en. oth ebt on en. and und erh. Sle: und Ab. Bf. eres Erscheint ist wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz). rode Berlag der Boltsbuchhandlung Hottingen Zürich. Poffendungen franto gegen franto Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz tosten Doppelporto. Ge E. D. . น. M: 6 und 1,40 0, Sch 9, ühe 5,4% ügt erh Der Sozialdemokrat No i Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 7. Februar Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„ Sozialdemokrat." Da der Sozialdemokrat sowohl in Deutschland als auch in Desterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Poftverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden bei allen schweizerischen Poftbureaug, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum boraus zahlbaren Bierteljahrspreis von Fr 2 für die Schweiz( Kreuzband) mt 3- für Deutschland( Couvert) fl. 1.70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Zuferate die dreigespaltene Petitzeile 25 Gts. 20 Pfg. 1884. als möglich an den Sozialdemokrat, resp. dessen Berlag felbft adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung sekt; anderseits aber, dak auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen stehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern neht baa 4, Beft: Mt. d d Das! rchg 02 Du Senso erein 0, 2,90 chft Ab Ducken und Winden das Mitleid und die Gnade des Feindes erkaufen? Pfui! Das wäre nicht blos niederträchtig, das wäre Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten auch blißbumm. Denn so lange es Sozialbemokraten gibt, wirb und Gemaßregelten nicht! Falsche Taktik. 话 Im Herbst dieses Jahres läuft das Sozialistengeset ab. Hier und da hat man sich der Jllusion hingegeben, es werbe nicht 8mm berlängert werden. Man ging hierbei von der falschen Voraus8,50 seßung aus, das Sozialistengeset sei eine mit unserer ganzen sozialen und politischen Entwicklung in keinem organischen Zusammenhang stehende Maßregel, sondern bloß durch gewisse zufällige Du Vorkommnisse( die„ Attentate") hervorgerufen und zu dem Zwed erh verhängt worden, um die Liberalen an die Wand zu drücken", sei also nun, da dieser Zweck inzwischen erreicht ist, überflüssig geworden. 5.1 Sto Un Н Daß das Sozialistengesetz in der Hauptsache, wenn auch inbirekt, zunächst gegen die Liberalen gerichtet war, ist ja unleugbar; und unleugbar ist, daß die Liberalen jest gründlich an Raf die Wand gedrückt sind; allein grundfalsch ist die Auffassung, daß das Sozialistengeset nur, ad hoc", für einen bestimmten vorübergehenden Zweck, erlassen worden sei. Für Bismard waren die Attentate des Jahres 1878 nur der Vorwand zur Erlassung des politischen Ausnahmegesetzes. Er konnte ohne absolute Polizeidiktatur und Belagerungszustand nicht weiter regieren, und in Ermangelung des militärischen Belagerungszustandes begnügte er sich mit dem zivilen, dem sogenannten„ kleinen", der unter den obwaltenden Verhältnissen dieselben Dienste thut. Nun hat er sich allerdings eine Zeit lang dem Wahn hingegeben, er könne vermittelst des Sozialistengefeßes die deutsche EL பம் - 80 Arbeiterklasse von der Sozialdemokratie loslösen und in seine gen bauernfängerische Arme hineintreiben. Er weiß jetzt, daß er sich getäuscht hat. Die Arbeiter haben das verfälschte Zuckerbrod der Sozialreform" hohnlachend zurückgewiesen, und den plump geführten Hieben der junkerlichen Polizeipaschas auszuweichen gewußt, so daß alle Hiebe in die Luft gingen, oder die pöbelhaften Peitschenbesitzer selbst trafen. He la " Durch die Erfolglosigkeit des Sozialistengesetzes der Sozialdemokratie gegenüber und durch das Fiasko der Sozialreform ist nun aber die Situation insofern wesentlich verändert worden, als Bismarc jest wieder genöthigt ist, sich auf die Bourgeoisie zu stüßen eine Schwenkung, zu der ihn auch seine klägliche Niederlage im Kulturkampf, und die für das Zentrum bestehende Nothwendigkeit, bei Strafe des politischen Tobes Oppofitionspartei zu bleiben, mitbestimmend gezwungen hat. Der neue Unfallversicherungs- Gesezentwurf ist die erste greifbare Frucht dieser Schwenkung oder sagen wir dieses Rückzug 3. Fürst Bismarck hat durch ihn seinen Frieden mit der Bourgeoiste geschlossen, und so wenig ihm an dem Sozia liftengeset, so weit es die Sozialdemokraten betrifft, gelegen fein mag, er muß es der Bourgeoisie zu Liebe auford) recht erhalten. Die deutsche Bourgeoisie das ist eine Thatsache, die Niemand mit sehenden Augen bestreiten kann will einmüthig die Fortbauer des Sozialisten. gesezes will sie, und muß sie wollen. Denn die sozialistische Bewegung ist ihr gefährlich, lebensgefährlich, mont während sie den Fürsten Bismarck und dessen Regierungssystem lange nicht so unmittelbar bedroht. Im Gegentheil sie hat für ihn gewisse Vortheile, aus denen sich seine periodischen An7. fälle von Sozialdemagogie erklären. Es bestand sogar unzweifelhaft wiederholt und noch vor einiger Zeit die Absicht, das City Sozialistengesetz fallen zu lassen, um dafür als Gegendienst von der Sozialdemokratie Heerfolge gegen die Fortschrittspartei zu erkaufen. Die Hoffnung auf Letzteres ist durch die Haltung der Sozialdemokratie und der Arbeitermassen zu Schanden geworden, und da Fürst Bismarck nun mit der Bourgeoisie seinen Frieden gemacht hat, muß er ihr auch den Gefallen thun, das Sozialiftengesetz zu verlängern, wenn nicht zu verschärfen. Die Möglichkeit, die Zügel gelegentlich einmal zu lockern, wie bei der Berliner Stadtverordnetenwahl geschehen ist, bleibt ja immer vorhanden. Genug die Verlängerung des Sozialistengesetzes ist beschlossene Sache, und die öffentliche Meinung" wird bereits systematisch dafür präparirt. Das Frankfurter Dynamit, Attentat" wird zu diesem Zweck ausgeschlachtet, bie Wiener Verbrechen obgleich fie mit Politit so wenig zu thun haben, wie Buttkamer mit der Moral- werden ver blümt auf Conto der Sozialdemokratie gesetzt, und das Auftreten unserer Genossen im sächsischen Landtag, der Umstand, Str. daß sie sich nicht zur feigen Verleugnung ihrer Prinzipien verstehen wollen, wird planmäßig zur Erweckung des rothen Ge spenstes benutzt. treet B880 ng", Creet, 10. " Welche Taktik haben wir solchem Gebahren gegenüber zu beobachten? Uns ins Mausloch verkriechen? Durch hündisches die Bourgeoisie die Todfeindin der Sozialdemokraten bleiben; und dies wird nicht eher enden, als bis es mit der Bourgeoisehrlichkeit zu Ende ist. Wir können durch Unterwürfigkeit auch wenn wir bis zum Opfer der Ehre gingen unsere Stellung im Klassenstaat nicht verbessern, die Verfolgung nicht von uns ablenken. Es richtige Taktik ist: dafür zu sorgen, daß der gegenwärtige Zustand find Ausflüsse unserer ganzen politischen Entwicklung. Die einzig für unsere Feinde selber recht viele Unannehm lichkeiten hat, und ihnen gezeigt wird, daß sie zwar nicht uns, wohl aber sich selber Nachtheile bereiten. Das muß ihnen durch die Art unserer Kampfführung klar und fühlbar gemacht werden. Nur die Feinde haben bei dieser Taktik zu verlieren; wir Sozialdemokraten nur zu gewinnen. Kühnheit- bas sagten wir schon früher, ist die beste Politik zielbewußte Kühnheit, welche die beste Vertheidigung im Angriff erblickt, keinen Pardon nimmt und keinen Pardon gibt, und die moralische Vernichtung der Feinde, die ihrem Auge hat. politischen Sturz vorhergehen muß, als unverrückbares Ziel im Toleranz, aber feine Indifferenz. In der„ New- Yorker Volkszeitung" vom 14. Januar befindet sich ein u. A. an unsere Adresse gerichteter Artikel, der uns sehr geeignet erscheint, als Ausgangspunkt einer durchaus zeitgemäßen Erörterung zu dienen. Derselbe ist Ein paar Muster" überschrieben und lautet: Wenn Einigkeit im Dienste einer großen Sache eine Tugend, und wenn die sozialdemokratische Sache, wie wir alle nicht zweifeln, die größte von allen ist, so sollten wir besonders die Deutschen und Franzosen uns die irischen und russischen Revolutionäre unter den Sozialdemokraten zum Muster nehmen. Sie sind einig. Auch unter ihnen gibt es zwei oder drei Fraktionen, eine anarchistische, eine blos ökonomische und eine sozialdemokratische; oder was dem ähnlich ist. Aber indem jede von ihnen in der Taktik ihre eigenen Wege verfolgt, denunziren, verläſtern, bekämpfen und hemmen sie doch einander nicht. In ihrem gemeinsamen Kampfe gegen denselben Feind und seine Anhänger kritisirea sie einander freundlich, aber wenigst möglich vor der Deffentlichkeit und so, daß jede Fraktion die Ehrlichkeit der Bestrebungen der anderen gelten läßt, und daß daraus dem gemeinsamen Feinde kein Vortheil erwächst. Das geht soweit, daß sogar der zweihundertjährige tödtliche Religionshaß zwischen den Protestanten von Ulster und den Katholiken des übrigen Jrlands, den die britische Regierung künstlich großgezogen hat, größtentheils erloschen ist und selbst durch die Büberei der Dubliner Regierung neuerdings nur in sehr beschränktem Maße wieder hat aufgeftachelt werden können, und daß selbst die irischen Ungläubigen deren Zahl größer ist als man denken sollte den kirchlich Gesinnten unter ihren Landsleuten Anstoß zu geben. -In Rußland ist die Einigkeit sogar noch größer unter unseren Parteigenossen. Ihre inneren Parteizwiste sind alle sehr verträglich geblieben; vor der Deffentlichkeit sind sie, erst lange nachdem sie ausgeglichen waren, verhandelt worden. Das geht soweit, daß selbst ein Bakunin und ein Netsch ajeff nie innerhalb der Bewegungspartei angefeindet wurden. Nur erwiefene Verräther wurden verfolgt, aber dann auch unnachsichtlich. Wie lange soll es noch dauern, bis auch unter den deutschen und französischen Anhängern der Sozialrevolution, dieser Geist der Einigkeit und Verträglichkeit der großen Sache zuleb playgreift?" So unser amerikanisches Bruderorgan. mindestens Berträglichkeit unter den Kämpferr für die Sache So wünschenswerth auch wir Einigkeit und, wo diese nicht herzustellen, des Sozialismus halten, so hat doch, das müssen wir offen sagen, der vorstehende Appell auf uns absolut keinen Eindruck genacht. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er, soweit er überhaupt für uns einen Sinn haben kann, von unserer Partei längst befolgt wird, während wir die Nuzanwendung, welche der Artikelschreiber zwischen den Zeilen durchblicken läßt, auf's Energischste von uns abweisen. Wir glauben den Verfasser des betreffenden Artikels nicht beffer widerlegen zu können als indem wir uns zunichst die Muster", die er uns vorhält, etwas näher ansehen. " Was erstens die Irländer anbetrifft, so scheint unser Freund nur die in Amerika erscheinende irische Presse im Auge zi haben, nicht aber die heimische. Dort bekämpfen sich die verschiederen Fraktionen der Irländer keineswegs etwa nur theoretisch, sondern krtifiren und attakiren brücken. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, oder wenn es nicht geeinander vor aller Welt und keineswegs immer in gewählten Ausrade zur Regel geworden, so darf man doch nicht vergessen, daß der Faktor, der die Irländer gewissermaßen wieder zusammenführt, für uns eben nicht besteht: die nationale Frage. Men mag den Bestrebuatgen der Irländer auf nationale Unabhängigkeit noch so viel Sympathie entgegenbringen, so werden wir Sozialisten uns stets sagen müssen, daß gerade das Hervortreten des nationalen Elementes im Kampfe der Irländer Ursache der politischen und soziden Versch wom menheit desselben bildet. Diese Verschwommerheit mag im gegenwärtigen Moment für die irische Sache ein Vorthil sein*), für unsere Partei wäre sie der Anfang vom Ende. Nicht minder unglücklich ist der Verfasser mit einer Exemplifizirung auf die Russen. Gewiß, die verschiedenen Frationen der russischen Revolutionäre haben der Außenwelt gegenüber von ihren Kämpfen unter sich wenig verlquten lassen, aber das ist dach wiederum lediglich eine Folge der Eigenthümlichkeit ihres Kampfes. Einmal erlaubte es die Zahl der Kämpfer, Differenzen im engeren Kreise zu erörtern, während die Verhältnisse Rußlands eine öffentlich Erörterung geradezu *) Wogegen indeß viele Thatsachen zu sprechen scheinen. ausschlossen, vielmehr dazu zwangen, nach außenhin möglichst ge= schlossen aufzutreten; dann aber war es gleichfalls die Verschwommenheit des Programms der russischen Revolutionäre, welche ein Nebeneinanderwirken der verschiedenartigsten Elemente bisher möglich machte. Wir wollen die Frage unerörtert lassen, ob dieser Mangel eines bestimmten Programms für die russische Bewegung nicht von großem Nachtheil war, darüber wird eine spätere Zeit besser urtheilen können als wir; jedenfalls aber steht soviel fest, daß die westeuropäische Arbeiterbewegung eine Weitherzigkeit, die Anarchisten und Sozialdemokraten unter einen Hut zu bringen will, absolut nicht verträgt. Hier handelt es sich weder um Beseitigung einer Regierung, die einer anderen Nationalität angehört, noch um den Sturz einer unerträglichen Regierungsform, sondern um den Kampf der Arbeiterklasse gegen alle übrigen gesellschaftlichen Klassen insgesammt, und da ist es von höchster Wichtigkeit, daß dieselbe mit aller Bourgeoisphraseologie, mit allen noch so radikal scheinenden Bourgeois ,, idealen" gründlich bricht. Und ein solches Jdeal" bürgerlicher Natur ist die Anarchie. Beiläufig ist auch bei den Russen nicht Alles so idyllisch hergegangen, wie es nach der obigen Darstellung scheint. Wir erinnern nur an die Affäre des Herrn Tkatschoff. Dieser gab lange Zeit in Genf ein Blatt heraus, Nabat"( die Sturmglocke), in welchem Leute wie Lawroff 2c. in derselben Gassenbubenmanier traktirt wurden wie heute Liebknecht, Grillenberger u. s. w. von Herrn Most in der Freiheit". Nun, ausgeschlossen konnte Herr Tkatschoff nicht werden, weil es eben keine geschlossene Partei gab, aber er wurde einfach ge ächtet. Spaßhaft ist, daß er vor einigen Jahren die Hilfe unserer Genossen zum Transport einer Sendung seines Blattes in Anspruch nehmen ließ, während er in dieser Nummer pathetisch geschrieben hatte: Die deutsche Sozialdemokratie ist to dt! Heute ist Herr Tkatschoff Internat in einem Pariser Irrenhaus! Ein bekanntes Sprichwort sagt: Bei Nacht sind alle Kazen grau. Auf unsere Frage angewendet heißt das: Bei politischer Nacht, d. h., wo der Druck sehr stark ist oder die Verhältnisse sehr unentwickelt sind, kommt's nicht auf die Schattirung der Kämpfer an, sondern ob überhaupt Kämpfer da sind. Weicht aber die Nacht, so müssen sich naturnothwendig auch die Unterschiede zeigen, so schmerzlich das sentimentale Gemüther auch berühren mag. Es ist ein Zeichen vorgeschrittener Entwickelung, daß in Deutschland Sozialismus und Anarchismus einander unverträglich gegenüberstehen, ein Zeichen der Stärke, nicht aber der Schwäche. Wenn unsere geschähte New- Yorker Kollegin in ihrer Unparteilichkeit so weit gehen kann, daß sie Alles, was sich Sozialist nennt, liebevoll an ihr Herz drückt, so ist das eben nur deshalb möglich, weil sie leider! feine ernsthafte Partei hinter sich hat. Es geht ihr wie der Bataille" des Herrn Lissagaray in Paris, die auch" franchement révolutionnaire sans parti pris"( furzweg revo= lutionär ohne Parteivoreingenommenheit) ist und sich nicht wenig darauf zu Gute thut. ,, Auf der Barrikade frägt man nicht nach Programmen", schrieb sie einmal triumphirend. Ganz recht, aber die Barrikade ist nur eine Episode in der Revolution, und nicht die Revolution. Wir sind also, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen, nichts weniger als unglücklich darüber, daß in der deutschen Arbeiterbewegung nicht die idyllischen Verhältnisse herrschen, wie sie nach der New- Yorker Volkszeitung bei den russischen und irischen Revolutionären bestehen. Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands hat ein Programm und eine bestimmte Taftit, und wer die nicht anerkennt, gehört nicht zu ihr, wer ihren Beschlüssen entgegenhandelt, ist ihr Gegner, gleichviel aus welchen Motiven er handelt. So lange unsere Partei es für zweckmäßig hält, am Wahlkampf theilzunehmen, ist es Pflicht jedes Genoffen, nach Kräften für ein möglichst günstiges Resultat zu wirken. Mag der Eine oder der Andere auch zehnmal der Ansicht sein, die Betheiligung sei zwecklos oder gar schädlich wenn er auf den Titel Genosse Anspruch machen will, hat er mitzuwirken. Thut er das nicht, so ist er eben kein Genosse mehr; und wenn er gar durch Plakate 2c. für Wahlenthaltung auffordert, so ist er unser Gegner mag er zehnmal seine sozialistische Gesinnung betheuern. Wir spielen nicht Wahlkampf, wir kämpfen ihn. Und ob Jemand aus eigenem Antriebe handelt, oder von unseren Gegnern dazu gekauft ist, sobald er uns im Moment des Kampfes in die Parade fährt, müssen wir ihn wie unsern Feind behandeln. Da kann von Toleranz keine Rede sein, sie wäre unverzeihliche Schwäche, sträfliche Indi f= ferenz. Mag man das tausendmal autoritär nennen in diesem Punkte sind wir stramme Autoritarier. Ohne Disziplin keine Partei. Was nun die Diskussion der Streitfragen anbetrifft, bevor dieselbe durch Beschluß ihre jeweilige Erledigung gefunden, so haben wir oben schon gesagt, daß in dieser Beziehung die Ermahnung der New- Yorker Volkszeitung" durchaus gegenstandslos ist. Was sie verlangt, ist heute schon der Fall. Wer einigermaßen unsere Partei fennt, weiß auch, daß, wie der Delegirte derselben auf dem Churer Kongreß sagte, dieselbe feineswegs eine so durchaus gleichartige Masse sei als man gewöhnlich annimmt, da sie keineswegs blinde Unterwerfung fordert. " Je nach den lokalen Verhältnissen, nach dem Temperament der Bes völkerung 2c., tritt sie hie und da anders auf, hier mehr himmelstürmend, dort mehr bedächtig. Auch sonst fehlte es nicht an Differenzen. Aber sie werden, wo nicht Verlassen des Prinzips überhaupt im Spiele, ohne Haß und Groll ausgefochten Niemand bildet sich ein, den Stein der Weisen zu besitzen. Das hindert natürlich nicht, daß Jeder für seine Ueberzeugung mit der ihm nöthig erscheinenden Energie eintritt. Mögen die Geister aber noch so hart aufeinanderplatzen, dem gemeinsamen Feind gegenüber steht die Phalang in jedem Augenblick geschlossen da. Nun wird uns die ,, New. Volksztg." wahrscheinlich einwenden, daß sie in dieser Beziehung nichts auszusehen habe, daß sie vielmehr die Konflikte unserer Partei mit den außer ihren Reihen kämpfenden ,, Revolutionären" im Auge und in dieser Beziehung mehr Toleranz empfohlen habe. Da müssen wir denn antworten: Wer sind diese Leute, und was sind diese Leute? Wir achten jede ehrliche Ueberzeugung als solche, auch an unserm größten Gegner, aber wo gewiffenlose Abenteuerer sich das revolutionäre Mäntelchen umhängen, um unsere Suche ungestraft entehren zu können, da halten wir es für unsere Pflicht, die revolutionäre Etikette nicht zu achten, sondern derselben vor aller Welt den Mantel vom Leibe zu reißen und sie in ihrer ganzen schmutzigen Nacktheit der allgemeinen Berachtung preisgegeben. Gegen Niedrigkeit und Gemeinheit kennen wir keine Rücksicht. Toleranz ist eine schöne Sache, aber sie ist bei den Gegnern nur da am Blaze, wo sie erwidert wird, nur dem Irrthum, der Unwissenheit gegenüber angebracht. Der Schlechtigkeit, der tückischen Bosheit gegenüber tolerant sein, heißt für den Einzelnen Schwäche, für eine Partei den moralischen Bankrott. Wenn wir den Anarchismus aufs Schrofffte bekämpfen. so ist das keine Intoleranz, sondern nur keine Indifferenz. Und nun zum Schluß eine andere Frage. In dem obigen Artikel heißt es: Sie denunziren, verläſtern, bekämpfen und hemmen einander nicht." Das verläſtern" 2c. schenken wir der New- Yorker Volkszeitung", nicht aber das denunziren". Hier müssen wir sie bitten, sich etwas deutlicher auszudrücken und zu sagen, wer denn bei den Deutschen denunzirt. Möge sie ohne Umschweife sprechen, wir werden ihr gern Rede und Antwort stehen. Nur feine Zweideutigkeiten! Wenn wir auf Angriffe von notorischen Verleumdern bisher nicht geantwortet haben und auch in Zukunft nicht antworten werden geschieht dies in der Voraussetzung, daß kein anständiger Mensch ihnen Glauben schenkt. Wenn aber gute Freunde meinen, daß doch etwas daran" ist, dann sagen wir: Nur heraus mit der Sprache! Euch Sprache! Such werden wir die Antwort nicht schuldig bleiben! Sozialpolitische Rundschau. " Zürich, 6. Februar. fo Nun hat Desterreich also auch seinen Ausnahmezustand, und wenn man bedenkt, wie der normale Zustand beschaffen war, so wird man auch begreifen, daß die ,, Ausnahme" an Schönheiten nichts zu wünschen übrig läßt. Zum wirklichen Kriegszustand in Wien fehlt nichts als das offene Standrecht jeder Bewohner von Wien und Umgebung ist der frechsten Polizeiwillkür auf Gnade und Ungnade preisgegeben. Aufhebung des Briefgeheimnisses, des Hausrechtes, wie überhaupt aller durch die Grundgeseze gewährleisteten politischen Rechte des Individuums, die Preffe vogelfrei, das Versammlungsund Vereinsrecht aufgehoben das sind so die Schönheiten des am 31. Januar von der österreichischen Regierung veröffentlichten Erlasses. Und in seiner Ausführung sind bereits mehrere Blätter unterdrückt, eine Druckerei geschlossen und bis im Augenblicke, wo wir dies schreiben mehr als 40 Personen aus Wien und Umgebung, ausgewiesen worden. Was wir von dieser Maßregel halten, haben wir bereits in voriger Nummer angedeutet. Sie ist zu allem Möglichem geeignet, nur nicht als Schußmittel gegen die Vorgänge, auf Grund deren sie in's Leben gerufen. Bu Dynamitattentaten braucht man weder Presse, noch Versammlungen, weder Hausrecht, noch Briefgeheimniß. Leute, die sich verstehen, wissen auch so mit einander zu forrespondiren, daß jede polizeiliche Spürnase den Brief lesen darf, und schicken ihre Briefe nicht an verdächtige Adressen. Zudem macht der gesteigerte Briefverkehr der Jektzeit eine wirkliche Kontrole aller Briefe unmöglich. Vorläufig ist der Erlaß gegen alle der Polizei mißliebigen Elemente anwendbar, was den Liberalen oder was sich in Desterreich so nennt, höchft fatal werden könnte, da diese Herren jetzt in der Opposition sizen. Deshalb spielen sie auch die tugendhaften Biedermeier und ,, bedauern", daß die Regierung sich zu so extremen Schritten habe hinreißen laffen. Dabei stammt das Gesetz, welches der Regierung Vollmacht zu so extremen" Maßregeln ertheilt, aus der liberalen Aera Desterreichs. Und wenn im österreichischen Reichsrathe, vielleicht im selben Augenblicke, da wir dies schreiben, die Herren von der Linken in ,, glänzenden" Reden das Verfahren der Regierung kritisiren, so wird sich Niemand dadurch Sand in die Augen streuen lassen: ihr Mundstück, die ,, Neue Freie Presse", hat im ersten Schreck den Pferdefuß zu deutlich durchblicken lassen: Es muß verhindert werden, daß die Verfügung auch auf uns, die Liberalen, angewendet werden kann! Alle ,, Rautelen", welche die Herren beantragen und vielleicht auch durchsezen werden, haben nur diesen Zweck im Auge. Die Regierung kann diesem Gebahren ruhig zusehen, sie mag es sogar vorausgesehen haben. Sie wird trotz allem Handeln immer noch genug für sich behalten, um ihr System der Korruption und Niedertracht nach Wunsch zu betreiben. Im Nothfalle braucht es ja nur eines neuen Attentates! Regierung und Opposition sind einander werth. Und die Wiener Arbeiter? Wie werden diese angesichts der neuen Situation sich stellen? Die Beantwortung dieser Frage ist die Antwort auf die anarchistischsozialrevolutionäre Theorie. Die Wiener Arbeiterschaft, soweit sie überhaupt am politischen Leben theilnahm, gehört in ihrer Mehrheit zur Partei der Herren Peutert und Genossen Wien ist seit Langem der Stolz und die Hoffnung der Anarchisten. Die Berliner Arbeiter sind ,, Spießbürger"," Halbfortschrittler", die Wiener Revolutionäre. Sofort nach Verhängung des kleinen Belagerungszustandes hättet Ihr in Deutschland losschlagen müssen! haben uns die Herren oft genug zugerufen jetzt haben sie den Belagerungszustand, müßten also folgerichtig auch losschlagen. Wir gestehen offen, daß wir angesichts des Temperamentes der Wiener Arbeiter, angesichts der Thatsache, daß ihnen seit Jahren diese Theorie des Losschlagens gepredigt ward, auf legten Sonnabend zwar teine Revolution denn dazu gehören andere Voraussetzungen wohl aber Unruhen, Tumulte in Wien vermutheten. Sie sind ausgeblieben, die einzig gebührende" Antwort ist nicht erfolgt. Wir sind weit entfernt, den Arbeitern daraus einen Vorwurf zu machen im Gegentheil, wir billigen es, daß sie vernünftiger waren als ihre Wortführer, daß sie die Situation richtig beurtheilten, und nicht in einem Augenblick losschlugen, wo alle Chancen des Kampfes gegen sie waren. Sie hätten der Regierung, die in diesem Augenblick wohlgerüstet dasteht, den größten Gefallen erwiesen, wenn sie auf die Barrikaden gestiegen wären. Wien, das von den Anarchisten gewissermaßen als Versuchsfeld für ihre Propaganda der That" auserwählt wurde, wird jetzt die Probe auf dieselbe ablegen müssen, in Wien wird es sich zeigen, ob man mit künstlichen Mitteln, mit Provokationen, mit Attentaten, mit Putschen eine Revolution machen kann, ohne daß die thatsächlichen Voraussetzungen zu einer solchen gegeben sind. Der Ausgang kann nicht zweifelhaft sein. Was auch die nächste Zukunft bringen möge, und daß durch die Ausnahmemaßregel der Fanatismus in gewissen Kreisen noch gesteigert werden dürfte, haben wir bereits in voriger Nummer gesagt; soviel ist sicher: die Revolution wird aus dieser Bewegung nicht hervorgehen. Die Sache des Sozialismus ift unbesiegbar, sie wird auch dem Wiener und wenn es weiter ausgedehnt werden sollte dem österreichischen Ausnahmezustand nicht unterliegen. Wohl aber kann ihr Marsch verzögert, aufgehalten, abgelenkt werden. Und das haben wir in Desterreich zu befürchten, weil die Voraussetzung fehlt, welche in Deutschland die Maßregeln unserer Feinde unwirksam machte: eine wohldisziplinirte Partei mit einem einheitlichen, klaren Brogramm, weil unsere Partei eine wirkliche Partei der sozialen Revolution ist, die einen grundsäglichen Gegensatz zwischen Reform und Revolution nicht kennt, und keine Partei der Revolutionsmacherei. Wenn die österreichischen Arbeiter in ihrem Emanzipationskampfe vielleicht auf Jahre hinaus zurückgeworfen werden, so danken sie das nicht nur der Regierung, sondern auch deren bewußten und unbewußten Helfershelfern in ihren eigenen Reihen. Das mag manchen Ohren hart klingen, aber Sache der Arbeiterpresse ist es nicht, Süßholz zu raspeln, sondern Kritik zu üben und strenge Verantwortung von Denen zu fordern, welche ihren Einfluß in der Arbeiterbewegung mißbrauchen. Soweit war diese Notiz geschrieben, als uns die Mittheilung kommt, daß Herr Peutert den sicheren Aufenthalt in der Schweiz dem heißen Boden Wiens vorgezogen hat. Aha! Gilt's etwa auch hier den Belagerungsz stand vorzubereiten? Nur immer hübsch logisch. Der Hannover'sche Kurier", das Organ der Hannoverschen Nationalliberalen, benutt, gleich seinen gefinnungsverwandten Preßkollegen anderwärts, die Wiener Attentate, um für die Verlängerung des deutschen Ausnahmegesezes Reklame zu machen, das ihm zahm und harmlos" vorkommt. Ein Gesetz, das der Willkür der Polizei Preß-, Vereins- und Versammlungsrecht preisgibt, das mit einem Schlage zu zerstören erlaubt, was in jahrelanger Arbeit mühsam geschaffen, zahm und harmlos"! Aber es tommt noch besser: ,, Noch sind wir Dant diesem Gesetz von Arbeiterunruhen, wie fie in Frankreich, England, Desterreich sich geltend machen, verschont gegeblieben, noch stehen uns die irischen und russischen Greuel ferne." Dant diesem Gesetz! Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand würde sagen: trok diesem Gesetz- die ,, Ritter vom Geiste" des Dentervoltes haben sich aber das Denken so gründlich abgewöhnt, daß ste den haarsträubendsten Blödsinn mit der ernstesten Miene vortragen. Also Dank diesem Gesetz sind Attentate 2c. in Deutschland noch nicht an der Tagesordnung! Darum Verlängerung dieses ,, wohlthätigen Gesetzes"! Soweit wäre in dem Wahnsinn wenigstens noch Methode; nun fommt aber das Schönste: ,, Und doch ist Grund zur ernsten Besorgniß vorhanden. Es ist ein norddeutscher Dialekt, den der Mordfanatiker spricht, Dynamitexplosionen sind uns nicht unbekannt( Dank diesem Gesetz?) 2c. 2c." Da hört doch wirklich Verschiedenes auf! Dieser Sah schließt unmittelbar an den vorhergehenden an, dem er schnurstracks widerspricht, aber der Hannover'sche Kurier" ist ein höchst ernsthaftes Blatt! , Es ist ein norddeutscher Dialekt!" Nun, man weiß jetzt, wer der ,, Mordfanatiker" ist. Hermann Stellmacher, gebürtig aus Grotttau in Schlesien einer höchst frommen und pa= triotischen Stadt, wohin noch nie ein sozialistischer Agitator den " Fuß gesett uno ehemaliger Rorporal pes schischen for ben = Grenadier Regimentes. Also gottesfürchtig erzogen und patriotisch gedrillt! Nach der Logik des„ Hannover'schen Kurier" müßten also das Militär und die fromme Stadt Grottkau mit Ausnahmemaßregeln bedacht werden. Das wäre wenigstens konsequent. Aber Logik und Liberalismus, das hat sich noch nie gereimt. Ein braves Wort. In keiner Stadt Deutschlands haben die sozialistischen Arbeiter mehr unter dem Sozialistengesetz zu leiden als in Berlin. Aber das Sozialistengesetz hat sie auch vortrefflich geschult, Sie haben sich so vollständig darauf eingerichtet", daß einer derselben auf der Volksversammlung, welche für den Lump und Stöcker'schen Adjutanten Cremer zum Volksgericht und zur moralischen Lynchung wurde, unter brausendem Jubel die Erklärung abgab: Wir haben uns unter dem Sozialiste ngesek so gut organisirt, daß wir die Abschaffung desselben fast bedauern würden." Das war ein braves Wort die beste Antwort an die reaktionären Esel, die den Sozialismus durch das Sozialistengesetz zu vernichten gehofft hatten, und die schönste praktische Ergänzung des Bracke'schen: Wir pfeifen auf das Sozialistengeset! Ueberhaupt steht es in Berlin ausgezeichnet. Die Befürchtung, welche hie und da gehegt ward: die Stadtverordnetenwahlen könnten Verflachung und Verwirrung, vielleicht auch die Einführung unsauberer Elemente im Gefolge haben, hat sich nicht erfüllt. Im Gegentheil: diese Wahlbewegung hat über alles Erwarten günstig gewirkt, und zu keiner Zeit hat die Arbeiterpartei in Berlin so start, so fest und so einig dagestanden wie heute! ld bruid mudi Dem Verdienste seine Krone. Eines muß selbst der Neid dem alten Wilhelm lassen: er ist, und darin stimmen alle, die ihn kennen, überein, für geleistete Dienste im hohen Grade erkenntlich. Das hat neuerdings einer seiner„ treuesten Diener", der Erpolizeipräsident von Berlin, Herr v. Wurm b, erfahren. Papa Wurmb, wie ihn die Berliner Priesterinnen der Liebe wegen seiner väterlichen Liebe für sie zu nennen pflegten, ist nämlich von seinem kaiserlichen Herrn, dessen Ver= trauter er früher war, zum Domherrn von Merseburg ernannt worden. Das ist ein Posten, der seinem Verwalter die große Verpflichtung auferlegt, alljährlich einer Sigung des Domkapitels beizuwohnen, den Jahresbericht anzuhören, dann in der Kirche einem Dankgottesdienst beizuwohnen gepriesen seist Du, Gott, der Du den Armen nimmst und den Reichen gibst!" und schließlich an einem Diner theilzunehmen, wo der Champagner in Strömen fließt und welches gewöhnlich bis zum nächsten Morgen dauert. Für diese schwere Arbeit bezieht so ein Domherr das Lumpengehalt von 30,000-40,000 Mark pro Jahr die Religion muß dem Volke erhalten bleiben! Herr von Wurmb Domherr wer lacht nein, wer weint da? Hört Ihr nicht jenes unglückliche, von diesem lüsternen Pascha von Berlin brutalisirte, von feilen Kreaturen desselben mißhandelte und in's Elend gestürzte Weib Elise Hessels laut aufschreien in ohnmächtiger Entrüstung? Herr von Wurmb, der Berlin verlassen mußte, weil seine Schmachwirthschaft ihn dort unmöglich machte, nacheinander Re= gierungspräsident, Ritter des schwarzen Adler= ordens und Domherr! Wer lacht da? Bist Du's, deutscher Aristophanes? Du von dem fromm gewordenen Deutschland verpönter jüdisch- französisch- frivoler" Spötter, der Du statt lederne Gesangbuchverse profane Liebeslieder, statt deutschthümelnder und deutschlümmelnder Patriotengesänge alles Altehrwürdige verhöhnende ,, Satiren" dichtetest? Bist Du's, Heinrich Heine? Ja Du bist's, Du lachst und Du zeigst auf Dein Buch der Lieder dort steht es: Der Domherr öffnet den Mund weit: Die Liebe sei nicht zu roh, Sie schadet sonst der Gesundheit D Du pietätloser Spötter, Du! " Wer ist muthig? Die Fränkische Tagespost" fertigte jüngst in einer polemischen Notiz den fortschrittlichen„ Fränkischen Kourier", der, wie unsern Lesern bekannt, die Anarchisten mit ganz be= sonderer Vorliebe und aus sehr durchsichtigen Gründen die Wahlen stehen vor der Thür! in Schutz nimmt, folgendermaßen ab: Ein 2 ob bekommen die Anarchisten außerdem vom ,, Kurier": sie seien muthiger als die Sozialdemokraten. Es scheint uns ein etwas absonderlicher Muth" zu sein, einen Subalternpolizisten meuchlings niederzuschießen, oder mittelst eines Dynamitattentats eine Menge unschuldiger Menschen wegen vielleicht eines Schuldigen zu massakriren. Nach unserer Anschauung ist das Feigheit, nicht Muth, und es dürfte wohl mehr Ueberzeugungstreue und moralischer Muth dazu gehören, unter einem drückenden Ausnahmegesetze einen gefahr- und mühevollen Kampf gegen allerlei juristische und sonstige Fußangeln und außerdem systematische Verleumdung und Denunziation zu führen.' Wenn wir auch nicht jedes Wort des hier Gesagten unterschreiben möchten, so sim wir doch mit dem Sinn desselben durchaus einverstanden. Es wir einmal nöthig, ein kräftiges Wort gegen den von gewiffer Seite sistematisch gepflegten Romantizismus des politischen Mordes zu redet. Der Romantizismus, ob er nun als sentimentale Gefühlsduselei der als Kultus der brutalen Leidenschaft auftritt, ist gleich verderblich für die Arbeiterbewegung, die nüchterne, klar denkende Leute erheischt. Es ist Romantizismus, in jedem Attentäter einen Helden" zu erblcken, wie der Kultus der Telle, der Brutusse 2c. ebenfalls sehr romantsch, aber geschichtlich sehr wenig gerechtfertigt ist. Nach der Logik der Herren Anarchisten wären der amerikanische ,, Rowdy", der Berliner Lous, der oberbayrische Bauernknecht Helden, denn auch ihnen kommt es richt darauf an, irgend Jemand, der ihnen zuwider ist, ,, talt" zu machen. Die ganze Atentatsschwärmerei ist Nachäffung des Kampfes der Russen, ohne Rückscht auf die ganz ungleichen Verhältnisse des Westens. Nachäffung, nicht achahmung. Denn die Russen sind keineswegs leichten Herzens zun Terrorismus geschritten: gerade von denjenigen, welche sich in diesen Kampf am meisten auszeichneten, stimmen die Berichte ihrer Mitstreiter darüber überein, daß sie nur sehr schweren Herzens an ihre wirklichen Thaten gingen. Sophia Perowskaja, schreibt Stepnjat, jer Redakteur von„ Semlja i Wolja", litt unendlich, bevor sie an dem Bombenattentat theilnahm; und von Chalturin, dem Urheber der Explofon im Winterpalast, ist bekannt, wie tief unglücklich er bis zu seinem Tide darüber war, daß er die unbewußte- Ursache des Todes so vieler Unschuldiger gewesen. Und ebenso bekannt ist, mit welcher Vorsicht die Attentäter des 13. März zu Werke gingen, um nur ja tein Menschenleben außer dem ihres Todfeindes zu gefährden. Die Herren Anarchifen sind allerdings über solche ,, Schwächen" erhaben. Muth und„ Muth' sind eben zweierlei Dinge. Die Bank: otterklärung der sächsischen Fort schrittspartei. Bankrott ist sie schon lange, diese traurigste Spielart des politisoen Partei- Chamäleons, Fortschrittspartei genannt, sie ist sogar eigentlic niemals solvent gewesen, allein jetzt hat sie sich felber formell und ausdrücklich für bankrott erklärt. Das erste Mal vielleicht, daß diese Partei der politischen Heuchelei die Wahrheit gesagt hat. den lege öffen anft bote gesc Das Wunder geschah Montag, den 28. Januar d. J., in dem sächsis schen Landtag. Es handelte sich um die famose Steuerrestanten: Angelegenheit: das Interdikt gegen die armen Teufel, die nicht im Stand find, ihre Steuern zu zahlen. Bisher waren die Ge meindepaschas in dieser Angelegenheit ohne Methode und einheitlichen Plan vorgegangen. Da nahm sich die Fortschrittspartei der rathlosen Gemeindepaschas an und arbeitete einen Gesetzesvorschlag aus, durch welchen Methode in die Sache gebracht und die bisher geübte Willkür ſein zum Gesetz erhoben werden soll. Das Ministerium, Herr von Nostiz- Wallwitz an der Spitze, war so flug gewesen, seine Finger von der heiklen Materie zu lassen, und hatte der dienstfertigen Fortschrittspartei flug die Initiative zuge schoben. Er hatte liberale Strupel! lect Gau bach und fone Num seine vati dan Bym noff dies belei bega den D. Am bezeichneten Montag tam nun das fortschrittliche Opus zur Ver handlung. Natürlich wurde es von Seiten der Sozialdemokraten( durch Dab Bebel) einer unbarmherzigen Kritik unterworfen. Darob entbrannte der fortschrittliche Zorn, und Herr Starke gab im Namen seiner Fraktion" zum Schluß die feierliche Erklärung ab: die Fortschrittspartei fönne mit der Sozialdemokratie nie etwas gemein haben( was sehr richtig) und es falle ihr nicht ein, Opposition gegen die sächsische Regie rung zu machen, die ihr so wolwollend" in allen Dingen entgegengekommen sei; solange die Sozialdemokratie das Ge meinwesen gefährde, müßten sich alle Ordnungsparteien, und darunter selbstverständlich auch die Fortschrittspartei, um die Regierung schaaren." Also sprach der Fortschritts Starke nicht wörtlich, doch dem Sinne nach. Das heißt: die Fortschrittspartei ist Regierungspartei geworden. Oder An vielmehr, sie hat öffentlich bekannt, daß sie es ist längst gewußt haben. " fäch erha erhi und C was wir schon Biel am erste dem Libe: Diem St Nach Natürlich wundern wir uns über er diese offizielle Bankrotterklärung nicht; es amüsirt uns aber, daß die Herren Fortschrittler unsere Kritik ihres Wesens und Treibens so drastisch bestätigt haben. Gut bekommen wird's den Leutchen allerdings nicht. In Sachsen gibt es zwei sogenannte fortschrittliche Organe: die Leipziger Bürger zeitung" und die Dresdener Zeitung." Erstere steht mit der Land tagsfraktion der Fortschrittspartei" schon lange auf gespanntem, ja feind lichem Fuße, und hat deren Thätigkeit und Nichtthätigkeit in dieser einer Session vollständig ignorirt. Dagegen war die„ Dresdener Zeitung" durd bisher das Spezialorgan der Landtagsfraktion", insbesondere der Ab- uns geordneten Starke und Schaffrath. Wohlan: Die Dresdener was Beitung" hat in ihrer Nummer vom 31. Januar d. J. der Landtags lich fraktion" einen Absagebrief geschrieben und als Scheidegruß einen Leid fräftigen Fußtritt versetzt. Geschieht den Herren recht! Was Igni aber das Schönste ist; der Absagebrief und Fußtritt rührt von Nie Kom mandem anders her als von Starke's Busenfreund fund dem geistigen D Haupte der Partei", dem bei der letzten Wahl durchgefallenen Schaff Arbe rath. Da wäre denn die Spaltung fertig, wenn bei Gallerte von einer geffe Spaltung die Rede sein kann. beleg Und nun das Blamabelste in dieser traurigen Selbst- Abschlachtungs unſe Geschichte: Herr Starke verkündigte die Abdankung der Fortschrittspartei a uf Grund einer Mittheilung, die unsere Abgeordneten faft einer unwahrheit zieh und den Inhalt dieser wir seiner Mittheilung hat Herr Starke hintennach als ein, Mißverständniß" bezeichnen und die vollkom mene Wahrheit der sozialdemokratischen Behaup tung zugeben müssen! Mißverständniß! Die Sache könnte elegisch biger daß sichti In Also Selbstmord aus erscheinen, wenn sie nicht so komisch wäre! Mit den sächsischen Herren Fortschrittlern werden wir uns jetzt nicht mehr zu beschäftigen haben. Kadaver kann man weder lieben noch hassen, Arti und noch weniger bekämpfen man scharrt sie ein und geht seiner Seit Wege! Anzc hinst über " A Lei Dem Leipziger Tageblatt" ist wieder ein Malheur Da paffirt. Es brachte dieser Tage einen höchst vernünftigen Leitartikel( auch der Tageblatt"-Scheere ergeht es wie dem blinden Huhn; sie findet mitunter eine Perle) über die jüngsten politischen Morde in Desterreich schief Es wird darin mit vollkommenem Recht ausgeführt, daß die Verhängung Fre von Ausnahmemaßregeln das Uebel nur verschärfen und die energischsten imm Arbeiter dem Nihilismus zudrängen würde. Jdeen, und seien es auch Leito verkehrte, könne man nicht mit Polizeigewalt ausrotten u. s. w. Als mus der Redakteur bei der Revision seinen blind gefundenen Artikel las, Bod dämmerte ihm plötzlich auf, daß er ja eigentlich einen Artikel gegen doku die Verlängerung des Sozialistengeseges in Deutsch Ger Land zu veröffentlichen im Begriffe war, und da in der Schnelligkeit kein anderer Artikel zu beschaffen, so fügte der nnglückliche ,, Tageblatt" Redakteur dem fatalen Artikel hinten die Bemerkung an: In Deutschland sind die Verhältnisse natürlich ganz andere." " 1 Natürlich." D bish Herr von Mangoldt, der christlich konservative Güt Würgengel, hat die Ohrfeigen, welche ihm Bebel kürzlich im sächsischen zu, Landtage ertheilte, sehr schmerzlich empfunden, denn er hat den Versuch eine gemacht, sich im Gerichtssaale davon reinzuwaschen. Er hielt bei Eröff wir, nung der Schwurgerichtssession eine Rede an die Geschworenen, worin nal er behauptete, er urtheile ohne Parteilichkeit und Haß und übe Gerech Fr tigkeit, auch wenn es sich um Reichs- oder Landtagsabgeordnete handle unge Zu dieser Rede hatte er sich wohlweislich vorher auf den Richterstuhl gesetzt, weil man ihm an dieser Stelle nicht antworten und nicht in Hohn gelächter ausbrechen kann über seine beispiellose Unverfrorenheit. Er hat aber auch nicht die Thatsache widerlegen können, daß er am ersten wiek Pfingstfeiertag 1882 den Boltsvertreter Bebel verhaften ließ, nachdem licht er sich auf eine Vergnügungsreise begeben hatte, um während der Feier tage nicht in die Lage zu kommen, Bebel wieder in Freiheit setzen zu müssen. e er f Ben auf nehi Di Tra hab zien fürl Diese Verhaftung hatte den ganz niedrigen, ganz gemeinen Zwed dem Sozialisten Bebel und seiner Familie die Feiertage zu verderben denn es wurde amtlich als Grund derselben nur Fluchtverdach angegeben, und trotzdem wurde der Haftbefehl, der schon seit 14 Tage fertig war, nicht früher als am ersten Feiertage ausgeführt, während bei Fluchtverdacht stets Gefahr im Verzug ist. Dazu kommt abgesehen davon, daß es überhaupt absurd ist, einen Mann wie Bebel für flucht Dhi verdächtig zu halten, daß man Bebel nach den Feiertagen gegen 1000 Mart Raution wieder in Freiheit setzte. Wenn er wirklich flüchten wollte dann hätte er so viel aufgeben und zurücklassen müssen, daß es ihm au die 1000 Mt. wahrhaftig am wenigsten angekommen wäre. Dies begreif jedes Kind, dazu braucht man gar nicht Landgerichtsdirektor zu sein. Di Ausrede des Fluchtverdachts, welche die einzige Begründung der Ver haftung bildete, ist also kindisch albern. Wenn es nun nicht has nicht Rache war, was den gemeinen Streich veranlaßte, was war e dann, Herr v. Mangoldt? Dieser famose Richter braucht sich übrigens gar nicht so sehr seine Unparteilichkeit zu rühmen, er sieht sich in jedem einzelnen Falle nic nur die Parteirichtung der Angeklagten, sondern die Person selbst sehr genau an. Dafür nur einige Beispiele.pls spig sid 1877, als Mangoldt noch Staatsanwalt in Chemnitz war, beging bo ein konservativer Streber, Assessor Böhmer, bekannt durch sein standalösen Urtheile, die er als Vorsitzender des Gerichtsamts im Bezirks gericht gegen die Sozialdemokraten erließ, grobe Verbrechen im Amt Dieselben wurden entdeckt, Mangoldt als Staatsanwalt hatte einzuschreiter Es that ihm aber leid um die brauchbare Kreatur; er reiste deshal nach Dresden und fragte beim Justizminister an, was zu thun sei. De Minister hörte, daß die Entdeckung der Verbrechen( Unterschlagunger Aftenfälschungen u. s. w.) in Chemnik schon publik sei, und sagte a Mangoldt: Nee, härnse, das Ding is Sie zu weid nein beese, da wär mer wohl der Gerächtigkeed freien Loof laffe müssen." Man hoffte nu zwar, durch die Verzögerung würde der Verbrecher Zeit zur Flucht g wonnen haben, aber dieser hatte sich zu fest auf seine Parteigenoffe verlassen, die ihn nun beim Kragen nahmen und auf fünf Jahre in Zuchthaus spedirten. Ein anderes Bild aus neuester Zeit! Ein konservativer Revolverjou nalist, Namens Steinbach, trieb lange Zeit mit größter Frechhe in Dresden sein Wesen. Er griff alle Skandale auf, die in unser moralischen bürgerlichen Gesellschaft ja so häufig sind, und erpreßte vo A Ro te fü auf ich Re mi au üb Ro Ab rui 1 we för nu di eri Fa Τος A1 mi Rc ie # ie e= n er B, it e, JEB n, e= " den Betheiligten Geld, indem er mit Veröffentlichung ihrer Privatange legenheiten drohte und wirklich jede Woche einige Skandalartikel veris öffentlichte. Das Blatt Steinbach's, Shlips" genannt, wurde unbeanstandet in allen Kneipen kolportirt, während jedes Arbeiterblatt verboten und die Herausgeber eines solchen von Polizei und Justiz geradezu geschunden wurden. Denn Steinbach machte in Sozialistenfresserei und leckte Speichel vor dem sächsischen Hofe, da konnte man die anderen Gaunereien schon übersehen. Aber es wurde noch schlimmer mit Steinbach, er beging auch ein Sittlichkeitsverbrechen, indem er die Schwester seiner Frau, ein dreizehnjähriges Mädchen, zu nothzüchtigen versuchte, und zwar vor Zeugen, denn sogar seine Frau war neben anderen Personen mit in dem Zimmer anwesend, in welchem der Angriff geschah. Nun war Steinbach nicht mehr zu retten, er mußte in's Zuchthaus und seine Parteigenossen waren entrüstet über die Blamage, die ein Konservativer sich und der Partei zugefügt hatte. Steinbach saß zwei Jahre, dann kam er wieder, setzte seinen ,, Shlips" fort und beschrieb mit großem Bynismus sogar seine Erlebnisse im Zuchthause öffentlich im Blatte. Dabei nannte er sich natürlich wieder konservativ. Das war seinen Genossen höchst fatal, der Mensch mußte unschädlich gemacht werden, und dies besorgt mit Grazie immer Herr v. Mangoldt. Wegen einer Privatbeleidigung, wie solche Steinbach früher in jeder Nummer dugendweise begangen, wurde Steinbach in Untersuchungshaft genommen. Er hatte den Artikel, der die Beleidigung enthielt, von einem hochadeligen Herrn v. 3rschau( der allerdings auch schon Zuchthäusler war und der sächsischen Aristokratie keine besondere Ehre macht) im guten Glauben erhalten und war nicht einmal verantwortlicher Redakteur. Trotzdem erhielt er nach mehrmonatlicher Untersuchungshaft 9 Monate Gefängniß und der hochadelige Verfasser erhielt 1 Jahr Monate. ch te er tei hr ie n= e= ie m er " So beseitigt Mangoldt seine unbequemen Parteigenoffen- ohne Ansehen der Person." on 390 ng tif er rd= nd V -Im Wahlkreise Bielefeld Wiedenbrück( nicht Bielefeld- Herford, wie wir zweimal irrthümlich schrieben) findet die Wahl am 25. Februar statt. Unsere Genossen sind am 19. Januar mit dem ersten Flugblatt in den Wahlkampf eingetreten, welches auch bereits von dem unvermeidlichen Verbot ereilt worden ist. Für die vereinigten ibt Liberalen kandidirt Herr Ed. Windthorst( Kulturkämpfer außer Diensten), für die Ultramontan Konservativen Herr von Ungern Sternberg, der Chefredakteur der Kreuzzeitung", ein würdiger Nachfolger des biedern Marcard. Unsere Genossen haben in dem Kreise ser einen schweren Stand, da ihre Reihen gerade im Kreise Wiedenbrück durch Auswanderung stark gelichtet sind. Auch fehlt es ihnen, wie sie uns schreiben, sehr an rednerischen Kräften; indessen werden sie thun, was in ihren Kräften steht, ein gutes Resultat zu erzielen, und namentlich die Wahlagitation zur Verbreitung unserer Prinzipien zu benutzen. Leider läuft das Volk dort noch blind den Pfaffen nach, die selbst an Ignoranz nichts zu wünschen übrig lassen. Die Katholiken wählen auf Kommando von Windthorst( Meppen) den protestantischen Mucker. ig" 26ner gs= ten Зад tie: gen f f ner gs: m uf en Die Liberalen wenden Alles auf, um die Stimmen der intelligenten Arbeiterschaft zu fangen, unsere Genossen haben aber nicht daran ver geffen, mit welchen Ehrentiteln Herr Windthorst seinerzeit unsere Partei belegt hat. Mögen die Bourgeois ihren Windthorst wählen", schließt unser Korrespondent ,,, die Arbeiter halten fest an ihrem Programm!" Unsere Genossen in Deutschland rüsten sich bereits fast allerwärts eifrigst zum bevorstehenden Wahlkampf, was jer wir mit großer Genugthuung konstatiren und den noch etwa rückständigen Orten zur Nachahmung anempfohlen. Sehr zu begrüßen ist es, daß die Beschlüsse des Kopenhagener Kongresses dabei gebührend berückPsichtigt werden, namentlich was die Kandidatenfrage anbetrifft. In der Liste der uns gemeldeten Kandidaturen figuriren eine ganze sisch Anzahl ,, neuer Namen". Wir drücken die feste Erwartung aus, daß auch hinsichtlich der Wahlflugbläter den Beschlüssen der Parteikongreffe ticht überall entsprochen werde, und werden unserseits durch eine Reihe von jen, Artikeln über unser Parteiprogramm den Genossen dabei zur Seite stehen. iner jeur uch ndet Auf Wunsch berichten wir schon heute folgende Kandidaturen: Für Leipzig( Stadt): Bebel; Leipzig( London): J. Dietgen; Darmstadt: J. Müller. Volksparteiliche Geschichts- schreibung. Auf der eich schiefen Bahn hält Niemand an. Das zeigt recht drastisch die gute ung Frankfurter Zeitung", die, seit sie den Weg nach Damaskus gefunden, ften immer mehr versimpelt. Da schreibt dieses Blatt legten Sonntag in einem auch Leitartikel über die englische Landfrage, in welchem es seinen RadikalisAls mus durch Schimpfen auf die schwere Veräußerlichkeit des Grund und las, Bodens in England, dem stehenden Thema der englischen Freihändler, en dokumentirt, folgende Geistreichigkeit über die Bestrebungen von Henry sch George und Alfred Wallace: gkeit tt" ,, Um jedem Individuum ein Anrecht auf das Land zu geben, schlagen diese Leute vor, das Land zu nationalisiren, d. h. von Staatswegen alles Grundeigenthum mit Beschlag zu legen. Das ist natürlich keine neue Idee. Sie ist in der französischen Revolution praktisch ausgeführt worden." Diese Entdeckung ist wahrhaft genial. Wir anderen Sterblichen sind bisher der Meinung gewesen, die französische Revolution habe zwar die ve Güter der Pfaffen und Emigranten tonfiszirt, aber nur um sie hinterher chen zu„ kapitalisiren", d. h. an die Spekulanten zu verschleudern, die damit fuch einen einträglichen Handel inszenirten, weit gefehlt! Jetzt erfahren öff wir, daß die französische Revolution den Grund und Boden natio= orin nalisirt habe. Wenn das so weiter geht mit den Geschichtsstudien der cech Frankfurter Zeitung", so können wir uns noch auf große Ueberraschble ungen gefaßt machen. tub ohn hat ben eier " M Sittlichkeitsverbrecher. Bei der Debatte über den Gefängniß Etat tam man im sächsischen Landtag natürlich auch ften wieder auf die Prügelstrafe zu reden, die namentlich gegen Sitt lichkeitsverbrecher u. s. w. angewandt werden muß. Liebknecht erklärte, er habe unter Umständen nichts dagegen einzuwenden. Wenn z. B. die 13 Bengel der„ goldenen Jugend", welche des Abends anständige Frauen auf der Straße insultiren, die Mädchenjäger von Profession, die vornehmen Priester der freien Liebe", die Biedermänner, die ihre Dienstmädchen zu schänden versuchten, mit einer tüchtigen Tracht Prügel bedacht würden, so könnte das nur seinen vollen Beifall haben. Verschiedene Vertreter der Ordnung und Sittlichkeit schauten ziemlich verlegen drein, und der Großenhainer Bürgermeister griff unwillfürlich nach seinen Backen, die feuerroth wurden, als wäre eine kräftige ved Dhrfeige darauf gefauft. and war eine Bravo! Unsere Genossen in Paris haben für das Rothe Kreuz der, Narodnaja Wolja" fünfzig Franreiften, für die sozialistische Agitation in Schweden fünfundzwanzig Franken gesammelt und abgeliefert, was wir auf Wunsch der Betreffenden hiemit quittiren. ben ch agen cent eher icht 000 Ute au Di Ver a B re ine nic feb do ein irts mt ten hal De ger e är' nu g Offe in ou She er Frankreich. Der weitere Verlauf der Debatte über die Geschäftskrisis hat doch etwas mehr gehalten, als nach den ersten Reden zu erwarten war. Clovis Hugues und Tony Revillon haben mit anerkennenswerther Energie die Arbeiterforderungen vertreten und auch Herr Clemenceau hat in seiner dreistündigen Rede manches Richtige über die Ursachen der Krisis gesagt. Sein Antrag, eine parlamentarische Kommission einzusetzen, welche über Umfang der Krisis und Mittel zur Abhülfe Untersuchung anstellen soll, wurde trok Widerspruch der Regieipruch be rung angenommen. Geholfen ist damit freilich sehr wenig. Was würde es selbst nüßen, wenn die Kammer über die wirklichen Ursachen der Geschäftskrisis im Klaren wäre? Würde, könnte sie die nöthigen Konsequenzen ziehen? Würde, könnte sie, aus von Bourgeois gewählten Bourgeois zusammengesetzt, nun auch die einzig wirksamen Mittel zur Abhilfe ergreifen, dem Palladium der Bourgeoisgesellschaft, dem Recht auf Ausbeutung, ernsthaft zu Leibe gehen? Das ist undenkbar. Sie wird im günstigsten Falle sich zu einigen Palliativmittelchen entschließen, wenn es Noth thut sogar etliche Millionen opfern, aber die freiwillige Abdankung ihrer Auftraggeber beschließen, das gibts nicht! Nicht einmal die wirksamste aller heute ausführbaren Maßregeln, den Maximalarbeitstag, wird sie befürworten, denn den verträgt die internationale Ronkurrenz nicht. Um so mehr Grund für die Arbeiter, den internationalen Marimalarbeitstag zu verlangen. Mit um so größerem Vergnügen konstatiren wir, daß unsere franzöſischen Genossen sich immer eifriger an die Diskussion dieser so wichtigen Frage machen. Am nächsten Sonnabend findet in Lyon eine Konferenz zu diesem Zwecke statt, verbunden mit einer großen öffentlichen Volksversammlung, an der, wenn es möglich ist, auf Wunsch der Arrangeure auch ein Delegirter des Aktionsfomite's des Schweizerischen Arbeitertages theilnehmen wird. Die Redaktion des in Guise( Departements A i sne) erscheinenden Devoir"( Die Pflicht), eines fourieristisch- philantropischen Blattes, sendet uns dasselbe zu, indem sie uns auf einen Artikel über die Ab= rüstungsfrage aufmerksam macht. In diesem Artikel wird ausgeführt, daß seit der Annexion von Elsaß- Lothringen das französische Volt allerwärts verdächtigt werde, nur an Revanche zu denken. Diesem Uebelstand, der von den Offiziösen hüben und drüben weidlich ausge nugt wird, könne am besten dadurch abgeholfen merden, daß von einer Konferenz der europäischen Mächte die streitigen Provinzen neutra Iisirt würden; es empfiehlt das" Devoir" der französischen Sektion der internationalen Friedensliga, eine Agitation in diesem Sinne in's Werk zu sehen. Die Jbee wäre unter den heutigen Verhältnissen ganz vernünftig, aber weil sie es ist, darum wird sie ein frommer Wunsch bleiben. Bismarck und Ferry haben gar kein Interesse daran, daß die„ Kriegsgefahr" abnimmt im Gegentheil. Denn sie brauchen das stehende Heer, und zwar nicht minder als gegen den äußeren gegen den in= neren Feind, die Sozialdemokratie. Diese aber ist die einzige wirkliche Friedenspartei, denn wenn sie zur Herrschaft kommt, ist auch die Neutralisation Elsaß- Lothringens überflüssig, da diese Provinzen dann frei sind und selbst zu entscheiden haben, ob sie französisch oder deutsch sein wollen. Immerhin halten wir eine lebhafte Friedensagitation in Frankreich für sehr opportun- für Deutschland! Italien. Wie wir französischen Blättern entnehmen, ist der italienische Revolutionär Cipriani im Bagno erlegen. Er ist das Opfer trasfester Klassen- und Parteijustiz. Trotz aller Maßregelungen macht der Sozialismus auch in Italien tüchtige Fortschritte, auch dort wollen die Arbeiter vom Staatssozialismus und den nach deutschem Vorbild ausgearbeiteten sozialen Reformprojekten des Ministers Berti nichts wissen. In Parma siegte jüngst bei einer Nachwahl der sozialistische Kandidat Dr. Musini mit 3666 Stimmen über seinen fortschrittlichen Gegner, der nur 3351 Stimmen erhielt. Das Wahlrecht ist in Italien bekanntlich beschränkt. Die Kandidatur Musini's war in einer von mehr als 3000 Personen besuchten Wählerversammlung von Andrea Costa warm vertheidigt worden. Auch in Pesaro ist ein Sozialist gewählt worden. Sozialistische Presse und Literatur: ,, Down with the Socialists and Communists!"( Nieder mit Sozialisten und Kommunisten!) Eine von unsern amerikanischen Genossen herausgegebene Agitationsbroschüre. * * * Auf unserm Büchertisch ist eingegangen: Dr. Eugen Jäger, die Agrarfrage der Gegenwart. 2. Abthlg. Soweit wir nach einer flüchtigen Durchsicht urtheilen können, zeichnet sich auch diese Arbeit des bekannten christlich konservativen Sozialpolitikers, gleich seinen früheren Arbeiten, durch sachgemäße Behandlung der Frage, Fülle an Material und klare, übersichtliche Darstellung desselben aus. Eine eingehendere Besprechung dieser Schrift behalten wir uns vor. Parteigenossen! Es sind in einer Anzahl von Prozessen gegen Genossen von uns richterliche Urtheile ergangen, die man als geradezu unerhört in der RechtsVerwaltungsbehörden in Bezug auf das Verbot von Blättern und sprechung bezeichnen darf. Außerdem sind Begründungen der höheren Schriften, Versammlungen, Kassen und Vereinen ergangen, die als Kuriosa eine Art kulturhistorischer Bedeutung haben. Die Berathung der Verlängerung des Sozialistengesetzes in der bevorstehenden Reichstagssession läßt es höchst wünschenswerth erscheinen, daß unsere Parteivertreter im Besiz dieser Aktenstücke sind. Wir fordern deshalb alle Parteigenossen, welche im Besize solcher Aftenstücke sind, auf, dieselben unverzüglich einem unse= rer Parteivertreter zuzusenden. Die Redaktion und Expedition des, Sozialdemokrat." Korrespondenzen Niederlausit, im Januar. Nachdem seit Erlaß des Sozialistengesetzes bereits in Forst und Spremberg öffentliche Versammlungen abgehalten worden waren, in denen Gen. Kayser referirte, hat in jüngster Zeit Gen. Hasenklever eine Agitationsreise durch die größeren Städte der Niederlaufit unternommen. Am 23. November sprach derselbe in Sora u über das Krankentaffengesetz. Trotzdem man den größten Saal gemiethet hatte, war bald der letzte Platz besetzt, und die Menge lauschte andächtig den Worten des Vortragenden. Jedoch änderte sich die Situation, als der von den Gewerkvereinen requirirte Kontroleur Bey in provozirender Weise das Wort ergriff; es wurde ihm größtentheils unmöglich gemacht, seine aufgespeicherte Weisheit auszukramen. Der von uns erzielte Erfolg ließ den Liberalen keine Ruhe, und so mußte sich der Vertreter des Wahlkreises, Witt, kurze Zeit darauf ins Zeug legen, um Bericht über seine Thätigkeit zu erstatten, wozu Dr. Hornih die nöthige Würze gab. Den 24. war Versammlung in Forst mit der Tagesordnung: Die Sozialreform. Der Saal, welcher zirka 1500 Personen faßt, war lange vor Beginn überfüllt, und mußten Hunderte der Nachzügler umkehren. Trotz der Ueberfüllung und der damit verbundenen großen Hize verlief die Versammlung durchaus sachgemäß und wurde nur ab und zu durch laute Beifallsbezeugungen unterbrochen. Zum Schluß wurde auf Gen. Hasenklever ein donnerndes Hoch ausgebracht. Die dritte Versammlung fand am nächsten Tage in Rottbus statt. Der Erfolg war derselbe. Vor einer dicht gedrängten Menge konnte Referent ohne Opposition sein Thema erledigen, und nach Schluß erhoben sich die Anwesenden zur Anerkennung von ihren Sißen. In Spremberg wurde die Versammlung, angeblich wegen eines unpassenden Vergleichs von Seiten des Referenten, durch die Polizei aufgelöst. Ueber die Ausführungen unsers Genossen Hasenklever etwas zu sagen, halten wir für überflüssig, da Jeder von der Gründlichkeit derselben überzeugt sein wird. Ueberall gestaltete sich diese Agitationsreise zu einem wahren Triumph; überall haben die Genossen gezeigt, daß sie tampfesmuthig und treu zur Fahne halten, und wenn auch die Uebrigen, welche bisher der Bewegung indifferent gegenübergestanden haben, den Appell Hasenklevers sich zu Herzen nehmen, so können wir mit bester Hoffnung der nächsten Reichstagswahl entgegensehen. G. F. Niederhaslau bei Zwickau. Wir Haslauer haben im Organ noch nichts von uns hören lassen; in der letzten Zeit aber haben sich bei uns Dinge abgespielt, die wohl verdienen, der Deffentlichkeit mitgetheilt zu werden. Es ist uns nämlich seit kurzer Zeit das neue Berggeset Knappschaftskaffengeset Knappschaftstassengeset zu einer Drientirung der Bergarbeiter in die Hände gelangt. Da nun das Gesez uns Bergarbeitern sehr mangelhaft erschien, beriefen wir am 9. Dezember in Wilkau in den Pleul'schen Gasthof eine Bergarbeiterversammlung ein, in welcher Genosse Wilhelm Liebknecht referiren sollte. Die Versammlung wurde auf 8 Uhr angezeigt, der Referent konnte jedoch erst eine Stunde später erscheinen. Als nun der Einberufer die Versammlung zur Zeit eröffnete und das Wort einem anderen Redner, einem Genossen aus Zwickau, ertheilen wollte, trat der hochlöbliche Herr Oberschandarm aus Zwickau dazwischen und verbot die Versammlung ohne Weiteres. Vorläufig mußten wir uns dem fügen, wir beschlossen aber sofort, eine zweite Versammlung einzuberufen, und die Anwesenden gingen ruhig auseinander. Ein paar Tage darnach gingen zwei Genossen aus Wilkau zu dem Gastwirth Bleul, um nach dem Saal zu fragen. Herr Pleul sagte ihnen, er könne den Saal nicht hergeben; es wäre soeben bei ihm ein Doktor aus einem Nachbarorte gewesen( Leipold wird der saubere Bursche genannt) und habe ihm gesagt:„ Sie wollen um öffentliche Tanzmusit nachsuchen und geben den Sozialdemokraten den Saal? Das wagen Sie ja nicht wieder!" Darauf gingen die beiden Genossen zu dem anderen Gastwirth, Mehlhorn; der erklärte ihnen aber sofort, er könne ihnen den Saal nicht geben, die Sache wäre zu gefährlich." di Das waren die Gastwirthe von Wilkau. So ging es denn nach H a 3Iau( Haslau und Wilkau liegen neben einander, nur durch die Mulde von einander getrennt) zu dem Gastwirth August Meier, mit der Anfrage, ob er wohl auf Mittwoch, den 19. Dezember, seinen Saal zu einer Bergarbeiterversammlung hergeben würde; Meier sagte zu, und als er sich versichert, daß die Versammlung keineswegs eine politische sein, sondern nur die fachlichen Interessen der Bergarbeiter betreffen würde, war er erst recht mit Allem einverstanden und versprach auf Ehrenwort und Handschlag den Saal. aid biru de ad E Kaum war die Versammlung der Amtshauptmannschaft angezeigt und in den beid en Zwickauer Blättern bekannt gegeben, so fällt es Hern Meier plöglich doch ein, den Saal zu verweigern, und alle unsere Mühe war umsonst, Meier war nicht mehr zu bewegen. Niederhaslau zählt zirka 4000 Einwohner, fast ausschließlich Berg- und Hüttenarbeiter; sonst enthält es nicht einmal ein Bauerngut, nur eine große Mühle. Nun, so mag denn Herr Meier von dem großen Müller und dessen Buchhalter, der alles Gute zu Tage fördert, und den übrigen Konsorten leben, wir Bergarbeiter werden ihm zeigen, daß wir ihn nicht nöthig haben. Man sollte meinen, daß es solchen Gemeinden, wie Niederhaslau, Wiltau 2c., wo viele Bergarbeiter wohnen, recht sein müßte, wenn wohlmeinende Männer eintreten für eine soziale Besserstellung der Bergarbeiter, anstatt dem entgegenzusteuern. Denn sie kennen die Lage der Bergarbeiter, sie wissen, daß der Bergarbeiter, der seine Gesundheit auf dem Schacht eingebüßt hat, von seiner Pension nicht leben kann, so daß von Steuerzahlen gar keine Rede sein kann, er vielmehr zum Theil noch von der Gemeinde unterstützt werden muß. Und doch solch ein Gebahren! Nun, macht nur so zu! Wir werden es uns merken! Einstweilen mag der Gemeinderath von Denen unsere Steuern verlangen, die uns entgegentreten; sie sind uns sehr gut betannt. Die Herren wollen Männer der Ordnung sein, und sie sind es, die den Arbeiter immer mehr in's Verderben bringen. Bei der bevorstehenden Reichstagswahl aber werden die Herren wieder wie gewöhnlich vor Liebe für den Arbeiter triefen. Nun, Ihr habt uns gezeigt, wie Euer Herz für den Arbeiter schlägt; wir werden es nicht vergessen. Wir werden nicht versäumen, wie wir immer gethan, nicht nur für unseren Ort, sondern auch anderwärts zu arbeiten, den Wahlkreis, den Ihr uns genommen, wieder in unsere Hände zu bringen. Stuttgart, 11. Januar. Gestern fand gegen Behr und Voigt, deren Verhaftung ich seinerzeit mittheilte, die Gerichtsverhandlung statt, nachdem gegen die übrigen in Untersuchung gezogenen Genossen Taute und Stockinger Ende Dezember die Untersuchung eingestellt worden. Das Urtheil lautete gegen Behr auf 6 Monate Gefängniß, gegen Voigt auf Freisprechung. Beweise lagen gegen Behr massenhaft vor, d. h. was so ein deutscher Richter Beweise nennt dem gewöhn lichen Menschenverstand aber beweisen diese Beweise nichts weiter, als daß von Württemberg aus in den beiden letzten Jahren viele Sendungen von gewissen Kreisen unangenehmen Schriften in Deutschland verbreitet wurden. Alles, was das Brüderpaar Post und Polizei in den letzten Jahren an Sendungen verbotener Schriften zusammengestohlen hatte, wurde auf's Behr Schultern abgeladen. Freilich waren sich Staatsanwaltschaft und Richterthum klar, daß ihre Beweisführung etwas Gewaltſames hatte, und die Anklage richtete sich deshalb auch gegen Behr und Genossen. Die„ Genossen" hatten sie aber nicht und wie die Anklage selbst ausführte sie kannten sie nicht einmal. Den Behr aber hatten sie was liegt also für deutsche Richter näher, als daß sie den in ihren Händen Befindlichen für die Thaten anderer, ihnen unbekannter ,, Genossen" haftbar machen! Man sah es dem Staatsanwalt ordentlich an, daß es ihm gar nicht angenehm war, daß er seinen Strafantrag auf nur 6 Monate höchstes Strafmaß! stellen konnte. Natürlich waren die ,, unabhängigen Richter" ganz derselben Meinung wie der biedere Staatsanwalt. So ein Sozialdemokrat, besonders wenn er noch ,, Genossen" hat, die man nicht kennt, kann doch unmöglich freigesprochen werden! Ist er auch nicht schuldig, so könnte er doch schuldig sein. Die Genossen!" Können das nicht die Kumitsche sein, die die Bankiers ausrauben? Man kann von einem deutschen Richter doch nicht verlangen, daß er den Unterschied zwischen Anarchisten und Sozialisten kenne; beide sind ,, isten ergo wurde Behr verdonnert. Aber zum Beweis, daß auch die deutschen Richter Milde zu üben im Stande sind, rechneten sie von den 10 Wochen Untersuchungshaft fünfzehn Tage auf die Strafe an. Wie human! Wie milde! Uebrigens wäre Behr, auch wenn er keinen unbekannten ,, Genossen" gehabt hätte, doch verknurrt worden! Honold hatte gesagt, daß Behr der Mann sei, der so hübsche Geschichten über ihn, den Polizeikommissar, im ,, Sozialdemokrat" veröffentlicht habe. Honold mußte das wissen, und Honold lügt nicht. Behr mußte also verdonnert worden, und um ihn auch, wie so vielen Anderen schon geschehen, zum Lande hinausheßen zu können, wurde auf 3ulässigkeit der Aufenthaltsbeschränkung erkannt. Es gibt noch Richter in Deutschland, aber sie sind auch danach. Köln, 6. Januar. Korruptionsblüthen. In unsere Nachbarschaft haben wir eine Bürgermeisterei Efferen, welche, zum Landkreise Köln gehörig, aus mehreren Dörfern und Ortschaften besteht. Die nächstliegenden, an die Stadt Köln grenzenden Orte sind Sülz und Lindenthal. In diesem letteren Orte, welcher größtentheils neuangebaut ist und wegen seiner schönen gesunden Lage sehr viele kleine Rentner und wohlhabende Privatleute als Bürger hat, ist auch der Sit des Bürgermeisteramts für Efferen. Als Verwalter dieses Amts fungirte bis vor Kurzem der Sohn des ehemaligen Steuerverweigerers Weygold. Wie er sein Amt verwaltet hat, das stellte sich heraus, als ihn ein Oberlehrer, welcher keinen Gehalt bekommen konnte, verklagte. Aber erst auf dreimalige Beschwerde wurde die Sache untersucht, und da hat sich denn ein System geoffenbart, wie man es bisher nur in Rußland zu suchen gewohnt war. Bevor ich auf die Einzelnheiten eingehe, bemerke ich noch, daß schon in den Jahren 1877 und 1878 durch unser damaliges Organ, die ,, Kölner Freie Presse", dem Bürgermeister am Zeug geflickt wurde, und nur dem Ausnahmegesetz hatte er es zu danken, daß er nicht schon damals mit dem Zuchthause in nähere Berührung fam. Der Bürgermeister verstand es, durch seine imponirende Persönlichkeit alle Beamten, z. B. Postagenten, Kommunalempfänger, Gemeinderäthe, Polizisten, zu seinen willenlosen Werkzeugen zu machen, so daß er alle Gelder, die auf der Post oder in die Steuerkaffe eingingen, für seine eigenen Bedürfnisse verwenden konnte. Jm Jahre 1877 hatte angeblich auf der Postagentur in Lindenthal ein Diebstahl stattgefunden. In demselben Hause war auch eine Wirthschaft, welche dem Postagenten Weuther gehörte. Abends vor dem angeblichen Diebstahl befanden sich in der Wirthschaft als einzige Gäfte der Polizist und Feldhüter Buche und der Maurermeister Reusch. Dem Buche war es schon lange fein Geheimniß mehr, daß der Bürgermeister Geldsendungen, welche auf der Post antamen, zunächst für seine wollüftigen Zwecke verbrauchte, bis dann nachher der betreffende Empfänger tam und reklamirte. Dann wurde eiligst ein Polizist nach dem nahegelegenen Ehrenfeld geschickt und dort das Geld aus der Kommunalkaffe gepumpt. Der Postagent hatte dem Buche sehr oft geklagt, daß er vom Bürgermeister kein Geld zurückbekommen könne, er würde schließ= lich unglücklich werden, wenn einmal plöglich eine Revision abgehalten würde. Was war nun da zu machen? Der Bürgermeister hatte kein Geld, der Postagent auch nicht, und da fiel dem Bürgermeister der Plan ein, einen Diebstahl glaubwürdig herzustellen. Der Plan gelang. An dem nach dem Hofe zugelegenen Zimmer wurden die Fenster zertrümmert, und Freimarken, sonstige Postwerthzeichen, sowie leere Postbeutel auf dem Felde in der Richtung nach Braunsfeld zerstreut, um so den Diebftahl glaubhaft erscheinen zu lassen. Dem Bürgermeister war es hinlänglich bekannt, daß der Polizist Buche in verschiedene Sachen einen Einblick hatte und daß ihm dieser unter Umständen gefährlich werden konnte. Er, als oberster Wächter, sollte nun amtlich den Spizbuben ausfindig machen. Zunächst hatte er also nichts Eiligeres zu thun, als einen Verdacht auf die beiden zuletzt in der Wirthschaft anwesenden Buche und Reusch auszusprechen, und diese beiden wurden denn auch, verhaftet und vier Monate in untersuchung gehalten, bis sie schließlich wegen Mangel an Beweisen entlassen werden mußten. Als Buche wieder auf seinem Posten war, versprach ihm der Bürgermeister alles mögliche, was er als Ersatz für seine Leiden haben solle; aber sobald er dachte, daß Buche ihm nicht mehr schaden tönne, entließ er ihn aus dem Dienste, denn er konnte selbstständig denkende Leute nicht neben sich dulden. Darauf strengte Buche eine Klage gegen den Bürgermeister an, wurde aber als nicht glaubwürdig abgewiesen. Soviel ist sicher: wenn der Staatsanwalt die Sache untersucht und den Buche sowie dessen Nachfolger Kretz als Zeuge laden läßt, so wird der Bürgermeister sich als Post die b herausstellen, nebst seinen Helfern. Wie der Bürgermeister in der Gemeindekasse gewirthschaftet hat, zeigen die jetzt vorgenommenen Revisionen. Bis zum Jahr 1879 zurück fehlen 55,000 Mt. Von da ab zurück bis 1873 wird noch revidirt und es wird so annähernd ein Defizit von hundertfunfundvierzigtau= send Mark veranschlagt. Außerdem sind noch eine Menge Privatgelder unterschlagen worden, welche Posten ich im Einzelnen, soweit der Vorrath reicht, aufzählen werde. In Lindenthal wurde ein Verschönerungsverein gebildet, um Gasanlagen zur Beleuchtung der Straßen 2c. einzurichten, und zwar war das Gas von der Stadt Köln zu beziehen. Es wurden zu dem Zwecke an alle ansässigen Bürger Karten ausgegeben, um einen jährlichen Beitrag zu zeichnen. Es waren zu diesem Zwecke in die Tasche des Bürgermeisters 3971 Mt. eingegangen. Die Gasfabrik von Köln hat natürlich davon keinen Pfennig bekommen, denn das war beim Bürgermeister nicht Mode. Als nun der Krach kam, zahlte der Vorsitzende dieses Vereins, der Eisengießereibefizer Heyden, 4000 Mt. aus seiner Tasche an die Gasfabrik, um die Sache einigermaßen zu vertuschen. Um recht viel Geld zu machen, hatte der Bürgermeister einem seiner Getreuen, dem Polizisten Ever, auch den Posten des Steuereretutors übertragen, den dieser auch für seine und des Bürgermeisters Tasche zu verwalten verstand. Man vergegenwärtige sich nur, was ein Polizist als Exekutor bei den armen Leuten fertig bringen kann! Every tafsirte auch zugleich die Gelder ein, was gesetzlich gar nicht zulässig ist. Wie leicht war es fertig zu bringen, das Geld bei zahlungsfähigen Leuten herauszupreffen und nachher im Steuerregister als uneinbringlich zu verzeichnen! Lindenthal gehört zur Pfarrgemeinde des Nachbarortes Kriel. Der Bürgermeister hat von dem dortigen Friedhofe so viele Gräber à 20 Mt. verkauft, daß jetzt die Gemeinde gezwungen ist, einige Morgen Land anzukaufen, um die ärmeren Leute beerdigen zu können. Natürlich war das Geld für die Gräber in die Taschen des Bürgermeisters gewandert. Die Inhaber von Tanzlokalen in der Bürgermeisterei& fferen mußten für die Erlaubniß eines Tanzkränzchens oder dergleichen je 6 Mt. Armengebühren bezahlen. Selbstredend war der Bürgermeister der nächste ,, Arme", in dessen Taschen sich das Geld verlief. Ich muß die heiteren Sachen unterbrechen und einen Fall trauriger Art anführen, der allein schon genügt, wenn die Wahrheit desselben sich durch die Untersuchung ergibt, daß dem Bürgermeister die Thore des Zuchthauses geöffnet werden müssen. In Glasgow in England besteht eine Speditionsgesellschaft Devis Dörner und Kompagnie. Diese hatten sich eines jungen Knaben angenommen, dessen Eltern dort wohnten. Sie ließen denselben ausbilden, und da er talentvoll war, so lernte er sieben Sprachen sprechen und forrespondiren. Später wurde er damit betraut, Reisen zu machen, und gründete in verschiedenen Städten Filialen, so auch in Köln. Die Eltern zogen, da sie Deutsche waren, herüber, und wohnen noch heute hier in Lindenthal, Franzstraße 8. Der Vater ist ein armer Schuhmacher und heißt Rademann. Der Sohn, welcher geboren wurde, bevor die Trauung stattgefunden und dessen Umschreibung nachher von den Eltern versäumt wurde, führte den Namen Louis Trautmann, genannt Rackemann. Die Filiale hier in Köln ging ein, und Trautmann wurde von seiner Firma beauftragt, nach Rom zu gehen und dort eine Filiale zu gründen. Dieser talentvolle Mann wurde in Rom irrsinnig und man brachte ihn nach Deutschland zurück in eine hiesige Anstalt. Die englische Gesellschaft verpflichtete sich, die Verpflegungskosten für den jungen Mann zu tragen, und in Folge dessen wurde er in die Privatanstalt des Doktors Kohlmann nach Bendorf bei Koblenz gebracht, wo er sich heute noch befindet. Der Mann ist jetzt drei Jahre dort und soll nach den bestimmten Aussagen seines Vaters und eines Wärters seit einem Jahre vollständig gesund sein. Die Ursache, warum der Mann nicht in Freiheit gesetzt und seinen Eltern, die so heiß nach ihm verlangen, wieder gegeben wird, hat den Grund darin, daß, wie uns glaubwürdig versichert wird, der Bürgermeister pro Tag von der englischen Gesellschaft 9 Mt. Verpflegungsgeld bezieht. Außerdem ist aber auch der Bürgermeisterei Efferen die Verpflegung aufgebürdet worden, trotzdem der Mann in einer Privatanstalt untergebracht ist, was eigentlich gar nicht zulässig ist. Der Vater wurde nämlich aufgefordert, den Manifestationseid zu leisten, was auch geschah, weil er mittellos ist. In der Anstalt zu Bendorf wird der junge Mann ganz verwahrlost, so daß er fast im Ungeziefer umkommt; und es liegt die Vermuthung nahe, daß dieser Anstaltsdirektor von dem Betrug weiß und daran betheiligt ist. Die Eltern hatten, soviel sie konnten, gespart und ihrem Sohn Kleidungsstücke im Werthe von 200 Mark geschickt, wovon der Sohn keinen Fehen bekommen hat. Als der Vater einmal die Erlaubniß bekam, seinen Sohn zu besuchen, reiste er mit einem Verwandten dorthin, und sie fanden den Sohn ganz entstellt gekleidet; man hatte ihm sogar verweigert, sich sein Haar zu kämmen! Es wäre dringend zu wünschen, daß hier schleunigst Hilfe gewährt wird und der Mann seine Freiheit wieder erlangt! Nun kann die heitere Geschichte wieder beginnen; und es sind noch einige Posten zu erledigen. Ein Eisenbahnbeamter Namens Trimborn aus Lindenthal wurde in Untersuchung gezogen wegen Meineids. Er hatte eine sehr schöne Frau, was der Bürgermeister wußte. Besuche, die er der Frau abstattete, haben das Resultat fertig gebracht, daß der Mann aus der Haft entlassen wurde und Niemand etwas mehr von der Sache gehört hat. Unser Bürgermeister war nämlich ein Kenner und Verehrer von Naturschönheiten, wie ich noch später in manchen Fällen anführe. Später sollte einmal die schöne Frau auch einen Eid schwören. Als Richter fungirte der alte Justizrath Eilender. Als die Frau sich bereit erklärte, zu schwören, schärfte ihr der Richter sehr eindringlich die Wichtigkeit des Eides ein und bemerkte dabei:" Sie werden wohl wissen, daß Ihr Mann durch den Bürgermeister Weygold losgekommen ist. Denken Sie nicht, daß es Ihnen bei mir auch so gehen würde, denn bei mir kann der Bürgermeister nichts machen!" Die Rede hatte so gewirkt, daß die Frau weinte, zur Thür hinaus lief und nicht schwor. In Efferen wohnt ein wohlhabender Bauer Namens Kaltwasser. Es hatte einmal eine tüchtige Prügelei stattgefunden und die Folge war, daß der Sohn dieses Kaltwasser zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Als der Termin nahe heran rückte, die drei Monate abzubrummen, war es dem Burschen doch nicht einerlei, und er sagte zu seinem Vater, er möchte doch lieber 200 Thaler geben, als drei Monate figen. Der Alte wollte aber kein Geld hergeben. Jest ging er zum Onkel und stellte dem die Sache vor. Dieser war entschlossen und borgte ihm die 200 Thlr. Mit dem Gelde ging der Bursche zum Bürgermeister Weygold. Er ward dort zuerst in üblicher Weise angeschnauzt, als er aber sagte, daß er bereit sei, ein Opfer zu bringen, da war die Sache schon ganz anders. Der Bürgermeister sagte: Ich weiß zwar nicht, ob ich etwas thun kann, aber wenn es gelingt, dann reicht die Summe lange nicht hin. Sie können einmal das Geld hier lassen, dann will ich sehen, was zu machen ist." Der Barer ließ das Geld da, und er hat von der ganzen Sache nichts mehr gehört und gesehen. Früher war ein Postagent Namens Greiner in Lindenthal, dieser wurde auch einmal von einer Revision überrascht, und weil Defizit in der Kasse, wurde er von seinem Posten abgesetzt. Der Bürgermeister nahm ihn darauf als Hilfsschreiber zu sich. Dieser Hilfsschrreiber baute nun ein Haus.( Er hatte etwas geerbt, wie man sagt, 800 Thlr.) Er wurde jedoch mit dem Bauen nicht fertig, weil er zu wenig Mittel hatte, und das Haus stand zur Subhastation ausgeschrieben. Der Bürgermeister wußte jedoch Rath zu schaffen, und brachte es mit den Gemeinderäthen fertig, daß das Haus für die Gemeinde vor der Versteigerung zu einem hohen Preise für das Amtsgebäude angekauft und auch der Gemeinde in Berechnung gestellt wurde. Eine Wirthschaft, welche in diesem Hause eingerichtet war, hatte der Bürgermeister vermiethet und dem Wirthe wurde aus dem Gemeindesäckel freie Heizung und Licht und alle sonstigen Vortheile gewährt. Jetzt nach dem Krach finden sich auch noch Gläubiger wegen dem Gemeindehause. Ein Helfershelfer des Bürgermeisters war der Polizist End ruler. Dieser mit dem eisernen Kreuz dekorirte Schurke war zu allem, was Lüderlichkeit und Schlechtigkeit mit sich bringt, fähig. Wenn der Bürgermeister keine Lust hatte, auf seinem schweren Posten zu sizen, so war dieses Subjekt an dessen Stelle. Wenn Jemand kam, um mit dem Bürgermeister zu sprechen, so wurde er wie ein Thier angebrüllt, und der Lump verlangte absolut zu wissen, was der Betreffende bei dem Bürgermeister wolle. Endruler kam sehr oft in Konflikte und war dann gleich mit dem blanken Säbel bei der Hand, so daß es häufig schwere Mißhandlungen gab. Wenn jedoch Jemand bei dem Bürgermeister eine Klage anmeldete, so war gewöhnlich der Schluß, daß der Polizist als Zeuge auftrat und der Mißhandelte als Angeklagter noch bestraft wurde. Kurz vor der Verhaftung des Bürgermeisters sollte dieser Endruler noch Kommissar werden, und es wäre auch gelungen, wenn nicht eine komische Geschichte dazwischen gekommen wäre. An der Hauptstraße ist eine Wirthschaft Lim p. Dort kehrte der Polizist eines Tages ein und verlangte ein Glas Bier. Da die Luftpumpe leer war, so mußte die Magd in den Keller gehen, um Luft zu pumpen. Der Polizist paßte die Gelegenheit ab und ging der Magd nach in den Keller. Aber es dauerte nicht lange, da fing die Magd an zu schreien, und das Ende vom Liede war, daß der Polizist nicht Kommissar wurde und froh sein konnte, daß die Sache nicht weiter zur Anzeige kam. Auch fehlte es in Lindenthal nicht an solchen Häusern, wo man an gewissen Naturschönheiten sich ergößen konnte; es war aber nur für die Noblesse. Ein Wirth hieß Aug. von Conzen und wohnte in einer etwas abgelegenen Straße. Es war allbekannt, daß da so etwas" zu haben war. Auch der Bürgermeister war in dieser Sache gut unterrichtet und sogar ein ständiger Kunde. In einer anderen Wirthschaft, Martens, wo derselbe ebenfalls Stammgast war nebst seinem Schwiegervater, dem Privatmann und Anstaltsbefizer Maaßen und dessen Sohn, war lange das Geschäft gut gegangen und der Wirth konnte sein Geschäft ganz ungenirt betreiben; da passirte den dreien einmal so etwas, daß sie ärztliche Mittel anwenden mußten; und da ging es plötzlich nicht mehr; der Wirth wurde vor Gericht gestellt und wegen Kuppelei bestraft. Nach diesen Vorfällen möchte man fragen, wie es eigentlich möglich war, daß eine Gemeindevertretung so etwas mitansehen konnte. Jedoch der Bürgermeister war ein so koulanter Herr, daß er Jeden zu täuschen vermochte. Das hat er sogar dem Landrath v. Wittgenstein gegenüber bewiesen. Eines Tages kam derselbe zur Revision auf das Bürgermeisteramt. Der Bürgermeister saß ganz gemüthlich in seinem Sessel, und nachdem das übliche Kompliment stattgefunden und der Landrath erklärt hatte, daß er zur Revision gekommen sei, warf sich der Bürgermeister in die Brust und sagte ganz majestätisch: ,, Herr Landrath, Sie können versichert sein, was ich mache, das ist gemacht!" Und der brave Landrath war verblüfft und freute sich über seinen so tüchtigen Unterbeamten. Die Gemeinderäthe haben immer, wie das so Mode war, wenn der Bürgermeister die Rechnung vorlegte, ruhig unterzeichnet. Dafür hatten sie ja vom Bürgermeister auch viele Freiheiten zu erwarten. Ein Original dieser Schöpsen, welches jahrelang seinen Posten bekleidete, muß ich noch im Vorbeigehen bedenken. Es heißt Heuser und wohnt in Sülz, wo es ganze Straßen gebaut hat und dadurch ein reicher Mann wurde. Heuser ist nicht verheirathet, hält jedoch immer ein paar schöne Dienstmädchen und man hat ihm nach kölnischer Mundart den Namen ,, Büggel- Hüser" beigelegt. Daß er diesen Namen ehrlich erworben, davon ist Jeder überzeugt, und es ist allgemein bekannt, daß viele Kinder, welche ihm auf der Straße begegnen, ihn Papa Heuser nennen. Es ist Thatsache, daß viele Mütter früher bei ihm gewohnt, und daß er, wenn etwas nicht recht koscher war, ihnen bei der Heirath behülflich war und auch noch, wenn es nicht anders ging, ein paar hundert Thaler dazu gab. Infolge des reaktionären Gemeindewahlgesetzes war es möglich ge= worden, daß solche Leute jahrelang auf dem Posten bleiben konnten. Später werde ich einmal die übrigen Stüßen der Gemeinde vornehmen, und es wird sich noch viel Interessantes herausstellen. Ueber den Bürgermeister wird wegen Fülle des Stoffes noch eine Fortsetzung nöthig werden. Heute mag es an dem Miegetheilten genug sein, um Staatsanwalt und Richter zu verhindern, den Schurken entschlüpfen zu lassen. Der rothe Voltsanwalt. Chicago, 4. Januar. Ich möchte einige Worte an die deutschen Sozialisten in Amerika, und insbesondere an die Leser des„ Sozialdemokrat", richten. " Genossen! Ich bin der Ansicht, daß wir Sozialisten hier in Amerika öfters Korrespondenzen an den Sozialdemokrat" senden sollten. In dieser Hinsicht geschieht fast gar nichts, es scheint fast, als ob wir den ,, Sozialdemokrat" ignorirten. Dasselbe wäre für die Anarchisten hier: selbst ein gewünschtes Fressen. Ich sagte, es scheint fast so, als wenn die Genossen hier den ,, Sozialdemokrat" ignorirten. Ich weiß sehr gut, welche große Opfer die Sozialisten in Amerika ihren deutschen Genossen gebracht haben und ferner bringen werden. Ich meine dasselbe auch nur in Hinsicht auf Korrespondenzen im„ Sozialdemokrat" von hier. Dieselben würden viel zur Klärung unserer Ansichten und zur Fühlung unter den hier im Lande so zerstreut lebenden Genossen und Lesern des Sozialdemokrat" untereinander beitragen. Wir könnten dadurch besser besprechen, wie und auf welche Art und Weise zur Verbreitung des„ Sozialdemokrat" u. s. w., für die Unterstützung unserer Genossen in Deutschland, in geistiger und materieller Hinsicht, sich am meisten wirken läßt. Meiner Ansicht nach ist Obiges der beste Weg, Genossen, und auch die höchste Zeit dazu, da es dieses Jahr in Deutschland wieder viele, viele Opfer verlangt zu den Reichstagswahlen. Jeder Genosse weiß, von welcher Bedeutung dieselben als Agitationsmittel für die Sozialisten in Deutschland find. Wenn auch die Anarchisten sich geberden wie Ochsen vor emem rothen Lappen, wenn vom Wählen die Rede ist, und die Most'schen Anarchisten Halloh, halloh, Du Häuflein Streiter, Auf Feinde trifft man überall; Doch vorwärts, muthbeseelt und heiter Hinüber über Schanz und Wall: Der Freiheit haft Du laut geschworen Und Recht und Wahrheit Dir erkoren! Und wo sie zieht, die Schaar der Freien, Da wächst und doppelt sich das Heer, Und lichtet Kampf auch oft die Reihen Die Woge tost und schwillt zum Meer. Der Freiheit haben wir geschworen, Und Recht und Freiheit uns erkoren. Hurrah, hurrah, mit sicherm Schritte Dringt unser Heer beständig vor, Begeistrung herrscht in unsrer Mitte, Erschließet uns der Zukunft Thor. Der Freiheit hat das Heer geschworen, Das Heil der Menschheit sich erforen! Der deutsche Poet. Achtung! In Zeulenroda( Reuß ä. Linie) ftreiten 400 Weber det Firma Heinrich Schopper, welche in rücksichtslosester Weise eine Lohnherabsetzung von 10 bis 25 Prozent verfügt hatte. Es wird dringend ersucht, Zuzug fern zu halten und nac Möglichkeit Unterstüßung zu senden, da die Betroffenen nur übe geringe Mittel verfügen! Unterstütungen sind zu senden an Herrn Albis Reichelt, 3eulenroda( Reuß ä. Linie). In Neumünster( Holstein) streiken die Arbeiter der Tuch fabrik Bartram Söhne in Folge einer Lohnreduktion von 20 Proz und nach dem jeder Versuch eines gütlichen Vergleichs gescheitert war. Auch hier sind Unterstügungen dringend erwünscht, und ist die Expedition des„ Sozialdemokrat" gern bereit, die Uebersendung der felben zu vereiteln. Wir rathen übrigens den Genossen in Deutschland, um Verzöge rungen zu vermeiden, etwaige Unterstützungen direkt an St Heinzel in Kiel, Klosterkirchhof 3, zu senden. 1 Briefkasten _ 750 tu I Beb und dar ber QU P 100 ait Ang halt Vor Spri S die bra fle baß ift, inte fich Ver De ang übe bag der Expedition: H. Ntsche N.- Y.: Bstllg. folgt. Weiteres etwas modifizirt. Betr. 2 Bd. Kaptl. siehe Engels Vorwort zur 3. Aufl. I. Bd. Bickelhaube: Rmtt. v. 21./I. erh. u. gutgebr. Marken per Kreuzbd gut eingewickelt demnächstigen Remittenden beigepacken. K. u. Sje, Baltim.: Sdg. nach Vorschr. besorgt. Avisirtes angenehm. P. a. a. a. Fr. 2, Ab. 1. Du. pr. K. erh. Catilina: Fr. 3, f. i. B. erh Rother H. D. Paris: Fr. 2,50 Ab. 1. Du. 1884 erhalten. Hans: M. 23, baar u. M. 11,20 Ggr, pr. Jan. Ab. gutgebr. W. T. Schbch. öwfl. 3, f. Schft. erh. F. B. Fbg.: M. 1,45 f. Schft erh. F. Sch. Genf: Fr. 30, f. Schft. erh. E. J. M. W. M. 3, Ab. erh. Adr. geordnet. Ph. C. Anvers: Fr. 8,- Abon 4. Du. Flg. besorgt. J. H. G.: öwfl. 1, Ab. Dez. 83 u. Jan. 84 erh K. Z. N.: Fr.-, 60 f. Schft. erh. Zürich: Fr. 2,- pr. Ufos ges. v. Gen. i. Lwhf. dkd. erh. Nr. 500: M. 3,- Ab. 1. Qu. 1. Kardinal: M. 100,- à Eto. Ab. 2c. 75 Pfg. pr. Ufd. dkd. erh. A. A. G. a. 2.: erh. Addr. geordnet. Mehrbestllg. u. Schft. folgen. M. 2, Ab. März u. April durch W. erh. A. B. Derlf.: Fr. 2, Abon. Febr. u. März erhalten. C. A. Bbg. M. 3, Ab. 1. Du sont erhalten. R. V. Ostraß: Fr. 1, für Schriften erhalten. ift, Ahasverus: M. 6, Ab. 4. Du. 83 u. 1. Du. 84( D. F.?) Addr. Th. Urt gutgebr. P.- Gen. Groitsch: M. 9,70 pr. Ufds. erh. Der Alte: M. 20,30 Ab. 1. Du. u. Schft. erh. Addr. geordnet. Flamme i. D.: M. 52, à Eto. Ab. 2c. gutgebr. Trauschky Caltowie Südaustral.: Fr. 25,20 f. Ab. erh. 3sdg. erwünscht. Vbhdlg. B. B. Bfe. erh. R. u. Co. P. öwfl. 5, à Eto. Ab. erh. W. Adfhr. Brn: Fr. 2, Ab. 1. März bis Ende Mai erh. Nwdn. Z.: Fr. 6,- pr. Ab. erh. -h- n: M. 93,70 pr. Ab. 2c. erh. Cto. pr. 1. Jan. 84 geordnet. Unversöhnlicher: Bfe. v. 2. ds. hier. Mehrbstllg. folgt. Weiteres durch R. besorgt. 2. Mrtn. Lawrence: Fr. 25,30( 5 Doll.) à Cto. Abon gutgebr. New- York: Fr. 121,50( 24 Doll.) für den Wahlkreis Frank furt a. M. gesammelt v. ,, Bund Stark im Recht" dkd. erh. u. besorgt Anzeigen. Wir kaufen zurück behufs Erstellung einer Anzahl Completexemplare des„ Sozialdemokrat" ( seit Anbeginn). wei fpre lich Mo Mo We bie Aut ift and bie in eint Att De pres an nur Vom Jahrgang 1882 Nr. 30, 32 37, 49, 50( ie ca. 6 Exemplare.) Vom Jahrgang 1883 6 Expl. Nr. 13, 12 Expl. Nr. 12, je 3 Expl. von Nr. 9, 8, 7.; 5 Expl. Nr. 6; 8 Expl. Nr. 5; 6 Expl. Nr. 3 und 3 Expl. Nr. 2. Filialexpedienten, Vertrauenslente ze. ersuchen wir dringend, ber dieses Gesuch besonders in Vereinen 2c. bekannt zu geben und sich der Sammlung anzunehmen. Die Expedition des„ Sozialdemokrat". Durch uns ist zu beziehen: Die ſich zur Bekämpfung unserer Genoſſen in Deutſchland mit den Kapita Entwicklung der Eigenthumsverhältniſſe. listen verbinden, so muß uns das nur umsomehr anspornen zur größeren Unterstützung in jeder Hinsicht. Wir wissen alle, daß durch das Wählen der Sozialismus nicht zur Herrschaft gelangt. Es ist aber auch ein Mittel zum Zweck. Bekanntlich entsteht die Wuth der Anarchisten dagegen aus dem Be= wußtsein ihrer Schwäche, und diese denken sie durch ihre Phrasen zu verdecken. Wenn sie nur einer großen Stimmenzahl sicher wären, dann würden auch sie wählen, und die Phrasen klängen dann wenigstens nicht so lächerlich. Jetzt ist es mit denselben wie mit dem 6jährigen Buben, der sich einen großen Hut aufsetzt und dann wähnt, er sei ein Mann. Die Genossen des Unabhängigen Vereins der Südwestseite von Chicago" und die Newyorker Genossen D. Reimer und Fabian sind schon einmal mit einem Plane zur Unterstützung der Sozialisten in Deutschland an die Deffentlichkeit getreten. Meiner Ansicht nach realisirte sich die Sache besser, wenn wir neben den sozialistischen Blättern hierzulande auch den Sozialdemokrat" zur Korrespondenz benutzten. Möge das Vorstehende die amerikanischen Genossen veranlassen, ihre Ansichten darüber auszusprechen. Der rothe Zapfenstreich. Melodie: Das Gebet des Zapfenstreich 3. Ringsum die Welt in starren Banden, Das Volk gedrückt, sein Mund ist stumm, Doch eine kleine Schaar vorhanden, Die wühlt und wälzt den Boden um: Der Freiheit hat die Schaar geschworen Und Recht und Wahrheit sich erkoren! W. A. flour Von Karl Frohme. ( 354 Seiten, groß Dktav.) a Preis: 5 Franken Volksbuchhandlung = 4 Mark. Franko für Rabatt. und Hottingen- Zürich. an 23 wa Art gen ftre gefe re #f Wa mü feit We felm Expedition des ,, Soz." bie ber prewur and sche form folg Herrmann Nitsche, 548, 9. Ave, New York City. bief Sozialistische Arbeiterpartei Amerika. door Sektion New- York. geg mei Vol Sigung des Zentralfomites jebden Dienstag Abends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres fiehe ,, New- Yorker Volkszeitung". kam lösi faf Schweizerische Genossenschaftsbuchdruckerei Hottingen- Zürich. abe Sein bestassortirtes Lager sämmtlicher bekannter deutscher und englischer sozialdemokratischer Schriften empfiehlt zum Verkauf [ 1.00]