10 B t = 114 It Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz). Berlag Der Sozialdemokrat der Boltsbuchhandlung Hottingen: Zürich. Poffendungen franto gegen franko Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toften Doppelporto. M: 13. Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Donnerstag, 27. März. Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„, Sozialdemokrat." Da der Sozialdemokrat sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf teine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum boraus zahlbaren Vierteljahrspreis von Fr 2 für die Schweiz( Kreuzband) mt 3 für Deutschland( Couvert) fl. 1.70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Inserate die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts.= 20 fg. 1884. al3 möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trok aller entgegen stehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat" unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern recht zum Bewußtsein gekommen, als wir die Berichte über einige Parteigenoffen! Vergeßt der Verfolgten jüngst in Chicago stattgehabte Versammlungen laſen, in benen und Gemaßregelten nicht! Soziale Reformen. Die Sozialdemokraten wollen gar keine Verbesserung der Lage der Arbeiter, weil sie unzufriedene Arbeiter brauchen. Dieser beiläufig mnicht neue Vorwurf wurde in den letzten Reichstagssitzungen wiederholt von Bismarckischer Seite gegen uns geschleudert, als Trost über die ablehnende Haltung unserer Partei gegenüber dem Unfallgesetz und der Hilfskaffenknebelungsvorlage. It 359 e 9133 3 t, 0. e= r. r. t, Fr. 6. 0. B. Das Gegenstück zu diesem Vorwurf ist die anarchistischerseits gegen uns erhobene Anklage, wir predigten Reformen, um die Arbeiter von der Revolution zurückzuhalten. Beide Beschuldigungen laffen uns kalt, weil beide auf der tindischen Auffassung beruhen, zwischen Reform und Revolution bestehe ein ursächlicher Gegensatz, Reform schließe nothwendigerweise Revolution aus und umgekehrt. Daß es Reformen gibt, bie sehr revolutionär wirken, ist den Einen so unbekannt, wie den Andern, daß es Volkserhebungen gegeben hat, die, weit entfernt, der Ausdruck revolutionärer Bestrebungen zu sein, reaktionären Zwecken dienten. Daß wir unzufriedene Arbeiter brauchen, geben wir ohne Weiteres zu. Mit zufriedenen Leuten wird überhaupt nichts in der Welt ausgerichtet. Jeder Fortschritt auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Industrie, des sozialen Lebens, der Politik, verdankt seine Durchführung der Unzufriedenheit. Ohne Unzufrie h. denheit keine Entwicklung, ohne Unzufriedenheit keine Geschichte. Aber die Unzufriedenheit ist nicht der letzte Grund der Dinge, 30 auch sie ist nur Wirkung ganz bestimmter Ursachen. Abgesehen 2. von verhältnißmäßig wenigen, in das Gebiet der Pathologie d. gehörenden Fällen, ist sie nur der zum Bewußtsein gelangte Ausdruck wirklich bestehender Mängel: in der Wissenschaft der Unvollkommenheit des bisher Erreichten, in der Industrie der Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel, im sozialen und politi 50 schen Leben des Mißverhältnisses zwischen den wirklichen und g. den Gesetz und Sitte zu Grunde gelegten Bedürfnissen der Gesellschaft. 6. er u. r: N. in on Die Unzufriedenheit ist eben ein Zeichen, daß etwas faul ist am im Staate Dänemark. Wo teine Ursache zur Unzufriedenheit borhanden ist, wird kein Mensch, und wäre er der glänzendste Redner, der gewandteste Literat, Unzufriedenheit erregen, eine r: größere Bewegung in's Leben rufen können. Wenn es keine a: Klaffen gegeben hätte, die Grund hatten, unzufrieden zu sein, Sie so würden alle Demagogen, von denen die Geschichte uns berichtet, nichts haben ausrichten können. Diese Kehrseite der Mebaille wird gewöhnlich außer Acht gelassen, wenn über irgend einen Volksverführer der Stab gebrochen wird. ger uch 210 Also unzufriedene Arbeiter brauchen wir, das wird Niemand leugnen. Arbeiter, welche die heutige Gesellschaft für das Muster aller Vollkommenheit ansehen, welche da meinen, es müsse immer so sein, weil es immer so gewesen", sind für unsere Bewegung nicht zu haben. Bloße Unzufriedenheit aber genügt uns nicht. Wir brauchen auch denkende Arbeiter. Ein Arbeiter, welcher nur unzufrieben ist, ohne indessen zu wissen, wo ihn eigentlich des der Schuh drückt, wird der Spielball in der Hand des ersten besten Demagogen sein, heute einem Most, morgen einem Stöder nach laufen. Und wir brauchen noch mehr. Wir brauchen nicht nur 3u unzufriedene und denkende, wir brauchen vor Allem kräftige, felbstbewußte Arbeiter. Ein niedergedrückter, durch Hunger und Ueberarbeit entnervter Arbeiter ist für unsere Bewegung in der Regel verloren. Mit gedankenlosen, nur zeitweilig aus ihrer Versumpftheit aufzurüttelnden Massen kann man wohl einen Butsch, Hungerrebolten machen, aber nicht jenen großartigen Kampf durchführen, den die Sozialdemokratie unternommen hat, jene soziale Revolution, welche Kinder und Narren mit einem simpeln ten Barrikadenkampf zu verwechseln pflegen. I. ers ars, tefe Und weil wir denkende, selbstbewußte und kräftige Arbeiter ach brauchen, weil wir unsere Bewegung nicht als eine von heute aut auf morgen angelegte betrachten, gerade deshalb sind wir nicht nur nicht gegen, sondern für soziale Reformen. Es ist nicht ein Zeichen der Schwäche, es ist ein Zeichen der Stärte unserer Partei, daß wir unbefangen an jeden Reformvorschlag herantreten Uhr fönnen. Die Furcht vor Reformen, welche die so radikal fich geberbenden Anarchisten bei jeder Gelegenheit herausstecken, ist nur das iehe Geständniß ihrer Impotenz. Sie haben kein Vertrauen in die Arbeiterklasse, sie wollen keine denkenden, sie brauchen erhitzte, überreizte Köpfe, keine Wissenden, sondern Gläubige. Sie sind bie Mystiker der Revolution. in tag d Diese Schwäche, diese Furcht vor Reformen treffen wir überall, wo die sozialistische Bewegung noch in den Kinderschuhen steckt, wo sie noch den Settencharakter trägt. Das ist uns wieder so die dortigen Sozialisten ihre Stellung gegenüber der Mac Laneschen Achtstundenbill erörterten. Herr Mac Lane, der Gouverneur von Maryland, hatte nämlich der Gesetzgebung dieses Staates eine Bill vorgeschlagen, welche die Arbeitszeit in Fabriken und Werkstätten auf ein Maximum von acht Stunden beschränken sollte, eine Bill, welche selbstverständlich auf den heftigsten Widerspruch der Fabritanten stieß und auch schließlich demselben erlag, da die Grundbefizer, welche von ihr indirekt eine Vertheuerung der ländlichen Arbeitskräfte fürchteten, mit den Fabrikanten gemeinsame Sache machten. Natürlich ward die Sache unter den. Arbeitern nicht nur Marylands, sondern auch der übrigen Unionsstaaten eifrigst diskutirt. Für uns deutsche Sozialisten wäre in einem analogen Falle die Stellungnahme gar nicht fraglich gewesen. Wir wären für diese Bill mit Ausdehnung derselben auf die Landarbeiter eingetreten, unbekümmert um die Motive, welche den betreffenden deutschen Mac Lane zu ihrer Ausarbeitung etwa veranlaßt hätten, und ohne zu befürchten, dadurch irgend einer der bestehenden Zwecken gleichfalls in ihr Programm aufnehmen möchte, in die alten Parteien, welche diese Forderungen aus demagogischen Hände zu arbeiten. Im Gegentheil, wir hätten uns gesagt, daß wir ben alten Parteien dadurch gerade das Spiel erschweren wür den, daß wir sie beim Worte nehmen. Nicht so in Chicago, wo ein großer Theil der Sozialisten sich in die anarchistische Denkweise verrannt hat. Von diesen ward jedes Eintreten für die Achtstundenbill als„ Reformschwindel" perhorreszirt, unter der Motivirung, daß „ daß Arbeitergesetzgebung, da sie zu ihrer Voraussetzung Klassenherrschaft hat, nicht zur Abschaffung der Klassenherrschaft und zur Errichtung einer freien Gesellschaft führen tann", , die Betheiligung an der Politik etwas sei, durch welches die Arbeiter durch schlaue Politiker irre geleitet werden", und daß endlich " das einzige Mittel, durch welches die Emanzipation der Menschheit bewerkstelligt werden kann, offene Rebellion der Beraubten aller Nationen gegen die existirenden ökonomischen und politischen Institutionen ist." Das flingt gewiß sehr radikal, ist aber durchaus nicht geeignet, uns zu imponiren. Wer die Arbeiter beshalb von der Betheiligung am politischen Kampf zurückhalten will, weil sie durch schlaue Politiker irregeleitet werden könnten, zeigt damit nur, daß er die Arbeiter als eine blöde Masse betrachtet, die jedem Schreier folgt, der ihr Honig um den Mund streicht; und die Befürworter dieser Resolution hätten gar nicht nöthig gehabt, sich so sehr über Vahlteich zu ereifern, der von der Unwissenheit und Korruption der amerikanischen Arbeiter gesprochen. Bahlteich, dessen Pessi: mismus in dieser Beziehung übrigens nicht neu ist, hat eben nur nach seiner Art offen herausgesagt, was in der Resolution zwischen den Zeilen gesagt ist. Und wie Arbeiter, die nicht im Stande sind, schlauen Politikern das Handwerk zu legen, fähig sein sollen, eine freie Gesellschaft zu errichten, ist uns ein unlösbarer Widerspruch. Daß Arbeitergesetzgebung, weil sie zur Voraussetzung die Klassenherrschaft hat, nicht zur Abschaffung der Klassenherrschaft führen kann, ist nichts als ein leeres Wortspiel. Selbstverständlich setzt Arbeitergesetzgebung ben Klassenstaat voraus, aber nicht dadurch, daß man ihn, nicht anerkennt", schafft man denselben aus der Welt, sondern dadurch, daß man seine Existenzbedingungen untergräbt. Zu diesen gehört vor allen Dingen ein den herrschenden Klassen in jeder Beziehung unterworfenes Proletariat. Je mehr man die Ausbeutung des Proletariats einschränkt, desto mehr schädigt man die Klassenherrschaft, desto mehr wirkt man für die Revolution. Die Beschränkung der Arbeitszeit ist die revolutionärste Maßregel, die innerhalb der heutigen Gesellschaft durchgeführt werden kann. Nicht nur aus dem obenangeführten Grunde, sondern auch wegen ihrer ökonomischen Folgen. Sie führt naturnothwendig zur Verbesserung und Vervollständigung der Maschinerie und damit zur Konzentrirung der Produktion und zur Vernichtung der vielen kleinen Existenzen, die sich heute zwischen Proletariat und Bourgeoisie drängen. Sie gehört zu jenen Reformen, die in ihren Wirkungen über sich hinaustreiben und, weit entfernt, ein Hemmschuh der sozialen Revolution zu sein, diese beschleunigen. Ja, wenn heute infolge irgend eines politischen Ereignisses die Arbeitertlaffe das Heft in die Hände bekäme, so würde, da eine sofortige Sozialisirung der gesammten Produktion schon aus rein technischen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit wäre, die Reduktion der Arbeitszeit eine ihrer ersten revolutionären Maßregeln sein müssen. Reform und Reform ist eben zweierlei. Jede Reform aber, welche die soziale und politische Stellung der Arbeiter nachhaltig zu verbessern geeignet ist, hat uns zu ihren Befürwortern, wei I wir revolutionäre Sozialisten find. Wie diese Reformen durchgesetzt werden, ob auf dem Wege der nackten Gewalt oder der Gesetzgebung, das hängt nicht von. uns ab, sondern von unseren Gegnern. Reformschwindel ist das Eintreten für solche Reformen, welche die Lage der Arbeiter verschlechtern, anstatt sie zu verbessern, wie Revolutions= schwindel das Predigen von Revolution zur Verhinderung der Bildung einer kräftigen geschlossenen Arbeiterpartei ist. Der moderne Kindermord. ( Eingesandt.) -Eine unsere modernen Verhältnisse im höchsten Grade charakterisirende Thatsache ist es, daß heute schamlos, fast öffentlich der brutalste Kindermord getrieben wird. Wir meinen nicht jenen indirekten Kindsmord, wie ihn auch eine Frucht unserer zerfahrenen Verhältnisse Zieh mütter an unehelichen Kindern durch Nahrungsentziehung und schlechte Behandlung zu betreiben pflegen, sondern jenen direkten, das Tödten noch ungeborner Kinder, das Abtreiben der Frucht im Mutterleibe. Die Ziffern dieser Morde steigen von Tag zu Tag. Aus leicht begreiflichen Gründen erfährt man aus der Tagespresse davon nichts; ist dies Verbrechen doch recht eigentlich eines, das von den sogenannten höheren Ständen betrieben wird. Ich erinnere mich," sagte uns ein vielbeschäftigter Frauenarzt einer Großstadt, auch nicht eines einzigen Falles, in dem mir jemals von irgend einem Arbeiter ein Vorschlag in dieser Richtung gemacht worden wäre, aber wer ein unbeobachteter Zeuge meiner Sprechstunden sein könnte, der würde erstaunt und empört sein über die kolossale Häufigkeit der uns aus den besten Kreisen gestellten Insinuationen, uns damit abzugeben; und es geschieht dies mit einer solchen Ungenirtheit und geradezu bodenlosen Unverfrorenheit, als wenn sich das von selbst verstände." Alle jene Annoncen von Hebeammen, denen man in unseren Tagesblättern auf Schritt und Tritt begegnet, wo ,, Rath und Hilfe in disfreten Angelegenheiten" versprochen wird, sind auf dies Konto zu setzen. Und warum sollte es auch nicht so sein? Hat doch seiner Zeit ein Herr Viktor Böhmert, der Nationalökonom und Volksbeglücker nach dem Herzen Gottes, den Arbeitern den Rath gegeben, ihren reichen Kindersegen durch Fruchtabtreiben zu beschränken! Und wir erinnern uns eines Ehrenmannes, der vor einigen Jahren in einer Universitätsstadt als Hebeammenlehrer fungirte, also an einer staatlichen Klinik, welcher während des Unterrichts seinen Lehrtöchtern wörtlich sagte:„ Seien Sie nicht so dumm; wenn Sie einmal eine Dame 50 Mark verdienen lassen will, so thun Sie Ihr den Gefallen." Und darauf folgte eine detaillirte Beschreibung der betreffenden instrumentalen Hilfeleistung. Der famose Herr ist jetzt offizieller Hebeammenlehrer in einer Stadt der Provinz Sachsen, und es ist wohl nicht anzunehmen, daß er zur Zeit das einträgliche Geschäft nicht selbst weiterbetreiben oder seine neuen Lehrtöchter nicht mit demselben guten Rathschlag versehen werde. Wir sind bereit, den Wahrheitsbeweis für die obenerzählte Farce zu bringen, wir haben sie von seinen eigenen Hebeammenlehrtöchtern.*) Wenn das am grünen Holz geschieht, was soll da am dürren werden! Der Hebeamme, die vor Jahren in Stettin zu mehrjährigem Zuchts haus verurtheilt wurde, warfen die Insassen sehr eleganter Coupés, die vor dem Schwurgerichtsgebäude hielten, riesige Bouquets zu That Und in einem ähnlichen Falle unlängst in Newyork konstatirte fache! man, daß die Dame, die sich mit dem reinlichen Geschäft abgegeben, dadurch ein geradezu fürstliches Vermögen zusammen verdient habe. Es war für mich ein eigenthümliches Gefühl," sagte der vorhin erwähnte Arzt zu uns, als mir, einem armen Patron, der auf Patienten wartete, eine hochelegante Dame gleich in den ersten Tagen meiner Praxis fünfhundert Mark auf den Tisch legte und mit ihrem Antrage hervorkam! " Und man glaube ja nicht, daß es der größeren Anzahl nach unverheirathete Frauen seien, nein! gerade verheirathete Frauen der besseren Stände sind es, in der großen Mehrheit sogar die Ehemänner dieser Damen; Kaufleute, Gymnasiallehrer, selbst Richter haben wir auf unserer Lifte! Und mit welchem Hohn setzte sich einer dieser letzteren Biedermänner, dem der Arzt den angehenden Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch vorlas, darüber hinweg! Er verzog die Miene und sagte er, ein Richter-: ,, Pah, die Gesetze sind dazu da, lächelnd " daß man sie übertritt!" Wir sind ganz römisch geworden, das heißt römisch, wie zu Zeiten des Nero und Caligula! Ein Theil dieser Fälle basirt auf dem reinen bloßen Auskosten wollen des Genusses. Die erlaubten oder unerlaubten Freuden der Venus sind ja ganz herrlich für diese Gesellschaft, aber das Anhängsel daran, die Kinder, beschränken uns in unserem Vergnügen! 11 Wie oft hat man uns, der Sozialdemokratte, in allen Tonarten und Variationen vorgeworfen, wir mit unseren destruktiven Tendenzen" kämen direkt darauf hinaus, Mörder, Diebe und Räuber zu werden. Aber wo stecken die Mörder? Bei den Leuten, die für die Außenwelt einen Lack von Religion" und staatserhaltender Gesinnung" aufweisen! Bei den Leuten, denen solche Morde eine Bagatelle sind! Wo steckt denn Euer Gewissen? fühlen wir uns zu fragen berufen, wir ,, Wilde"! Wird die Ehe denn noch anderswo hoch und heilig gehalten als beim„ Plebs"? Uns ekelt vor diesem Abschaum moralischer Niedertracht, die uns bei Euch aufstößt! Wer predigt durch die That den raffinirtesten Sinnesgenuß, dem Alles gleichgiltig ist, was er dabei überwinden muß, selbst der nackte Mord? Wir oder Ihr? Eine andere Sorte geht vom Kapitalstandpunkt aus. Echt jesuitisch sagen sie sich: Wir wollen gut leben; mit sechs Kindern können wir nicht auskommen, wir adoptiren das Zweikindersystem! Wahrlich, die einzig richtige Lösung der sozialen Frage! Es brennt ihnen auf den Nägeln, diesen Herren, gerade so wie uns, aber sie sind zu bornirt, das eingestehen zu wollen. Eher greifen sie zum Verbrechen. Nach uns die Sintfluth!" ist ihre Losung. Und hinterher schwagen sie von der Aufrechterhaltung der Ordnung und Moral! Eine dritte Kategorie dieser Kindsmorde sind die Folgen der Saloncauserien(?), wo sich junge und alte Wüstlinge dem Sport der Verführung junger Frauen und Mädchen hingeben! Unsere hocheleganten Zirkel der *) In der That müssen wir dem Einsender die Verantwortung für die Wahrheit dieser geradezu unglaublich klingenden Mittheilung überDie Red. laffen. Geburts- und Geldaristokratie, die Löwen der Gesellschaft, die Offizierkasinos, die Theatergarderoben wissen davon zu erzählen. Man muß in diesen Kreisen verkehrt haben, um diese Verbrecherbordelle, anders können wir sie nicht nennen, würdigen zu können. Mit einem Zynismus, welcher Ekel erregt, gibt man die Adressen gefälliger Aerzte und Hebeammen weiter, die ,, Rath und Hilfe" angedeihen lassen. Wir hatten gelegentlich einer solchen Theaterstandalgeschichte, die sich in einer großen süddeutschen Stadt abspielte, mit einem Redakteur einer unabhängigen, sehr freisinnigen" Zeitung zu konferiren. Man gab uns zu, daß die betreffende Redaktion sehr genau über die Vorgänge orientirt war, aber in dieser Angelegenheit die betreffenden noblen Persönlichkeiten an den Pranger zu stellen, dafür war man nicht zu haben. Da gab es nur ein vielsagendes Achselzucken. wir, die Nun, Ihr oberen Zehntausend, wen's juckt, der kraze sich! Der schneidige Herr Johannes Scherr nannte seinerzeit unsere Bewegung die Pest beule des Lumpenproletariats; Proletarier, stehen schaudernd und entrüstet vor diesem Beispiele der sittlichen Verkommenheit, das Ihr offen zur Schau tragt, und soviel an uns liegt, werden wir dazu beitragen, diese Korruption zu brandmarken, wie sie es verdient. Sozialpolitische Rundschau. Verus. Zürich, 26. März 1884. Eine neue Kaiserbotschaft. Wilhelm der Erste, Kaiser von Deutschland, der Milde und Gerechte, wie ihn seine Bedienten nennen, hat der ihm zu seinem 88. Geburtstage gratulirenden Reichstagsdeputa= tion sein allerhöchstes mißfallen über den Ausfall der Sozialistengesetdebatte ausgedrückt und unverblümt zu verstehen gegeben, daß er die Ablehnung der Verlängerung des Sozialistengesetes als gegen ihn gerichtet betrachten würde. 11 Bei dem in Deutschland und ganz besonders in den Parlamenten herrschenden Byzantinismus ist das ein Rommando, die Annahme zu votiren, die Ver längerung ist so gut wie eine vollzogene Thatsache. Wir, die wir ohnehin darauf vorbereitet waren, werden auch dadurch, daß die Geschichte auf diesem Wege gemacht" wurde, nicht alterirt. Es wäre aber ein Verbrechen am deutschen Volte, wenn wir die Thatsache, daß der erste deutsche Kaiser zu seinem persönlichen Schuße ein Geset verlangt, das hunderttausende der Angehörigen des deutschen Rei ches ihrer politischen Rechte beraubt, sie der krasse= sten Polizeiwillkür überliefert, das Hunderte von Familien bereits ins Elend gestürzt hat und die Ursache weiteren Elends werden muß, nicht an her= vorragender Stelle ausdrücklich konstatirten. Suum cuique! Jedem das Seine! Jm Uebrigen bleibt's beim Alten. Uebergang zur Tagesordnung! auch der Anarchismus bei uns erst in Folge der Unterdrückung entstanden." Das Verfahren, seine Rede über das Krankenkassengesetz als Vorwand. zur Begründung des Sozialistengesezes zu nehmen, wies Bebel mit folgenden Worten zurück: Ich habe den Arbeitern einfach gerathen, und die Arbeiter haben es an Hunderten von Orten auch ohne unseren Rath bereits gethan, daß sie, nachdem ihnen die Wahl gestellt war, welches von den beiden Reichsgesetzen sie für ihre Krankenkassen benutzen wollten, sich für die Hilfskassen entschieden. Das ist nun allerdings der Regierung unbequem, weil das Krankenkassenversicherungsgesetz in der Form, wie es angenommen wurde, eine Ergänzung, ja die Grundlage für die neue Unfallversicherungsvorlage ist. Wir sagten umgekehrt den Arbeitern: Wenn ihr überhaupt der Ansicht seid, daß die Unfälle von den Unternehmern zu tragen seien, so könnt Ihr nichts Klügeres thun, als dafür zu sorgen, daß ihr in möglichst großer Zahl in die freien Hilfskassen eintretet also nuzt das Gesetz dahin aus, daß die Arbeiter die Krankenversicherung und die Unternehmer die Unfallversicherung übernehmen. Dieser ganz einfache und naturgemäße und nach meiner Ueberzeugung im reinsten Arbeiterinteresse liegende Standpunkt ist ohne jede weitergehende Bedeutung von mir vertreten worden, und dieser Umstand wird nun als Begründung der Verlängerung des Gesezes in's Feld geführt. Ja, was die Regierung will, ist klar und einfach: sie verlangt von uns, daß wir ihr unbedingt Heeresfolge in ihrer Sozial reform leisten. Aus dem Reich stage. Am 16. März kam die von uns bereits charakterisirte Novelle zum Hilfskaffengesetz zur Berathung und ward von Genosse Kayser in einer ebenso sachlichen als schneidigen Rebe zurückgewiesen. Mit Recht wandte sich Kayser gegen das Verfahren, diesen Versuch, die Hilfskaffen der Arbeiter unter Polizeiaufsicht zu stellen, nur vom technischen Gesichtspunkt aus zu behandeln. Die technische Tragweite des Gesezes trete zurück gegenüber der allgemeinen sozialpolitischen, es sei eine direkt gegen die unabhängigen Arbeiterfassen gerichtete Maßregel, welche die Arbeiterfreundlichkeit der Regierung und der Regierungsparteien ins rechte Licht stelle. Sehr schwach erwiderte ihm Herr Lohmann, der aus einem gefälschten Bericht über eine Rede Bebels den Beweis liefern wollte, daß die Rassen vor dem Mißbrauch ihrer Mittel zu sozialdemokratischen Agita tionszwecken geschützt werden müßten. Er sowohl wie Herr May Hirsch, der sich auf den Vater der deutschen gewerkschaftlichen Bewegung hinausspielen wollte, wurden von Kayser in einer scharfen Replik gehörig heimgeschickt. Der 20. und 21. März gehörten dem Sozialistengeset. Die Denkschrift über den Berliner und Hamburger Belagerungszustand wurden, nachdem Hasenklever und Grillenberger ihre Hinfälligteit in drastischer Weise nachgewiesen, vom hohen Hause" stillschweigend zur Kenntniß genommen" wahrscheinlich auf Verabredung. Man wollte die unangenehme Sache möglichst schnell abthun, und ging sofort zur Berathung der Vorlage über die Verlängerung des So= zialisten geseges über. Das ist meines Erachtens in der Begründung mit dürren Worten ausgeführt; die bezüglichen Sätze bedeuten: seid ihr gegen die Sozialreform der Regierung, so wird das Gesez verlängert, seid ihr für die Sozialreform, so wird das Gesetz aufgehoben. Meine Herren, wir verkaufen unsere Grundsäße nicht, auch wenn Sie das Gesez noch zehnmal verlängern. ( Sehr gut: links.) Auf diesen Handel gehen wir nicht ein, darauf können Sie sich fest verlassen." Und Bebel schloß mit der Erklärung: Meine Herren! Die Sache liegt, wenn die umlaufenden Gerüchte richtig sind, die über die Haltung des Zentrums laut wurden, so, daß eigentlich alle Reden und alle Gründe, die gegen die Verlängerung des Sozialistengesetes vorgebracht werden, in den Wind gesprochen sind. Wir führen hier eigentlich nur eine Verhandlung auf, die nicht etwa für uns, sondern nur für die da draußen, außerhalb des Hauses gehalten wird; denn hier unter uns werden die Dinge hinter den Koulissen abgemacht, und man ist bereits im Voraus einig, was man will. ,, Redet wie die Engel", wie man zu sagen pflegt, es hilft euch nichts, ihr werdet schließlich doch verurtheilt!" Nachdem Herr Marquardsen Namens der Nationalliberalen erklärt, daß sie frisch und fröhlich für die Verlängerung stimmen werden, mit der ebenso geistreichen wie bequemen Motivirung, daß für das Ausnahmegesetz nicht diejenigen verantwortlich sind, die es gemacht, sondern diejenigen, gegen die es gemacht, nahm unsererseits Bebel das Wort. Da das Stenogramm dieser Verhandlungen zweifelsohne in Separatausgabe erscheinen wird, so verzichten wir darauf, hier eine Analyse der vortrefflichen Rede Bebels folgen zu lassen, nur soviel wollen wir bemerken, daß sie in jeder Beziehung der Situation entsprach. Hageldicht sausten die Hiebe auf Regierung, Polizei und deren Helfershelfer herab. Derselbe frische, tampfesmuthige Ton, der durch die Reden von Hasenklever und Grillenberger ging, zeichnet auch die Rede Bebels aus: da war kein Zeichen von Schwäche, von Appell an das gute Herz und dergleichen Krimskrams mehr. Wir sind die Sieger und Ihr die Besiegten das ist der Grundton der ganzen Rede. Einige wenige Stellen, die unsern ganz besonderen Beifall haben, glauben wir, unbeschabet ber Separatausgabe, schon hier wiedergeben zu sollen. Mit Bezug auf den Versuch, unserer Partei die Anarchisterei an die Rockschöße zu hängen, sagte Bebel sehr richtig: ,, Nun kommen die Motive weiter darauf, daß sie sagen: die gerade in der letzten Zeit sowohl in Deutschland wie in anderen Kulturstaaten zur Erscheinung gekommenen verbrecherischen Angriffe auf das Leben und Eigenthum, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Iniziative der Umsturzparteien zurückzuführen sind, müssen in eindringlicher Weise davor warnen Nun, meine Herren, wir können ja dem gegenüber allerdings nichts machen, wir müssen über uns ergehen lassen, was Sie beschließen; von dem einen aber seien Sie versichert: Wir sind heute, was wir stets waren, und wir werden bleiben, was wir heute sind!" ( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Bravo! rufen auch wir. Nach Bebel hielt Herr Putttamer den Moment für gekommen, seine Weisheit an den Mann zu bringen. Aber ach, es waren kein Lorbeern, was er aus dem Kampfe heimtrug. Schwach, jammervoll schwach waren seine Argumente, und die Hauptpointe seiner Rede, ein angeblicher Extrakt aus Bebel's Buch:" Die Frau in Vergangenheit, Gegenwart und Zu tunft", wimmelte von Entstellungen und Fälschungen die Kaze läßt das Mausen nicht. Ueber die Moral" und die Heiligkeit der Ehe und der Familie" ging der Herr Minister diesmal natürlich schnell hinweg; er sprach nur von dem Heiligsten, dessen der Mensch fähig ist, der Liebe zu Weib und Kind ,, Arnold, der Junge hat einen guten Geschmack!" dieses Gesetz jetzt schon aufzuheben. Von meinen Parteifreunden, die vorhin das Wort genommen haben, ist bereits in dieser Beziehung ver schiedenes Klargestellt worden; es ist insbesondere und ich halte mich verpflichtet, dies nochmals hervorzuheben hervorgehoben worden, daß, wenn es heute in Deutschland Anarchisten gibt es sind aber noch blutwenig, wie ich Ihnen versichern kann, diese Anarchisten nur möglich geworden sind durch das Ausnahmegesek; ( sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) Windthorst, der nach Puttkamer sprach, führte den bekannten Eiertanz auf, in einem Athemzug für und gegen das Sozialistengesetz zu sprechen, um am Schlusse nichts" gesagt zu haben. Dann kam seine bekannte Renommisterei, daß die Kirche das beste Schutzmittel gegen die Sozialdemokratie sei, was er in einer späteren Replik gegen Bismarck in den Satz zusammenfaßte: ,, Machen Sie der Mai gesetzgebung ein Ende, geben Sie die Frei= heit der Kirche zurück, geben Sie uns unsere Orden, wir brauchen dann keine Gesetze der hier fraglichen Art und keine Gensdarmen, und ich garantire Ihnen, daß Sie in allen Bezirken, wo die katholische Bevölkerung prävalirt, kein Sozialistengeset nöthig haben werden." Und wir garantiren Ihnen, Exzellenz, daß von dem Tage an, da die Vorrechte der Kirche aufgehoben sind und uns frei Luft und Licht zur Verfügung steht, wir keine Maigesetzgebung brauchen, um mit der fatholischen Kirche fertig zu werden! indem er mit Emphase ,, die Behörden gegen jeden Verdacht der Kompli ger zität" in Schutz nahm und den Reichstag versicherte: Wir haben zwar sprech den Thäter noch nicht erwischen können, aber wir wissen bereits, daß gleich die anarchistische Partei die Urheberin ist denn in der Freiheit" hätt ward es mit ungeheurem Triumphgeschret begrüßt! Welche Logik! Aber waren es kommt noch besser. Weil der Sozialdemokrat" in seiner ersten ein E In Notiz über das Attentat sich jeder Bemerkung über dasselbe enthielt und es nicht ohne Weiteres auf eine Stufe mit dem Attentat auf der in D. Londoner Stadteisenbahn stellte, was wir beiläufig auch heute noch Drt, nicht thun, so geht daraus hervor, daß der Sozialdemokrat" es billigte! durch Wenn wir also in Zukunft einen Minister, der Zitate fälscht, nicht auf rische Ge eine Stufe stellen mit einem gewissenlosen Weinfälscher, der Tausende mit Fuchsin vergiftet, so heißt das für Herrn Puttkamer, daß wir das sie ih Zitatefälschen billigen. Und der Mann war Unterrichtsminister! Keine Debatte ohne Bismarck, denn- die Wahlen stehen vor der Thür. Und so sekundirte denn der Sozialreformer in höchsteigener Person seinem Better und Kollegen Puttkamer. Er. hielt Windthorst eine Vorlesung über die Geschichte und Geschicke der katholischen Länder, dann polemisirte er, wie üblich, gegen das zu milde Strafrecht, die Fortschrittspartei, gegen die Presse und glorifigirte die Dreieinigkeit seiner Sozialreform: Schutzölle, indirekte Steuern, Arbeiterversicherung und so kann man mit Recht sagen, daß die Väter des Sozia listengesetes zugleich die Väter der Anarchisterei in Deutschland sind- die letztere ist aus dem ersteren hervor gegangen. Die Anarchisten sind, wenn ich von einigen verfommenen Subjetten absehen will, im Ganzen überzeugungstreue Leute, das darf man nicht ver= tennen; aber sie sind fanatisch bis zum Wahnsinn, fanatisirt insbe sondere durch die gewaltsame Unterdrückung aller der Bestrebungen, die fie anderthalb Jahrzehnte lang voll und frei unter dem Schutze der Geseze ausüben konnten, und daß man sie jetzt in Gegensatz stellt zu allen übrigen Staatsbürgern, weil sie Sozialdemokraten waren. Es ist also der Anarchismus gewissermaßen der Ausdruck der bis zur Ver zweiflung getriebenen Hoffnungslosigkeit gewisser Elemente in der Arbeiterwelt, die auf Grund all der wider uns verübten Gewaltakte zu der Ueberzeugung gekommen sind, es geht nicht mehr anders, es muß so oder so zu Grunde gerichtet werden. Der Anarchismus ist bei uns, was der Nihilismus in Rußland ist: gäbe der Kaiser von Rußland eine Konstitution, der ganze Nihilismus würde, wie vom Winde hinweggeweht, aus Rußland verschwinden. ( Lachen rechts.) So ist Allerdings, meine Herren( nach rechts), da kennen Sie die Natur des Nihilismus sehr schlecht, die kenne ich besser als Sie. 11 wobei er 11 langer lekthi solu Daß der Erzjunker von Malzahn Gülz für die Verlängerung und der Pole Jazdzewski gegen dieselbe sprechen würden, verstand Der erste erfrechte sich bei dieser Gelegenheit, über die sich von selbst. Schweiz loszuziehen, die noch immer nicht auf der politischen Höhe von Hinterpommern angelangt ist, sondern sich weigert, den Polizeibüttel für Don S tation jeden beliebigen Gewalthaber abzugeben, und der Lettere fühlte sich veranlaßt, zu erklären, daß keine Partei der Sozialdemokratie feindlicher gegenüberstehe als die seinige, aber trotzdem u. s. w., u. s. w. - Er mußte aber trotz dieser jammervollen Versicherung seiner guten Gesinnung zugestehen, daß gerade in seiner Heimath die sozialistische Bewegung seit Bestehen des Sozialistengesetzes erheblich gewachsen ist. Im Uebrigen sprach er über den Kulturkampf und die Theilung Polens. die Lohnfrage und Arbeitszeitfrage, diese springenden Punkte der Arbeiter frage, gleich dem verbohrtesten Manchestermann als„ Rührmichnichtan" hinstellte. Durch irgend eine Festsetzung, die man macht, läuft man Gefahr, in die persönliche Freiheit, seine Dienste zu verwerthen, sehr erheblich und unnüg einzugreifen" nü einzugreifen" das könnte auch Bamberger gesagt haben. Ueber ein weiteres Diktum von ihm an anderer Stelle. Mit der bereits erwähnten Replit Windthorst's und einer persönlichen Bemerkung Bebel's, in welcher derselbe unverblümt Buttkamer der Fälschung zieh, schloß der erste Tag der Debatte. Nach einer Replik Bismarcks kam nunmehr Liebknecht zum Wort, dessen Rede, wie uns Zuhörer derselben schreiben, in den Zeitungsberichten arg entstellt ist. Liebknecht hatte, wie man zu sagen pflegt, seinen guten Tag. Nicht als Angeklagter, als Anklager trat er auf, und rief den Herren zu, daß wenn die deutschen Arbeiter sich bis jetzt auf Attentate und dergleichen nicht eingelassen haben, das Sozialistengesetz sie am wenigsten daran gehindert hat. Halten Sie denn unsere Arbeiter für Feiglinge? Ueber den zweiten Tag ist bis Redaktionsschluß der stenographische Bericht noch nicht in unseren Händen, wir müssen also nach den sonstigen Berichten urtheilen. " Wir behalten uns vor, nach Eintreffen des Stenogramms auf diese Rede zurückzukommen. Nachdem Herr Windthorst noch einmal in einer langen Rede nichts gesagt, ward die Debatte geschlossen und die Regierungsvorlage einer Kommission überwiesen. Herr Hänel, der ,, Staatsmann" der Fortschrittspartei, sprach natürlich gegen das Sozialistengeset, aber, und wir nehmen ihm diese Offenheit durchaus nicht übel, lediglich aus praktischen Gründen. Seit Erlaß des Sozialistengesetes", sagte er nach dem sehr ausführlichen Telegramm der " Frankfurter Zeitung", fühlen wir sagen wir einmal die ,, Ordnungsparteien" uns so sicher untereinander; wir bilden uns ein, wir kön nen unsere Kämpfe ganz unbesorgt unter einander führen; die hohe Obrigkeit sorgt dafür, daß die Sozialdemokratie uns nichts anhat." " Dort werden die Zentrumsmitglieder unter dem Motto: die Reli gion muß dem Volke erhalten werden", solche Aenderungen der Straf geseze beantragen, welche die Liberalen unter keinen Umständen annehmen können, worauf die Herren sagen werden: Ja, dann müssen wir für die Verlängerung stimmen, so schwer uns dies auch wird. Irgend ein Tausch, richtiger Schacherobjekt findet sich inzwischen schon. Und die Komödie wird beendet sein. Wir bekämpfen uns untereinander und vergessen darüber, daß es schließlich doch noch gemeinsame politische Feinde gibt, die eine ge= wisse Berbindung unter uns aufrecht erhalten sollten." 11 " Da Newy Schri gegenz ar famm und b Di imme dem worte Jet Eine kompetente Stimme über den bevorstehenden ,, Der Londoner Economist", schreibt perset allgemeinen Krach. gested die New- Yorker Volksztg.", kommt endlich auch hinter eine große Wahrheit, die aber von der Marrischen Schule schon seit Jahrzehnten des gepredigt worden ist. Nachdem er das Jahr 1883 in geschäftlicher Hin auch sicht unbefriedigend genannt hat, obwohl mehr produzirt worden sei als je vorher, weil der Absatz nur zu so geringen Profiten erlangt werden fonnte, daß viele Bankerotte daraus folgten, fährt er fort: Es scheint, daß trotz Allem, was die Nationalökonomen Gegentheiliges lehren, die Welt jetzt eine allgemeine Ueberproduktion erlebt, nicht etwa blos eine verhältnißmäßige. Man hat uns glauben machen, daß, weil Produkte aller Art blos gegen einander ausgetauscht werden, keine allgemeine Ueberproduktion eintreten könne. Aber wir haben eine solche thatsächlich vor uns. Zuviel Nahrungsmittel, zuviel Industriewaaren, zuviel Tauschmittel gleichzeitig. So in Großbritannien, so in den Vereinigten Staaten, so in Frankreich und Deutschland. Was bedeutet das? Wohin kommt es mit der Welt? Nähern wir uns einem Zustande, worin Jeder soviel zu verkaufen hat, daß Niemand es mit Profit verkaufen kann?" Dieser Ausspruch aus dem Munde eines ihrer Führer ist das schönste Motto für die neue freisinnige" Partei. Herr Hänel sprach dabei auch vom Antisemitismus, wodurch der von der liberalen Presse mit so großer Entrüstung aufgenommene Ausspruch eines Berliner Arbeiters daß im ge T wir glauben es war der Tischler Mitan gebenen Moment die Herren mit Stöder gemeinsam gegen die Arbeiterpartei marschiren, seine schönste Illustration findet. Das Beste an der Hänel'schen Rede war seine Kritik des sogenannten Staatssozialismus und sein Protest dagegen, daß man das Wort Sozia lismus für Dinge anwendet, die mit dem Begriff des Sozialismus absolut nichts zu thun haben. Wenn man das Wort so weit nimmt, wie es heute Mode ist, dann ist jede Diskussion ausgeschlossen, sagte er ganz richtig. Herr Kardorff, als Verfechter der Bismarckischen Sozialpolitikdieselbe hat für ihn, den Mann der Laurahütte und den Wortführer der Schnapsbrenner, die soziale Frage bis zu einem gewiffen Grade gelöft ( Laurahütte 111) plädirt für die Verlängerung des Gesetzes und die -Doppelwährung. Die Doppelwährung ist das beste Schutzmittel gegen die große herannahende Krisis. Herr Kardorff sagt es und er weiß, warum, denn er versteht sich auf's Geschäft! um de Wahl vativ wahl Ein E Umstä Se ben t im R " 1 Bayl diejes 10 ganz und t wie e dachte auch Kann es ein klassischeres Eingeständniß von dem Bankrott der bür gerlich- kapitalistischen Gesellschaft geben, als dieser Jammerruf des Sprachrohrs der Bourgeoisie des ersten Industriestaates der Welt, des Musterlandes der kapitalistischen Produktion? Zuviel Nahrungsmittel und Millionen haben nicht das nöthigste zum Essen! Zuviel In dustriewaaren und Millionen leben in Löchern, hüllen sich in Lumpen, entbehren der primitivsten Gegenstände des Komforts! Die enorme Vermehrung der Transport- und Tauschmittel, diese bisher als besondere Schönheit der modernen Produktion, als Garantie der tausendjährigen Aera des allgemeinen Glücks gepriesene Errungens schaft der Neuzeit, als Hemmschuh des Tauschverkehrs beklagt! das ist allerdings mehr wie eine Bestätigung alles dessen, was die sozia will c listische Kritik bisher über die kapitalistische Produktion geschrieben. Und nun Herr Sonnemann eröffnete seine Rede mit dem wunderbaren, von Liebknecht mit Recht energisch zurückgewiesenen Vorschlag, eventuell einen Sozialdemokraten in die Kommission zu wählen, wenn Kommisfionsberathung beschlossen würde. Daß der Mann das Abgeschmackte eines solchen Vorschlags nicht einsah, zeigt, wie sehr er bereits dem parlamentarischen Kretinismus verfallen. Sonst sprach er natürlich gegen das Gesetz und für soziale Reformen. Eine Bemerkung von ihm, daß man in Frankfurt über das bekannte Dynamitattentat sehr skeptisch denkt, gab Herrn Puttkamer Veranlassung, sich aufs Neue zu blamiren, In gar, die letzte ängliche Frage, ob ,, wir uns der schrecklichen Zeit nähern, frater wo fein ehrlicher Profit mehr gemacht werden kann! Kein Profit das wäre allerdings das Ende der Welt. der S Kreise gerade Wie kläglich nehmen sich einem solchen Zustand der Dinge gegenüber die Maßregeln aus, welche die bürgerlichen Parteien zur Abhilfe vor die e schlagen! Hier ruft man nach Schutzöllen, dort nach Freihandel; hier mitte nach Doppel-, da nach Goldwährung, als ob diese Dinge etwas helfen dente tönnten. Ein viel besseres Auskunftsmittel zeigte jüngst Jules nete Guesde in einer französischen Arbeiterversammlung, der Schreiber dieses Gefen beiwohnte. ,, Seht", rief er seinen Landsleuten zu ,,, vor zehn Jahren herrschte eine allgemeine, internationale Geschäftskrisis, von der nur ein Land fast un? veran wesentlich betroffen wurde: Frankreich! Was war die Ursache? Wat ung E es die Staatsform, war es das Zollsystem, war es die Handelspolitik die ag Mit Nichten. Heute seht Ihr bei demselben Zollsystem, bei derselben hatte, das und t ung E So Sozia Da feiner Handelspolitik, bei derselben Staatsform eine Krisis heranziehen von größerer Wirkung als je eine vorher. Die Ursache ist ganz wo anders zu suchen: es ist der Krieg von 1870, das Elend der Besetzung unseres Landes durch die Deutschen 2c., welche die Krisis von 1873 von uns ab gewendet. Infolge der Invasion waren bei uns so viel Produkte zerstört worden, die Produktion so gehemmt worden, daß 1873 bei uns noch von keiner Ueberproduktion die Rede sein konnte. Wir sind in der modernen Gesellschaft bei einem so absurden Zustand tratie der Dinge angelangt, daß das Volk, die Arbeiterklasse dann nichts zu Agita effen hat, wenn zu viel zum effen da ist. Wenn dem aber so ist, fuhr er fort, und man die Produktion nicht von Grund aus umwälzen, sozia listisch organisiren will, dann wäre es wahrlich besser denn Niemand wird, hoffe ich, so bestialisch sein, den Krieg als Abhülfsmittel zu empfehlen dann wäre es besser, es fände alle zehn Jahre einmal einige Tage lang eine allgemeine Plünderung statt, an Stelle dieser furchtbaren, das Proletariat entnervenden Krisen. Ich empfehle Euch natürlich dieses Plündern nicht- schon weil es nur ein Palliativ mittel wäre, das am Stande der Dinge nichts ändern würde, aber gewal ganzen Jollte und I Sie 2 ausni Derruc reben. A Iwer ein besseres Mittel weiß, der Ueberproduktion zu steuern, ohne Majef direkt in die Produktionssphäre einzugreifen, der möge es sagen." So Guesde, und er hatte Recht. Zerstörung von Produkten das ist heute das einzige Mittel, die Produktion aufrechtzuerhalten. Aus Nu Don i biefe diesem Widerspruch kommt die bürgerliche Gesellschaft nicht mehr heraus, Worte an ihm wird, an ihm muß sie zu Grunde gehen. fie fti Sozia Der achtzehnte März in Deutschland. Sozialdemo Wort kratische Demonstrationen, schreibt man der" Frankfurter 3tg." aus der e Köln, sind dem benachbarten Industrieort Kalt nicht selten; auch der heutige Jahrestag des Berliner Straßenkampfes 1848 und der Gründung AL En Do glaub Ma der Pariser Kommune 1871 wurde zu einer solchen ausersehen. So dann prangte heute früh in der dortigen Hauptstraße am Drahte der Telephon lo be leitung ein rothes Banner mit der Aufschrift: Hoch lebe die Sozial demokratie!" Eine ähnliche Fahne fand man in dem naheliegenden Arbei Vingst an einem Baume befestigt. In Deuh sah man den Adler auf dem nördlichen Pfeiler des nach Mülheim und Kalt führenden hochve Mülheimer Thores mit rother Farbe übergossen. Auch in Elber feld und Dortmund wurden rothe Fahnen ausgehängt. Desgleichen in Cannstadt, wo die Polizei übrigens vorher gewarnt worden war; nur hatte der schnöde Denunziant sich leider in Bezug auf wiede den Platz geirrt, so daß die arme Polizei just am entgegengesetzten Ende Entw der Stadt die ganze Nacht hindurch hin- und herpatrouillirte, nächsten Morgen desto unangenehmer überrascht zu werden. Daß unsere Berliner Genossen der Märzkämpfer nicht vergaßen, ist selbstverständlich. Eine auf den 16. März auf Tivoli" einberufene öffentliche Arbeiterversammlung, in der Grillenber um am. he Konti *) tpli ger über Nothwendigkeit, Charakter und Umfang sozialer Reformen" war sprechen sollte und die in letter Stunde verboten ward, gestaltete sich daß gleichfalls zu einer glänzenden Demonstration. Auf gegen zehntausend eit" schäßt die Presse die Zahl der Arbeiter, die der Einberufung gefolgt Iber waren und im Garten der Tivoli- und der nahegelegenen Bockbrauerei sten ein hoch über das andere auf unsere Sache ausbrachten. und Im Auslande, wo die Arbeiter noch nicht so gefnebelt sind wie der in Deutschland, wurden, wie alljährlich so auch dieses Jahr, an jedem toch Drt, wo sozialistische Organisationen bestehen, die Gedenktage des März gte! durch Feste gefeiert. Es ist geradezu unmöglich, auch nur eine summas auf rische Zusammenstellung derselben zu geben. ende Genug, auch diesmal haben die klassenbewußten Arbeiter gezeigt, daß das sie ihre Vorkämpfer nicht vergessen. ung Wie man's machen muß. Die neuesten von Amerika einand langenden Zeitungen geben uns Auskunft darüber, weshalb Bismarck die lehthin im Reichstag den Amerikanern in Sachen der Lasker- Reöhe solution demüthig Abbitte leistete. Der Deputirte Frank Hiscock für von Newyork hatte nämlich folgende gepfefferte Resolution im Repräsenver- tationshaus beantragt: cher ßte zu ſeit gen ort, gs: egt, auf, jett tenTere teſe chts Ener elis raf an ffen end Den eibt сове ten Sin als den eint, die " In Anbetracht, daß das Haus in Erfahrung brachte, daß eine Buschrift desselben an den deutschen Reichstag, die in ihren Absichten eine völlig freundschaftliche und achtungsvoll in ihrer Wortfügung war und auf den regulären Wegen der internationalen Vermittlung befördert wurde, von der Person, welche jetzt den Posten des deutschen Reichskanzlers einnimmt, willkürlich unterschlagen und an das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten zurückgesandt worden ist, sei Beschlossen, daß dieses Haus sich gezwungen sieht, seinem Erstaunen und Be dauern darüber Ausdruck zu geben, daß es auch nur vorübergehend in der Macht einer einzelnen Persönlichkeit( subject!) liegen kann, solch' einen einfachen, natürlichen und von den Gefühlen des Augenblicks eingege benen Ausdruck des Freundschaftsgefühls zwischen zwei großen Nationen anzutasten und so die Stellung und das Ansehen der Krone auf der einen, die Rechte der Volksvertreter auf der anderen Seite zu verkürzen. Beschlossen, daß dieses Haus hiermit nochmals seinem aufrichtigen Bedauern über das Ableben Laster's und seiner Sympathie für den deutschen Reichstag, dessen ausgezeichnetes Mitglied der Verstorbene so viele Jahre gewesen ist, Ausdruck verleiht." Da nun große Gefahr vorlag, daß diese Resolution, von der die Newyorker Boltszeitung mit Recht sagt: wir haben selten ein offizielles Schriftstück gelesen, welches die Verachtung, die man einem Menschen gegenüber empfindet, in so nachdrücklicher Weise zum Ausdruck bringt" angenommen würde, zog es Bismarck vor, im Reichstag vor versammeltem Kriegsvolk" nach Amerika hin einen Schritt zurückzuweichen und der armen freisinnigen Partei dafür einige muthige Fußtritte zu versehen, die von dieser mit der gewohnten Feigheit unter Protest eingestedt wurden. Diese Resolution, in der bezeichnenderweise nicht einmal der Name des Subjeftes", gegen das sie gerichtet ist, genannt ist, gibt vielleicht auch die Erklärung zu der Ermahnung Bismarc's, doch in der Debatte immer hübsch objettiv zu bleiben und die Höflichkeit, welche man auch dem Gegner schuldet, nicht außer Acht zu lassen. Bismard als Befürworter milderer Sitten! Welcher Hohn! icht Jedenfalls haben die Amerikaner gezeigt, wie man es machen muß, um dem Mann von Blut und Eisen zu imponiren. Daß eine Iche iel Das offizielle Wahlresultat im 2. Meiningischen Wahlkreise lautet: Witte( frei- finnnig) 5,806, 20( frei- konserpatio) 2,954, Viereck( Sozialdemokrat) 3,482 Stimmen. Also Stichwahl zwischen Witte und Viered, die auf den 31. März angesezt ist. elt? Ein herzliches Glückauf den Unermüdlichen, die unter so schwierigen Umständen den Kampf unverzagt aufnahmen! hat, bür des Selbst Exzellenz Windthorst konnte nicht umhin, den Eindruck, den dieses Hesultat, sowie das der Bielefelder Wahl, auf ihn gemacht, im Reichstag offen einzugestehen. des" Soviel ist gewiß", sagte der Führer der Zentrumsleute, daß die Bahl der Anhänger der Demokratie, was ich früher nicht glaubte, trop dieses Gesetzes wesentlich gewachsen ist ittel In pen, ntie ( Widerspruch) wesentlich gewachsen ist, und die intensive Kraft derselben bis: ganz unermeßlich. Die Wahlen, sowohl die Wahlen für den Reichstag und den Landtag, als die für die Kommunalvertretungen zeigen Ihnen, wie erheblich die Zahl der Sozialdemokraten ist; und wenn ich bisher dachte, das sei nur in den Industriezentren wesentlich der Fall, so ist Dzia auch das in neuerer Zeit widerlegt worden; denn, meine Herren, ich will an die neuesten Wahlen erinnern. gens nun ern, über vor In Bielefeld wie in Brück*) hat sich die Stimmenzahl der Sozialdemofraten, glaube ich, um 1000 vermehrt, und doch sind mit Ausnahme von der Stadt Bielefeld im Wesentlichen die beiden den Wahlbezirk bildenden Kreise acerbautreibend. In dem Meiningischen Wahlkreis, dessen Wahl gerade jett ventilirt wird in ihren Resultaten, ist es ja enorm, wie hier die Sozialdemokratie gewachsen ist, und das ist auch nicht ein bloßer Mittelpunkt eines Induſtriebezirks. Ich meine, daß das allerdings zu Ifen denten gibt. Und was die Intensität betrifft, so hat der Herr Abgeord nete Bebel allerdings überzeugend nachgewiesen, welche Energie diese Gesellschaft hat; und sie tann andere Parteien wohl zu dem Wunsche veranlassen, eine gleiche Energie zu besitzen und zu entwickeln." Tes Eefes eine un War ? Entweder oder! Die erste Nöthigung in dieser Beziehung hat für mich einerseits in den Gefahren gelegen, mit welchen 1878 then die agitatorische Aufregung, welche sich der Sozialdemokratie bemächtigt Iben von bas hatte, unsere Stuhe bedrohte, anderseits in den Verbrechen, die gegen ders geheiligte Haupt Seiner Majestät des Königs begangen wuroen, und die den ursprünglichen Ausgangspunkt der Gesetzgebung bilden, die ab uns heute beschäftigt, die heute noch besteht." eres 873 and So Bismarck in seiner Rede vom 20. März für die Verlängerung des tte Sozialistengesetzes über seine„ Sozialreform". Wir Das ist in bester Form eine Bestätigung dessen, was Vollmar in einer Rede über die Unfallversicherung sagte, daß wir, die Sozialdemotratie, die eigentlichen Urheber dieser ganzen Bescheerung" sind. Unsere fuhr Agitation, unsere gefahr drohen de Agitation erst hat den ReichsDzia gewaltigen veranlaßt, an die Arbeiter zu denken. Wenn also bei der ganzen Geschichte irgend ein Vortheil für die Arbeiter herausschauen ollte was wir bei der Unfallgesekvorlage ganz energisch bestreiten, und was beim Krankenversicherungsgesetz nur dadurch möglich ist, daß die Arbeiter dasselbe in einer den Absichten Bismard's feindlichen Weise ausnuten so gebührt das Verdienst dafür einzig und allein uns, den verruchten, umstürzlerischen Sozialdemokraten, unseren Hez- und Brandand ชิน mal telle fehle ip aber ohne Aus aus, emo aus ber Dung So hon reben." Andererseits in den Verbrechen, die gegen das geheiligte Haupt Seiner Majestät des Königs begangen wurden." Nun, die Häupter der Villionen deutscher Arbeiter sind auch nicht bon schlechten Eltern. Und da nach Bismarck seine Sozialreform für biese Millionen deutscher Arbeiter ein wahrer Segen ist, so liegt in diesen Worten eine Verherrlichung der Attentate von Hödel und Nobiling, wie sie stärker nicht gewünscht werden kann. Ohne Hödel und Nobiling feine Sozialreform, das ist umsomehr die logische Konsequenz aus Bismarc's Worten, als ja nach seiner Behauptung die Attentate auf das Konto ber Sozialdemokratie tamen. Also: bann Entweder die ,, Sozialreform" ist Pfuschwerk, wie wir behaupten, und wird man die Attentate von Hödel und Nobiling auch in Zukunft zialbeurtheilen wie bisher. Dber sie ist etwas Glänzendes, Großartiges, Niedagewesenes, die Arbeiterklasse hoch Beglückendes, wie uns Bismarck und seine Reptile glauben machen wollen, und dann hat sich Bismarck mit seiner Erklärung hochverdient gemacht um die Anarchisten. nden Idler nden ers warnt am Man wähle! Nahrungsmittel von allen Seiten. Wir haben auf wiederholt auf die Bedeutung der amerikanischen Konkurrenz für die Inde Entwickelung der wirthschaftlichen Verhältnisse in Europa hingewiesen heute wollen wir auf ein Land hinweisen, welches Amerika ein gefährlicher Ronkurrent auf diesem Gebiete zu werden droht: Indien. Auch der fene er*) Soll heißen Wiedenbrück. aßen indische Weizen beginnt auf dem Weltmarkt eine Rolle zu spielen. Es wurden, wie aus dem Bericht des Herrn von Lesseps über die Situation der Suezkanal- Gesellschaft hervorgeht, aus Bombay ausgeführt: 1879 120,145( englische) Ctr. Korn 1880 1,894,000 1881 9,364,804 11 11 11 " 1 und 1883 bereits nahezu eine Million Tons, d." h. 20 Millionen Centner! Welch ein Segen für Europa, wird hier Mancher ausrufen, von allen Seiten strömen ihm Lebensmittel zu! Es gibt keine Hungersnoth mehr! Dgemach, gemach, nur nicht vorschnell geurtheilt! Hungersnoth aus Mangel an Nahrungsmitteln ist allerdings heute ausgeschlossen, aber dafür haben wir, Dant unserer herrlichen Gesellschaftsordnung, Hungersnoth aus Ueberfluß an Nahrungsmitteln! Das ist der ganze Unterschied. Und Indien sendet uns diese Massen Getreide, weil das indische Volk nichts zu essen hat. Weil, nicht obgleich. Das Volk nagt am Hungertuch und das Land, d. h. die Kapitalisten, führen Getreide aus eine göttliche Weltordnung! Eine internationale Polizeiorganisation gegen Anarchisten und Dynamitards soll, wie verschiedene Zeitungen melden, neuestens in's Lebens gerufen worden sein. Daß das Spigelthum unter Umständen international funktionirt, ist eine alte Geschichte mit dieser großartigen Organisation" aber dürfte es nicht weit her sein. Der gute Wille ist vielleicht da, aber zur Ausführung gehört etwas mehr, namentlich wenn es sich um ernsthafte Attentäter handelt. Viel nüglicher als diese Organisation wäre eine internationale Uebers wachung der von den verschiedenen Regierungen gedungenen Agents provokateurs. Das Asylrecht in der Schweiz. Der schweizersche Bundesrath hat 4 Anarchisten: Kennel, Schulze und Lissa in Bern sowie Falk in Freiburg aus der Schweiz ausge= wiesen. Von keinem der Genannten liegt eine Thatsache vor, die auf ihre Mitschuld an den Wiener 2c. Attentaten schließen ließe, der Bundesrathsbeschluß beruht lediglich darauf, daß die Genannten mit Stell macher und Kammerer sehr genaue persönliche Beziehungen unterhalten haben und mit denselben durch Gemeinschaft der Bestrebungen enge verbunden waren, ja daß zu ihren Lasten sogar eine Reihe von Thatumständen festgestellt ist, welche, wenn sie auch nicht eine eigentliche strafrechtlich zu verfolgende Theilnahme an jenen verbrecherischen Handlungen darthun, doch einer solchen nahekommen, und daß sie den Nachforschungen der Behörden zur Entdeckung der Urheber der Verbrechen nicht nur keinen Beistand geleistet, sondern vielmehr gesucht haben, die Behörden in Irrthum zu führen. " 1 Wir kennen die einer Theilnahme an den Wiener 2c. Attentaten nahekommende n" Handlungen nicht, und enthalten uns daher vorderhand jeden Kommentars der Ausweisung. Zur Klarstellung der Situation bemerken wir nur, daß das Asylrecht der Schweiz nur das Recht der Schweiz, Asyl zu gewähren, nicht aber das Recht, Asyl zu beanspruchen, einschließt. Der Bundesrath kann jeden Ausländer ausweisen, der die innere oder äußere Sicherheit der Schweiz gefährdet. Desterreich. Die Wahrheit" schreibt in ihrer neuesten Nummer: In auffälliger Weise spielen sich in letterer Zeit Leute äußerst zweifelhaften Kalibers als Anhänger unserer Parteigenossenschaft aus und bringen uns damit bei den Fernestehenden manchmal in nicht geringe Verlegenheit. So fiel es seinerzeit einem derartig„ Gemäßigten" ein, in der Vorstadtzeitung anläßlich der Verhängung des Ausnahmszustandes zu heulen und der Welt plausibel zu machen, daß alle sogenannten Gemäßigten in dasselbe Horn stoßen. In jüngster Zeit verfiel im zehnten Bezirke ein derartig Gemäßigter gar auf die für uns ganz abnorme Jdee, um Aufhebung der Linienwälle, des Lotto 2c. zu petitioniren und setzt zu dem Behuf derartige Bögen in Umlauf. Viel Glück und schönes Wetter zur Reise in den Papierkorb." Wir beglückwünschen unser Bruderorgan zu dieser energischen Abwehr gegen die Abwiegler und Heulmeier. In Zeiten, wie die jetzigen, kann man gegen diese Art guter Freunde" nicht vorsichtig genug sein. Kopf oben! heißt die Parole. Keine unnüze Provokation, aber auch keine Kopfhängerei und keine Schwäche dem Gegner gegenüber! Und es freut hr, zu sehen, daß die Wahrheit" diese einzig würdige Taktik mit Entschiedenheit innehält. uns " In ihrem Leitartikel ruft sie dem Grafen Taaffe sehr richtig zu: ,, Also Platz für das Volk! Nicht Eindämmung der politischen Rechte, sondern Erweiterung derselben soll die Parole sein; nicht Hemmung des Thatendranges des Volkes, sondern freie Entfaltung seiner Kräfte muß als naheliegendes Ziel zur Geltung gelangen. Ist es dem Ministerpräsidenten Grafen Taaffe wirklich Ernst mit dem Einhaltsgebot der anarchistischen Ausschreitungen, so kann er dieses Biel tousendmal sicherer und auch den Volks- und Staatsinteressen viel zusagender und fördernder damit erreichen, daß er das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht proklamirt, verbunden mit den nöthigen Erweiterungen auf dem Gebiete der Arbeiterschutzgesetzgebung und vor allem die Gewährung der vollkommenen Vereins- und Versammlungsfreiheit durchsetzt." Indeß Taaffe wird sich schönstens hüten. Waren es ja gerade seine Agenten, die im Namen der heiligen Anarchie predigten: Nichts da von Wahlrecht, nichts von Versammlungsfreiheit, nur Revolution! Taaffe braucht die Anarchisten, wie Bismarck sie braucht. Dieser hat nur das Pech, daß die deutschen Arbeiter viel zu sehr politisch geschult sind, um das nöthige brauchbare Material abzugeben. Wir haben seit einiger Zeit uns jeder Berichterstattung über Entdeckung von anarchistischen Verbrechen" und Verbrechern" enthalten, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil wir den Berichten der Presse in dieser Sache mehr wie skeptisch gegenüberstehen. Die Presse empfängt ihre Nachrichten von der Polizei und diese macht bekanntlich jedesmal einen guten Fang". Wir warten also, wenn es geht, am Liebsten bis zur Gerichtsverhandlung, oder bis anderweitige Thatsachen vorliegen, welche die Polizeimeldungen für gerechtfertigt erscheinen laffen. Da sich indeß die Sachen in der anarchistischen Angelegenheit sehr in die Länge ziehen, so wollen wir doch soviel zur Orientirung unserer Leser mittheilen, daß in dem jüngst in Wien verhafteten Anarchisten Kammerer ein Theilnehmer am Eisert'schen Attentate oder wenigstens ein Mitschuldiger an demselben erkannt sein soll. Kammerer soll von einem Bester Banquier rekognoszirt worden sein, bei dem er Koupons von Aktien, die sich unter den Eisert'schen befunden haben sollen, habe verwerthen wollen. Des Weiteren wird gemeldet, daß der 20 jährige Handlungskommis Julius Fried in Pest, der dort als Anarchist bekannt ist und sich seit einiger Zeit in Haft befindet, seiner Beit durch den Hausknecht Salomon Blau, der bereits geständig sein soll, Loose, die aus dem Eisert'schen Besitz herrührten, habe veräußern lassen. Bewahrheitet sich dies, so wäre allerdings auch der Eisert'sche Mord, was wir bisher für mehr wie unglaubwürdig hielten, auf Konto der Anarchisterei zu setzen. Wie viel Anarchisten oder der Anarchisterei Verdächtige zur Zeit in Wien und Pest inhaftirt sind, darüber fehlt uns jeder authentische Bericht. Die lettere größere Verhaftung erfolgte gelegentlich des Jahrestages der österreichischen Märzfämpfe, wobei die Anarchisten, wie die Polizei behauptet, einen Koup" geplant haben sollten. England. Wohl niemals zuvor, schreibt man uns aus London, ist eine März feier hier so arrangirt und ausgeführt worden als die diesjährige vom Kommunistischen Arbeiterbildungsverein in der Tottenhamstreet. Das Komite, festhaltend an den Beschlüssen des Vereins: die Revolutionstage mit dem Todestage unseres unvergeßlichen Denkers Karl Marx zu einer gemeinsamen Feier zu verschmelzen, hatte sich seiner Aufgabe mit größtem Eifer unterzogen, und ist die Feier als eine vollständig gelungene zu bezeichnen. Das Programm lautete: Demonstrativer Aufzug nach dem Highgate Kirchhof, wo Mary begraben liegt. Gesang der vereinigten Sängerchöre, sang, Niederlegung der Kränze und Blumen auf dem Grabe, und RückAnsprachen in Englisch, Deutsch und Französisch; dann wiederum Gemarsch in derselben Ordnung; und ist auch mit unwesentlichen Abänderungen zur Ausführung gelangt. Am Sonntag den 16. März, Nachmittags 1, Uhr, versammelten sich die Delegirten der französischen und der verschiedenen englischen politi schen Klubs in der Tottenham Street. Um 2 Uhr präzise erfolgte der Abmarsch. Voran dem Zug wurde ein gewaltiges Banner von vier Mitgliedern des Vereins getragen, mit der Inschrift: " Zur Erinnerung an den 18. März und alle diejenigen, die für die Arbeitersache duldeten und fielen!" Auf der Rückseite: ,, Die Arbeit ist die Quelle aller Güter. Arbeiter aller Länder vers einigt Euch!" Hierauf folgten die Sänger des Kommunistischen Arbeiterbildungsvereins und des Gesangvereins Freiheit. Dann folgte ein starkes Musikchor, die Marseillaise spielend. Hierauf eine prachtvolle rothe Fahne. Dicht hinter der Fahne folgten Damen des Vereins, Kränze mit rothen Schleifen tragend; hieran schlossen sich die Mitglieder des Kommunistischen Arbeiter Bildungsvereins. Ihnen folgten die Delegirten des Tower Hamtet Club mit ihren Fahnen, welche die Inschrift tragen: 11 Wir kämpfen für Freiheit und glückliches Leben für alle Menschen!" Dann folgten die Delegirten der Labour- Emancipation League und die Mitglieder der Demokratic Federation. Hierauf folgte abermals eine rothe Fahne. Daran schlossen sich die französische Gruppe, die Perseveranz Cabinet Maker Association und die Delegirten verschiedener anderer englischer Gruppen.( 3u bemerken ist, daß die beiden anarchistischen Gruppen sich nicht betheiligten). Es war ein imposanter Zug. Von dem herrlichsten Wetter begünstigt, marschirten tausende von Arbeitern unter den Klängen der Marseillaise dahin, gehobenen Herzens beim Anblick der flatternden rothen Fahnen Roth, roth, roth, das einige Roth, Kein prunkendes Wappen darauf! Nach einem anderthalbstündigen Marsch langte der Zug an dem Highgate Kirchhof an. Hier hatten tausende und abertausende Menschen bereits den Platz besetzt, so daß der Zug nur langsam vorwärts dringen konnte. Am Eingangsthor angelangt, fanden wir dasselbe verschlossen. Große Plakate zeigten an, daß die Kirchhofsverwaltung, da sie erfahren, daß eine kommunistische Demonstration stattfinden solle, beschlossen habe, den Kirchhof für den ganzen Tag zu schließen. Mehrere hundert Policewaren theils vor dem Kirchhof, theils auf demselben postirt, wahrscheinlich weil man besorgte, daß wir gewillt seien, den Kirchhof zu stürmen. men Hierauf gingen Fräulein Mary und die Damen, welche die Kränze trugen, Dr. Aveling und Andere zum Eingangsthor und verlangten Deffnung der Thür, um die Kränze und Blumen auf dem Grabe niederzulegen, aber selbst das ward ihnen rundweg abgeschlagen. Man mußte also die Kränze und Blumen dem Portier des Kirchhofs übergeben, welcher versprach, dieselben auf dem Grabe niederzulegen. Die Musik, welche während der Verhandlungen pausirt hatte, spielte die Marseillaise und der Zug setzte sich wiederum in Bewegung nach einem kleinen kleinen Hügel, nicht weit vom Kirchhof. Dort sang das Sängerchor das Lied der Völker Freiheitssturm", worauf Dr. Aveling die improvisirte Rednerbühne bestieg und in bes geisternden Worten auf die Bedeutung der Feier hinwies, er gedachte in warmen Worten der Verdienste von Karl Marx und der gefallenen Kämpfer der Kommune. Nach ihm bestieg Genosse Frohme die Rednerbühne und sprach in deutscher Sprache: er sei hierher geeilt, um dem großen Todten im Namen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands seinen Tribut zu zollen, dem Manne, der sein ganzes Leben der Arbeitersache gewidmet. Diesen großen Mann können wir nur dadurch würdig feiern, daß wir seinen Woaten folgen: Arbeiter aller Länder vereinigt Euch! Brg. Lava che feierte hierauf in französischer Sprache die Kämpfer der Kommnne, und forderte zur Nacheiferung auf. Allen Rednern wurde großer Beifall gezollt. Die Gesangvereine sangen hierauf das Freiheitslied, dann erfolgte der Rückmarsch auf demselben Wege. Die Bourgeoiszeitungen hier, die wahrscheinlich nicht im Verdacht der Uebertreibung stehen, wenn es sich um Arbeitersachen handelt, schäßen die Betheiligung auf 5000 Personen, und ich glaube nicht zu hoch zu greifen, wenn ich sage, daß es einige Tausend mehr waren. Am Dienstag den 18. März hatten wir in unserem Verein noch eine spezielle Feier. Nach Absingung eines Liedes bestieg Genosse Frohme die Rednerbühne und hielt einen anderthalbstündigen Vortrag über die Herrschaft der Humanität; er wies aus der Geschichte nach, daß der Entwicklungsgang der Menschheit sich nicht aufhalten lasse durch Ausnahmegesete oder sonstige Maßregeln, denn die Wahrheit und das Recht brechen sich stets Bahn. Er forderte zum Schluß auf, muthig vorwärts zu schreiten zur Verwirklichung unserer Prinzipien. Brgr. Lava che feierte in französischer Sprache die Kommunekämpfe. Brgr. Leßner, ein alter Kampfgenosse von Karl Marx, hielt hierauf eine feurige Ansprache an die Versammelten und schilderte die Verdienste von Mary und seine Bethätigung an den Revolutionen von 1848 bis 1871, wo er stets in Wort und Schrift für die Arbeitersache trotz allen Verfolgungen gearbeitet habe. Nachdem noch Genosse Frohme einige anfeuernde Worte gesprochen, wurde die Feier geschlossen. Von auswärts waren verschiedene Zustimmungsadressen eingelaufen. Aus Paris: von französischen Genossen; von Deutschland: aus Braunschweig und Apolda je ein schöner Kranz; von den pfälzischen Genossen, aus Manchester u. s. w. So endete die Feier würdig, wie sie begonnen. Die kleinen nebensächlichen Dinge zu berichten, erlassen Sie mir, da sie für das große Publikum wenig Interesse haben und mehr lokaler Natur sind. In Spanien rumort es ganz gehörig, und Alfonso dürfte es über kurz oder lang doch gerathen finden, sein Bündel zu schnüren. Der so daß die Republik heute weit mehr Anhänger zählt als seit Langem geistreiche" Jüngling hat es so ziemlich mit allen Parteien verdorben, und ihre Anhänger mit jedem Tage kecker das Haupt erheben. Das be= weisen gerade die vielen Verhaftungen von Republikanern, und die Unterbrückung republikanischer Blätter. Freilich wird es sich nur um eine bürgerliche Republik handeln, indeß wünschten wir ihr darum nicht minder den Sieg, denn es ist eine reaktionäre Lüge, daß es für die Arbeiter gleichgiltig sei, ob sie im Besige politischer Freiheiten sind oder nicht. Amerika. Ueber die in unserem Leitartikel erwähnte Angelegenheit der Achtstundenbillbewegung in Maryland schreibt das sozia listische Philadelphiaer Tageblatt": 11 Denjenigen Sozialisten, welche der Betreibung von Maßregeln zum Schutze der Arbeiter bei den Legislaturen jede agitatorische Wir tung absprechen, empfehlen wir folgende Notiz des Baltimorer ,, Corre spondent" zu gefälligem Studium: = Die Vereinigung der Arbeitervereine" hielt gestern in der ,, RechabiteHalle" eine Sigung und erledigte laufende Geschäfte. Jm weiteren Vers laufe der Sigung gab sich eine ziemlich gereizte Stimmung wegen der von dem Gouverneur der Gesetzgebung empfohlenen Arbeiterbills fund ( richtiger wegen der abweisenden Behandlung derselben durch die Legis latur) und die Gründung einer unabhängigen poli= tischen Arbeiter Partei wurde auf's Lebhafteste besprochen." Da sieht man recht deutlich, wie wirkungsvoll die von uns empfohlene Taktik ist. Die Bills mußten eingereicht und von den Arbeitern unterstüt werden, damit die alten Parteien zur Stellungnahme gezwungen wurden. Die schönen Platformphrasen flogen vor dieser fatalen Thatsache nach allen Seiten hin. Die Arbeiterfreunde" beider Kouleurs entpuppten sich als Schwindler. Den Arbeitern fiel mit einem Male das dicke Brett von der Stirne, das sie bisher an der Erkenntniß der Situation ver hindert hat. " Die Erfahrung und die Erfahrung allein hat sie eines Besseren belehrt, hat ihnen eindringlich und besser als hundert ausgezeichnete Agitationsreden die Wahrheit des Sapes gepredigt: Die Emanzipation der Arbeiter muß durch die Arbeiter selbst erkämpft werden. Jezt besprechen sie die Gründung einer unabängigen politischen Arbeiterpartei; jest, nachdem ihnen die alten Parteien auf das Unzweideutigste selbst den Beweis geliefert haben, daß sie Arbeiter- Nasführer sind. Ohne diese Erfahrung hätten die Baltimorer Arbeiter vielleicht in Jahren noch nicht daran gedacht, sich dem Einfluß der Arbeiterfreundlichkeit heuchelnden Politiker zu entziehen. Ob sie nun wohl etwas nügt, diese Taktik der gezähmten" Sozia liften." Korrespondenzen. Zittau, 2. März. Wenn mir nicht soeben ein Bericht aus Duedlinburg( Nr. 7 des„ Sozialdemokrat") zu Händen gekomen wäre, so hätte ich Ihnen genau dasselbe über eine hier in ,, Stadt Prag" abgehaltene öffentliche Gewerkvereins- Versammlung berichten müssen, bis auf ben kleinen Unterschied, daß Dr. Fränkel aus Leipzig hier auch von unreifen Arbeitern sprach, was einen solchen Sturm der Entrüstung hervorrief, daß Fränkel froh war, als die Versammlung geschlossen wurde. Es wurde ihm übrigens schon in der Debatte von Genoffe Nenke unter dem Beifall der Versammlung so scharf zugesetzt, daß er sich mittels Verleumdungen unserer Abgeordneten und gemeiner Aber um den Denunziationen herauszuschwindeln versuchen mußte. " guten Eindruck" war's geschehen. Doch nun kommt noch ein Nachspiel: Ein gewiffer E. beschwerte sich über den Ausdruck: ,, unreife Arbeiter" und meinte, wenn das wahr wäre, so wären die Gewerkvereine selbst daran schuld, denn ihre Vereinszeitung führe eine Sprache, welche nicht geeignet sei, den Wissensdurst der Arbeiter zu befriedigen. Dr. Fränkel erklärte vier Wochen später in der Zittauer Morgenzeitung" Herrn E. für einen Verleumder, und die Folge davon ist beigefügte Rechtfertigung des E., welcher von der Zittauer Moegenzeitung" die Aufnahme verweigert wurde. Schöne Gesellschaft das, die„ muthig und frei" an der Wahrheit vorbeischreibt! Die hiesigen Arbeiter wünschen den Herrn Fränkel recht bald in öffentlicher Volksversammlung zu sehen, um zu beweisen, daß sie reif genug sind, ihm auf seine Gemeinheit die richtige Antwort zu geben. Wenn aber Dr. Fränkel zu feige ist, wieder nach Zittau zu kommen, so sei seine werthe Person den Lindenauer Arbeitern, von denen er selbst erzählte, daß er von ihnen in öffentlicher Versammlung genasführt worden sei, zur gütigen Beachtung empfohlen.! Mit sozialdemokratischem Gruß! Ein Lausiker. Plauen i. V., 9. März. Endlich, seit über fünf Jahren zum ersten Male, ist es auch uns möglich, von zwei stark besuchten Arbeiterversammlungen zu berichten. In der ersten am 23. Februar referirte Genoffe Nödiger aus Gera über das neue Krankenkassengesetz und die eingeschriebenen Hilfskaffen. Auf das Referat selbst einzugehen, würde zu viel Raum in Anspruch nehmen. In anderthalbstündiger glänzender und von großem Beifall der Arbeiter unterbrochenen Rede wies der Redner auf die großen Schäden und Mängel hin, welche dieses Gesetz in sich trägt, gleichzeitig machte er auf den Nugen und Zweck der zentralisirten Kranken- und Sterbekassen aufmerksam und betonte, daß es fich jetzt hauptsächlich darum handle, das Selbstbestimmungsrecht zu wahren und den Zwangskassen zu entgehen. In der zweiten Versammlung am 3. März, die noch viel stärker besucht war als die erste, referirte Genosse Hasenklever über die Unfallversicherungsvorlage und die Altersversorgung der Arbeiter. In einer anderthalbstündigen und von wiederholten Beifallsbezeugungen unterbrochenen Rede führte Genosse Hafenklever ungefähr folgendes aus: Redner erklärte, daß er mit den Grundzügen der Unfallversicherungsvorlage vollständig einverstanden sei, daß aber Bestimmungen in der Vorlage seien, an denen er unbedingt Kritik üben müsse und daß er unbedingt dagegen stimmen werde, wenn im Laufe der Verhandlungen diese Punkte nicht aus der Vorlage entfernt und durch bessere ersetzt würden; daß es überhaupt sehr zu bezweifeln sei, ob der heutige Staat den Muth und das Geschick habe, für die Arbeiter etwas praktisches und durchgreifendes zu schaffen. Für Arbeiterfreundlichkeit schwärmen die Herren in den gesetzgebenden Körpern scheinbar aber blos so lange, bis es an ihre eigene Tasche geht dann hört bekanntlich die Gemüthlichkeit auf. Redner kritisirt nun die einzelnen Punkte der Vorlage: erstens, daß 95 Prozent sämmtlicher Unfälle den Krankenkassen aufgebürdet werden sollen; zweitens daß es den Unternehmern und nicht den Arbeitern gestattet sein soll, Fachgenossenschaften zu bilden; und drittens, daß die Arbeiterausschüsse, die mit den Fachgenossenschaften der Unternehmer gemeinschaftlich berathen und beschließen sollen, den Zwangskassen und nicht den freien Hilfskaffen entnommen werden sollen. Nach seiner Ansicht müßten die Arbeiterausschüsse aus freien Wahlen hervorgehen: es würden sich da gewisse Männer finden, die den Muth hätten, die Intereffen der Arbeiter auch den Fabrikanten gegenüber zu vertheidigen. Nachdem nun Genosse Hasenklever obige Punkte nach allen Seiten hin beleuchtet und kritisirt hatte, sagte er, daß demnach der Grundgedanke keine Arbeiterfreundlichkeit sondern Bevormundung der Arbeiter sei, und daß er es mit Freuden begrüßen würde, wenn die Vorlage, die bereits schon zweimal Unfall erlitten hat und nun in dieser Gestalt Gesetz werden solle, auch zum dritten Mal Unfall erleiden würde. Es sei besser, noch einige Jahre zu warten, bis eine bessere Vorlage kommt, als etwas halbes zu schaffen, das sich später sehr schwer ändern läßt. Bezüglich der Altersversorgung erklärte Redner, daß zur Zeit eine Vorlage dem Reichstag noch nicht zugegangen sei, er infolge dessen auch nicht wissen könne, was die Regierung darüber denkt, und deshalb blos feine eigenen Ansichten geben könne, die ebenfalls mit großem Beifall aufgenommen wurden. Wir versagen es uns indeß, auf die Einzelheiten noch weiter einzugehen. Erwähnt sei noch, daß beide Versammlungen von unserem Genoffen Bauer einberufen worden und ohne jede Störung vorübergegangen sind. Wir sind überzeugt, daß beide zur Aufklärung der Arbeiter einestheils und zur Kräftigung unserer Partei für die nächste Reichstagswahl anderntheils ihr möglichstes beigetragen haben werden. Mit bestem Gruße R. V- r. Zürich. In der am 10. März hier abgehaltenen öffentlichen Schneiderversammlung stand auf dem Traktandum: Die kapitalistische Produktionsweise und ihre Folgen in unserem Fach." Das Referat hatte Bgr. Bed übernommen und führte derselbe aus, daß von Vielen immer noch behauptet werde, in unserem Fache eristire überhaupt eine Großproduktion nicht. Redner ist entgegengesetter Meinung und weist an verschiedenen Beispielen nach, daß dies thatsächlich der Fall, und daß sich die Folgen bereits in einer sehr bedenklichen Weise fühlbar machen. Wenn das Kapital sich erst in neuerer Zeit mehr unserem Gewerbe zugewandt, so komme dies daher, daß viele andere Branchen bisher lohnender waren, jetzt aber ziemlich ausgebeutet sind. Redner weist nun bie verschiedenen Vortheile der Großproduktion durch die Hilfe des Kapitals nach und zeigt, wie der Arbeiter immer mehr ausgebeutet werde. Er erkennt die Konfektion als einen Fortschritt an, jedoch sei die Form zu bekämpfen, unter der sie heute auftritt. Verschiedene Berichte aus Genf, St. Gallen und Winterthur bieten ihm Veranlassung, darzuthun, wie die Großproduktion auch in der Schweiz immer mehr um sich greife und die Löhne in erheblicher Weise herabdrücke. So werden z. B. an den verschiedenen Orten in Konfektionsgeschäften, Zürich nicht ausgenommen, für Ueberzieher und Jaquets 3-4 Franken, für Vestons( Joppen) 2-3 Fr. und für kleine Stüde 14-1, Fr. bezahlt, und zwar stimmen sämmtliche Berichte in den Preisen überein. Daß wir in Zürich bald in der Lage sein werden, dies noch besser kennen zu lernen, dazu wird die von Winterthur am 1. Juni hierher übersiedelnde Kleiderfabrik ihr Möglichstes beitragen. " Der Vorstand des hiesigen Fachvereins beschloß deshalb in seiner letzten Sigung, die Spalten des Sozialdemokrat" auch einmal in Anspruch zu nehmen und namentlich den deutschen und österreichischen Kollegen ein Bild unserer Lage zu geben. Sobald die sogenannte Saison beginnt, werden alle größeren Städte der Schweiz in einer Weise von Arbeitskräften überlaufen, wie sonst nirgends, so daß ein großer Theil der Zugereisten, nachdem sie einige Tage überall vergebens ,, umgeschaut", gezwungen sind, entweder die Schweiz zu verlassen oder auf Konfektion, resp. in kleineren Städten oder Dörfern Arbeit zu nehmen. Diejenigen aber, denen das Glück hold" ist und die Arbeit in größeren Städten erhalten, sind bald bitter enttäuscht, indem die Arbeitslöhne durchaus nicht höher wie anderswo find, wogegen der Lebensunterhalt in der Schweiz ziemlich kostspielig ist und hier fast keine Werkstätten vorhanden sind, sondern Alles auf Plat" gearbeitet werden muß, wodurch dem Arbeiter nicht nur an seinem wöchentlichen Verdienst das zu zahlende " 1 Playgeld, sondern auch manche Arbeitsstunde durch Holen und Abliefern der Arbeit verloren geht. Daß nun aber die vielen ,, umschauenden" Arbeiter durchaus nicht dazu beitragen, den hiesigen Kollegen ihre Lage angenehmer zu machen, braucht wohl nicht erst näher ausgeführt zu werden, sondern wird am besten dadurch bewiesen, daß die Brutalität der Arbeitgeber hier oft eine derartige ist, wie man sie in Deutschland und Desterreich in den größeren Städten entschieden nicht findet, was alle Kollegen, die einmal in der Schweiz arbeiteten, bestätigen werden. Die Schweiz übt mit ihren Naturschönheiten eine starke Anziehungskraft auf Viele aus, doch ändern dieselben nichts an der sozialen Lage der Arbeiter, sondern tragen, infolge des starken Andranges, oft dazu bei, die sozialen Verhältnisse nur zu verschlimmern. Wir ersuchen deshalb alle ausländischen Kollegen, die Schweiz, und insbesondere Zürich, für die nächste Zeit thunlichst zu meiden, um uns die uns gestellte Aufgabe, nachstehendes Progamm durchzuführen, nicht zu erschweren. Programm des Schneider Fachvereins Zürich: Der Fachverein stellt sich in politischer und ökonomischer Beziehung vollständig auf den Boden des Programms der schweizerischen Arbeiterpartei und des Gewerkschaftsbundes und erstrebt in fachlicher Beziehung zunächst folgende Punkte: 1) Feststellung der Löhne auf der Höhe einer angemessenen Existenz und den örtlichen Verhältnissen entsprechend. 2) Abschaffung der Stückarbeit und Einführung eines angemessenen Minimallohnes, einerlei ob Maß- oder Konfektionsarbeit. 3) Einführung eines Normalarbeitstages von höchstens 10 Stunden. 4) Gleiche Bezahlung für Frauen- und Männerarbeit bei gleicher Dualität. 5) Erstellung der Arbeitsräume auf Kosten der Arbeitgeber und Unterstellung der Arbeitsräume unter sanitarische obrigkeitliche Kontrole. 6) Abschaffung aller Hausarbeit. 7) Regelung des Lehrlingswesens durch Errichtung von Lehranstalten für Lehrlinge unter Leitung tüchtiger Fachleute, die von den Arbeiterorganisationen zu ernennen sind. Die Kosten für die Anstalten sind vom Staat und der Kommune zu leisten. 8) Gewerbliche Schiedsgerichte zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. 9) Errichtung von unentgeltiichen Arbeitsnachweisbureaux in den Händen der Arbeiter, verbunden mit einer Lohnstatistik- Kommission. Jm Weiteren richten wir unser Augenmerk auf die Bekämpfung der Konkurrenz der Gefängnißarbeit, der schmutzigen Unterbietungen bei Ronkurrenzausschreibungen staatlicher oder privater Lieferungen( da dies nur auf Kosten der Arbeiter geschieht), sowie aller in unserem Fache vortommenden schädlichen Einrichtungen. Das Lokal des hiesigen Fachvereins ist im Cafe Reßler, Stüffihofftatt, wohin man alle etwaigen Korrespondenzen richten wolle. Alle auswärtigen Arbeiterblätter sind ersucht, von Vorstehendem thunlichst Notiz zu nehmen. Im Auftrage: Ludwig Witt, korrespondirender Sekretär. An die Poeten der Zunft. Und weiß ich, daß wir Eines Volkes Söhne, Kann ich mich nimmer doch zu Euch verstehn; Mir flingen fremdlich Eurer Leyer Töne, Wie kunstvoll auch im Bau die Worte stehn. Ihr singt so zierlich, wie man scherzt und weinet, Stellt Euch geblendet von der Freiheit Licht, Und Thoren meinen, daß Ihr's ehrlich meinet; Nehmt's meinethalben bös: Ich glaub' Euch nicht! Ihr sinket vom Parac vor Thronesstufen; In feilen Liedern, die vorherbestellt, Könnt leichten Sinns Ihr Hosiannah rufen, Wird Euer Name nur durchs Land geschellt. Ihr zählt nach Geldwerth Eurer Feder Striche; Steigt gar hinab zu schau'n des Volkes Noth, Entlehnt ihr Stoff und laßt sie dann im Stiche, Ihr träumt Unsterblichkeit und scheut den Tod. Wollt Ihr die Weihe in des Volkes Namen, Als seine Helden, seiner Geister Hag: Laßt ab mit Euren netten Modedramen Das Trauerspiel des Elends bleicht den Tag. Es gilt, den Lauf des Zeitgeists zu ergründen, Und was Ihr in den Tiefen dann erschaut, Gewissenhaft in alle Welt zu künden: Kampf Allem, das die Wohlfahrt Aller staut! Nur vorwärts! Steiget in des Volkes Gassen, Der Wahrheit Fackel traget in die Reih'n Der schwergeprüften, vielbetrog'nen Massen, Der hohen Muse Gunst verleiht Gedeih'n! Die Sprache, die die Wahrheit noch gesprochen, Die sich vom Herzen löst in kühnem Schwung, Lenkt auch die Herzen, die verwaist, gebrochen, Im Jrren schweifen, zur Vereinigung. Reißt auf die Gräber, leget blos die Wunden Und laßt die Todten warnend aufersteh'n! Ist man Euch taub, könnt Ihr getrost die Stunden Der flammenden Empörung kommen seh'n! Dann mit dem Volke seid dem Volke Retter, Sein wehend Banner fächle Euch das Haupt, Mit festem Griffe faßt's in Sturm und Wetter, Fallt oder siegt: Man hat Euch dann geglaubt! Gefängniß 3 widau. Sprechsaal. Petschmann ist mittlerer Größe, hat aufrechte, stramme Haltung, trägt gestuzten blonden Vollbart, ist mager. Augen: grau, stechender Blick. Trägt Zylinderhut und kastanienbraunen Taillenrock. Der, Unbekannte" ist mittlerer Größe, mittelblond, hat breite Stirne, trägt teckgewichstes Schnurrbärtchen, Zwicker umgehängt und macht den Eindruck eines Lebensfrischen, Fibers". Alter: 25-30 Jahre oder darüber. Man behalte diese Leute im Auge und berichte Wissenswerthes über ihr Treiben an unsere bekannten Vertrauensleute. Briefkasten der Redaktion: Br. Jonathan: Brief empfangen, vollkommen Ihrer Meinung. Antwort demnächst. H. Gr. Desgleichen und Gruß! Sz. in P.: Ein ditto und Inhalt vorgemerkt. J. D. in S.: No. 5 eingetroffen, besten Dank. Eingang von Korrespondenzen aus Chicago( Bl.), Magdeburg und Hartmannsdorf wird hier mit bestätigt. erh. der Expedition: P. G. Krzlng. Mt. 4- pr. Diätenfond dkd. M. K. Rthsn.: Mt. 3 30 Ab. 2. Du. u. Porto erh. Bfl. mehr Naute: Bf. v. 22/3. erh. Derartiges soll stets auch vom Vertrauens mann gegengezeichnet sein. Morgenroth N. Bestllg. erh. u. besorgt Bf. am 25/3. beantw. Pickelhaube: Remitton. v. 8/3. hier. Brief markenbeutel dkd. erh. H. Ntsche N.- York: Beschränkter Raum läßt R. Liège: Nota folgt heute Be und dar A. H. N.- York:( 30 Doll ber = nur periodische Ance. zu. Bestllg. folgt. Bitten Weiteres gut zu arrangiren. Dank. Fr. 253 15 à Cto. erh. Nachlfrg. fort. Bestllbrfe. hier. Weiteres nun mehr Sache der Vbhdlg. Schwäb. Heiland: Bf. v. 22/3. am 25 beantw. J. Strauß N.- Y.: Erbitten Namensnennung Derer, di über Unregelmäßigkeiten dorten klagen. Bis jetzt sind Sie der Einzige Antwerpener Gen.: Fr. 10 11/3., irrig auf Abonnement P notirt, sind nach Eingang der Karte dem Diätenfond dkd. zugew. G. R. Locle: Fr. 5 à Cto. gutgebr. von den Gen. pr. Diätenfds. dkd. erh. erh. Mülhausen i. E.; Fr. 13 Msche 3.: Fr. 10 à Cto G. 2. Wchn.: Mt. 3 26. 2 v. d. Eider: Mr. 100- à Cto. A6. 1. Du. erh. Weiteres richtig gestellt. Gewünschtes fort. Du. durch W. erh. R. 3ch.: Fr. 4 thur: Fr. 24 7/9. 27: Fr. 5 pr. Wfds. dkd. erh. pr. Wfd. durch N. dkd. erh.- Dtschr. Ver. Winter Ab. 1. Qu. pr. Baar u. Ggrchng. erh. Erzelfior L. Rrd Fr. 7 50 Ab. 2., 3. u. 4. Du. u. 40 Pfge. Porto erh. Fi Sch. H. D. Mt. 4 30( nicht Odrf: Mt. 90 erh. Bf. erwartet. Der Bekannte: Mt. 100 à Cto re Mr. 440) Ab. 2. Du. erh. Buenos- Aires: Fr. 200 v nich Ab. 2c. erh. Adr. baldigst erwartet. d. Genossen pr. Wfds. dkd. erh. A. 2. B.- Aires: Fr. 50 à Eto ner Ab. 2c. erh. Bstllg. fort. Lebensgroßes Bbild v. Mr. u. J. gibt's nicht er Turin: 6 Lire 50 v. 5 P.- Gen. pr. Diätenfds bred Mehrbstllg. notirt. dkd. erh. A. H. Trn.: Fr. 3 50 Ab. 2. Du. Schft. u. Porto erh. Unversöhnlicher: Mt. 120 à Cto. Ab. u. Schft. erh. Adr. u. Bstllg besorgt. Adelbert: Bf. v. 21/3. hier, aber noch immer kein Auf schluß, ob Th. direkt ab hier oder indirekt bedient sein will. Blanc: Beides von uns. Nota folgt. Weiteres bfl. Otto Vorwärt Jammerthal: Postkarte kreuzte mit unserem Bf.- Kruzifir: Mt. 200 baar à Cto. u. Mr. 22 pr. Verl. gutgebr. Adr. notifizirt. pr. P.26/3. Näheres. G. D. Paige: Fr. 5 Ab. 2. u. 3. Du. erh. Gutsmann Basel: Fr. 5- à Cto. erh. Hannibal: Adr. gelöscht. Anzeigen. Warnung. 2 Bet T in C wod wir to Da gegen den Kaufmann Sigmund Friedemann auf Berlin( Ausgewiesener) schon längere Zeit der Verdacht der Polizei spigelei bestand und dieser Verdacht in letzter Zeit bedeutende Nahrun wi gewann, hat der unterzeichnete Verein eine Kommission gewählt, di di nach Prüfung des ihr vorliegenden Materials einmüthig zu der Ueber zeugung gelangte, daß der p. p. Friedemann zu der Polizei Beziehungen stehe. Der Verein hat demgemäß in seiner legten Sigung beschlossen, dem selben den Besuch des Vereinslokals zu untersagen und alle Genossen insbesondere die übrigen Deutschen Vereine in der Schweiz, vor dem selben zu warnen. Signalement: Statur: groß und breitschultrig, doch nicht dick; Höhe jett etwa 1,80 m. Gesicht länglich mit scharfgebogner Nase; Kopfhaar schwar und dünn, etwas gekräuselt; starke Stirnglage mit einer sehr bemer hau baren runden dicken Warze. Er trägt in der Regel nur schwarzbraune ein Schnurrbart, bisweilen auch kurzen Backenbart oder kurzgeschnittene zu Vollbart. Dialekt: speziell berlinisch. Zeigt zudringliches Wesen m zur Schau getragener Gutmüthigkeit. Zürich, 10. März 1884. Deutscher Verein, Eintracht." In unserem Verlage ist erschienen: A B C des Wissens für die Denkenden. Von Dr. A. Douai. Dritte unveränderte Auflage. Preis: Bei Einzelbezug für die Schweiz und Ausland: 30 Cts. S biel fie unb um bac fach heut nen storl Bef falle mög bie weif nich: tisch Ultor. Bernhard Hunger, Maler aus Pieschen bei Dresden, oder webenu sonst über ihn und seinen jetzigen Aufenthaltsort Auskunft zu gebe 2 vermag, ist wegen Todesfall des Vaters desselben ersucht, di selbe baldigst an Frau Hunger in Pieschen bei Dresden zu schicken. gefa Daß fich 9 Aus Frankfurt am Main und Basel meldet man uns zur Veröffentlichung: Der Schneider Lederer aus Desterreich, jetzt in Basel, wurde aus Frankfurta/ M. unter sehr zweifelhaften Umstä nden, ausgewiesen", nachdem er sich eine vorausgegangene Haft selbst zugezogen hatte. Der Schneider Petschmann, zur Zeit in Basel, früher gleichfalls in Frankfurt a/ M., will vom Polizeirath Rumpf ,, verschiedene tausend Mark" versprochen bekommen haben, wenn er in seine Dienste trete, was er jedoch ausgeschlagen. Dies und der Umstand, daß er in Frankfurt vor seiner Abreise Gerüchte aussprengte, die ihn als politischen Schwindler oder, Ma cher" bedenklichster Sorte erscheinen lassen, genügt, um ihn überall dementsprechend abzuweisen. Hüte man sich vor diesen Leuten, mit denen neuerdings ein dritter ,, Unbekannter" verkehrt, welcher den allerdings vergeblichen Versuch machte, von der Frau eines Parteigenossen in dessen Abwesenheit gewerkschaftliche Briefschaften zu erlangen. Eifriges Verläum den von bekannten Sozialdemokraten angeblich um eine ,, Vereinigung" anzubahnen-, fleißiges Schimpfen auf den Sozialdemokrat"( den Petschmann gar nicht oder nur selten zu Gesicht bekam), auffälliges Renommiren mit dem Anarchismus kennzeichnen die Genannten zur Genüge als Leute, vor denen man sich hüten mag. Signalement: Lederer ist schwarzhaarig, trägt schwarzen Schnurrbart. Augen: dunkel; hat stechenden Blick. Spricht fließend. Alter: 35-40 Jahre. " " " Deutschland: 30 Pfg. Volksbuchhandlung. Bei größerem Bezuge entsprechender Rabatt. Expedition des Sozialdemokrat. Hottingen- Zürich. Aufruf. Für Korbmacher, welche die Schweiz bereisen wollen, dieoe zur Nachricht, daß sie begro Unterzeichnetem fortwährend, Winter wie Sommer, Arbeit finden, au geschlagene sowie auf feingekreuzte und gezöpfte Kinderwagenkörbe. Hohe Lohn zugesichert. J. Schneider, Korbfabritation en gros, fein Kollbrunn bei Winterthur. 2,50 Sein bestassortirtes heig gege liche Ame Lager sämmtlicher bekannter deutscher und beite englischer sozialdemokratischer Schriften empfiehlt zum Verkauf Länk gan ichön 2 ber Arbe Arbe [ 1.00] Herrmann Nitsche, 548, 9. Ave, New York City. Sozialistische Arbeiterpartei Amerika. Sektion New- Yort. Sigung des Zentralfomites jeden Dienstag Abends 8 uhheh Ame in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres ftetläg! ,, New- Yorker Volkszeitung". Schweizerische Genossenschaftsbuchdruckerei Hottingen- Zürich. 2 artic tn