Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz). Berlag der Boltsbuchhandlung Hottingen Zürich. Poffendungen franto gegen franto Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz foten Doppelporto. M. 9 Der Sozialdemokrat Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 28. Februar Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„, Sozialdemokrat." D Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Defterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, refp Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ift die äußerste Vorsicht im Boftverkehr nothwendig und darf teine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Haupterfordernig ist hieju einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Azenten entgegengenommen, und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von Fr 2 für die Schweiz( Kreuzband) Mt 3 für Deutschland( Couvert) fl. 1.70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Inserate die dreigespaltene Petitzeile 25 Gts. 20 Pfg. 1884. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Refommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trog aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat" unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern w cit De je te Parteigenossen! Der Zusammentritt des Reichstags nöthigt die Vertreter unserer Partei, auf längere Zeit in Berlin anwesend zu sein. Ein solcher Aufenthalt kostet Geld. Und obgleich die Entschädigungen auf das Aeußerste bemessen sind, so daß jedem einzelnen unserer Vertreter noch materielle Opfer auferlegt werden, die vorhandenen Mittel reichen nicht zur Deckung der Kosten. Wir richten deshalb an Euch die Aufforderung, unverzüglich Sammlungen für den Diätenfonds zu veranstalten und die Beträge an die Parteivertretung einzusenden. Ueber die eingesandten Gelder wird im„ Sozialdemokrat" quittirt. Parteigenossen! Wir erwarten, daß Ihr Eure Pflicht Die Redaktion und Expedition des„ Sozialdemokrat". thut! Fonds zur Unterstüßung der Opfer des Sozialistengesetes. Im Dezember gingen ferner ein: Schwerin Mark 20,-( davon Mt. 12,- geschwänzte Dombaufonds"). Hamburg 85,-. St. Johann 5,-. Ernstthal 2,-. Liegnig 8,-. Sprem berg 6,50. Potsdam 22,50. Glauchau 6,50. St. Johann 7,50. Heme lingen 12,50. Posterstein 4,50. Gera 12,50. Pforzheim 9,-. Fürth 30, Rittershausen, von zwei Unzufriedenen 12,-. Brandenburg, Ueberschuß v. e. Kr. 30,-. Brandenburg, f. 1.- gef. 20,- Nürnberg 53,18. Verden 17,50. Erfurt ,,, Das Banner hoch!" 25,-. Duedlin= burg 9,-. Dresden IV. V. und VI. sächs. Reichstagswahlkreis 100,-. Altenburg 46,-. Besigheim 50,-. Jm Januar gingen ein: Ronsdorf Mt. 8,-. Remscheid 3,-. Reichenbach i/ V. 5,-. Gaarden 6,25. Schleswig 2,70. Eckernförde 2,25. Kiel 10,-. Neumünster 6,-. Gaarden 2,75. Rendsburg 4,25. Eckernförde 1,-. Gaarden 7,25. ia Rendsburg 5,25. Eckernförde 2,75. Gaarden 25,-. Mainz 100,-. in Brandenburg 12,50. Greiz 12,50. Magdeburg 8,40. Raffel 20, Erfurt 5, Hamburg 105, Plauen i/ B. 20, Görlig 24,25. Zwickau 22,50. Brandenburg 40,-. Buckau d. W. i. N. 50,-. Dued= linburg 4,-. Schwabach 4, te en Ced 8 at iel 5ft τή b n. er 填 br b 20 g ce Sel b og br 34 13 tb oft 50 3 br Sal er Sa h 5 . Erfurt ,,, Das Banner hoch!" 25,- Halle 40,-. Johann Ungenannt 895, Wolfenbüttel 5,-. Braunschweig 60,-. Reichenbach i/ B. 50,-. August" Leipzig 6, Pirna 25,-, Chicago, H. Kaiser u. Genossen 64,-. Deutscher u. Comp. Genf 140,-. Im Dezember 83 gingen ferner noch ein: ,, Rother Holländer H: Mt. 3,-. D. R. Haag:( Fr.-, 70) M-, 56. M. Renan:( Fr. 1,-) Mr.-, 80. Turnersektion des deutschen Vereins Eintracht Zürich:( Fr. 5,-) Mt. 4,-. Jm Januar 84 eingegangen: K. B. Antwpn.:( Fr. 2,20) Mt. 1,76. Gr. u. Schl. hier:( Fr.-, 29) Mt. 23. Sommerfeld: Mt. 6,-. Nordischer: Mt. 5, Ch. Pommer Limeira: Mt. 3,64. Hanau: Mt. 100,-. E. K. 3.:( Fr. 4,-) Mt. 3,20. R. K. Frauenfeld:( Fr.-, 20) Mt.-, 16. E. V. E.: Mt. 1, Königsberg: Mt. 50,-. Kommun. Arb.- Bildungsverein London:( Fr. 201,60) Mt. 161,28 Ertrag d. Weihnachtsverlosung. S. F. 3.( Fr. 1,30) Mt. 1,04 für eine Taffe Kaffee; durch Gen. P. R.... I P. gesammelt:( Fr. 12,-) Mr. 9,60; Buenos- Aires:( Fr. 62,-) mt. 49,60 von den P.- Gen., Arbeiterbildungsver. Amsterdam:( Fr. 6,75) Mt. 5,40. Vom kleinen Sozialdemokrat Ch.: Mt. 3,-. Lodernde Flamme: Mk. 2, Bom Generalstab in Gotha: Mt. 30, Roth Nr. fragen a. d. Cislar: Mt. 5,-. Landesausschuß deutscher Sozialisten in der Schweiz:( Fr. 300,-) Mt. 240,- Beiträge pr. 4. Du. 83. P.- Gen. Turin:( Fr. 18,50) Mt. 14,80. Rathenow: Mt. 3, 500: Mt. 75. Gen im Löwenhof Zürich:( Fr. 2,-) Mt. 1,80. P.- Gen. Groitsch: Mt. 9,70. Freiburg i. Schl.: Mt. 10, Neuwirthshaus H.: Mt. 1,-. Deutscher Arbeiterverein Glasgow: Mr. 40, Dlbrg.- Rymre:( Fr. 5,46) Mr. 4,36. Schwarzer Taugenichts: Mt. 1,15. Vom Dicken in München: Mt. 1,10. Die gemüthlichen Piebsthater: Mr. 1,50. Heims Palmyra:( 1 Doll. Fr. 5,10) Mt. 4,08. Bon einem Schweizer Arbeiter durch U.: Mt. 1,60. Zusammen: Mr. 3185 09. Agitationsfonds. B. Bfrst.:( Fr. 3,30) Mart 2,64; Dtschr. Ver. Winterthur( Fr. 50.-) 40, Parteibeitrag pr. 3. u. 4. Du. 83. Oldenburg Mr. 10,-. Pariser Genoffen( Fr. 100,-) 80,-. Duartalsbeitrag 4. Du. 83. Ungenannt Buenos- Ayres:( Fr. 100,-) 80,-. J. Singbart! Winona( Fr. 5,12) 4,09. Th. R. Woodards- Landing( Fr. 1,15) 92. Mehrere Cigarrenarbeiter v. Dfterwies Shop New- Haven( 10 Doll. Fr. 50,65) 40,52. Der verrückte Polliger München( öwfl. 1.- und M. 5,-) 6,66. ParteiBeitrag pr. 4. Du. 83 Kopenhagen( Fr. 10,70) 8, 56. Zusammen: Mt. 273, 39. = Allgemeiner Wahlfonds. M. Renan( Fr. 1,-) Mark-, 80. ,, Bund Stark im Recht" in NewYork( 24 Doll.) 97,20 für den Wahlkreis Frankfurt a/ M. Prof.Schrimr. Manchester 12,-. Zusammen: Mt. 110, Der Sturm auf die Hilfskaffen. Die Arbeiter Deutschlands wandeln den so vielgeschmähten und ihnen so schwer gemachten gesetzlichen Weg, das heißt, fie betrachten die Geseze als eine Waffe, von der man Gebrauch machen muß, so gut es geht. Sie wären Narren, wenn sie das nicht thäten, wenn sie von dieser Waffe keinen Gebrauch machten, weil dieselbe von den Feinden geliefert oder weil sie nicht scharf genug ist: als ob deren Gebrauch es ausschließen würde, daß man sich daneben noch schärferer bedient. Selbst in dem schlechtesten Geseze wissen die deutschen Arbeiter noch einen Ansatzpunkt zu entdecken, um es für sich auszunuzzen. Die Pfeile, welche die herrschenden Klassen gegen sie abschießen, ste treffen den eigenen Schützen. So ist es auch mit der Krankenversicherung gegangen, einem der elendesten gesetzgeberischen Machwerke, welches keinen anderen Zweck hatte, als die unbotmäßigen Industriearbeiter bollends unter die Fuchtel zu bringen, also das fortzuführen, was das Sozialistengesetz begonnen. Aber die Arbeiter sind schlauer als die ganze gesetzgebende Sippe: statt in passivem, ohnmächtigem Troß die neue staatssozialistische Quacksalberei zu ignoriren, haben sie sich vielmehr mit aller Kraft auf sie geworfen, haben den Kassenzwang zur Förderung der freien Hilfskaffen verwendet, und so der Ausführung des Gesezes eine Wendung zu geben gewußt, daß den Gesetzgebern angst und bange wird. Die Hilfskassen sind im Begriff, zu einer mächtigen Organisation der deutschen Arbeiter anzuwachsen, welche sich vielleicht bald den gerühmten englischen Gewerkschaften wird zur Seite stellen können. Das haben die Herren, welche das Krankenversicherungsgesetz gemacht haben, nicht gewollt: nicht die Versicherung, sondern die Botmäßigkeit des Arbeiters mar ihr Ziel, und nun ent wischt dieser der Schlinge, die man ihm gelegt, und windet sich einen Strid aus derselben, eine Geißel, die allerdings nicht, wie die bekannte, zur Verjagung der Krämer und Wechsler aus dem Tempel bienen wird, aber doch stark genug sein dürfte, manchen frechen Patron abzuwehren. Dem muß man natürlich entgegen treten. Es ist wahr, die Hilfskaffen sind ebensowenig, wie die englischen Gewerkschaften, revolutionäre Körperschaften; sie sind neutral, ja fie tönnen unter Umständen sogar, wie in England, zu einer fonservativen Macht werden: aber sie verleihen dem Arbeiter eine größere Selbstständigkeit, und bas genügt, das Tobesurtheil über sie auszusprechen. Die ganze Meute der Besitzenden, vom Antisemiten und Agrarier bis zum Freihändler und Fortschrittler, fällt jetzt über die Hilfskaffen her, taum daß fie in's Leben getreten; diese sind jetzt zu einer Ges fahr geworden, weil die Arbeiter, statt sich in revolutionären Tiraben zu ergehen, die Niemandem schaden und nur den Orb nungsfanatikern nüßen, fich auf gesetzlichem Boden bewegten und nur so frei waren, das Gesez, bas gegen sie gemacht worden war, für sich auszunuzen. Kaum kann es deutlicher zu Tage treten, als burch ben jezigen Sturm auf die freien Hilfstassen, wie unehrlich die Sozialreform von allen Parteien der Besitzenden gemeint ist, und wie systemlos, in's Blaue hinein, die Gesetzesfabrikation im beutschen Reichstag betrieben wird. Die ganze erſt jüngst geschaffene Versicherungsgesetzgebung will man jetzt durch Ergänzungsgesetze wieber umstürzen, die freien Hilfstassen sollen vernichtet werden; und bereits haben die Behörden den Feldzug gegen dieselben eröffnet, neue Hilfskaffen kommen über Haupt nicht mehr auf. Die Heuchelei des staatssozialistischen Humbugs ist dadurch drastisch gekennzeichnet. Das Schönste an der ganzen Geschichte ist aber die Thatsache, baß diesmal auch die Fortschrittler in bas staatssozialistische Horn blasen. Die fortschrittliche Stadtver tretung Berlins chifanirt die freien Hilfskassen in jebmöglicher Weise zu Gunsten der von der Gemeinde abhängigen Ortskaffen. In köstlicher Weise sucht bies irgend ein fortschrittlicher, im Solbe der Stadtvertretung stehender Schmock in dem„ Organ für Jeder mann aus dem Volke" zu vertheidigen: " Es ist ein eigenthümlicher Streit," läßt er sich ver= nehmen, der in diesem Augenblick darüber entbrannt ist, welcher der beiden Arten von Kaffen durch die Arbeiter der Vorzug zu geben sei. Die eingeschriebenen freien Hilfskaffen entsprechen offenbar dem fortschrittlichen Prinzip, das in der Forderung der freien Bewegung für den Einzelnen, der Freiheit der Assoziation für die nach ihrem Berufe Zusammengehörenden und der freien Männer würdigen Selbsthilfe seinen Ausdruck findet. Die Ortskrankenkassen dagegen suchen der sozialistischen Theorie von der Staats, be ziehentlich Gemeinde- Hilfe, wenigstens nach einer Richtung hin, Genüge zu leisten. Gleichwohl werden gerade die lezteren von Seiten der Sozialisten auf's heftigste bekämpft und alle Anstrengungen gemacht, um die Arbeiter von der Betheiligung an denselben anzuhalten und sie in Masse den freien Hilfskaffen zuzuführen. Eine Erklärung würde dafür taum zu finden sein, wenn nicht einerseits das Krankentaffengeset den Gemeindebehörden ein etwas weitgehendes Bepormundungsrecht einräumte, und wenn nicht Neuwahlen für den Reichstag bevorständen, für welche die Verbände der freien Hilfskassen eine willkommene Organisation barzubieten vermögen." Auf diesen Passus folgt eine verlogene Vergleichung der Ortstassen und freien Hilfskaffen, die natürlich sehr zu Ungunsten der letzteren ausfällt. Dann heißt es zum Schluß: ,, Daß die Arbeiter durch das Bestehen von Ortskrankentassen geschädigt würden, wird wohl Niemand behaupten wollen. Die Konkurrenz, welche den freien Hilfskaffen damit gemacht wird, liegt offenbar in ihrem wohlverstandenen Interesse und können wir deshalb dem, was der Magistrat in seiner Antwort auf die Singer'sche Interpellation in bieser Beziehung äußerte, nur zustimmen. Er sagte nämlich barin wörtlich: " Treten die eingeschriebenen Hilfskassen für Erfüllung jenes vorbeschriebenen Wohlfahrtszwedes mit den umzuformenden oder in Gemäßheit des S 16 ff. des Reichsgesetzes bom 15. Juni 1883 neu zu gründenden Ortskassen in wirksamen, sachentsprechenden Wettbewerb, so kann uns dies im Intereffe der Betheiligten nur in hohem Grade erwünscht sein. Dieser Gesichtspunkt kann aber nur durch Erhaltung, Ausgestaltung und, wo nöthig, Ausbildung der Ortstassen neben den eingeschriebenen Hilfskassen Verwirklichung finden."" Es wäre sehr verlockend, den Blödsinn, der da geleistet wird, eingehend zu zergliedern, die sozialistische Theorie" der Ortsfrankenkassen und das fortschrittliche Eintreten für lettere im Interesse der freien Konkurrenz"! Auch das Denunziatiönchen, daß die Verbände der freien Hilfskassen für Wahlzwecke eine willkommene Organisation bieten, ist ganz nieblich. Doch das find Nebensachen; die Hauptsache, die aus dem Artikel herauss leuchtet, ist bie: die Fortschrittler waren bisher Verehrer der freien Hilfskaffen, die sie als„ Lösung der sozialen Frage" nicht genug rühmen konnten; sie waren es so lange, als sie sich einbilden durften, durch diese Lobeshymnen Gimpel auf den Mar Hirsch'schen Leim loden zu können, als fle hoffen durften, dadurch die Arbeiter einzuschläfern und dem Klassenkampf zu entfremden. Jetzt sind ihnen aber die freien Hilfskassen über den Kopf gewachsen, Märchen Hirsch und Anhang sind in der steigenden Fluth politisch ersoffen, die Arbeiter gehen selbstständig vor, frei von der Vormundschaft der fortschrittlichen Fabrikanten ba hat es auch mit den Prinzipien" dieser Herren ein Ende, und fie greifen, gleich der„ Reaktion", zum Staatssozialismus als willkommenem Mittel, den Arbeiter wieder zur Botmäßigkeit zurückzuführen. W Dieselben Leute, welche die Konkurrenz der Straßburger staatlichen Tabatmanufaktur gegenüber dem Privathandel nicht genug berbammen konnten, schwärmen jetzt für die„ Konkurrenz" zwischen den Ortstassen und den freien Hilfskassen! Staatssozialismus und Fortschritt In den Armen liegen sich Beide Und weinen vor Schmerzen und Freude!" Diese rührende Versöhnung zwischen Staatssozialismus und Fortschritt ist für beibe bezeichnend: Der Fortschrittler fängt an, für den Staatssozialismus zu schwärmen, weil er fieht, wie sehr dieser die Ausbeutung und Unterbrückung des Arbeiters förbert! Sie find beibe einander würdig die schönste Illustration des Sazes von der reaktionären Masse. Briefe über Logik. II. Serie. 4. Brief. Der H. George ist mir nur eine nebensächliche Veranlassung, um an seinen Mängeln Dir die helleren Begriffe der Volkswirthschaft zu illustriren, welche wiederum nur als Beispiel dienen, in welcher Art das Begriffsvermögen überhaupt kunstmäßig zu operiren hat. ,, Die fundamentale Wahrheit", heißt es im 1. Rapitel ,,, welche in allen ökonomischen Raisonnements festzuhalten, ist die, daß die Gesellschaft in ihrer höchst entwickelten Form nur eine Komplikation der primitiven Gesellschaft ist."... Jm primitivsten Zustand, den wir uns denken können, gräbt Jedermann seinen eigenen Köder und fängt seinen eigenen Fisch." Diese Worte bekunden so recht einen gänzlichen Mangel an historischem Sinn. Wo Jedermann seinen eigenen Köder gräbt und eigenen Fisch fängt, kann von keiner Gesellschaft die Rede sein. Jede Spinne spinnt ihr eigenes Net und schnappt ihr eigene Fliege. Jeder Bär ist sein eigener Jäger und ertappt seinen eigenen Fraß. Der Mensch aber ist gesellig, er fischt und jagt gemeinschaftlich. Seine Geselligkeit entwickelt die Dekonomie und die Dekonomie entwickelt die Geselligkeit. Das Ge= schichte machen, das Entwickeln ist bekanntlich ein Charakteristikum für den Unterschied zwischen Mensch und Thier. Das geschichtliche Menschenthier unterscheidet sich merklich von dem unmenschlichen Zustande, wo jeder seinen eigenen Köder gräbt und eigenen Fisch fängt. Die historisch erwachsene Dekonomie ist ganz etwas Anderes, unendlich mehr als nur eine Romplikation der primitiven Gesellschaft." Die primitive Gesellschaft des H. George, wo Jeder ungesellig auf sich angewiesen, ist ein Unding; sie findet sich weder unter den Negern, noch unter Indianern, noch unter den Barbaren der Vergangenheit. Ueberal Gesellschaft, überall Entwicklung, überall der Beweis, daß die Kultur ganz etwas Anderes ist wie komplizirte Barbarei. Die Logik, mein Lieber, die das Eine theilt und das Getheilte eint, befindet sich bei der Entwicklung so recht in ihrem Elemente. Was sich entwickeln soll, muß eben immer dasselbe sein und darf doch zugleich nie dasselbe bleiben. Die Entwicklung ist Sein und Nichtsein in einem Athem. Veränderung im Bleiben und Bleiben in der Veränderung. Ein und Dasselbe und doch ewig Anderes. Die Kapitalisten streiten für die Abstammung des Arbeitslohnes von der aufgespeicherten Arbeit. H. George behauptet dagegen, daß sich die Arbeit lohne, ohne Aufspeicherung, wie die primitiven Zeiten beweisen, wo man Beeren pflückte, Fische fing und Wild jagte mit bloßer Hand. Dabei will uns schier bedünken,... daß sie alle Beide stinken." Mit bloßer Hand kann man wirthschaften, aber die Wirthschaft ist nicht lohnend, nicht menschenwürdig. Dazu bedarf es der Aufspeicherung. Soweit haben die Kapitalisten recht. Daß man die angesammelten Schäße dazu gebraucht, den Arbeiter derart zu beknappen, daß er vom Ertrage kaum soviel erhält, das nackte Leben zu fristen, ist wiederum recht und echt tapitalistisch. Weil dem so ist, und es eine aparte Weise ist, nennen wir die Schäße der Gegenwart, welche nicht mittels primitiver, sondern mittels versklavter Arbeit aufgehäuft sind die Schätze, die benutzt werden, mehr Schäße aufzuhäufen und die Arbeit im Zustande der Sklaverei zu erhalten, die nennen wir und sie nennen sich Kapital. Das Ende vom Lied ist dann, daß es ein logischer Fehler ist, die primitive Gesellschaft, die gar noch keine Gesellschaft war, mit der Ges sellschaft, die sich entwickelt hat, zusammenzuwerfen. Es ist ein Fehler, die primitive Arbeit nicht von der Lohnarbeit und den kapitalistischen Fischer nicht vom Urfischer zu unterscheiden. Das ist keine richtige Begriffsope= ration und auf solche Art gelangt man nicht zum kunstgemäßen Begriff der ökonomischen Kategorien. ,, Der Arbeiter", heißt es am Schluß des 1. Kapitels ,,, welcher 2000 Fuß unter der Erde Silbererz gräbt, ist zugleich beschäftigt, mittels eines tausendfältigen Austausches, in den Thälern auf der Erde die Ernte einzuscheunen; er jagt den Wallfisch durch die Eisfelder, pflückt Tabakblätter in Virginien, Beeren in Honduras, schneidet Zuckerrohr auf Hawaja, sammelt Baumwolle in Georgien oder bedient den Webstuhl in Manchester 2c.... Den Lohn, den er Samstag Abends bei der Ausfahrt aus dem Schacht empfängt, was ist der anders als eine öffentliche Bescheinigung, daß er alle diese Dinge vollbracht hat der erste Austausch in einer langen Reihe, der seine Arbeit in Dinge verwandelt, an deren Herstellung er thatsächlich mitgewirkt." Der Lohn, füge ich erläuternd zu, verwandelt die Spezialarbeit des Bergmanns in Generalarbeit, dokumentirt dem Arbeiter, daß er kein vereinzelter Mensch, sondern ein Mitglied der ökonomischen Gesellschaft ist. Da gilt es denn, den Unterschied hervorzuheben zwischen dem primitiven Urfischer, der sich alle Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse selbst verschafft, und dem modernen Lohnarbeiter, der ein Glied ist im kultivirten modernen Produktionsprozeß. Sie haben beide gearbeitet, der eine mit einem Werkzeug, worin keine oder wenig aufgespeicherte Arbeit enthalten, der andere mit Rieseninstrumenten, mit kapitalistischen, die den Arbeiter nicht oder wenig besser lohnen wie die primitiven Instrumente den Urfischer; aber dennoch einen kolossalen Reichthum zeugen, an dem der Arbeiter nicht partizipiren darf. Obgleich die Geschichte der Sklaverei, ihr allmäliger Uebergang in Leibeigenschaft, Hörigkeit und endlich in freie" Lohnarbeit männiglich bekannt ist, halten H. George und die Kapitalökonomen doch mit sonderbarer Hartnäckigkeit an der Illusion fest, es sei die Wirthschaft der Vergangenheit und die Wirthschaft der Gegenwart ein ewiges Joyll, wo Herr und Knecht gemüthlich in einer Laube siten, beiderseitig ihre wirthschaftliche Stellung als göttliche Schickung hinnehmen und danach trachten, etwaige Differenzen mit den Ideen der Gerechtigkeit und Humanität auszugleichen. Die Historie vom Arbeitslohn ist allerdings alt; aber das gegenwärtige Verhältniß von Lohn und Kapitalprofit ist doch durchaus neu. Die Kühe, welche Abraham, Isaak und Jakob auf die Weide trieben, waren schon aufgespeicherte Arbeit", die dazu diente, Mehrwerth zu zeugen, und die Labans wurden gelohnt". Auch als die Pharaos ihre Pyramiden bauten, konnten sie ohne aufgespeicherte Arbeit nicht wirthschaften, und wenn auch nicht die Peitschenhiebe, so war doch der Unterhalt, mit dem sie ihre Egypter trattirten, ein„ Lohn", der im Verhältniß zum damaligen Gesammtertrag der Arbeit wohl größer war als der heutige kapitalistische. Wenn die Frohnbauern im Mittelalter keinen Lohn empfingen, sondern umgekehrt ihre Herren mit Blut- und Fruchtzehnten und unentgeltlicher Arbeit lohnten, darf man doch die Ritter, wenn sie auch den Bauern in etwas Dienste leisteten, deshalb noch keine Lohnarbeiter nennen. Ich will damit sagen, daß H. George sehr unlogisch verfährt, wenn er thut, als sei der Kapitalismus und seine Lohnarbeit von Ewigkeit her. Gewiß erkennt George etwas Inhumanes in den modernen Löhnen, aber seine Erkenntniß betrifft nur die niedrige Skala, nicht das Lohnverhältniß in Bausch und Bogen. Und weil eben seine Erkenntniß eine Halbheit, sind auch seine Remedurvorschläge nur Halbheiten. Jm 2. Kapital behandelt er, die Bedeutung der Namen" und ist dasselbe speziell den Definitionen der Begriffe Arbeit und Kapital gewidmet. Es heißt dort: ,, Nach landläufigem Sprachgebrauch ist mit Lohn eine Entschädigung gemeint, welche einer gedungenen Person für ihre Dienste gezahlt wird, und wir sprechen von einem Manne, der für Lohn arbeitet", im Gegensatz zu einem anderen, der für sich schafft". Der Gebrauch des Wortes ist ferner beengt durch die Gewohnheit, es ausschließlich für die der Handarbeit gezahlte Entschädigung zu verwenden. Wir sprechen nicht vom Lohn der Handwerker, Werkmeister oder Kommis, sondern von deren Verdienst, Gehalt, Salair oder Kommission. Jedoch in der politischen Dekonomie hat der Lohn eine weitere Bedeutung, er schließt dort alle Erträge für geleistete Anstrengung ein. Nach Erklärung der Dekonomisten heißen die Faktoren der Produktion Land, Arbeit und Kapital, und jener Theil des Produkts, welcher dem zweiten oder dritten Faktoren zu Theil wird, heißt Lohn." Jm politisch ökonomischen Sinne des Wortes ist deshalb kein Unterschied, ob der Ertrag der Arbeit von einem Prinzipal gezahlt wird oder nicht; Lohn meint den Ertrag, welcher für die Anstrengung der Arbeit empfangen wird, im Unterschiede vom Ertrag des Kapitals und vom Ertrag, den der Landeigenthümer von der Benüßung des Grund und Bodens empfängt. Der Mann, der den Boden für sich selbst kultivirt, empfängt seinen Lohn im Produkt; wenn er eigenes Rapital braucht und eigenes Land hat, empfängt er in derselben Weise eigenen Kapitalzins und eigene Landrente. Des Jägers Lohn ist das Wild, das er tödtet, des Fischers Lohn der Fisch, den er fängt." " Du siehst hier, wie unser Freund sich müht, die herrschende Anschauung zu vertheidigen, welche dahin geht, daß dem Kapitalisten und Landeigenthümer vom Wirthschaftsertrag nicht nur ein faktischer Antheil zufällt, sondern ein ewig berechtigter, konstanter, unveräußerlicher Theil. Wir dagegen sind der Ansicht, daß der Mann, der sein eigenes Land mit eigenem Pferde und eigenem Pflug, mit eigenem Kapital und eigener Hand baut, weder Lohn noch Zins noch Rente, sondern nur Ertrag erntet. Wenn er dennoch eine Rechnung anstellt und herauskalkulirt, daß er sein Land, sein Kapital und seine Arbeitskraft, jedes zu einer bestimmten Tage anderweitig verwenden könnte, so wird er unzufrieden sein, wenn ihm nicht auch noch eine vierte Unterabtheilung des Ertrags, wenn ihm kein Profitchen übrig bleibt. Indeß erkennt sich leicht, daß es ganz der Willkür des Kalkulators überlassen ist, ob er den Landeigenthümer, den Kapitalisten, den Arbeiter oder den Profitmacher in seiner Rechnung bevorzugen will. Was er dem Einen zu, muß er dem Andern abrechnen und ändert am Fazit keinen Deut, woraus unwiderleglich folgt, daß für Denjenigen, der Kapitalist und Arbeiter in einer Person ift, die ganze Eintheilung hinfällig und bedeutunglos wird. Der Lohn, die Lohnarbeit, die gekaufte und verkaufte ,, freie" Arbeitstraft ist keine ewige, sondern eine historische Kategorie. Ertrag liefert die Arbeit ewig, d. h. unter allen Wirthschaftsformen; aber Lohn gibt es, im kategorischen Sinne des Wortes, nur unter dem Regimente der Kapitalisten. Und wenn dergleichen auch in anderen, entlegenen Zeiten sporadisch vorgekommen, bleibt doch der moderne Kapitalismus das Land der Lohnarbeit, wie Afrika das Land der Löwen, obgleich der König der Thiere auch hin und wieder in einer europäischen Menagerie seine Heimath aufschlägt. Der Kleinbürger, wenn er mit aufgespeicherter Arbeit und eigenem Grundvermögen schafft, ist deshalb noch kein Kapitalist, kein Landlord und kein Lohnarbeiter. Diese Kategorien gehören der modernen Konkur renzwirthschaft an. Lettere ist nicht im Alterthum, nicht im Mittelalter und nicht auf den Inseln des stillen Ozeans, sondern auf dem modernen europäischen Kulturgebiet zur Erscheinung gekommen. Der Handwerker und Kleinbürger ist so wenig ein modernes Produkt, daß er eben laut aufschreit, weil die neueste Wirthschaft seine Konkurrenzfähigkeit aufhebt und ihm den Untergang bereitet. Wollen wir uns die Wirthschaft der Gegenwart erklären, so bedarf es Anwendung der Logik, d. h. gedankenmäßiger Eintheilung. Die Sache will auch historisch eingetheilt sein. Da bleibt kein Zweifel, daß der landläufige Sinn des Wortes Lohn, der eine Entschädigung meint, die einer gedungenen Person für ihre Dienste gezahlt wird", eine bessere Eintheilung ist, wie der weitere Sinn, den H. George dem Worte zuschreibt, indem er den Fang der Urjäger und Urfischer oder das Einkommen der Handwerker und Aucharbeiter mit dem Arbeitslohn konfundirt. Wenn das Volk die Gehälter, Saläre, Gagen u. s. w. mit eigenen Namen nennt, thut es so, mit dem richtigen Instinkt, daß Leute, die so fremdnamig gelohnt werden, nicht Arbeiter, sondern gemeiniglich Büttel der Kapitalisten sind. Zum Schluß: indem ich dem H. George und seinen Vorgängern unsere Terminologie oder Eintheilung als die logische entgegenstelle, will ich damit nicht sagen, daß sie das von Ewigkeit zu Ewigkeit sein wird, sondern nur, daß sie momentan, nach dem gegenwärtig gegebenen Zustande, einzig korrekt ist, daß die erste Dialektik das Gene relle und Spezielle aneinanderkettet, ohne es zu verwirren. J. Dietgen. Eine preußische Musterordnungsstüße. HI.*) Frankfurt aM., im Februar. Unsere beiden vorhergehenden Artikel über unseren Ehren- Bley find neuerdings die Veranlassung gewesen, daß die von dem Schuhmann Lehmann gegen dieses Subjekt erhobenen Beschuldigungen doch einer etwas ernsteren Prüfung unterzogen wurden, als wohl mancher seiner würdigen Kollegen geahnt hatte. Hatte doch der nunmehr geadelte Präsident absolut nicht die Absicht, gegen den Verbrecher Bley vorzugehen, und zwar einfach und allein aus dem Grunde, weil derselbe ihm etwas zu viel in die Karten gesehen, vielleicht auch manchmal die Mischung derselben besorgt hatte. Die Abendspaziergänge des Herrn Präsidenten und sonstige kleine moralische und dienstliche Ungenauigkeiten seines Vorgesezten hat eben Bley, der ein sehr raffinirter Patron ist, sich nur zu wohl gemerkt, der Polizeipräsident fürchtete seinen Untergebenen, und nur dadurch war es möglich, daß die vom Polizeipräsidium äußerst lar betriebene Untersuchung niedergeschlagen werden konnte. Da erschienen denn zur größten Ueberraschung unsere Artikel in den Nummern 29 und 38 vor. Jahres, welche in allen mit der Polizei in Verbindung stehenden Kreisen das größte Aufsehen erregten und die in die Hände der Regierung gelangten. Die Enthüllungen waren doch zu stark, die Polizei zu gewaltig kompromittirt, ja ein höherer Beamter gebrauchte die Aeußerung, das geht aber doch über das Bohnenlied, und so erfolgte denn von Berlin aus die Weisung an die Regierung zu Wiesbaden, daß in Sachen Bley unverzüglich die Untersuchung aufzunehmen sei und daß vor allen Dingen die Anschuldigungen, welche Schuhmann Lehmann gegen dieses mauvais sujet erhoben, doch etwas näher zu prüfen wären. Zuvörderst wurden die von Lehmann angegebenen Fälle durch den Adlatus des Polizeipräsidenten, Freiherrn von Funck, berücksichtigt, denn derselbe war, wie uns versichert wird, mit der Führung der Untersuchung betraut; er ließ sich nun vor allen Dingen die in unseren Artikeln genannten, sowie die von Lehmann benannten kommen, welche übereinstimmend bekundeten, daß Bley des öfteren bei ihnen gefressen und gesoffen und gelegentlich das Bezahlen vergessen habe. Wie ja vorauszusehen war, hatte sich inzwischen das Gedächtniß der Herren Wirthe etwas geschwächt, obgleich sie vor der Vernehmung vereidigt wurden, so vergaßen sie doch manche Unregelmäßigkeit Ehren- Bley's anzuführen. Sodann wurden die Schußleute vernommen, und zwar sehr viel mehr, als wir früher angeführt hatten, war es doch mittlerweile Lehmann gelungen, noch weiter belastendes Material herbeizuschaffen. Die Schußleute betundeten vorzugsweise galante Abenteuer des Herrn Bley, und einer von ihnen beschwor sogar, wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, daß Bley an Dirnen, welche er gebrauchen wollte, amtliche Vorladungen schickte, sie hiedurch auf's Revierbureau bestellte und dort gehörig abzog. Daß er bei diesem Amt ab und zu von seinen Schuhleuten überrascht wurde, das genirte ihn um so weniger, als er eine Schreckensherrschaft inszenirte und seine Schußleute durch Drohungen im Zaume zu halten wußte. Ja selbst als die Disziplinaruntersuchung gegen ihn schwebte, suchte er noch durch ein terroristisches Regiment die Aussagen der Zeugen für sich günstig zu gestalten, er versuchte sie des öfteren zu falschen Aussagen zu verleiten, und genirte sich sogar nicht, sie unmittelbar vor der Bernehmung zu instruiren. Einige der Beamten ließen sich sicherlich kaufen, von den meisten steht aber fest, daß sie der Wahrheit die Ehre gaben. Auch die Dienstmagd, der er das Kind fabrizirt hatte, das indessen bei der Geburt(!) verstorben, wurde eidlich verhört. Bley sprach vor der Vernehmung mit ihr und deponirte bei einem hiesigen Rechtsanwalt ( Dr. Meier) in der Löngesgasse die Summe von 792 Mt. 35 Pfg., nachdem sie sich bereit erklärt hatte, vor dem Untersuchungsbeamten Freiherrn von Fund eidlich zu erhärten, daß er nicht der Vater des Kindes sei; sie dachte wohl nicht daran, daß sie dritten Personen gegenüber ftets das Gegentheil ausgesagt, hatte aber gleichwohl die Frechheit, bei der Konfrontation mit diesen Zeugen ihre Bemerkungen als Scherze hinzustellen. Sie dürfte wohl demnächst wegen Meineids in Anklagezustand versetzt werden und Bley wegen Verleitung hiezu seiner Strafe nicht entrinnen. Wir können nicht umhin, unserer Verwunderung Ausdruck zu geben, daß man ein solches Individuum immer noch in der Freiheit herumlaufen läßt. Weiter wäre zu erwähnen, daß eine Anzahl Prostituirte gegen Bley aufmarschirten; eine von ihnen, eine gewisse Fäth, wohnhaft in der Arnsburgerstraße( Bornheim), erzählt über ihre Vernehmung Folgendes, was Bley unfehlbar in's Zuchthaus bringen muß " Ich kam auf den Cläsernhof und erklärte dem Untersuchungsrichter, daß ich über Bley nichts auszusagen wisse; ich kenne ihn kaum; ich gab mein Protokoll ab, und nun wurde mir eröffnet, daß ich meine Aussagen beschwören solle. Wenn ich schwören muß, erklärte ich, kann ich die Wahrheit nicht verschweigen. Das von mir abgegebene Protokoll ist falsch, ich habe zu Bley in näheren Beziehungen ge= standen. Als ich vor einiger Zeit mich auf der Konstablerwache als Untersuchungsgefangene befand, wurde ich von Bley vernommen. Wir waren allein und Bley that mir Gewalt an." Eine Anzahl anderer Frauenzimmer machte weit belastendere Auswie bereits mitgesagen, namentlich wurde festgestellt, daß Bley theilt einen gepfändeten Sessel in Verwahrung genommen. Außerdem hat die Mutter der vor ihrem vierzehnten Jahre von Bley mißbrauchten Jau neck wiederholt geäußert und, wie uns erzählt wird, auch in der Untersuchung beschworen, daß Bley die That, deren man ihn bezichtigt, auch begangen habe. Die Untersuchung, die natürlich sehr geheim geführt wurde und über die lediglich durch die vernommenen Zeugen etwas an die Deffentlichkeit gelangte, ist, wie wir bestimmt erfahren, vorläufig abgeschlossen und die Akten sind an die Regierung gesandt worden. Es besteht indessen der dringendste Verdacht, daß Aftenstücke beseitigt worden sind**), um Ehren Bley vor dem Zuchthaus und andere Leute vor Kompromittirung zu bewahren. In den Händen der Staatsanwaltschaft wäre Bley jedenfalls besser aufgehoben gewesen als in denen der Polizei, denn eine Krähe hadt der anderen bekanntlich die Augen nicht aus. Die rothe Vehme. *) Vergleiche Sozialdemokrat" 1883 Nr. 29 und 38. **) Vielleicht durch das famose Dynamit- Attentat"? " Sozialpolitische Rundschau. un üb De Zürich, 27. Februar 1884. ge об Die neuesten deutschen Reichskastraten, die Volks De parteiler, haben höllische Angst, es könne ihnen irgend ein böswilliger Ha Gegner noch einen Funken von Mannhaftigkeit zutrauen. Um sich von dieser ,, alten, abgedroschenen Beschuldigung" zu reinigen, hat das Haupt ftü organ der schwäbischen Volkspartei, der ,, Beobachter", unter dem Beifall geg der übrigen ,, demokratischen" Presse einen Artikel vom Stapel gelassen, rid in welchem er so energisch, als einem Kastraten möglich, den die na Angst wild gemacht, den Vorwurf zurückweist, die Volkspartei sei eine hö Feindin des Heeres, der Monarchie und der sozialen und wirthschaftlichen die Politik Bismarc's." Wir haben das längst gewußt, und wenn wir den Artikel erwähnen, rid so ist es nur, weil der Eiertanz zu amüsant ist, den der Beobachter" gen ausführt, um seine jezige Bauchrutscherei als echt demokratisch" dar Di zustellen. bet ,, Der Ausdruck: ,, republikanisch" so läßt sich der biedere kom Schwabe vernehmen bezieht sich lediglich auf die Staatsform, Ha besagt nur, daß kein Monarch an der Spize des Staates stehen teit soll; der Ausdruck demokratisch" dagegen bezieht sich lediglich auf her den Staatsinhalt. Ein Demokrat muß nicht nothwen hab dig ein Republikaner und ein Republikaner nicht nothwendig ein Demokrat sein, wie der Stü Augenschein lehrt. Die Volkspartei ist eine demokratische scho Partei und wie weit sie eine solche ist, d. h. welches ihre Bestre bungen und Ansichten über die politischen und sozialen Aufgaben der des Staates sind, darüber gibt ihr Programm Auskunft, welches und öffentlich bekannt gemacht und Jedermann zugänglich ist. Die Volts wir partei als solche ist dagegen keine republikanische Partei, der sie läßt in diesem Punkie Jedermann denken, wie er will, sie hat es diese Frage als Parteifrage noch niemals ventilirt, und wir Abc wissen nicht, ob die Mehrheit oder, wie wahrscheinlich, Ste nur die Minderheit ihrer Zugehörigen die Republik als in mit Ideal einer Staatsform betrachtet." Ist diese kindliche Unwissenheit in Betreff der republikanischen Ansichten ard der eigenen Parteigenossen nicht rührend? Und die Ahnung, daß nur min deren Minderheit die Republik nicht etwa anstrebt, das Sch thut feiner der tapferen ,, Demokraten" nein, nur als Ideal Mis einer Staatsform betrachtet! Du ahnungsvoller Engel Du! Und ich von welcher kindlichen Naivität diese holde politische Unschuld ist, die die noch nicht ihr Herz entdeckt hat und noch nicht weiß, was ein Demokrat es und was ein Republikaner ist! " Kon Ein Demokrat muß nicht nothwendig ein Republikaner und ein Re: Reg letteres von vorne publikaner nicht nothwendig ein Demokrat sein" herein zugegeben aber daß ein Demokrat nicht nothwendig ein Repu 3 m blikaner sein müsse wer hat Euch das gesagt? Es gibt aristokratische dies Republiken und demokratische aber eine demokratische Mon: de archie gibt es nicht, dieser Begriff ist ein Unsinn. Demokratie gel bedeutet die Herrschaft des Voltes, Monarchie die Herr des schaft eines Einzelnen logisch sind beide Begriffe unver Po bef die einbar und ebenso historisch; es hat nie eine Monarchie gegeben, demokratisch gewesen wäre. Aber freilich, mit einem demokratischen Mäntel chen hat sich manche Monarchie drapirt, manche Monarchie hat mit einer frite demokratischen Lüge geprunkt, nachdem sie die Republik gemeuchelt: nach Haldem klassischen römischen Beispiel nennt man dieses monarchische Syftem fam den Zäsarismus. war In der That hat auch mancher der deutschen bürgerlichen ,, Demofraten" seinerzeit für Napoleon III. geschwärmt und mancher derselben aus dem Troge der demokratischen" Monarchie gefressen. Daß die wirn Herren Karl Mayer und Konsorten sich nach einer solchen„ Demo liste kratie" sehnen, finden wir sehr begreiflich. Dor Dest Es geschehen Zeichen und Wunder. Das Leipziger So Tageblatt", das aus sehr guten Gründen hysterischer als irgend ve ein anderes deutsches Reaktionsorgan seit Monaten nach Verlängerung der des Sozialistengesetzes" schreit, hat dieser Tage einen Artikel veröffent fäen licht( in seiner Nummer vom 21. Februar), in welchem es den Umstand, te m daß die deutschen Sozialdemokraten das Reichstrantentafsengeses als brau Agitationshebel benutzen, für ein durchaus erfreuliches(!) Symptom Zeit erklärt, und ausführt, es sei im Interesse der gesunden Entwicklung vo unserer Berhältnisse nothwendig, daß man der Sozialdemokratie freien zu Spielraum erlaube und sie, in ihrem Bestreben, auf dem Boden der Gesetzgebung Propaganda zu machen, nicht hindere. Durch eine solche Thätigkeit werde sie von ihren revolutionären Zielen ab und zu der Bis,, Sozialreform" hingedrängt, was ein wahres Glück sei. Sa Das Leipziger Tageblattt" vergißt dabei bloß, daß es seit Jahren bleiE jede sozialdemokratische Regung als eine brennende Gefahr für Staat Lüm und Gesellschaft hingestellt, und daß es speziell in neuerer Zeit das man Auftreten unserer Parteigenossen im sächsischen Landtag in der perfi stän Bis desten und gehässigsten Weise denunzirt hat. von Wie erklärt sich dieser politische Frontwechsel? Man erinnert sich lichfi nämlich der Hallunke vielleicht jenes Hallunken im Roman, der urplöglich Anfälle von Shrlichkeit und Garbiffen bekam. Dies verursachte vers seinen Freunden und Spießgesellen ziet Kopfzerbrechens und einer der dem selben meinte zulegt: das bedeutet die nahende Auflösung; er wird bald der sterben". Wir wissen nicht, ob das Leipziger Tageblatt" bald sterben für wird wir glauben es sogar nicht, denn wir wissen ja, daß die Dum men nicht alle werden". Aber irgend eine Schraube ist entschieden locker J geworden ,,, locker", wie die famosen aus dem Dispositionsfonds für deut die Dresdener Polizeibeamten und deren Wittwen gestohlenen Fonds, einn wie Herr v. Nostiz- Wallwitz, dieser sächsische Typus eines Muster- Gentle Sta man, durch die Herren Weller und Paul seiner Zeit für den braven zu r nati Gesellschaftsretter und Spizbuben Schmidt ,, locker" machen ließ. Beim Leipziger Tageblatt" scheint dieser Anständigkeitsanfall durch Yan die Furcht vor dem nahenden Untergang der Welt hervorgerufen worden zu sein. Der grausame Bismarck hat nämlich noch immer nicht deutlich und über authentisch erklären lassen, daß er das Sozialistengeset verlängern will; ds. und da das„ Tageblatt" in seiner Nervosität natürlich das Schlimmste Dief vermuthet, nemlich, daß der biedere Otto aus Bosheit", um den Herren gefa Bourgeois einen agrarisch- demagogischen Streich zu spielen, das Sozia da listengesetz nicht verlängern werde; und da die Nichtverlängerung des erste Sozialistengesetes für das„ Tagblatt" und dessen Patrone entschieden schei das Ende der Welt bedeutet, so ist es erklärlich, daß und warum das und arme„ Leipziger Tageblatt" aus Rand und Band gekommen ist. Vor dahe Angst anständig das heißt man wenigstens aus der Noth eine Tugend machen. taise Laff poch weil in Boh Bei Behandlung des Falles Schmidt ereignete sich in der sächsischen Kammer ein recht spaßhafter D 3wischenfall. Als nämlich Genosse Liebknecht zu den Briefen des jene edlen Polizeibruderpaares an Freund" Schmidt kam, und die ab schwächende Wirkung langen Vorlesens von Schriftstücken kennend bemerkte, er wolle die Polizeibriefe an den besagten Ehrenmann nicht ber verlesen, erhob sich plötzlich, erst ein Abgeordneter auf der Rechten Blic und dann noch einer und immer mehr, bis zuletzt zwei Drittel des liche Hauses standen und Präsident Haberkorn dem erstaunten Redner ver mad tündete, die Verlesung sei nicht gestattet. Im sächsischen Landtag wird nämlich durch Aufstehen vom Plaze verneint und ist für Verlesung Arb von Schriftstücken die Erlaubniß des Präsidenten, beziehentlich der Kammer nothwendig und Liebknecht bemerkte lächelnd, er habe ja aus in drücklich erklärt, daß er die Briefe nicht verlesen wolle, und wußte nun, daß die verschiedenen Fraktionen( Fortschrittler und Nationallibe rale mit inbegriffen) sich, in der sicheren Erwartung, er werde die fatalen Briefe verlesen wollen, sich im Voraus dahin verabredet hatten, die sonst als selbstverständlich ohne jede Abstimmung ge ſtattete Verlesung nicht zu erlauben. In ihrem Eifer und in ihrer nervösen Befangenheit hatten die guten Leutchen das Wörtchen„ nicht" hoch überhört und ihr trauriges Roulissengeheimniß verrathen. Künftig werden sie wohl etwas besser aufpassen. schri hinz L bli G 2 Win Jose Die Verhaftung Regers in Dresden, schreibt man heit uns aus Sachsen, ist ein so charakteristisches Ereigniß, daß wir uns noch einmal damit beschäftigen müssen. May Kegel, dessen redaktionell Thätigkeit den Parteigenossen zur Genüge bekannt ist, wurde Donnerstag den 7. Februar d. J., Morgens früh um 1,8 Uhr von fünf Polizisten in r Spät liche über liche unter Anführung des Schmidtfreundes Paul in seiner Wohnung überfallen und nach einer längeren, natürlich resultatlosen Haussuchung, verhaftet. Zwei Tage verher waren an verschiedenen Orten in Dresden geschriebene" Plakate" und Bettel aufrührerischen Inhalts" angeklebt oder ausgestreut worden, und Regel sollte bei der Herstellung dieser Bolts Deliktskörper thätig gewesen sein. Die Polizei behauptete nämlich, seine illiger Handschrift darauf entdeckt zu haben. 84. von Ein ,, Sachverständiger" erklärte auch richtig, die betreffenden Schriftaupt ftücke seien von Regel geschrieben. Daraufhin wurde die Untersuchung Beifall gegen Regel eröffnet; er tam aber vor einen vernünftigen Untersuchungsassen, richter, der sehr bald die Unwahrscheinlichkeit der Anklage erkannte, und die nach Umstoßung des ersten Sachverständigen- Gutachtens und nach Abeine hörung verschiedener Entlastungszeugen, darunter Bebel und Liebknecht, lichen die Entlassung Kegels anordnete. Gegen das Verfahren der Richter, insbesondere des Untersuchungshnen, richters, tann kein Vorwurf erhoben werden trotzdem liegt hier ein hter" gemeiner Willkürstreich vor und ist Kegel das Opfer eines Bubenstücks. dar Die Polizei wußte nämlich von vornherein, daß er mit den betreffenden Stripturen nichts zu thun hatte, nichts zu thun haben edere konnte. Zwar hat die Handschrift auf einem Theile derselben mit der Form, Handschrift Regel's bei oberflächlicher Betrachtung eine gewisse Aehnlichtehen teit, allein bei genauerer Betrachtung stellt sich sofort die Verschiedenheit auf heraus und die Unmöglichkeit, daß Kegel diese Skripturen verfertigt en haben kann. ner Der Sachverständige, welchen die Polizei zuzog, ist ein charakterloser der Stümper, der sich auf Handschriftenvergleichung gar nicht versteht und tische schon wiederholt die skandalösesten Böcke geschossen hat. eftre 111 Noch wichtiger und ausschlagender als dieses äußerliche Moment iſt aben der Inhalt und die Natur der sogenannten ,, aufrührerischen" ,, Plakate" Iches und Bettel". Diese enthalten nämlich reinen Blödsinn, so daß offs wir zu der Annahme gezwungen sind, sie rühren von Leuten her, die tei, der Politik und dem Parteileben ganz fern stehen. Während hat es in dem einen der aufrührerischen Plakate" heißt: weil man ,, unsere mir Abgeordneten" im Landtage brutal niederbrüllt", müssen wir die ich, Steuern verweigern"( sozialdemokratische Steuerverweigerung!), werden I als in anderen ,, aufrührerischen" Schriftstücken diese nämlichen Abgeordneten mit dem Messer einer neuen Charlotte Corday( der Mörderin des Anchten archisten- Heiligen!) bedroht und was der Widersprüche mehr sind. Dabei wimmelt es in den ,, aufrührerischen Plakaten"," Betteln" und sonstigen das Schriftstücken von den naivsten Dummheiten, wie sie höchstens auf dem e al Mist einer in höchster Potenz ,, angeheiterten" Karnevalsgesell= Und schaft gewachsen sein können. Wer dieses Zeug liest, und auch nur die die primitivsten Kenntnisse der politischen Dinge hat, merkt sofort, daß okrat es sich hier um einen einfachen„ ulk" handelte. nur Was Sogar einem Paul mußte das klar sein. Wenn man dessen ungeachtet Re: Kegel behaussuchte und verhaftete, so geschah das Seitens der Paul und orne Ronsorten nicht in gutem Glauben, sondern zu irgend einem bestimmten tepu 3 wed, mit vollstem Bewußtsein, daß Kegel unschuldig war. tische dieser Zweck war, läßt sich errathen, wenn man erwägt, daß der Etat des Innern, sammt dem Polizei- Etat und der dazu tie gehörigen ,, Affäre Schmidt" in einer der nächsten Sitzungen rr des Landtags zur Verhandlung kommen mußte, und daß Kegel der ver Polizei als Korrespondent verschiedener Zeitungen bekannt war. on: die ntel Das ist der Schlüssel des Räthsels. Die Polizei wollte sich für die einer fritische Zeit einen unbequemen Journalisten und Berichterstatter vom nach Halse schaffen. Weiter hatte es keinen Zweck. Der Etat des Innern stem tam auch richtig zur Debatte, währenddem Genosse Kegel noch in Haft emo war. lben Bismarc'sche Polizeilogit. Die österreichische Polizeidie wirthschaft hat Stellmacher zum Schießen gebracht, ergo muß das Sozia emo listengeset in Deutschland verlängert werden." Das heißt: aus Furcht vor den Wirkungen will man in Deutschland fortsetzen, was in Desterreich die Ursache gewesen. Nun Bismarck braucht das iger Sozialistengesetz und es ist sogar wahrscheinlich, daß dasselbe wesentlich gend verschärft wird. Wie wär's, wenn die deutsche Sozial: D emokratie die Staatsverbrecher, welche so eifrig Wind cung Fent fäen, nicht länger daran verhinderte, Sturm zu ern= and, ten? Die deutsche Sozialdemokratie braucht nichts zu thun, fie als braucht blos zu unterlassen. Und kann man uns auf unbestimmte tom Beit zumuthen, unserer Feinde Hüter" zu sein, sie Eung vor den Folgen ihrer verbrecherischen Thorheit" eien zu bewahren? der Olche Der Krieg mit Amerika nimmt seinen Fortgang. Die der Bismarck'sche Presse nennt den amerikanischen Gesandten in Berlin, Sargent, einen Gauner im großen Stile; die amerikanische Presse ren bleibt nichts schuldig und nennt Bismarck einen der unverschämtesten taat Lümmel, der ihr je vorgekommen; einen Dieb, der unterschlägt, was das man ihm anvertraut, die Liberalen aber benehmen sich so, als erfi ständen sie bereits unter dem Kriegsgesete. Statt energisch gegen die Bismard'sche Gemeinheit Front zu machen, schlagen sie ihre jämmerfich lichsten Klagetöne an und erhoffen eine gütliche Beilegung des Kampfes von der Vernunft" der Amerikaner, welche auf die Bismarc'schen Unchte verschämtheiten nicht reagiren soiler Das heißt: sie muthen entweder der: dem amerikanischen Kongreß ganz selbe Hundedemuth zu, wie sie Otto " 1 ließ. Dasselbe war eine Zeit lang in allen Retiraden der tschechischen Bezirke zu finden. Wir haben nicht so viel überflüssiges Geld, um die ,, kaiserliche Botschaft" auch auf weiches Papier drucken zu lassen, aber sie hat für uns teinen höheren Werth als ein solches Papier. Die Korruption der guten" Gesellschaft ist jüngst wieder durch einige recht nette Geschichtchen illustrirt worden. In dem hocharistokratischen Petit- Club in Paris ist eine Gauner= bande entdeckt worden, die, aus den obersten Zehntausend, Prinzen, Grafen 2c., sich rekrutirend, in demselben durch falsches Spiel das Glück ,, korrigirte". Die Sache kam nur durch ungeschicklichkeit in die Deffentlichkeit und wurde wieder vertuscht sie ist nichts ungewöhnliches mehr. Und ebensowenig ungewöhnlich und natürlich noch weniger verbrecherisch ist es, daß eine alte Hure, die Madame Theresa, ihre Kollegen von der Feder, die Pariser Journalisten, zu einem Festessen einladet und daß diese auch vollzählig erscheinen! " Gott sei Dant, daß ich nicht bin wie diese verkommenen Wälschen!" ruft pathetisch die deutsche Presse; in Wahrheit kommt aber all' Das, was man in Frankreich findet, auch anderswo vor und es hat gar keine Nation der anderen etwas vorzuwerfen. Daß die Gemeinheit der guten" Gesellschaft international ist, das beweist folgende Notiz, die durch die deutsche Presse geht: ,, Seit länger als 50 Jahren ist es bei reich gewordenen Amerifanern zur Manie geworden, ihre Töchter mit irgend einem, wenn auch noch so verkommenen Sprößling der europäischen Aristokratie zu verheirathen. Zu diesem Zwecke müssen die jungen Damen einen Winter in Washington verleben oder einen Sommer Europa bereisen, und da der Finanznoth blasse Wehmuth für die europäische Aristokratie mit jedem Jahre drückender wird, so brauchen Die, welche auf einen solchen Fang ausgehen, auch gar nicht lange zu fischen, und die lange Liste von Amerikanerinen, welche heute zur europäischen Aristokratie gehören, zeigt, daß in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren der Titelfang von den Töchtern Amerika's systematisch betrieben wurde.". . ,, Es mag nicht allgemein bekannt sein, aber es ist nichtsdestoweniger eine offenkundige Thatsache, daß die meisten dieser Heirathen mit europäischen Aristokraten für die amerikanischen Mädchen sehr unglücklich ausfallen. In sehr vielen Fällen sind die be= treffenden Edelleute ihrem Charakter nach das Gegentheil dieser Bezeichnung. Frl. Motley wurde von dem Grafen von Hazfeld verstoßen, weil sie nicht Zutritt zu den Hofkreisen hatte; eine andere wurde bald nach dem Honigmonat verlassen und ihr edler Graf verjubelt das Geld, mit dem er erkauft wurde, mit Pariser Dirnen; eine dritte Amerikanerin wurde von ihrem noblen Grafen in ein Frrenhaus gesperrt und erst durch die Einmischung des ame= rikanischen Konsuls befreit. Noch eine andere Amerikanerin starb nach kurzer Che und ihr Gemahl lebt jetzt mit einer Pariser Kokotte, welche als Erzieherin(!) des der Ehe entsproffenen Töchterchens fungirt. Kürzlich wurde die verstoßene Gattin eines italienischen Grafen in Paris gefragt:„ Sind Sie eine Verwandte der Gräfin So und So?" Die Gräfin hörte den Namen ihres Mannes, sagte aber kühl: Durchaus nicht." Denn sie wußte, daß sie von einer amerikanischen Abenteuerin ausgestochen worden war, welche jetzt mit ihrem Grafen herum reiste und ihren Namen und Titel usurpirt hatte. Wie die Korrespondenz des World" berichtet, stehen die Italiener am Heirathsmarkt am höchsten und die Deutschen am niedrigsten; so ein armer Maccaroni- Schlucker" läßt für das Geld Alles mit sich machen, der Deutsche aber glaubt immer noch, daß er bei dem Handel übervortheilt worden sei." Ein Bordell ist also die ,, gute" Gesellschaft, in welchem sich nicht blos Frauen, sondern auch Männer verkaufen, dieselben Männer, die Euch regieren, Proletarier, die Euch mit Fußtritten regaliren und die es hinausposaunen, daß Eure Herrschaft das Ende der Kultur, das Ende der Moral bedeute! " " Daß die gute" Gesellschaft ein Bordell ist, das war längst ein öffentliches Geheimniß, aber neu ist, daß diese Gesellschaft so sehr alles Schamgefühls verlustig gegangen ist, daß sie nicht einmal mehr den Schein wahrt und daß sie die Prostitution natürlich nur die der Besitzenden nicht einmal mehr als eine entehrende Thatsache, sondern als eine ,, Pifanterie" betrachtet, welche man dem ,, Mob" gar nicht vorzuenthalten braucht! Ueber Wohlthätigkeitsbazare schreibt unser englisches Bruderorgan, die Justice", anläßlich eines solchen, den die„ Spißen" der guten" Gesellschaft Englands jüngst in London zu Gunsten eines Hospitals abgehalten: Einige Zeitungen haben offen mit Recht erklärt, daß der Bauernjahrmarkt( den der Wohlthätigkeitsbazar darstellte) zu Gunsten des Westendhospitals, nichts war, als eine elende frivole Heuchelei. Diese noblen Weiber scheinen unfähig, zu verstehen, daß das Volf genug und übergenug von dieser Buhldirnen- Barmherzigkeit( nuretricions charity) zu bekommen hat, welche selbst nicht ein Almosen für den Lohnsklaven spenden kann, ohne mit ihrem übermäßigen Lugus zu prunken und ihre schwach verhüllte Lüderlichkeit zur Schau zu tragen. Wenn der Arbeiter Prinzessinnen und Gräfinnen als Bäuerinnen, bald der deutsche Reichstag besitzt, oder aber, sie erklären ihren großen Die Schenkmädchen und verführerische Verkäuferinnen figuriren sieht, muß ben für unzurechnungsfähig und deshalb nicht für ernst zu nehmen um wenigstens für Ausländer nicht. oder 11 Indessen aber schimpft die Bismarck'sche Presse, allen voran die Nordfür deutsche Allergemeinste, auf die hochverrätherischen" Liberalen, die nicht nds, einmal so viel Patriotismus" besäßen, um den ersten deutschen tle Staatsmann" in seinen Bestrebungen zu unterstüßen, den Sachsenwald ven zu nationaler Saumast zu fruttifiziren. O über die vaterlandslose Internationale, welche die echt deutsche gemüthvolle Sau dem gemüthlosen urch Yankee- Schwein preisgibt! O du staatsmännische Trichine Du! den Lassalle und das Königthum. Anläßlich unserer Notiz und über die Berufung auf die kaiserliche Botschaft in Nr. 5 Dill; ds. Js. erhalten wir von einem alten Parteigenossen eine Einsendung. mfte Dieselbe widerlegt zwar das, was wir gesagt, nicht, da es uns nie einren gefallen ist, zu behaupten, Lassalle sei kein Republikaner gewesen, und Dzia da die Einsendung nicht die Ronsdorfer Rede behandelt, die wir in des erster Linie im Auge hatten( siehe S. 25 und 26 der Rede, die enteden scheidend sind); die Einsendung bietet jedoch eine interessante Reminiszenz das und zeigt, wie man die kaiserliche Botschaft zu behandeln hat. Sie möge Vor daher hier folgen: eine ete ter des ab " In Nr. 5 des ,, Sozialdemokrat" in dem Artikel: Berufung auf die taiserliche Botschaft" wird unter Anderem gesagt:" Der größte Fehler Lassalle's war, daß er auf die Versprechungen des Königs von Preußen pochte." Derjenige, der dieses schreibt, hat Lassalle nicht gekannt. Es war in jener Versammlung, mit welcher der restaurirte Leipziger Saal eingeweiht wurde, in welcher Lassalle das Versprechen des Königs von Preußen in Gestalt eines Bürstenabzugs aus seiner hinteren Rocktasche zog, es ch der Versammlung vorlas und am Ende mit nicht mißzuverstehendem ten Blicke und Betonung sagte:„ Nun, meine Herren, Sie wissen, daß königdes liche Worte auch Geltung haben!??" Ein markdurchschütterndes Bravo machte den Saal erbeben, dazwischen hörte man Rufe: Ja, durch blaue vir Bohnen!" Auch Lassalle wurde von diesem siegesgewissen Rausche der ung Arbeiter berührt und warf sein bekanntes: Schon hör ich den Massen schritt" u. s. w. hinein. Währenddem faltete Lassalle das Stück Papier aus in Form eines Wisches zusammen und steckte es mit einer darauf ußte hinzielenden Gefte wieder in die hintere Rocktasche. ver der " Lassalle's ganzes Wesen war aufrichtiger Repu blitanismu 3." libe die bet So unser Genosse. ge brer cht" iftig man und nell tag B. Wir wollen dazu bemerken, daß auch die Bourgeoisie mitunter solche hochverrätherische Anwandlungen hat, wenn die ,, Majestät" ihr nicht zu Willen ist. Ein sehr ähnliches Beispiel liefert das Neskript Franz Josef's des ganz Gescheidten von Desterreich vom 12. September 1871, in welchem dieser das böhmische Staatsrecht anerkannte. Einen Monat später war das Ministerium Hohenwart, das dieses Reskript in Wahrheit erlassen, in Folge ungarischer Einflüsse gestürzt, und das kaiserliche Wort", welches im Reskript gegeben worden, blieb unerfüllt. Darwar die tschechisch- nationale Partei so erbittert, daß sie das kaiserüber ſten liche Reskript auf weiches Papier drucken und massenhaft verbreiten er mit Recht sagen, daß es eine doppelte Erniedrigung für ihn ist, durch die Armuth gezwungen zu sein, Almosen von solchen Kreaturen hinzunehmen. Dieselben, welche dem Arbeiter den Ertrag seiner Arbeit rauben, beleidigen ihn durch ihre Gaben." Treffliche Worte, die sich im Grunde auf jegliche Art praktischen Christenthums", welches das höhere Gesindel übt, anwenden lassen. Internationale Arbeitsgesetzgebung. Anknüpfend an das Zirkulär der schweizerischen Arbeiterpartei erläßt die sozialistischrevolutionäre Föderation des Zentrums der Arbeiterpartei Frankreichs einen Aufruf zum Studium und zur Propagirung der Idee einer internationalen Arbeitsgesetzgebung. Gerade jezt, heißt es in demselben, sei diese Frage von doppelter Wichtigkeit. Der ungesunde Zustand der Industrie in Frankreich und den übrigen Staaten Europas, der die Folge einer zügellosen und anarchistischen Ueberproduktion ist, erheischt gebieterisch die internationale Einschränkung der Arbeitszeit. ,, Die ökonomischen und politischen Krisen, welche die Länder der tapitalistischen Zivilisation zu erschüttern beginnen, erheischen gebieterisch eine Berständigung des organisirten Proletariats, um die Pläne der Bourgeoisregierungen zu durchkreuzen, die, um den Schwierigkeiten der Lage im Innern zu entgehen, es versuchen werden, durch einen europäischen Krieg die Völker gegen einander zu hetzen." Dieser Ausdruck echt internationaler Gesinnung ist um so erfreulicher, als gerade in Frankreich die nationale Verhegung der Arbeiter seit einiger Zeit mit Vorliebe betrieben wird, und nicht nur von gewiſſenlosen Bourgeois, sondern auch von manchem, der sich Sozialist nennt. Herr Peutert besorgt ungenirt auch weiterhin in der Schweiz die Geschäfte der österreichischen Regierung. Was fümmern den ,, edlen Märtyrer" die Ausweisungen und Verhaftungen unter den Wiener Arbeitern?! Er ist in Sicherheit. Mögen die Proletarier verhungern! Die Herren Peutert und Genossen betrachten das ,, skrophulöse Gesindel" im besten Falle doch nur als Kanonenfutter, als Revolutionsdünger, aber manchem dieser Kumpane erscheint es nur mehr als Waare, die man der meistbietenden Polizei versch a chert. Wer seine Prinzipien und seine Genossen eines augenblicklichen Vortheils wegen gelegentlich verleugnet( vide Engel, Pfleger, Stellmacher), der ist auch im Stande, sie zu verrathen. Zur Nachahmung. Der deutsche Arbeiterbildungsverein Winterthur hat in seiner außerordentlichen Generalversammlung am 16. Februar folgende Resolution zum Beschluß erhoben: ,, Der Verein erklärt hiemit, daß er mit anarchistischen Prinzipien nicht einverstanden ist und die Taktik der Anarchisten verabscheut, indem dieselben der gerechten Arbeiterbewegung nur Schande und Schaden bringt; er beschließt in Folge dessen den Ausschluß sämmt= licher Anarchisten aus dem Verein." Konsequenz. Eine naheliegende Neugierde veranlaßte uns, das, was in der jetzt erscheinenden dreizehnten Auflage des Brockhausschen Konversationslegitons über Ausnahmegeseze ge= sagt wird, mit dem zu vergleichen, was in der elften, 1864, erschienenen Auflage darüber steht. Da fanden wir denn Folgendes: " Elfte Auflage: Alle derartigen Maßregeln sind mit Ausnahme des Falles, wo das Bedürfniß der Zusammenfassung aller Kräfte gegen den a u swärtigen Feind den Kriegszustand nothwendig macht, schon deshalb verwerflich, weil sie die regelmäßigen Gewalten durch die Anschuldigung der Ohnmacht oder Widerwilligkeit herabsetzen, dem Parteiübermuthe die Zügel schießen lassen und durch Mißachtung des Rechts die Ord= nung, welche sie angeblich schüßen wollen, erst recht gefährden." Dreizehnte Auflage: ,, Alle derartigen Maßregeln sind immer bedenklich und ge= fährlich, weil sie die Ohnmacht der normalen Rechtsordnung voraussehen und leicht zu Parteizwecken mißbraucht werden können; aber sie sind in Nothfällen ebenso unvermeidlich, wie ungewöhnliche Beschränkungen, welche der Arzt der Freiheit eines Fieberkranken auferlegt. Diese Wandlung des von„ wissenschaftlichen" Kräften hergestellten Konversationslerikons ist recht bezeichnend. Was 1864 wegen seiner Folge unbedingt verwerflich war, gilt jetzt nur mehr für bedenklich, weil es die Ohnmacht der normalen Rechtsordnung ,, voraussetzt!" Wie schön um die Schwierigkeit herumgedrückt! Und was 1864 nur geeignet schien, die Ordnung, die angeblich geschützt werden sollte, zu gefährden, das gilt heute als unvermeidlich, ja wenn das weiß der Verfasser selbst nicht allgemeingiltig zu definiren, und da nimmt er seine Zuflucht zu einem Gleichniß. Diese Gleichnisse in der Wissenschaft, diese Gesellschaftskörper, Urfischer und Urjäger und ähnliche Phantasiegebilde, sie sind stets das deutlichste Zeichen, daß der Ochs vor dem Berge steht. Der jämmerliche Widerspruch aber zwischen dem Konversationslexikon von 1864 und dem von jetzt ist nur ein Abbild des noch jämmerlicheren Widerspruches zwischen dem Liberalismus von 1864 und dem von heute. wenn Die ,, Kölnische Zeitung" bemerkt in ihrer Nummer vom 25. Februar: ,, Die Februarrevolution war nur ein langer Fasching, der mit dem Napoleonischen Staatsstreich endete". Man sieht, die alte Dame ist sehr zum Spaßen aufgelegt. Nun, wir werden sehen, ob ihr das Spaßen nicht vergehen wird, wenn der Fasching" wiederkehrt und der Tanz in Deutschland los geht! " Ungarn. Sonntag den 17. Februar fand in Pest eine von mehr als tausend Personen besuchte Volksversammlung statt. Die Art und Weise, wie dieselbe abgehalten werden mußte, ist ebenso bezeichnend für die sozialpolitischen Verhältnisse der ,, ritterlichen" Nation, wie das Thema, das sie veranlaßte. Die Volksversammlung mußte nämlich, trotzdem eine Kälte von mehreren Graden unter Null herrschte, unter freiem Himmel abgehalten werden, weil keiner der Besizer größerer Säle sein Lokal hergeben wollte: hier hat wieder einmal das Privateigenthum die gesetzlich gewährleistete Vereinsfreiheit so gut wie illusorisch gemacht. Die Verhandlungen richteten sich gegen den neuen Gewerbegeseßentwurf, der jüngst von der Regierung Ungarns fabrizirt worden. Dieses Stück Sozialreform lohnt es, daß man es näher betrachtet. Dieser Entwurf beantragt die Einfüh rung der Arbeitsbücher, ferner Gewerbegerichte, welche nur aus Unternehmern bestehen, und endlich Fabrikinspek toren, die als Vertrauensmänner" der Fabrikanten, auch von diesen gewählt werden. Das ist auch„ Staatssozialismus", nur etwas plumper und naiver, als der Bismarck'sche. " Italien. Die verflossene Woche war für Italien die Zeit des Höhepunktes des Karnevals. Ein Karnevalsscherz, verübt an einem besoffenen Polizisten, das und nicht anderes war auch das Attentat auf den König von Italien. Ernst genommen wurde es nur von ordenssüchtigen Strebern, thatendurstigen Polizeiseelen und naiven Gemüthern, welche in jeder Zimmerrakete den Keim der sozialen Revolution sehen. Rußland. Wieder wird zur Bekämpfung der revolutionären Bewegung eine Waffe aus uraltem Gerümpel hervorgeholt: der soge= nannte ,, höchste Rath". Den Namen hat er wohl daher, weil er ein Produkt der höchsten Rathlosigkeit und ihr zu steuern bestimmt ist. Eine Bedeutung hat das lächerliche Experiment natürlich nicht. Wichtiger ist die Thatsache, daß der Adel sich zu regen beginnt und Theilnahme an der Gesetzgebung verlangt. Die jüngste Aeußerung dieser Bewegung bot jezt die erste Sigung des Peters= burger Adelskonvents. In derselben wurde ein Antrag eingebracht, die Petition um Aufhebung der seit 1868 bestehenden Bebesteht in der Bestimmung, daß die Adelskonvente nicht das Recht schränkung der Rechte des Adelskonvents zu erneuern. Die Beschränkung haben sollen, Fragen, welche die Veränderung von Grundprinzipien der staatlichen Institution betreffen, zu be= handeln. Im Jahre 1881 wurde auf Antrag des Baron Fredericks um die Beseitigung der vorgedachten Bestimmung petitionirt, damit die Adelskonvente wieder wie früher kompetent würden, die Abstellung von Mißbräuchen in der lokalen Verwaltung zu erbitten, auch wenn die Gründe für diese Mißbräuche in allgemein giltigen Gesetzen liegen. Da die Petition bisher nicht beantwortet ist, wurde jetzt also beantragt, sie zu wiederholen. Der Antrag wurde nach längerer Debatte, in welcher ein Redner hervorhob, daß der Adel allein feine Sonderrechte beanspruchen dürfe, sondern einem alle Stände um fassenden Semstwo derartige Gerechtsame gebühren, von der Mehrheit angenommen. Wie die Lage in Rußland im Allgemeinen, so bietet auch diese Adelsbewegung speziell große Aehnlichkeit mit entsprechenden Erscheinungen Frankreichs vor der großen Revolution. Auch damals begannen die ersten Aeußerungen der Opposition, soweit diese nicht von Personen, sondern von einer ganzen Klasse ausging, in den Kreisen des Adels, des Geburts- und des Beamtenadels. Die Notabeln, die Provinzialstände, das Parlament, das waren die ersten oppositionellen Körperschaften Frankreichs vor der Revolution: einmüthig verlangten sie die Einberufung der Reichsstände, die dann als revolutionäre konstituirende Nationalversammlung über sie zur Tagesordnung hinweggegangen sind. So sind auch die jetzigen Forderungen des Adels in Rußland nur die Vorläufer der Revolution. Gordon, der Sendling Gladstones, hat zur Besänftigung der aufgerechten Gemüther in Kartum die Gefangenen freigelassen und die Schuldbücher verbrannt. Dieser Herr ist sehr freigebig mit fremdem Eigenthum; er und seine Auftraggeber wären jedoch moralisch höchst entrüstet, wenn man ihnen zumuthen würde, einen ähnlichen Vorgang im eigenen Lande nicht durchzuführen, nein, nur zu dulden. Derselbe Gladstone, welcher in Kordofan die Schuld bücher verbrennen läßt, läßt die Jrländer zu Dußenden aufhängen, weil sie dasselbe anstreben, was die Aufständischen im Sudan, sich der englischen Ausbeutung zu entziehen. " Nun, der gerechte" Gordon hat auch im Sudan seiner Zeit genug Gesinnungsgenossen des Mahdi aufhängen und ihre Dörfer nieder brennen lassen seine Gerechtigkeit" datirt erst seit der Zeit, als der Mahdi der Stärkere ist. Es ist mit dem Edelmuth" der Ausbeuter immer dieselbe Geschichte: sie schenken stets voll Uneigennüßigkeit in kritischen Momenten dem Volke das, was dieses sich bereits genommen hat. Das Vorgehen Gordons ist derselbe Schwindel, wie die berühmte Nacht des 4. August 1789, in der die Privilegirten alle Privilegien hingaben, welche bereits thatsächlich aufgehört hatten, zu existiren; das Gelungenfte an dieser Augustnacht, welche unsere landläufigen Historiker so sehr in den Himmel erheben, von der z. B. Kolb sagt, daß jeder Stand den anderen an Edelmuth und Uneigennüßigkeit zu übertreffen trachtete", ist das, daß es meist Geistliche waren, welche die Privilegien des Adels und der Zünfte auf dem Altar des Vaterlandes opferten, indeß der Adel freigebig die Vorrechte der Geistlichkeit preisgab. So ,, verschenkt" auch England im Sudan Alles, was sich das Volk bereits genommen, und was England nie besessen. Es ist doch immer dieselbe Komödie: bald dürfte sie auch in Europa gespielt werden, aber das Proletariat wird sich durch sie nicht täuschen lassen. und hören nicht auf zu kämpfen, bis wir den Generalfieg erfochteu Varteigenossen! Vergeßt der Verfolgten haben. Dann wird geber, ber nicht arbeitet und der Geſellſchaft in und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. sid Neumünster, im Februar. In der Tuchfabrik von Bertram Söhne ist in Folge einer Lohnreduktion von durchschnittlich 20 Proz ein Streit unter den Webern ausgebrochen, nachdem jeder gütliche Vergleich scheiterte. Als Grund der Lohnabzüge gab der Fabrikant an, daß er mit den Anderen nicht konkurriren könne und daß er überhaupt höhere Löhne zahle als in den übrigen Fabriken. Die Arbeiter beriefen, als von Seiten des Fabrikanten dies in den hiesigen Lokalblättern veröffentlicht war, eine Versammlung ein, in welcher die Arbeiter zahlreich erschienen, so daß der Saal der Volkshalle gedrängt voll war. Nachdem einer der Streifenden den Sachverhalt flargelegt und dargethan hatte, daß in der betreffenden Fabrik schlechteres Material in Kette und Schuß verwendet werde, die Stücke länger seien, und nachdem er verschiedene andere Gründe, ungenügendes Licht u. f. w. angeführt, wurde der Streit einstimmig gebilligt. Wenn vielleicht der Streit auch schon zu Ende ist, wenn das Partei organ in unsere Hände gelangt, so wird die Veröffentlichung des Sachs verhalts doch von Nugen sein, indem die Fachgenossen im Reich, welche etwa gesonnen sind, eine Unterstüßung nach hier zu schicken, wissen, wohin? Näherer Bericht später.( Die Expedition des Parteiorgans nimmt Beiträge in Empfang. Die Redaktion.) Elberfeld. Wir Sozialdemokraten Elberfelds wollen unseren Genossen wieder einmal die Erlebnisse und Kämpfe, welche wir im Wupperthale hatten, in unserm Drgan mittheilen. Bei einem Prozesse gegen einen Gastwirth, der angeklagt war, seine Gattin ermordet zu haben, hat unsere Polizei Gelegenheit gehabt, sich in ihrer ganzen Größe zu zeigen. Das Publikum sammelte sich während der Verhandlungen in großer Menge vor dem Landesgerichte, der Eintritt war jedoch nur bei polizeilicher Erlaubniß gestattet. Ein großer Polizeiapparat war aufgeboten, um die Menschenmenge zurückzustauen. Wie immer, erwiesen sich auch diesmal die Polizisten auf der einen Seite bestechlich, auf der anderen brutal. In einem hiesigen Blatte fonnte man folgende Annonce lesen: Ich fordere den Schuhmann, der mir gestern fünf Groschen aus der Hand genommen, auf, mir dieselben wieder einzuhändigen, widrigenfalls ich ihn zur Anzeige bringen werde!" Ein Schußmann, der so angetrunken war, daß er nicht stehen konnte, wollte Leute arretiren, und gab nicht nach, bis er in einen Graben gelegt wurde. So sind unsere Ordnungswächter! Bei dem erwähnten Prozeß fungirte gegen den Angeklagten Ziethen der schon mehrfach in unserem Parteiorgan gekennzeichnete Polizeitommissär Gottschalt, ein gemeiner, gefeßesunkundiger, dummer Kerl, der sich's zur Aufgabe gemacht, die Sozialdemokratie in Elberfeld auszurotten. Er dürfte sich jedoch in seinen Erwartungen getäuscht sehen; er hat uns, so lange er hier ist, nicht im mindesten beikommen fönnen, weil wir nicht so dumm sind, wie er sich einbildet und wie er selbst ist. Er hat schon bei fast allen Genossen gehaussucht, und läßt die Sozialdemokraten gleich zu Dußenden vorladen: natürlich vergeblich. Darob großer Aerger. Nun wollte er bei der Zeugenaussage gegen den Angeklagten Ziethen den Sozialdemokraten einen mächtigen Schlag verfegen um avanciren zu können. Er erklärte, daß in dem Lokale des Gastwirthes und Mörders nur die Hefe Elberfelds verkehrt habe, Louis, Bordellhalter und Sozialdemokraten! Aber dieser Schlag war ein Schlag ins Wasser. Flugs waren wir aktiv und ließen ein Flugblatt in einigen Tausenden Exemplaren drucken, in welchem wir dem Krakehler seine gemeinen Anschuldigungen gegen uns entschieden zurückwiesen, und den ehrlosen Verleumder aufforderten, er möge uns auf Grund seiner Aussage die Namen der= jenigen Sozialdemokraten nennen, welche in dem Schanklokale des Ziethen verkehrten. Ferner wurde in dem Flugblatte erklärt, daß diese Art Auswüchse ein Erzeugniß der jetzt herrschenden bürgerlichen Gesellschaft sind. Dieses Flugblatt wurde sogleich in allen Straßen und Häusern als das Urtheil von Ziethen verbreitet. Darauf ließ Kommissar Gottschalk natürlich gleich wieder mehr wie ein Dußend Genossen vorladen, die sollten ihm die Druckerei des Flugblatts suchen helfen o Jronie! Flugs darauf am 16. d. M. nahm er mit noch einem Kommissar und mehreren Wachmännern in der Druckerei und der Redaktion der hiesigen in Neueste Nachrichten" eine Haussuchung vor und hoffte nun seinem Amtseifer etwas zu finden. Aber er fand nur einige laufende Nummern des ,, Sozialdemokrat", und eine Broschüre ,, Fichte's politisches Vermächtniß" von F. Lassalle. Als ihm die Broschüre zur Hand kam, sagte er: Fichte? Wer ist das? Den kenne ich nicht. Als ihm der Autor erklärt wurde, sagte er:„ Ja, der war so um Humboldt herum." Ist das nicht ein Genie von einem Kommissar? Kommen Sie nur zu uns, Herr Kommissar, wir Sozialdemokraten werden Ihnen Vorträge halten über diese Philosophen; wir sind zwar nur Arbeiter, stehen aber geistig höher wie Sie. Und Sie wollen uns ausrotten?! Wir hatten schon viele Kommissare hier in unserer Stadt, aber einen solchen hatten wir noch nicht, der macht für uns die beste Propaganda. " Am 11. d. M. wurde eine Arbeiterversammlung im Lokale des Herrn Steinmetz, Wilhelmshöhe anberaumt. Flugs war der Kommissar Gottschalk bei dem Lokaleigenthümer und erklärte ihm, diese Versammlung dürfe nicht stattfinden. Der Eigenthümer aber, der von dem Gottschalk nicht zu leben braucht, erwiderte ihm, daß diese Versammlung stattfinden werde. Darob war unser Kommissar Gottschalk erboßt und legte uns einen Hinterhalt. Die Versammlung wurde von Kommissar Gottschalt, einem zweiten Kommissar und einem Wachtmeister in Zivil bewacht und draußen rings um das Lokal wurde ein ganzer Schwarm von Schuhleuten postirt, welche auf Kommando des Herrn Gottschalk die öffentliche Ruhe zu stören hatten. Nachdem die Versammlung von dem Einberufer eröffnet und die Lokalbeeinflussung des überwachenden Kommissars Gottschalk hervorgehoben worden war, wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten. Ueber die Tagesordnung referirte Genoffe Neumann; als er in seinem Vortrage die Infamie erwähnte, daß man uns Sozialdemokraten schon als die Hefe" des Volkes erkläre, da erhob sich der liebe Gottschalt, er wolle von seinem dummen Bock, den er in der Prozeßaussage gemacht habe, nichts hören. Als ihm aber von dem Vorsitzenden protestirend bemerkt wurde, daß diese Aussage, welche von dem Redner vorgebracht wurde, ganz auf Wahrheit beruht, und darin nicht die geringste Gesetzesverlegung vorliege, da setzte sich das Polizeigenie nieder, und der Redner, in seiner Charakterisirung fortfahrend, kam zum Schlusse seiner Rede auf die Noth und das Elend, welches in der gesammten Arbeiterschaft herrscht, zu sprechen und erklärte, daß wenn die heutige herrschende Ne gierung nicht im Stande sei, durch Sozialreformen den Rothstand unter den Arbeitern zu beseitigen, dann mögen sie uns die Regierung über laffen, wir Sozialdemokraten werden die Noth sofort beseitigen; darauf schloß er mit den Worten: die Sozialdemokratie wird doch siegen! Das wollte uns aber unser Gottschalk gleich streitig machen, indem er aufsprang, mit der Erklärung: Die Versammlung ist aufgelöst!" Da rief man aus der Versammlung: Bravo Gottschalk!" Wir waren in dem guten Glauben, daß wir polizeilich aufgelöst seien; und dachten, vielleicht will uns Gottschalk noch chemisch auflösen; Gottschalt aber gab eodem Wachtmeister in Zivil gleich Befehl und wir sahen nun, was da kommen sollte; an die 15 Polizisten kamen zu den Thüren herein, wie die Rasenden mit gezücktem Säbel, mit dem Feldgeschrei: Verfluchte Aufwieglerbande raus!' raus!" Da ging es los, es wurde gerufen: Gottschalt ist' n Lump!" Die Polizei brang in den Saal, stieß Tische um, warf Gläser herunter. Da hätte es der liebe Gottschalt gerne gesehen, wenn wir der Gewalt Gewalt entgegengesetzt hatten. Wir verließen aber ruhig das Lokal und gingen unsere Wege. Ja, lieber Gottschalk, wir Sozialdemokraten find schlauer wie Sie, wir fämpfen ununterbrochen; wir kämpfen aber nicht mit dem mittelalterlichen Säbel wie Sie. Wir kämpfen mit den Waffen des Geistes rationeller Weise dient, als Dieb erklärt werden, weil er dem Arbeiter seine Erzeugnisse verbraucht und zur Gegenleistung keine erzeugt. Nun, lieber Gottschalk, denken Sie nach, was sie als Gegenleistung aufzuweisen haben für die Speisen, die sie täglich zu sich nehmen, für die Zigarren, die Sie täglich verrauchen, das geistige Getränk, was Sie trinken, die Schuhe, die Sie zerreißen, die Pickelhaube, Knöpfe, Säbel, die Sie sich pugen lassen, das Tuch, was Sie verschleißen, die Tinte, welche Sie bei Ihrem Pro tokollmachen verschreiben, das Licht, was Sie verbrennen, die Ofenwärme, die Sie verbrauchen, die Seife, die Sie verschwenden, ohne sich jemals rein zu waschen, um nur einige Ihrer Bedürfnisse anzuführen. Was leisten Sie? Zwecklose Haussuchungen, bei denen Sie nichts finden, Anschuldigungen, die besser auf Sie paßten, als auf uns. Uns von der Arbeit abhalten, wenn Sie suchen und nichts finden, uns zwecklos die Zeit rauben, das ist Alles. Studiren Sie den bei Born mitgenommenen Fichte, vielleicht bleibt etwas davon in Ihrem Hirn um den Humbold herum hängen. Besten Gruß! V. Mannheim, im Februar. Revolutionäre Wander= bilder. Man liest in diesem Blatt so viel, doch ist es nie genug, pas Mancher nennt ein kleines Spiel, das ist bei mir Betrug. Mit diesen Worten übersende ich allen Freunden unserer Sache einen Bericht über ein Erlebniß, das einem Freunde in Frankfurt am Main passirte: In einer Annonce des„ Schwäbischen Merkur" las derselbe:„ Für eine Corsettfabrit wird ein mit allen Arbeiten bewanderter Aufseher gesucht" 2c. Da der Betreffende fünf Jahre in dieser Branche in einem der größten Etablissements thätig gewesen, wendete er sich, trotzdem er bereits eine Wirthschaft eröffnet hatte, an den Offerenten, und erhielt auch wirklich Antwort, behufs mündlicher Unterredung. In dieser Unterredung, in welcher er seine Kenntnisse von den Präparationen zum Stärken, Glätten, Bügeln 2c. dargelegt, wurde er auf Ehre und Handschlag in Gegenwart des 18jährigen Sohnes auf drei Jahre kontraktlich( der Kontrakt sollte später gemacht werden) mit 1800, 1900 und 2000 Mark engagirt. Kurz nach seinem Eintritt verreiste der Vater auf mehrere Monate nach England und der Arbeiter unterrichtete in gutmüthiger Weise und in der Hoffnung auf sichere Ernährung seiner Familie den filius Alfred in allen ihm bekannten Arbeiten. Nachdem nun Sohn Alfred von Allem Kenntniß genommen, konnte der Vater wieder auf dem Kampfplaz erscheinen und der Kampf begann. Die erste hervorgesuchte Streitigkeit war die subtile Behandlung der dem Aufseher unterstehenden Arbeiterinnen; ein Wort gab das Andere, und der Chef hatte die Genugthuung, nachdem er von einem Arbeiter um verschiedene Belehrungen reicher geworden, zu finden, daß dieser Arbeiter zu charakterfest war, um länger zu bleiben. Zu was auch; ist eine Zitrone ihres Saftes beraubt, so wirft man sie weg! Was aber hauptsächlich fortwährende Reibereien veranlaßte, war die Behandlung der Arbeiterinnen, die mit den gröbsten Schimpfwörtern traktirt wurden; doch damit nicht genug, erklärte der Fabrikant, daß er sein Geschäft( d. h. sein Räuberwesen) nur dadurch aufrecht erhalte, daß er seinen Arbeiterinnen nachgewiesen, daß sie so ziemlich alle unehrlich seien. Als der Aufseher hierüber natürlich sehr erstaunte, führte ihn der Fabrikant hohnlächelnd in seine Büreaux und zeigte ihm hier ca. 200 AntIageschriften, unterschrieben von Arbeiterinnen, welche sich in denselben selbst des Diebstahls bezüchtigen und dem Herrn jederzeit das Recht geben, also bei Arbeitsverweigerung, Lohnverkürzung u. s. w. sie sofort der Polizei zur Aburtheilung zu übergeben. Die Unterschriften waren den Arbeiterinnen durch Drohungen mit der Anzeige bei der Polizei er preßt worden. Was hatten die armen Mädchen so fürchterliches begangen? Meistens bestand ihr Verbrechen in der Mitnahme einiger Schlacken oder Holzkohlen, die sie in der Asche sich gesammelt hatten, von Faden oder Straminabfällen, die ihnen wegen schlechter Arbeit zurückgewiesen und berechnet worden waren, aus kleinem Holz 2c., welches der Spion Alfred während der Arbeitszeit in den Körbchen der nichts ahnenden Stlavinnen fand. Angesichts solcher Zeugnisse konnte dieser Tugendheld dessen Bruder( notabene, derselbe ißt das Gnadenbrod bei ihm) mit offenem Visir am hellen Tage den Arbeiterinnen nachstreicht mit richtig zynischem Ausdruck dem Aufseher sagen, als ihm dieser seine Entrüstung über eine solche Behandlung ausdrückte:„ So will ich's haben, meine Arbeiter müssen mir unter den Füßen durchkriechen, daß ich auf ihnen herumtreten kann"; und zu ihm gewendet: ,, Sind Sie froh, daß Sie mich mit so ehrlichen aber frechen Augen ansehen können, sonst müßten Sie in Kislau( Zuchthaus bei Bruchsal, worin für diese Firma gearbeitet wird) Korsetten weben!" Daß es trotzdem noch Charaktere gibt, wie sein zweiter Aufseher Krösle, der 13 Jahre im Geschäft thätig, sich doch einen Spizbuben nennen ließ, weil er ein Stück Seife zum Baden mitgenommen, ist nach allem diesen nicht mehr zu verwundern. Wollt Ihr nun, Genossen, diese Firma wissen? Sie heißt: Saling u. Co. Frankfurt a. M. Ein stiller Revolutionär. Darmstadt, 27. Januar. Für den Wahlkreis Darmstadt- Großgerau ist Genoffe Bildhauer Philipp Miller als unser Kandidat für die Reichstagswahl aufgestellt worden. Es mag den Genossen allerwärts, welche die Verhältnisse in unserem Wahlkreise kennen, etwas zu optimistisch erscheinen, wenn wir mittheilen, daß man sich unsererseits der Hoffnung hingibt, in die Stichwahl zu kommen. Aber die Sache liegt heute anders als sonst. Es gilt schon allgemein für feststeheud, daß der Wahlkreis für die Fortschrittspartei angesichts des Wechsels ihrer Kandidatur verloren geht und die Nationalliberalen wie die Konservativen spizzen auf die Erbschaft. Wir sind allerdings bescheidener, da wir die Sippe unserer Gegner kennen, denn Pack schlägt sich und Pack verträgt sich. Der seitherige Abgeordnete Wilhelm Büchner, der Bruder des großen Demokraten und Bedienten des Koburger Herzogs, Ludwig Büchner, kann eine abermalige Kandidatur aus Geschäftsrücksichten man staune nicht mehr annehmen. Ueber seinen Nachfolger liegen sich bie Fortschrittler in in den Haaren. Während der große Dichter Träger. schon von seinem Hauptmann Eugen in einer großen Volksversammlung eingeführt, und auch von einem großen Theil seiner Genoffen akzeptirt wurde, besteht der andere Theil hartnäckig auf der Kandidatur Schödler, einem gutgemästeten Advokaten. Doch keiner von beiden heißt eben Büchner, denn die übergroße Mehrheit der fortschrittlichen Wähler träumt bei der Wahl von jenem edlen Demokraten Georg Büchner, dem diese beiden gleichnamigen Heuchler auch nicht mit einem Haare gleichen, und dennoch verdankt die Fortschrittspartei nur dem Namen Büchner den Sieg. Von den anderen Parteien läßt sich über eine Kandidatur noch nichts verlauten. Doch wie diese auch fallen mögen, es wird ein heißer Kampf werden und die Aussichten sind für uns gut. Aber, aber Eines fehlt Wenn uns während der Wahlkampagne alle gegnerischen Versamm lungen so zu Gute kommen wie diese, dann ist kein Zweifel, wir gehe in die Stichwahl! wö Auch die Nationalliberalen haben sich bereits einen Kandidaten aus gesucht, Herrn Bierbrauer Ulrich von Pfingstadt, der, wenn er so gro wäre, wie er dumm ist, sich bücken müßte, um den Mond zu küffer Jm Landtag haben haben die Fortschrittler und katholischen Pfaffe wieder ein kleines Wahlmanöver gemacht. Weil sie im Voraus wußter daß er nicht angenommen werde, stellten sie den Antrag auf Einführun or direkter Wahlen, und siehe da, er wurde richtig abgelehnt; dagege stimmten auch die Nationalliberalen. Parteigenossen! Es sind in einer Anzahl von Prozessen gegen Genoffen von uns rid terliche Urtheile ergangen, die man als geradezu unerhört in der Recht sprechung bezeichnen darf. Außerdem find Begründungen der höher Verwaltungsbehörden in Bezug auf das Verbot von Blättern un Schriften, Versammlungen, Kassen und Vereinen ergangen, die als Kurio eine Art kulturhistorischer Bedeutung haben. Die Berathung der Verlängerung des Sozialistengesetzes in der bevo stehenden Reichstagssession läßt es höchst wünschenswerth erscheinen, de unsere Parteivertreter im Besitz dieser Aktenstücke sind. fr παρ Wir fordern deshalb alle Parteigenossen, welche im Besize sold Behör Attenstücke sind, auf, dieselben unverzüglich einem unse darf rer Parteivertreter zuzusenden. Die Redaktion und Expedition des, Sozialdemokrat." König Dampf. Uebersetzt von Friedrich Engels. Ein König lebt, ein zorniger Fürst, Nicht des Dichters geträumtes Königsbild, Ein Tyrann, den der weiße Sklave kennt, Und der Dampf ist der König wild. Er hat einen Arm, einen eisernen Arm; Und ob er gleich nur Einen trägt, In dem Arme schafft eine Zauberkraft, Die Millionen schlägt. Wie der Moloch Grimm, sein Ahn, der einst Im Thale Himmon saß, Ist Feuersgluth sein Eingeweid' Und Kinder sind sein Fraß. Seine Priesterschaar, der Menschheit baar, Voll Blutdurst, Stolz und Wuth, Sie lenken o Schand! seine Riesenhand Und zaubern Gold aus Blut. Sie treten in Staub das Menschenrecht Für das schnöde Gold, ihren Gott, Des Weibes Schmerz ist ihnen Scherz, Des Mannes Thrän' ihr Spott. Musik ist ihrem Ohr das Schrein Des Armen im Todeskampf; Skelette von Jungfrau'n und Knaben füll'n Die Höllen des König Dampf. Die Höll'n auf Erd'! Sie verbreiten Tod, Seit der Dampf herrscht rings im Reich; Denn des Menschen Leib und Seele wird Gemordet drin zugleich. Drum nieder den Dampf, den Moloch wild, Arbeitende Tausende, all', Bind't ihm die Hand, oder unser Land Bringt er über Nacht zu Fall. und u der S D unser Ein schäd einzel werd Koste M Sam zu d zusen demo P thut Bou Pra behe Fran ware der im wisse S dami Edward. P. Mead das polit weld Und seine Bögte Grimm, die Mill= 2ords stolz, Geldstrotz und blutigrotb, Stürzen muß fie des Volkes Zorn, Wie das Scheusal, ihren Gott. Barnung. Der Maler Chr. Trieburg, schwindelhaften Angedenkens, begin wieder aufgetaucht, um auf Grund seines politischen Bekenntnif baß gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen", wie er sich ausdrückt; of beffer gesagt: um die Genossen nach besten Kräften über den Löffel barbieren!" 11 bie fich Wir warnen also hiermit zum dugendsten Male vor diesem Par eing parasiten, der es versteht, sich mittels seiner eminenten Schwar selb und unvergleichlichen Unverschämheiten stets wieder bei den Genof einzudrängen. Briefkasten leich biete Ebr Pre der Redaktion: Alter Verehrer Lassalles: Den ersten T Hin Ihres Schreibens bringen wir, wie Sie sehen. Der Landtagsbericht ,, Leipziger Tageblatt" ist natürlich erlogen. Das konnte man dere vornherein annehmen, und doch sind Sie voreilig genug, ohne sich n die einer besseren Quelle umzusehen, bereits in moralischer Entrüstung ü bas unsere Vertreter im Landtag auszubrechen. Auch wir sind keine Freu von ,, Beschönigungsphrasen", aber thatsächlich steht die Sache so, prol Liebknecht nicht für, sondern energisch gegen die Prügelstrafe ana sprochen hat. Die Prügelstrafe, sagte er, sei höchstens angebracht geg rich über der verlotterten besigenden Jugend, gegen lärr denen, die Dienstmädchen schänden 2c. Daß das Le Tagebl." dann diesen Bassus verdrehte, der eine Anklage gegen plu: stimmte Personen enthielt, und Liebknecht die Prügelstrafe bei Sitt berl teitsvergehen befürworten ließ, ist sehr natürlich, angesichts der en ihre Beziehungen des Blattes zu den Mädchenschändern und sonstigem nob bor Gesindel. Daß aber Sie das Leipziger Tageblatt" als eine Du ansehen, auf die hin man ohne Weiteres Parteigenoffen der Prinzipi aus verlegung anklagen kann, ist für uns unbegreiflich. au der Expedition: Marat M.: Mt. 231, à Cto. Ab. u. S gef erh. Ggrchg. gutgebr. Abrchg. fort. Hannibal: Mr. 30,- baar son J. Ggrchg. à Cto Ab. gutgebr. Bstllg. fort. Weiteres beachtet. bar 3.: Fr. 2, Ab. 1. Du. 84 erh. Hebert: Fr. 2,40 f. Div. erh. Rother Greif: Mt. 15, H. Schdz.: Mt. 3,-Ab. 1. Du. erh. und Schft. erh. Bfl. mehr. Ali- Kurt: Sendg. abgeg. Weiteres gel 30, 10, Geld! Geld! Pulver zum Schießen! Das ist bei uns die ewige Klage, doch auch dies kann beschafft werden, wenn die Genossen ihren Opfermuth, den sie seit jeher an den Tag gelegt, wieder zu Hilfe nehmen. Genoffen! Auf zur Wahl! Sammelt unablässig in Euren Kreisen, der Mann, der das einlaufende Geld verwaltet, ist Euch bekannt, und seid ohne Sorge, daß es nicht richtig verwendet werde. Nieder mit den alten Parteien! Es lebe die Sozialdemokratie! Nachträglich habe ich noch hinzuzufügen, daß sich am 3. Februar der schwarze Cremer" zum zweiten Male erlaubte, Darmstadt mit seinem Besuche zu beglücken. Die Versammlung fand in Salbau statt und war von der konservativen Vereinigung einberufen, gestaltete sich jedoch zu einer sozialdemokratischen Arbeiterversammlung, und die Konservativen mit ihrem Cremer wurden gründlich abgefertigt. Auch die Fortschrittler bekamen ihre tüchtigen Hiebe und ließen Alles ruhig über sich ergehen. Selbst der große Demokrat, Professor Büchner, wagte sich nicht hervor, trot vielfachen Rufens:" Fortschrittler' raus!" Schon bei der Eröffnung wurde den Konservativen der Beweis, daß hier die übergroße Mehrheit selbstständig denkende Arbeiter sind, denn als die moderne Hundenatur durch Erheben von den Sigen, zu Ehren des Heldengreises, bewiesen werden sollte, demonstrirten die Arbeiter durch Sitenbleiben. erh. erh. un nicht in unserer Hand. Gebr. Hmghs. St. Louis: Fr. 151,90( Dmit à Cto. Ab. 2c. erh. K. u. Sgr. Baltimore: Fr. 50,65( D à Cto. Ab. 2c. erh. A. Hhne. N.- York: Fr. 253,15( D por à Cto. Ab. lib B. I. VI. Mt. 400, 50,-) à Eto. Ab. 2c. erh. Di.: Fr. 2,95 baar und Fr. 6,30 in Ggrchg. erh. P. H. gle Mr. 6,40 f. Schft. erh. Nota liegt d. Sdg. bei. Prügelpäd. u. Frau St atore: Mt. 44,80 à Cto. Ab loos am 23/2. dir. abgeg. M 4. Du. erh. Von einem Schweizer Arbeiter: Fr. 2,- pr. Ufd. b C. D. Bbg.: Mt. 2,50 à Сto. Ab. gutgebr. G. Rth. Lo ein Fr. 5, à Cto. Ab.- Rest erh. Weiteres nach Vorschr. notirt. Unverbefferliche: Eingetroffen und besorgt. Pickelhaube: Remitten err erh. und gutgebr. Bstllg. fort. Prwstaja anlangend pr. P.-K. Aufschl Ve durch sichere Hand. H. Ntsche. Newyork: 26 Expl. Remittenden halten und gutgebr., ebenso † band mit Briefmarken dkd. entgegeng Bestllg. Wm. u. Gb. besorgt. Erstere war noch nicht eingeg. Verit B. B. 2 Bfe. erh. Shm. Cinc.: Kptl. 2c. folgt. Gruß! Kardinal: Bf. mit Auff Nachr. erh. Rechnen auf bewährte Hand. erh. Desto besser. Unversöhnlicher: Bestllg. 2c. folgt. Adr. geord Eintracht Nachflgr.: So gehts, we ben Jm Weiteren einverstanden. man nicht Wort hält. Bfl. mehr. Stbg.:! Mt. 52.60 Ab. Febr. sur div. Schft. Es bleibt dabei. Bft. Weiteres. Schweizerische Genossenschaftsbuchdruderei Hottingen- Zürich. ber lid ta the st D