Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aertag der v»lr«buch Handlung Hottingen»Zürich. poSselldullgeil franko gegen franko Gewöhnliche Priese nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der Sozialdemokrat Jentrat-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Avonnements werden bei allen schweizerische« Postbureaux. sowie beim Verlag und dessen bekannten Arenten entgegengenommen, und zwar zum vora wö s ahl baren VierteljahrSpreis von Fr 2— fiir die Schweiz(Kreuzband) Mk 3— für Deutschland(Couvcrt) fl. 1.70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins(Kreuzband). Inserate di« bcrigclpaltm Petitzeile 25(113.--- 20 Psg. Jti. fkü Konnerkag, 30. Oktober. 1884. Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„Soztakdemokrat." w cniinTs.mnfrni» lnmoM m Deutschland Ol» auch In Oesterreich»erboten ist. b-zw»erfolgt wird und die dortigen Behörden stch alle Miihe geben, unsere Verbindungen nach jenen Lijnbern möglichftzuee�wer-n.respBeiesevondottan UN» Und unser- Leitung», und sonstigen Speditionen nach dar, abzu'angen. 1° ist die s,nn!�o7r-°w>e� 0nd� dar, leine BorstchiSmastregel»ersäunrt werden, di- Vri'smarder über den Wöhren Absender und Empfrnger.>»«i- den 3nd der Sendungen zu lauschen und ieht.re oadurch zu schuhen Hauptersoedern.h.st hs-zu->ner>..tS. dah unsere Zrennde so selten als. chgl.ch an den.eo,i-ld-molrat- resp dessen Verlag selbst adressiren. sondern stch möglichst an Irgend-In- underdilchttae Adrene außnhalb Deutschlands UN» Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Virbiiidung seht; anderseilS aber dali Ä'**»"»"sanglich. Zust.aungSadr-ssen mitgeteilt werden. In- orii.lhas,-» Fälle» empfiehlt sich b husi gröstern elch�helt Re'ommand rong Soo.et an uns liegt, werden wir gewiss weder Mähe not, Kost-n scheuen um trod aller-nt-.am! stehenden Schwieiigl-.t-n den.Eaz.aldemalra,- unteren Abonnenten möglichst regeimässig ,u liefern""gegen. Der Sieg ist unser! Die Hauptwahl, für uns in prinzipieller Beziehung die maßgebende, ist vorüber, die Parteien haben sich gezählt oder vielmehr ihre Stärke, ihren Einfluß in der Wählerschaft und auf die Wählerschaft gemessen. Noch ist uns das Ergeb- niß der Wahl vom 28. Oktober nur theilweise bekannt, aber schon jetzt dürfen wir mit Stolz sagen, daß unsere Partei diese neue Probe auf ihre Lebenskraft glänzend be- standen hat. Seit lange haben wir nicht unter so ungünstigen Verhält- nissen kämpfen müssen als diesmal. Während die Polizcigewalt unseren Leuten stets ans dem Nacken saß und in willkürlichster Weise Verbote ans Verbote, Verhaftungen ans Verhaftungen, Konfiskationen auf Konfiskationen folgen ließ, die Kämpfer für die Sozialdemokratie systematisch zu ermatten, ihr auf jede Art Kräfte zu entziehen suchte, haben unsere Gegner, die nichts von Alledem zu fürchten hatten, kein Mittel verschmäht, durch Einschüchterung und andere, noch niederträchtigere Mittel die Arbeiter in der Ausübung ihrer Wahlthätigkeit zu becin- trächtigen, sie ihnen unmöglich zu machen. Unsere Gegner haben Geld, sie haben Einfluß, sie sind Materiell unabhängig, sie verfügen fast überall über eine weit- verbreitete Presse, die jede von ihnen ausgeheckte Verleumdung eifrig bis in's entlegenste Dorf kolportirt. Sie sind vortreff- lich organisirt— denn sie haben von uns gelernt—, ein weitverzweigter Apparat, in den kein Polizist dreinreden darf, steht ihnen zur Verfügung, sie haben genügend freie Zeit, sie >Jerfügen über Alles, was den Wahlkampf zu erleichtern, den Sieg zu erzwingen geeignet ist. Und wir?.• Verglichen mit den Summen, welche unseren Gegnern zur Verfügung stehen, sind die Geldmittel, welche unsere ohne- hin schwerbcdrückten Genossen aufzubringen vermochten, winzig zu nennen, unsere Presse ist geächtet, geknebelt, unsere Genossen leben von der Hand in den Mund, ein Arbeitsverlust heißt für sie Zerstörung ihrer Existenz, ihre Organisation, soweit unter dem Sozialistengesetz davon die Rede sein kann, wurde jeden Tag durch neue Verhaftungen, neue Maßregelungen durchbrochen, mit einem Worte: sie hatten Alles gegen sich und nur Eines für sich: die Begeisterung für unsere große Sache, den Haß gegen alles Schlechte, gegen die Herrschaft von Lüge, Niedertracht und Brutalität, welche sich heute in Deutschland spreizen. Aber dieses Eine schlug durch. Trotz der Gemeinheiten, mit welchen diesmal die Gegner aller Richtungen unsere Partei überhäuften, trotz der Fälschungen unseres Programms, trotz der infamsten Manöver der letzten Stunde, trotz aller Ber- sprechnngen, mit denen man die Arbeiter zu ködern suchte, haben wir nicht nur unsere Positionen behauptet, sondern noch er- heblich vermehrt und verstärkt. Der 28. Oktober 1884 ist ein Ehrentag für die deutsche Sozialdemokratie! Mit gerechter Befriedigung dürfen wir uns dessen freuen. Wieder einmal ist das Sozialistengesetz gerichtet. Wieder einmal ist der Beweis abgelegt worden, daß unsere Beivegung mittels aller Polizeigesetze der Welt nicht todtzumachen ist. Wir sind eine Macht, deren Existenzbedingungen tief im Wesen der heutigen Gesellschaft begründet ist: vernichtet diese, wenn ihr dieSozialdemokratievernichtenwollt! Wir geben zunächst eine Zusammenstellung derjenigen Wahlresultate, welche uns bis Redaktionsschluß zugeganaen sind, Behufs Bergleichung setzen wir neben die Zahlen der diesmaligen Wahl auch die Zahlen der Wahl von 1881: Berlin. Nollmlir töwe Wegntt I. 1884: 818 8,427 6,7S4 1881:(37)(8.717)(6.2SS) ll. Slltzaurr virchow Stödicr 9,217 18,618 12,545 (3,159)(18,088)(11,827) III. Dirl, lUuuckel Krecher � 8,242 9,822 8,711- (2,578)(12,846)(5,770) IV. Lillger Triiger Mer 24,923 13,538 10,518 (13,573)(19,527)(8,270) V.«rillelldrrgkr Kichter Eremer 2.446 8.879 8,389 (180)(11,127)(5,307) VI. Dasellrl»» KI»tz Jrmtr 24,626 18,672 12,674 (10,629)(18,911)(8,959) Somit erhielt unsere Partei diesmal in Berlin insgesammt: «8,27» Stimmen gegen: 30,136(1881), 56,164-(1878), 31,494(1877). Unsere Berliner Genossen haben Wort gehalten. Die Scharte von 1881 ist glänzend ausgewetzt. Hamburg. I. Kedel Sauer ivörmann 12,058 3,996 6,165 (7,563)(10,851) II. Pietz Jtzl-ff 14,244 8,305 (9,439)(9,721) III. Neiuiel Kät Mörmallnj 9,982 6,648 6,652 (6,801)(8.445)(6,123) Frankfurt am Main: S ab or 8250(4704), Sonnemann (Bolksparteij 7260, Hohenemser 3469, Liebes 2247, Faß- Hauer 1«'74 Stichwahl, .Königsberg i. Pr.: Godau 4649(248), Möller(Fortschritt) 7965, Schade(Biemärcker) 3701. Stichwahl, Breslau(O st kreis): Hasenclever in Stichwahl. „(Westkreis):Kräcker in Stichwahl. Magdeburg: Heine in Stichwahl, Halberstadt-Aschcrsleben: Heine in Stichwahl. Halle: Hasenclever 3173(1137). Altona-Stormarn: F r o h m e wahrscheinlich gewählt. Hannover: Meister 8373(5515). Stichwahl. Hanau-Gelnhausen: Frohme in Stichwahl. Köln: Bebel 41 15(2474), Elberfeld-Barmcn: Sarms 13,231(7949), T r ä g e r(Fortschritt) 6148, Fabri(LiSmärcker) 8186. Solingen: Schuhmacher in Stichwahl. München I: Bollmar 3229(1970), Ruppert 5809, Sedl- mayer 6051. „ II.: Bollmar 6231(2972), West ermayer 7051, Fischer 5239. Nürnberg: Grilleuberger 1 2,586(9969). Stichwahl. Dresden I; Bebel 8750(9079), Einsiedel(konseivativ) 6930, Hartwig(Antisemit) 7578, Engel(Fortschritt) 1370., IT: ÄnVe.lr-.ö'i0(6231)- Leipzig: Bebel 9676(6482) Leipzig-Land: Viereck 13,371(10,503). Gewählt! Heine (Fortschritt) 7900. tlhcmni«: Geiser 15,000(10,256), Schreiber(Bismärcker) 5700, Harnisch(Fortschritt) 4000. Glanchau-Meeranc: Auer 8892(6692). Gewählt! Zwickan-Crimmitschau:Stollegewählt. Mannheim; Dreesbach 4955(2517). Ludwigshafen; Dreesbach in Stichwahl. Stuttgart; Bronnenmayer 3342(4131). Darmstadt; Müller 4601(1360), Stichwahl. «rannschweig I.; B,l o s 6300(5703), Stichwahl. Gera; R ö d i g e r waluscheinlich gewählt. Kassel: Pfannkuch 3861(1500). Sonnebci g; Viereck in Stichwahl. Gotha: Bock in Stichwahl. Kiel: H e i n z e l in Stichwahl. Karlsruhe; Dreesbach 3000(1383). Gewählt sind also: Auer, Bebel, Dietz, Geiser, Sin- ger, Stolle, Viereck. Eine bedeutende Anzahl?oi» wichtigen Wahlkreisen steht noch aus. Somit haben wir bl» jetzt 9 Abgeordnete und mindestens 25 Stichwahlen, von denen eine ganze Reihe, wie in Berlin VI, Barmen- Elberfeld, Nürnberg, Mainz:c., als gesichert betrachtet wer- den können. Verglichen mit der vorigen Wahl weisen die bis jetzt be- kannten Wahlresultate einen Zuwachs unserer Stimmen auf von zirka 200,er Erfolge in den einzelnen Wahl- kreisen einzutreten, mangelt uns heute der Raum; wir behalten es uns für die nächsten Nummern vor. Vorläufig sei nur ans das Anwachsen unserer Wählerzahl in München und Köln, diesen Hochburgen des Ultra montanismus, hingewiesen, zweifelsohne eine der bedeutsamsten Erscheinungen des diesmaligen Wahlkampfes. Genossen in Deutschland! Ihr habt Großes geleistet! Mit gespannter Erwartting waren die Augen der Sozialisten aller Länder auf Euch gerichtet, mit Jubel werden sie von Euren Erfolgen vernehmen, aus ihnen Kraft zur Nachcifmmg zu rastlosem Arbeiten für das gemeinsame Ziel schöpfen. Mit Bewunderung blicken sie auf Euch, und Ihr habt ein Recht, stolz daraus zu sein, denn Ihr habt diese Bewunderung ver- dient. Aber gelobt Euch in diesem Moment der Freude, sie auch weiterhin zu verdienen. Haltet unerschütterlich fest an der Fahne, zu der Ihr geschworen, laßt keinen Augenblick in Eurem Eifer nach. Stillstand heißt Rückgang. Mögen dann die Gegner die Verfolgungen verdoppeln, mögen sie durch immer größere Versprechungen die Arbeiter- massen zu ködern suchen, sie werden uns nicht unterkriegen. Mit Muth und Festigkeit! ist unsere Parole, sie wird uns zum Sisge führen. Und Ihr Genossen im Ausland, insbesondere Ihr Genossen in Amerika, die Ihr von Eurem geringen Lohn freudig Euren J Beitrag zum Kampfe in Deutschland beigesteuert, auch Ihr > habt ein Recht, mit Stolz von dem glänzenden Wahlresultat zu reden.„Die Siege Eurer Brüder sind der schönste Lohn für die Entbehrungen, die wir uns auferlegten",— das war das Motto, unter dem Ihr für die Kriegskasse der deutschen Sozialdemokratie sammeltet, und, dieser Lohn, er ist Euch voll geworden? Freut Euch dessen, aber vergesset in der Freude nicht, daß der Kampf noch nicht zu Ende, daß es noch Stichwahlen und Nachwahlen auszukämpfen gilt, und daß dieser weitere Kamps auch weitere Opfkr erheischt.' Ist mit der Konstatirung der Wählerzahl dem theoretischen Bedürfniß Genüge geschehen, so erfordert die Praxis unse- res Kampfes, daß diese Wählerzahl auch dlirch eine entsprechende Anzahl von Abgeordneten vertreten sei. Es genügt nicht, eine Festung zu erstürmen, man muß sie auch zu besetzen ver- stehen. Je größer die Zahl unserer Abgeordneten, mit um so größerer Zuversicht werden wir den Kampf fortsetzen können. Darum laßt uns alle Kräfte zusammennehmen, daß wir in Wahrheit jene Zahl von Abgeordneten durchdringen, welche die Angst der Gegner uns vorhergcsagl hat. Die Hauptschlacht ist vorüber. Glückaus zu den Stich- wählen! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 29. Oktober 1884. — Eine n e u r'TC"! 7 e i t e r p a'v t e i ud d ein aites Manöver. Die Geistesarmuth unserer Feinde zeigt sich am besten in der Art, wie sie uns bekämpfen. Entweder brutale Gewalt, in der jeder vierbeinige Ochse deni Menschen überlegen ist, oder kleinliche Kniffe, die stch stets wiederholen. Der gewöhnlichste Kniff ist, daß man— als„Arbeiter" verkleidete Lumpenproletarier oder auch wirkliche Arbeiter, die aber noch nicht zum Klassenbewußtiein gelangt sind, als die wahren Arbeiter hinstellt und den iiir ihr Klasseninteresse kämpfenden Arbeitern gegen- übertreten läßt. Dieses Manöver ist stets an dem Klasseninstinkt der Arbeitermaffen gescheitert. Betrachten wir nun die zwei klassiichsten Beispiele der Neuzeit. Nach der Februarrevolution suchte die französische Bourgeoisie in den gegen die Sozialdemolratie gegründeten Nationalwerk- st ä t t e n einen Theil des Proletariats zum Kumps gegen die sozialisti- scheu und revolutionären, Arbeiter zu organisiren— sie erzog aber nur eine Armee, welche in ver gewaltigen Janischlacht heldenmüthig für die Sache des sozialistischen und revolutionären Proletariats kämpfte. Im Kleinen und in einer weniger tragischen Form haben wir das Nämliche in Deutschland erlebt. Die Fortschrittspartei, d. h. die Bourgeoispaitei par excellence, ließ durch ihre Agenten Hirsch und Duncker die sogenannten Gewerkoereine errichten, in welche die noch nicht zum Klassenbewußtsein gelangten Arbeiter eingefangen werden sollten, um zu einer Leibgarde der Bourgeoisie zurechtgedrillt und zum Kampf gegen ihre klaffenbewußten sozialdemokratlschen Brüder verwendet zu werden. Es kam jedoch anders. Die fortschrittlichen Arbeiterfänger erzogen blas Rekruten für du! Sozialdemokratie, uud die Gewerkvereine haben so vollständig Fiasko gemacht, daß der„Musterknabe" Hirsch sammt seinen verkrachten„Gewerkvereinen" von der Fortschrittspartei in die Rumpelkammer geworfen worden ist. Man hätte denken sollen, diese Erfahrungen hätten die Bourgeoisie klug gemacht haben muffen. Weit gefehlt. Von der Bourgeoisie gilt das famose Wort: Nichts gelernt und nichts vergessen. Sie hält an dem alten Mittelchen fest und stümpert unverdrossen weiter. So erfahren wir jetzt plötzlich aus Leipzig, daß eine„neue Arbeiterpartei" sich gegründet hat, welche„berufen ist,-ine große Rolle in unserem politi- schen Leben zu spielen." Endlich, so jubelt die Presse der vereinigten Ordnungsparteien, end- lich hat das deutsche Proletariat sich zu einer besreienden That ausgerafft; kühne Männer aus seiner Mitte, die es lange gewurmt, daß die Sozial- demokratie die deutschen Arbeiter als zu sich gehörig betrachtet, haben den Bann gebrochen, das Joch der Sozialdemokratie abgeschüttelt. Sie wollen nicht, daß die deutschen Arbeiter hinsür von gewissenlosen Agita- toren ausgebeutet werden— sie haben begriffen, daß die Jntereffen der Arbeiter mit den Interessen des Kapitals, von denen sie jetzt freilich vielfach abweichen, in Harmonie gebracht werden müssen; und sie wollen, daß die S o z i a l r e s o r m, zu welcher die Reichsregierung sich großmüthig entschloffen hat, ehrlich angenommen und in treuem Zusam- menwirken mit den Parteien der Ordnung zuin Heile der Arbeiter aus- gebaut werde. So, wenn auch nicht den Worten, doch dem Sinne nach, lautet der Jubelgesang, in welchem die Geburt der„neuen Partei" begrüßt wird. Hunderte und Hunderte von Blättern, darunter amtliche Regierungs- organe, allen voran die„Leipziger Zeitung", Leibblatt des biederen Sozialreformers Nostiz-Wallwitz, veröffentlichen das„Programm" der neuen Partei, und seiern in langen Leitartikeln des„große Ereig- niß",„die rettende Tbat", welche„Epoche machen" und einen„Wende- punkt" unserer sozialpolitischen Entwicklung beteuten wird. Und was ist geschehen? Ein strebsamer K o m m i s des Hrn. Heine, Oberkonfusionsralh und Ordnungskandidat für den 13. sächsischen Wahl- kreis(Leipzig-Land), hat den abgestandenen Kohl des„Leipziger Tage- blatts" in ein sogenanntes Programm verarbeitet und dieses, mit Hilfe anderer strebsamer Kommis, die gleich ihm auf eine fette Weih- nachtsgratifikation spekuliren, von ein paar hundert sogenannten Arbeitern unterzeichnen lassen. Das ist Alles! Das einzige Unbegreifliche bei der Sache ist uns bloS, daß man nicht gleich ein paar tausend„Arbeiter"-Unterschriften produzirt hat. Die Komödie hätte doch ein besseres Ansehen gehabt. Nicht einmal das Pfuschen und Schwindeln können diese Leutchen ordentlich besorgen! Für uns hat das ganze Vorkommnis nur insoferne Bedeutung, als es den geistigen Bankerott unserer Feinde verkündet. Von diesem Gesichtspunkt aus ist diese„r ttende That" in der That ein„Ereigniß", welches wir mit ungeheuchelter Freude begrüßen. — Tartüfferie.„Die Sozialdemokratie anzugreifen, verbietet uns der Anstand, so lange diese Partei einem Ausnahmegesetz unterworfen ist, sich also nicht vertheidigen kann." Ties, s edelmüthige Versprechen wird sehr gern sowohl von Forlschritt- lern als auch von den Herren bürgerlichen Demokraten, vulgo Volks- parteilern, zur Bekräftigung ihres vielgerühmten hohen Rechts und Ge- rechtigkeitsgesühls proklamirt, und es verfehlt auch nie seine Wirkung auf ein gewisses leichtgläubiges Publikum.„Der gute Mann!" rufen diese Leute dann gerührt aus, wie Orgon in Moliore's unvergeßlicher Komödie der Scheinheiligkeit. Der gute Mann!„Das gute Blatt!" so mußten auch wir unwillkür- lich ausrufen, als wir in Nr 297 der„Frankfurter Zeitung" das weiter unten niedriger gehängte Rittinghausen'sche Manifest als„ein sehr bemerkenswerthes Flugblatt" abgedruckt fanden. Der gute Mann! Die Herren in Frankfurt kennen Rittinghausen sehr gut, sie wissen sehr gut, was von seinen im besagten Manifest ausgestreuten Ver- dächtigungen zu halten ist, sie wissen auch sehr gut— wozu wären sie sonst so vortreffliche Juristen!— daß viele der Rittmghausen'schen Aus- lassungen ohne Selbstdenunziation nicht widerlegt werden können, aber sie kolportiren sie doch— natürlich aus Unparteilichkeit. Daß die- selben wenige Tage vor der Wahl gewisse Insinuationen vortrefflich unterstützen, ist purer Zufall. Die Herren der Frankfurterin haben ja gar nicht gesagt, daß sie die Rittinghausenffchen Angriffe billigen, o nein, sie haben sie nur„als sehr bemerkenswerth" abgedruckt. Die guten Leute! Uebrigens ist dieses Stückchen natürlich nicht der„erste Streich" der braven Franksurterin. Seit Monaten schon spritzt dieselbe— nicht vom Redaktionstisch aus, behüte!— sondern durch den Mund einiger ihrer angestellten Korrespondenten aller Hand Verleumdungen über unsere Berliner Genossen aus. Die schwierigen Umstände, unter denen diese zu kämpfen haben, machen es den Kommis des Herrn Sonnemann ja so leicht, sie als Handlanger der Antisemiten rc. zu verdächtrgen. So oft diese Infamie schon durch die Thatsachen Lügen gestraft worden ist, immer wird sie den Lesern der Frankfurterin in den Korrespondenzen der mit E. und N. zeichnenden Herren auf's Neue aufgetischt. Der Biedermann E. trieb es einmal so arg, daß er sich selbst desavouiren mußte; seitdem ist er vorsichtiger geworden— in der F o r m. Bieder mann N. schreibt in Nr. 299 vom 24. Oktober ganz unverfroren, daß in Berlin„ein Theil der Sozialdemokraten trotz der proklamirten Wahl- enthaltung doch für die Antisortschrittler sd. h. die Konservativen) stimmen wird", und setzt hinzu,„der häufige Besuch der Versammlungen der Herren Wagner und Stöcker wird sich rächen." Warum aber die Berliner Arbeiter, denen fast jede Versaminlung verboten oder schon bei Beginn aufgelöst wird, in die Versammlungen der Wagner und Stöcker und nicht die der Löwe und Virchow gehen, verschweigt der Edle wohl- weislich, es würde sich sonst zeigen, daß diese eben alle Ursache haben, auf die Fortschrittler wüthend zu sein; daß sie für die Konservativen stimmen wollen, ist pure Verleumdung— nicht doch, anständige Bericht- erstattung! Aehnliche Liebenswürdigkeiten könnten wir zu Dutzenden aufführen; jede einzelne anscheinend unbedeutend, bilden sie doch als Ganzes ein S y st e m, welches das Eingangs gebrauchte Wort Tartüfferie vollauf rechtfertigt. Wir aber sind keine Orgons, ihr Herren, wir durchschauen Euch, und richten an Euch hiermit in aller Ehrerbietung das Ersuchen, die Maske der Uneigennützigkeit, die zu tragen Euch so schwer wird, ruhig abzu- legen. Wir verzichten auf diese Art der Schonung. Greift uns an, so viel ihr wollt, bekämpft uns nach Herzenslust, wir werden uns schon zu helfen wissen. Nur keine Verstellung, uns täuscht ihr damit doch nicht. .—, Hört! Hört!„Wenn der Luxus der Zersplitterung eine Gefahr ist, erheischt es die Pflicht, sich denselben'zu versagen. Was w o l l e n d i e M ei n u n g s v e r s ch i e d e n h e i t e n der politi- schen Parteien bedeuten gegenüber der weiten und tiefen Kluft zwischen dem Bürgerthume und der Sozialdemokratie?" Das ist nicht etwa irgend einem nationalservilen Ordnungsblatt ent- nommen, das ist zu lesen im Abendblatt der Nr. 301 der demokratisch- volksparteilichen„Frankfurter Zeitung", und zwar in dem Leitartikel. An w e n geht der Appell, sich den„Luxus der Zersplitterung" zu versagen? An die r e ch t s von„Freisinn" und„Demokratie" stehen- den Elemente. Denn„wie die Verhältnisse nun einmal liegen, vertritt die demokratische Kandidatur das Gesammtinteresse zugleich mit dem Interesse der FrankfurterBürgerschaft"(Kirchthurmspolitik!) gegenüber einem„einseitigen Klasseninteresse, sich an die Stelle der Vertretung des Gesammtinteresses setzen möchte und in letzter Reihe auf Feuilleton. Die HeCchwister. Eine dramatische Episode aus der Jetztzeit. Von E. Gr. II. Theil. (In einer kleinen Bierstube, bei verschlossenen Thülen, sitzen um einen Tisch, der mit Schriftstücken bedeckt ist, sechs Arberter(Vertrauensmänner) und Hugo Greiner.) Hugo: Es wird morgen heiß hergehen. Wie viel Vertrauensmänner hat Jeder von Euch an der Hand— Männer, die, wenn etwas vorfällt, in die Bresche springen können? Alle(schnell durcheinander): Sechs! Und jeder von diesen sechs hat wiederum sechs. Hugo(erfreut): Also immer zu sechs und sechs? Habt Ihr sie auch in Alles eingeweiht, damit sie sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt sind? 1. Vertrauensmann Beck: Sei ohne Sorge. Ein Kampfesmuth, eine Opserfreudigkeit herrscht unter ihnen, die Alles, was wir bis jetzt erlebt, haushoch überragt. 2. Vertr. C h l e r t: Und eine Wuth dazu, die keine Grenzen kennt. Würde man plötzlich rufen:„Auf die Barrikade!"— mit kühnem Todesmuth würden die Tausende und Abertausende dem längst ersehnten Schlachtruf folgen. 3. Vertr. Klein: Aber die Bourgeoisie, sie treibt uns auch auf eine unverantwortliche Weise in die Arme der Revolution. Hat doch mein Meister gestern die Frechheit gehabt, uns die Ausübung des Wahlrechtes rundweg verbieten zu wollen. Er sagte nämlich: Wer am Wahltage fehlt, ist entlassen, und damit basta! 4. Vertr. H ü b n e r: Ja, es ist wirklich zum Verzweifeln, was dieses protzige Volk, das auf den Geldsäcken sitzt, dem aufgeklärten Arbeiter nicht Alles zu bieten wagt, und was sich der moderne Lohnsklave ge- fallen lassen muß! Mein Arbeitgeber hat uns gestern sogar angekündigt, daß er mit uns in Gemeinschaft wählen gehen will. Natürlich Träger! Hugo: Und was habt Ihr ihm daraus geantwortet? H ü b n e r: Eine Zeitlang war es unheimlich still, man hörte deutlich das zornige Keuchen, das sich mühsam zwölf Männerbrüsten entrang; und Keiner wagte es, seinem Zorn Luft zu machen. Denn bei jetziger Krisis auf's Pflaster geworfen zu werden und Frau und Kinder daheim zu haben, ist nicht angenehm. Aber endlich ertrug ich es nicht länger. Dröhnend warf ich den Hammer nieder und sah dem Schurken wüthend m's Auge, der, an dem ohnmächtigen Zorn seiner Gesell-n sich weidend, dicht neben mir stand.„Und das wird nicht geschehen, Herr Gebhard!" rief ich fast zitternd vor Erregung,„denn wir sind freie Männer."(Er springt auf und ballt seine kräftigen, sehnigen Fäuste.) So stand ich vor ihm, diese Fäuste hier hielt ich ihm unter die Nase(er macht eine nicht mißzuverstehende Bewegung mit den Fäusten) und sagte: Da Herr, dieses hier haben wir Ihnen verkauft, unsere ganze physische Kraft für einen Hungerlohn. Aber das(er schlägt sich aus die Brust), was da drunter schlägt, das gehört uns, darüber haben und werden Sie nie- m a l s verfügen! den der Reaktion mit ihm gemeinsamen Haß gegen den Besitz und die Intelligenz seine hübe Spekulation setzt." Tie Herren müffen gewaltige Angst vor der Wahl empfunden haben, daß sie so offen die Solidarität der„einen reaktionären Masse" proklamirten.„Wae wollen die Meinungsverschiedenheiten der politischen Parteien bedeuten"— man kann die Konlequemen dieses Satzes auch nach einer Seile hin ziehen, wo es Ihnen schwerlich gefallen dürste, Herr Sonnemann! — Die angebliche Entlarvung eines deutschen Agent provo- kateur in Bern, von der wir in Nr. 42 berichteten, hat sich als müssiges Reportergeschwätz erwiesen. Der Verfasser der betreffenden Zeitungsnotch, ein Herr L. Perrin, erklärt im Berner Int. Iligenzblatt vom 17. Oktober, es habe sich„nach näherer Erkundigung" ergeben, daß für die von ihm kolport rte Verdächtigung„durchaus nicht die mindesten Anhaltspunkte vorhanden sind." Uns kam die Sache von vornherein ziemlich myster ös vor, soweit wir Herrn Schapen— der jetzt von Herrn Perrin selbst als„gänzlich unbescholten und in allgemeiner Achtung stehend" hin.eüellt w.rd— kennen, schien uns die Behauptung, er sei Agent Provokateur, so un- glaublich, daß wir von einer sofortigen Namensnennung absahen, und wir freuen uns, daß wir uns in dieser Beziehung nicht getäuicht. Die einzige Erllärung für die in sonst ziemlich zuverlässigen Blättern veröffentlichte Anschuldigung schien uns die zu sein, daß Herr Schapen in irgend einer Weise in die Angelegenheit der verhasteten Anarchisten verwickelt sei, und wenn uns das auch keinen Anlaß geben konnte, feindselig gegen ihn vorzugehen— wir bekämpfen die anarchistische Theorie und Taktik, gegen die Anarchisten selbst aber hegen wir, von einzelnen Hallunk. n in ihrer Mitte abgesehen, k.inen Groll— so g- bot es uns doch unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit untere Genossen auss Neue zur Vorsicht gegen Provo- kalionen aller Art zu warnen. Daß auch die l- tztere, unter den obwaltenden Uinsländen mildeste Erklärung der gegen ihn in Umlauf gesetzten Nach- richt in Bezug auf Herrn Schapen nicht zutrifft, konstatiren wir gern Im Ueirigen haben wir von unserer obeneiwähnten Notiz kein Woit zurückzunehmen. — Tiefer hängen! Die von der„Frankfurter Zeitung" abge- druckten Stellen des„sehr bemeikenswerthen" Flugblattes des Herrn Rittinghausen lauten: „In einem von den Herren Auer, Bebel, Grillenberger, Hasenclever und Liebknecht unterzeichneten Flugblatt bemühen sich die genannten Herren, dem widersinnigen, von ihrer Fraktion gegen mich eingeschlagenen Verfahren den Schein vernünstigen Handelns zu verleihen, um die Wähler des Wahlkreifcs Solingen mit sich forhureißen auf der Bahn einer durchaus falschen Parteitaktik. Ich hege die U- derzeugung, daß bei dem Mangel des Versammlungsrechtes, einer freien Presse im Lande und mithin der Möglichkeit einer gründlichen Besprechung der Parteiangelegen- Helten Kongresse keine richtige Beleuchtung der Dinge zu Tage sördern, sondern nur zu einseitigen Beschlüssen führen können, während sie nach Außen hin Mißversiändniffe erwecken. ES ist wahr, daß ich bei irgend einer Gelegenheit Parteikongresse, in welchen nur von den herangezogenen Freunden einiger einflußreichen Führer Beschlüsse gesaßt werden— nicht aber von wirklichen Delegiiten nach Rücksprache mit den Parteigenossen—, eine Komödie genannt habe. Wenn nun nicht abzustreiten ist, daß aus dem Kongreß in Kopenhagen Beschlüsse zustande gekommen sind, welche den Boden der Sozialdemokratie dadurch verlassen, daß sie die Fraktion zu einer K o r p o r a l s ch a f t(!) herabwürdigen, so werden nun die Solinger Wähler der Partei bei der bevorstehenden Wahl des Reichs- tagsabgeordneten zu entscheiden haben, ob sie jene Schwenkung billigen oder mit mir den Boden der wahren Sozialdemokratie nicht verlassen wollen. Daß man Euch durch hohle Phrasen über„Ge- schloffenheit und Einmüthigkeit der Partei im Innern", durch Hinweisunz auf eine angeblich„zur Existenzbedingung für uns gewordene Kriegs- disziplin" zu kirren sucht, zeigt nur an, daß die Herren Bebel, Hasen- clever, Liebknecht k. von der inneren Natur jeder Bewegungspartei— fei sie nun eine liberale, fortschrittliche oder sozialdemokratische—- eine höchst falsche Vorstellung sich machen. Es wird immer irgend ein Liebknecht sich finden, der mit irgend einem Bebel trotz allen harmonischen Gefasels nicht über- einstimmt, nicht„Einmüthigkeit" und„G> schloffenheit" pflegen kann und will, und mithin ausgestoßen werden muß. Wenn es weiter heißt: „Genug, Rittinghausen gehört in das Genre der Leute mit fixen Ideen, — ein vortrefflicher Mensch, aber schlechter Musikant, dem man bisher seine Schrullen nachsah", so gründet sich dieser unwürdige Ausfall nur auf die Berechnung, daß viele Menschen— namentlich in Arbeiterkreisen — sehr geneigt sind, hohes Alter und weiße Haare nicht ohne entsprechende Ab Schwächung des Geistes und daraus entstehende Sonderbarkeiten sich vorzustellen. Bebel ist'chlau, sehr schlau! Schade für ihn. daß ich nicht der Verfasser seiner Schriften über die Frau bin; wie würde der große Taktiker dann erst über dieselben hergefallen sein und gegen meine „Schrullen" gewettert haben! Daß nicht meine Abstimmung und Haltung in Bezug auf den spanisch- deutschen Handelsvertrag oder das Fehlen meines Namens aus triftigen Gründen(!) unter dem Aufruf zu Geld- Alle: Bravo, Hübner, bravo! H ü b n e r lsich setzend): Aber da hättet Ihr ihn sehen sollen. Sein kupierrothes Gesicht, das er sich auf Kosten unseres Schweißes und Blutes färbt, wurde noch röther; die Zornesader auf der Stirn schwoll hoch an, und ich glaubte schon, ein Schlagansall befreie die Erde von diesem prassenden, nichtsthuenden Schmarotzer. Endlich brüllte er mich an: Sie haben hier in meinem Hause nichts zu sagen, sondern zu thun, was ich befehle! Oho, oho, Herr Gebhard, riefen jetzt alle Kameraden wie aus einem Munde; mein Austreten hatte nämlich das Eis gebrochen und sämmtlichen Kollegen die Besinnung zurückgegeben. Hübner hat Recht, unter die Füße lassen wir uns nicht treten! Wir gehen morgen wählen, wenn wir wollen und wen wir wollen, rief ich noch zuletzt. Wuth- schnaubend, kein Wort hervorbringend, mit den Fäusten durch die Lust hauend, rannte er einigemale wie besessen auf und ab. Ich werde mir's merken und es Euch schon fühlen lassen, ihr Aufwiegler!— und'raus was er und ließ sich den ganzen Tag nicht mehr sehen. Abends sah ich ihn dann, besoffen wie eine Haubitze, angeturkelt kommen. Hugo: Ja, der Gesellschaft ist kein Mittel zu schmutzig, sie wendet Alles an, um jede freie Regung, jeden freien Gedanlen zu ersticken. 5. Vertr. Hart: Etwas besser geht es mir schon. Mein Meister ist selbst in ganz verzweifelter Lage und infolgedessen gleichfalls Sozial- demokrat. Aber trotzdem er ehrlich und treu ist wie Gold, kann er uns doch Sonnabends nie auszahlen. Wir zwei Gesellen und er hungern oft- nials 8—14 Tage gemeinschaftlich. Dabei liefert er gute Arbeit, wie nur ein Geschäft; aber die Leute ahnen halt, weh Geistes Kind er ist. Darum muß er mit uns zusammen hungern, aber darum geht er auch morgen mit uns gemeinschaftlich den Arbeiterkandidaten wählen. 6. Vertr. Horn: Bei mir sieht es ähnlich aus wie bei Klein und Hübner. Nur ist mein Arbeitgeber zu feige, selbst aufzutreten, und schickt den Werkmeister in's Feuer. Wirklich, wenn man Alles bedenkt, wird man zuletzt ganz kleinmüthig; ich frage mich oftmals, wie lange wir uns das noch gefallen müffen, ob wir denn noch nicht stark genug sind, dies unwürdige, unerträgliche Joch abzuschütteln. Hugo: Nun Horn, sieh' nicht so verzweifelt drein, glaub' es mir, morgen kämpfen wir noch mit dem Stimmzettel,(lebhafter) aber es ahnt mir, daß es zum letzten Aiale sein wird. Wir müssen und werden eine Stimmenzahl repräsentiren, die die Welt in Erstaunen setzen wird. Und dann vielleicht noch ein- oder zwei Entdeckungen, eine Maschine, die wiederum Tausende und Abertausende auf's Pflaster wirst, unv wir stehen vor der längst vorhergesehenen, längst ersehnten Katastrophe. Bis dahin, Genoffen, wollen wir noch unseren dumpfen Haß und Groll unterdrücken. Aber dann, am Tage der Vergeltung, soll er ungehemmt cmporlohen und Diejenigen treffen, die ihn gesäet in jahrelanger Nieder- tracht. Ha, Brüder! wie mir das Herz klopft, es ist, als müßte ich mich in die Schlacht stürzen! Beck: Ja, in die Wahlschlacht. E h l e r t: Auch sie hat und wird ihre Opfer fordern, die moralisch gewiß nicht geringer anzuschlagen sind, als der Tod im Heldeneiser auf der Barrikade. Klein: Wir sind uns unserer Lage vollkommen bewußt wir werden als Männer kämpfen und auch als Männer jedwede Verfolgung tragen. sammlungen die Ursache meines Ausschlusses aus der Fraktion gewesen ist, wird wohl von keinem Menschen bezweifelt. Schon vor meiner Wied-rwahl lm Jahre 1881 hatte Bebel in einem Briefe an die„New- Aoi ker Volkszeltung" erklärt, daß eine Ausstoßung verschiedener Partei- genossen aus der Partei eriolgen müsse. Hierüber von mir zur Rede gestellt, hat Bebel keinen Anstand genommen, in der Fraktion offen zu erklären, daß er dabei in erster Linie an mich gedacht habe. Herr Leder- Händler Schumacher weiß das bess.r als irgend Jemand. Man lauerte nur auf den günstigen Augenblick, die Fraktion s> Majorität zu überrumpeln und ihre Schwäche sich dien st bar zumachen. Auch mußte Bebel vorher feine Stelle im Reichstag wieder einnehmen. Sobald Letzteres 1883 geschehen, wandte er sich nach Solingen mit Verdächtigungen und Verunglimps- u n g e n. Das eingeführte Autoritätsprinzip wird sich eben nun und nimmer mit der Sozialdemokratie verdinven lassen, und der Versuch- die Geister Aller nach dem Modell Bebel-Liebknecht abzurichten, wirv nicht einmal bei Jenen gelingen, die aus irgend einem Grund zu dem un- sinnigen Experiment sich hergeben müssen. Sozialdemokratische Wähl« des Kreises Solingen! Ich bin mein ganzes langes Leben hindurch>n uneigennütziger Weise für die wirthschastliche und moralrsche Freiheit d« Arbeiter eing> standen; ich habe ein Mandat— ihr wißt es— nie erbeten, sondern habe ruhig gewurtet, bis es mir von euch angeboten wurde. Zum Tank dasür hat man versucht, mir in meinem 70. Jahre eine Unabhängigkeit streitig zu machen, die nirgendwo gefährdet gewesen>fl, als in der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstags." Zu einer Widerlegung dieser„sehr bemerkenswerthen" Redensarten sehen wir uns Nicht veranlaßt. Wer die Unterwerfung unter die Partei- disziplin, welche die herangezogenen Freunde einiger„einflußreicher Führer" in Kopenhagen eben diesen„Führern" sammt und sonders vorschriebe«, als entwürdigend betrachtet, der gehört allerdings nicht in die„Korporal- schast". Die triftigen Gründe, weshalb Herr Rittinghausen seme Unter- schrijt unter den Aufruf an die amerikanischen Genosse« nichl hergeben wollte, sind Angstmeierei, Angstmeierel und noch einmal Angstmeierei. Und Angstineierei war es auch, welche Herrn RtUmghause« von Kopenhagen fern zu bleiben veranlaßt«. Wir würden sie de«! „70jährigen Mann" verzechen, wenn er zugleich einsähe, daß man mö folchem Defizit von Muth in so ernster Zeit überall hingehört, nur nicht an die Spitze einer Partei, die von ihren Anhängern verlangt: Mull), Muth und abermals Muth. — Volksparteilich-Demokratisches. Am 22. Oktob« fand in Frankfurt am Main eine von den Vollsparteilern einberuseill große öffentliche Wählerversammlung statt, in der die Herren Sonn«- mann unv Payer zu Gunsten der demokratischen Kandidatur reserirte«. Was sie sagten, wissen unsere Leser: beide Herren bewiesen den Llverale«/ haarklein, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen und der Volks- Partei eigentlich gar nicht besteht, daß eigentlich jeder Nationalliberal«, der die Schwenkung nach Heidelberg nicht mitgemacht, für sie stimme« müsse. Soweit war die Sache schön und gut, ein Fortschrittler hatte sich mit dieser Auffassung durchaus einverstanden erklärt, als der Ar- beuer W i l h e l m W o l f s das Wort nahm. Es war weder ein 1» formgewandter Schönredner wie Herr Payer, noch ein so geübter Par- lamentarier wie Herr Sonnemann, es war ein simpler Proletarier, ei« „obskurer und konfuser Redner", wie die„Frankfurter Zeitung" schreibt, un: so kam es denn, daß er sehr bald dem Elser des überwachende« Polizisten zum Opfer siel.„Auf all' das demokratische Ge- ftunker, schönes großes Heer, schöne große Marin«, schöne Diplomatie, da pfeife ich was"— bei diese« Worten erhob sich der überwachende Polizist und löste die Versamm- lung auf. So wenig diese Worte nach dem Herzen der Herren Volksparteil«' sein mochten, so ist doch so viel klar, daß in ihnen keines der vom Gesetz vorgeschriebenen Kriterien zur Versammlungsauflösung enthalten ist. Di« Auflölung war also durchaus ungesetzlich. Die„Frankfurter Zei- tung" aber, dieses Hauptorgan der volksparteilichen Demokratie, deren Ch-ff in seiner Kaudidatenrede noch„lebhaftes Bedauern" darüber aus- sprach, daß„auch in dieser Wahlbewegung das Sozialistengesetz nach unserer Ueberzeugung nicht so gehandhabt wird, wie dessen Wortlaut es vorschreibt"— allerdings bedauerlich!— dieses Blatt entblödet« sich nicht, wegen der Auflösung statt den Polizisten den Arbeiter verantwortlich zu machen, und so dem Ersteren Absolution zu ertheile«, — nicht doch, ihm das Z e u g n i ß auszustellen, daß er das Gesetz „dem Wortlaut nach" gehandhabt. Nach ihr ist die S o z i a l d e m o-. k r a t i e Schuld, nach ihr war es der von dieser„vorgeschickte" Redner,[ der„die polizeiliche Auflösung in denkbar plump st er Weis«! provozirte". Macht dieser Satz schon der D e m o k r a t i e der Frankfurterin all« Ehre, so kommt es gleich hinterher noch besser. „Doch werden sich die Anhänger der Partei täuschen," fährt sie fort, „wenn sie von dieser Maßregel zu profitiren hoffen. Je weniger sie di« Schranken des einmal bestehenden Gesetzes, es mag so hart und lästi) fein, wie es will, zu respektiren wissen, um so geringer wird man vo« ihrer Achtung vor der Gesetzlichkeit im Allgemeinen denken müssen." Hugo: Also hört, Genossen: Noch in dieser Nacht werden hier i« Berlin hunderttausend Flugschriften gedruckt. Es ist die letzte Erklärung,| der letzte Aufruf an den wählenden Bürger. Er wird durchgreifen«\ wirken und jeden nur einigermaßen selbstbenkenden Mann zum richtige« I Handeln bestimmen. Er wird das nichtswürdige Manöver der Fort- schrittler, die glauben machen wollen, daß auch sie für die ruhigen, be- sonnenen Arbeiter mit Gut und Blut einstehen, zu Schanden mache« Ich glaube, ich hoffe, daß wir dem Kandidaten der Fortschrittler, d« vermeint, durch demagogische Künste und die gemeinen Wahlmanöver sein« � Partei den Sieg zu erringen, völlig gewachsen sind, weil wir dagege« Ehre, Treue und Manneswürde in die Wagschale werfen. Der kons«- vative Kandidat, Landrath Köller, kommt bei diesem Ringen um di« Palme wenig in B-tracht. Beck: Es zeigt übrigens von wenig Männlichkeit, daß der Herr vo« Köller sich hier ausstellen läßt. Jeder ehrliche Mensch sollte uns diese« Gang mit den Fortschrittlern allein ausfechten lassen. E h l e r t: Suche doch bei der Gesellschaft nicht Männlichkeit, Ehrlich- keit oder gar Muth? Diese Tugenden haben sich die Herrschaften längst abgewöhnt. Klein: Ist es vielleicht Männlichkeit, wenn der Armenarzt sein« Kranken durch kriechende Freundlichkeit besticht und ihnen verspricht, si«' morgen in seinem eigenen Wagen selbst abholen zu wollen, damit si« ihrer Pflicht als Staatsbürger nachkommen können? Und hinterher, wenn sie den Stimmzettel für Träger in die Wahlurne gelegt habe«, bekommen sie den bekannten Efelsfußtritt. Pfui' über solch' nredrig« Kampsesweise! H ü b n e r: Ist es vielleicht ehrlich, wenn unser Kaufmann uns, di« er früher gar nutzt kannte, plötzlich die Hand drückt, freundlich mit uns spricht und zuletzt uns diverse Pfundchen Reis, Kaffee und Zucker ver- spricht? Natürlich nur, wenn wir seinen Abgott Träger wählen! Hart: Und zeigt das etwa von Muth, wenn der Hauswirth JedeB zu kündigen droht, der nicht nach feinem Wunsche wählt? Sogar dies« Kampf, der jede Beeinflussung verbieten sollte, der Kampf der freie« und geheimen Wahl, wird von dieser Gesellschast heimlich, tückisch, hinter- listig geführt. Horn(bitter): Ja, freie und geheime Wahl! Wenn dieses Rechi uns gegönnt wäre, dann würden wir bald aus einem anderen Ton« pfeifen. Freie, geheime Wahl! Wie Diebe müssen wir uns zur Urn« schleichen und nach rechts und links schauen, ob man nicht entdeckt, was für einen Zettel wir hineinlegen, damit wir nicht etwa übermorgen aus der Straße liegen. Freie, geheime Wahl! Mit zynischer Frechheit frag! man uns hernach, wen wir gewählt, und wir müssen uns zusammen- nehmen, damit wir mit dreister Stirne lügen können, um nur weit« vegetiren zu dürfen. Das nennt man freie, geheime Wahl! Und daraus pocht das große Deutschland so stolz! Hugo: Genossen, ich finde es freilich erklärlich, wenn Ihr Euren« Grimm hier unter uns Lust macht, aber wir müssen erst das Wichtigste er- ledigen, was uns eigentlich zusammengeführt. Also morgen in aller Früh« geht Ihr nach dem Elisabethuser 108; da befindet sich ein alles, gu> renommirte» Papiergeschäft sv gros. Der Flur ist von 4 Uhr an ge- öffnet und ein Arbeiter wird Euch erwarten. Stichwort ist: Glück auf! Hübner und Hart, Ihr seid die beiden Größten, Ihr müßt die rothe« Piakate ankleben und könnt schon uin 4 Uhr am Elisabethufer sein. Del s-n na -w- tei- cit zu »et« ;te s> ich int ;Dte jf' ml �ch- uit« llet in let :en, :öe. in« ist« ten l«i> et' .en, -al« let« en nal se« ein mit »cht it», bet en« iK« eN. le«, •t«« M ne« it» Ät- s« !at> ein idt, veN »e« n«, »sen im« Dieser Satz ist so ziemlich das Jnsamste, was uns seit Langem vor Hugin gekommen ist. Die„Norddeutsche Allgemeine" kann nicht gemeiner sein in Verdrehung der Zhatiachen. Und welche Demokratie, «inet außerhalb der Gesetze gestellten, der brutalen Willkür unterworfenen Partei ihren Mangel an Gesetzlichkeit vorzuwerfen! In der That, sie haben es weit gebracht, die Herren Volksparteiler! � Gin Strafgericht. Aus Leipig, 23. Oktober, schreibt jnan uns: Vorigen Tonnerstag empfing die„Deutsch freisinnige Partei" «ie wohlverdiente Strafe für ihr perfides Gebahren in der bekannten, durch unsere Großmuth zu Stande gekommene Volksversammlung, in welcher unter schmählichem Wortbruch unseren Genossen, nachdem die »deutsch- freisinnigen" R>dner ihre Reden geredet, das Wort abge- schnitten wurde. Diesmal figuriite als„deutsch-freisinniger" Red- wr der neu hier aufgetauchte, auf den Namen Heinz Kiieger hörende Redakteur der„Leipziger Bürgerzeitung" und„deuisch sreisin- diger" Reichstagskandidat in partibus für unseren Landkreis. Ten Vorsitz luhrte der unglüälichste und verunglüitteste aller denkbaren Volksmänner und Demagogen, der sattsam bekannte Romanfabrikant Dr. Friedrich Friedrich. . Die Leser des Parteiorgans werden sich erinnern, daß dieser Roman- ludrikant und unverbesserliche Attentäter auf die deutsche Sprache wei- chnd die Stirne halte, Ihrem jiorrespondenten zu bestreit. n, daß für Jene Ve» sammlung, in der w.r so„deutsch-sreisinnig" geprellt wur- '«n, seitens der„Deutsch Freisinnigen" unsere Duldung erbeten und "usdrüilllch freie Diskussion zugesichert worden war. Wohlan, die Versammlung vom vorigen Tonnerstag gesialt.te sich zu einem Strafgericht. Ter neue„deutsch freisinnige" Prophet, der uns den Namen Heinz Krieger hört, wurde i» optima lorma a b- öeschlachtet, der Dr. Friedrich Friedrich aber iu optima forma hingerichtet— von Rechtswegen. Auf das Fiasko des Herrn Heinz Krieger will ich hier nicht des Näheren eingehen— genug, er denahm sich so taktlos und unparlamentarisch, daß er unter unaus- löschiichem Hohngelächter von seinem eigenen Präsidenten zur Ordnung fletusen werden und schließlich auf's Wort verzichten mußte. Gr hat das »iunsistült fertig gebracht, sich im Zeitraum einer Viertelstunde unsterb- "ch zu blamiren und für ewige Zeilen unmöglich zu machen. Verglichen aber mit dem Loose des unglüälichen und verunglückten Dr. Friedrich Friedrich war sein Loos sr.ilich noch ein beneidens- weithes. Besagter Friedrich Friedrich hat nämlich außer seinen unzäh- , Ugen Attentaien aus die deutsche Sprache im Atlentatssommer des J«chandjahres 1«78 ein unerhörtes Attentat aus die Humanität Und Moral verübt: er veröffentlichte, mit seiner Namensunterschrist, im„Leipziger Zageblatt", dem msamsten der infamen Bourgois Lugen- ünd Hetzblätter, einen Ausruf, in welchem er die Soziuldemoktaten als sine Bande von„Meuchelmördern und gemeinen Verbrechern" bezeichnete, welche um jeden Preis vertilgt werden müßten i und das könne am Mlen dadurch geschehen, daß man sie aushungere, indem kein «ibeitgeder mehr einem Sozialdemokraten Arbeit gebe. Der brave Herr Dr. Friedrich Friedrich forderte in diesem Ausrufe zur Bildung eines bissen Arbeitgeberbundes zur Ausrottung und Aushungerung der Sozial- demoiraten auf. Nun— die Sozialdemokraten lernen zwar, aber sie vergessen nicht. Und als der arme Heinz abgethan war, ereilte das Geschick den armen «riedrich Friedrich; es erhob sich ein Arbeiter, der ihm, eine Nummer öes„Leipziger Tageblatts" emporhaltent, die einfache Frage vorlegte: ,«Herr Dr. Friedrich Friedrich, sind Sie derselbe Dr. Friedrich Fried- iich, welcher vor 6 Jahren im„Leipziger Tagedlalt" folgenden Aufruf veröffentlichte?" , Der Fragesteller verlas dann den betreffenden Aufruf, dessen Inhalt ein tausendstimmiges Psui! hervorrief, und wiederholte zum Schlüsse �ie Frage: „Sind Sie derselbe Dr. Friedrich Friedrich?" Der Gefragte, auf den alle Blicke gerichtet waren, saß da, ein Bild des Jammers, kreidebleich, zusammengeknickt, unter dem tausendstim- Hilgen Pfui! zuckend wie unter Peitschenhieben. „Sind Sie derselbe Dr. Friedrich Friedrich?" tönt es nochmals aus dem Munde des unerbittlichen Fragestellers. Und das Jammerbild erhebt sich mühsam, wankend; es wagt die Augrn nicht aufzuschlagen und"stottert: «Bedenken Sie— die Zelten haben sich geändert— „Also Sie find derselbe?" schallt es herauf. Und das Jammerbild knickt zusammen unter der Wucht des tausend- stimmigen Psui! Pfui! Pfui! Der hat seinen Lohn. Und die anderen Schurken von damals und später werden ihn auch bekommen. _ Die„deutsch freisinnige" Partei in Leipzig aber, das todtgeborne Kind, ist nun glücklich begraben. Wozu Gesetze gut sind. Folgende Notiz macht die Runde durch die demokratische Presse:„In einer dieser Tage stattgehabten Wählerversammlung in Karlsruhe erzählte der demoklatische Kandidat Herr Dr. Lipp folgende das Sozialistengesetz recht drastisch illustrirende Geschichte: Im März vor zwei Jahren wurden m Darm- Kleister ist gut und verhindert absolut das Abreißen. Hübner, Du bindest Dir den Kleistertops um den Leib, einen weiten Ueberrock darüber, einen Schwamm um die Hand geschnallt, und in schnellem Schritt marschirst Du vorwärts. Mit Luchsaugen suchst Du die passenden S'ellen und fährst dann in möglichster Höhe mit dem Schwamm darüber hinweg. Zehn Schritte hinter Dir her kommt Hart, die rothen Plakate sorg- fältig verborgen; sachte zieht er eins hervor, und schwapp, drauf sitzt «S, fest, als wenn es angewachsen wäre! Und Ihr Anderen, Ihr wählt Euch die Straßen, wo die Arbeitsbienen am vollzähligsten ihren Weg zur Arbeit nehmen, und vertheilt das Flugblatt. Ihr verschont kein Haus, keinen Flur, keine Treppe. Streut in Masse unseren letzten Auf- ruf, unser letztes Wort in diesem Kampf aus. H.ndell schnell und vor- sichtig, damit Ihr nicht ertappt werdet. Ihr braucht Euch Eurer heim- lichen Thätigkett nicht zu schämen, sie läuft dem grasen Mannesfinn nicht zuwider; dies ist der einzige, aber auch der letzte Weg, auf dem wir uns unseren Mitarbeitern verständlich machen können. Wird auch der uns brutal versperrt, nun dann— .„Dann greifen wir zu unsrem Recht, Dann stellen wir uns zum Gefecht!" H ü b n e r: Na, unsere Kollegen werden schmunzeln, wenn sie uns morgen so früh an der Maulwurssarbeit sehen! Hugo: Ja wühlet, wühlet, vortressliche Minirer! Das alte morsche Etaatsgedäude muß zusammenstürzen, weil es nicht mehr fähig ist, einen gesunden Sproß zu treiben, es muß uns— ser bricht ad und lauscht) was ist denn das? K l ä r ch e n(hinter der Szene): Sie sprechen nicht die Wahrheit, mein Bruder muß hier sein, ich muh ihn sprechen, es ist Gefahr im Anzug. Hugo, mein Bruder, öffne mir!(Sie klopft stark an die verschlossene Thüre.) (Hugo springt nach der Thüre und öffnet. All« sind erregt ausgesprungen.) K l ä r ch e n(stürzt herein, das Tuch ist halb herabgefallen, sie ringt in größter Aufregung die Hände): Um Himmelswillen, flieht, versteckt Euch, die Polizei kommt I Hugo: Die Polizei? Wer hat uns verrathen? Woher weißt Du? K l ä r ch e n: Ich! Ich wollte Albert prüfen, ich sagte ihm, wo Du wärst, ich eilte ihm nach und sah, wie er auf das Polizeibureau ging. Hugo(ganz bestürzt): Meine eigene Schwester verrälh uns?! Klärchen(weinend): Verzeiht, verzeiht, ich wußte nicht, was ich that, ich wollte um jeden Preis Gewißheit über Albert haben! Hugo: So hättest Du ihm doch em anderes Lokal nennen können I Klärchen: Ach ja, aber in meiner Aufregung siel mir nichts ein; erst nachträglich wurde mir klar, was ich gethan hatte. Hugo(ärgerlich): Nein, über diese Welberdummheit! (Alle sind eifrig bemüht, den Tisch abzuräumen und die Papiere an sich zu nehmen.) Klärchen: Weiberdummheit? Warum laßt Ihr Eure Weiber, Eure Schwestern in dieser Beschränktheit dahinleben? Klärt sie bei Zeiten aus, macht sie aus den Ernst der Gegenwart aufmerksam, und anstatt dumme Weiber werdet Ihr aufopfernde Kampfesgefährtrnen haben! Hugo(in höchster Eile): Beck, Ehlert, Klein und Hübner, macht st a d t mehrere Sozialisten verhastet und in die Untersuchungs- hast abgeführt. Niemand ließ sich bei denselben sehen. Monate ver- gingen und weder Anklage wurde erhoben, noch em Urtheil erlassen. Endlich im Oktober, nach sieden monatlicher Untersuchungsyast erschien der von der Reichsrezierung bestellte Unleisuchungsrichter in Sozial. stensachen, ein Kammerg. richtstath, und jetzt ging dl« Sache ziem lich rasch. Zwei wurden zu kurzen Freiheitsstrafen verurtyeilt, die durch die lange Unlersuchungshaft als wettgeschlagen betrachtet wurden uno der Diille wurde laufen gelassen. Uno jetzt kommt das Schönste! Als der Herr Kammergerichtsralh befragt wuroe, wie es denn käme, daß er so lange habe aus sich warten lassen, da gab er zur Antwort, „da Darmstadt an der Bergstraße läge und diese Bergstraße gerade iin Herb st landschaftliche Reize böte, da habe er die Erledigung dieser Sozialisten- Angelegenheit bis in den Oktober verschöbe n."— Eine Kritik ist hier nicht von Nölhen. Für die Wahrheit �dieser eben erzählten Thatsache verbürgt sich, wie Dr. Lipp hervoihob, Regie- r u n g S r a t h Dr. Schaum, oer sich zur Kur augenblicklich in Davos aufhält." — Aus Stettin schreibt man der„Harzer Post":„Unser Arbeiter- kandidat, Herr Haararbeiler P r i e tz, hat m einer Massen- Wähler- Versammlung gestern seine Kandidatenrede gehalten. Die liberale Presse hat die perfide Lüge verbreilet, dag Prietz erklärt habe, seine Partei werde in der Stichwahl für den konservativen Kandidaten stimmen. Das ist von A bis Z eine echt deutsch-sreisinnig« Unwahrheit, was allerdings ein Unbefangener von vornherein einsehen mubte. Pnetz krilisirte tress- lich die Sozialresorm und die liberalen Parteien. Die Stimmung ist für ihn vortrefflich." Damit ist das, was wir in unserem Leitartikel in voriger Nummer bereits gesagt, voll und ganz bestätigt. Verdient hätten es übrigens die meisten der Herren Deutsch- Freisin- nigen, daß wir ihnen bei den Wahlen einen tüchtigen Reinfall bereiteten. Jndeß wir treiben keine Gesuhlspolitik. D.e Zutereffen der deutschen Ardeiter erheischen, daß die Regierung des Sozurlillengesetzes die Majorität, die sie sucht, nicht erhält, und es wäre Wahnslim, wallten wir uns durch semimeiltale Gründe bestimmen lassen, ihr zu dieser Majorität noch zu verHelsen. Das wissen die Genossen Stettins ebenso gut wie die Genossen an- dernorts in Deutschland. — Solidarität. Aus L ü t t i ch(Belgien) �erhalten wir folgende Zuschrift: „Genossen! Der sozialistische Zirkel die XV., hat eine Liste zu Gun- sten des Wahlkampses, den ihr zu fuhren habt, in Umlauf gesetzt, uno wir übersenden euch nunmehr, freilich elwas spät, den Betrag von l? Franken. Wir hoffen, euch bald noch mehr senden zu können, da ver- schiedene Genossen, die unterschrieben haben, mit ihren Zahlungen noch im Rückstand find." In dem Zirkular selbst heißt es, nach einer Schilderung der Zustände in Deutschland: „Arbeiter aller Länder! Arbeiter, Sozialisten! Ihr Alle, die ihr leidet, die ihr nicht für euch, sondern für eure Kinder eine bessere Zukunft herbei wünscht, vereinigt euch! Jgr seid die Zahl, ihr seid die Kraft, eure Sache ist heilig, denn ihr kämpfet für Recht und Gerechtigkeit.... D.utschland bedarf unseier, helfen wir daher, wir, die wir weder Vater- land noch Grenzen, fondern nur die Menschheit kennen, dl« wir Menschen und nicht Sklaven sein wollen, unfern Brüdern jenseits des Rheins, auf daß diese Verlheidiger unserer Sache in'o Parlament ent- senden können." Wir danken unseren belgischen Freunden im Namen der deutschen Genossen auf's Herzlichste, — Nach Berlin! So betitelt sich einer der letzten Leitartikel Jules G u e d e's im„Cri du Peuple". Wir brauchen unfern Lesern nicht eist zu sagen, daß dieses Nach Berlin! nichts gemein hat mit dem Motto der französischen Chauvimslen, sondern lediglich die sozialistlsche Antwort darauf ist. Es ist bekannt, daß die bürgerlichen Radikalen m Frankreich aus Opposition gegen Ferry plötzlich in Teutschsr.sferei machen, für die sozialistischen Arft-isrr kamt- aber die Thatsache, daß ihr« Unter- drücker zeilweise die Streüuxt begraben, kein Grund sein, jetzt deren Handwerk zu thu» und Ra-enhaß zu predigen; das führt Guesde vortrefflich aus. Rachdem unsere Herrschenden, sagt er, am Tage nach dem Gemetzel von 1370/71 die Polizei der Zerstückelten den Zerstücklern zur Ver- sügung gestellt behufs Verhaftung und Ausweisung fluchtiger Soziullsten von jenseits der Vogesen, haben sie schließlich, indem sie den Beutel ihres Patriotismus ganz auskramten, in Egypten, in Tonkin, am Eongo ihre Spelulantenhänbe in die des roihen Mannes von Varzin gelegt. „Dieser deutsch- französischen Verbrüderung behufs kommerzieller und kolonialer Ausoeulung gilt es die Verbrüderung der Arbeiter beider Länder entgegenzusetzen behufs gegenseitiger Befreiung. Wenn es für die Regierenden und Schachernden beider Staaten, die nur noch ein„Pick, pocket" und einen Gensoarmen darstellen, keine Vo- gesen mehr gibt, mit wie viel stärkerem Rechte darf es keine Vogesen schnell, daß Ihr mit sämuitlichein Material durch das Fenster entwischt; Ihr erklimmt die kleine tzllauer im Hofe und eilt schnell durch das Nachbarhaus auf die Stmße. (Die drei Zurückbleibenden entledigen sich schnell aller Papiere und reichen sie den aus dem Fenster Steigenden.) Klärchen: Bruder, Du willst hier bleiben? Geht um Himmels- willen Alle, ich werde schon allein die Polizei empfangen. Hugo: Nein, Klärchen, Du gehst; schnell, ich höre die Polizei.(Er will sie zu einer anderen Thüre hinausdrängen.) Klärchen(sich energisch widersetzend): Nein, ich bleibe, ich will dem Schurken in's Gesicht schauen! (Die Thüre wird stürmisch aufgerissen.) Polizeilieutenant: Im Namen des Gesetzes, die Berfamm- lung ist ausgelöst! (Sechs Polizisten schieben und drängen sich herein, allen voran Albert als Zioilpolizist.) Hugo(höhnisch): Eine' Bei sammlung von drei Mann, Herr Lieute- nant? Ä Albert(wüthend aus�Klärchen zutretend): Mädchen, Du bist mir zuvorgekommen, Dü hast»einen Bruder nebst seinen Freunden gewarnt. Klärchen(vor Zorn bebend): Nein, elender Schurke, ich habe Dich nur prüfen wollen, wie Du mich heute Abend; Du hast aber Deine Probe schlecht bestanden. Albert(frech): Mäßigen Sie sich, mein Fräulein. Sie beleidigen einen Beamten im Dienst. Klärchen: Ich beleidige einen Beamten im Dienst? O nein I Ich entlarve einen nichtswürdigen Heuchler, einen gemeinen Betrüger, der sich in das ahnungslose Hhrz eines Mädchens schleicht, um deren Bruder auezuspioniren, ihn zu verderben! Polizeilieutenant(der mit Wohlgefallen das entrüstete Klärchen betrachtet hat, zu seinen Untergebenen): Zwei von Euch stellen sich draußen aus und dewachen das Haus, damit Niemand entschlüpft; drei vor die Zimmerthüre und die anpere» Helsen eine gründliche Untersuchung des Zimmer» vornehmen. (Nach Polizeimanier schnüffeln sie überall herum, gucken unter Stühle, Tische, schauen an den leeren Wänden entlang und finden ' nirgends etwas.) Polizeilieutenant: Meine Herren und Sie Fräulein, Sie sind verhaftet, folgen Sie mir nach dem Polizetdureau. Antreten! (Die wachthabenden Posten treten an. Der Lieutenant stellt sich vor und sagt zu den drei Genossen und Klärchen.) Folgen Sie mir. (Zu den Polizisten.) Ihr bildet den Nachtrab und gebt Acht, daß Keiner entwischt. (Der Lieutenant setzt sich gravitätisch in Bewegung, die Anderen folgen, Klärchen ain Arme ihres Bruders; der Zug bewegt sich feierlich zur Thüre hinaus.) Der Vorhang fällt. mehr geben für die Regierten und Verschacherten, für die, gegen deren Freiheit und auf Kdsten deren Taschen diese Spitzbubenverbindung zu Stande gekommen." ... Die französischen Proletarier können die zahlreichen— und tragischen— Umstände nicht vergessen haben, unter denen sie die ebenso freiwillig« wie bruderliche Hülfe der kämpfenden Sozialdemokratie er- halten, zu deren Unterstützung wir sie heute auffordern." Der Aitikel schließt mit einem warmen Appell, sich an der Samm- lung zu Gunsten der deutschen Reichstagswahl lebhaft zu belheiligen, welche die pariser sozialistische revolutionäre Föderation der französischen Arbeiterpartei zu Gunsten der deutschen Reichstagswahl veranstaltet. Der von der erwähnten Körperschaft erlassene Ausruf lautet: „In Erwägung, daß die deutsche Sozialdemokratie, wie sie sich aus ihren Kongressen und in 15 Jahren politischen Kampfes gestaltet hat, dasselbe Ziel verfolgt wie die revolutionären französischen Sozialisten, d. h. die Nationalisirung der Produktionsmittel, und dieselben Mittel im Auge hat, d. h. die Eroberung des Bourgeoisstaats durch die Klaffe der Lohnarbeiter;.... Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen in Deutschland, Angesichts des Ausnahmezustandes, der seit 1878 auf der deutschen Sozialdemokratie lastet, hat der sozialistisch-revolutionäre Verband der Arbeiterpartei in seiner Sitzung vom 24. Oktober beschlossen, dieselben in ihrem aus dem Ge- biete des Wahlkampfes unternommenen Feldzuz gegen das kapitalistische Deutschland uno dessen kaiserlichen Förderer zu unterstützen; er eröffnet zu diesem Zweck eine öffentliche Subskriptior, zu der er alle französischen Arbeiter einladet, die sich vom Chauvinismus abge- wendet und als ihren wahren und einzigen Feind das Ausbeuter- t h» m erkannt haben." Er fügt hinzu, daß er in dieser den deutschen Sozialisten gebrachten Hülfe nur„einen ersten Schritt erblickt zur Jnternationalisirung des— friedlichen oder revolutionären— Kampfes aller Länder." Die Veranstalter der Sammlung wissen, wie uns von einem sranzö- stschen Genossen geschrieben wird, daß sie mit derselben etwas spät kommen, es ist indeß nicht ihre Schuld, uno angesichts der Stichwahlen, hoffen sie, wird bei Beitrag, den sie uns werden senden können, immer noch von Nutze» sein. Heber die Summe, welche sie ausbringen werden, geben sie sich keinen Illusionen hm, die Krisis, die auf den Pariser Arbeitern lastet, und die Schwierigkeiten, mit denen sie selbst zu kämpfen haben, lassen darüber keinen Zweifel obwalten, daß die Summe nur eine verhältnißmäßig geringe sein wird. Es lag ihnen aber daran, in irgend einer Weise ihrer Sympathie mit den deutschen Arbeitern Ausdruck zu geben,„deren Entschlos- senheit und Ausdauer w i r bewundern". Und als Zeichen dieser Sympathie werden wir auch den kleinsten Bei- trag zu schätzen wissen. ES lebe die internationale Solidarität! — England. Wir werden ersucht, mitzutheilen, daß die Schot- tische Land- und Arbeitsliga, die schottische Zweigsektion der sozialdemokratischen Federation, in E d i n b u r g ein(Gratis) A r- beiler-Lesezimmer neb st Bibliothek eröffnet hat, in wel- ch-m sozialistische Zeitungen jc. aufliegen. Die Adresse desselben ist: P i e a r d y Hall, 20 Pieardy Place. Unsere Genossen, welche Freunde oder Bekannte in Edinburgh oder in Schottland überhaupt besitzen, werden nicht verfehlen, sie hierauf, sowie auf die Existenz der Liga selbst aufmerksam zu machen. Dieselbe ist, wie aus ihrem uns zugesandten Manifest hervorgeht, ausgesprochen sozialistisch. Korresponomzen. p.-n. Königsberg i. Pr., 26. Oktober. Der Wahlkampf zwischen den hiesigen Genossen und den„Deutsch-Freisinnigen" ist diesmal ein ganz drsouderS. heiliger, und die elende und gemeine Gesinnung»- und Handlungsweise der Letzteren zeigt sich wiederholentlich im schönsten Licht. Sie hatten zum vorigen Mittwoch eine Wählerversammlung einberufen, in der ihr Kandidat Möller sprechen sollte. In der Versammlung waren nur Sozialdemokraten erschienen. Die edlen, sich„freisinnig" nennenden Seelen erklärten von vorneherein, keine Diskussion gestatten zu wollen. Es war ihnen doch zu unangenehm gewoiden, daß Godau ihren Anführer Möller vor Kurzem so abgethan hatte. Aber es ist charakteristisch sür diesen„Freisinn", daß er sich auf keine Debatte ein- lassen will; dazu sind die Herren zu freisinnig und zu feige. Die Sozial- demokraten wollten die Deklamationen des Herrn Möller nicht anhören, ohne antworte» zu können, und verließen den Saal. Jetzt lügen die liberalen Zeitungen zusammen, wir hätten die Versammlung gesprengt. Außerdem verbreiten die„anständigen" Leute Flugblätter, in denen Godau in der gemeinsten Weise angegriffen*), die Sozialdemokratie ver- leumdet und sie selbst herausgestrichen werden. Godau soll„Hetzreden" gehalten haben und sich eindrängen, wo er ausdrücklick» nicht geladen ist. Godau ist eben muthig, er geht auch in Versammlungen der Gegner, wenn alle Wähler geladen sind; die Liberalen sind aber feige und schimpfen aus ihrem Versteck. Die Liberalen preisen ihre gesetzgeberischen Leistungen, Freizügigkeit u. s. w. Als wenn diese lügnerischen Heuchler das nicht Alles in ihrem Interesse und nicht in dem der Arbeiter ge- than hätten! Dann preisen sie ihre Volksküchen, Kindergärten u. s. w., mit denen sie dem armen Volk nur Sand in die Augen streuen,„Wohl- thaten" geben, damit es nicht merkt, was es verlangen kann. Sie beweihräuchern ihren Möller, der ein„einträgliches Amt" geopfert, um seiner U-berzeugung treu zu bleiben. Nun, viel verloren hat oer„uneigennützige" Mann'mit dem„einträglichen" Amt nicht, er besitzt dafür heute so viel Zeitungsaktien, daß eS ihm wohl genügen kann. Es geht doch nichts über„deutsch- freisinnige" Heuchelei und Niederträchtigkeit. Unsere Genoffen haben aber auch die gebührende Antwort in einer Wählerversammlung am vorigen Freitag"gegeben. Eine imposantere Versammlung hat Königsberg lange nicht gesehen. 12—1300 Mann standen dichtgedrängt in dem Saal, Hunderte und Hunderte draußen auf der Straße. Genoffe Godau widerlegte unter rauschendem Beifall der Anwesenden die schainlosen Lügen und Verleumdungen der Freisinnigen. Daß die Versammlung polizeilich ausgelöst wurde, versteht sich wohl von selbst. Wir haben noch keine Wählerversammlung gehabt, die diesem Schicksal entgangen wäre. Das nennt man„Wahlsreiheit" oder„Für- sorge für das Wohl der arbeitenden Klaffen". Diese Auflösung ver- fehlte ihren Zweck gber durchaus. Sie wurde mit brausenden Hochs auf Godau deantwortet, in allen Straßen setzten sich die Hochrufe fort. Der Geist unter den Genoffen ist ein vortrefflicher, sie werden trrumphiren üv-r alle Gemeinheit der Polizei und der„Deutsch-Freisinnigen", trium- phiren über die„eine realtionäre Masse".(Vgl. das glänzende Wahl- resultat. D. Red.) Magdeburg, 17. Oktober. In unserem letzten Bericht wiesen wir darauf hin, dag wir in nächster Zeit über die persönlichen Verhältnisse des hier durch seine vielen Schurkereien gegen die Sozialisten berühmt gewordenen Polizeiinspektor K r i e t e r einen Spezialbericht brin- gen wollten, den wir nunmehr zunächst folgen lassen. Aus dem Georgenplatz hierorts wohnt eine Wittwe, welche neben ihren sonstigen Beschäftigungen etwas Kuppelei treibt; selbig« hat ein schönes Töchterlein Elise. Hübsch gebaut, von einnehmendem Aeußern, machte Elise die angenehme Bekanntschaft des genannten Wächters der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit. Aus der Bekanntschaft ward bald „herzliche Freundschaft". Dieses intime Verhältniß wurde jedoch von verschiedenen Leuten, dar» unter einige Freundinnen der schönen Elise, baldigst bemerkt und beob- achtet; auch hatten die unteren Beamten des Krieter, hauptsächlich der jetzt ausrangirte Schutzmann W e st p h a l, einig« interessante Wahrneh» niungen gemacht. *) Diese Flugblätter sind uns von anderer Seite zugestellt worden Sie sind ein Denkmal der Schande sür die Herren Deutsch-Freisinnigen und müssen selbst jeden Richtiusoamirten aneckein, so deutlich spricht au» ihnen o»e Tendenz, den Gegner, den man nicht todtschweigen lann, todt- zulügen. Vor zirka 1'/, Jahren besuchten einige solide Freundinnen die Withve Schmidt, und zusällig war im separaten Stübchen Herr Krieter bei sei ner theuren Elise. Neugierig, wie gewöhnlich, wurde durch'» Schlüsselloch gesehen, und was sür ein Anblick bot sich da? H rr Polizeiinspektor Krieter machte Manipulationen, wie man sie sonst nur bei gewissen Viersüßlern zu beachten pflegt; deutlicher zu werden ve> bietet uns der gute Geschmack. Diele Thatsache erlaubte sich der von Krieter geschaßte frühere Schutz- mann Wesiphal vor öffentlicher Gerichtsverhandlung unter Voisitz des konservativen Reichstagskandidaten Simon von Zastrow zu konstatiren, woraus auf die Zeugenaussage des Krieter verzichtet wurde. Die schöne Elise verch-rand dann aus Magdeburg und wurde von ihrem Galan nach dem nahegelegenen Stendal einlogirt. Daher auch die vielfachen Reisen Kiieter's nach dort. Seine Gattin, welche bei dem jetzigen Polizeipräsidenten Magdeburg's, Herrn von Arnim, in Ha»- nover diente, scheint sich aus den Extravaganzen dieses Tugendhelden wenig zu machen, wahrscheinlich denkt sie, da sich Gleich und Gleich gern gesellt, an ihre Vergangenheit im Hause des Präsidenten von Arnim, welcher hohe Herr ihr ja auch ein sehr schönes, lebendig gewordenes Heirathsgut in die Ehe mitgab. Ein Beitrag zum Thema, auf welche leichte und bequeme Art man in unserem Ordnungsstaat Vater und— Polizeiinspektor wird. Dieser edle, iugendsame Krieter nun ist es, der in Magdeburg die politische Polizei leitet, und in seinem Streberthum hauptsächlich gegen die bösen Sozialdemokraten wüthet. Wahrscheinlich glaubt er: je früher diese an's Ruder kommen, um so eher kommst du an den Laternenpfahl. Die Wahlbewegung ist hier eine ausgezeichnete. Natürlich werden trotz Reichstags- und Bundesrathsbeschluß alle unsere Vei sammlungen verboten. Unser Kandidat, Hutfabnkant und Stadtverordneter August Heine aus Halberstadt, hatte nur zweimal Gelegenheit, öffentlich zu sprechen i einmal in B u k a u und einmal im Schloß garten Magdeburg. Die letztere Versammlung wurde ziemlich am Schluß, als ein Genosse ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausbrachte, auf Grund des§ 9 des famosen Maulkorbgesitzes ausgelöst. Alle andern angemeldeten Versammlungen verfielen gleich vorher dem Schicksale des Verbots. Die Wählerversanim- lungen der sogenannten deutsch-freisinnigen oder richtiger deutsch- s e i g- sinnigen Partei sind natürlich für die Arbeiter abgesperrt. Eine der- artige Versammlung, welche am Montag den 6. Oktober im Saale zum „Hosjäger" stattfand, nahm einen etwas tumultuarischen Charakter an. Tie Arbeiterpartei hatte für diesen Abend in den Räumen der„Zentral- halle", welche vorgenanntem Lokal ziemlich am entgegengesetzten Ende der Stadt liegt, ebenfalls eine öffentliche Wählerversammlung anberaumt, in welcher Heine sprechen sollte, und zu welcher wir, wie wir es ja stets thun, auch Gegner eingeladen hatten. Jedoch die Polizei zeig'e wieder, daß alle Preußen vor dem Gesetze gleich sind; diese Versammlung ging, wie so viele andere, den Weg des Verbots. Eine ziemliche. Anzahl Arbeiter machte sich nun aus den Weg, um im „Hosjäger" etwas„Dertich Freisinniges" zu hören. Einigen gelang es, hineinzukommen, doch dem größten Theil wurde der Eintritt verwehrt, bei w>lcher Gelegenheit einer dieser Fortschrittshelden, der Renner O d e m a r, ziemlich schlecht wegkam. Nun rückten immer stärkere Polizeimannschasten an und forderten die Arbeiter auf, die Promenade, an welcher das betreffende Lokal liegt, zu verlassen. Da nun diese Pro- menade allgemeines Eigenthum ist, so glaubten wir, dem nicht so schnell Folge leisten zu müssen. In ganz kurzer Zeit rückte jedoch eine Militär- Patrouille an und säuberte dann im Verein mit der Polirei den Platz vor dem Lokal. Ein dort ruhig stehender Arbeiter wurde von zwei dieser Valerlandsvertheidiger, welche natürlich das Bajonett aus den Schießprügel gesteckt hatten, sowie von vier Schutzleuten in Uniform, dem Inspektor Krüter und einem Kommissär bis durch das nächste Thor transportirt und mit Kolbenstößen traktirt. Selbstverständlich haben uns diese und alle andern gemeinen Handlungen der Polizeiknechte und unserer Gegner nur noch thätiger und eifriger gemacht und arbeiten wir mit aller Energie und l opprltem Eiser weiter. Die Kandidaienzahl sür Magdeburg ist fünf. Von den Konservativen ist Professor A. Wagner ausgestellt. Der Wahlausruf dieser Partei ist mitunterzeichnet von den weiter oben genannten Herren von Arnim und Krieter. Natürlich werden diese Herren nicht viel leisten. Auch die Ultramontanen oder die Pfoffenpartei läßt'etwas von sich hören, und zwar ist der Kandidat derselben die kleine Exzellenz Windthorst-Meppen. Die Nationalliberalen glauben in der Person des Großkapitalisten Gärt- ner aus Buckau den Richtigen gesunden zu haben. Die Hauptmacher von hier, die Deusich-Frelsinnigen, haben na-üilich wieder ihren alten Eisenbahndirekivr a. D., Buchtem.rnn, ausg-slellt. Angst hat der ganze sogenannte Ordnungsbrei ganz gewaltig. Einige Zeitungen schrieben schon neulich, daß bei dieser Uneiii>gk-it in den Parteien und der kolossalen Rührigkeit im Lager der Sozialdemokraten ein Sieg der Letzteren schon im ersten Wahlgang eintreten könnte. Es ist auch wirklich staunens- werth, wie hier agitirt wird, und tiotz allen Versanimlungsverboten ein großartiges Anwachsen unserer Stimmen bemerkbor wird. An den drei Abenden voriger Wochen, a» welchen uns die Versamm- lungen verboten wurden, durchzogen wir Abends die Straßen mit meh- reren hundert Mann, natürlich unter Begleitung der Polizei, fange» die Malseillaise und brachten Hochs auf /unsere Kandidaten und die Sozial- demokratie aus. Sonntag den 12. Oktober trugen wir unser zweites Wahlflugblatt aus. Vom frühen Morgen bis späten Nachmittag waren wir in rastloser Thätigkeit. Einige 20 Sistirungen fanden statt, und hat uns die Hoch- löbliche etwa 300 Blätter gestohlen, was bei 30,000, die wir verbreiteten, wenig ausmacht. Nun zu einer Angelegenheit, die uns Alle schmerzlich berührt hat. Unser Genosse, der Tischler Heinrich S t r e m e l, aus Berlin und Hamburg aus Grund des§ 8 des famosen Ausnahmegesetzes ausgewiesen, wurde kurz nach seiner letzten Ausweisung krank; seit über sechs Mo- naten litt unser braver Genosse ander Unterleibsschwinvsucht. Aber bis in seinen letzten Tagen war die Unterhaltung über Parteiangelegenheiten sein liebstes Thema. Immer noch hatte er Hoffnung, die Wahl mitzu- machen, und war es bereits festgestellt, daß, wenn er am Wahltag nicht lausen könnte, wir ihn zur Wahlurne tragen müßten, damit seine Stimme nicht verloren gehe. Im Schicksalsbuch war es jedoch anders beschlossen. Am Sonntag den 12. Oktober früh, just als die Genossen beim Aus- tragen des zweiten Wahlflugblattes waren, endete der Tod die Leiden unseres Freundes. In kürzester Zeit verbreitete sich diese Nachricht unter uns und erregte in unserm Kreise eine sehr gedrückte Stimmung. Witt- woch Mittag 12 Uhr sollte die Beerdigung stattfinden. Eine Anzahl naher Verwandter und ganz spezieller Freunde des Verstorbenen hatten sich kurz vorher in dem kleinen Hos des Trauerhauses eingefunden, um den Sarg auszuschmücken. Von den Genossen aus B e r l i n, H a m- bürg und Leipzig waren prachtvolle Lorbeerkränze mit mächtigen rothen Schleifen eingeschickt worden. Auch Genossen aus den Wahl- kreisen Jerichow I und il und Wanzleben waren mit Kränzen und Schleifen erschienen. Um'/,12 Uhr, als mit dem Befestigen der Kränze auf dem Sarg begonnen wurde, erschien der Polizeikommiffär Hase in voller Uniform und verlangte das Entfernen der rothen Schleifen und Blumen aus den Kränzen. Dem wurde jedoch nicht entsprochen. Nun erhob sich die Löwenstimme des besagten Hase:„Im Namen des Ge- setze» löse ich die Versainmlung aus und fordere die Anwesenden auf, den Hof zu veilasjen!" Trotz der betrübten Stimmung, in der wir uns befanden, brach ei» homerisches Gelächter aus, was de» Hase zum Puter werden ließ. Ein Genosse bemerkte laut zum Kommissär:„Sie reizen die Leute zu Gewaltakten, hüten Sie sich, so fortzumachen!"—„Ist mir ganz egal," war die Antwort,„ich habe meine Instruktion." Doch wir dlreben ruhig im Hos und trugen den Sarg mit seinen Kränzen von rothen Blumen und Schleifen auf den vor der Thüre stehenden Leichenwagen. Eine stattliche Anzahl Genossen, mit rothen Blumen im Knopjloch, solg- ten ruhig dem Wagen. Auch einige Dutzend behelmte Schutz!- ute fehlten selbstverständlich nichr. Dieselben trugen jedoch keine rothen Nelken, aber grimmige Mienen und grimmige Blicke warfen sie auf uns und unsere rothen Blumen und Schleis- n. Da es gerade Mittagsstunde war und zahlreiche Arbeiter die Fabriken verließen, wurde von Seiten derselben vom Trauerhaufe aus bis zum Kirchhof auf beiden Seiten des Weges Spalier gebildet. „Rache ist süß," dachten nun wohl die Polizeiknechte. Als der Leichen- wagen durch das Kirchhofthor gefahren war uns wir folgen wollten, stürzte ei» Dutzend dieser Hallunken aus das Thor, wohl mit demselben Eifer, wie ein Thierbändiger thun würde, wenn der Käfig des Löwen oder Tigers offen stände, und sperrten dasf.Ibe ab. Alles Protestiren unserseits half nicht«; wir durste» nicht mit hinein. Zum zweiten Mal trat der Aiiflöser Hase in Funktion und löste die„Versammlung" an der Kirchhosspforte„auf". Nach heftigem Hin- und Herreden gelang es dann der W i t t w e, der M u t t e r und dem Bruder des Verstor- denen, von den Käfigsperrern Einlaß zu bekommen. Verschiedene Gruppen des Trauergefolges bildeten sich vor dem Kirchhof, und konnte man den Männern ansehen, daß sie ihre Erregung über diese Rohheit und Brutalität mit Gewalt niederkämvften, um auf den Putsch, der ihnen hier aufgedrungen, nicht hinein ufallen. Die einzelnen Gruppen, welche sich, nebenbei bemerkt, ruhig verhielten, verfielen jedoch mehrfach dem Schicksal der„Auflösung". Unser Genosse A. Schulz, Zimmerer aus Berlin, gleichfalls Ausgewiesener, welcher das Glück hatte, vor der Absperrung aus den Kirchhof zu gelangen, legte, als der Sarg auf der offenen Gruft stand, im Namen der Magdeburger Parteigenossen einen Lorbeerkranz aus denselben nieder, was den Kommissär wiederum ver- anlaßte, die aus einigen Frauen und vielleicht fünf Männern— nähere Verwandte des Verstorbenen— bestehende Versammlung abermals„auszu- lösen". Schulz aber wurde, als er kaum einige Worte herausgebracht, an der Brust gepackt, während ihn zwei Schutzleute von hinten würgten, und verhastet. Man kann sich denken, welche Empörung es allgemein hervorrief, als der Verhaftete nach der nahen Militärwache transportirt wurde. Tie Genosien Eitner, Ausgewiesener aus Berlin, und T e t l o w von hier, welche ihrer Verwunderung Ausdruck gaben, wur- den ebenfalls verhaktet. Eine ungeheure Menschenmasse folgte dem Transport der Verhafteten von der Militärwache nach dem Polizeigebäude. Die Aufregung war eine ganz bedeutende. Von Leuten, die uns vollständig fernstehen, hörte man ihre Entrüstung ausdrücken. Bis heute, Freitag Mittag, sind die Verhafteten noch nicht entlassen. Wir werden mit euch Polizeibüiteln abrechnen! Am Mittwoch den 15. Oktober sollte eine öffentliche Wählerversamm- lung der Deutsch Freisinnigen stattfinden. Wir wunderten uns schon darüber, daß von Seilen des Einberusers„Alle liberalen Wähler" ein- geladen waren. Als wir nun Abends uns im Lokal einfanden, war die Versammlung abgesagt worden. Wie nun des nächsten Tages die ge meine„Magdeburger Zeitung" schrieb, hätte der Wirth uud der Vorstand der deutsch freisinnigen Partei von amtlicher Seite die Mittheilung er- halten, daß eine große Anzahl Sozialdemokraten kommen würden, um die Versammlung zu stören. Es war gerade der Abend nach dem Be- gräbniß, und es herrschte zwar in Folge der Polizeischurkereien eine starke Aufregung in unserm Kreise, aber deswegen machen wir noch keine Krakehle um nichts, sondern gehen in, der Diskussion gewidmeten Versammlungen hübsch parlamentarisch vor. O, Ihr Helden der sogenannten Ordnungsparteien, wenn Ihr Euch nicht auf die Bajonette und die Büttel stützen könntet, Ihr wäret schon längst in's Mausloch gekrochen! Yy. Dresden, 22. Oktbr. Die„Dresdener Nachrichten", dieses General- schmutzblatt, bringen in ihrer Nummer vom 5. Oktober folgend» n Bericht: „Ende voriger Woche feie te die Nähmaichin-nfabrik von Seidel und Naumann die Vollendung der 250, 0000 st en Maschine durch ein Bankett, welches der Chef der Firma, Herr Bruno Naumann, seinen 300 Arbeitern im„Tivoli" gab. Mir erfahren nacht, äglich, daß Herr Naumann die Gelegenheit benutzte, um in hochherziger Weite einige alte, treuverdiente Ardeiter, die fünfzehn und mehr Jahre ununterbrochen bei ihm thätig waren, durch Geldspenden von 500 Mk, re'p. 300 Mk. unter feierlicher Ansprache auszuzeichnen. Die Gärnter'sche Kapelle und der Gesangverein der Fabrik trugen zur würdigen Feier dieses seltenen Festes ihr Bestes bei.— Als Zeugn,ß sür den gesunden Sinn, der unter den Arbeitern der genannten Fabrik, dieses größten industriellen Etabliffe- ments von Dresden, herrscht, sei noch erwähnt, daß am Schluffe der aufgeführten Nebelbilder,„um Herrn Naumann zu zeigen, daß keine Sozialdemokraten unter dessen Arbeitern sind", wie die Ärranqeure aus- drücklich bemerkten, die Bildnisse Ihrer Majestäten des Kaisers, des Königs Albert und der Königin Carola erschienen und mit begeisterten Hochs und durch den Gesang der Königshymne von sämmtlichen Fest- theilnehmern begrüßt wurde». Das ganze Fest gab ein Zeugniß des zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehenden herzlichen Einver- nehmens." Wie viel Werth auf derartige„Arbeiterdemonstrationen" zu legen ist, ist bekannt; Jedermann weiß, daß bei solchen Festen gewiffe Schmarotzer plötzlich einen Rieseneifer entfalten, die schwächeren Elemente nachgeben, die übrigen Arbeiter aber, um nicht außer Existenz z» kommen, schw ei- gen. Das ist, wie gesagt, bekannt, darüber ist also kein Wort mehr zu verlieren. Daqegen liegt es im Interesse unserer Partei, weitere Kreise mit den besonderen Einenschaften des hier erwähnten ehrsüch'iaen Fabrikanten Naumann bekannt zu machen, besten bezahlte Lobhudeleien öfter die Spalten hiesiger und auswärtiger Zeitungen füllen. Die Gründe, warum sich derselbe scheinbar freundlich und freigebig seinen Arbeitern gegenüberstellt, sind keineswegs in seinem guten Herzen zu suchen, sondern in der Sucht, einen Titel oder einen Orden von der Regierung zu ergattern. Was für ein Subjekt Herr Naumann ist, dafür diene Folgendes: Bruno Naumann entwendete bereits in seiner Lehrzeit ein Gold- stück, was ihn mit der Gendarmerie in Konflikt brachte 1863 etablirt, baute er ein fehlerhaftes Nähmaschinensystem; die Maschinen kamen alle zurück, aber— gewisse Leute haben selbst im Unglück Glück: seine Fabrik mit Bestand brannte plötzlich ab, und Naumann, der sich als vorsichtiger Mann hoch versichert hatte, erhielt an Stelle unbrauchbarer Maschinen sehr brauchbares Geld. Darauf betrog er seinen ersten Kompagnon um eine große Summe, und seinen zweiten maßregelte er, nachdem er ihn benützt, gleichfalls aus dem Geschäft, Um seine Zwecke zu erreichen, schreckt dieser Mann vor nichts zurück. Bestechung, Betrug u. s. w. werden in großem Maßstab betrieben. Seine verstorbene Frau mißhan- delte er oft, und war eine solche thätliche Mißhandlung Ursache ihres frühen Todes; sein Schwiegervater Hofmann bestätigte obiges dadurch, daß er Naumann ernste Vorwürfe machte. Naumann's Moral ist die denkbar schlechteste, wovon einige kleine Proben überzeugen werden. Vor einigen Jahren kehrte er von einem Feste, welches er seinen Ar- beitern gab, heim. Er nahm die junge, schöne Frau seines Kutschers zu sich in den Wagen und zwang den Kutscher, ihren Mann, ihn nach Haute zu fahren, während er die Frau im Wagen nothzüchtete. Am andern Morgen erzählte er diesen Schurkenstreich als einen guten Witz seinen Freunden.— Einer seiner Vorarbeiter hatte eine junge Braut von besonderer Schönheit; derselbe, Namens Lehmann, gründete ein Nähmaschinenge'chäft in Dresden und hatte bereits alle Anstalten zur Hochzeit getroffen, als Naumann das Mädchen sah und sie berekete, ihren Bräutigam zu verlassen und mit ihm auf eine längere Reise zu gehen. Das Mädchen lebt heute noch als Naumann's Maitresse in einer Villa in Blasewitz.— Tie Verkäuferin seines Vertreters, Otto Fischer, Wallstraße, ein junges, frisches Mädchen, verfolgte er jahrelang mit seinen Anträgen. Endlich gab sie sich ihm hin, unter der Bedingung, daß Naumann ihren Bruder in seinem Komptoir anstellte.— In seiner allen Fabrik beschäftigte er eine Anzahl junger Mädchen beim Einnähen der Maschinen. Sobald ihn ein Gelüst anwandelte, legte er derjenigen, welche er gebrauchen wollte, einen Schlüssel auf die Nähmaschine, und die Unglückliche mußte sich, wenn sie ihre Stelle nicht verlieren wollte, sofort in das bekannte Extrazimmer verfügen. Dies sind einige wenige Fälle von Hunderten. Die Wahrheit dieser Angaben kann Ihnen jeder alte Arbeiter unserer Fabrik bestätigen. Herr Bruno Naumann ist also das Prototyp eines„Ordnungsmannes", einen Titel, den er auch dadurch rechtfertigt, daß er versucht, seine Ar- beiter für die Wahl des konservativen Kandidaten, Herrn von Einsiedel, zu beeinflussen. Warten wir ab, ob er dabei auch Glück haben wird. An die Vertrauensleute. Es wird wiedcrhokt und dringend ersucht, von allen Partei- Publikationen(Flugblättern, Broschüren«. s w.), die in Deutschland oder im Ausland erscheinen, dem Varteiarchiv mehrere Eremplare zuzusenden, ebenso die ZSahlffugblätter der Hegner. Z>ie Krchlvverwattnng. Letzte Nachrichten. Bios ist in Greiz mit 12 Stimmen Majorität gewählt.— j F r o h m e' s Sieg in Altona, 10,266 Stimmen(8791), wird bestätigt. — Wie das glänzende Wahlresultat allerorts gezündet, sehen die Ge- Nossen aus folgendem Telegramm aus Amerika: „Revakt-on des„Sozialdemokrat" Zürich! „Versammlung New- D orker Sozialisten sendet Glückwunsch zum Wahlsie g." ws S Y a ch r uf. — Unserem alten Vorkämpfer Johann Philipp Becker hat der Tod nun auch die Gefährtin feines Lebens geraubt, die 58 Jahre mit ihm Freud und Leid, Mühsal und Gefahren theilte und ihm trea und unerschütterlich zur Seite stand. In der Nacht vom 25. zum 2k. Oktober erlag Elisabeth Becker nach langen, schweren Leiden dem Lebenskampf. Unser aufrichtiges Mitgefühl dem alten, wackeren, vielgeprüften Frei- heitsveteranen. Möge ihm das Bewußtsein, daß Tausende von Arbeiter- herzen an seinem Geschick den lebhaftesten Antheil nehmen, den schweren Schlag weniger hart empfinden lassen, und möge ihm in so büben Tagen die tapfere Haltung unserer Brüder im Reich doppelt erheben; ist sie doch ein Beweis, daß die junge Generation das Erbe der Alten: den Kampf um Freiheit und Brod mit Ehren angetreten und hochhält- Brteftasten der Redaktion: Kl. in Lausanne:„Magdeburger Zeitung" dankend empfangen. Artikel aus Sachsin ist, wie Sie sehen, beHandel« die Berliner Korrespondenz entzieht sich indeß der Bewrechung. Sit müssen die Zwangslage berücksichtigen, in der sich die Betreffende» befinden; Manches liest sich gedruckt doch anders, als es gesproche« wurde. C'est 1» son qui kalt la rnusique! So, wie da gemeldet, hat T. sich gewiß nicht ausgedrückt. der Expedition: Bukarest: Fr. 25,50 Ab. 4. Qu. u. Fr. 54,Sl> pr. Wlf. dkd. verwendet. Bstllg. fort.— Oncel Bräsia: M. 2,— pr Wfd.:„Wenig, aber von Herzen!" dkd. erh.— A. Höhne N.-Dork! Fr. 253.15(Toll. 50) ä Cto. Ab. ic. erh.— Rackow, London: 31, 34 35, 36, 37, 40, pr. Rmtt. erbeten.— E. Sch. Haltern: M. 2,— pr- Okt. u. Nov. erh. Nach», nach Dtschl. unmöglich.— A. H. Z.: Fr. 2,-� Ab. 4. Qu. erh.— Rundmacher: M. 180,— ä Cto. durch Freundes- Hand erh.— C. M. Z.: M. 7,30 Ab.- Rest 3. u. 4. Qu. M. 9.35 f- S chft., M. 3,45 pr. Ufds. dkd. erh. Adr. Hchs. geordn. u. bfl. ai« 24./10. geantw.— Herzberg:„Brief der 1500 A beiter" ist ein aus- gefrischter Kniff der Lpzgr. Natlib. Sparig'scher Observanz.— Dreysuß L.: Nachr. v. 28.10. eingetroffen.— Frz. Bjr. u. Ptz. Atvc: 3000 Bimk., Bf. v. Bjr. u. P.-K. dkd erh Gruß!— Abigail: M. 10,— � Cto. erh. Sda. fort.— New Park: Fr. 1500,— 6. Rate v. Nat.-Exec.- Com. d. S. A.-P. N.-A. pr. Wfds. dkd. erh.— L. H. Riesb.: Fr. 4,— Ab. 3. u. 4. Qu. u. Fr. 1,— pr. Wfds. dkd. erh.— London: Fr- 151,20(Pfd. 6,—) vom Kom. Arb.-B.-Ver. pr. Wfds. dkd. erh.— H- Sch. M; M. 1 ,30 Portozuschlag erh.— P. H. 4: M. 4,50 Ab. it. pr. 4. Qu. erh. Nchlfrq. fort. Beilage besorgt.— E. V. E.: M. 3,� Ab. 4. Qu. erh.— Pickelhaube(Doll. 30,—) Fr. 151,80 ä Cto. erh- Bstllg. folgt. Weiteres besorgt.— Chicago:(3 Doll. 20) Fr. 16,20 v. d. Gruppe„Südseite I. A. A." durch A. Spies dkd. erh.— L. H- Fthl.: M. 3,— Ab. 4. Qu. erh.— Manchester: Fr. 25,20 v. Prof- Schrlmr. pr. Wfds. durch F. Egls. dkd. erh.— Von A. B.C.: Fr. 10,--� pr. Wfds. u. Fr. 5,— f. d. Crimmitschr. Strike dkd. erh., desgl. von C. Fr. 5,—, v. Rother Gaucho Fr. l,—. K. T. Z.: Fr. 12,50, Ab. ab 1. Juli 84 bis 1. Okt. 85 erh.— Chicago: Fr. 38,10(Doll. 7,52) erh. und hievon 5 Doll. 40 pr. Ab. 4. Qu. u. Doll. 2,32 pr. Wfds. gesammelt durch Gen. Guhl auf Liste 429 dkd. erh.— Dr. G. A. B.: M. 2,80 f. Schft. erh.— Brüstel: Fr. 18,25 f, d. Stichwahlen von den Genossen dankend erhalten.— Pfeiserle: Schft. abqegang.— Neuenburg-Pönitz; Fr. 2,— erh. Dafür das gesammte Wahlresultat telearaphiren, war unmöglich.— Bäff; M. 26,— f. Schft. erh. Alles Bisherige(auch F!r.) pr. Db. belastet. M. 5,— pr. Wfds. demnach ver- wendbar?— H. 53. Kl. Rolle.: Fr. 10,— f. Schft. erh. Fdsqttg. pr. Rest später.— I. Ltz. Locle: Fr. 2,— pr. Wfds. dkd. erh. »Ol »- »ach »thir »nd u darf I k« e D stell» ziffer für i wurd Kreis kom» über Part dabei gnüg und Sozi i) B> 2) H- 3) Hl 4) Al 5) Le «) Gl 7) Ci 8) El 9) G Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Fr. Cts. 1 25 Kultur- 1 25 4— — 10 — 30 I 25 A. Aaberg, Ferdinand Lassalle, Biographie Bebel A., Die mohammedanisch- arabische perinde Brandes Georg, Ferdinand Lassalle, ein literarisches Charakterbild Gonzett C., Rettung oder Ruin, Flugblatt zur Massenverbreitung ä— 2 — Dasselbe, 100 Stück - Nationale und internationale Arbeits- oder Fabrikgesetzgebung Donai Dr. A., ABC des Wissens für die Denkenden— 25 Die Verhandlungen des sächsischen Landtag es Tim 11. Januar 1884— 30 Die Sozialdemokratie vor dem deutschen Reichstag. Erste Lesung des Sozialistengeselzes 1884. 2 Lieferungen A Das unterirdische Russland. Porträts u. Skizzen aus der Wirklichkeit Engels Fr., Der Ursprung der Familie, des Privat- eigenthuras und des Staats Flesch Dr. K, Haftpflicht, Unfallversicherung• und Norranlaibeitstag Frobme Karl, Die Entwicklung der Eigenthumsverhältnisse. Hof und Oesellschaft in Berlin Jacoby Dr. Job-, Gesammelte Schriften und Reden Lafargue F., Das Recht auf Faulheit Lassalle F., Herr Bastiat-Schulze von Delitzsch Marx K, Lohnarbeit und Kapital.(Neue verbesserte und revidirte Ausgabe) Reinhardt Gustav, Gedichte Rodbert s-Jagetzow, Zur Erkenntniss unserer Staats- wirthschaftlichen Zustände Schönlsnk Dr. B., Münchener Polizeizustände Stackelberg Fr., Die Frau und die Revolution 1 Stamm Ib., Die Erlösung der darbenden Menschheit. 3. vermehrte Auflage 4 Vellmar G., Waldverwüstung und Ueberschwemmung— Vorwärts! Eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Volk. In 5, Lieferungen ä— Winke für die Agitation— Expedition des„Hoxlaldemokrat" und Mk. Pf 1— 1— 3 20 1-- 80 — 10 — 20 — 25 2 — 25 2 50 1— 1 50 1)' * 2) S V 3) 4) 1 5) S 6) 1 7)! 8)( 9) i 10): U)' 12) 13) 14) 15) 16) 17) 18) 19) 20) 21) 22) 23) 24) 4— 3 40 6— — 20 1— Zu — 25 1— — 20 — 80 5— — 20 4— — 15 — Ii) 20 85 — 40 — 25 Volksbuchhandlnng; Hottinaren- Zürich. SoiiaNstische ArSeittrpartei Amerika. Sektion Rew-Aork. Sitzung de« Zentralkomites jeden Dienstag«bends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ecke Men und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres steh« New-Yorker Volkszeitung", besonders Freitags und Samstags. Lisi Sto Grc Mit Fre Tri Drt Bei Bet Bei »e, Tel Nie F° Ko: Ha Na Er Kö Lei Mi Äa Eß 3» kaufen gesucht für den Preis von zwölf Franken die Schrift von Karl Marx: „Herr Vogt". Porto trägt der Käufer. 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