Erscheint wö ch entlich einmal in Zürich(Schweiz). vertag der Volksbuchhandlung Hottiugen- Zürich. poSsendtmge« t'onfo gegen sranlo Gewdhnliche Briese nach der Schweiz losten Doppelporto. Der SoMliiemoKrat >mtrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag nnd dessen bclannien Azeuien entgegengenommen, nnd zwar zum voraus zahlbar«« Vierteljahrspreis von- Fr 2— siir dieSchwc>z iKreuzband) Ml Z— sllr Deutschland(Couvert> sl, 1.7V sllr Oesterreich sConoery Fr. 2 50 sllr alle Übrigen Länder de« Weltpostvereins(Kreuzband). Inserate die dceigespaltene Petitzeile 25 CtS.= 20 Pfg. %M 38. Aonnerstag, 18. September. 1884. Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„Sojiatdcmoürat." Inwodl ttt Deutschland al» au» in Oesterreich verboten ist, bezw. versolgt wird nnd die dortigen «IS möglich an den. S°!>°ld.m°Ir°,- resp. d.sten Verlag selbst adressiren, sondern stch möglichst an Irgend eine unverdächtige Adrcne austerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt: anderseits aber dast auch uns möglichst unversangliche Zllstellungiadresten mitgetheilt werden. In zweiselhaseen Fällen empfiehlt st» Hehns« aröbere« Sicherheit Relommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir g-wist weder Muhe»och kosten scheuen um trotz aller entaeaen. stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' nns-r-u Abonnenten möglichst regelinästig zu liefern bei& ; Bezuj i m} Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Harmonie der Interessen, welche nach der bürgerlichen Wirthschaftslehre durch unsere heutige Gesellschaftsordnung mit ihrem„freien Spiel der Kräfte� ver- wirklicht sein soll, erhält eine prachtvolle Illustration durch die heurige Ernte. Bekanntlich ist diese außerordentlich gut aus- gefallen, und zwar fast überall, so daß sie zu den reichsten des Jahrhunderts zählt. Nun sollte man doch denken, daß darob allgemeine Freude herrsche., müßte. Aber nein! Wohl ist das brod v erz eh rend e Publikum sehr vergnügt, allein die, zwar ebenfalls brodverzehren- den. aber auch Brod st off erzeugenden-- richtiger erzeugen lassenden— Herren Landwirthe jammern und wehklagen ganz entsetzlich. Man lese nur z. B. die Jeremiaden der„Leip- ziger Zeitung" über den Ernteausfall: ——„Die Ernte ist vortrefflich, vom Wetter außerordentlich begünstigt, kein Korn ausgewachsen, kein Halm verbleicht— vorzügliche Qualität der Körner sowohl als des Strohs— in Qualität wie Quantität eine so vorzügliche Ernte, wie seit Jahren nicht." Kurz, ein enthusiastisches Loblied auf die gute Ernte. Doch das Loblied ist nur die Einleitung; es folgt ihm ein herzzer- reißendes Klagelied, das schließlich in ein grelles Todtenlied auf die elendiglich sterbende Landwirthschaft ausklingt. „Angesichts der Aseöjährigen reich» Ge.»eivec,.ite und der noch reichen Lager alten GetteideS find alle Körncrarten, mit Ausnahme der Hülsenfrüchte, in neuester Zeit so rapid im Preise gesunken, wie kaum noch dagewesen; und da das Angebot ein sehr dringendes ist und dringend bleiben wi-'d, so ist auch an eine Erholung der Getreidepreise nicht zu denken— eine tr aurige Perspektive für die Produzenten, die um so weniger durch die reiche Ernte abgeschwäch. wird, als es fraglich wird, ob unsere Landwirthe ihr überschüssiges Getreide Werden verkaufen können.—— Daß trotz der reichlichen Heu- ernte Milch und Milchprodukte nicht im Preise sinken, ist leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß in der heutigen Zeit der Land- wir.h seine Rente nur noch(!) auS der Biehwirthschaft ziehen kann;— sollte noch diese Rente infolge billiger Milch-, Butter- und KSsepreise geschmälert wer- den, so wäre daS Ende der Landwirthschaft ge- kommen!" O Jerum l Jerum l JerumI Und in einer weiteren, diesen Erntebericht ergänzenden Aus- führung versteigt das Organ der(in„Sozialreform" und„prak- tichem Christenthum" so eiftig machenden) sächsischen Regierung sich zu dem charakteristischen Rothschrei:„Der gute Ernte- auSfall ist eine nationale Kalamität." Eine gute Ernte ein nationales Unglück! Drastischer kann die Widerfinnigkeit der heutigen GesellschaftS- ordnung, der flagrante Widerspruch zwischen den Interessen der verschiedenen BevölkerungStheile, oder richtiger der Widerspruch, in welchem die Interessen der„Herren Produzenten" sich mit den Interessen des konsumirenden Volkes befinden, nicht zum Ausdruck gebracht werden. Und das Beste: die„Leipziger Zeitung" hat von ihrem Standpunkt, oder sagen wir: vom Standpunkt deS herrschenden Produktionssystems aus ganz Recht. Ja, eine gute Ernte, die dem in die Geheimnisse und Irr- gänge unserer schönen Gesellschaftsordnung nicht Eingeweihten als ein„nationales Glück", als ein„nationaler Segen" erscheint, ist für unsere Landwirthe eine„nationale Kala- mität." Wir wollen unS hier nicht in Untersuchungen darüber einlassen, inwieweit die Klagen der deutschen Landwirthe, als deren„An- walt" die„Leipziger Zeitung" aufKitt, auch wirtlich begründet find und ob nicht etliche selbstsüchtige Uebertreibung mit unter- läuft— die Thatsache steht fest, daß unsere Landwirthe in einer guten Ernte eine nationale Kalamität erblicken. Und die zweite Thatsache steht fest, daß eine gute Ernte nicht im Interesse der Landwirthschaft, d. h. der Herren Land- wirthe liegt. Durch die bürgerliche Nationalökonomie ist dieS schon zur Genüge nachgewiesen. Kein Zweifel— die Interessen der Herren Landwirthe stehen im Widerspruch mit den Interessen deS Publikums, des Volkes, der Allgemeinheit— denn an sich ist es für Jeden ein Vortheil, wenn die nothwendigstm NahrungS- mittel in genügender Menge vorhanden find. Dank unseren verkehrten Gesellschaftsverhältnissen wird aber das, waS der Allgemeinheit zum Vortheil gereicht, in eine natio- nale Kalamität verwandelt. Wenn eine gute Ernte eine nationale Kalamität ist, so ist folgerichtig eine schlechte Ernte ein nationales Glück. Nach der Logik der„Leipziger Zeitung" und der heutigen„besten der Welt" ergeht es der„Nation" um so besser, je weniger sie zu essen hat, und muß es ihr am allerbesten ergehen, wenn sie gar nichts zu essen hat und verhungern muß. Wie oft ist es unS nicht von den Pfaffen vorgeschwindelt worden, daß der„Tod daS wahre Leben" sei. Die Logik der „Leipziger Zeitung" und ihrer Patrone läuft für das Volk auf dieses„wahre Leben" hinaus. II kaut corriAor la fortune*)— fintemalen die Natur so wenig Einsicht für die Interessen der Herren Landwirthe hat, daß sie dem Lande eine reiche Ernte und billiges Brod bescheert, muß für künstliche Theuerung gesorgt werden— so will es die„Leipziger Zeitung" mit ihren Patronen, und fordert Erhöhung der Kornzölle. Zur Abwendung der„nationalen Kalamität" einer reichlichen Ernte künstliche Theuerung durch Kornzölle I Das Rezept ist seiner Urheber und der herrschenden Gesell- schaftsordnung würdig! Genug— wir sehen, wie die heutige Gesellschaft sich in den tollsten Widersprüchen bewegt. Die Anarchie der kapitalistischen Produktion hat Zustände hervorgerufen, welche an ihrer eigenen, mit Fingern zu greifenden Absurdität zu Grunde gehen müssen. Der englische Gelehrte I o h n s o h n sagte vor länger als hundert Jahren:„Ein Land, in welchem es für die Eltern ein Unglück ist, Kinder zu haben, ruht auf einem ungesunden Fundamente." Und wir sagen: eine Gesellschaft, in der es eine nationale Kala- mität ist, eine gute Ernte zu haben, ruht auf einem ungesunden Fundamente. DaS Mißverhält niß zwischen Produktion und Konsumtion, welches uns auch hier entgegentritt, und wel- chcs nach der Natur der herrschenden Gesellschaftsordnung sich immer mehr verschärfen muß, verträgt sich auf die Dauer nicht mit der Existenz der menschlichen Gesellschaft; es ist, wie wir schon des Qefteren dargelegt, die Klippe, an der die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung scheitern wird. Entweder die menschliche Gesellschaft oder die kapitalistische Gesellschaftsordnung! Wird diese nicht von jener zerbrochen, so wird die mensch- liche Gesellschaft durch die kapitalistische Gesell- schaftSordnung zerstört. Und die menschliche Ge- sellschaft ist stärker als die kapitalistische Gesell- schaftSordnung. Briefe über Logik.�) II. S e r i e. 6. B r i e f. Im Verlauf der langen Reihe meiner Briefe habe ich in loeitschweifiger Weise und mit den verschiedensten Worten zu erläutern versucht, wie die Logik oder Denkkunst nichts weiter ist, wie die Kunst, die Dinge der Welt stammbaummäßig zu gruppiren. Da heißt es denn: Abraham er- zeugt den Isaak, Isaak zeugt den Jakob u. s. w. Wenn man so nur den Stammvätern nachgeht, ist die Uebersicht leicht; wo jedoch die Genealogie nicht nur nach einander folgt, sondern, wie beim Patriarchen Jakob, zwölf Söhne neben einander sprießen, wird die Geschichte verworrener. In diesem Fall befindet sich, wie die Welt überhaupt, so auch derjenige Theil, den wir speziell auf dem Korn haben. In der politischen Oekonomie will das Nebeneinander und Nacheinander, Alles zusammen, zum Zweck der Erkenntnih in übersichtliche Gruppen geordnet sein. Ob da das Wort Kapital alle Arbeitsmittel umfaßt, auch die schon zu Mosis Zeit gebrauchten, oder nur die modernen, und ob nun Heuer alle Werkstätten, Werkzeuge und Materialien, die zur Produktion dienen, oder nur diejenigen der großen Hänse zum Kapital geschlagen werden, ist keine Frage, die sich ausgrübeln läßt, sondern der gute Kopf, der sich durch Studien bereichert und in der Welt fleißig umgesehen hat, entscheidet darüber nach Zweckmäßigkeitsgründen der Gruppirung. Cr will die Sache hell machen und muß dieses Zweckes wegen das Generelle spezialisiren: in Gattungen, Familien, Arten ic. organisiren und registriren. Wenn ein erfahrener Meister so gethan hat, folgen die Jünger, rühmen die Helligkeit und bilden die„Wissenschast", die zwar stabil ist und woran nicht jeder Beliebige rütteln darf, die jedoch kein geronnener Eiszapfen ist, sondern flüssiger Weitergestaltung offen bleibt. Es ergeht der Nationalökonomie wie der Sprachwissenschaft: jede Sprache hat feste Regeln; jedoch überschwänglich fest sind sie nicht-, man muß sie fest halten, sonst spricht man kauderwelsch, und doch darf und muß sich der Redner und Schriftsteller Freiheiten erlauben, sonst wäre keine Progression, kein Leben möglich. Das Volksgerede ist veränderlich, was der Eine sagt, dem widerspricht der Andere, während die Wissenschaft, nach Kant's Charakteristik, durch Einhelligkeit sich aus- zeichnet. Sie ist einhellig und doch nicht starr; Leben ist in der Bude; sie ist ein Stück von der Wahrheit und vom Leben. Auch der Kapitalbegriff ist lebendig. Der Kapitalbegriff ist der kapi- tale Begriff der heurigen Oekonomie und zugleich auch der Begriff des *) Man muß dem Glück nachhelfen. —) Durch die Uebersiedlung unseres Genoffen nach Amerika erlitt die Veröffentlichung seiner„Briefe über Logik" eine zeitweilige Unterbrech- ung. Wir glauben indeß soviel Interesse an den in denselben behandelte.! Fragen bei unseren Lesern voraussetzen zu dürfen, daß wir trotz dieser Unterbrechung mit dem Abdruck der Briefe fortfahren. Bestärkt werde.. wir in diesem Entschluß durch den Umstand, daß sowohl der sechste wie namentlich der folgende siebente Brief auch als selbstständige Kapitel«wn Interesse sind. ökonomischen Kapitals. Kapital, haben mir die Lateiner gesagt, kommt von Caput, das Haupt. Demnach haben Mensch und Vieh Kapital auf dem Rumps, sogar die steinernen Säulen haben Kapitäler. Und ob die Mehrheit sich nun Kapitäler oder Kapitalien schreibt, mag zur Unterschei- dring dienen rind macht doch keinen Unterschied, keinen absoluten, keinen von übermäßigem Belang. Du siehst, man muß Verstand mitbringen, beweglichen Verstand, auch in der Oekonomie, um den Kapitalbegriff zu erfassen. Der A. Smith, der D. Ricardo und der H. George haben Recht und es ist Sinn in der Sache, wenn sie die Nahrung des Ge- sindes als Kapital verrechnen und Alles, was die Prinzipäle konsumiren, aus der politischen Oekonomie ausschließen. Deshalb jedoch ist es noch kein Unsinn und kein unsinniger Widerspruch, wenn ich widerspreche und behaupte, daß nicht nur das karge Frühstück im Korbe und das knappe Röckchen auf dem Leibe des Arbeiters Kapital sei, sondern die ganze Arbeiterwelt mit Haut und Haar dem Kapital angehöre. Wenn Du soweit in die Logik eingedrungen bist, zu erkennen, wie in allem Denken und Urtheilen die Widersprüche auseinander gehalten und „aufgehoben enthalten" sind, dann verstehst Du auch, wie es mit dem Disput beschaffen ist, der die große Frage behandelt, ob der Kapitalist dem Arbeiter oder der Arbeiter dem Kapitalisten unterthan ist, wer Einer den Andern lohnt, und auch, ob der Arbeitgeber den rechten Namen hat oder vielmehr der Andere, der Arbeiter, seine Sache gegen unge- nügende Zahlung hergibt; wer da Geber und wer Nehmer ist, In der Nacht abstrakter Allgemeinheit sind alle Katzen grau, während dieselben grauen Thiere bei spezialisirter Betrachtung wunder- bare Farben haben. Beide, der Kapitalist und der Arbeiter, sind Kapital- kerle. Der Erste im strengen Sinne des Wortes, der Andere in noch strengerem Sinne; wer nun von Beiden der kapitalste, ist eine so banale Frage wie, ob Goethe oder Schiller der größte Dichter sei. I sDie Bourgeoisökonomen sagen, der Kapitalist ist der Prinzeps s Erste) und dann kommt der Arbeiter. H. George, der halbe Sozialist, möchte den Arbeiter zum Prinzipal machen, während wir ganze Sozialisten vcrinittelst der Logik wissen, wie es mit der Prinzipalität beschaffen ist: wir erken- nen, wie einstweilen der Kapitalist das pras hat, es in der Vergangen- heit haben durste und in der Zukunft das Heft aus den Händen ver- lieren muß. Im logischen Urtheil soll das„historische Moment" seine Partie haben. Das logische Urtheil soll wissen, daß sowohl das kapita- listische wie das Arbeiter-Regiment nur Momente sind, welche im Zu- sammenhang der Dinge oder im Absoluten„aufgehoben enthalten". Das Absolute spielt im logischen Urtheil eine Hauptrolle. Wenn Ab- götterei damit getrieben wurde, darf uns das nicht veranlassen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Auch das absolute Kind will ausge- päpelt sein; wir wollen ihm hell in die hellen Augen schauen. Wenn ich daraus viel Wesens mache, diene mir zur Entschuldigung, daß es— das Absolute oder die allgemeine Wahrheit und die Kunst, sie wahr und allgemein zu denken— auch noch auf den höchsten Höhen der Wissen- schaft eine unentwickelte Sache und Kunst ist, so daß ich, als Magister der Logik, iin besten Falle nur ein unausgebildeter Magister bin, der Student und Dozent zugleich ist und deshalb am Schluß dieser Briefe sein Thema besser versteht wie am Anfang. Mein Thema ist, wie alle Themata, ein absolut entwicklungsfähiges, ein Stück des Unendlichen, mithin auch ein unendliches Stück. Unsere Kapitalfrage, wer Matador, wer Subjekt und wer Anhängsel, ob Kapitalist oder Arbeiter, soll man nicht im Blauen, nicht in der absoluten Allgemeinheit, sondern detailirt. in der historischen Zeit erörtern, mit dem Bewußtsein, daß die ganze Historie in der blauen Ewigkeit„aufgehoben enthalten" ist. In diesem letzteren Element sind Kapital und Arbeit gleichberechtigte Faktoren. In einer gewissen Zeit aber waren das Kapital und die Kapitalanhäufung das domi- nirende Subjekt und die Hauptangelegenheit der Zeit und des Volkes; in unseren Tagen hält es seine Präponderanz nur noch mit Mühe aufrecht, und bald kommt auch die Stunde, wo es„wieder in den Staub zurücksinkt, von dem es genommen ist." Ohne den Begriff des absoluten Weltzusammenhangs, des ewigen, bleiben die Vergänglichkeiten, das Entstehen und Vergehen der Dinge und so auch die Kapitalbewegung, unbegriffen. Ohne den Begriff des Unvergänglichen bleiben die historischen Momente, die Dinge, und auch das Kapitalding geronnene Eiszapfen, was der flüssigen, beweglichen Wahrheit durchaus widerspricht. Wenn unsere Gedanken uns ein wahres, ein denkkunstmäßiges Bild der Welt geben sollen, müssen sie die Ewigkeit zeitlich und die Zeit ewig, sie müssen Zeit und Ewigkeit dialektisch zusammenhängen, so daß sie nicht übermäßig unterschieden, sondern in der Trennung ge- einigt, in der Einigung getrennt sind. Alle Dinge sind Prädikate, Anhängsel oder Theile des absoluten Subjekts, vereinzelt auch rela- tive Subjekte, die wir nur pro forma, nur begrifflich vom allge- meinen Zusammenhange abtrennen können. Nicht der Individualismus, sondern der Kommunismus, der die Individuen„aufgehoben enthält", ist die Wahrheit und das Leben. Der moderne Großhans, das Kapital, hat seine historische Berechti- gung, seinen berechtigten Moment, auf der Weltbühne zu erscheinen. Wenn er aber sich überhebt und die Szene nicht verlassen will, macht der Weltregisseur dem Dünkelhaften klar, daß er kein ewiger Hans, sondern nur ein vergängliches Hänschen ist. Was die Logik in allen Wissenschaften zu besorgen hat, liegt ihr auch in der Oekonomie ob: sie soll die Wirthschaft hell gruppiren, speziell die Kapitalwirthschaft. Da sind denn die Dinge zu trennen, der Kapitalfond vom Konsum- tionsfond, die aufgespeicherte Arbeit der Vergangenheit von der gegen- wärtigen lebendigen Arbeitskrast, die produktiven Werkzeuge der großen Hänse von dem unproduktiven, armseligen Krimskrams der kleinen Zappler, der Bäuerlein, Handwerker und Boutiker. Man soll trennen und doch nicht verkennen, daß das Getrennte zusammenhängt und in-, aus- und durcheinanderflieht. Die Welt, das Universum oder Absolute, ist kein todter Sandhaufen, keine unzählige Ansanimlung von Dingen, kein„Ding", sondern ein lebendiger„Prozeß", der sich entwickelt, unendlich: unendlich im Kleinen, ».«endlich im Großen; aus dem grenzenlosen Chaos zur unbegrenzten Ordnung, Wahrheit, Schöne und Güte. Was unsere Denkkunst da gruppirt, begreift und ordnet, ist nur ein formales Thun, eine formale Logik gegenüber der materialen, der unendlichen„Logik der That- fachen". I. Dietzgen. Die drei Hunde. (Aus der„ T o e k o m st" in Gent für die„Newyorker Volkszeitung" übersetzt.) Eines Abends machte ich einen Spaziergang im Park und ermüdet ließ ich mich dort auf einer Bank nieder. Ich mochte einige Minuten geträumt haben, als sich in meiner Nähe ein großer, etwas magerer Hund niederließ, dem ich es ansah, daß er nicht immer über eine solche Mahlzeit verfügte, wie sie ihm eben jetzt zu Gebote stand; er schickte sich nämlich an, ein ziemlich großes Stück Fleisch zu verzehren. „Sapperlott," sagte ich zu dem Hunde,„Du hast da ein anständiges Stück Fleisch erwischt." „Ja," antwortete der rauhhaarige Köter,„ich habe aber auch schwer dafür arbeiten müssen. Sieh' nur meine blutigen Psoten. Auch habe ich so gutes Futter nicht immer; es ist heute einmal für mich ein Festtag." Mit augenscheinlich sehr starkem Appetite begann er das Fleisch aus- einander zu ziehen; aber kaum hatte er damit begonnen, als zwei Kol- legen, ein Windspiel und eine Dogge, auf dem Plane erschienen und ihm den Brocken streitig machten. Sie schienen aus einem Hause und der Windhund der bevorzugte Köter zu sein, denn die Dogge hielt sich in bescheidener Entfernung von ihm. „Was habe ich Euch gethan, daß Ihr mir mein sauer verdientes Stück Fleisch nehmen wollt?" frug der Arbeitshund. Das Windspiel antwortete:„Es hat keinen Zweck, mit Dir darüber Disput zu führen. Da ist eine trockene Rinde Brod. Die ist für Dich gut genug. Gib das Fleisch her, und schnell." Der Angegriffene richtete sich auf und entgegnete:„Wie, Du Faul- lenzer, der weiter nichts thut, als spazierenlaufen und schlafen, der Du schon das Vergnügen hast, zur Wohnung ein schönes warm gepolstertes Haus in einem herrlichen grünen Hof zu haben, Du, der Alles hat, was Dir gefällt, mißgönnst mir das Stückchen Fleisch, wofür ich schwer arbeiten mußte? Schäme Dich. Ich hoffe aber, Herr Windhund, wenn ich auch noch so abgearbeitet bin, doch noch Kraft genug und genügend scharfe Zähne zu haben, um Dein zartes Fell zu bearbeiten, falls Du Dich nicht wegtrollst." Der Windhund schaute sich aber befehlend nach seinem Begleiter, der dicken Dogge, um, und diese packte denn auch dienstbefliffen den armen Teufel im Genick, während der Windhund schnell das Fleisch schnappte, das Beste davon abriß und die Sehnen und Knochen seinem Begleiter als Belohnung hinwarf. Der beraubte Arbeitshund mußte mit der trockenen Brodrinde abziehen.— Ich fuhr aus meiner Träumerei auf— denn die ganze Szene hatte sich nur in meinem Geiste abgespielt; aber ich dachte mir, die Geschichte paßte ausnehmend auf den Arbeiter, den Kapitalisten und den Vertreter der„eigenthumschützenden" Staatsgewalt! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 17. September 1884. — Einsicht der Wählerlisten. Sobald die Wählerlisten aus- gelegt sind, wiederholen wir, haben die Parteigenossen allerorten dafür zu sorgen, daß dieselben auch gehörig geprüft werden. Durch Annoncen in den Lokalblättern läßt sich viel erreichen. Wer nicht selbst Einsicht nehmen kann, der beauftrage einen Anderen. Ueberall werden sich Wähler finden, die dies bereitwillig thun. Die„Indifferenten" sind kräftig anzuspornen. Da die Wählerlisten, wie siebzehnjährige Er- fahrung uns zeigt, in der Regel sehr lückenhaft sind und da die fehlen- den Namen der Regel nach meist Mitgliedern unserer Partei oder Sol- chen, die zu ihr hinneigen, angehören, so ist die Einsicht der Wähler- listen für uns von äußerster praktischer Bedeutung und eine gebieterische Pflicht, und kann in manchem Falle uns den Sieg verschaffen. Thatsache ist, daß mehr als eine Wahl, wo wir mit einer kleinen Majorität ge- schlagen wurden, uns durch Verabsäumung dieser Pflicht verloren gegangen ist. Ein paar hundert Stimmen sind durch gewissenhaste Einsicht der Wählerlisten leicht zu gewinnen, und diese paar hundert Stimmen können uns leicht am Tage der Entscheidung den Sieg verschaffen. Also diesen wichtigen Schritt nicht unterlaffen! Die Einsicht muß binnen acht Tagen nach der öffentlichen Auslegung erfolgen, indem spätere Reklamationen nach dem Reichswahlgesetz nicht mehr berücksichtigt werden. — Wenn man die Dreikaiserzusammenkunft in Skierni- wice, welche von der Zunft der Speichellecker in der ihnen zugänglichen Presse als ein Akt von weltgeschichtlicher Bedeutung gepriesen wird, wirklich aus ihren weltgeschichtlichen Werth prüfen will, io braucht man nur einen Blick zu werfen auf die Art, wie in den Reichen dieser Feuilleton. Z>as Kaus Wittelsvuch.*) !in Beitrag zur Naturgeschichte der Könige. Line ira et studio. Taoitus. Noch einmal Ludwig II.! Die Halbgötter. II. Unser erster Spaziergang in dem Irr- und Jrrsinnsgarten des baye- rischen Königshauses galt der sublimen Spitze desselben, dem päderastischen Genie Ludwig II. Wir müffen noch einmal auf diesen Hammel zurück- kommen, denn derselbe hat seinem erst vor Kurzem gewählten Kabinets- sekretär, Ehren- P f i st e r, bereits wieder den Laufpaß in Gestalt einer Versetzung in's Ministerium applizirt. P f i st e r war nämlich von den Gläubigern des Königs beaufiragt worden, vor dem sicheren Bankerott doch wenigstens Einiges zu bergen. Allein der Karren war einmal im Dreck verfahren, und das Spitzbuben- talent Pfiister's wurde brachgelegt. Zu den Leuten, bei denen der edle Sproß ans der Wittelsbacher Linie einen Riesenpump angelegt hat, gehörte übrigens auch der vor einiger Zeit gestorbene Großfabrikant und wasierliberale Reichsrath Cramer-Clett in Nürnberg, in dessen Schatulle sich 2 Millionen königliche Wechsel befanden. Der König wird, wie wir es vorausgesagt, von Tag zu Tag blöd- sinniger. Gleich dem alten assyrischen Despoten Nebukadnezar läßt er sich Haupt- und Barthaar ungesesselt wachsen,— ob er sich auch wie sein er- lauchtes Vorbild für einen Ochsen hält, ist noch nicht festgestellt. Wofür er, nicht ohne Unrecht, seine Dienerschaft hält, wissen wir. Er ohrfeigt sie nach Noten und beglückt seine Leibdiener mit dem Kosenamen:„Ka- naille, Bagage!" Besseres verdienen die Subjekte nicht, welche als privi- legirte„Louis" dem an konträren Sexualempfindungen laborirenden König junge Männer zutreiben: die After diener, wie sie der Volks- mund im Gegensatz zu den Leibdienern nennt. Diese Afterdiener werden vom König sehr sanft behandelt und außerordentlich berücksichtigt. Berichtigend sei noch nachgetragen, daß der jetzige Polizeidirektor von Pechmann nicht Minister war, sondern der Neffe des Ministers gleichen Namens ist; Hallunken aber sind sie alle Beide. Ferner ist der tollere Bruder des tollen Königs, Prinz Otto, nicht mehr in Schleiß- heim. Seine königliche Hoheit geruhen vielmehr in F ü r st e n r i e d sich im höchsteigenen Koth zu wälzen und denselben allereigenmündigst zu verschlingen; der edle Prinz tobt ruhig weiter und verbringt seine tob- süchtigen Augenblicke, die pro Tag 24 Stunden betragen, damit, den Pferden unter die Schwänze zu sehen und seinen Diener zu prügeln; letzteres soll ihm allerdings— wie pöbelhaft!— mit gleicher Münze zurückbezahlt werden. Und das infame Zeitungsgeschwister entblödet sich nicht, mit frecher Stirn zu berichten:„Se. kgl. Hoheit haben gnädigst so und so viel Mark *) Vergleiche das Feuilleton in Nr. 8. drei Kaiser die Völker behandelt werden, die, wie das offiziöse„Jourual de St. Petersburg" schreibt,„in der Person ihrer Souveräne in Skier- niewice vertreten sind" und daselbst„unter einander die Pfänder der Sicherheit und des Gedechens austauschen, welche die Eintracht der Mo- narchen und die herzlichen Beziehungen der Freundschaft und guten Nach- barschaft, die in so erfreulicher Weise zwischen den drei Reichen bestehen, ihnen gewähren." In Rußland ist in der Regierung die Partei des bornirten Autoch- thonenthums— der Panslavisten— am Ruder, deren Haß sich in erster Linie gegen Alles richtet, was deutsch, in zweiter gegen Alles, was pol- nisch ist. Die Vertreter dieser Richtung sind die ganz besondern Günst- linge Alexanders des Dritten. In O e st e r r e i ch ist gleichfalls die Partei am Ruder, welche das Deutschthum zu Gunsten des Slaventhums in jeder Beziehung hintanzusetzen sucht— Polen und Czechen sind maß- gebend im Rothe Franz Josephs. Und in Deutschland bekundet man seine„Freundschaft und gute Nachbarschaft" durch Ausweisung russischer und österreichischer Reichsangehöriger. Das sagt mehr als spaltenlange Leitartikel. Nur dynastische, d. h. rein persönliche Zwecke sind es, welche die drei Monarchen wieder einmal zusammengeführt haben— eine Art Rückversicherung gegen ihre Völker. Wilhelm, Alexander und Franz Joseph beweisen durch ihre„herzliche Freundschaft" entweder ihre relative O h n- macht gegenüber gewissen Strömungen in ihren Ländern,— und wel- cher Werth ist dann auf das Friedenspfand zu legen, das in ihrem Freundschaftsbündniß angeblich zu finden ist?!—, oder ihre absolute Nichts- nutzigkeit. Wir sind gewiß keine Schwärnier für das Nationalitäts- prinzip, aber es ist nun einmal heute anerkannt, und gerade Kaiser Wilhelm— oder sagen wir lieber Bismarck— wird als der Hort des Deutschthums gefeiert. Nun, wie kann da der Hort des Deutschthums innige Freundschaft schließen mit einem Manne, der dem Deutschthum in seinem Lande allerhand Steine in den Weg legt— wenn nicht zu p e r- s ö n l i ch e n Zwecken? Mag also die servile Presse noch so viel schwefeln von dem Segen, der dem russischen, dem deutschen, dem österreichischen Volke aus diesem Bündniß der drei Kaiser erwachsen wird, mag die geknebelte unabhängige Presse in diesen Ländern sich um die Kritik dieses Bündnisses, so gut sie kann, herumdrücken, wir, denen der Mund nicht geknebelt, sagen es rund heraus, daß wir in demselben nichts anderes erblicken als immer und immer wieder das Bestreben, die„heilige Allianz", diesen Bund zur Unterdrückung aller freiheitlichen Bestrebungen, neu aufzu- frischen. Nicht zur allgemeinen Abrüstung wird er führen, sondern zur Vergrößerung der Militärausgaben, nicht den Fortschritt wird er fördern, sondern die Volksverdummung— in den drei beglückten Ländern sind heut' die Pfaffen obenauf! Das genügt. — Boycottet arbeiterfeindliche Wirthe! Der bekannte Reichstagsbeschluß hinsichtlich der Wahlversammlungen hat die deutsche Polizei zu der von uns erwarteten Aenderung ihrer Taktik veranlaßt. Da man die Versammlungen nicht mehr vvn vorn- herein verbieten kann, so steckt man sich hinter die Wirthe und sucht dieselben zu bestimmen, daß sie ihre Säle den Sozialdemokraten ver- weigern. Es ist dies, wie uns mitgetheilt wird, neuerdings sehr häufig geschehen— auch an solchen Orten, wo es früher nicht Gebrauch war. Und ganz besonders in Sachsen. Herr von Nostiz-Wallwitz, der säch- fische Minister des Innern, versicherte zwar in der letzten Landtagssession hoch und theuer, daß eine solche Beeinflussung der Wirthe durch die Polizei nicht vorkomme, allein trotzdem ist diese Beeinflussung eine Thatsache, die sich in vielen Fällen nachweisen läßt und dem wahr- heitsliebenden Herrn von Nostiz-Wallwitz wohl auch gelegentlich noch unter die Nase gerieben werden wird. Es fragt sich nun, wie haben unsere Genossen sich dieser Taktik gegen- über zu verhalten? Die Antwort ist einfach und wurde bereits früher in einer Korrespondenz aus Sachsen über ein derartiges Vorkommniß in Niederhaslau gegeben. Die Mehrzahl der Wirthe, die hier in Frage kommen, hängen ökonomisch von den Arbeitern ab und gehen entweder zu Grunde oder leiden doch schwer in ihrem Geschäft, wenn ihre Lokalitäten von den Arbeitern nicht besucht werden. Hier ist der Hebel anzusetzen. Leider haben die Arbeiter bisher in dieser Richtung zu wenig Ehr- g e f ü h l und Zusammenhalt gezeigt, wir sagen mit voller Ueber- legung: zu wenig Ehrgefühl. Denn es ist eine persönliche Be- leidigung der Arbeiter, wenn ihnen ein Wirth sein Lokal, das er andern Parteien bereitwillig gibt, für eine Versammlung verweigert. Und es zeugt allerdings von einem Mangel an Ehrgefühl, wenn die Arbeiter sich eine solche Beleidigung ruhig gefallen lassen. Die Nieder- haslauer haben den richtigen Weg gezeigt! Der Wirth, der auf diese Art die Arbeiter beschimpft, muh von ihnen boycottet�) werden. Jeder *) Das Boycotten ist unfern Lesern von Irland her bekannt. Der Mr. Boycott, welcher zu dieser Prozedur unfreiwillig den Namen ge- geben hat, machte sich den Jrländern besonders mißliebig und wurde dafür dergestalt in Verruf gethan, daß Niemand mehr ihn besuchte, Nie- mand ihm Waaren lieferte, Niemand für ihn arbeitete. Der Mann für die da und dort Verunglückten bewilligt." Dies wird über einen Menschen geschrieben, der o f f e n k u n d i g an dem Uebel krankt, das thatsächlich mehr oder weniger die Erbkrankheit aller Wittelsbacher ist, an dem durch Blödsinn temperirten Zäsarenwahnsinn. Daß der erste Bericht in Nr. 8 nicht blos in München, fondern durch ganz Bayern Staub aufgewirbelt und alle Polizeinasen in heftig schnüf- feinde Bewegung gesetzt hat, wissen wir sehr wohl. Auch der königliche Hof ist mit Exemplaren versorgt worden. Die Nummer war kaum bei der Münchener Regierung eingelaufen und hatte zur stillen Freude und zur lauten Entrüstung Aller vom Regierungspräsidenten bis zum Sekretär die Runde gemacht, da sind, nach unserer guten Information, schon drei Spitzel nach Zürich gefahren. Zweck: Auskundschaften, wer der Verfaffer ist. Nun, ihr Polizeilumpen, ihr Giftmischer der öffentlichen Meinung, hier stehe ich und sage euch trank und frei, wer der Verfasser ist. Ich bin's ich, der Ausdruck dessen, was Hunderttausende denken, ich bin das geknechtete und betrogene Volk, ich bin's, das Gewissen! Ihr werdet mich nicht finden; wann hättet ihr jemals den Weg zum Gewissen gefunden?! Doch wenden wir uns vom Sonnengott Ludwig zu den Prinzen, den Halbgöttern! Vor einigen Monaten wurden plötzlich von der, gewiffen Herren gegen- über so sehr diensteifrigen Polizei in einem Münchener Winkelgäßchen eine Reihe von Bordellen geschloffen. Die betreffende Straße liegt in einem labyrinthischen Gewirr kleiner Gäßchen und kleinster Häuserkom- plexe, so versteckt, daß nur Derjenige sie finden kann, der sie sucht. Weshalb wurde dort den Menschenfleischhändlern, die für die Bourgeoisie die Töchtern des Proletariats feilhalten, das unsaubere Handwerk unter- sagt? Etwa aus„Gründen der Sittlicheit"? Bewahre! Die Polizei ist erstens dort in ihren Musterexemplaren Stammgast und bezieht ferner eine Steuer, die nicht zu verachten ist. Geld riecht nicht. Also wes- halb? Der uralte Sünder und Onkel des Königs, Prinz Luitpold, hatte sich dorthin„verirrt" und war irgendwie„belästigt" worden. Der edle Prinz beklagt sich bei einem der Polizeioberknechte, und heidi! wird die Gasse gesperrt! Denn „Gefährdet war das Palladium Des Staats, ein prinzlich Präputium," um frei nach Heine zu schreiben. Nach knapp drei Tagen aber bemerkte der Polizei Ober-Baschibozuk zu seinem Schrecken, daß er mit seiner Bordell-Quarantäne es nicht allen Wittelsbachern recht gemacht hatte. In einer Soiree schnarrt ihn des Luitpold Sohn, Prinz Ludwig(der Thronerbe!), im Brust- ton sittlicher Entrüstung darüber an, daß die Straße, wohin „sein lieb st er Gang", gesperrt sei! Ludwig ist nämlich ein gewaltiger Held— zwischen zwei Bettlaken, und obwohl er und sein ganzes blutsverwandtes Geschlecht mit kaninchenhafter Fruchtbarkeit legitime Apanagensreffer produzirt, so spaziert er doch auch gern in anderer Leute Weinberg und jagt jungen Frauen und Mädchen nach. Er ist halt jeder Zoll ein— Prinz! Ein anderer Halbgott ist P r i n z L e o p o l d, ein Geschöpf, das an Jdiotenhaftigkeit es dem gediegensten Kretin gleichthut, der bei Pro- fessor Gudden in Giesing den lerneifrigen Studiosen vorgeführ Arbeiter mit Ehrgefühl hat ihn und sein Lokal zu meiden. Wird das systematisch durchgeführt, dann werden die Herren Wirthe bald aus der Roth eine Tugend machen und anständig werden. Von der Polizei und den paar Geldprotzen können sie nicht leben; die„Arbeitergroschen" sind's, worauf sie angewiesen sind, wenn sie nicht verhungern wollen. Das merke man sich! Die Macht der Arbeiter ist größer als sie glauben, sie muß nur auch gebraucht werden! Das gilt im Kleinen wie im Großen. — Die Korrumpirung des Richterstandes durch das Sozialistengesetz ist eine Thatsache. mit der sich das Parteiorgan schon öfters zu beschäftigen hatte. Heute sind wir in der Lage, einen neuen klassischen Beleg zu liefern— um so klassischer, als es sich nicht um einfaches Amts- oder Landesgericht handelt, sondern um oas höchste Landesgericht eines Staats, deffen Richterstand bis zur Epoche des Sozialistengesetzes und der Sozialistenhatz für den ehren- werthesten und unabhängigsten in ganz Deutschland galt. Wir meinen Sachsen, und das Gericht, mit dem wir es zu thun haben, ist— um ihm seinen vollständigen Titel zu geben— das „Königlich sächsischeOberlandesgericht zuDresde n." Der Sachverhalt ist kurz folgender: Einem sächsischen Bürger, dessen Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie bekannt ist und von ihm nie geleugnet ward, der seines makellosen Cha- rakters halber aber auch von dem erbittertsten Gegnern hochgeachtet ifl wurde vor etwa 2 Jahren die Vormundschaft über ein uneheliches Kind von dessen ihm entfernt verwandten und in der Welt allein stehenden Mutter überttagen. Er übernahm auch das Vertrauensamt; allein seitens des Vormundschastsgerichts wurden Bedenken erhoben, und zwar wegen der„notorischen" Zugehörigkeit des fraglichen Bürgers z u r sozialdemokratischen Partei. Dieser hielt sich durch das der Mutter gegebene Versprechen für gebunden; er verzichtete nicht, wie man ihm nahelegte; er verfolgte die Sache weiter, die so schließlich an vas Oberlandesgerrcht kam. Das endgültige Urtheil des Oberlandesgerichts — welches uns erst jetzt mitgetheilt worden ist— wurde am 12. Juni des vorigen Jahres gefällt und lautet in seinem zweiten, uns allein interesstrenden Theile wie folgt: ——„Zweitens ist darauf hinzuweifen, daß, selbst wenn Sie der zunächst zur Vormundschaft Berufene wären— was nach dem Vorstehenden nicht der Fall ist—, doch durch die gesetzlichen Be- stimmunge.r im„Bürgerlichen Gesetzbuch" KZ 1886, 1836, 1893 dem Vormundschaftsgerichte ausdrücklich das Recht eingeräumt worden ist, sich über die gesetzlichen Berusungsgründe zur Vormundschaft Eine si tern eine 'S.Jahrh ,ait in d ficht die -n die A Männer i Doch t tj, die u Auf di Der S khrenam !» dem t ttaatli imes Eh Jie s e s «cht be »der p Mische' »Rechtsg iieignet folitffche, (et„ S tücklich l fiit kom: so-matio »ar, die »ertrat) «der an Wechsel tonnung Kurz. Sozialist Sarbare Ptozes hinwegzusetzen, wenn e s die zunächst berufene Person bei pflichtmäßiger Erwägung für nicht geeignet hält. Wenn aber in dieser Hinsicht das Amts- gericht daran An st oh genommen hat, daß Sie ein eifriges Mitglied der sozialdemokratische« Partei sind ein Umstand, der von Ihnen nicht bestritten worden ist—, so vermag man(!) diese Stellungnahme des Gerichts nicht zu mißbilligen. Zwar mag Ihre bürgerliche und s i t t l i ch e U n b e s ch o l t e n h eit nicht be st ritten werden. Allein bei der Frage, ob Sie zum Erzieher und zum B e a u f s i ch t i g er einer Erziehung geeignet seien, durfte das Ge- richt Ihre Partei st ellnng mit in Betracht ziehen, da mit Rücksicht auf dieselbe die Besorgniß nicht ausgeschlossen erscheint, Ihr Einfluß auf das Kind würde von Ihnen seinerzeit mitdazu be- nutzt werden, dem Letzteren Grundsätze beizu- bringen, welche staatlich nicht gebilligt werde« könnten. „Das eingereichte Zeugniß des Stadtraths zu... erhalten Sie beiliegend zurück." Dieses„Zeugniß des Stadtraths zu..." stellte die Unbescholtenheit und den makellosen Charakter des Mannes fest. An dieser Makellosigkeit hat das Obergericht auch nicht gezweifelt-- trotzdem hat es demselben das Ehrenrecht zur Bekleidung eines Vor- mundschastsamtes aberkannt, einzig und allein, weil er„ein eifriges Mitglied ver sozialdemokratischen Partei" ist. Ein Sozialdemokrat so« als solcher zur Ausübung des Vormundschaftsamtes„nicht geeignet" sein!— Ueber die Monstrosität einer solchen Annahme brauchen wir uns hie» nicht des Weiteren auszulassen. Die R'chter stellen sich hier genau aus den Standpunkt jener christlichen Fanatiker, die auch de« edelsten Menschen, falls er nicht ein„orthodoxer Christ" ist, für eine« unsittlichen, verworfenen, der ewigen Verdammniß anheimgefallene« Menschen halten— eine Auffassung, deren Rohheit und Beschränktheu von L e s s i n g in seinem„Nathan der Weise" der ewigen Verdammniß durch jeden Gebildeten überliefert worden ist. «or ein ir e i e i als poli dem Sä damals der T h iur Vers Thatsach die schä Uber die Ichaut h Stab b Segen€ wie ma Obdach das Vi. ertödtet unfaßbc geschehe ist, noi mußte bald das Feld räumen, trotzdem ihm der gewaltige englisch» Polizeiapparat zur Verfügung stand. Das Boycotten, welches wir ew- pfehlen, ist, den deutschen Verhältnissen angepaßt, etwas harmloserer Natur, wird aber nicht minder wirksam sein. wird. Die Gemahlin dieser geistigen Null ist die stolze österreichisch» Prinzessin Gisela, die schon dadurch ihre echt Habsburgische Abstaw- mung beurkundet, daß sie ihren Ehegespons mit einem stetig wachsende« Hörnerschmuck versieht. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme. Si» hat eben „Von Mütterchen die Frohnatur Und Lust zu— exzediren." Die Hahnreischaft Leopold's ist übrigens älter als seine Ehe mit der dickunterlippigen Habsburgerin. Dieselbe hatte bereits in Wien die höh» Gnade, zum Volk herabzusteigen. Der Letzte, zu dem sich die an- gehende Niessalina herabließ, war ihr Leibkutscher, der ein gar stattliche» Mann war. Die Folgen blieben nicht aus, Leopold wurde auf de« Heirathsleim, der größeren Sicherheit wegen, gelockt. Leider hat ein» jähe Frühgeburt es verhindert, daß ein Kindlein aus proletarischem Blut in den Königssaal hineingeschwärzt wurde. Gisela sieht man meistens ohne den Gemahl, und besonders huldvoll schaut sie im Englischen Garte« in München auf stramme junge Leute.--- Ein Bursche aus derberem Stoff ist Prinz A r n u l p h. Brutal wi» ein preußischer Korporal, dickschädelig wie ein Rhinozeros, sinnlich wi» Faun, dumm wie ein 87jähriger Heldengreis— das ist Arnulph. Der- selbe pflegt mit Vorliebe sich aus seinem und seiner Frau Hofstaat sein« Geliebte auszusuchen. Gräfin Olga von Dürckheim-Mont- martin, die Frau feines Hofmarschalls, war 1883 von ihm begnadet worden. Der Mann dieser natürlich hochbeglückten Dame, ein„schneidi- ger" Offizier, ertappte eines Tages die Beiden beim zärtlichsten, gar nicht mehr zweideutigen Gekose, forderte den Prinzen auf„Pixtaulen' und stand aber hinterher auf den Wunsch Ludwig des Paraly- t i k e r s davon ab, der Arzt seiner Ehre zu werden. O Ritterthum, O Mannesmuth! So war Arnulph und dem ehrliebenden Grafen geHolsen, der, ein Pflaster für seine Schmach, Adjutant des Königs wurde. Und damit war die Sache abgemacht. Noblosoe obligel Wie es mit den Finanzen der Halbgötter bestellt ist, davon gibt folgendes Faktum ein trffliches Bild: Eine bayerische Prinzessin sollte heirathen. Allein es fehlte das Geld zur Aussteuer. Was thun? Die Mutter, eine im Pumpen geübte Dam«, wendet sich an ihren Schwiegersohn, einen ausländischen Prinzen. Der- selbe sendet eine entsprechende Summe, welche die biedere Mama daz« benutzt, um alte Schulden zu bezahlen. Und so mußte der arme Prinz zum zweiten Male eine Aussteuer besorgen. Nun, bayerisches Volk, was denkst Du von diesen Schmarotzern, vo« diesem Geschmeiß, das Dein Blut aussaugt, das unthätig herumlungert und sich von Deinem Marke nährt? Willst Du noch länger im Knechts- dusel verharren? Raffe Dich auf und schließe Dich der Partei an, die auf ihre Fahne geschrieben hat: Freiheit, Gleichheit, Brüder- licheit! Bayerisches Volk, Dein Heil liegt allein im An- schluß an die deutsche Sozialdemokratie! Bajuvarier. igen; Hört «Wie sich nu: Als wi ! Hunger [ kurzen 4 Man Brod t kraut, nicht g Tags z stark, t | welches selben !»nthält I Zwei ir 1 jrüh g starken getrieb wir m Schubt Rast., Umgele bereits station daselbf gründl Leiden: von Li bestanl Schüss erbärv nicht i einen Leuten der ui schloff. 15 Zo vertat l'ch. h zum I -'ufges zerriss Straf Iheils kein Z „«i verstä Alles, geschli Kette durch, befest, hattet an d« Tag einen Esser wied. und geste. data, und muß! nicht habe Alle. Schl fchla schtn serti Sie schw sie l dazu uns theil schlc herc Arz, das der und !en" Im. >et Las das chon �uen um oaS zur ren» Hu« das .„ II : N. catie SM : ist. 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Auf die e in e Monstrosität wird eine zweite gethürmt. Der Satz, daß ein Sozialdemokrat als solcher zur Bekleidung des Ehrenamts eines Vormunds„nicht geeignet" sei, wird erweitert !» dem Satz, daß Jedermann init Grundsätzen, welche staatlich nicht gebilligt werden können, zur Bekleidung jenes Ehrenamts ungeeignet sei. Da Alles, was von der Bekleidung tiefes bestimmte,« Ehrenamtes eines Vormundes gilt, mit gleichem «echt betreffs der Bekleidung jedes anderen öffentlichen «der privaten Ehrenamts gesagt werden kann, so ergibt sich als t«0ische Konsequenz des von dem obersten sächsischen Gericht festgestellten »Äechtsg undsatzes", daß Niemand zur Bekleidung eines Ehrenamtes Seeignet ist,„er nicht„staatlich gebilligte" Grundsätze hat, d. h. über politische, soziale, wiffenscyaftliche und sog. religiöse Dinge so denkt wie der„Staat" es„billigt", d. h. der nicht so denkt, wie die äugen- iiicklich am Ruder befindliche Partei denkt oder zu denken vorgibt. Da- «>it kommen wir aus die skandalöse Praxis zurück, welche nach der Re- 'Donation in Deutschland herrschte, daß nämlich das Volk verpflichtet »ar, die Konfession ooer Religion des„Landesherrn"(der den„Staat" «ertrat) zu bekennen, und daß es, falls der Landesherr aus dem einen «der anderen Grunde die Konfession oder Religion wechselte, diesen Wechsel ebeufall? schleunigst vornehmen mußte— bei Straje der Ver- Innung und des Vermögensverlustes. Kurz, unsere Richter sind, Dank dem korrumpirenden Einflüsse des Sozialistengesetzes und der offiziellen Sozialisteuhatz in die häßlichste Barbarei des 1k. und 17. Jahrhunderts, der Jahrhunderte der Hexen- Prozesse, zurückgesunken. — Barbarisches aus einem Kultur st aat. Wir haben «er einiger Zeit berichtet, wie man in Ungarn, im schönen, sreien,„liberal" regierten Ungarland, einen Arbeiter, der Äs politischer Verbrecher von Deutschland ausgeliefert worden war, aus dem Schub behandelt hat. Aber alle Worte der Entrüstung, die wir damals gebraucht, treten zurück vor der einfachen, schmucklosen Erzählung der T h a t s a ch e n. wie sie der„Schübling" selbst in einem- uns Zur Verfügung gestellten— Briefe an einen Freund gegeben. Die nackten �hatsachen sprechen eine Sprache, viel deutlicher, viel schreiender als es «ie schärfsten Worte vermöchten. Hier schaut her, ihr Pharisäer, die ihr über die Verrohung der nieder., Volksschichten heuchlerisch klagt, haer Ichaut her, ihr amtlichen und freiwilligen Staatsanwälte, die ihr den Stab brecht über die zu steter Gewaltthätigkeit aufgelegten, vom Haß gegen Staat und Gesellschaft durchdrungenen Arbeiter, hier schaut her, u>ie man Menschen, deren einziges Verbrechen ist, keine Arbeit und kein Sbdach zu haben, gleich dem Vieh, nein, schlimmer, weit schlimmer als das Vieh behandelt, wie man in ihnen jeden Funken von Selbstgefühl ertödtet! Und dann antwortet, ob es nicht ein Wunder, ein geradezu unfaßbares Wunder ist, daß nicht noch mehr Gewaltthaten als bisher geschehe,!, daß der Haß gegen Staat und Gesellschaft nicht noch größer 'st, noch ganz andere Dinge zeitigt als die, über welche ihr heute zu klagen pflegt! Hört nur: „Wie barbarisch nian hier n.it den Schüblingen verfährt, davon kann sich nur Der einen Begriff machen, der es selbst mit durchgemacht hat. Als wir von Wiener-Reustadt aus ermüdet von den Strapazen und Hungerleiden in Raab angekommen waren, erhielten wir nach einer kurzen Zeit unsere Verpflegung, 1 Pfund schlechtes Schwarzbrod, für 4 Mann in einer Schüssel ungefähr 2 Liter warmes Wasser mit etwas Brod darin, dann in derselben Schüssel ein gleiches Quantum Sauer- braut, welches so verdorben war, daß wir es trotz unseres Heißhungers Nicht ge. ießen lonnten. Zu„emerken ist noch, daß wir nur einmal des Dags zu essen bekommen haben. Ueber Nacht wurden wir, 11 Mann stark, tn ein Loch eingepfercht, was man hier Gefängniß nennt, und welches eine Pritsche von einem Fuß Höhe und auf beiden Seiten der- selben einen Zwischenraum von zwei Fuß zwischen ihr und der Mauer enthält. Auf der Pritsche hatten kaum neun Mann Platz zum Liegen, Zwei mußten sich auf den feuchten Boden hinstrecken. Andern Tags srüh ging d�e Hätz los. Da wurdr.i wir zu zwei und zwei mit ziemlich starken Ketten zusammengeschlossen und von eine n Stadtgardisten weiter tzetrieben, ohne daß wir etwas zu essen erhielte.,. Um 11 Uhr langten wir mit geschwollenen Händen an einer Zwischenschubstation an, wo der Schubtreiber und die Ketten gewechselt wurden. Nach einer halbstündigen Aast, wieder ohne daß wir etwas zu essen bekamen, wurden die Ketten Umgelegt, da unsere Hände, an denen wir bis dahin geschlossen waren, bereits wund gerieben waren; so ging es weiter nach der Hauptschub- statron N a g y i g m a n d, wo wir nach 8 Uhr eintrafen. Der Empfang baselbst war nichts weniger als angenehm. Da wurden wir nach einer gründlichen Durchsuchung in einen Stall gesperrt, ovo sich schon drei Leidensgefährten befanden; das Stroh, auf welchem sie lagen, wimmelte von Läusen. Nach 5 Uhr erhielten wir unser Mittagessen. Dasselbe besland in je einem halben Pfund Brod, und für l 3 Personen s!) in zwei Schüsseln schlechter Breisuppe mit etwas Brod darin. Als wir mit dieser erbärmlichen Fütterung fertig waren, legte ich mich, um von den Läusen nicht total angesteckt zu werden, auf den bloßen Erdboden hin, denn einen hölzernen Fußboden kann man hier nur bei den besser situir en Leuten finden. Von Schlafen war da allerdings keine Rede, denn bei der Ungeheuern Hitze— im Juli!— in einem Loch mit zwei sest ver- schlossenen Thüreu und einem Fenster von ungefähr 2 Fuß Höhe und t5 Zoll Breite muß-en wir unserer 1K Personen liegen. War trotzdem verdammt, die ganze Nacht zu liegen, denn erstens ivar es nicht inög- lich, herumzugehen, weil der Raum bloß so groß war, daß wir Platz zum Liegen halten, zweitens waren meine Füße derart voll Blasen und Aufgeschwollen, daß ich kaum noch stehen konnte. Da meine Schuhe total zerrissen waren, bin ich gezwungen gewesen, barfuß zu laufen. Die Straßen sind hier in Ungarn bekanntlich auch sehr schlecht— größten- theils mit ganz klein zerschlagenen Steinen aufgeschüttet, folglich ist es kein Wu..der, daß meine Füße gründlich zugerichtet waren. „Andern Tags früh um K Uhr mußten wir weiter marschiren, selbstverständlich auch wieder geschlossen, aber auf eine andere A-k; nämlich Alles, was noch halbwegs gehen konnte, wurde an eine lange Kette an- beschlösse.!. Ein Jeder bekam einen eisernen l'.eisen an die Hand; die Kette hatte auf einer Seite einen festen Knopf, wo sie in der Mitte durchgezogen und dann auf dem andern Ende mit einem festen Schloß befestigt wurde, damit ja Keiner durchbrennen konnte. Glücklicherweise hatten wir keinen langen Marsch zu machen, da wir um halb 11 Uhr an der Hauptschubstation angelangt uaren, wo wir bis zum nächsten Tag Rast hatten. Um l Uhr bekamen wir je ein Stück Brod und in einem Kasserole für 13 Personen eine Kartoffelsuppe. Was das für eine Esserei war, können Sie sich selbst vorstellen. Das Arrestlokal war wieder ein äußerst erbärmliches: es ist mit Ziegelsteinen ausgepflastert und hat eine hölzerne Pritsche, die ganz zerfallen oder, weil die Bretter gesteckt voll Wanzen waren, von Schüblingen zerhauen worden ist; denn darauf liegen war unmöglich, das mußten wir selbst erfahren: als ich und einige von uns unsere müden Glieder darauf hingestreckt hatten, mußten wir uns schleunigst flüchten, wenn wir uns von dem Ungeziefer nicht fressen lassen wollten. Es war allerdings nutzlos, denn gebissen haben sie uns doch. Wir mochten ansangen, was wir wollten, es nützte Alles nichts. Endlich ist uns die Geschichte doch zu dumm geworden. Schläfrig, müde,>..att und hungrig wie die Wölfe— und doch nicht schlafe.! können, das war wahrhastig zu viel! Es wurde gepoltert, ge- schimpft— es nützte Alles nichts. Endlich machten wir uns her und fertigten Späne von den Brettern an, die wir anzündeten. Da hätten Sie sehen sollen, wie es da ausgesehen hat: die ganzen Wände sind schwarz gewesen von Wanzen; ja selbst auf dem steinernen Boden sind sie herumgelaufen. Es gehört wahrhaftig eine grenzenlose Bestialität dazu, Menschen in eine solche Hölle hineinzusperren. Nach und nach hat uns das Späne Machen und Anzünden auch verleidet und sind wir dann, theils sitzend, theils am Boden liegend, doch aus eine kurze Zeit einge- schlafen— d. h. wir haben eigentlich nicht geschlafen, sondern nur genickt. „A's es endlich Tag geworden, waren wir froh, aus dieser Hölle herauszukommen. Ich konnte nicht mehr laufen und wurde von einem Arzt, der jedesma-, so oft der Schub abgeht, die Schüblinge untersuchen muß, ob sie marschfähig sind oder nicht, untersucht; dann auf dessen Geheiß per Wagen transportirt. Aber ach, wie habe ich Die beneidet, die das Glück hatten, zu Fuß gehen zu können! Wenn ich nur einiger- maßen im Stande gewesen wäre zu gehen, so hätte ich es dieser Höllen- qual auf dem erbärmlichen Leiterwagen vorgezogen. Jndeß, was half's! Ich konnte eben nicht mehr und mußte mich daher ganz ruhig schütteln lassen. Wäre noch wenigstens ein Sitz aus dein Wagen gewesen, so hätte es sich noch machen lassen, aber es war nichts als etwas Stroh aufgeschüttet und darauf mußte ich mich mit noch einigen Marooen kuschen. „Die nächste Hauptschubstation erreichten wir nach 3 Uhr Nachmittags, wohl gemerkt, ohne daß wir den Tag hindurch etwas zu essen bekominen hätten. Das war die letzte Schubstation vor Budapest, aber auch die schlechteste— ausgenommen, daß es dort keine Wanzen hatte. Es ist unglaublich, aber doch wahr, daß wir gegen 4 Uhr ein Jeder 2 Stück altgebackene Wassersemmeln, von welchen das Stück neugebacken 2, und wenn sie altgebacken sind, 2 Stück 3 Kreuzer kosten,— sage 2 Stück Semmeln für 3 Kreuzer per Mann Verpflegung für 24 Stunden und nach solchen Strapazen erhielten. Das ist doch unerhört! Und dieses Land, mein theures Heimatland, wo das Auge die prachtvollen Frucht- saaten nicht zu übersehen vermag, wo die schönsten Korn- und Weizen- selber sich aus viele Meilen weit dahinziehen, in diesem Land, welches man die Kornkammer Europas nennt, kann so etavas vorkommen! Und das miserable Loch von Schubarrest war kaum so groß, daß wir zum Sitzen Platz hatten, vom Liegen war da keine Rede, vom Schlafen noch viel weniger. Endlich ist es auch wieder Tag geworden, daß wir nach Budapest abmarschiren konnten. Von da kamen wir gegen I Uhr an eine Zwischenstation, wo wir ein Stückchen Brod und einen kleinen Teller mit einigen Löffel voll Kraut darin zum Mittagessen bekamen. „Dann wurden wir wieder zusammengeschlossen, auch die, die auf dem Wagen geführt wurden, waren geschlossen. Nachmittags um halb 3 Uhr sind wir in Budapest eingerückt. Das war den 22. Juli, den 23. Vor- mittags um halb 11 Uhr wurde ich, ohne daß man mir noch etwas zu essen gab, entlassen. Jetzt können Sie sich's denken, wie mir zu Muthe war. Um nicht ganz barfuß gehen zu müssen, hatte ich mit vieler Mühe und unter ziemlichen Schinerzen meine zerrissenen Schuhe angezogen." So zog der Verbrecher in die Hauptstadt Ungarn's ein. Einige mitleidige Leute nahmen sich seiner an— hätte er diese Hülfe nicht ge» funden, so hätte er entweder total verlumpen oder— sich aus der Welt trollen müssen. Man höre nur, wie es ihm weiter erging: „Unter diesen Umständen war ich gezwungen, nach Arbeit zu sehen, hatte auch welche erhalten; ich wurde aber auch schon den zweiten Tag fortgeschickt, weil ich nicht im Stande war zu arbeiten— vor Schwäche, denn ich habe Biontag Mittags zu arbeiten angefangen, ohne etwas ge- gessen zu haben. Was nun beginnen? Etwas treiben mußte ich, um nicht verhungern zu müssen. Da entschloß ich mich, einen Platz zu suchen, avo ich zugleich die Kost bekomme; ich fand auch einen solchen, aber ich konnte es auch hier nur bis zum zweiten Tage aushalten. Den zweiten Tag war es mir so elend geworden, daß ich kaum mehr stehen konnte, kaum daß ich mit Aufwand aller meiner Kräfte mich auf mein Quartier zu schleppen vermochte. Dort lag ich zwei Tage, und als ich sah, daß es ancht bessern wollte, entschloß ich mich, in's Krankenhaus zu gehen, wo ich zehn volle Tage nichts bekommen habe als dreimal Suppe jeden Tag. Drei Tage hat inan mir die'/, Kost gegeben, dann habe ich das Krankenhaus mit allerdings gesundem Magen, aber mit schwachen Gliedern verlassen. Glücklicherweise ist mittlerweile das Geld von Wien angelangt." Soweit der Brief. Und nun versetze sich der Leser einmal in die Lage eines solchermaßen durch den„Schub" Heruntergebrachten! Der Brief- schreiber ast, wie wir in der Einleitung bemerkt, ein politischer Verbrecher,— seine Leidensgenossen aber waren einfach Arbeits- und Obdachlose. Was soll aus ihnen werden, wenn sie, körperlich gebrochen, von der Polizei„frei"gegeben werden? Mit defekter Kleidung, keiner anstrengenden Arbeit fähig, müssen sie, soweit sie es nicht schon sind, verkommen, müssen sie aber gleichzeitig die Gesellschaft, die sie au. setzt, hassen und verachten lernen,— noch einmal, ist es, wo solche Dinge zu den Alltäglichkeiten gehören, nicht ein Wunder, daß nicht noch mehr Verbrechen degangen iverden, als ohnehin? Glaube mau ja nicht, daß es in andern Ländern viel besser zugehe als in Ungarn! Das große Publikum erfährt nur nicht, wie unsere humane Polizei mit den arinen Teufeln verfährt, die auf der Land- straße in ihre Hände fallen. Denn für„Landstreicher" gibt es kein Recht,— wenn es Einer wagt, sich zu beschweren, wird ihm einfach nicht geglaubt, in 99 von Ivo Fällen bekommt er obendrein noch Prügel für seine Frechheit. Hat sich aber wirklich ein„Vagabund" wieder emporgerungen zu einer geregelten Thätigkeit, dann schämt er sich viel zu sehr der Zeit, da er wirklicher Paria der Gesellschaft war, als daß er öffentlich miltheilte, wie man ihn da und dort behandelt. Dieser Umstand komi.t unserer modernen„humanen" Polizei sehr zu Statten — die Vagabunden haben keine Presse zu ihrer Verfügung. Gerade deshalb aber haben wir es für geboten gehaiten, den Brief unseres Freundes zu veröffentlichen. Er gewährt einen Einblick in Ver- Hältnisse, für die das Wort„barbarisch" eigentlich noch zu milde ist. Der Barbar tödtet sein Opfer oder schleppt es in die Sklaverei,— es aber gleich einem Fangball vom Kerker in die Freiheit und umgekehrt-zu werfen, und zwar in eine„Freihett", die tausendmal schlimmer ist als die Sklaverei der Barbaren, das ist eine der glorreichsten Errungen- schaften unserer modernen Zivilisation. — Pfäffischer Blödsinn. Die katholischen Blätter veröffent- lichten vor einigen Tagen eine„päpstliche Enzyklika an den gesammten katholischen Episkopat, welche an die vorjährige Enzyklika bezüglich der Rosenkranzandacht erinnert und zu erhöhter Andacht ermahnt, aus daß der Triumph der Kirche gesichert und Italien vor der Cholera bewahrt werde". Leider ist der unfehlbare heilige Vater zu spät gekommen; die Cholera ist über Italien hereingebrochen und wüthet just da am meisten, wo das Volk am katholischsten, d. h. am unwissendsten und schmutzigsten ist. In Neapel zeitigt der von den Pfaffen genährte Aberglauben so herrliche Früchte, daß es ihnen selbst zu arg wird und sie alle Mühe haben, die geängstigten Massen zu beruhigen. Es ist ja auch klar, daß wenn man einein unwissenden Menschen weiß macht, das Ableiern eines Rosenkranzes schütze ihn vor allen möglichen Uebeln, er auch empfänglich ist für andern Blödsinn, der im Grunde nicht schlimmer ist als dieser, sondern sich nur noch naiver äußert. Und kann es eigentlich einen schlimmeren Aberglauben geben als die allen Religionen gemeinsame Vorstellung von einer übernatürlichen Macht, die durch Gebete des Menschen veranlaßt werden kann, in den Gang der Natanrereignisse einzugreifen, das Gesetz von Ursache und Wirkaug aufzuheben? Man braucht sich nur diese Frage vorzulegen, um zu erkennen, welcher Wahnsinn in dieser Vorstellung liegt. — Wie das Kapital„gesunde" Arbeitsverhältnisse schafft. Gesunde Arbeitsverhältnisse heißt in der Kapitalistensprache so viel avie stetiges Mehrangebot von Arbeitskräften. Wo dieses nicht vorhanden, herrschen ungesunde Zustände, die so schnell als möglich beseitigt werden müssen. Gewöhnliche Auskunstsmittel sind: Einführung arbeitssparender Maschinen oder Import fremder Arbeiter. Aber wo aus verschiedenen Gründen das Eine oder Andere nicht schnell genug angewendet werden kann, hilft sich der erfinderische Geist der Ausbeuter durch andere, den wahren Charakier unserer herrlichen Gesellschaftsordnung noch drastischer charakterisirende Mittel. Ein Beispiel dafür liefert ein Zirkular der Zucker-Plantagen-Besitzer in den Südstaaten der Nordamerikanischen Union, welches vor Kurzem erlassen worden ist. Dasselbe enthält folgenden charakteristischen Satz: „Es' sind zu wenig Arbeiter hier, welchem Umstand es auch zuzu- schreiben ist, daß es ihnen gelang, den Lohn von 65 Cents auf 95 Cents den Tag zu erhöhen. Dieser Lohnsatz ist uns aufgedrungen worden. Was sollen, was können wir dagegen thun?— Das Einzige ist, daß wir weniger Land bebauen, so daß wir von jeden 25 Mann 5 entlassen können. Wir werden dann alsbald von den Arbeitern unabhängig, die Arbeiter werden dadurch geneigter, den Lohn zu accep- tiren, den wir ihnen bieten...." Möchten doch alle Prinzipale, bemerkt dazu die„New-Iorker Volks- zeitung", so offenherzig sein.„Wie viel Mühe würde uns bei unseren Agitationen erspart werden!" Stimmt! — Stümperhafte Gesetzgebung. Daß Bismarck und seine Leute unter der Firma der„Sozialreform" blos die erbärmlichste Kur- pfuscherei und Bauern-, bezw. Arbeiterfängerei treiben, kann vom Stand- punkte des Selbsterhaltungstriebs aus den Leutchen nicht übel genommen iverden, sowenig man einer Katze das Mausen verargen kann.' Es liegt in der Natu r. Wohl aber muß ihnen übelgenommen we-den, daß sie ihre Schwindelreformgesetze solüderlichausgearbeitet haben, daß dieselben gar nicht durchgeführt werden könneaa. Es ist dies notorisch der Fall mit dem Krankenv ersicherungs- g e s e tz. Während der Berathungen im Reichstage wurde von verschiedenen Rednern darauf hingewiesen, daß viele Bestimmungen, namentlich jene betreffs der Gemeindekassen auf dem Land, praktisch un- durchführbar sein würden. Und das hat sich denn auch jetzt, wo mit de» Vorbereitungen zur Einführung der Gemeindekassen der Ansang gemacht wird, im vollsten Maße bewahrheitet. Die Gemeindebehörden stehen zum großen Theile ganz rathlos da und die vorgesetzten Behörden sind eben- falls konfus. Zwar haben die Regierungen„ausführende Verordnungen" erlassen, allein oiese sind vielfach so unklar und unpraktisch, daß sie die Verwirrung nur noch vermehrt haben. Es wird dies jetzt von der amtlichen Presse zugegeben, und neue „ausführende Verordnungen" sind in Aussicht gestellt, die jedoch gerade so wenig nützen werden wie die ersten. Das Gesetz ist eben so lüderlich, so stümperhaft ausgearbeitet, daß es in seiner gegenwärtigen Gestalt einfach undurchführbar ist. So ist es um den„gesetzgeberischen Berus" unserer modernen Gesetz- geber und in erster Linie unseres„genialen" Reichskanzlers bestellt!— — Wie aus der bezüglichen Annonce in dieser Nummer zu ersehen ist, siedelt unser Genosse Bebel mtt seiner Fainilie gegen Ende dieses Monats nach Plauen bei Dresden über. Es fehlte nicht viel, und er wäre der unmittelbare Nachbar des sächsischen Königs geworden, der für gewöhnlich in Strehlen bei Dresden seine Residenz hat. Nur der Umstand, daß das dort in Aussicht genommene Logis verschiedene Aiängel hatte und ein passendes nicht auszutreiben war, rettete König Albert von Sachsen vor der rothen Nachbarschaft. — Italien. Aus Mailand schreibt uns Genosse E. K.: Die Agi- tation geht hier ziemlich schwersällig vorwärts. Ein starkes Uinsichgreifen der sozialistischen Idee im Volke ist allerdings nicht zu leugnen. Aber es fehlt an Klarheit und vor Allem an Organisation. Da kann es denn auch nicht fehlen, daß wir gelegentlich ganz gehörige moralische Hiebe bekommen, wie z. B. kürzlich auf dem Meeting für Abschaffung der Todesstrafe. Unter dem Eindruck jener Niederlage gelang es mir denn doch endlich, eine geschlossene Versammlung zu Stande zu bringen, zu der alle bekannten Sozialisten Mailands eingeladen waren. Die Ver- sammlung war auch ziemlich gut besucht(etwa 70 Personen). Aber das Resultat war doch nur ein recht geringes. Es wurde ein Fünfer-Komite gewählt, dessen Vollmachten sich auf die Pflicht beschränken, bei passenden Gelegenheiten die Genossen zur Versammlung einzuladen und für das hierzu nothwendige Lokal zu sorgen. Wie Sie sehen, ein Ding von Organisation, das keine Organisation ist. Und doch ist es für jetzt unmöglich, mehr in diesem Hexenkessel von Uneinigkeit zu erreichen. Bald wird eine weitere Versaminlung stattfinden, in der Stellung ge- nommen werden soll zu dem Vorschlag des Kongresses von Forli, einen allgemeinen italienischen Sozialistenkongreß in Rom abzuhalten. Der Vorschlag geht von der Gruppe Costa aus, die, wie Sie wohl wissen werden, äußerst heftig von Malatesta und seinen Anhängern bekämpft wird. Für heute unterlasse ich es, näher auf dieses traurige Schauspiel einzugehen, behalte mir jedoch vor, mich in einem nächsten Briefe umso- mehr dainit zu beschästigen. Hier in Mailand bekümmert sich übrigens kaum Jemand um die Sache. Die Anarchisten(Gruppe Malatesta) sind sehr harmlose Menschenkinder, sie sind wohl organisirt, haben sich jedoch bisher daraus beschränkt, ein Programm in der„cjnostiono Sociale" abdrucken zu lassen und im Uebrigen gemüthlich den Tag der„großen Revolution" abzuwarten. Wir Andern sind um das„li'iiscio Operaio" gruppirt, welches, wie Sie aus der Ihnen übersandten Nummer gesehen haben werden, sein Erscheinen wieder aufgenommen hat. Um den Streit Costa-Rtalatesta kümmert sich von uns Niemand. Unser Bestreben geht dahin, eine starke sogenannte Arbeiterpartei zu schaffen. Einen ersten Schritt dahin haben vor acht Tagen eine Anzahl Arbeitervereine gethan, indem sie sich unter dem Titel„Italienische Arbeiterpartei" vereinigt haben. Ich werde mich be- mühen, Sie in Bezug auf diese Bewegung auf dem Laufenden zu er- halten. Costa und ein anderer Genosse wurden kürzlich in einem äußerst skan- datösen Prozeß zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Die Verurtheilung hat übrigens seiner stark gesunkenen Popularität sowohl als unserer Agitation sehr gut gethan. — Soziali st ische Presse und Literatur. Uettor Mmc» I (Bessere Zeiten.) by Dr. A. Donai.(Eine sehr populär gehaltene Agi- tationsschrift, die im Jahre 1877 gelegentlich der damaligen Geschäfts- krisis in erster Auslage erschien und jetzt von dem Exekutiviomite der sozialistischen Arbeiterpartei neu aufgelegt worden ist.)— — Aus Lyon schreibt man uns, daß nächste Woche die erste Nummer eines neuen Organs„I-Zfon-Sorialists" erscheinen wird. Die Revaktion besteht aus den Genossen Brugnot, Fargat, Ribard, Bache- l a rd undO u d o t, serner haben JulesGuesde.PaulLafargue und G. D e v i l l e ihre Mitwirkung zugesagt. Wir begrüßen den neuen Mitstteiter auf's Wärmste. Korrespondenzen. Flensburg, 8. September. In Nr. 21 des Parteiorgans befand sich in der Korrespondenz„Schleswig-Holstein" folgender Satz:„dagegen wird im zweiten Wahlkreise der auszustellende Kandidat von den dortigen Genossen noch näher zu bestimmen sein". Dies ist dahin zu berichtigen, daß in der Konferenz, welche zu Ostern in Neumünster stattgefunden, Stephan Heinzel als Kandidat für den zweiten Wahlkreis ausge- stellt worden ist. Die Konferenz schloß sich den Ausführungen des hie- sigen Delegirten insoweit an, als sie die Beweggründe der hiesigen Ge- nassen, den Genannten auch als Kandidaten für den zweiten Wahlkreis zu proklamiren, guthieß, da Heinzel dadurch in keinerlei Kollision mit seinen Pflichten im siebenten Wahlkreis komme. Dem Beschluß des Kopenhagener Kongresses, betreffend Ausstellung eines Kandidaten aus dem zweiten Wahlkreise selbst, konnte deshalb nicht nachgekommen werden, weil es hier kein Genosse wagen durfte, eine Kandidatur anzunehmen, ohne zu riskiren, daß seine Lebensstellung vernichtet werden würde und weil in Anbetracht der vielen zu unterstützenden Genossen nach unserer Ansicht der Partei keine neuen Opfer muthwillig, d. h. ohne zwingende Gründe, ausgebürdet werden sollten. Einen infamen Schurkenstreich hat die königliche Regierung in Ver- bindung mit der hiesigen Polizeiverwaltung verübt. Der Händler Chr. B o n n e s s e n suchte am Laufe dieses Sommers bei der königlichen Re- gierung zu Schleswig um Ausnahme in den preußischen Unterthanen- verband nach, was jedoch abschlägig beschieden wurde,— wohl infolge des von der Regierung zu Schleswig verlangten polizeilichen Führungs- attestes seitens der hiesigen Polizeiverwaltung über Bonnessen. Letzterer ist nämlich Däne von Geburt und hat das schreckliche Bei brechen be- gangen, seine im Frühjahr verstorbene Frau ohne jede pfäsfische Beglei- tung beerdigen zu lassen; außerdem ist Bonnessen aber auch ein gesin- nungstüchtiger Sozialdemokrat, welch' letzterer Grund die hiesige Polizeiverwaltung wohl hauptsächlich dazu bewogen hat, unsern Genossen Bonnessen bei der Regierung zu Schleswig in's schlechteste Licht zustellen. Am 19. August wurde derselbe nämlich aus das hiesige Polizeibureau beschieden, woselbst ihm eröffnet wurde, daß er bis zum 31. August d. I. das deutsche Reichsgebiet zu verlassen habe. Auf die Frage Bonnessens nach dem Grund der Ausweisung theilte ihm der Polizeimeister mit, daß ein solcher im Ausweisungsdekret nicht angegeben sei. Demgemäß war unser Genosse, welcher sich nach hartem Ringen im Kainps um's Dasein eine halbwegs annehmbare Lebensstellung erkämpft, mit einem Schlage, ohne irgend ein Verbrechen begangen zu haben, dem ungewissen Schicksal preisgegeben. Am Morgen des 1. September verließ uns Bonnessen mit leinen fünf Kinbern, um sich in Kopenhagen eine neue Eristenz zu gründen. Eine Anzahl hiesiger Genossen begleitete den Scheidenden eine Strecke lang mit dem Schiff bis Glücksburg, wo ein Gendarm aufpassen mußte, daß beim Abschiednehmen keine hochverräthe- rischen Reden gehalten werden konnten. Da Vonnessen ein durchaus gesinnungstiichtiger Sozialdemokrat ist, so e m p f e h l e« w i r d e n- selben unser 11 Kopenhagener Genossen a u s's Angele g e n t l i ch st e. Am 2. September, dem heiligen Sedanstage, an welchem unsere Herren Patrioten die Massenniorde von 1870/71 glorifizirten, hielten die hiesigen Genossen es für gerathen, eine Versammlung unter freiem Hinimel abzuhalten, in welcher als würdiges Gegenstück zum heiligen Sedan-Mordsest dieselben sich gelobten, ihr Möglichstes dazu beizutragen, daß bei der nahe bevorstehenden Reichstagswahl aus unfern Kandidaten Stephan H e i n z e l in Kiel eine beträchtlich höhere Stimmenzahl entfalle, als bei der Wahl von188l. Ferner wurde von der Versammlung die Ausweisung Bonnessen's als eine niederträchtige In- f a m i e bezeichnet, welche nur dazu angethan ist, die hiesigen Genossen enger aneinander zu schließen. Kilian. Zeitz. Am Sonntag den 31. August tagte in T euch er n eine Konferenz von Vertrauensmännern aus Zt a n m b u r g, W e i ß e n f e l s, T e u ch e r n und Zeitz. Die Berichte über die Lage der Partei in den genannten Orten nebst umliegenden Bezirken lauten ausnahmslos günstig. Es wurde sodann die Kandidatenfrage erörtert und Hugo R ö d i g e r aus Gera nominirt. Die Stimmung war in Folge des gewonnenen Resultats eine gehobene und wurde zum Schluß folgende Resolution angenomnien: Die Konferenz der Vertrauensmänner der sozial- demokratischen Partei des Wahlkreises Raumburg-Zeitz-Weißen- f e l s erklärt, voll und ganz auf dem Boden der Kopenhagener Kongreß- beschlüsse zu stehen und ernennt zu ihren- Kandidaten für die Reichstags- wähl den Bildhauer Hugo Rödiger aus Gera. Die Theilnehmer trennten sich mit dem Gelöbniß, mit Aufbietung aller Kräfte für ein unserer Sache würdiges Resultat zu wirken. Die Rothen von Zeitz-Rauniburg. —?lns dem IS. sächsischen Wahlkreise. Von uns hat man lange nichts gehört. Man soll daraus aber nicht schließen, daß wir die Hände in den Schooß legen. Es gibt unter uns keinen Genossen, den nicht die Niederlage bei der letzten Wahl auf's Bitterste schmerzte und der nicht entschlossen wäre, Alles aufzubieten, damit die Scharte aus- gewetzt wird. Die Ordnungsparteien haben uns ihren Ebert wieder entgegen- gestellt, der im Reichstag die Rolle eines richtigen Hampelmanns spielte und seine Wähler arg enttäuscht hat. Die Fortschrittler wollen jedoch mit den„vereinigten Ordnungsparteien" nicht gehen und einen eigenen Kandidaten aufstellen. Wen? Das wissen sie selbst noch nicht. Gar komisch ist es, wenn die Leutchen sich und uns vorreden wollen, der 19. Kreis sei den Fortschrittlern günstig, denn bei der vorletzten Wahl habe der Fortschrittlsr Ludwig Löwe so ziemlich die Hälfte aller abgegebenen Stimmen erhalten. Die Thatsache ist allerdings richtig, daß Ludwig Löwe damals eine bedeutende Stimmenzahl aus sich vereinigte; allein die Fortschrittler vergessen die andere Thatsache— oder verschweigen sie—, daß der Fortschrittler ssogar vom„linkesten Flügel") Ludwig Löwe sich damals als O r d n u n g s k a n d i d a t hatte ausstellen lassen und sämmtliche k o n s e r o a t i v e S t i m m e n für sich einheimste. Mit anderen Worten' der Fortschrittler Ludwig Löw» spielte 1878 genau dieselbe Rolle wie bei der vorigen Wahl Ebert. Ueber unser» Wahlkreis herrschen vielfach unrichtige Ansichten. Die Wählerschaft als Ganzes genommen hat sich in den letzten Jahren durch- aus nicht„verschlimmert"— in unserem Sinne. Im Gegentheil; es gibt jetzt niehr durchgebildete Sozialisten als in früheren Zeiten. Die Niederlage von 1881 hatte zwei Ursachen: einmal das ans der räumlichen Vereinzelung und Losgetrenntheit von den Haupt-Purteizentren entsprungene Gefühl der Unsicherheit; und zweitens die ökonomische Nothlage, die wohl nirgends so schwer auf den Arbeiten, lastete, wie gerade in unserem Wahlkreis, der unzweifelhaft einer der ärmsten ist in ganz Deutschland. Durch die Hungerpeitsche wurden die tüchtigsten Genossen von uns mürbe gemacht und in das Joch eingezwängt— jeder Versuch, sich eine gewisse Unabhängigkeit zu erkämpfen, scheiterte an den Verhältnissen. Einer nach dem Andern wurde das Opfer der wirthschastlichen Rothlag»— wer irgendwie öffentlich hervortrat, war dem Ruin geweiht. So schlimni die Polizei es auch bei uns getrieben hat, weit schlimmer haben es die Arbeitgeber und sonstigen Bourgeois getrieben, was sie jedoch nicht hindert, für„praktisches Christenthum" und die„soziale Reform" begeistert zu sein. Da ich von„sozialer" Reform" schreibe, fällt mir ein, daß neulich eine Notiz durch die deutschen Zeitungen ging, unser Genosse D e m m l e r in Geyer habe sich für die Bismarck'sche„Sozialreform" erklärt. Na- türlich gelogen. Karl D e m m l e r aus Geyer, der beiläufig von den auswärtigen Blättern mit dem früheren sozialdemokratischen Abgeord- neten Temmler aus Schwerin verwechselt ward, hat sich für die Schwindelresorm Bismarck's genau ebenso erklärt, wie weiland Bebel, Grillenberger, Kayser, die ja alle dafür eingefangen werden sollten. Aber aus diesen Leim geht kein Erzgebirgischer Arbeiter. Ich denke, die heurige Wahl wird den 19. sächsischen Wahlkreis wieder zu Ehren bringen. Zu Statten kommt uns diesmal die Nothlage, welche das letzte Mal so bös mitspielte. Die Herren Ebert und Konsorten hatten nämlich vor der Wahl den Leuten vorgeschwindelt, wenn ein Sozialdemokrat gewählt würde, so werde es noch schlechter gehen als bisher; wenn aber der Ordnungsmann Ebert gewühlt würde, fei ein baldiger Aufschwung der Geschäste sicher. Nun, der Aufschwung ist nicht gekommen, und der Pro- phet Ebert steht als Lügner vor der Wählerschaft da. Das werden wir auszunutzen wissen. Genug,— wir haben guten Muth und die besten Aussichten. München, 10. September. Unsere Hochlöbliche scheint ihre Lebens- ausgäbe darin zu erblicken, sich zu blamire». Am St. Sedanstage fanden in ganz München bei den bösen Sozialdemokraten M a s s e n h a u s- s u ch u n g e n statt. Trotzdem alle Polizeimandarinen mit drei und mehr Knöpfen aufgeboten waren, ergab sich doch als Resultat der allgemeinen Razzia: Nichts! Am 8. September hat in einer von 1000 Personen besuchten Volks- Versammlung Genosse Volkmar das famose Unsallversicherungs- gesetz und die herrliche Sozialreform sorgfältig zerpflückt. Wir waren die Ersten, welche die Münchener Wablbewegung eröffnet haben. Und mit Erfolg! Das bewiesen die langen Gesichter der Bourgeois, die wider Willen lobenden Berichte der Kapitalistenpresse und der Jubel in der Arbeiterwelt. Wenn die Münchener Genoffen ihre ganze Kraft einsetzen, so ist bei der allgemeinen Unzufriedenheit, bei der Zersplitterung der Ordnungsparteien eine Stichwahl in München I zwischen uns und den Ultramontanen sehr wahrscheinlich. Darum, Arbeiter von Rtünchen, zeigt, daß ihr treu zur Fahne haltet, auf zur thatkrllstigen Agitation an jedem Ort, zu jeder Zeit! Unser Kandidat ist Georg Voll niar. Bogenschütze. Genf, 10. Sept. 1884.(Eine Gedächtnißfeier fürLassalle an seiner Todes st ätte.) Der hiesige deutsche Arbeiterverein feierte am 31. August den 20jährigen Gedenktag des Todes Ferdinand Lassalle's. Um 2 Uhr Abmarsch nach dem Orte, wo der Kämpfer fiel, ohne jegliche Demonstration, da uns eine lolche nicht zweckmäßig erschien. Wir mar- schirten über Verrier am Saläve vorbei gegen Bosset, wo in einem kleinen Busch die verhängnißvolle Gangstätte, ein grüner Rasenplatz, sich befindet. Hier trafen wir schon viele Genossen und fremde Theilnehmer, die voraus geeilt. Deutsche, Schweizer, Rüsten, Polen u. s. w. drückten sich hier an dieser Erinnerungsstätte die Hand. Wahrlich, eine schöne Widerlegung der reaktionären Schreiberseelen, die seit Jahren in allen Tonarten gewinselt, Lastalle sei nur Patriot gewesen und hätte nur national gelehrt! Nachdem sich Alles gelagert, begann die eigentliche Feier. Das Ge- sangsquartett des deutschen Arbeitervereins eröffnete dieselbe mit dem Liebe„Der Völker Freiheitssturm"; hierauf erhob sich ein Genosse und gab eine kurze, sehr genaue Biographie des großen Kämpfers; er be- tonte besonders die vielseitige wissenschaftliche Thütigkeit, die Lastalle entfaltet, seine wirkungsvolle Thätigkeit für die Emanzipation des Pro- letariats, seinen unerschütterlichen Muth, der ihn allen Verfolgungen trotzen ließ und schloß mit der Mahnung, auszuhalten, komme, was da wolle! Hierauf wechselten wiederum Gesang und Unterhaltung, worauf ein zweiter Genosse das Wort ergriff. Derselbe begann damit, daß es kaum möglich sei, die Begeisterung zu schildern, welche die Reden des großen Kämpfers bei den Zuhörern hervorgerufen, wies auf die Vor- träge in Solingen-Ronsdorf hin, welche er gehört habe; dann verbrei- tete derselbe sich über den Werth des allgemeinen Wahlrechts und er- klärte, warum die Brüder draußen heute noch an der Ausnutzung des- selben festhalten; forderte dazu auf, dieselben beim nächsten Kanipse kräftigst zu unterstützen, wies nach, daß die wirthschastlichen Verhältnisse rasch zu jenen Zustünden hinarbeiten, wie sie uns der Meister vorher- gesagt, und schloß mit der Aufforderung, auszuhalten im großen Kampfe, was sich Alle im Stillen gelobten. Schade, daß wir die Spalten des Organs nicht soweit in Anspruch nehmen können, um ausführlicher zu berichten! Kurz sei gesagt, daß die Worte der beiden Redner not gespanntester Aufmerksamkeit entgegengenommen wurden,— lautlose Stille herrschte bis zum Schluß, wo sich ungetheilter Beifall kundgab. Es muß noch hervorgehoben werden, daß die Redner sich nicht in revolutionären Phrasen gefielen, auch nicht dem Personenkultns das Wort redeten, sondern sachlich der Fortschritte gedachten, die in den 20 Jahren gemacht, und was ferner zu thun sei. Als Beispiel für diejenigen Genossen, die immer noch nicht mit dem Personenkultus brechen können, diene Folgendes: Einer der Redner er- klärte, daß er zu der festen Ueberzeugung gekommen sei, daß der Tod Lassalle's, damals tief betrauert, wie recht und billig, dennoch für die Partei einen rascheren Ausschwung bewirkt, als sein ferneres Lebe» zu thun im Stande gewesen wäre. Eine praktische Agitation war ihm in Zukunft in Deutschland unmöglich gemacht, theoretisch sind uns ja Marx und Engels geblieben; dazu kömmt noch, daß der plötzliche Tod bei den wenigen Anhängern eine Begeisterung hervorrief, die durchdrang. Dieses in Kurzem die Begründung. Nachdem noch ein Genosse mit einigen ermunternden Worten eine Sammlung für die Wahlen beantragt, was bereitwilligst angenommen wurde und ein befriedigendes Resultat ergab, sodann noch einige Ge- sangsvorträge ic. stattgefunden, verließen wir die Stätte, durchdrungen von den besten Vorsätzen für unsern großen Kumps. Unten am Hügel wurde eine kleine Erfrischung genommen, und nach kurzem Aufenthalt ging's Abends mit Gesung zur Stadt zurück; öfters hörte man unter- wegs das Bekenntniß, wie anregend und ermuthigend das Fest auf Jeden van uns gewirkt hatte. Die Genossen trennten sich mit deni Gelöbniß, auch fernerhin ihre Pflicht zu thun, und mit neuem Muth für die Zu- kunft. Den Genossen draußen im Reich aber rufen wir zu: Haltetaus ini harten Kampfe,— die Feuersbrunst, die der große Agitator angezündet, brennt weiter in den Proletarier-Herzen. Darum standhast im Kampfe für unsre Befreiung. Nieder mit der Ausbeutung, vorwärts zum Siege, bis die letzte Schranke bricht! Es lebe die Solidarität! Im Namen der Genoffen in Genf: Der Lvkal-Ausschuß. Partei-Archiv. Für das Partei-Archiv gingen weiter ein: Von A. H. von Jhmis: 1„Vorwärts" 1877 und 1878. 1„Neue Leipziger Zeitung" Nr. 1— 20. 1„Volksstaat" 1869/70, 7l, 72 und 73. 1„Die Laterne" 1878/79. 25 Hefte. 1„Süddeutsche Post." Jahrgang 1882. 1„Crimmitschau-Meeraner Tagespost". 1879. Nr. 252—288. 1 E. Pfeiffer:„Die Arbeit." Heft I 1866. 1„Deutsche Arbeiterhalle." Nr. 1—7. 1867. 7 diverse Nummern des„Consumverein." Stuttgart 1871. 1 Protokoll über den Nürnberger Arbeitertag. 1863. 9 Kongreßvrotokolle von 1869—77. Komplet. 1 Protokoll der Generalvers-'mmlimg des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zu Hannover 1874. 9 diverse Protokolle von Gewerkschaftskongressen und General- Versammlungen. 1 Zirkular des Zentralkomites der deutschen Manufakturarbeiter. 1871/73. Nr. I— 14 nebst hiezu gehörigen Formularen und Vorlagen. 1 Bebel:„Reden in der ersten Session des deutschen Reichs- tages sApril und Mai 1871)." Bebel:„Gloffen zur wahren Gestalt des Christenthums." „„Rede über die Hülfskaffen am 5. November 1875." „„Rede gegen die Portvsreiheit der regierenden Fürsten im Mai 1869." Bebel:„Kölner Rede am 15. November 1366." Antrag und Reden von Bebel und Liebknecht gegen die preußische Annexionsanleihe. „Unsere Vertreter im Reichstag." Liebknecht's und Bebel's Reden über die neue Reichsverfaffung und Bebel's Rede über die Maßregelung der Sozialdemokraten. 1870. C. Hirsch:„Der Normalarbeitstag." „„„Zu den Reichstagswahlen." „Die Organisation der deutschen Arbeiterpartei" 1 I. Motteler:„Ueber die Kinderarbeit in den Fabriken." 1„„„Rede über das Reichsmilitärgesetz." 1 G. A. Temmler;„Neues und Altes." 1„„„ Petition an den Reichstag des Nordd. Bundes. 1869. 1„„„ Das Mecklenburgische Staatsgrundgesetz von 1849 vor dem Forum des Nordd. Parlaments. 1 C. W. T ö l ck e:„Zweck, Mittel nnd Organisation des Allg. Deutschen Arbeitervereins, l. und II." 1 Preßprozeß der„Gleichheit." 1 B. Becker:„Kennzeichnung der Parteien." 1 Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten." 1 Schauer: Festrede. 1 R. K n ö f e l:„Die schlechten Zeiten." 1 Fr. Beckendahl: Aktenstücke. 1 Verhandlungen des IV. Kongrestes der Int. Arb.-Assoziation zu Basel 1869. 1 C. A. Schramm:„Ein Wort zur Verständigung in der sozialen Frage." 1 I o h. M o st:„Ein Mahnruf." 1 Most:„Reichsgesetze II." 1 L e r i q u e:„Schule und Sozialismus." 1 W. Bios:„Zur Geschichte der Commune von Paris." 1 A. Hepner:„Die politische Demimonde." 1 Der Stoffelbauer von Feldmoching. 1 Luxus und Korruption. 1 F. M o o k:„Anton Memminger." 1 F. W. Dornbusch:„Blutrosen." 2A. OttoWalster:„Der Schutz des Arbeiters." 1 Die Wirren im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein. 1 Die religiöse Frage und die Arbeiter. 1 Regierung und Reichstag in ihrer Stellung zur Sozialdemo- kratie. Reichstagsfitzung vom 29. Januar 1876. I X das los masques. 1 Lisaagaray:„Rouge et noir." 1 Compte rendu du 5me Congrös national. 1 L'alliance de la democratie soeialisto. 1 Le Pilori. 1 R. S p r e g s„Kritische Bemerkungen". I Bericht des I. Vereinstages der deutschen Arbeitervereine 1863. 1 I. Venedey:„Der Nürnberger Arbeiterveremstag." 1 A. Brockmann:„Deutsches Arbeiterleben." 1 K l e m i ch:„Anti-Teleologie." 1 Die Arbeiterbewegung. 1 F. Fritsche:„Die norddeutsche Reichsverfaffung und die Volkspartei. 26 Statuten, Fabrikordnungen, Regulative und Berichte diverser Gewerkschaften. 8 diverse Kassa-Abrechnungen der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 1 Kapital und Arbeit. Separatabdruck aus dem„Felleisen". 28 diverse Broschüren z'-r Zeitgeschichte. Diverse Zeitungsnummern und Flugblätter. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung. Kesammt-chuittung. Von den seitens der amerikanischen Genossen gesammelten Gelder« für den Wahlfond der deutschen Sozialdemokratie sind bis zum heutigen Tage bei uns eingelaufen: Durch die„Newyorker Volkszeitniig" Fr. 1548,75 „„ Nationalexekutive der Soz. Arb.-Partei 4 Raten ä Fr. 1500,-„ 6000,— „„ verschiedenen Gruppen 1642,35 Summa: Fr. 9191,10 wofür wir Gebern und Sammlern im Namen unserer kämpfende« Brüder in Deutschland den herzlichsten Dank sagen. Hottinge»-Zürich, 17. September 1884. Die Admini st ratio» des„Sozialdemokra t." _____ Briefkasten der Redaktion: A. G.: Einsendung erh. Antw. in nächster N« — Bogenschütze: Brief erhalten, besten Gruß.— Rother Hah« in I.: Gedicht mit einzelnen Aenderungen brauchbar.— B a j u v«' r i e r: Nr. II. endlich durch Paul erh. Mskpt. natürlich sofort verbrannt — Verschiedene Korrespondenzen ic. mußten wegen Raun' Mangel zurückgestellt werden. der Expedition: August Z.: Mk. 150— ä Cto. Ab. w. erh- Adr. geordnet.— Panzerschiff: Mk. 44— ä Cto. Ab. erh. Bs. erw. H. U. D.: Mk. 4 20 Ab. 3. Qu. erh. Nachliefrg. fort.— Marat: Mi- 115— Ab. alter Rest ä Cto. 2. Qu. u. Schst. erh. Einspänner pr. 3—4. Qu. ic. besorgt. Bfl. Weiteres.— Fuchs: Mk. 250— ä Ct«- Ab. erh. Adr. u. Bstllg. notirt. Marx' Werke in Lieserungen gibt nicht.„Kap." in Lfrg. beim Verlag: O. Meißner, Hamburg zu erfrage«- — F. Echtz. Genf: Fr. 1 95 f. Schst. erh. Weiteres bfl.— A. HeinA Palmyra: 3 Doll. und hievon Fr. 5 10 p. Wahlfd. dkd. erh. Fr. 1 0-- Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schst. gutgeb. Gruß!— Der rothe Hahn I.: M- 16 60 Ab. Aug. u. Sept. erh. Weiteres a. d. Red. gegeben.— S.* in W.: Bf. erh. Näheres durch Gen. M. i. Z.— R. W. B.: öwfl. f f. Schst. erh. Sdg. am 13. u. 15/9. ab.— K. H. Pbg.: öwfl. 6— 1 Ab. 4. Qu. u. f. Schst erh.— Hansdampf: Avis betr. Sdg. nach Ag� erwartet. Kam doch noch zurecht?— E. K.: Fr. 4— pr. Ufd. dun? N. dkd. erh.— E. L. G. H.: Fr. 2 1» f. Schst. erh. Fr. 1 90 h Ct°- gutgeschr.— Nother Maulwurf Gz.: Mk. 74-- k Cto. erh. Bf. erj — E. St. Mrn.: öwfl. 6 80 Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— Rothbart. M- 90— a Cto. Ab. erh. Weiteres notirt. Aszg. betr. bfl.— Gebr. Hmgh� St. Louis: Fr. 151 90 ä Cto. Abon. ic. erh.— E. I. M. Wdr.: M>- 5— Ab. bis Ende Juni erh. Nachlfrg. fort.-- St. Immer Dtschr. Vet Fr. 9- Ab. 3. Qu. erh.- A. G. Hbr.: Mk. 5- Ab. 4. Qu. ech — Fr. Engels, London:(Pfd. St. 25—) Fr. 625- pr. Wfd. dkd- erh.— N.-Dork: Fr. 1500— v. Nat.-Ex.-Com. pr. Wfd. dkd. erh. � — F. W. Fritzsche, Philadelphia: Fr. 50— ä Cto. Ab. erh.— ö' Nocker, N'uzwyi: Fr. 17 80 Ab. erh. Bf. erw.— Merkurius: Mk. 22 � i Cto. Ab.rc. erh.— Franz: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.- Th. V. Castl«' fort: Bf. v. 15 9. und Beigabe erst bei Schluß d. Bl. erh.— Julius Aordak aus Stettin wird ersucht, in Bälde seine Adreffe an den Deutschen Verei« Biel behufs Regelung seiner Angelegenheit einzusenden- Schneider Rvwald, früher in Leipzig, wird ausgefordert, baldigst seinen Verpflichtunge» nachzukommen: Leipzig, 9. September 1884. Die Leitung- Wohnungsveränderung. Am 24. September übersiedle ich mit meiner Familie nach flauen vei Dresden, Hohestraße 22(nicht zu verwechsell> mit der Stadt Plauen im Voigtland), und bitte ich von da ab alle Postsendungen an mich dorthin zu richten. Pörsdorf, 14. September 1884. A. Bebel. * Im Verlag von Conzett& Ebner in C h u r ist erschienen»«d durch uns in Partien zum Preis von 25 Pfg. zu beziehen: Winke für die Agitation und für das Verhalten vor den Behörden. .Die Schrift ist für alle in der Agitation thätigen Parteigenoffen uv> entbehrlich; sie gibt Winke über die Organisation und den gegenseitigen Verkehr der Genosten, über ihr Verhalten vor Polizei und Gericht- Ferner enthält sie die wichtigsten Bestimmungen des Sozialistengesetzes über die Behandlung von sozialistischen Preßerzeugnisten, Vereinen und Versammlungen, Geldsammlungen ic. Die wichtigsten Bestimmungen der deutschen Versammlungsgesetze, des Preßgesetzes, das Reichswahb gesetz und das Reglement zum Reichswahlgesetz. Die wichtigsten Be- stimmungen aus der Strafprozeßordnung über die Haussuchungen und Beschlagnahme von Drucksachen, die Verhaftungen und Verhöre, Zeugen» Vernehmungen rc., und endlich eine Anleitung zur Ausarbeitung von Wahlprotesten. Die Expedition des„Sozialdemokra t." Aastiat-Schulze! Schon längst wurde von Seiten der Parteigenosten die Neubeschaffung von in Deutschland vergriffenen Schriften Ferdinand Lassalle's angestrebt. Wir sind nunmehr in der Lage, das w i ch t i g st e, seit 1878 vollständig aus dem Vertrieb verschwundene Lastalle'sche Buch: Kerr JZastiat-Schulze von Delitzsch, der ökonomische Julian, oder Kapital und Arbeit neu zu offeriren. Preis im Buchhandel 1 Mk.— Fr. 1 25. Für Partei- genossen, welche Partien zum Wiederverkauf beziehen, er- heblich billiger. Bestellungen wolle man entweder an uns direkt oder an eine der bekannten Bertrauensadressen in Deutschland, an letztere per ein- geschriebenen Brief, richten. Grpedition de» Soziakdemokrat. Aotksbuchhandtung. Kottiagen-Aürich. im Mvhv■ Iforfe Arbeiter-Fortbildungsverein Derselbe versammelt sieh jeden Monag in Jean Grosx's Hamburger Hall 176 Ost 3. Street. 100. l2I) Der Vorstand. »chweiiersich«« inog msch aftslmchdruck-r» Honiujm.ziirich.