Erscheint wSch.Ntlich einmal tll Zürich(Schweiz). Acrtag drr »olktdnchhandlnng Hattingen-Zürich. SaftftuiiiKgtit tTenlo gegen ftanl» Vevihnllche Briefe nach der Schweiz laßen Dappelporio. N: 7 Jentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, t4. Februar Abonnements werden bei allen fchweizerische» Postbureaur, sowie beim Verlag und dessen belannien Agenten entgegengenommen, und zwar zum vara u»> ahlbar«« BierteljahrSprelt von- Fr 2— fürdieSchweiziitreuzband) Ml 3— für Deutschland(Couvery sl. 1.70 filr Oesterreich(Eounert) Fr. 2 50 silr alle Übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzbands, Inserate die deeigeipalteue Petitzeile 25 Ctb. 20 Pfg. 1884. — -tt- Da der.Sezialdemolra«' sowobl>n Deutschland»U an» in Oesterreich»erboten ist, bezw. Verfolg« wird und die dortigen Behbrden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp Briese von dort an nn» nnd unsere Zeitung!- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorstchidmaßregei versäumt«erden, die Briesmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt »er Sendungen zu täuschen, und seßtere dadurch zu schuhen tzauptersorderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Avis an dt« Abonnenten nnd Korrespondenten des„Sozialdemokrat.""MW als möglich an den.kozialdemolrat', resp. besten Verlag selbst adrestiren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige rrs d.•- s T* m, I o» l s>-Znni- öl eli f» lt»>-*»s r%\ S V»n d. M vm m 1 rb m ll r...»P Im ll»uu» t. � r»e,r. � r. � stehenden Schwierigteilen den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Wer trägt die Schuld? Es ist vielfach aufgefallen, daß der„Sozialdemokrat" in der Angelegenheit Stellmacher und Genossen eine Zuriick» Haltung beobachtet hat, die mit dem Eindruck, den die Wiener Vorgänge auf das große Publikum gemacht, in direktem Wider- spruch steht. Wir hatten dazu unsere guten Gründe. Nicht als ob wir etwa der Anficht wären, die Sache ginge die deutsche Sozialdemokratie nichts an; was in Wien pafstre, brauche ja die Arbeiter Deutschlands nicht zu kümmern, habe für fie höchsten» ein theoretisches Interesse. Im Gegenthell! Wenn je, so hat e« stch auch diesmal wieder bis zur Evidenz gezeigt, daß die Solidarität des Proletariat« aller Länder keine Phrase' ist, sondern daß die Arbeiter des einen Landes sehr stark daran interessirt sind, waS bei ihren Brüdern jenseits der Grenzen vor stch geht. Wenn wir da» nicht freiwillig anerkennten, so würde daS Verhalten unserer Gegner eS uns mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit beweisen. Aber gerade weil die Sache uns etwa» angeht, hielten wir es für angemessen. der Oeffmtlichkeil gegen- über mit unseren Aeußerungm vorsichtig zu sein, nicht auf vage Vermuthungen hin zu urtheilen. Jetzt, wo nicht nur die Persönlichkeit Stellmacher'» festgestellt, sondern-auch da» Dunkel über- dir Motive zu seiner That gelüftet ist, jetzt liegt auch für un» kein Grund mehr vor, mit unserem Urtheil hinter'm Berge zu halten. Jetzt werden auch wir reden, weil wir offen und frei reden dürfen. Zwei Auffassungen sind eS, denen wir in der Presse bei Be- sprechung der Wiener Attentate und Attentateversuche hauptsäch- lich begegnen. Die eine, die polizeiliche, die alle Schuld Herrn Most und dessm Agenten zuschreibt— und natürlich auch von Most und Konsorten getheilt wird, nur daß diese statt Schuld Verdienst sagen— die andere, die„objektive", die AlleS durch die österreichischen Verhältnisse erklären will. Beide Auffassungen sind für gewisse Zwecke sehr bequem, an beiden ist etwaS Wahre«, aber richtig ist weder die eine, noch die ander«. Daß die ganzen anarchistischen„Thaten", die seit einiger Zeit die deutsche und österreichische Polizei alarmirt halten, ihre Wurzeln in Oesterreich haben, ist für Jeden, welcher die Verhältnisse einigermaßen kennt, außer allem Zweifel. DaS Stuttgarter Raub- Attentat gehört ebenso in diese Kategorie, wie die That de8 in Deutschland geborenen und erzogenen Hermann Stellmacher. Die preußische Polizei, die so Manche» auf dem Lerbholze hat, ist an diesen Vorgängen ziemlich unschuldig. Wenn eS Stellmacher nur darum zu thun gewesen wäre, irgend einen Polizeischuft aus der Welt zu schaffen, so hätte er in Deutschland keinen Mangel an Objekten für seine„rächende Kugel" gehabt; er zog nach Wien, nicht um Blöch, der ihm zweifelsohne ganz unbekannt war, zu erschießen, sondern um dort an einer„revolusionären" Aktion theilzunehmen. In Wien war er sicher, GestnnungL- genossen zu finden, nicht aber in Berlin; trotzdem eS an An- strengungen, Deutschland für dm Anarchismus zu erobern, nicht gefehlt. Daraus ergibt sich bereits, daß die Verhältnisse in Oester- reich dem Anarchismus ganz besonder» günstige, mit anderen Worten an seiner Verbreitung, seiner Praktizirung schuld sein müssm. Und wer die Art und Weise kennt, wie in Oesterreich seit Jahren von Oben her mit der Arbeiterbewegung in frivolster Weise gespielt ward, wie Korruption und Niedertracht abwech- selnd oder auch gleichzeitig in Anwendung gebracht wurden, um die Organisation einer kraftbewußten Arbeiterpartei zu verhin- dern, wie namentlich mit einer Willkür gegenüber der Arbeiter- presse, den Arbeitervereinen und Arbeiterversammlungen verfahren wurde, die kaum in Rußland übertroffen wird, wer gesehen, wie andererseits die Arbeiter, wenn es der Regierung oder der Herr- schmden Klique in den Kram paßte, gehätschelt, die Führer korrumpirt wurden, der wird die Richtigkeit der obigen Schluß- folgerung sofort unterschreiben. Ja, man kann sogar noch weiter gehen und behauptm, daß diese» mittel« Betrug, Erbschleicherei und roher Gewalt zusammen- gegaunert« Reich der naturgemäße Boden für die Anarchie sei, weil hier kein Gefühl der Zusammengehörigkeit, kein eigentliches VolkSbewußtsein besteht, weil in Oesterreich neben dem Klassen- kämpf der Nationalitätenkampf wüthet, der nur mit der Auf- lisung deL heutigen Oesterreichs enden wird. AlleS daS zeigt, wie der Anarchismus in Oesterreich Boden sassen konnte, man möchte fast sagen, fassen mußte. WaS es aber nicht zeigt, waS eS noch nicht erklärt, da« ist, warum gerade im gegenwärtigen Momente die GewalUhaten, die Raubanfälle als Kampfmittel für die Sache der Arbeit versucht werden, jene Handlungen, zu welchen zivilistrte Menschen nur im letzten Mo- ment, in der äußersten Verzweiflung schreiten, wenn kein anderes Mittel der Vertheidigung höchster Interessen möglich ist. Liegen die Verhältnisse in Oestertei<$ so oder lagen st« bis jetzt s«, daß dir Mittel der Verzweiflung gerechtfersigt waren? Wir stehen nicht an, diese Frage verneinend zu beant- warten. Wenn wir von der Epoche des Bürgerministeriums absehen, so hatte die österreichische Arbeiterbewegung zu keiner Zeit der sogenannten liberalen Aera mehr Bewegungsfreiheit als dies seit 1881 unter dem Regime Taaffe'L der Fall. Daß eS nicht Arbeiter- freundlichkeit war, die Herrn Taaffe veranlaßte, die Zügel zu lockern, ist selbstverständlich; so wenig eS Arbeiterftcundlichkeit von Bismarck ist, wenn in Deutschland heute den Arbeitern einige Bewegungsfreiheit gelassen wird. Genug, seit 1881 waren wieder Versammlungen möglich, die VereinSthätigkeit konnte sich wieder entfalten, und infolgedessen hob sich auch die Verbreitung der Arbeiterblätter. Während aber die deutschen Arbeiter die Gelegenheit benutzen, stch auf's Neue zur wirtsamen Vertretung ihrer Interessen zu organisiren, wobei sie von ihren„Führern" aus's Kräftigste unterstützt werden, während sie Bismarck zeigen, daß fie sich nicht als Popanz von ihm gebrauchen lassen, predigten und predigen in Wien die„Nicht führer" Dunnstätter, Marschall, Bilek, Zinner, Peukert ,c. den Arbeitern:„Politische Rechte find Unsinn, Organisationen find Unsinn, Reformen sind Unsinn, Wahlrecht ist Verrath— waS unS befreit, ist Verschwö- rung, Gewalt, Anarchie! Wir müssen die Regierung zwingen, immer schärfere Maßregeln gegen unS zu ergreifen, denn auf diese Art beschleunigen wir die Revolution." Nach diesem Schema, dessen genielSr Erfinder in London saß, ward gearbeitet, bis die weitere Parole ausgegeben wurde: „Wir brauchen Geld, nehmt es, wo ihr nur könnt!" An die Stelle eines bestimmten Programms trat die hohle Phrase, an Stelle des bewußten Klassenkampfes die Attentats- und Putsch- throne I Di« extremen Mittel find sonach nicht aus einer extremen Situation herausgewachsen, sondern die extremen Mittel sollten die extreme Situation schaffen. Eine so wahnsinnige Theorie kann nur in einem Lande Anhänger finden, wo auch sonst die Polisik in jeder Hinficht zerfahren ist. Und gibt eS noch ein Land in der Welt, in welchem grundsatzloser, geistloser„regiert" wird, alS im Lande der Habsburger? Keines. Selbst Rußland hält den Vergleich nicht aus. In Oesterreich herrscht kein Partei-, sondern ein Kliquenwesen, nicht durch Gewinnung der öffentlichen Meinung sucht man seine Ziele zu erreichen, sondern durch Staatsstreiche,- hüben wie drüben; nicht gleiche oder mindestens einander nahestehende Grundsätze führen und halten die„Grup- Pen" im Parlament zusammen, sondern augenblickliche Interessen; wer gerade die Macht in Händen hat, der hat auch die Majorität. In anderen Ländern kauft man Individuen, in Oesterreich Gruppen. In anderen Ländern ist die Korruption Mittel zum Zweck, in Oesterreich ist sie der leitende Staats- gedanke, der einzige, der getreulich innegehalten wird. Solche Zustände erklären gewisse Erscheinungen in der Arbeiter- bewegung, aber sie entschuldigen nicht die Züchter derselben. Und eS wäre eine Entschuldigung der gewissenlosen, korrupten Aben- teurer, welche die österreichisch? Arbeiterbewegung zum Tummel- platz ihrer nichtswürdigen„Experimmte" gemacht haben, wollten wir alle Schuld auf die„Verhältnisse", bezw. Regierung und herrschenden Parteien in Oesterreich schieben. Die Mitschuld tragen sie— und zwar ganz gehörig— aber auch nur die Mitschuld. Der italienische Bravo, der für Geld irgend Jemand, der einem Großen unbequem ist, um die Ecke bringt, ist und bleibt ein Mörder, wenn auch Derjenige, der ihn bezahlt, ein noch größerer Schurke ist. Da« muß man sich vergegenwärtigen, wenn man die Verantwortlichkeit der Peukert und Konsorten für die Vorgänge in Wien feststellen will. Wir wissen, daß wir mit dieser Konstasirung bei gefühlvollen Seelen wahrscheinlich Anstoß erregen werden, denn wir greifen ja„Verfolgte",„Opfer der Reaktion" an! Aber wir lassen uns durch den Schein nicht beirren. Wer so muthwillig, mit so frevelhaftem Leichtsinn die Verfolgung provozirt hat, hat keinm Anspruch auf unser Mitgefühl. Es handelt sich um die Sache der gesammten Arbeiterbewegung, und da haben wir keine Rücksicht auf Personen zu nehmen. Da gilt es vielmehr, im Ramm der Arbeitersache diese Herren zur Rechen- schaft zu ziehen, zur Rechenschast, nicht vor dem Staatsanwalt, sondern vor der Arbeiterschaft. Wir anerkennen die Verpflichtung nicht, kritiklos AlleS gutzu- heißen, waS im Namen des Sozialismus verübt wird, Alles zu entschuldigen, wa« angeblich im Interesse der sozialen Revolution geschieht. Wir halten eS vielmehr für Verrath an unserer Sache, zu vertuschen, wo Wahrheit am Platze ist. Und im Lichte der Wahrheit gewinnt die That Stellmacher'» einen ganz anderen Anstrich, als man ihr von gewisser Seite zu geben sucht. ES fehlt ihr jedeS Moment, das sie uns sympathisch erscheinen lassen könnte. Sie ist weder ein Akt berechtigter Noch- wehr, noch sonst durch die Umstände hervorgerufen, sondern lediglich ein Glied in einer Kette von Brutalitäten, wie ja Stellmacher nicht au» eigener Jniziative gehandelt hat. Er ist dazu angestiftet worden wie Kumitsch und Andere. Di« An- stifter aber fitzen im Trockenen und brüsten sich noch mit ihrem „Erfolge." Für Stellmacher selbst können wir nur mildernde Umstände plädiren. Diese liegen jedoch nicht in den Umständen, unter denen die That vor sich ging, sondern in der geistigen Beschränkt- h« i t des Thäters. Wenn es wahr ist, daß dieser Mensch, der unfähig war, selbst in der Diskussion seine Ansichten zu verthei« digen, sich, alS man ihn ergriff, als ein Opfer der Gesellschaft bezeichnete, so hat er Recht gehabt. Er ist ein Opfer der Ge- sellschaft, aber nicht sowohl der bürgerlichen alS jener Gesell» schaft von freiwilligen und unfreiwilligen AgentS Provokateurs, die sich„Männer der That" nennen und in allen Ländern die Geschäfte der Polizei besorgen. Wenn man fie hört, so gibt eS keinen größeren Feind der Polizei als sie. Und doch sind sie es, welche mit ihren blöden Angriffen der Polizei erst einen gewissen NimbuS verschaffen. Ihr ganzer Kampf reduzirt sich auf Rempeleien mit der Poli- zei— waS für diese natürlich nur den Preis erhöht. Sie schreien beständig über Spionage und züchten die Spione syst«- masisch, sie schimpfen unaufhörlich über Denunziation und denun- ziren einander selbst durch ihre Großprahlercien. Sie besorgen die Geschäfte nicht nur der Polizei, sondem überhaupt der reaktionären Staatsgewalt— sie, die „geschwornen Feinde" deS Staates. Niemand hat au» den Wiener Vorgängen größerm Vortheil gezogen als— Taaffe. In dem Moment, da die deutschliberale Opposition sein Regime in's Wanken brachte, kam ihm der Schuß auf den Spitzel Blöch sehr gelegen. WaS kommt eS einem modernen Staatsmann auf ein Menschenleben an! Hunderte, Tausende opfert er mit einem Zuge für seine„höheren" Zwecke, und er� sollte auf einen Polizeiagenten Rücksicht nehmen? Damit fällt e» unS natürlich nicht«in, zu sagen, daß Stell- mach« etwa das bewußte Werkzeug Taaffe's gewesen sei, wohl aber, daß Taaffe und seine Subjekte die Anarchisterei bewußt gefördert, geradezu gezüchtet haben. Jetzt hat Taaffe, was er will und was er braucht. Jetzt kann er sich al«„GesellschaftSretter" aufspielen, jetzt hat er die Mittel, die Arbeiterbewegung niederzuhalten, ohne da« Mäntelchen der Arbeiterfteundlichkeit ablegen zu müssen. Als Bismarck auf die Schüsse von Hödel und Nobiling mit dem infamen Sozia- listengesetz antwortete, da wußte jeder deutsche Arbeiter, daß die Attentate nur der V o r w a n d waren; dafür, daß in Oesterreich daS Spiel weniger durchsichtig ist, haben die Herren Anarchisten, die Most und Peukert gesorgt. Sie haben mit der Arbeiter- bewegung va banque gespielt und den Einsatz verloren— nein, verspielt. Denn die Verlierer sind die von ihnen genaSführten Arbeiter. Und wenn der Schaden für die Arbeiterbewegung nicht noch größer ist, als er ohnehin schon ist, so ist die» nur deshalb der Fall, weil die Arbeiter nicht blindlings in daS Garn der Agenten für Revolutionsmachcrei gelaufen sind. Immerhin ist er groß genug; und eS wird viel Mühe und Anstrengung und Zeit kosten, daS Verlorne zurückzuerobern. Statt dem verrotteten Regierungssystem Oesterreichs entgegen- zuwirken, haben die Herren Anarchisten ihm noch in die Hände gearbeitet, statt es zu untergraben,«8 gestützt. Dafür gibt ei keine Entschuldigung. Sie find die Mitschuldigen: und wer etwa al« Milde- rungsgrund anführen wollte, daß sie es unbewußt gewesen, der konstatirt damit nur ihre absolute UnzurechnungS- fähigkeit. Und das mag bei Vielen allerdings zutreffen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1». Februar. — Die Fortschritte der Reaktion— das ist das stehende Thema der liberalen und demokratischen Presse. Die guten Leute haben Recht, die Reaktion macht täglich Fortschritte, aber was sie nicht be- greifen wollen, ist, daß sie selbst mit zu dieser„Reaktion" gehören. Was ist überhaupt Reaktion? Kein Wort aus dem politischen Wörterbuch wird so gedankenlos und sinnlos gebraucht als dieses. Für den Liberalismus, der mit„ewigen und unveräußerlichen Prinzipien" operirt, ist die Sache furchtbar einfach. Reaktton ist Wes, was wider den heiligen Geist des Liberalismus geht. Reaktion ist infolgedessen der Popanz der Liberalen, der Popanz, der ihnen so großen Schrecken einflößt, daß sie aus Furcht vor ihm Alles opfern, selbst ihren Libe- ralismus. Wir, als echte Revolutionäre, müssen uns hüten, ihnen darin nachzu- eifern. Nicht nur den religiösen auch den politischen Aberglauben müffen wir gründlich abstreifen, so gründlich, daß, wie wir uns weber vor Gott noch Teufel fürchten, wir auch weber bem Göken Fortschritt noch dem Popanz Reaktion bas sacrificium intellectis, bas Opfer un ferer Einsicht, darbringen. Was ist Reaktion? Die absteigende Phase irgend einer bestimmten Geschichtsepoche, der Gegendruck, die Gegenwirkung des Alten gegen bas Neue. Reaktion ist somit teineswegs ein Wort, bas immer und überall ben gleichen Sinn hat. Wo Aktion ist, ist auch Reaktion, ihr Fehlen hieße Stillstand, Versumpfung, Tob. Die Reaktion als gewissermaßen natürlicher Prozeß ist eine Erscheis nung, gegenüber ber man Stellung nehmen muß, über welche ju flagen und zu jammern aber von absolutem Mangel an geschichtlicher Einsicht zeigt. Dieselbe ist unvermeidlich, also auch kein Faktor, auf ben man größere Rüdsicht zu nehmen hat. Etwas Anderes ist es mit ber Reaktion, bie burch bestimmte Vorgänge künstlich ins Leben gerufen wird, bevor bas Neue träftig genug ist, bas Alte zu stürzen. Sie ist ftets vom Uebel. Boran erkennen wir nun die natürliche Reaktion im Gegensatz zur Künstlichen? Daran, baß sie alle Symptome der 3 ersetzung an sich trägt, baß fie uns überall als ein Zeichen der Schwäche entgegentritt. Und das ist bei der heute in Preußen- Deutschland herrschenden Reaktion der Fall. Die Liberalen jammern über sie, weil sie ihre Dhnmacht fühlen, ihr Widerstand zu leisten; fie laufen widerftrebend mit, um ju retten, was zu retten ist, ohne zu merken, daß sie dabei just bas Gegentheil von dem erzielen, was sie wollen: fie verlieren, was zu vers fieren ist. Eine Bofition nach der andern geben fie Preis, allerdings ,, unter Protest", aber das Resultat ist das Gleiche. Unb woher biefe Ohnmacht? Weil der Liberalismus eine gesell schaftliche Klaffe vertritt, die bereits den Höhepunkt ihrer Entwickelung überschritten hat. Er vertritt nicht eine aufstrebende Klaffe gegen eine im Riebergang begriffene, sondern den in der Illufion der Herrschaftsfähigkeit befindlichen Theil des Bürgerthums gegen den, der mit allen Juufionen bereits gebrochen hat. Das zeigt sich heute an tausenden von Beispielen und würde sich noch weit deutlicher zeigen, wenn nicht Intereffenfragen nebensächlichen Charakters( wie Schutzöllnerei 2c.) verbunkelnb bazwischenträten. Wer sich überzeugen will, wie sehr die Liberalen Deutschlands im Schlepptau ber Reaktion marschiren, ber braucht nur die Situngsberichte bes preußischen Landtags über die Berathung des Kultus: Etat zu lesen. Der Kampf gegen die Kirche, dieses ehemalige Parade roß bes Liberalismus, hat einer Resignation Plak gemacht, die wahr haft kläglich ist. Herr von Goßler, der Neffe Mühler's, ein ftrenggläubiger Proteftant, war der Held der Liberalen. Weil er etwas vorfichtiger zu Werke geht und die bureaukratischen Traditionen bem Ansturm der Ultramontanen und der protestantischen Mucker nicht bebingungslos preisgeben wollte, weil er die Faktoren, mit benen er rechnen muß, in Betracht zog, die Sache des Muckerthums nicht der Phrase des Muckerthums opferte, ward er von den Liberalen bellatscht, ja man tann sagen bejubelt. Warum übergeht man die Geistlichen bei der Wahl der Schulinspektoren? fragt irgend ein beliebiger Windthorst. ,, D bitte, antwortet der Minister, wir stellen Geistliche als Schulinspektoren an, wo wir nur lönnen, von 922 Kreisschulinspektoren find 720 Geistlich e." und tein einziger Liberaler, der zu mudsen wagt! Jrgend ein Reichensperger schimpft, daß in den Mäbchenschulen zuviel gelernt werde, worauf ihn der Minister versichert, er betrachte es als seine Aufgabe, in Bezug auf das Lernmaterial zurüdzuschrauben. Und kein Liberaler, der gegen das Zurückschrauben" etwas einzuwenden hätte! Ueberall die bewußten Reaktionäre im Anfturm und die Liberalen nicht einmal in einer energischen Defensive. So sett ein Stöcker gegen den Minister den Antrag durch, den nichts obligatorischen Fortbildungsschulen den Unterricht am Sonntag während bes sogenannten Gottesdienstes muß in Wahrheit heißen Pfaffendienstes zu verbieten. Hier, wo ihre geliebten Fortbildungsschulen, biefe Fliden auf dem zerfekten Rock, Volksschule genannt, in Frage tamen, griffen auch die Liberalen in die Debatte ein; aber wie lendenlahm! Wir wollen ja alle die Sonntag heiligung", rief Herr Langerhans mit dem ihm so schön stehenden Pathos aus. Gut, wenn Ihr das wollt, so gebt den Leuten, die den Fortbildungsunterricht nun einmal nöthig haben, einen Vor- oder Nachmittag in der Woche zu diesem Behufe frei. Wer den Herren das zugerufen hätte, der wäre schön angelaufen. Das wäre ja ein Attentat auf die Ausbeutungsfreiheit! Ja wohl, die Reaktion macht in Preußen Fortschritte, und nicht nur in Preußen allein. In allen Staaten des alten Europa sehen wir diese Erscheinung. Sogar in Frankreich hat die republikanischee Regierung, und mit ihr die herrschende Partei, entgegen ihrer noch Ende des vorigen Jahrzehntes ausgegebenen Parole: Der Klerikalismus ift der Feind! ihren Frieden mit dem Klerus geschlossen. in Reaktion. Ueberall Aber keine jugendfrische kraftbewußte Reaktion, sondern eine altersschwache, eine Reaktion der Versumpfung, der Zersegung. Eine Reaktion, an der unser gesammtes Bürgerthum theilnimmt, ob es sich liberal oder tonservativ nennt, eine Reaktion, welche die nothwendige Vorläuferin ist der sich ankündigenden Revolution. B sain bil In Berlin sind jetzt Versammlungsauflösungen an der Tagesordnung. Auch legten Sonntag wurden wieder zwei größere Arbeiterversammlungen polizeilich geschlossen, jede bei Aeußerungen, die absolut keinen Anlaß dazu boten. Im Louisen städtischen Theater erfolgte die Auflösung nach den Worten Gördi's: Bisher wurden wir stets nur als ausschlaggebende Maffe" betrachtet und behandelt: vor der Wahl dienten wir als ,, Prügelknaben", auf denen alle Parteien herumtrommelten, das war im ersten Akt. Später, im zweiten Akt, verwandelte sich der„ böse Bube" wie durch Zauberschlag in eine reizende Prinzessin, deren Liebreizen keine Partei zu widerstehen schien. Aber, wie die Prügel des ersten Aktes, so werden fernerhin auch die Liebkosungen des zweiten nur ein Gefühl des Abscheues in uns erwecken. Nie werden wir Kompromisse schließen, noch dulden, daß unsere Kandidaten durch die Gnade einer andern Partei gewählt wer den. Die eigene Kraft der arbeitenden Bevölkerung wird für ihre Vertreter einstehen!( Bravo!) Unser Verdienst ist es, daß man endlich zur Diskussion der Frage gekommen ist, wie den nothleidenden Arbeiterklassen zu helfen seisnur der Staat allein, die Allgemeinheit, die Gesellschaft kann und muß das Uebel beseitigen. Diese Frage, welcher sich jetzt jede Partei beugt, stand von jeher auf unserem Programm, sie beschäftigt uns auch heute noch. Die soziale Reform muß endlich zum Durchbruch gelangen, fie gipfelt in der Forderung einer gesetzlichen Regelung der Produktionsweise, in der Gewährleistung von Schutzmaßregeln gegen den wirthschaftlich Ueberlegenen.( Lebhafter Beifall.) Die soziale Reform ist das Alpha und das Omega jeder politischen Diskussion. In diesem Sinne legten wir eine Petition an die Pforten des vorjährigen Reichstags; jezt sei unser Streben darauf gerichtet, Männer in das Parlament zu senden, welche für Beseitigung des Maffenelends eintreten. Es ist durchaus nothwendig, daß Leute dort ihre Stimme erheben, um aus eigenster Erfahrung immer und immer wieder das Elend zu schildern, das die arbeitende Bevölkerung zu Boden wirft. Und wenn ihre Mahnrufe endlich durchgedrungen sein werden Bälde kann und wird es nicht geschehen so werden zukünftige Generationen wenigstens würdigere und lichtere Tage schauen, als wir sie haben durchkosten müssen." Stolen im saifer" trat fir Jm Lokal, um deutschen " in ein, als Paul Singer die Worte sprach: Es ist hohe Zeit, daß die Arbeiter den Fürsten Bismard auf die vorhandenen sozialen Schäden aufmerksam machen und ihm bedeuten, welche soziale Reformen die Lage des Arbeiters in Wahrheit bessern können." Wie man ſieht, Weuferungen, die nichts Aufrührerisches an sich habeu. Zweifels ohne haben somit die auflösenden Beamten höherer Weisung Folge geleistet, was darauf hindeutet, daß oben der Wind sich zu drehen beginnt. Nun, unsere Berliner Genoffen haben diese Auflösungen mit der einzig gebührenden Antwort aufgenommen: mit ironischem Beifall und Hochrufen auf die Sozialdemokratie. Eine dritte Volksversammlung, die in Mohrmann's Salon tagte und gleich der vorerwähnten sehr gut besucht war, gestaltete sich ebenfalls zu einer Demonstration für unsere Partei, als ber Referent Ewald folgen dermaßen schloß: Die Arbeiter werden bei den bevorstehenden Reichstagswahlen selbstständig vorgehen und dabei der Worte des Ministers v. Puttkamer im Landtage bei Berathung des Antrages Stern eingebent sein: Die Sozialdemokratie ist nicht verboten, sondern nur deren gemeingefährliche Bestrebungen." Nun, meine Herren, wir wollen bei den nächsten Reichstagswahlen offen Farbe bekennen. Wir werden ftreng die Bahn des Ge fetes innehalten, aber wir wollen unser offenes Bifir zeigen, damit unsere Gegner uns nicht wieder zurufen: Ihr scheut Euch zu sagen, welcher politischen Partei Ihr angehört!" Run, m. 5. ich fage es frei heraus: ich bin Sozialdemokrat.( Stürmischer Beifall.) Ich bin überzeugt, jeber ehrliche Arbeiter, der seine Klaffenlage begriffen, wird sich zur sozial bemokratischen Partei bekennen und bei den nächsten Reichstagswahlen lebiglich für die Randidaten der Sozialdemokratie stimmen.( Stürmischer Beifall.) Und der Tischler Kreuz sente hinzu: Als wir zu den Kommunalwahlen schritten, da hat uns die Forts schrittspartei ben Namen Arbeiterpartei" gegeben. Wir konnten uns bas gefallen laffen, denn wir sind Arbeiter. Anders ist es jedoch bei politischen Wahlen. Da heißt es offen und frei zu sagen, welchen Partei ftandpunkt man vertritt. Die gegnerischen Parteien sollen nicht mehr nöthig haben, uns zu denunziren. Wir stehen auf dem Boden des Geseges und bekennen uns offen als Sozialdemokraten."( Stürmischer Beifall.) Mit diesen Arbeitern, Ihr Bismard, Buttkamer und Ronsorten, ist wirklich nichts anzufangen"! Unser Bismard hat uns wieder einmal einen großen Ge fallen erwiesen. Er hat nämlich von seinem Büsch'chen ein Buch abfaffen laffen, welches feinen anderen Zwed hat, als dem Publikum zu jeigen, wie sehr ,, Unser Bismard" so heißt nämlich auch das Buch -feine Zeitgenoffen an Größe überragt. Da friegen denn verschiedene Leute, die sich die Ungnade des allmächtigen Ranglers zugezogen, die gebührenden Fußtritte, und zu den solchermaßen Beglüdten gehört auch Bismards allergnädigster Herr und König, deffen Wille für mich ſtets maßgebend ift". Hören wir, wie Bismard seinen allergnädigsten Herrn und Rönig" blosstellt: In Napoleons Vermittlungsvorschlägen". es ist von 1866 die Nebe ,, war von einer Vergrößerung Preußens nicht die Nebe, für ben König Wilhelm aber war eine solche nach seinem Siege eine Bedingung ersten Ranges, und zwar verlangten er und die Militärs anfangs mehr, als Bis mard für gerathen hielt. Schon unterm 9. Juli hatte dieser von Hohenmauth an seine Frau geschrieben: Wenn wir nicht übertrieben in unseren Ansprüchen sind und nicht glauben, die Welt erobert zu haben, so werden wir auch einen Frieden erlangen, welcher der Mühe werth ist. Aber wir tis sind ebenso schnell berauscht wie verzagt, und ich habe die undant bare Aufgabe, Waffer in den brausenden Wein zu gießen und geltend zu machen, daß wir(!) nicht allein in Europa leben, sondern mit noch drei Nachbarn." " Die eifrigsten Annexionisten im Hauptquartier dachten damals an Abtretung De sterreich Schlesiens. Bismarck wies darauf hin, daß dort die Anhänglichkeit an das Kaiserhaus besonders weit verbreitet und warm set. Sie verlangten Bestrafung" der mittelstaatlichen Verbündeten Desterreichs durch Landverlust. Bis= pum are entgegnete, man dürfe nur nehmen, was man unbedingt haben müffe, die Strafe sei Gott zu überlassen und gehöre nicht in die Politit. Jene meinten, Baiern müsse die ehemals Hohenzollern'schen Landestheile als Siegespreis hergeben; denn Ansbach und Bayreuth erinnerten sich noch, daß sie einst dem föniglichen Hause gehört und seien Theile von deffen Erbgut. Bismarck belehrte fie, daß diese Landschaften sich längst darein gefunden hätten, unter der Krone Baiern zu stehen. Jene forderten erst ganz Sachsen, dann Leipzig mit Umgebung, sowie aus strategischen Gründen die dr Lausitz. Bismarck erwiderte, man müsse entweder das Ganze nehmen, und das werde nicht wohl angehen, da Desterreich nicht barein willigen werde, oder gar nichts. Theilungen machten nur böses Blut und würden lange nachgetragen. Ihm war die Bundesreform die Hauptsache, daneben erst wünschte er einen Machtzuwachs für Preußen, der durch Einverleibung einiger norddeutscher Staaten gewonnen werben sollte, und darauf ließ auch der König zuletzt seine Ansprüche beschränken, aber noch in der dritten Woche des Juli erklärte er, lieber abbanken, als ohne bedeutenden Ländererwerb nn für Preußen zurückkehren zu wollen." list den Verhandlungen, die " Danach mußte B is mard sich bei ber später bei den Bejetzt begannen, einrichten. Wenn sprechungen mit dem österreichischen und dann mit den bairischen Unterhändlern erhebliche Landabtretungen, ein Stück von Böhmen sund Baiern, nördlich vom Main, verlangte, so geschah das wohl Sinur, um auf eine Forderung gegen anderen Gewinn verzichten zu sid. fönnen.' Wie man sieht, ist Bismarck allein der Weitsichtige, Wilhelm aber der Ländergierige, der nur Preußens, d. h. seiner Dynastie, Interessen int Auge hatolhsp Nun, an Leyterem haben wir nie gezweifelt, und es kann uns daher nur angenehm sein, es hier durch Bismarck bestätigt zu finden. Denn daß das Büsch'chen etwa wegen seines Buches zur Verantwortung gezogen oder gar der Majestätsbeleidigung angeklagt werden dürfte, fo etwas auch nur zu denken, wäre die höchste Kanzlerbeleidigung, das schlimmste Verbrechen, dessen sich ein Deutscher heute schuldig machen fann. Lehrreiche Zahlen. In der N.- Y.- Volfksztg.", die seit einiger Zeit eine Reihe von Artikeln über die Industrieverhältnisse in den Ver. Staaten von Amerika auf Grund des letzten Zensus( 1880) bringt, veröffentlichte jüngst Dr. Stiebeling folgende hochinteressante Vergleichung der Lohnhöhe und Ausbeutungsrate im Großund Kleinbetrieb der Schuh- und Stiefelmacherei: ,, Der Gesammtbetrieb der Schuh- und Stiefelmacherei zählte 17,972 Werkstellen, 104,021 männliche, 25,946 weibliche und 3,852 jugendliche, 358,301 zusammen also 1 3 3,819 Arbeiter oder Hände", Doll. 54, feftes Kapital, Doll. 50,995, 144 Löhne, Doll. 114,966,575 Rohstoffe und Doll. 196,920,481 Produkte. Der Großbetrieb zählte 1,959 Werkstellen, 82,547 männliche, 25,122 weibliche und 3,483 jugendliche, zusammen 111,152 Arbeiter oder ,, Hände", Doll. 42, 994, 028 festes Kapital, Doll. 43,001,438 Löhne, Doll. 102,442,442 Rohstoffe, und Doll. 166,050,354 Produkte. Es blieben also für den Kleinbetrieb 16,013 Werkstellen, 21,474 männliche, 824 weibliche und 369 jugendliche, zusammen also 22,667 Arbeiter oder Hände, Doll. 11,364,273 festes Rapital, Doll. 7,993,706 Löhne, Doll. 12,524,133 Rohstoffe und Doll. 30,870,127 Produkte. Danach betrug für den Großbetrieb die Durchschnittsmasse des festen und flüffigen Kapitals auf 1 Werkstelle Doll. 96,191, und die Durchschnittszahl der Arbeiter auf 1 Werkstelle 5.7, der Durchschnittsbetrag des verbrauchten Rohstoffs per Kopf Doll. 922, das durchschnittliche Produkt per Kopf Doll. 1494, der jährliche Durchschnittslohn für 1,, Hand" Doll. 387, der durchschnittlich von ihr gelieferte Jahresmehrwerth Doll. 158 und die Rate der schlechthinigen Ausbeutung Doll. 0,4 1. Jm Kleinbetrieb war die Durchschnittsmasse des festen und Doll. 1991 und die Durchschnittsflüssigen Kapitals auf 1 Werkstelle zahl der Arbeiter auf 1 Werkstelle 1, der Durchschrittsbetrag des verbrauchten Rohstoffes per Kopf= Doll. 5 5 3, das durchschnittliche Produkt per Kopf Doll. 1362, der jährliche Durchschnittslohn für 1, Hand" Doll. 353, der durchschnittlich von ihr gelieferte Jahresmehrwerth Doll. 4 23, und die Rate der schlechthinigen Ausbeutung gleich 1,20. = Troz des Umstandes, daß im Großbetrieb 26 Prozent weibliche und jugendliche Hände beschäftigt waren, im Kleinbetriebe aber nur 5 Prozent, war doch dort,( d. h. im Großbetrieb) der jährliche Durchschnittslohn um Doll. 34 höher, und die Rate der Ausbeutung dreimal niedriger als hier." Dieses eine Beispiel der Schuh- und Stiefelmacherei genügt nun freilich, wie Herr Dr. Stiebeling mit Recht hervorhebt, nicht, um die Frage, ob der Arbeiter im Klein- oder Großbetrieb überhaupt mehr ausgebeutet wird, endgiltig zu beantworten. Für diese Branche aber sind die Zahlen geradezu frappirend. Sie sprechen dem Kleinbetrieb, dieser angeblichen Zufluchtsstätte ber geschidten Arbeiter, bas Genug absolute To be surtheil. Darfte Schwe Da Ein neuer revolutionärer Agent ist in Europa auf getaucht. Aber er wird die Polizei nicht in Aufregung bringen, weil sie Gelege außer Stande ift, ihn zu verhaften. und d barjul Es ist ein von einem Ingenieur Lorenz entdecktes neues Verfahren bes- Brobbaden 8. Unter Zuhilfenahme der Maschine und der Kirche, Chemie wird es ermöglicht, mit großer Ersparniß von Arbeitsauf auch wand ein vortrefflich ausgebadenes Brod herzustellen. Das Einrühren Romit des Teiges wird von einer Maschine besorgt, die Gährung mittels eines wurbe Jeiner besonderen chemischen Verfahrens beschleunigt, und in 50 Minuten er engher hält man ein Gebäck von vortrefflicher Dualität. Die ber R Der Lorenz- Backofen ist ein Ofen für ununterbrochenen Betrieb und besteht aus zwei zusammengefesten Defen, bie pro Tag 5-6000 Rilogr. ben vi unfere Brod liefern. Die Durchwärmung desselben geschieht mittels Zirku lation von heißer Luft, die nach Belieben regulirt werden kann. Der ganze Prozeß tann mit größter Genauigkeit kontrolirt werden. Die Versuche, die man in Wien mit diesem neuen Dfen angestellt leber hat, haben ein glänzendes Resultat ergeben. gepflee ber h Somit tritt auch die Brodfabrikation in den Umfang der Großpro shule, duktion ein, früher oder später werden wir alle die kleinen Defen, die wefens heute noch in Gebrauch sind, verschwinden und an ihrer Stelle allerorts fo da große Brobfabriken entstehen sehen, die mit wenigen Roften ein weit Depar als fa befferes Brod herstellen als das ist, welches wir heute effen. vorla für bi ba ere nance, Nach den Berechnungen der Zeitschrift ,, La Capitale" ist die Ersparnis nach eine so große, daß sie in Italien 178 Millionen Franken pro Jahr be und tragen würde. Aber was wird aus den Bäckern? Wie in allen Betrieben, wo die Maschine vorherrscht, so werden dann auch in der Brodfabrikation bedeutend weniger Arbeiter nöthig sein, von denen ein großer Theil überdies nur Handlanger ohne spezielle Renntniffe nie ve Schön zu sein brauchen. Die Ersparniß beim Lorenz- Backofen besteht zum größten Theil in Reduzirung der erforderlichen Menschenkraft. So wird nungs man besseres und billigeres Brod erlangen, aber eine große Anzahl von genäh Arbeitern wird außer Stand gesezt, es zu laufen. toftet bie di Das ist die große Frage der Maschinenindustrie. Die Produktion wird ergiebiger, leichter, vollkommener, aber die menschliche Arbeitskraft fomise verliert an Werth, der Arbeiter wird immer weniger nothwendig; und mußte so zeitigt die bürgerliche Gesellschaft den fürchterlichen Widerspruch: mente die Menschen sterben Hungers, gehen barfuß und zerlumpt herum, weil es zu viel Lebensmittel und Kleidungsstücke gibt, weil weniger Arbeit find. gebraucht wird. Und Technik und Chemie machen immer neue Fortschritte, die Arbeit wird immer mehr entwerthet, und so geht es mit Riesenschritten den legten Konsequenzen des Rapitalismus entgegen: die große Masse bes Proletariats muß zu Grunde gehen oder ein Bettlerbasein führen oder tischen aber sich der Maschinen und aller Produktionsmittel bemächtigen, um sie danker dem Intereffe Aller dienstbar zu machen. intind vilk bieses Seffic auf S das 2 Arbeiter, wählt!" tönne. einen Diese Notiz ist von A bis 3 der in Florenz erscheinenden anar legten chistischen Questione sociale" entnommen! Einen Kommentar brau chen wir ihr nicht hinzuzufügen, denn sie ist ebenso richtig wie nicht solcher anarchistisch. Form. Reinsdorf von den Rumpf und Konsorten alle bie alten Berhaftung des so mu ander denter daß z auch veut. rabl volks Der arme Rumpf! Es ist halt wieder nichts gewesen: auch der Reinsdorf, der sonst zu solchen Dingen sehr gut ist, hat das Frankfurter Dynamit- Attentat nicht verübt, hat es auch nicht verüben gesch fernte fönnen. Erstens war der Reinsdorf am Attentatstag nicht in Frant furt, und zweitens hat am Attentatstag gar kein Dynamit- Attentat stattgefunden, sondern bloß ein kleines Polizeischerzchen, amtlicher oder privater Natur das sei dahingestellt. Wenn wir hier überhaupt ber Affäre erwähnen, so geschieht es nur, weil nach der Jagdgeschichten über das Frankfurter Dynamit- Attentat" in die Preffe gebracht, und fogar fenfationelle Illustrationen veröffentlicht wurden. Man hatte dabei offenbar den Zweck, einerseits für die Verlängerung des Sozialisten beschä gesetzes Stimmung zu machen andrerseits aber auch den üblen Ein Verei druck des sich gerade abspielenden Wolf Prozesses abzuschwächen, in F oder richtiger die Aufmerksamkeit von diesem Prozesse abzulenten, bei Wort welchem die kompromittivendsten Sachen an den Tag gekommen find, Form und wo die deutsche Polizei, sowie die Gesandtschaft in London, die stehen notorisch seit Jahrzehnten eine Spielberberge iſt, eine traurige weiter Rolle gespielt hat. Leider ist es gelungen, Denjenigen, die reden könnten, der a schließlich noch( jedenfalls mit einem goldenen Knebel) den Mund zu recht verstopfen, und die polizeilichen Anstifter dieses Schurkenstreichs, forde vorläufig wenigstens von der Anklagebank in dem Zuchthaus fernzuhalten. heute Hoffentlich nicht auf immer. schled hat über lunge Die deutsche Presse und das ist charakteristisch den Wolfprozeß absolut teine Einzelheiten veröffentlicht. fich Nichts kann die Abhängigkeit und die Feilheit unserer Presse Spru drastischer kennzeichnen, als diese conspiration de silence( Todtschwei Ded gungsverschwörung) einem so unerhörten Skandal gegenüber! Ar A Junt ichen enori Der Kultus- und Unterrichts Etat veranlaßte im säch Erken sischen Landtag eine Debatte, die nach einigen Richtungen hin übere auch von allgemeinem Interesse ist. Zunächst iſt zu konstatiren, daß die T alle Parteien- natürlich mit Ausnahme der Sozialdemokraten sich da Herri hin geeinigt hatten, keine allgemeine Debatte aufkommen zu lassen. Durch da er diese reaktionäre Koalition gegen die parlamentarische Redefreiheit wurde den Liebknecht, der die Thätigkeit des Kultus- und Unterrichtsministeriums Botic auf dem ganzen Gebiete des Unterrichtswesens unter die Lupe der Kritik nehmen wollte, gezwungen, seine Ausführungen zu zerschneiden und bei verschiedenen Etatsposten vorzubringen. Das Kultus Departement welches in allen deutschen Staaten barer bezeichnender Weise mit dem Unterrichtsdepartement verbunden ist, als zweckob Kultus und Unterricht nicht ihrer Richtung nach diametrale Gegen aus, säte wären! also das Kultusdepartement gab der kreuz- und lendenlahmen Fortschrittspartei Gelegenheit, den kreuz und lendenlahmen brüd Kulturkampfflepper zu besteigen. Der Abgeordnete Schreck hatte auch die bei dieser Gelegenheit seine Partei" zu vertreten. Dieser Abgeordnete, groß, dessen Name durch das famose Interdiktgeſeh gegen Steuerrestanten zu ich es dauernder Berühmtheit verurtheilt ist, verdient eigentlich nicht den teine schlimmen Ruf, in welchen er sich zu bringen gewußt hat. Wenn es je den. Jemanden gegeben hat, von dem mit Recht gesagt werden kann:„ er solche hat seinen Beruf verfehlt", so ist dieser Jemand der sächsische Advokat und Fortschrittler( auch Achtundvierziger") Schreck. Der Mann hat einen ungewöhnlichen Wit und ein Talent zur Komik in Wort und Geberde, wie man es selten findet. Leider ist dies von s seinen Eltern und ihm selber nicht rechtzeitig begriffen worden. Sonst wäre er heute vielleicht der erste Komiker Deutschlands, statt einer der legten unserer deutschen Parlamentarier. Kein Döring, kein Schweighofer hat über war und ist seine Gefichtsmuskeln eine so unbeschränkte Herrschaft " milli der mehr Auge log Schr Schlu im Stand, durch die leisesten Nuancen der Stimme, durch eine Miene, eine Geberde, ein Wort, so unwiderstehliche Wirkungen hervorzubringen. Schei Aber wie gesagt Herr Schreckt hat seinen Beruf verfehlt und ist er f unter die Politiker gegangen. Doch man kennt ja das Sprichwort: Deu wenn man die Naturam expellas furca, tamen usque recurrit schen Natur auch mit der Mistgabel hinaustreibt, schlüpft sie doch immer wieder herein und so passirt es denn auch dem unglücklichen Politiker Schreck, daß alle Augenblicke die komische Natur herbricht und mit Elementargewalt den Auguren- Ernst des Politikers wegschwemmt. Und faßt das geschah auch an jenem verhängnißvollen Tag, wo der Politiker endl Schreck den Kulturkampfklepper bestieg, und vor dem Volt paradiren Jedermann fühlte, inde wollte. Er fing ernst, würdevoll, feierlich an oder doch Ana daß eine europäische Rede, ein Weltereigniß bevorstand bevorstehen sollte. Kein Zweifel er hatte das Vollbewußtsein, daß Ente ihm die Aufgabe geworden war, die Fortschrittspartei aus dem Moraste da mit Einem Schlag däm zu ziehen, in dem sie bis über die Ohren steckt das verlorene Terrain zurückzuerobern in den faulenden Cadaver 21 Leben und Jugendkraft einzuhauchen. Ja er war sich seiner Auf imm gabe bewußt, und mit sonderbarem Effektstudium hängte er dem abge Leut triebenen Klepper prächtige Schabraken um, so daß die Schindmähre gire: fast aussah, wie ein Schlachtroß. Doch mit des Schicksals Mächten ist Veri tein ewiger Bund zu flechten, und das Unglück schreitet schnell. Die niedergehaltene unterdrückte Natur zerbrach plötzlich die Fesseln Komiker überwand den Politiker, das feierliche Antlik des Auguren ver in E wandelte sich in die Maske des Poffenreißers, der nur dann und wann, daß um die komische Wirkung zu steigern, das ernste Augurengesicht anzog. ma der rü l Genug— es war eine großartige Leistung; kein Döring und kein Vchweighofer hat je gleich Großartigere» auf dem Gebiet der komischen Darstellung erreicht. , Da» wurde von Bebel dankbar konstatirt; derselbe benützte die . Gelegenheit, um den Standpunkt unserer Partei in punoto der Religion und der Kirche(dieser„Verdummungsanstalt") den Herren Abgeordneten , darzulegen: Trennung der Kirch« vom Staat und der Schule von der i Kirche, die Religion Privatsache— wie e» unser Programm erheischt. Und , auch der LutherkultuS, welchen der Politiker Schreck, ehe er in den i Komiker umgeschlagen war, mit fast pfäffischem Pathos getrieben hatte, I wurde einer ätzenden Kritik unterworfen, der„freisinnige" Luther ward , seiner modernen Vermummung enttleidet und in seiner Nacktheit als engherziger Zelot und Vernunftfeind hingestellt. i Die Etats der Universität, der Gymnasien nnd der Voltsschule wur> . den von Liebknecht benützt, um den Duellunfug und die Völlerei auf ) unseren Universitäten zu geißeln, und die Universitäten als„Hochschulen t der Rohheit" zu brandmarten. Die Rohheit werde künstlich von oben gepflegt, weil man eine gebildete Jugend nicht brauchen könne. Die ,„Ueberbürdung" auf den höheren Schulen, die ungerechte Bevorzugung der höheren vor den niederen Schulen, die Vernachlässigung der Volks- , schule, kurz die zahllosen Mängel des heutigen Erziehung»- und Schul- , Wesens wurden von dem sozialdemokratischen Redner hervorgehoben— j so daß der biedere Kultus- und Unterrichtsminister, der in seinem , Departement Alle» für vollkommen hält, schi-r außer sich gerieth. Und als schließlich Liebknecht den Borschlag machte, man solle eine Deputation j nach Frankreich schicken und das dortige Volksschulwesen studiren lassen, , und Stellen aus dem Bert'schm Katechismus der„Instruction cirique* vorlas und ein ähnliches Lehrbuch der Bürgerrechte und Bürgerpflichten für die deutschen Schulen verlangte, anstatt des Religionskatechismus, , da ereignete sich da» Unerhörte: Herr von Gerber verlor die Conte- , nance, die er noch nie verloren,|« verlor die Lebensart, die er noch t nie verloren: und er verlor sogar den Redefaden. Ja, er, der elegant« , Schönredner, fiel so entsetzlich aus der Satzkonstruktion, daß der hoff- , nungslose Versuch, wieder hineinzukommen, ihm beinahe das Leben ge- , kostet hätte. Die inS Bläuliche hinüberspielende Kirschröthe des wohl- genährten Gesichts lieh einen Moment das Schlimmste befürchten. Jndeß ,— wie gesagt— dai Stück schloß nicht tragisch, sondern sehr, sehr { komisch, wie das bei der Mitwirkung so vorzüglicher Komiker auch sein ., mußte. Es hat sich eben von Neuem gezeigt, daß unter den„Brettern, . die die Welt bedeuten", die Bretter unserer(großen und kleinen) Parka- ! mente die beste Heimstätte der freiwilligen und unfreiwilligen Komik t find. .— Einem Mitglied« desVolkswirthschaftsrathes, * dieses traurigen„Wurms, der nicht sterben kann", wurde zu der jetzigen � Session der Urlaub verweigert. Nämlich dem Arbeiter Kamin, der auf Hirsch-Duncker'schem Standpunkte steht. Natürlich nicht aus poli- tischen Gründen! Die„Ncrddeutsche" weist mit Entrüstung den Ge- * danken von sich; der Betreffende sei aber ein so guter Arbeiter, daß das Werk(die Schiffbau-Gesellschast„Germania") ihn nicht entbehren könne.„Der dem Former Kamin vorgesetzte Gießermeister hatte in der ' letzten Zeit bei seinen Gießereien mehrfach Unglück, und war gezwungen, � einen zweiten technisch geschickten Arbeiter zu entlassen. Da unter solchen Verhältnissen der Gießermeister, weil kein anderer zuverlässiger Former in der Fabrik war, den Former Kamin nothwendig brauchte, j. so mußte er diesem den Urlaub verweigern." Daß man leicht einen ]j anderen Former hätte beschassen können, oder den entlassenen n„geschickten Former" hätte wieder anstellen können, das waren so ent- s ernte Möglichkeiten, daß der unglückliche Gießermeister gar nicht an sie denken konnte. Die„Norddeutsche Allgemeine" scheint nicht zu wissen, t daß zum Lügen noch etwas mehr gehört als Schamlosigkeit— lt auch ein Bischen Verstand— und Witz. N'est pas menteur, qui z Tout, Man kann ein vortrefflicher Hausknecht sein, und ein Mise- „ rabler Lügner. *!— Also doch! Der Redakteur der„Frankfurter Zeitung" und 21 volksparteiliche Abgeordnete Stern, mit dem wir uns wiederholt zu v beschäftigen hatten, hielt am 4. Februar im Frankfurter demokratischen Verein einen Vortrag über die Fortschritte der Reaktion in Preußen, der laut Bericht der„Franks. Ztg" mit folgenden et Worten schloß:„Gegen solche Fortschritte der Reaktion in Inhalt und D' Form müsse energisch aufgetreten werden. Da genüge es nicht, einzu- w stehen für die Vertheidigung dessen, was wir haben. Nein, wir müssen 3* weiter gehen, wir müssen unsere alten Forderungen geltend machen in der allerbestimmtesten Weise: das allgemeine gleiche und direkte Stimm- � recht für alle Wahlen, namentlich aber Schwurgerichte für die Presse fordern, denn ohne freie Presse können wir unsere Forderungen weder heute noch später durchsetzen. Man möge nur bedenken, welch ein Ge- schlecht aus den Hörsälen des Herrn Wagner, aus den Volksversamm- et lungen des Herrn Stöcker in die Juristerei hineinwachse Da sollten !'■ sich Alle, denen die freiheilliche Entwicklung am Herzen liege, an den 1.e Spruch des stärksten und mächttgsten Gegners erinnern: Die b e st e 'lS Deckung ist immer der Hie b." Also doch! Schade, daß erst im preußischen Landtag konservative Junker sich hinstellen und mauscheln mußten, um Herrn Stern zur ]' Erkenntniß zu bringen, daß diese Bande voll und ganz mit Stöcker übereinstimmt. Jndeß, späte Erkenntniß ist besser als gar keine. Was aber 'p die Frage anbetrifft, ob nun auch die Herren Volksparteiler der von � Herrn Stern gekennzeichneten Situation entsprechend handeln werden, � da erlauben wir uns, trotz des„stürmischen, lang anhaltenden Beifalls", � den derselbe erntete, vorderhand noch sehr erhebliche Zweifel.„Die ™ Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaub e." �— Ein Etz heuchlet. In einer der letzten Sitzungen des preußi- l scheu Landtages warf sich der alte Fuchs Wind thorst mit furcht- r: barem Pathos gegen die Bewilligung von 2 Millionen Mark für Kunst- 116 zwecke in's Geschirr.„Es ist mir", rief der Führer der Ultramontanen n' aus,„unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht möglich, für eine so n' enorme Summe zu stimmen. Die gegenwärtigen Verhältnisse sind so e" drückend, so schmerzlich, die Emeriten in Roth, die Kommunen desgleichen, "9 die Nothwendigkeit, immer auf Suche nach neuen Steuern zu fein, so te' groß, daß ich für solche Zwecke nicht 2 Millionen bewilligen kann. Thäte 3U ich es, ich könnte mich vor meinen Wählern nicht sehen lassen. Ich kann � keine neue Steuern bewilligen, wenn ich sehe, daß sie so verwendet wer- 'e den. Nur w et. die Roth und das Elend nicht selbst gesehen hat, kann ;e* solche Ausgaben bewilligen." .JJt Wie volksfreundlich! Aber handelt es sich um Millionen und Aber- nl) Millionen für pf äs fische Zwecke, dann weiß derselbe Herr nichts von r,, der Roth des Volkes, dann wird darauf losbewilligt und immer noch lte mehr verlangt. .et Es ist stets die alte Komödie, mit der den Dummen Sand in die jet Augen gestreut wird. 'P— Anarchistisches. Die„Arbeiterstimme" schreibt:„Herr I» Peukert, der anarchistische Wanderprediger des D i e b st a h l s, � scheint seinen„Meister" in Allem kopiren zu wollen. Wie Most der erste„Führer" war, der nach Verhängung des Ausnahmegesetzes aus - Deutschland davonlief, so auch derselbe Peukert, der die deut- schen Sozialisten stets als Feiglinge erklärte, weil sie damals nicht j"„losschlugen". Warum läuft er nun aus Oesterreich m die sichere 'e* Schweiz, statt in Wien„loszuschlagen"? Oder soll er den famosen Be- schluß zur Ausführung bringen, den seine Londoner Genossen seinerzeit ,° faßten: das Asylrecht in derSchweiz zu zerstören, damit � endlich der verhaßte„Sozialdemokrat" und die„Zürcher"„fliegen"? '" Sein erstes Debüt in W i n t e r t h u r am S. Februar verunglückte 'v indeß. Genosse R. Fischer versalzte ihm seine sünfviertelstündige 0~) Anarchisterei und seinen Heldennimbus so unangenehm, daß er auf eine '»p Entgegnung zuerst zu verzichten erklärte, um eine Viertelstunde später, loa � i,aä Allzublamable eines solchen Rückzugs wahrscheinlich aufzu- '"s dämmern begann, doch noch einen mißlungenen Versuch zu machen. . Aber eine sehr interessante Thatsache ergab sich uns ui' immerhin aus dieser Debatte: die Schamlosigkeit, mit der diese bre �u'e' bie seit Jahren Diebstahl, Raub und Mord predigen und propa- iN m"6?' ihre eigenen Genossen verrathen, wenn diese bei jJ VerÜbung solcher„Thaten" der Polizei in die Hände fallen. F o r- der Tn,ane' in St. Gallen hatte den traurigen Muth, von einem„be- Züchtigten Kumitsch" zu schreiben, mit dem er schon sett Langem ? keinem Parteiverkehr mehr gestanden; in Zürich erleben wir es, ' daß der K a u f m a n n seinen Busenfreund Stellmacher, den er am Sonntag beim Anarchistenfest noch krank meldet, jetzt verleugnet, indem er ihn—- den Mitbegründer— nicht einmal mehr zum Mitglied« seines Vereins haben will, der, im Besitz einer gestohlene« Bibliothek, nur zum Deckmantel für die anarchistische Propaganda dient. Und in Wintert hur erklärt Peukert mit zynischer Offenhett:„Die Merstallingerei ist zu dumm, als daß man sie ver- theidigen k a n n", und gerade so sprach er sich über die bekannte Wiener Demonstration aus, von der er als von einer„Dummheit" immer abgerathen habe, weil die Opfer nicht im Berhältniß zum Erfolg seien. In einem Punkt« dagegen unterschied er sich vortheilhast von seinen Freunden, in Bezug auf seine Meinungsäußerung über Merstallinger- Raubattentate und die Beseittgung von Polizisten»c. Der„Frankfurter Zeitung" wird sogar von ihrem»�-Korrespondenten au» Zürich telegraphirt, Peukert Hab« zugestanden, daß er von dem Merstallinger- Attentat« vor seiner Jnszenirung Kenntniß gehabt, es aber mißbilligt Hab«. Wir haben wohl nicht»öthig, ausdrücklich zu konstatiren, daß wir mit diesem Telegramm, das offenbar nur auf Hörensagen beruht, absolut nicht» zu thun haben. Wohl hat Herr Peukert, als ihm die Rerstallingerei und seine intellektuell« Urheberschaft daran auf den Zahn gelegt wurde, rückhaltlos zugegeben, er habe that- sächlich dafür plaidirt, daß für Partei;«eckeGelder „requirirt" werden; aber er habe da immer groß« Summen im Auge gehabt, nicht so Bagatellen wie bei Merstallinger, welche den Verlust von Menschen- leben nicht rentiren. Darum dürfe man nicht zu Kleinkrämern gehen, sonder» in Bankgeschäste k., wo täglich große Summen ein- und auslaufen." Auch der Beseitigung von Polizisten und Beamten redete er un- geschminkt da» Wort, weil„die Gesellschastsorganisatton nur gestürzt werden kann, wenn die Träger derselben beseitigt find",««»halb er auch lebhaft„wünschte, daß der Schuh(auf Blöch) höher, viel höher gegangen wäre." Die Zürcher Anarchisten, die der Außenwelt gegenüber stet» so lamm- fromm thun, können also von ihrem Propheten— denn Most ist Gott und Peukert sein Prophet— lernen, wie„muthig" man- in der Schweiz sein— muß. Wenn aber Peukert und Genossen von uns Sympathie für die Opfer solcher„Thaten" verlangen, dann müssen wir ihnen sagen, was Peukert in Winterthur entgegnet wurde: „Ja, wir bedauern diese armen Verirrten und Verführten, die in wahnsinniger Verblendung ihr Leben opfern für Dinge, die der Sache deS Proletariats schaden und sie schänden; aber wir verachten die elenden Tröpfe, die in Wort und Schrift ihre Anhänger zu Thaten Hetzen, zu deren Ausführung sie selbst zu feig sind, und die beim ersten Sturm dann feig davon laufen. Dies« Feinde der Arbeitersache müssen wir rücksichtslos bekämpfen." —„Man spürt, daß es fvon Nöthen auch auf den Dörfern sei!" Im Dorfe Kunersdorf bei Hirschberg in Schlesien wurde jüngst bei der Wahl des A m t s v o r st e h e r s mit SO gegen 20 Stimmen der Sozialdemokrat Stellenbesitzer Schub art ge- wählt. Da diese Wahlen der Bestätigung der Regierung unterliegen, so kassirte die Regierung des Bezirkes dieselbe, aber die Bauern— es sind nur Grundeigenthümer wahlberechtigt— ließen sich nicht verblüffen, und daS Resultat war, daß am 28. Dezember Schubart mit 50 gegen 22 Stim- men wiedergewählt wurde, und zwar ohne daß es irgend einer Agitation oder Vorbesprechung bedurft hätte. Die Bauern, schreibt man uns von dort, sind entschlossen, sich das Recht, den Mann zu wählen, der ihnen gefällt, nicht nehmen zu lassen.' Wir rufen ihnen dazu„Glück auf!" zu. Und möge ihr Beispiel bald Nachahmung finden! — Aus Dresden kommt die sonderbare Nachricht, daß Genosse Max Kegel, der sich dort vorübergehend aushält, plötzlich»er- haftet worden ist, und zwar soll die Verhaftung, heißt es, aus Grund von Aussagen Stellmacher's erfolgt sein. Das klingt denn doch zu absurd, als daß wir es glauben könnten, wenngleich man den säch- fischen Behörden in puncto Absurdität zieyilich viel zutrauen kann. Weit eher ist anzunehmen, daß die Ländtagsberichte der„Süddeutschen Post", deren Redakteur Kegel ist, gewissen Leuten nicht behagt haben, und einen Vorwand zum Verhaften findet man in Sachsen immer.— Soweit war diese Notiz schon gesetzt, als eine neuere Lesart uns unter die Augen kommt. Kegel soll eine Nummer des„Sozialdemo- krat", in welcher das Privatleben eines hervorragenden konservativen Abgeordneten geschildert wird— zweifelsohne ist die in Nr. 3 unseres Blattes enthaltene Schilderung der Heldenthaten des Herrn Herr- mann gemeint— an sämmtliche Abgeordnete des sächsischen Landtages geschickt haben. Ob Kegel mit dieser Versendung etwas zu thun hatte, wissen wir nicht; aber daß er wegen derselben verhaftet wurde, klingt uns sehr glaubhaft. Denn es wäre ein Akt niedrigster Rachsucht, und einen solchen trauen wir den Hintermännern der Dresdener Polizei wohl zu. Statt daß man dafür dankbar sein sollte, daß einem solchen Biedermann die heuchlerische Maske vom Gesicht gerissen wird, sperrt man denjenigen, von dem man„vermuthet", daß er an dieser verdienstvollen That theil- genommen, ein. Das ist Nostiz-Wallwitz, wie er leibt und lebt. Nun, soviel geht aus der ganzen Geschichte wenigstens hervor, daß die Herren Abgeordneten die Nummer richtig erhalten haben. Das freut uns. Wir wollen nun sehen, ob sie, die stets über die Im- moralität des Volkes jammern, auch unter sich auf Moralität— nein, auch nur auf den Schein der Moralität halten. Bis jetzt hat Herr Herrmann weder sein Mandat als Abgeordneter noch sein Amt als Oberbürgermeister niedergelegt. — Für die bevorstehende Nachwahl im zweiten Meiningischen Reichstagswahlkreise ist Seitens der dor- tigen Genossen Louis Viereck als Kandidat aufgestellt worden. Die Arbeiterschaft ist in dieser Gegend so gedrückt, daß bis vor Kurzem die Bewegung dort vollständig darniederlag. Wenn sie durch die Kandidatur wieder aufgerüttelt wird, so ist das bereits ein nicht zu unterschätzender Erfolg. — Oe st erreich. Mehr als 300 Personen sollen bereits auf Grund des Ausnahmezustandes aus Wien und Umgegend ausgewiesen worden sein und weitere Ausweisungen— man spricht von im Ganzen 3000!— sind noch geplant. Ebenso sollen mehrfache Verhaftungen vorgenom- men worden sein, und zwar, heißt es, auf Grund der Aussagen von Stellmacher. Genaueres ist nicht zu erfahren, da die Polizei den Wiener Blättern unbedingtes Schweigen auferlegt hat, und diese das Gebot strengstens hallen— die„faktiöse" Opposition wie die„demokra- tische" Presse— sie berichten nur, was die Polizei ihnen zu diesem Zwecke mittheilt. Nicht einmal die Namen der Verhafteten und Ausgewiesenen sind aus den Blättern zu erfahren. Da die Nachricht von den Geständnissen und Enthüllungen, die Stell- machet gemacht haben soll, offiziös ist, so spricht das gerade nicht sehr für ihre Glaubwürdigkeit. Jndeß liegen uns Privatmittheilungen vor, welche es zum Mindesten für wahrscheinlich erscheinen lassen, daß Stell- machet wirklich Aussagen gemacht hat, die zu Verhaftungen geführt haben. — Aus Graz wird, schreibt die„Arb.-W.-Chronik.", gemeldet, daß den 30. v. M. die Schuhmacher Franz Proneg und Nikolaus Podboi, angeklagt des Hochverraths und anderer schrecklicher Dinge mehr, wegen Verbreitung von drei Flugschriften revoluttonären Inhalts, von einem Schwurgerichte schuldig gesprochen und ersterer zu acht Jahren, letzterer zu zwölf Jahren schweren Kerker verurtheilt wurden. Auch eine Frucht der famosen Attentatspolitik! — Frankreich. Aus Newyork erhalten wir folgende Zuschrift: N e w y o r k, 23. Januar. Soeben kommt mir die Ausgabe des „Sozialdemokrat" vom 10. Januar zur Hand, worin unser Pariser Genosse Thies das Interview der„Newyorker Volkszeitung" mit den Pariser Delegirten zum Gegenstande einer längeren Auseinander- setzung, resp. Widerlegung macht. Da nun seinerzeit ich derjenige gewesen bin, welcher im Austrage unseres hiesigen Parteiblattes mit B a l i n und Genossen die betreffende Unterredung abgehalten hat, so fühle ich mich durch eine Aeußerung des fraglichen Schreibens bettoffen, welche ich richtigstellen muß.' „Ich Hab« hierauf zu erklären", schreibt Thies,„daß jedenfalls der Vertreter der„Newyorker Volkszettung" die Delegirten falsch ver- standen hat, denn diese können nicht erklären, daß die in Paris lebenden deutschen Genoffen ihren Vertreter auf der Konferenz haben, «eil die» nicht der Fall war." Glücklicher Weise nun haften mir die Worte, welche Bali», der Beauftragte semer Partei, mir damals aus meine diesbezügliche Frage erwiderte, noch ziemlich genau in meinem Gedächtniß. Genosse ThieS mag also selbst urtheilen, ob ich„falsch verstanden" Hab«. Balin äußerte: ckolt y avoir mal entenckn de la part du„Socialdemokrat", yulique le oitoyen Thies, le reprösentat de rotte groupe& Paris, qui a pris part k la oonfdrence et qui nous a interpelld ä ce sujet, ■'est ddolarö satisfait par les explications foornies par nous."*) Di« Wort«:„a pris part" können allerdings zur Roth bedeuten, daß ThieS aus der Konferenz nur anwesend war, ohne Sitz und Stimme zu haben, aber daS wäre doch«ine sehr geschraubte Erklärung. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß Balin sich absichtlich so unbestimmt ausgedrückt hat, weil er bei unseren hiesigen Genossen, deren strenge Zugehörigkeit zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands er kannte, eine gewisse Feinfühligkett in dem fraglichen Punkte vorausgesetzt hat, und weil er doch daS gute Einoernehmen mit ihnen, woran den Delegirten liegen mußte, nicht von vornherein in Frage stellen wollte. Es ist das ein Vorgehen, welches ich unter den obwaltenden Umständen sehr wohl be- greiflich und entschuldbar finde, wo es darauf ankommt, für die inter- national« Solidarität aller sozialistisch gesinnten Arbeiter zu demonsttiren. Ei ist nicht an mir, dreinzureden in die Differenzen„Sozialdemokrat"- „Proletaire". Bemerken möchte ich aber doch, daß ich persönlich aus dem Verkehr mit Balin, Dumay und ihren Freunden den Eindruck ge- wonnen habe, daß sie für ihren Theil zu einer Beilegung des gehässigen Zwistes gerne die Hand reichen würden, und als Beweis gilt mir das von ihnen an den Tag gelegte Bestreben, mit der hiesigen Partei dauernd« internattonale Beziehungen zu vereinbaren, was ja auch that- sächlich geschehen ist. Mit sozialdemokratischem Gruße! Julius Grunzig. Mit dieser Erklärung der Differenz zwischen den Aussagen von Balin und Dumay und dem thatsächlichen Verlaus der Dinge denken wir die Sache umsomehr auf sich beruhen lassen zu können, als die Genannten wirklich, wie uns von anderer Seite berichtet wird, die Ungehörigkeit des Ausschlusses der Deutschen von der Konferenz sofort eingesehen haben. Es ist uns auch gar nicht um eine Verständigung mit den aus- richtigen Sozialisten auch dieser Fraktion der französischen Arbeiter- bewegung bange, sie wird sicher eintteten, sobald der Einfluß des Herrn B r o u s s e vollständig beseitigt ist. Solange aber dieser notorische Fälscher zwischen uns und ihnen steht, wird ein direktes Freundschafts- verhällniß stets ein frommer Wunsch bleiben. Wer das übertrieben findet, den mag ein Zitat aus der neuesten Nummer des„Proletaire" eines Anderen belehren. Dort schreibt Herr Brousse über die Verhandlungen der französischen Deputirtenkammer betreffend die Geschästskrisis wörtlich Folgendes: „Um aus unserer Gesellschaft die Wurzeln des Uebels auszurotten, haben wir, wie ein Redner sich sehr glücklich ausdrückte, eine Reihe von Konsultationen gehabt: die mutualistische Konsultation, die katholische, die landwirthschaftliche, die protektionistische, die tooperatistische, die volks- wirthschaslliche Konsultation. Es hat uns nur noch die marxistische Konsultation gefehlt. D a s ist w i r k l i ch s ch a d e! Wäre diese Lücke nicht, so wären alle Systeme, alle Universalheilmittel (panacöes) vorgeführt worden. Schließlich schäme �ich mich nicht, zu be- kennen, daß die Reden der Herren Clemenceau und Ferry uns auf die Frage, wie sie wirklich liegt, geführt haben." Marx und Universalheilmittel!— ist eine unverschämtere Fälschung denkbar? Das übersteigt fast noch die Frechheit, mtt der Herr Brousse Marx einen U t o p i st e n nennt, der von einem„vorgefaßten Gerechtigkeitsideal" ausgehe. Und es erhält seine volle Jllusttirung durch die Thatsache, daß der obige Artikel hinausläuft aus die Prokla- mirung des Universalheilmittels des Herrn Brousse: die famose„Theorie der öffentlichen Dienste." Wir dächten, das genügt! — England. Von den Hallunken, die man laufen läßt. Der wegen Besitzes von Spreng st offen gegen W o l f f und Bondurand eingeleitete Prozeß ist niedergeschlagen worden, nachdem die Geschwornen vor einigen Blochen über den Wahrspruch nicht hatten einig werden können. Um für die Einstellung des Prozesses Stimmung zu machen, war bereits unmittelbar nach der Schlußverhand- lung die alberne Notiz in die Welt geschickt und von unserer geistreichen Presse auch gläubig aufgenommen worden, alle Geschwornen seien für die Freisprechung gewesen mit Ausnahme eines einzigen, der nur aus Fremdenhah gegen dieselbe votirte, wie er offen erklärt habe. Das ist nichts als Humbug. Die'Niederschlagung der Prozesses wird erklärlich, wenn man erwägt, daß Wolff und Bondurand zwei verkommene Subjekte sind, die der Polizei schon manchen Dienst geleistet und die mtt ihren Attentatsvorbereitungen jedenfalls bestellte Arbeit verrichteten, in welcher sie zum größten Äerger der Besteller von der„ungeschickten" englischen Polizei gestört wurden. Nun, die englischen Richter haben sich dafür um so gelehriger gezeigt! Ueber diese skandalöse Affäre entnehmen wir der Zuschrift eines Lon- doner Genossen noch folgende Details: „Betrachttn wir uns die Londoner Attentats-Affäre Wolff und Gebr. Bondurand, Schurken erster Klasse. Der ältere Bondurand, intimer Freund der Polizei, Geheimpolizist Wolff, ein Schwindler, der nicht weiß, was er heute oder morgen ausbrüten soll. Beide hecken den Plan aus, ein blindes Attentat gegen das deutsche Gesandschaftshotel auszu- führen, einen ahnungslosen Deutschen als Thäter zu denunziren und dann die von der Polizei ausgesetzte Belohnung von so und so viel Pfund Sterling einzuheimsen. Die Sache ging ihren Gang: Pulver, Topf, Zündschnur-c. wurden gekauft, und als man dem Attentatstage näher rückte, lief Wolff zu dem Polizeiinspektor M a r s h a l und zeigte schon das Komplot, welches von einigen Deutschen in Szene gesetzt werden solle, an, während Bondurand zu dem Polizennjpektor von Tornow rannte und eine ähnliche An- zeige machte. Schuft Bondrand war geriebener oder eingeschulter auf solche Arbeit als Schuft Wolfs. Denn er schleppte an dem zur Sprengung be- stimmten Tage, da er neben Wolff wohnte und in dessen Haus ein Zimmer gemiethet, die ganze Sprengmaschine in dieses Zimmer und theilte nun seinem Freunde v. Tornow mit:„Da, der Wolfs ist's, in seinem Hause werdet Ihr Alles finden!" Wolff's Haus wird durchsucht, die Sachen gesunden und er verhaftet. Bondurand der Aeltere, der Freund der Polizei und Hauptschuft, machte sich, nachdem Wolff einge- standen, daß die ganze Sache zu dem Zweck eingefädelt worden sei, später- hin die ausgesetzte Belohnung zu erhalten,„dünne", und die Polizei kann oder will ihn nicht finden. Die Prozeßverhandlungen wührten mehrere Wochen: sie enthüllten in diesem Kleeblatt Kreaturen niedrigster Art, die man nur mit Individuen wie Thomas, Stieber, S ch a u ß, Rumpf:c. vergleichen kann. Wären die Gauner einig gewesen, so hätten sie einen unschuldigen Menschen vielleicht zeitlebens in's Zuchthaus gebracht, denn Bondurand, welcher als Zeuge sungirt hätte, hätte falsch geschworen, und ihm, dem Freunde der Polizei, hätte man geglaubt. Er wäre vielleicht In- spektor geworden oder hätte sonst eine angenehme Stellung erhalten. Zum Glück kam es anders. Hier glaubte nun Jeder, daß diese Subjekte für längere Zeit unschäd- lich gemacht würden, aber mit nichten! l l von den 12 Richtern gaben ein freisprechendes, und nur Einer ein Urtheil aus Schuldig ab. Die Sache sollte also von Neuem zur Verhandlung kommen, die Regierung scheint aber anderer Meinung zu sein und soll das Versahren gegen Wolff und Bondurand eingestellt haben. Warum? Das kann nur die Regierung oder die Polizei mittheilen, und wir würden ihr recht dankbar sein, wenn sie es thäte, aber sie wird uns diesen Gefallen nicht erweisen. Wäre dieses Scheinattentat geglückt, so wäre das für Bismarck Wasser auf die Mühle •)„Es muß hier ein Mißversiändniß Seitens des„Sozialdemokrat" vorliegen, da der Bürger Thies, ber Vertteter Ihrer Gruppe in Paris, der an der Konferenz theilgenommen und uns über diesen Punkt inter- pellirt hat, sich mit den von uns gelieferten Auseinandersetzungen zu- friedengestellt erklärt hat." gewesen( Ausnahmegesetz!) und Windthorst hätte leichteres Spiel gehabt. So aber hat sich aus dem Attentate nichts als eine Blamage ergeben, sowohl für die englische, als für die preußische Polizei. Bedenkt man, daß Bismarc Attentate gerade jetzt gut gebrauchen kann, daß außerdem Graf Münster mit Familie gerade ausgeflogen war, so kommt man auf die Vermuthung, daß Bondurand auch Verbindungen mit deutschen Polizeigrößen gehabt.. Der Weberstreit in Blackburn( Lancashire) nimmt einen immer heftigeren Charakter an. Die Weber haben keine Lust, sich noch weitere Lohnabzüge gefallen zu laffen. Das Komite ihrer Gewerkschaft hatte ihnen vorgeschlagen, in eine Lohnreduktion von fünf Prozent bis zum Monat Mai, wo die Unterhandlungen wieder aufgenommen werden sollen, einzuwilligen, die Arbeiter aber gingen nicht darauf ein, sondern hielten ein Entrüstungsmeeting ab, in welchem sie beschloffen, nicht nachzugeben, und wo es sehr hart über das Komite herging. Man beschuldigte die Komitemitglieder, mit den Fabrikanten unter einer Decke zu spielen u. s. m. Neuere Nachrichten melden von förmlichen Revolten in den vom Streik betroffenen Distrikten Lancashire's. Die Polizei hatte den Streifenden eine Strohpuppe entrissen, die einen der verhaßtesten Fabrikanten darstellte und welche die Arbeiter demonstrativ verbrennen wollten. Darüber entSpann sich ein Kampf, bei welchem die Streikenden auf die Polizisten mit Steinen warfen. Darauf zogen sie vor das Polizeigebäude und zertrümmerten die Fenster desselben mit Steinwürfen. Herr Brad laugh, den die fromme Parlamentsmehrheit noch immer nicht zur Ablegung des Eides zulaffen will, hat in London in der Hall of Science einen fulminanten Vortrag wider den Sozia lis mus gehalten, wobei sich dieser gewaltige Freidenfer vor dem Herrn nicht nur in folossale Widersprüche verwickelte, sondern auch noch das Pech hatte, daß ihn ein Führer der Liga zur Vertheidigung der( Ausbeuter) Freiheit und des Eigenthums"( der Spizbuben), einer urreaftionären Bande, nach beendigtem Vortrag als Vorfämpfer des Individua lismus feierte. Dieses Attest, daß er soeben seinen politischen Selbstmord verübt, brachte den gewandten Demagogen einigermaßen aus dem Ronzepte. Italien. Aus Mailand erhalten wir folgende Zuschrift: 970 Die Nachricht von Cipriani's Tod, welche Sie wahrscheinlich bem ,, Eri du peuple" entnommen haben, ist unrichtig. Cipriani lebt und ist teine Hoffnung vorhanden, falls nicht vorher große Ereignisse eintreten sollten, ihn aus seiner schrecklichen Lage zu befreien.( Er ist be= fanntlich zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt.) Ebenso unbegründet ist die andere Notiz, nach welcher auch in Pesaro ein Sozialist gewählt worden sei. Dotto de Dauli, der neue Abgeordnete, ist ein entschiedener Republikaner Mazzini'scher Richtung. Und diese Leute sind alles Andere, nur teine Sozialisten. E. K." Streits. In Würzburg streifen die Schreiner der ersten Würzburger Möbelfabrik, Gebr. Billigheimer- in Berlin die Spengler der Lampenfabrik Holy. In Höchst a. M. ein Streit der Arbeiter der Farbwaarenfabrik Me i st er, Lucius und Brüning bevorstehend. Zuzug ist überall fernzuhalten! 910 Achtung! Seit einiger Zeit tauchen wiederum an verschiede nen Orten Deutschlands und des Auslands allerhand dunkle Gestalten auf, die sich an unsere Ge nossen herandrängen, meist sehr that endurstig und stets sehr wißbegierig sind. Wir ersuchen unsere Genossen, gegenüber solchen Burschen auf der Hut zu sein und sich namentlich nicht durch Berufung auf langjährige Thätigkeit an irgend einem Orte oder auf irgend einen bekannten Genossen täuschen zu Iassen! " Die Wiener Vorgänge haben in gewissen Kreisen den Wunsch nach schäßbarem Material" für einen neuen internationalen Feldzug gegen die Sozialdemokratie nahegelegt. An Schuften, die ihnen da= bei Handlangerdienste leisten, fehlt es nicht. Darum allerorts die Augen auf! 1939 G Korrespondenzen. Rathenow( Provinz Brandenburg), 26. Januar.( Ausbeuterbrutalität.) Es ist hier der Bau einer Schleuße an der Havel in Angriff genommen, eine vortreffliche Gelegenheit für eine Anzahl von Vampyren in Menschengestalt, Meister genannt, sich vom Schweiße der Arbeiter zu mästen, auf ihre Kosten die Taschen mit Gold zu füllen. Seit Anfang Januar sind die Vorarbeiten beendet, und nun zeigen sich die Arbeiterschinder so recht in ihrer wahren Gestalt. Heute werden 30 bis 40 Arbeiter eingestellt, um morgen ebensoviel wegjagen zu können, die den Herren nicht zu willen sind. Es hat sich da ein passendes Kleeblatt zusammengefunden, das gemeinsam an den Schandpfahl gehört. Es sind dies der Maurermeister Weigel, der Maurer und Zimmermeister E. Grüneberg, als Unternehmer des Baues, sowie die sauberen, von der Regierung zur Ueberwachung des Baues angestellten Regierungsbaumeister Uhle und Bauführer Webern Da der Bau bis April fertig sein soll, so muß auch Sonntags gearbeitet werden; Sonnabends wird den Arbeitern befohlen: Morgen wird gearbeitet; wer nicht kommt, wird Montags entlassen! Daß die Sippschaft sich selbst in's Gesicht schlägt, sie, die sonst bei jeder Gelegenheit dem Arbeiter vorpredigt: Bete nur und gehe fleißig zur Kirche! fümmert sie augenscheinlich wenig; will aber der Arbeiter Sonntags einige Arbeiten für sich verrichten, für welche ihm seine Schinder in der Woche feine Zeit laffen, so sigt ihm sofort die staats- und gesellschaftsretterische Polizei auf dem Nacken. Letten Sonntag gab es nun einen förmlichen Auflauf, wobei sich der vom Schweiß der Arbeiter angemästete uhle besonders hervorthat und auf die sofortige Entlassung eines Arbeiters drang, der den ,, Mund nicht halten", das heißt sich von dem hochtonservativen Ausbeuter Grüneberg nicht stillschweigend brutalisiren, Trunkenbold und gemeiner Kert schimpfen lassen wollte. Als der Arbeiter den Herren" zu antworten sich erfrechte", sprangen die Hallunken auf ihn zu, Meister Grüneberg faßte ihn mit der einen Hand bei der Brust, mit der andern schwang er den Stock, um auf ihn loszuschlagen.( Leider schreibt unser Genosse nicht, ob die Herren freiwillig den Arbeiter losgelassen, oder ob die Kollegen desselben dazwischen gefahren sind, was wir hoffen. Die Redaktion.) Wie ich höre, hat der betreffende Arbeiter Klage eingeleitet. Es wird ihm, was dem sauberen Meister sehr unangehm ist, von der Gesammtheit seiner Kollegen das beste Zeugniß ausgestellt. Ob er jedoch zu seinem Nechte kommt, ist eine andere Frage, denn das Gericht spricht gewöhnlich frei, wenn der Arbeiter der klagende Theil ist. So ist die Behandlung denn überaus human, die Arbeiter werden nie anders angeredet als mit: Kerle, Lümmel 2c.; auch Schweinehund hört man sehr oft dazwischen. Und das Alles müssen sich die Arbeiter gefallen lassen, ohne eine Miene zu verziehen, denn dafür bekommen sie ja den hohen Lohn: Maurer 19-20 Pfennige, Handarbeiter 14-15 Pfg. pro Stunde es wird Alles nach Stunden gerechnet. Das ist zum Leben zu wenig, zum Verhungern zu viel. Da sollen Familienväter mit 5-6 Kindern durchkommen! Ebenso geht es in den Fabriken, wo die Arbeiter oft 14 bis 15 Stunden den Tag über schwer arbeiten müssen; und haben sie dann am Ende der Woche 15 Mt. verdient, so ist es der Ausbeutersippe noch zu viel. Schnell ist der Fabrikant bei der Hand, von d esem sauer verdienten Lohn noch etliche Prozente abzuziehen. Dies die Arbeiterverhältnisse in dem gesegneten Lande der„ Gottesfurcht und frommen Sitte"! Wie lange wird das Volk sich solche Knechtschaft noch gefallen lassen, bis es in geschlossenen Reihen der Ausbeuterwirthschaft den Garaus macht? Auf friedlichem Wege wird es der Arbeiter nie erreichen, bafür sorgen die Herren durch ihre Gesetzgeberei schon selbst. Ein geschloffenes Vorgehen, und den Kampf mit ihnen aufnehmen nur dann wird der Arbeiter zu seinem Rechte kommen! mi dn maid 75/2535 tusid Mit sozialdemokratischem Gruß! Istambu Die Genossen in Rathenow. Ratibor, 26. Januar. Bei meiner Abreise nach Amerika sage ich allen Freunden und Genossen ein herzliches Lebewohl. Als vor beinahe 20 Jahren Lassalle das Banner, der Sozialdemofratie entrollte, da war ich einer der Ersten mit, die zur Fahne eilten. Seit dieser Zeit wurde ich wegen meiner Gesinnung wiederholt gemaßregelt, so daß ich gezwungen war, für immer niedrigeren Lohn zu arbeiten. Seit Inkrafttreten des Sozialistengesetzes hat sich das noch ge= steigert. Polizei und Staatsanwalt haben nicht aufgehört, mich zu verfolgen. Da ich niemals unter Anklage gestellt werden konnte, so versuchten dieselben, mich durch fortwährende Haussuchungen und Verdächtigungen in der öffentlichen Meinung" herabzusetzen. in addi Dieses Manöver ist ihnen leider gelungen, fie haben es so weit gebracht, daß ich trot pünktlich bezahlter Miethe keine Wohnung mehr erhalten kann und für einen ganz erbärmlichen Lohn mich an die Tole ranz heucheln und dem ärgsten Ausbeuter verdingen mußte. Trotz alledem würde ich meinen Feinden tropig die Stirne bieten, hätte ich nicht eine Frau und 5 unmündige Kinder, die bei meiner Abreise fast ohne Existenzmittel find, zu ernähren. Sollte es bemittelte Genoffen geben, die gewillt sind, meiner Familie eine fleine Unterstügung zukommen zu lassen, so bitte ich, dieselbe an: Frau Bertha Kluge, Fischerei 2, in Ratibor zu senden. Meines herzlichen Dantes sind sie im Voraus sicher. Daß ich als Sozialdemokrat auch in der neuen Welt leben und auch sterben werde, brauche ich wohl nicht erst zu versichern. enim Mit mir zugleich reist mein Freund Klaps, dem sie noch schlimmer als mir mitgespielt haben. Infolge einer ihm auferlegten 6- monatlichen Gefängnißstrafe ist sein bis dahin blühendes Geschäft ruinirt, und bleibt ihm keine andere Wahl, als mich zu begleiten. E. Kluge, Maschinist. Quedlinburg, 27. Januar. Es ist wohl an der Zeit, daß auch wir einmal etwas von uns im Parteiorgan hören lassen. Trotzdem wir noch nicht allzustart an Zahl sind, so ist doch der Geist ein sehr guter, und dürfen wir hoffen, mit der Zeit auch größere Erfolge erzielen zu können. Wir wären noch nicht an die Oeffentlichkeit getreten, wenn nicht eine Herausforderung uns dazu veranlaßt hätte, auf die wir unmöglich schweigen fonnten. Am 12. d. M. fand hier im Schmidt'schen Lokale eine fortschrittliche Versammlung des Gewerkvereins statt, wozu ein Dr. Fränkel aus Leipzig als Referent erschien, um, wie er meinte, in dieser bewegten Zeit seiner Kaffe neue Mitglieder zuzuführen, da doch der Staat durch das neue Krankenkassengesez dahin gewirkt hat, daß die kleinen Krankenkaffen einer Gesammtmasse zugeführt werden, wohingegen die meiſten Arbeiter nur Laien sind, die kein Verständniß haben, noch das Endziel absehen, wo die Geschichte hinausläuft! Der Summs ging los. Dr. Fränket tischte den alten Phrasenbrei von der Harmonie auf und schmierte den Anwesenden tüchtig Honig um den Mund, und zwar nicht ohne augenblicklichen Erfolg, da nicht Jeder bei diesen Herren sofort den Pferdefuß herausfindet. Dr. Fränkel wußte z. B., daß auch Mitglieder der sozialistischen Partei anwesend waren, infolge dessen schmeichelte er uns mit den Lassalle'schen Ideen und wies auf die englischen Gewerkvereine hin, die bis jetzt Großes geleistet hätten. Dafür ließ er es dann wieder an Hieben und Verdächtigungen gegen die Sozialdemokratie nicht fehlen, denn das Ausnahmegesek macht solche Herren muthig und stark. Natürlich wurden auch die Schulze- Delitzsch'schen Segnungen gepriesen. Nachdem Fränkel geschlossen, unterzog einer der Unsrigen das Referat einer Kritik, und warnte die Arbeiter vor falschen Freunden. Der Be treffende war freilich nur ein Arbeiter und konnte dem Doktor nicht mit Bücherstellen entgegentreten, jedoch hat er, wenn man dies in Be tracht zieht, seine Sache gut gemacht, und müssen wie ihm nur unsere volle Anerkennung zollen. Denn wir haben von verschiedenen Seiten sagen hören: Der hat dem Herrn Doktor wirklich etwas zu schaffen gemacht. Fräntel suchte nun zwar unseren Genoffen zu widerlegen, allein das wollte ihm nicht recht gelingen. Unser Freund fragte den Doktor ,,, was mit den Groschen der Gewerkvereine geschähe! Die Antwort hierauf war eine Denunziation der Hamburger Zentralfassen. Der Doktor Fräntel sagte wörtlich:„ Es gibt schlechte Menschen, die behaupten, daß aus Mitteln dieser Kasse die Agitatoren dieser Kasse erhalten würden. Doch ich will dies durchaus nicht gesagt haben, aber es gibt schlechte Menschen u. m. D pfui über diesen Jesuiten! Die unsererseits erhobenen Angriffe auf die Invalidenkasse wies der Doktor zurück, indem er behauptete, daß dieselben allen Anforderungen, ( d. h. an ein Defizit! D. Red.) genügt. In dem einzig dastehenden Falle Pampel sei nicht das Recht, sondern die Billigkeit verlegt worden. Nach mehrmaliger Erwiderung unsererseits ergriff der Referent im Bewußtsein der Sicherheit muthbeseelt das Schlußwort nun durfte er ungenirt den Pferdefuß hervorstrecken, die Sozialisten als Vaterlandsverräther, und den Patriotismus als höchstes unantastbares Jdeal bezeichnen. Man könne arm und elend sein, mit Weib und Kind verhungern, allein ein wirklich armer Mensch sei erst derjenige, welcher die Liebe zu ,, unserem Kaiser" und zum Vaterland, sozusagen sein Jdeal, verloren habe! Die Sozialdemokratie hätte von jeher die Arbeiter aufgehegt, sie hätte unter Verleugnung des Nationalitätsgefühls im Augenblick der Gefahr mit den Franzosen gemeinsame Sache gemacht! Die Sozialdemokraten hätten stets den gewaltsamen Umsturz alles Bestehenden angestrebt und seien daher mit Recht(!!) vom Staate außer dem Gesetz erklärt worden. Bezeichnend ist es für Herrn Fränkel, daß er sich als Forts fchrittler erklärt, während er stets von unserer liberalen Partei sprach. Auch überraschte er uns mit der Mittheilung, daß er manchmal Exemplare des Züricher ,, Sozialdemokrat" aus liebreicher Hand zugeschickt bekäme, was uns natürlich sehr freute.*) Wenn es über= haupt wahr ist! Jedenfalls ist es sein geheimster Wunsch, von oben die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, jedoch, er hat sich schmutzig bewiesen, und wir sind überzeugt, daß er der Regierung auch noch zu gering ift. Wie wir hören, sollen schließlich nur noch Einzelne auf seine Lockreden hineingefallen sein, denn wir hatten ihm die Suppe verdorben. Ein Rother. " Elberfeld, den 7. Januar. Durch Zufall kommt mir Nr. 47 des Sozialdemokrat" in die Hände, und finde ich darin einen Artikel über die Elberfelder Gerichtsverhältnisse darin vor. Ich bin nun in der Lage, einen weiteren Beitrag zu diesen Thema zu liefern, und erlaube mir, gleichzeitig 10 Mr. für den Agitationsfond beizufügen. Ihr Artikel über unsere Gerichtsbarkeit war so recht geeignet, den lieben Bürgern und Muckern zu zeigen, was am grünen Holze geschieht. Viele Leute sind freilich der Ansicht, man dürfe die hohen Herren nicht derartig anfassen; wir aber sagen: Recht so! Was in dem erwähnten Artikel steht, beruht auf Wahrheit, zumal soweit es unseren I. StaatsBehauptung hat der Justizminister später in Beantwortung einer B schwerdeschrift seitens des Altmann dahin ,, richtig gestellt", daß Ser Schüler nur einmal mit dem Staatsanwalt Lüzeler im Hotel Weiden hof gezecht. Ja, er hat ja nur einmal" mit dem Staatsanwall gezecht. Die anderen Male sind natürlich nicht festgestellt. Nun zu einer anderen Sache. nad Vor nicht langer Zeit ging das Gerücht in der Stadt um, daß ein sehr wohlhabender Ackerer, nebenbei Presbyter, Namens Kürten, sid unsauberer Handlungen mit Kindern schuldig gemacht habe. Herr Lüzeler bekam die Sache in die Hände, und die Untersuchung ging ihren Weg. Kürten, der fromme Mucker, wurde nicht verhaftet, womit man sonst schnell bei der Hand ist, sondern er wählte sich als Rechtsanwalt den Neffen oder Verwandten des Herrn Lüzeler, Herrn van Werden Die Sache wurde so geschoben, daß die Verhandlungen teine Beweise si aid t ergaben, und der Mucker ruhig weiter sündigen und des Samstags in der Kirche ungenirt mit dem Klingelbeutel arbeiten" darf. Für Geldi darf man sich eben Alles erlauben. Ein armer Bader aber wird wegen Beleidigung des Herrn Kürten in Strafe genommen, weil er den from men Bruder, der auch sein Söhnchen mit unfittlichen Attentaten be läftigt hatte, öffentlich mit Schweinhund titulirt hatte, und in erste Instanz zu 50 Mt. Strafe verdonnert. In zweiter Instanz kam et jedoch infolge der Aussagen eines 12jährigen Zeugen auf 20 Mark un die Kosten herunter. Wenn nun, wie dieses Kind bezeugte, Kürten un fittliche Handlungen getrieben, warum wird denn der Defonom und Ziegelei befizer Kürten nicht verdonnert? Ja, dafür haben wir einen erster Staatsanwalt üheler! bad dat mahigi Ich st. Behb and darf ber Winterthur, 13. Februar. In der gestrigen Barteiversammlung wurde K. Halbedel aus Defterreich einstimmig aus unsere Mitgliedschaft ausgestoßen. Durch zweideutiges Benehmen hatte er fid schon lange verdächtig gemacht; nachdem wir ihn aber gezwungen, Farb zu bekennen, stellte es sich heraus, daß er zu den Anarchisten gehört Als solcher hat er in unseren Reihen nichts zu suchen. Partei- Archiv. Quittung. 13 End 750 isd end sim Es sandten weiter ein: Fr. Engels, London: 1 Marx," Das Kapital." 3 Auflage. J. 3 ach, St. Gallen: 1,, Das Kriegswesen Europas." 1 Bericht des Generalrathes der J. A.-A. an der IV. allgem. Rongreß in Basel." Pa T 1 11 1 " Verhandlungen des IV. Kongresses des Inter Ein nationalen Arbeiterbundes in Basel." I.- VII. Generalstatuten, zugefügte Reglemente und Zentral schäd statuten der Sektionsgruppe deutscher Sprache der Internatio einze nalen Arbeitergenossenschaft. unse: wert Magnus: 11 Koft 2 Grundrechte des deutschen Volkes." Hamburger Platatausgabe 1848. Schäffler, Vereinigte Staaten: 1 Dashohe Lied oder Triump " 1 der Liebe." Nach der hebräischen Urschrift in's Deutsche um San gedichtet von J. Busenfreund. Weiteren Zusendungen sieht entgegen Die Archivverwaltung. Briefkasten 382 zu t zusem deme P thut der Expedition: H. H. Brth.: Mt. 4, Ab. bis Ende Mär erh. Th. R. Woodard's Ldg.: Fr. 10, Ab. pr. 84 und Fr.. 1,5 f. Nchlfrg. erh. Fr. 1,50 d. Agfds. dkd. zugew. Gruß! Prof. Sch Mchstr.: Fr. 10,- Ab. pr. 84 und Fr. 15,- pr. Wfd. durch E. 2 dkd. erh. Schorse: Mt. 104,- auf alten Rest gutgebr. Adr. notirt Rother Greif: Mt. 25, à Cto. Ab. 2c. erhalten. Pefer in bet Fremde: Mt. 10, nunmehr d. Agfd. dkd. zugew. Postanweisung wat ohne jeden Vermerk. Was fehlt noch? Rother von der Gra Mt. 20, pr. Ab. Dez. gutgebr. Betr. Ufds. bedarf's noch Aufschlusses Bf. fort. C. H. Kopenhagen: Pft. eingetroffen. Fr. 41,30 Ab. Du. u. Schft. erhalten. 1,, Kapital" abgesandt. Goliath: Fr. 12,50 fü hieft Adel Frauenuterstützung" erh. Wie steht's mit Frd. 3.? bert: Mt. 400,- à Cto. erh. Der Dicke hatte auch seine Freude dran Blä R. H. Ravensthpe.: Fr. 2,50 Ab. 1. Du. erh. Ahasverus: M Zeit 3, Ab. 1. Du. f. H. G. erh. Nchlfrg. mit 6 fort. Dsch. Ver. Genf brin Fr. 63, Ab. 4. Du. erh. Bstllg. fort. Nr. 00: Mt. 1,30 Ab.- Ref Ben 1. Du. erh. Jetzt im Schritt? " d Die alten Bekannten N.: Mt. 10, f. N. N. erh. Morik: Mt. 25, A6. 1. Du. u. Schft. erh. dr rege E. A. Milwaukee rub -b. Mch.: öwfl. 3,50 Ab. 1. u. 2. Du. H. erh. Fr. 1,25 f. Schft. erh. Neckar: Mt. 3, Ab. 1. Du. 84 erh. burc P.Gen. Freiburg i/ Schl.: Mt. 10,- pr. Ufd. dkd. erh. Torffafter was x: Mt. 20,45 pr. Ab. 1. Du. u. Schrft. erh. sollten Mt. 21,45 sein haben sich beim Addiren geirrt. Lbch. Mt. 72, à Cto. Ab. 2c. erh ist Weiteres erwartet. Sdg. folgt. Pickelhaube: Fr. 101,20( 20 Doll ber à Cto. Ab. 2c. erh. Bstllg. c. folgt. 3opyron: Mt. 80, à Conto bon Ab. 2c. u. Ggrchg. gutgebr. Bukarest: Fr. 40,- à Cto. A6. un gef : Mt. 7, Schft. erh. Weiteres notirt. ††† himmel Ab. 1. Du. f. L. u. R. erh. Alles fort. Glasgow: Mt. 40,- von Tsch Deutschen Arbeiterverein pr. Ufd. dkd. erh. A. Sch. Glasgow: M fie 18, 26. 1. Du. erh. Bftllg. folgt..." 83 elegant geb.( schwz weil kostet Fr. 10,-. Agst.: Mt. 35,55 à Cto. Ab. u. Schft. erh. Adr geordn. Bstllg. folgt. Neu- Wirthshaus: Mt. 1,- pr. ufd. btd. erh grif 50 E. u. M. i. M.: Mr. 2, Ab. Febr. u. März erh. H. G. D. Mt. 3, F. G. Ghn. ihre Ab. 1. Du. über B. am 12/2. eingetroffen. Mt. 3,50 Ab. 1. Du. erh. Weiteres besorgt. G. Sp. Sch. ö. fl. 1, f. Schft. erh. Ferd. Rob. Heye, drap bent gege S tisti Kupferdrucker aus Mödern bei Leipzig, wird um seine Adresse ersuch der [ 1.00] Franziska MachuI, care of Mr. C. Arnold, Nr. 436, E 16 Str. Neu- York. wieb mas Durch uns find zu beziehen: gege Sämmtliche in russischer Sprache erscheinenden Schriften un Broschüren sozialistisch revolutionärer Tendenz. Nur gegen Baar. Porto extra. ihm S wirl Ana entr bilb So wirk hat. Bu kaufen gesucht: W. Liebknecht: Boltsfremdwörterbuch, Lieferung 2, it 20 Exemplaren. Expedition des Sozialdemokrat" Volksbuchhandlung Sottingen 3ürig. anwalt Lüßeler angeht. Zur weiteren Aufklärung folge hiermit noch Einiges. Zürich onntag, den 17. Februar, Abends 7 Uhr, im Raf Sp War da im Jahre 1879 ein Prozeß gegen einen Bankier, resp. Halsabschneider, mit Namen Aron Schüler, einer der größten Hallunken, welcher es meisterhaft verstanden, manchem armen Teufel das Fell über die Ohren zu ziehen. Dieser saubere Patron hatte während einer Eisenbahnfahrt von hier nach Hagen Streit mit einem Herrn bekommen, der mit Ohrfeigen- Austheilen endete, Zeuge dieser Affaire war ein gewiffer Altmann. Schüler hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als diesen Herrn zu bestimmen, einen falschen Eid zu schwören, was jedoch Altmann ganz entschieden ablehnte. Schüler sagte u. A., es komme ihm auf einen falschen Eid nicht an, denn wenn er wirklich einmal hereinfallen sollte, so sei ihm die Freundschaft des Herrn Staatsanwalt Lüzeler gesichert; mit dem würde er im Hotel Weidenhof eine Flasche Wein trinken und Alles wäre dann geschlichtet. Diese lette *) Uns auch! Wir werden uns gelegentlich mit dem Herrn ,, Doktor" als Volkswirthschaftler beschäftigen, in der Hoffnung, daß ihm auch diese Nummer dann von ,, liebreicher" Hand zugeschickt wird. Die Redaktion. T Beck, zum Zährringer": Gefchloffene Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Ro feit bes ŏft Antrag auf Ausschluß von Bgr. M. und H. Parteiangelegenheiten. befd Zahlreichem Erscheinen der Mitglieder sieht entgegen biel tifd Der Lokalausschuß. libe Ph Sozialistische Arbeiterpartei Amerika. frei Sektion New- Yort. Sigung des Zentralfomites jeden Dienstag Abends 8 Uhr wer in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres fieh ziel ,, New- Yorker Boltszeitung". mu Schweizerische Genossenschaftsbuchdruckerei Hottingen- Zürich. lich