loch ;öge mde in Be- jom ter-' den (die ff er rei) für nts> gen des I in adt, ant ir's age lUf> ner aier der che" efet -itet ann tt« ung ms- der W- n!l ehr- ,us- nehr >ater itpi« Zrd- Krscheint wö ch entlich einmal A in Zürich(Schweiz). Aerlag der Volksbuchhandlung Hottingcn- Zürich. poklendunzen i'anlo gegen sranlo Gewöhnliche Briese nach der Schweiz kosten Doppelporto Der AoMldemckmt Aeniral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. ilßonnements werden bei allen schweilerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten A,ent-n entgegengenommen, und zwar zum voraus z ahl baren Bierteljahrspreiz von Fr 2— sllr dieSchweizlKrcuzbands MI Z— sllr Teutschland(SouOcrt) st. 1.70 siir Oesterreich lCouvert) Fr. 2 SO sllr alle llbrtge» Länder de» Weltpostverein»<«reu,band> Jllserotk die dceigeipaltene Petitzeile 2S Et», 20 Pfg. �6 Aonnerstag, 26. Juni mm.. Avis an die ASonnenten«nd Korrespondenten des„Sozialdemokrat." al» möglich an den.Eozialdemolra«-, resp deffen«erlag selbst adrestiren. sondern flch möglichst an Irgend eine unverdächttl Adresse austerhalb Teutschland» und Oestirrelchi wenden, welche fich dann mit UN» in Verbindung setz,! anderseit» aber d auäl UN» möaliälN uuvirtänaliMe gult.N,.na»a>>e.N� o._... Da der.Eozialdemokrat- sowohl in Deutschland al» w Oest erschweren resp Briese von dort an nn»,....---------------->.»,............ a...... ,rgi! anoer,e»» ar Mörden stch alle Muhe geben, unsere Berbindungcn nach senen Länder g t im Postverkehr nothwendig und s auch UN» möglichst unversängliche Zustellungiadressen mitgetheilt werden. In zwciselhasten Fälle» empsiehlt stch behns« rvd unsere Zeitung», und sonstigen Speditionen nach dort abzutangen, i malender und Empsänger, sowie den Inhalt> Sicherheit Rekommandirung. Soviel an UN» liegt, werden wir gewiß weder Miihe noch Kosten scheuen um trotz aller ?»s leine Vorfichtsmaßrcgel versäum« werden, die B�efmarmer llber om w tz i� unser« Freunde so selten' stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemolrat- unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen zpauperrive daß größetchr entgegen» an< lrnl> Unfern auswärtige« Abonnenten, Filialen, Bertrauensleuten»c. legen wir ans Herz, A b Rechnungen und Abonnementserneue rungen, soweit noch 'ocht erfolgt, ungesäumt zu bewirken, ebenso wollen alle Abon- ""•ten an unsere Vertrauensleute unbedingt während des ersten Monats im Quartal Zahlung leisten, damit keine Unter eechmig in der Lieferung eintreten muß. Unsere Bertrauensadreffen find bekannt. Alle Lieferungen erfolgen nur auf Gefahr der Besteller Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen. Alträge in Papiergeld oder Post-Siuzahlnng. Da viele auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenügend frankiren wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken hiemit wiederholt: Einfache Briese(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz hosten: au s Deutschla nd(und dem übrigen Ausland). aus Oesterreich-Ungarn 10«rz. bis Bei schwereren Briefen kosten immer je 15 GrammweitereSvPsg., bezw. 10 Krz. I Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, a l s ungenügend frankirten Sendungen in der Regel "�e Annahme verweigern müssen. Die Expedition. 8SS cher Produktivassoziattonen mit Staatskredit. England, das Musterland der modernen kapitalistischen Produk- tionLweise, ist gleichzeitig das Mutterland, man kann auch wohl fojen das Musterland des modernen wirlhschastlichen AssoziationS- Nens. Unterstützt durch die dem englischen Volk innewohnende Fähigkeit, sowie die eigenartige industrielle Entwicklung Englands, stklvannen die Genossenschaften, speziell die Produktivassoziationen Ijort eine Bedeutung wie in keinem andern Lande. Dennoch Sofien ste den Erwartungen und Wünschen ihreS großen Grün- des Kommunisten und Philantropen Robert Owen, in 'kiner Weise entsprochen. Ihre Einführung sollte eine der Ueber» stongSmaßregeln zur vollständigen kommunistischen Einrichtung ** Gesellschaft sein, aber die individuelle(daS Wort hier im Gegensatz zu gesellschaftlich, die Gesammtheit betreffend genommen) Genossenschaft erwies sich als dazu unfähig. und � Bon England importirte Schulze-Delitzsch die verschiedenen «Nen der Kooperativgenossenschaften nach Deutschland, unter 'Sien auch die Produktivgenossenschaften. Aber ihm sollten ste i'cht mehr nur ein Uebergangsmittel zu einer höheren Produktion rger'vn' ihm war die individuelle Assoziation bereits Selbstzweck. j"'e Arbeiter sollten sich mittels ihrer zu lauter kleinen Unter« "ehmern emporarbeiten. g., �iis Ferdinand Lassalle im Jahre 1863 sich an die Spitze __ er leuerwachenden deutschen Arbeiterbewegung stellte und dem politischen Programm derselben einen wlrthschaftlichen Inhalt geben wollte, da griff auch er zu den Produktivassoziationen, die Jr für das geeignetste Mittel erklärte, die Lage der Arbeiter zu Qu. Astern, vorausgesetzt, daß sie auf großartiger Basis eingerichtet 1 � mit den nöthigen Mitteln ausgestattet würden. Zu diesem Ab.' p � sollten die Arbeiter die Forderung der Staatshilfe est lieben, vom Staat den nöthigen Kredit, die bekannten 166 Hg. Millionen, für ihre„freien individuellen Assoziationen" verlangen. I. Daß Lassalle in diesen Produktivgenossenschaften mit Staats- —. rdit nicht die„Lösung der sozialen Frage" sah, hat er in lkinen Agitationsreden selbst deutlich genug ausgesprochen. Ja, tx hielt sie nicht einmal für ein unerläßliches Uebergangsmittel „Ablösung des„Grund und Kcpitaleigenthums", welche Forderung, wie er am 28. April 1863 an RodbertuS schrieb, �i„innersten Kern" seiner Ansicht bildete.„Ich habe porläufig nur die Assoziation vorgeschlagen, weil ich vorläufig Wirklich kein Mittel sehe, das zugleich so relativ leicht und so Wirksam wäre, die Arbeiter aber irgend etwas ganzBestimmtes, Greifbares(nicht ein Gesetz überhaupt) vorgeschlagen haben süssen, um sich dafür zu interesfiren. Ich bin aber sehr gern Oereit, wenn ste mir daS andere, gleich leichte und gleich wirk- bjiu zeigen, auf dieses einzugehen"— dies wörtlich auS einem Brief vom 24. April 1863 an denselben RodbertuS. Wie man sieht, war die Produktivassoziation für Lassalle im Grunde nur Nebensache, nur Mittel zum Zweck,— die Ar- j."iiter alS selbstständige Klasse zu organisiren. 'Bit seinem wirklichen Ziel hervorzutreten, hielt er den Moment _"och nicht für gekommen. Ob er es für möglich gehalten, daß der preußische Staat die £ von ihm geforderte Summe je bewilligen werde, darüber Erörterungen anzustellen, gehört nicht zu unserem heutigen "chema. Uns liegt vielmehr wesentlich daran, festzustellen, daß Lassalle —| 1) nicht unbedingt an dem Mittel der Produktivgenossenschaften mit StaatSkredit festhielt, und bei »her nan llhr I 2) unter allen Umständen verhindert wissen wollte, daß diese Produktivgmossenschaften in ein kleinbürgerliches Fahrwasser einlenkten. Er hat sich darüber wiederholt mit der größten Energie auS gesprochen; „Arbeiter mit Arbeitermitteln und Unternehmergesinnung— diese widrige Karrikatur", sagt er in seinem„Offenen Antwort schreiben". „Sie denken philosophisch über Schulze-Delitzsch'S Wirksamkeit, und zur Hälfte mit Recht. Aber nur zur Hälfte. Die andere Hälfte besteht in einem enormen Schaden, den er angerichtet hat, er hat die Arbeiter entmannt, und ich fürchte, dieser Schaden überwiegt I" heißt eS in dem oben zitirten Brief an RodbertuS.— Seit Lassalle's Auftreten sind über 20 Jahre in's Land ge gangen— eine verhältnißmäßig kurze Zeit, und doch wie wesenv liche Veränderungen haben stch seitdem vollzogen. Auf wirth schaftlichem Gebiete hat stch Deutschland seit jener Zeit aus einem überwiegend ackerbautreibenden Lande in ein Industrieland ersten Ranges umgewandelt, die Großindustrie hat sich in Deutschland mit einer Schnelligkeit entwickelt wie in keinem anderen Lande Europas. Dementsprechend die politischen Veränderungen. Die Bour- geoisie spielt heute eine ganz andere Rolle in Deutschland als damals,— und was hier von Deutschland gesagt ist, gilt natürlich auch für Preußen im Speziellen. Derselbe Mann, der damals an der Spitze der Regierung stand, ist auch heute noch die leitende Persönlichkeit im Staate, er hat noch heute seine junkcrlich-feudalen Schwärmereien, aber er weiß, daß er den Kampf gegen die gesammte Bourgeoisie nicht führen kann und hat deshalb mit dem bestorganistrten, einflußreichsten Theil der selben, mit den Großindustriellen, den Eisen- und Kohlenbaronen, Baumwollenlords u. s. w. seinen Frieden geschlossen. Ihre Interessen, ihre Wünsche sind maßgebend im Staate. Daher auch die veränderte Haltung de» Staates gegen die Arbeiterklasse. Vor 20 Jahren handelte cS flch darum, die Ar- beiter im Interesse der Landjunker gegen daS gesammte Bürger- thum— Großindustrielle wie Mittelstand— in'S Feld zu führen, heute die Arbeiter im Interesse der Landjunker und Großindustriellen im Zaume zu halten. Die Sozialdemagoie BiSmarck'S war damals eben so reaktionär wie heute, aber damals richtete sie sich gegen die Bourgeoisie, heute gegen die Arbeiter selbst! Aber die Arbeiterklasse hat sich in den 20 Jahren nicht minder entwickelt. Was Lassalle damals nicht zu proklamiren wagte, heute ist es der großen Masse der deutschen Arbeiter in Fleisch und Blut übergegangen: die Nothwendigkeit der Expropria- tion der Kapitalistenklasse, die Nothwendigkeit der gesell- schaftlichen Aneignung der Produktionsmittel, der gesellschaftlichen Regelung der Produktion. Eine zielbewußte Arbeiterpartei kämpft heute mit offenem Visir gegen die ganze alte Welt des Ausbeuterthums, die sich der Tragweite dieses Kampfes wohl bewußt ist und daher nur einen Wunsch kennt, ihn möglichst zu verschleiern, ihm die Spitze abzubrechen, die Kämpfenden oder wenigstens einen Theil der- elben zu entmannen. Die Schulze'schen Produktiv-Assoziationen sind gegenüber der kolossalen Entwickelung der kapitalistischen Produktion wie weg- geblasen— sie haben der Konkurrenz der Großindustrie nicht Stand zu halten vermocht. Die soziale Selbsthilfe im Sinne Schulze-Delitzsch'S ist todt. WaS der Arbeiter von der StaatShilfe, die nicht er diktirt, zu erwarten hat, ist nach dem oben Dargelegten klar— die Geschichte deS Unfallversicherungsgesetzes hat einen neuen Beleg dafür geliefert: Versuche, ihn auf jede nur mögliche Weise zu knechten! � WaS kann unter solchen Umständen die Forderung von Pro- duktivassoziationen mit StaatSkredit, wenn von sozialistischer Seite erhoben, heute noch für einen Sinn haben? In theoretischer Beziehung bedeutet sie zunächst einen großen Rückschritt. Sie geht von Illusionen auS, die Angesichts der Lehren der großen GeschäftSkrisiS der siebziger Jahre und der seitdem fich an die Sohlen der modernen kapitalistischen Industrie heftenden chronischen Ueberproduktion nicht mehr gestattet sind. Mittels der auf den Boden der heutigen Konkurrenzgesellschaft errichteten Produktivassoziationen die kapitalistische Produktion auS den Angeln heben zu wollen, ist eine Utopie. Dieselben müßten sich vielmehr den Bedingungen dieser anpassen, und würden von den Rückschlägen, denen sie unterworfen ist, mindesten? ebenso schwer, wahrscheinlich aber— nach den vorliegenden Beispielen sind wir sogar berechtigt zu sagen: Zweifels- ohne— noch stärker betroffen werden als jedes privatkapita- listische Unternehmen. Die Produktivassoziationen, wo sie nicht in einem Umfange er- richtet werden, der genügt, den betreffenden Industriezweig zu monopolisiren, d. h. in einem Umfange, der den Rahmen der Produktivassoziation überschreitet, würden die Ueberpro- duktion vermehren anstatt sie zu vermindern. Praktisch aber heißt die Forderung der Produklivassozitian mit Staatskredit heute noch etwas weit Schlimmere». Wird ste nicht, wie es im Programm unserer Partei geschehen, so ein- geschränkt, daß der heutige Staat unfähig ist, sie zu reaktiv- nären Experimenten zu mißbrauchen,— „Die Produktivgenossenschaften sind für Industrie und Ackerbau in solchem Umfange ins Leben zu rufen, daß auS ihnen die sozialistische Organisation der Gesamm tarbeit entsteht,— so fordert sie zu solchen Experimenten geradezu heraus. Auf kleinerem Maßstabe eingerichtet, würden die Produktivassoziationen mit Staatskredit heute noch weit mehr das Resultat haben, welches Lassalle fürchtete, als die Schulze'schen Assoziationen: ste würden die Arbeiter entmannen, sie wären ein Mittel, die Arbeiterbewegung zu korrumpiren. Der Kapitalistenklasse ungefährlich, für die Ar« beiterklasse mindestens nutzlos, würden sie vielleicht einzelnen Arbeitern helfen, dann aber nur um den Preis der Aufgabe ihrer Ueberzeugung, der Preisgabe der Interessen ihrer Klassen- genossen. Heute, wo der Staat mehr als je zuvor nur der Geschäfts- träger der großen Ausbeuterinteressen ist, kann darüber gar kein Zweifel bestehen, unter welchen Bedingungen er seine „Hilfe" gewähren und wie er seine Kontrole ausüben würde. Auch heute stellt die Vertreterin der Arbeiterinteressen, die Sozial- demokratie, Forderungen an den Staat, auch heute noch fordert ste sein Eintreten für die dem Konkurrenzkampf schutzlos preis- gegebenen Proletarier. Aber ste stellt ihre Forderungen so, daß ihre Verwirklichung nothwendigerweise der ganzen Klasse, nicht aber nur einzelnen, womöglich auszuwählenden Elementen der- selben zu Gute kommen muß. In diesem Sinne ist daS Ein- treten für die soziale Reform nicht nur keine Gefahr, sondern eine Nothwendigkeit im Kampfe für die Befreiung der Arbeiterklasse. Wird dieser Grundsatz aber verlassen, dann begibt man fich mit den Vorschlägen zu„sozialen Reformen" auf die schief« Ebene der Pro j ektenmach erei, auf der es keinen Halt gibt gegen den— Schwind eil Leo. Die Theorie des Klassenkampfes. Vortrag von Paul Lafargue. III. Die Industrie- und Handelskonkurrenz, dieses Grunddogma der bür- gerlichen Oekonomie, ist in letzter Instanz nur eine Erklärung deS Jnteressenkampfes innerhalb der Bourgeoisie. Dieser Kampf hat zur nothwendigen Folge, einmal die Expropriation der Besiegten, welche in das Proletariat hineingedrängt werden, andererseits die immer wachsende Konzentration des gesellschaftlichen Vermögens in den Händen Weniger. Infolgedessen nimmt die Bourgeoisie in eben dem Maße an Zahl ab, als sie ihre Reichthümer vermehrt, und wird von Tag zu Tag unfähiger, diese selbständig zu vertheidigen. Die Aristokratie hat dieselben Phasen der Entwicklung durchgemacht. Die unaufhörlichen Kriege unter den Feudalherren führten deren Ver- nichtung herbei; die Güter des Besiegten arrondirten den Besitz deS Siegers, feine Waffenknechte vermehrten den Heeresbann desselben. Diese beständige Verminderung an Mitgliedern schwächte die Aristokratie derart, daß ihre Stellung als herrschende Klasse nunmehr leichter unter- graben werden konnte. Der Kampf um's Dasein ist bei den Thieren auf die Vervollkomm- nung des Individuums und die Entwicklung der Art gerichtet, wäh- rend er in der inenschlichen Gesellschaft das Individuum nicht ver- bessert, die herrschende Klaffe aber lichtet und ihre Abschaffung vor- bereitet. In dem Maße, als die von der Herrschaft befreite Klaffe abnimmt und fich in eine schmarotzerhafte Unterdrückungsklaffe verwandelt, ivächst die unterdrückte Klasse und bildet in ihren Reihen all die geistigen Kapazitäten heran, die für die wirthschaftliche und politische Leitung der Gesellschaft nothwendig sind; von Tag zu Tag verschärft fich der Gegen- satz zwischen den beiden Klaffen, bis schließlich der offene Bürgerkrieg ausbricht. Dieser Gegensatz erzeugte im Mittelalter die Bauernkriege und die Erhebungen der Städte, welche den Sturz des Feudaladels vorbereiteten: in der Jetztzeit erzeugt er die Arbeitseinstellungen, welche fortgesetzt die wirthschastlichen Verhältnisse verwirren, und die Arbeiter- Revolten, welche die politische Welt nicht zur Ruhe kommen lassen. Der Bürgerkrieg mit allen seine» Schrecken und Grausamkeiten kennzeichnet den höchsten Grad der Klassengegensätze; die Eroberung der politischen Staatsgewalt wird die Bedingung für die Emanzipation der unter- drückten, der revolutionären Klasse. Der Staat wird zur Festung, in der sich die herrschende Klasse ver- schanzt, nachdem sie sowohl wegen der Verminderung der Zahl ihrer Mitglieder, als auch wegen der Imbezillität*) der letztern, die Fähigkeit, fich zu vertheidigen, verloren hat. Der Staat ist nunmehr die Organisation der geistigen und physischen Macht, deren die herrschende Klasse nothwendig bedarf, zur Ausrechterhaltung ihrer Ausbeutungsbedingungen, zur Nieder- Haltung der Masse der Arbeitenden in dem durch die bestehende Pro- duktionsweise erforderten Unterordnungsverhältnisse(Sklaverei, Leib- eigenschast oder Hörigkeit, Lohnarbeit). So lange die Gesellschaft in *) Ich wende hier das Wort imdövillitS(heute im Sinne von Dumm« h e i t gebraucht D. Red.) in feinem ursprünglichen, lateinischen Sinne an. ImbeoiUitas bedeutet so viel als„Untauglichkeit zum Kriege". Der Ver- lust der Kriegstüchtigkeit ist ein sicheres Anzeichen des nahen Unter- ganges einer Klasse. feindliche Klassen getheilt ist, das heißt so lange es nöthig ist, eine Klaffe im Zaume zu halten, ist die Existenz eines Staates eine Nothwendigkeit, die weder durch freihändlerisches Weihwasser, noch durch anarchistische Beschwörungen beseitigt werden kann. Die unterdrückte Klaffe, welche jedesmal die revolutionäre ist, muß sich des Staates bemächtigen, ihn nach Maßgabe der Erfordernisse des Kampfes verändern, und seine gesammten Machtmittel gegen die abzusetzende Klaffe richten. Im vorigen Jahrhundert war die französische Bourgeoisie die revo- lutionäre Klasse sie emanzipirte sich nur dadurch, daß sie Hand auf den Staat legte, ihn veränderte und sich seiner Machtmittel bediente, um den Widerstand des Adels, der Geistlichkeit zu brechen. Jndeß stellte sich die Bourgeoisie trotz ihrer von Menschenfreundlichkeit und Bruderliebe strotzenden Redensarten der Arbeitermaffe gegenüber als Ausbeuterklasse heraus; sie konnte deshalb den Staat nicht zerstören; sie stärkte ihn vielmehr und gebrauchte ihn am gleichen Tage, da sie zur Macht gelangt, zur Unterdrückung der Volksaufstände. Der Staat wird nur durch die Klaffe ausgehoben werden können, welche die Klaffen abschaffen wird; und die Klaffen werden erst dann abgeschafft werden können, wenn der Widerstreit der wirthschaftlichen Interessen beseitigt, wenn das indivi- duelle Eigenthum, welches den Jntereffenkamps erzeugt, in nationales oder kommunistisches Eigenthum verwandelt ist. „Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der Unterdrückung zu halten gibt", schreibt Engels,„sobald mit der Klassenherrschaft und dem in der bisherigen Anarchie der Produktion begründeten Kampf um's Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzeffe be- seitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimiren, das eine besondere Re- pressionsgewalt nöthig machte. Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Repräsentant der ganzen Gesellschaft auftritt— die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft— ist zugleich sein letzter selbstständiger Akt als Staat. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Pro- duktionsprozessen. Die freie Gesellschaft duldet nicht die Existenz eines Staates zwischen ihr und ihren Mitgliedern."�) Wir haben gesehen, daß bisher jedwede menschliche Gesellschaft sich in Klassen getheilt hatte; diese Theilung der Gesellschaft war die nothwen- dige Folge der geringen Entwicklung der Produktion gewesen. Solange die gesellschaftliche Gesammtarbeit nur einen Ertrag liefert, der das zur nothdürftigen Existenz Aller Erforderliche nur um wenig übersteigt, solange also die Arbeit alle oder fast alle Zeit der großen Ntehrzahl der Gesellschaftsglieder in Anspruch nimmt, solange theilt sich die Gesellschaft nothwendig in Klaffen. Neben der ausschließlich der Arbeit sröhnenden großen Mehrheit bildet sich eine von direkt-produktiver Arbeit befreite Klasse, die die gemeinsamen Angelegenheiten der Gesellschaft besorgt: Arbeitsleitung, Staatsgeschäfte, Justiz, Wissenschaften, Künste u. s. w." Indessen wird diese Theilung in Klassen, Dank der überaus schnellen Entwicklung der mechanischen Produktion, nicht mehr nothwendig sein in einer Gesellschaft, in der die Produktion sowohl wie die Vertheilung der Produkte sozialistisch und wissenschaftlich organisirt sind. „Die Möglichkeit, vermittelst der gesellschaftlichen Produktion allen Gesellschaftsgliedern eine Existenz zu sichern, die nicht nur materiell voll- kommen ausreichend ist und von Tag zu Tag reicher wird, sondern die ihnen auch die vollständige freie Ausbildung und Bethätigung ihrer körperlichen und geistigen Anlagen garantirt, diese Möglichkeit ist jetzt zum ersten Male da, aber sie ist da." Mit diesem weiteren Zitat aus der obenerwähnten Schrift von Engels schließt Lafargue seinen dritten Vortrag über den Materialismus von Karl Marx. Aus den letzten Sätzen desselben ist ersichtlich, daß auch Lafargue sich der Ansicht anschließt, daß der„Staat" nichts Ewiges ist, sondern mit den Ursachen, die ihn geschaffen, wieder verschwinden wird, d. h. mit dem Bestehen einander feindlicher Klassen in der Gesellschaft. Diese Auffassung ist aus vielen Widerspruch gestoßen, was gar kein Wunder nehmen darf, wenn man bedenkt, welcher Kultus lange Zeit in unserer Partei mit dem Worte Staat getrieben wurde. Im Beginn ihrer öffentlichen Agitation sah sich dieselbe in ihrer Polemik mit dem damals die öffentliche Meinung beherrschenden Liberalismus genöthigt, die bürgerlich ideologische Vorstellung vom„Rechtsstaat" zu bekänipfen, und hat darin, wie das im Kampfe nun einmal geschieht, des Guten zu viel gethan— theoretisch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie stellte deni„manchesterlichen" Rechtsstaat den sogenannten Wohlfahrtsstaat**) gegenüber, der aber wie jener höchstens eine historische Kategorie ist. Diese Auffassung des Staates als einer Wohlsahrtsinstitution war, wie gesagt, in der deutschen Sozialdemokratie schließlich so gang und gäbe, daß Vielen der oben zitirte Ausspruch Engels' als etwas ganz Neues erschien, man in ihm eine Konzession an den Anarchismus er- blicken wollte u. A. m. Das ist er aber keineswegs. Bereits 1846 schrieb Marx in seiner Streitschrift gegen Proudhou„Misöre de la philosophie*: „Heißt das, daß es nach dem Sturz der alten Gesellschaft eine neue, in einer neuen politischen Gewalt zum Ausdruck gelangende Klaffenherr- schast geben wird? Nein!" „... Die Arbeiterklaffe wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation setzen, welche die Klaffen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentlich politische Gewalt mehr geben, weil die politische Gewalt eben der offizielle Ausfluß des Gegensatzes in der bürgerlichen Gesellschaft ist." Noch deutlicher wird dies von Marx und Engels im„Kommunistischen Manifest" ausgeführt. Dort heißt es am Schluß: „Wir sahen schon oben, daß der erste Schritt in der Arbeiter-Revolu- tion die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse, die Er- känipsung der Demokratie ist." „Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktions- instrumente in den Händen des Staates, d. h. des als herrschende Klaffe organisirten Proletariats zu zentralisiren und die Masse der Produktions- kräfte möglichst rasch zu vermehren.—— „Sind im Laufe der Entwickelung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziirten Individuen konzentrirt, so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organi- sirte Gewalt einer Klaffe zur Unterdrückung einer andern. Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich nothwendig zur Klaffe vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse auf- hebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedin- gungen des Klassengegensatzes, die Klaffen überhaupt und"damit seine eigene Herrschast als Klaffe aus. „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines Jeden die Bedingung sür die sreie Entwicklung Aller ist." Ist es aber nicht bedenklich, schon heute daraus hinzuweisen, daß ein- mal, wenn„ini Laufe der Entwickelung" die Klaffenunter- schiede verschwunden sind— was beiläufig nicht von heute auf morgen geschieht— auch der Staat verschwinden wird? Muß das nicht auf unsere heutige praktische Agitation verwirrend wirken? Keineswegs. Es kann nur von Vortheil sein. Wir lernen dadurch den Staat besser beurtheilen und unsere Stellung zu ihn: richtig bemessen. Er hört damit auf, jener mysteriöse, anbetungswürdige Demiurg zu sein, als welchen ihn uns die Stöcker, Wagner und Konsorten gern hinstellen wollen, er ist aber auch nicht jener Popanz, als welcher er von den Anarchisten verschrieen wirb; Wir glauben beobachtet zu haben, daß viele Sozialisten hauptsächlich deshalb vor dem Gedanken, daß der Staat einmal ganz einschlafen werde, zurückschrecken, weil sie sich nicht recht vorstellen könne», was dann an seine Stelle treten soll. Nun, ist es denn so schwer, sich eine organisirte Gesellschaft vorzu- stellen, wo alle politische Regiererei über Personen aufgehört hat, wo es nur noch Verwaltung von Sachen gibt? Kaum! Wenn es keine Grundbesitzer und keine Bankiers, keine Fabrikanten und keine *) F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschast. **) Beiläufig ist der Wohlfahrtsstaat, wie Jedem, der sich mit der Materie befaßt, wohl bekannt, ein naher Verwandter des fff Polizei- staates. Kaufleute, keine Soldaten und keine Hofprediger mehr gibt, was kann dann ein Staat noch für einen Zweck haben? Wie aber die Zukunstsmenschen diese staatslose Gesellschaftsorganisa- tion nennen werden, das lassen wir ihre Sorge sein. Unserer Vorstellung davon dürfte das englische Wort eommenvealtli am nächsten kommen, was im Deutschen annähernd ausgedrückt wird durch das Wort: Republik. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 25. Juni 1884. — Das soziale M u st e r l a n d. Jetzt endlich wissen wir, welches Ideal der deutschen Reichsregierung bei ihrer„Sozialresorm" vorschwebet, und wie dieses Ideal in seiner Verwirklichung sich ausnimmt. Herr Generalfeldmarschall von Man teuf fel, Diktator der annek- tirten„Reichslande", Vertrauensmann und persönlicher Freund des deutschen Kaisers, einst Rivale, heute Kollege und Helfershelfer Bis- marcks, hat uns in einem feierlichen„Erlaß" verkündet, daß es ein Land gibt, in welchem„die Bevölkerung Religion und Gesetz ehrt, und das Verhältniß von Arbeitgebern zu Arbeitern als ein Muster hinge st ellt werden kan n." Also es gibt ein Land, in welchem das Verhältniß zwischen Arbeitern und Arbeitgebern m u st e r h a f t, mit anderen Worten, in welchem die soziale Frage glücklich gelöst ist. Kennst Du das Land, lieber Leser? Das Land, wo zwar nicht die Zitronen blühen, wohl aber die Wunderbäume der Bismarck'schen Sozialreforni, in welchen die gebratenen Tauben in lieb- licher Abwechslung mit Zuckerbrod und Peitsche dem bismarckgläubigen deutschen Arbeiter in den Mund und auf einen andern Körpertheil fliegen sollen? Du schüttelst zweifelhaft den Kopf, lieber Leser? Dein Zweifel ist ungerechtfertigt, das Musterland, in welchem die langgesuchte blaue(mit Berliner Blau) gefärbte Blume der Sozialreform, nachdem sie lang im Verborgenen geblüht, endlich entdeckt worden ist, liegt nicht auf dem silbernen Mond oder einem funkelnden Stern, sondern auf unserer Erde. Und dieses Wunderland heißt, wie uns in dem nämlichen Er- lasse des Herrn Feldmarschalls gesagt wird— die Ohren gespitzt, lieber Leser— es heißt Elsaß-Lothringen. Elsaß-Lothringen! Oder sagen wir lieber: Mülhausen, denn Mülhausen mit seinen „philantropischen" Fabrikeinrichtungen, mit seinen„arbeiterfreundlichen" Zwanzskasien, die ein Strick sind um den Hals der Arbeiter, mit seinen Mustercottages*), die den Arbeiter zum Leibeignen des„humanen" „Arbeitgebers" machen und an die Scholle fesseln— dieses Mülhausen der Dollfuß und anderer Fabrikmagnaten ist das verwirklichte Ideal des Herrn Generalfeldmarschalls, und Mülhausen ist ihm Elsaß- Lothringen. Dieses Elsaß-Lothringen vor dem Gifte der Sozialdemokratie zu schützen, das betrachtet der Herr Generalfeldmarschall und Helfershelfer des Wilhelmsstraßen-Messias der Sozialreform sür seine vornehmste Rtission; und da er„ein Mann der That" ist, so begnügt er sich bei Erfüllung seiner Mission nicht mit Worten— er handelt! Er handelt, wie es einem Apostel des„praktischen Christenthums", Helfers- Helfer des Wilhelmsstraßen-Messias der Sozialreform und kaiserlich- deutschen Generalseldmarschall und Generaloberpolizist geziemt; er bringt den famosen Diktaturparagraphen in Anwendung, verurtheilt ein paar brave Männer zum Hungertode, indem er sie aus dem Wunderlande hinausjagt, und zerstört einige jener Arbeitervereine, von denen I a c o b y einst sagte: „Die Gründung des kleinsten Arbeitervereins ist für den künstigen Kulturhistorker von größerer Bedeutung als der Schlachttag von Sadowa." Wie dankbar wir dem Herrn Generalfeldmarschall sind, daß er die Sozialresorm seines Kollegen und Helfershelfers, des Junkers Bismarck, in so. helle, gewissermaßen elektrische Beleuchtung gestellt hat. Jetzt ist Alles klar. Und kein Untergeordneter ist's, von dem diese Be- leuchtung ausgeht— es ist kein beliebiges Reptil, kein Pindter oder Wagner— kein beliebiger Hausknecht(mit dem Titel Sekretär oder Minister oder sonst): der Urheber des„Erlasses" ist der einzige Beamte im deutschen Reich, der neben dem allmächtigen Hausmeier der Hohenzollern seine selbstständige Stellung zu behaupten gewußt— der einzige, welcher sich ihm nicht untergeordnet, nicht unterworfen hat. Wenn Bismarck selbst sein Werk beleuchtet hätte, würde es von keinem Höheren, keinem Besugteren geschehen sein. Genug, die Lösung der sozialen Frage, das Ziel der Sozialresorm — das ist uns nun von oberster Stelle verkündet— die Lösung der sozialen Frage besteht in denjenigen Riaßregeln, welche die Elsässer Fabrikanten seit Jahrzehnten getroffen haben, um die Lohn- sklaverei durch Umwicklung der Ketten scheinbar zu „mildern", in Wirklichkeit aber zu verschärfen und zu verewigen. Und wer mit dieser„Lösung" nicht einverstanden ist, wird unbarm- herzig verfolgt, wirthschaftlich vernichtet— zur größeren Ehre der alleinseligmachenden Sozialreform des Fürsten Bismarck und seines und seiner Helfershelfer„praktischen Christenthums". Wir merken's uns! S* W des im Vorstehenden erwähnten M a n t e u f- aus Elsaß- Lothringen ausgewiesenen — Die aus Grund fel'schen Ukases Arbeiter sind: 1) Schuhmacher Dietrich Schmitz, 2) Malergehilfe Aug» st Karl Dieber. Die aufgelösten Vereine: 1) der Arbeiterbildungsverein in Straßburg, 2) die Filiale der Zentralkranken- und Gewerbekaffe der Schuh- macher und verwandten Berufsgenoffen(eingeschriebene Hilfs- kaffe!) Diese Filiale zählte gegen 500 Mitglieder; ihr Kassen- bestand von 2000 Mark wurde kurzerhand beschlagnahmt— d. h. gestohlen! S) Ein Hirsch-Dunke r'scher Verein in Bischheim bei Straß bürg(auch der Vorsitzende dieses Vereins soll aus- g ew i e s e n sein.) In dem Utas selbst heißt es unter Anderem:„Bereits im Jahre 1881 habe ich es ausgesprochen, wie ich nur ungern(natürlich! jeder Gewaltakt, jede Niederträchtigkeit wird heutzutage„nur ungern",„nur mit blutenden Herzen" w. jc. vollzogen) den sogenannten Diktatur- Paragraphen habe in Kraft treten lassen, um zwei Sozialisten auszu- weisen. Zugleich aber habe ich erklärt, daß ich die mir verliehene Machtvollkommenheit stets anwenden würde, wo es sich darum handelte, dieses Elsaß-Lothringen, in dem eine Religion und Gesetz ehrende Be- völkerung wohnt und in dem das Verhältniß von Arbeitgebern zu Ar- beitern als Muster hingestellt werden kann, vor dem Gifte des Sozialis- mus zu schützen. Der Fall liegt wieder vor." Was vorliegt, ist die Thatsache, daß die Ausgewiesenen für die freien Hilfskasien energisch eintraten und die Arbeiter vor den Orts-, Fabriks- und sonstigen Zwangskaffen gewarnt, d. h. eine durchaus gesetzliche Agitation entfaltet haben. Die freien Hilfskaffen— mit andern Worten: die unabhängigen Arbeiterorganisationen sind Herrn Manteuffel wie seinem Bruderherz Bismarck ein Dorn im Auge, sie sind das„G i f t", vor dem er Elsaß-Lothringen bewahren will. Und die Elsaß-Lothringische Bourgeoisie, die sich sonst so unabhängig und frei- heitsliebend geberdet, jubelt ihm dabei zu. Ein lehrreiches„Zeichen der Zeit". — Das rothe Gespenst geht in Deutschland fortwährend um, und muß namentlich nach oben hin Dienste thun. Kaum ist das Niederwald-Attentat aus den Zeitungen verschwunden, so taucht ein neues Attentat auf, oder richtiger der G e i st eines neuen Attentates, denn zum Attentat ist's ja nicht gekommen. Diesmal wird uns zur Abwechslung ein weiblicher Attentäter präsentirt, eine Frau„von übernatürlicher Größe", die mit vier Kisten Dynamit— eine Kiste *) Familienhäuschen nach englischem System. wäre zu wenig gewesen und ist schon oft dagewesen— aus Amerii herübergefahren ist und von der findigen Polizei schließlich abgesch wuroe. Die Attentäterin hatte es aus den alten Wilhelm abgesehen,— d» Polizei weiß das ganz genau, denn sie ist ja so„klug und weise, nn' man betrügt sie nicht", wie männiglich bekannt. Hintennach wird d« Mordgeschichte von der„Norddeutschen Allgemeinen" widerrufen, abü nur, weil aus der kaiserlichen Familie heraus Remonstrationen ersolf sind. Auf die H a u p t p e r s o n hat die Schauermähr ihre Wirkung than, und dafür, daß die Wirkung nicht abgeschwächt wird, sorgen braven Schutzengel und Sicherheitskommissarien des Heldengreises, welltz ihn mit einem so gewaltigen und augenfälligen Schutzapparat umring haben, daß der arme Mann keine Minute aus der Angst herauskommt kann. Beiläufig befindet sich das kaiserliche Gesängniß nicht in Babels berg, sondern in Ems. Nach dieser Richtung hin hat eine Aenderu«! des Programms stattfinden müssen, weil die Leibärzte, in Anbetracht dt äußerst prekären Gesundheitszustandes der angstbefliffenen gefangen� Majestät, die Uebersiedelung nach dem wärmeren Ems sür notHwsnW erklärt haben. Nebenbei sei hier bemerkt, daß das Spiel mit dem rothen spenst, so nützlich es sich momentan erweisen mag, drum doch auch seit gefährliche Seite hat. Es ist eine bekannte Thatsache, daß Verbrecht und Rohheiten ansteckend und epidemisch sind. Der Rachahmungstrit welcher in der menschlichen Kulturentwicklung eine hervorragende Roll spielt, ist bei vielen, namentlich geistesschwachen und phantasiestarkt Menschen, so kräftig, daß sie einen unwiderstehlichen Hang haben, solche HW-' lungert, die ihnen bei Andern besonders auffallen, auch ihrerseits s begehen. Es ist eine hundermal konstatirte Thatsache, daß ein orif nelles, d. h. nicht nach der gewöhnlichen Schablone verübtes Verbrech! sofort zahlreiche Nachahmungen zur Folge hat; und dieser ErkenntM ist das Bestreben entsprungen, die Veröffentlichung von Einzelheiten Verbrechen und Kriminalprozeffen zu hindern. Was nun von wirklichen Verbrechen gilt, das gilt auch von el dichteten. Bei zahlreichen Verbrechen ist festgestellt, daß sie dtM Romanlektüre angeregt worden sind. Die praktische Nutzanwendung liegt auf der Hand. In einer Zeit, wo kein Tag verstreicht, der uns nicht irgend wirkliches oder erdichtetes Dynamitattentat brächte, und hunderte Zeitungen geflissentlich jedes dieser Attentate gehörig breit treten, haglich alle(wirklichen oder erdichteten) Details ausmalen, in der licheu Absicht,„gruselig zu machen", und Wasser auf die Mühle h' Reaktion zu schaffen— in einer solchen Zeit kann es nicht ausbleibt daß schwachköpfige, phantasiestarke Individuen durch diese Lektüre! Dynamit-Attentaten angeregt werden. Und sintenialen Dynamitattck täte sich meist gegen hohe Persönlichkeiten richten— was der Schw»? köpfige aus den Zeitungen lernen muß,— so kann die Sache sür hohen Persönlichkeiten recht unangenehm werden.. Wer sich des„tollen" Attentatsjahres erinnert und die tollsten Mon»? dieses tollen Jahres im Gedächtnitz hat, der weiß, wie durch die Fr� tifizirung des Hödel-Attentats d a s N o b i l i n g-„A t t e n t a t" f ö r» lich gezüchtet, und später durch die Fruktifizirung der Attentate eine Attentatstemperatur erzeugt worden ist, welche biederen Herren Fruktifizirern selbst schließlich unheimlich wurde. El plötzlich erfolgte dann ein kategorisches Verbot sensationeller theilungen, die auf- und anregend wirken konnten. Und das war klug, denn hätte man dieses schuftige Fruktifizirungsgeschäft noch läN! betrieben, so würde das Nobiling-Attentat ebenso gewiß neue Sltter' erzeugt haben, wie das Ztobiling-Attentat selbst durch das Hödel-Attl erzeugt worden ist. Oder richtiger durch die verlogenen Fruktifizirungs-Berichte über d Hödel'sche Attentat. Denn Hödel-Lehmann hat niemals ein Atten> begangen; die Berichte, welche Bismarck, um die sür seine„Resort' politik" nöthige Schwindel- und Angst-Atmosphäre zu präpariren,' die Welt schicken ließ, waren von A. bis Z. erlogen, erfüllten aber sosern ihren Zweck, als sie von der Masse des Publikums wurden, wenn auch die erforderliche tragische Stimmung sich nicht stellen wollte. � Außerhalb des beabsichtigten Wirkungskreises lag es freilich, daß � hirnkranke Nobiling die Lügen der Herren Fruktifizirer für baare MM nahm, und, dem bei Leuten seines Schlages unwiderstehlichen NM! ahmungstrieb folgend, nun ein wirkliches und ernsthaftes Attentat fertigte.. Die Lehre von damals scheint vergessen zu sein; und wenn die M", tiker des rothen Gespensts und des Gruselichinachens es mit itN Dynamit-Attentats-Fabrikation so weiter treiben, dürs n sie sich M beschwere.,, wenn ihnen die Splitter wirklicher Dynamitbomben einiN gelegentlich mn die Ohren sausen, oder vielleicht noch näher koniiM Gin paar Dutzend Narren mit genügend kräftigem Nachahmuttgsttl' wird es unter 46 Millionen Deutschen, die das Reich der Gottesfutl! und frommen Sitte beherbergt, ja wohl geben. Item— man soll mit Schießgewehren nicht spielen, und auch»w mit Dynamit und Dynamit-Attentaten. Nachschrift. Das Vorstehende war bereits gesetzt, als wir in'J Zeitungen von einem neuen„Attentäter" auf den Kaiser lasen.$ junger Mensch, der zu Fuß von Koblenz nach Ems gewandert ist, 1 bei seiner Ankunft in Ems verhastet worden, denn—„er hatte eiN Revolver und Patronen, sowie ein Dolchmeffer bei sich." Daß aus eM Fußtour fast Jedermann Waffen zu seinem persönlichen Schutze bei s' führt, liegt auf der Hand. Aber— das Schock Tagediebe, das in M um Ems zum Schutz der„Majestät von Gottes Gnade» herumlungert, will doch zeigen, daß es nicht— pro n i h i 1 o bezM wird! — Aus dem Reichstag. Aus Berlin, den 20. Juni, wird»" geschrieben: Der Reichstag ist in extremis sin den letzten Zügen) M hat heute Vormittag vom Reichskanzler die letzte Oelung in Gestalt ei» Frühschoppens erhalten. Die Herren Gesetzgeber wollen in's Bad reiF der Reichskanzler will die Gesetzgeber los sein,— und so ist man de» dahin übereingekommen, die Gesetzgebung Knall und Fall an den NM zu hängen, die noch massenhaft vorhandenen, theils seit Jahren der L ledigung harrenden Geschäfte über's Knie zu brechen und unerledigt i lassen, was sich nicht über's Knie brechen läßt. Das Unfall-»» A k t i e n g e s e tz und einige untergeordnete Gesetze sollen noch in«!» Geschwindigkeit„verabschiedet" und in 8, spätestens in 14 Tagen Sch» gemacht werden. An den Debatten seit Wiederzusammentritt des Reichstags nach d> Pfingstfeiertagen haben wir uns nur wenig betheiligt. Abgesehen N' den Ackermann'schen Anträgen nur bei der zweiten Lesu» des Unfallversicherungsgesetzes. Bei dieser Debatte, die am Montag begonnen hat und Voraussicht!' noch mehrere Tage dauern wird, hatten die Vertteter unserer Partei sich»' die prinzipielle Wahrung des Parteistandpunktes zu beschränken. In t» Konuniffion war durch das Zusammengehen des Zentrums mit A Konservattven eine feste Majorität zusammengekommen, welche den N gierungsentwurf, soweit er früher in seiner ursprünglichen reaktionär! Fassung durch liberale Amendements„verbessert" worden war(dreizehn wöchentliche Karrenzzeit und Alles) wiederhergestellt hatte. M brachten eine Reihe von Anträgen ein, die zu§ 1 in längerer Rede v» K r ä ck e r begründet wurden. In der Spezialdebatte hat außerdem heute noch gesprochen: Vo llmar(sür den Entschädigungsanspruch N Frauen, auch wenn die Ehe erst nach dein Unfall stattgefunden hat, u» von unehelichen, aber anerkannten Kindern), F r o h m e(für die M tretung der Arbeiter inBerufsgenossenschasten) und S t o l! und Grillenberger(sür eine wirkliche Vertretung der Arbeiter). Bei der dritten Lesung wird ein Mitglied der Fraktion die lß annehmbarkeit des Gesetzes noch scharf darlegen, die Schwindelhaftigk! der ganzen Sozialreform kennzeichnen— kurz, das ablehnende Bot»' motiviren. — Die Wahlprüfungskommission des Reichstag. hat sich nun endlich dahin entschloffen, bezüglich der Wahl L e u s ch n e» im 17. sächsischen Wahlkreise(G l a u ch a u- M e e r a n e) die U n g i' t i g k e i t zu beantragen. Für die Giltigkeit stimmten in der Kommissi» drei Mitglieder: ein Konservativer, Herr von K ö l l e r, Zentrumsmann, Kochham- Ahrweiler, und ein R a t i» nalliberaler, Herr Marquardsen! Dieses liebenswürd» Kleeblatt repräsentirt gewissermaßen die Koalition, die sich neuerdins im Reichstage stets zusaminenfindet, wo es gilt, das bereits thatsäch!' bestehende, in ihrer wirthschaftlichen Uebermacht begründete P r i v i l! i etf vo> Z 8'um der Unternehmerklasse durch besondere gesetzliche Ein richtungen noch zu st ä r k e n, der Koalition, welche aus dem Unfall- versicherungsgesetz Alles herausgestrichen hat, was gegen die Interessen - der Unternehmer irgendwie verstößt, welche namentlich die selbst- u»> ständigen Arbeiterausschüsse beseitigt hat unter dem Motto: d d« die Selbstständigkeit dieser Organisationen entspreche nicht der— aic Würde der Arbeiter! ■fei? Hoffentlich werden die deutschen Arbeiter den Herren bei den nächsten Wahlen die würdige Antwort darauf ertheilen. — M i t der berühmten Börsen st euer scheint es nun doch Nichts werden zu wollen— die Lösung des großen Problems, das »solide" Geschäft vom unsoliden zu trennen, ist vorläufig noch nicht gefunden, und Bismarck zieht sich muthig einen Schritt zurück. Bei dem letzten„Frühschoppen" hat er es aller Welt verkünden lassen, daß der neue Entwurf überhaupt nicht nach seinem Geschmack gewesen, er habe gar nicht die Absicht, dem„soliden" Geschäft Hindernisse in den Weg zu legen, er habe nur„dem Fixen an der Produkten börse steuern wollen." Die Produktenbörse hat's ihm also angethan, d. h. diejenige Abtheilung der Börse, auf der wirkliche Produkte— Getreide, Del, Spiritus»c.— gehandelt werden. Wenn aber irgendwo in der heutigen Gesellschaft Zeitgeschäfte, d. h. Geschäfte auf Lieferung, geboten sind, so aus der Produktenbörse. Deutschland ist einmal sür seine industrielle Bevölkerung auf den Getreideimport angewiesen— der Ueberschuß der Einfuhr über die Aussuhr machte im Jahre 1873 84 Millionen Zoll- Zentner aus gleich einem Werths von 338 Millionen Mark. Wenn nun also ein Getreideimporteur einen günstigen Lieferungsvertrag in London, Ddessa oder Budapest abschließt, so wird er gezwungen sein, das betr. Lluantum schon vor dem Eintreffen in Berlin„auf Lieferung" zu ver- kaufen, will er nicht riskiren, daß ihm der ganze Gewinn flöten geht. Dieses Getreidelieferungsgeschäst erschweren, heißt die Getreideinfuhr überhaupt erschweren— zu wessen Gunsten, haben wir in voriger Num- Mer gezeigt. Abgesehen von einer verhältnißmäßig winzigen Anzahl von Groß- dauern und Rittergutsbesitzern hat das deutsche Volk ein Interesse an billigem Brod. Es ihm direkt vertheuern, das geht nicht gut an, die Getreidezölle könnten Bismarck die nächsten Wahlen verderben, daruni ver- sucht man es lieber auf dem Wege einer„moralischen" Börsensteuer— das deutsche Volk beißt ja auf nichts williger an, als auf moralnche Redensarten: „Ich sing' ihr ein moralisch Lied, Um sie gewiffer zu bethören!" läßt schon Altmeister Goethe seinen Mephisto singen. Der größte Schwindel zieht beim deutschen Philister, es braucht nur ein moralischer Schwindel zu sein. Gegen die Fondsbörse, diesen Giftbaum, den jeder Spießburger. der sich beim Spekuliren die Finger verbrannt, sittlich verabscheut, ward der Feldzug eröffnet, der stille Kompagnon von Bleichröder hielt sich be- scheiden im Hintergrund; jetzt, nachdem genügend Staub aufgewirbelt, tritt er als cleus ex machiva hervor und verkündet Ende gut, Alles gut— die Nothwendigkeit einer indirekten Getreidesteuer. Und da sage man noch, Bismarck versteht sich nicht auf s Geschäft! — F a t a m o r g a n a. Das erste Objekt der neuen deutschen Kolonialpolitik soll Angra Pequena an der Südwest- küste Afrikas sein. Dort hat einHerr Lüderitz ausBremen «ine Ansiedlung gegründet und sich von den Eingeborenen, die, wie alle Wilden, vom Privateigenthum an Grund und Boden absolut keine Vor- stellung haben, sich den zu einer„Miffion" gehörigen Grund und Boden «schenken" lassen. Wie es auf dieser zu gründenden„Kolonie" aussteht, darüber belehrt uns ein den„Annalen der Hydrographie" entnommener R e k l a m e a r t i k e l des Ztäheren, der jetzt die Runde durch die für Kolonien schwärwende Presse macht: „Das Klima ist ein gutes zu nennen.(Wir werden gleich sehen, was der Biedermann unter g u t versteht.) Der Temperaturwechsel ist nur ein geringer. Flußmündungen oder Sümpfe sind nicht vorhanden. Die höchste dort von den Deutschen beobachtete Wärme betrug 42, B Grad C. Die Hitze belästigt wenig, da fast fortwährend ein frischer Südwest- bis Südwind weht, der, von der See kommend, kühlend wirkt. Das Waffer hat in Folge des kühlen nördlichen Küstenstromes nur eine Temperatur von 17„ Grad C. Als einzige Unannehmlichleit ist der durch den Wind aufgetriebene feine Sand staub zu erwähnen, der durch alle F u g e n d r i n g t. Die häufigen feuchten Niederschläge erlauben einer Menge von kleinen Sträuchern zwischen den Steinen und im Sande in den Schluchten der Berge zu wachsen. Sonst ist das Land abso- l u t kahl. Die Inseln waren, wie ihre Namen besagen, früher nur von Pinguinen und Robben bewohnt, jetzt befinden sich einige Hütten der Arbeiter auf denselben, die den Guano sammeln. Verschiedene Arten von Seevögeln nisten noch in Mengen dort, doch soll die Guano- Entnahme wegen Mangels an Stoff ihr Ende er- reichen. Die Buchten des Hafens enthalten eine Unzahl von Fischen, so daß man mit zweimaligem Einholen des Schleppnetzes eine genügende Menge Fische erhielt, um die ganze Besatzung zu versorgen. Von wilden Thieren ist nur der Schakal zu erwähnen, der zahlreich vorhanden ist. Antilopen oder Springböcke kommen nicht so nahe an die Küste. Ver- einzelt kommen Schlangen vor, ebenso Skorpione. „Der Boden besteht aus verwittertem, vulkanischem Felsgestein und Sand. Um den Hafen zieht sich in einer Entfernung von ca. 4 bis 10 englischen Meilen ein etwa 20 englische Meilen breiter Gürtel von T r e i d- u n d F l u g s a n d, welcher die Verbindung mit dem Innern begreiflicherweise sehr erschwert. Die Zugthiere bleiben bei diesen Reisen 4 bis 5 Tage ohne Wasser, was sie zum größten Theil ohne Schaden vertragen können. Beim Herannahen an die Wasserstation sollen sie dann aber öfters sehr wild werden und, ihr Joch zerbrechend, zur Tränke stürzen. Angra Pcquena hat kein Wajser, und wird dasselbe durch den erwähnten Schoner(„Meta") in Fässern von Kapstadt geholt, durch welchen Transport die Tonne Wasser auf 83 Shilling zu stehen kommt. Die Thiers werden deshalb nach der Ankunft wieder nach dem fruchtbaren Hinterlande geschickt und müssen, wenn eine Reise von der Küste ins Innere beabsichtigt wird, erst wieder von dort geholt werden, was S bis 7 Tage dauert. Korvettenkapitän Aschenborn konnte also nicht daran denken, zu seiner wetteren In- formation einen Ausflug dorthin zu unternehmen, obgleich er den Platz gesehen hätte, wo Herr Lüderitz nach Kupfer zu graben beabsichtigt. Es würde dies mindestens einen Aufenthalt von 16 Tagen verursacht haben. Der Mineralreichthum des Landes soll ein großer sein, und es wird den im Bereich der Kolonie und nördlich von der- selben liegenden Bergen mit Erfolg nach Kupfer, Silber und Gold ge- graben. Herr Lüderitz hat eine Sammlung der in des Nähe von Angra Pequena gefundenen Mineralien angelegt. Unter ihnen befinden sich verschiedene Erze. Metallisches Eisen fanden Personen der Besatzung selbst in kleinen Stücken in der Felsenmasse der Berge eingesprengt, und es konnten diese Eisenstückchen taschenvoll gesammelt werden." Eine schöne Gegend, wie man sieht. Kein Wasser, das Land absolut kahl, ein feiner Sandstaub, der durch alle Fugen dringt— wen gelüstet es nicht, nach Angra Pequenna auszuwandern? Aber der Mineralreich- thum„soll" ein sehr großer sein— und das genügt, die ganze Bour- geoiswelt in Aufregung zu versetzen. Es handelt sich, eine echte, rechte Ausbeutungskolonie zu gründen, sei es, daß man die Einge- borenen in den Dienst preßt, fei es, daß man importirten(oder auch deportirten!) europäischen Arbeitern die Segnungen dieses anmu- thigen Klimas zu Theil werden läßt. Darf uns da die edle patriotische Aufwallung Wunder nehmen, darf es uns da in Erstaunen fetzen, wenn die Bourgeoispresse um Angra Pequenna willen am Liebsten einen Krieg mtt England angezettelt hätte. Englische Blätter behaupten, daß Angra Pequenna unter Englands Oberhoheit stehe. Wir sind uns über die Natur und den moralischen Werth dieses Rechtstitels natürlich keinen Augenblick im Unklaren, müssen aber doch soviel sagen, daß wenn man einmal die heute geltenden Anfchau- ungen über das„Recht" der Okkupation außereuropäischer Gebiete aner- kennt, die Sache immerhin nicht so einfach liegt, als die intereffirte deutsche Presse, voran die brave„Kölnische Zeitung", ihre Leser gerne glauben machen möchte. In Andree's Handatlas z. B., dessen„national-deutscher" Charakter über jeden Zweifel erhaben ist(er ist bei Velhagen und Klasing, den Herausgebern des„Daheim", erschienen) figurirt Angra Pequenna als englische Besitzung(vgl. 38. Blatt„Süd-Afrika") und in der „Kölnischen Zeitung" selbst hieß es vor einigen Tagen in einem Artikel darüber: „Soviel wir wissen, hat England früher und solange keine deutschen Kaufleute sich dort ansiedelten, mit einer geringen Ausnahme s!) aus jenen Küstenstrich weder ein Besitzrecht noch irgend eine staatliche Auto- rität in Anspruch genommen. Es sind im Gegentheil, wie wir hören, amtliche Urkunden darüber vorhanden, daß England nördlich von der Mündung des Orangeflusses nur die Walfischbai und einen sehr kleinen Theil des unmittelbar umherliegenden Landes in Anspruch nehme und darüber hinaus keinen Schutz gewähren könne." Wie diplomatisch ausgedrückt! Ein echter, rechter casus belli. Wie gesagt, es liegt uns ferne, für die Jntereffen der englischen Aus- beuter etwa eintreten zu wollen, wohl aber halten wir es für unsere Pflicht zu zeigen, wie sehr die heißersehnte Kolonialpolitik geeignet ist, Deutschland in auswärtige Händel zu verwickeln. Den Verehrern der heutigen Ausbeutergesellschaft mag das ja gleichgiltig, vielleicht auch gar erwünscht sein, der Weg des Kapitals ging von jeher über Blut und Leichen, wir aber denken unpatriotifch genug, die von der„Kölnischen Zeitung" und ihrem Troß betriebene Hetzerei als skandalöses Spiel mit dem Wohle des deutschen Volkes energisch.zu brandmarken. — Die Zustimmung der drei Elsaß-Lothringschen Abgeordneten zum Sozialistengesetz ist bei allen ehrlichen Leuten als ein öffentlicher Skandal empfunden worden.. Dieser Eindruck muß noch verstärkt werden, wenn man die Gründe zu dieser Abstimmung kennt. Herr v. W e n d e I, ein vielfacher Millionär und Eisenhütten- besitzer, der kaum zweimal im Jahre von seinem Wohnort Paris in den Reichstag kommt, ist wohl einfach seinem Arbeitgeber- Instinkt ge- folgt. Z o r n v o n B u l a ch hat vor einiger Zeit im elsässischen Landes- ausschuß in der Hitze des Kampfes heftigere Angriffe gegen die Regie- rung gerichtet, als ihm bei seinem sonstigen Kokettiren mit dem deutschen Regiment hinterher angenehm sein konnte. Um sich nun bei dem gegen ihn sehr aufgebrachten Statthalter zu rehabilitiren, ver- pflichtete er sich, an der Verlängerung des Sozialistengesetzes mitzuhelfen, was ihm freilich bei der bonapartistischen Ueberlieferung seiner Familie nicht schwer werden konnte. Jaunez ist zwar von der deutschen Regierung seines Bürger- meisterpostens entsetzt, aber dafür später zum Staatsrath ernannt wor- den. Um so peinlicher mußte es ihm sein, in der„landesverrätherischen" Metzer Zeitungsgründungs-Angelegenheit des Abgeordneten Antoine ver- wickelt und stark kompromittirt zu werden. Da bot sich die Stimm- abgäbe für das Sozialistengesetz als prächtiges Handelsobjekt, als Preis zur Wiedererkausung der Regierungsgunst. Der biedere Elsässer zögerte nicht. Mit dem parlamentarischen Kunstausdruck nennt man das Jnter- essenpolittk. Unsere Leser werden den unparlamentarischen Ausdruck von selbst finden. — Unser Staatsrath! Der preußische Staatsrath ist nun glücklich beisammen,— die Filtrirung war sorgfältig, das muß man sagen. Die„Mittelpartei", die Bismarck weder im Reichstag noch im Landtag zusammenbekommt, hier hat er sie endlich in wunderbarer Vollendung. Von einem Vierteldutzend parlamentarischer und einem halben Dutzend sonstiger Größen zweifelhaften Ranges abgesehen, eine Musterkollektion von Bureaukraten, von Älännern, die an das„gehör- samste" Kopfnicken gewöhnt sind. Und die hohe Klerisei ist natürlich auch dabei: zwer Bischöfe, ein Hosprediger— leider nicht Stöcker! Ferner drei Universitütsprofefforen— Adolph Wagner leider nicht darunter fso bedankt sich Bismarck für geleistete Dienste!) und zwei Oberbürgermeister— Herr Forckenbeck, Oberbürgermeister der Reichs- Hauptstadt Berlin, wurde höflichst übersehen(so rächt sich Bismarck!) Bleiben wir bei den Oberbürgermeistern, die Gnade gefunden vor den Augen des Allgewaltigen. Es ist eine erhebende Betrachtung, die sich uns da aufdrängt: Beides sind Kommunisten— natürlich von ehedem. Aber Spaß macht es uns doch, Exbruder M i q u e l und Exbruder Becker in so gewählter Gesellschaft zu wissen. Wer weiß, ob nicht bei ihnen eines schönen Tages der alte Revolutionär plötzlich zum Durchbruch kommt! Bei Miquel, der als Direktor der Diskonto- Gesellschaft möglichst viel klein- und mittelbürgerliche Existenzen ruinirte und die möglichste Konzenttation des Kapitals in einzelne Hände zu konzentriren suchte— wobei er sich ein nettes Kapitälchen„konzentrirt" haben soll— ist so etwas gar nicht unmöglich, und bei Becker, dem Haupt der ehemaligen Zentralleitung des Kommunistenbundes, sind wir dessen so sicher, daß wir fast versucht wären, ihn unfern Staatsrath zu nennen. O, Becker ist ein gescheidter Kerl! Da haben wir vor uns ein kurioses Buch liegen.„Die Kommunisten- Verschwörungen des neunzehnten Jahrhunderts" ist es betitelt und„im amtlichen Auftrage",„auf Grund der betreffenden gerichtlichen und poli- zeilichen Akten" von den Herren Mermuth nnd S t i e b e r verfaßt. Unter den Aktenstücken, die in diesem Buch veröffentlicht werden, be- findet sich auch der folgende Brief des S t a a t s r a t h e s Dr. Herrmann B e ck e r an den Schneidergefellen N o t H j u n g, sehr erbaulich zu lesen: „Mein lieber Nothjung! Beikommend: I Mazzini. Bautes Büchlein ist noch nicht fertig, Folgende Buchhändler haben unsere Sachen zu verkaufen: Springer. Breitestraße Nr. 20, Lassar, Brüderstraße Nr. 3, Jollenberg, Heidereutergasse Nr. 6, Stargardt, Charlottenstraße neben Stehely, Weichdrodt, Wilhelmsstraße Nr. 2, endlich auch Schreiber u. Co., Unter den Linden. Letzterer bezieht sie aber durch Eisen in Cöln, während die Anderen sie direkt erhalten. Mazzini und meine Rede haben sie alle fünf wohl vorräthig. Darum würde es zweckdienlich sein, Du und noch einige Spießgesellen(!) besuchtest alle sechs Seeräuber(!!) und fragtest mit vielem Interesse nach der sehr be- rühmten Rede(von Kinkel, von der ich noch ganze Ballen habe) und der sehr nierkwürdigen Adresse des römischen Volkes u. s. w. Springer und Jollenberg haben die inehrste Kourage(!) und be- sorgen Dinge, die Du nirgends auftreibst. Du wirst schon wissen, daß Hinckeldey Dich als einen politisch Kompromittirten in seiner schwarzen Liste hat. Wenn Du nicht bei der ersten Anmeldung ausgewiesen bist, so verdankst Du das einem fabelhaften Zufall. So wie Du Dich im Geringsten bemerklich machst, gehst Du in die Lust. Also sehr vorsichtig, vermeide die Parteikneipen der sog. Demokraten, deren Umgang Du sehr gut entbehren kannst, und thue, was Du thuest, durch Ver Mittelung Anderer. Es ist Pflicht gegen diePartei. sich nicht selbstzuex- p o ni re n. Besten Gruß von Cöln, den 23. Dezember 1850. Nicht wahr, ein kluger Kerl, der Staatsrath, sagen: Spießgeselle Becker, der versteht's! mit den„Seeräubern" umgeht, wie man's macht, um ihnen Reden aus- zuhalsen, von denen man noch„ganze Ballen" hat. „Thue, was Du thust, durch Vermittelung Anderer", das könnte sich Mancher'hinter die Ohren schreiben.„Es ist Pflicht gegen die Partei, sich selbst nicht zu exponiren"— das glauben wir! Nur diesem Grund- satz haben wir es zu verdanken, daß unser Becker in den Staatsrath gekommen. Bis jetzt hat er geschwiegen, vielleicht mit„blutendem Herzen" geschwiegen, nun sitzt er drinn, als Weiser im Rath, nun ge- hört er zu den Auserwähllen 71, die über das Wohl und Wehe des Staates entscheiden sollen, nun wird es wohl gestattet sein, daß ivir ihm öffentlich gratuliren, daß wir unS öffentlich seiner freuen— unseres alten„Spießgesellen", der es mit iveifer Vorsicht bis zum königlich preußischen Staatsrath gebracht. — Die Lügner an der Arbeit. Als im Frühling des vorigen Jahres sechszig Vertreter der deutschen Sozialdemokraten aus allen Theilen des belagerten und nicht belagerten Polizei-Vaterlandes sich nach Kopenhagen begaben und dort den schönsten und normalsten Kongreß abhielten, den die deutsche Sozialdemokratie jemals abgehalten hat, da hatte die deutsche Polizei keine Augen. Polizeirath Krüger machte eine unfreiwillige Vergnügungsreffe nach London, und erst durch die Atittheilungen unserer eigenen Genossen erfuhr der brave Mann, nebst seinen Nlyrinidonen, was geschehen war. Die Mangelhaftigkeit seiner Sehkraft hatte damals bekanntlich(nach dem Naturgesetz der Kompensation, das sür die Schwäche oder das Fehlen eines Sinnes durch die größere Schärsung anderer Sinne ent- Becker. oder sollen wir lieber Der weiß, wie man schädigt) eine bedeutende, wenn auch nnr vorübergehende Vergröße- rung seines Riechorgans zur Folge. Um einem ähnlichen Miß, geschick zu entgehen, hat Herr Krüger und das Korps der Madai'schen Nicht-Geheimen die Augen jetzt doppelt weit aufgethan und die naturgemäße Folge ist, daß mit den doppelt geöffneten Augen auch doppelt gesehen wird: gleich zwei Kongresse aus einmal, und obendrein zwei Kongresse, die gar nicht stattgesunden haben. Neulich einer in„Paris oder London"(gelegentlich der Reise Liebknecht' s) und vier Wochen später im ersten Drittel des Juni der bereits in voriger Stummer von uns erwähnte„sozialrevolutionäre" Kongreß zu London, dem Liebknecht init Reden im klassischen Polizei-Revolutionsstil (wie er sich in der Most'schen„Freiheit" und den Kolportageromanen sür senttmentale Köchinen und gebildete Hausknechte findet) präsidirt haben soll. Vor fünf Viertel Jahren einen Kongreß nicht gesehen, der unter ihrer Nase stattfand—/ jetzt binnen vier Wochen zwei Kongresse gesehen, die nicht stattgefunden haben— das sind allerdings erstaunliche Leistungen, welche beweisen, daß unsere Polizei es noch weiter gebracht hat, wie der selige Münchhausen, welcher doch nur wirkliche Flöhe husten gehört. Doch Scherz bei Seite. Die Kongreß- Lügen und sonstigen Jagd- geschichten, welche seit einiger Zeit durch die deutsche Presse gehen, rühren sämmtlich von ausländischen und inländischen journalistischen und nicht- journalistischen Spitzeln her, die als gewissenhafte Leute für das Sünden- geld, das sie empfangen, auch etwas liefern wollen. — Begreifliche Abneigung. Ein Artikel über die„chinesische Uebervölkerung", der jüngst im„Journal des Economistes" erschien, enthält einige interessante Details über die industriellen Verhältnisse in China und die Rolle, welches dieses Reich eines Tages aus dem Welt- markt spielen könnte. Da heißt es u. A.: „Man weiß es von Herrn Baron von Richthofen, dem ausgezeichneten Wiener Geologen, der vier Jahre lang fast alle achtzehn Provinzen be- reist hat, daß China hinsichtlich der Steinkohlenlager vielleicht das am meisten begünstigte Land der Welt ist____ »Aus diesen Reichthümern ziehen die Chinesen infolge ihrer ungenü- genden Verbindungswege und ihrer unentwickelten Art der Ausbeutung nur mageren Gewinn. Wenn es ihnen aber eines Tages einfiele, sie auf regelmäßige und dauernde Weise auszubeuten, wenn sie einmal erst eine Eisenbahn anlegen, welche in das Herz der bevölkertsten und er- giebigsten Theile eines Landes führte,„dessen Binnenhandel den Reisen- den in beständiges Erstaunen versetzt", so wird dies wahrscheinlich der Anfang eines wirthschaftlichen Umschwunges sein, der sich vermuthlich nicht auf die Grenzen des himmlischen Reiches beschränken würde. Wer könnte in der That die Folgen einer solchen Entwicklung inmitten eines sehr geschickten, sehr arbeitsamen und sehr sparsamen Volkes ermeffen, dessen Lohnverhältnisse noch sehr bescheiden sind? Man würde alsdann ein neues Schauspiel vor Augen haben und sehen, wie die chinesische Arbeit und die chinesische Kohle den größten Theil derjenigen Waaren hervorbringt, die jetzt das Abendland zu viel höheren Preisen auf den morgenländischen M a r k t w i r f t. „Bereits kann man in den Waarenlagern von Manchester und Liver- pool Seidenwaaren und prächtig gestickte Stoffe finden, die mit der Hand gearbeitet sind. Ein englischer Reisender berichtet uns, daß es nicht an den Meistern(will sagen: Fabrikanten) liegt, wenn sie in ihren Werk- stätten nicht die vollkommensten Maschinen aus Bradford und Manchester anwenden. Die Arbeiter widerfetzen sich dem hartnäckig. Die Hand- arbeit bringt ihnen nur den magersten Lohn ein, und doch sind sie hals- starrige Gegner der Maschinen. „Der Seidenhändler, welcher Herrn Thomson einst seine Fabrik auf dem Lande zeigte, erzählte ihm, er habe versucht, eine aus dem Aus- land stammende Vorrichtung bei seinen Haspelmaschinen anzubringen. Seine Arbeiter waren aber alle abgegangen und hätte er bei seinem Entschluß beharrt, so wäre sein Untergang sicher gewesen. Dieser Fa- brikant hatte zu Arbeitern den größten Theil der Männer, Frauen und Kinder eines ganzen Dorfes, was in China selten, wo die Theilung der Arbeit so weit gettieben wird, daß es keinen Familienvater gibt, der nicht an der Spitze einer Werkstatt steht. Aber diese Dorfbewohner waren zum Abhaspeln und Zurechtmachen der Seide nur gewisse Monate deS Jahres gedungen und fast alle besaßen kleine Güter, wo sie Seide auf eigene Rechnung züchteten." Run, die Abneigung der chinesischen Arbeiter gegen die Einführung von Maschinen ist nur zu begreiflich. Sie fühlen instinktiv, daß so schlecht ihre Lage auch heute ist, die Maschine ihnen den Rest geben würde. Wie sollen auch diese armen Proletarier weiter sehen und Verständniß für das haben, was die, Maschinen ihnen sein könnten: das Mittel zur Befrei- ung, zur Erlösung vom Joche der sklavischen Arbeit. Sie sehen nur, was ist. was, angesichts der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, unvermeidlich kommen muß, und dagegen stemmen sie sich auch mit Aber ihr Widerstand wird trotzdem gebrochen werden. Die Gesetze der ökonomischen Entwickelung sind stärker als der Wille des Menschen. Jmnler mehr nimmt China am Welthandel Theil— die europäische Bourgeoisie zwingt die Chinesen dazu. Um den Folgen des euro- päischen Konkurrenzkampfes zu entgehen, schafft sie sich in Asien Kon- kurrenten— es geht ihr überall gleich, sie produzirt ihre eigenen Tobten- gröber. Die Chinesen werden Maschinen einführen— die übergroße Billigkeit der Handarbeit ist die Ursache, daß es bisher noch nicht ge- schehen— und sie werden Eisenbahnen bauen. Just im gegenwärtigen Moment meldet der Telegraph, daß der Bau der Etsenbahn von Tient-sien nach Peking beschlossene Sache ist. Das ist nur eine kleine Strecke, aber es ist nur der erste Schritt, der Ueber- Windung kostet. — ER hat sie überhaupt niemals an die Wand drücken wollen— das ist die beseeligende Kunde, welche die Nationalliberalen vom„Frühschoppen" bei Bismarck mit nach Hause brachten. ER hat den Herren G n e i st und Schläger gegenüber auf das Energischste bestritten, dieses oft zitirte Wort gesprochen zu haben, „er habe sich weder dem Sinne, noch der Wortfassung nach so aus- gelassen." Nun, um Gläubige zu finden, kommt dieses Dementi um einige Jahre zu spät, wohl aber glauben wir es dem großen Kanzler gerne, daß es ihm leid thut, diese so unübertrefflich brauchbare, so schmieg- und bieg- same Partei von seiner Meute an die Wand haben drücken zu laffen. Eine solche Regierungspartei kriegt er nicht noch einmal wieder. Da helfen alle Galvanisirungsversuche nichts. Das Zugrunderichten war Kinderspiel— mit dem Kredit der Nationalliberalen war es ohnehin vorbei— das Wiederherstellen aber wird selbst dem„Herkules des 13. Jahrhunderts" nicht gelingen. Hin ist hin, verloren ist verloren. Und so mag der große Kanzler sich denn mit dem großen Oberst Ollendorf trösten und singen: „Ach, ich Hab' sie ja nur auf---" Den Schluß ergänze sich der Leser gefälligst selbst. — Wieder Einer abgeblitzt— nämlich ein Berliner Hüter der Ordnung, der einen Sozialdemokraten zum Verräther und Denun- zianten kapern wollte. Der nach bekannten Mustern verlaufene Fall ist in der Berliner„Volkszeitung" sehr ergötzlich geschildert. Der„Geheime" (Wachtmeister Weinert, Friedenstraße 22) lief in die ihm gestellte Falle, und war nicht wenig verblüfft, als er in der Wohnung des zu Kapernden(des Bilderhändlers A d o l s H o f f m a n n) sich nach been- deter Verhandlung und abgeschlossenem„Handel" plötzlich dem Abge- ordneten B l o s und einem weiteren nicht vermutheten stille» Zeugen seiner Unterhaltung gegenübersah. Mit der Bitte rnn Diskretion, der natürlich keine Folge gegebe» wurde, verdustete er. Interessant und lehrreich ist es, wie er den, Hoffmann die Spio- nage plausibel zu machen suchte. Er sicherte ihm ein Honorar von 20 Mark pro Woche, bei erhöhten Leistungen(vielleicht ein Attentätchen?) erhöhte Bezahlung. Die Berichte sollte» post- lagernd unter einer bestiminten Chiffre der Polizei übermittelt werden; auch sollte Hoffmann mit einem singirten Namen über die empfangene Summe quittiren. Es sei Alles so schön eingerichtet, versicherte der Wachtmeister, daß Niemand kompromittirt werden könne, ein ein- flußreiches Mitglied der sozialdemokratischenPar- tei in Berlin leiste schon seit fünf Jahren solche Dienste und Niemand ahne etwas davon.(?!) Auch freisinnige und s o z i a l i st i s ch e Mitglieder des Reichstages seien für Geld zu ljaben. Als Hoffmann dafür Beweise verlangte,„bedauerte" der Ehrenmann, keine solchen„zur Hand" zu haben. Die Bedenken Soffmann's gegen solche Anträge suchte Weinert dadurch zu beseitigen, dab er wiederholt betonte, es werde Niemand kompromrttirt werden. Zuletzt zog er sein Portemonnaie und erklärte sich bereit 20 Mark einstweilen zu zahlen, wenn Hofs- mann i'h meinige brauchbare Mittheilungen machen � So �werden die Leute korrumpirt; wie aber die schönen Versprechen gehalten werden, wenn sie erst angebissen haben, davon schweigt des Sängers Höflichkeit. — Auch eine„Unfallversicherung. Alfonso von Spanien hat sich dieser Tage in kluger Voraussicht kommender Ereignisse in eine Lebensversicherung einqekauft, oder vielmehr und das ist sehr klug von ihm gewesen, in eine Kapital versicheräng. Die sehr loyale Münchner „Allgemeine" entnimmt darüber einer Versicherungszeitschrift folgende sehr unterhaltsame Stelle: „Ueber das körperliche Befinden des Königs von Spanien sind m neuerer Zeit beunruhigende Mittheilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Von anscheinend gut unterrichteter Seite wurde verbreitet, daß bei dem Könige deutliche Symptome der Schwindsucht bemerkbar seien. Wie weit diese Behauptung begründet ist, wissen wir nicht, indessen spricht dagegen die Thatsache, daß der König noch in letzter Zeit sein Leben mit einer beträchtlichen Summe versichert hat. Dieser Versicherung ist natürlich eine genaue ärztliche Untersuchung vorausgegangen, die aber zu irgendwelchen Be- denken nicht Anlaß gegeben haben kann, da sich andernfalls die betreffenden Gesellschaften auf dieses auch sonst nicht ganz ungefähr- l j ch e �(das wollen wir meinen!)— Risiko schwerlich eingelassen haben würden. Die Versicherung des Königs, der im 27. Lebensjahre steht, beläuft sich auf 500,000 Francs und ist zahlbar im Falle des Todes oder bei Erreichung des 40. Lebensjahres. Die Prämie ist auf 4 Fr. 86 Cts. per l00 Fr. normirt, so daß der König jährlich etwa 23,500 Fr. Prämie zu zahlen hat. Der Aufschlag auf die Normal- prämie ist ein ganz geringer und wohl hinlänglich in der exponirten Stellung des Königs begründet." Armer Alfonso! Arme Könige! Wie tief ist Euer Kredit gesunken. Schließlich wird man Euch nur noch in die höchste Gefahrenklasse aus- nehmen— dicht neben der Pulver- und Dynamitarbeit, wenn man Euch überhaupt noch nimmt. In der That, wer möchte heute noch einem gekrönten Haupt auf das nächste Jahr etwas pumpen. Giebt's nicht, und so hat Alfons mit seiner Versicherung immer noch Glück gehabt. — Ein weißer Nabe. Die ganze deuffche Presse ist entzückt darüber, daß ein bayerischer Prinz, Karl Theodor, in Tegernsee eine Augenklinik eröffnet hat, in welcher er die armen Leute gratis behandelt. Nun, der Mann hat wahrscheinlich-ingesehen, daß es keinen nichts- nutzigeren Beruf gibt, als den eines Prinzen von Gottes Gnaden, und so sucht er sich eben auf irgend eine Weise nützlich zu machen. Das ist allerdings ganz ehrenwerth, aber mehr sicher nicht! Das wäre noch schöner, wenn er von den Armen Geld nehmen wollte— er, der aus dem Steuersäckel des bayerischen Volkes erhalten wird! Uebrigens könnte er sich auch ein besonderes Verdienst erwerben, wenn er nämlich seinen Klienten jedesmal den Staar stechen wollte über das Gottesgnadenthum und seine Träger— als Beispiel empfehlen wir ihm seinen allergnädigsten Vetter! — Der in Milwaukee erscheinende„L u z i z e r"bringt folgende lustige Notiz: „Ein„unfehlbarer" Sozialist. Papst Gregor VII.(1073—1085), bekanntlich der hochmüthigste und anmaßendste aller Päpste, der den deutschen Kaiser Heinrich IV. zu Canossa in Sack und Asche Buße thun ließ; der in seinem Uebermuth so weit ging, sür die Päpste nicht nur die höchste geistliche, sondern auch die höchste weltliche Herrschast über alle Kreaturen zu bean- spruchen; und der sogar behauptete: „der Papst werde, sobald er konsekrirt sei, durch die Verdienste des hl. Petrus heilig"— eben dieser Papst, der nach katholischem Glauben unfehlbar in seinen Lehren ist, lehrte ausdrücklich: „Die Gewalt der Fürsten ging ursprünglich aus sündhafter Willkür hervor, indem die anfängliche Gleichheit der Menschen von Solchen, die durch Raub, Mord und Verbrechen aller Art sich über ihres Gleichen erhoben, beeinträchtigt wurde." So wörtlich zu lesen in Neander's Kirchengeschichte, Band 5, Abtheilung 1, Seite 112; und ebenso in Alzog's Kirchengeschichte(5. Auflage, Seit 481). Das letztere Werk ist stramm katholisch und sogar Lehrbuch in den katholischen Priesterseminarien. Wenn auch der Papst, indem er diese merkwürdige Lehre aufstellte, dies in der Absicht that, die priesterliche Gewalt über jede andere Gewalt auf Erden zu erheben, so hat er damit doch die Berechtigung des Sozialismus und Kommunismus anerkannt, ein Umstand, der mehr als alles Andere geeignet sein müßte, dem dummgläubigen katholischen Volke die Augen zu öffnen. Merkt es euch, ihr Katholiken, daß selbst euer„größter" Papst, der im Jahre 1728„heiliggesprochen" wurde, und der nach eurem Glauben in seiner Lehre als Papst unfehlbar war, förmlich und ausdrücklich lehrte, daß die herrschende Ungleichheit unter den Menschen nur eine Folge von„Raub, Mord und Verbrechen aller Art" sei und deshalb nicht zu Recht besteht, trotzdem daß eure Pfaffen mit den Mächtigen und mit dem Geldsack Hand in Hand gehen, weil Tau- sende von Jahren Unrecht nicht Einen Tag Recht ausmachen!!" — Anarchistisches. Am 24. Mai fand in Chicago eine Dis- putation zwischen Paul G r o t t k a u und Herrn I o h. Most über „Anarchismus und Kommunismus" statt. Die betreffende Nummer des„Vorbote", in der der Bericht über diese Versammlung hätte erscheinen müssen, ist ausgeblieben; aus einem augenscheinlich sehr sachlichen und sehr eingehenden, der„Newyorker Volkszeitung" zugegan- genen Bericht ist zu ersehen, daß P. G r o t t k a u, der für den Kom- munismus gegen die Anarchie eintrat, wirklich zur Sache sprach, wäh- rend Herr Most nach gewohnter Weise die Frage auf das ihm sehr geläufige Gebiete der Gemeinplätze herüberzerrte und statt Gründen rhetorisch- sentimentale Phrasen zum Besten gab. Das ist auch die Ansicht der Re- daktion der„Newyorker Volkszeitung." „Niemals", schreibt sie in einer Anmerkung,„hat sich wohl die jäm- merliche Impotenz Most's in Allem, was Beweisführung heißt, so stark doknmentirt als bei Gelegenheit dieser Diskussion. Uebrigens wäre es Unrecht, die geistige Vollkraft der deutsch-amerikanischen Anarchisten nach dieser Leistung Most's beurtheilen zu wollen. Er steht(nur von Newyork zu reden) an Konsequenz— und wir meinen das ganz ernsthaft— weit unter Seelig und Kayser, an Logik und im Wissen aber übertrifft ihn M. Bachmann bergehoch." Wem dieses Urtheil parteiisch erscheint, der mag sich durch den in dieser Frage gewiß unverdächtigen„Revolte" eines Besseren belehren lassen. Dieser nimmt in seiner neuesten Nummer seinen Freund M o st recht unsanft beim Wickel. Er zitirt nämlich eine Stelle aus einer in der„Freiheit" wiedergegebenen Most'schen Rede und setzt hinzu: „Wir wollen selbstverständlich nicht den geringsten' Zweifel in die Aufrichtigkeit des Genossen Riost bei seinen anarchistischen Erklärungen setzen, aber er gestatte uns, ihm noch einmal zu erklären, daß er eine ganz und gar falsche Vorstellung von der Anarchie sich machen muß, um die Sprache zu führen, die wir oben zitirt haben, und welche die enra- girtesten unter den autoritären Kollektivisten nicht desavouiren würden u. s. w." Armer Hans! — Reichstags- Kandidaturen. Im Wahlkreis Mühl- heim a. R. ist Bebel als Zählkandidat aufgestellt. Neustadt- Landau: K. Grillenberge r. — Oesterreich. In Graz fand vom 11. bis 21. Juni der große Maffenprozeß wider„Kappaus und Genossen statt. Die An- klagten, 23 an der Zahl, waren beschuldigt,„mittels Sammlung von Geldern die Anschaffung von Waffen, Munition, Sprengmitteln und revolutionären Druckschriften, durch Anwerbung weiterer Mitglieder, persönlichen Unterricht und thatsächliche Verbreitung solcher Druck- schristen, welche die Vorbereitung einer gewaltsamen Erhebung der Arbeiter, demnach Handlungen unternommen zu haben, welche auf eine gewaltsame Veränderung der Regierungsform und auf Herbeiführung einer Empörung oder eines Bürgerkrieges gerichtet waren." Das Beweismaterial bestand fast ausschließlich in den Aussagen des Ende Januar wegen Verbreitung eines sozialrevolutionären Flugblattes zu acht Jahren schweren Kerkers verurtheilten Franz P r o n e g g. Alle Angeklagten erklärten sich für n i ch t s ch u l d i g, was ihnen Niemand verdenken wird, alle bestritten, der anarchistischen Richtung an- zugehören, was ja auch zutreffen mag, wenngleich es schlecht zu der Thatsache stimmt, daß der Hauptangeklagte K a p p a u f einer der en- ragirtesten Anhänger der Wiener„Zukunft" war und Jeden, der es wagte, dieses Peukert'sche Blatt und die„Freiheit" zu kritisiren, in schmählichster Weise angriff und verdächtigte. Da es m Oesterreich gar gar nicht strafbar ist, Anarchist zu sein, so macht diese Art der Per- theidigung, in Verbindung mit Loyalitätsbetheuerungen, wie„der Ar- beiter liebt seinen Kaiser", einen nichts weniger wie erhebenden Ein- druck. — Ungarn. Die Wahlen sind vorüber und haben, wie zu erwarten, mit einem, allerdings nicht sehr glänzenden, Siege der Regierungspartei, die sich des Wohlklanges halber liberal nennt, geendet. Von den oppo- sitionellen Parteien haben nur die Antisemiten einen Erfolg errungen, und zwar zum großen Theile auf Kosten der sogenannten Unabhängig- keitspartei, einer Mischung von kleinbürgerlichen Demokraten und ultra- magyarischen Heißsvornen. Daß der auf die Spitze getriebene Nationa- lismus schließlich in einen bornirten Nativismus(ausschließliche Aner- kenming des eingeborenen Elements) umschlägt, ist eine oft gemachte Erfahrung. Dazu kommt aber noch, daß die ungarische Unabhängigkeits- parte! sich vorzugsweise aus den Mitgliedern der im wirthschaftlichen Niedergang befindlichen Gesellschaftsklassen: dem niederen Adel, dem Kleinbürger- und Kleinbauernthum zusammensetzt, und so ist dieser Sieg des Antisemitismus durchaus erklärlich. Das religiöse, oder wenn man will, das konfessionelle Moment, spielt dabei eine durchaus sekundäre Rolle. Ganz darf man es, angesichts des niedrigen Kulturniveaus der großen Masse der ungarischen Bevölkerung, allerdings nicht außer Rech- nunq stellen, wenngleich in vielen Fällen die Märchen von den..riwellen Morden" wohl nur deshalb ihr Publikum sanden, weil man eben„gern glaubt, was man wünscht." Die Leute wollen anTißa-Eßlar glauben, und da hilft alle Vernunft nichts, so wenig wie bei den Muttergottes- Erscheinungen zur Zeit des Kulturkampses. Ein Sozialrevolutionär, der vor Gericht erklärt:„Der österreichische Arbeiter liebt seinen Kaiser",— und dergleichen Aeußernngen sind zu Dutzenden! in diesem Prozeß gefallen,— macht der neuen, der„ k o n- sequenten" Schule alle Ehre. In der That, wir können es unserem vielgeschmtthtem Bruderorgan „Wahrheit" nicht verdenken, wenn es in berechtigter Entrüstung schreibt: „Wir haben hier nicht zu untersuchen, was an diesen Angaben(näm- lich der Anklage. D. Red.) Wahres und wie viel davon erfunden ist; was wir besprechen müssen und was uns empört und anekelt, das ist die Vertheidigung der Angeklagten. Nicht, als verlangten wir, wenn an der Sache Wahres, unumwundene Offenheit und damit, nach„anar- chistisch-radikal-fozialistisch-revolutionären" Begriffen. Erlangung einer Äärtyrerkrone,— das ist nicht nach Jedermanns Geschmack, wohl aber so viel Anstandsgefühl, wie es selbst dem bescheidensten, bestgehaßten Spießbürger innewohnt: Aufrechterhaltung des Prinzips um jeden Preis! „Daß diese elementare Grundregel der Parteien in diesem Prozesse nicht eingehalten wurde, wird Jedem, der denselben in den Tagesjour- nalen verfolgt, einleuchten. Man muß die Rechtfertigungen dieser Leute lesen, und man kann sich einen hinlänglichen Begriff von deren„Ge- fährlichkeit" machen. Solche Loyalitäts-Erklärungen sind noch in keinem Lande von Sozialisten(radikaler Färbung noch obendrein!) abgegeben, solche Definitionen über radikal und gemäßigt noch nirgends versucht worden; dieses Meisterstück zu liefern, war den Herren in Graz vorbe- halten, die fortwährend den Mund voll hatten über die Feigheit und Thatenlosigkeit der Gemäßigten." Korrespondenzen — Planen im Voigtland, 11. Juni. Unsere Genoffen Hasse in Mühltroff und Schenk in Pausa sind infolge Denunziatton eines Sub- jektes, das seit zehn Jahren bei Haffe gearbeitet hatte, verhaftet worden. Hasse soll den„Sozialdemokrat" an Schenk geschickt haben. Die Haussuchung nach den Blättern war erfolglos. Bei Schenk wurden einige Reichstagsreden beschlagnahmt, bei Hasse eine Kiste mit alten Schriften, die schon zweimal konfiszirt waren. Jedenfalls hat die Polizei gedacht, zu allen guten Dingen gehören drei, denn trotz- dem nichts von Belang gefunden wurde, wurden beide Genossen in das Landesgericht P l a u e�n eingeliefert. Haffe ward sogar gefesselt wie ein gemeiner Verbrecher; der 61-jährige Genosse Schenk wurde nicht gefesselt, man hat da jedenfalls das Alter ein bischen respektirt. Wäsche und Lebensmittel, die am dritten Feiertag(Dienstag) beim Gefängnißinspektor abgegeben wurden, hatten die Betreffenden am Donnerstage noch nicht erhalten! Trotzdem Staatsanwalt B e u t l e r bei der Haussuchung sein Bedauern ausgesprochen, daß die gewünschten Exemplare„Sozialdemokrat" nicht zu finde.! waren, und infolgedessen kein stichhaltiger Grund vorliegt, be- hält man die beiden Opfer in Haft und sucht sich jedenfalls aus diese Weise zu rächen. Sobald der Prozeß zu Ende ist, werde ich ausführlicher über den ganzen Vorgang Bericht erstatten. D. r. V. Sprechsaal. In Nr. 25 der„Freiheit" befindet sich eine Korrespondenz aus Brüssel, in welcher über eine Zusammenkunft hiesiger deutscher Sozialisten mit Gen. Ed. Bern st ein aus Zürich, der vor zwei Monate» durch Brüssel reiste, in gehässigster Weise berichtet wird. Die hiesigen Genossen sehen sich infolgedessen veranlaßt, gegen die betr. Korrespondenz öffentlich zu protestiren. Von einer Konferenz, wie der Berichterstatter der„Freiheit" dar- zustellen beliebt, war natürlich gar keine Rede; wir waren vielmehr zu einem gemüthlichen Glas Bier eingeladen. Auch ist es eine Lüge, daß Genosie B e r n st e i n ungebührlich behandelt wurde. Selbstverständlich unterhielten wir uns über Parteiangelegenheiten, und selbstverständlich wurden dabei, wie es von jeher— vor wie nach dem Sozialistengesetz— der Fall, die verschiedensten Ansichten geltend gemacht, aber keinen Augenblick wurden die Grenzen eines freundschaftlichen Meinungsaus- tausches überschritten. Es that uns vielmehr leid, daß der Abend so schnell vorüber war, und wir begleiteten Gen. Bernstein bis zu seinem am Bahnhof gelegenen Logis, was noch eine halbe Stunde zu mar- schiren gab. Dort verabschiedeten wir uns von ihm in freundschaftlichster Weise, und er gab uns das Versprechen, falls er auf seiner Rückreise durch Brüssel käme, uns hier einen Vortrag zu halten. Ob er zu diesem Zweck in Brüssel war, ist uns nicht bekannt. Die Anhänger der„Freiheit" in Brüssel mögen es sich gesagt sein lassen, daß wenn auch unter den hiesigen sozialistischen Genossen in verschiedenen Punkten Meinungsdifferenzen obwalten und einige manches von Most Gesagte billigen, wir doch Freunde der deutschen Arbeiter- bewegung sind und absolute Feinde von persönlicher Beschimpfung solcher Personen, denen kein Verrath nachgewiesen werden kann. Mit Gruß! Brüssel, den 18. Juni 1884. G. F. B. Zu vorstehender Erklärung seien mir einige wenige ergänzende Worte gestattet. Die„Freiheit" mag über mich schreiben, was sie will, diesem durch und durch verlogenen Blatte zu antworten, fällt mir nicht ein. Den Brüsseler Genossen aber erkläre ich, daß, wenn ich meine Reise, die mit agitato- rischen Zwecken absolut nichts zu thun hatte, nicht im Interesse der Partei plötzlich hätte unterbrechen müssen, ich sie selbstverständlich auf der Rückreise wieder aufgesucht, und ihnen wie verabredet— je nachdem es ihnen zweckmäßig erschienen— einen Vortrag entweder in öffentlicher Versammlung oder iin engeren Zirkel gehalten hätte. Davon hätte ich mich auch nicht abhalten lassen, wenn sie sich wirklich so ungezogen be- nomine», wie der betreffende Korrespondent der„Freiheit" ihnen unter- stellt und wohl auch gewünscht hätte. Ich bin noch nie der Opposition aus dem Wege gegangen. Ed. B e r n st e i n. Bern, 8. Juli. Freunde und Genoffen in Bern! Wer von Euch den näheren Stand der Arbeiterbewegung in Deutschland schildern gehört, wie unsere Genossen dort unter dem Polizeidruck stehen und doch muthig zur Fahne halten, wird gestehen müssen, daß hier in der Schweiz, wo die Versammlungsfreiheit besteht, in Zukunft besser Ge- brauch von derselben gemacht werden muß. Beherzigt deshalb die Worte unseres Genoffen Volkmar:„Wer Sozialist und entschlossen ist, sür die Arbeiterbewegung zu wirken, der betrachte es als seine Pflicht, sich der hier bestehenden Mitgliedschaft deutscher Sozialisten anzuschließen. Nächste Versammlung: Montag, 30. Juni, Abends 8 Uhr, im Cafe R ü t l i bei Genosse B ä ch t o l d. Einer für Viele. Warnung. Wir warnen hiemit sämmtliche Genossen, hauptsächlich aber unsere Freunde in Amerika, vor einem schuftigen Subjekt Namens Bruno R o t h e r, gebürtig aus der Umgebung von Breslau, angeblich zuletzt in Stellung bei Frey, Auswanderungsbureau in Breslau. R o t h e r ist 24 Jahre alt, mittlerer Statur, mit schwachem blondem Schnurrbart, unstetem Blick, kurzein, gedrückten Hals, spricht Breslauer Dialekt und ist im Besitze eines Militärpasses Ersatzreserve 2. Klasse. Er gibt an, wegen M a j e st ä t s- und V i z e m a j e st ä t s-(Bismarck-) Beleidigung flüchtig zu sein, was jedoch sehr unglaubhaft erscheint. Von Parteiverhältnissen weiß er fast nichts! Bruno Rother kam am 7. Juni nach A m st e r d a m, um hier Stellung zu suchen und später nach Amerikau auszuwandern. Wir unterstützten ihn, da er völlig mittellos war; weniger als Genosse, son- dern als Landsmann erregte er unser Mitleid. Zum Dank dafür ent- wendete er einem Genossen Uhr, Ringe und noch andere Gegenstände, welche ihm glücklich wieder abgejagt wurden. Wir erlassen zur rechtzeitigen Information anderweitiger Genoffen diese Warnung, und richten im Interesse der Partei an sämmtliche Genossen und Freunde das Gesuch, bei allen Fällen(wenn dieselben vollständig erwiesen sind) direkt eine Brandmarkunq zu veröffentlichen, damit unsere Partei vor solchem Geschmeiß bewahrt bleibe. Amsterdam, 15. Juni 1884. Die deutschen Genossen. I. A.: M. M. Königsberg!,(ffr.: H. Koeppel 664 Main Str. Cincinnatt sendet hiemit Adresse und freundlichen Gruß an Freunde und Ge- Nossen.— Quittung. Beim Landesausschuß in Zürich gingen ein: Aus Bern Fr. 26— von der Versammlung im„Cafe Rüti" per llsd.; Neuenburg Fr. 1160 Versammlung des Deutschen Vereins per Wsd. Briefkasten der Expedition: Verrina: Mk. 3— Ab. 3. Qu. f. K. erh> Reihenfolge rc. am 17/6. berichtet. Bstllg. not. Dank f. Rpt.— Hellunke: Von der R. versehen. Nachrichten kreuzten. Weiteres sofort besorgt. — Feuerländer: Mk. 50— Ab.-Cto. gutgeb. Jrrthum d. Zwischenhand. Fehlende 40 Expl. folgen.— Fritz: Mk. 22 h Cto. Ab. am 16/6 erh. Bitten um Verlagsnota.— W. Adfhr. Brn.: Fr. 5— ä Cto. Schft. erh. Bstllg. folgt. Remittenden waren von Vbhdg. und nicht von E. d. S.!— Torino: Fr. 9 70 auf Liste Nr. 223 pr. Ufd. dkd. erh. Fr. 2 35 Ab. 3. u. k Cto. 4. Qu. erh., sowie 35 Cts. f. Schft. A. H. gutgebracht.— Peter i. d. Fremde: Mk. 16— Ab. 2. Qu.:c. erh. Bf. erwartet.— X. 3V: Mk. 74 ä Cto. Ab. ,c. erh. Ad. gelöscht. Weiteres bfl.— E. F. Ntz.: 40 Pfg. f. Schft. erh.—-h-n; Mk. 159 70 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Ggchg. gutgeb. Weit, am 18/6. bfl. aufgeklärt. — L. C. I.: Mk. 13 95 alt. Rest Ab. 3. Qu.. Schft.-c. erh. Reklam. geht etwas langsamer.— W. Sch. Liöge: Fr. 7 50 Ab. 2. Qu. erh.— Grcchus F.: Bstllg. flgt. Ad. not.— Adalbert: Erftagtes erwartend, be- sorgen Lb. baldthunlichst. Zuvor Pressantestes.— Peter:„Die alte Garde"— klingt hübsch, aber das Weitere desto Hasenpanier- licher.— Pumpernickel: Bf. vom 12/6. am 14 beantw. Mk. 5 25 Ggchg. gutgeb.— Epilog: Bf. erh. und d. Hr. beantw.— Hellmuth Windsbraut: Alles besgt. lt. Bf. v. 14/6.— Fuchs: Bf. v. 12/6 erh. Ad. geordnet.— Frisch auf Lgtz.: Gut. Lausendes blos redreffirbar, wenn rechtzeitig signalistrt.— C. Werner fr.: Wird stimmen und ge- ordnet.— Stbq.: Einverstanden. Weiteres durch W.— Roth Hahn I.: Bstllg. folgt. Mk. 6 44 auf Ufd. gebucht.— August E.: Bf. v. 12/6. erh. Ad. not.— Froschauer a. N.: Besorgt.— P. Mgti. Bvto.: Fr. 3 05 Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schft. erh. Bbl.„Frau":c. folgt, sobald Neuauf« läge ferttg.— Pickelhaube: Fr. 153 60(30 Doll. Papier) k Cto. erh. Angabe B.'s stimmt. Dank. Bf. f. H. kann liegen. Vztg. erhält 1 Einzel» stband. Post spedirt stband-Pakete langsamer. Alles gleichzeitig hier fort. Bstllg. abgg.— Ahasverus: Das„Organ zur Förderung der Polizeispionage und Selbstbefleckung" soll ab N.-9). jährlich Fr. 1150 kosten.— Cincinnatt Herwegh- Männerchor: Fr. 150—(Doll. 30—) Ertrag der Kommunefeier(18/3.) zu sozialist. Ägitationszwecken d. I. Weyler dkd. erh.— Rothe in H. H.; Mk. 38— Ab. 1. Qu. erh.- M. Jk. L.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— H. Sch. M.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— B I.-YI.: Mk. 200— k Cto. Ab. ic. erh.— Rothbart: Mk. 2 50 k Cto. gutgebr. K. besorgt. Hoffentl. ver- treibt er sich die Langeweile dann auch noch durch„ M i t t h u n".— Pater M.: Fr. 5 75 Ab. 3. Qu. d. W. erh.— E.H. Schaffhsn.: Fr. 5 10 f. Schft. erh.— Hansdampf: Fr. 12 35 d. H. Conto alter Rest erh. — B. Gßn.: Mk. 3 70 Ab. 2. Qu. erh.„Winke" längst vergriffen.— Fuchs: Mk. 100— i Cto. Ab. erh. Bravo f. das Husarenstück. Adr. geordnet. Laffalle's„Jtal. Krieg" nicht mehr aufzutreiben.— H. Fl. W.: 65 Cts. s. Schft. erh.— Winterthur: Fr. 24— Ab. 2. Qu. erh.— A. H. N-P.; Fr. 25315(Doll. 50—) ä Cto. Ab.»c. erh.— Gebr. Hmqs. St. Louis: Fr. 151 90(Doll. 30—) k Cto. Ab. ic. erh.— F. Rgr. Hull: Fr. 5— Ab. 2. Qu. u. Fr. 1 23 s. Schft. erh.— R. P. Atc.: öwfl. 3— Ab. 3 Qu. erh. Rest(öwfl. 1 30 pr. Wsd. dkd. verw. — Dittersbach i. Schl.: Stimmt Alles. Adr. notirt.— Zigarrenmacher Springfield: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Fr. 7 65 pr. Wahlfds dkd. erh.— Rother Hans: Mk. 45 60 u. Ggrchng. pr. Ab. April u. Mai gutgebr. Bestllg. ic. notirt.— I. V. W.: Alles bestens besorgt.— L. V. Mk.— 80 f. Schft. erh.— Gr. i. M.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. ic. erh. Gewünschtes separat.— Ed. Gg. Rvw.: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh. 2 mal 70 Pfg. pr. Usd. dkd. verw.— C. W. Dzg.: Ab.-Rest durch R. erh — Braunschweig: Mk. 40— ä Cto. Anthle. dkd. erh.— Rothbart: 350— k Cto. Ab. ic. gutg.— Ferdinand: Nachr. v. 22/6. hier. Einer beruft sich auf den Andern, daher z. Z. ohne Genaues.— Erlös aus dem Dampsmaschinenmodell von einem Russen. Fr. 115— pr. Ufd. dkd. verw.— Echwninischk 0>enogenschastsbuchdruli»r«l Hottingen-Zünch.