Erscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Derlag drr Volksbuch linndlung Hotlingen- Zürich. PoSseaduugeu t'-anko g«!>en sranlo Gtwöhnliche Briese nach der Schweiz losten Doppelporto� Der Soiinlöeiuoluat lentrat-Argan der deutschen SoziatdemoKratie. Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Btrloj und besten bekannten Azentcn entgegengenommen, und zwar zum »ora uS» ahlbare« Vierteljahrsprets von Fr 2— siir die Schweiz IKreuzbands Ml Z— für Deutschland(ll.ouvrri) st. 1.70 sür Oesterreich(Couvert) Fr. 2 so für alle übrigen Länder bei Weltpostvereins, ? ll ser llt t die dreigeipaltene Petitzeile 25 EtS.= 20 Pfg. R- 4. Ionnerstag, 24. Januar 1884. Avis an die Abonnenten«nd Korrespondenten des„Soziakdemokrat." Da der Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bezw.»ersolgt wird und die dortigen veh irden fich alle Mühe geben, unsere B-rbindungm nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverlehr nothwendig und darf leine VorsichiSmahregel versäum« werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen ,ll täuschen und l-htere dadurch zu schützen tzauptersorderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemolrat'. resp. besten Verlag selbst adrestiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adreste außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit UN» in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche ZustellungSadresten mitgetheilt werden. In zwciselhasten Fällen empfiehl« stch behufS größerer Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen» stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenoss en! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Klärende Ereignisse. Seit einigen Wochen befindet sich die deutsche volksparteiliche Presse in außerordentlich gehobener Stimmung. Es ist ihr nämlich großes Heil widerfahren. Auf der Monatsversammlung des Vereins der— ultranationalen—„Deutschen Partei" in Stuttgart hat ihr nämlich ein Führer derselben, der Oekonomie- rath Grub, ein Zeugniß des Wohlverhaltens ausgestellt, ganz besonders die„Frankfurter Zeitung" und den Stuttgarter „Beobachter" wegen ihrer patriotischen Haltung und ihrer „unbefangenen Behandlung der sozialen Reformpläne" gelobt und schließlich ein Zusammengehen von Liberalen und Volksparteilern als wünschenswerth und nützlich in Aussicht gestellt. Aehnlich hat sich ein anderer Deutschliberaler, Oberstlieutenant a. D. Wolfs am 7. Januar in Plochingen ausgesprochen. Kein Wunder, daß den solchermaßen Beglückten vor Freude das Herz im Busen schwillt. Wir würden, wenn überhaupt, von diesen Vorgängen sicherlich nicht an erster Stelle unseres Blattes Notiz nehmen, wenn wir nicht Ursache hätten, in ihnen ein Ereigniß von mehr als lokalem Interesse zu erblicken, wenn sie nicht ein höchst charakteristisches Licht auf die allgemeine Entwickelung der Dinge in Deutschland werfen würden. Es gab eine Zeit, und sie ist noch gar nicht lange vorbei, da konnte es kaum heftigere Gegner geben als die württem- bergischen Deutschliberalen und die Volksparteiler. Die Einen Reichsfrmnde, Bismärcker ersten Ranges, die Anderen verbissene Antibismärcker und infolgedessen wüthende„Reichsfeinde", die Einen nationalliberal, Kouleur Bcnnigsen-Cumy-Treitschke, die Andern partikularistisch-demokratische Föderativrepublikancr— mit einem Wort, es war ein Gegensatz wie Tag und Ra-bt. Wenn solche Gegner plötzlich entdecken, daß sie stch so nahe stehen, daß es nur eines kleinen Schrittes bedarf, um einander in die Arme zu fallen, so ist der logische Schluß unvermeidlich, daß entweder der Eine oder der Andere oder Beide den Stand- Punkt gewechselt haben. Deshalb behaupten denn auch die Liberalen, daß die Volksparteiler sich nach ihrer Richtung„vor- wärtS" entwickelt hätten, während diese behaupten, die Liberalen seien auf der Umkehr zu ihnen begriffen. Und Beide haben in ihrer Art Recht. Den größten Schritt haben unzweifelhaft die Volksparteiler gethan. Sie haben ihre republikanischen Bestrebungen als un- praktische Träume fallen gelassen und schwärmen nur noch für parla- mentarischen Konstitutionalismus, sie haben ihrem Partikularismus die gegen das Reich gerichtete Spitze abgebrochen und sind reichLtteu geworden, und so ist denn auch ihr Demokratismus nichts als ein etwas phrasenhafter Liberalismus. Sie stehen somit heute auf dem Standpunkt, auf dem ftüher einmal die württembergischen Liberalen gestanden haben mögen, die sich seit- dem aber bedeutend nach rechts entwickelt haben und erst jetzt anfangen, von ihren„Jrrthümern" zurückzukommen. WaS uns bei der ganzen Angelegenheit interesfirt, ist nun weit weniger die Thatsache, daß die weiland feindlichen Brüder fich gefunden haben oder auf dem Wege sind, fich zu finden, sondern die Ursachen, warum dies der Fall. Erst wenn wir diese kennen, werden wir den richtigen Schluß auS der Thatsache zu ziehen vermögen. Run, die Ursachen dieser anscheinend rein polittschen Vorgänge find durchaus wirthschaftlicher Natur, die polittsche Parteientwick- lung ist nichts anderes als der subjektive Ausdruck der wirth» schaftlichen Kämpfe unserer Zeit. Die VolkSpartei war von jeher eine bürgerliche Partei. So lange sie sich der Hoffnung hingeben durfte, das mittlere Bürgerthum, das Bauernthum, das Kleinbürgerthum und die Arbeiterklasse in einer großen Gruppe zu vereinigen, war sie auch demokratisch; aber die moderne Entwicklung hat sie unsanft aus ihren Träumen gerissen. Arbeiterklasse und Bürgerthum find heute nicht mehr unter einen Hut zu bringen, und deshalb ist eine bürgerlich-demokratische Partei in Dentschland heute ein- fach unmöglich. Die Volkspartei als eine bürgerliche Partei mußte deshalb ihren SukkurS in anderen Kreisen suchen. DcS- halb haben wir sie von Jahr zu Jahr immer mehr Wasser in ihren Wein gießen gesehen. Sie mußte, wollte sie nicht elend zu Grunde gehen, für ein starkes Reich eintreten, weil die bewußt bürgerlichm Elemente ein starkes Reich wollen, und zwar nicht nur zum Schutz nach außen, sondern auch zum even- tuellen Schutz gegen den inneren Feind. Freilich ging auf diese Art nach und nach ihr ursprüngliche? Programm vollständig in die Brüche, aber eS liegt nun einmal in der menschlichen Natur, den stillen, chronischm Bankrott dem plötzlichen, öffentlichen vor- zuziehen. Auf diese Art wird doch wenigstens die Firma ge- rettet. Aber auch die deutsch-liberale Partei ist eine bürgerliche Partei, die eigentliche Partei der Bourgeoisie. So lange eS ihrem Interesse diente, schloß sie sich eng an Bismarck an, bc- reit ihm jedes Opfer zu bringen, wenn er nur ihre Handels- jc. Interessen respektirte. Die Bourgeoisie will gar keine Republik, oder wenigstens keine demokratische, sondern einen starken Staat; deshalb ging auch die liberale Partei gern mit der deutsch- konservativen Hand in Hand. Nun zeigt aber Bismarck seit einiger Zeit bedenkliche anti-bürgerliche Neigungen, der Landjunker kommt ihm mit den Jahren immer stärker zum Bewußtsein, seine „Wirthschaftsreform" wird immer mehr Begünstigung der Groß- grundbesitzer auf Kosten der übrigen Gesellschaftsklassen. Da merkt denn endlich die liberale Partei, daß sie in ihrem Eifer, ihre politischen Rechte zu verkaufen) zu vorschnell gewesen, daß sie zu viel Konzessionen gemacht, daß sie, wenn's zum Konflikt kommen sollte, zu schwach ist, ihn allein durchzuführen. Und so sieht sie mit einem Male ein, daß es neben ihr noch eine Partei gibt, welche eigentlich dieselben Ziele verfolgt, wie sie; es schlägt ihr das Gewissen, daß sie dieser armen Partei im Grunde bitter Unrecht gethan, die Leute seien ja gar nicht so schlimm, sie machen zwar Opposition, aber— und mit einmal gehen ihr die Augen auf— ist denn nicht Manches faul im Vaterlande? Da heißt's denn: liebe Volksparteiler, wir haben Euch, als wir noch an der Krippe saßen, verkannt, jetzt, wo man uns von der Krippe fortjagen will, sehen wir ein, daß Ihr die besten Kerle von der Welt seid; helft uns nun, die Krippe zurückzuerobern, denn„i n einem politischen Zusammenwirken zwischen Volkspartei und Liberalismus" liegt„die größte Gewähr für eine gedeihliche Entwickelung des Staatslebens".(Morgenblatt der„Frankfurter Zeitung" vom 17. Januar.) Und die Cato's der„Volkspartei", weit entfernt den Lockrufen Widerstand zu leisten, lauschen entzückt den holden ungewohnten Tönen und rufen gerührt: Ja, wir sind bereit, mit Euch zu- sammenzugehm, denn— man sitzt doch auch gern einmal an der Krippe. Wir sind die Letzten, die den Herren das verdenken. Im Gegentheil, wir sehen in dieser Neugestaltung des Partcilebens, in dem Verschwinden der zwitterhaften Demokratie und dem Auf- gehen derselben in den liberalen Mischmasch, und das ist natür- lich nur noch cineFrage der Zeit, einen geschichtlich nothwendigen Entwicklungsprozeß, und begrüßen deshalb die Vorgänge von Plochingen und Stuttgart und den Widerhall derselben in der volksparteilichen Presse als klärende Ereignisse. Daß die Gruppe der Volkspartei ihren Namen beibehält, daß ihre Presse und ihre Redner den Mund im Bewußtsein der kommenden Dinge noch voller nehmen werden als zuvor, daß sie sogar sehr viel von Demokratie schwatzen werden, steht für uns außer Frage. Aber wer wird sich durch den Namen, wer durch den Radikalismus einer Oppositionsparlei täuschen lassen I Die Schwenkung, welche die Volkspartei vollzogen, zeigt fich gerade in ihrer„unbefangenen Behandlung der sozialen Reform- Pläne" und in ihrer„patriotischen Haltung." Die letztere besteht darin, daß die Volkspartei jeden g r u n d- s ä tz l i ch e n Kampf gegen das bestehende Militärsystem aufgegeben hat; sie plänkelt nur noch für Herabsetzung der Dienstzeit und allerhand technische Flickreformen. Nun, die Herabsetzung der Dienstzeit ist in Preußen-Dmtschlaud überhaupt blos eine Frage der Zeit. Die Präsenzziffer zu steigern, ohne den Militäretat in'S Aschgraue zu erhöhen, ist nur auf diesem Wege möglich, und deshalb wird sie erfolgen. Dadurch wird aber der Militarismus gar nicht beeinträchtigt, weit eher noch gestärkt. Ein Demokrat, der es auftichtig mit der Bekämpfung des freiheitsmörderischen Militärstaats meint, kann daher in dieser Beziehung nur eine Forderung haben: allgemeine Volksbewaffnung. Davon ist'S aber stumm in der patriotisch gewordenen Volkspartei. Die„unbefangene Behandlung der sozialen Reformpläne" besteht darin, daß die Herren„keine Manchesterleule" sind. Das ist ein sehr dürftiges Verdienst, denn das Manchesterthum ist in Deutschland nachgerade so verrufen, daß weit mehr Much dazu gehört, Manchestermann zu sein, als nicht. Mit den Nicht- Manchesterleuten ist'S aber ein windiges Ding. Hinter dieser Firma versteckt sich nicht nur allerhand Gesindel, das im Trüben fischen will, sondern auch die große Masse der grundsatzlosen Erfolgspolitiker, deren Parole ist: es muß etwas geschehen, gleichviel waS. Zu dieser Kategorie gehören nun auch die„unbe- fangenea Sozialreformer" der Volkspartei, wie sich beim Kranken- gesetz gezeigt. Daß diese Art Sozialreform der Bourgeoisie keineswegs gefährlich ist, zeigt nichts so schlagend, al» eben die Thatsache, daß die Volkspartei gerade ihretwegen die Aner- kennung deS schwäbischen Liberalismus geerntet hat. Die Moral aber von der Geschichte liegt so klar auf der Hand, daß wir es getrost unfern Lesern überlassen können, sie selbst zu ziehen._ Internationale Arbeitsgesetzgebung. Der Nationalrath der sranzösischen Arbeiterpartei(Roanner Pro- gramms) hat als Antwort auf das von uns in Nr. 52 des„Sozialdemokrat" mitgetheilte Rundschreiben des Aktionskomites des Schweizerischen Arbeitertages folgenden Auftuf erlassen sveröffentlicht in Nr. 76 des„Cri du pcuple"): „Arbeiter�der Schweiz! Wir beglückwünschen Euch zu der Initiative, die Ihr zu Gunsten der internationalen Fabrikgesetzgebung ergriffen! Wir zweifeln nicht, daß Euer Appell bei den Arbeitern aller Länder Widerhall finden wird. Die Völker bedürfen keiner Diplomatie, um sich zu verstehen. Ueberall seufzen sie unter dem erdrückenden Joche des Kapitals-, überall zeitigt der industrielle Fortschritt, seinem verhängnißvollen Laufe gemäß, dieselben Resultate: Anhäufung der Kapitalien, der Produktionsmittel, in den Händen einer genießenden Minderheit und wachsendes Elend für die große Masse der Arbeiter, für die Schöpfer alles Reichthums. Aber das den Arbeiterklaffen gemeinsame Elend treibt sie zur Ver- einigung in dem gleichen Gedanken: dem ihrer Befreiung. Und trotz aller Schwierigkeiten, aller Hindernisse, mittels deren Regierungen und herrschende Klassen sie zu spalten hoffen, trotz der Grenzen, innerhalb deren sie sie einschnüren, trotz jener falschen patriotischen Sentimentalität, durch welche sie jedes andere Gesühl zu ersticken suchen, macht die Liebe zur Menschheit, der Bund der Proletarier, sich immer stärker geltend. Für die Proletarier ist das Vaterland nichts, die Menschheit Alles. Die Be- freiung der Menschheit war von jeher ihr höchstes Sttebent Und wenn sie heute, nach einem Jahrhundert des Kampfes, nach so viel Hingebung, trotz des so oft vergossenen proletarischen Blutes, leider noch immer das Joch tragen, so kommt dies daher, daß ihre Forderun- gen der systematischen Ordnung ermangelten, weil die Form, in der sie sie geltend machten, zu unbestimmt, oft utopisch und infolgedessen von den Jntereffirten selbst unverstanden war. Aber seitdem hat der feurige Enthusiasmus dem vertieften, überlegten Studium Platz gemacht; der Sozialismus hat die lärmende und senti- mentale Phrase fallen laffen und ist Wissenschaft geworden. Aus der Beobachtung des Wesens der kapitalistischen Produktion hat sich die un- widerlegliche Folgerung, der axiomatische Beweis für das Proletariat ergeben, daß ohne die Vergesellschaftung der Produkttonsniittel keine Emanzipation möglich ist, es weder Friede noch Freiheit noch Wohlstand für den Arbeiter gibt. Das Proletariat hat somit endlich den Weg entdeckt, den es einzu- schlagen hat; es wandelt ihn kühn, kräfttgst unterstützt von der Entwick- lung der kapitalistischen Gesellschaft selbst. Es verfolgt seinen Weg, dessen Ziel es kennt; seiner Klasseninteressen bewußt, läßt es sich weder von den Regierungen einschüchtern, noch von den Bourgeoisparteien beeinflussen. Und wenn bisweilen verirrte Brüder es von seinem Weg abzulenken suchen, so ist das zwar tief zu bedauern, hat aber keinen Einfluß auf den allgemeinen Geist des Proletariats, noch vermag es seinen Gang aufzuhalten. Die internationale Konferenz, die jüngst in Paris stattfand, hat, wie es scheint, die wichtige Frage der internationalen Arbeitsgesetzgebung zu begraben gesucht: sei's drum; wir wollen nicht krittsiren, wir wollen nur hervorheben, daß ihr internationaler Charakter wesentlich beeinttächttgt ward durch den Ausschluß mehrerer, und zwar der wichtigsten Länder, wie Deutschland, Belgien und die Schweiz; und daß andererseits die Arbeiter der vertretenen Länder sehr mangelhaft vertteten waren. Das gibt gewiffermaßen eine Erklärung für die Verschwommenheit und die Enge des Gesichtskreises, der wir in den Resolutionen dieses Kongresses begegnen, deren Befolgung durch Hinweggehen über die wichtigsten ökono- mischen Reformen den Kainpf der Enterbten auf die Eroberung der polittschen Freiheit beschränken, und so das Geschäft der besitzenden und herrschen- den Bourgeoisie besorgen würde. Aber das sozialistisch- revolutionäre Proletariat weiß, daß unter dem kapitalistischen Regime die Freiheit ein leeres Wort sür die Arbeiter ist; und, ohne seine Kräfte in dem un- sicheren Kampf für ein im Voraus unnütz gemachtes Recht zu zersplittern, konzentrirt es seine Thätigkeit aus die Erringung ökonomischer Reformen, die allein die Umgestaltung des Wirthschaftssystems zu unterstützen und vorzubereiten und die gesellschaftliche Umwälzung, das Ziel unserer Be- stredungen, herbeizuführen geeignet sind. Alle ökonomischen Reformen, d. h. alle Reformen, welche bis zu einem gewissen Grade das Loos der Arbeiter besser gestalten, müssen daher nicht nur energische Vertheidiger in uns finden, sondern sie müssen uns auch ganz besonders ein Mittel sein der Agitation und des Kämpfes gegen den Ausbeuterstaat, ein Mittel, die noch indifferenten Elemente der Arbeiterklaffe aus der tödtlichen Apathie zu reißen, in welcher sie das mit den von den Kapitalisten angeeigneten Reichthümer« gleichzeitig anwachsende Elend erhält. Kein Zweifel, wir werden oft mit unseren Forderungen gegenüber der Bourgeoisie unterliegen, aber diese Möglichkeit darf in keiner Weise unfern Eifer erkalten machen, noch unsere Energie lähmen, denn welches auch das Resultat sei, es kann für unsere Sache nur günstige Folgen haben." sEs folgt nun der Nachweis, daß jede erlangte ökonomische Reform die moralische Kraft der Arbeiterklasse erhöhen, jede abgelehnte den bis- bisher den Bourgeoisphrasen Trauenden die Augen öffnen muß; als- dann heißt es weiter:) ÜstzMÄSÄfe»» „Mit einem Wort, jede an der Unfähigkeit, dem Egoismus oder der Gleichgiltigkeit der Bourgeoisie gescheiterte Reform bringt der Arbeiter- fache dadurch Nutzen, daß sie aus den ihrer Klasienintereffen bewußten Arbeitern ergebene Parteigänger und Soldaten der sozialen Revolutton macht. Eine internationale Arbeitsgesetzgebung, die als Grundlage einen achtstündigen Maximalarbeitstag, Verbot der industriellen Kinderarbeit und Beschränkung der Arbeit der Frauen und Minderjährigen hat, wäre ohne Zweifel von allen wirthschaftlichen Reformen die sür die Arbeiter- klaffe nützlichste. Sie würde die unmittelbare Wirkung haben, die kommerziellen Schmie- rigkeiten, ivelche die mittels Lo hnreduktionen betriebene Konkurrenz zeittgt, in wesentlichem Umfang zu heben; sie würde ein Gegengewicht gegen die internattonale Konkurrenz schaffen und die gewerblichen Chancen ausgleichen; sie würde den Anstoß geben zur Entwicklung und Vervoll- kommnung der mechanischen Arbeitsmittel, würde den Arbeitern erlauben, ihre Kräfte zu stärken, und ihre wirthschaftliche Ausbildung ermöglichen; außerdem würde sie, wenigstens zunächst, die Nachfrage nach Arbeitern heben und so den Arbeitern es möglich machen, eine Erhöhung ihrer Löhne durchzusetzen. Endlich führen die Bourgeoisökonomen öfters, um die Undurchführ- barkeit dieser Reform nachzuweisen, nichtige Argumente an, die aber sehr logisch aussehen und hie und da wohl die Arbeiter in ihrem guten Glauben zu überrumpeln und zur Nachgiebigkeit gegen ihre Prinzipale zu bewegen vermöchten. Ein internationaler Feldzug zu Gunsten dieser Reform würde Gelegenheit geben, siegreich zu beweisen, wie hinfällig die Bourgeoisargumentirung und wie wohlbegründet die Arbeiterforderun- gen sind. Arbeiter der Schweiz! Ihr könnt auf unser eifriges Mitwirken an dem Werke, das Ihr unternommen, rechnen, und zeigen wir Euch an, daß wir auf die Tages- ordnung unseres nächsten Kongresses, der im Monat Mai in R o u b a i x zusammentreten wird, die Berathung über einen internationalen Kongreß setzen werden, zur Besprechung der wichtigen Frage einer internationalen Arbeitsgesetzgebung. Empsanget, schweizerische Arbeiter, unsere brüderlichen und revolutionären Grüße! Das Nationalkomite der französischen Arbeiterpartei: B r u g n o t, Lithograph; D r e v e t, Tischler; M o u r e t, Stoffdrucker; O u d o t, Geschäftsangestellter. G. F a r g a t, Weber, Sekretär, Lyon, Nontöo des Carmelites. Polemik. Unser Leitartikel„Der Sozialismus und der Staat" in Nr. S2 unseres Blattes scheint den ganz besonderen Zorn des Hrn. L. von der Mark, dessen Angriffen auf Engels und Bebel wir darin entgegentraten, erregt zu haben, wie folgendes Eingesandt desselben in der„New-Dorker Volks- zeitung" vom 3. Januar beweist: „Herr Leo. „Der Leitartikelschreiber des„Sozialdemokrat", Herr Leo, fühlt sich berufen, unsere Kritik der Engels-Bebel'schen Ideen über den Staat wiederum einer Kritik zu unterziehen. „Diese Kritik der Kritik erscheint uns jedoch als ein sehr schwaches Produkt und Herr Leo muß das selbst eingestehen, denn in seinem Artikel„Kommunismus oder Anarchie schreibt er aus- drücklich, daß es nur heißen könne:„Kommunismus oder A n a r ch i e". Jetzt aber will er uns glauben machen, Engels und Bebel hätten doch Recht, wenn sie für das Absterben des Staates und für die Idee der.herrschaftslosig- k e i t eintreten; als ob Anarchie und Staatslosigkeit oder Herr- schaftslosigkeit nicht ein und dasselbe, nämlich utopistische Dinge seien. „In der That, nicht den Anarchisten, die in den Ideen Engel's und Bebel's ein Zugeständniß an ihr Ideal erblicken, sondern Hrn. Leo gebricht es hier an der Konsequenz des logischen Denkens, wenn er dieses Zugeständniß abstreiten will. Darüber eine ein- gehende Polemik in einem nicht rein wissenschaftlichen Organ ein- zugehen, deucht uns unnütz; wir begnügen uns daher, hier nur darauf hinzuweisen, daß diese anarchistische Ankränkelung hervor- ragender Parteileiter wiederum zur Evidenz beweist, wie nothwen- dig das Jnslebentreten eines wissenschaftlichen sozialistischen Organs ist. Die Ankränkelung selbst aber ist, wie wir schon früher be- merkten, das Crzeugniß des Hegelianismus in der deutschen Sozial- demokratie, weshalb es eine der wichtigsten Ausgaben der sozialistischen Literatur sein wird, diese dialektische Sprachdenkweise, die in vielen Fällen nur zu sehr an Taschenkünstlerstücke erinnert, als eine Ver- wirrung hervorrufende nachzuweisen. L. von der Mar k." Zunächst gestatten wir uns, dem augenscheinlich etwas nervösen Herrn zu bemerken, daß es allerdings zu unserem Berufe gehört, Streitsragen, welche für unsere Bewegung von wesentlichem Interesse sind, im Organ zur Erörterung zu bringen. Und das ist mit der Frage vom„Staat" der Fall. In der Sache selbst können wir sehr kurz sein. Wenn Herr L. von der Mark Herrschastslosigkeit, Staatslosigkeit und Anarchie kurzerhand als gleichbedeutend hinstellt, so zeigt er, daß er in der Denkweise den Anarchisten bedeutend näher steht als wir, und als er uns steht. Gleich den Anarchisten nimmt er die Form für das Wesen, beurtheilt er die Dinge nicht in ihrem natürlichen Zusammenhange, nicht nach ihrer histo- rischen Entwicklung, sondern nur in ihrer isolirten Erscheinung. Staats- lostgkeit und Herrschastslosigkeit ist keineswegs dasselbe: es hat Gesell- fchasten gegeben, und gibt es bei den sogenannten Wilden wohl noch heute, wo von einem Staat keine Rede sein kann und doch geherrscht wird. Und auch Herrschastslosigkeit und Anarchie ist nicht dasselbe, wenn auch zehnmal das griechische Wort An-archie auf deutsch Herrschafts- losigkeit bedeutet. Es gibt kommunistische Stämme, denen der Begriff der Herrschaft absolut frenid ist, ebenso fremd wie die Anarchie, die vielmehr, eine historisch entstandene Richtung, von dem Prinzip des absoluten Individualismus ausgeht. Nur durch das„T a s ch e n- k ü n st l e r st ü ck" des Durcheinanderwerfens dieser Begriffe verniögen es die Anarchisten, heute jede Organisation der Gesellschaft als„freiheits- feindlich" zu verwerfen und die„freie Gruppe" als alleinselig- machende Lösung zu proklamiren und morgen sich als Anarchisten und Kommunisten aufzuspielen. Und solche„Taschenkünstlerstückchen" werden immer dort möglich sein, wo man mit absoluten Begriffen, mit„ewigen Kategorien" u. s. w. argumentirt, wo man kein Verständniß Feuilleton. Das Kecht auf Iaulheit. V. Ein neues Lied, ein besseres Lied! Wenn die Herabsetzung der Arbeitszeit der gesellschaftlichen Produktion neue mechanische Kräfte zuführt, so wird die Verpflichtung der Arbeiter, ihre Produkte auch zu verzehren, eine enorme Vermehrung der Arbeitskräste zur Folge haben. Die von ihrer Mission, Allerwelts- konsument zu sein, erlöste Bourgeoisie wird nämlich schleunigst die Menge von Soldaten, Beamten, Kupplern-c., die sie der nützlichen Arbeit entzogen hatte, damit sie ihr konsumiren und vergeuden halsen, freigeben— das heißt dem A r b e i t s m a r k t. Dieser wird, wenn alle gesellschaftlichen Kräfte ihm zugeführt werden, so überfüllt sein, daß man schier gezwungen sein wird, die Arbeit zu verbieten; es wird fast unmöglich sein, für diesen Schwärm bisher unproduktiver Menschen Verwendung zu finden, denn sie sind zahlreicher als die Heuschrecken. Dann wird man an die denken, die für den kostspieligen und nichtsnutzigen Bedarf dieser Leute aufzukommen hatten. Wenn keine Lakeien und Generäle mehr galonnirt, keine verheiratheten und unverheiratheten Prostituirten mehr in Spitzen eingehüllt, keine Paläste mehr eingerichtet und keine Kanonen mehr gegossen zu werden brauchen, dann wird man mittelst drakonischer Gesetze die Posamentier-, Spitzen-, Eisen- u. s. w. u. s. w. Arbeiter und Arbeiterinnen im Interesse der Hygiene und der Berede- lung der Rasse zu Ruder- und Tanzübungen anhalten, damit sie ihre untergrabene Gesundheit wiederherstellen. Von dem Augenblick an, wo die europäischen Produkte nicht mehr in alle Welt hinaus verschickt werden, werden auch die Seeleute, die Lastträger und Fuhrleute anfan- gen, den Daumen drehen zu lernen. Dann werden die glücklichen Süd- seeinsulaner sich der freien Liebe hingeben können, ohne die Fußtritte der zivilisirten Venus und die Predigten der europäischen Moral fürchten zu brauchen. Noch mehr. Um für alle unproduktiven Kräfte der heutigen Gesell- schaft Arbeit zu finden, und die immer weitere Vervollkommnung der Arbeitsmittel zu fördern, wird die Arbeiterklasse ihrem Hang zur Ent- haltsamkeit, gleich der Bourgeoisie, Gewalt, anthun und ihre Fähigkeit, zu konsumiren, möglichst zu steigern suchen müssen. Anstatt täglich 2« oder 30 Gramm zähes Fleisch zu essen, wenn sie überhaupt welches ißt, wird sie saftige Beesstaeks von ein oder zwei Pfund essen; statt bescheiden einen Wein zu trinken, der katholischer Cd. h. getaufter) ist als der Papst, wird sie aus vollen Gläsern Bordeaux und Burgunder trinken, der keiner in- dustriellen Taufe unterzogen iii, und das Wasser dem Vieh überlassen-— hat für das, was Herr L. von der Mark den„Hegelianismus in der Sozialdemokratie" nennt. Dieser„Hegelianismus" verfährt nämlich so unkritisch, sich nicht mit einfachen etymologischen(der W o rt le h r e entnommenen) Erklärungen der politischen Einrichtungen zu beruhigen, noch mit ihrer formellen Beschreibung-, sondern er geht ihrem Wesen auf den Grund; er forscht, um dasselbe zu erkennen, nach ihrem Entstehen, nach den Zuständen, aus denen sie hervorgegangen, nach den Bedürfnissen, welche sie ins Leben gerufen und welche sie erhalten, mit einem Wort nach ihren materiellen Existenz- bedingungen. Und deshalb läßt er sich weder von den Metaphysikern des Staates noch von denen der Anarchie ein X für ein U machen, glaubt er weder an die Ewigkeit des Staates, der ganz bestimmten materiellen Verhältnissen sein Entstehen und Bestehen verdankt, und aufhören wird zu bestehen, sobald diese nicht mehr vorhanden sind, noch an die Mög- lichkeit, den Staat abzuschaffen, solange seine materiellen Grund- lagen bestehen. Dieser„Hegelianismus", der die gesellschaftlichen Ein- richtungen nicht als„göttliche",„ewige" betrachtet, sondern als irdische, als gewordene und deshalb auch vergängliche erkannt hat, ist die solideste Basis des revolutionären Sozialismus, er ist die aus die menschliche Gesellschaft angewendete Entwickelungstheorie. Diesen „Hegelianismus", der in Wahrheit nichts anderes ist, als der wissen- schaftliche Materialismus, verdankt die deutsche Sozialdemo- kratie— nein, die internationale Sozialdemokratie ihrem größten Denker, Karl Marx. Herr L. von der Mark will für Amerika eine Zeitschrift gründen, um den Marx'schen„Hegelianismus" wissenschaftlich zu widerlegen. Würde es sich nicht empfehlen, denselben zuvor erst einmal zu studiren? Leo. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. Januar. — Die„milde Praxis" in puncto Versammlungen, welche seit einiger Zeit und in leicht zu durchschauender Absicht von der Polizei beobachtet wird, wird von den deutschen Arbeitern in einer Weise aus- genützt, die ihnen zur höchsten Ehre gereicht. Wenn es des Beweises bedurfte, daß das Sozialistengesetz seinen„erziehenden" Zweck gänzlich verfehlt hat, dann legen die Arbeiterversammlungen allerorts Zeugmß davon ab. Ueberall zeigt sich der alte Unabhängiqkeitssinn, überall das Bewußtsein des Klassengegensatzes, der zwischen Besitzenden und Besitz- losen in der heutigen Gesellschaft besteht. Auch die Hoffnung, daß das Sozialistengesetz, wenn es auch die Sozialdemokratie nicht vernichten konnte, doch wenigstens ihre Ausbreitring verhindert habe, erweist sich als trügerisch. Es hat blos das offen Zutagetreten ihrer Ausbreitung verhindert. Was sich schon jetzt, bei einer nur „geduldeten" Agitation, zeigt, würde bei Wegfall des Polizeigesetzes sich bis zur Evidenz erweisen: ein Wachsthum unserer Partei, eine Verbrei- tung unserer Grundsätze in bisher unerhörtem Maße. Das wird nach- gerade auch unseren Gegnern klar, und deshalb, und nur deshalb, wird das Sozialistengesetz verlängert werden. Alle Gründe, die sonst noch angeführt werden, sind pure Ausflucht. Nun, mögen die guten Leute thun, was sie nicht lassen können; es wird trotzdem der Tag kommen, wo die sozialistische Hochfluth offen und vor aller Welt sich über das Land ergießen wird— auch ohne daß das Sozialistengesetz erst vom Reichstag abgeschafft zu sein braucht. — Zwei Anträge, welche demnächst in dem sächsischen Landtag zur Verhandlung gelangen, kennzeichnen in drastischer Weise den Satz unseres Programms von der„einen reaktionären Masse". Der Eine, gestellt von den Sozialdemokraten, zielt darauf ab, der sogen. Gesinde- ordnung, dieses mittelalterliche Pamphlet auf unser herrliches Zeit- alter der Gleichheit Aller vor dem Gesetz, aus der Welt zu schassen, der Zweite, gestellt von Mitgliedern aller Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten, will den Steuerrück- ständigen den Besuch von Gasthöfen und Vergnügungslokalen unmöglich machen. Der erste wird natürlich mit allen Stimmen gegen die der Sozialisten abgelehnt, der andere mit gleichem Stimmenverhältniß angenommen werden. Es handelt sich eben um die Klaffeninteressen der Besitzenden gegen die Besitzlosen, und da verschwinden regelmäßig alle Streitfragen, welche die verschiedenen Gruppen der ersteren sonst zu trennen, und die von gewissen Leuten, die nicht alle werden, tragisch genommen zu werden pflegen. — Im preußischen Landtag hat es in der letzten Woche zur Abwechslung ein bissel gekulturkämpfelt. Die ultramontanen Kämpfer für„Wahrheit, Freiheit und Recht" können mit der preußischen Regie- rung über den Preis nicht einig werden, um welchen sie Freiheit und Recht an dieselbe verkaufen sollen. In Punkto„Wahrheit" verlangen sie für sich das„Recht" und die„Freiheit", sie nach Belieben mundtodt zu machen, ein„Recht", welches der Staat aber für sich in Anspruch nimmt. Da die Herren sich nachgerade so weit blosgestellt haben, daß kein Mensch niehr an ihre politischen Freiheitsphrasen glaubt, so trug die Debatte ganz unverhüllt den Charakter des gemeinen Schachers zur Schau. Wann wird diese Komödie einmal ein Ende nehmen? Die Proletarier haben sich in den Kops gesetzt, die Kapitalisten zu zehn Stunden Gruben- oder Fabrikarbeit anhalten zu wollen; das ist der große Fehler, die Ursache der sozialen Gegensätze und der Bürgerkriege. Nicht auferlegen, verbieten muß man die Arbeit. Den Rothschilds, den Krupps wird erlaubt werden, den Beweis zu liefern, daß sie ihr ganzes Leben lang Nichtsthuer gewesen sind; und wenn sie versprechen, trotz des allgemeinen Zuges zur Arbeit, als voll- kommene Nichtsthuer zu leben, so wird man sie unter Kontrole stellen und ihnen jeden Morgen ein 20-Markstück für ihre kleinen Vergnügungen auszahlen. Die gesellschaftliche Zwietracht verschwindet. Einmal über- zeugt, daß man ibnen durchaus nichts Uebles anthun, sondern sie nur von der Plage, Ueberkonsumenten und Verschleuderer sein zu müssen, befreien will, werden die Kapitalisten und Rentiers die ersten sein, die sich zur Partei des Volkes schlagen. Diejenigen Bourgeois, die unfähig sind, ihre Qualifikation als vollendete Nichtsnutze nachzuweisen, wird man ihren Instinkten nachgehen lassen: es existiren genügend Berufe, um sie unterzubringen.*) Puttkamer z. B. wird die öffentlichen Latrinen reinigen, die Mitglieder des Reichsgerichtes werden in den öffentlichen Schlachthäusern das Vieh anmerken, das zum Schlachten reis ist, die Mitglieder der verschiedenen ersten Kammern werden bei den Beerdigungs- anstalten als Todtengräber angestellt. Für Andere wird man Berufe finden, die ihrer Intelligenz entsprechen. Herr von Minnigerode und Herr von Kardorff z. B. würden zum Umfüllen und Verkorken von Branntwein angestellt werden, doch wird man ihnen einen Maulkorb vorbinden, damit sie sich nicht das Delirium tremens ansaufen. Aber bittere Vergeltung wird man an den Moralisten nehmen, welche die menschliche Natur verdreht haben, an den Heuchlern und Schein- heiligen, die öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken. An den großen Volksfesten der Kommunisten, wo die Becher kreisen und duftende Kuchen und Braten zum Genuß einladen, werden die Mit- glieder der Kultusbehörden, die in Frack und Talar einherwandelnden Pfaffen der ökonomischen, katholischen, protestantischen, jüdischen und freidenkerischen Kirche, die Propagandisten des Malthusianismus, der christlichen oder philosophischen Moral, in gelbem Kostüm, die Kerzen halten, bis sie sich die Finger verbrennen; bei brechenden Tafeln, die von übermüthigen Frauen bedient werden, werden sie hungern, bei gefüllten Fässern dürsten. Viermal im Jahre, immer beim Wechsel der Jahreszeiten, wird man sie in Tretmühlen 10 Stunden lang Wind mahlen lassen. Die gleiche Strafe wird über die Advokaten und Rechts- gelehrten verhängt. Um die Zeit todtzuschlagen, die uns Sekunde für Sekunde tödtet, *) Hier, wie schon bei früheren Gelegenheiten und weiter unten, neh- men wir uns die Freiheit, auch die Personen, auf welche Lafargue an- spielt, in unser geliebtes Deutsch zu übertragen. — Nochmals Herr Gamp. Bismarck's neuester Hausknecht für Sozialresorm hat in seinem 1880 erschienenen Buch:„Die wirthschaft- lich-sozialen Aufgaben unserer Zeit", bekanntlich den Vorschlag gemacht, die Industrie auf das Land zu verlegen. In Ergänzung des früher von uns Mtgetheilten können wir heute nachholen, daß der Gamp'sche Vorschlag darauf hinzielt, der Industrie sowohl als der Landwirthschast billige Arbeitskraft dadurch zu sichern, daß die Arbeiter(welche nämlich sämmtlich aus dem Lande wohnen sollen) kleine Grundstücke zum„Eigenthum" bekommen, welche sie jedoch nicht nach Belieben verkaufen können und auf denen„R e a l l a st e n" ruhen sollen, d. h. die V e r p f l i ch t u n g, eine ge- wisse Zahl von Tagen für den Grundherrn, zu dessen Machtgebiet dieses sonderbare„Eigenthum" gehört, zu arbeiten. Natürlich gegen Taglohn — der aber von dem Grundherrn festgesetzt wird. Auf diese Weise ist der Arbeiter durch sein Grundstück an die Scholle und an den Arbeit- geber gefesselt, und in der vollsten Bedeutung des Wortes ein Leib- eigner! Und dieser Herr Gamp ist der Mann nach dem Herzen Bismarck's! Das letzte Wort der Sozialreform, welche Herr Gamp plant und welche den Beifall des„arbeiterfreundlichen" Herrn Bismarck gesunden hat, heißt also Leibeigenschaft. Von dem preußischen Landjunker, der die großen Städte vernichten will, und die Buchdruckerkunst als Teufelswerk betrachtet, konnte freilich nur ein Narr Anderes und Besseres erwarte». Penl jede, oder Prei spiel Bier ihrer billig könn — Tiefer hängen. In Berlin haben unsere Genossen kürz- lich Herrn Stöcker, der ihnen wieder einmal mit„Bei' und arbeit'!" den Kopf verkleistern wollte, in einer Weise heimgeleuchtet, die dem Herrn zeigte, daß all' seine Süßholzrasplerei vor ihnen„pro nihilo", d. h. u m s o n st war. Der wackere Hofprediger, der in Magdeburg als echter Heuchler unsere Genossen mit Brüder anbiedermeierte, läßt in seinem Moniteur, dem„Christlich-sozialen Korrespondenzblatt" vom 16. Januar, seinen„Abfall" mit folgenden Worten, welche sich unsere Genossen allerorts merken mögen, quittiren: „Wie aus diesem Bericht hervorgeht, haben die Herren Sozial- demokraten wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt, wahrlich nicht uns, sondern nur sich selbst zum Schaden. Wie kann solchen wü st en Elementen gegenüber von einer Aufhebung des Sozialistengesetzes die Rede sein? Nein, das hieße eine wilde Meute auf ruhige Bürger loslassen wollen! Wir fürchten diese Meute nicht, sondern haben aufrichtiges Mitleid mit ihr— es i geht aber nicht anders: mag sie angekoppelt so lange liegen bleiben, bis sie vernünftig geworden ist! I Uebrigens liegt es uns ferne, die ganze Arbeiterpartei mit solchen j Elementen zu identifiziren und sie für deren Tollheiten verantwort- lich zu machen, obgleich ein anerkannter Führer der Arbeiterpartei,: Herr Kreutz, mehrfach von seinen„Gesinnungsgenossen" I und von„unseren Abgeordneten im Reichstag" sprach.- Hat denn der Mann keine Ahnung davon, daß er sich und seine Partei damit auf's schwerste kompromittirt? Nein, wir glauben es nicht, daß sich die Arbeiterpartei mit solchen Elementen identi- fizirt, die keiner Partei zur Ehre oder auch nur zum Nutzen ge- reichen können, sondern eine Schande und unter Umständen ein! Unglück für die Menschheit sind. Um so ernster tritt an die Arbeiter- partei die Forderung heran, solche Elemente, die doch an ihren Rockschößen hängen, abzuschütteln, wenn sie selbst politisch möglich sein will. Wir unserseits erklären, daß wir wohl mit anständigen, wenn auch gegnerischen Arbeitern, aber nicht mit Strolchen politisch verhandeln, und wir werden in Erwägung ziehen, wie wir uns die letzteren künftighin vom Leibe halten können." Der Wuthausbruch kennzeichnet den christlich- sozialen Wechselbalg in seiner ganzen Jämmerlichkeit. Niemand hat größere A n g st vor der Aufhebung des Sozialistengesetzes als diese Sippschaft, die sich Nummer für Nummer selbst verherrlicht ob der grandiosen Heldenthaten, die sie bereits vollführt hat— unter dem Schutze des Ausnahmegesetzes nämlich. Diese Heldenthaten vertragen nun aber das Tageslicht nicht, und deshalb: hilf, Ausnahmegesetz! Nun, der Wunsch wird ja in Erfüllung gehen, die„Meute" wird „angekoppelt" bleiben, bis sie ihre Stricke selbst zerreißt. Dann aber mögen sich die T r o ß b u b e n in Acht nehmen! auf' heit rung von auße Jagd Herr und gedai w i r aus Vr Sie größl auch Put „Peö Prr den l frühe sandt Schtr Mini treffe Som Dc er ül Ab per C eine o desE in di wesen der\ und I ouftri den i genar zwar herau blicke, Eil wirkli murn „über tär K — Sind niedrige Preise den Arbeitern vonVor- t h e i l? Diese Frage beantwortet„Justice" sehr treffend folgendermaßen: „Die„Times", das gewissenloseste, aber längst nicht mehr das fähigste Kapitalislenorgan Englands, schreibt, ein Sinken der Preise müsse dem Arbeiter zu Gute kommen. Nach ihr verfertigt er nämlich nur einen Gegenstand, und wenn auch der Preis desselben und mit ihm sein Lohn fallen sollte, so konsumirt er doch verschiedene Dinge, und wenn der Preis dieser gleichfalls fällt, so gewinnt er offenbar mehr, als er ver- liert.— Das hört sich sehr plausibel an, nicht wahr? Dieser Trugschluß hat deshalb schon tausendmal herhalten müssen und wird zweifelsohne noch tausendmal den Lesern der„Times" aufgetischt werden. Thatsäch- lich aber weiß jeder bürgerliche Oekonom, daß niedrige Preise den Ar- beitern als Klasse nichts Helsen.„Was?" wird irgend ein Arbeiter vielleicht einwerfen,„ist es nicht besser, wenn ich mein Brod für 3 Pence anstatt für 6, mein Pfund Fleisch für 6 Pence statt für 10 erhalte?" Zweifelsohne, wenn dein Lohn ein festgesetzter Antheil vom Werthe( deines Arbeitsproduktes wäre. Das ist er aber nicht. Als Klasse drücken die Arbeiter in Zeiten wirthschaftlichen Nothstandes durch ihre Konkur- renz einander den Lohn bis auf das niedrigste Niveau ihres LebenshalteS herab. Weit lieber, sagen sie, und zwar begreislicheriveise, auf die 3 religii Berli Hofps liste und r Fre und< Sie I so ha Bat als i Mens Vo Mari Stock t r u< oder ist di S ch i ständl bezich� Bei statt nichts als e denkli schaft und! Abschl als st ernte, /ich S wird man Schauspiele aller Art veranstalten— gefundene Arbeit für unsere Herren Gesetzgeber. Man wird sie in Truppen organisiren, die auf die Dörfer und Flecken ziehen und Gesetzgebungsvorstellungen auf- führen. Generäle in Reitstiefeln, die Brust mit Tressen verschnürt und mit Orden aller möglichen Raubthiere bedeckt, werden durch die Straßen laufen und die lieben Leute zum Schauen einladen. Bismarck und Stöcker werden vor der Bude ihre Späßchen aufführen. Bismarck wird, als Eisenfresser kostümirt, die Augen rollen, den Schnurrbart drehen, brennendes Werg ausspeien und Jedermann mit Degen, Revolver, Bierseidel u. s. w. bedrohen, aber, sobald man ihm das Bild des Herrn von Münchhausen zeigt, sich in ein großes Loch stürzen. Stöcker wird als Apostel der Bruderliebe von Arbeiterwohl und Ausbeuterhaß, von christlicher Atilde und christlichem Sozialismus, von deutscher Art und Sitte reden, dann aber wird er plötzlich den Talar fallen lassen und im schwarz-weiß en Kostüm dastehen, in der einen Hand eine Knute, in der andern den Klingelbeutel; um seinen Hals wird ein Plakat hängen: Agent für Landbarone, Schlotjunker und Konsorten. In der Bude aber wird man zuerst die W a h l p o s s e aufführen. Vor Wählern mit Holzschädeln und Eselsohren werden Bourgeois- kandidaten im Bajazzokostüm den politischen Freiheitstanz aufführen, indem sie sich Vorder- und Rückseite mit ihren Wahlprogramme» voller Versprechungen behängen, mit Thränen in den Augen von den Leiden des Volks und mit erzener Stimme vom Ruhm des Vaterlandes reden. Woraus die Köpfe der Wähler im Chor ein kräftiges D-a! D— a! brüllen. und z die A den � stürze Goldl könne Schm Fuge, malm waltir listisck We ihre! ihrer zu oe nicht auf C mann die a regen Moro lange Dann beginnt das große Schauspiel: Güter der Nation. Der Diebstahl der Das kapitalistische Deutschland, ein ungeheuerliches Weib mit rauhew Gesicht und kahlem Schädel, fahler Haut und fettem, aufgedunsenein Körper, liegt gähnend und mit glanzlosen Augen auf einem Sopha hin- gestreckt. Zu ihren Füßen verschlingt der industrielle Kapitalismus, ein Riesenorganismus von Eisen mit einer Affenmaske, mechanisch Männer, Frauen und Kinder, deren herzzerreißende Klagerufe die Lust durch- dringen. Die Bank, mit Marderschnauze, Hyänenkörper und Habicht- krallen, stiehlt jhm ein Geldstück nach dem andern aus der Tasche. Ganz- Armeen elender, abgemagerter und in Lumpen gehüllter Proletarier, vor Gensdarmen mit blanker Klinge eSkortirt, von Furien, welche sie mil der Hungerpeitsche geißeln, getrieben, bringen Haufen von Waaren allel Art, Fässer Wein und Bier und ganze Säcke voll Gold oder Korn, und legen sie dem kapitalistischen Deutschland zu Füßen. Herr Adolph Wagner, in der einen Hand die Schriften von Rodbertus, in der an deren die Dankadresse der Antisemiten und im Munde— die kaiserlich- Botschaft, stellt sich an die Spitze der Vertheidiger der Güter der Natio» Wi thum einen Jahr tiitte: und endli- Tuge *) Rum setz Pence, die ich an dem Laib Brod erspare, und die 4 Pence, die ich an jedem Pfund Fleisch erspare, aufgeben, als arbeitslos Hungers zu sterben oder in's Arbeitshaus wandern zu müssen. Infolgedessen kommen niedrige Preise sehr bald den Kapitalisten zu Gute, die über das nette Gaukel- spiel lachen und den Arbeitern rathen, keine Kinder zu bekommen, kein Bier zu trinken und mit Allem hübsch sparsam zu sein, ausgenommen ihrer Arbeit. Mögen die Arbeiter stets dessen eingedenk sein, daß billige Preise ihnen als Klasse auch nicht die Bohne Nutzen bringen können." — Das neue preußische Jagdgesetz— welches mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen von der konservativ-ultramontanen Mehrheit im preußischen Landtage einstweilen einer Kommission zur Aufbewah- rung anvertraut wurde— wird, schreibt man uns aus G u m b i n n e n, von allen Seiten besprochen, wobei jedoch der wesentlichste Punkt ganz außer Acht gelassen zu werden scheint. An Sonntagen soll die Ausübung der Jagd gänzlich verboten werden, einmal wegen Heiligung des„Tages des Herrn", dann um die Sonntagsschützen den Fluren fern zu halten— und so Schaden an Leib und Leben zu verhüten. Niemand hat daran gedacht, die Frage auszuwerfen, ob Sonntagsschützen denn wirklich nur an Sonntagen jagen! Und doch fehlt es durch- aus nicht an Material zur Beantwortung dieser Frage. Vor gar nicht langer Zeit z. B. ereignete es sich, daß„Excellenz" S t e p h a n auf der Jagd Jemand anschoß, und zwar„einen Prinzen". Einen größeren— Bock hätte irgend ein harmloser Schulmeister oder Krämer auch an einem Sonntag nicht schießen können! Als der Moralheld von P utt kamer noch Oberpräsident von Schlesien war, hatte er das „Pech", eines Tages einen Treiber oder Förster, jedenfalls war es ein Proletarier, aus der Jagd zu erschießen, wofür ihm sogar von den Subalternbeamten der hiesigen— Gumbinner— Regierung, die er früher kommandirt hatte, ganz unnützerweise eine Beileidsadresse zuge- sandt wurde; unnütz, weil der todte Proletarier ihm wohl keine Schmerzen gemacht haben wird. Er wurde auch bald darnach zum Minister befördert, vielleicht gerade weil er die Proletarier so gut zu treffen weiß. Leicht wird das„hohe Haus" feststellen können, ob diese Sonntagsschützensälle am Sonntag oder Werktag sich ereignet. Daß Puttkamer ein Sonntagsschütze ist, wie er im Buche steht, hat er übrigens auch sonst brillant bewiesen. Als er noch Präsident unsres Regierungsbezirks war, fuhr er eines Tages per Eisenbahn zur Jagd, und just als er in den Zug einstieg, verließ «ine andere Jagdesellschaft diesen, ein erlegtes Reh heimbringend. Das Auge des Gesetzes muß bekanntlich Alles sehen. Puttkamer erkannte also sofort in dem todten Thier eine„Ricke", winkte den aus dem Bahnhof an- wesenden Regierungssekretair Kiesewetter heran(das spricht dafür, daß der fromme Herr den Jagdzug auch an einem Sonntag unternahm, und beweist, wozu sich Subalternbeamte alles hergeben müssen) und beauftragte ihn, durch den Magistrat die„Ricke" mit Beschlag kxlegen und den Fall feststellen zu lassen. Gehorsam stürzte der Beamte auf die genannte Stadtbehörde, fand dort zuin Glück auch einen Beamten und zwar den Beigeordneten, Pfarrer emerit. Fiedler, der pflichtgemäß heraustrat, als das Reh vorbeikam, aber nur mit einem Auge hinzu- blicken brauchte, um das Thier als„alten Bock" zu erkennen. Eine Ricke nicht von einem Rehbock zu unterscheiden, dazu muß mag wirklich ein ganz besonderer Sonntagsjäger sein. Der Beigeordnete murmelte denn auch, als er in das Gebäude zurücktrat, so etwas von „übergeschnappt",„Jagd auf Weiber" und„Moral"— was der Sekretär Kiesewetter aber seinem Chef nicht rapportirt haben soll. — Gottes Sohn oder Zimmermanns Sohn? Ms sein religiöser Gallimathias in der oben erwähnten Versammlung vor den Berliner Arbeitern absolut nicht verfangen wollte, spielte der biedere Hofpfaffe, die Leuchte der„Rechtgläubigen", sich auf den Ratio na- listen sVernunftgläubigen— beiläufig auch eine nette Sorte) heraus und rief pathetisch aus:„Der Arbeiter hat keinen besseren Freund als den Zimmer maus söhn von Nazareth", und als die Arbeiter darob in Hohn ausbrachen, jammerte er:„Wenn Sie keine Achtung vor uns haben, nicht vor dem, was ich Ihnen sage, io haben Sie doch Achtung vor Dem, der in der Werkstatt seines Vaters gearbeitet hat, wie Sie, und der seit bald zweitausend Iahren als der Erlöser(der Niemand erlöst hat) und das Musterbild eines Menschen gepriesen wird!" Von zwei Dingen eines: Entweder ist Jesus von der Jungfrau Maria als Gottessohn in unbefleckter Empfängniß erzeugt, wie Herr Stöcker Sonntags von der Kanzel herab predigt, und dann ist es B e- trug und Gotteslästerung, vom Zimmermannssohn zu reden; oder Jesus ist der Sohn des Ziinmermanns Joseph gewesen, und dann ist die ganze Geschichte von seiner wunderbaren Geburt i n s a in e r Schwindel und Betrug. Ein Drittes gibt es nicht. Selbstver- ständlich fällt es uns nicht ein, Herrn Stöcker der Gotteslästerung zu bezichtigen. Beiläufig ist es eine ganz neue Entdeckung, daß Christus in der Werk- statt seines„Vaters" gearbeitet haben soll. Die Evangelien ivissen nichts davon, vielmehr war nach ihnen der„Erlöser" nichts weniger als ein Freund des Arbeitens. Er zog es vielmehr vor, in ziemlich be- denklicher Gesellschaft durch Palästina zu landstreichen uitd die Gastfreund- fchaft meist armer Leute in Anspruch zu nehmen; auch seine Apostel , und die ersten Christengemeinden in Jerusalem hatten vor nichts mehr Abscheu als vor der Arbeit und hielten kein Wort des„Erlösers" höher als sein berühmtes:„Seht die Lilien auf dem Feld«, sie säen nicht, sie ernten nicht, und Gott der Herr ernährt sie doch."— Sie ließen näm- /ich Andere für sich säen und ernten. .....-____.....-______— und zieht aus Posten. Sobald die Lasten niedergelegt sind, verjagen sie die Arbeiter mit Bajonett- und Kolbenstößen, und offnen den Händlern, den Industriellen und Bankiers die Pforten. Im wüsten Durcheinander stürzen sich diese aus die Werthobjekte, heimsen die Fabrikwaaren, die Goldbarren, die Säcke Getreide ein und leeren die Fässer. Endlich können sie nicht mehr und wälzen sich, gleich dem Vieh, in ihrem eigenen Schmutz.... Da bricht das Gewitter herein, die Erbe wankt in ihren Fugen— die historische Nothwendigkeit tritt auf. Mit ehernem Fuß zer- ! malmt sie die Köpfe der sich ihr in den Weg Stellenden und mit ge- , waltiger Hand wirft sie das zitternde und Angstschweiß-überdeckte kapita- ; listische Deutschland über den Haufen. *** l i Wenn die Arbeiterklaffe sich das Laster, welches sie heherrscht und , shre Natur herabwürdigt, gründlich aus dem Kopf schlagen und sich in : ihrer furchtbaren Kraft erheben wird, nicht um die famosen„Menschenrechte" , zu verlangen, die nur die Rechte der kapitalistischen Ausbeutung sind, nicht um das„Recht auf Arbeit" zu proklamiren, das nur das Recht auf Elend ist, sondern um ein ehernes Gesetz zu schmieden, das Jeder- : mann verbietet, mehr als drei Stunden pro Tag zu arbeiten, so wird 1 die alte Erde, zitternd vor Wonne, in ihrem Innern eine neue Welt sich ' regen fühlen.... aber wie soll man von einem durch die kapitalistische 1 Moral korrumpirten Proletariat einen männlichen Entschluß ver- � langen!--_ Wie Christus, die leidende Verkörperung der Sklaverei des Alter- thums, erklimmt unser Proletariat, Männer, Frauen und Kinder, seit einem Jahrhundert den rauhen Kalvarienberg der Leiden; seit einem Jahrhundert bricht Zwangsarbeit ihre Knochen, martert ihr Fleisch, zer- i rüttet ihre Nerven; feit einem Jahrhundert quält Hunger ihren Magen , und verdummt ihr Gehirn.... O Faulheit, erbarme Du Dich des un- endlichen Elends! O Faulheit, Mutter der Künste und der edlen i Tugenden, fei Du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit!*) Paul Lafargue. j*) Hiermit schließt der eigentliche Text der Broschüre. In nächster j Nummer werden wir aber noch den Anhang, eine Auseinander- ( setzung mit den Moralisten, zum Abdruck bringen. k h- ii j ll — Ein Sturm i m Karpfenteich. Freitag, den 11. ds. ging es im sächsischen Landtag heiß her,— zwischen den paar Ver- tretern der Sozialdemokratie einerseits und den übrigen Parteien im Landtag anderseits entbrannte eine stürmische Debatte, in der unsere Genossen sicherlich nicht der unterliegende Theil waren. Unsterblich hat sich die Fortschrittspartei blamirt, welche wieder einmal den Regierungs- büttel spielte; und unsterblich blamirte sich Herr Nostiz-Wallwitz, der ttotz der dreimaligen Herausforderung Liebknecht's nicht zu antworten wagte, sondern einen unglücklichen Regierungskommissar(der Mann soll„ E h r e n st e i n" heißen— da gilt nicht das Sprichwort: Nomon est ornen!) vorschickte, dem es natürlich nicht gut erging. Erst Hintennach sammelte Herr v. Nostiz-Wallwitz genug Kourage, um einen (jedoch ganz stumpfen und neben die Scheibe fliegenden) Partherpfeil abzuschnellen, und dann schleunigst, unter dem Schutz eines bestellten Schlußantrages, von dem parlamentarischen Schlachtfelde zu verschwinden. Nun— Jeder thut, was er kann. Und Herr v. Nostiz-Wallwitz hat von dem„Noblesse obli�e" offenbar seine eigenen Begriffe! Und der Grund oder Anlaß dieses Sturmes im Karpfenteich mit den paar sozialdemokratischen Hechten? Ein Bersammlungsverbot! Der„Lokalpascha" von Großenhain, Herrmann, auch Landtags- abgeordneter(und sonst noch ein vielseitiger Mann, wie aus der vorigen Nummer unseres Blattes ersichtlich), hatte eine Versammlung zur Be- sprechung des Reichskrankengesetzes verboten; und die oberen„Instanzen" bis herauf zum Ministerium hatten das Verbot bestätigt, das Ministerium— also Herr v. Nostiz-Wallwitz— in einem Reskript, dessen reak- tionäre Bornirtheit nur durch die Kühnheit übertroffen wird, mit welcher es über Logik und Gesetze hinwegturnt. Die Kritik dieses Reskripts durch Liebknecht entfesselte den Sturm. Es handelte sich also um die Frage, ob in Sachsen das Vereins- und Versammlungsrecht noch besteht— wenigstens für die Sozialdemokraten. Man sieht, nichts Einfacheres läßt sich denken, und da das Vereins- und Versammlungsrecht eine der elementarsten Forderungen des gewöhnlichen bürgerlichen Liberalismus ist, so hätte man meinen sollen, die Vertreter des Liberalismus in der Kammer(Nationalliberale wie Fortschrittler) würden sich einstimmig gegen das rechtlich absolut unbegründete Ver- bot erklären. Aber weit gefehlt. Der Fortschrittler Schreck, welcher in der Sache(die vor die Beschwerdekommission gekommen war) zu refe- riren hatte, stellte sich vollständig auf den Standpunkt der Behörden und speziell des Ministerialreskripts, und zeigte sich somit, wie Liebknecht ihm nachwies, reaktionärer als das reaktionäre preußische Ministerium; und das Gleiche that der gesammte Haufe der„freisinnigen Elemente", mit denen der Moniteur Sonnemann's uns weiland ein Bündniß zumuthete. So erlebten wir denn das sonderbare Schauspiel, daß die Vertreter der Sozialdemokratie eine der primitiv st en Forderungen des bürgerlichen Liberalismus gegen die vereinigten Vertreter des b ü r g e r l i ch e n L i b e r a l i s m u s verthei- digen mußten. Ueberhaupt— und das liegt in der Verkommenheit unserer Liberalen, die durch ihre Angst vor der Sozialdemokratie auf die Seite der Reaktion gedrängt worden sind— überhaupt ist es ein charak- teristischer Zug der politischen Parteientwicklung Deutschlands, daß die Vertreter der Sozialdemokratie häufig für rein bürgerliche Forderungen gegen das reaktionär gewordene Bürgerthum und die übrige reaktionäre Masse zu kämpfen haben. Es ist dies genau das umgekehrte Verhält n iß wie in Rußland, wo die Vertreter des bürger- lichen Liberalismus in ihrem Kampfe gegen den Zarismus theoretisch die extremsten sozialistischen Forderungen aufstellen. In Rußland ist das — allerdings im Aufsteigen begriffene— Bürgerthum noch r e v o l u- t i o n ä r; in Deutschland ist es k o n t r e r e v o l u t i o n ä r, wie in allen Ländern mit einem entwickelten und sozialistischen Proletariat. Aus diesem ihrem kontrerevolutionären Wesen machen wir unserer Bourgeoisie auch gar keinen Vorwurf(obgleich wir sie deshalb um so energischer bekämpfen), aber den Vertretern dieser kontrerevolutionären und reaktionären Bourgeoisie machen wir einen Vorwurf daraus, daß sie nicht offen Farbe bekennen und daß sie in Worten sich für liberale und demokratische Grundsätze erklären, die sie in ihren Handlungen mit Füßen treten. Die„ p o l i t i s ch e H e u ch e l e i" ist es, die uns an den Bourgeoisliberalen und-Demokraten so widerwärtig ist und ihnen unsere Verachtung eingetragen hat. Ueber die Debatte am 11. Januar reden wir nicht weiter— zumal den Parteigenossen durch Abdruck des stenographischen Berichtes Gelegen- heit gegeben werden wird, selber zu urtheilen. Erwähnt sei nur, daß der Einzige auf der„Linken", welcher den Muth hatte, seine Stimme für das mit Füßen getretene Recht zu erheben, der N a t i o n a l i b e r a l e K i r b a ch war, ein Mann, den seine zwölf Jahre sächsischen Zucht- Hauses in das nationalliberale Lager getrieben, und der die Waldheimer Ketten noch nicht ganz vergessen zu haben scheint. Als Knriosum ist noch hinzuzufügen, daß die sächsische Regierung in allen ihr zugänglichen Blättern die Ergüsse der Herren E h r e n st e i n und Nostiz-Wallwitz nach dem stenograpischen Berichte hat ver- öffentlichen lassen. Als ob die zwei Herren sich im Landtag nicht genügend blamirt hätten und es noch nöthig gewesen wäre, ihre Blamage dem ganzen Lande kundzuthun und an die große Glocke zu hängen! U n s kann es recht sein. — Das verkommene Sachsen. Während des deutsch-fran- zösischen Krieges, und einige Jahre lang nach demselben, war das„verkommene" Frankreich die stehende Rubrik unserer patriotischen Zeitungen. Bei Lichte betrachtet, hatte der Haß, der sich in diesem Geschimpfe Luft machte, seinen Grund in dem Bewußtsein, daß dieses„verkommene Frankreich" aus mancherlei Kulturgebieten, namentlich aber in seiner politischen Entwickelung, unserem Bismarckischen Reich weit überlegen war und ist. Einem ähnlichen Gefühle entspringt das systematische Ge- schimpfe eines Theils der preußischen Presse auf das politisch„verkom- mene Sachsen", womit freilich nicht die Regierung, sondern das sächsische Volk gemeint wird, welches unzweifelhaft in seiner Ge- sammtheit eine höhere Kulturstufe einnimmt, als Preußen in seiner Ge- sammtheit. Sachsen als Ganzes kann nur mit den fortgeschrittensten Provinzen Preußens verglichen werden. Merkwürdigerweise ist es namentlich die liberale und fortschrittliche, ja sogar demokratische Presse(a la„Frankfurter Zeitung"), welche an dem„verkommenen Sachsen" ihr Müthchen zu kühlen sucht. Da ging z. B. neulich eine längere Korrespondenz durch die Blätter, in welcher über die Verkommenheit des sächsischen Volkes geklagt wurde, welches sich die Uebergriffe der Konservativen und Reaktionäre gefallen lasse, und nicht daran denke, der— fortschrittlichen Volkspartei beizutreten. Die Verkommenheit des sächsischen Volkes besteht also darin, daß es von dem traurigen Wechselbalg der sogenannten Fortschrittspartei und dem lächerlichen Schwindel der sogenannten Volkspartei, wie sie in Leipzig „gegründet" worden ist, nichts wissen will. Daher die Thränen. Mit dieser Zurückhaltung hat das sächsische Volk in Wirklichkeit nur seine politische Reife bewiesen. Wie kann es Verlheidigung gegen die Uebergriffe der Konservativen und Reaktionäre oder sagen wir es kurz: der Regierung— von Parteien oder von einer Partei erwarten, deren Vertreter im sächsischen Landtag all' diesen Uebergriffen gegenüber sich entweder passiv verhalten oder ihnen positiv zujubeln, in jedem Falle sie sanktio- n i r e n? Da müßte das sächsische Volk ja verrückt sein! Und wirklich„ver- kommen"! Und noch Eins. Diese demokrätzelnden Schwätzer und Verläumder des sächsischen Volkes thun so, als ob sie gar nicht wüßten, daß es Sozialdemokraten in Sachsen gibt. Das sächsische Volk soll sich dem Druck von Oben widerstandslos fügen, behaupten die fortschritt- lichen und volksparteilichen Herren— aber fügen sich etwa die sächsischen Sozialdemokraten diesem Druck? Müssen nicht selbst die libe- ralen und fortschrittlichen Blätter so ziemlich in jeder Nummer Episoden aus dem, freilich zum großen Theil— infolge des Sozialistengesetzes— unterirdisch geführten Kampfe zwischen der sächsischen Sozialdemo kratie und den Organen der sächsischen Regierung, bezw. Ordnungs- Parteien veröffentlichen? Und sind die sächsischen Sozialdemokraten etwa nur in vereinzelten Exemplaren über das Land zerstreut? Sind sie nicht im Gegentheil stärker als jede andere Partei in Sachsen, ja weitaus die stärkste aller Parteien? Relativ viel stärker als die Fortschrittspartei mitsammt dem Anhängsel der Volks- partei in irgend einem anderem deutschen Lande i st? Trotzdem wird sie bei den fortschrittlichen und volksparteilichen Klagen über das„verkommene sächsische Volt" vollständig ignorirt. Diese räthsel- hafte Blöd- und Kurzsichtigkeit hängt offenbar zusammen mit der be- kannten reaktionären Auffassung, die im sächsischen Landtag kürzlich zu naivem Ausdruck gelangt ist— der Auffassung, daß die Sozialdemokratie „keine Partei wie eine andere ist" und deshalb nicht als existenzberech- tigte Partei betrachtet und behandelt werden kann. Nun, gegen eine solche Auffassung läßt sich nicht mit Vernunftgründen argumentiren— sie ist nur durch handgreifliche Argumente auszutreiben. Den fort- schrittlich- volksparteilichen Verläumdern des sächsischen Volkes wollen wir hier blos erzählen, wie der weitaus bedeutendste Kops, der jemals an der Gründung einer demokratischen Partei in Sachsen gearbeitet, nach kurzlebiger Illusion über die Hoffnungslosigkeit dieses Beginnens sich aussprach. „In Sachse n," meinte er,„kommt die demokratische Partei um fünfzehn Jahre zu spät. Seit 15 Jahren— die Aeußerung stammt aus dem Jahre 1879— gehört das demokratische Sachsen der Sozialdemokratie. Für eine bürgerliche Demokratie ist bei der hohen ökonomischen Entwicklung unseres Landes kein Boden." Das ist richtig. In Sachsen— das haben wir schon wiederholt ge- sagt— gibt es nur zwei Parteien: die Sozialdemokratie und die„eine reaktionäre Masse— die paar mehr oder weniger wohlmeinenden Kon- fusionsräthe, welche dazwischen irrlichteriren, können nur als Kuriositäten gelten! — Zuchthäusler wirthschaft i m Zuchthause. Eine nette Wirthschaft ä la Rußland, schreibt man uns aus Halle a. S., muß in dem hiesigen Z u ch t h a u s e herrschen. Da stehlen die Beamten nach Herzenslust, und werden dabei von den höheren Anstaltsbeamten noch unterstützt, resp. begünstigt, natürlich um den Gewinn mit theilen zu können. So wunderten sich seinerzeit viele Hallenser darüber, daß die hiesige Neusilber- und Nlessingwaarenfabrik Andreas Hasen- gier, Magdeburgerstraße 30, aus dem Zuchthause verwiesen wurde. Da nun die hiesige Polizei sich geweigert hat, Licht über diese Schand- wirthschaft zu schaffen, so werden wir dieser Pflicht nachkommen. Etwa vor Jahresfrist wurde der Gefangene Karl Wünsche, der von 20 Jahren Zuchthaus, zu denen er wegen Desertion vom Militär ver- urtheilt worden war, 12 Jahre abgesessen hat, beauftragt, mehrere Satz Messinggewichte zu verfertigen. Diese Gewichte wurden nun von dem Strafanstaltsaufseher Karl Böhm, jetzigen Musikus in Halle, Kirch- thor 16, nach und nach hinausgeschafft, d. h. gestohlen, wovon der Zuchthausbuchhalter Braun oder Braune, gegenwärtig noch in der- selben Stelle, gewußt hat und was er auch begünstigt hat, natürlich um den Gewinn mit Böhme zu theilen. Der Empfänger dieser, an der unteren Seite mit A. H. gezeichneten Gewichte, war der Kaufmann W. H. Strich, Feldstraße 1. Der Vater des genannten Strich war pensionirter Strafanstaltsaufseher, ist inzwischen aber gestorben. Da Strich nicht alle Gewichte hat brauchen können, so muß er mit dem größten Theil derselben Geschäfte gemacht haben. Der Inhaber der Firma A. Hasengier, Kausinann Friedrich Fleknming, der damals auch Gefangene im Zuchthaus beschäftigte, wußte ebenfalls von dem Dieb- stahl; aber erst nachdem mehrere größere Diebstähle, namentlich sehr werthvoller Leuchter-c., sowie die Anfertigung von Nachschlüsseln zur Begünstigung von Deserttonen der Gefangenen ermittelt worden, wurde diese Firma aus dem Zuchthause verwiesen. Die oben erwähnten Gewichte waren auf dem Eichamte angehalten worden, auch die Polizei wußte davon, da aber durch die Veröffentlichung dieser Schandwirthschaft eine Menge„ehrbarer"(ehrloser) Bürger hätte bestraft werden müssen, so hat man sie hübsch unterlassen, und ist es also unsere Pflicht, in diese Schandwirthschaft Licht zu schaffen. I. H. von I l l o h. — Auf Requisition der Frankfurter Polizei sind in Hamburg der Schriftsetzer August Reinsdorf und in Mann- h ei m der Vergolder Mildenberger verhaftet worden, angeblich weil sie verdächtig sind, bei der bekannten Dynamitasfäre im Frankfurter Polizeigebäude betheiligt zu sein. Wir müssen gestehen, daß diese Ver- Haftung so bekannter Anarchisten wie die Genannten aus uns den Ein- druck macht, als würde da auf's Geradewohl zugegriffen, um überhaupt den Glauben zu erwecken, man suche die Schuldigen außerhalb der Polizeikreise. — Wir haben d-er Polizei von Frankfurt an der Oder Unrecht gethan. Sie hat die in voriger Nummer von uns zitirten Schriften nur deshalb von der Liste gestrichen, erklärt der Re- gierungspräsidcnt von der Heyden, weil sie von dem betreffendem Kolporteur nicht zur Prüfung vorgelegt worden waren. Es ist also Aus- ficht vorhanden, daß man in Preußen mit obrigkeitlicher Bewilligung nationalliberale Schriften kolportiren darf. Das ist ja der Gipfel der Preßfreiheit! — Auch ein Zeichen derZeit! Der von der Arbeitern ausgelachte Stöcker ist am 18. Januar auf dem von 2000 Personen besuchten Kommers der deutschen Studenten von dieser„Blüthe der Nation" und ihren Gästen>— einige Schock höherer Militärs und Professoren- frenetisch bejubelt worden. Die haben eben mehr Verständniß für die— unbefleckte Em- p s ä n g n i ß! — Oesterreich. Mehrere der bei dem Exzeß in der Favoritenkirche in Wien verhafteten Arbeiter sind bereits abgeurtheilt und zu außer- ordentlich hohen Strafen verurtheilt worden: 3—4'/, Jahre schweren Kerker. Die Angeklagten läugneten anfangs und gaben alsdann an, sie seien, als sie die That begangen, betrunken(!) gewesen. Für diese Art der Vertheidigung mangelt uns jedes Verständniß. — Frankreich. Unsere Genossen in Paris haben aus Anlaß der jüngst aufgetauchten Differenzen wiederholt Verhandlungen mit dem Nationalkomite der sozialistischen Arbeiterverbandes von Frankreich ge- pflogen, und senden uns nunmehr folgende Schriftstücke zur Veröffent- lichung: Erklärung der zwei(zu unseren Genoffen abgesandten) D e l e- girten des Nationalkomite: „Die Delegirten des Nationalkomite verpflichten sich, die im„Prole- taire" begonnene Polemik sistiren zu lassen, unter der Bedingung, daß der„Sozialdemokrat" die gleiche Verpflichtung auf sich nimmt. Der Verband der sozialistischen Arbeiter Frankreichs wünscht mit der deutschen Sozialdemokratie auf folgender Grundlage in freundschaftliche Beziehungen zu treten: I) Dauernde Verständigung über all« internationalen Fragen von allgemeinem Interesse. 2) Gegenseitige Respektirung der Autonomie jeder Partei, was ihre Organisation und Verwaltung anbetrifft." Als Antwort darauf haben unsere Genossen in Paris folgende Erklärung abgegeben: „Wir Sozialdemokraten deutscher Zunge in Paris nehmen Akt von bev Erklärung mit dem Bemerken, daß der„S o z i a l d e m o k r a t", offizielles Organ der deutschen Arbeiterpartei, von der Partei des fran- zösischen Proletariats nienials anders als in freundschaftlicher Weise gesprochen und geschrieben hat, daß aber da, wo die internationalen Beziehungen- des Sozialismus es erforderten, wo es galt, an den Be- rathungen internationaler Kongresse theilzunehmen, unser Organ wie die gesammte Partei, sich das Recht der Kritik gewahrt hat und auch ferner wahren wird. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, unsern französischen Brüdern zu sagen, daß es der in Deutschland herrschenden Reaktion nicht gelungen ist, unsere Reihen zu sprengen. Obgleich wir nun schon seit 1878 außer- halb des Gesetzes gestellt sind, aller politischen Rechte beraubt, und in den politisch vorgeschrittenen Distrikten Deutschlands der sogenannte kleine Belagerungszustand herrscht, hat die Partei, festhaltend an ihrem revolutionärem Charakter, nicht aufgehört, gegenüber der herrschenden Staatsgewalt mitsammt den bürgerlichen Parteien, den Kampf mit aller Energie zu führen. Die im Laufe dieses Jahres stattfindenden Wahlen zum Reichstag werden unsern Gegnern zeigen, daß wir gewillt sind, die Prinzipien des Sozialismus zun, endgültigen Sieg zu führen. Wir wünschen, daß unsere französischen Brüder sich baldigst in einer starken und mächtigen Organisation zusammenfinden mögen, um mit uns gemeinsam an Stelle der korrupten Gesellschaft von heute, die von uns allen erstiebte sozialistische Gesellschaftsordnung zu setzen. Die Soziali st en deutscher Zunge in Pari s." Wir können dieser Antwort nur zustimmen. Niemals ist es uns eingefallen, uns in die inneren Verhältnisse der französischen Partei einmischen zu wollen, eine solche Auffassung unserer Stellung konnte eben nur infolge einer falschen Auslegung unserer Erklärungen Platz greifen. Aber Kritik zu üben an den wichtigen Vorgängen im Auslande, das ist nicht unser Recht, das ist unsere Pflicht. Wem unsere Kritik falsch erscheint, der mag uns widerlegen, er wird in uns stets einen loyalen Gegner finden. Weil wir internationale Sozialisten sind, kann es uns nicht gleichgültig sein, welche Bahnen die Sozialisten in anderen Ländern einschlagen, und wenn wir auch nicht beschränkt genug sind, uns für unfehlbar zu halten, so sind wir doch nicht gesinnungslos genug, das, was für recht und gut erkannt, nicht überall und unter ällen Umständen energisch zu vertreten. — Ueber die Lage d e r fr e m d e n A r b e i t e r i n P a r i s wird uns von dort geschrieben: Paris, 18. Januar. In dem Artikel über die Unterredung des Redakteurs der„New- Porter Volks- Zeitung" mit den Delegaten der Pariser Arbeiter heißt es u. A.: „Das Verhältniß zwischen deutschen und französischen Arbeitern in Paris sei ein weit weniger gespanntes, als man im Allgemeinen annehme, und wofern die fremden Arbeiter sich nur den sranzösi- schen Lohnverhältnissen anbequemen, werden sie stets unbehelligt gelassen, ja man stelle sich dann mit ihnen auf durchaus guten Fuß" Wenn die französischen Genossen in dieser Weise fich geäußert haben, betrachten sie eben das Verhältniß der fremden zu den französischen Arbeitern von ihrem Gesichtspunkte aus. Sie als gute Sozialisten, als welche wir sie kennen, mögen wohl keinen Unterschied in der Nationalität machen, leider aber ist die große Aiehrheit der französischen Arbeiter noch nicht sozialistisch gesinnt, und deshalb kann auch so mancher der fremden Arbeiter ein Lied davon singen, wie er von seinen französischen Kameraden behandelt wird. Solange der französische Arbeiter selber zu zu thun hat, läßt er den fremden unbehelligt, tritt aber Geschüftsstockung ein— wie in dieser Zeit der wirthschaftlichen Krisis— und muß er spazierengehen, wo er sieht, daß Fremde Arbeit haben, dann beginnt das Nationalgefühl sich zu regen, dann wird der Grundsatz ausgestellt:„Die Fremden dürfen nur dann beschäftigt werden, wenn es an einheimischen Arbeitern mangelt." Betrachten wir einmal die Konkurrenz der fremden Arbeiter etwas näher. Einer der Hauptvorwürfe gegen sie ist, daß sie unter dem Preise arbeiten, und zu diesen Arbeitern werden besonders auch die Deutschen gerechnet. Da unsere deutschen Genossen hier wissen, daß dieser Vorwurf bedeu- tend übertrieben wird, versuchten Einige, dahin zu wirken, daß seitens der Arbeiterpartei eine allgemeine Statistik der Lohnverhältnisse, unter besonderer Berücksichtigung der fremden Arbeiter, aufgenommen werde. Dies ist bis jetzt unterblieben, jedoch nahmen wir, soviel wir konnten, hier in Paris eine oberflächliche Statistik auf, und das Resultat war durchaus nicht zu Ungunsten der sremden Arbeiter. Man fand, daß im Verhältniß in den verschiedenen Professionen nicht mehr Fremde unter dem Preise arbeiten wie Franzosen, daß manche der Fremden wohl zu Anfang in Werkstätten Arbeit nehmen müssen, wo nicht besonders gut bezahlt wird, diese jedoch bald verlassen; daß die Deutschen in Geschäften wie Schneiderei und Tischlerei sogar zu den bestbezahlten Arbeitern zählen. Wir können von den deutschen Arbeitern getrost behaupten, daß die- jenigen, welche auf ihre erlernte Profession hier arbeiten, im Allgemeinen den Franzosen keine Schmutzkonkurrenz machen. Anders mag das Ver- hältniß mit denjenigen sein, welche, ohne alle Existenzmittel, um nicht verhungern zu wollen, jede ihnen dargebotene Arbeit annehmen müssen. Wen trifft aber da die Hauptschuld? Sicher doch den Ausbeuter, welcher sich die unglückliche Lage dieser Fremden zu Nutzen macht; und dieser Ausbeuter ist doch in der Regel ein Franzose.?. Td.* — Die Pariser Sozialisten und Revolutionäre aller Richtungen — einige anarchistische„Gruppen" ausgenommen— sammeln seit einiger Zeit Beiträge zur Errichtung eines Denksteins auf dem Pöre-Lachaise zu Ehren der Gefallenen der Kommune. Angeregt wurde diese Idee durch die vor mehreren Monaten erfolgte Uebersllhrung der Leiche des wackeren Delescluze vom Montmartre nach dem Pvre-Lachaise. An- fangs ward sogar nur für ein Denkmal zu Ehren von Delescluze gesammelt, aber in einer Versaminlung von ehemaligen Kommunekämpfern entschied man sich dahin, daß es dem Geiste des unbeugsamen Nevolu- tionärs widersprechen würde, ihm ein Seperatdenkmal gegenüber seinen Mitkämpfern zu errichten, Am letzten Sonntag hat nun eine im Salle G r a f s a r d abgehaltene, von 3000 Personen besuchte Versammlung sich gleichfalls in diesem Sinne ausgesprochen und das bisherige Komite um fünf weitere Niitglieder, den verschiedenen Richtungen angehörig, A l l e m a n e, Chauvidre, I. B. Clement, G. D e v i l l e und I. G u e s d e, verstärkt. Bis jetzt sind gegen 5000 Fr. gesammelt. Daß wir der Sache unser» vollen Beifall zollen, ist selbstverständlich. Wenn je, so ist in diesem Falle die Aufstellung eines Denksteins ge- rechtfertigt. — England. Der steigende Erfolg der sozialistischen Agitation in England fängt an, der Bourgeoisie Angst zu machen. Die herab- lassende Ironie, mit der ihre Presse noch vor Kurzem die sozialistischen Redner behandelte, hat nach und nach einer anderen Tonart Platz machen müssen: jetzt ist Schimpfen und Verdrehen die Parole. Nur weiter so, je mehr die Bourgeoispresse in Harnisch geräth, desto sicherer können wir den Schluß ziehen, daß unsere Gesinnungsgenossen in Eng- land ihre Pflicht thun. Am 9. Januar fand wiederum in St. James Hall eine Massen- Versammlung der Liga für Landnationalisirung statt. Trotz ziemlich hohen Entrees war der Riesensaal schon vor Beginn der Versammlung überfüllt. Henry George reserirte, ließ aber die Mehrzahl seiner Hörer ziemlich kalt, da er, zweifelsohne unter dem Einfluß des Vor- sitzenden, des bürgerlich-radikalen Abgeordneten Labouchere, von politischen Anspielungen abgesehen, ziemlich viel Wasser in seinen Wein goß. Stürmischen Beifall erntete dagegen Michael D a v i t t, der auf allgemeines Verlangen nach Henry George das Wort- ergriff und die englischen Arbeiter zur Organisation und Agitation für den Kampf gegen das Landlordsystem ermahnte. Sein Hinweis auf die gemeinsamen Be- strebungen der englischen und irischen Unterdrückten rief endlosen Beifall hervor. — Sozialistische Presse und Literatur,„ckuetics, the Organ of tho social Demooracy(Gerechtigkeit. Organ der Sozialdemokratie) betitelt sich ein neues Wochenblatt, welches uns aus London zugeht und in welchem wir einen neuen energischen Mitstreiter für unsere große Sache freudigst begrüßen, Es ist kein Kon- kurrent, es ist ein Kampfgenosse von To Day; die Hauptmitarbeiter des einen Blattes sind auch beim anderen. Der erste Leitartikel,„Die Prinzipien der Gerechtigkeit" ist von H. M. Hyndmann, W. Morris und I. Taylor, unterzeichnet. Der zweite Leitartikel,„Henry George und die Landsrage" von H. H. Champion, kritisirt vom sozialistischen Standpunkt aus die Einseitigkeit des Georgischen Standpunktes in schneidigster Weise. Aus dem ersten Artikel, der gewissermaßen das Programm des Blattes enthält, lassen wir hiermit den Schlußsatz fclgen: „Wie in der Heimath die Arbeiter und die, welche ihnen zur Seite stehen, sich miteinander verbünden müssen, zum großen Klassenkampf, so müssen wir im Ausland denen unsere Hände reichen, welche von unseren Ausbeutertlassen beraubt und unterdrückt werden. In Irland, in Indien und Egypten setzen das Landlordsystem und der Kapitalismus den englischen Namen in stinkenden Geruch. Es ist Zökt, zu zeigen, daß wir bereit sind, Andern Gerechtigkeit zu gewähren, wie wir selbst sie fordern und entschlossen sind, sie uns zu erringen. Auf dem Festlande Europas, in Amerika und in der ganzen zivilisirten Welt können wir die Hilfe und Mitwirkung Derer anrufen, die jetzt durch ihre unbezahlte Arbeit Reichthum und Luxus für Andere schaffen. Solche Verbindung der Arbeiter zu Stande zu bringen, ist der Wunsch der sozialistischen Partei in allen Ländern, aus daß Niemand sich der Arbeit entziehen kann und Alle, der Kapilalherrschaft ledig, auf gerechter Basis produ- ziren und austauschen können. Um dieses Programm zu verbreiten und unserer Propaganda Kraft zu geben, müssen wir jeden Anschluß an irgend eine politische Partei, jeden Kompromiß verwerfen. Diejenigen, die zur Erkenntniß gelangen, daß die Lage des Proletariats eine so jammervolle ist, daß eine Aenderung unvermeidlich und die Revolution im Anzug ist, müssen früher oder später in unsere Reihen eintreten, diejenigen, die es nicht einsehen, müssen, ob sie zu den unterdrückenden oder zu den unterdrückten Klassen gehören*), zu den Feinden der Ge- rechtigkeit gerechnet werden." *) Geht zweifelhaft auf die Herren Broadhurst und Konsorten, die aus Leibeskräften gegen den Sozialismus intriguiren. Korrespondenzen. — Marburg, 6 Januar. Am ß. Januar d. I. hatten die hiesigen Genossen Gelegenheit, einem Vortrag des Nationalökonomen und echt bismärckisch, christlich-sozialen Agitators und Komikers Ad. Wagner, zur Zeit Professor an der Berliner Hochschule, beizuwohnen. Ich ver- zichte auf eine genaue Wiedergabe des Vortrags, welcher so ziemlich der- selbe war, wie der, welchen Ad. Wagner einen Tag zuvor in Frankfurt am Main gehalten und der in Nr. 3 der Sonnemann'schen„Frkf. Ztg," zu lesen ist. Der Vortrag litt an vielen Widersprüchen, welche selbst den weniger Gebildeten auffallen mußten, und ging ins Komische über, als Herr Wagner, nachdem er dem deutschen Arbeiterstand großes Verständniß, Nachdenken und Grübeln über seine Klaffenlage nachgerühmt, dann die Konsequenzen des Vorhandenseins eines sich seiner Klassenlage bewußten Proletariats gezogen, und die Organisation der Arbeiter beleuchtet hatte u. s. w., zu dem Attentate auf den Kaiser überging und wörtlich er- klärte: „Nachdem die Attentate auf die„geheiligte" Person des Kaisers statt- gefunden(von wem und wo die Heiligsprechung stattgefunden, davon schwieg der große Agitator; jedenfalls ist anzunehmen, daß die Kanoni- sirung durch den„Unfehlbaren" bei der jüngst stattgefundenen Romreise des„Fritzen" vor sich gegangen), hätte das Sozialistengesetz geschaffen werden müssen, wenn man auch die Attentate den Sozial- de m ok raten, wie man so zusagen pflegt, nichtan die Rockschöße hängen könne, so seien doch die wüsten A g i t a- tionen derselben dieVeranlassung gewese n." Der liebe Herr Wagner wünscht, weil das Gesetz in mehreren Punkten zu hart sei, daß einige Modifikattonen vorgenommen würden, aber in seinen Hauptbestandtheilen, nieinte er,„m üsse es fortbestehe n"; ging dann der Vortragende zu den positiven(?) Kurpfuschereien des Blut- und Eisenmannes über, schimpfte auf die Liberalen und die Fort- schrittspartei und gelangte dann, nachdem er einen vonOst und West herannahenden Krieg in Aussicht gestellt, zu dem pathetischen, ganz wörtlich und treu hier wiedergegebenen Aus- rufe:„Ich glaube fe st, daß die Sozialdemokraten für das Vaterland ebenso freudig in das Feld ziehen werden wie alle übrigen Parteien.(Allgemeine Heiter- keit! D. Red.) Nun, wenn das keine Komik ist, dann ist es Blödsinn. Erst lobt man die denkenden Arbeiter, dann gibt man uns die Knute zu kosten und verlangt schließlich, daß wir für das Vaterland, d. h. Thron und Geldsack, uns sollen abschlachten lassen. Nein, Herr Wagner, wir hätten Ihnen doch etwas mehr Mutterwitz zugetraut, als daß wir nicht merken sollten, wie hier die„Flöte des Rattenfängers von H a m e l n" nach allen Regeln der Kunst geblasen wurde; aber leider sind wir keine Kinder, welche den verlockenden Schalmeien folgen. Oder glauben Sie etwa, wir seien so dumm, nicht einzusehen, daß Sie bei Ihrer Agitationsreise für das„unbefleckte" Hohenzollernthum(???), wie Sie es ja allergnädigst zu bettteln geruhten, drauf ausgehen, mitzu- helfen, die deutsche Sozialdemokratie zu entzweien, d. h. Versuche hierzu wagten oder wagen? Dann müßten wir ehrlose, erbärmliche Wichte sein, wenn wir uns zu einem solchen schmählichen Attentat gegen die Partei der Unterdrückten und Enterbten verleiten ließen. Nein! Treu und unerschütterlich stehen wir um deren Banner, das Banner der Sozialdemokratie geschaart, und überlassen derarttge Zumuthungen Anderen, welche heute liberal, morgen unsterblich konservativ, heute Freihändler und morgen Schutzzöllner sind, je nachdem es von oben gewünscht wird und die Interessen der Brotherren es erheischen. Sehr vorsichtig übrigens, Herr Wagner, daß keine Diskussion statt- fand, sonst würden wir Ihnen, Herr Sozialpfuscher— pardon! Sozial- ö k o n o m Ad. Wagner, auf eine solche charakterlose Zumuthung die ge- bührende Antwort nicht vorenthalten haben. Arbeiter, paßt auf! Die Wahlen rücken heran, es werden noch mehr von Natur schwarz-weiße, aber zum Behuf des Gimpelfangs etwas röthlich gefärbte Gimpel- und Bauernfänger sich unter Euch zu schleichen versuchen; laßtsie überallabblitzen. Amicus. — Biel, 15. Januar. Nach langen Kämpfen ist es endlich im deutschen Verein Biel durchgesetzt worden, daß die sozialdemokratische Mitgliedschaft durch Vereinsbeschluß als obligatorisch erklärt wurde. (Bravo! Die Red.) Wir theilen dies hierdurch[den werthen Genossen von nah und fern mit Freuden mit und wünschen, daß andere deutsche Vereine diesem Beispiel bald nachfolgen möchten. Ueberhaupt steht es gegenwärtig in unserem Verein sehr gut, nachdem er nach und nach von den D y n a m i t- R e n o m m i st e n gereinigt wurde. Dies den werthen Genossen zur Orientirung. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag! DieVertrauens männer. A a ch r u f. Am 1. Januar riß der Tod einen unserer edelsten Genossen, Emil Loose, im hoffnungsvollen Alter von 27 Jahren aus unserer Mitte. Wir ver- lieren in ihm einen der besten und intelligentesten Mitstreiter. Treu und fest stand er zur Fahne des Sozialismus, sein freundliches Entgegen- kommen machte ihn bei Allen, mit denen er im öffentlichen Leben zu- sammentraf, beliebt. Offen und frei trat er für unsere Prinzipien überall ein, wo es am Platze war, und darum sorgten auch die Genossen dafür, daß ihm ein ehrenvolles Begräbniß zu Theil wurde. Am Freitag, den 4. Januar, Nachmittags 3 Uhr, fand die Beerdigung statt; obwohl es für die Arbeiter ein sehr ungeeigneter Tag war, fanden sich trotzdem etwa 200 Parteigenossen ein, in der Mehrzahl mit rothen Schleifen versehen, Der Zug setzte sich um 3 Uhr unter Vorantritt eines Musikkorps vom Leichenhaus in Bewegung; vor dem Sarg schritten Parteigenossen, Lorbeerkränze mit prächtigen, großen, rothen Schleifen tragend, sowie Vertreter von Korporationen, welche ebenfalls Lorbeer- kränze mit weißseidenen Schleifen trugen; der Sarg, mit Blumen und Kränzen vollständig bedeckt, ward von den Mitgliedern des Sparvereins „Brüderlichkeit" getragen; ihni folgten die Parteigenossen und, nicht zu vergessen, voran in voller aufgepntzter Dienstuniform, gleich einem aufgeblasenen Frosch, der Hagener Krawallheld, Polizeikommissar G o t t s ch a l k; den Schluß bildete ein Polizeiwachtmeister. Der Zug bewegte sich unter den Klängen der Musik, welche Trauermärsche spielte, dem lutherischen Friedhofe zu. Als der Sarg in die Gruft gesenkt war, trat ein Mitglied des Spar- Vereins„Brüderlichkeit" an das Grab und legte im Namen dieses Ver- eins, dessen Präsident der Verstorbene gewesen war, einen Lorbeerkranz aus dasselbe nieder. Als der Betreffende dem Verstorbenen einige Worte widmete und den Satz aussprach:„Frei hat er gelebt und frei ist er gestorben!" ertönte plötzlich die Stimme des Polizeikommissars Gott- schalt:„Das erlaube ich nicht, hier werden keine Reden gehalten!" Es wurde aber gar nicht auf den Kommissar gehört; als er dem Einen das Sprechen verbot, ergriffen die Beauftragten der hiesigen und der Barmer Genossen das Wort und legten im Namen der Clberfelder und Bar m er Sozialdeniokraten Kränze mit rothseidenen Schleifen und entsprechenden Inschriften nieder. Desgleichen thaten noch einige politische Freunde des Verstorbenen, so daß der Sarg in der Gruft über und über mit rothen Schleifen bedeckt war. Fast Jeder widmete dem Dahingeschiedenen einige Worte wärmster Anerkennung. Der Kommissar mußte ruhig mit ansehen, in welcher Weise die Sozialdemokratie ihre Tobten ehrt! Hierauf trug ein Gesangverein einige Lieder vor, das Musikkorps■ spielte einige Trauerweisen, und sodann entfernten sich die Theilnehmer: langsam vom Friedhofe, um wiederum in geordnetem Zuge zurück nach der Stadt zu ziehen; aber noch lange blieb der Friedhof von der zahl-> reich angesammelten Menschenmenge besetzt, ja man konnte aus manchem) Munde hören, daß Elberfeld so ein Begräbniß lange nicht gesehen hat. Denn was noch etwa bei dem Begräbniß gefehlt hätte, das brachte schließlich die Polizei ferttg: vor Allen unser bewährter Agitator, Polizei- z kommiffär G o t t s ch a l k. Man hatte zur Aufrechterhaltung der Ordnung reichlich gesorgt; ein ganzes Dutzend Polizeibeamte waren in der Friedhofkapelle postirt. Als der Zug sich in Bewegung setzte, kam Gottschalk gesprengt und verbot das Tragen der rothen Schleife, welchem Befehl aber nur zum geringsten! Theil Folge geleistet wurde. Wie ein gehetzter Pudel lief der Kerl nun den Zug auf und ab, um nur die verfluchten rothen Schleifen zu ent- fernen, was natürlich bei der angesammelten Menschenmenge Spott und; Entrüstung hervorrief und dadurch nur für uns agitirte. Eigentlich ver- diente Gottschalk, daß wir ihn zum Ehrenmitglied unserer Partei ernen- nen; indeß wollen wir aus Gründen des guten Geschmacks lieber darauf verzichten, um bei passender Gelegenheit ihm unseren Dank in anderer Weise abzustatten. Im Austtage der Genossen: V. Elberfeld, 8. Januar 1884. Am 20. Dezember 1883 ist unser Freund und Genoffe Barth. Christ. August Beck im Kampfe für die Befreiung des arbeitenden Volkes vom Joche der Lohnsklaverei erlegen. Beck stand seit 1863 zur Fahne und bewies sich als uneigennützigen Kämpfer bis an's Grab. Ehre sei dem Braven! Die Genossen von Hohenfelde und Burgfelde. »« im! dai kn P sa Quittung Für das Parteiarchiv gingen ein: Von Herrn K., Altstetten: Ein Band„Volksstaaterzähler." Von einen Schweizer Professor: 3 Freidenkeralmanache(1879,! 1880 und 1881). Von Herrn I. R., hier: 1 Marx, Krittk der politischen Oekonomie. 1„Der Wächter in Masuren", Demokratisches Wochenblatt, 1 bis 13. 1850. 1„Akten den konstitutionellen Klubs in Johannesburg." Aus Stuttgart: Sämmtliche Belege der„Süddeutschen Volkszeitung" und des„Vaterland". Um weitere Zusendungen ersucht Die Archivverwaltung, j l sche W. ihu wit zu Brieffasten der Redaktion: Hannover, Köln, Niederlausitz t In nächster Nummer.— M. Tr. in Bern: Ihre frdlche. Offerte be- dauern wir ablehnen zu müssen. Wir sind bereits seit Langem mit Ueber-! setzungen aus dem betr. Werke versehen und haben nur, um eine deutsche Ausgabe nicht zu gefährden, die Veröffentlichung bisher unterlassen.� Jedenfalls sagen wir Ihnen besten Dank. Karte nach Barcelona isij fruchtlos geblieben. uns hat Rel ans sch der Expedition: A. N. Paris: Fr. 2,50 Ab. I. Qu. erh.-si Commun. Arb.-B.-Ver., Totthstr. 49, London: Fr. 201,60 Erlös v. d. WeihnachtSverloosung des Ber. pr. Ufd. dkd. erh.— Rothbart Hg.: Mk. 870,55 pr. Ausgl. bis 1. Okt. 83 erh. Desgl. Mk. 29,45 pr. Mt. Okt. ä Cto. gutgebr. Im Weiteren einverstanden.— P. Mg. Stau: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.— E. E. Kchn.: Mk. 12,— Ab. per l Jahr (84) erh.— F. F. W.: öwfl. 3,— Ab. 4. Qu. 83 und 1. Qu. 84 erh. Haben Sie noch pro 2. Qu. 27 kr. gut.— Grb. Zch.: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. erh.— Id. a Ds. Z.: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. 84 erh.— v. W. M.: öwfl. 2,— pr. Ab. 1. und ä Cto. 2. Qu. lt. Spezialnota erh. P.-Genossen Königsberg i/Pr.: Mk. 50,— pr. Ufd. dkd. gutgebr.— Fi G. Ghn.: Mk. 8,— ä Cto. Ab. 3. u. 4. Qu. 83 und 1. Qu. 84 erh.— Ahas- verus: Mk. 20,30 Ab. 3. Qu. 83 Hauschld. u. Cie., Mk. 3,— Ab. 2. Qu. Sch. und Mk. 3,— Ab. 1. Qu. Z., jetzt Rp. erh.— Epilog: Mk. 145,—(?) ä Cto. Ab. ic. erh. Näheres bfl. erw.— G. G. Z.: Fr. 150,— pr. Ufd. dkd. ack notam genommen.— Pickelhaube: Fr. 151,90 (30 Doll.) ä Cto. Ab.-c. erh. Bstllg. folgt nach Wunsch. Jonscher rührt sich nicht.— S. A. P. Brooklyn: Fr. 34,30(Doll. 6,75) Sdg. v. 30/8. 83 durch I. Mllr. erh. u.& Cto. Hllm. gutgebracht.— Dreyfuß i/L.t Mk. 56,80 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. folgt.- P. B. Amstrdm.i Fr. 39,18 Ab. 4. Qu. 83 und div. Schrft. erh. Bstllg. folgt.— Ferd.: Ausstllg. v. 22. ds. erh. Zhlgn. Rbchn. u. Ch. unklar. Nähere Angaben nöthig.— Georg: Mk. 145,—; 230,—; 120,—; 140,— ä Cto. Ab. u. Schft. gutgebracht.— Mllch. B- B: Fr. 15,70 ä Cto. Ab. ic. erh.— — H. Sch. Bhsn.: Mk. 3,— Ab. I. Qu. erh. Verbdg. wird vermittelt. — Ungenannt in Buenos-Aires: Fr. 100,— d. Agfd. dkd. zugew.— P.-Gen. Buenos-Aires: Fr. 62,— pr. Ufd. dkd. verw.— A. L. B.-Aires: Fr. 58.- ä Cto. Ab. u. Schft. gutgebr. Bstllg. folgt.- A. R. Basel! Fr. 15,— ä Ctr Ab. erh. Solange Abrechnung fehlt, bleibt Lfrg. ge- sperrt.— Hansen: Mk.— ,40 v. N. erh.— Bingermann: Sdg. ging ja bereits unter Adr. F.— Frisch auf Lgtz.: Mk. 9,— Ab. 1. Qu. erh. Adr. notirt. Alles nach Wunsch besorgt.— Parts: Fr. 12,— durch Gen.! K.... l f. d. Ufd. gesammelt, dkd. erh.— P.-Gen. Paris: Fr. 100,—! Parteibeitr. pr. 4. Qu. d. Agfd. dkd. zugew.— Rother Becker: Mk. 11,—! Rest. 4. Qu. 83 und ä Cto. Ab. 1. Qu. 84 erh. Saldo stimmt. Schft, Adr. ic. besorgt.— G. S. Awlr.: Mk. 3,— Ab. I. Qu. erh.— Fritz E. a. R.: Mk. 40,70 in Cto. Ab. ic., ebenso Früheres gutgebr. Weiteres! erwartet.— S. F. Z.: Fr. 1,30„für eine Tasse Kaffee" pr. Ufd. dkd.! überwiesen.— v. L. Efld.: Fr. 5,40 Ab. 1. Qu. erh.— H. Rckw. Lons don: Fr. 126,— a Cto. Ab. ic. erh. Zusage sehr lieb. Betr. Remitten- den siehe unsere Aufforderung. Bstllg. folgt.— G. Sp. Echtz.: öwfl.! 2,— f. Annonce(Fr. 2,40) u. Schft. erh.— Rother v. d. Gera: Mk. 20,— Ab. Nov. 83 und Schft. erh.—- nat Au sell Leu tig. flottlnxen-Edrlcd. Schweizerische GenofjenschaftSbuchdruckerei Hottingen-Zürich. Ro Sil vor