben. Das Privateigenthum erstreckt sich, sobald es auftritt, zuerst nur aus �Gegenstände rein persönlichen Gebrauchs., wie das Fell erlegter Thiere, die Ausrüstung erschlagener Feinde, Zierrath, Waffen ul Z. w., die dann gewöhnlich mit der Leiche ihres Inhabers eingescharrt werden, Der persönliche Gebrauch ist gleichzeitig die Ursache wie die Grenz« des Privateigenthums. Das Prijpateigenchuin an Grund und Boden und den Früchten desselben ist perhältnißmäßig jungen Datums- Während der Feudaizeit noch mit allerhand Verpstjchtungen belastet, besteht es in seiner absoluten oder bürgerlichen Form in Mitteleuropa kaum seit der großen französischen Revolutton von 1789. Seine Entwickelung. im Laufe der Jahrhunderte vollzog sich auf Kosten des kollektiven oder gemeinsamen Grundbesitzes, und zwar großentheils mittelst Gewalt und Betrug. Aber selbst in den Ländern der ausgesprochensten Kapitqlsherrschaft hat es das kollektive Eigenthum.nicht ganz aussaugen können, wie der Fortbestand öffentlicher Domänen sGenveindegüter, Staatswaldungen u. s. w.) in allen Ländern bezeugt. Deshalb kann der Sozialismus mit Recht sagen, daß das Privat- eigenthum als ausschließliche Thatsache niemals bestanden hat. Das wesentliche Charakleriüikuin des Privateigenthums: die per- s q n t t ch e B'e'n'u tz u n gTieff belreffeiiden Gegenstandes, finden wir in der Epoche wer Kleiuüvdusttie und der. ländlichen Zwergwirthschaft. Der Bauer, der seine Scholle Land �selbst deackert, Ger Weber, der seinen Handstuhl selbst bedient, der Graveur gut seinem Stichel,"der Schreiner mit Hobel«nd Handsäge sind nichlnuen o mi n e U-eoder juristische Eigenthümer, sondern reale, wirkliche Eigenthümer, iveil sie ihr Eigenthum persönlich benutzen, weil sie selbst die Instrumente Hand- haben, die sie ihr eigen nennen. Das Eigenthum ist mit dem Eigenthümer.verivachjen, gewissermaßen identisch mit ihm; seine Produktivität hängt van der Geschicklichkeit und Thatkraft des Letzteren ab, der, ohne es zu schädigen, die Häivoe nicht in den Schoost legen, nicht alt und schwach werden darf. Der Eigenthümer spielt noch eine nützliche Rolle in der Produktion. In dem Maße jedoch, wie das Grundeigenthum anwächst und die Industrie ihre Formen wechselt und Maschinenindnstri« wird, sängt der wirkliche, nützliche und R u tz u n g S- Charakter des Privateigenthums an, zn verschwinden. Wen» der Acker des Bauern zum Grundstück von hundert, zweihundert und mehr Hektaren Umfang wird, so ist es nicht mehr der Eigenthümer, der es bearbeitet, sondern der Pächter, der Jnstmann, der Knecht, der Tagelöhner. Wenn der Haivdwebstuhl zum mechanischen Webstuhl wird, die Haudsäge zur mechanischen Kreissäge, so ist es nicht mehr der Besitzer derselben, der webt oder Holz zurichtet, sondern von ihm angestellte Lohnarbeiter. Das Eigenthum besteht nur noch j u r i st i s ch oder nominell, der Eigeuthüiner wendet es nicht mehr persönlich an; er ist nicht mehr mit seinem Eigenthum verwachsen, dessen Produktivität von seinen persönlichen Eigenschaften unab- hängig und nicht mehr durch sein Nichtsthuu, sein Alter oder seine Kräfteabnahme beeinträchtigt wird. Der Eigenthümer spiest in der Pro duktion gar keine Rolle mehr. Er thut nichts mehr, als die wirklichen Produzenten be stehlen, die, da sie das Eigenthum benutzen, auch dessen juristi-s che oder nominelle Besitzer sein sollten, und Heren Arbeit nicht nur den Weich dessen, was sie täglich konsumiren, einbringen muß, sondern auch noch Mehrwerth oder einen dem Eigenthümer zugute kommenden und um so erheblicheren Profit, je zahlreicher und j«�stärker ausgebeutetßdie Lohnangestellten sind. In einen einsachen P r o f i t d i e b umgewandelt, kann der n o in i- n e l l e oder juristische Eigenthümer nach Belieben ersetzt werden: Krupp durch Bleichröder, Stumm durch Crlanger, ohne daß deshalb das Eigenthum weniger produktiv würde. Er kann sogar anfharen, ein leibhaftiges Wesen zu sein, und zu einer Handelsfirma— Kramsta und Söhne— oder einer Gemeinschaft von Aktien- und Obligationeninhabern werden, was bei den Bergwerken, Hüttenwerken, Eisenbahnen u. s. w. der Fall, deren Eigenthumstitel, unpersönlich geworden, ohne irgend welche Folgen von Hand zu Hand gehen und auf der Börse an einem Tage mehrmals die juristischen Eigenthümer wechseln können. Auf diese Art verliert das Eigenthum seiirm privaten, d. h. indivi- duellen Charakter, oder wie der Sozialisinns sagt: die indibiduelle Form des Eigenthums wird durch die En tiv ick e'lung der Industrie immer mehr ausgemerz t. Dieselbe Entwickelung aber, welche die individuelle Form des Eigen- thums ausmerzt, bereitet eine höhere Form des gemeinschaftlichen Eigenthums vor, deren materielle und geistige Elemente sie bereits im Schooße der kapitalistischen Gesellschaft selbst zeitigt. Wenn weder der Dampfpflug, noch Mäh- und Dreschinaschinen, noch die sonsttgen mechanischen Ackergeräthe existirten, so könnte das Feld klein bleiben und als solches individuell, d. h. von Einzelnen angeeignet wer- den. Aber der landwirthschastlich« Maschinenbetrieb paßt nur für ausgedehnte Grundstücke. Es vollzieht sich mit Naturnothwendigkeit eine Konzentrirung des Grundbesitzes, weiche oie gesellschaftliche Jubesitznahine des Grund und Bodens nicht nur ermöglicht, sondern geradezu heraus- fordert, ganz abgesehen davon, daß der Grundbesitz in den Händen wm großen(Hypotheken- ic.) Gesellschaften immer' mehr Ungetheiltes Mit-E ig en t h u m, d. h. gemeinschastliches Eigenthum wird. Dieselbe Umgestaltung vollzieht sich— nur noch schneller in der eigentlichen Industrie: dem Handwebstuhi, dem Spinnrad, der Handsage und anderen fast häuslichen Geräthen, die individuell angeeignet werden konnten, sind inechanische Webereien, Spinnereien und Sägewerke gefolgt, die Dutzende von Sägen, Hunderte von mechanischen Stühlen, Taufende von Spindeln in einem Etablissement vereinigen. Das ist die industrielle Konzentrirung, die Vorrede der sozialen, d. h. gesellschaftlichen Jnbesitz- nähme der großen Manufakturorganismen*), die bereits heutzutage immer mehr aufhören, Eigenthum eines Einzelnen zu sein, um ungetheiltes und u n t h e t l v a r e s Mit- Eigenthum zu werden. Man versuche es beispielsweise, das individuelle Eigenthum eines Aktieninhabers an den Maschinen, Gebäuden, Lagervorrathen, Arbestsplätzen und den anderen Bestandtheilen jenes großen Betriebes festzustellen, den jede größere Fabrjkattonsanstalt repräsentirt. Diese Konzentrirung, welch« für Handel, Industrie und Landwirthschaft ein natürliches Gesetz geworden ist, sowie die Kollektivform des Aktien- wesens, die sie im Gefolge hat, bilden die in a t e r i e l l e n E l e m e n t e der K o l le k t i v-s o r in d e s Ei g« n t h u in s, von denen der Sozia- lismus sagt, daß sie bereits durch d i e E n t w i ck e l ung der kapitalistischen Gesellschaft selbst erzeugt werden. Das kleine Feld, das Wertzeug waren Instrumente zum individuellen Gebrauch, d. b. ein Individuum, eine Person, genügte, sie in Bewegung oder in Thättgkeit zu versetzen. Aber ein großes Grundstück, eine mecha- nische Spinnerei, Weberei oder Sägewerk sind nothivendtgerweise aus kollekttve Benutzung angewiesen, d. h..sie erfordern, um in Betrieb, zu kommen, das Zusammenwirken einer Kallektivität, einer Vielheit von Werkthätigen. Während der Kleinbauer sein einziger Angestellter war, selbst ackern, säen, schneiden, dreschen, selbst den Wein ziehen, lesen und keltern mußte, während der Einzelhandwerker, z. B. der Tischler, selbst das Holz aus- wählen, das Möbel aufzeichnen, ausschneiden und die Stücke alSdann zusamenleimen mußte, werden in der mit Maschinen betriebenen, m a s ch i- nisirten Industrie und Landwirthschaft alle Verrichtungen vertheilt, bis in die kleinste Einzelheit eingetheüt und von bestimmten Theilarbeitern gleichzeitig vorgenommen. Die ländliche Großwirthschaft braucht Chemiker, welche die Ackererde und den Dung zu analysiren, Maschinisten, die den Dampfpflug zu sühren haben, Fachmänner zum Untersuchen der Same- reien tc. Eine mechanische Fabrik bedarf der Direktoren, der Buchhalter, der Heizer, der Werkmeister, der Lastträger zc. Keiner dieser Produzenten vermag allein ein fertiges Produkt herzustellen, aber alle wirken zusam- men zu seiner Herstellung, und zwar in weder festgesetztem, noch s q st- setzbarem Verhältniß. Wie will man an einem Meter Tuch den Antheil herauserkennen, oen her Maschinist, der Werkmeister, der Direktor, der Ardeitsmann, vom Weber gar nicht zu reden, daran haben? Und doch sind alle diese verschieden betitelten Arbeiter gleich nothwendig zur Her« stellung des Meters Tuch Obwohl— oder vielmehr weil— sie ver- schiedenen Kategorien angehören, sind sie einander unentbehrlich, so unentbehrlich, daß keiner seine Arbeit nach seiner Laune und Zeit ver- richten kann. Und ivenu der Heizer noch so anarchistische Freiheits- d u s e l e i e n hegte, er wird nicht erst um 10 Uhr kommen dürfen, wenn die Weber um 6 oder 7 Uhr an ihren Stühlen stehen und darauf warten, daß der Dampf dieselben in Bewegung setze. Man muß gar keine Idee von der modernen Produktion haben, wenn man sich einbildet, daß in der kapitalistischen oder irgend sonst einer Epoche die Einzellaune**) *) Der genauere Ausdruck wäre iMechantfakturorganismen, well es sich nicht um Hand- imcurno), sondern um mechanische, M a- schinenarbeit handelt. **) Rabelais, auf den die Schriftgelehrten der Anarchie sich oft zu stützen versucht haben, konnte allerdings über die Thüre zu seiner Abtei von Thelema schreiben i„Thue- was Dir beliebt!" Was unsere Freiheitsphraseure aber dabei übersehen, ist erstens der Umstand, daß in einer mechanischen Werkstatt je ein Stätte finden und den Beginn oder die Beendigung der Arbeit Aller den Einfällen eines Jeden preis- gegeben werden könne. An der Thüre dieser Werkstatt legt der Arbeiter, sei er Direktor, Maschinist oder Lastträger, seinen Willen und seine Per- sönlichkeit ab, um ein mehr oder minder automatisches, mehr oder minder wichtiges Rad in dem großen Getriebe zu werden, j welches ihm seinen Platz anweist und ihn in Thätigkeit setzt. Die Nothwendigkeit kollekttver soder gemeinsamer Arbeit und die Ab- hängigkeit der verschiedenen.Arbeiter von einander bilden, lehrt der Sozialismus: Die g e i st i g ejn Elemente der kollektive)» Form des Eigenthum.s, die'durch die Entwickelung der kapitalistischen Gesellschaft selbst geschaffen werden, aber sie sind nicht die einzigen. Eine der charakteristischsten Erscheinungen der modernen Produkiions- weise ist die Uebertragung der Leitung der Produktion an Nicht-Eigen- thüiner oder Proletarier: Ingenieure, Chemiker, Direktoren, Werkmeister, Vorarbeiter u. s. w., mit einem Worte': der ganze General st ab der Industrie rekruttrt sich aus der Masse der gegen ZLohn Arbeitenden. Welche wissenschaftliche Ausbildung sie auch genossen haben mögen, welches auch ihr persönlicher Werth sei, alle diese ökonomischen Leiter sind doch nur'sür Lohn Thättge gleich den Arbeitern, welche sie kommandiren und von denen sie sich nur durch die Höhe ihres Lohnes und ihren— Dünkel unterscheiden. Aber aller Lakaienhochmuth, den die meisten von ihnen ihren Mitarbeitern zu 2 oder 3 Mark pro Tag gegenüber zur Schau tragen, verhindert nicht, daß sie gleich diesen Letzteren von der Gnade nichtsthuender Besitzer oder Fiüanzherren abhängig sind, deren Willen oder Pläsir für sie wie für �die Anderen Gesetz ist. Und infolge der Thatsache, daß die g eji stji gen Giemen t e der Produttion wie ihre Muskel- Elements', mit anderen Worten, daß nicht nur die Handarbeiter, sondern auch die K o p s arbeitet von dem Proletariat gestellt werden, kann die ganze Klasse der Besitzer von heute auf morgen verschwinden, kann ihr Eigenthum vergesellschaftet, sozialisirt wsrden, ohne daß die Produktion darunter im Geringsten Schaden erlitte. Anders ausgedrückt, und um es zusammenzufassen': Die menschlichen Gesellschaften haben in ihrer ersten Form gemeinschaftliches oder kollek- ttves Eigenthum. Das individuelle Eigenthum beginnt bei den rein per- sönlichen Gebrauchsgegenständen(Waffen, Schmuck tc.), dehnt sich dann aus auf Werkzeug, Haus, Acker und erhält seine absolute, ausschließliche Form erst mit der politischen Herrschast der, Bourgeoisie, des-Besitzbürger- thums, ohne daß allerdings das ursprüngliche Gemeineigenthum je voll- ständig verschwände. In dem Maße wie das individuelle.(Privat-) Eigenthum sich gusbrettet und die Maschine ausbildet, trennt es den j u r i st i s ch e n oder n o m i- n e l l e u Eigeuthüiner von der Benutzung seines Eigenthums und verwandelt ihn in einen Dieb an den Lohnangestellten, welche die Be- Nutzung dieses Eigenthums ausüben, das sie allein produktiv zu machen vermögen.*) Das individuelle(Privat-) Eigenthum verliert somit jede Existenz- berechtigung. Andererseits wird die Benutzung dieses Eigenthums, je mehr dasselbe sich ausdehnt und sich in Maschinen verwandelt, immer mehr eine kollek- ttve. Sie erfordert Vielheiten von geistigen und Hand-Arbettern und schafft so den Boden für eine neue und höhere Form des kollekttven Eigenthums, die sich ebenso und mit verselben Nothwendigkeit auf Kosten des Privateigenthums entwickelt, wie das Privateigenthum sich aufKosten des ursprünglichen Gemeineigenthums entwickelt hatte. Am Ende ihres Lateins sind die Vertreter der heutigen Gesellschaft da, wo sie sich den Kon- sequenzen des herrschenden Wertherzeugungs- und WerthvertheilungS- systems von Angesicht zu Angesicht gegenübersehen, und glatte Phrasen über die harten Thatsache» nicht hinweghelfen könne». Das haben wir soeben anläßlich der.Krise im Baumwollen- und Kohlengewerbe recht deutlich in England gesehen. Die'englischen Grubenarbeller, deren Löhne in den letzten Jahren iviederholt reduzvrt worden sind, verlangten vor K u rzem eine Lyhnerhöhung von 5 Prozent. Die Grubenbesitzer erklärten, der Stand des Geschäftes sei zu ungünstig, um ihnen eine Lohnerhöhung möglich zu machen, sie würden zu Grunde gehen, wenn sie dem Verlangen nachgäben. Aus der anderen Seite wiesen Äe Arbeiter snach, daß sie inst den jetzigen Löhnen jnicht aus- kommen können; die Grubenbesitzer produzirten ihre Geschäftsbücher und rechneten ans, daß die 5 P rozent Lohnerhöhung für sie dann Bank- rott bedeuten würden. Und ist das auch übertrieben, so steht doch so viel fest, daß die Grubenbesitzer durch die Konkurrenz unter sich und überhaupt durch die wirthschastliche Anarchie der Bourgeoisgesellschaft in eine Lage gekommen sind, welche die Zahlung eines„anständigen" (tair) d. h. zur Führung eines menschenwürdigen Daseins genügenden Lohnes verbietet. Die Arbeiter mußten sich wohl oder übel fügen. Da nun an eine dauernde und gründliche Besserung des Kohlengeschäftes unter den heutigen Verhältnissen nicht gedacht werden kann, so stehen wir vor dem Dilemma: Zahlen die Grubenbesitzer„anständige" Löhne, so gchen sie zu Grunde. Zahlen sie keine„anständigen" Löhne), so müssen die Arbeiter im Elend leben. Noch lehrreicher st die Krisis im englischen Baumwollengewerbe. Das» selbe liegt notorisch vollständig darnieder: der Markt ist mit Maaren überfüllt, die ausländische Konkurrenz wird immer mächttger: in ihrer Roth kündigten die Baumwollenfabrikanten den Arbeitern eine Lohn- reduktion von 5 Prozent an. Die Arbeiter erklärten, jetzt schon nicht auskommen zu können, und drohten mtt Streik. Die Fabrikanten legten ihre Bücher vor und zeigten z iffernmäßig, daß sie bei dem bisherigen Lohnsatz nicht bestehen könnten. Die Arbeiter sahen dies ein; sie sagten jedoch:„wenn die Ueberproduktion an den niedrigen Preisen und der schlechten Geschäftslage schuld ist, dann schränke zur Zett als dieser so kühne Denker des Mittelalters seine ideale Abtei auf dem Papier skizzirte, die Maschinenindustrie, die aus dein Menschen einen Diener der Maschine macht, noch erst zu schaffen war, und daß ferner diese Abtei kein Ort der Produktion, sondern der Konsumtion und der Genüsse war. Nun, in Bezug auf das Konsumiren ist das„Thue, was Dir beliebt!" nur eine Frage der Zeit, und in diesem Punkt war Rabelais ein Seher. Er hat die konimunistische Gesellschaft, der wir entgegengehen und in ivelcher der Ueberfluß an Produkten die Konsu- unrung nach Belieben ermöglichen wird, prophezeit. Zwischen der freien Konsumtion und der freien Produktton aber gähnt eine Kluft, die nie überschritten werden wird. Was man können wird— und was man t h u n wird— ist, für Alle und Jeden rnchr Und mehr die Arbettszott verringern, während welcher das Individuum nicht sich, sondern der Gesellschaft gehört. ') Die Richtigkeit dieses Satzes wird vielfach dadurch verdunkelt, daß der Besitzer einer Fabrik u. selbst noch irgend eine Funttion im Be- stiebe derselben, sei es als Kaufmann oder als Techniker, erfüllt. Dafür gebührt ihm dann natürlich eil. angemessenes Gehalt. Da« Einstecken des Geschäfts g e w i n ii e s aber ist damit keineswegs gerechtfertigt. man die Produktion ein, statt die Lohne herabzusetzen. Die Einschränkung der Produktton wird eine Erhöhung der Preise zur Folge haben. Hiergegen machten die Fabrikanten gelkend, daß sie die Produktion nicht einschränken k ö nnten. und zwar aus zwei Gründen; Einmal müßte das Kapital, welches sie in den vermehrten und ver- besserten Produktionsmitteln angelegt haben, konzentrirt aus- genutzt werden, wenn anders sie nicht schwere Verluste erleiden sollten. Und zwettens sei die Massenproduktion bei billigsten Waarenpreisen eine unerläßliche Existenzbedingung im Konkurrenzkampfe des Weltmarktes. Die Fabrikanten hatten Recht, und die Arbeiter»ahmen die Lohn- redukttou an. Der letzte Strohhalm, an welchen sich die englischen Fabrikanten an- klammern, ist die Hoffnung aus neue Exportgebiete. Komischer Weise klammern sich die Fabrikanten Deutschlands und Englands an den nämlichen Strohhalm. Neue Exportgebiete! Mo denn? Die Wilden in Afrika oder auf den Südseeinseln können nicht viel kaufen; und die guten Exportgebiete find ja längst erschlossen, und in Folge des Zuströmens von Maaren und der Konkurrenz entweder schon schlecht geworden,»der auf dem Punkt, es zu werden. Nur der Kulturmensch mit Kulturbedürfnissen kann viel Waaren gebrauchen; nur Kulturstaaten können deshalb gute Absatzgebiete sein. Da>s nun aber in der Natur der Dinge liegt, daß mit der Kullur sich auch die In- dustrie entwickelt, so ergibt sich die praktische Konsequenz, daß die Industrie der Kulturstaaten wesentlich auf den heimischen Maxkt als Absatzgebiet angewiesen ist. Und gerade den heimischen Markt verdirbt die Industrie sich jetzt selber, indem sie den Arbeitern, d. h. der ungeheuren Mehrzahl der Kon- sumenten, so schlechte Löhne zahlt, daß sie mir wenig Waaren kon- fumiren können. Kurz, wir sind hier wieder an dem fehlerhaften Zirkel angelangt, inner- halb dessen, die moderne Industrie und die ganze privatkapitalistische Produktton sich bewegt: Um Absatz für die Waaren zu gewinnen, wer- den die Produktionskosten, namentlich die Löhne, auf das denkbar niedrigste Minimum herabgedrückt. Und durch dieses Herabdrücken der Löhne wird die Kaufkraft der Arbeiter, d. h. der Mehrzahl der Konsu- menten, gelähmt und der Absatz beschränkt. Die Industrie verdtrbtundzerstörtsichalsothatsächlichdenMarkt, welchen sie sich erobern will, erobern muß, um fortbestehen zn können.••> Das ist der verhängnißvolle Widerspruch zwischen Produktton und Konsümtton. den die moderne bürgerliche. Gesellschaft nicht zu lösen ver- mag, und an welchem sie scheitern wird. tn Ein neues Grab an: Wege zur Freiheit. Frankfurt a M., im Dezember 1383, „Heute früh verschied Herr R u d o l f D S l l, Schriftsetzer, nach langen Leiden. Derselbe war bei den letzten ReichStagswahlen als Kandidat der sozialdemokrattschen Partei aufgestellt und batte als solcher eine bedeu- tende Stimmenzahl erhalten. Der Verstorbene genoß allgemeine Achtung und dürste sein Leichenbegängniß seitens der vielen Freunde und Parteigenossen eine zahlreiche Betheiligung erhalten." So etwa brachten fast sämmtliche Frankfurter Blätter am 8. Dezember die Mittheilung von dem seitens der Freunde wohl schon lange gefürch- teten, aber nun doch unerwartet schnell eingetretenen Hinscheiden unseres lieben Genossen. Als wir im denkwürdigen Attentatsjahre 1878 Rudolf Döll, nachdem ein anderer Genosse ebenfalls aus Gesundheitsrücksichten ablehnen zu müssen geglaubt hatte, als Kandidat für die Reichstagswahlproklamirten, da schüttelten besonders einige seiner Kollegen die Köpfe:„Was habt Ihr gemacht! Der Döll ist fa tüchtig; aber wer kennt ihn? Er hat keinen Namen in der Partei, und besonders nicht bei den Arbeitern!" Wohl war das richttg. Döll war noch nicht lange in Frankfurt und hatte nur einige wenige Male in Versammlungen gesprochen, bei welchen Gelegen- heiten wir ihn allerdings als intelligenten Parteigenossen schätzen gelernt hgtten. Wix wollten aber in Frankfurt auch keinen„berühmten Namen", keine„beliebte Periönlichkeit" aufstellen, wir wollten sür die Partei und nur für die Partei Ttimnien werben. Und siehe da! Rudolk Döll— nein!— wir hatten am Wahltage 500 Stimmen m eh r, als anderthalb Jahre vorher unser allgemein be- lievter Genosse Karl Frohme auf sich vereinigt hätte. Aber nun war auch Rudolf Döll bekannt geworden, und als die Wahl von l�l kam, erhielt Döll wiederum 300 Stimmen mehr als 187�� während die allge- Meine Stinmienzahl bedeutend zurückgegangen war. Er kam in die engere Wahl und erhielt kaum 300 Stimmen weniger als der berühufte Demokrat. Sonnemann, und Döll war jetzt„allgemein geachtet." Kurze:seit nach der Wahl erkrankte er an jenem tückischsten aller Leiden, der Schwindsucht, und schon damals gaben wir ihn verloren. Wohl schien er sich wieder zu erholen, aber ein heftiger Rückfall inußte bald jede.Hoffnung auf dauernde Genesung'verscheuchen. So siecht« er denn fast 2 Jahre lang dahin; jeder Versuch, seinem Drange nach Be- schäfttgung üachzugeben, brachte ihni erneute Rückfälle.- &N der Frühe des lO. Dezember sah man, zuerst vereinzelt, dann in immer größeren Schaaren, unsere Genossen dem Trauerhaiise am.Baum- weg zuwandern. Aber— im Morgennebel blinkten auch bereits ver- schiedene Helme. Die Polizei war auch dabei und schon an der Arbeit, denn äs gab ja einige rothe Schleifen an den Kränzen„zu verbieten!" Da Flora jetzt wenig zu bieten vermag, hatten wir künstliche rothe Röschen angeheftet. Auch diese wollte„mau" verbieten, nahm jedoch davon Abstand, als„man" bemerkte, daß viele Hunderte dieses Abzeichen trugen. Der„General-Anzeiger" bezeichnete dieselben als die„extremen" die ohne das Abzeichen erschienen waren, als die„gemäßigten" Partei- genossen. Als der Leichenwagen erschienen war und der hier übliche Kreüztrigeb sich anschickte, den Zug zu eröffnen, wurde ihm bedeutet, er möge„fein Kreuz auf sich nehmen" und nach Hause gehen, was er denn auch nach einigem Widerstreben that. Und jetzt setzte sich der Trauerzug in Bewd- gung— welch' eine Betheiligung! Wohl selten, wenn überhaupt je, hat Frankfurt ein solches Leichen- begängniß gesehen! Trotzdem es ein Arbeitstag war, hatten sich wenigstens 1300 Genossen eingefunden, um dem Freunde das letzte Geleite zu geben. Auf den, Friedhofe wurden von der Polizei noch verschiedene rothe Schleifen beanstandet. Zwei große Kränze, der eine gestiftet von der sozialisti- scheu Arbetterpartei Deutschlands, der andere von den Sozialisten Frankfurts gewidmet, hatten wir, um Scheerereien zu vermeiden, mit breiten schwarzen Schleifen und entsprechenden Inschriften versehen. Nachdem der Sarg in die Grube gesenkt war, wurde von einen, Männerchor ein ergreifendes Lied angestimmt. Aber schon diesen Akt suchte der Friedhofs- Kommissar zu stören, rndern er noch während des Gesanges das Grab zuwerfen lassen wollte; erst auf Zureden des Polizeikommissars nghni er davon Abstand. Als das Lied verklungen war, trat Genosse Frohme an das Grab; bei den Worten:„Im Namen der Sozialdemokratie Deutschlands lege ich diesen Kranz auf das Grab", fiel ihm sofort der Polizeikommissar Meier in's Wort und drohte,„die Versanimfung aufzulösen".„Sie haben hier DemonstrattoN gemacht, singen hätten Sie können, solange Sie wollten, aber sprechen darf ich nicht fassen."— „Nein, S i e provoziren!" tönte es wiederholt aus der Menge. Da wurde es plötzlich still; auch der Polizeikommissär schwieg mit verdutzter Rhene. Die junge Frau eines Parteigenossen stand, umgeben von einer Anzahl Freundinen, auf dem Hügel vor dem Grabe, einen großen Kranz mit rother Schleife in deu Händen tragend, den sie mit den hellklingenden Worten:„Im Namen der sozialistischen Frauen und Jungfrauen widme ich diesen Kranz!" in das Grab warf. Es war ein erhebendes und zugleich ergreifendes Bijd, getragen von der Dramatik der Wirklichkeit! Auf der einen Seite Döll's Braut, in Schmerz. ausgelöst, gestützt von einem älteren. Kollegen des Verstorbe- nen; nahe am Grabe auf der Ostseite die Staatsgewalt, vertreten durch etwa 15 Stattsten mit ihrem Führer, ihnen gegenüber die Frauen, voll Ernst, Würde und Begeisterung und um sie die Menge, aus welcher ein hundertstimmiges„Bravo!" erklang, und als Hintergrund die kahlen Gesträuche und Bäume, der graue Winterhimmek, von dem sich, halb im Nebel verschwommen, das Denkmal der 48er Gefallenen abhob, wie der drohend erhobene Finger der Zukunft— ein Bild, des besten Malers ivürdig! Run war aber die Geduld des Gestrengen zu Ende.„Die Bersamm- lung ist usfjelöst!" brüllte er mit seiner ganzen souveränen Würde. Ein verächtliches Lächeln antwortete, aber es wich Niemand.„Wir wollen Jeder eine Schanfel Erde in die Grube werfen", erklärte Frohme, Und sofort ward damit begonnen. VerschiedeneFreunde, darunter auch einige Frauen, hatten diesen Gruß, zum Theil mtt einigen Abschiedsworten, gespendet, als ein altbewährter Genosse mit den Worten Sallet's: „Die Guten sterben füng; Doch deren Herzen trocken wie der Staub Des Sommers, brennen bis zum letzten Stumpf!"! seine Schaufel Erde in die Grube warf; nun aber wollte der Kommissär Niemand mehr an das Grab treten lassen und versuchte er wiederholt, „die Versammlung uffzulösen." Vergebens! Endlich sagte Frohme, um dem peinlichen Auftritte ein Ende zu machen, zu dem Kommissär:„Als Volksvertreter ersuche ich Sie, mich einige Worte zu meinen Freunden sprechen zu lassen." Der Pölizsst willigte endlich ein. Frohme bat hierauf die Leidttagenden, etwas vom Grabe zurückzutreten und den Friedhofarbeitern das traurige Geschäft zu überlassen. Das geschah denn auch sofort. Der Kommissär suchte jetzt sein Verfahren Frohme gegenüber zu recht- fettigen:„Wenn Sie nicht das Wott Sozialdemokratie gebraucht hätten, wäre ich nicht eingeschtttten, aber das ist verboten." Wir hatten natürlich nur ein mitleidiges Lächeln für diese Ausflüchte. Als das Grab gefüllt und die übrigen Kränze und Blumen niedergelegt waren, machte Jemand die Bemerkung:„Wollen wir nicht zum Denkmal der 48er Gefallenen?"— und fast augenblicklich zog der größte Theil der Schutzmannschaft im Gänsemarsch nach dem Denkmal, kehtte jedoch auf halbem Wege um, als sie merkten, daß ihnen nur ein Hohn- gelächter folgte. Mit dieser Blamage der Polizei endete die Feier.f Von Seite der Genossen Bebel, Hasenklever und Liebknecht waren Telegramme und Briefe eingelaufen; aus Hanau, Bocken- heim, Mainz, Wiesbaden, Darm st adt und Mannheim waren Vertreter erschienen. Die theure Saat, die wir in Frankfurts Erde legen mußten, wird ihre Früchte tragen. Wir werden unserem Döll ein Ettnnerungszeichen stiften und „Wenn der Frühling naht, dann will ich Blumen brechen Auf Deinem Grab und zu den Deutschen sprechen: Noch kein Erretter, noch kein Ziska oder Dell: Und Eure Trommel noch das"alte Fell?!" Kpeetator. Korrespondenzen Aus dem Wahlkreise Hersord-Bielefeld. In einer jüngst stattgehabten Besprechung von Vertrauensmännern unseres Wahlkreises wurde auch die Kandidatenfrage für die bevorstehende Reichstagswahl erörtert. Die Aufstellung unseres früheren Kandidaten Pfannkuch ward' aus vetschiedenen Gründen mit allen gegen drei Stimmen ver- warfen. Vorgeschlagen wurden die Genossen Hagemann und Z w i e n n e r, beides bewährte Streiter für unsere Sache, von denen Hegeniann die Majotttät erhielt. Sämmtliche Anwesenden erklärten hieraus einmüthig, thatkrästtg für die Wahl des genannten Kandidaten einzutreten. Es steht zu hoffen, daß sich diesmal unsere Stimmenzahl bedeutend erhöhen wird. Denn wenn Jeder seine Schuldigkeit thut— und daß unser Kandidat es nicht an sich fehle» lassen wird, hat er bewiesen—. so müssen wir ein gutes Resultat erzielen. Darum, Genossen, fttsch an's Werk! Es gilt, die Sache der Freiheit und'' Gerechttgkeit zum Siege zu führen'.' — Rathenow sWesthavelland). Sonntag,.9: Dezember hatten wir hier eine von der Z e n t r a l- K.r a n k e n- und Sterbe- k a s s e in H a m b.u r g einberufene Volksversammlung, in der W. 'H'a b e r m a n n aus M a g d e b u r g über das neue Krankenkasseiigssetz refettrib. Diese Versammlung war von ca. 800 Personen besucht, und wurden in derselben sowohl den Hirsch-Tunkerischen als auch den Regie- rungssozialisten gründlich heimgeleuchtet. Die Zeitungen schwiegen indeß SUles tobt- na, es waren ja nur Arbeiter! Wir erfreuen uns hier eines genügende» Stammes fester Anhänger unserer Sache, die auch sämmtlich am Platze waren. Zur nächsten Reichstagswahl denken wir auch ein gutes Resultat zu erzielen und werden deshalb rastlos im Stillen vorarbeiten. K. F. — Staßfurt im Anhaltischen, IK. Dezember. Auch wir Staßfurter Müssen heut einmal unser Pattei- Organ in Anspruch nehmen— das erste Mal! Denn seit sieben Jahren hat hier keine Versammlung mehr stattgesunden bis auf Anregung mehrerer Freund« Genosse Gottl. Hart- mann zum 8. d. M. eine Versammlung in BurlHardt's Saal einberief, zu welcher der Reichstagsabgeordnete Hasenklever eingeladen war. Die Tagesordnung lautete:„Das Krankenkassengesetz und die Sozial- reform des deutschen Reiches." Für Gen. Hasenklever, der verhindett war, referirte Genosse Klees aus Buckau zur besten Zuftiedenheit der Versammlung. Infolge seines Vottrages wurde eine Mitgliedschaft der Krankenkasse ür Tischler und Berufsgenossen iHamburgj gegründet, in welche sich 83 Mann einzeichnen ließen. Die Gewerkvereinler Max Hirsch'scher Richtung hatten sich einen Herr W a u ch aus Berlin kommen lassen, um die Gründung der Kranken- kasse zu vereiteln. Dies ist den Herren aber � nicht gelungen, deshalb hatten sie auf heute den lK. eine Versammlung im Kremling'schen Lokal einberufen, und zu dieser Versanimlung war Max Hirsch selbst er- schienen. Der Harinonieapostel stellte seine Gewerkvercine als Muster- Institute hin und wußte seine Verdienste um dieselben nicht hoch genug anzupreisen. Alsdann zog Mäxchen über die Hamburger Genossenschast der Tischler her; sie habe zwar so und so viele tausend Mark Vermögen, aber die wären vielleicht bei einem Bankier angelegt, bei � dieser Kasse sei es Mode, daß drei Personen das Kapital heben könnte», er, Mäxchen, warne die Arbeiter und Freunde, sie möchten nicht ihre sauer verdienten Groschen dahin geben, der Kassier könnte eines schönen Tages verduften und die Arbeiter wären alsdann um ihr mühsam erspartes Geld betrogen u. s. w. Ferner sagte der fortfchttttlich-liberale Max Hirsch und zwar wörtlich: Mir haben die Genossenschaften es zu verdanken, daß sie lebens- fähig find, ich—(sich aus die Brust klopfend)— habe dafür gesorgt, und nicht jene Herren(damit meinte er unsere Vertreter;, die haben gar nichts dafür gethan. Zum Schluß kam Hirsch noch auf ein Eingesandt des Genossen Hart- mann in der„Staßfurter Zeitung" zu sprechen, in welchem es hieß, daß sür die Hirschianer keine soziale Frage exisrirc und meinte, dies wäre umgekehrt, bei seinem Gewerkverein und Reformverein, da suchte man die soziale Frage zu lösen, aber bei„jenen" Genossenschaften nicht, und er, Max, wäre immer auf dem Posten und thue nach Kräften wirken, wo es sich uin Arbeitergesetze handele. Zum Schluß ermahnte dieser Schutte noch die Arbeiter, sie möchten doch in gutem Einver- u e h m e n und Hand in Hand mit den Fabrikanten gehen und ja keinen Streik»lachen, durch den Streik würden sie brodlos, arbeitslos und der Fabrikant verliere seinen Profit.(Schrecklich!) Nachdem noch der Schnit waarenhändlsr Salinger gesprochen, nein, denunzitt hatte, meldete si unser Freund B o a zum Worte, um den Lügen und Verläumdungl entgegenzutreten. Boa hatte aber kaum drei Wotte gesprochen, so wurl ihm durch Schluß der Versammlung das Wott abgeschnitten. Di nennen diese Schurken parlamentattsches Verfahren! Die Herren habt wieder einmal gezeigt, weß Geistes Kinder sie sind. Dieses elende~ halten führte ihnen auch nicht ein Mitglied zu, denn die große M- zahl der Versammlung war empört darüber, daß die andere Pattei nö zum Wort gelassen wurde. Wir glaubten, einen Redner von auswärts zu bekommen, aber w warteten vergeblich; bis 7 Uhr war noch Niemand hier. Ich ttch daher im Namen meiner Freunde die Bitte an die Herren Reichstag abgeordneten, doch auch uns mit einem Besuche zu'erfreuen; es drmgend notywendig, daß diesen VerläuMdungen und Verdrehung seitens unserer Abgeordneten entgegengetreten werde.-m-th- — London, 27. November. Auf die„Odyssee" des Herrn Stock in London muß ich noch einmal zurückkommen. Am zweiten Tage ni der denkwürdigen Versammlung in der„Memorial Hall", wo er tapser mtt seinem frommen Anhange— durchbrannte, hielt Stöcker vi eiizem sehr zahlreichen(!) Auditorium von beinahe zwanzig Personen St. Stephens Club(ein Erztory-Club) eine geschlossene Versammluv Wie tv ckivdls dana le benitier(wie der Teufel im Weihkeffel)«ehr sich das liebe Pfäffchen gegen die böswillige Anschuldigung, er sei ei Judenhasier. Er wies dies mtt heiliger Entrüstung zurück uud erklär (wörtlich): er hege die freundschaftlichsten Gesinnungen für alle— g< tagiften Juden. Heinrich Heine und Ludwig Börne, bekanntlich"g taufte Juden, zwar nicht aus besserer Ueberzeugung, sondern um ihi Existenz zu sichern(Börne z. B. hätte als Jude sein Doktor- Exami nicht machen können) wären von dem Hofkaplänchen mtt Freundesarmt empfangen worden, hätten sich aber schwerlich beeilt, sich hinein> 'stürzen. Ein Spinoza, ein Jacoby, ein Wendelsjohn, die Ehre ihrer res: Natton, würden schlimm gefahren sein, wären sie diesem modern- Torquemada in die Hände gefallen. Denn zu einem Torquemada seh dem Berliner Pfaffen nichts, als eine Dominikanettutte und ein» Jahrhunderte Rückgang in der Geschichte. Schließlich muß ich noch erwähnen, daß wenn die deutsche Presse> sittsame Entrüstung über unseren Mangel an Lebensart dem Herl Stöcker gegenüber gerathen ist, die ganze englische Presse mit sehr wem Ausnahmen, sich mit unverhohlenem Beifall über die schmähliche Riedel läge des Anttsemiten und christlich-sozialen Pfaffen ausgesprochen ha Und das Uttheil der englischen Presse fällt denn doch etwas mehr in' Gewicht, wie das der servilen Deutschen. g. K. Rachstehende Erklärung, welche in mehreren radikalen und sozialistische: Blättern veröffentlicht worden ist, dürste auch für unsere Leser nick ohne Interesse seiy: An die So zialdemotrnte» deutscher Zunge in Pari« Werthe Genossen! Wir haben keine Lust, uns in die Erörterungen zu mengen, welche i> Frankreich durch die verfehlte„Internationale Konferenz" hervof gerufen worden sind. Aber die Ehre der deutschen Sozialdemokrat! auferlegt uns die Pflicht, gegen gewisse Unterstellungen Verwahrung ein zulegen, welche zum Zwecke der Entschuldigung der Nichteinladung un serer Pattei gemacht worden sind. Man hat vorgeschützt, daß im Falle der Anwesenheit deutscher Be: treter dieselben der Gefahr ausgesetzt gewesen wären, von der fraii zösischen Polizei belästigt zu werden. Letzthin hat der„Proletaire", amtliches Organ der sozialistisch-rev� luttonären Arbeiterpartei Frankreichs"(Nr. 20 vom 1. Dezember) i einem„Qucation Je bautique" überschriebenen Aufsatz behauptet, de unsere Partei„nichts weniger als revolutionär" sei. Als Beweis sii diese Behauptung gibt der Aufsatz an, daß 1878 das damalige amtlich Organ unserer Pattei, der„Vorwärts", eine Adresse französischer Sozi« listen verleugnet habe. Wir haben kein Wott zu verlieren über den Charakter unserer Parte: Wer ihn noch nicht kennt, kann sich bei der Berliner Regierung et kundigen. Aber wir ettlären in aller Form für unwahr, daß de „Vorwärts" damals die französische Adresse verleugnet habe. Zt Gegentheil, angesichts der unverschämten Herausforderungen der Rezü rungs- und Bourgeoispresse hat das Organ unserer Partei wörtlich ei klärt:„Wir haben nicht den Muth, die Adresse zurückzuwessen, ab- wir haben den Muth, sie nicht zurückzuweisen." Hinsichtlich des ekgenthümlichen Beweggrundes der Furcht, sowi gegenüber jedem anderen Vorwand, welcher erhoben werden könnt« haben' wkr zu erklären: Die deutschen Sozialdemokraten haben stets— und in Zeiten, iv es nicht ohne Gefahr war— gethan, was die Grundsätze der Sozia demokratie ihr zu thun geboten, und werden es weiter thun. Unsei französischen Brüder können überzeugt sein, daß weder die Polizei de Herrn v. Bismarck, usch. dip des Herrn Fern,, nach irgend eine ander uns jemals-die Pflichten:-ttntr inttriuidioiullen Partei vergessen lasse werden. Dresden,>7. Dezenkter 1883. Bebel. Ltebknechü Voltniar. Zur näheren Erläuterung des hier Gesagten diene Folgendes: Uns«: Genossen in Paris haben sich keyreSwegs, wie der.„New-Dorker Volk: zeitung" vo» einem der Parised Delegötteu gesagt wurde, mit der B gründung der Richteinladung unserer Partei zufrieden erklärt/ sondei hielten es sür ihre Pflicht, energisch die Ehre unserer Partei zu wahre: sLeshalb traten sie u. A. mit den unterzeichneten Abgeordneten in V- bindung, die indeß eingehende Unterhandlungen nicht sür ersorderli hielten und. in der obigen Erklärung, der wohl jeder Genosse, zustimm- wird, kurz und- bündig ihrem Standpunkt Ausdruck geoen. Hlut' einen untergeordneten Jrrthupi möchten wir berichtigen: D „Proletaire" hat zwar den revolutionären Charakter unserer Pattei Zweifel gestellt, aber nur der„Berliner fteien Presse", und nicht de „Vorwärts" die Zurückweisung der französischen Adresse vorgeworfe An den,„Vorwärts" suchte er sich durch eine höchst abgeschmackt« Inte pretatton der damaligen Ettlärung desselben schadlos zu halten. ----- Unser« auswärtigen Abonnenten, Filialen, Vertrauensleuten ic. legen wir ans Herz, Ab rechnungen und Abonnementserneuerungen, soweit no nicht«folgt, ungesäumt zu bewirten, ebenso wollen alle A b o v aenten an unsere Vertrauensleute unbedingt während d- ersten Monat« im Quartal Zahlung leisten, dam» keine Un« brechung in der Lieferung eintreten muß. Unsere Bertrauensadresse» sind bekannt. Alle Liesetungen erfolgen nur aus Gefahr der Besteller. Bttefmarten aller Länd« wttden für voll angenommen. Größe Beträge in Papiergeld od« Post-Tinzahluug. Da viele auswärtige Besteller, besonder« in Deutschland, sow tu Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenllgeudfrankirei wodurch uns«hebliche Bnluste durch Strafporti entstehen, so bemerk« wir hiemit wiederholt: Einfache Briefe(bis zu 13 Gramm) nach der Schwei kosten: au» Deutschland lund dem üdttqen Ausland). 20 Ps aus Oesterreich-Ungarn Bei schwereren Briefen kosteu immer j e 1 3 G r a m m w e i t e r e 2«) P f q., b c z w. Iv Ks Di««enoffeu wollen hierauf in Zulmist um so mehr achten, a l wir ungenügend fraulirten Sendungen in der Reg: die Annahme verweigern müssen. Die Säpeditim In.,S>iialle«»krat". lichj daß vert