Krscheint lvö ch eutlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerkag der Volksbuchhandlung HoUi«g«u-Zürich. Kostseildmgeil t'anto gegen franko Gewöhnliche Briefe klach der Schweiz kästen Doppelporto. Der Sozialdemokrat Jentral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweizerischen Posibureaux, sowie beim Verlag und dessen belannien Aienien enigegengenonunen, und zwar zum «ora us, ahlbar«« Vierieljahripreiz von Fr 2— sllr die Schweiz MI Z— für Deutschland lCouverts fl. l.70 sllr Oesterreich lCouvery Fr. 2 50 fiir alle Übrigen Länder de» Weltpostvereins<«reu,band>. Inserate die dceigeipaliene Petitzeil« 25 CtS.= 20 Psg. 19. Joimerftag, 8. Mai 188». Avis an die Abonnenten und Aorrespondenlen des„Soziatdcmokrat." � Da der.Sozialdemokrat' sowobl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen "Ihbrden stch all« Muhe geben, uns-re Verbindungen nach jenen Ländern mbglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an UN» al, möglich an den.Sozialdemolrat'. resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern stch möglichst an irgend eine nnverdächtiae Adresse austerhalb Deutschlands und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit un» in Verbindung setzt; anderseits aber datz auch UN» möglichst unversängliche ZustellungSadresjen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt stch bchus« gröberer Sichrrhei« R-lommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trotz aller enta-am- stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenoss en! Vergeßt der Verfolgten lwar Gemaßregelten nicht! Auflq Wer A sagt, muß auch B sagen. Das merken jetzt nachgerade die Urheber oder sagen wir lieber, trat.°>e Unternehmer und Haustrer der Bismarck'schen Sozialrcform. --'Die»Sozialrcform� sollte blos der Köder sein, um die Dummen de« Zu sangen, und stehe da, während die Arbeiter, auf welche eS �gesehen war, hartnäckig den Köder zurückgewiesen und die dar- wir "iiter versteckten Angelhaken boshaft vermieden haben, hängen die Herren Sozialreformer selber an den Angel hak en. llitl ,,Er hat nicht uns, wir haben ihn", sagte bei der Debatte cräthijl �er die erste Unfallgesetzvorlage einer unserer Abgeordneten im edins�eichssa� Das Wort hat stch bewahrheitet. Bismarck ist an leine.Sozialreform" gekettet, fie ist ihm über den Kopf ge- Achsen, er kann stch nicht von ihr losmachen. Wie jener Kaiser !N d*8 heiligen Römischen Reiches deutscher Nation sich über die Grammatik hinwegsetzte, glaubte der an Größenwahn leidende Haußmeier der Hohenzollern sich über die Nationalökonomie (Und Logik hinwegsetzen zu können. Es ist ihm jedoch schlecht bekommen, und zum Spott hat er nun den Schaden: die Sozial- �form, mit der er zu spielen gedachte und die ihm blos alS •r�ftel zum Zweck dienen sollte, sie zieht ihn mit unwider- strich'"sicher Gewalt in ihren Strudel, und das Mittel wird zwar "ItL«!* önm Zweck, aber zum Ziel, nach welchem die ganze poli- Bewegung mehr und mehr hindrängt, und das gleich dem �mgnetberg des Märchens das StaatSschiff an sich reißt. Ja, Sozialreform ist der Magnetberg, aus dessen Bann sich der unvorsichtige Steuermann nicht befreien kann, dem er mit wach- ii)sl!�uder Schnelligkeit zutreibt und an dem er mitfammt seinem vahrzeuge zerschellen wird. i Mit der Versicherung der Arbeiter gegen Krankheit, Un- rJ*n und Invalidität sollte es gethan sein. Das war das -'�ubermiitel, das die soziale Frage lösen und den Armen und _««nterbten Wohlstand und Glück bringen sollte. Mächtig ward die l I Reklametrommel gerührt und daL Zauber- und Wundermittel der — � staunenden Menge als etwas Außerordentliches, noch nicht Da- �zflcwcsencs angepriesen. —! �stein nichts wollte verfangen. 1! cj".®'1 trauen Euch nicht", dachten und sagten die Arbeiter. »Die Urheber des Sozialistengesetzes können es mit uns und H! J*, T>ojtalreform nicht ernst meinen. Die Sozialreform ist — � chtvindel und Bauernfängerei." "itok b'e wissenschaftliche Kritik sagte:„Eine Sozialreform, "lld' ben �ern sozialen Frage unberührt läßt und nicht Umgestaltung der Produktionsverhältnisse in ugriff nimmt, verdient diesen Namen nicht— was uns hier .Sozialreform" aufgetischt wird, ist eine kleine Armenver- - C�ungSreform von obendrein höchst zweifelhaftem Werth und 7« stch zu einer wirklichen Sozialreform wie die Salben - Pillen de« Kurpfuscher« zu dem Heilverfahren des wissen- »yaftlichen ArztcS." 7 lallen 7-Schwindel und Bauernfängereil" tönt es einstimmig von -'W aus den Reihen der Arbeiter und aus dem Munde -�Wissenschaft. 2 f � faire? Wa» thun? 'Cjf1' � ��ser Sozialreform locken wir keinen Hund hinter dem 7!�" hervor, geschweige denn die Millionen Arbeiter in unseren '-?«tze - �",— so müssen die Herren Sozialreformer wohl oder übel �(ch iedt gestehen; und da man die Millionen Arbeiter braucht ip.. bie°lte Maschine des Polizei- und MilitärstaateS erweitert werden— c--».....--- 10 wuß— es koste, was es wolle—, so bleibt »öderes nichts �- übrig, als etwas Besseres zu bieten, wenigstens etwas, ?,"L ben Arbeiter zugkräftiger lockt. 11 rö ��stzwsuL hat eS in des berüchtigten B u s ch(„Büschchen") der Arbeiter gegen Ar- 1 i? �zboten" gefunden:„Versicherung l t"tSlofigftjt." l öe nun, hat der Offiziös»?, haben seine Brodherren sich denn g'-.�legt, was daS ist? Haben sie sich überlegt, daß die„Ver- Gerung gegen Arbeitslosigkeit" die Organisa« "-'on Arbeit, die Regelung der Gesammtpro- oe h � ♦♦Vvvll|V w_ Obduktion durch den Staat, mit einem Wort: den so- �'�l istischen Staat bedeutet? Ru der ersten Debatte über das UnfallverstcherungSgesetz(erste uflage) war die„Versicherung der Arbeit" bereits von sozial- -- hepatischen Abgeordneten gefordert und für die einzig wahr- „Kai soziaiKftznn�zjznschx Arbeiterversicherung erklärt worden. [q �tiiiltch ist die Bourgeoispresse aus dem Häuschen über den j° Uschlag der„Grenzboten". Sie weiß zwar sehr wohl, daß es »Lr demagogische Flunkerei ist, sie weiß aber auch, daß die Re- wng sich � Sozialreform auf eine schiefe Ebene begeben hat, und nach ehernem Naturgesetz durch ihre eigene Schwerkraft, durch die Logik der Dinge rascher und rascher hin- abgleiten muß in den gähnenden Abgrund. Wo das Klasseninteresse mit dem Klasseninstinkt in Frage kommt» haben die Herren Bourgeois, so windig es um ihre nationalökonomischen Kenntnisse bestellt ist, eine fabelhaft feine Nase. Ja, da hilft kein Widerstreben. Wer A gesagt, muß auch B sagen. Die Weltgeschichte hat ihre eigene Logik und kümmert sich nicht um die Gedanken und Hintergedanken der Herren Staats- männer. Sie hält sich an die T hat fachen, schmiedet Ursachen und Wirkungen zu einem unzerreißbaren Kettengespinnst, aus dem so wenig ein Entrinnen ist, wie weiland auS dem Stahlnetz, daS der erboste Vulkan über Frau VenuS und ihren Buhlen geworfen. Was liegt an dem Gedanken und Hintergedanken deS Schützen, wenn die Kugel aus dem Lauf ist? Die Kugel der Sozialreform ist aus dem Lauf, und Bismarck mit seinen Leuten hat sie so wenig unter seiner Kontrole, wie der Vogel die Lawine, die er durch seinen Flügelschlag in Bewegung gesetzt hat. Die Sozialresorm ist dal Mag Herr Bismarck darunter ver stehen, damit bezwecken, was er will. Sie ist da und durch keine Tücke, durch keine List aus der Welt zu schaffen. Ob es dem Herrn Bismarck ernst ist oder nicht— gleichviel, auch seine Lügen binden ihn an das Werk, das vollenden zu wollen und können er geprahlt hat; seine Lügen haben sich in Stricke verwandelt, die ihn fesseln und die er nicht abzustreifen vermag; und die Soz ialreform, als deren Urheber er sich verherrlichen läßt, wird wider seinen Willen Wahrheit werden, wie die Reformen der monarchischen Reformatoren des achtzehnten Jahrhunderts Wahrheit geworden sind— durch die Revo l u t i o n!-ml. Der Fabrikanten letztes Stündlein. Eine zeitgemäße Reminiszenz. Nichts Neues unter der Sonne! Wie wir bereits früher mittheilten, enthält der dem österreichischen Reichs- rathe vorliegende Gewerbegesetzentwurf u. A. den elfstündigen Normalarbeitstag für alle Fabriken und fabrikmäßigen Betriebe. Darob natürlich großes Geschrei unter der Fabrikantenwelt, die alle Minen springen läßt, um das von den Agrarklerikalen, theils aus dema- gogischen Gründen theils wirklich aus Haß gegen die moderne Groß- industrie, ausgeheckte Gesetz zu Falle zu bringen. So berichtet u. A. die Münchener„Allgem. Ztg." vom 4. Mai: „Aus Oesterreich. Die hervorragendsten Bertreter der mechanischen Weberei-Jndustrie haben sich an den Abgeordneten Herbst mit der Bitte gewendet, derselbe möge eine von ihnen entworfene Petition, welche sich gegen die von dem Gewerbeausschuß beschlossene elf- stündige Normal- Arbeitszeit ausspricht, dem Abgeordnetenhause überreichen. In derselben wird zuckiichst die Undurchführbarkeit und Schädlichkeit der Einführung eines Normalarbeitstages im Allge- meinen behandelt und dann speziell behufs der Weberei gesagt, daß sie für diese eine Krisis zur Folge haben würde. Die Krastanstren- gung des Arbeiters sei bei der Weberei überhaupt keine große s!!); und bei der herrschenden Konkurrenz falle der eigentliche Fa- briksnutzen erst in die zivölfte Stunde. Die Webe- reien und Spinnereien bedürften daher zum mindesten eines Nor- malarbeitstages von z w ö l f S t u n d e n und könnten, ohne sich zu gefährden, nicht unter diese Arbeitszeit gehen. In vielen Fabriken bestehe heute noch die dreizehnstündige Arbeitszeit, in einzelnen Fällen sogar die vierzehnstündige. Die Webereien wären nicht im Stande, gleichzeitig mit der Reduktion der Arbeitszeit die gleichen Löhne weiter zu zahlen." Die armen, armen Fabrikanten! Ihr Leben, ihre Existenz steht also wirklich aus dem Spiele. Man streiche ihnen die zwölfte Stunde, und ihr letztes Stündlein, das Stündlein der gesammten österreichischen In- dustrie hat geschlagen. Elf Stvndendes Tages beschäftigen sie ihre Weber umsonst, um„Goiies Willen"; erst in der zwölften, dreizehnten, vierzehnten und so weiter Stunde fällt auch für sie, für die Fabrik" ein— natürlich äußerst schmaler')— Profit ab. Wie kann man da so grausam sein, ihnen diese zwölfte Stunde nehmen zu wollen! Das wäre der Ruin der ganzen Industrie! Nichts Neues unter der Sonne, nicht einmal diese so ruhrsame Melodie. Sie ward schon anderwärts angestimmt— in der Schweiz, in Frankreich, in England. U-berall wo die Gesetzgebung daran ging, die Arbeitszeit zu beschränken, erhoben die Fabrikanten entrüstet ihre Stimme zum Pro- teste gegen ein solches Attentat auf die„Freiheit der Arbeit", welches den Ruin der ganzen Industrie zur Folge haben, nicht nur eine Reduk- tion der Löhne, sondern überhaupt den Verlust der Arbcitsmöglichkeit für die Arbeiter nach sich ziehen müsse. Ueberall jammerten sie, daß es einen Hund hätte erbarmen inögen, und überall, wo man nicht hündisch genug war, auf sie zu hören, war die Folge, daß— die Löhne nicht zurückgingen, die Arbeiter nicht über die Beschränkung ihrer„Frei- heit" klagten und die so grausam an den Rand des Abgrunds gebrachte Industrie nicht zu Grunde ging. � Die„letzte Stunde" konnte fortfallen, ohne daß der Industrie ihr letztes Stündlein schlug. Karl Marx hat im„Kapital" diesem Streit um die letzte Stunde ein spezielles Kapitel gewidmet, überschrieben„Senior's Letzte Stunde"'), sehr lustig und vor allen Dingen sehr lehrreich zu lesen. Gleich den österreichischen Fabrikanten haben nämlich bereits in den dreißiger Jahren die Fabrikanten von Manchester die wunderbare Behauptung aufgestellt, der eigentliche Fabriksnutzen falle erst in die zwölfte Stunde. >) So schmal, daß z. B. gewisse Fabrikanten in Mähren nahezu zehn Jahre brauchten, ehe sie aus bescheidenen Anfängern mehrfache Millionäre wurden! ') 2. Auflage S. 214. Sie hatten sich, um der Welt dies recht plausibel zu machen, einen Pro- sessor der Nationalökonomie, Herrn Nassau W. Senior, nach Man- chester kommen lassen, ihni dort praktische Nationalökonomie beige- bracht— und das Resultat war ein Pamphlet des Herrn Senior über d. h g e g e n die damals bestehenden Fabrikgesetze und gegen die damals in's Leben getretene Zehnstundenagitation. In diesem Pamphlet gab Herr Senior eine„Analpse", welche beweisen sollte, daß der ganze Rein- gewinn einer Fabrik, die 11'/, Stunden täglich arbeitet— dies war die Maximalzeit für Fabriken, die Personen unter 18 Personen beschäftigten — von der letzten Stunde abgeleitet ist. Die Sache war furchtbar ein- fach. Angenommen, sagte er,„ein Fabrikant legt 100,000 Pfd. Sterling aus— 80,000 Pjd. St. in Fabrikgebäude und Maschinen, 20,000 in Rohmaterial und Arbeitslohn. Der jährliche Umsatz der Fabrik, voraus- gesetzt das Kapital schlage jährlich einmal um und der Bruttogewinn betrage 15°/«, muß sich auf Waaren im Werthe von 115,000 Pfd. St. belausen. Von diesen 115,000 Pfd. St. produzirt jede der 23 halben Arbeitsstunden 5/ii» oder'/„. Von diesen"/,„ die das Ganze der 115,000 Pfd. St. bilden, ersetzen d. h. 100,000 von den 115,000, nur das Kapital;'/,, oder 5000 Pfd. St. von den' 15,000 Brutto- Gewinn(!) ersetzen die Abnutzung der Fabriken und Maschinerie. Die übrigbleibenden'/,,, d. h. die beiden letzten halben Stunden jeden Tags produziren den Reingewinn von 10°/«. Wenn daher bei gleichbleibenden Preisen die Fabrik 13 Stunden statt II'/, arbeiten dürste, so würde, mit einer Zulage von ungefähr 2600 Pfd. St. zum zirkulirenden Kapital, der Reingewinn mehr als verdoppelt werden. Andrerseits wenn die Arbeitsstunden täglich um 1 Stunde reduzirt würden, ivürde der Rein- gewinn verschwinden, wenn um 1'/, Stunden, auch der Bruttogewinn." Man sieht, ganz die Argumente, welche heute gang und gäbe sind. Mit Zahlen, die rein aus der Luft gegriffen, an einem Exempel, das abgesehen von seiner Falschheit obendrein ganz konfus ist, wird die kin- dische Vorstellung genährt, als ob die Arbeiter, um mit Marx zu reden, „die beste Zeit des Tages in der Produktion, daher der Reproduktion oder dem(bloßen) Ersatz des Werthes von Baulichkeiten, Maschinen, Baumwolle u. s. w. vergeuden", ein Exempel, das den Fabrikanten selbst in's Gesicht schlägt. Nach ihm wäre es nämlich thatsächlich ganz gleich- giltig, ob die Arbeiter 11'/, oder nur 10 Stunden arbeiteten; im letz- teren Falle würde lediglich weniger Zeit für„Reproduktion" ver- g e u d e t. Wie faul aber auch sonst die Argumentirung der Fabrikanten und ihrer Lohnschreiber ist, das weist Mar� alsdann nach, indem er auf Grund eben der von diesen selbst gelieferten Zahlen eine wirkliche'Slnalyse des' Arbeits-, bezw. Ausbeutungsprozesses anstellt. Er läßt Herrn Senior sich zunächst ausbitten, Maschinerie und Fabrikgebäude, Rohmaterial und Arbeit nicht kunterbunt durcheinanderzuwerfen, sondern gefälligst das in Fabrikgebäuden, Maschinerie und Rohmaterial u. s. w. enthaltene konstante Kapital auf die eine, das in Arbeitslohn vo'rgeschossene Kapital auf die andere Seite zu stellen. Ergab sich dann etwa, daß nach der Fabrikantenrechnung der Arbeiter in einer Stunde den Arbeitslohn reproduzirt oder ersetzt, so stellt sich die Gesammtrechnung folgender- maßen: Die letzte Arbeitsstunde(Reingewinn oder Mehrwerth) und die vor- letzte Arbeitsstunde(Arbeitslohn) sind gewöhnliche Arbeitsstunden wie die erste und zweite und jede andere, nicht mehr und nicht weniger. In jeder dieser Arbeitsstunden verfertigt der Arbeiter aus einem gewissen Quantum Baumwolle ein bestimmtes Quantum Garn, in welchem sich der Werth der Baumwolle und der(Abnutzung der) Spindel plus dem Werth der Arbeitsleistung vorfindet. Dieses Plus, dieser Werth, welchen der Arbeiter durch seine Thätigkeit der Baumwolle rc. hinzufügt, beträgt in 11'/, Arbeitsstunden genau ebensoviel als der Werth des Garnpro- dukts von zwei Arbeitsstunden überhaupt. Der Arbeiter produzirt in 5'/z Arbeitsstunden so viel neuen Werth, als sein Arbeitslohn beträgt, und in de» weiteren 5°/, Stunden den Mehrwerth, den der Fabrikant einsteckt, d. h. er bekonimt 5°/, Arbeitsstunden nicht bezahlt. Eine Erhöhung der Arbeitszeit um 1', Stunden würde somit nicht, wie es in der„Analyse" des Herrn Senior heißt, den Reingewinn„mehr als verdoppeln", die Rate des Mehrwerthes würde von 5°/., Stunden(Lohn) zu 5°/, Stunden(Mehrwerth) alsdann auf53 4 Stunden Lohn zn 7'/, Stunden (Mehrwerth), d. h. auf 126'/,« Prozent anwachsen. Andererseits würde eine Herabsetzung der Arbeitszeit von 11'/, auf 10'/, Stunden keines- wegs, wie die armen Fabrikanten fürchteten, den ganzen Mehrwerth in die Brüche gehen machen, sondern ihn nur von 5'/�:5'/„ d. h. 100°/«, auf 5°/<:4'/«, d. h. 82"/,,°/« des Lohnes fallen machen, also immer noch eine ganz erkleckliche Rate. Mit dem letzten Stündlein verhielt es sich also trotz des Geschreies der Fa- brikanten gar nichts» schlimm. Und als nach langen Kämpfen ihnen die Fabrikakte von 1850 und 1853 abgezwungen worden waren, welche zur Folge hatten den Arbeitstag von 10'/, Stunden und darunter, und trotz- dem die englische Industrie in den Jahren von 1853 bis 1860 sich„wunder» voll" entwickelte. Hand in Hand mit der physischen und moralischen Wiedergeburt der Fabrikarbeiter, da wiesen die Fabrikanten selbst prahlend auf den Kontrast mit den noch„freien" Ausbeutungsgebieten hin. An Stelle des letzten Stündleins trat vorderhand das tausendjährige Reich der allgemeinen Wohlfahrt. Und so wie in England würde es auch in Oesterreich gehen. Oester- reich ist das Land, wo die Ausbeutung am schamlosesten betrieben wird, die Arbeitszeit am höchsten ist, die Löhne am niedrigsten sind. Und wenn wir, um von den armen Petenten zu sprechen, bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 Stunden nur eine entsprechend gleiche Mehrwerths- rate annehmen als in dem obigen Exempel der Spinner von Manchester, nämlich 6 Stunden zu 6 Stunden— 100°/«, so würde ein elfstündiger Normalarbeitstag diese Rate auf 6:5, d. h. auf 83'/,°/« fallen machen. Man urtheile also, welche Stirne dazu gehört, der Welt vorzulügen, daß der eigentliche Fabriksnutzen erst in die zwölfte, die„letzte Stunde" falle! Und dabei haben wir noch ganz unerörtert gelassen, was heute jedes Kind weiß: daß eine verkürzte Arbeitszeit stets von einer wesentlichen Hebung der Leistungsfähigkeit der Arbeiter begleitet ist! Das Alles wird natürlich den„liberalen" Herrn H e r b st nebst seiner „liberalen" Brüderschaft nicht verhindern, mannhaft gegen solche Be- schränkung der„persönlichen Freiheit" einzutreten. Kann er sich doch dabei aus den„großen Sozialreformer" Deutschlands, auf Bismarck berufen, welchem der Normalarbeitstag gleichfalls ein Greuel vor dem Herrn ist. Sache der österreichischen Arbeiter aber ist's, mit aller Energie diesem Schwindel entgegenzutreten und Alles dranzusetzen, der maßlosen Aus- beutung, deren Opfer sie sind, einen Damm entgegenzusetzen. So oder so muß den Arbeiterschindern klargemacht werden, daß ihr letztes Stünd- lein geschlagen— in Oesterreich wie anderwärts. Das Freidenkerthum und die Sozial- demokratie. Wir erhalten folgende Zuschrift: Untertürkheim. 10. April 1884. Ob mein Vertrauen sich erfüllt, daß die Mehrzahl der Genossen meinen Artikel in Nr. 14:„Der Kampf der Ideen" denkend gelesen und un- parteiisch gewürdigt habe, muß ich abwarten; dem Schreiber der„Ant- wort" in Nr. 14 dagegen muß ich erklären, daß er es nicht vermocht hat. Und da er— nicht die„Ausnahme" am Schluß, sondern direkte Anschuldigungen aus mich bezieht, da er mit der einfachen Kunst grober Inkonsequenz mich in die nette Gemeinschaft von Predigten, alten Jungfern und bornirten Konsusionsgläubigen setzt, so muß mir eine Erwiderung an die Genossen gestattet sein, auch abgesehen davon, daß die Ver- unglimpsung des sozialistischen Kampfes wider die Religion, als wandle er die Wege des Pfaffenthums, eine solche fordert. Böswillig muß es wohl sein, wenn der Schreiber mich, obwohl er meinen Namen kannte, als Freund der verschwommenen freireligiösen Vereine, deren Zwitterhaftigkeit ich tadle, bezeichnet und nebensächlich dann als Gesinnungsgenossen oder„Mitglied" einführt, während ich erst seit zwei Jahren einer„Gemeinde"— deren religiöser Charakter bis jetzt noch seitens des Kultusministeriums in W. bestritten wird— angehöre, dagegen 1875 schon an der konstituirenden Verschmelzung der Parteigegensätze in Gotha als Delegirter theilnahm, und schon 1348 mit Johann Jakoby, der bis zum Tode mein Freund blieb, zusammen arbeitete, insbesondere einen„Arbeiterverein"— vielleicht den ersten in Deutschland— der die ganze Provinz umfaßte, in Gemein- schast mit Handwerkern und dem damaligen Studenten Schweichel in Königsberg gründete. Haltlos ferner, wie Jeder aus meinem Artikel herauslesen kann, sind seine Versuche, ein lächerlich gemachtes Streben nach„neuen Konfes- sionen",„Religiönchen",„Firmawechsel" u. s. w. aus meinem Artikel herauszudeuten oder das harmlose Vergnügen ewiger sittlicher Entrüstung sammt alten Jungfern mit ihm in Zusammenhang zu bringen; er konnte, er mußte wissen, daß unsere harmlose Entrüstung ein Angriff ist, der genau so wie unser politischer Kampf im Wahlrecht zum Konflikt mit dem Staate und in's Gefängniß führt, und daß ich es aus beiden Gebieten schon thatsächlich bezeugt habe; er mußte es auch gelesen haben, daß uns die fortwachsende Wissenschaft die e i n z i g e B a s i s der Weltanschauung oder„Religion", und das sozialistische Grundgesetz der Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit oder Solidarität das einzige Prinzip sittlicher Reform oder Moral ist. Und wenn er meint, d i e Geschichte lehre das Gegentheil meines Satzes: daß die himm- lische Autorität„Gottes" die Gewissen hart, die Klassenregierung all- mächtig mache, so muß er allerdings noch viel lernen, denn er weiß noch nicht, daß keineBrutalität Staaten gründet, Sklaverei oder sonstige Gesellschastsverhältnisse herstellt, sondern daß es nur die I d e e n, g e i- st ige Einflüsse, sind, welche durch Erziehung zu Dummheit, Knecht- schast, Aberglauben und übersinnlicher Furcht die Erniedrigung des Menschen unter den Menschen zu einem staatlichen Zustande zu machen fähig sind— Ideen, deren Kopf- und Kurbelende immer„Gott", ein himmlischer Popanz, ist. In der Angabe endlich, daß nicht wir mit dem„religiösen Kram" gebrochen haben, sondern der nicht religiös, nur sozial und politisch kämpfende Arbeiter es thue, ist die Thatsache geradezu auf den Kopf gestellt, da das vom Pfaffen Begraben-, Trauen-, und Taufenlassen doch nicht den Bruch mit dem Kram bedeutet, und der„Atheismus" doch nicht da ist, um ihn, wo er Gefahr bringt, zu verleugnen. Die Redensart also vom„realen Kampsgebiet" zieht nicht; der Kampf gegen die, unsere Staatsordnung sichernde Religion der Massen und gegen die aus ihr fließende schlechte Moral ist nicht nur nothwendig und„real" wie der volkswirthschaftlich-politische, sondern er ist der aller- revolutionär st e und grundlegend. Auch unsere Partei wird das, je länger wir zögern, so schmerzlicher erfahren müssen; denn„von selbst" erledigt er sich so wenig wie der politische. Daß wir noch nicht Kräfte genug in uns fühlen, um auch in ihn einzutreten, diesen Einwand würde ich verstehen: nicht aber, daß man mit leeren Kaponenscklägen vpn Schlagworrern diesen' Kampf aus dem Leben zu schaffen sucht. Wenn die„Erklärung" der Stuttgarter Freidenkergemeinde nicht mehr in der Erinnerung der Redaktion ist, so ist das nicht meine Schuld, da ich selbst sie einschickte. Sie folgt nun anbei mit dem ausdrücklichen Ersuchen um Abdruck. A. Dulk. Erklärung. „Wir verwerfen den Glauben an einen menschenähnlichen, persönlichen Gott, welchen Namen man ihm auch gebe. Wir glauben, daß, was Gott genannt wird, das Leben der Welt selbst in seinem großen höchsten Einklang ist, das nicht aus überlieferten Schriften und Wundererzählungen, sondern aus den Gesetzen der Natur erkannt werden muß. . Wir erkennen, daß der höchste Einklang der Menschennatur das Gute ist, und darum ist uns Gott d a s G u t e für die Menschenwelt. Die Erfüllung des Guten, die S i t t l i ch k e i t, ist uns die praktische Reli- gion. Nicht Anbetung des Gottesräthsels, sondern Erkenntniß und rechtes Handeln ist unser Zweck. Wir haben den lebendigen Willen, die Erkenntniß zu pflegen und unsere Kinder in ihr heranzu- bilden; uns gegenseitig in Freude, Leid und Arbeit des Lebens beizu- stehen; einander und allen Menschen zu einem besseren und menschen- würdigeren Dasein nach Kräften zu verhelfen." Da wir es weder für nützlich noch für sehr interessant halten, eine längere Polemik dieser Art zu führen, so wollen wir uns in unserer Antwort aus das absolut Nothwendige beschränken. Zunächst bestreiten wir, irgend welche absichtliche Bosheit, irgend welche„Böswilligkeit" mit unserer Antwort verbunden zu haben. Unser Bestreben war, so kurz und gleichzeitig so sachlich wie möglich unseren Standpunkt zu entwickeln. Wenn die Form, in der dies geschah, etwas scharf ausgefallen, so liegt dies in der Natur des Streitobjektes, und wenn wir die Sätze, die sich direkt gegen den Einsender wandten, nicht streng genug von denen schieden, die allgemein aus die Freidenkerbewe- gung Bezug hatten, so ist das lediglich der Oekonomie geschuldet, welche wir uns auferlegten, irgend welche persönliche Gehässigkeit lag uns fern. Alsdann müssen wir bestreiten, den„sozialistischen Kampf gegen die Religion" verunglimpft zu haben, sintemalen von einem solchen über- Haupt nicht die Rede war. Es handelte sich um die„Freidenker" und die„freireligiösen" Gemeinden, die fast sammt und sonders nicht sozia- listich, meistens sogar a n t i sozialistisch sind und gerade auf ihren reli- g i ö s e n Charakter Gewicht legen. Ob ihre Religion nun die„Vernunft" oder das„Gute" oder sonst eine„Idee" ist, immer sind und bleiben es neue Religionen, um die es sich da handelt; wir können also in dieser Beziehung von unserem Urtheil nicht ablassen. Ob nun die„himmlische Autorität Gottes" die Klaffenregierung allmächtig macht, ob„Ideen",„geistige Einflüsse" die Ursache der Er- niedrigung, der politischen Knechtschast sind oder ob sich die Sache nicht vielmehr umgekehrt verhält, darüber sind wir gerne bereit, eine besondere Polemik mit unserem Widersacher einzugehen, hier würde es zu weit führen. Nur ganz beiläufig sei daraus hingewiesen, daß die Alten bei ihren Eroberungskriegen sich den Teufel um die Religion ihrer Unterjochten kümmerten, während in der Neuzeit gerade die bigottesten Völker die großartigsten Unabhängigkeitskriege geführt haben, u. A. z. B. die Nord- amerikaner. Ihr Bibelglaube verhinderte sie nicht, Rebellen zu sein. Was die Frage des„realen Kampsgebietes" anbetrifft, sowie den Bruch mit dem„ganzen Kram", so halten wir es da mit Friedrich Engels, der schon 1874 im„Volksstaat" schrieb: „Von den deutschen sozialdemokratischen Arbeitern kann man sogar sagen, daß der Atheismus bei ihnen sich schon überlebt hat; das rein negative Wort hat auf sie keine Anwendung mehr, indem sie nicht mehr in einem theoretischen, sondern nur noch in einem praktischen Gegensatz zum Gdttesglauben stehen, sie sind mit Gott einfach fertig, sie leben und denken in der wirklichen Welt und sind daher Materialisten."——„Soviel ist sicher; der einzige Dienst, den man Gott heutzutage noch thun kann, ist der, den Atheismus zum zwangsmäßigen Glaubensartikel zu erklären und die Bismarck'schen Kirchenkulturkampssgesetze durch ein Verbot der Religion überhaupt zu übertrumpfen." Bis jetzt ist in unserer Partei dieser Standpunkt maßgebend gewesen, und er soll es, denken wir, auch bleiben. Ueberall, wo er zeitweise ver- lassen wurde, geschah es zum Schaden unserer Sache. Wenn unsere Arbeiter vielfach noch nicht formell mit der Kirche ge- brachen haben, so sind da in neunundneunzig von hundert Fällen wieder sehr materielle Gründe schuld, Gründe, die wir mit„Ideen" nicht aus der Welt schaffen. Heißt das, daß wir in Punkto Religion gar nichts thun, dem Pfaffen- thum gegenüber die Hände in den Schooß legen sollen? Keineswegs! Haben wir doch in unserer Parteiliteratur eine ganze Reihe von Schriften, die in populärer Sprache das Wisen der Religionen kritisiren, den Wider- spruch zwischen allen Offenbarungstheorien und den Ergebnissen der Wissenschaft klarlegen, welche den Arbeiter selbstständig prüfen, denken lehren, kurz, die da, wo der religiöse und sonstiger Aberglaube noch nistet, vortreffliche Dienste thun. Diese Broschüren sind zu allen Zeiten in unserer Partei verbreitet worden und werden noch kräftig verbreitet. Diese Propaganda ist auch eine Seite unseres Kampfes, aber nur eine Seite und hat nicht in den Vordergrund zu treten. Dies unser Standpunkt, und damit hoffen wir diese Polemik abge- schloffen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 8. Mai 1884. — WieAnarchisten ge ista ch t werden. Ein deutscher Genosse, der einige Unterstützungsgelder für die Streikenden in Böhmen über- mirtelt hatte, erhielt aus Oesterreich einen Brief, so charakteristisch für die dortigen Zustände, daß wir die Hauptstellen hier wörtlich folgen lassen: „.... Gewiß haben Sie leider nur zu sehr Recht, daß der Streik wegen Mangel an Organisation resultatlos verlausen mußte, auch liegt es sehr nahe, aus diesem bedauernswerthen Umstände nützliche Lehren zu ziehen; allein deren Anwendung ist in Oesterreich nahezu eine Un- Möglichkeit. „Oeffentliche Versammlungen«erden nur vereinzelt bewilligt, bereits bestehende beim geringsten Anlasse aufgelöst— also bleiben nur geheime Vereinigungen übrig, denen das Wort zu reden ich mir unter bestehenden Verhältnissen sehr überlegen würde, da es fast gewissenlos wäre. Sie wissen doch, wie man in Oesterreich bei den Gerichten vorgeht: ein harmloser Brief, eine von der Staatsanwaltschaft zensurirte Zeitung— jedes für sich genügt, nach 5— �monatlicher Untersuchungshaft ebensoviel Strafe zu erhalten. „Nur ein solch' drakonisches und aller Gerechtigkeit hohnsprechendes Vorgehen kann die vielen Monstreprozesse der letzten Jahre in Wien und Prag erklären. „Das Vorfinden eines Briefes von Ihnen genügt, um für ein Jahr versorgt zu sein. Was da zu thun, weiß ich nicht; aber soviel weiß ich, daß die ganze Arbeiterbewegung in Oesterreich, die eigentlich seit ihrem Beginn bis aus den heutigen'Tag keinen einzigen wesentlichen Erfolg zu zu erzielen»ermochte, auch stets nur vegetiren wird, wenn nicht in an- deren Ländern Ereignisse eintreten, die in ihrer Rückwirkung auf Oester- reich der Arbeiterbewegung daselbst ausgiebige Bewegungsfreiheit ver- schaffen. „Wir sind gegenwärtig in Oesterreich viel vogelfreier wie Sie in Deutschland unter der Herrschaft des famosen Sozialistengesetzes. Wir haben Versammlungsfreiheit,— wollen wir jedoch eine Versammlung einberufen, wird sie, total unbegründet, unter Hinweis auf§ 6 des bez. Gesetzes wegen ihrer Gefährlichkeit für die öffentliche Ruhe und Ordnung ver- boten, und wären auf der Taa- sordnung selbst nur Suppen-, Kaffee- oder Theeanstalten! Vereinsrech' haben wir,— aber ein neuer Verein wird nicht bewilligt, bestehende aufgehst; Preßsroiheit haben wir, — aber die Arbeiterblätter werbt, konfiszirt und unterdrückt. Und gleich hübsch ist es bei uns in jeder Richtung und auf allen Gebieten. „Alle Opfer, die die österreichischen Genoffen schon gebracht haben und noch bringen, waren nutzlos, ohne Erfolg; denn das ungeschlachte Thier vernichtet Alles. Ueberdies sind aber auch die Lohnverhältnissse bei uns derart, daß den österreichischen Arbeitern vor der Konkurrenz der Kulis nie bange werden wird, da selbst diese nicht billiger arbeiten können, als es hier bereits der Fall. „Wohin wir also unseren Blick schweifen lassen, nirgends winkt uns ein Hoffnungsstrahl entgegen, und man könnte sich wirklich einer dumpfen Verzweiflung überlassen. „Die ärmlichen Verhältnisse, in denen wir als Arbeiter leben, bringen es aber auch mit sich, daß wir zu unserem größten Leidwesen nie für unsere Brüder in Deutschland etwas thun können, und beschämt nehmen wir von ihnen Unterstützung an." Dies der Brief, an dem wir— soweit wir ihn mittheilen— nicht ein Wort geändert haben. Der Schreiber, wie man sieht, ist keineswegs eine zu Gewalt hin- neigende Natur— eher das Gsgentheil— allein unter den herrschenden Umständen ist tausend gegen eipes zu wetten, daß er bald mit Denen sympathisiren wird, die verzweifelten Gewaltstreichen das Wort reden. Und von der Billigung zur Nachfolge ist's nur ein kleiner Schritt. Wer aber nicht gänzlich vernagelt ist, der wird sich jetzt— wenn er es nicht schon vorher wußte— die Frage beantworten können, wie Anarchisten gemacht werden. So wie die Behörden und die Fabrikanten es in Oesterreich treiben, wird jeder Arbeiter von Rechtsgefühl entweder geistig und moralisch erdrückt oder in einen leidenschaftlichen Zorn versetzt, der ihn, falls die Urtheilskraft nicht sehr stark entwickelt ist, vor keiner Rachethat zurück- schrecken läßt. So mögen sie denn ernten, was sie gesäet! — Der Junge wird gut! Prinz Wilhelm von Preußen, ältester Sohn„unseres Fritz", und also, wenn„Gottes Gnade" nicht in- zwischen brüchig wird, dereinsttger König von Preußen und Kaiser von Deutschland, hat, wie die Berliner„Volkszeitung" vom 30. April mittheilte und was bisher noch»icht widerrufen, wurde am 26. April „seine" Soldaten nach beendigt-.-n Exerziren auf dem Bornstädter Felde bei Potsdam zusammentreten lassen, ihnen von dem fürchterlichen Atten- tat am Niederwalddenkmal erzählt, und daran„die ernste Mahnung, namentlich an die anwesenden Reservisten(!) geknüpft, stets, auch im Zivilverhältnissc, allen sozialistischen und anarchistischen Umtrieben entgegenzutreten. Sollten sie jemals s o z i a l i st i s ch e Aeußerungen hören, so mögen sie die betreffenden Personen zur Anzeige bringen,(!!!) als Soldaten aber in energischerWeise gegen solche Leute einschreite n." Das heißt, der liebe Hohenzollernsproß hat die ihm unterstellten Sol- daten zur gemeinen Denunziation, zur brutalen Vergewaltigung Anders- denkender aufgehetzt! Ein netter Junge, nicht wahr? Bei dem wird man wenigstens mit der Phrase vom„liberalen Kronprinz" verschont bleiben! Wer so hoffnungsvoll anfängt, von dem stehen noch große Dinge zu erwarten. Es wird daher auch nur zeitgemäß sein, dem liebenswürdigen Hetzprinzen auch sonst unsere Aufmerksamkeit ein wenig zu widmen. Wer sich in die Oesfentljchkeit drängt, der sehe zu, daß sein Privat- konto rein ist! Und wer sich erfrecht, hunderttausende ehrlicher Arbeiter zu ächten, zu Haß und Gewaltthätigkeiten gegen sie aufzureizen, der sei versichert, daß, wenn es auch sür ihn kein Strafgesetzbuch gibt, es des- wegen noch nicht an Mitteln mangelt, auf solche Nichtswürdigkeiten die gebührende Antwort zu ertheilen. Zunächst wollen wir einmal über eine gewisse Bäckerstochter in Pots- dam nähere Erkundigungen einziehen, von der Fama erzählt, daß der zukünftige Herrscher Deutschlands bei ihr sehr eingehende Studien mache über die Heilighaltung des sechsten Gebotes! — Warum die Fabrikanten nichts vom Normal- arbeitstag wissen woll>'n. Diese Frage wird in der„New- Aorker Volkszeitung" wie folgt beantwortet: „Jra Steward, der zu s üh Verstorbene, pflegte zu sagen:„In thur eine T dem »ei Jen ni, v ei nur ist. auf »es« bezr war hiel iun, auß Ler Z und »est Kell irej den Grr einem mehr als 30jährigen Kampfe um Verkürzung des Werktags Hab ich das Eine gelernt: Alles Andere wird das Kapital uns eher zug» stehen, als den achtstündigen Werktag". Woher dieser verzweifelte Widerstand der Ausbeuter gegen dich scheinbar so bescheidene Forderung? Es ist ja in der That möglich, in acht Stunden so viel Werk j> liefern als in zehn. Es hat Fabrikanten genug gegeben, welche d« Probe daraus gemacht haben, zur Zeit, da der 12stündige Arbeitstag i« den jetzigen lOstündigen verwandelt wurde. Vor legislatorischen Komit« ist von Solchen bezeugt worden, daß in ihren Fabriken in weniger Z« ebensoviel und obendrein bessere Arbeit verfertigt worden war, als vo? her in längeren Werktagen— die Lohnsklaven strengten sich etwa* stärker an, schafften mit mehr Lust und Liebe. Für die Arbeitgeber ei wuchs dabei außerdem eine Ersparnih an den Kosten der Heizung, B« leuchtung, der Aufsicht über die Arbeit. Die letzten Stunden des Taget wenn die Arbeitskraft nachzulaffen anfängt, sind wirtlich für die„Bi" (so nennt man in Amerika die Prinzipale) weniger einträglich als früheren, sie sind eine Verwüstung. Solches Zeugniß ist doch gewiß unverdächtig. Warum also stemn sich die ungeheure Mehrheit der„Bosse" gegen die weitere Perkürzuü des Arbeitstages? Der Grund liegt auf der Hand, leider viel weniger für gedankenft Lohnsklaven als sür die Beschäftiger derselben, die wenigstens instinkti die Bedeutung der verkürzten Arbeitszeit erkennen. Der längere Arbeit tag gibt ihnen mehr Herrschaft über die Beschästigten, mehr Mach' den Lohn herabzudrücken und— und was für sie noch mehr werth ist den Widerstand der Werkleute gegen Ausbeutung und Kommando| brechen. Wer zehn oder gar zwölf, vierzehn und mehr Stunden sich abrackel muß, behält keine Zeit zum Nachdenken über sein elendes Loos, kei« Geisteskraft zur Erkemttniß seiner Menschenwürde und seines Mensch« rechtes, tein Verlangen nach höheren Lebensgenüssen, kein Bediirfmß d Fortbildung, keine Sehnsucht nach Erlösung aus dem Joche, ja seit keine Körperkrast zum Widerstand und zur Verschwörung mit seine Gleichen dazu."—— Nachdem der Schreiber des Weiteren nachgewiesen, daß die industriell Entwicklung der Neuzeft geradezu zur Verkürzung des Werktages zwinzl fährt er fort: „Gegen alle Arbeiterforderungen zeigt sich endlich Nachgiebigkeit. macht hier und da Bersicherungsgesetze für das Leben, die Gesundh die Invalidität u. f. w. Man gibt Hastpflichtgesetze, man beschränkt Gesängniß-Kontraktarbeit oder schafft sie ab; man errichtet Fortbildui und Handwerksschulen von Gesetzeswegen; man beschränkt legislatoris die Frauen- und Kinderarbeit; man erweitert das Stimmrecht der K better, kurz, man erkennt— gleichgiltig aus welchen Gründen— mes und mehr allerwärts die Arbeiterforderungen an— nur die V et kürzung des Werktags macht man möglichst streitig. „Welchen andern Grund kann dies haben als den einen, daß dieser Maßregel die Herrschaft des Kapitals über die Al b e i t gefährdet wird? Denn bei der einmaligen Verkürzung kann nicht bleiben. Man gibt damit ein uraltes Prinzip aus und setzt neues in Geltung: das Prinzip, daß der Arbeiter Herr seiner Zeit s soll, seinen Menschenwerth mittels seines Arbeitspreises selbst mitK stimmen soll, kein passiver Gegenstand der Ausbeutung durch And« bleiben darf. Man verzichtet seitens der herrschenden Klaffe auf seiitt Gehorsam, seine Geduld, seine Unterwürfigkeit. Alan gibt ihm d« Mittel, sich selbst zum freien Menschen zu erheben. Man stach« ihn förmlich dazu an. Man erklärt ihn für mündig und Selbstherrsch« 0l� Es nenne sich kein Arbeiter mehr einen Sozialdemokraten, ein' Schüler von Karl Marx, der uns alles Obige klar gemacht h« wenn er nicht seine Kraft neben allen anderen Bestrebungen an« Agitation und Erzwingung des kürzeren, vorläufig also des a ch t st ü 4 digen Werktages setzen will."-- Fr Rai oud von los schi Ige»-a-eetiuge»|eseu-ui».,»Sj, Stimmt, wie man sieht, in allem Wesentlichen, mit dem überein, W 1 wir in der vorigen Nummer über dieses Thema gesagt. Au — Ein nationalliberaler Musterknabe, wie er t Buche steht, ist der preußische Landtagsabgeordnete für Gör Ii! e „Direktionsrath" von Schenkendorf, der sich neulich in eis« um Versammlung des nationalliberalen Wahlvereins„über den gegenwärtig«de Stand der Parteien", einem Bericht des„Neuen Görlitzer Anzeiger««tc gemäß, u. A. also aussprach: W „Wie und durch welche Mtttel man die gelobte Treue zu Kai!' � und Reich halten wolle, daraus komme es an. Redner nim' 8 nun eine Vergleichung des neuen freisinnigen Programmes mit df»w Heidelberger„nationalliberalen" vor und berührt dabei hauptsächb' lchi die Sozialresorm, die Wirthschastsreform und die Militärsrage.? von der freisinnigen Partei angestrebte Aushebung aller Ausnahi« V6' gesetze und Stellung der Sozialdemokraten unter ein dahin zu mo« r ichsti � die B«. letz «Al big h des fizirendes gemeines Recht scheint das Allerbedenkli „Was soll aus uns werden, wenn der Richt>! dann in politischenSachen nicht mehr inAnseh'' der Person urtheilt, sondern nur nach dem Fo' tum!" Der Staat müsse das Wehr des Sozialistengesetzes u jeden Preis aufrecht erhalten, um nicht die blühenden Gefilde d jetzigen staatlichen Ordnung von dem See sozialdemokratischer Ps paganda ganz überfluthen zu lassen; was über das Wehr hinw« laufe, diene nur dazu, die Ueberfiuth im See endlich ganz aufhö« zu lassen; dann wäre der Zeitpunkt erst gekomme», um mit d Sozialdemokraten zu paktiren. Nachdem er die Wirthschaftsrefo>! Zei berührt, kommt Redner aus die Militärfrage und betont, daß du' rist die dreijährige Feststellung der Friedenspräsenzstärke, wie sie' ke» freisinnige Partei wolle, dieselbe jedesmal nur von dieser zu W«� l agitationszwecken ausgebeutet werden würde. Eine Verkürzung««ig Dienstzeit wäre um deswillen nicht anzurathen» weil ohnehin js'»eg schon zwei Fünftel der Armee blos zwei Jahre diene, und die!' Um sei ein prächtiges Disziplinarmittel, was nach den Ansichten Molch' St, nicht zu entbehren sei, deshalb wäre die nationalliberale Partei? le» Ausrechterhaltung des Septennats." Also auf die„gelobte Treue zu Kaiser und Reich" kommt es Nun, uns nicht, sintemalen wir diese Treue nie„gelobt" haben. S>J Scherz bei Seite. Von Interesse ist für uns blos der gesperrt gedru» Passus, in welchem dieser Musterliberale und Jdealschwärmer für d „Rechtsstaat" in praxi dem elementarsten Rechtsgrundsatz in's Geff schlägt, daß der Richter nicht nach der Person, nur nach � Sache(dem„Faktum") zu urtheilen habe. Hier wird das umgedrff und die m o r a l i s ch e„Verwilderung" unserer Gegner wie� einmal an einem drastischen Beispiele konstatirt. In besondere Etttrüstung gerathen wir darob freilich nicht, denn 1 liegt in der Statur der Dinge, daß den Vertheidigern u n ü rechter und unvernünftiger Zustände auch aller Rechts sinn und alle Vernunft abhanden kommen müsj«' bii, »er — Aus dem Reichstag, 2. Mai. Vorigen Montag drl Lesung des Hilfskassengesetzes. Die„arbeiterfreundlics Konservativen suchten die von der Kommission und bei der 2. Berath vom Plenum ausgebrochenen Polizei-Giftzähne wieder einzusetzen, ha damit aber kein Glück. Das Gesetz taugt zwar auch jetzt nichts, ist auch nicht so positiv gemeinschädlich, wie die brave Reichsregierung I geplant hatte. Grillenberger vertrat in der Debatte unsere Fraktton, n' kennzeichnete scharf und eindrucksvoll das Gebahren der mit ihrer„Sozi« reform" sich brüstenden Reichsregierung, und speziell dieses Hilsskassg gesetz, dessen einziger Zweck es gewesen, den Arbeitern Daumschrau anzulegen und den Bestand und die Gründung freier Kassen auf Bd des Krankenkassengesetzes zu verhindern. Am Dienstag beschästigte der Reichstag sich mit den Privatgeff entwürfen oder Anträgen auf Entschädigung unschuldig V«! urtheilterund auf Wiedereinführung der Berufung? be, i n st a n z. Für den ersteren Antrag, der bekanntermaßen ursprüiM»e, von der sozialdemokratischen Fraktion lAntrag Frohme) gestellt �?'f und dann von den Fortschrittlern annektirt wurde, sprach unserst vv» vve» j-J vvntvu UllliCl4.IV* IVUVVC; s�fVUU� Uli|CV(-j Kayser, der, weil er dem Richterstand„Dünkel und Hochmuth"»; warf, zur Ordnung gerufen wurde. Der Herr Präsident fand es oi' tadelnswerth, daß kein ernsterer Vorwurf erhoben worden war. Für heute stehen unbedeutende Gegenstände auf der Tagesordnung, inorgen wird keine Sitzung sein, sowie am Dienstag und gesV' (Donnerstag) keine Sitzung war. Der Reichstag hat nämlich nichts! iel .s habt thun, und auch keine Arbeitslust, r zug» einer Angst in die andere wirst. � Die Sozialistengesetzkommission r di" MM da das Auslösungsgespenst ihn aus hat gestern alle Amen- & Tag ,S8or tls sten kiirzu tfenl istin! lrbi � v g �»» s» � � � � �» v ,«»»»»»> i �. >iest dements. und schließlich das ganze Gesetz mit 10 gegen 10 Stimmen verworfen, nachdem Herr Windthorst emphatisch erklärt hatte, das lerk!> Zentrum werde sich durch sein« Anträge und Voten in der Kommission che d« nicht binden lassen, und behalte sichausdrücklicheine stag b veränderte Stellungnahme im Plenum vor. Das kann iomite< Nur bedeuten, daß der Kompromiß inbester Vorbereitung ;er Ze» ist. Die zweite und entscheidende Lesung wird Ende der nächsten ls vo» Woche startfinden, wahrscheinlich Donnerstag. Unsere Genosten werden etwa! nnf Posten sein. ber er ~ Bravo! Die Auslösung des Reichstags— voraus- besetzt, daß es. noch dazu kommt, was nach neueren Nachrichten sehr zu «ezweiseln ist— wird unsere Parteigenosten in Sachsen, schreibt Man uns dort, vollkommen vorbereitet finden. Sonntag den 27. April hielten unsere sächsischen Genosten eine sehr gut besuchte Landesversamm- iung ab, aus welcher von 23 sächsischen Wahlkreisen 22 vertreten waren, Außerdem das Herzogthum Sachsen-Altenburg. Eine ähnliche allgemeine Vertretung ist aus srüheren Landesversammlungen nie vorgekommen. Das Hauptthema der Verhandlungen bildeten die Reichstagswahlen und wurden nach vierstündiger Berathung folgende Kandidaturen fest- ______ bestellt i 1. Wahlkreis Zittau: Pflaum Dresden; 2. Wahlkreis Löbau: i a ch t«leller-Görlitz; 3. Wahlkreis: Bautzen-Kamenz: Kaden-Dresden; 4. Wahl- ) ist A ireis; Neustadt-Dresden: Kaden-Dresden; 5. Wahlkreis: Altstadt-Dres- mdo t ven; Bebel-Borsdors; 6. Wahlkreis: Dresden-Land(Plauenscher Grund, Wilsdruff jc.): Horn-Löbtau; 7. Wahlkreis; Großenhayn-Riesa: Geyer- bracke» Großenhayn; 8. Wahlkreis: Pirna- Königstein: Peters- Dresden; 1, keis �- Wahlkreis: Freiberg: Kayser-Dresden; 10. Wahlkreis Döbeln-Wald- ensch� heim: Kayser-Dresden 11. Wahlkreis: Wurzen-Grimma: Kögel-Wurzen; nig de>2. Wahlkreis: Leipzig-Stadt: Bebel; 13. Wahlkreis Leipzig-Land: zwei i seit! Kandidaten in engerer Wahl dem Wahlkreis zur Entscheidung überlasten); seine 14. Wahlkreis: Frohburg-Penig: Müller-Meerane; IS. Wahlkreis: Wrttweida-Burgstädt: Wollmar; 16. Wahlkreis; Chemnitz: Gester; ustriel 1'- Wahlkreis: Glauchau-Meerane: Auer-Schwerin; 18. Wahlkreis: zwinzl owickau-Crimmistchau: Stolle-Gesau; 19. Wahlkreis: Stollberg-Lugau: Liebknecht; 20.'Wahlkreis: Zschopau-Dlarienberg: Geyer-Großenhayn; it. �1' Wahlkreis: Schwarzenberg-Annaberg: Demmler-Geyer: 22. Wahl- undhei useis: Reichenbach-Auerbach: Müller-Reichenbach; 23. Wahlkreis: iinkt d« Plauen-Adorf: Rödiger-Gera; Herzogthum Altenburg: A. Heine-Halber- ildungk stadt. latorisi Nach sechs Uhr Abends trennten sich die Genossen und reisten nach der Ä' chver Heimath mit dem festen Entschluß, Alles aufzubieten, uni der — inst! Partei eine achtunggebietende Stimmenzahl und möglichst viel Siege zu V er verschalen. Natürlich hat die Hochwohllöbliche von der Zusammenkunft Und ihrer staatsgesährlichen Thätigkeit nicht das geringste geahnt. laß vt i e AI— Reichstagskandidaturen. Köln: A u g u st Bebel. kann* W e st h« v e l l a n d: SB. Hasenclever. Elberfel d-B armen: jetzt e> ririedrich Harms. seit ss! initt» Raubmord und politische Verbrechen. Ist der Anvsi �uubmord ein„politisches Verbrechen"? Oder genauer: K a n n der f sei«"uubmord ein„politisches Verbrechen" sein? Das ist eine Frage, die hm d« Mancher unserer Genossen in den letzten Jahren, seit der sehr unpolitische stacht Spitzbube Ganz in dem Organ des Hans Atost die Lehre vom politischen errsch«> aub und Raubmorde proklamirte, sich vorgelegt und wohl ausnahmslos eui» uuch mit Nein beantwortet hat. Der Instinkt des revolutionären Volkes cht � f«"1 Pati®' das 1848 die unpolitischen Spitzbuben, welche die politische an V, �vgenheit zu unpolitischen Spitzbübereien benutzen wollten, erbarmungs- tstü? niederschoß(so daß den großen unpolitischen Spitzbuben, wie Roth- schild und Genosten, der Schreck in die Glieder fuhr)— hat die allein än, v>i nichtige Antwort gesunden. Jndeß, so ganz einfach, wie Viele sich einbilden, ist die Sache doch '"cht-. Das wurde uns neulich recht klar— im Theater bei der er*®"'W)tun0 eines der berühmtesten, wenn auch nicht künstlerisch voll- örlik"vetsten Stücke der deutschen Bühne. Wir meinen ein Stück, welches, in ei� um uns der. landläufigen Ausdrücke der Literaturhistoriker zu bedienen, «ärti�"ven revolurionären Protest des Dichters gegen eine verrottete ■zeige Ii«taats- und Gesellschaftsordnung" bedeutete", und weicher„revolutionäre Protest" dadurch zum Ausdruck kam, oder darin bestand, daß der Held u Kais' �s Stückes— Räuber wird. Wir meinen natürlich die„in tyran- c nim» U"8". den Tyrannen in s Gesicht geschleuderte Jugenddichtung des, mit mit dä �Meinen Verbrechern sicherlich nicht sympathisirenden Stuttgarter Karls- ptsächlj ichülers Friedrich Schiller. Jedenfalls lehren uns die„Räuber" lge.? trotzalledem wohl Schillers populär st es Drama—, daß es ein .snah!» �kbiet gibt, auf welchem„gemeine" und politische Verbrechen einander zu mok streifen, und sehr leicht mit einander verwechselt, ja mitunter gar [ i ch slj"'chl unterschieden werden können.— lichtk Was übrigens von der tugendhaften Entrüstung zu halten ist, welche �„gute Gesellschaft" od der Anwendung von' Raub, Diebstahl und Betrug zu politischen Zwecken zur Schau trägt, dafür finden wir in der letzten Stummer der hochanständigen Ptünchener(früher Augsburger) "Allgemeinen" ein klassisches Beweisstück. . In einem Artikel„Deutschland und Südamerika" wird da Bismarck in den Himmel erhoben, weil er die Regierung des Generals 8 l e s i a s über Peru zuerst anerkannt habe und damit den Vertrag �Iftlben mit Chile, durch den„die den peruanischen Gläubigern seiner Zvit osterirten Unterpfänder denselben entzogen werden oder zu illuso- Richen Garantien herabsinken." Mit anderen Worten, Deutschland aner- ""nt eine Unterschlagung verpfändeter Werthstücke. Ans, die wir natürlich keine Veranlastung haben, die Anwälte der �"glstchen und französischen Finanzbarone zu spielen, die den Peruanern 88gen gutes Unterpfand und wahre Wucherzinsen Geld vorgeschossen, Ulis Kommunisten, die wir seinerzeit auch sehr kurze Abrechnung mit den Staats- ic. Gläubigern halten werden, uns kann es natürlich ganz gleich Inn, oh diese Herren das Stachsehen haben oder nicht. Aber die gut bürgerliche, die Heiligkeit des Eigenthums über Alles hochhaltende„All- gemeine", was sagt sie dazu? „Sämmtliche spanischredende Republiken wird dieses Ereigniß sehr zu Gunsten Deutschlands stimmen; denn obwohl die meisten derselben für Chile durchaus keine freundschaftlichen Gefühle hegen, 1° ist doch ihre Abneigung gegen europäische Intervention noch großer, besonders wenn eine Intervention die Eintreibung alter Schulden zum Zwecke hat. Es ist dies zwar kein sehr günstiges Zeugnih für ihr- moralischen Anschauungen, in diesem Falle haben wir aber Völker wie Individuen zu beurtheilen und sie zu nehmen, wie sie find, und nicht, wie sie sein sollten." i unS r Natürlich, denn die Sanktionirung ihrer Kreditschwindeleien durch die l c ch l � Reichsregierung ist nicht nur die Ursache, daß-- -seh' n Fa! itzes» filde st her P» hinnß aufhö». mit is tsrefost aß du» - sie st u W« zung 1 ehin d dies Mob artet es n. D» gedru» für» i G-ff nach 1" ngebtjj ir wie� denn IS»«---------...-T------- N"».."üiuillermo ( u f j e! Wilhelm) und Bismarck" an Popularität dort sehr„gewinnen" werden, sondern diese Popularität wird auch den deutschen Geschäftsleuten in Viesen gesegneten Raubstaaten zu Gute kommen. Und wenn das„Ge- sshäst" in Frage kommt, dann ade ihr schönen Grundsätze unseres hoch- Üoilisirten Zeitalters! Dann ist die Sanktionirung eines gemeinen Raub- iuges„ein neuer Beweis von dem großen Scharfblick unseres Reichs- Kanzlers,,. Also zu lesen in der Müachener„Allgemeinen Zeitung,," vom dritten Mai Eintausendachthundert vierundachtzigl ion, „Sozi lsskaffZ schrau mf B-- ivatges� g ungi prüngst stellt unserse? �h" 3 es war.. onungl i gestst nichts I � Die Arbeitsein st ellung in Böhmen ist nun endgiltig veendigt. Auch die Wernstadter Arbeiter haben sich dem Joch wieder fügen, und in die Fabrikbastille zurückkehren müssen. Es ist die alte beschichte: Der Hunger thut weh, und in der kapitalistischen Muster- gesellschaft ist dafür gesorgt, daß der Lohnarbeiter nicht mehr„verdienen" �viin, als zum Leben von der Hand in den Mund nothdürftig ausreicht. �on„Zurücklegen" und„Sparen" kann, trotz der Ammenmährchen der �parapostel, in 999 Fällen unter 1000 nicht die Rede sein; und sobald ber„Verdienst" aufhört, fängt die Roth an. Ein paar Tage lang gibt er Krämer Kredit, ein paar Tage lang hilft man sich durch die impro- vistrten Unterstützungsspenden gutherziger Mitproletarier, die in Arbeit befindlich sind; ein paar Tage lang hilft der„gute Freund" in dem Leihhaus— bis das letzte halbwegs anständige Möbel- und Kleidungs- üi«„versetzt" ist. Und dann fängt der Hunger an. Je nachdem der .'"tagen dran gewöhnt ist, hälts der Eine etwas mehr oder weniger bng aus als der Andere. Das„etwas mehr oder weniger" sind aber ver auch höchstens ein paar Tage. Der Anblick der sorgenden„ab- gbhärmten Frau, der hungernden Kinder, bändigt die Tapfersten. Da Hilst keine„Begeisterung": Der Hunger erstickt die Begeisterung und beugt den kräftigsten Nacken. Entmuthigt sind aber die österreichischen Genoffen nicht, fie haben aus ihrer Niederlage die Lehre gezogen, daß ohne Organisation i m K l a s s e n k a m p f, w i e ü b e r h a up t in dem Emanzipa- tionskampfe des Proletariats kein Sieg möglich ist; und diese Lehre ist das Opfer, die der Streik gekostet hat, wohl werth! Die sür die Streikend em eingelaufenen Gelder werden denjenigen, für welche sie bestimmt waren, trotz derBeendigungdesStreiks zugehen, daesviel Elend zu lindern und viele Gemaßregelte zu unter- stützen gibt! — Die industrielle Frauenarbeit nimmt wie überall' so namentlich in England, immer mehr überhand. In der Baum- Wollindustrie waren nach den letzten drei Volkszählungen be- schästigt: 1861: 1871: 1881: Männer 202,540 192,881 189,661 Frauen 264,16« 286,2»« 310,364 Arbeiter überhaupt 466,606 479,139 500,025 Die Vermehrung der Arbeitskräfte vollzog sich, wie man sieht, ledig- lich zu Gunsten der Frauenarbeit, ja noch mehr, die männlichen Arbeits- kräste werden nach und nach ganz ausgemerzt. In anderen Industrien ist das Verhältniß vielfach noch ungünstiger. Man sieht, welche Bedeutung die„Frauenfrage" für die Arbeiter- bewegung hat— eine ganz andere als für die sogenannten Frauen- rechtler! —„Damit kann er nur mirgemeint habe n", sagte einst Wrangel, als ein Schusterjunge Hinte- ihm„Ochse!" rief. Ebenso schlau argumentirte am 22. April vorl dem Halle'schen Schöffengericht der dortige Polizeirath von H o l y. Angeklagt war nämlich der Tischlermeister Schmidt, neben anderen Sünden(Verbreitung des „Sozialdemokrat" ic.) das bekannte Gedicht„der Ochs und das Morgen- roth" verbreitet zu haben.„Mit der Anfangszeile des Gedichtes: ein wohlgenährter Vollblut st ier, kann nur i ch und der Herr Polizeikommiffar Große gemeint fein, rief Herr von H o l y mit Em- phase aus, worauf der Vertheidiger replizirte, daß weder auf Herrn von Holy noch aus Große das Wort—„wohlgenährt" paffe. Dies mag durchgeschlagen haben, denn sonst war die Sache in der That kritisch. Genosse Schmidt ward zu 50 Mark Geldbuße eventuell 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Als Belastungszeuge hatte u. A. ein Arbeiter, der Tischler Otto Wolf aus Eisleben sungirt und be- hauptet, er sei von Schmidt, der Weriführer ist, entlassen worden, well er nicht habe Sozialdemokrat werden wollen. Ein recht braver Kerl, dieser zahme Wolf! — Ehren-Bley in Frankfurt am Main hat sich in einem Beleidigungsprozeß, der sich jüngst dort abspielte und dessen Held er war— natürlich als A n k l ä g e r— in Bezug auf unser Blatt den Aus- druck„Revolverpresse" erlaubt. Das ist so ziemlich das Infamste, was man einem Blatt nachsagen kann, denn mit diesem Titel werden diejenigen sauberen Organe bezeichnet, die mittelst Drohungen aller Art Geldgeschenke tc. von Privaten erpressen. Wer die Verhältniffe von Frankfurt einigermaßen kennt, wird daher begreifen, weshalb dieses Wort aus dem Wunde eines B l e y uns absolut nicht beleidigen kann. Streiks. Der Streik der Bauhandwerker in Leipzig dauert fort und ist daher Zuzug unbedingt fernzuhalten. Auch der Streik der Berliner Tischler ist noch nicht beendigt, worauf gleichfalls Rücksicht zu nehmen. Unterstützungen für Erstgenannte sind an Slug. Stamm, Leip- zig, Preußergäßchen 5, für Letztere an Gustav Roedel, Berlin S. W. Adalbertstr. 24 IV. zu senden. Achtuug! In Kopenhagen ist ein Streik der Schuh- macher ausgebrochen, es gehl daher»-e tcriugcude B i t t e an alle Fachgenossen, Zuzug uubediugt fernzuhalte«. Alle arbeiterfreundlichen Blätter sind gebeten, hiervon Stotiz zu nehmen. — Oe st erreich. Der neuesten Nummer unseres Bruderorgans „Wahrheit" liegt ein Flugblatt an die Arbeiter Oesterreichs bei, welches in trefflicher Weise die Stellung der österreichischen Sozialisten zu den politischen und wirthschastlichen Tagessragen(in letzterer Beziehung namentlich zur Frage des Siormalarbeitstages) erörtert. Daß unsere österreichischen Genossen mit aller Energie für einen solchen ein- treten, ist selbstverständlich. Ueber die Frage, ob die Sozialdemokratie für Reformen eintreten soll, heißt es: „Zu Allem, was Menschen unternehmen, ist, wenn es gelingen soll, zweierlei iwthwendig, das Wollen und das Können. Es mag Einer einen Stein, der im Wege steht, noch so heftig wegwünschen, derselbe wird sich nicht von der Stelle rühren, so lange die nöthige Kraft, ihn zu bewegen, nicht zur Hand ist. Aber auch die Kraft allein genügt nicht, es bedarf noch des Wissens, des V e r st ä n d n i s s e s, wie die Kraft anzuwenden sei. So ist das auch bei der Arbeiterklasse der Fall. Ohne Macht und Bil- dung wird es ihr nie gelingen, eine ausschlaggebende Stellung zu erlangen. Daß diese Bildung und diese Macht der Arbeiterklasse, als solcher, in Oesterreich heute noch fehlen, darüber kann sich nur der täuschen, den die Rtacht der Phrase gefangen hält. Stur in den organisirten Arbeitern sind heute diejenigen Vorbeding- ungen vorhanden, deren es bedarf, wenn sie ihr Ziel erreichen sollen: die Abschaffung des Lohnsystems und dessen Ersetzung durch den planvoll organisirten sozialdemokratischen Wirthschaftsbetrieb. Die weitaus größte Zahl der Arbeiter Oesterreichs ist aber heute noch nicht organisirt, stumpf und indifferent leben sie dahin, hie und da vielleicht zu einer Verzweiflungsthat sich aufraffend, um dann wieder in ihren früheren Stumpfsinn zurückzufallen."—— „Die Sozialdemokratie ist eine Partei, nicht eine Sekte, sie appellirt an das Volk, nicht an die Verschwörer. Darum verlangen wir Koalitions- und Preßsreiheit, darum verlangen wir den Normal- arbeitstag und das allgemeine Wahlrecht. Wir wissen es sehr wohl und haben es stets erklärt, daß diese Reformen blos Palliativmittel sind, daß sie die soziale Frage keineswegs lösen. Aber was diese Reformen ermöglichen, das ist die Aufklärung und Organisation der Ntassen, und ohne diese gibt es keine Lösung der sozialen Frag e." Dann heißt es an einer anderen Stelle: „Es gibt eine Schaar wohlmeinender und verständiger Männer, die das anerkennen, aber einwenden, daß wir das allgemeine Wahlrecht tc. doch nicht bekommen, außer durch eine Revolution; die so denken, unterschätzen die Macht, welche die Arbeiterklasse heute schon besitzt. Sie ist heute bereits schon ein politischer Faktor, mit dem man rechnen muß, depen Unzufriedenheit Furcht einflößt, deffen Kraft man gerne gegen den Gegner ausspielt. Keine wichtige Steuerung kann sich heute im Staatsleben vollziehen, ohne Konzes- sionen an die Arbeiter."-- „Es sind heute nicht nur die Arbeiter allein, welche die Herr- schenden Klassen bedrohen, sondern ebenso das Kleinbauern- und Kleinbürgerthum. Diese beiden Stände werden immer gemalt- thätiger auftreten, je mehr der Zersetzungsprozeß fortschreitet, dem sie gegenwärtig erliegen. Aber während die Arbeiter den Fort- schritt repräsentiren, stellen diese beiden Stände den Rückschritt dar, dem Kleinbauern- und Kleinbürgerthum handelt es sich um Zer- stückelung der heutigen Kapitalien, dem Lohnproletariat um Zentra- lisation derselben, dieses muß vor allem aufbauend, organisirend wirken, wenn es zur Macht kommt, jenes kann nur zerstören, das hat es in Zala-Egerszeg deutlich bewiesen. Nicht die Geburtswehen einer neuen, sondern die Todeszuckungen einer alten Gesellschaft sind es, die sich in den Judenhetzen Ungarns offenbaren." Diese Judenhetzen aber, führt das Flugblatt weiter aus, werden statt abzunehmen sich wiederholen und schließlich allen Besitzenden gelten. Die nächste amerikanische Krisis wird den Kleinbauer nnd Handwerker in Ungarn und Oesterreich vollends erdrücken und damit wahrscheinlich das Signal zu einem allgemeinen Aufstande abgeben. Alsdann wird es sich erst zeigen, von welcher Bedeutung die Organisation der Arbeiterklaffe zu einer zielbewußten sozialdemokratischen Partei ist. Das Flugblatt ist frisch und energisch geschrieben, nicht provo- katarisch, aber ermuthigend und anfeuernd, ein erfreuliches Zeichen, daß unsere Genossen, weit entfernt, die Flinte ins Korn zu werfen, unent- wegt das Banner hochhalten. So ist's recht! Die„Nordbahnfrage" beschäftigt jetzt in Oesterreich alle Gemüther. Verstaatlichung oder Verlängerung der Privilegien dieser in den Händen der höchsten Finanzaristokratie befindlichen Bahn, das ist das Streit- objekt, um welches das Publikum sich ereifert. Im Großen und Ganzen kann es dem Volke eigentlich gleichgültig sein, ob es von Privatwegen oder von Staatswegen geschunden wird, das darf die Sozialdemokratie aber nicht abhalten, gegen die Privilegirung einer schamlosen Ausbeuter- klique, wie es die„Nordbahngruppe" ist, energisch Stellung zu ergreifen, namentlich da keine einzige der österreichischen Parteien, von den Kleri- kalen bis zu den„Demokraten" es wagt, dieser allmächtigen Ge- sellschaft, deren Mittelpunkt Rothschild ist, ernsthaft zu Leibe zu gehen.— Hurrah! Ungarn hat den Normalarbeitstag. Das ungarische Ab- geordnetenhaus hat bei Berathung des Gewerbegesetzes die Bestimmung angenommen, daß der Arbeitstag höchstens— 16 Stunden dauern dürfe. Man bedenke„sechszehn Stunden"! Warum nicht gleich, frägt die„Wahrheit", 24 Stunden? "In Wien und P e st dauern die Verhaftungen von Anarchisten und Solchen, welche die Polizei dafür hält, fort. Der Schneider Alex. B r e z i n a wurde wegen Verbreitung eines Flugblattes,„Sln die Anarchisten" betitelt, zu einem Jahre schweren Kerkers ver- urthei lt! Der Prozeß Stellmacher wird, heißt es, deshalb so in die Länge gezogen, weil Stellmacher im Gefängniß in einer Weise mißhandelt worden ist, daß er absolut vernehmungsunfähig ist. In Oesterreich ist Alles möglich. — Auf Wunsch berichtigen wir hiermit eine seinerzeit durch die deutsche Presse gelaufene Notiz, daß die aus Wien ausgewiesenen Ar- beiter Paul Engelmann(Spengler) und A. Herget keine An- archisten sind. — Frankreich. Die Gemeinderathswahlen in Paris sind im Großen und Ganzen so ausgefallen, wie wir in voriger Nummer bereits andeuteten, sie dokumentiren einen erheblichen Fortschritt des Sozialismus in der französischen Hauptstadt. Von 14,000 Stimmen im Jahre 1881 hat sich die Zahl der für ausgesprochene sozialistische Kan- didaten Votirenden auf nahezu 40,000 vermehrt(der„Cri du peuple" zählt 38,929). Das ist unter den schwierigen Umständen, mit denen die klassenbewußten Sozialisten in Paris zu kämpfen haben, ein glänzender Erfolg, zu dem wir ihnen von Herzen Glück wünschen. Gewählt ist im ersten Wahlgang nur Chabert, und zwar im 19. Arrondissement. Chabert, Graveur, ist einer der hingehendsten Sozia- listen von Paris; er gehört zu denen, die zuerst nach dem Fall der Kommune die Fahne des Sozialismus wieder erhoben, zu einer Zeit, wo die Masse der Arbeiter noch so eingeschüchtert war, daß sie von Sozialismus überhaupt nichts hören wollte. Er war auch Mitglied der zur Wiener Weltausstellung gesandten Arbeiterdelegation. I o f f r i n hat im ersten Wahlgang nicht ganz die absolute Majorität erhalten. Er steht mit 2,573 Sttmmen dem„Radikalen" Simoneau gegenüber, der 2097 Stimmen erhielt, und wird im zweiten Wahlgang sicher durchdringen. Im 20. Arrondissement(Belleoille) steht D u m a y mit 2492 Stimmen dem Radikalen Braleret(3543 Stimmen) gegenüber. Da die Oppor- tunisten den Ausschlag geben, so ist auf einen Sieg leider wenig Hoff- nung. Aehnlich verhielt es sich im 13. Arrondissement(Quartier Coule- barbe), wo der Sozialist Simon S o ö n s die zweitgrößte Stimmenzahl erhalten. Die bisher Genannten gehören sämmtlich dem sozialistischen Arbeiter- verband an, der, wie vorauszusehen war, das Gros der sozialistischen Stimmen auf seine Kandidaten vereinigte. Im Quartier Pöre Lachaise des 20. Arrondiffements hat der Kandidat der letztgenannten Richtung, Röties, 1566 Stimmen, der sc ialistische Revolutionär V a i l l a n t(Blanquist). für den auch die Guesdisten eintraten, 1571 Sttmmen erhalten. Vereinigen sich beide Richtungen bei der Stichwahl, so ist der Sieg eines Sozialisten Zweifel- los, da der nächste Kandidat, der„radikale" Opportunist Lepelletier nur 1119 Stimmen erhielt. Im 15. Arrondiffement(Quartter Javel) ist gleichfalls ein Sieg der Sozialisten bei der Stichwahl in Aussicht. Der sozialistische Revo- lutionär Chauviöre(Blanquist) kommt mit dem Radikalen C u r 6 in Stichwahl, wobei ihm zweifelsohne die Stimmen des Kandidaten des sozialistischen Arbeiterverbandes zufallen werden. Somit dürfte der Sozialismus im nächsten Gemeinderath drei oder vier erklärte Anhänger zählen, statt, wie bisher, nur einen. Das ist eigentlich noch sehr wenig für eine Stadt wie Paris, sollte man meinen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß unter den Radikalen eine ganze Anzahl gleichfalls auf ein sozialistisches Programm gewählt sind, darunter Leute, die schon unter dem Kaiserreich auf der Bresche gestanden, oder wie Amouroux(Vertreter von Charonne), Mit- glieder der Kommune waren, sich im Großen und Ganzen korrekt ge- halten und gewissermaßen die„Tradition" für sich haben. Sie sind auch keine eigentlichen Bourgeoisrepräsentanten; was sie von uns scheidet, ist, daß sie den letzten Schritt noch nicht gethan, nicht jede Verbindung mit den radikalen Bourgeoiselementen, mit denen sie so lange zusammen- gekämpft, abgebrochen haben. Diese Elemente, die„. ntransigenten"(Unversöhnliche), sind in dem radikalen Paris noch ziemlich stark; sie haben, wie gesagt, die Tradition für sich, und ihre Existenz muß man in Bettacht ziehen, wenn man die Erfolge der Arbeiterpartei schätzen will. Aus der Provinz liegen bis zur Stunde die Nachrichten nur spärlich vor. Im Allgemeinen scheinen die Sozialisten unterlegen zu sein, aber mehr Stimmen als bisher auf sich vereinigt zu haben. — Rußland. Gut gibt Muth! Kaum hat„Väterchen" das preußische Geld, das seinen Bankrott für einige Monate aufhalten soll, im Säckel, so fühlt es sich wieder obenauf und trampelt um so frecher auf seinen geliebten„Reußen" herum. Verhaftungen über Verhaftungen werden vorgenommen und namentlich müssen die mißliebigen Journalisten daran glauben— mißliebig ist natürlich jeder, der nicht unbedingt in Tolstoi's Horn bläst. Eines der unverschämtesten Stückchen, ein Faustschlag sozu- sagen ins Gesicht der russischen Gesellschaft, ist das Verbot der„V a t e r- ländi scheu Memoiren", der zweitbedeutendsten russischen Revue, deren Hauptmitarbeiter der berühmte Schtschedrin(S a l t y k o f f) war. Diese Revue war dem russischen Despoten und seinen Handlangern natürlich längst ein Dorn im Auge, denn die Satiren Schtschedrin'S verfehlten nie ihr Ziel, aber dennoch nahmen sie bisher Anstand, ein so angesehenes Blatt zu unterdrücken. Daß sie es jetzt doch thun, zeigt, wie gespannt die Verhältnisse in Rußland sind, und daß ein russischer Korrespondent des„Cri du Peuple" nicht Unrecht hat, wenn er für die nächste Zukunft eine Wiederaufnahme der Aktion von Seiten der Revo- lutionäre in Aussicht nimmt. Wie wacklig es in Rußland steht, beweisen auch die vielen Verhaf- tungen im Militär, namentlich in der Artillerie. Bekanntlich sind die Kanonen der„letzte Grund der Könige", wo dieser Grund aber nicht einmal Stich hält, da steht die Sache sicher schlimm. — Amerika. Unser Leitartikel in Nr. 13„Soziale Reformen" scheint den„Chicagoer Vorbote" nicht wenig verschnupft zu haben, denn als Antwort erhalten wir von ihm verschiedene Liebenswürdigkeiten an den Kopf geworfen, zu deren geringsten der„wohlgemeinte Rath" gehört, in Bezug auf Alles, was drüben passirt, uns jeden Urtheils hübsch zu enthalten. Wir bedauern, von diesem Rath keinen Gebrauch machen zu können; wir werden vielmehr nach wie vor auch über die auswärtige sozialistische Bewegung mit unserer Slieinung nicht hinter dem Berge halten. Deshalb hat noch Stiemand das Recht, von„Rom in Zürich", von„Ketzerver- folgungen" u. s. w. zu reden. Zwischen Roms Taktik: Jede abweichende Meinung, möglichst zu u n t e r d r ü ck e n, sie wo das nicht möglich ist, zu verketzern, sowie'.ch überall als verfolgt, verkannt tc. aufzuspielen, wo seine Unfehlbarkeit nicht unbedingt herrscht, und dem konsequenten Eintteten für seine Ueberzeugung besteht ein sehr großer Unterschieo. Es thut uns leid, die Beobachtung machen zu müssen, daß dem„Borboten" das Versländniß hiersür, sowie für den Werth einer aufrichtigen Polemik allmälig ganz abhanden gekommen zu sein scheint. Korrespondenzen. — Iserlohn, 21. April. Gestatten Sie mir, auch einmal den Raum unseres Parteiorgans in Anspruch zu nehmen; es ist gewiß das erste Mal, daß eine Korrespondenz aus I s e r l o h n im„Sozialdemokrat" erscheint. Wenn man das Gebahren unserer Gegner mitansieht, dann zuckt es unsereinem unbändig in den Fingern, man möchte dreinlchlagen wie Paulus unter die Korinther, und doch muß man sich gedulden bis auf andere Zeit. Gestern, Sonntag, den 20. d. M., fand hier eine öffentliche Versamm- lung des liberalen Wahlvereins statt. Tagesordnung: Berichterstattung unseres Reichstagsabgeordneten Dr. Langerhans lQuaselhans.) Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Vereins, dem humbugtreibenden Fr. Franz, gleich mit dem Bemerken eröffnet, daß keine Diskussion, sondern nur Interpellation gestattet sei. Dieser humbugtreibende Dr. Franz ist ein Sohn des plötzlich— gestor- denen Bürgermeisters von hier, und einer der größten Sozialistenfreffer, den die Umgebung aufzuweisen hat. Wenn man mit dem Herrn spricht, so kann er einem nicht gerade in's Gesicht sehen; stets blinkt er mit den Augen, und sein Blick hastet unausgesetzt am Boden. Dieses unstäte Wesen charakterisirt den Mann, dem auch der alte Genosse T..... in Dortmund seine ihm im Jahre 1878 von dem dortigen Gericht zudiktirte halbjährige Gesängnißstrafe wegen eines seiner Zeit in der„Westsälischen Freien Presse" erschienenen„Hühnerknochen- Artikels"(den dieser Franz dem T. mitgetheilt hatte) verdankte. Der- selbe Dr. Franz ließ auch im selben Jahre in der Attentatszeit in der hiesigen Presse, dem Wichelhoven'schen Blatt, genannt„Iserlohner Kreisanzeiger(Nr. 70 vom 13. Juni 1878 und in Nr. 73 vom 2l>. Juni 1878), Brandartikel schlimmster Art gegen die hiesigen Arbeiter, resp. Sozialdemokraten los. Ich erlaube mir, einige Zitate aus diesen wunderdoktorlichen Artikeln hier wiederzugeben. In jener Nr. 70 heißt es: „Die sozialdemokratischen Widsauen der menschlichen Gesellschaft mögen sich daher wohl hüten, daß sie sich nicht auch eine„Hätz" bereiten. Bis jetzt sind schon einige dieser Bestien in die mensch- liche Gesellschaft srech und dreist eingebrochen und haben sich an den edelsten Gütern vergriffen. Wie sie jedes Ghr- und Scham- gefühls baar sind, so dürfen sie auch bei ihren Gegnern keine Schonung voraussetzen. Die Wildsauen lassen sich ja auch nicht zähnien, aber die todte Sau fügt Niemanden ein Leid mehr zu, und bei Feinden, bei denen kein menschlich Rühren mehr zu finden ist, gilt es Auge um Auge, Zahn um Zahn, oder hat Jemand Lust, die giftige Schlange, die ihm jeden Augenblick einen schändlichen Tod bereiten kann, zu hätscheln?—?—" In Nr. 73: „... Wenn man Ratten vertreiben will, dann muß man auch zeitig richtige Mittel gegen sie ergreifen, venn wenn das Haus einmal voll von diesem Ungeziefer ist, dann ist das ganze Gebäude ein Rattennest geworden, und die Ratten können nur dann vertrieben werden, wenn man das Gebäude nieder- reißt. Was nützt es auch, daß man hin und wiederum einige der frechsten Ratten todtschlägt, die Brut bleibt doch erhalten und wird sich in erschreckender Weise vermehren. Es gilt daher, die Schlupfwinkel und Brutstätten der Ratten mit unermüdlichem Eifer aufzusuchen, um sie dort zu vernichten, und vor allen Dingen muß man den Ratten den Brodkorb höh?r hängen.„Brod- korb höher hängen!" ein famoser Gedanke, damit läßt sich doch gewiß auch den Sozialdemokraten am be st en beikommen. Bis jetzt aßen sie das Brod des ehrlichen Bürgers und spieen ihndasür rück- lings an. Hinaus mitdiesen ausjedemordnungs- liebenden Bürger hause!(Welches Deutsch!) Die Ratten mögen zu ihren Ratte»meistern gehen und dort sich mästen." Nur noch ein Stück von diesem Freiheits-Franz. Iserlohn mußte seiner Zeit einen Amtsanwalt haben; das Geschäst sollte der Polizeikommiffär H o f f ni a n n übernehmen, und da diesem letzteren die Arbeit zu viel wurde, beschloffen Unsere Stadtvllter, zu denen auch Ehren-Franz gehört, einen Polizeiwachtmeister anzustellen. Verschiedene Stadtverordnete bean- tragten einen Gerichtssekretär(welche in der damaligen Zeit der neuen Gerichtseintheilung wegen noch zur Disposition gestellt waren) anzustellen, der dann auch die'Kriminalsachen mitvertreten sollte. Was sagte aber Franz?„Nun, wenn es einmal einer sein soll, dann wollen wir auch einen haben mit einem Degen. W i r brauchen uns vor einem Degen doch nicht zu fürchten." Es kam denn auch dazu, und so ward wieder einer vom Militär genommen. Noch so ein Individuum der liberalen Partei, das etwas näher ge- kennzeichnet zu werden verdient, ist der Fabrikarbeiter W. W......., unter dem Beinamen S p i n n st e r bekannt. Dieser Tellerlecker der liberalen Größen, dieser Schmarotzer, der überall seine— freilich recht klägliche Rolle— spielt, hat neulich, als niehrere unserer Genossen an einem Sonntag spazieren gegangen waren, Tags darauf einen derselben gefragt:„Ihr hattet Euch wohl gestern versammelt, ihr Sozialdemo- traten?" Der Gesragte stellte das natürlich in Abrede; darauf erwidert denn unser Spinnster:„Nun, gesehen habe ich Euch und weiß es auch, ich will aber den Denunzianten nicht spielen." Was derselbe aber dem Betreffenden noch weiter gesagt hat, habe ich bisher nicht erfahren können; derselbe hat seit der Zeit keinen Spazier- gang wieder mitgemacht!( Ich habe noch eine ganze Liste voll solcher erbärmlicher Kreaturen a la Spinnster; einer soll nach dem andern an den Pranger gestellt werden. Und nun zurück zum Quaselhans, über dessen Rede gleichfalls Bericht beiliegt: ich überlasse es der Redaktion, daraus abzudrucken, was ihr am geeignetsten scheint.*) Nach der Versammlung hatten die Liberalen noch ein gemüthliches Trinkvergnügen mit ihrem„verehrten Abgeordneten" in dem Saal des Wirthes A. Stamm, und da ist derselbe denn noch von einem seiner Genossen, einem Arbeiter, interpellirt worden. Arbeiter:„Herr Doktor, wie ist das, Sie sind ja gegen das Sozialistengesetz, und in der Versammlung wurde den Sozialdemokraten nicht einmal Diskussion gestattet— wie reimt sich das zusammen?" Dr. Langerhans:„Ja, ja, mein lieber Herr, Diskussion in solcher Versammlung, das kann nicht geschehen; die Sozialdemokraten würden dann zu hitzig, die können kein Rtaß einhalten, und dann löst man uns die Versammlung auf."— Ja, ja, Sie Langer— haus,„falsche Ideen müssen mit geistigen Waffen bekämpft werden", aber— ja keine Diskussion in der Versammlung! Wo bleibt da Ihre Logik, Sie großer Freiheitsheld?! Arbeiter Iserlohns, Ihr seht, wie's diese Gesellschaft macht; laßt Euch nicht von ihr bethören, es ist ihr Prinzip, Euch systematisch zu beschwin- deln. Was habt Ihr davon, daß Euch gegenwärtig noch dieser Langer- Hans im Reichstage vertritt? Ist er der Mann, der Eure Interessen wahrt, der für Euch nach allen Seiten hin eintritt? Niemals wird er *) Nichts. Herr Langerhans hat als guter Fortschrittsmann alle, unfern Lesern längst bekannten Paradepserde seiner Partei vorgeritten; wozu hier darauf zurückkommen? Wie weit das Verständniß des Herrn Doktor in Bezug aus die soziale Frage geht, zeigt seine Antwort auf eine von einen« Genossen eingereichte Interpellation. Der liberale „Kreisanzeiger" berichtet darüber: „Nach dem Vortrage gelangte eine Jnterpel- lation an den HerrnAbgeordneten, wie er zu. der Frage: Abschaffung der Frauen- und Kinder- arbeit stehe. Redner fand die Fragen icht bestiinmt zu- gespitzt. Wenn es sich mn Arbeit in der Fabrik handle oder daruin, daß(zu Zeiten der Roth und Gefahr, wo es vorkommen könnte, daß durch die Arbeit des Männes und seiner Frau eine andere Familie von der Arbeit ausgeschlossen würde, der Frau die Arbeit, welche außer oem Hause liege(!), untersagt werden solle, so würde er solchen vorübergehenden Maßregeln zustiinmen können. Diese Frage lasse sich aber nicht durch die Gesetzgebring(!!), sondern vielmehr durch die Vereinigung der Arbeiter lösen. Er glaube nicht, daß irgend ein Staat das Recht haoe, der Frau zu verbieten, zu arbeiten, wozu sie Lust habe. Ebenso halte er die Einführung eines Normalarbeitstages für undurchführbar." Wir denken, das genügt! Die Redaktion. das thun, dieser Langerhans, der wie ein Chamäleon dreimal schon gehäutet hat; erst radikaler Demokrat, dann Fortschrittsmann war und nun bei der„Goldenen Hundertzehn" angelangt ist. Laßt daher diesen Gesinnungswechsler fallen und gebet Eure Stimme bei der bevorstehen- den Reichstagswahl dem altbewährten Gesinnungsfesten, der keine Strafe scheut und vor nichts zilrückschrickt, August Bebel, dem radikalen Freiheitskämpfer!— Noch Eines zum Schluß: Soeben werde ich benachrichtigt, daß die Filiale der„Sterbekasse der Tischkrr-Gehilfen" am künftigen Sonntag, den 27. d. M., bei„Mutter Grün" ihre Versammlung abhalten will, da durch die Vereinigung des hiesigen spießbürgerlichen Wirthe-Vereins die Wirthe sich verpflichtet haben, derartige Versammlungen in ihren Lokalen nicht zu dulden. Ich komme im nächsten Artikel aus diese Sache noch zurück. — Leipzig, den 1. Mai. Herr Stephani, der„dauerhafte" nationalliberale Reichstagsvertreter der patriotischen„Seestadt Leipzig", gehört doch glücklicher Weise nicht zu jenen berühmten Würmern, welche nicht sterben können. Er hat, freilich der Roth mehr folgend als dem eigenen Triebe, den politischen Harikari(japanesische Selbstbauchausschlitzung) mit mehr oder weniger Eleganz an sich voll- zogen, und vorigen Sonntag und auf der nationalliberalen Landesver- sammlung(wobei zum Glück nicht das„Land", sondern blos ein paar Dutzend nationalliberale Cxgrößen- und-Macher versammelt waren) die bindende und unwiderrufliche„Erklärung" abgegeben, daß, wie er bereits im vorigen Herbst endgiltig aus ein L a n d t a g s mandat verzichtet habe, er nun auch endgiltig auf ein R e i ch s t a g s mandat verzichten müsse. Die Sache ist— und wir hatten im Parteiorgan schon früher da- rauf ausmerksam gemacht—, daß Herr Stephani in„seinem" lieben Leipzig nachgerade unmöglich geworden ist, einmal weil der National- liberalismus, welchen er vertritt, hier abgewirthschaftet, und ferner,«veil er, der Herr Stephani, sich persönlich sehr unbeliebt, ja anrüchig gemacht hat. Herr Stephani, unser ehemaliger Bürgermeister, ist nämlich z u theuer; er ließ sich vor etwa 10 Jahren, wegen Kränklichkeit, mit vollem Gehalt pensioniren, wußte jedoch seine„Kränklichkeit" io gut zu verbergen, daß er eine parlamentarische und agitatorische Parte«- thätigkeit entwickelte, zu welcher nach gewöhnliche» Begriffen eine viel festere Gesundheit gehört, als zu den wenig aufregenden Bürgermeister- Funktionen, für welche der staatsmännische Führer der sächsischen National- liberalen sich zu kränklich und schwächlich fühlte. Das„dun,me Volk" konnte dieie zwei Thatsachen, die Kränklichkeit mit Pension««nd die Agitationsfähigkeit nicht zusainmenreimen, und kam zu dem Schluß, daß ein Jndividumn, das für das Bürgermeisteramt zu kränklich ist, auch für die politische Agitatoren roll: zu kränklich sei; und bei jeder Wahl erhielt Herr Stephani weniger Stimmen; so daß man ihn, um keine offene Niederlage zu erleiden, schon bei den letzten Landtagswahlen bei Seite schieben, und schließlich jetzt bei den Reichstagwahlen ganz über Bord werfen mußte. Wahrscheinlich wird der konservative Schill, der auch das Stephani'sche Landtagsmandat erbeutet hat, von den vereinigten Reak- tionären als Kandidat aufgestellt werden. Wie der Betreffende jedoch heißen möge— sei es. wer es sei— wir werden ihm tüchtig einheizen. Am nötbigen Feuer soll es nicht fehlen— für ge««üftend Brennniaterial sorgen die Feinde, und vor Allem unsere liebe Polizei, die von Dresden aus Ordre erhalten hat, für die Verlängerung des Sozialistengesetzes �uin jeden Preis Material" zu schassen, und in Folge desse«« mit ungewöhn- lichem Eifer den gewöhnlichen Polizeiunsug(Einbrüche in die Wohnung, Diebstabl von Papieren, Attentate auf die persönliche Freiheit«c.j ver- übt. Natürlich, mit der bekannten Wirkung und dem bekannten Erfolg. Jetzt von einem Schelmenstreich, den die Herren„Deutsch- Freisinnigen" uns neulich gespielt haben. Die„Deutschfreisinnigen", denen sich nicht bloß unsere famosen Landtagsfortschrittler, sondern«««ch das hiesige„radikale" Fortschrittler-Dutzend angeschlossen hat, obgleich es die Landtagsfortschrittler bei jeder Gelegenheit als eine reaktionäre Gesellschaft zu bezeichnen liebt— wollten hier eine Volksversaminlung halten, und da ihnen das Volk fehlt und sie für sich allein keine hui«dert Mann zusammenbringen könnten, so«vandten sie sich an uns und sicherten uns freie Diskussion zu, falls wir ihnen zu einer Ver- saimnlung behilflich sein wollten. Wir waren gutinüthig genirg�— ein anderer Ausdruck wäre vielleicht paffender(Allerdings! Red. d. Soziald.)— darauf einzugehen. Wohlan, die Versaminlung ward arrangirt. Herr Braun(„unser Braun") präsi- bitte,- Barth hielt einen wirthschaftlichen, Träger einen politischen Vortrag(mit obligater Hanswurstelei) und verurtheilten die Bismarck'sche Politik, speziell das Sozialistengesetz auf das Entschiedenste, so daß wir uns an dem manchesterlichen Beiwerk nicht zu stoßen brauchten. Kurz, Alles verlies ganz gut, bis Träger geendigt hatte, und„unser Braun" als Präsident das Wort ergriff und bemerkte: „Aus dem Schooße der Versammlung ist nur eine Interpellation an das Bureau gelangt: die Frage, wie die deutsch-freisinnige Partei sich zu dem Sozialistengesetz verhält. Durch die soeben abgegebenen Erklärungen ist diese Interpellation zur Genüge beantivortet, und da Nieinand weiter sich gemeldet hat, so erkläre ich hiermit die Versammlung für geschlossen!" Also anstatt, wie das Regel ist, zu fragen, ob Jemand sich zum Wort melden will,«vird die Versammlung geschlossen! Jeder von uns merkte, daß hier ein geplanter Koup ausgeführt, und wir die B e t r o- denen waren. Ein Zornesschrei aus zweitausend Kehlen, Worte der Entrüstung und des Protestes konnten an der Thatsache nichts ändern, gaß die Versammlung geschloffen, und wir die Geprellten waren. Die Polizei, mit der sich die braven„Deutsch-Freisinnigen" vorher ge- einigt hatten, bestanden auf sofortiger Räumung des waales, und da gabs kein Widerstreben. Das aber schworen wir uns: Einmal und nicht wieder! Das war die erste und die letzte Ver- sammlung der deutschfreisinnigen Partei in Leipzig. Den Genossen ün übrigen Deutschland erlauben wir, uns so viel Vorwürfe zu inachen wie ihnen beliebt�; schwerere Vorwürfe, als wir selber kann uns Niemand machen. Nur Eins wünschen wir, daß wir die Einzigen sein mögen, die so hereingefallen sind. Dringende Bitte. Alle Diejenigen, welche über den Ausenthalt des Schneiders Jean Becker ausHeldeberg, Kreis F r i e d b e r g. Großherzogthum Hessen. Auskunft ertheilen können, werden freundlichst ersucht, darüber der Expedition des„Sozialdemokrat" Mittheilung zugehen zu lassen. Eltern wie Geschwister des Genannten, der seit vier Jahren verschwunden ist, vermögen die Unruhe über das Schicksal desselben nicht länger zu ertragen; außerdem handelt es sich auch um materielle Interessen des quasi Verschollenen. Die Redaktionen der amerikanischen Parteiblätter, insbesondere der „Newyorker Volkszeitung", werden gleichfalls gebeten, von diesem Aufruf Notiz zu nehmen. Quittung. Zur Unterstützung der Streikenden im Tetschen-Boden- b a ch e r Bezirke sind aus Deutschland eingegangen: Brieflich: 150 Mark. Durch persönliche Uebermitte- lung: 200 Mark und 400 Mark. I«n Namen des Komites: Der Beauftragte. Warnung. Der vor einiger Zeit aus Breslau ausgewiesene Handschuhmacher A. W e s s e l y(Czeche) hat, nachdem er in reichlichster Weise Unter- stützung erhalten, die dortigen Genossen in schuftigster Weise der Polizei denunzirt. Mögen die Genoffen allerorts vor diesem Subjekt auf der Hut sein! Augenblicklich soll sich Wessely in Teplitz aufhalten. AeriBtiguug. Von den in Nr. 17 des„Sozialdemokrat" quittirten Fonds gehöre» unter Diätenfonds folgende Posten:. Hamburg Mk. 300—. Dresden- Altstadt 150—. Elberfeld 30 Schwerin 15—. Brieflasten »o d e r R e d a k t i o n: E. K. in Md.: Brief erhalten; wird besorgt werden, beflen Gruß!— Rübezahl: Nicht aus„Eigensinn", sonder» aus woblbegründeter Vorsicht geschieht es, wenn wir von gewissen Von aängen solange keine Notiz nehmen, bis wir nicht von den Genoflen ai» Orte selbst darum ersucht werden. Bei Warnungen isi auch scho» der Zeitersparniß halber direkte Benachrichtigung geboten. Gruß!— der Exvedition: B.-G.-Hingen u. Könitz.: s?r. 3 30(Mk. 2 64) f. d. streikenden Böhmen dkd. erh.— Der rothe Holldr.: Mk. 3—! 1. Qu. erh. Gratuliren herzlichst.—(500): Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Mk. 1— pr. Usd. dkd. erh.— Marat Lz.: öwst. 1 70?lb. 2 Qu. erh. Adr. geordn. Sdg. vom 9/3. fort.— I. Heinrichs Newyork: Fr. 15- f. Jahr Parteiannonce und Fr. 1— f. Annonce in No. 7 erh.-_ Pickelhaube: Fr. 135 70 ä Cto. erh. Archivalien willkonrmen, Porto z» M unseren Lasten. Weiteres belorgt.— L. Schrlr. Ddt.: Mk. 6— Ab. 2. darf btt P. u. 3. Qu. erh.— Hansen: Mk. 1 52 f. Schst. erh.— H. O. P.: Fr.l 2 50 Ab. 2. Qu. erh.— I. Vtch. Chicago: Fr. 5 06 Ab. 1. u. 2. Qu- erh. Bs. folgt.— Cple. I.: Mk. 2— f. div. Expl. gutgebr.— Drem fuß i. L.: Mk. 67— Abon. 2 Qu. u. Schst. vr. Baar u. Gqrchg. erh Schst.«c. folgen.— Verrina: Mk. 1 2 70 pr. Gqrchg. gutgebracht. wünschtes obgg. Bfl. Weiteres.— Adelbert: Soweit aufzutreiben, wünirbtes gesandt. Mhrbstllg. notirt.— Gracchus 558.: Adr. geordn.' Mehrbestllq. notirt. Nachlfq. soweit thunlich.— M. u. Z. Z.: Fr. 7 5<1 Ab. 2. Qu. erh.-- Neu-Bedsord: Fr. 75 95(15 Doll.) v. d. Sektioik d. S. A. P. pr. Wfd. dkd. erh.— Bgr. Ndruzwvl: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— F. S. Stle.; Mk. 32 40 Ab. 2. Qu. erh.— C. B. Bbgi Mk. 2— Ab. Mai«ind Juni. 60 Vf. f. Schst. u. Mk. 1— pr. Dsb- dkd. erh.— Feuerländer: Mk. 50—& Cto. 916. 1. Qu. erh.» Adr g« ordnet, Bstllg folgt.— G. A. Bsl.: Mk. 4 10 ä Cto. Ab. erh. Bfl. am 3 A Weiteres.— 9l. Sch. Glasgow.: Mk. 35 50 9lb. 2. Qu. u. Schst. erh. Bstllg. folgt. Mk. 10— gesammelt am 18. März pr. Dfd. u. Neberschuf von 83 vr. 9lgsd. dkd. gutgeb.— Sprbg. P.: Mk. 40— Ab. 1. Qu. iA autgeb. Weiteres bfl.— Alb. Dth. London: Fr. 10— f. Schst. erh. Sdg. kort. Fügen Sie in diesem Falle den Namen Conzett bei.— Do 9llte: Mk. 18— Ab. 2. Qu. u. Mk. 2 40 f. Schst. erh. 9ldr. vorgein Bstllg. folgt.— Groitzsch: Mk. 5— pr. Dfd. v. d. P.-G. dkd. erh. � E. B. Z.: Fr. 2— f. div. Nos. ab Nov. 83 erh.— Arb.-Leseclul � Lausanne: Fr. 18 10, gesammelt beim Stiftungsfest, pr. Wfd. dkd. erh.[j"" Reklamiren Sie direkt da, wohin Sdg. ging.— I. K. W. Paris: Fr- 50— h Cto. Schst. erh.—-eaea: Mk. 90— Ab. 1. Qu. u. Schflj erh. 9ldr. geordn. Bstllg. je. folgt.— A. D. M.: Mk. 5— 9lb. 2. Ost llche und Schst. erh. Bbl.:„Die Frau" in neuer Auflage be-ngg griffen, also erst später lieferbar.— H. Sch. Bhsn.s Mk. 3- 916. 2. Qu. erh.- Frisch auf Latz.: Mk. 9- 9lb. 2. Q» erh. und Mk. 6— vr. Dfd. dkd. verw.— Excelsior: Fr. 24— f. Schst 0 2c. erh. Fdsqttg. später speziell. Bfl. Weiteres.— 1871r.: Mk. 25 4( Aap Ab. 2. Qu. erh. Adr. notirt.— Die lustigen Brüder im Elsaß: F» tnüf 25 50 pr. Pf. erh. Bf. erw.— M. E. Rstck: Mk. 24— ä Cto. Abon � 1. Qu. erh. Gqrchg. erw.— Der Bekannte: Mk. 150— h Cto. erh. n r. nach Vorschrift nebst Ggrchq. gutgebr.— Rother Hch. vom Odenwald � Mk. 3- Ab. 2 Mai, Juni und Schst. erh.— L. H. Basel: Fr. 25-st wür ä Cto. 9lb. u. erh.— P. Mllr. London: Fr. 2 50 9lb. 2. Qu. erh. Tha A. E. Fkbsn.: Mk. 2— 9lb. Mai u. Juni erh.— L. Sch. E.: Mk. 3 A u Ab. 2. Qu. erh.— L. v. L. E.: Mk. 4 30 Ab. 2. 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Hohne, New-York, 184|William Street ift care of„New-York Volkszeitung" kc und bitten unsere amerikanischen Abnehmer, dieses zu beachten. Volksbuchhandlung Hottiugen-Zürich. Aufforderung. Wir ersuchen um schleunige Aufgabe der Bestellungen auf Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Von A. Bebel. Es ist dies nöchig, um die Höhe der im Druck befindlichen Auflagt bestimmen zu können. Die Expedition des Soziaaldemokrat. Sozialistische Arbeiterpartei KmeMa. Sektion New-Aork. Sitzung des Zentralkomites jeden Dienstag Abends 8 Uhl in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versa in mlungen statt. Näheres stehf „New-Uorker Volkszeitung". «chweizerisch,»en-ficiischasNbuchbruckerel HoMngcn-Ziirich. 'ttp llt