-de» iigen znal>! > rd- n z" Ute« igen, ;unj getnl .'gen, fere«| igle# ent1! des teils sch" -W wird te» höhe n- inep er> ichen ,e« ! bis Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerrag der Volksbuchhandlung Hottingen-Zürich. PoSsendnuge« t'onlo gegen franlo Gewöhnliche Griese nach der E ch w«> l losten Doppelporto Der MaldemKrat Aentral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schwei,er>schen Postbureauz. sowie beim Verlag und desien belannten Aqenten entgegengenommen, und zwar zum voraus zahlbare« Vierieljahrdprei» von Fr S—>Ur die Schweiz iilreuzband) Ml 8— sllr Teütschlaud(Couvert) st. l.70 sllr Oesterreich(Couvert) Fr. 2 so sllr alle übrigen Linder des Weltpostvereini(Kreuzband). Illseratt die dretgeipaltene Petitzeil« LS CtZ. � 20 Pfg. M 30 Ponnerstag, 24. Juli. Avis an die Abonnenten und Aotrefpondenlen des„Soziatdemokrat." Da der.eo.iald.molr.i- sowohl ,n Deu.schland al,.-« in 0)�» und du doritgen »«Hörden fich alle Mllh- geben, unsere»-rbmd-ng-n nach jenen Lindern möglichst zu �«wiren. r>p> nothwendi» und und unser« Zeitung», und sonstigen Speditionen nach dort-dzufangen. so ist die iust.rste Lorflcht im Poftvntthr nmpwmdi� ,!? ,chllh.n°'H-up,nf°rd-rnih ist hi.zu-iners-it«, d.t unsne Freunde so selten' st-h-ud-n Schwinigleit.n den.Sozialdnnolrai- ünseren Abonnenten möglichst V.V'lmÄ?g",u Uef«n als möglich an den.Sozialdemolra,-. resp dest.n Verlag selbst.drest.ren, sondern fich möglichst an irgend eine unverdichtt« Adreüe aullerbalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welche fich dann Mit un» l» Verbindung seht, anderjeit» aber daß auch un» möglichst unversänglich, Zustellungiadresten mitgelheilt werden. Z» ,w-l,-lhalt-n Fallen empstehlt sich behus» größerer Sich rbei« Relommandirung. Soviel an un» llegt. werden wir gewig weder Muhe»och kosten scheue» um trotz aller entgegen- N-b-nd-n Schwierialeiten den Saiialdematral-»al.--,,'....... Pell lege». ff«"' sieh« odel dem unZ enf' -Lol "& Ä At. 3lgJ stt. m N Sulh «J Dn-1 3 9« bes richl ech dbr- -A.i -Igt- Ab- dkb, m Ab' »er . Z. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Im Monat April gingen ein: Leipzig, August Mk. 16—. Dresden 17 40. Cassel 10—. Roth '®Ppe[ in der Loßnitz bei Dresden SO—. Jena 52—. Ungenannt 447 50. Striegau in Schlesien 15 90. Lausanne sFr. 1 50) 1 20 Aöhmischer Streik). K. H. P. 90 kr. 1 60.(Böhm. Streik). R. M. ®. durch R. Fischer(10 Fr.) S—.(Böhm. Streik). Kreuzlinger Gen. 2«4(Böhm. Streik). Nr. 500 1 07. Im Monat Mai und Juni gingen ein: Itzehoe 6 44. Ch. Pommer Limeira 7—. E. G. Rolde— 70. Johannes B. 2—. Lodernde Flamme 2—. Chur(Fr. 2—) 1 60 Feuerwehrsold. Eidgen. Schußgeld vom verl. Sohn(Fr. 1 80) 1 44). Meiner Sozialdemokrat 3—. 35. roth. Skatklub für die Opfer des mit «ug und Trug verlängerten Ausnahmegesetzes durch Ch. Hadlich St. Paul(Amerika)(8 Doll.) 32 40. H. u. Gen. Turin Sammelliste 322 (3 Lire 70) 7 76. E. G. Rolde— 70. Bern Erlös aus einem Loco- Aobilniaschinen-Modell d. Arb. Bl.... cher u. Techniker W.(115 Fr.) 1(2—. Bayreuth: von 10 Sozialisten 11 Dr. W. A. 4—. I. Z- St. Gallen(2 Fr.) 1 60. Im Monat Juli: .Mannheim 63 90. Antwerpen P. G.(Fr. 10—) 8—. Pfaffen- seind 674. Gr. St.(60 kr.) 1 Mk. Paris für die Parteigen, in Oester- ««ich(Fr. 50—) 40—. Crefeld 34— für die böhm. Weber. Zusammen: Mk. 932 85. l>. Im Monat Februar gingen ein: Arnstadt 47—. Verden 25—. 5g_ Brandenburg 20—. Kaufbeuren 5—. Düsseldorf 38 50. Stein bei Nürnberg 25 16. Crimmitschau 30—. Schwerin 6 70. Schwerin Dombaufond 30—. Im Monat März: Verden 50—. Im Monat April: Chemnitz Mk. 50—(einschließlich Mk. 2— von einer alten Jungfer.) Plauen i. V. 10—. Aus Fürth 20—. Königsberg 75—. Neumünster 20—. Kiel 20—. Quedlinburg 5—. R. U. Barmen 10—. Barmen 100—.„Um Humboldt'tum" 50—. Germania Barmen 6—. Mittweida 10—. Oberlungwitz 4—. Waldenburg i. Schl. A. 15—. Lausanne Arb.-Leseklub(50 Ct.) 40. Rocke ville Sekt. S. A. P.(10 Doll.) 40 52. Solingen 71—. Im Monat Mai: E. Berlin 50—. Malstadt 9 40.„Erfurt das Banner hoch!" 10—. Potsdam 15—. Minden 13 50. Elsterberg 5—.2 K. Iserlohn 15—. L. Köln 50—. Düsseldorf 12—. Mainz 70—. Wilhelmshaven„Das ist Alles" 30—. C. D. Bbg. 1 60. Glasgow ges. am 18. März) 10 Schll.) 10—. Groitzsch 5—. Liegnitz 8—. Ludwigshafen a. Rh. Fallstaff 25—. Exelsior Fr. 3—) 2 40. Freiburg i. Schl. 15 Mannheim 50—. Paris Ruf(Fk. 1—) 20 Pfg. Rathenow 3—. Im Monat Juni: Fürth 20—. Meerane 5—. Brandenburg 20—. Erfurt 10—. Darmstadt 15—. Danzig 30—. Schwerin 4 81. Köln Z. 50—. Potsdam 25—.--- 100. Brandenburg 25—. Dresden A. 70—. Reichenbach i. V. 20—. Sprem- berg 20—. Zwickau 100—, Großenhayn 20—. Ludwigshafen 10—. Augsburg 25—. St. Johann 10—. Cottbus 10—. Minden 15—. München 30—. Hagen i. W. 28—. Quedlinburg 10—. Forst i. L. 150— i Iserlohn K. 10—. Gera 20—. Oschatz 5—. Frankfurt a. O. 20—.„Erfurt das Banner hoch!" 40—. Wilhelmshaven 20—. Forchheim 50—. Braunschweig 50—. Hamburg 300—. Altenburg 50—. H. Leipzig 3 50. Zusammen: Mk. 2649 29. ist nen fft. ;ni tb e n et« mg Allgemeiner Wahlfouds. Im Monat April gingen ein: Lausanne Zlrbeiter-Leseklub(Fr. 3 10) Mk. 2 48. Paris, 2. Liste, ges. v. Cs.(Elsässer 20 Fr., Werde 5 Fr., Quivive 5 Fr., Lothringer 10 Fr., Sichtung 3 Fr., Wau 7 Fr., R... d 15 Fr., Kümmelbruder 5 Fr., a öt b 14 Fr., Jena 10 Fr., D.& Z. 6 Fr., zusammen Fr. 100— 80—. Zürich Dynamit-Heiri v. U., T., F.(25 Fr.) 20—. Neubedsord Sekt. d. Soz. Arb.-Partei(15 Doll.) 60 76. Im Monat Mai: Lausanne Arbeiter-Leseklub, gesammelt beim Stif- tungsfest(Fr. 18 10) 14 48. E. K. Mlo.(Fr. 1 50) 1 20. Philadelphia durch Fritsche ges. bei Lassalles Geburtstagsfeier(Doll. 8 25) 32 91. I I. Ky Xenia(Fr. 2 56) 2 05. Chicago durch Fr. Rammenstein(1 D.) 4 05. C. Michelau. L. Bach Chicago(3 Doll.) 12 15. St. Jmier P. G.(5 Fr.) 4—. Frisch ans Werk(1 Doll.) 4 05. Newhasen ges. durch I. Bollensänger(10 Doll.) 40 52. Königsberg i. Pr. Erlös f. d.„Untergang d. Klein-Handwerks" 2 40; Chicago von den Soz. der südw. Seite Ueberschüffe von der Kommunefeier zur Wahlschlacht(75 D.) 303 80. Im Mai: Palmyra: A. Heims(1 Doll.) 4 04.) Im Juni: Lake View. Adam u. John Rüger u. Gen. für künftige Reichstagswahl(7 Doll.) 28 36. Von H. T. Zürich„in Zukunft mehr" (Fr. 3—) 2 56. Von bösen Buben(20 Cts.)— 16. Frauenfeld (Fr. 16) 12 80. Springfield Mo. Von den Zigarrenmachern(Doll. 2 50) 10 12. Antwerpen P. G.(Fr. 10—) 8—. Von den Genossen in W. 2—. E. K. durch N. Z.(Fr. 4—) 3 20. Vesuvstock(Fr. 2) 1 60. Roth. Pfaff(Fr. 3 25) 2 60. Chicago v. d. Parteigen' durch Vahlteich (Doll. 49 38) 200—. New-Aork Soz. Arb.-Partei Nordame-ika 1. Rate (Fr. 1500—) 1200. 2. Rate(Fr. 1548 75) 1239—. Paris P. G. (Fr. 200—) 160—. Neckar 1—. I. S. Winona(1 Doll.) 4 05. Landesausschuß der deutsch. Sozialisten d. Schweiz, Zürich 1. Rate (Fr. 500—) 400—. Zusammen: Mk. 3864 34 Agitationsfonds. Im Monat April, Mai, Juni, Juli gingen ein: Zeulenroda P. Gen. 4—. St. Jmier Deutscher Ver. zu Streik zwecken(Fr. 14 30) 11 44. Excelsior(Fr. 3—) 2 40(Böhm. Streik) u.(Fr.— 85)— 68. Oldenburg/O Mk. 5—. Cincinnati v. Herwegh- Männerchor Ertrag der Kommunefeier zu soz. Agitationszwecken(30 D.) 120—. R. P. Atvo(Fr. 2 50) 2-. Vom Intel.,. A.-V. Neukirch- Egnach bei Auflösung des Vereins(Fr. 8—) 6 40. New-Aork N. N. durch H.(Fr. 5—) 4—. Neustadt bei Stolp. 5—. Von einem Schwarzen für eine AgitationsNr.— 10. Marbach Zug(Fr. 1—)— 80. Zusammen: Mk. 161 62 Antheilfonds-Quittung. Braunschweig Mk. 40—. Frankfurt a/M. 36—. Zusammen: Mk. 76 Gesammt-Ausgabe sämmtlicher Fonds ab Juni 1883— 30. Juni 1884: Mk. 15,776 59. Klassenkampf und soziale Reform. Seit Kurzem erscheint in Berlin eine von den„wildgewor- denen" Fortschrittlcrn Lenzmann und Philipps heraus gegebene Wochenschrift �Demokratis ch e Blätter" genannt. In diesem keineswegs umstürzlerischen Organ nun hieß eS jüngst u. A.: „Die Regierungen schweben nicht in dem reinen Aether göttlicher Allwissenheit; sie gehören, wie Fürst Bismarck ein- mal ganz richtig im Reichstage sagte,„auch zum Volke"; sie find auS den herrschenden Klassen entstanden und vertreten die Interessen derselben. Soziale Mißstände entstehen aber nur daraus, daß die Interessen der herrschenden mit den Interessen der beherrschten Klassen in schroffen Widerspruch gerathen, und wie soll in solchen, immer sehr schwierigen und verwickelten Streitfällen eine Regierung einen gerechten und unparteischen Entscheid fällen, während ste selbst doch eben auch nur Partei ist. Es ist so, als wenn in einem gewöhnlichen Prozesse um Mein und Dein der Verklagte dem Kläger den Mund stopfen und dann selbst entscheiden wollte, weil er, der Verklagte, die„wahren" Interessen des Klägers besser verstünde als dieser selbst. Mit dieser geborenen Un- fähigkeit der Regierungen für soziale Reformen hängt es auch innerlich zusammen, daß die zunftmäßig ab- gestempelte Gelehrsamkeit niemals in nennenSwerther Weise die sozialen Wissenschaften gefördert hat." Mit der Nutzanwendung, welche die„demokratischen Blätter" auS diesem Satze ziehen, haben wir es heute nicht zu thun, ebensowenig mit der Tendenz deS betreffenden Artikels, dem er entnommen ist, überhaupt; wir haben ihn vielmehr nur deshalb abgedruckt, weil ihm ein durchaus richtiger Gedanke zu Grunde liegt, der nicht oft genug betont werden kann. Wir meinen die Erkenntniß deS Klassenkampfes in der Gesell- schaft zwischen herrschenden und b eh errsch ten Kla s sen, und die Thatsache, daß die Regierungen nichts an- dereS find, als der Ausdruck, gewissermaßen die Geschäftsführer der herrschenden Klassen. Alle Redensarten von der„Regierung, die über den Partelen schwebt", von der„Regierung der Armen und Enterbten", von der„Regierung der sozialen Reform":c. haben lediglich den Zweck, den wahren Stand der Dinge zu bemänteln, sind nichts als Sand in die Augen Derjenigen, die nicht sehen sollen. Sie finden nur deshalb Gläubige, weil die große Masse fich über- Haupt leicht von dem Schein täuschen läßt, aus Treu und Glauben die Form für den Inhalt hinnimmt. Rein äußerlich betrachtet, hat es— namentlich in monarchischen Staaten—soft den Anschein, als schwebten die Regierungen in der That in dem reinen Aether absoluter Partetlostgkeit. Kommt eS doch nicht selten vor, daß sich die Opposition gerade auS den herrschenden Klassen rekrutirt. Sieht man aber näher zu, so wird man bald gewahr, daß e« fich in solchen Fällen immer nur um einen häuslichen Zwist innerhalb den herrschmden Klassen handelt, daß die Beherrschten, die Armen und Enterbten, auS Parteizwecken von den Einen gegen die Andern in'« Feld geführt werden. Sobald dieselben aber Miene machen, selbständig für ihre Sache einzutreten, finden sich die feindlichen Brüder sofort zusammen, und als gute Diener des Staates find die Regierungen schnell bei der Hand, die staatsgefährlichen Elemente mit Gewalt niederzudrücken. Aber sehen wir nicht oft genug Regierungen und herrschende Klassen oder wenigsten« weite Kreise der herrschenden Klassen auS voller Ueberzeugung für soziale Reformen eintreten? Ganz gewiß; aber ersten« find Reformen und Reformen zweierlei, und zweitens liegen gewisse soziale„Reformen" sehr häufig im wohlverstandenen Interesse eben der herrschenden Klassen selbst. ES liegt in ihrem Interesse, daß der Klassen- kämpf keine akute, keine schroffe Form annimmt, daß sich die große Masse der Beherrschten und Ausgebeuteten deS Interessen- gegensatzeS nicht recht bewußt werde, und oft treten zu diesen sozialpolitischen Erwägungen noch gewichtige Momente hinzu, welche Aenderungen in der sozialen Verfassung auch auS rein materiellen Gründen gerade den besitzenden, den herrschenden Klassen wünschenSwerth erscheinen lassen. Die soziale Verfassung findet ihre eigentliche Begründung in letzter Instanz in den wirthschaftlichen, den ProduktionS« Verhältnissen. Nun bleiben diese aber nicht stabil, sondern ver« ändern, entwickeln fich im Schooße der Gesellschaft selbst, ohne daß der revolutionäre Charakter dieser Entwicklung derselben sofort zum Bewußtsein kommt. Erst allmälig wird das Mißverhältniß fühlbarer, und Der wird natürlich am besten fahren, der am schnellsten dem neuen Stand der Dinge Rechnung zu tragen weiß, fich am ehesten mit ihnen abzufinden versteht. Ein drastisches Beispiel für diese Art sozialer Reformen finden wir in Eugen Jäger'S„Agrarftage" beim Kapitel: Aufhebung der Leibeigenschaft in Deutschland, und speziell in Schleswig- Holstein. Herr Jäger ist ja auch ein„Sozialreformer", und wir werden gleich sehen, welch wunderbarer Heiliger er oben- drein ist. Da erzählt er un» nämlich des Ausführlichsten, wie sehr die Leibeigenschaft die Bauern demoralistrt hatte, und wie infolge- dessen die Gutsherren bei derselben in keiner Weise auf die Kosten kamen. Da ist denn eines Tage« ein Graf Rantzau beim Sinnen auf Mittel zur Abhülfe auf den schlauen Einfall gekommen,„die in den Leibeignen erstorbene Regung de» Eigen« nutzes dadurch neu zu beleben, daß sie künftig nicht mehr blos zum Vortheil de» Herrn, sondern auch ihrer selbst arbeiten sollten." Gedacht, gethan. Gras Rantzau machte im Jahre 1739 mit einem ganz schlechten Stück Land den Ver» such, e» gegen mäßigenZinS einem freigesprochenen Bauer in Erbpacht zu geben, und stehe da, da« Resultat war so glänzend, daß der Herr Graf dem einen Beispiel immer mehr folgen ließ und 27 Jahre später seinen StandeSgenosscn in einem Rundschreiben berichten konnte, daß er jetzt„erheblich mehr als früher einnehme" rc. rc. Sein Beispiel fand Nachahmer, und auch diese erzielten ähnliche Resultate. So wurde von 1765 bis 1787 auf den meisten königlichen Domänen die Leib- eigenschaft durch die Erbpacht ersetzt, wa» den Ertrag derselben um fast fünfzig Prozent, nämlich 42,649 Thaler vermehrte.""') Hier stellt sich also die soziale Reform der„Aufhebung der Leibeigenschaft" als die Frucht eines reinen RechenepempelS heraus. Da» hindert indeß Freund Jäger nicht, schließlich be- geistert auszurufen: Ehre und Ruhm daher der Ritter» schaft Schleswig-HolsteinS!" Nicht wahr, ein wunderbarer Heiliger? Eine ganze Reihe von Reformen, von denen in der Geschichte zu Gunsten gewißer„Reformatoren" großes Aufheben gemacht wird, lösen sich bei näherer Untersuchung in ähnliche sehr wohl- berechnete, keineswegs aber auS purer Menschenliebe oder dem „Zeitgeist", dem„Fortschritt" und ähnlichen nebelhaften Vor- stellungen zu Liebe eingeführte Maßregeln zur Verbesserung der Lage der— herrschenden Klassen aus. Andere entspringen an- deren Motiven. So der Rivalität unter den herrschenden Klassen, wie die Fabrikgesetzgebung in England und Oesterreich, die Er- Weiterung deS Wahlrechte» in ebendenselben Ländern ,c.«. ES wäre nun abgeschmackt, leugnen zu wollen, daß eine ganze Reihe dieser Reformen nicht in der That auch den be- herrschten Klassen zu Gute gekommen seien, bei manchen ließe sich allerdings noch darüber streiten; aber nicht darum handelt eS sich hier. EL gilt vielmehr, festzustellen, daß die herrschenden Klassen und ihre Geschäftsführer, die Regierungen, nur insoweit Reformen durchführen, alS dieselben ihren Interessen dienen oder— im günstigsten Falle— ihren Interessen nicht wider- sprechen. WaS sonst im Interesse der beherrschten Klassen, d. h. der großen Masse der Bevölkerung oder, um den landesüblichen Ausdruck dafür anzuwenden, deS arbeitenden Volke» ge- schehen ist, hat noch stetS dessen natürlichen Widersachern, seinen Ausbeutern und Unterdrückern abgerungen werden müssen, oft im heißen Kampfe. Wie„soziale Reformen" aussehen, welche die herrschenden Klassen gutwillig— wir wollen nicht so boshaft sein und frei- willig sagen— zugestehen, zeigt da» neue Kranken- und Unfall« Versicherungsgesetz. Mit solchem Humbug bildet man sich ein, eine zum Bewußtsein ihrer Interessen gelangte Arbeiterschaft abwiegeln zu können l Und wohlgemerkt. ES hat Reformen gegeben, die wie ge- .agt, den Einen nützten, ohne die Andern zu beeinträchtigen. Von solchen kann aber heute nicht mehr die Rede sein. In wirthschaftlicher Beziehung haben sich die Dinge vielmehr so zugespitzt, daß ein Uebergang zu einer anderm Produktionsweise *) Vergleiche E. Jäger, Die Agrarfrage der Gegenwart. 2. Abth., 28 und ff. nicht mehr ein Retten, sondern ein Verschwinden der Aus- bcuterklasse bedeutet Die bürgerliche Entwicklung der Produktion hat das Ausbeutungssystem in seiner reinsten, nacktesten Gestalt zum Durchbruch, es an den Punkt gebracht, wo weiterentwickeln aufheben, resormiren in der That rev olutioni ren heißt. Dazu wirdund kann sich die Ausbeuterklasse nicht gutwillig verstehen und ebensowenig die sie repräseutirende Regierung. All ihr Reformwerk wird daher nur jämmerliches Flickwerk bleiben, und bezeichnender- weise will man sogar von der einzigen Maßregel, die wenigstens für eine Zeil von Ruhen sein könnte: von einer wirksamen Ver- türjung des Arbeitstages, absolut nichts wissen. Man fühlt in den herrschenden Kreisen, daß eine Arbeiterklasse, die nur 8 Stunden tag- lich arbeitet, nicht zu„bändigen", nicht zu beherrschen ist. Ihr Klasscninteresse erfordert aber ein beherrschtes Proletariat, wie daS Klasseninteresse des Proletariats heute Rcduzirung des Arbeitstages und Erweiterung der politischen Rechte erheischt. Und an diesem Gegensatz der Klasseninteressen wird und muß muß unter den heutigen Verhältnissen jede ernsthafte Sozial- reform scheitern. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. Juli 1884. — Die Nationalitätenverhetzer haben vergangene Woche wieder einmal ihr schmutziges Handwerk nach Herzenslust betrieben. Ver- anlassung bot ihnen ein Dummerjungenstreich einiger französischer Bourgeoissöhnchen, die am Nationalfest— der Feier des Bastillesturms — an einigen deutschen Fahnen und einen im wollenen„Jäger"kostüm, d. h. so ausfällig als nur möglich gekleideten unglückseligen Theologen, der unter sie gerathen, ihren„Patriotismus" ausließen. � Kein vernünftiger Mensch hat in Paris diese Lümmel ernst genommen, fast die ge- sanrmte Presse, die Arbeiterpresse voran, hat sie mit Hohn und Spott überschüttet— das hat aber die nationalliberale deutsche Presse nicht gehindert, sofort ein Geschrei anzustimmen, als seien die paar elsaß- lothringischen Vereine und die„Liga der Patrioten" das französische Volk, und gegen dieses aus Leibeskräften zu hetzen. Das Kölnische Ober- reptil und die Berliner„Nationalzeitung" rasselten mit dem Säbel, daß es nur eine Art hatte. „Wie denkt sich wohl Herr Jules Ferry den Fall", schrieb das Welt- blatt vom Rhein",„wenn wir snatürlich sind die Herren in Köln und ihre Reporter in Paris Deutschland— eine schöne Gegend!) den Chinesen einige Liebenswürdigkeiten erwiesen? Die Himmlischen haben uns noch nie Fahnen zerrissen, bauen Schiffs bei uns und sind bei uns sehr wohl gelitten: wenn wir uns nun mit den Chinesen etwas freund- licher stellten, wie will Herr Ferry es dann verantworten, ferner auch nur einen Mann nach Tongking zu schicken? Uns würde das gar nichts kosten, und Frankreich würde es sehr wehe thun. Dann hätten wir noch eine sehr schöne Gelegenheit aus der Londoner Konferenz, auf der wir den Franzosen das Leben recht sauer machen könnten, ohne daß es uns etwas kostete. Den Dank des Herrn Gladstone bekämen wir noch oben- drein. Oder aber wenn wir unsere Anschauungen über die Cholera- Quarantäne änderten? Es ist wahrscheinlich, daß wir das Alles nicht thun werden, aber man wird jedenfalls zugeben, daß wir es thun könnten und daß wir(die Reptile in Köln, Paris rc. selbstverständlich) unendlich langmüthige Menschen sind, da wir es nicht thun" Das Berliner Professorenblatt deduzirte aus dem Vorkommniß die Nothwendigkeit, alle Forderungen für den Kriegsmoloch unbesehen zu bewilligen— mit einem Wort, diese„unabhängige" Presse besorgte Bis- marck's Geschäfte so gut, daß dieser in seinen offiziellen Preßorganen den ruhigen, objektiven Beobachter spielen und der Welt einen neuen Beweis von seiner„Mäßigkeit" geben konnte. Die Sache liegt nämlich so, daß Bismarck zur Zeit mit Frankreich gegen England gemeinsame Sache macht— sei es auch nur im Interesse der bedrohten egyptischen Bond- holder. Es wäre in der That zu schlimm, wenn die armen Besitzer ägyptischer Staatspapiere eine weitere Zinsreduktion über sich ergehen lassen müßten, sind es doch lediglich arme Handwerker, Proletarier zc., welche ihre Ersparnisse in unifizirten Bonds und dergleichen anzulegen pflegen! Beiläufig hat es uns eigenthümlich berührt, daß selbst Blätter, welche über den Charakter der„Kölnischen Zeitung" vollkommen im Klaren sind, wie z. B. die„Berliner Volkszeitung", die doch vor einiger Zeit ganz vortrefflich das System der Kölnischen bloszulegen wußte, die chauvinistischen Berichte derselben auf Treue und Glauben abdruckten. Wir erwähnen dieser Thatsache, weil es nicht das erste Mal ist, daß wir diese Erscheinung beobachtet. Um zur Sache selbst zurückzukommen, so wollen wir noch einmal fest- stellen, daß es vorzugsweise Mitglieder der„besseren" Gesellschaft waren, die das lächerliche Heldenstück, das so viel Staub ausgewirbelt, verübten— etwa dieselben Elemente, aus denen sich in Deutschland die Treitschke'schen Knüppelgarden rekrutiren. Der Patriotismus, Nation«- lismus ic. muß hier wie dort als Deckmantel für Gedanken- und Gesinnungslosigkeit, als Hebel des erbärmlichsten Streberthums her- halten! — Was der Stellmacher'sche Prozeß im Dunkeln ließ, das ist jetzt durch das Geständniß der Hauptbetheiligte» klar und über jeden Zweifel hinaus festgestellt worden: die R a u b m o r d e in Wien, Stuttgart und Straßburg sind von Kanimerer und Stellmacher verübt worden, und zwar in der Absicht, ihrer sogenannten„Partei" einen Nutzen zu verschaffen. Wir haben kein Recht, den beiden Raubmördern den mildernden Um- stand dieses Motivs zu verweigern, welches sie über das Niveau des ausschließlich von gemeinen persönlichen Motiven geleiteten Raub- mordes erhebt. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch sagen, daß dieses höhere Motiv ihnen nur zugesprochen werden kann, indem man ihnen gleichzeitig die geistige Zurechnungsfähigkeit abspricht. Ein Mensch, der da annimmt, die Zwecke einer aus Verwirklichung der höchsten Mensch- heitsideale gerichteten Partei(und das soll doch nach den Angaben ihrer Bekenner die sogenannte anarchistische Partei sein) könnten dadurch ge- fördert werden, daß man wildfremde Ntitmenschen, die dem Parteileben vollständig fernstehen, todtschlägt und ihre Kassen ausraubt, kann un- möglich im Vollbesitz geistiger Fähigkeiten sein. Die Ermordung eines H l U b e ck, eines B l ö ch läßt sich noch als politisches Verbrechen erklären, obgleich ein denkender Kopf sich jedenfalls nicht an ein paar obskure Werkzeuge gehalten hätte, wenn er die Polizei treffen wollte. Immerhin waren es zwei Beamte, die durch ihre Thätig- keit politischen Haß erregt hatten. Allein was hatten die beiden Bankiers von Wien und Stuttgart, was hatte der unglückliche Apotheker von Straßburg gethan, um politische Leidenschaften zu erwecken? Und was konnte ihr Tod der Partei der Raubmörder nützen? Nichts, absolut nichts! In Bezug auf letzteren Punkt könnte man einwenden: die„Partei" brauchte Geld, und durch jene Raubmorde wurde es beschafft— dieselben waren also von Nutzen für die Partei. Aber kann denn so gewonnenes Geld für die Partei von Nutzen sein? Würde nicht ein denkender Kopf sofort berechnen, daß der Vortheil, welcher aus dem Besitz des geraubten Geldes erwächst, millionenfach durch die N a ch t h e i l e ausgewogen werden, welche die Art der Gewin- n u n g des Geldes für die Partei haben muh? Kann es für einen denkenden Kops auch nur einen Augenblick zweifelhaft sein, daß durch solche Handlungen nicht blos die herrschenden und besitzenden Klassen, sondern auch die V o l k s m a s s e n, aus deren Sympathie und Unter- stützung die„Partei" doch angewiesen ist, auf's Aeußerste erbittert und enipört werden müssen, und daß diese Gefühle der Erbitterung und Empörung mit Nothwendigkeit aus die„Partei" übertragen werden müssen, in deren Namen solche Handlungen begangen werden? Wie wir schon vor zwei oder dritthalb Jahren anläßlich der M e r- st allinger- Affaire schrieben, wird durch derartige Verbrechen geradezu die V o l k s j u st i z herausgefordert, und zwar dergestalt, daß, falls sie sich wiederholen, ein Jeder, der mit diesen Handlungen in direkte oder indirekte Beziehung gebracht wird, in Gefahr schwebt, g e- lyncht zu werden! Ein denkender Kopf würde, falls ihm der Gedanke an ein solches Verbrechen im Interesse der„Partei" durch den Kopf schösse, sich sofort erinnern, daß die gewissenlosen Feinde der Volkssache diese sehr oft dadurch zu diskreditiren versucht haben, daß sie den betreffenden Parteien Verbrechen dieser Art an die Rockschößen hängten; und er wird sich ferner erinnern, daß diese Taktik den Feinden der Volkssache stets gelungen ist. Von„Moral" wollen wir nicht reden. Die„Moral" hat eine wächserne Nase und Jeder dreht ihr nach Belieben eine Nase. Aber wer sich nicht außerhalb der Menschheit und Menschlichkeit stellen will, hat gewiffe Regeln der Gesittung— um nicht zu sagen, der Sittlichkeit— zu beobachten, und unter diesen Regeln ist die oberste die der Achtung des Menschenlebens. Wir erkennen nicht einmal dem Staat das Recht zu, Menschenleben zu opfern, und wie könnten wir jedem Individuum ein solches Recht zuerkennen? Nur eine Ausnahme gibt es: das Recht der Nothwehr, wo es gilt, an- griffenes Menschenleben und angegriffene Menschenwürde zu vertheidigen. Das Recht der Nothwehr(welches selbst vom gemeinen S.tras- g e s e tz b u ch anerkannt wird) auf das politische Gebiet übertragen, ist Rechtfertigung des politischen Mordes(Tyrannenmord ic.), den die größten Dichter und Denker aller Völker verHerr- licht haben. Und wenn nicht zu rechtserttgen, so doch zu entschuldigen ist der Mord aus Räch e, vorausgesetzt daß die Schwere der zu sühnenden Handlung zu der Schwere der Sühne im Verhältniß steht. Der englische Schmied W a t T y l e r, welcher den frechen Beleidiger seiner Tochter erschlägt und die Fahne des Aufruhrs entrollt, ist vom Volk gefeiert worden; und der Ehegatte, welcher den Verführer seiner Frau tödtet, wird noch heute von Schwurgerichten meist freigesprochen. Was aber haben die zwei Bankiers von Wien und Stuttgart, was hat der Apotheker von Straßburg gethan, um die politische Partei zum äußersten Akte der Nothwehr oder der Rache zu veranlassen? Genug! Wir mögen das Handeln der Kammerer und Stellmacher noch so vorurtheilslos betrachten, uns noch so sehr bemühen, Gründe der Recht- fertigung oder Entschuldigung zu finden— dies ist einfach unmöglich, und zu Gunsten der Raubmörder können wir nichts Anderes anführen, als daß sie nicht zurechnungsfähig waren. Und Mangel an Zurechnungsfähigkeit wollen wir gerne auch den traurigen Gesellen(wenigstens einem Theile derselben) zuge- stehen, die durch ihre blutrünstigen Rinaldo Rinaldini-Phrasen die Stell- macher und Kammerer zu Raubmördern gemacht haben, jedoch mit dem Unterschied, daß uns die Achtung, welche wir dem Muth der That, und selbst der verbrecherischen That, zu zollen genöthigt sind, diesen feigen Zungendreschern gegenüber durch das Gefühl der tiefsten Ver- a ch t u n g abgelöst wird. Wichtiger als diese psychologischen Erwägungen ist für uns die politische Tragweite der Geständnisse Stellmacher's und Kammerer's. Hier liegt die Sache so klar, daß wir uns ganz kurz fassen können. Durch das schmachvolle Verfahren der Behörden zur Wuth aufgestachelt und durch die Unmöglichkeit, auf gesetzlichem Wege sich Recht zu ver- schaffen, zur Verzweiflung getrieben, hat ein großer Theil der österreichi- schen Arbeiter an den anarchistischen Phrasen Gefallen gefunden und der Sozialdemokratie, die zu gewissenhaft war, den Leidenschaften zu schmeicheln, den Rücken gekehrt. Die Geständnisse Stellmacher's und Kammerer's haben die Situation mit einem Male geändert. Räubmörder sind die österreichischen Arbeiter so wenig wie die deutschen; und den Raubmord halten sie so wenig wie die deutschen Ar- beiter für eine revolutionäre That. Sie werden sich mit Ekel von einer„Partei" abwenden, die, unfähig, das Volk zu einer Revolution zu organisiren, nichts Anderes fertig ge- bracht hat, als ein paar geistig vernachlässigte Menschen zu Raub- Mördern zu dressiren. Nach den Geständnissen Stellmacher's und Kammerer's kann von einer anarchistischen„Partei" in Oesterreich nicht mehr die Rede sein. — Aus Berlin ist wieder ein Genosse, der Tischler W. Grothe, ausgewiesen worden. Vor den Wahlen wird sich dies noch oft wiederholen, und je näher die Wahlen kommen, desto toller wird's die Polizei treiben. Abgesehen von ihrer natürlichen Bruta- lität treibt sie dabei einen doppelten Zweck: einmal für ihre antisemitisch- agrarisch-polizei- und pfaffensozialistischen Schützlinge Lust zu machen, und womöglich einem derselben zum Sieg über die Fortschrittspartei zu ver- Helsen. Und zweitens hat die Polizei auch lebhaftes Interesse daran, Krawalle zu provoziren. Für Junker Bismarck sind die nächsten Wahlen von ungewöhnlicher, wahrscheinlich entscheidender Bedeutung. Es sind aller Voraussicht nach die letzten Wahlen, welche unter dem alten Kaiser vorgenommen werden, der seinem treuen Otto bekanntlich carte blanche gegeben hat. Fallen die nächsten Wahlen zu Gunsten des Junkers Bismarck aus, so kann dieser bei eintretendem Thronwechsel auf die Thatsache pochen, daß er die Nation hinter sich hat, und seine Hausmeierstelle wird ihm nicht leicht genommen werden können. Fallen die Wahlen aber der Mehrheit nach oppositionell aus, so wird es, bei eintretendem Thronwechsel, dem Junker Bismarck nicht leicht werden, seinen Hausmeierposten zu behaupten. Der Mythus vom„liberalen Kronprinzen ist zwar eine Kinderei— und beiläufig eine Kinderei, die der Fortschrittspartei recht schlecht bekommen ist— immerhin ist für Junker Bismarck auf„unfern Fritz", der ein ziemlich mißtrauischer Mann ist, kein so felsenfester Verlaß wie auf den heldenkaiserlichen Vater, und da muß denn Alles drangesetzt werden, daß die Wahlen gut verlaufen. Von der Rolle, die das„rothe Gespenst" bei den politischen Haupt- und Staatsaktionen des Junkers Bismarck zu spielen hat, war in diesem Blatte schon öfters die Rede. Die neuerlichen Versuche, mit diesem nütz- lichen Regierungsmittel zu manipuliren, sind nicht recht gelungen. Aus dem Niederwald-Attentat läßt sich, trotz übermenschlicher Anstrengungen, kein genügendes Kapital schlagen, weil der Polizeicharakter des Arran- geurs eben gar zu notorisch ist; noch kläglicher oder lächerlicher sind die übrigen Attentate, mit denen das Publikum seit Beginn der sauren Gurkenzeit regalirt wird; und da der„eiserne Kanzler" nicht leicht von einem Vorsatz abzubringen ist und ja auch über das nöthige Kleingeld— der deutschen Steuerzahler verfügt, so müssen wir aus allerhand Ueberraschungen gefaßt sein. Das„rothe Gespenst" m u ß eben in Requisiion gesetzt werden, und geht's nicht mit Attentaten, so geht's vielleicht mit Putschen, Krawallen und Aufruhr. Wie leicht ist ein„Aufruhr" gemacht! Wir sahen es neulich bei dem Altonaer Prozeß gegen die„Aufrührer" von Friedrichsruh. Man geht gemüthlich spazieren, wird von einem ungehobelten Polizisten angerempelt, läßt sich das nicht gefallen, und ist ein„Aufrührer", nach Ansicht der Staatsanwaltschaft und Polizei. Im Friedrichsruher Fall waren die Geschwornen zum Glück der Angeklagten nicht gleicher Meinung wie Staatsanwalt und Polizei, sonst wären die „Ausrührer" schlecht weggekommen. Ein andermal sind die Geschwornen vielleicht nicht so vernünftig; und für die Polizei ist es doch eine Klei- nigkeit, jeden Moment einen Aufruhr ä la Friedrichsruh in zehnmal, hundertmal vergrößerter Auflage herzustellen. Genug— Bismarck braucht das„rothe Gespenst" und— wir dürfen dessen gewiß sein— auf die eine oder andere Weise wird man versuchen, es heraufzubeschwören. Das Hauptversuchsfeld wird aber allem Vermuthen nach Berlin sein. — Die Ausweisungen häufen sich. Auch der Vorsitzende des Arbuter-Bezirksuereins des Westens von Berlin, der Zigarren- Händler Otto E i t n e r, hat den berühmten Rt a d a i'schen Liebesbrief erhalten. Es liegt unzweifelhaft S y st e m in diesem Vorgehen. Weder Grothe noch E i t n e r haben sich besonderer, zur Verfolgung Anlaß gebender Handlungen schuldig gemacht, sie haben gethan, was Hunderte, Tausends von Arbeitern in Berlin thun, sie haben an Arbeiterversamm- lungen, an Arbeiterorganisationen Antheil genommen— Dinge, die, wenn sie eine Ausweisung rechtfertigen würden, ihnen und Anderen schon seit mehr als Jahresfrist eine solche hätten zuziehen müssen. Aber es handelt sich nicht um Ahndung irgend einer strafbaren— wenn auch nur nach preuhisch-polizeilichen Begriffen strafbaren— Handlung, sondern nur darum, den Arbeitern Berlins immer wieder zu zeigen, daß über jeden von ihnen das Henkerbeil polizeilicher Willkür schwebt. Wie die Erziehungskunst einer gewissen Sorte von Pädagoge» lediglich in Erregung von Furcht vor der Ruthe besteht, so soll bestän- dige Furcht das politische Erziehungsmittel der Arbeiter sein. Jndeß sind die Arbeiter keine Kinder, und wenn sie in gewöhnlichen Zeiten der polizeilichen Ruthe spotten, so wissen sie doch die Gemeinheit, die in der Anwendung solcher Kampsmittel ihnen gegenüber liegt, voll und ganz zu würdigen und werden, deß mögen die Madai und Konsorten sicher sein, nicht ermangeln, im gegebenen Moment auf all' die Unbill, die ihnen widerfahren, die gebührende Antwort zu ertheilen. Wer Wind säet, wird Sturm ernten; wer Willkür schalten und walten läßt, hat sich nicht zu beklagen, wenn ihm eines Tages Lynch' j u st i z antwortet! — Ein Opfer der deutschen Ju st iz. Unter den deutschen Gerichten, die sich durch servile Liebedienerei gegen die Gewalthaber besonders auszeichnen, steht in erster Linie das H annover'sche Landgericht, von dessen Thaten, verübt gegen Mitglieder der Sozialdemokratie und gegen„Welsen", wir schon wiederholt zu berichten hatten. Jetzt haben wir ein neues Schandstückchen mitzutheilen, dem der Stempel der Tragik ausgedrückt worden ist, indem es ein hoffnungs- volles Menschenleben gekostet hat. Genosse Bogler in Hannover wurde vor einiger Zeit unter dem Verdacht der Verbreitung des„Sozialdemokrat" in Untersuchungshast genommen; die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und am 25. Juni fand die Gerichtsverhandlung statt. Das Landgericht verurtheilte Vogler zu einer Gefängnißstrafe von sieben Monaten— ein Strafmaß, das bisher für dieses k ü n st l i ch e Verbrechen, das in den Augen keines anständigen und verständigen Menschen überhaupt ein Ver- brechen ist, selbst in Deutschland unerhört war. Vogler, der während der Verhandlung äußerlich wenigstens seinen Gleichmuth bewahrt hatte, nahm das Urtheil mit scheinbarer Ruhe hin; allein in der Einsamkeit der Gesängnißzelle muß es arg an ihm genagt haben— genug, die Aussicht aus die endlose Haft und das zerstörte Familienglück war zu viel für ihn; Sonntag, denk. Juli, elf Tage nach dem schmachvollen, durch gemeine Servilität und Bosheit diktirten Urtheil, fand ihn der G e f än g ni ß w ä r t e r des Morgens er- hängt in der Zelle vor. Wir bahren den Todten in unserem Gedächtnisse auf und werden nicht verfehlen, zu gelegener Zeit die Leiche des Gemordeten seinen Mördern und deren Helfershelfern unter die Augen zu halten wie weiland 1848 das Volk von Paris und Berlin seine Todten aus- bahrte und das Werk der Nemesis verrichten ließ. Des Gemordeten, schrieben wir. Und ist das nicht Mord, richtiger Mord im schlimmsten Sinne des Wortes, wenn sieben Menschen kalten Blutes einen Mitmenschen, weil dieser, seiner ehrlichen Ueberzeugung folgend, eine an sich verdienstvolle, den sieben Männern aber nicht gefallende Handlung begangen hat— in eine so verzweislungsvolle Lage und Stimmung bringen, daß der Unglückliche Hand an das eigene Leben legt? Ob der Mord direkt oder i n d i- rekt verübt worden ist, das bleibt sich für die moralische Schuldfrage ganz gleich. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß vor dritthalb Jahren in Dresden, während des dortigen Schreckensregiments, Genosse Büngert in ähnlicher Weise indirekt ermordet worden ist. Wir vergessen unsere Todten nicht! —„Und häng' ein Kalbfell um die schnöden Glie- der!" Das Verhalten der„oberen Zehntausend" gegenüber der Cholera zeigt wieder einmal recht deutlich die jammerlose Haltlosigkeit dieser „guten" Gesellschaft. Wir verlangen von Nieinand, daß er sich aus puren« Heldenmuth der Gefahr aussetzt, dieser Seuche zum Opfer zu fallen, wir begreifen und dilligen es selbstverständlich, wenn alle Maßregeln er- griffen werden, Individuen und Gemeinschaften vor denselben zu schützen, ja wir verstehen es sogar, wenn besonders ängstliche Naturen einen Ort, wo die Cholera ausgebrochen meiden oder fliehen— aber die Panik, welche die„oberen Zehntausend"— dieselben Kreise, in denen der Pessimismus, die Philosophie der Weltverachtung grassirt, wo man über den materialistischen Geist der Zeit h e u l m e i e r t, und sich zum Spiritualismus, Spiritis- m u s und ähnlichen geistigen Erbauungs-„Jsmen" bekennt— die Panik, welche die„fromme Bourgeoisie für ihr irdisches Dasein zur Schau trägt, übersteigt noch das Kriterium der Lächerlichkeit und ver- trägt nur eine Bezeichnung: verächtlich. Man lese nur die Berichte aus den Ortschaften, wo sonst im Sommer die Herrschaften sich von den Strapazen des Winters zu erholen pflegen! Ueberall erwartet sie doch in den vornehmen Hotels der größte Komfort; was die Wissenschaft an Schutzmitteln gegen Cholera und sonstige Infektionskrankheiten bis- her ermittelt, steht ihnen im ausreichendsten Maße zur Verfügung, aber Alles das genügt ihnen nicht: jeder Ort, wo nur eine entfernte Mög- lichkeit gegeben ist, daß nian— beileibe nicht etwa angesteckt sonder» nur von Cholerakranken etwas hören könnte, ist verfehmt, wird peinlichst gemieden, und wäre er ein Paradies auf Erden. So wird z. B. dem„Wiener Tageblatt" aus L u g a n o, im schweizerische» Kanton T e s s i n, geschrieben: „Hier ist zur Zeit nicht ein Fremder! Alles geflohen, Niemand komim her! Die Dampfboote aus unserem See haben Winterkurs, weil Nie- mand außer uns Einwohnern fährt. Am L a g o M a g g i o r e ist es auch so." Einem Briefe aus L u z e r n entnimmt dasselbe Blatt: „Der Fremdenverkehr ist aus Null gesunken. Ich bitte, das wörtlich zu nehmen. Es ist kein Fremder hier. Alle Geschäfte liegen darnieder, die ganze Saison ist verloren. Diejenigen„hohen Herrschasten", welche am Vierwaldstättersee sitzen, waren schon vor Ausbruch der Cholera ge- kommen, so beispielsweise im„Hotel Axensels" bei Brunnen die Herzogin von Schleswig-Holstein, die Schwiegermutter des Prinzen Wilhelm vo» Preußen— die Zugvögel aber, die das meiste Geld hereinbrachten, sind alle ausgeblieben, wie mit einem Schlage. Cholera! Cholera!" Und die Berliner„Volkszeitung" schreibt: „Eine babylonische Verwirrung herrscht jetzt unter den Touristen. Dio fünftägige Quarantäne an der italienischen Grenze sperrt ihnen Ober- Italien, und die Wenigsten wissen, daß der Weg durch Oesterreich übet Verona noch frei ist. Alles wendet sich nun nach Tyrol, von wo be- reits eine Rückfluth beginnt, weil die Hitze dort nicht zum Ertragen ist- Die Nord- und auch die Ostseebäder profitiren davon, denn die Flüch- tigen retiriren meist an die Meeresküste. Zu Passe kommt hierbei die neue Einrichtung der vierwöchentlichen Saisonbillets nach den Nordsee- bädern, welche eben jetzt in Wirksamkeit tritt. Das Cholera- g e s p e n st schädigt die Geschäftswelt aller Orten enorm." Das Cholera g e s p e n st— das ist der richtige Ausdruck. Das Ge- spenst! Und nicht etwa nur bildlich genommen, nein, auch in seiner — wie sagen wir doch gleich!— materiellsten Bedeutung. Wer unsere gebildete Gesellschaft nicht kennt, hat keine Ahnung, wie viel Aberglauben in derselben noch herrscht. Deutschlands großer Staats- mann, von dem Busch'chen in dieser Beziehung so Manches ausplaudert, und dessen Vorliebe für Krähenherzen bekannt ist, macht keineswegs eine besondere Ausnahme: uns ist z. B. bekannt, daß ein hervorragender deutscher Kriminalist, Parteiführer und Parlament«- rier ersten Ranges, den Krankheit seit einiger Zeit der öffentlichen Thätigkeit entzogen, jüngst eine„ S y m p a t h i e- K u r" an sich voll- ziehen ließ. Warum sollte er auch nicht? Haben sich doch auch Philo- sophen gefunden, die den„Wundern" des S o m n a in b u l i s m u s eine wissenschaftliche Grundlage zu geben wußten und gelassen den Satz aussprachen; daß„ein ungebildeter Mensch, d. h. ein Mensch, der vom Bau des Körpers, von der Funktion der verschiedenen Organe absolut nichts weih, iin magnetischen Schlafe von Diagnose(Er- kennung der Krankheit) und Therapie(Heilmethode) mehr versteht, als ein hochgebildeter Arzt im Wachen." Gespensterfurcht— ja, die Angst vor dem Tod verfolgt sie wie der schwarze Reiter der Fabel. Wie weit ihre abergläubische Furcht geht, mag an einem Beispiel gezeigt werden. Im vorigen Hochsommer verunglückte in Graubünden ein junger Franzose bei einer Gletscherpartie; man brachte ihn als Leiche in sein Hotel zurück. Hier konnte von A n st e ck u n g doch keine Rede sein, aber nichtsdestoweniger reiste sofort mehr als die Hälfte aller Gäste des be< treffenden Hotels ab— sie wollten von Tod und Sterben nichts wissen. der» über kür oge» dän- rdeß :ite» it, voll rte» bill, und �ch- che» ober che der hten der Und sicherlich war kein einziger unter ihnen Atheist— sie waren alle Nite Gottesgläubige. Aber doch scheuten sie entsetzt vor dem Gedanken Pirück, in„seine Herrlichkeit" eingehen zu müssen, sie trauen dieser Herrlichkeit nicht, und wollen aber auch nicht glauben, daß, wenn shr Herz zu schlagen— bester ihr Magen zu verdauen ausgehört, es mit ' h r e r Herrlichkeit sür immer aus sein. Haltlos wie ihre Religion, s°agen sie es nicht, dem Tode in's Antlitz zu sehen, und bieten den An- blick des jämmerlichsten Feiglings, auf den je das Wort des Shakespeare- Ichen Bastards paßte, das wir unserer Notiz vorangestellt: »Und häng' ein Kalbfell um die schnöden Glieder!" — Gin Brief E l i s 6 e R e c l u s Wir hatten vorstehende Notiz bereits geschrieben, als uns folgender Brief des berühmten Geographen jU Gesicht kommt, den derselbe an einen seiner Freunde, einen Ein- jjohner von Marseille gerichtet hat, und welchem wir voll und ganz zu- TOmnen: „ C l a r e n s, 8. Juli 1884. Mein ausgezeichneter Freund! „Es ist ein wahrer Jammer, die Zeitungen zu lesen. Ich bin derartig angeekelt, daß ich das Bedürfniß fühle, mich meinen Freun- den gegenüber auszulassen."-- „Diese Feigheit der Menschheit gegenüber einer Krankheit, die doch gar nicht so schrecklich ist, dieser Mangel an Haltung, an Achtung vor der Menschheit gegenüber einem Waggon, der eine ver- dächtige Mikrobe enthalten könnte, diese Grausamkett, mit der man sich die unglücklichen(von der Furcht) Besessenen von Stadt zu Stadt, von Grenze zu Grenze zuschickt— Alles das bietet einen im höchsten Grade schimpflichen Anblick dar; der Ekel steigt mir bis an den Hals, und ich fühle das Bedürfniß, mir einmal Luft zu machen."-- Clisöe R e c l u s. — Ein lu st iget Krieg spielt sich augenblicklich zwischen der »Norddeutschen Allgemeinen" und der„Karlsruher Zeitung"— erster« bismarckisch- und letztere badisch-, d. h. Lamey-Kieferisch-osfiziös— ab. In Baden ist bekanntlich der Liberalismus obenauf, doch wankt fein Neich bedenklich, und von rechts und links sieht er seine Herrschast be- droht. Die Konservativen suchen ihm die Bauern wegzuködern, und preisen denselben ihre bekannten agrarischen Universalheilmittel mit �ngelszungen an. Darob erbost, sprach nun jüngst die„Karlsruher öritung" den braven Bauern ins Gewissen und warnte sie eindringlich, dsch ja zu beherzigen, daß ihre Jnteresten grundverschieden von denen der adligen Großgrundbesitzer seien. Damit kam sie aber bei der„Norddeutschen" übel an. Mit der be- 'ännten Liebenswürdigkeit wurde sie von dem nunmehr geheimen btommissionsrath P i n d t e r heruntergehunzt. Sie habe an die n i e d- �'gsten Leidenschaften(wer lacht da?) im Menschen appellirt, sie habe psrmärzliche Vorurtheile propagirt, die schließlich zum Sturz der Mon» schien führen(Anspielung aus 49, wo bekanntlich preußische Truppen die badische Ordnun gretteten), und ähnlich- Liebenswürorg- baiten mehr. Es war auch ein arges Stückchen von Herrn Kieser, so plump in das Gartenhaus der famosen„nationalliberal- konservativen Mittelpartei" �bneinzusahren, dieses kunstvolle Zeugniß für die geniale innere Politik das größten Staatsmannes unseres Jahrhunderts: — Wahlnachrichten. Man schreibt uns:„Genosse V i e r e ck hat die Kandidatur für Magdeburg aufgegeben und den dortigen Genossen die Ausstellung eines Lokalkandidaten angerathen. Zu diesem Entschlüsse, den wir nur billigen können, ist er einestheils durch Rücksicht auf den bekannten Kopenhagener Beschluß bestimmt worden, dnderntheils durch die Thatsache, daß es ihm unmöglich sein wird, in Magdeburg persönlich eine agitatorische Thätigkeit zu entwickeln. Da ">ereck aller Wahrscheinlichkeit nach im Leipziger Landkreis llewählt werden wird und dort— in Anbetracht der lokalen Verhält- ssbfse— unter allen Umständen annehinen muß, so liegt es im Partei- Interesse, daß der ebenfalls aussichlsvolle Magdeburger Wahlkreis einen Kandidaten erhält, welcher auch in der Lage ist, ein etwaiges"Mandat Annehmen und dafür agitiren zu können. Es wäre zu wünschen, daß das Beispiel Biereck's Nachahmung fände Und daß auch andere aussichtsvolle Wahlkreise der Gefahr einer Doppel- wähl entrückt würden." von uns in der vorletzten Nummer R e v o I t o" schreibt uns Genosse 7� M i t Rücksicht aus die Wirte Aeußerung des Genfer Liebknecht: „Sagen Sie den Herren vom„Revoltö", daß Jeder, der da be- hauptet, ich habe politischen Feinden gegenüber das Denunziations- Handwerk jemals geübt oder gebilligt, ein unverschämter Lügner i st. Selbst Bekannten des„Revolte" gegenüber, die mich � und Freunde von mir der Polizei an's Messer lieserten oder zu liesern ihr Bestes thaten, habe ich mit einer Schonung gehandelt, die sreilich weniger durch die Achtung vor ihnen, als vor mir s e l b st und meinen Prinzipien diktirt wurde. B o r s d o r f, 18. Juli 1884. W. L i e b k n e ch t." Wir hatten es für überflüssig gehatten, auf die betreffende, allerdings ebenso perfide wie alberne Verdächtigung zu antworten, weil Jeder, der Liebknecht nur einigermaßen kennt, weiß, was er von solchen Beschuldi- gungen zu halten hat. Es gehört eben zur Taktik der Anarchisten, auf der einen Seite kolossal zu renommiren, aller Welt mit„Vernichtung", «Kamps mit allen Mitteln" k. zu drohen, und anderseits die schändlich verkannten, armen, unglückseligen Opfer blinder Verfolgungswuth zu spielen. Von der Schwäche ihrer Sache durchdrungen, dichten sie sich Feinde, Verfolgungen rc. an, die in der That gar nicht bestehen, und einpfindeln, daß eine alte Jungfer sie darum beneiden könnte. Ist es nicht geradezu der Gipfel der Lächerlichkeit, wenn Anarchisten sich über Denunziationen beschweren, und obendrein noch Leute, die sich als Verfasser de- und wehmüthiger Jammerbriese an M a d a i einen so großen Ruf verschafft haben wie— der Herr Werner vom„ R e- Volts"!? — Die Schnüffelei wird neuerdings in Deutschland mit ver- doppeltem Eifer betrieben. Aus Elberfeld, aus Berlin, aus Leipzig, aus Dresden— von überall her werden Haussuchungen gemeldet. Mögen die Genossen allerorts auf der Hut sein. Die bekannten Lang- finget nehmen nicht nur mit, was sie irgend finden können, sie ver- g e s s e n auch gern hier und da etwas, was später gefunden werden soll. Also ausgepaßt! � Aus Warschau werden Mass enverhastungen gemeldet; es sollen gegen Ivo Personen— Frauen und Männer,; Polen, Russen, ©erben, Bulgaren ic.— gesänglich eingezogen worden sein. Die russische Polizei will einer großen Attentatsverschwörung auf die Spur gekommen zu sein, als deren Mittelpunkt der Friedensrichter B a r d o w s k i ge- nannt wird. Wie viel an den etwas romantisch klingenden Schilderungen Wahrheit und wie viel Polizei- und Reporter-Mythe, läßt sich natürlich vom Aus- land her nicht beurtheilen— nur die Thatsache der Verhaftungen steht unbestritten fest. Und weshalb sollen wir auch an denselben zweifeln? „Väterchen" hatte die Absicht, Warschau init seinem segenspendendem Besuche zu deglücken, und wo„Väterchen" hinkommt, oder vielmehr, wohin zu gehen„Väterchen" nur die Idee äußert, da strömt schon von vornherein das Glück in Form von Maffenverhaftungen, von Haussuchun- gen, Polizeichikanen aller Art herab. Anders thun es die von ihren Unterthanen heißgeliebten Fürsten nun einmal nicht. Zugegeben, daß wirklich einzelne Personen in Warschau ein Attentat geplant haben, so ist doch soviel sicher, daß sie nicht so— naiv gewesen jein werden, gegen lvv Personen in ihr Vorhaben einzuweihen. Das glauben wir der russischen Polizei unter keinen Umständen. Sie hat, wie immer, auf's Geradewohl hineingegriffen und verhaftet, wer ihr eben als„verdächtig" bekannt war. Abgesehen davon, daß man auf solche Art sich in den Augen der großen Masse und anderer Personen einen gewaltigen Anstrich gibt, sind solche„Massenkonspirationen" auch sehr geeignet, sür irgend welche gegen die polnische Bevölke- r u n g überhaupt geplante Schustereien Stimmung zu machen. In der„Reuen Freien Presse", die seitdem die polnischen Magnaten Ga- liziens sich an Graf Taaffe verschachert, ihre frühere Polensympathie ganz aufgesteckt hat, wird bereits lustig präludirt. Aber bei all' ihrer Promptheit hat die russische Polizei Eines nicht verhindern können: das Herauskommen einer weiteren Nummer do�s sozialistischen„ P r o l e t a r y a t". Glück auf, ihr unermüdlichen Maulwürfe! — In einer deutschen Zeitung finden wir einen Artikel, der in Aufreizung gegen den Kapitalismus das Möglichste leistet. Nachdem er über die„ B a n k s ch u r k e n" ein kräftiges Wörtlein ge- sprachen, nachdem er erklärt, daß die Kirchen„das größte Kontingent von Schwindlern und Betrügern liesern", geht er auf die industriellen Ausbeuter über: „In der Fabrik- und Manufaktur-Jndustrie", heißt es in dem Artikel, „bilden die Monopolisten, geschützt durch einen hohen Tarif, diejenige kapitalistische Kaste, welche durch Kombinationen die Höhe der Preise der Produktion bestimmt, die Hungerlöhne der Arbeiter dekretirt, die absolute Herrschaft über den Arbeitsmarkt führt, genug, nichts anderes als ihren gigantischen Gewinn auf Kosten der Staatsgesellschaft, und namentlich des Arbeiterelementes im Auge hat; diese Monopolisten sind ebenso wie das Monopol der Eisenbahnkompagnie eine soziale P e st, von welcher der Staat sich nur dadurch befreien kann, daß er die Kombination der Monopole zerstört, den hohen Schutzzoll als die Festung dieser Kombi- nation reduzirt und eine gesetzliche Kontrole über alle diese Monopole führt. Allein bis zu einer solchen Weisheit hat sich bis jetzt noch keine Partei erhoben, und zwar darum nicht, weil die Faktionen der Mono- polisten von Banken, Eisenbahnen, Fabriken, Minen u. s. w. jede Partei korrumpiren und mit ihrem großen Kapital beherrschen.." So schreibt die—„Münchener Allgemeine"! Man beruhige sich, sie ist nicht unter die Sozialdemokraten gegangen. Ihre Ausführungen gelten blos für das„korrupte Amerika", aber bei Leibe nicht für das christlich-germanische Deutschland. Sie schildert nicht etwa das Treiben der rheinländischen Eisenindustriellen, der schlesischen und westfälischen Kohlenbarone, der Spinnereibesitzer, der s ch n a p s b r e nn en d e n und zuckersiedenden Landjunker, und was sonst noch in Deutsch- land zur privilegirten Ausbeuterkoalition gehört,— behüte! Es ist nur unserer sozialdemokratischen Verruchtheit zuzuschreiben, wenn ihre Schil- derung uns so gelungen erscheint und uns so lebhaft an die theure Heimath erinnert. — Reichstagskandidaturen: Ohlau- Strehlen- N i m p t s ch: Cigarrenarbeiter Paul Fläschel in Breslau; Essen a. d. Ruhr: G. Vollmar; Gießen: K. Ulrich in O f f e n b a ch. — O e st e r r e i ch. In Wien, wo bekanntlich die Wogen des Antisemitismus zur Zeit ziemlich hochgehen, und wo die Macher dieser Bewegung durch scheinbar oppositionelles Gebähten sich einen radikal- demokratischen Anstrich zu geben lieben, war es— wie seiner Zeit auch in Berlin— den Arbeitern, und zwar den vielgeschmähten„ g e m ä- ß i g t e n" Arbeitern vorbehalten, den durchaus reaktionären Charakter der Antisemiterei bloszulegen,— während eine Anzahl der Herren„radikalen Sozialisten", deren Apostel bisher Most und Peukert hießen, nun ganz munter Herrn Schönerer und seinem Troß deutsch- thümelnder, Bismarckverherrlichender Studenten nachläuft. Es war unser Genoffe I. B a r d o r f, der am 90. Juni in einer öffentlichen, sehr gut besuchten Versammlung des Vereins„Wahrheit" über das Thema„die Stellung der Sozialdemokratie zum Antisemitis- mus" referirte und in längerer trefflicher Rede den in folgender Reso- lution, die einstimmig angenominen wurde, niedergelegten Standpunkt entwickelte: „Die am 30. Juni in den Saallokalitäten„zum grünen Jäger" tagende Versammlung des politischen Vereines„Wahrheit" erklärt: 1. Die antisemitische Bewegung ist nicht ein Kampf von Prole- tariern gegen die Ausbeutung, sondern ein Kampf innerhalb der besitzenden Klaffen, ein Kampf der christlichen gegen die jüdische Bourgeoisie, einerseits ein Kampf des kleinen Kapitals, des Klein- bürgerthums gegen das große Kapital, des Grundbesitzes gegen das mobile Kapital, des industriellen Kapitales gegen das Handelskapital, andererseits ein Kampf zwischen den von der Verwerthung der Wissenschaft lebenden Söhnen der Kapitalisten. 2. Als häuslicher Streit der privilegirten Klassen kann die Anti- femitenbewegung der Arbeiterklasse gleichgültig sein. Indem aber die Bewegung den Religions- und Rassenhaß weckt und fördert, der Reaktion in wirthschastlicher und politischer Beziehung dient, und sich an die Arbeiter nur wendet, um dieselben von dem wahren Wege zu ihrer Emanzipation abzulenken, stellt sie sich als eine Be- wegung dar, die trotz ihrer sozialistischen Schlagworte den soziali- stischen, auf religiöse Toleranz und Jnternationalität, auf politische Freiheit und wirthschastliche Gleichheit hinzielenden Bestrebungen entgegengesetzt und feindlich ist und daher von den denkenden Ar- beitern entschieden bekämpst werden muß. Das Kleingewerbe betheiligt sich an den antisemitischen wie zünft- lerischen Bestrebungen nur, um seine bisher geübte Macht der Aus- beutung der Lohnarbeiter noch weiterhin aufrecht zu erhalten und stellt sich dadurch in einen feindlichen Gegensatz zur Arbeiterklasse. Diese reaktionären Bestrebungen sind jedoch noch unsinniger als ein Kampf gegen Windmühlen, weil es ein Kampf gegen Dampf- Maschinen und Elektrizität ist. Der Fortschritt der Großindustrie ist unaufhaltsam, und die einzige Hoffnung der Kleingewerbtreibenden ist der Sozialismus, also das Handinhandgehen mit der Arbeiter- klaffe. 4. Die Arbeiterklasse bekämpft die Ausbeutung in jeder Form, möge sie von Christen oder Juden ausgehen; sie bekämpft die Aus- beutung der Konsumenten durch den Handel ebenso, wie die des Arbeiters durch den Unternehmer, die Ausbeutung durch den Groß- industriellen wie durch den Handwerksmeister, die durch den Kapita- liste», wie die durch den Grundbesitzer; sie bekämpft die Ausbeu- tung der Dummheit durch die Bourgeoispresse, durch Advokaten, Berufspolitiker und ähnliche Elemente, seien sie jüdischer oder christlicher Konfession. S. Die sogenannte Verjudung der Gesellschaft ist blos eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise, zeitigt überall dieselben Er- gebnisse, dasselbe Ausbeutungssystem, dieselbe Korruption, dasselbe Elend der Arbeiterklasse, denselben Vernichtungsprozeh des Hand- Werkes uno des Bauernstandes in sogenannten verjudeten Ländern. In dem christlichen Nordainerika herrscht dieselbe Korruption, wie nur in den verjudetsten Ländern der alten Welt. Der christliche Ausbeuter ist dem jüdischen ganz gleich; und ebenso der jüdische Proletarier dem nichtjüdischen. Sticht die Unterdrückung der Juden haben wir anzustreben, sondern die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise und die Durchführung der wahren Demokratie und der sozialistisch organisirten Produktion." Bardors schloß unter stürinischem Beifall mit folgenden Worten: „Der Antisemitismus ist ein häuslicher Streit im Lager des Groß- kapitals und des untergehenden Kleinbürgerthums, des Bauern gegen das niobile Kapital»c. Das.Ausbeutungsobjekt aber sind w i r, wer uns ausbeutet, lann uns gleich sein. Es sei lohnend, die Macher der Juden- hetze genauer zu besichtigen: so finden wir in Deutschland den philo- phischen Knirps Dühring, der bald niit dieser, bald init jener Partei liebäugelte, sich aber zu keiner gesuchten Persönlichkeit machen konnte, bis er in's Horn Bismarck's blies und, um„Neues" zu bringen, die alte Judenhetze in Form von Rassenhaß mit inszenirte. Daher auch die Vorliebe der Antisemiten für die Pickelhaube, weil der Vater der Anti- semiten ein Werkzeug Bismarcks ivar, desselben B i s m a r ck's, der das infame Sozialistengesetz geschaffen. Des Bismarck's, denwirhassen aus ganzer Seele, den wir hassen bis zum letzten Blutstropfen, dessen Werk- zeuge, dessen Verbündete sind die Antisemiten!" Stimmt. — Soziali st ische Presse und Literatur. Es ist ein guter Bekannter, dem wir heute an dieser Stelle ein herzliches„Will- kommen!" zurufen. Von Brüssel geht uns die Probenummer der „Voix de l'ouyrier"(Arbeiterstinime) zu, die nach zweijähriger Unter- brechung auf's Neue den Kamps sür die Interessen des Proletariats gegen politische und wirthschastliche Unterdrückung ausnimmt. Genosse L. B e r t r a n d, der dieselbe früher mit so großer Aufopferung redi- girte, wird auch fernerhin als Redakteur des französischen Organs der belgischen Sozialisten fungiren. Wir wünschen ihm selbstverständlich den besten Erfolg. Korrespondmzen. — Gohlis bei Leipzig. Vor kurzem hat sich hier der Registrator des hiesigen Gemeindebureaus, Namens Thenau, entleibt. Thenau hat bereits vor Jahren wegen Unzucht auf dem Zuchthause gesessen, was aber nicht hinderte, daß er in der Gemeindeverwaltung lange Jahre eine einflußreiche Stelle einnahm. Selbstverständlich war er Sozialisten- fresset. Wahrlich, unsere Gegner dürfen hier stolz sein auf ihre An- Hänger.! Nächstens mehr von hier. — Nürnberg, 14. Juli. Die Leser des Parteiorgans erinnern sich noch der infamen Bubenstreiche, welche im vorigen Jahre von den würdigen Schülern Hans W u r st's, den Anarchisten Meyer(Ber- liner Ausgewiesener) und Schneider H o f m a n n gegen die Partei am hiesigen Orte, speziell gegen unfern Abgeordneten Grillenberger, der während der nun verflossenen Legislaturperiode durch seine unaus- gesetzte Agitation allenthalben im Reich zur Hebung und Kräftigung der Arbeitersache beigetragen, unter Mithülfe des„deutsch-freistnnigen" „Fränkischen Kurier" und dessen„ehrenwerthen" Chefredakteurs verübt wurden. Wegen der von Hofmann„geleisteten" Verleumdungen stellte Grillen- berger Strafantrag und wurde der saubere Ehr abschneidet der verleumderischen Beleidigung gerichtlich überführt. Um seinen Schützling einigermaßen zu rächen, stellte der Redakteur des„Kurier", der früher am„altliberalen"„Korrespondent" mitgearbeitet hatte, dann Privat- Tintenkuli des agrarischen Bergwerkbesitzers v. S v a i n e geworden und aus dem agrarischen Lager direkt in den Dienst des„Fortschritts" über- getreten war, gegen Grillenberger, Wörlein und Löwenstein einen ganzen Sack voll Strafanträge, die jedoch, so lange der Reichstag zusammen war, nicht zur Verhandlung kommen konnten. Jetzt nun, nachdem nahezu dreiviertel Jahr darüber hingegangen sind und in Folge des Reichstagsschluffes die Verhandlungen hätten statt- finden müssen, hat der Herr Redakteur seine sämmtlichen Sttafanträge zurückgezogen und läßt damit den„journalistischen Laus- buben" und den„ehr- und charakterlosen Hallunken", den ihm Grillen- berger ins Gesicht geschleudert, auf sich sitzen! Eine glänzendere Genugthuung konnte Grillenberger, auf den die ver- leumderischen Nackenschläge hageldicht niedersausten, nicht zu Theil werden. Das ist nun also der Ausgang des hiesigen sortschrittlich-anarchistischen Bündnisses, das für die Wahlen berechnet war, an der bodenlosen Niederträchtigkeit der beiden verbündeten Theile aber mit Naturnoth- wendigkeit zu Grunde gehen muhte. Frankfurt a M., im Juli. Am 6. Juli fand auf dem hiestgeu Friedhofe eine einfache, aber würdige Feier statt, zu der sich eine statt- liche Anzahl Parteigenossen eingefunden hatte, obgleich die Oeffentlichkeit, wohl durch einen„Zufall", davon ausgeschloffen war. Es galt, unserem verstorbenen Reichstagskandidaten, Rudolf D ö l l, einen würdigen Denkstein zu setzen. Genosse F l e i s ch m a n» widmete Döll einen kurzen, herzlichen Nach- ruf, die Anwesenden am Schluß zu treuem Festalten an den Prinzipien der Sozialdemokratie auffordernd. Und das gelobten sich Alle stillschwei- gend am Grabe unseres verstorbenen Parteigenossen. Nachdem»och einige Kränze auf den Stein und den Grabhügel niedergelegt worden, war die Feierlichkeit beendet. Der vom Bildhauer Johann Zeltinger in Cckenheim bei Frankfurt meisterhaft aus Sandstein ausgeführte Denkstein enthält auf einer Rtarmorplatte in goldenen Lettern die Inschrift: Rudolf Döll, geb. 17. Juli 1851, gest. 8. Dezember 1833, gewidmet von seinen Gesinnungsgenossen. Darunter war in Stein eingegraben: Er wollte Friede, Freiheit, Recht, Daß Keiner sei des Andern Knecht, Daß Arbeit aller Menschen Pflicht, Und Keinem es an Brod gebricht! Die Polizei hatte vorher nicht Wind erhalten und war nur in einigen Exemplaren, jedenfalls„ohne Befehl",, erschienen; die paar Exemplare konnten sich aber nicht enthalten, die a» einem Kranze befestigte roth- seidene Schleife mit der goldenen Inschrift:„Dem wackeren Kämpfer für die wahren Menschenrechte" als gute Beute, mitzunehmen. Der Frankfurter Polizeipräsident Hergen h an ist gelegentlich der letzte»„Kaisermanöver" geadelt worden; seit dieser Zeit hat er eine merkwürdige Vorliebe für das— Rothe. Vor Kurzein hat er nämlich eine Verordnung erlassen, betreffend die öffentlichen Ankündigungen aller Art; da ist denn den Leuten bei schweren Strafen verboten, Plakate auf rothes Papier drucken und öffentlich anschlagen zu lassen. Das rothe Papier beansprucht Hergenhan für sich allein, nur behördliche Bekannt- machungen dürfen aus solches gedruckt waren. Sticht übel das. Und da dürfen sich wahrscheinlich auch nur Polizisten mit rothe» Schleifen begraben lassen!— Deinnächst wird auch dein vor 4 Jahren hier verstorbenen Pro- f e s s o r G a m tz, den die hiesigen Sozialdemokraten keineswegs ver- gessen haben, ein Denkstein gesetzt werden. Genosse A. Kapp wurde am 11. ds. Mts. von dem hiesigen Land- gericht auf Grund des Sozialistengesetzes wegen Verbreitung sozialistischer Schriften(„Sozialdemokrat") zu 14 Tagen Gefängniß, und wegen Belei- digung der Polizei zu Mk. 50 Geldstrafe verurtheilt, trotzdem auch nicht das Geringste dein Angeklagten bewiesen werden konnte. Das übliche Argument:„man muß annehmen", inußte auch hier herhalten, um den Sozialdemokraten verurtheilen zu können; jedenfalls wird Berufung angeineldet werden. Was die Polizistenbeleidigung anbetrifft, so rührt dieselbe noch von den, Begräbniß Döll's her. Der Schutzmann Z ü g e m e r hat Kapp denunzirt, derselbe habe damals die Aeußerung gethan:„Jawohl, es sind hier(nämlich auf dem Friedhof) schon viele Kränze gestohlen worden, wir kennen unsere Pappenheimer!" Zügemer hat seine Aussage beschworen. Der Reichstagsabgeordnete F r o h m e, als Zeuge erklärte, nicht der Angeklagte, der während der ganzen Feier neben ihm gestanden, sondern der Steindrucker S ch u p p l i habe diese Aeußerung gethan; keiner der zahlreichen anderen Zeugen hat von Kapp diese oder eine ähnliche Aeußerung gehört, und der anwesende Schuppli will beschwören, daß nicht Kapp, sondern er diese Worte gebraucht habe. Hilft nichts, der Jude wird verbrannt! Man kann doch den Schutzmann, eine Säule der göttlichen Weltordnung, nicht meineidig machen! Wie in diesem Theile, so haltlos ist die Anklage auch in ihrem ersten Theile. Und der bescheidene Staatsanwalt beantragte wegen Uebertretung des Sozialistengesetzes 300 Mk. Geldstrafe und wegen„Beleidigung" vier Wochen Gesängniß. Der Bertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Geiger, zerpflückte die Anklage, so daß nichts mehr davon übrig blieb, und wies dein Staatsanwalt den Widersinn in seiner Strasbemessung»ach. DaS Resultat war das weiter oben gemeldete. Mit dem als Belastungszeugen erschienenen Polizeikommissar Meyer möchten wir noch ein Wörtchen reden. Er sagte bei seinem Zeugenver- hör aus, bei dem Begräbniß Döll's habe sich die anwesende Menschen- inasse mit wenig Ausnahmen pöbelhast betragen. Das ist einfach eine Unwahrheit. Die ganze Feier war eine ruhige und würdige, bis der Kommissar durch sein Auftreten sie störte; darüber wurde die Menge, wie gar nicht anders zu erwarten, unwillig; und der Kommissar ist wahrhastig nicht schuld, daß es bei dem Begräbniß nicht zu einer förm- lichen Revolte kam, die ett durch sein taktloses Austreten geradezu pro- vozirte, und bei der die Polizisten schlecht weggekominen wären. Als irgend Jemand aus der kolossalen Menschenmenge den Ruf ertönen lieh: „Nach dem Denkmale der 48er!" pflanzte Meyer sich an die Spitze „seiner Leute" mitten' auf dem Weg dahin auf. Es fiel aber Niemandem ein, diesen Weg zu passiren, sondern die Menge strömte ernst und ruhig dem Ausgange des Friedhofes zu. Als nun Einige ob der komischen Besetzung des Weges»ach dem Denkmal lächelten oder lachten, da stürmte der edle Meyer an der Spitze seiner bewaffneten Schaar mitten in die Menschenmenge hinein mit dem Rufe:„Wage eS noch Einer z u lachen!" r Wenn nun die so erregte Menge auch so kampflustig gewesen wäre wie Sie, Herr Kommissar, was wäre dann geschehen? Sie wären, durch die Masse der Kämpfer erdrückt, in die Pfanne gehauen worden, sammt Ihrem bewaffneten Troß von Polizisten! Und das Nachspiel hätte sich aus den Gerichten abgespielt— möglicherweise hätten Sie dann nicht mehr als Zeuge sungiren und verleumden können. Aber das Alles hätten Sie durch Ihre Taktlosigkeit provozirt, und S i e wären der Ver- brecher gewesen!— Für heute nur noch die Bemerkung, daß wir trotz Polizei und Stie- berei hier auf dem Plane sind. Die Genossen stehen fest zusammen; Jeder wird auf seinem Posten sein, wenn wir in den Wahlkampf ein- treten. Wir haben die beste Hoffnung, unseren Kandidaten S a b o r als Vertreter Frankfurt's in den Reichstag senden zu können. Ein rother Mainländer. — Aus Baden, 14, Juli. Vergangenen Freitag Nachmittag wurde in Villingen bei fünf Genossen Haussuchung abgehalten, und zwar in Folge Denunziation eines elenden herunter- gekommenen Subjekts. Dieselbe verlief überall ziemlich resul- tatlos. Trotzdem wurde Freund Lutz am Samstag Abend verhaftet. Was gegen ihn Spezielles vorliegen soll, weiß natürlich Niemand.(An- geblich laut Polizeijargon„wegen s o z i a l i st i s ch e r Umtriebe(!?!)— Die gegen ihn angeordnete Briefsperre wird so wenig ergeben, wie die sortgesetzte Ueberwachung, deren sich Lutz zuvor schon erfreute. — Konstanz, im Juli. Vor einigen Wochen hatten wir Sozial- demokraten das Vergnügen, einer von den hiesigen Zunft- und Zopf- Anhängern einberufenen Handwerker-Versammlung beizu- wohnen. Man hatte sich die Herren Uhrmacher H e ck n e r und Privatier Krieg von Mannheim verschrieben, die als die intelligentesten Redner der Handwerkerbewegung in Baden gelten. Nach Eröffnung der Versammlung begann nun der erstere eine ein- stündige Rede— von seinem Manuskript abzulesen. Wir wollen ihn hier nicht vor den Richterstahl des gesunden Menschenverstandes laden, um sich wegen der verschiedenen Mordversuche gegen denselben zu ver- antworten ser sagte z. B.: heute könne man in zwei Jahren Lehrling, Geselle, Meister und Bankerotteur sein, und daraus entstehe auch die— P r o st i t u t i o n!), nur das können wir sagen, daß die Logik ihm ein unbekanntes Gebiet zu sein scheint. Aus den Inhalt der H e ck n e r' schen Rede selbst einzugehen. hieß- den Raum des Parteiorgans unnützerweise in Anspruch zu nehmen. Die Genossen kennen ja die utopistischen Bestrebungen der Zünstler zur Ge- nuge, und von der Donquixoterie, im Rahmen der heutigen Produktionsweise das Kapital wirksam zu bekämpfen, werden die Herren in ein paar Jahren schon abkommen. Zum Schluß seiner„Rede" forderte er die Handwerksmeister mit Pathos auf, zusammenzuhalten, sonst würden »hnen die Sozialdemokraten über den Kopf wachsen. Mit diesem Paffus zeigte Heckner, daß ihm jedes Verständniß darüber, von wem der Mittel- stand vernichtet wird, abgeht. Genosse Arnold meldete sich hierauf zum Wort und erhielt das- selbe zugesagt. Nun kam jedoch erst der zweite„Redner", Krieg aus Mannheim. Dieser betrachtete es als seine ausschließliche Aufgabe, nach Austheilung einiger Seitenhiebe auf Liberale und Juden, auf die Sozial- demokraten zu schimpfen, und förderte dabei einen wahrhaft haarsträu- benden Blödsinn zu Tage. Er meinte, die Sozialdemokraten müßten erst Maschinen erfinden, die die Menschen gleichmachen, damit die Buckeligen gerade würden zc. Das„Theilen" und die gewissenlosen„Hetzapostel", die von den Arbeitergroschen schwelgen, fehlten natürlich auch nicht. Da nnr ihn laut auslachten, forderte er auch die Arbeiter auf. ihre Ansichten darzulegen. Das Gelungenste war jedoch zum Schluß seine Definition der Goldwährung. Der Direktor der Reichsbank verstehe zwar die Sache nicht, wohl aber er<«rieg), denn— die Goldwährung sei einfach das, daß der Silberwerth um ein Drittel„bemauschelt" werde. Mit dieser geistreichen Erläuterung mußten sich die Zuhörer zufrieden geben, und wir hofften, daß jetzt Genosse Arnold zum Wort kommen werde. Doch im Rathe der„Zöpse" war es anders beschloffen, und nachdem der erste„Redner", H eck ner, eine ellenlange Berichtigung der Rede des Krieg vorgelesen hatte, wollte man geschwind zur Wahl eines Komites für den zu gründenden Handwerkerverein schreiten. Dies duldeten wir jedoch nicht, sondern verlangten, daß Arnold zum Wort komme. Der wackere Vorsitzende erklärte nun, daß Arnold ihm als Sozialdemokrat bekannt sei, und diese dürften nicht sprechen. Jetzt ver- langte jedoch die große Mehrheit der Versammlung Redefreiheit, und da bei dem Tumult die Zünstler unmöglich ihr Komite bilden konnten, mußten sie die Versammlung schließen. Nun fanden wir Gelegnheit, den„Rednern" privatim unsere Meinung zu sagen, und das ist in bester Weise geschehen. Die Hochwohllöbtiche, insbesondere unserer wackerer„Geheimer" Dernbach, der wie ein Besessener herumsprang, drohte, verschiedene Genossen wegen„Störung einer Versammlung" zu verhasten, was sie aber leider nicht gethan hat, sie ließ uns vielmehr ruhig abziehen. Ein Jeder von uns war von der Nothwendigkeit überzeugt, daß nun auch unserseits eine Versammlung abgehalten werden müsse, um den unleugbaren moralischen Erfolg, den wir errungen, auszunützen. Auf ergangene Einladung sagte Genosse T a u s ch e r von Zürich sein Er- scheinen zu, und einige Tage darauf konnten wir in dem benachbarten Kreuzlingen, aus Schweizerischem Gebiet, eine Volksversammlung abhalten, die sehr stark besucht war. In emstündiger, glänzender Rede legte Tauscher unsere Prinzipien und unsere Stellung zur Handwerker- frage dar und erntete für seine Ausführungen reichen Beifall. Nach Aufforderung des Vorsitzenden zur Erwiderung meldete sich der schweizerische Notar Z e h n d e r ans Kreuzlingen und begann seine Ent- gegnung mit einem— Protest, welchen er im Namen der anwesenden Schweizer gegen die Art und Weise ablege, wie der Redner die— befreundete deutsche Regierung behandelt habe.(Allgemeines Erstaunen.) Sodann behauptete dieser„Republikaner", Tauscher habe nur Phrasen gemacht und nicht gesagt, wie geHolsen werden solle; die deutschen Redner hätten nichts in der Schweiz zu suchen; überhaupt seien die Arbeiter nicht die Sklaven der Fabrikanten, sondern umgekehrt diese die Sklaven ihrer Arbeiter.(Schallendes Gelächter.) Zehnder erläuterte die letztere Bemerkung dahin, daß die Arbeiter Montag und Dienstag nicht in die Fabriken kämen, manche sogar am Mittwoch und Donnerstag noch nicht, sondern erst am Freitag wieder arbeiteten.(Abermaliges Gelächter.) T a u s ch e r erwiderte kurz, daß er einen Protest gegen seine Kritik über� die Handlungen der deutschen Regierung am Ende von einem deutschen Polizeispitzel erwartet hätte, nicht aber von einem Schweizer Bürger. Für die übrigen Bemerkungen Zehnder's habe er nur ein mit- leidiges Lächeln. Nachdem sich Niemand mehr zum Worte meldete, wurde die Versamm- lung geschlossen, und die große Mehrzahl der Deutschen entfernte sich. Während sich die übrigen noch gemüthlich unterhielten, drang plötzlich eine Knüppelbande von ungesähr 20 Schweizern aus dem an den Saal anstoßenden Garten herein, stürzte sich aus den Sammelteller und raubte die darin befindliche Summe von ungesähr 15 Mk. Dem Vorsitzenden, der etwas zu retten versuchte, wurde das Geld aus der Tasche gestohlen und er selbst, sowie Genosse T a u s ch e r und einige Deutsche thätlich mißhandelt. Alles mußte sich flüchten. Wie wir nachher bestimmt bestimmt erfuhren, wurde diese Diebsbande srhon vor und während der Rede Tauscher's mit Freibier traktirt. Ob sie auch Geld erhielt, wissen wir nicht, jedenfalls könnte aber die hiesige Polizei Auskunst geben. Das letzte Wort ist in dieser Sache jedenfalls noch nicht gesprochen. So, Genossen, kämpft man hier gegen uns. In Deutschland hindert uns die Polizei, zu sprechen, und in der„freien" Schweiz tritt die fana- tisirte Ausbeuterbande der Wahrheit unserer Sache mit dem Knüppel entgegen. Das Traurigste dabei ist nur, daß die Arbeiterklasse solch' traurige Subjekte unter sich zählt, die für Geld Brutalitäten gegen ihre für die Rechte der Arbeiter streitenden»Brüder verüben. Doch dieser Umstand soll uns nur ein neuer Anseuerungsgrund zum Kampfe sein, denn eine Gesellschaft, die solche Elemente erzeugt und solcher Mittel bedarf, um ihren Bestand zu erhalten, ist werth, daß sie zu Grunde geht, und auch reis dazu.— Vorige Woche wurde Genosse K r ö n e r aus zwölfwöchentlicher Haft entlassen, die er wegen angeblicher Verbreitung des„Sozialdemokrat" verbüßte. Im Laufe der Verhandlung erfuhren wir, daß eine Station der schweizerischen Nordostbahn(wahrscheinlich Altnau) an die Konstanzer Polizei die„freundliche" Mittheilung machte, es seien Kisten mit Rum- mern des„Sozialdemokrat" bahnhoslagernd auf der Station. Diese flagrante Verletzung des Dienstgeheimnisses wird hoffentlich der Direktion zu Ohren kommen.— Für die nächste Reichstagswahl haben wir Genossen Aug. Bebel als Zählkandidaten ausgestellt. Unser„oller Willem" weilt gegenwärtig auch wieder hier. Das wird die Genossen nicht interessiren, wohl aber das, daß wir aus der kaiserlichen Schatulle— wenn auch indirekt—Geld erhalten haben, das wir in richtiger Würdigung dem Agitationsfond übergeben werden. „Willem" fuhr nämlich auf dem See spazieren, ebenso einige unserer Ge- nassen. Es wurde ihnen gewunken, an das Schiff heranzufahren, damit sie einen Begleiter des Kaisers, der sich an's Land setzen lassen wollte, ausnehmen könnten. Beim Aussteigen gab derselbe dann großmüthig zu einem wohlthätigen Zweck 50 Pfennig her. Das Interessanteste waren die verdutzten Gesichter der„Geheimen", während die übrigen Leute tüchtig lachten. D. r. C. — London, 1. Juli. Sonntag Abend den 29. Juni hielt Partei- genösse Oskar Eisengarten einen Vortrag im Konim. Arbeiterbildungsverein 49 Tottenham Street W. C. über die Taktik der Sozialisten und der Anarchisten, in welchem einerseits die Grundlagen des marxistischen Systems klar dargelegt, anderseits die Impotenz des Anarchismus aus- einandergesetzt wurde. Der Vortrag hat sehr klärend und anfeuernd gewirkt. Was die englische sozialistische Bewegung anbelangt, so ist zu berichten, daß sie sehr gute Fotschritte macht; fortwährend werden neue Sektionen der demokratischen Federation gegründet, allerwärts sozialistische Vor- träge gehalten, und seit Frühjahr werden in allen Parks Sonntags Diskussionen unter freiem Himmel gehalten, an denen sich die deutschen sowohl wie die englischen Sozialisten fleißig betheiligen. Mr. Bradlaugh und die Madame Besant haben der sozialistischen Propaganda noch keinen Schaden gethan, sondern im Gegentheil immer zahlreichere Stimmen erheben sich zu unfern Gunsten gegen sie. Anderseits wird Herr Brad- laugh immer reaktionärer. Er predigt in seinem Blatt, dem„National- Reformer", einen ganz gemeinen Haß gegen die Deutschen. Noch mehr in diesem Artikel leistet die Madame Besant; gleichzeitig aber rühmt man sich fortwährend mit gewissen deutschen Namen, wie zum Beispiel mit dem des Dr. L. Büchner um nur Kapital aus dem- selben zu schlagen. Madame Besant ärgert sich vorzüglich über den Dr. E. B. Aveling, der sich ganz offen für den modernen Sozialismus ausgesprochen hat; derselbe hielt vor Kurzem einen Vortrag über Sozia- lismus und Freidenker in Bradlaughs eigenem Lokal(von welchem ein Bericht im Sozialdemokrat vom 5. Juni enthalten ist). Die Madame Besant hat diesen Bericht sowohl in der„Justice" als im Sozialdemokrat" im Besitz• hat aber kein Wort daraus zu antworten gehabt, und es muß sonach angenommen werden, daß sie mit dem Bericht einver- standen ist. In der Hoffnung, bald wieder im Stande zu sein, dem„Sozial- demokrat" erfreuliche Fortschritte über die sozialistische Bewegung in England, vorzüglich im Zentrum London, mittheilen zu können, verbleibe ich Ihr alter Parteigenosse L- Auf, rüstet zur kommenden Wahl! — o— Das freie Vereins- und Versammlungsrecht, Sie thaten es bübisch uns meucheln! Die freie Presse sie fiel im Gefecht, Wer nicht schweigen mag, der soll heucheln!— So bleibet der Reichstag der einzige Ort, Wo die Welt noch erfährt ein kräftiges Wort, Drum rüstet zur kommenden Wahl! Auch im Reichstag zwar ist man der Wahrheit nicht grün, Man möcht' sie auch hier unterdrücken; Doch vergeblich ist all' der Feinde Bemüh'», Hier trotzt sie den gistigsten Tücken-. Je mehr die Lakaienschaar kriechet und lügt, Desto schöner die herrliche Wahrheit obsiegt. Drum rüstet zur kommenden Wahl! Und kennst Du die Mähr vom Posaunenschall, Der Mauern zu stürzen im Stande? Die Stimme der Wahrheit bringt sicher zu Fall Das Bollwerk des Trugs und der Schande. Und wenn es auch heute noch widerstrebt, O sieh' nur, schon wankt es und ächzt und erbebt! Drum rüstet zur kommenden Wahl! Der Reichstag, er ist die Tribüne, der Welt Was das Volk fühlt und denkt, kundzugeben. Auf daß Euer Wille auch Ausdruck erhält, Wählt Männer mit rechtlichem Streben! Je mehr Ihr der Stimmen der Uns'rigen zählt, Desto näher dem Ziele! Trum werbet und wählt, Proletarier, zur kommenden Wahl! Der deutsche Chansonnier. Warunng. Seit etwa drei Wochen treibt sich in verschiedenen Orten der Schweiz der hier aus der Affaire Schmidt bekannte Dresdener Polizeikommissar Paul herum, der, wie er selbst erklärte, sich über bestimmte Parteigenossen und deren Parteithätigkeit orientiren will und nebenbei Thaten fabrizirt, die der Reaktion Handhabe geben sollen, bei den bevorstehenden Reichs- tagswahlen in Deutschland gegen unsere Genossen„energisch" eingreifen zu können.— Es wird uns aus Dresden gemeldet, daß daselbst von der Polizei eine Kiste„abgefangen" worden sei, die, aus Zürich abge- sandt, einen Herrn Meyer als Absender habe. Wir wissen, daß diese Kiste von den Sozialdemokraten nicht abge- schickt wurde, und nehmen an, daß Paul diese Kiste nach Dresden sandte, um durch diesen Fang die Nothwendigkeit der politischen Polizei in Dresden zu demonstriren. Weiter ist die Bahnverwaltung der Böhmisch- Sächsischen Bahn in Dresden benachrichtigt, daß demnächst über Bodenbach in Böhmen eine Kiste mit Sprengstoffen auf dem Dresdener Zentralgüterbahnhof ein- treffen werde. Ein Geleise ist bereits bezeichnet, auf dem der betreffende Wagen unter entsprechenden Vorsichtsmahregeln geführt werden soll. Der arg verschuldete Paul braucht Geld, er will nicht nur die Nothwendig- keit der von ihm hauptsächlich repräsentirten politischen Polizei in Dresden darlegen, auch Geld will er bei diesen Manövern sür sich „locker machen", da ihm verschiedene Pumpversuche in letzter Zeit miß- glückten. Man gebe also überall auf diesen Burschen Acht und bereite ihm eventuell einen warmen Empfang. Signalement: Schlanke Figur, blonder Schnurrbart, starke Schmarre über die linke Backe, joviales Benehmen. Gleicht im Allgemeinen einem preußischen Offizier im Zivil. Wir bitten um sofortige Nachricht bei seinem Auftauchen. -st 4- Ferner treibt sich auch seit einer Woche der aus dem Leipziger An- archistenprozeß her wohlbekannte Polizeirath Rumpf a«S Frankfurt a. M. in der Schweiz herum. Auch in Bezug auf ihn gilt obige Bitte. Die Zürcher Vertrauensleute der deutschen Sozialdemokratie. Chicago, 2. Juli 1884. Lieber Freund! Für den deutschen Wahlfond sandte ich im Auftrage d« hiesigen Genossen Doll. 49 38— Fr. 250— an den„Sozialdeincckai' ab und entledige mich des weiteren Auftrages, unsere besten Wünscht für Eure Arbeit sowie das Versprechen weiterer Geldsendung zu üben mittel». Grüßend Euer I. Vahlteich. Partei-Archiv. Wir ersuchen die Genoffen, insbesondere die Vertrauensleute, dringend, uns bei Ausgabe von Flugblätter»» jedesmal zwei bis drei Exemplare zuzusenden. Auch die Flugblätter der Gegner bitten einzuschicken.' *.* Wir suchen von folgenden Zeitungen Kompletexemplare od« auch Einzelnummern: „Waage",„Sozialpolitische Blätter"(1. und 2. Iah» gang),„Rundschau",„Wähler",„Agitator",„Roth/ „F a n e",„Chemnitzer Raketen",„N u ß k n a ck e r",„Las sallesche Westentaschenzeitung", alle Gewerl schaftsblätter und von den früheren Lokalblättern der Part» alle außer jenen, die in Berlin, Leipzig, Dresden, Stuttgart uid Crimmitschau erschienen. Z>ie Archivverwattung. Briefkasten der Redaktion: P. G. in London: In die deutsche Literatur spräche sind eine Reihe von Fremdwörtern übergegangen, deren Hebe? setzung meist deshalb unthunlich ist, weil sie das Verständniß eher e? schweren als erleichtern würde. Am besten ist, Sie schaffen sich Lieb' knecht's Volksfremdwörterbuch an, das Sie durch unsere Expedition beziehen können.— Deutscher Chansonnier: Wahlgedicht dieser Nummer.„Staatsanwalt" mit einigen Kürzungen später.— fr L. in London: Besten Dank für Korrespondenz. Wird in nächst« Nummer benutzt werden.— T. in Liöge, Vorwärts in D r e s den, I. Sch. in Budapest, Korrespondenz aus Königs b e r g: in nächster Nummer.— I. Schr. in Chicago: Besten Daw für übersandte Broschüre. Inwieweit Ihrem Wunsche sonst entspracht werden kann, darüber später. der Expedition: L. P. Paris: Bfmarkensendung dkd. erh. � Rothe Fahne: Mk. 18— Ab. 3. Qu. erh. Bfl. mehr.— Rathenow- Mk. 3- pr. Dfd. dkd. erh.- C. F. Stlg.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh' — D. Ver. Zürich: Fr. 4— Ab. 3. Qu. erh.— Seifert: Mk. 4 � f. Schft. erh.— I. M. Bautzen: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— E. LppS- St.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Mbch. Zug: Fr. 1— pr. Agfd. d Mi. erh.— R. M. E.: Mk. 6— Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— H. Rat London: Fr. 126— ä Cto. erh. Fr. 12 95 pr. 10 S. 4'/, d. Marken' rest hievon gekürzt.— W. A. Brn.: Fr. 6 90 ä Cto. Schft. erh. R« mittenden gutgebr.— Th. W. Basel: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— N" Yorker Volksztg.: Fr. 1548 75 zweite Rate pr. Wfd. dkd. erh.— A S. Winona:(Doll. 2—) Fr. 5 06 pr. Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Rest vo« Fr. 5 06 pr. Wfd. dkd. verw.— H. F. Httgn.: Fr. 2— Ab. 3. Q»- erh.- C. Kschl. Z.: Fr. 2- Ab. 3. Qu. erh.- F. K. Paris: F* 162 65 Ab. 2. Qu. erh.— F. Schz. Genf: Fr.—50 f. Schft. erh Ftstzgn. folgen erst in längeren Zwischenräumen.— E. St. Lzu.: Mi- 3— Ab. 3. Qu. erh.— H. P. Hg.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh. � Nordlicht: Mk. 50 ä Cto. Ab. 2. Qu. erh. Weit. not.— L. K. Jsln« Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh.— E. Bck. Z.: Mk. 500— erste Rate pr- Wfd. v. Landesausschuß erh. Siehe Spezialqttg.— Peter: Mk. 31 ä Cto. Ab. 2. Qu. erh. Auszug kreuzte mit Bf.— Zopyron: Mk. 40 ä Cto. erh. Bs. erh.—(?)- Fr. 18 40 erh. Ort der AbsendunS bitten stets auf dem Coupon zu bemerken.— C. D. Plsc.: Fr. 50-� Ab. 3. Qu. u. Schst. erh.— August E.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh Bfl. Weiteres.— Feuerländer: Mk. 50 ä Cto. Ab. erh.— Rothkäppler: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh.— Frankfurt a/M.: Mk. 36— Cto. Athle- dkd. erh.— Ungewaschener Hilfsmann: Mk. 8— Ab. 3. u. ä Cto. 1- Qu. erh. durch B.— V. St.: Mk. 4— i Cto. Ab. 3. Qu. erh.— Partei-Archiv. Im Verlage der Volksbuchhandlung Hottingen-Zürich ist soeben erschienen und durch Unterzeichnete zu beziehen: Vorwärts! 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