Erscheint Wöchentlich einmal w Zürich(Schweiz). Aerkag dcr G»lk»buchl,a„»lung Hotling«»- Zürich. t'onlo gegen fronto Sewihnliche Briefe Nach der k ch w e>> losten Doppelporto Der KoMldemokrat Jentral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. N: 17 Abonnements werden bei allen Ichwet>erischen Posibureaux, sowie beim»erlag und dessen belannien Aienien entgegengenommen, und Jwae jum v»ra u« i ahlbar«« Bierieljahripreid von Fr!— sürdieEchweizltkreujband) Ml Z— für Deutschland sl. 1.70 süe Oesterreich lllouverij Fr, 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpostverein»eile 25«i». 20 Psg, Ionnerstag, 2», April, Avis an die Avonnenten und Korrespondenten de»„Soztatdemokrat." Da der.e»ii»ldemokr»f sowohl in Dentfchland als anch in Oesterreich»erboten ist. be,w, verfolgt wird und die dortigen »ehbrden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern mSglichfi iu erschweren, refp«riefe von dort an un» »nd unfere Zeitung», und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Aorsichi im Postverlehr noihwendig und darf leine»orfichilrnaßregel versäumt werden, die vriefrnarder über den wahren«bsender und Smpsänger, sowie den Inhalt be, Sendungen zu täuschen und letztere dadurch zu schützen Haupiersorderniß ist hiezu einerseii», daß unsere Freunde I» selten al» I»glich an den.Sozialdemoleaf, refp dessen»erlag selbst»drestiren, sondern stch mbglichst an irgend«ine unverdächtia« Adreste außerhalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit nnl in Verbindung seht; anderseit» aber daß auch un» mbglichst unversängliche Zustellung»adresten miigeiheili werden. In iweiselhaften Fällen empfiehlt stch dehns» größerer Sicherheit«elommandirung. Soviel an u»S liegt, werden wir gewiß weder Mähe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen» stehenden Schwierigleiien den.Sozialdemolrai' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu lieser» Fonds zur Unterstützung der Opfer de« Bozialisteugesehe«. Im Februar gingen ein: Großenhain Mark 25—. Potsdam 19—. Hamburg 110—, Lübeck �urch I, A. 30—. Von Proletariern Schwerins 3 30, Danzig 30-. Gaggenau l 20. Solingen durch I. A. 30—. Stuttgart(pr. Abr.) 353—. Dortmund 20—. Cassel l4—, Ohlau 16 45. Offenbach 20—. Mainz SO—. Rostock 16—. Frankfurt a O. 18 30. Zittau II 50. Darm- stadt 23—. Brandenburg 20—. Glauchau 12—. Mannheim 32—. Löbtau b. D. 7—. Carlsruhe 23 50. Nowawes 6—. Königsberg i/Pr. 20 50. Ronsdorf 12—. Stettin II—. Pforzheim 6—. München 37 50. Von einem Singoerein in Greiz 7 10. St. Johann 12 80. Gera 20 50. Kaufbeuren 3 60. Spremberg 6—. Erfurt 15—. Weimar Mk. 15—. G. Vllm. Dresden 100—. Auch Einer 30—. E. Gr. A-g-n. 5—. S. i. Z. sFr. I—) Mk.—80. Hannover 100— von den Partei- genoffen. Frankfurt a/M. 7 50 von einem Frankfurter. Jugendlicher l— für eine Probenummer„Neue Welt". Von Falstaff in Ludwigs- Hasen a Rh. 50—. Philadelphia(Doll. 15—) 60— von Mitgliedern der Metallarbeiter-Union. Zürich Dtschr. Verein„Eintracht"(Fr. 28 10) 22 48 Ertrag einer Abendunterhaltung. Paris(Fr. 60—) 48— f. d. Familien der Ausgewiesenen in Oesterreich. Zusammen: Mk. 1028 25. Im Februar gingen ferner ein: D Amsterdam(Fr. 18 40) Mk. 14 72 vom Arbeiterbildungsverein. Verviers(Fr.— 37)— 30. v. R. Frz. R. M. Sal. durch F.(10 Lire) Mk. 8— Im März gingen ein: Verden Mk. 50—. Quedlinburg 10—. Erfurt„Das Banner hoch!" 25—. Stuttgart 50—. Altenburg 80—. Halle 30—. Brandenburg 25—. Reichenbach i/V. 25—. Potsdam 20—. Spremberg 30—, Hannover 50—. Caffel 20. München 70—. Frankfurt a/M. 50—. Neustrdt. Magdeburg 20—. Dortmund K. 25—. Dortmund B. 30—. Gteiz 50—. Nowawes 8—. Gaggenau i/B. 14—. Darmstadt 15—. Meerane 25—. Ulm 10—. Zittau 15—. Gotha 20—. Großenhain 22—. Iserlohn o 22 75. Forst i/R. 200—. Carlsruhe 24 20. Iserlohn 15—. Stettin 50—.„Berliner Freunde" 25—. Neumünster 10—. Bielefeld 50—. Dresden-Altstadt 150—. Hamburg 300—. Elberfeld 90—. Schwerin 15—. Lausanne(Fr. 13 50) Mk. 10 80 vom Arbeiterleseklub. Frauenfeld (Fr. 3 50) 2 80 von mehreren Mitgliedern des Dtsch. Ver. Antwerpen (Fr. 10—) 8— von den Genossen. Turin(Fr. 6 50) 5 20 von 5 Ge- nvflen. Mülhausen im Elsaß 10 40. Kreuzlingen(Fr. 5—) 4— von den Benoffen. Von den allen Tannen 3—. Im April gingen ein: Pforzheim Mk. 15— von den Genossen. Gen. in Rathenow 3—. O. R. Chbg' 3 40. Rintheimer Genossen 5—. Stollberg i/S. 3— ]>- P.-Gen. Kopenhagen(Fr. 60—) 48— v. d. P.-Mtgldschft. H. i. G. durch L.(Fr. 10—) 8—. Bukarest(Fr. 23 05) 18 44 v. d. P.-Gen. Zusammen: Mk. 1852 01. Für die streikenden Böhmen. B. Hottingen(Fr. 10—) Mk. 8—. Luzern(Fr. 8—) 6 40 v. d. Mitgldschft. Bon K. d. Naso(Fr. 1—)— 80. Montreux(Fr. 1 25) *— v. P.-Gen. Baden(Fr. 10—) 8— vom Dtsch. Ver.„Einttacht". «ug(Fr. 2—) 1 60 von den Genossen. London(5 Pfd. Stlg.) 100 80. vom„Komm. Arb.-Bldgs.-Ver." Tottenhamstr. Zusammen: Mk. 126 60. Agitationsfonds. Im Februar und Mär» gingen ferner ein: Itzehoe Mk. 6 60 Parteibeiträge. M. Z.— 40. Exter Z.— 40 (durch Schl.) Im April gingen ein: Buffalo(Fr. 4 90) Mk. 3 92 durch L. Hecht. Lukas 7 60 zu Allem, nöthig ist. E. B. Bkst.(Fr. 3—) 2 40. Paris(Fr. 75-) 60— �"rteibeiträge 1. Qu. 84 v. d. Ge». Kopenhagen(Fr. 8 50) 6 80 von P-'Beitrag pr. Febr. und März. Newyork(Doll. 58—) 234 92 von den streikenden Handarbeitern bei Straiton und Storm durch Boß. Der Nordische 2 50. Zusammen: Mk. 325 54. Allgemeiner Wahlfonds. B. Dresden Mk. 100—. I. Kany Xenia(Fr. 2 60) 2 08. Rothwein Zürich(Fr. 2—) I 60. Aus Sevilla und von einem Hidalgo(Fr. 1 60) 128. Buenos-Aires(Fr. 200—) 160— vom Deutschen Verein„Vor- wärts". E. K. Z. durch N.(Fr. 4—) 3 20. 7/9 27(Fr. 5—) 4—. Amsterdam(10 Gulden) 16— von den rothen Schustern. B. Hottingen (Fr. 10—) 8—. C. Manz, Zürich(Fr. 5—) 4—. Winterthur(Fr. 14 30) 11 44, gesammelt zur Märzfeier und bei Kl.'s Abschied vom Dtsch. Arb.-Ver. Liste I ges. v. Es. in P. En avant Fr. 10—; Druff p. 5—-; I Fr. 15—; Anonyme Fr. 5—; I Fr. 5—; Hurrah Fr. d—; Z...tz Fr. 5—; Elsässer Fr. 5—; Hurrah 2—; S...g Fr. 3—; W... ter Fr. 12-; Rother Fetzen Fr. 8-; Ach Gott Fr. 15—; m-j«h Fr. 5—; zusammen:(Fr. 100—) 80—. Zusammen: Mk. 351 60. Anthellfonds-Quittung. Zwickau i/S. Mk. 80—. Zum Lehmann-Denkmal. Bern(Fr. 10—) Mk. 8— v. d. P.-Gen. durch Schttgn. Die„Sozialreform" BiSmarck's sollte nach zwei Seiten hin zur Verwirklichung ge« langen, einmal durch die sogenannte Wirthschaftireform, insbesondere den Schutzzoll und indirekte Steuern, und zweiten» durch die sogenannten Arbeitergesetze. Durch die WirthschaftSreform sollte der„arme Mann" entlastet und mit Arbeit und guten Löhnen versehen; durch die Arbeiter- gesetze gegen alle Kalamitäten der Krankheit und ArbeitSunsähigkeit geschützt werden. Die Verheißung war schön, die Erfüllung ist aber ausgeblieben. Der„arme Mann", der durch die WirthschaftSreform beglückt werdm sollte, stellte stch sehr bald«lS der land» oder kapital- besitzende Großbourgeois heraus. Ihm wird in die strotzenden Taschen noch srischeS Geld eingestopft, und der wirklich„arme Mann" ist'S, aus dessen Taschen eS genommen wird. DaS haben wir schon so oft nachgewiesen und dargelegt, daß wir heute nicht deS Näheren darauf zurückzukommen brauchen. Daß durch die indirekten Steuern die Lebensmittel des„armen Manne?" ver- theuert und durch die Schutzzölle dem Geldprotzenthum ein setteS StaalSalmosen gewährt wird, welches der„arme Mann" zu bezahlen hat, das weiß heute jedes Kind. Aber in Bezug auf einen Punkt herrschte bisher noch vielfach Unklarheit: die Be- hauptung der BiSmarck'schm Presse, daß die Industrie einen dauernden Aufschwung genommen habe, und daß dieser Aufschwung der famosen Zoll- und WirthschaftSpolitik zu verdanken sei, war nicht überzeugend genug widerlegt worden. Die Thatsache, daß Ende der 70er Jahre einige Industrie» branchen sich etwaS erholten, steht fest, und für die Massen ist eS außerordentlich schwer, zwischen dem proptor doo und post doo— der ursächlichen und der zeitlichen Folge zu unter- scheiden. Der Hinwei» auf andere Länder, in denen stch ohne Schutzzölle ein ähnlicher„Umschwung" bemerklich machte— Gründe, au« der Nationalökonomie geschöpft— nicht? konnte bei den Massen die Thatsache, daß eine Besserung eingetreten war, aufwiegen. Die zunächst interessirten Arbeiter wußten freilich, daß die Besserung höchst problematischer Natur war; indeß Besserung ist Besserung, und in weiten Volkskreisen wurde sie auf da» Conto de» Fürsten Bismarck und seiner Zoll» und Wirth- schaftSpolitik geschrieben. Wohlan— die Thatsache der Besserung ist nachgerade ver- schwunden; in allen Jndustriebranchen, welche an dem Aufschwung Theil gehabt hatten, ist inzwischen der Rückschlag erfolgt, und die Eisenindustrie» daS gehätschelte Schooßkind der Bis- marck'schen WirthschaftSpolitik, ist in eine KrisiS gerathen, die alle bisherigen Krisen an Umfang und Verderblichkeit zu über- treffen droht. „Ueberproduktionl Ueberproduktion!" lautet der Nothschrei und SchreckenSruf au? den Eisendistriktm. Die Waarm- preise sinken, der Absatz ist entweder gar nicht mehr oder nur noch mit großen Verlusten zu erwirken. Und dazu da» alte Lied: „Die Produktion hat stch in den letzten Jahren so kolossal ge- steigert, daß der Konsum nicht mehr Schritt hallen kann." Also die chronische„Ueberproduktion", d. h. jene« bei der kapitalistischen Privatproduktion unvermeidliche Mißverhältniß zwischen Produktion und Konsumtion, aus welchem die Krisen entspringen«nd an welchem die moderne Gesellschaft zu Grunde gehen muß. Daß der Krach in der Eisenindustrie jetzt, kurz vor den Wahlen, zum Ausbruche kommt, wird dem Fürsten Bismarck gewiß nicht angenehm sein und ihm wohl manchm seiner poli- tischen Zirkel zerstören. Wenden wir un» nun zu der anderen Seite der Bismarck- schen„Sozialreform." Hier dieselbe Verlogenheit und Charlatanerie wie dort. Hier wie dort Fürsorge für die Großen, auf Kosten der Kleinen (de»„kleinen Manne«"), obgleich heuchlerisch da» Gegentheil betheuert wird. Da» Krankenkassengesetz, welche» allein fertig geworden ist, hat einen so reaktionären, arbeiterfeindlichen Charakter, daß auch nicht ein Arbeiter in ganz Deutschland e» al» ein heilsame» Gesetz betrachtet; und da» traurige Un- f a l l g e s e tz, da» jetzt al» Entwurf in dritter und verschlechterter Auflage vor un» liegt, will eine berufsgenossenschaftliche Orga- nisation der Kapitalisten schaffen, nachdem die berufsgenossen- fchaflliche Organisation der Arbeiter für unannehmbar erklärt worden ist. Also eine Arbeitergesetzgebung gegen die Arbeiter und für die Kapitalisten. Die Kapitalistenklasse hat die» auch sehr wohl eingesehen; und unbeirrt durch die Deklamationen der Richter, Rickert und anderer Donquixote» de« Manchesterthum» betrachtet sie die BiSmarck'sche „Sozialreform" mit sympathischen Blicken. Auf dem jüngsten Parteitag der Nationalliberalen in Neustadt a. d. H. ist die» recht deutlich zu Tage getreten. Herr Miquel, der ein Bourgeois ist, wie er im Buche steht, und den Bourgeoisgeist in stch verkörpert wie Wenige, hat bei dieser Gelegenheit ein feurige» Pronunziamento zu Gunsten der BiSmarck'schen„Sozialreform" gemacht, und die übrigen Delegirten, allesammt Vollblutbourgeois, jauchzten ihm begeistert zu. Daß die nationalliberale Partei, die Partei der Bourgeoisie par excellence, für die BiSmarck'sche Sozialreform ist und ihre Dienste zu deren Durchführung ange» boten hat, daS ist die beste Kritik, die schlagendste reduetio ad absurdum der BiSmarck'schen„Sozialreform." Bismarck hat ja auch die Absicht, den Herrn Miquel und womöglich noch Herrn Bennigsen al» Portefeuille- Kommi« anzustellen. Und eS schein', daß die Herren nicht abgeneigt sind, die gewünschten Bedienten und HauSknechtdienste zu leistm. Jeden- falls ist die nationalliberale Partei die einzige parlamentarische Partei, welche die BiSmarck'sche Sozialreform apportirt und in ihr Programm aufgenommen hat. Die Nationalliberalen al« Geburtshelfer, Gönner und Pfleger der„Sozialreform"— kann man sich eine schönere Illustration deS Bocke» denken, der zum Gärtner gesetzt wird? Der Aufstand von Cincinnati. Am 28. März fand bekanntlich in Cincinnati ein höchst blutiger Aufstand statt, der so recht deutlich das Blödsinnige jener Anschau- ung darthut, welche Rebellion und Revolution mit einander verwechselt. Es sind bekanntlich die Ordnungsparteien, welche sich diese Verwechslung am liebsten zu Schulden koinmen lassen, aber auch unter den Revolutionären gibt es eine Sorte Leute, welche, stolz auf ihre Unwissenheit, da sie aus Anderes nicht stolz sein können, den seichten Blödsinn der Ordnungsparteien gläubig nachplappert und in der Rebel- lion die Revolution sieht. In Wirklichkeit bildet freilich der Straßenkampf nur eine Episode der Revolution, und nicht einmal eine nothwendige Episode derselben, son- dern nur eine Form, die durch die moderne städtische Entwicklung und die Kriegstechnik bedingt wird und mit diesen sich ändert. Anderseits gibt es Aufstände, die mit der Revolution absolut nichts zu thun haben, Bauernrevolten, Krawalle des Lumpenproletariats, Judenhetzen u. dgl., die mitunter der Revolution sogar sehr feindlich gegenüberstehen können. Von solchen Unruhen wimmelt es heute an allen Ecken und Enden, und die Revolutionäre, die aus ihre Unwissenheit stolz sind und daher keine Ahnung von den Verhältnissen haben, um die es sich bei solchen Exzessen handelt, fallen denn auch regelmäßig darauf rein und jubeln regelmäßig darüber,„daß es schon losgeht." Das heißt, so jubeln sie, wenn ein solcher Krawall in einem fernen Lande vor sich geht, in Rußland, in Kroatien, Bulgarien tc. Wenn da- gegen eine solche reaktionäre Revolte in ihrer nächsten Nähe„losgeht" — ja Bauer, da ist's was Anderes— da wissen sie zwischen reaktio- nären und revolutionären Volkserhebungen sehr gut zu unterscheiden. So ist es jetzt auch in Amerika gegangen. Nichts komischer als die sittliche Entrüstung der dortigen„allein echten" Revolutionäre über die AufHetzer, u in Aufruhr! So schreibt z. B. der große Erfinder der Dynamitflinte(welche jetzt in seiner neuesten Ausrede zu einer ordinären W i n d b ü ch s e zusammenschrumpft — die nächste Revolution wird also mit Wind, sehr viel Wind gemacht) über die Rebellen: „Beifall hat der Blutdurst dieser B e st i e n(der Aufwiegler!) zunächst nur beim bornirtesten P h i l i st e r t h u m und beim Lumpenpro- letariat gefunden, welch' letzteres mittelst Schnaps u. s. w. aus- erkoren worden war, sich für die Herren„Prominenten" die Finger zu verbrennen. Mit anderen Worten: die Vagabunden aus Arbeitsscheu haben die Vagabunden aus Roth veranlaßt, zum„Spaß" der Ersteren sich buch st üblich kannibalisch aufzuführe n." Man könnte meinen, das Urtheil eines„Philisterblattes" über die Mörder des Eifert und seiner Kinder zu lesen, wenn man diesen Abscheu vor dem„Kannibalismus" zu Gesichte bekommt, diese Verachtung deS Lumpenproletariats, diese Entrüstung gegen die AufHetzer, die in Sicher- heit sitzen und Andere für sich„die Finger verbrennen" lassen. Wäre Cincinnatt etwas weiter vom Schuß, z. B. in Oesterreich gelegen, dann wäre der Krawall natürlich ebenso eine revolutionäre Heldenthat, wie z. B. die Brände in der Rossau oder die Schusterkrawalle bei der Lerchenfelder Linie solche gewesen sein sollen. Die„gesinnungstüchtige" europäische Presse ist natürlich auf den „Aufstand" reingefallen und hatte nichts Eiligeres zu thun, al» ihn als einen kommunisttschen hinzustellen. Das ist er nun nicht im Entferntesten gewesen. Eine Reihe ver- mögender und hoch» n ge sehener Bürger war es vielmehr, die zum Ausstand hetzte, aus Wuth über die„Milde" des Gerichtshoses. Dieser hätte nämlich den achtzehnjährigen Mörder Berner nicht zum Tode, sondern zu zwanzigjähriger Zuchthaus st rase verurtheilt. Die„gute Gesellschaft" dürstet aber nach Blut— und sie fand ein williges Werkzeug in der Masse. Dies«, noch nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt, noch nicht von der Wissenschaft„ent- nervt", im Besitze der ganzen Unwissenheit, die einem„echten Revolu- tionär" nothwendig, hatte keine klare Erkenntniß dessen, um was ei sich handle. Sie hatte nur ein unklares Gefühl von der Korruption der Gerichte, von dem Unrecht, das ihr zugefügt werde, sie fühlte ein dum- pfes Mißbehagen und war loszuschlagen bereit, wie immer und überall, ohne recht zu wissen, wieso, warum, wofür. Sie ließ sich aushetzen— das Weitere war die natürlich- Folge der Erbitterung des Kampfes. Die reichen AufHetzer hatten sich natürlich bei Zeiten zurückgezogen— das Volk schlug sich, wurde geschlagen und erwachte mit einem Katzen- jammer aus seinem revolutionären Traume. Und die Moral von der Geschichte? Unser amerikanisches Bruderorgan, die„Newyorker Bolkszeitung", die den Verhältnissen näher steht, wie wir, resumirt die Ergebnisse des Auf- standes in folgender treffenden Weise— wir schließen uns ihren Worten ganz und voll an: „Cincinnati ist eine von Deutschen begründete und durch sie gedeihlich gemachte, ja noch heute fast zur Hälfte von Deutschen bewohnte Stadt. Trotzdem hat daselbst die moderne Sozialdemo- kratie nur schwer und in geringem Maße Eingang f i n d e n k ö n n e n. Die Gewerkschaftsbewegung dort ist nur in wenigen Zweigen gut organisirt und nicht sonderlich lebensfrisch. Es ist deshalb auch keinem der Preßreporter dort eingefallen, den Ausruhr aus Rech- nung der„Kommunisten und Sozialisten" zu schreiben. Nur an einer Stelle wird ein„rothglühender Kommunist" als derjenige erwähnt, welcher, nachdem die Brandstiftung im Courthouse das erste Mal miß- lungen war, das Beispiel zu dem zweiten, erfolgreichen Versuche dazu gab. Ob der Ausdruö hier bildlich oder eigentlich gemeint ist, bleibt un- entschieden. Dieser Aufruhr ist also ganz unleugbar auf dem Mistbeete der großen und kleinen Bourgeoisie erwachsen, trägt ihren Stempel, riecht und schmeckt nach ihr, wurde durch das gesammte Philisterthum der Stadt eingeleitet, ausgeführt, durch die schwächlichste und planloseste Bekämpfung großgezogen und erst unterdrückt, als die Miliz von aus- wärtS aus dem Staate gerufen war, und auch dann nur mit unnöthig vielen Opfern. Man sieht also, daß selbst eine ganze Bevölkerung von Philistern aus der Haut fahren, dem bestehenden Gesetze Hohn sprechen, „Revolution" mit Gänsefüßchen machen und sich vor der Welt blamiren kann. Welche große Lehre für Diejenigen, welche glauben, Revolution anstiften zu müssen und zu können! Sie entstand hier, und entsteht immer von s e l b st, nämlich durch die Abgelebtheit und Unsicherheit der„bestehenden Ordnung", welche vielmehr eine Unordnung ist und unsäglich viel Zündstoff aufgehäuft hat. Aber es wird eine wirk- li ch e R ev o l uti o n d ar au s nur, wenn ein organisir- tes Proletariat vorhanden und sich darüber klar i st, welche neu«, wirkliche Ordnung an Stelle des verrotteten Gemeinwesens gesetzt und wie eine heilsame Maßregel nach der anderen ergriffen wer- den muß, welche die Erreichung des vernünftigen Z i e l e s s i ch e r n. In jedem anderem Falle entsteht ein Putsch, ein verächtlicher Krawall, ein verderblicher Ausruhr, eine ebenso lächerliche als traurige Poffe, welche Alles verschlimmert." Unser Newp orker Bruderorgan brandmarkt indeß nicht nur das Lächer- liche der Putschinacherei, sie versteht es anderseits auch, den„Aufstän- dischen" gerechter zu werden, als die„einzig wahren" Revolutionsblätt- chen. Diese, haltlos, wie sie sind, und voll kindischer Anschauungen über die Revolution, können freilich soweit gehen, in der„Verführung" durch Schnaps die Veranlaffung der Volksbewegung zu sehen. Wir haben mehr Achtung vor dem Volk. Wir erklären es weder für„Kaf- fern", noch halten wir dafür, daß es sich blos im Rausche erhebt. Einem jeden Aufstand liegt stets ein instinktives Gefühl erlittenen Un- rechtes zu Grunde, das freilich keine befreienden Resultate äußern kann, solange es eben nur instinktiv, nicht zielbewußt ist, das aber immer zu achten ist. Auch in dieser Beziehung schließen wir uns der„Newyorker Volkszeitung" an, wenn sie im Gegensatze zu den wüsten Schimpfereien der amerikanischen Anarchisten auf die aufständische Volksmasse dieser gerecht wird und die tieferliegenden Ursachen der Empörung hervorhebt. Sie sagt: „Aber eine weitere Thatsache ist in Cincinnati festgestellt worden— die Thatsache nämlich, daß es unter der Verfassung der Ver. Staaten und ihrer Einzelstaaten durchaus kein Mittel gibt, um dem empörten Rechtsgesühle der gesetzliebenden Bürger eine so rasche und vollständige Genugthuung zu verschaffen, daß Ausbrüche der Gewaltsamkeit, wie das Lynchen, die Blutrache, die Räuberbanden im gewöhnlichen Wortsinne und die Aufstände des vornehmen und geringen Pöbels zu verhüten möglich ist. Diese Konstitutionen alle sind für einen Zustand der Dinge berechnet, in welchem eine gewiffe Gleichheit der Lebenslage der über- großen Mehrzahl bestand, schroffe Gegensätze in Vermögen, Bildung und Freiheit noch nicht eingerissen, die„Schönheiten des Kapitalismus" erst im Entstehen waren. Damals waren die Geschworenen, die Gerichte und Sachwalter noch unbestechlich, wenigstens in der Regel; es gab keine mächtigen Unterdrücker und wehrlos Unterdrückten; man konnte nicht im Gemeinwesen die Ursache eines privaten Elendes finden. Das AlleS ist mächtig verändert. Der übergroße Reichthum der Wenigen verpfuscht alle Gerechtigkeitspflege; er besticht mittelbar oder unmittelbar, alle Ge- setzgebung; alle mühselig nach alter Rechtsgewohnheit erlangten Reform- gesetze erweisen sich nach und nach als nur zum Scheine gegeben. Scham- los macht die Korruption der Behörden sich breit, erklärt das Sitten- gesetz und das rechtliche Volksbewußtsein für„Sonntagschul-Moral" und den gesetzlichen und ungesetzlichen Diebstahl und Raub für die einzig- wahre Lebensweisheit. Die verfolgte Unschuld findet nur in Ausnahme- fällen noch Schutz— die übermüthige Macht behält in der Regel Recht. Das arbeitende Volk müßte blind sein, um das nicht tief sich in's Herz zu schreiben. ES verliert die Achtung vor dem„selbstgegebenen"— rich- tiger gesagt, vor dem auf seine Ausbeutung und Versklavung berechneten Gesetze, welches ihm ohnehin zu einem„Buche mit sieben Siegeln" ge- macht wird. Eine Zeitlang noch lebt es in den Tag hinein und verspart seine Privatbeschwerden auf einen Tag der allgemeinen Abrechnung. Aber die Anzahl der unter Gesetzesvollmacht, oder ohne sie, Verelendigten wächst in's Ungeheure, und daß die Abrechnung mit den Mächtigen und dem von diesen verballhornten Gemeinwesen gar nicht mehr ferne ist, wird immer augenfälliger. Wir wollen also mit den Philistern von Cincinnati nicht gar zu strenge in's Gericht gehen. Man hat sie gar übermüthig herausgefordert, und sie waren— ihren guten Volksschulen zum Trotz— von ihrer Presse, ihren Kanzeln, ihren Stumprednern, ihren Zopfgelchrten und Bierphilosophen gar zu arg verdummt, als daß sie der hohnlachenden Welt ein besseres Schauspiel dramatischer Gerechtigkeit hätten aufführen können." Der Idealismus und der Materialismus in der Geschichte. Aus einem Vortrage Paul Lafargue'S, gehalten in dem Corcls de la Bibliotheque socialiste zu Paris. n. Mit Schimpf und Schande ist Gott aus der Natur verjagt worden und sind die Funktionen, die man ihm früher zuschrieb, als Eigenschaften der Materie anerkannt worden; vergeblich aber versucht man es seit dem 18. Jahrhundert, ihn aus der Geschichte zu verjagen. Dort, wohin die unbarmherzige Kritik der Enzyklopädisten gedrungen war, war es mit dem naiven Gotte Israels vorbei: im Sturme der Revolution wurde er durch ein Dekret abgeschafft, gleich einem simplen Feldhüter. Aber damit das Volk die Last von Elend, die man ihm aus die Schulter lud, mit Geduld ertrage, machten sich die Philosophen, die Denker, die Oekonomisten nnd Polittker der Bourgeoisie an's Werk, neue Götter zu erfinden, der Christengott wurde durch die Halbgötter der bürgerlichen Mythologie ersetzt, durch den Gott Fortschritt, durch die Göttinen Frei- heit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit ic. Man zog diesen neuen Göttern die Lappen des entthronten Gottes an; man machte sie unsterblich und stellte es als ihre Aufgabe hin, die Menschheit ihren Zielen entgegenzuführen; und damit die Illusion eine vollständige sei, vermenschlichte man sie, verlieh ihnen Menschengestalt gleich Jupiter und Jesus. Aber diese Götter des bürgerlichen Olymps sind ohne Größe und Poesie, sie sind noch grotesker als die Gottheiten der christlichen und heidnischen Mytho- logie. Ihr unlogischer und widerspruchsvoller Charakter springt in die Augen. Die weltlichen Priester der Bourgeoisie, die Philosophen, Moralisten Oekonomisten und Politiker, schwören bei ihren Jrrthümern, ihren Lügen und ihrer Charlatanerie, daß der Gott Fortschritt sich am wirksamsten bei den Völkern zeige, die von der kapitalistischen Zivilisation beherrscht werden; in Wirklichkeit aber finden wir, daß bei den Nationen, bei denen der Gott Fortschritt herrscht, das Menschengeschlecht in der kläg- lichsten Weise verkommt. Das sagt nicht ein mißvergnügter, umstürzlerischer Sozialist, sondern einer der größten Gelehrten des Zeitalters der Bourgeoisie, der Chemiker I. Liebig.„In allen Ländern Europa's, in denen die Konskription eingeführt worden, ist die Durchschnittsgröße der Männer stetig gesunken und hat die Tauglichkeit zum Militärdienst abgenommen. Vor der Re- volution von 1789 betrug das Minimum der Körperhöhe eines Jnfan- teristen in Frankreich 165 Centimeter; 181 8(nach dem Gesetze vom 10. März) 157 Centimeter; endlich nach dem Gesetz vom 21. März 1832 nur 156 Centimeter. Mehr als die Hälfte der Männer ist in der Regel wegen körperlicher Fehler oder wegen zu geringer Körperhöhe untauglich zum Kriegsdienst. In Sachsen betrug das Militärmaß 1709 178 Centi- meter, heutzutage 155; in Preußen 157. Nach den Daten, die Herr Meyer in der„Bayrischen Zeitung" vom 3. Mai 1862 veröffentlicht hat, waren in einem Durchschnitt von 9 Jahren von 1000 Stellungs- Pflichtigen 717 untauglich, 318 wegen ungenügender Körpergröße und 399 wegen Gebrechen. 1858 konnte Berlin nicht sein Kontingent für die Reserve liefern; es fehlten 156 Mann."') Und diese Ansicht über die Entartung des Menschengeschlechtes in den Ländern der„Zivilisation" steht nicht vereinzelt da; Charles Darwin schreibt: „Dr. Beddoe hat vor Kurzem nachgewiesen, daß bei den Bewohnern Großbritanniens der Aufenthalt in den Städten und gewiffe Beschästt- gungen einen die Körpergröße beeinträchtigenden Einfluß haben: und er schließt ferner, daß das Resultat in einer gewissen Ausdehnung vererbt wird, wie es auch in den Vereinigten Staaten der Fall ist. Weiter glaubt Dr. Beddoe, daß, wo immer nur eine Rasse das Maximum ihrer physischen Entwickelung erlangt, sie auch an Energie und moralischer Kraft sich am höchsten erhebt.') Der Gott Fortschritt sührt also die Völker der kapitalistischen Zivi- lisatton zur physischen und moralischen Entartung. Die Bourgeoisrepublikaner glühen so vor Verehrung für die drei Göttinen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, daß sie deren geweihte Namen sogar über den Thoren der Gefängnisse und Bagnos anbringen ließen: sie beweisen damit, daß es in der kapitalistischen Gesellschaft ebensoviel Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit innerhalb des Gefäng- niffes wie außerhalb desselben gibt. Die kapitalistische Gesellschaft ist in der That nichts Anders als ein ungeheures Bagno: ohne Unterschied des Alters und Geschlechts ist die große Masse in den Fabriken einge- sperrt und zu harter Arbeit für 10— 12 Stunden des Tages verurtheilt, um einen Hungerlohn zu empfangen. Zur Zeit, als der Christengott noch herrschte und die republikanische Dreieinigkeit noch nicht empfangen und geboren ward, vor 1789, gehörten der Sonntag und die Feiertage noch den Arbeitern; 90 Tage im Jahre waren sie von der Arbeit be- freit, einen Tag von je vier und einem halben. Seitdem aber die drei Gottheiten der Bourgeoisie die Kalenderheiligen ersetzt haben, haben auch die Unternehmer, ob Freidenker oder gute Katholiken, die Feiertage ab- geschafft, ja selbst den Sonntag mit Arbeit belegt, und dazu den Arbeiter schlechter genährt, so daß er immer mehr verkrüppelt.') Die Gottheit Vaterland besitzt die entartete Neigung des Weibes; sie öffnet ihre Arme und gewährt ihre Gunst nur Denen, die sie schlagen, sie berauben und verrathen. Die Gambettisten, diese großen„Patrioten", haben das Kreuz der sogenannten„Ehren"legion einem Bleichröder an die Brust geheftet, dem finanziellen Helfer Bismarcks; dieser würdige Sohn Abrahams sagte dem unbarmherzigen Sieger, als man über die Kriegsentschädigung berieth:„Nur frisch draus los, verlangen Sie zehn Milliarden»on Frankreich, es wird froh sein, uns um diesen Preis loszuwerden." Da sind ferner die„Patrioten" der Finanz, welch« die Ersparnisse Frankreichs in's Ausland gebracht haben, um mit denselben die uns feindlichen Nationen militärisch und industriell auszurüsten. Da sind die Patrioten der Industrie, welche die Rohprodukte zugerichtet aus Deutsch- land, Belgien, Oesterreich kommen lassen, um die heimische Industrie zu ruiniren. Da sind endlich die Patrioten der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften und der Gesellschaft der Oekonomisten, welche darüber berathen, wie man am besten in Frankreich chinesische Kulis einführen könne, um ihre französischen„Brüder" auszuhungern und deren Löhne herabzudrücken. Die Götttn Gerechtigkeit rechtfertigt die Diebstähle, welche die Ausbeuter an der Arbeiterklasse unter den Namen von Profiten, Zinsen, Renten verüben. Die bürgerliche Ideologie, welche, wie einst Jesus und die Jungfrau Maria, dazu gedient hat und noch dient, das Volk zu betrügen, fühlt jedoch ihr Ende herannahen; der ökonomische Materialismus von Marx gibt ihr den Todesstoß. Aber, sagen die Oekonomisten, die Naturgesetze der politischen Oeko- nomie sind nicht bloße Ideen, sondern positive Gesetze, welche auf dem Wege der Beobachtung erforscht wurden und welche die Erfahrung jeden Tag bewahrheitet; das sind ewige, unveränderliche Gesetze; und wie unlängst der„Temps" schrieb,„Die Sozialisten werden sich eher, wie die Schlange an der Feile, alle ihre Zähne abstumpfen, ehe sie diese verletzen." In den Glauben an die Unveränderlichkeit dieser Naturgesetze hüllen sich die B e a u l i e u und Courcelle-Seneil, um das Elend des Volkes mit der würdevollen Ruhe eines Vivisektors zu beobachten, der die Organe eines Frosches bloskdgt. Es ist dieser Aberglaube, der kürzlich Herrn Courcelle- Seneil in der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften sagen ließ:„Nehmen wir es als eine Wahrheit an, daß unter dem gegenwärtigen Stande der Dinge der Arme immer ärmer wird und der Reiche immer reicher; was beweist das vom wissen- schaftlichen, vom absoluten Standdunkte aus? Nichts." Das heißt, nach den Herren Oekonomisten, die Arbeiter sollen ohne Murren ihre Leiden hinnehmen und ruhig Hungers sterben im Anblick der Reichthümer, die sie allein geschaffen haben: so wollen es die Naturgesetze der politischen Oekonomie. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. April 1884. — Bourgeoisrepublik und soziales Königthum. Die konservative Presse liebt es bekanntlich, auf die Arbeiterzustände in Amerika, Frankreich und der Schweiz hinzuweisen, um darzuthun, daß die Republik für den Arbeiter ein ganz bedeutungsloses Ding sei. Ja, in der Bourgeoisrepublik herrscht das Kapital unumschränkt, während es in der Monarchie an dem Königthum, das keine Klaffeninteressen hat, seine Schranke findet. So die konservative Theorie, und in der That müssen wir gestehen, daß die Republiken Amerika, Frankreich und die Schweiz vom Staatssozialismus und praktischen Christenthum viel weiter entfernt sind, als die von legitimen Herrschern regierten Mon- archien Preußen und Oesterreich. Freilich, böse Menschen behaupten, gerade dieses praktische Christenthum knechte die Arbeiter erst recht, und in einer demokratischen Republik könnten die Kapitalisten schon aus Furcht vor den Arbeitern doch nicht so unverschämt werden, wie in einer Monarchie. Vielleicht illusttiren einige Thatsachen das Verhälwiß zwischen Bour- geoisrepublik und sozialem Königthum am besten. Nehmen wir deren Stellung gegenüber von Streiks. Da ist jetzt in Frankreich nach 54tägigem hartem Ringen der Strike von A n z i n zu Ende gegangen. Die republikanische Regierung hatte Truppen in das Streikgebiet gesandt, die sich jedoch ruhiger verhielten, als man in romanischen Ländern bei ähnlichen Gelegenheiten gewohnt ist. Sonst aber verhielt sich die Regie- rung der französischen Republik vollkommen neutral den Streikenden gegenüber und ließ ihnen und ihren Freunden die vollste Freiheit. Wie verhält sich nun das„soziale Königthum" gegenüber von Streiks? Wir haben eine Reihe von Streiks in Berlin, an anderen Orten Deutschlands, ferner den schon früher ausführlich besprochenen in Nord- böhmen an der sächsischen Grenze. Sammlungen durch die Preffe für die Streikenden sind v e r b o t e n, Versammlungen, in welchen zur Unterstützung der Streikenden aufgefordert wird, werden a u fjg e l ö st, ja, in Sachsen werden— auf keinen Fall im Widerspruch zu den Inten- tionen des sozialen Königthums— Gelder, die für die Streikenden einlaufen, konfiszirt, d. h. d i e P o l i z e i stiehlt denverhungern- den Webern vonNordböhmen die kargen Scherflein, welche ihre darbenden Brüder ihnen zusenden. Der- gleichen hat die Bourgeoisrepublik nicht gewagt. ') I. Liebig, Die Chemie in ihrer Anwendung auf die Agrikultur und Physiologie. 1862. ') Ch. Darwin, Die Abstammung des Menschen. Bd. l. ') Die De M u n und Calla haben in Frankreich den christlichen Sozialismus wieder flott gemacht; wollen sie, daß man ihren Sakristei- Sozialismus nicht als Schwindel bettachtet, so müssen sie damit anfangen, ihre katholischen Freunde, die Chagots und andere Cagots(Mucker), zu bewegen, in ihren Fabriken die Ruhe des Sonntags und der Feiertage wieder herzustellen. P. L. (Die deutschen und österreichischen Christlich-Sozialen kümmern sich bekanntlich mehr um die Sonntagsheiligung, als um die Sonntags- ruhe. Sie stehlen dem Arbeiter noch das Bischen freie Zeit, das ihm der Fabrikant gelassen, für ihre religiösen Komödien. Die Red. des„Soz." genanv halten Wir wissen sehr wohl, daß die französische Republik kein ideales Ge- bilde ist; wir wissen sehr wohl, daß sie vielfach nichts ist als eine neue und nicht verbesserte Auslage des Kaiserreichs, daß sie von wirklicher servatt Demokratie noch sehr weit entfernt ist; wir wissen auch sehr wohl, daß B e d i das polittsche Uebergewicht der Bourgeoisie auf ihrem ökonomische«> Gouroi Uebergewicht beruht, und daß die demokratischste republikanische Verfassung! Ichen a die Ausbeutung und Knechtung des Arbeiters nicht hindert, so lange gel un! die kapitalistische Produktionsweise fortbesteht. Aber das Maß der Aus- seitens beutung ist ein geringeres dort, wo der Arbeiter ein politischer Faktor' der ebe ist, mit dem gerechnet werden, dem man Konzessionen machen muß; wo hnd wj politische Freiheit herrscht, wird, unter sonst gleichen Umständen, bei gleicher industrieller Entwicklung, gleichem Standard ok like etc., der Ausbeutung des Arbeiters ein stärkerer Damm entgegengesetzt sein, als dort, wo der Arbeiter polittsch unfrei ist; in ersterem Lande wird der Arbeiter bessere Arbeiterschutzgesetze, eine bessere gewerkschaftliche Organisation und mehr Achtung Seitens der Bureaukratie errungen haben, als in letzterem. Am meisten ausgebeutet sind die Arbeiter in Ländern, wo sie polittsch vollständig rechtlos sind, oder es bis vor Kurzem waren,!"ächstex wie in Oesterreich, Italien, Belgien. i u v j Politische Rechtlosigkeit des Arbeiters bedeutet also auch vermehrt« höhe, Ausbeutung desselben, und so bedeutet auch das Soziali st engesetz Zahl so vermehrte Ausbeutung der deutschen Arbeiter. Ohne Sozialisten- I"Nd da gesetz wäre die günstige geschäftliche Konjunktur, die jetzt wieder vorüber"'cht zu ist, von den Arbeitern ganz anders ausgenutzt werden, als es der Fall I Dam war, die Löhne wären ganz anders gestiegen, die Arbettszeit ganz anders �ch e I verkürzt worden.'en g, Die Frage der Regierungsform ist daher für das Proletariat keines-„kl ........ Ml' deutsch! ! Hundes «ie nick Co, hff da- �ttikel �islna: falls bedeutungslos; und wenn das„soziale Königthum" erklärt, ohne i l l Sozialistengesetz nicht regieren zu können, so erklärt es, ohne vermehrte j Elitär; Ausbeutung der Arbeiter nicht regieren zu können, so setzt es sich in! sUng„c einen Gegensatz nicht nur zur Arbeiter partei, sondern zur Arbeiter- I �ann i klasse, so erklärt es seine Existenz für unvereinbar mit den Klassen- hen rick interessen des arbeitenden Volkes, so nährt es in diesem den Gedanken das der Nothwendigkeit der Beseitigung des Königthums."n. C Je lauter das Königthum nach Verlängerung des Sozialistengesetzes �"8 ül jammert, desto lauter ertönt aus den Reihen des Proletariats der Ruf: Le Es lebe die Republik! , Diese — Herr Mommsen, der Soziali st entödter. Die Lor- Cp" un beeren der Herren Treitschke und Sybel lassen ihn nicht schlafen, � sage, den Geschichtschreiber des Römerreiches, und er fühlt sich bemüssigt, dar- fj�t t zuthun, daß er vom Sozialismus ebensowenig versteht, wie seine genannten � Vo Kollegen, und daß er gleicher logischer Saltomortales wie sie fähig ist., Nur dadurch können wir uns sein offenes Schreiben erklären, welches|efetz isi er am 8. d. M. an die„Fränkische Leuchte" richtete, in dem er seine fW He Stellung zum Sozialistengesetz motivirt. Er erklärt der Sozial-?«ne demokratie gegenüber alle Mittel für gerechtfertigt, ist aber gegen �deng das Ausnahmegesetz, weil dieses seinen Zweck nicht erfüllt. Er ist der � Meinung, das pin(RriPitmnfc etnpä fpftr ftprpcfiHprftrtfon � - 21 M n st e Wgenha Sa, ma 'ftSanij kZituli Zst-Ms -lebe. , Aber ine Erzeugniß eines sehr gerechtferttgten, —— a, den Zweck, den es verfolgt, nicht �? oder kaum fördert, vielmehr ihn schädigt. Dies zeigt vor Allem der' Erfolg. Daß die sozialistische Partei jetzt mächtiger ist als zu der Zeit, wo das Gesetz erging, ist eine Thatsache, die nur Der- jenige nicht sieht, der nicht sehen will. Die Reichstags- wählen sind dafür der untrügliche Messer und die Warnungen, die sie ertheilen, vernehmlich genug. Die Regierung selbst erkennt in den Mo- tiven der Vorlage dies unumwunden an, wenn sie auch seltsamer Weise daraus, daß das Gesetz nichts geholfen hat, den Schluß zieht, daß es fo-tbestehen muh.' Theii, „Es kann Das aber auch nicht anders sein. Der frühere wüste Lärm wieder ist freilich verstummt, seit die Sozialisten in der Presse und in den Ver-«eldmü einen mundtodt gemacht sind, und damit besteht allerdings eine Unbe- durch quemlicheit weniger. Daß die eigentliche Gefahr der weiteren Ausbreitung steh en dadurch nicht beschränkt ist, versteht sich ebenso von selbst. Es ist auch ffind bei Seuchen wohl vorgekommen, daß sie öffentlich ignorirt wurden; das Cj«'� war ebenfalls mehr bequem als schützend. Mit dem Festbinden der d e r e> Wetterfahne ist noch kein Sturm gebändigt worden. I o a e n „Aber dasGesetz nützt nicht blos recht wenig, son- droße dern es ist positiv schädlich und fördert die Krank-d-ord h e i t, d i e es b e k ä m p f e n w i l l. Ich denke dabei weniger an di- twejerle Erbitterung, die dasselbe in den Arbeiterkreisen hervorruft, obwohl auch in zgjx, diese, namentlich in Folge der im einzelnen Falle unvermeidlich willkür- dem ein lichen und immer zahlreiche Unschuldige auf das Schwerste schädigenden«n den Ausweisungen, in weiten Kreisen eine gefährliche Propaganda des Ge- Moalim sinnungswiderstandes erzeugt, als an den Ausschluß der Diskussion, welche allein und ausschließlich dem Uebel zu steuern vermag und die__ tr das Gesetz indirekt verbietet. Denn Leute, die sich öffentlich in Rede und die Ar! Schrift nicht vertheidigen dürfen, kann man auch in Rede und Schrift der ent nicht öffentlich angreifen; und so geht das stille Evangelium der Und ber Anarchie unter dem Schutze dieses Gesetzes unwidersprochen durch das sondern Land."*" Also das Sozialistengesetz erfüllt nicht nur nicht seinen Zweck, es schadet noch, weil es die Sozialdemokratie fördert: daraus folgt naturgemäß, daß Herr Mommsen gegen die Verlängerung stimmt, stimmen muß, wenn er noch einen Funken von Konsequenz im Leibe hat. Was thut aber Herr Mommsen? Am Schlüsse seiner Ausführungen Dtreik« erklärt er. „Wenn also der vorhin bezeichnete Fall eintritt(daß die Regierung tausend keine Amendements zuläßt), so werde ich für die Verlängerung des Aus- fliissen nahmegesetzes meine Stimme abgeben, indem ich für die Verkehrt-«rinee heit der unveränderten Verlängerung die Reichs- Die regierung, nicht den Reichstag verantwortlich er- acht e."-j Man fragt sich unwillkürlich, ob man richtig gelesen; aber ja, es sieht R) fyt schwarz auf weiß: der Herr Professor wird für ein Gesetz stimmen, fttssx t welches er soeben in den drastischsten Ausdrücken als verderblich hin- I»gte, u gestellt hat, er wird dafür stimmen— weil— ja, die Begrün-�e d u n g dieser Ungeheuerlichkeit ist das Ungeheuerlich st e�sr jz,.� bei der ganzen Geschichte: Herr Mommsen wird für die Verlängerung?'achtn stimmen, weil die Regierung nicht mit sich handeln läßt, und weil man sich an für etwaige sozialistische„Ausschreitungen" im Falle der Nichtverlänge-„Die rung" die ablehnende Majorität verantwortlich machen könnte— freilich"'cht fti mit Unrecht, wie Herr Mommsen selbst ausführt— aber„es genügt Sta» nicht, Recht zu haben, man muß auch Recht zu haben scheinen" �»ssen, — und da im vorliegenden Falle das Rechte und der Schein des Rechten Jenson, einander diametral entgegengesetzt sind, zieht Herr Mommsen es vor, Wnigg Recht zu haben zu scheinen, als Recht zu haben, und sich hinter der jji and, Reichsregierung zu verkriechen und der die Verantwortung für seine eigene Handlung, für seine Stimme zuzuschieben. �!ager Man muß ein deutscher Professor und Mitglied der d e u t s ch- s e i g- Ihr Se sinnigen Partei sein, um solch' ehrlose Kastratton selbst an sich zu»upttn vollziehen. sr sich Der Herr Professor leistet in seinem Briefe außer dem Zitirten noch vrankre Erkleckliches an Lügen und Gemeinheiten— er hat viel aufbieten müssen,. Ob ji um Das, was er im Anfange gesagt, in das gerade Gegentheil zu ver-"*d£ai drehen; wir wollen ihm das, z. B. die Hinweise auf Hödel und Nobiling ic. Endige schenken: wenn Jemand in den Koth greift, um uns zu bewerfen, so''ssen q besudelt er sich und nicht uns. Nur Eines möchten wir dem berühmten siauer> Historiker noch bemerken: er hält es für nothwendig, den modernen �nn y,, wissenschaftlichen Sozialismus so von oben herab als ein lächerliches«sten d Hirngespinnst zu behandeln:„Der ganze Sozialismus lebt in und von der Unklarheit." Wir machen Herrn Mommsen aus ein Buch aufmerksam,°ttb-„ dessen wissenschaftliche Bedeutung blos von Denen— die allerdings sehr d btn zahlreich vorhanden sind— bestritten wird, die es nicht gelesen oder sißt die nicht verstanden haben:„Das Kapital" von Karl Marx. In diesem sin Zu- Buche ist von der Unklarheit verschiedener Historiker, u. A. von der des Herrn si« jjja Mommsen die Rede. Herr Mommsen thäte gleich manchem Anderen'"t, y gut daran, sich dies Buch zu Gemüthe zu führen, ehe er über den Sozia- Nt � lismus spricht."Hern Der Glaube an den Mannesmuth und die Ehrenhaftigkeit eines k___ deutschen Professors ist schon längst flöten gegangen; aber das Renommee � der Gründlichkeit ist den deutschen Gelehrten noch so ziemlich ge- 1. i D blieben— begnügt sich Herr Mommsen auch auf diesem Gebiete mit-"t" dem Schein? ,-at" 'Nlauf! .�iche — Offiziöser Uebermuth. Je näher der Termin der zweittn �.�tr Lesung des Sozialistengesetzes herannaht, desto feiger, desto hündischer n benehmen sich Zentrum und Deutsch-Freisinnige— letztere deßwegen so Ar »! genannt, weil außerhalb Deutschlands niemand sie für freisinnig e| halten würde. In entsprechendem Maße wächst der Uebermuth der Kon- r servativen, namentlich aber der Offiziösen. Diese sind Bismarcks s) Bediente, jene seine Hunde, die zwar mitunter zu knurren wagen, »: Courage aber nur dann zeigen, wenn sie einem armen Handwerksbur- g! Wen auf die Fersen gehetzt werden. Der Lohn dafür sind viele Prü- e gel und Fußtritte seitens des Herrn, noch mehr Prügel und Fußtritte - seitens der Bedienten. Das passirt z. B. auch Herrn M o m m s e n, r| der eben gezeigt hat, wie gut er aus die Sozialdemokraten dressirt ist Z und wie gut er das Sozialistengesetz zu apportiren versteht. Die„Nord- i deutsche Allgemeine" verhöhnt ihn darob in einer Weise, daß jeder r Hundeseele die Lust nach gleicher Servilität vergehen müßte, wenn ihnen Z' die nicht angeboren wäre. r E» wie dem Einzelnen, ergeht es ganzen Parteien. Die Antwort - uns das Angebot der Verlängerung durch Deutsch-„Freisinnige" gibt ein 3•Wilel in den offiziösen Grenzboten, welcher eines der Lieblingsprojekte ;, Bismarcks, die Verstaatlichung derVolksschule als eine der , Ulilhsten Aufgaben der„Sozialreform" hinstellt. Die Leute wissen iu viel, den Gemeinden soll daher das Recht genommen werden, e- höhere Lehranstalten zu gründen. Der Staat wird dann deren i i p«hl so einschränken, daß der Nachwuchs an„Intelligenz" nicht zu groß i Und damit den Junker-, Beamten- und Offizierssöhnchen die„Karriere" t uuht zu sehr erschwert wird. Ii Damit nicht die Proletarier zu viel lernen, müffe der u n e n t g e l d- ! Unterricht beseitigt werden. Die S ch u l l a st e n sollen von °en Gütern abgenommen werden— wahrscheinlich aus Fürsorge für - h-«kleinen Mann"— und die Lehrer endlich sollen ordentlich g e- e t i*>11 t werden. Man sollte sie„erst nach vollständiger Erfüllung der e Militärpflicht in das Amt einsetzen und sie vor der definitiven Anstel- 1> noch einen seminaristischen Wiederholungskursus durchmachen lassen. - Bann würden sie sowohl mit den nöthigen Kenntnissen, als auch mit - fen richtigen Begriffen von Gehorsam und Disziplin ausgerüstet r!n das Amt eintreten, denn wer erziehen will, muß erst selbst erzogen fim. Gerade den„gedienten" Lehrern sollte man bei der Anstel- 3. ug überall den Vorzug geben, dann würde der jetzt oft so empfind- : � Lehrermangel schon aufhören." sollen wir noch weiter zitiren? >„ efe Pröbchen dürften genügen, zu zeigen, was dem„Volke der Den- - ä* ungestraft geboten werden darf. Freilich, wer A sagt, muß auch i, � lagen, und wer das Sozialistengesetz akzeptirt, muß, wenn er konse- :«?uent ist, auch dafür eintreten, daß der Unteroffizier zum Lehrer a Volkes gemacht und diesem derselbe hündische Gehorsam eingedrillt i. w,td, der der„Volksvertretung" bereits innewohnt. Das Sozialisten- z Uetz ist unwirksam, so lange das Volk zu denken fähig. Also frischauf, e p)1 Herrn„Freisinnigen", apportirt schnell die Verwandlung der Schule l- j" eine Kaserne; schnell, damit Ihr nicht in den Verdacht kommt, dem n Heldengreise den ihm nöthigen Schutz vorenthalten zu wollen. , Reichstagskandidaturen. Für den 1. We i m ar i s ch en it Wahlkreis ist Genosse Fr. Giertz aufgestellt; für Erfurt Genosse t pasenclever. � Aus Sachsen schreibt man uns: Ueber die Arbeits- .'.Zustellung in Böhmen werden von der Bourgeoispresse die ie■Upuhafteften Nachrichten verbreitet. Da es der deutschen Polizei nicht ' Uungen ist, durch Verbote, Haussuchungen und andere Gewaltmaßregeln ie d!>s �ummlungen zu verhindern, will man den Zweck dckvurch erreichen, l 3 man den Streik als gescheitert und beendigt hinstellt. Das i, ,e*ne skandalöse Unwahrheit. Allerdings hat ein großer Bheil der Arbeiter, welche sich an der Arbeitseinstellung betheiligten, 'n die Fabriken zurückkehren müssen, weil es an genügenden �Idmitteln fehlte; ein Theil der Forderungen ist aber Durchgesetzt worden, und in Nordböhmen— in Wernstadt— tskUhen noch immer 400 Arbeiter aus, welche entschlossen ? find, bis zur vollständigen Bewilligung ihrer Forderungen auszuharren. •«ie rechnen auf die Unterstützung ihrer Klassengenossen, i n s b e s o n- '|ete der deutschen Arbeiter— um so mehr, als sie von den . � C e n a n n t e n„A n a r ch i st e n" ihres eigenen Landes, die Anfangs - L''?ret�un9en machten, schnöde im Stich gelassen ic l«)0 i 6 n■' n d. T h a t und Wort ist bei diesen Leuten bekanntlich 16 in«d- Unb menig sie die renommistisch angekündigte„Revolution" fi. Wien zur Ausführung gebracht habe», so wenig zeigen sie sich in dem einfachen Klassenkampf zwischen Arbeit und Kapital leistungsfähig. 0 Mr ben Arbeitern Deutschlands und der übrigen Länder ist es nun, nach e- Aloglichkeit den Streikenden Böhmens Hilfe zu gewähren.*) '�."iDer Streik von Anzin ist vorüber, die Bergleute haben ft d Arbeit wieder aufgenommen— geschlagen, aber ungebrochen. Trotz k � entsetzlichen Hungersnoth hielten sie heroisch acht Wochen lang aus >s. bewahrten ihre Solidarität bis zum letzten Augenblick. Sticht vereinzelt, Mdern in geschlossener Masse gingen sie wieder an die Arbeit, ihre -.�Lanisation ist intakt geblieben. Und die Kompagnie der Ausbeuter .Mkulirt vor den Geschlagenen: von der Einsührung des neuen Arbeits- rt Rebe"0' n)e't�eä den Anstoß zum Streik gab, ist gar nicht mehr die � eii5bct n't�' nut diesen Erfolg hat der Streik gehabt: er war auch -n Ctr gewaltige Propaganda der That. Er hat nicht nur die , sondern auch ihre Genossen revolutionirt: Acht . tau? haben genügt, schreibt Genosse G u e s d e, um die Hundert- s> flüii b uad mehr Bergarbeiter des Nordens den Gambettistisch.n Ein- ♦, o„! n äu entreißen und sie in die ersten Reihen der großen Arbeiter- -. n�e iu stellen, die auf ihr 1789 losmarschirt. .. Bie nächsten Wahlen werden das beweisen. li�. Die Bauernrepuhlik. Herr Jules Ferrp hat bekannt- p,„ürzlich in Perigueux eine Rede gehalten, mit der sich die Tages- n. pefse eifrigst beschäftigt. Was Herr F e r r p über die auswärtige Politik '"U, und was die offiziösen Korrespondenzen daraus machen, aus denen t-."i deutschen Blätter schöpfen, ob fortschrittlich oder konservativ, von ; e|,et Kreuzzeitung bis zur Frankfurterin, das kann uns gleich sein. Der 'ü Pachtung roerth erscheint uns jedoch der Ausspruch, den Ferry gethan, tn" Hfi einen ähnlichen von Thiers anlehnend: PI Li'?'« Republik wird eine Bauernrepublik sein oder sie wird ich"'cht sein!" ftiSttaH�fotmen schweben nicht in der Lust, sie bedürfen bestimmter 'botli' auf die sie sich stützen können. Eine Republik ruht heutzutage "awenig auf dem„Volke", als eine Monarchie auf der Person des >r, Pmigs beruht; sie ruhen aus gewiffen Klaffen, die im Gegensatze et fc anderen Klassen stehen. Die Bourgeoisie beherrscht die modernen sS Maaten, ob Monarchien oder Republiken— aber sie fühlt ihre Kräfte «Uagen, ihren ökonomischen und moralischen Bankerott herannahen. g- uhr Selbstvertrauen schwindet, und unfähig, allein ihre Position zu be- zu raupten, sucht sie angstvoll nach Bundesgenossen. In Deutschland hat P sich vor dem agrarischen König-, resp. Kaiserthum gebeugt, in »ch Mnkreich proklamirt sie jetzt die Bauernrepublik. MK'�r b'e'e Allianz viel helfen wird? Der Gegensatz zwischen Stadt :t< i«, Land ist unter der kapitalistischen Produktionsweise ein naturnoth- V" Madiger, und alle Interessen der Bourgeoisie streben unbewußt dahin, so �len Gegensatz zu verschärfen, statt ihn auszugleichen. Der französische en.auer wird ruinirt durch die amerikanische Konkurrenz: Die Bourgeoisie e">?a sich auf Lebensmittelzölle nicht einlassen, welche die Produktions- � bet Industrie erhöhen. Der französische Bauer wird durch die on. bllfirielle Konkurrenz zu Grund« gerichtet: Die Chemie erzeugt jetzt ?' und Farbstoffe, sowie Weine auf künstlichem Wege, und ruinirt Är.aeu Bauern, oer Wein oder Krapp-c? anbaute. Die Bourgeoisie 'Ct k>iese Industrie nicht schädigen. Und die Industrie bedarf des steti- :m iea Zuflusses billiger Arbeitskräfte vom flachen Lande: der Wohlstand rn � s Bauern hemmt diesen Zufluß. Diese Gegensätze sind unüberbrück- eu. l- Und das nicht allein. Die sterbende Bourgeoisie sucht neue Lebens- >a' sait ju saugen durch ihre Verbindung mit dem fast schon verwesenden auernstande! Nirgends ist der Bauer ökonomisch und moralisch so voll- ies »er, ze->t Die Redaktion und Expedition des„Sozialdemo- nit�at" nimmt, wie schon in einer früheren Nummer bekannt gegeben, die alaufenden Gelder in Empfang und wird den Ertrag Denen, für ,.°'che er bestimmt ist, auf sicherem Weg übermitteln. Direkt an len � streikenden, das möge man ja berücksichtigen— darf nichts ge- )er?�t werden, weil die österreichischm Behörden ein bedeutendes Stieber- so Annexionstalent entwickeln. kommen zu Grunde gerichtet, wie in Frankreich, nirgends so elend, so stupid, so jeder höheren Regung bar, wie in dem Jdeallande des Par- zellenbauern.„Mit einem Leichname alliirt man sich nicht", sagte Na- poleon III., als man ihm nach 1886 zur Allianz mit Oesterreich rieth. Jetzt sehen wir das wunderbare Schauspiel, daß zwei Leichname sich miteinander alliiren. Der Versuch, den politischen Schwerpunkt aus das flache Land zu ver- legen, kann unmöglich gelingen, er ist nur ein Zeichen, daß die Bour- geoisie in den großen Städten den Boden unter den Füßen wanken fühlt. Thatsächlich ist heute in den großen Städten Frankreichs ebenso wie Deutschlands die Arbeiterklaffe die entscheidende Macht, und die großen Städte sind es, welche heute den Gang der Entwicklung bestim- men. Diese Thatsachen laffen sich verhüllen, aber nicht ändern, und unabänderlich ist auch deren natürliche Folge, die Herrschaft des Proletariats. — Väterchen kann wieder flott leben, denn es hat Geld bekommen, Väterchen Zar nämlich. Ueberall in ganz Europa, bei Juden und Christen, hatte er vergeblich seine Kommis anklopfen lassen, nirgends hatte man ihm aufgethan. Da kroch er zu Kreuze und ver- kaufte sich an den Hohenzollern'schen„Erbfreund" für ein nettes Sümmchen— so ungefähr 300 Millionen Mark. Das heißt, der Hohen- zoller gibt dieses Geld nicht her— der wacklige russische Thron ist ihm nicht sicher genug— nein, die preußischen„Staatsmänner" sorgen nur dafür, daß das Publikum— das besitzende nämlich— über's Ohr ge- haut wird und zahlt. Die neue Anleihe, sie nennen's eine Eisenbahn- anleihe, denn unter anderem Titel bekommt Rußland seit langem kein Geld mehr, wird vom Leibjuden Bismarcks, Bleichröder und der preußischen Seehandlung, einem unter staatlicher Leitung stehenden Bankinstitut, übernommen; auf diese Weise wird die russische Anleihe von Staatswegen als solides Anlagepapier empfohlen und also von Staatswegen dem Publikum das Geld aus der Tasche gelockt, damit es in dem weiten Rachen des russischen Bären ver- schwinde— auf Nimmerwiedersehen, denn der Staatsbankrott Rußlands steht außer Frage. Das nennt man geniale, echt christliche Staatskunst, denn aus diese Weise erreicht man die verschiedensten Vortheile ohne das geringste eigne Risiko: man macht aus einem halben Feind einen ergebenen Vasallen, so daß man gegen die französische Republik freie Hand bekömmt; man schiebt den Augenblick des Zusammensturzes für das Zarenthum hinaus und fristet damit dem Hort der Reaktion in Europa voraussichtlich noch für einige Jahre das Leben, und— was auch nicht zu verachten, wenn auch außerhalb des Bereichs der Weltgeschichte liegend— man macht sein kleines Profitchen dabei, denn für den„ehrlichen Makler" fallen von Bleichröder und der Seehandlung natürlich— Maklergebühren ab.* Die dummen deutschen Kapitalistenschafe aber drängen sich dazu, ge- schoren zu werden, sie sind froh, überhaupt ihren Ueberfluß noch los- zubekommen: das ist die Narrheit der kapitalistischen Produktionsweise, daß die Kapitalisten schließlich selbst nicht mehr wissen, was sie mit ihren angehäuften Kapitalien beginnen sollen, so daß sie das, was sie ihren hungernden Arbeitern abgeschunden, leichten Herzens an Peruaner, Türken, Russen und ähnliche sichre Kunden beim Fenster hinausschmeißen. Das gehört auch zu den„Naturgesetzen" unserer Zivilisation. Dreihundert Millionen für den Zaren und für den deutschen Arbeiter nichts! — Vereinigte Staaten. Eine bemerkenswerthe Versammlung ist Samstag den 5. April in New-Dork abgehalten worden. Es war eine Massenversammlung im großen Saale des Cooper- Institutes, ver- anstaltet von unseren Genoffen zur Besprechung des Aufruhrs in Ein- cinnati, eine Maffenversammlung im wahrsten Sinne des Wortes, denn der riesige Saal und dessen Vorhalle waren gedrängt voll. Den Vorsitz führte Mac Guire, es sprachen E. King, W. Mac C a b e, Franz Seub ert und Alexander Jonas. Namentlich die Rede des letzteren war bemerkenswerth: ein kurzer Abriß der Geschichte der Korruption in den Vereinigten Staaten. Bis etwa zum Bürger- kriege war die politische Korruption Selbstzweck, man trieb Politik, blos um sich zu bereichern. Aber seitdem haben sich die Klassengegensätze verschärft und treten die Klasseninteressen in den Vordergrund: heute ist in den Vereinigten Staaten die politische Korruption Mittel zum Zweck, zur Ausrechthaltung der Ausbeutung des arbeiten- den Volkes. Die Politiker sind Werkzeug des Kapitals geworden. „Seitdem die Großproduktion aus allen Gebieten des wirthschaftlichen Lebens ihren Einzug in die Ver. Staaten gehalten", sagte Jonas,„seit- dem Länderkomplexe so groß wie europäische Staaten Einzelnen oder Attien-Gesellschaften gehören, seitdem alle Verkehrswege, Telegraphen und Eisenbahnen monopolisirt sind, seitdem Heerden von 100,000 Stück einen Besitzer haben, seitdem Kombinattonen von wahrhaft gigantischer Größe den Geldmarkt beherrschen, seitdem es nur noch eine Frage der Zeit geworden, ob die hundertfachen Millionäre zu tausendfachen wer- den, seitdem in demselben Verhältniß, wie diese unbeschreibliche Macht in den Händen Einzelner wächst und wächst, das arbeitende Volk, das alle diese Güter mit seiner Hände Arbeit hervorbringt, immer mehr ver- elendigt und in immer hoffnungslosere wirthschaftliche und darum auch politische Abhängigkeit getrieben wird, seitdem verschwinden die kleinen Selbstbereicherungs-Zwecke der gewöhnlichen Politiker vor den„höheren" Zwecken der wahren Könige dieses Landes, der Monopolisten und Ka- pitalisten. Daß jene Jnstituttonen und Gesetze so bleiben, resp. noch geeigneter gemacht werden, um den Zustand der Dinge zu befestigen und in derselben Tendenz zu erhalten und zu erwettern, dazu brauchen die Monopolisten und Kapitalisten vor allen Dingen Gesetzgeber, Richter, Geschworene, Berwaltungsbeamte, Zeitungen und Advokaten. Und alle diese Dinge kaufen sie eben." Die heute in den Vereinigten Staaten herrschende Korruption ist also ein Erzeugniß des Kapitalismus, und kann nur mit diesem verschwinden. Die Resolutton, die Jonas einbrachte, entspricht dem Standpunkt der „N.-I. Volkszeitung", den wir an anderer Stelle ausführlich dar- gelegt. Sie wurde einstimmig angenommen. Die Anarchisten wagten es nicht, sich zu rühren, nur gegen Ende machten sie einen schüchternen Versuch, Skandal zu provoziren; ein Anarchist rief:„Zu den Waffen!" Aber er wurde ausgelacht, so gründlich, daß ihm die Lust verging, den Ruf zu wiederholen. Ruhig wurde die Versammlung geschlossen. Ebenso bemerkenswerth, als deren Verlauf, war das Verhalten der Polizei zu derselben. Die Arbeiterbewegung New-Aorks wird den Ausbeutern zu mächtig, sie dürsten nach ähnlichen Szenen, wie sie Cincinnati eben gesehen, um die Arbeiter New- Jorks mit blutigen Köpfen heimschicken zu können, und die Polizei der Stadt, von der eben schmutzige Geschichten an's Tageslicht gekommen, sehnt sich auch nach einer Gelegenheit, sich in Arbeiterblut reinzuwaschen. Die Polizei trat daher so provokawrisch als nur möglich auf; der Polizeikapitain Mac Cullagh drohte sogar vor der Versammlung, er werde jeden Redner, der eine„Brandrede" halte, von der Tribüne herunterzerren, und ver- haften. Die Arbeiter aber liehen sich weder einschüchtern noch provo- ziren. Sie verachteten die Drohungen und hielten unbekümmert ihre Versammlung ab. Man sieht aber aus diesem Vorkommniß, wie aus so manchem an- dern, wie sehr die Klassengegensätze sich auch jenseits des Ozeans zu- spitzen, und daß auch drüben sich das soziale Gewitter drohend zusammen- ballt. — Ein neuer Sport ist jetzt unter der blasirten und gelang- weilten Jugend der Ausbeuter Englands in die Mode gekommen: die Jagd auf A r a b e r in Egypten, die etwas aufregender ist und den Blutdurst des verkommenen Gesindels noch besser befriedigt als das Taubenschießen in Monaco. Aus die Nachricht von den Siegen G r a- h a m' s über O s m a n D i g m a hat sich eine ganze Anzahl von Mit- gliedern der jounssso ävrö« jgoldenen Jugend) nach Egypten eingeschifft, um an der neuen Jagd theilzunehmen. Der egyptische Kriegskorrespon- dent der„Daily News" durfte sich unter dem Beifall des höheren und höchsten Mobs rühmen, auf einzeln gehende Araber des Spasses halber geschossen zuhaben. In der„Armyand Navy-Gazette" erzähll ein englischer Offizier seine Heldenthaten in den Schlachten bei Suakim. Er sagt von sich selbst:„Ich nahm einen prachtvollen Speer und tödtete eine Menge Verwundete d a m i t." Das sind dieselben Leutchen, die über die Hinrichtung Alexander II., des Blutgierige», außer Rand und Band vor moralischer Entrüstung geriethen. Sehr gut stimmt zu dieser Jägerei, was der Münchener„Allgemeinen" aus Alexandrien berichtet wird. Es heißt da: „Was ferner die Einheimischen mit der englischen Einmischung und Anmaßung nicht versöhnt, ist auch der Umstand, daß trotz aller schönen Phrasen über Konstitutionalismus und Freiheit der Egypter mit allen Mitteln des grausamsten Despotismus regiert wird. Die Bastonnade ist nun wieder überall eingeführt, wird aber nur auf englischen Befehl und nicht mehr mit der unter Abbas Pascha in Anwendung kommenden althergebrachten Karbatsche (Ochsenziemer), sondern mit einer in mehrere schwere Lederstreifen getheilten wuchtigen Peitsche ertheilt, die mit Bleistücken be- schwert ist, so daß bei den ersten Hieben schon das Fleisch in Fetzen aufgerissen wird und die schwachblütigen Fellahen bald in Ohnmacht fallen. Es soll dies vor Kurzem bei dem Sohn Meuschaoui Bey's in Tantah vorgekommen sein, der gleich nach den ersten Hieben blutig und zerfleischt in Ohnmacht fiel. Daß damit ein Haß ausgesäet wird, der nur Sturm bringen wird, ist nicht zu bezweifeln." Das nennt man„moderne Kolonialpolitik",„Verbreitung der Zivili- sation im verkommenen Orient." Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — RowaweS, 6. April. Wir hatten vor einigen Wochen Hierselbst zwei gegnerische Versammlungen und genossen wir das Vergnügen, die Weisheit unserer Feinde anhören zu dürfen. In der ersten Versammlung quatschte der„Würgengel der Sozialdemokratie", Schlesinger, über Sozialreform. Sein Motto war:„Die Hoffnung ist süßer als der Besitz deffen, was man erhofft." Um dies zu begründen, führte er unser geeintes deutsches Reich an. Er sagte, man habe früher ein einiges Reich gewünscht, da wir es nun haben, sind wir erst recht uneinig und unzufrieden, was die Parteizwistigkeiten beweisen. Da es nun aber unserm deutschen Kaiser nicht genügt, über ein geeintes Reich zu herrschen, so habe er uns, um ein glückliches Volk zu bekommen, die Sozialreform zu verheißen, an der die Regierungen so eifrig arbeiten, und die uns Segen bringen wird. Er bemühte sich auch, seinen Zuhörern klar zu machen, welche Vor- theile der Sozialreform entspringen, er meinte, es ist doch schön, wenn man im Falle der Krankheit, des Unfalles oder der Invalidität berechtigte Forderungen habe und nicht auf Almosen angewiesen sei, er strich die Gesetze(welche allerdings theilweise noch im Mutterleibe sind) so heraus, daß immer eines schöner war, wie,das andre. Die Hauptsache ist aber, so meinte er, daß mit dieser Reform den Sozialisten der Stoff zur Agitation geraubt wird und deren Führer die Macht und den Einfluß auf die Arbeiter verlieren, danit wir das Sozialistengesetz ausheben und zu normalen Verhältnissen zurückkehren können. Als ihm hiebet zugerufen wurde, daß man da wohl noch lange warten könne, sagte er, wir können nicht mehr lange warten, denn sonst käme die Revolution und diese wollen wir verhüten. Er ging auch dm Fortschrittlern sehr ans Leder und nannte sie schließlich Rückschrittler, worüber große Unruhe entstand, welche überhaupt während seiner ganzen Rede so groß war, daß der Vorsitzende bekannt machen mußte, daß nach beendigtem Vortrag die Herren Gegner auch zum Worte ge- lassen werden. Als nun der Bortrag beendet war, gelangte zunächst der Fortschrittler Jakob zum Wort, welcher seine Partei zu vertheidigen suchte. Hierauf bekam Genosse Herrling das Wort, welcher die Reform einer Kritik unterzog und sie für ganz werthlos bezeichnete; er sagte, wenn man etwas von Werth schaffen wolle, so solle man nur für genügend lohnende Arbeit sorgen, und die freie Meinungsäußerung gewähren, dann würde man schon hören, wo uns der Schuh drückt und Uebelstände zu be- seitigen sind; wenn man dies befolge, käme man zu normalen Verhält- nissen, auf andere Weise nie und nimmer. Als Schlesinger Genosse Herrling entgegnet hatte, meldete sich letzterer zum Wort, erhielt es aber nicht und die Versammlung wurde geschlossen. Vor Beginn der Versammlung wurde überhaupt der Literat Stücke! des Lokals verwiesen, angeblich, weil er falsche Berichte in die Zeitungen sendet. In der zweiten Versammlung sprach Herr Wollmer über das Kranken- kassengesetz. Er unterzog dasselbe einer eingehenden Kritik und empfahl schließlich den Beitritt zu den freien eingeschriebnen Hilfskassen, er meinte, es sei nun gleich, ob man den Kassen beitrete, welche von fort- schrittlicher Seite gegründet seien oder von sozialistischer, er warnte nur vor den Zwangskassen. Er verwickelte sich dabei auch in einen Wider- spruch, indem er sagte, die Unterstützungspflicht sei seitens der Kassen, nach dem Gesetz eine größere, folglich müsse auch mehr gesteuert werden, dies sei jedoch für die Arbeiter kein Nachtheil, denn wenn die Bedürf- nisse der Arbeiter größer würden, steige auch der Lohn, denn der Lohn richtet sich stets nach dem Bedarf, man müsse allerdings einen Druck aus die Fabrikanten ausüben. Am Ende seines Vorttags meinte er jedoch wieder, der Preis der Waare richtet sich nach der Konkurrenz auf dem Weltmarkt und darnach bestimme sich auch der Lohn. Als er geendet, gelangte Genosse Herr- l i n g zum Wort und machte ihn zu seiner großen Verlegenheit auf den Widerspruch aufmerksam, zog die Mißwirthschaft der Gewerkskassen ans Tageslicht, und empfahl den Beitritt in die in Chemnitz in Gründung be- griffen« Manufakturarbetterkrankenkasse, worüber sich Herr Wöllmer be- schwerte. Er sagte, er, Herr Herrling, hätte zwar sehr gut und sachlich gesprochen, man finde dies bei den Sozialdemokraten sehr selten, aber es sei nicht schön, wenn man in einer fortschrittlichen Versammlung, wo man zum Wort gelassen werde, sozialistische Agitation treibe. Als sich nun Genosse Herrling wieder zum Wort meldete, erhielt er es nicht. Kommentar hierzu halte ich für überflüssig. R-». — Halberstadt. Die Z i m m e r g e s e l l e n Halberstadts haben am 16. April die Arbeit niedergelegt, um eine Verkürzung der Arbeitszett um eine Stunde zu erlangen. Zuzug ferne zu halten! Chemnitz, 20. April. Am Donnerstag den 27. März gelangte vor dem Reichsgericht in Leipzig ein Prozeß zum Austrag, welcher wegen einiger Vorkommnisse im Parteiorgan erwähnt zu werden verdient. Dieser Prozeß beweist einentheils, wie weit es mit der vielgerühmten Unpartei- lichkeit der deutschen Richter gekommen ist, und anderntheils, daß es in den Reihen unserer Partei noch so manche unlautere Elemente gibt. Am 18. Dezember vor. Jahres fand hier in Chemnitz bei unserem Genossen Metallarbeiter Böttcher durch eine Anzahl Kriminalbeamte eine gründliche Haussuchung nach verbotenen Schriften statt. Das Resultat derselben war, daß man einige Nummern des Parteiorgans fand und außerdem einige Briefkouvert» beschlagnahmte. Weiter erfolgte nach voll- endeter Haussuchung die sofortige Verhaftung unseres Genossen Böttcher. Stach erfolgter Vernehmung seitens des Amtsrichters erfuhr B., daß von Seiten der Polizei ein Packet Nummern des Züricher„Sozialdemokrat"» welches an einen gewissen Schmied August Börner adressirt war, beschlagnahmt worden sei; und dieser Börner habe ausgesagt, das Packet sei von Böttcher bestellt, und außerdem habe Böttcher schon früher Packete auf diese Art und Weise durch ihn empfangen. Auf Grund dieser Aussage blieb denn auch Genosse Böttcher(Familienvater) in Haft und wurde erst nach zwei Wochen entlassen, jedoch später aus Grund der Aussage dieses erbärmlichen Denunzianten Börner von dem königl. Landgericht zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Ein Kommentar zu der Handlungsweise Börner's, dieses früheren scheinbaren Parteigenossen, ist überflüssig, und verdient dieses Subjekt hierdurch der Oeffentlichkeit gegenüber gebrandmarkt zu werden. Der Prozeß dokumentirte deutlich die Verkommenheit unserer Richter. Einige Thatsachen sind Beweis genug. Böttcher hatte geleugnet, daß er den„Sozialdemokrat" verbreitet habe und es konnten ihm auch keine bestimmten Verbreitungsverhandlungen nachgewiesen werden, aber aus dem Umstände, daß eine größere Anzahl von Nummern des„Sozial- demokrat" in seinem Rocke gesunden wurden, und daß er eine bedeutende agitatorische Thätigkeit entwickelt hatte, wurde gefolgert, daß er nicht nur zweifellos die Exemplare zu vertheilen beabstchttgte, sondern dies auch gethan hatte. Seine Schuld betreff dieses Anklagepunktes wurde auch daraus entnommen, daß eine der in seinem Arbeitsrock gefundenen Nummern Spuren von vielfacher Be- nutzung zeigte, also für die Annahme sprach, daß sie von ihm verschiedenen Personen zum Durchlesen geliehen war. Interessant war auch die Aussage des bereits früher im Parteiorgan erwähnten Kriminalwachtmeisters„Wurstbeckert", welcher behauptete, Böttcher gehöre einer sozialrevolutionären und anarchistischen Gruppe an, welche Behauptung er damit motivirte, daß bei erfolgter Haussuchung in Böttcher's Wohnung die Photographien sämmtlicher Führer gesunden worden seien, z. B. die von Laffalle, Bebel, Liebknecht u. s. w., unter anderen auch die von Johann Most und er außerdem Mitglied des Metallarbeiterfachvereins und des Vereins zur Belehrung über Volks- und Weltwirthschast sei! Diese Aussagen„Wurstbeckerts", sowie vorgefundene Briefkuverts waren in den Augen der unparteiischen Richter erschwerende Verdachtsmomente, um Genoffen Böttcher abzuwürgen, und auf Monate hinaus seiner Familie zu entreißen. Namentlich wegen letzterer Thatsachen wurde die Revision angemeldet und gelangte der Prozeß vor dem Reichsgericht zum Austrag. Genosse Böttcher war persönlich in der Verhandlung vor dem Reichs- gericht erschienen und erklärte, daß die Mitgliedschaft in Vereinen, die von Seiten der Anarchisten auf das hestigste befehdet werden und welche das Treiben der Anarchisten in öffentlichen Versammlungen schon wieder- holt verurtheilt hätten, doch unmöglich ein Beweis für die Angehörigkeit zu einer anarchistischen Gruppe sein könne, sondern geradezu das Gegen- theil beweise. Und was sagten die Richter des höchsten Gerichtshofes dazu? Sie lachten darüber und verwarfen die Revision und sankttonirten somit dieses traurige Urtheil. Genoffe Böttcher aber verließ die Stätte des Reichsgerichs mit dem Bewußtein, daß es noch„deutsche Richter" gibt. Im Uebrigen hat dieser Prozeß nur die Wirkung zu verzeichnen, daß die Chemnitzer Genossen mit erneuten Kräften für die Sache des arbeitenden Volkes eintreten, eingedenk der Worte unseres Herwegh: „Und heiliger wird unser Haß als unsere Lieb« werden!" Zu erwähnen habe ich noch, daß der betreffende Bezirkswachtmeister von Chemnitz, Schloß, die Frechheit besaß, einen seiner Schinderknechte, König genannt, in der Nachbarschaft Böttcher's herumzuschicken, um zu fragen, was dieser für ein Mann sei. Da er zu seinem Leidwesen nichts Unrechtes erfahren konnte, so äußerte er: Aber ein echter Sozialer ist er. Noch will ich erwähnen, daß wenn einige Genossen in einer Nestau- ratton erscheinen, sogleich auch einige Polizeilumpen mit erscheinen, damit ja das Chemnitzer Schloß nicht in Gefahr kommt. Auch will ich noch hinzufügen, daß den bekannten Sozialdemokraten in einigen Restaurattonen kein Bier verabfolgt wird. Für heute genug. Die Genossen im 16. Wahlkreis möchte ich ersuchen, Böttcher und seine Familie krästtg zu unterstützen. Derselbe ist am 16. April im Gefängniß eingetroffen. Ein Alter. — Karlsruhe. Schon seit langer Zeit ist der Raum des„Sozial- demokrat" vom hiesigen Platze nicht mehr in Anspruch genommen wor- den, so daß man glauben könnte, die hiesige Bewegung wäre eingeschlafen. Dem ist jedoch nicht so i wenn auch der Kreis der thätigen Genossen kein so großer ist, wie er angesichts der hiesigen industriellen Verhältnisse sein sollte, so sind die wenigen Genossen doch unablässig thätig, um neue Anhänger zu gewinnen. Mit welchem Erfolg bis jetzt gearbeitet wurde, soll hier nicht erläutert werden nur soviel sei gesagt, daß wir mit den» Erreichten unter den gegenwärtigen Zuständen zufrieden sein können! Was die Arbeiterverhält- nisse hier anbelangt, sieht es auch nicht darnach aus, als ob die Arbeiter Ursache hätte», der Sozialdemokratie mit verschränkten Armen gegenüber zu stehen, ebensowenig ist die Behandlung seitens der Fabrikanten dazu angethan, die Arbeiter rosig zu stimmen, sagte doch kürzlich ein solcher Blutegel, als ein Arbeiter um mehr Lohn vorstellig wurde:„Mehr Lohn! Nein, das giebts nicht, ein Sester Kartoffeln kostet ja nur 80 Ps. und diese langen sür eine Woche." In nächster Nähe von Karlsruhe befindet sich eine Nähmaschinen- fabrik, in welcher auf letzte Weihnachten recht angenehme Zustande ein- geführt wurden; so müssen die Arbeiter zu ihrem geringen Verdienste noch zum Theile die Werkzeug- stellen, z. B. Feilen, Kupfer- Hammer und Backen, Holzhammer, kleine Drathstiste, Lumpen, Putzwolle rc. Diese Artikel müssen sie bezahlen und zwar oft theuerer als zum Marktpreise, so wird also hier noch geprozentelt. Daß durch ein solches Versahren mit den Arbeitern schließlich auch die dickfelligsten von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit kurirt werden, ist klar; wollte man alles ans Tageslicht ziehen, was in puncto von Arbeiterschinderei geleistet wird, müßte man arg dicke Bücher schreiben, doch genug darüber. Auch vom Standpunkt der Moral und Sittlichkeit könnten wir vieles annageln, doch haben wir für heute noch Wichtigeres zu thun, also zurück damit, aufgeschoben ist nicht ausgehoben. Indem wir nun so ziemlich vor den Reichstagswahlen stehen, ist es nothwendig, die hiesigen politischen Parteien etwas unter die Lupe zu nehmen; voraussichtlich kandidiren im 10. badischen Wahlkreis Karlsruhe- Bruchsal wieder vier Kandidaten, ein Nattonalliberaler, ein Konser- vativer, ein Volksparteiler und ein Sozialdemokrat. Vertteter für den Kreis ist Herr Bankier und Hauptmann a. D. Schneider, welcher sich nie veranlaßt gesehen hat, seinen Wählern in öffentlicher Versamm- lung über seine Thätigkeit Bericht zu erstatten; dafür gehört er eben dem badischen Musternationalliberalismus an und diese Leute sprechen be- kanntlich nur zum Volke, so oft sie seine Stimme brauchen! Seine Wahl verdankt der Mann hauptsächlich der Volkspartei und den Arbeitern, weil diese in der Stichwahl ihn seinem„schneidigen Gegner". dem bekannten Herrn von Marschall sStaatsanwalt) vorzogen, weil die Volkspartei in ihrem Organ, dem badischen Landesboten versicherte, daß Schneider erklärt habe, gegen das Ausnahmegesetz zu stimmen; wir wollen jetzt sehen, wie sich der Mann bewährt; wahrscheinlich macht er es wieder wie bei der Abstimmung über das Tabaksmonopol, er steckt den Kopf in den Sand— pardon, ich wollte schreiben„Reichstagsrestauratton". Arbeiter! Seid aus der Hut, von dieser Richtung habt Ihr nichts mehr zu hoffen! Wollt Ihr Euch nun etwa den katholischen und evangelischen Muckern, vereint unter der Flagge„deutschkonservattv" in die Arme werfen? Davon kann doch bei Euch im Zeitalter des elekttischen Lichtes kein« Rede mehr sein, also über Bord mit diesen heuchlerischen lichtscheuen Gestalten! Sollten etwa die Volksparteiler Euch mit ihren demokratischen Lob- gesängen, auf ihrer Retirade zur alleinseligmachenden Idee des demo- kratischen Monarchenthums die Köpfe verwirren? Dafür gibt es ein vorzügliches Mittel, welches Euch zu jeder Zeit davor schützt in diesem Eumpse zu ersticken, das Mittel sei Euch hier verrathen: Lest fleißig einig- Tage das„demokratische" Organ der hiesigen Volkspartei, den „Badischen Landesboten", und Ihr seid kurirt! Wenn nicht, so ist Euch nicht mehr zu Helsen. Ihr erstickt im trüben Sumpfe! Es tritt nun als vierter im Bunde noch die Sozialdemokratie auf den Plan. Was will sie? Sie will Euch Arbeiter befreien von der Lohnsklaverei, will Euch einsetzen in Euere Menschenrechte! Darum tretet ein für unser» Kandidaten. Vdn den hiesigen Genoffen ist ein- stimmig unserer früherer Kandidat Aug» st Dreesbach, Kaufmann in Mannheim wieder als Kandidat aufgestellt worden. Parteigenoffen! Thut Euer Möglichstes für den bevorstehenden Wahl- kämpf; sammelt Geld! Agitire ein Jeder in seinem Kreise, erörtert immer und überall Eure Prinzipien, gedenket der Verfolgungen unserer gerechten Besttebungen, bedenkt, daß es gilt, durch die Majestät der Volksstimme unseren vereinten Gegner, sowie sämmtlichen Reaktions- bestrebungen ein Halt entgegenzudonnern. Wir sind am Schlüsse und da rufen wir den hiesigen wie den Ge- noffen allüberall im Reiche zu: Auf, vereint in den Wahlkampf! Fort mit allen Differenzen! Fort mit allem Hader! Dann ist unser der Sieg! � — London, 18. April. Das große Meeting in der St. James Hall: Die Diskussion der Frage„Wird Sozialismus dem englischen Volke Vortheil bringen? zwischen Charles Bradlaugh und H. M. Hyndman. Charles Bradlaugh, der bekannte atheistische Pfaffe, hat seit dem Erstarken der sozialistischen Agitation hier in London eine Reihe von Meettngs in seiner eigenen Parteihalle abgehalten und gegen So- zialismus, Kommunismus und überhaupt gegen jedes revolutionäre Auf- treten sich entschieden ausgesprochen; es ist ihm jedoch nicht gelungen, den geringsten Ersolg zu erzielen; ausgenommen einige seiner fanatischen Anhänger. hat Niemand sich besonders um seine alten und abgenutzten nichtssagenden Redensarten bekümmert. Selbst die konservative und Bourgeoispresse hat es nicht der Mühe Werth gehatten, irgend eine für denselben günstige Bemerkung zu bringen. Einige sozialistische Arbeiter gingen zum Spaß in jene Meetings, um zu hören, wie weit derselbe seine Unwissenheit blosstellen würde. Einmal sahen sich einige veranlaßt, dem Herrn Charles Bradlaugh einige kitzliche Fragen zu stellen, da er- klärte derselbe dicke Herr, daß es I-uncdcon tirne sspr. Löntschn teim, Frühstückszeit, die Bourgeoisfrühstückszeit ist in England um 12'/, Uhr Mittags) und die Versammlung geschlossen sei. So antwortete der Bourgeois-Malthusianer und Freidenker-Papst. Die demokrattsche Federation hatte sich endlich entschloffen, diesen Phrasenhelden vor einer großen öffentlichen Volksversammlung zur Rede zu' stellen. Bradlaugh konnte nicht umhin, die Herausforderung anzu- nehmen. Am 17. April fand in der großen St. James-Hall die Dis- putation statt. Die große Halle war gedrängt voll. Unsere Leute waren mehr im Hintergrunde derselben, da der Vordergrund zur Deckung der Kosten bezahlte Sitzplätze enthielt, welche zum größten Theile von den Bourgeoissreunden des Herrn Bradlaugh eingenommen waren. Vro- sessor Beesly, ein Comtist, führte den Vorsitz und eröffnete die Ver- ammlung mit einer neutralen Anrede und forderte die Anwesenden auf, den beiden Referenten ein ruhiges Gehör zu schenken. H. M. Hyndman, welcher zuerst das Wort erhielt, sprach eine halbe Stunde ♦), in welcher er gleich bemerkte, daß er natürlich in einer so kurzen Zeit nicht auf Einzelheiten eingehen könne, was sich von selbst verstehe. Derselbe begründete dann sowohl seine als auch die Ansichten der Demokrattsche» Federation in Bezug auf den Sozialismus. zeigte. wie das große Elend der Arbeitermassen daraus hervorgehen müsse, daß der größte Theil ihrer Arbeitsprodukte von jenen Nichtsthuern konfiszirt wird, so daß dem Produzenten Hörstens der dritte, oder in vielen Fällen der vierte Theil des von ihm geschaffenen Werthes übrig bleibt; daß diejenigen, die nichts produziren, Alles haben, und diejenigen, die Alles erzeugen, nichts besitzen. als ihr nacktes Leben zu fristen'und sehr oft dies noch nicht, liege offenkundig zu Tage, ja selbst die Bourgeoisöko- nomen hätten dies meistens bis zu einem gewissen Grad eingestanden. Diesen Zustand abzuschaffen, sei die große Aufgabe unserer Zeit. und die Demokrattsche Federation hat sich dies Ziel gesetzt und'wird alle Mittel versuchen, ihr Programm auf friedlichem Wege durchzusetzen. Von den Gegnern hänge es ab. ob dieses Bestreben erfolgreich sein oder die gewaltsame Revolutton die alte Gesellschaft hinwegfegen werde. Der Referent bemerkte zugleich, daß dies überhaupt auch keine Nationalfrage sei, sondern eine internattonale, welche alle Völker der modernen Zivilisation angehe, und bei dieser Gelegenheit müsse er auf einen der größten Denker unserer Zeit aufmerksam machen, auf Karl Marx, welcher'den modernen Sozialismus seit über 30 Jahren gründlich studirt und wissenschaftlich nachgewiesen und begründet hat. So in kurzen Umrissen die Rede. die mit allgemeinem lebhaften Beifall aufgenommen wurde. Nach Hvnd- mann bekam Charles Bradlaugh das Wort. Ein Beifallssturm aus den bezahlten Plätzen empfing denselben, und dies war der beste Beweis, daß derselbe seine ganze Anhängerschaft aufgeboten hatte, seine beschränk- ten Bourgeoissreunde, sowie auch eine Anzahl fanatischer einseitiger Ar- beiter. Der dicke atheistische Pfaffe schien sehr zufrieden mit seinem Empfang zu sein und fing zu reden an in dem alten bekannten Komö- diantenstyle. Erst langsam mit gedämpfter Stimme. dann immer und immer lauter, wie ein geschulter Schauspieler, zuletzt donnernd und auf den Beifall schmunzelnd wartend, welcher selten ausbleibt. Der Inhalt der Rede war kläglich albern. Seine erste Bemerkung war, daß'�ynd- mann nichts Definitives nachgewiesen habe, er verlange Details; dann brachte er eine Masse dummer Kleinigkeiten und abgedroschener alter Phrasen vor. wollte nachweisen. daß die Arbeiter nicht so schlecht dran seien, als wie angegeben, und zum Beweise führte er an daß eine große Anzahl der Arbeiter Millionen Pfund Sterling in den Sparkassen hätten; er wies auf die Kranken- und Unterstützungskassen, auf die Gel- der. die die Trades Unions zusammengebracht haben, hin. ja er leugnete es sogar, daß der Grund und Boden Englands sick in den Händen einiger weniger Landlords befände. es gebe hunderttausende von Ar- bessern im Lande, die Landeigenthum hätten; alle diese Leute wollten nichts vom Sozialismus wissen. da ja dieser ihnen Alles wegnehmen wollte; dann führte er ein Hauptmotiv in's Treffen, warum der Sozialis- mus nicht möglich sei. z. B. sein Nachbar, ein armer Mann, welcher keine goldene Uhr und keinen feinen schwarzen Rock habe, wie Herr Bradlaugh, würde zu ihm kommen und seine Uhr und Rock abverlangen, und solchen Unsinn mehr. Ferner, daß noch kein sozialistischer Staat bestanden hätte, daß alle Versuche, einen solchen zu gründen, gescheitert seien u. s. w.. daß im sozialistischen Staat- alle persönlich- Freiheit ein Ende habe, daß kein Mensch mehr sich dazu hergeben würde, etwas Großes zu leisten, keiner mehr neue Entdeckungen machen würde, da dies ja kein Vermögen einbringe, kein Vergnügen würde es mehr geben und wie der Unsinn aller noch weiter hieß. Daß diese Art und Weise der Sozialistentödtung seinen Bourgeois- freunden vollkommen entsprach, braucht nicht erst nachgewiesen zu wer- den. Hyndmann. welcher hierauf wieder das Wort erhielt. ging nun auf einige oben angeführte lächerliche Einwendungen-in und bewies, daß Bradlaughs Einwendungen in den meisten Fällen nichts mit der Frage zu thun haben, und seine Bemerkungen hielten sich mehr zur wahren Frage und wurden von den denkenden Anwesende« vollkommen gewürdigt. Als Ch. Bradlaugh znm zweiten Male zum Sprechen kam, wieder- holte er Vieles mit andern Worten und donnerte mit aller Macht seiner Stimme gegen das revoluttonäre Auftreten der Sozialisten, schmeichelte dem Nationalstolz und sagte,„wir haben es blos mit England zu thun und andere Nationen gehen uns nichts a n." Eine Abstimmung fand nicht statt. Nicht um die Kräfte zu messen, war man gekommen, sondern— neben der Propaganda— hatte es sich vor Allem darum gehandelt, Klarheit in die Situation zu bringen Und dieß Ziel ist erreicht worden. Wir sind mit dem Ersolg vollkommen zufrieden, unsere Sache ist durch dieses Meeting sehr gefördert worden. Wenn es keine andere Folg- gehabt hätte, was aber nicht der Fall. als die, daß der Führer der englischen Freidenker endlich sich offen der englischen Arbeiterklasse gegen- über gestellt hat, so wäre das allein schon ein gewalttger Forsschritt. So wie überall, geht auch in England die Freidenkerbewegung nur darauf hinaus, die Arbeiter von ihrer wahren Aufgabe, dem Klassenkampfe abzulenken. Zum Glück- versucht der englische Freidenkerpapst dieß nicht, gleich manchem seiner kontinentalen Kollegen, unter sozialistischer Flagge, sondern offen als Werkzeug der herrschenden Klassen. Diejenigen den- kenden Arbeiter, welche noch an diesen Phrasenhelden glauben, sind jetzt vollkommen kurirt. Es ist jetzt auch dem Blödesten klar geworden, daß er mit der wirklichen Arbeiterbewegung nichts gemein hat, daß er von den modernen sozialen Fragen, die die ganze zivilisirte Welt bewegen, niemals etwas verstanden hat, noch versteht. Unsere Partei kann'sich glücklich schätzen, daß derselbe sich jetzt unzweideuttg offen als deren Feind erklärt hat und daß ihm damit die Macht genommen ist, sie zu blamircn oder gar zu verrathen. F. L. •) Das war die festgestellte Zeit für beide, nach diesen hatte Jeder das Recht, 20 Minuten zu sprechen, und dann zuletzt noch 10 Minuten jeder. An unsere Mitgliedschaften und an die Deutschen Bereine in der Schweiz. Werth- Genossen! In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß von Genossen aus Deutschland und Oesterreich, die gemaßregelt waren oder es zu sein vor- gaben, einzelne Mitgliedschaften, Deutsche Vereine ,c. um Unterstützung angegangen wurden. Wir ersuchen die Genossen, gegenüber solchen Gesuchen sich stets ablehnend zu verhalten. Die unterstützungs- bedürftigen und- berechtigten Genossen in Deutschland mögen sich an die Vertrauensleute in Deutschland wenden, und in der Schweiz ist der Landesausschuß, resp. das von ihm in Verbindung mit der Mit- gliedschaft Zürich ernannte Unterstützungkomite dazu berufen, die Unter- stützung der verfolgten Genossen zu regeln. Solche Unterstützungen vo� einzelnen Vereinen sind schon um deswillen zu vermeiden, weil sie jed< Kontrole über die Höhe der erhaltenen Unterstützung unmöglich mache«. und etwaigem böswilligen Mißbrauch Thür und Thor öffnen. Das Gleiche gilt bezüglich der Gesuche aus einzelnen Wahlkreisen zu! Unterstützung ihres Wahlkainpfes, wie jüngst aus dem zweit e> Meiningischen Wahlkreise einzelne Vereine um Unterstützung süt die k ü n s t i g e n Wahlen angegangen wurden. Es war immer Sache des Zentralwahlkomites in Deusschland, zu be stimmen, für welche Kreise die zum Wahlfond eingegangenen Gelder ver wendet werden sollen; wir Genossen im Ausland können nicht entscheide«. wo eine Unterstützung— abgesehen von den Stich- und Nachwahlen � augenblicklich am nothwendigsten und am besten angebracht ist. W« liefern die eingehenden Gelder an die betr. Vertrauensleute in Deutsch' land ab, an diese mögen sich die Genossen ver einzelnen Wahlkreis! wenden, nicht aber an einzelne Vereine im Auslande. Wir ersuchen daher unsere Mitgliedschaften, Deussche Vereine aU solche Einzelgesuche vorerst nicht einzutreten, immer aber uns davon s benachrichtigen, damit wir das Nöthige veranlassen können. Genossen! Diese unsere Worte sollen Euch aber nicht abHallen, unab lässig für die Unterstützung unserer Partei thätig zu sein. Wie die Ver Hältnisse in Deusschland sich gestaltet, können unsere dorttgen Genosse jeden Augenblick durch eine Reichstagsauflösung in den Wahlkampf ei» treten müssen. Der Wahlkampf kostet aber immer Geld, viel Geld! D« fortwährenden polizeilichen Verfolgungen, die verschiedenen Kämpfe a» ökonomischen Gebiete nehmen aber stetsfort die Kräfte der Genoffen i Deusschland vollauf in Anspruch, es ist daher für uns Genoffen im AM lande Pflicht, sie im bevorstehenden Wahlkampfe kräftigst zu unterstütz« Zeigen wir auch diesmal, daß alle Anschläge der Gegner an unserer Sol darität abprallen, und thun wir unsererseits das Möglichste, daß unsere Part aus diesem Wahlkampfe mit größerer Stimmenzahl hervorgeht als a» allen früheren. Mit sozialdemokrattschem Gruße! Zürich, 23. April 1884. Der Landesausschuß der deutschen Sozialisten. «< »» bai bn P Briefkasten der Redaktion: Dr. D. Stuttgart: Zuschrift erhalte! Kommt nächstens.— BruderJonathan, Newyork: Bo und Geld erhalten. Gruß von der ganzen Bande.— I. N. N e« Jork: Beruhigen Sie sich. Freund Leo wird die Antwort auf F' Artikel im„Freidenker" nicht schuldig bleiben. Hat jedoch durchaus kei« Eile.— Mitgliedschaft Biel: Ihren Brief an den Land« ausschuß übergeben. D der Expedition: Pumpernickel: Mk. 6 60 f. Schst. erh., feW noch 50 Pfg. Porto. Adr. erwartet.— O. S. Hoks.: Fr. 2 50 R 2. Qu. erh.— M. Cs. P... s: Fr 100— Liste 1 pr. Wfds dl erh. Spezialquittg. später, lt. Bf.— Rother Becker: Mk. 10— ä& 2. Qu. erh. Adr. geordnet.— R- K. N. S.: Mk. 6— Ab. 2. O erh.— B. Bkst.: Fr. 16 05 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Aufstllg. solk — Bukarest: Fr. 23 05 pr. Diätensond dkd. verwendet.— Bade» Fr. 10— v. Dtsch. Ver. Eintracht für die streikenden Böhmen d« erh.— Der Nordische: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. u. Mk. 2 30 f Agfds. dkd. verw.— Paul Spbg.: Alles erh. Bitten Eingänge sV deutlich anzugeben, wenn Sie schreiben. Bfl. am 18 4. Weitem — Kruzifix: Unsere Deckadr. gelten nur für Briefe.— S» Stgltz: Mk. 2 20 f. Portozuschlag bis Ende 84 erh. Gewünschtes* — W. G. Alexdr.: Fr. 3 50 Ab. bis Ende Juni u. Schst. erh. Ad geändert.— I. St. Sttg.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— I. I. L Fr. 3 60 f. Schst. erh.— Der Alte v. Berge: Fr. 11 10 Ab. 2.0 R.©ch. u. T. erh.— O. P. Efld.: Mk. 8 60 Ab. 2. Qu. erh.� •h.: Mk. 160 10 Ab.-Rest 83 u. Ab. 1. Qu. 84 nebst Mk. 11 20 8» gebracht.— Bdrm.: Fr. 7 20 f. Bldr. zur Herweghfeier erh. 1 Zopyron: Bitten eingegangene Sendungen briefl. stets recht genau f erwähnen.— Agst; Mk. 50— ä Cto. Ab.»c. erh.— M. Salerl» Fr. 5— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.— A. A. Bp-st: öfl. 1 50 Ab. 2. 0 erh. Haben Sie gut auf's 3. Qu. 31 kr.— G. Stke P. früher Brüss» Fr. 16 ä Cto. Ab. ic. erh. Bfl. Weiteres.— Komm. Arb.-B.-Ver« London: Fr. 126—(Doll. 5—) für die streikenden Böhmen. Weitm siehe Archivquittg.— Rbwtz. Fltrn.: Fr. 2— Ab. 2. Qu erh.' W. L. Chicago: Fr. 12 14 Ab. 2. Qu. erh. Haben Sie Fr. 2 pr. 3. Qu. gut.— C. Shum. Cincinnati: Fr. 116 18 ä Cto.' Wechsel erh. u. hievon Fr. 0— sDoll 1 80)„r. f" ausbeza? Dollarsnoten haben hier weniger Verlust alsSi� Wechsel und Posteinzahlungen.— Zug: Fr. 2— s.« streikenden Böhmen v. d. Gen. dkd. erh.— S ja n stlls dari Der reak Geh bede mich polil Arbl die Zu t Ma, Mit! zöge: Stal Zi l?af in i in, .St. weif, Herr Werk, alle Nach Arbe Anzeigen. Aufforderung. Wir ersuchen um schleunige Aufgabe der Bestellungen auf Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwal und Zukunft. Von A. Bebel. Es ist dies nöthig, um die Höhe der im Druck befindlichen Auftf bestimmen zu können. Die Expedition des Soziaaldemokrai- �ösui U Nbhi N nirr, lNtsch (ftam und « qi kigen der«, habe, prakt «au, über krläß wÄ1,|- Arbeiter-Fortbildungsvere' zu a 4**�""■***" Derselbe rorsarnmelt sich jeden Mo»' Mir, in Jtan erost'i Eaabnrger lall 17» Ost 3. Itrset. so„j Der Vorst««*. � 1.00 (19) A ®un| bürft, Sojtattstische Zrteiterpartei Amerika. Sektto« Rew-York. Sitzung de» Zentralkomi teS jeden Dienstag Abend»» � iu er in Lincoln Hall, Eck- Allen und Houston Street., Js„g6 Jeden Samstag finden Versammlungen statt. RihereS ff, „New-Yorker Bolkszeitung". le Sein bestaffortirtei »rbeil Fall Lager fammtticher bekannter deutscher und g engti scher sozialdemokratischer Schriften Jjit empfiehlt zum verkauf dtt k sl.OOj Herr««»» Mitzsche, 543, 9. Ave, R e w- H» r k Tittz- berw, Q« ff rfl Sonntag, 26. April, Abends'/, 8 Uhr. im„K«' lich �3 UHU) Beck". Zähringerstraß-: Hefieutliche ein� Versammlung der deutsche« Sozialisteu. Hand Tagesordnung: �fiei, Die Berechtigung«nd Nothwcndigkett des SozialiSmu»- W Referent: Bgr. K. Man,.®lbi< Jedermann hat Zutritt. �ng Der Lokalausschutz-öst t< --------—-—-fwir. «chweiznisch,««nsgenschaftltuchdrueere, ♦otttaarn.Sfai«. Vi 3aut