Erscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Dertag drr Nolksbuchhandlvng Höningen- Zürich. poSscadullgt« franko gegen franko Gewöhnliche Briefe »ach der Schweiz kästen Doppelporto. Der ialdemckwt Avonnemcnts werden bei allen Ichweizertschen Postbureaux� sowie beim Verlag und dessen b-kannien Annten entgegengenommen, und zwar zum voran», ahlbar rn Vierieljahripreiz von Fr ll— für dieSidwe>z skreuzband) V!l S— filr Deutschland(Couvert) sl. 1.70 siir Leslerreich««ouveri» Fr. 2 so sllr all- iidrtgen Llinber de» W-ltpofidereinb(lkreuzband). Inserate die dceigeibaliene Petitzeile 2» CtS. 20 Psg. 16 Ilonnerffag. 17. April. ism Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„Sozialdemokrat." Da der.Eozialdemokrai' sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bez«.»ersolgt wird und dr» dortigen vehbrden fich alle Miihe geben, unsere Verbindung-» nach jenen Lilndern mbglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an unb »nd unsere Z-iiungg. und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverlehr nothwendig und darf leine Borsichtsmaßregel v-rsaumt«erden, die Brtefmarder über den wahren Absender und Empsänger, sowie den Inhalt orr Sendungen zu täusch-n und lehtere dadurch zu schützen Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freundrso selten al« n-iiglich an den.Sozialdemolrat'. resp. dessen Verlag selbst adresiiren, sondern sich mSglichst an irgend eine unvirdächtigt Adresie außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Vlrbmdung setzt z anderseits aber, daß auch uns mbglichst unverfängliche Zustellungiadresien mitgetheilt werden. In Iweisclhaften Fällen empfiehlt sich behos« größerer Sicherheit Relommandirung. Soviel an unS liegt, werden wid gewiß weder Miihe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Sozialdemokratie und die Ordnungs- �; Parteien. (Zu den Wahlen. I.) In wenigen Wochen vielleicht, jedenfalls aber noch vor Ablauf Alp dieses Jahres, wird unsere Partei auf's Neue sich im Wahltamp f Zu erproben haben. Aber es wird nicht ein Kampf sein, wie steh« er von Rechtswegen sich vollziehen sollte, kein Kampf auf freier Bahn für Alle, sondern man wird der Partei der Ausgebeuteten —.1 und Unterdrückten, die ohnehin über keine anderen Waffen als die Güte ihrer Sache verfügt, jede offene Manifestirung ihrer b Grundsätze unmöglich zu machen suchen, man wird es uns ver- wehren— soweit die Macht unserer Widersacher reicht— un- mittelbar zum Volke zu reden, man wird uns verleumden, unsere Bestrebungen vor der Menge fälschen, ohne uns Widerlegung zu > gestatten. In der That, ein schwerer Kampf ist's, den wir wagen— das Bild von dem Zweikampf des gänzlich Unbewaff- _ ,1 neten mit einem Gegner, der mit allen Mitteln der modernen KriegStechnik ausgerüstet ist,.ist noch zu mild dafür: dem Un- " bewaffneten, dem mittellosen Proletarier, sind außerdem auf Schritt »<,. Tritt Fallstricke und Fußangeln gelegt— aber, ob auch Ken- to'e Summen die Gefahr mag über uns zusammenschlagen, wir ' iutreten freudigen Muthes in den Kampf ei», überzeugt, daß Unsere Sache mit Ehren auS ihm hervorgehen wird. Wenn wir nun, abgesehen von den WahIflugblSttern, wenig i Gelegenheit haben werden, den Wählern den Nachweis der Be- i rechtigung unserer Bestrebungen ausführlicher zu entwickeln, so dürste sich dagegen unfern Genossen wenigsten« manche Gelegen- heit bieten, unfern Gegnern in offener Versammlung entgegen- treten und ihre Programme, ihre Bestrebungen und ihr w i r k- licheS Verhalten vor der Oeffentlichkeit zu charakterifiren. Eine solche Gelegenheit darf nie versäumt, muß in jeder Beziehung von unS ausgenutzt werden; die Güte unserer Sache ist der Panzer, an dem alle Angriffe der Feinde auf unsere Partei ab- prallen, unser Programm das Schild, das wir ihnen entgegen- «!• stellen, dir Schwäche ihrer Argumente, der innere Widerspruch ihrer hochtönenden Versprechungen'mit ihrem thatsächlichen Wirken, ihrer Darstellungen der gesellschaftlichen Verhältnisse mit dem wirklichen Stand der Dinge, ist ihre Achillesferse: da sind sie stirblich, da hilft ihnen die schönste Rüstung nicht, da müssen wir sie zu treffen suchen. Nichts ist gefährlicher im politischen Kampfe, al« die Sucht, Zu übertreiben. Jede falsche Anschuldigung ist vom Uebel, sie schwächt die Wucht der begründeten Angriffe. Gewandte Dema- gogen, wie sie unfern Gegnern in großer Anzahl zur Verfügung stehen, wissen ihre Antwort dann stet« so einzurichten, daß sie out. diesen einen vielleicht ganz unbedeutenden Punkt in den Vorder» grund schieben und an ihm die Haltlosigkeit der ganzen Angriffe zu beweisen suchen. Darum sollten unsere Genossen überall da- rauf sehen, ihre Angriffe zu konzentriren auf das Wesen und das Wesentliche, und wenn sie Nebensächliche? mit in vfvge ziehen, diesen gegenüber nicht die Hauptsache selbst in den Hintergrund treten lassen. Mit Thatsachen müssen wir unfern Gegnern entgegentreten, über die Wucht der Thatsachen hilft die glänzendste Rede nicht hinweg. Im nachstehenden und den folgenden Artikeln wollen wir daher versuchen, den Genossen für dm bevorstehenden Wahlkampf einige« Material an die Hand zu gebm. »Die Sozialdemokratie und die Ordnungsparteien" lautet die Ueberschrift unsere» Artikel», und da» ist zugleich die Signatur de« politischen Kampfe» in Deutschland. Alle übrigm Parteien, wie man sie auch nmnen, und was sie auch auf ihre Fahne schreiben mögm, tretm un« als O r d n u n g S Parteien, das heißt als Parteien der bürgerlichen Ordnung, gegenüber— von der„demokratischen" Volkspartei bis zu den konservativm Agra- riern und ihrem christlich-sozialm Anhängsel. Die bürgerliche Ordnung gilt gewissermaßen al« da» Schiboleth de« Kampfes, da« Unterscheidungsmittel, an welchem man in kritischer Situa- tion Freund und Feind unterscheidet. Und es ist in der That ein gute» Unterscheidungimittel— sobald man das Wort nur richtig versteht. Wie das Wort Bürger, so hat nämlich auch da» Wort bür» gerliche Ordnung einm Doppelfinn, dm unsere Gegner sich sehr gerne zu Nutze machen. Bürger find wir im gewissen Sinne Alle als Angehörige eine» mehr oder minder großm Gemein« wesm», ja wir nmnen un» wohl auch mitunter Weltbürger, und in diesem gleichen Sinne kann man auch von bürgerlicher Orb- »ung reden, al» von irgend einer allgemein anerkannten Ordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Es springt nun sofort in die Augen, daß es geradezu kindisch- ist, uns von diesem Gesichts- Punkt auS OrdnungLfeinde zu ner.ien. Wenn wir Feinde der bestehenden Staatsordnung sind, sy sind wir deshalb noch nicht Feinde jeder gesellschaftlichen Ordnung überhaupt. Hier liegt also das entscheidende Moment nicht; denn sonst wäre jeder ein Ordnungsfeind, dem irgend etwas an der heutigen Staat»- und Gesellschaftsordnung nicht gefällt. Das wissen unsere Gegner auch sehr wohl, aber trotzdem wählen sie diese Bezeichnung, weil sie sich im Nothfall hinter den anderen Sinn desselben flüchten können. Bürgerliche Ord- nung heißt aber auch die Ordnung der modernen bürgerlichen, das heißt auf Ausbeutung deS Menschen durch den Menschen beruhmdm Gesellschaft. Und diese bekämpfen wir allerdings bis auf's Aeußerste; ja, hier drehen wir den Spieß um und machen die Frage,„ob Anhänger der bürgerlichen Gesellschaftsordnung" n unserem Schiboleth. Und da finden wir das erste und zugleich daS w esent- lichst e Unterscheidungsmerkmal unserer Partei vor allen übrigen Parteien. Alle stehen sie, wie gesagt, auf dem Boden der modemen, kapitalistischen Ausbeutergesellschaft. Was sie unter- einander trennt, sind Jnteressenfragm mannigfachster Art, aber in der Einen Frage der Ausbeuterfreiheit sind sie sämmilich einig. Man lasse sich nun nicht durch ihre Schlagworte täuschen. Wenn man z. B. so einen erzkonservativen Agitator gegen den Kapitalismus und das Manchesterthum deklamiren hört, so möchte wirklich Mancher meinen, daß er einen Erzfeind der Bourgeoisie vor sich habe, wie er grimmiger nicht gedacht werden könnte. Aber weit gefehlt, der Mann würde das bürgerliche Eigenthum, das Recht auf Ausbeutung, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln vertheidigen, wenn es wsMch und allgemein in Gefahr stünde. Der Junker auf dem Lande ist heute so gut Bourgeois als der Fabrikant oder der Kaufmann in der Stadt. Er wirth- schaffet nach denselben kapitalistischen Grundsätzen wie dieser, gleich ihnen betrachtet er die Masse der Besitzlosen al» von der Vorsehung zum Ausgebeutetwerden bestimmtes Arbeitsvieh. Der Kampf zwischen mobilem und immobilem Kapital, wie man den Kampf zwischen Grundbesitzern einerseits und Handelsinteressenten anderseits genannt hat, ist keineswegs ein grundsätzlicher; er ist nichts als ein häuslicher Zwist, und wer wüßte nicht, daß gerade bei einem solchen daS Geschrei um so größer, je weniger die Parteien sich ernsthaft etwas zu Leide thun wollen. Die Deklama- tionen des konservativen JunkerS über den herzlosen Manchester- mann sind so wenig ernst zu nehmen als die Tiraden irgend eine» fortschrittlichen Demokraten über die mitttelalterlichen Ten- denzen der Agrarkonservativen. Den Herren Agrariern fällt e» gar nicht im Traum ein, das Mittelalter wiederherstellen zu wollen; das liest sich unter Umständen in Programmen sehr schön; ernsthaft kann aber nur ein vertrockneter Bücherwurm, ein Pfaffe oder sonst ein Ideologe auf solche absurde Ideen kommen. Die Herren Grundbesitzer denken ganz praktisch, sie suchen ihre Privilegien natürlich möglichst zu erhalten, im Uebrigen betreiben sie das Handeln, Spekuliren und über den Löffelbarbierm mit demselben Eifer wie der jüdischste aller Börsenjobber, wenn auch nicht gerade immer mit demselben Geschick. Stöcker, der christlich- soziale Apostel, ist eingestandenermaßen Anhänger der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft, die noch ihm ja die göttliche ist. Er und seine Freunde schimpfen auf den Kapitalismus in der löblichen Absicht, denselben um so besser zu schützm. Da« fängt auch die Fabrikantenwelt, soweit sie nicht freihändlerisch, nachgerade an, einzusehen, so daß Stöcker z. B. nicht nur bei den konservativen, sondern auch bei den Nationalliberalen immer mehr Freunde findet. Wir gönnen ihm diesen Erfolg, er mag ihn über das Schwinden seines Anhange» in Arbeiterkreisen trösten. Weiter in Einzelheiten einzugehen, wird Sache der nachfol- genden Artikel sein. Für heute genügt es un», auf da» Haupt- merkmal hingewiesen zu haben» welche? un« von der Gesammt- heit unsrer Gegner trennt. E» lautet: Stehst Du auf dem Boden der kapitalistischen Produktionsweise, der Ausbeutung de» Arbeiter» durch den Befitzenden, der Herrschaft de» Privateigen- thums an Arbeitsmitteln und Arbeitswerkzeugen? Bist Du da», so magst Du so schöne Reden halten al» Du willst, so edle Absichten haben, als nur je Einer gehabt, Du bist doch nicht unser Mann, kannst unser Mann nicht sein, dmn Du willst Fortdauer der ökönomischen Ausbeutung de» Arbeiter», die Ursache des Elend» und der Knechtschaft in allen ihren Formen. Die Kehrseite der MedaMe. (Eingesandt.) E,t modus in rebus! Alles hat sein Maaß und Ziel! Es gibt Menschen, die wohl die Angst um ihre Privilegien und Vor- rechte, die bange Sorge um ihre Schätze, ihre Kapitalien, ihre Land- Häuser und Equipage kennen, aber Zorn über Schändlichkeiten, den ge- waltigen Zorn über Vorgänge, wie sie die moderne Entwicklung gezeitigt, als eine thSrichke Grille empfindsamer Schwäche belachen. Seht sie nur an, diese feinen, hochgebildeten und sehr intelligenten Herren! Wenn der Hungerleider zum Betrüge oder zum Diebstahle fich verleiten läßt, wenn der in einer Nmgebung von Rohheit und Sittenlofigkeit heran- gewachsene Proletarier Beweise von Rohheit und Sittenlofigkeit abgibt, so entbrennen sie in tugendhaftem Eifer und für das gemeine Menschen- pack wissen sie von keiner Gnade. Wie sollten sie aber zürnen über die schändlichen Ungerechtigkeiten, welche der Habgier der Bevorrechteten entstanimen? Daß sie Narren wären I— da weiß man stets durch„höhere Rücksichten", durch „zwingende Nothwendigkeiten" zu überzuckern und entschuldigen. Wohl fangen auch sie an, Nnrath zu wittern, wenn sie die tolle Wirthschast unserer Tage mitansehen, und unheimlich legt sich oft die Angst an ihr ver- krüppeltes Herz. Aber der gesunde Zorn des ehrliebenden, redlichen Mannes wacht in ihnen nicht auf. Da sind sie zu entnervt, zu elend, als daß sie hochgestellten Frevlern zürnen und Schurken in Amt und Würden hassen könnten. Es blendet oft unsere Augen und man staunt oft ob der Fortschritte der menschlichen Arbeit, ob der Leistungen des Arbeiters, beim Anblick der wunderbaren Werke seiner Hand und der Schöpfungen seines Geistes. Aber was ist es, das den Aufschwung solcher Geister hemmt? Was zerstört sofort die Illusion von der Aera des Fortschritts und dem Zauber der Arbeit, und setzt uns unsanft auf dieser unvollkommenen Erde nieder? Oft hört man staunend den Ausspruch: Ach wie fein ist dieses Ge- spinnst! Ja wohl,— aber die bleiche Spinnerin und der leichenhaste Spinner vermögen an ihrer Maschine nicht den eigenen Lebensfaden vor vorzeitigem Reißen zu schützen. Und jenes Gewebe, wie kunstvoll und wie schön! Ganz recht,— aber an seinem Stuhle verhungert der arme Weber. Und jene Tausende glänzender und prachtvoller Produkte der Industrie— von welchem Scharfsinn, von welcher Kunstfertigkeit, von welchem oft riesenmäßigem Flciße zeugen sie! Aver hinter diesen Tan- senden glänzender und prachtvoller Dinge gähnen die hohläugigen Ge- spenster der Armuth, des Hungers, der Krankheit, grinst die Verzweif- lung, das Verbrechen, der Tod hervor! Jüngst betrachtete ich am Eingang eines Fabrikpalastes jene Schaaren von Männern, Weibern und Kindern, wie sie sich an den Eingang drängten und mit ihren leichenhaften Gesichtern einem frühen Grabe entgegeneilten. Wahrlich, aus diesen Tausenden hohler Augen fiel ein entsetzliches Licht auf die Pracht und Herrlichkeit unserer Tage zurück. Ich sah Frauen ohne Ann, junge Mädchen mit Krücken, und Schwind- süchtige in erschreckender Zahl, eine Anzahl Knaben und Mädchen von ungefähr 16 bis 20 Jahren mit verkrümmten Gliedern, welche all« ihre kranken Körper unter Wehklagen zur Arbeit schleppen, um dem Gott der Industrie ihren Tribut zu bezahlen. Wohl hat der Mensch Erstaunliches geleistet, und tausend Künste ver- künden seinen Ruhm. Aber dem prunkenden Gott der Industrie werden Menschen zum Opfer geschlachtet, auf empörendere Weise und in unend- lich größerer Zahl, als sie je der Aberglaube seinen Götzen geschlachtet hat! All' diese Pracht, all' diese Herrlichkeiten werden zu Schanden vor dem Wehklagen, vor den nagenden Sorgen, vor dem Elend, unter dem die kunstfertigen Arbeiter und Arbeiterinnen zu Grunde gehen! Wahr- lich, solche Paläste zeugen lauter von des Menschen Niedrigkeit als von seinem Scharfsinn und seiner Weisheit! Was hat man geleistet in der größten und wichtigsten aller Künste? In der Kunst, die gesellschaftlichen Zustände zu ordnen und diejenigen, die da arbeiten, an den Segnungen der Kultur und Zivilisation Theil nehmen zu lassen? Nichts, wenigstens nichts Nennenwerthes. Niemand fragt darnach ob der Arbeiter zu leben hat oder vor Hunger umkommt. Nieniand fragt darnach, wenn Mädchen und Knaben aus Geldgier zusammen- logiren und die schauerlichsten Zustände obwalten. Wenn Mann und Frau an der Arbeit, und die Kinder ohne alle Pflege und Erziehung sind, wenn bei Tagesanbruch die Kinder aus dem Schlafe gerüttelt und wie eine widerwärtige Last in Schnee und Regen von Haus zu Hau» geschafft und erst bei Nacht dem Strohlager des Elends wieder über- geben werden! Einen schlagenderen Beweis für die verruchten Zustände in mancher Fabrik gibt es nicht, als den Umstand, daß oft 600—700 Arbeiter beiderlei Geschlecht in einem Saal zusammenarbeiten, von denen viele mit ansteckenden Krankheiten behastet sind— unter Mitwissen gewisser Herren Aerzte, welche der guten Einnahme wegen schweigen, und sich dem Geldsack verkaufen. Während der Arbeiter oft kaum das Salz zu seinen Kartoffeln hat, residiren die Herren Aktionäre auf ihren Landsitzen. Hat doch ein uns bekannter Aktionär als Jahresantheil Hunderttausend Mark erhalten. Während der Arbeiter, nicht selten sogar Familienväter mit mehreren Kindern, nur 11 oder 12 Mark pro Zahltag verdient und unter Hunger und Kummerthränen sich abmüht, haben uns bekannte Geranten eine Einnahine von 40,000 Mark nebst ganz freier Station, prunken nebst den Herren Direktoren in den Bädern und lassen den Champagner in Strömen fließen. Unverheirathete Frauenzimmmer sind schutzlos den Prellereien überlassen und durch bittere Roth gezwungen, die Schönheit wie eine Waare feilzubieten. Den sorgenden Eltern ist es nicht möglich, ihren Kindern die heilige Jugendzeit zum Lernen und Spielen, zur geistigen und körperlichen Entwicklung zu überlassen. Die verwaisten Kinder werden für einen Hungerlohn den Händen Armer übergeben und die erkrankten Arbeiter werden den Leihhäusern mit ihren dreizehn Prozenten, diesen Schandsäulen unserer zivilisirten Welt, preisgegeben, wo der hungernde Arme auf seinen letzten Rock 13 Prozent Zinsen geben muß. Nur der Wahnsinn der Gewalt und die Tollheit der Menschenver» achtung kann die Erhaltung solcher Zustände wünschen. Wir sehen in der Umgestaltung, die der Vernunft, dem wahren Recht, der Wohlfahrt Aller entspricht, das einzige Radikalmittel gegen diese Krebsschäden der Gesellschast. Wir wissen, daß Almosen, Armenhäuser und Suppen- anstalten, daß der ganze Apparat Eurer Mildthätigkeit schlechte Palliativ- mittel sind, die das faule Fleisch am kranken Körper verdecken, aber nicht heilen, die Krankheit gefählicher machen aber nicht beseitigen, und sind der Herbeikunft einer Zeit gewiß, die es gestatten wird, Euren ganzen Plunder zum Fenster hinauszuwerfen. Daher geht mit Euren Herrlichkeiten! Sie sind nicht schön, sie zeugen nicht von Weisheit und Verstand, so lange an ihnen die Thränen des Unglücks und der Fluch der Verzweiflung hasten. Geht mit Eurem eiteln Ruhm der„weit sortgeschrittenen Zivilisation! Ein fränkische»Weber. Der Idealismus und der Materialismus in der Geschichte. Aus einem Vortrage Paul Lafargue's, gehalten in dem Corols de Bibliotheque aocialUte zu Paris. Um für die mannigfachen Vorgänge in Natur- und Menschenleben eine Erklärung zu finden, haben die Menschen anfänglich, statt die Ursache in der Bethätigung der Kräfte der Materie zu suchen, ihre Zuflucht zu Wesen genommen, die nur in ihrer Einbildung existtrten. Das aber hieß nicht die Schwierigkeit dieser Erklärung lösen, sondern sie nur zurückschieben, ja«in» neue Schwierigkeit schaffen. So sah sich denn der menschliche Geist vor die Aufgabe gestellt, die verschiedenen Religions- und philosophischen Systeme, die jeweilig den Menschen zum Verständniß der Welt gedient, nacheinander umzustoßen. Zerstören, um wieder auf- zubauen, ausscheiden, um wieder zusammenzuführen, das ist die wesent- liche Bedingung alles sozialen und individuellen Lebens. Alle Ereignisse des individuellen Lebens(Geburt, Reise, geschlechtliche Verbindung, Krankheiten, Tod) standen bei den Urvölkern unter der Kontrole eingebildeter Wesen; die katholische Religion, die wenig erfun- den und wenig zerstört, aber viel verwischt hat, hat die heidnischen Götter in religiöse Zeremonien(Sakrament der Taufe, der Kommunion, der Ehe, der letzten Oelung) umgestaltet. Götter hatten seinerzeit die Sonne zu lenken, den Sturm zu entfesseln, den Blitz zu schleudern; die mono- theistischen Religionen haben diese vielfachen Attribute in die Hand eines einzigen Gottes zentralisirt. Aber der Mensch»rauchte auch eine Erklärung für die gesellschaftlichen Erscheinungen, die ihn noch härter ttafen als die der Natur. Auch hier ward derselbe Prozeh vorgenommen. Götter waren es, die die Menschen aus dem irdischen Paradiese verjagt und sie zur Arbeit und zu Leiden verurtheilt hatten. Die Blüthe und der Verfall der Reiche ward von der göttlichen Vorsehung bestimmt. Um zu zeigen, wie Diejenigen den Gang der historischen Entwicklung erklären, welche ihre Zuflucht zu dem Eingreifen irgend einer imaginären (nur in der Einbildung existirenden) Persönlichkeit nehmen, gibt es kein besseres Beispiel als B o s s u e t' s Vorträge über die Universalgeschichte, eine der hervorragendsten religiösen Theorien der Weltgeschichte. Für Bossuet, wie für die Idealisten aller spiritualistischen Schulen, sind es nicht die materiellen Lebensbedingungen und Bedürfnifle sowie die Jnter- essen, die Leidenschaften und Triebe, welche dieselben zeitigen, die Men- schen und Völker in Bewegung setzen, sondern ein Gott ist es, der sie anstachelt und sie durch Wege, die nur ihm bekannt, zu einem Ziele führt, von dem sie selbst keine Ahnung haben. Der Gott, den Bossuet sich fabrizirt hat, bedient sich„der Assyrer und Babylonier, um das jüdische Volk zu züchtigen, der Perser, um es wie- der aufzurichten; Alexander's und seiner ersten Nachfolger, um«s zu beschützen; Antiochus des Großen und dessen Nachfolger, um es zu üben, der Römer um seine Freiheit zu erhalten.— Bis auf Jesus erhielten sich die Juden unter der Herrschaft der Römer; als sie denselben ader ver- kannt und gekreuzigt hatten, liehen dieselben Römer ganz unbewußt der göttlichen Vorsehung ihren Arm und rotteten dieses undankbare Volk aus. Gott, der beschlossen hatte, in derselben Zeit ein neues, aus allen Nationen zusammengesetztes Volk zu schaffen, vereinigte erst Länder und Meere zu einem großen Reich. Der Verkehr so vieler verschiedenen Völker unter einander, die, bevor sie der römischen Herrschaft unterworfen waren, nichts von einander gewußt hatten, war eines der wirksamsten Mittel, deren sich die Vorsehung bediente, um dem Evangelium Verbreitung zu verschaffen." Vico bemerkt in seinen„Grundzügen zu einer neuen Wissenschaft" sehr sein, daß die Griechen, in der Furcht, sich die Götter zu Feinden zu machen, wenn fle Sitten hegten, die den Sitten dieser widersprachen, nichts einfacher fanden, als ihren Göttern ihre eigenen, nicht allzu sau- beren Gewohnheiten beizulegen. Bossuet hatte gleichfalls eine heilsame Furcht vor seinem Gott, der die Reiche so flott umstürzte; und um Gnade vor seinen Augen zu finden, verlieh er ihm den gleichen Knechtssinn, der ihn beseelte.„Ich wage es ohne Scheu, Ihnen zu versichern", sagte er zu seinem königlichen Schüler(dem Sohn Ludwig's XIV. von Frank- reich),„daß es Ihre Vorfahren sind, die von allen Königen am deut- lichsten in den berühmten Weissagungen der Bibel vorherverkündet wor- den sind."*) So hat Gott also, um die Päpste in Rom zu installiren und Ludwig den Vierzehnten zu verherrlichen, die Erde mit Ruinen bedeckt und das Menschengeschlecht mit unsäglichen Leiden überhäuft. Das ist die noth- wendige Schlußfolgerung, auf welche eine der bedeutendsten religiösen Auffassungen der Geschichte der Menschheit hinausläuft. Wollte ich mich der Methode Boffuet's, welche die der Idealisten überhaupt ist, bedienen, so könnte ich leicht beweisen, daß Gott die fürch- terlichen Zerstörungen in der Weltgeschichte nur vollzogen hat, um den Ehebruch zu ehren und die Alphonse**) zu begünstigen. In der That, welchen Menschen erwählte Gott von allen Kindern der Erde als Stammvater seines auserwählten Volkes, als Urahn jenes glorreichen Geschlechts von Königin, unter denen ein David, ein Salomo glänzen und deren Reihe mit Jesus Christus abschließt, dem Sohne Gottes? Abraham, einen Alphons. Man höre, was die heilige Schrift darüber erzählt, jenes Buch, dessen Verbreitung eines der größten Werke der göttlichen Vorsehung ist? In dem Lande, welches Abraham bewohnte, war Hungersnoth aus- gebrochen, und er zog deshalb nach Egypten; ehe er jedoch seine Reise antrat, sagte er zu Sarah, seinem Weibe— ich zitire wörtlich, die Stelle ist eines Naturalisten der Zola'schen Schule würdig: „Liebe, so sage doch, Du seiest meine Schwester, aus daß mir's desto besser gehe um Deinetwillen, und meine Seele bei dem Leben bleibe um Deinetwillen. „Als nun Abram in Egypten kam; sahen die Egypter das Weib, daß sie sehr schön war. „Und die Fürsten des Pharao sahen sie, und priesen sie vor ihm. Da ward sie in des Pharao Haus gebracht. „Und er that Abram Gutes um ihretwillen. Und er hatte Schafe, Rinder, Esel, Knechte und Mägde, Eselinen und Kameele."***) Der heilige Erzvater fand diese Methode, Esel und Sklaven beiderlei Geschlechts zu erwerben, so angenehm, daß er rückfällig ward; als er auszog, Gerar zu bewohnen, das zwischen Kades und Sur gelegen, sagte er, von seinem Weibe Sarah: Es ist meine Schwester. Da sandte Abi- melech, der König zu Gerar, nach ihr und ließ sie holen"--- „Da nahm Abimelech Schaafe und Rinder, Knechte und Mägde, und gab sie Abraham; und gab ihm wieder sein Weib Sarah. „Und er sprach zu Sarah: Siehe da, ich habe Deinem Bruder tausend Silberlinge gegeben."�) Man glaube ja nicht, daß die Geschichte der anderen Völker nicht eben so sichere und unwiderlegliche Zeugnisse des göttlichen Willens ent- hielt«. Im Gegentheil, es war Gottes Wille, daß die großen Zusammen- stoße der Völler durch eheliche Un— fälle herbeigeführt wurden. Der Kampf zwischen Griechenland und Asien, der mit dem Trojanischen Krieg begann und sich bis zur Eroberung Asiens durch Alexander hinzog, hatte als Ausgangspunkt die galante Liebesaffäre zwischen der schönen Helena, der Gattin des Königs Menelaus, und dem Schäfer Paris, und nahm ein Ende, als der mazedonische Feldherr die zahlreichen Frauen des Königs Darius annektirte. Die Römer, denen Gott das Weltreich anvertraute, wurden erst das Volk seiner Liebe, nachdem sie den Sabinern ihre Frauen geraubt hatten. Als sie dann, berauscht von ihren Erfolgen, die antiken Sitten in Ver- Offenheit gerathen ließen, erweckte Gott, um sein korrumpirtes Volk zu regeneriren, Cato, den sittenstrengen Cato, in dem die Tugenden Abra- hams wiederauflebten, und der dem Redner Hortensius für ein Sümmchen Geldes sein Weib lieh. Im MittelaUer waren die Feudalherren, welche das Recht der ersten Nacht nach Belieben ausübten,„von Gottes Gnaden" die Ersten im Rathe der Nation; heute sind es die Bourgeois, die, nicht zufrieden, *) Bossuet,„Vorträge über die Universalgeschichte." 3. Theil. 1. Kapitel. »*) So nennt man in Frankreich die Biedermänner, die von den Reizen ihrer Frauen oder„Geliebten" leben. Wir behatten diesen Ausdruck bei, weil uns in Deutschland zwar nicht die Sache, wohl aber der natio- nale Ausdruck dafür fehlt. ***) 1. Buch Moses, Kap. 12, Vers 13— IS. -f) 1. Buch Mose, Kap. 20, Vers 2, 14 und IS. das Recht der ersten Nacht gegenüber ihren weiblichen Fabriksklaven aus- zuüben, diese noch zwingen, ihre ungenügenden Arbeitslöhne durch die traurigen Löhne der Prostitution zu ergänzen— welche Gott auserwählt hat, um auf sie den goldenen Regen seiner Gnade zu ergießen. Die gewöhnlichen Straßenalphonso's aber, die nur eine oder zwei Prostituirte ausbeuten, läßt er in die Polizei einreihen damit sie den Sozialisten die Schädel einschlagen, diesen Ruchlosen, die Gott und seine himmlische Vorsehung leugnen. Die ehrbaren Leute und die Gelehrten mögen diese Universalgeschichte, die auf die Verherrlichung des Ehebruchs und der Alphonse hinausläuft, etwas luftig oder spaßig finden, aber wenn sie auch weniger servil ist, als die Universalgeschichte Boffuet's, so ist sie doch genau so logisch. Indem ich sie in großen Zügen skizzirte, wollte ich zugleich die Albern- heit der Geschichtsphilosophie kennzeichnen, welche den Idealisten eigen ist— ob sie nun einen einzigen Gott anbeten oder eine Vielheit ewiger Ideen, wie Gerechtigkeit, Freihett, Bruderliebe u. s. w. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 16. April 1884. — Ausnahmegesetz oder Verschärfung des gemei- nen Rechts? Das Zentrum sowohl wie die Fortschrittspartei und die Mehrzahl der Sezessionisten sind bekanntlich dafür, daß an Stelle des Sozialistengesetzes eine Verschärfung gewisser Paragraphen des Straf- gesetzbuchs, allenfalls auch ein neuer Verfaffungsparagraph trete, welcher den„Kleinen Belagerungszustand" zu einer stehenden Reichsinstitution erhebt.? Wir haben schon wiederholt ausgeführt, daß wir Sozialdemokraten bei einem solchen Tausch nichts zu gewinnen hätten und in mancher Be- ziehung uns sogar wesentlich verschlechtern würden. Durch hohe Geld- und Gefängnißstrafen, wie sie der französische Strafkodex enthält— nur daß momentan eine„milde Praxis" geübt wird— würde man gründlicher als durch das Sozialistengesetz unsere Presse zu Grunde richten, uns das Vereinsrecht zerstören, die mißliebigen Personen wirth- schaftlich ruiniren, ohne daß man das Odium der Ausnahmegesetzgebung auf sich geladen hätte. Warum will nun Bismarck trotzdem von diesem Auswege nichts wissen? Der Grund ist sehr einfach. Vergehen gegen das gemeine Straf- gesetzbuch werden vom Richter abgeurtheilt, und so servil auch di« Richter sein mögen, und in Deutschland ohne Zweifel sind, die richter- liche Gewalt ist immer bis zu einem gewissen Grade ein Damm gegen die Willkür, wenigstens unter gewissen Um- st ä n d e n. Ein Ausnahmegesetz aber ist ja gerade die Sanktionirung der Willkür. Und Bismarck will eben die Willkürherrschaft. Das Sozialistengesetz, welches die Proklamirung und Organisation der schrankenlosesten Polizei- willkür bedeutet, ist so recht ein Gesetz nach dem Herzen Bismarck's, der die Politik entweder als diplomatisches Lug- und Betrugsspiel mit obligaten Massentodtschlägereien zum Zeitvertreib, oder als gemeine Polizeiwirthschaft auffaßt. — Herr Miguel taucht wieder aus der politischen Bildfläche auf. Cr hatte neulich eine Unterredung mit Bismarck, und es ist gewiß, daß dieser ihm das Handelsministerium angeboten hat. Herr Miguel hat vorläufig Nein gesagt, und läßt aussprengen, daß er dem politischen Parteigetriebe ganz und für immer fern bleiben wolle. Thatsache ist, daß Bismarck in keiner anderen Fraktton so servile Werkzeuge finden kann, wie in der nationalliberalen; und Thatsache ist auch, daß die Nationalliberalen keine Aussicht haben, fortzuexistiren, wenn sie sich nicht an den Ast anklammern, auf welchem sie nach dem famosen Wort des Kirchheimbolandener Helden Bamberger sitzen. Zur Charakteristik des Herrn Miguel wollen wir hier einige Details anführen, die den meisten unserer Leser bekannt sein dürften, dennoch aber aufgefrischt zu werden verdienen. Herr Miguel war in den SDer Jahren ein fanatischer Sozialdemokrat und eifrigstes Mitglied des Kommunistenbundes. Er begnügte sich nicht mit der Rolle eines einfachen Mitgliedes, sondern bildete sich eine förmliche Schule und Gemeinde heran. Für seine ultrarevolutionären Ansichten und Thaten von Annodazumal liefern zahlreiche wohlbewahrte und wohlverwahrte Autographe beredtes Zeugniß. Als Miguel, ein sehr strebsamer Jüngling, der den künftigen Streber früh ankündigte, dahinterkam, daß mit der Sozialdemokratte kein gutes Geschäft und keine Karriere zu machen sei, schlug er sich seitwärts in die Büsche des Kronprinzen-Liberalismus, der sich allmälig zum Ratio- nalliberalismus entwickelte, und„realpolittsch" das polittsche mit dem geschäftlichen Gründerthum vereinigte. Wie das bei der Veranlagung des strebsamen Kommunistenbund- Mitgliedes und norddeutschen Chefs kommunistischer Propaganda nicht anders zu erwarten war, leistete der liberale Paulus Hervorragendes und entwickelte eben so großes Talent für den Tanz um das goldene Kalb, wie für das politische Jnttiguen- Spiel. Von einem setner kommunistischen Proselyten zur Rede gesetzt über seinen affenartig schnell vollzogenen Gesinnungswechsel, meint der Gründer gewordene Triumvir der nationalliberalen Partei: „Ich habe überhaupt meine Gesinnungen nicht gewechselt; ich bin heute noch Kommunist, nur daß ich das Privatkapital im Detail thatsächlich vernichte, statt die Vernichtung des Privatkapitals ea gros hoffnungslos zu erstreben. Ohne daß wir durch die großbürgerliche Aera durchgegangen sind, haben wir nicht die Vorbedingungen des kommunistischen Staates. Je mehr der Auflösungsprozeß der bürgerlichen Gesellschaft beschleunigt wird, desto rascher kommen wir zum Ziele. Ich thue mein Möglichstes, diesen Auflösungsprozeß zu beschleunigen, und glaube also nach wie vor ein nützliches und pflichtgetteues Mitglied der kommunistischen Partei zu fein." Und in der That, er hat sein Möglichstes gethan, den Auslösungs- prozeß der bürgerlichen Gesellschaft zu beschleunigen, indem er möglichst viele bürgerliche Privatkapitalisten zu Grunde richtete und ihre Privat- kapitalien in seine Tasche hineingründerte. Nun— auch das ist kommunistische Propaganda— Herr Miquel hat Recht— es wird„getheilt" und das Bürgerthum wird ruinirt— waS kann„kommunistischer" und„revolutionärer" sein? Zwischen dieser Miquel' schen Praxis und der unserigen besteht nur der ganz kleine Unterschied, daß e r den Krieg gegen die bürgerliche Gesellschaft p r i- v a t i m, gewissermaßen als Privatier und Freibeuter gegen einzelne bürgerliche Privatindividuen geführt hat, während wir ihn als P a r t e i in revolutionärem K l a s s e n k a m p f gegen die Bourgeoisie als Klasse führen. Herr Miquel mtt seinem Gründer-Kommunismus steht im Wesentlichen auf demselben Boden wie die Herren Anarchisten, die ja ebenfalls den Krieg gegen oie bürgerliche Gesellschaft als Privatkampf gegen einzelne Individuen auffaffen und auf den Ruin einzelner bürger- lichen Individuen ausgehen. Die Anarchisten unterscheiden sich von Herrn Miquel und dessen Genossen blos dadurch, daß sie ihre bürgerlichen Feinde nicht blos wirthschaftlich, sondern auch physisch tödten, und daß sie das geraubte Geld nicht in ihre Privattaschen, sondern in die Partei kaffe stecken. Ob die anarchistische Praxis oder die Miquel'sche Praxis des Revo- luttonsmachens die noblere und ehrenhaftere ist, diese Frage möge sich der Leser selbst beantworten. Genug, Herr Miquel hatte neulich eine Konferenz mit Bismarck. Er hat aber das angebotene Ministerportefeuille ausgeschlagen und hält es einstweilen für profitabler, Oberbürgermeister von Frankfurt, als Ober- Hausknecht Bismarck's zu sein. Wie weiland sein Freund, der verflossene Bennigsen, spekulirt er auf den„liberalen Kronprinzen", und klüger als sein Freund, der verfloffene Bennigsen, will er sich nicht abnützen lassen, ehe er das Ziel seines Ehrgeizes erreicht. — Gottesgnadenthümliches. Wir erhalten folgende Zu- schrift: „8uum cuique! Jedem das Seine!"— mit diesem Wahlspruch der Hohenzollern, den die„guten Revolutionäre" des Jahres 1848 höchst despiktirlich zu suum ouiqus r a p e r e— Jedem das Seine rauben — ergänzten, haben Sie Ihren Lesern die Ansprache des alten Wilhelm an das Reichspräsidium mitgetheilt, in welcher der Held von Rastatt die U, jeder Di von dank« ihren Ehen Poliz Mit i Kein And Minis Verlängerung des Sozialistengesetzes für feine allerhöchst« Sicherheit verlangte. Angesichts der Lesart, in welcher namentliif die konservative, wahrhaft königstteue Preffe diese Ansprach« mittheilte, hatten Sie vollauf Recht, mit dieser paar Worten die Vev antwortung für alle Unbill, welche durch das Sozialistengesetz hervor- gerufen werden könnte, oder vielmehr werden muß, demjenigen zuzi» schreiben, der in solcher Weise das Gesetz durchzudrücken sucht. S« wenigsten habe ich die Worte»suum cuique" aufgefaßt und auch vo» Herzen gebilligt. Ich bin nun jetzt aber etwas anderer Ansicht geworden— nicht i« Bezug auf die Nothwendigkeit des suum euique— daran denke ich, Halten wir fest— sondern auf die Person, auf die es in diese» Falle anzuwenden, und ich hoffe, auch Sie werden das thun, wenn Si« die Geschichte meiner Bekehrung vernehmen. Mein Damaskus liegt in Pommern, nicht weit von einem beliebten Badeort, an dessen Namen sich einige historische Crinnerunga knüpfen. Dorthin machte ich kurz vor Ostern eine Reise, als mich bei Zufall Zeuge werden ließ einer Unterhaltung zwischen mehreren Herr« aus der b e st e n Gesellschaft, denn sie tranken sehr guten oder min destens sehr t h e u r e n Wein, fuhren erster Klaffe und lasen di« „Kreuzzeitung". Anfangs kümmerte ich mich nicht um die tieffinnige« Erörterungen über die Verwerflichkeit des mobilen und die sittliche«! Vorzüge des feudalen Kapitals, aber die Herren wurden in ihrem Eifa so laut, daß ich noleus rolens mit anhören mußte, was Graf X., Her« von F. und Major Z. über die brennendsten Fragen der Zeit dacht- Ihnen will ich indeß diesen Hochgenuß erlassen und nur den Theil Gespräches folgen lassen, der zu unserm Thema gehört. Wiffen Sie nicht, fragte gelegentlich ein Herr mit puterrothem Gesi- einen andern, der kurz zuvor in Berlin gewesen sein mußte, wissen Si nichts Genaues über das Befinden Sr. Majestät?" Der Angeredete zog die Schulter in die Höhe:„Sehr bedenklich!" I Chorus der Uebrigen: Ah! Der Jnformirte(jetzt leise, aber nun spitzte ich deie Ohren): Hör« Sie, meine Herren, es geht rapide zu Ende. Als di« Deputatton St Majestät zum Geburtstag gratulirte, da erkannte derselbe erst Herrn vo« Levetzow gar nicht, obwohl dieser erst acht Tag- vorher bei ihm Audieiy gehabt.„Ach, Sie sind der Herr Reichstagspräsident", fagte er dan« mechanisch und stammelte mit blöder Miene die Ansprache wegen de«. — hm— der Kommunisten herunter, fast ganz zusammen- � � h a n g s l o s. Zum Schluß fing er dann an, von der„neuen Kombi-! Nation" zu reden, die sich jetzt bilde und fehr bedenklich sei, h woraus er sich ganz plötzlich wieder verbesserte und sagte:„Ach nich«. S doch, ich meinte das Abgeordnetenhaus!" Kurzum, die Sache steht fehl fjS® kritifch, meine Herren."„® Chorus:„Es wäre sehr fatal! Höchst fatal! Gerade jetzt!" Der PufterrotHe:„Na, ich sehe nicht recht ein, warum das, waS-v™" der Herr Landrath da sagt, so bedenklich sein soll. Wenn ein alt« Mann nicht immer ganz klar ist, so ist das doch nichts Schlimmes. D« Kaiser ist eine zähe Natur; so lange er noch beißen und sch..(er wo«. � sehr realistisch der Ausdruck, der jetzt folgte, so realistisch, daß er eine» j.1'.111* armen Teufel, der ihn in Verbindung mit dem erhabenen Kaiser gebraucht®.n mindestens zwei Jahre Gefängniß eingetragen hätte) kann, kann.« auch noch regieren. Und mehr braucht er ja nicht. Für all ei Uebrige sorgt Bismarck!"-- Ich hatte genug gehört. Also so weit schon! Er weiß nicht mehr, was er sagt und zu wem er spricht.— Nein, es ist ein Unrecht, dem Mann gegenüber überhaupt noch von Verantwortung zu rede». Ehre dem Ehre gebührt— Bismarck und nur Bismarck. Er ist bei Einbläser gewesen, er hat sich des Alten bedient, der ihm nachbetet, was er vorfpricht, der thut und handelt, wie ihm fein Kanzler befiehlt. zu Hti stitt, Lemei pflichi retten Lon sonde- saftig Wesen Nei Läch-i *« Put würfe er. m zufrie nao,! Aersö So Sind , d i- vor zz ; des g «Best: tagcs" Aestre einbar Die resorn Bismarck die Ehre und dem Kaiser--„so lange er noch beiße«? 06e* und sch.. kann, fo lange kann er auch noch regieren!" Das war ei«*: � klassisches Wort, edler hinterpommerscher Agrarier, für das wir Dü zs�s dankbar sind. Wissen wir doch jetzt, was dazu gehört, Kaiser de«,"""" Ue> Volkes der Denker zu sein. Möge er noch lange beißen und sch. der Abgott des servilen neupreußischen Deutschlands. Noch recht lange, � c wir wünschen ihm hundert Jahre! Und mit diesem patriotischen Wunsch will ich meine Epistel schließen."! �fa- Soweit unser Einsender. j■üiu Was er von Wilhelm schreibt, scheint in der That zustimmen.„Unse«*�� Fritz" ist nicht umsonst so schnell von London retournirt. Im Uebrige:. � ist die polittsche Sachlage in der nachfolgenden Notiz, die uns von gut unterrichteter Seite zugeht, genauer skizzirt, so daß wir uns jedes 1 lnem Kommentars zu dem Vorhergehenden enthalten können. em wary sune Da- — Ein Staats st reich in Sicht! Es unterliegt keinem Zweifel,! tartf-d schreibt man uns, Bismarck drängt auf die Auflösung des Reichstags., tnai j Das Sozialistengesetz bietet ihm nur den Anlaß, nicht den Grund, den«„Em: Alles, was Bismarck für feine Zwecke braucht, kann er von diesen« danken Reichstag„apportirt" bekommen. Er hat andere Motive. Der alt« Kaiser hat in letzter Zeit so gealtert, daß ein baldiger Thronwechfel zu, erwarten steht. Mit dieser Thatsache hängt es bekanntlich zusammen, Neueft« daß die Verlängerung des Sozialistengesetzes nur auf t Jahre hinaus lib-rak, beantragt worden ist. die P- Je mehr der alte Kaiser sich eklipsirt(von der Bildfläche verschwindet), nicht desto realer tritt der Kronprinz in den Vordergrund; und was ma« lostet auch immer von dem„liberalen Kronprinzen" denken mag, das steh« Unt- m fest, daß„unser Fritz" schon seit 1863(man nehme seinZ damaliges �nd Danziger Pronunziamento gegen die berüchtigten Preßordonnanzen) sein«. gegen den„Hausmeier" ausmuckt, freilich bisher mit ebensowenig Nach- der � druck als Erfolg! jrn�° Wenn nun der alte Kaiser stirbt, der seinem Bismarck nichts abschlagen Stimm kann, so ist's um den„Hausmeier" geschehen, falls es diesem nicht ge- an, lingt, vorher entweder seine Macht so fest zu begründen, daß derrrir h,e Kronprinz nicht daran rütteln kann; oder sich den Kronprinzen auf di« Das eine oder andere Weise zu„angeln". dez Bis zum Ablauf der Legislaturperiode zu warten, hätte bei der Ge-fw' brechlichkett des alten Kaisers sein Bevenken. Wäre es möglich, solang« vbe,, die Sonne»roch scheint, die Neuwahlen vornehmen zu lassen und ein« EleAne. imposante Majorität für den Hausmeier zu erlangen, fo müßte de«(aller». Kronprinz mit dieser Thatsache rechnen und den Hausmeier vorläufig reatm- behalten. �Mme! Würden ein paar tüchtige Attentate entdeckt oder auch aus-->. geführt— Attentate, die sich zur Abwechslung gegen das Leben des bessere, Kronprinzen richteten, so wäre der Kronprinz dem biederen Hausmeier— wi zu solchem Danke verpflichtet, daß er ihn nicht absetzen könnte. Und»Rücke sollte der Kronprinz etwas skeptisch fein, wie a-mo 1878, je nun. dann Stimm wirkt man auch auf die Fr au Kronprinzessin— ebenfalls wieStim anno 1878. W™ Also Auflösung und Attentate— das ist das Bismarck'sche sagj' Augenblicksprogramm.. Die Komödie der„Verkleinerung" des Reichskanzlers durch den Reichs-„Rssck kanzlet hat blos den einen Zweck, dem Publikum Sand in die Augen hiyhe� zu streuen. Sie spielt sich indeß nicht ganz nach Wunsch ab. Zunächst»nju.j haben, die„Mtttelstaaten" Sachsen und Württemberg einen partikula- listen ristischen Zwischenakt eingefügt, der zur Hausmeierpolitik paßt wie die z». Faust auf's Auge; und ferner hat der Kronprinz dem schauspielernden«twna Hausmeier ein kleines Knüppelchen zwischen die Beine geworfen. Doch— wozu diese Ränke verfolgen, die nur zu lebhast an die Wirth- schaft des byzantinischen Bas-Empire erinnern. Für uns haben sie blos »nsoferne Interesse, als wir dabei intereffirt sind. Bismarck„kann nicht warten", wie die„Provinzialkorrespondenz" einst ausplauderte, und um sich an der Gewalt zu erhalten, sinnt er.?>°„ auf einen Staatsstreich. Sensattonelle Attentate, die ä 1a 1878„fruktt- jM« sizirt" werden, eine Reichstagsauslösung mit künstlich verbittertem Wahl- �b«n, kämpf, hier und da Krawalle und Scheinputsche— ein bischen großer di Belagerungszustand— und genügt das nicht, um eine große Majorität„Vo zu Stande zu bringen, so okttoyirt man ein neues Wahlgesetz(Ab- ,std di schaffung der geheimen Stimmabgabe)— und vielleicht auch noch einiges N E ■ hat!» cht ndlei shrenr Andere.—— Das Alles sind Eventualitäten, auf die wir vorbereitet In sein müssen. Die Wahlen können schon in vierzehn Tagen aus- geschrieben werden! In keinem Wahlkreis dürfen sich unsere Genossen überraschen lassen! Wo sie noch nicht fertig sind mit ihren Vorbereitungen zum Wahlkamps, haben sie in kürze st erZeit Alles fertig zu machen. Das fordert das Parteiintereffe, das fordert die Partei- Disziplin. -hst' ntli� iro4< V» VDOP zu,» S« i vo> |t i« i*: iese» ; Sit t b» mgei h da errai mW i di> nige» I" höre« r Sr i vo«� idienl daw wa,> beißl Und was sonst kommen mag; wir erwarten mit Zuversicht, daß ein jeder Parteigenosse auf der Höhe der Siwation stehen wird. Die deutsche Sozialdemokratie, die den Stürmen von 1870 71 und von 1878 siegreich getrotzt hat, wird auch durch die plumpen Kniffe einer «ankerotten Politik von der Bahn des Prinzips nicht abgedrängt, in ihrem Siegeslauf nicht ausgehalten werden. Gut gebrüllt, Löwe! Madai ist nicht nur der glücklichste Ehemann unter der Sonne, sondern auch der glücklichste unter allen Polizeipräsidenten. Er ist mit seiner jungen Frau zufrieden, und er ist «•st seinen Spitzeln zufrieden, denn sie lassen ihn Nachts ruhig schlafen. Kern böser Traum schreckt ihn aus seinem Schlummer auf— er weiß, ändere wachen für ihn. Diesem Glück hat der wackere Reichsspitzel- «unister nun auch in einem großen Ukas öffentlich Ausdruck gegeben, in iv«lchem er seinem im Reichstag so kläglich abgefallenen Chef nachträglich Hilse kommt und den Reichs-Blut- und Spürhunden vor der Welt atte- Inrt, daß sie im Reichstag schmählich verläumdet worden seien, daß sie keine gemeinen Spitzel, sondern Königliche Beamte in Zivilkleidung seien, die tzflichtgetreu für fünf Mark pro Tag den Staat und die Gesellschaft «etten, daß Polizeirath Krüger, der den Kongreß unserer Partei in ">»*.~0nbon suchte, während er in Kopenhagen tagte, sich durch be- liche« pudere Umsicht ausgezeichnet, daß Friedemann ein Muster von Ehren- Eifer Wigfeit und Schmidt eine Zierde jeder patriotischen Gesellschaft ge- Her sei. chtes g* m' letzteres zu erklären, hat Madai nicht gewagt— da wäre die 1 de, T'Ucherlichkeit seines Ukases selbst dem Biödesten klar geworden, aber auf oer Höhe solcher Mohrenwäsche steht derselbe eben doch. Anstatt die Herrn iesich Puttkamer von unseren Abgeordneten in's Gesicht geschleuderten Vor- i Sil'uurfe, aus die dieser nichts zu antworten wußte, zu widerlegen, attestirt um was ihn Niemand gefragt hat, daß e r mit seiner Schnüffelgarde zufrieden ist. Als ob es nicht längst bekannt wäre, daß Eigenlob nicht nach Ambra duftet und daß bei g e w i s s e n D a m e n in Berlin das Verschen seinerzeit sehr im Schwange war: Madai, gib mir den Jungfernschein Und laß mich wieder Jungfrau sein, Madai, Madai, Madai! an« einem Jungfernschein sieht der Ukas in der That sehr ähnlich. , d«; aber deshalb doch keine Jungfrauen— die biederen Fünsmark- aen- ,unßen' Herr v. Madai. ombP h seh 8 Rerchstagskandidaturen. In den beiden M e ck l e n- nicht, k g werden seitens unserer Genossen für die bevorstehende Reichs- t seh« p�mahi folgende Kandidaten ausgestellt: für den 1., 2. und 3. Wahl- 'tet® sHagenow, Schwerin und Parchim): Hasenklever; für den 4. und £ Wahlkreis(Malchin und Güstrow): Zigarrenarbeiter Peters aus wa» �werin und für den 5. und 7. Wahlkreis(Rostock und Strelitz): ' alter Puer, Schwerin.— Ludwigshafen- Speier: A. Dreesbach. . Der r war �— Die Sozialreform in Schwulitäten. Von dem Re- eine« �kungspräsidenten K a m p tz— einem würdigen Nachfolger des berüch- :auchl< 9'4n Demagogenriechers und-Großinquisitors gleichen Namens, dem im. ei" e Unsterblichkeit der Infamie" gesichert ist— wurde l l«z v0r Kurzem der Fachverein der Schuhmacher zu Erfurt aus Grund � Sozialistengesetzes unterdrückt, weil derselbe in seinem Statut mehr,"�ostredungen zur Erlangung besserer Löhne und eines Rormalarbeits- arecht, j}®?2 als einen Zweck des Vereins hingestellt habe, und weil„solche reden- ��rebungen mit dem Bestand der heutigen Gesellschaftsordnung unver- st de'""b«" seien. i«s � Maßregel, welche auf den Charakter der Bismarckffchen Sozial- 'orm ein grelles Licht wirst und deren innerstes Wesen enthüllt, machte großes Aussehen und brachte die Regierungen in nicht geringe Verlegen- ar er«? So tölpelhaft aus der Schule zu schwatzen, das war allerdings ein r Di»! Sf®6® Vergehen. Die„Leipziger Zeitung", das Organ der sächsischen r de« �Lrerung, rümpfte die Nase und meinte, sie könne die Sache nicht ch..,® aben, wenn ihr der betreffende Unterdrückungs-Ukas nicht vorliege; lange,, auch andere, besonders preußische Regierungsblätter, murmelten "oa® von einem Mißverständniß. eß-n.": 03 thun? lnrMU,:bar«bie Maßregel aufrecht erhalten, so war die Sozialresorm ent- �Unser g.• �oer einen so hohen Beamten desavouiren, das hatte auch sein brigei» �"�ken. So verfiel man denn auf einen Ausweg. Der Herr Regie- ,n gvz t. WSprdsibent mit dem verrufenen Namen erhielt eine Belobigung ob jedes;!lnem Eifer und gleichzeitig eine Nase ob seiner Ungeschicklichkeit, und ward bedeutet, den Ukas„auf Grund weiterer Information" zurück- Zunehmen. weiiel. ist denn geschehen. Wir wiffen nun aber aus Grund dokumen- staas>1, i � Zougnisses, daß die Schergen des Fürsten Bismarck nicht ein- denii£ die Forderung besserer Löhne und des Norinalarbeitstages als zur diesem ozialresorm" gehörig bettachten. Und für diese schätzbare Aufklärung r altt wir dem Erfurter Regierungspräsidenten von K a m p tz. st* JJ® Das Sozialistengesetz hat doch genützt! Das ist die iina»s Entdeckung der in tausend Aengsten sich windenden National- i/�uten. Und wenn es genützt hat, so sind natürlich die Gründe gegen ■. i J4, Verlängerung eo ipso hinjällig. Auf Prinzipien kommt es ja in lö un. Prinzipien spielen keine Rolle bei der Partei der Prinzip- . r.ht„ stS'eit par excelleuce, die nur das Evangelium des Zweckmäßigen laliaes n Nützlichen kennt. ®>«.j rid wonitt wird bewiesen, daß das Sozialistengesetz genützt, und -Nach- d-- Zweck erreicht Hab«?„Die letzte Reichstagswahl, welche unter stt �rrjchaft des Sozialistengesetzes stattfand, hat, verglichen mit den blaae» s��ren Wahlen, eine erhebliche Abnahme der sozialdemokratischen It® Summen ergeben. In Sachsen allein, dem von den Sozialdemokraten T S t?? meisten zerfressenen Lande, beträgt die Abnahme über 47,000, wenn ?■, w die Wahlstatistik von 1881 mit der von 1878 vergleichen." , Das ist der Beweis. Wir nannten ihn„die n e u e st e Entdeckung" „ Nationalliberalismus. Der Ausdruck ist falsch. Die Entdeckung ist !r Ge- schon dritthalb Jahr alt, und ward jubelnd der Welt verkündet, fand »lange abx, damals keine Glänbige, weil Jedermann, auch der verbohrteste • �gner unserer Partei sich sagte, daß zwischen einer relativ freien Wahl te der(allerdings sehr relativ frei!) und einer unter absolutem Willkür- lauNSieziment und brutalstem Polizeiterrorismus vorgenommenen Wahl ein r � �'Mmelweiter Unterschied sei. h??. J-tzt sind die Herren Nationalliberalen in Ermangelung eines Arguments wieder auf jene Entdeckung zurückgekommen. Nun ii s«?ir gönnen ihnen das kindliche Vergnügen, und lassen uns diesen ,"«JUckgatig" sehr gerne gefallen. Wir wissen, daß jede sozialdemokratische „ ii"" stimme unter dem Sozialistengesetz so schwer wiegt, wie drei und mehr glimmen unter normalen Verhältnissen.„Die Stimmen darf man nicht rjhttn, man muh sie wägen", fo haben die Gegner uns ja so oft ge- ca Im« sagt, � in ihren reaktionären Kram paßte: und für den vorliegenden ,.. Kall ist der Satz jedenfalls richtig. Wenn sie durchaus an unseren Sl n! �®ang" glauben wollen, so können und wollen wir sie nicht daran mSRÄern. Wir wollen unsern Gegnern sogar verrathen, daß es ver- !?llelst einer Verschärfung oder verschärften Handhabung des Sozia- .'.Üengesetzes wohl möglich wäre, die sozialistischen Stimmen aus Null . reduziren. Möge man es probiren! Wir find es nicht, die dabei a>as zu verlieren oder u riskiren haben. Wirth- e blos �-�Bravol In Berlin stand kürzlich der Klempner Lücke vor «ericht unter der Anklage wegen Beleidigung. Er sollte den Kohlen- idenz" Händler W e r t e n s, der früher Klempnergeselle war und trotz gegebenen int er Ehrenwortes während des Streiks in der Holy'schen Lampensabrik von frukti- M« Firma Arbeiten übernommen hatte, durch ein Flugblatt beleidigt Wahl- j[a««n, worin er die Handlungsweise des WertenS kennzeichnete und in zroßer eM die Worte vorkamen: jorität„Von Werkstatt zu Werkstatt, von Küche zu Küche muß diese Thatsache s(Ab-, die Parole ausgegeben werden: Kauft nicht bei einem Manne, der iniges Ehrenwort gebrochen hat, bis er sein gegebenes Versprechen erfüllt : i te t In der Verhandlung erklärte nun der besagte Wertens: „Ein Ehrenwort habe ich nicht gegeben. Was soll denn auch ein aus- Ehrenwort Hrn. Lücke gegenüber, daran halte ich mich nicht gebun- r s e n den, denn von den Klempnern gibt mir keiner > sie einenPsennig, wenn ich am ersten nicht 58 Mk. Miethe da- zum liegen habe. Ich hatte aber auch wirklich den ernsten Vorsatz, nicht r t i g weiter zu arbeiten. Als ich dann jedoch zu Herrn Holy kam, die jartei- fertige Arbeit abzuliefern, und ihm meine Absicht mtttheilte, wußte er meine Einwendungen zu entkräften, indem er mir sagte:„Ach a imeier was könnenJhnen denn dieArbeiter, die können Sie nicht schädigen!" und so ließ ich mich bereden und nahm einen neuen Austrag entgegen. Gleich darauf erschien das Flugblatt, und nun wurde ich doch in meinem Handel mit Brenn- Material ganz gewaltig geschädigt. Fast Niemand kaufte mehr bei mir ein, ja man verscheuchte selbst die Kunden, die doch noch bei mir kaufen wollten, indem man sie ein- dringlichst zu bereden wußte, bei benachbarten Händlern einzu- kaufen." Ein Bravo! sagen wir noch einmal, der B e v ö l k e r u n g, die so entschieden zur Sache der Arbeiter hielt. Würde dieses Beispiel überall befolgt, so wären die Arbeiter in Wahrheit eine Macht. Was in diesem Proletarierwinkel Berlins geschehen, ist eben leider noch eine Ausnahme. Vielfach kaufen die Arbeiterfrauen gerade von den schlimmste.. Widersachern ihrer Männer. Diesen sei hiemit zugerufen: Gehet hin und thut desgleichen! Ein rationelles Boycottsystem verrichtet Wunder- dinge. Die Bourgeoisschöpsen, die über Lücke zu Gericht saßen, sahen das auch sehr gut ein, denn sie verurtheilten ihn, obwohl der Staatsanwalt nur 20 Mk. Geldbuße beanttagt hatte, zu vierzehn Tagen Ge- f ä n g n i ß! Das nennt man Klaffeninstinkt! — Aus Oesterreich. Der Streik der Weber und Spin- ner im Tetsche n-A u s s i g e r Bezirk hat leider, wie wir erfahren, mit einer Niederlage der Arbeiter geendet. An Opfermuth und Ausdauer hat es ihnen nicht gefehlt, wohl aber an einer Organisation(Gewerk- schast oder dergleichen), an die sie sich hätten anlehnen können, und an Fühlung mit anderen Organisationen— Alles Dank dem absoluten Mangel an Koalitionsfreiheit, wie ihn das„arbeiterfteundliche" Mini- sterium Taaffe vorgefunden und weiter aufrechterhalten hat. Wir haben trotz Aufhören des Streiks dennoch die in voriger Rum- mer ausgewiesene Summe ihrer Bestimmung zugeführt, da die Nieder- läge, wie man sich denken kann, viele Opfer zurückgelaffen hat. Zwanzig Arbeiter sind noch gemaßregelt. Hoffentlich sind diese Opfer nicht umsonst gewesen, und hat der Streik nicht nur die Arbeiter Nordböhmens, sondern die ganz Oesterreichs auf- gerüttelt und an die Nothwendigkeit der Massenorganisation und der Wiederherstellung des von den Anarchisten gesprengten Zusammenhanges der einzelnen Organisationen gemahnt. Aus Wien meldet man uns, daß einer größeren Anzahl von dort ausgewiesener Anarchisten die Rückkehr gestattet wurde, nach- dem sie versprochen hatten, sich an keinerlei Agitation mehr zu bethei- ligen und auch ein diesbezügliches Zertifikat unter- schrieben hatten. Die von Herrn P e u k e r t versprochene Revo- lutton kommt eben nicht so schnell, als man geglaubt, und das macht die Revolutiönäre noch weit gesetzlicher als die deutschen„gesetzlichen Wege- lagerer." der Redaktion: Dr. D. Stuttgart: Zuschrift erhalten. Kommt nächstens.— Bruder Jonathan, N e w y o r k: Brief und Geld erhalten. Gruß von der ganzen Bande.— I. N. New- Jork: Beruhigen Sie sich. Freund Leo wird die Antwort auf F.'s Artikel im„Freidenker" nicht schuldig bleiben. Hat jedoch durchaus keine Eile.— — Frankreich. Der Kongreß der französischen Ar- beiterparteiin Roubaix hat neben einer Reihe, die innere Organisation und Agitation der Partei betreffenden Beschlüsse auch einen Antrag angenommen, dahingehend, daß zum Frühjahr 1885 ein allgemeiner internattonaler Arbeiterkongreß einberufen werde zur Be- sprechung der Nothwendigkeit einer internationalen Fabrikgesetzgebung. Nach Ansicht des Kongreffes müßte diese Gesetzgebung sich erstrecken auf: 1) Das Verbot der Kinderarbeit unter 14 fahren. 2) Beschränkung der Arbeit der Frauen und Männer(Maximalarbeitstag). 3. Verbot der Nachtarbeit(ausgenommen in gewiffen, ausdrücklich festzustellenden Betrieben). 4. Verbot gewiffer gesundheitsschädlicher Industrien. 5. Festsetzung eines internationalen Lohnminimums. Atit Ausnahme der letzten Forderung entspricht dieses Programm dem seiner Zeit von unS abgedruckten Zirtular des schweizerischen Arbeiter- bundes.» Als Ort des Kongreffes ward einstimmig London empfohlen, was die auf dem Kongreß anwesenden Delegirten der„Democratic Federation" (Belfort Bax und Queich) mit großer Freude begrüßten. Auch wir halten die Wohl für eine glückliche. In der Londoner„Justice" vom 5. April ist ein Bericht eines der englischen Delegirten zum Roubaixer Kongreß, dem wir einige interessante Stellen entnehmen. Ueber die Ausnahme unserer Adresse heißt es da: „Die Anspielung auf die Vendome-Säule ward mit großer Begeisterung aufgenommen, und um zu bekunden, daß in der That die Sache der Arbeiter international ist und sie mit den deutschen Sozialisten durchaus einig sind, begrüßte die Versammlung die Adresse mit den Jubelrusen: „Es leben die Deutschen!" Diese Anerkennung der internationalen Soli- darität der Arbeiterinteressen und des internationalen Charakters des Kampfes war den im Saal in Zivilkleidung anwesenden Polizeibeamten sehr fatal. Sie begannen deshalb mit den Gegenrufen:„Nieder mit den Deutschen", was einen Sturm der Entrüstung hervorrief und mit donnernden Hochs auf die deutschen Sozialisten beantwortet wurde." Die Pariser Korrespondenten der deutschen Presse— fast sammt und sonders Reptilienfondskostgänger— wchen den Eindruck dieser Demon- stration dadurch abzuschwächen, daß sie den Kongreß als eine anarchistische Versammlung hinstellen und von feindlichen Manifestationen der„Be- völkerung" von Roubaix gegen den Kongreß wegen seiner„deutsch freund- lichen" Haltung berichten. Das ist dieser Lügnerbande, die von der Verhetzung der deutschen und französischen Arbeiter lebt, durchaus würdig. Die Wahrheit ist, daß die B o u r g e o i s i e von Roubaix in jeder Weise die öffentlichen Versammlungen des Kongresses durch gedungene Schreier zu stören suchte und als Vorwand den Pattwtismus nahm. So war es nicht ein„Genoffe" Guesde's, wie die deutschen Blätter schreiben, der diesem mit den Worten entgegenttat,„der Deutsche ist der Feind", sondern ein bürgerlich radikaler Kreisdeputirter(General- rath) von Roubaix, ein gewiffer Deschamps. Auch die muthige Attake auf Guesde und Dormoy, als dieselben gegen die Verhaftung einiger Delegirten, die einige Ruhestörer in der Versammlung zurechtwiesen und dabei mit der Polizei in Konflikt gerathen waren, protestiren wollten, ging von der„ordnungsliebenden" Bourgeoisie aus. Die Affäre spielte sich um 3 Uhr Nachmittags ab, als die Arbeiter in den Fabriken waren; davon schreiben natürlich die Blätter nichts, ebensowenig davon, daß am selben Abend— kaum daß die Fabriken ge- schloffen waren— die Arbeiter in Trupps zur Wirthschaft Carette zogen, um den„deutschfreundlichen" Delegirten demonstrativ ihre Sympathie zu be- zeugen— von der„p a t r i o t i s ch e n" Bevölkerung ließ sich da Niemand mehr sehen. Sehr interessant ist die Ansprache des englischen Delegirten Queich an den Kongreß. Er sagte u. A.: „Genoffen! Ich bin hier als Delegirter der englischen demokrattschen Federation, als Arbeiter und Sozialist, um Euch zu beweisen, daß es in England eine Organisation mit entschiedenen sozialistischen Forde- rungen gibt, die den Wunsch hegt, sich mit den revolutionären sozia- listischen Arbeitern aller Länder zu vereinigen. Vor kurzer Zeit erschien Herr Broadhurst als englischer Delegirter auf einem Kongresse in Paris und sofort war die Bourgeoispresse beider Länder bei der Hand zu er- klären, daß Herr Broadhurst das vorgeschrittenste Element der englischen Arbeiter vertrete, und daß daher eine internationale Organisation un- möglich sei. Ich, als Arbeiter, was Herr Broadhurst beiläufig nicht ist, sage Euch, daß die Partei, die ich vertrete, eins mit Euch ist und ich strecke Euch die Hand entgegen zum gemeinsamen Kampf zwischen Kapital und Arbeit."--- Der Streik m A n z i n wird immer heftiger. Die Provokationen der Minenbesitzer und ihrer Agenten haben das gewünschte Resultat gehabt; es ist zum Konflikt zwischen den Streikenden und Gensdarmen gekommen, so daß ein Vorwand gegeben war, Truppen„zur Ausrechterhaltung der Ordnung" zu requiriren. Gegenwärttg bieten infolgedessen die vom Streik betroffenen Ortschaften den Anblick von Feldlagern. Ueberall Soldaten, Wachtposten ic. Die Sympathie aller wirklichen Republikaner ist auf Seiten der Ar- beiter. Ueberall wird zu ihren Gunsten gesammelt, und es ist erhebend, die Sammellisten der Pariser Arbeiterpreffe zu durchlesen. Diejenigen, welche auf die französische Arbeiterbewegung mit so großer Gering- schätzung herabsehen, können da eines Bessern belehrt werden. Wenn es auch mit der Bildung einer einheitlichen sozialistischen Arbeiter partei nicht so schnell vorangeht, als wir gern wünschen, so ist das Ele- ment zu einer solchen doch in eminentem Grade vorhanden und wird auch in entscheidenden Momenten nicht an sich fehlen lassen.-— Der„Proletaire" hat in Folge einer zivilrechtlichen Klage sein Erscheinen einstellen müssen; mit gleicher Tendenz erscheint seit voriger Woche das„Proletariat". — England. Aus Hull schreibt uns ein Genoffe:„Der Geschäfts- gang war hier während des Winters ein außerordentlich schlechter, so daß der Arbetter froh war, wenn er sich mit Ach und Krach durchzu- schleppen vermochte. Wir hoffen, daß es im März besser werden solle, aber es ist noch die alte Leier. Es sind weit überft 000 Menschen arbetts- los; das Elend, welches infolgedessen herrscht, spottet jeder Beschreibung, ein dumpfes Hinbrüten hat sich der Arbeiterklasse bemächtigt und Selbst- morde sind an der Tagesordnung."-- Es ist in der That hohe Zeit, daß der Sozialismus in England sein« Stimme erhebt. Am 17. April findet in St.James-Hall in London eine große öffentliche Disputation statt zwischen dem„Freidenker" Brad- l a u g h und.dem Sozialisten Hyndmann über die Frage:„Würde der Sozialismus dem Volk Nutzen bringen?" Den Vorsitz wird Professor B e e s l a y führen. Der Ausfall dieser Disputation, welche schon heute das allgemeinste Interesse erregt, wird von großer Bedeutung für unsere Sache in Eng- land sein. Und bei dem anerkannten Talent und Wiffen Hyndmann's unterliegt es kaum einem Zweifel, wer aus diesem Turnier siegreich hervorgehen wird. Aus jeden Fall rufen wir ihm ein herzliches„Glück auf!" zu. — Amerika. Die Nationalexekutive der sozialistischen Ar- beiterpartei Nordamerika's versendet einen Aufruf behufs Auf- bringung von Mitteln zur Gründung eines unter der Kontrole der Partei stehenden Organs. Es heißt darin: „Daß ein Parteiorgan ebenso nothwendig ist als die Verbreitung von Flugschriften, ist schmerzlich genug während der letzten Jahre demonstrirt worden, wo die Meinungen über Taktik und eine Anzahl prinzipieller Fragen so sehr auseinandergingen, daß die Organisation der Partei und die Bewegung selbst darunter litten und noch leiden. „Wir haben allerdings sozialisttsche Tageszeitungen in den Vereinigten Staaten, aber eingehende polemische Erörterungen unter uns Sozialisten können nicht in das Bereich der Tageszeitungen gehören, und die Partei kann von denselben eine Erledigung solcher innerer Erörterungen weder verlangen noch erwarten. „Die Partei bedarf eines eigenen Organes, um jene äußerste Klarheit über die Prinzipien und die zu ergreifende Taktik zu gewinnen, von welcher wie die Zukunft jeder politischen Partei— auch diejenige unserer Bewegung abhängt. Die Partei bedarf eines Organes, in welchem die Sektionen, Agitatoren und die Genoffen im Allgemeinen in taktischen Fragen eine Richtschnur finden, und in welchem unser strikt sozialistischer Standpunkt gegenüber allen unklaren Fraktionsdestredungen vertreten wird." Wir zweifeln nicht, daß es dem Eifer unserer Genossen gelingen wird, sich, dem Beschluffe des Balttmorer Kongresses entsprechend, ein eigenes Organ zu schaffen, und werden uns freuen, in ihm einen neuen Mit- streiter für unsere große Sache begrüßen zu dürfen. — Gute Beispiele verderben schlechte Sitten. Wie unsern Lesern bekannt sein wird, hat der norwegische Staatsgerichts- hos die norwegischen Staatsminister der Verfaffungsverletzung für schuldig erklärt und zur Absetzung und Geldsttafen verurtheilt. Den König aber — dessen Handlanger diese Minister gewesen— hat den gewissenlosesten unter ihnen, S e l m e r, demonstrattv mit Gnadenbezeugungen aller Art (Orden w.) überhäuft. Dieses allerhöchste Beispiel der Achtung vor richterlichen Entscheiden rührt uns tief. — E i u glänzendes Zeichen von O p f e r w i l l i g k e i t geht uns aus Amerika zu. Aus Nr. 1 1 des,, Sozialdemokrat" werden unsere Leser ersehen haben, daß die Arbeiter der Zigarrensabrik S t r a i- ton und Storm im Streit liegen. Nun wohl, die neueste Post bringt uns neben der Nachricht, daß dieser Streik schon in der sechsten Woche fortdauert, eine Sendung von 28 Dollars— 293 Franken, gesammelt von eben diesen streikenden Arbeitern zum Besten der Agitation der deutschen Sozialdemokratie. Wo ist noch eine Partei, wo eine Gemeinschaft heutzutage, die sich gleicher Beweise von Solidarität rühmen kann? In der That, wir wiffen nicht, was wir mehr rühmen sollen, die Festigkeit unserer Genossen im Reich oder die Treue dieser„Auswan- derer"— denn der Mehrzahl nach sind die Sammelnden ausgewanderte Altonaer Genoffen— aber soviel ist gewiß, solange dieser Geist unter unseren Genossen weht, ist unsere Partei unüberwindlich. Korrespondenzen. — Köln.(Fortsetzung der Korrespondenz in Nr. 6 des„Sozialdemo- ttat".) Wie die Polizisten, welche als willenlose Werkzeuge dem Bürger- meister bei seinen Schwindeleien dienten,.auf eigene Faust in der Ge- meinde gehaust haben, sollen folgende aus vielen herausgegriffenen Fälle beweisen. Die Polizisten E n d r u l a t und E w e r tz gingen gewöhnlich zusam- men aus den Fang aus. Im Jahr 1879 waren sie in B r a u n s f e l d, welches ebenfalls zur Bürgermeisterei Efferen gehört, auf einem Tanz- boden und stellten sich plötzlich mitten unter die tanzenden jungen Leute und geboten Feierabend. Sie waren dabei so besoffen, daß sie kaum noch stehen konnten, trieben es aber schließlich so weit, daß sie, die Polizisten, vor die Thüre gesetzt wurden. Auf der Sttaße angelangt, schrieen sie Jeden an, der vorbeikam. Zufällig kommt ein Atann Namens B ä h r, welcher seine Frau abholen wollte, des Weges. Mit diesem fingen unsere Helden nun Händel an. Sie schwangen beide drohend den blanken Säbel in der Luft und brüllten Bähr zu, er wolle doch blos aus seine Hure warten und dergleichen mehr. Bähr ließ sich jedoch nicht bange machen, nahm dem Einen den Säbel aus der Hand und prügelte sie alle beide gründlich durch. Die Sache kam zum Prozeß, und Bähr wurde wegen Widersetzlich- keit gegen Beamte im Dienst und wegen Körperverletzung mit einem Jahr Gefängniß bestraft. Der Polizist Endrulat, welcher stets die Hauptstütze des Bürger- meisters in allen Betrügereien gewesen, hatte lange Zeit die Aufsicht über das dortige Munizipal-Gesängniß, und da er allabendlich besoffen war, so mißhandelte er die Leute fürchterlich. Später jedoch besann er sich eines Besseren. Er ließ sich die Strafen bezahlen und führte im Protokollbuch die Sttafe als verbüßt an, bis schließlich die Sache publik wurde; da fing er die Mißhandlungen wieder an. Später war Endrulat beständig auf dem Bürgermeisteramt beschäftigt; er verttat den Bürgermeister, wenn dieser keine Lust zum Amtiren hatte. In eine Wirthschaft, ganz nahe beim Bürgermeisteramt, ging er während der Bureaustunden frühstücken und da hat er denn in 7 Monaten zirka 80 Mark verfrühstückt und nur in P o st ni a r k e n bezahlt. Wo hatte er die her? Endrulat bekam aus der Gemeindekasse 800 Mark, damit er heirathen konnte. Außerdem hatte er noch bedeutende Schulden bei der Gemeinde, von Zurückerstatten war natürlich keine Rede. Derselbe hat sich auch in Frankreich während des Krieges das eiserne Kreuz erworben. Wie grauen- Haft mag er wohl da gehaust haben? In der Gemeinde war keine junge Frau und kein Mädchen vor ihm sicher. Als der frühere Polizist B u ch e r entlassen wurde, bekam derselbe aus der Gemeindekasse 510, der Polizist Evertz 300 Mk. Als nun kürzlich Nr. 8 des„Sozialdemokrat" erschien, meldete Evertz sich krank und gab an, er könne wegen des damals zerschlagenen Beins keinen Dienst thun. Jedenfalls hat er die Absicht, pensionirt zu werden. Der seinerzeit von der Regierung abgesetzte Postsekretär Gruna, welchen der Bürgermeister als seinen Schützling auf das Bürgermeister- amt nahm, ist noch immer im Dienst, trotzdem er damals dem Bürger- Meister das Geld aus der Postkasse lieh und deshalb abgesetzt wurde. Er ist in allen Betrügereien mit behilflich gewesen. Ein anderer Hilfs- schreiber, H o n tz, bekam früher monatlich 24 Mk. nebst freier Station. Als jedoch die Schwindeleien zu toll wurden und H o n tz jedenfalls op- ponirt hattnj da stellte ihn der Bürgermeister mit einem Jahresgehalte von 1950 Mk. an, damit er reinen Mund hielt. So verstand es der Bürgermeister, allen Leuten gerecht zu werden. Die Gemeinderäthe bekamen die Gemeindelieserungen, der Hauser konnte ungehindert in Sülz Straßen anlegen und bauen, wie es ihm beliebte, und selbst dem Landrath v. Wittgen st ein wurde auf folgende Weise für seine gute Revision Anerkennung zu Theil: In Lindenthal sollte eine Kirche gebaut werden, damit die from- men Leute nicht immer nach Sulz oder Kriel zu gehen brauchen; dazu hatte sich ein Großgrundbesitzer gefunden, Namens Maurer auf der Kitschburg, welcher ein sehr geeignetes Grundstück dazu schenken wollte, indem er ganz richtig spekulirte, daß dann durch Anlage von Straßen und Bauplätzen sich auch der übrige Boden bester verwerthen laste. Das war jedoch dem Bürgermeister nicht recht, und er wußte es den Ge- meindeschöpsen klar zu machen, daß es besser sei, dem Landrath an einer weniger geeigneten Stelle ein Grundstück abzukaufen, was dann auch geschah. So wurden außer dem Kaufpreis für den Kirchenplatz die Grundstücke des Landrathes bedeutend mehr Werth. Jetzt will man mit dem Kirchenbau beginnen und hat kein Geld. Jeden- falls werden nun die Bürger insgesammt vermittelst Steuern dazu ge- zwungen werden, erstens die vom Bürgermeister und dessen Helfers- helsern gestohlenen Summen wieder aufzubringen und zweitens auch die Kosten für den Kirchenbau zu zahlen. Richtiger wäre es, wenn der Land- rath, die Bürgermeister- und Gemeinderäthe die ganzen Kosten zahlten, weil sie um diesen Schwindel gewußt haben und selbst mit daraus Bor- theil zogen. Vergessen hatte ich noch Einiges, was ich jetzt nachtragen muß: es betrifft den Gemeinderath L e u e r. Eines Tages war ein sehr frommer Mann Namens Raas nach Amerika ausgewandert und hatte seine Frau und Kinder im Stiche gelassen. Von Antwerpen schrieb er an seine Frau, sie solle zum Gemeinderath Leu er gehen, der habe ein Verzeichniß von den Mobilien und wäre von Allem unterrichtet; er würde auch sorgen, daß sie Armengeld bekomme, was nicht geschehen ist. Leuer hatte"also darum gewußt, daß dieser Raas seine Famlie zurücklassen wollte, und daß sie der Gemeinde zur Last fallen würde! Früher war Leuer immer in der Opposition gegen die Polizeiwirth- schaft gewesen, jetzt geht er mit E v e r tz und E n d r u l a t saufen und hilft Alles mit vertuschen, was er nur kann. Einem Sulzer Bürger W. starb ein Kind; er wollte es gerne auf den, dortige» Kirchhofe beerdigt haben. Das Haus, worin dieser Mann wohnte, gehörte aber in die Bürgermeisterei Müngersdorf. Er ging zum Bürgermeister nach Lindenthal und traf dort die beiden Helden Evertz und Endrulat, denen er sein Anliegen vortrug. Als er nach dem Preis fragte, gab ihm Endrulat zur Antwort:„Das kostet 6 Mk., das ist Gemeinderathsbeschluß." Der Mag» wollte 3 Mk. geben, aber Endrulat sagte:„Nein!" Als der Mann vor der Thüre war, lief ihm Evertz nach und sagte:„Habt Ihr Geld bei Euch? Dann kommt schnell." Der Mann gab die 3 Mk. und Endrulat stellte ihm den Schein aus. Das gab wieder ein Frühstück! Ich könnte so unzählige Einzelheiten anführen, aber ich will nur noch zum Schluß dem Pastor aus Kriel eine Erinnerung widmen, weil ja von Alters her die Pfaffen bei Allem eine Rolle spielen. Vor ca. einem Jahre besuchte der Pfarrer H. die Frau des Bauunter- nehmers F. Härtung, Bachemerstraße 50 in Lindenthal, in Abwesen- heit ihres Niannes. Bald darauf machte die Frau, veranlaßt durch den Pfarrer H., diesem einen Gegenbesuch. Als der Mann davon gehört, begab er sich mit einer Reitpeitsche in des Pfaffen Wohnung und prügelte diesen gehörig durch. Die Schwester des Pfaffen, Wittwe Neunzig, ebenfalls nicht zum Besten beleumundet, lief hilferufend hinaus. Der Polizeikommissar a. D. Lehmann ging aus die Bitten der Frau Neunzig in die Wohnung und befreite den Pastor. Auf die Frage nach der Ursache dieses Austrittes sagte Härtung: Der verfluchte Kerl hat mit nieiner Frau ein Rendezvous in dieser Wohnung gegeben und die- selbe ganz verrückt gemacht! Eine Klage zu erheben, hat der Pastor nicht gewagt, obschon die Ge- schichte in aller Leute Mund war und viel Aufsehen erregte. In der Klosterstraße zu Lindenthal wohnte der Maurerineister Koch, dessen 15jährige Tochter sich zur Lehrerin ausbilden wollte und welcher der Pastor sranzösischen Sprachunterricht ertheilte. Das Honorar bestand anfangs in Küssen. Als der Pastor später höheres Honorar beanspruchte und loslegen wollte, entfloh das Mädchen weinend, und der Unterricht hörte seitdem auf. Die schöne Wittwe Becker, bekannt unter dem Namen:„Königin der Nacht", erfreut sich ebenfalls der besonderen Zuneigung unseres Pastors. Besuche bis nach Mitternacht und dann und wann ein Schäfer- stündchen im Pastorat sind nichts Seltenes. Der Lehrerin Katharina Gerhard ist der Pastor besonders gewogen. Wenn der Pfaffe in Sulz Dlesse gelesen, so frühstückt er bei der Lehrerin. Das Frühstück wird oft bis Mittag ausgedehnt und Einige wollen bemerkt haben, daß der Pastor auch sonst in der Woche der Lehrerin Gerhard, welche er immer sein„liebes Käthchen" nennt, Zärt- lichkeiten erweise, die eigentlich nur einer Frau zukommen. Dafür ist auch die Lehrerin in allen Dingen, besonders in Kirchenangelegenheiten, des Pfaffen rechte Hand. Jndeß scheint es dem Pastor Hansen in Lindenthal doch etwas enge zu werden. Demnächst wird er Regierungsschulrath in Aachen. Dann ist Allen geholfen. Uns wundert das gar nicht, denn ein solcher Pädagoge ist der preußischen Regierung von Nöthen und in Berlin kennt man seine Pappenheimer. — Sudenburg. Kommet her zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken, sprach Jesus zu seinen Jüngern. Es wäre höchst nothwendig gewesen, diesen Spruch auf den katholischen Pfarrer zu Sudenburg in Anwendung zu bringen. Als kürzlich mehrere Genoffen nach einer aufgelösten Versammlung mit der Pferdebahn nach Hause fuhren, fanden sie obengenannten Pfarrer in einem Zustande in der Ecke sitzen, für den das"Wort Schwein jedenfalls noch eine sehr zarte Bezeichnung ist, mit einer Nase, die man bei Kindern Rotznale nennt, und jämmerlich besoffen; der gute Mann war in fernem Zustand so unbeholfen, daß die berühmte Pfarrersköchin wohl ihr Möglichstes beim Auskleiden gethan haben wird. Jeden Morgen« Uhr Messe, und der Pfaffe mit so einem Brand. Ich danke für Obst! Ludwigshafeu a. Rh., 23. März. Von Ludwigshafen wurde bisher noch wenig oder gar nichts im Parteiorgan berichtet. Wir erachten es daher als unsere Pflicht, endlich auch einmal etwas über die hiesigen Verhältnisse mitzuthcilen. Was zunächst die Schuhriegeleien betrifft, die wir von Seiten der Behörden zu erdulden haben, so müssen wir konstatiren, daß wir in der „freisinnigen" Pfalz um kein Jota besser daran sind als unsere Genoffen im übrigen Deutschland. Seit dem Bestehen des Sozialistengesetzes war es uns absolut unmöglich, auch nur eine einzige öffentliche Versammlung abzuhalten— selbst mit dem harmlosesten aller Thematen auf der Tages- ordnung. Die Polizei nimmt einfach an,„der Einberufer ist ein noto- rifcher Sozialdemokrat, vrgo kann diese Versammlung auch nur eine sozialdemokratische sein"— und die Motioirung für das polizeiliche Verbot ist fertig. Es würde zu weit führen und den Raum dieses Blattes zu sehr in Anspruch nehmen, wollten wir jeden einzelnen Fall hier anführen. Soviel steht jedoch fest, daß man uns in keiner Weise damit geschadet hat. Im Gegentheil jedes Verbot hat uns neue Kämpfer zugeführt. Dies ist ja auch ganz natürlich. Diejenigen, welche uns noch fern stehen, fragen, aus welchen, Grunde man das Verbot erlassen, und— auf eine Frage gibt es immer eine Antwort, wodurch die Leute aufgeklärt werden. Und deshalb, Ihr Henker der freien Meinungsäußerung, nur frisch daraus los verboten, an Gelegenheit dazu werden wir es auch in Zukunft nicht fehlen lasten l Eine Versammlung, bezw. Konferenz, welche vor Kurzem in einem entlegenen Winkel unseres Wahlkreises stattfand, haben wir uns jedoch nicht verbieten lassen. Es hatten sich da nämlich die Vertrauens- leute aus den verschiedenen Orten unseres Wahlkreises zusammengesunden, um über die Ausstellung eines Kandidaten für die nächste Reichstags- wähl schlüssig zu werden. Die Versammlung nahm einen sehr guten Verlauf und wurde Genosse Dreesbach aus Mannheim einstim- mig wieder aus den Schild erhoben. Nachdem man sich noch gegenseitig das feierliche Versprechen gegeben, nunmehr thatkräftig in den Wahlkampf einzutreten, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozial- demokratie geschloffen. Was den Zusammenhalt sowie die Opserivilligkeit der Genossen am hiesigen Orte betrifft, so ist der Stand gegenwärtig ein vortrefflicher. Es vergeht fast kein Sonntag, daß dieselben nicht nach verschiedenen Richtungen hin auf die Ortschaften gehen, um für unsere Sache Propa- ganda zu»lachen. Wenn die Genossen in den übrigen Orten unseres Wahlkreises in demselben Maße ihre Schuldigkeit thun, so ist— zumal diesmal die Stimmung bei der Landbevölkerung eine für uns ungemein günstige ist— ein Erfolg nicht ausschlössen. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der rothe Falstqfs. — Basel. Die durch die Tagespresse verbreitete Nachricht, daß die Feier der Enthüll»ng*Vs Herwegh-Denkmals in Liestal nicht st a t t- finden werde, ist falsch. Die Feier wird am 20. d. M. vor sich gehen, wie früher angegeben. Warnung. Aloys Seiler, Säger, einig- 20 Jahre alt, in München, Pariser- straße 50 III., ist als Polizeispion entlarvt worden. Derselbe tauchte vor ca. 3 Jahren in der Bewegung auf, spielte den Genossen, war stets zu Spenden bereit, wurde aber verdächtig und deshalb stets be- obachtet seit den Steinhauser Verhaftungen 1882. Damals nämlich hatte ein betheiligter Genoffe Seiler x�enüber im Zwiegespräch, als sie ganz allein waren, im Scherz erklärt, er werde die ihm zudiktirte Strafe nicht absitzen. Am andern Morgen wurde der Genosse verhaftet, und ihm beinahe wörtlich seine Seiler gegenüber gethane Aeußerung von dem Polizeibeamten wiederholt. Diejenigen Genoffen, mit denen Seiler intimer verkehrte, wurden der Reche nach mit Haussuchungen, Verhören u. s. w. beglückt. So sammelte sich eine Reihe Indizien. Um ihn zu sangen, wurde Neujahr 1384 eine entere Vereinigung der Genossen ge- bildet, der auch Ehren-Seiler angehörte. Schlag auf Schlag wurden die Zusammenkünste der Polizei verrathen. Vor einigen Wochen nun verabredeten sich nur einige wenige Genossen insgeheim, die letzte Probe zu machen. Einer theilte Seiler mit, daß am Sonntag eine Versammlung von Vertrauensmännern mit zwei Züricher Genoffen in Feldmoching konferiren würde. Der Bissen wurde fett gespickt, Seiler biß auf den Köder an. Die betr. im Ein- verständniß handelnden Genossen fuhren nach Feldmoching und wurden da von zwei Polizeispitzeln empfangen und ehren- und liebe- voll begleitet. Der eine Spitzel, der, wie wir durch unsere Polizei erfahren haben, schon in der Frühe angelangt war, sich alle Wege hatte zeigen lassen, hatte dem Gastwirth mitgetheilt: Heute kommen so und so viel Sozialdemokraten aus München zu einer geheimen Versammlung; geben Sie Ihnen so viel Bier, wie sie wollen; aber ich telegraphire nach München, und die ganze Gesellschaft wird gefangen. Der biedere Polizeispitzel war aber umsonst in Feldmoching; es wurde nicht konferirt.— Seiler hat sich seit diesem Reinfall nicht mehr blicken lassen. Wir empfehlen ihn der gebührenden Verachtung und warnen alle Genossen vor ihm. Die Münchner Parteigenossen. Partei-Archiv. Quittung. Es gingen weiter ein: Von Herrn I. R.. t.... ch in Oberstraß: 1 I. Mühlseld, 1848— 1868 Zwanzig Jahre Weltgeschichte. 1 D ü h r i n g, Kursus der National- und Sozialökonomie. 1 Rsistow, Der deutsch-dänische Krieg 1864. 1 L. I a k o b y, Es werde Licht. 1 A. Lindwurm, Ueber die Geschlechtsliebe. 1 Ludwig Kalisch, Schlagschatten. 1 L. Walesrode, Königsberger Taschenbuch. 1 C. F r a n tz, Die Quelle alles Uebels. 1 L a s s a l l e, Franz v. Sickingen. —— Der italienische Krieg. 12 Diverse Reden und Schriften Johann Jakoby's. S. Kokosky, Ostpreußische Briefe I. -- Dr. Th. C., Bernhard Moll und die soziale Frage. Bebel Rede über das Hilfskassengesetz 1875. -- Reden in der 2. Session des deutschen Reichstags. —— B. Becker, Der alte und der neue Jesuitismus. I. PH. Becker� Polen, die Diplomatie und die Revolution. Wilh. Eichhofs, Berliner Polizei-Silhouetten III. und IV. K. H e i n z e n, Ueber Kommunismus und Sozialismus. E. A. R o ß ni ä ß l e r, Unsere Lage. C. Borruttau, Der Impfzwang und die Naturheilkunde. W. Hasenklever, Ueber die Beeinflussung des Arbeiter- standes durch die gegenwärtige Presse. I. Most, Kapital und Arbeit. Sechs Proletarierlieder. 1 H. Oldenburg, Was wollen die Sozialdemokraten? Eisenacher Protokoll 1869. 1 B. Geiser, Die Forderungen des Sozialismus an Gegenwart und Zukunft. 7 Expl. Demokratische Blätter 1872. Herausgegeben von S. Kokosky, Königsberg. 157 Diverse Schristen, Reden, Flugblätter und Abhandlungen. Von e. A. Basel; 1 Juniusbriefe übersetzt von Runge. 1 R Meyer, Ursache der amerikanischen Konkurrenz, Lief. I. Von A. H. von Jhmis, Hottingen: Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund, Jahrgang 1870 sNr. 1 bis 128, Aug.-Dezbr.) 1871, 1872, 1873, 1874, 1875, 1876, 1877, 1878, 1879. Crimmitschau-Meeraner Tagespost, Probenummer bis Nr. 192. 1880. Zukunft v. Guido Weiß 1867(Nr. 151—274.) 1868(Nr. 218— 562), 1869(Nr. 1—316) 1870/71(Nr. 2—77). Vossische Zeitung Nr. 291—306. 1878. Deutsche Landeszeitung Nr. 27—149. 1879. Fackel, Wahlflugblatt Nr. 1—23. 1876. -- 1877 und 1878 bis Ende September. Süddeutsche Post vom 16. November 1878 bis 12. Juni 1879. Zeitgeist von Ende 1877 bis Ende September 1878. Druidenzeitung 1876. Demokratisches Wochenblatt 1868 und 1879 Nr. 1—44. Süddeutsches Sonntagsblatt 1865(Nr. 40—53) und 1866(67—68. Deutschkatholisches Sonntagsblatt von Uhlig 1865, 1866, 1867, 1868, 1869 und dreiviertel Jahrgang 1870. Nemesis von Dittrich 1871/72 inkomplet. Chemnitzer Beobachter 1878/79. Chemnitzer Freie Presse 1878(Juli— Oktober). Tagwacht 1870, 71, 72, 73 und 74. In allen Jahrgängen fehlen einige Nummern. Vereinigte Staaten von Europa 1863/69. Die Mappe 1878 79 inkomplet. Diverse Geschäftsberichte der Genoffenschaftsbuchdruckereien. Lämplein Nr. 1 1878 bis Nr. 52 1879. Coburger Arbeiterzeiwng Oktober 1863 bis Juli 1866. Diverse lose Zeitungen(Berliner Freie Preffe, Dresdener Volkszeitung, Berner Arbetter-Zeitung und Genfer Vorbote). 9 Flugblätter des Nattonalvereins. Eine Anzahl Flugblätter aus dem Jahre 1843. Eine Anzahl Wahlakten und Wahlflugblätter über sächsische Reichs- tagswahlen. Die Archivverwaltung. Briefkasten der Expedition: Rothkäppchen: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh.— Zürich: Fr. 28 10 Ertrag einer Abendunterhaltung vom Deutschen Ver. „Eintracht" pr. Ufd. dkd. erh.— Ahasverus: Mk. 22 60 Ab. 4. Qu 83 erh. Desgl. Mk. 3— f. N. und Mk. 3— f. W. Ab. 1. Qu. erh. und gutgebracht. Weiteres mit 14.— Rothbart: Mk. 200— 5 Cto. Ab. ic. pr. Kppch. erh.— Rttgh. C.: Mk. 12— pr. Ab. 84 erh.— H, I. Forest: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. erh. Adr. geordn.— Wsht. Z.t Fr. Ab. 2. Qu. erh.— PH. C. Antwp.: Fr. 10— Abon. 2. Qu. erh.— E. Str. Lzu.: Mk. 3 20 Ab. 2. Qu. erh.— R. Paris: Fr. 150— Ab. 1. Qu. k. erh.— M. Elpd. Genöve: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh. — Paris: Fr. 75— Parteibeiträge pr. 1. Qu. pr. Agfds. dk erh., Fr.� 60— pr. Ufd. d. öfter. P.�G. dkd. zugew.— Rdlf. Tr. O'strß: Fr. 6— Ab. 2., 3. u. 4. Qu. erh.— F. H. Pinn.: Mk. 28 70 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.— Rother Hans: Mk. 46 95 Ab. 1. Qu. u. Schst. nebst Ggrchg. gutgebr. Weiters vorgemerkt.— R. Hfi Morges: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— F. R. Herisau: Fr.— 40 f. 2 Krudysteckbriefe erh.— B. Hottingen: Fr. 10— pr. Wfd. und Fr. 10— f. d. Streikenden in Nordböhmen dkd. erh.— D. N. Paris: Fr. 2 50 Ab. 2. Qu. erh.— B. I. j. B.: Fr. 12— Ab. 1. Qu. erh.— Kopenhagen: Fr. 60— pr. Diätenfd., Fr. 8 50 P.-Beiträge pr. Febr. u. März dkd. erh. und Fr. 7 50 f. Schft. tc. gutgebr. Biographie Jacoby's oder dgl. leider nicht vorhanden.— K. K. K.: Mk. 6.— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.— Nr. 06 Ja: Mk. 4 20 Ab. 2. Qu. erh.— Rother Hahn in I.: Mk. 8 40 Ab. pr. März erh. Weiteres nach Vorschrift berücksichtigt. Bf. am 12 4. abgesandt— R. K. Budapest: öwfl. 1 20 ä Cto. Ab.-c. erh. An bester Empfehlung unserseits hat's nicht gefehlt.— Jy. Kl. Malta: Fr. 5 30 Ab. 2. Qu. u. Schft.- C. M. Zch.: Fr. 6 50 Ab. 2. Qu.«rh.- S. Manz Zch.: Fr. 5- pr. Whlfd. dkd. erh.- K. B. Anvers: Fr. 5- f. Schft. erh.— H. i. G.: Mk. 8— pr. Diätenfd. dkd. erh. Gruß!— F. Jonscher, Sanford: Fr. 131 56(Doll. 26—) ä Cto. Ab. tc. erh.- Gracchus W.: Mk. 25— pr. Ab. 1. Qu. und Ggrchg. gutgebr.—®. Lke.-Cognac; Fr. 2 50 Ab. erh.— Luzern: Fr. 8— f. d. streikendes Arbeiter in Nordböhmen v. d. szldmkr. Mitgliedschaft erh.; Fr. 2 50 a» Arbst., W. W. abgelfrt.— Danton: Mk. 18— Ab. 1. Qu. erh. d, mehr.— Krmr. u. Seeger Baltimor: Fr. 25 30�Doll.5—) k Cto.'Ab» :c. erh. Die Schuld liegt an Ihnen selbst.— Wsch. Fltrn.: Fr. 2 Ab. 2. Qu. erh.— Newyork: Fr. 293 65(Doll. 58—) gesammelt von im Streik befindlichen Handarbeitern von Straiton u. Storm, pr. Agsd. dkd. erh.— Hmno. W.; Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— A. L. B.: Mt: 1 5,— Ab. 2. Qu. erh. Adr. geordn. Reklamiren Sie bei Ihren Auftrags gebern.— D. i. D.: Mk. 3 30 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Nur im Buch- händlerweg von Paris direkt beziehbar.— Winterthur Dtschr. Ber.: Fr. 14 40, gesammelt an der Märzfeier und beim Abschied v. Kl., pr Ufd. dkd. erh.- F. u. Z. Gens: Fr. 50- ä Cto. Ab. 1. Qu. erh F. d. streikenden Teschener v. K. Fr. 1 dkd. erh.— Dtschr. Ber. Zch. n W.: Fr. 4,— Ab. 2. Qu. erh.— I. L. Chauxdfd. Fr. 3 25 Ab. 2 Oni u. Schft. erh.— Hansdampf: Fr. 10— Ab. I.Qu. erh. Rchng. habe» Sie doch.— P. G. Mtrx.: Fr. 1,25 f.d. streikenden Böhmen dkd. erh Schinn. Baden: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh. D 56 sto Lö 20 8c Rq gei 1- hal bei 22 Fa Anzeigen. Aufforderung. Wir ersuchen um schleunige Aufgabe der Bestellungen auf Die Frau iu der Vergangenheit, Gegenwar und Zukunft. Von A. Bebel. i Ve, Mk Es ist dies nöthig, um die Höhe der im Druck befindlichen Auflag bestimmen zu können. Die Expedition des Soziaaldemokrat. 25 25 Hai Ree Gr- Me 22 K. Bie 80 Im Verlag von Conzett& Ebner in Chur ist erschienen ud durch uns in Parthien zum Preise von 25 Pfg. zu beziehen: Winke für die Agitation und für das Verhalten vor den Behörden. Die Schrift ist für alle in der Agitatton chätigen Parteigenossen ö entbehrlich; sie gibt Winke über die Organisation und den gegenseitig» Berkehr der Genoffen, über ihr Verhalten vor Polizei und Gerich Ferner enthält sie die wichttgsten Bestimmungen des Sozialistengesetz- über die Behandlung von sozialistischen Preßerzeugnissen, Verein» und Versammlungen, Geldsammlungen jc. Die wichttgsten Bestimmung der deutschen Versammlungsgesetze, des Preßgesetzes, das Reichswal gesetz und das Reglement zum Reichswahlgesetz. Die wichtigsten 2* stimmungen aus der Strafprozeßordnung über die Haussuchungen u» Beschlagnahme von Drucksachen, die Verhaftungen und Verhöre, Zeug» Vernehmungen ic., endlich eine Anleiwng zur Ausarbeitung von Wal Protesten. Die Expedition des„Sozialdemokra t." � 5 nos D. v. dui Ri I- Su voi In unserem Verlage ist erschienen: ABC des Wissens ftir die Denkenden. Von Dr.«. Douai. Dritte unveränderte Auflage. Preis: Bei Einzelbezug für die Schweiz und Ausland: 30 Cts. Deutschland: 30 Pfg. Kei größerem Keskge entsprechender Kndatt. Erpcöilion des Sozialdemokrat. Volksbuchhandlung. ldt Kottiugdv-Aürich. wc % P. str Nc ei WamL Arbeiter-Portbildtmgsver " Derselbe versammelt«ich jeden Mob» in Je&n Srosx's Haabirger Hall 176 Ost 3. Street. 1.00(19) Der Vorstand. Sozialistische Aröeiterpartei Amerika. Sektion New-Uork. Sitzung des ZentralkomiteS jeden Dienstag Abends« ö in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Etteet. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres sd „New-Dorker Volkszeitung". Zi! 1! wc Ai (F 14 Dt Fr 5. Ui Sein bestassorttrteS Lager fammtlicher bekannter deutfcher und englischer fosialdemokratifcher Schriften empsiehll zum Verlaus fl.OOj Herrmann Ritzsche, 548, 9. Ave, Rew-Dork City »chweizcrtsche a«uiilIn>sch»ftSd»chdradn»t HoMngen-ZKrich. L