Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz). Verlag der Bolksbuchhandlung Hottingen Zürich. Poffendungen franto gegen franto Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toften Doppelporto. № 46. Der Sozialdemokrat sid simal dan mind Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie. Tisc Donnerstag, 14. November 13 November] Me Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„ Sozialdemokrat." Da der Sozialdemokrat sowohl in Deutschland als auch in Defterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Poftverkehr nothwendig und barf teine Borfichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten 82 und Gemaßregelten nicht! Volk und Kaiser. Als einst, die Sicherheit dem Staat Vor unserm Wühlen zu verbürgen, Beschlossen ward im großen Rath, Mit Eleganz uns zu erwürgen, Da schwoll am Ende doch der Kamm Db der vertradt- verzwidten Fagen Dem treu'sten Mann vom biedern Stamm Der knorrig- zähen Niedersachsen. Er rief: Nur zu! Wir halten aus! Ihr könnt es ja einmal probiren. Doch meine Rechnung stimmt auf's Daus: Ihr müßt, ihr werdet euch blamiren! Bis ihr gelöscht der Sterne Schein, Bis euch's gelang, den Sturm zu greifen, Erlaub ich mir, so frei zu sein, Euch auf dies Schandgesetz zu pfeifen!" Das war vernünftig, klar und frisch Und völlig würdig auch des Ortes Doch welch' Gezeter und Gezisch Erhob sich ob des tapfern Wortes! Als ob's verwehrt dem Falken sei, Jn das Gezirp der Spaßenschaaren Mit einem hellen, wilden Schrei Aus blauer Höh' herabzufahren! Der Brave ruht im kühlen Grund, Doch könnte heut' er bei uns siten, Es würde der beredte Mund Sich zu dem Pfiff des Spottes spitzen! Denn wieder triumphirt der Geist Und lacht des kindisch- schwachen Netzes; Der Sturm zerbläft, der Sturm zerreißt Das Spinngewebe des Gesetzes. Als wir verstummt, als Reiner mehr Frivol verhett die braven Massen, Nahm man die Kaiserpuppe her Und hat sie flott agiren lassen. Sie lockte mild und väterlich: Entwindet euch dem Bann der Bösen! Ich will euch wohl! Vertraut auf mich! Ich kann und werde euch erlösen!" Und mit Geheimrathsweisheit nun ( Daß sie uns ja erhalten bleibe!) Begann man ftündlich wohlzuthun Dem franken, qualzerriff'nen Leibe. Jedoch wie voll den Mund man nahm, Die gute Absicht zu bezeigen Was aus des Volkes Tiefen kam, amar nur ein düstres, schwüles Schweigen. Ihr spracht zum Volk; das war der Schlag. Und eine Antwort war es schuldig, Doch harrte es auf seinen Tag stund eine Antwort, klipp und klar, Gelaffen, ruhig und geduldig. 13 War euch vom braven Volk beschieden; Uns dünkt es, daß sie bündig war, Uns stellt der Gegenschlag zufrieden! 391 100 postDas war ein Wählen frank und frisch Der wärmsten Gegenliebe Grüße! Verächtlich warf den Kaiserwisch Man euch zerrissen vor die Füße. Rein Zweifel mehr! So steht es jetzt: Auf dieses Volk ist nicht zu bauen; Nicht ihr, die Männer, die ihr hezt g) Wie Wild, sie haben sein Vertrauen! 100 noitulasi Nun helfe, was da helfen mag! 00 Ihr fingt euch in der eig'nen Schlinge! sansa Ein Plebiszit war dieser Tagdall nationalousi Hier ist Dein Rhodus, Kanzler springe! Ein schlimmer Kasus! Der Verstand erhau naitulo Kann auch dem Findigsten vergehen; Der Traum zerrinnt, die Hoffnung schwand. Was nun, Messieurs? Wir werden sehen! Berlin, 30. Oktober 1884. L. W. Was aus unserem Wahlsteg folgt. Wenn unfere Gegner diesmal darin einig sind, die Größe unseres Wahlsteges einzugestehen, so gehen sie in der Beurtheilung der Ursachen desselben natürlich weit auseinander und ebenso in den Konsequenzen, die sie aus ihm ziehen. Eine jede Partei sucht die Ursachen da, wo ihre Interessen in Frage kommen. Die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen ist ein Zeichen der wachsenden Abneigung wider den manchesterlichen Liberalismus und eine Folge der fortschrittlichen Verhebungen 006 sid di werden bei allen schweizerischen Postbureaux, jowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr 2 für die Schweiz( Kreuzband) Mr 3 für Deutschland( Couvert) f. 1.70 für Desterreich( Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband). Zuferate die dreigespaltene Petitzeile 25 Gts. 20 Pfg. = 1884. als möglich an den Sozialdemokrat", resp dessen Verlag felbft adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Desterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Refommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um troß aller entgegen stehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat" unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern lehrt die„ Norddeutsche Allgemeine" und betet ihr der Troß der Bismärder nach. Die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen ist ein Protest wider das Sozialistengesetz und das politische Vormundschafts: system, sowie eine Folge der von oben her unterstützten Angriffe auf die freie Erwerbsthätigkeit, auf die moderne Produktion, rufen die Wortführer des Liberalismus, und ihre Presse verkündet es ihren Gläubigen. Die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen ist eine Folge der wachsenden Jrreligiosität, die wiederum eine Folge ist der Unterdrückung der Kirche und ihrer Heilseinrichtungen, mit einem rufen die ultramontanen Worte: des Kulturtampfes, Kircherlichter, und ihre Priester und Kapläne predigen es auf der Kanzel und im Beichtstuhl den allezeit frommen Schafen. Die Manchesterboktrin muß gestürzt, die Presse gezügelt, der Staatssozialismus leitendes Prinzip werben, wenn die Sozialbemokratie wirksam bekämpft werden soll,- dies das Rezept der Bismärcker. Die amtliche Hetzerei gegen die moderne Produktion muß aufhören, der Glaube an die Allmacht des Staates muß bekämpft, die Presse und das freie Wort müssen der Vormundschaft der Polizei entrissen und den Schwurgerichten( d. h. dem Bürgerthum) unterstellt, überhaupt das Bürgerthum muß gekräftigt werden, wenn die Arbeiter aufhören sollen, der Sozialdemokratie, dieser Feindin der bürgerlichen Gesellschaft, zuzulaufen, dies bas Rezept der Liberalen. 510 Ehe die Kirche nicht in alle ihre früheren Rechte eingesetzt, gleichberechtigte Macht neben dem Staat( d. h. der Staat ihr Polizeidiener) wird, wird auch die Sozialdemokratie nicht ausgerottet werden, dies das Rezept der Ultramontanen. Und mit gewissen Variationen stimmen die verschiedenen Zwischenparteien je nach ihrer Natur in einen dieser drei Grundterte ein. Thatsächlich ist auch, und das ist gerade das Charakteristische bei der Sache, an allen dreien etwas Wahres. Gewiß, das Wachsthum der Sozialdemokratie ist ein Zeichen ein Zeichen der wachsenden Abneigung wider den manchesterlichen Liberalismus. Gewiß, das Wachsthum der Sozialdemokratie ist ein Protest wider die politische Bevormundung, und die Angriffe auf die moderne Produktion sind Wasser auf ihre Mühle. Gewiß, das Wachsthum der Sozialdemokratie steht in ursächlichem Zusammenhang mit der wachsenden Irreligiosität. Wäre es möglich, dem wirthschaftlichen und politischen Liberalismus, zu gleicher Zeit aber auch der staatlichen Bevorm: undung ein Ende zu machen, die Macht der Kirche über die Gemüther wieder herzustellen, und bei alledem die moderne Produktion bei zubehalten, dann wäre alle Noth vorbei, dann wäre das Mittel gefunden, den Sozialismus maufetodt zu machen. Solange man aber das nicht vermag, werden alle die vorgeschlagenen Heilmittel nichts helfen. Einzeln versucht, werden ste nur das Wachsthum der Sozialdemokratie beschleunigen. Wenn die„ Norddeutsche Allgemeine" und ihre Geistesvers wandten im Wahlergebniß vom 28. Oktober eine Niederlage des sogenannten Manchesterthums erblicken, so ist das in gewissem Sinne richtig; wenn sie sich aber darüber freuen, so beweist das nur ihre Kurzsichtigkeit. Darüber indeß ein andermal. Gehen wir jetzt dazu über, die Konsequenzen zu erörtern, welche unser Wahlsieg für unsere Partei als solche ergibt. Soviel ist allgemein zugestanden, daß nach diesem Erfolge das Sozialistengeset so wie bisher nicht mehr fortbestehen kann. Man wird es auf andere Art versuchen, uns unschädlich zu machen. Obwohl es der Geistesrichtung, welche heute in Deutschland das große Wort führt, am nächsten liegt, glauben wir doch nicht, daß man unter der Motivirung, das Sozialistengesetz sei noch nicht scharf genug gewesen, den Bogen noch straffer zu spannen versuchen wird; wenigstens wird man es nicht so bald thun. Unmöglich ist es freilich nicht, aber darüber brauchen wir uns teine grauen Haare wachsen zu lassen. Unsere Partei wird auch stärkeren Verfolgungen zu begegnen wissen. Dafür ist uns gar nicht bange. Eine Aufhebung des Sozialistengesetzes und Ersatz desselben durch Verschärfung der Strafgesetze nach Hänel'schem Muster wäre eher möglich, wenn Bismarck dafür bie nöthige Majorität findet. Danach steht es aber zunächst auch nicht aus. Bleibt noch die Lesart, mit welcher die Nationalliberalen die Arbeiter bei den Stichwahlen zu födern suchten, und wie sie in der„ Kölnischen Zeitung" in wahrhaft ergreifender Weise zum Ausdruck kam. Da hieß es: Wir sehen ein, daß eine Partei von solcher Stärke wie bie Sozialdemokratie den Anspruch erheben darf, gehört zu werden. Da nun, wie es scheint, die Partei in ihrem Auftreten gemäßigter geworden ist als früher, so würden wir, unter der Voraussetzung, daß die Sozialdemokraten versprechen, sich auf den gesetzlichen Boden zu stellen, gewissen Erleichterungen das Wort reben. Man möge ihrer Presse eine gewisse Freiheit gestatten 2c. 2c. Mit anderen Worten: Suchen wir die Partei, die wir nicht umbringen können, wenigstens einzuschläfern. Es ist selbstverständlich, daß eine solche Erklärung, wie sie da unserer Partei zugemuthet wird, von ihr nicht gegeben werden kann und wird; und zwar schon aus dem einfachen Grunde, weil sie eine Lächerlichkeit ist. Will man sehen, wie die Leute, die da so pathetisch von Gesetzlichkeit reben, selbst über die Ge seße denken, sobald ihnen dieselben unbequem sind, so braucht man, ganz abgesehen von dem, was früher war, nur die Art und Weise in's Auge zu fassen, wie sie das Wahlgesetz, das doch vorschreibt, daß die Wahl eine freie und geheime sein soll, in der niederträchtigsten Weise mit Füßen treten. Hätte in Dorte mund statt Lenzmann Kleine gefiegt, es wäre den Nationalliberalen gar nicht eingefallen, ihn aus ihrer Fraktion auszuschließen, und wenn es bei der Wahl desselben noch zehnmal ungefeßlicher zugegangen wäre wie diesmal. Das kommt daher, daß unsere Bewegung nicht die Frucht ist einer willkürlich ausspintifirten Theorie, sondern der modernen Entwicklung in wirthschaftlicher, politischer und sozialer Beziehung überhaupt, daß unsere Partei, dieser Thatsache sich bewußt, keinerlei Utopien nachjagt, sondern ihre Bestrebungen in Einklang setzt mit dem, was wissenschaftliche Beobachtung als in der gesellschaft- 020, selbst 30 sozialdemokratische Abgeordnete im Reichstag lichen Entwicklung begründet nachgewiesen. Wie es aber Utopie ist, ohne Rücksicht auf diese Entwicklungslungsgeseße von heute auf morgen in die kommunistische Gesellschaft hineinspringen zu wollen, so ist es nicht minder Utopie, wenn man sich einbildet, die Entwicklung der Gesellschaft zurückbämmen, ja auch nur aufhalten zu können. Würde sich der Versuch des ersteren an den Anhängern des Kommunismus rächen, so rächt sich der Versuch des zweiten und britten an den Gegnern deff lben. Zwei Epochen der Geschichte unserer Bartei weisen einen gewaltigen Aufschwung derselben nach: die der Jahre 1872 bis 77 und die mit dem Jahr 1881 begonnen. 1390 In der ersten Epoche war der Liberalismus wirthschaftlich und bis zu einem gewissen Grade auch politisch am Ruder. Weit entfernt, unsere Bewegung zu beeinträchtigen, hat die Herrschaft des Liberalismus ihr nur Vorschub geleistet. Darin hat die Norddeutsche Allgemeine" Recht. Heute ist der reaktionäre Staatssozialismus am Ruder, die wirthschaftliche Gesetzgebung, fast mehr noch als die politische, ist antiliberal. Die Folge ist, daß trotz aller Versprechungen, aller in Aussicht gestellten Sozialreform, die Unzufriedenheit wächst, die Armee der Sozialdemokratie verstärkt wird. Ja, wir sind überzeugt, daß der„ Kampf wider das Man chesterthum", wie er heute regierungsseitig geführt wird, in nächster Zeit noch weit größere Massen in unser Lager treiben wird als bisher- vorausgesetzt natürlich, daß wir nie unterlassen, zu betonen, daß unser Kampf gegen den wirthschaftlichen Liberalismus nichts gemein hat mit dem der Agrarier, Zünftler und des sonstigen Bismarc'schen Heerbannes. sist Nun haben die Herren, die wohl ahnen mögen, daß wir auf eine solche Komödie nicht eingehen, noch einen Reservetrost. " find weit ungefährlicher als 10 oder 5", sagen sie, weil dies selben auf größere Wählermassen Rücksicht zu nehmen haben und dadurch auch gewungen sind, mit den realen Verhältnissen zu rechnen." Warten wir's ab. Vorläufig können wir nur dem Nachsatz beipflichten, dieſem allerdings voll und ganz. Ja, es ist richtig, die sechshunderttausend Wähler, die der Sozials demokratie ihre Stimme gegeben, die Vertreter derselben in einer Zahl wie nie zuvor in den Reichstag entsendet, legen unserer Partei auch größere Verpflichtungen auf, haben ein Recht, von ihr zu verlangen, daß ihre Abgeordneten die Macht, die sie in ihre Hände gelegt, auch zweckentsprechend benüßen. Unsere Partei hat die moralische Pflicht, nicht in abwartender Haltung zu verharren, sondern den realen Bedürfnissen ihrer Wähler durch die That Rechnung zu tragen. Jener Einzelne von uns ist sich dieser Konsequenz unseres Wahlfieges klar bewußt, und daß unsere Abgeordneten nicht gewillt sind, sich dieser Verpflichtung zu entziehen, werben Freund und Feind unserer Partei bald genug erfahren. Wenn es wahr ist, was von gewisser Seite geflissentlich verbreitet wird, daß Bismarck sich mit der unbequemen Thatsache unseres Wahlfieges mit der Redensart abgefunden hat, gegenüber den Deutsch- Freifinnigen seien die Sozialdemokraten das kleine Uebel, so ver sprechen wir ihm, daß er an dem kleineren Uebel seine Freude erleben soll. Unfruchtbare Negation" werden wir nicht treiben. Nahezu 600,000 Reichstagswähler haben der Sozialdemokratie ihre Stimme gegeben, in fast allen größeren Stäbten des Reiches ist es trotz Ausnahmegefeßes unsere Partet, die entweder dominirt oder bei den Wahlen das entscheidende Wort spricht. Die Gegner " fühlen eS, sie gestehen eS zu, daß Dai.k ihrer eisernen Disziplin, Dank ihre« geschlossenen Zusammenhaltens die Sozialdemokratie ein Faktor im öffentlichen Leben geworden ist, dessen Stimme unter allen Umständen gehört werden muß, und wir sollten das vergessen? O nein, wir wissen e« sehr wohl und werden dementsprechend vorgehen. Wir werden nicht so geschmacklos sein, den Reichstag mit Anträgen zu behelligen, die unter den Heuligen Verhältnissen unauSsührbar stnd, ganz gewiß nicht, denn das wäre allerdings daS»kleinere Uebel"; wir werden vielmehr ganz real-politisch vorgehen, so realpolitisch, wie man eS nur wünschen kann. Hunderttausende deutscher Arbeiter erwarten von der Sozialdemokratie Wahrung ihrer Interessen, sie sollen ich in dieser Erwartung nicht getäuscht sehen! Der erste Antrag aber, den unsere Abgeordneten einbringen dürsten, der den realen Bedürfnissen ihren Wähler durchaus Rechnung trägt, und dessen Schicksal bereits Zeugniß davon ab- legen wird, wie weit stch der Reichstag der Bedeutung der sozia-' listischen Wahlerfolge bewußt ist, dieser Antrag lautet: Ab- schaffung deS Sozialistengesetze». Z>ie Stichwahlen sind bis zur Stunde, da dies Blatt in die Presse kommt, in einer Weise verlausen, daß wir wohl zufrieden sein können. Freilich haben wir leider Hanau und Mainz eingebüßt, aber doch nur, weil im erst- genannten Wahlkreise die Herren Deutsch-Freisinnigen da, wo sie sich nicht im Wahlkreise M a i n z- O p p e n h e i m die große Masse der N atio na l- der Abstimmung enthielten, für den konservativen Kandidaten, und liberalen für den Ultramontanen stimmten. Auf solche Nieder- lagen müssen wir stets gefaßt sein, denn wir stehen nun einmal im Kampf mit allen bürgerlichen Parteien. Nur wo der Haß derselben gegen einander momentan starker ist als der Haß gegen uns, stimmen sie gelegentlich für unsere Kandidaten, was wir ihnen natürlich nicht verbieten werden, was uns aber in unserer Stellung zu ihnen nicht irre machen kann. Unterlegen sind wir ferner in Darmstadt, worüber an anderer Stelle Näheres zu lesen, in Königsberg, in Dresden und in Frankenthal-Speyer, wo der Abwechselung halber die Ultra- montanen durch strenge Wahlenthaltung den Nationalliberalen zum Siege verholfen haben. Gesiegt haben wir dagegen, und zwar glänzend, in Barmen-Elber- f e l d, serner in Offenbach, in Solingen, in Frankfurtam Main, in beiden Breslauer Wahlkreisen, in Magde- bürg, in Nürnberg, in Hannover, in München II. In Frankfurt am Main haben sich nur ein Theil der National- liberalen und Konservativen durch die Jammerrufe der„Frankfurter Zeitung" erweichen lassen, für Sonnemann zu stimmen, während der größere Theil derselben sich der Abstimmung enthielt. Andere sollen aus Fanatismus für Sabor gestimmt haben. Ob dem wirklich so ist, ist uns ziemlich gleichgültig, wir haben um die Stimmen dieser Leute nicht gebuhlt, aber als lächerlich müssen wir es bezeichnen, wenn die „Frankfurter Zeitung" den ganzen Zuwachs von Stimmen für Sabor aus Konto der Gegner schreibt. Das hat sie vor drei Jahren bei Döll auch gethan, trotzdem sich ziffernmäßig nachweisen ließ, daß der Haupt- Zuwachs aus den Arbeitervierteln kam. Im Uebrigen scheint die Nieder- läge ganz wohlthätig auf die„Frankfurter Zeitung" eingewirkt zu haben, sie hat, das Zeugniß müssen wir ihr ausstellen, mit leidlichem Anstand resignirt, und schreibt auch jetzt der Situation angemessener. Eingehenderes über unsere Stichwahlen in nächster Nummer. In Wahlkreisen, wo unsere Genoffen zwischen den Gegnern den Aus- schlag gaben, sind dieselben mehrfach zu Gunsten deutsch freisinniger und volksparteilicher Kandidaten eingetreten. Insoweit dabei das politische Programm und die Ehre unserer Partei gewahrt wurden, können wir das nur billigen. Die Jntereffen der Arbeiterschaft erhei- fchen es, daß Kutte und Säbel nicht zu üppig werden im Lande. Wir lassen nunmehr die Zusammenstellung der uns bis Redaktionsschluß zugegangen Stichwahlresultate folgen: Es wurden noch sozialistische Abgeordnete ge» wählt: gen. Die Zahl unserer Abgeordneten beläuft sich bis jetzt auf 19. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 13. November 1884. Den Wahlresultaten, welche wir in voriger Nummer mit- getheilt, lassen wir hiermit noch einige folgen, die zwar nicht so gewal- tige Zahlen aufweisen als die bisher gemeldeten, aber doch ein relativ bedeutendes Wachs thum oder ein erfreuliches Wiedererwachen unserer Bewegung in den betreffenden Kreisen bezeugen. Halber st adt-Oschersleben sin folgender Progression seit 1871:) 778; 237«; 191«; 3194 und diesmal H e i n e 3924. Das nächste Mal müssen wir zur zur Stichwahl kommen! Calbe-Aschersleben: 1878: 101«; 1881: 298; 1884: Günther 2214 Stimmen. Glück st adt-Ottensen(«. schleswig-holsteinischer Kreis): 1878: 5452; 1881: 1157; 1884: Fr o hm e 3585. Rudolstadt: 1877: 252; 1878: 219; 1881: 00; 1884: Bock 825 Stimmen. Celle(14. hannoverscher Kreis): 1877:«81; 1878: 725; 1881: 437; 1884: Warncke 8K4 Stimmen. Antwort auf die Maß- r egelung! Danzig: 1878: 114; 1881: 44; 1884: Bebel 577. Kölner Landkreis: 1877: 1234; 1878: 1444; 1881: 1514; 1884: Bebel 2700. — Die sozialistische Presse des Auslandes und die deutschen Wahlen. Wir haben in der vorigen Nummer eine Reihe von Auszügen aus der sozialistischen Preffe des Auslandes ge- bracht, um darzuthun, welche Begeisterung allerorts der glänzende Wahl- sieg unserer Partei hervorgerufen. Es war das eigentlich verfrüht, denn in den uns seitdem zugegangenen Blättern kommt diese Begeisterung in noch viel höherem Maße zum Ausdruck, wird die Tragweite unseres Sieges noch weit eindrucksvoller zum Ausdruck gebracht, so daß wir uns fast versucht fühlen, die bereits zitirten Organe noch einmal zum Wort kommen zu lassen. Das würde indeß doch zu viel des Guten sein, und somit begnügen wir uns damit, hier nur noch diejenigen ge- sinnungsgenössischen Blätter sprechen zu lassen, welche in voriger Nummer fehlen. Die anarchistischen Organe erhalten an anderer Stelle das Wort, da wir sie zur sozialistischen Presse nicht rechnen können. Die„Wahrheit", das Organ unserer ö st e r r e i ch i s ch e n Ge- sinnungsgenossen, schreibt: „Die deutsche Sozialdemokratie ist widerstandsfähig geblieben, weil die deutschen Arbeiter den Verlockungen der Anarchisten, die Propaganda der That aufzunehmen, nicht Folge geleistet, sondern die Verführer un- schädlich gemacht haben; sie ist widerstandsfähig geblieben, weil sie jene desorganisirten Elemente, die blos Organisationen zu zerstören vermögen, von vorneherein zurückgewiesen und so ihre Reihen kompakt erhalten hat; sie ist widerstandsfähig geblieben, weil sie alle Jene, die Mißtrauen gegen die Vertrauensmänner der Partei säten, ohne greifbare Anhaltspunkte für ihre Anschuldigungen zu bieten, aus ihren Reihen entfernte; sie ist widerstandsfähig geblieben, weil sie den Zusammenhang mit dem allge- meinen Volksbewustsein aufrecht erhielt und der thatsächlichen Entwick- lung gegenüber jederzeit die Interessen des Arbeiterstandes vertrat. Wie viel ist in all' dem in Oesterreich gesündigt worden!"... „Die Genossen in Deutschland mögen nicht für sich allein gear- beitet, gelitten und gesiegt haben; sowie sie für den internationalen Sozialismus kämpften, sollen auch die Erfolge ihres Kampfes den Ar- beitern aller Länder zu Gute kommen. Kann dieser Erfolg für uns heute auch nur ein moralischer sein, so wollen wir uns doch diesen nicht entgehen lassen.— Wir wollen kämpfen im Geiste unserer Genossen im deutschen Reiche, mit derselben Treue an unseren Prinzipien festhalten, mit derselben Ausdauer und mit demselben gegenseitigen Vertrauen aus- harren, bis auch uns der Erfolg blüht. Den Genossen in Deutschland aber sind wir zu größtem Danke verpflichtet; der Erfolg, den sie mit schweren Opfern errungen, ist wie ein belebender Sonnenstrahl für uns, er wird Viele sehend machen, die der Anarchismus verblendet, und Manche mit neuem Muthe erfüllen, welche die traurigen Parteizustände in Oesterreich wankend machte.- Den deutschen Arbeitern unseren Dank und unseren Glückwünsch; sie haben die kühnsten Erwartungen ihrer Brüder, die schlimmsten Befürchtungen unserer gemeinsamen Gegner übertroffen. Der erste Platz in der sozialistischen Bewegung unserer Zeit gebührt ihnen." *. Das„ITasvio Operajo"(Arbeiterbund) von Mailand schreibt: „Es ist ein großartiger Erfolg, der sogar die kühnsten Erwartungen unserer Genoffen übersteigt und nicht verfehlen wird, auf die Arbeiter der ganzen Welt zurückzuwirken.* „Nicht daß die deutschen Arbeiter sich Illusionen hingeben über die Bedeutung der gesetzgeberischen Thätigkeit, welche ihre Vertreter im Parla- ment entfalten können: aber sie wissen, welches gewaltige Propaganda- mittel in diesem direkten Kampf mit den bürgerlichen Parteien steckt, die unter den unermüdlichen Angriffen der in den Reihen der jungen Partei organisirten und disziplinirten Proletarier ihrer Zersetzung ent- gegengehen. Die Thatsachen beweisen glänzend, wie gerechtfertigt und zweckgemäß ihre Taktik ist."____ In Italien, wo unter der arbeitenden Klaffe der Glaube an die Resormthätigkeit der Regierung und an die Möglichkeit einer Harmonie zwischen Kapitalisten und Arbeitern leider noch stark verbreitet ist, macht sich bereits ein gewisses Streben nach Unabhängigkeit von allen anderen Parteien bemerkbar, und sicherlich wird das Beispiel von der Stärke ihrer deutschen Brüder die italienischen Arbeiter anfeuern und ermuthi- gen, offen den Kampf gegen die Bourgeoisie aufzunehmen, und so die Reihen jener Armee zu vermehren, auf deren Banner geschrieben steht: Die wirthschaftliche und sozialeEmanzipation aller Arbeiter. Die„NewAorker Volkszeitung" schreibt in ihrer Nummer vom 30. Oktober: „Wahrlich! Jeder Einzelne von diesen Kämpfern hat sich benommen wie ein Held! Sie haben gelitten und gerungen für die Sache der ganzen Menschheit! Ermuthigung sür die Leidenden und Kämpfenden des ganzen Erdballs— das ist die Frucht jener gewaltigen Demonstration, die vorgestern stattgefunden hat. Aus vollem Herzen unseren Glückwunsch den tapferen Genossen in der alten Heimat! Die denkenden Arbeiter Amerika's sind stolz auf sie und können nichts Besseres thun, als diesem hehren Beispiel nacheifern. Hoch Deutschland's Sozialdemokratie! Hoch die Vereinigung und der Klassenkampf der Proletarier in allen Ländern!" Unsere amerikanischen Genossen, die so viel zur Unterstützung der Partei in ihrem Wahlkampfe gethan, haben in den meisten größeren Städten Versammlungen zur Entgegennahme des Wahlresultates auf Mittwoch den 29. Oktober abgehalten. Die Parteileitung derselben hatte sich behufs telegraphischer Benachrichtigung mit Genosse Bebel in Verbindung gesetzt. Mit welchem Jubel die Siegesnachrichten von den Treugebliebenen drüben aufgenommen wurden, kann man sich leicht vorstellen. Die Be- geisterung, welche bei der Verlesung des Telegrammes in der von 800 Personen besuchten Versammlung unserer New Porker Genossen herrschte, spottet, wie die dortige„Volkszeitung" berichtet, jeder Beschreibung. Wilhelm Ufert, Otto Reimer und Alexander Jonas würdigten in feurigen Ansprachen die Bedeutung des Wahlkampfes und Wahlsieges, und zum Schluß wurde unter stürmischer Begeisterung be- schloffen, ein Glückwunsch-Telegramm an unser Blatt abzusenden. Wir haben dieses Telegramm bereits in Nr. 44 abgedruckt, aber, da es erst nach Redaktionsschluß eintraf, an ungünstiger Stelle; es folge deshalb in der Fassung, wie beschlossen, hiermit noch einmal: „Massenversammlung New Docker Sozialisten sendet der deutschen Sozialdemokratie Glückwunsch zum Wahlsieg." Weitere, uns für diesmal zu spät zugegangene Berichte in nächster Nummer. ** * Hierher gehört auch folgende uns zur Veröffentlichung zugegangene Resolution: Resolution des Kommunistischen Arbeiter-Bil- dungsvereins, 49 Tottenham Street, London, beschloffen in der Sitzung vom 1. November 1884: „Die heutige Versammlung gibt ihrer Freude über das Wahl- Resultat der Sozialdemokratie in Deutschland Ausdruck und ver- spricht, nach besten Kräften die Genoffen in Deutschland im Stich- wahlkampfe zu unterstützen, sowie fest zur Fahne der Sozialdemo- kratie zu stehen. Die Genossen in Londo n." — Ein Eingeständniß. Ueber die Wahl in Hamburg schreibt die Hamburger„Reform", das Organ der dortigen Fort- schrittler: „Der Ausfall der Wahlen in Hamburg ist nicht gerade überraschend, aber dennoch hat sich manche Hoffnung als Täuschung herausgestellt, über deren Ursachen nachzudenken sich wohl der Mühe lohnt. Um es kurz herauszusagen, die Hoffnungen der deutsch-freisinnigen Par- tei, den dritten Wahlkreis wieder durch den alten wackern Dr. Ree vertreten zu sehen, sind leider vernichtet, und die Chancen, die Herr Adloff im zweiten Wahlkreis hatte, verblaßten auch vor der ge- waltigen Stimmenzahl der Sozialdemokraten, den zünstlerischen Machinationen und der Indifferenz der Wähler. Wer behaupten wollte, daß die kolossale Stimmenzunahme für die sozialdemokratischen Kandidaten auf l o k a l e Z u st ä n d e zurückzuführen wäre, würde sich schwer täuschen, denn diese ist die gleiche in ganz Deutschland, und Die- jenigen, die da immer behaupten, eine Einigung der nichtsozialistischen Parteien könne die Sozialdemokraten besiegen, sind bislang noch den Beweis für ihre Behauptung schuldig geblieben. Es ist nur ein einziges Mal im zweiten Wahlkreis in Hamburg gelungen, durch Zusammenwirken der sogenannten Ordnungsparteien letzteren den Sieg zu verschaffen. Es war das bei der Wahl Bauer's. Der Sieg wurde damals nur mit einigen hundert Stimmen erfochten, trotzdem die sozialdemokratische Partei erst wenige Jahre bestand und lange nicht an ihre jetzige Bedeutung heranreicht e."____ ----„Am überraschendsten wirkt das Plus der 14,000 sozialdemokra- tischen Stimmen. Nach unserer Ansicht spricht dies Plus, das sich in ganz Deutschland wiederholt, laut und deutlich, daß die breiten, unteren Massen des Volkes sehr unzufrieden mit dem herrschenden politischen und wirthschaftlichen System sind, mit dem politischen, weil es die Ar- beiter, Dank dem Sozialistengesetz, mundtodt, sie politisch rechtlos macht und sie gegen die Staatsordnung erbittert; gegen das wirthschaftliche System, weil überall Arbeitlosigkeit, Niedergang der Geschäfte und Theuerung herrschen, trotz der gerühmten neuen wirthschaftlichen Aera. Wir wollen nicht behaupten, daß diese mißlichen Zustände gerade eine direkte Folge des Schutzzolles und anderer„Segnungen" sind, es gibt dergleichen Erscheinungen auch in anderen Ländern. Aber man soll dann wenigstens nicht die Miene annehmen, als ob die wirthschaftliche Umkehr und die gerühmte Sozialreform das Loos des vierten Standes irgend- wie zu bessern in der Lage wären. Es ist an sich gegen das Kranken- und Unfalloersicheryngsgesetz nichts einzuwenden als seine Unfertigkeit, das Prinzip ist zu loben, aber das Prinzip ist weder neu noch durchgreifend. Es handelt sich darum, dem gesunden Arbeiter Brod zu schaffen, und das hat die„Sozialreform", durch die man die unteren Massen nur noch begehrlicher macht, nicht zu bewirken vermocht. Also fort mit den großen Worten!" Das ist so ziemlich das vernünftigste Urtheil, das wir in der deutschen Presse über das Wachsthum unserer Stimmenzahl gefunden. Die„Re- form" hat auch vom Bourgeoisstandpunkt ganz Recht, wenn sie zum Schluß ausruft:„Fort mit den großen Worten!" Die großen Worte von„Sozialreform".„Soziales Königthum"«. haben der Sozialdemokratie nicht einen Anhänger abtrünnig gemacht, wohl aber viele Arbeiter auf- gerüttelt. Von großen T h a t e n, d. h. wirklich durchgreifenden Maßregeln zur materiellen Hebung der Lage der Arbeiterklaffe, wollen die königlich preußischen patentirten Sozialreformer ebenso wenig wissen als ihre liberalen Gegner. — Gut geantwortet. Jn Darmstadt ging es heiß her bei der Stichwahl. Die Nationalmiserablen boten Alles auf, ihren Kandi- baten, den Bierbrauer Ulrich, durchzudrücken. Auf einen ehrlichen Kampf wollten sie es nicht ankommen lassen, und so setzten sie es denn zunächst durch, daß unfern Genossen jede Versammlung von der Polizei unmöglich gemacht wurde; dann verfertigten sie nach dem Muster Putt- kamerchen's ein Flugblatt, das neben einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Stellen aus dem„Sozialoemokrat" eine ganze Speisekarte von blutrünstigen Kraftphrasen der Mostischen„Freiheit" enthielt, und schließlich entblödete sich diese erbärmliche Gesellschaft nicht, unserem Kandidaten, Bildhauer Philipp Müller, dafür, daß er vor einigen Jahren wegen Majestätsbeleidigung zu einem Jahr Gesängniß verurlheilt worden war, die politische Ehre abschneiden zu wollen. Man kann sich denken, wie sehr eine so gemeine Handlungsweise die Darmstädter Arbeiterschaft empörte. So deutlich gaben die Arbeiter schließlich ihre Erbitterung zu erkennen, daß die wohlweisen Behörden es sür zweckmäßig hiellen, Militär zu konsigniren; und in der That, nur wenig hätte gefehlt, und es wäre zum Blutoergießen gekommen, was natürlich gewissen Leuten sehr in den Kram gepaßt hätte. Außer einem kleinen Flugblatt, in welchem diese Manöver der Ratio- nalliberalen gebührend gebrandmarkt wurden, erließen die Genoffen noch ein zweites, in welchem Genosse Müller das Schimpsblatt der Ratio- nalliberalen widerlegte, und zwar in einer Weise, der wir nur Bei; all zollen können. Statt sich zu entschuloigen oder gar abzuleugnen, kehrte Müller den Spieß um und unterwarf das nationalliberale Machwert einer ebenso sachlichen wie schneidigen Kritik. So antwortete er auf den Vorwurf(!), er erstrebe die Republik: „Drei der ersten Kulturvölker der Erde sind gegenwärtig republikanisch regiert und fühlen sich augenschemlich sehr wohl dabei. Wir sehen 50 Millionen Nordamerikaner, 36 Millionen Franzosen und 3 Millionen Schweizer unter der republikanischen Staatsform leben! Ist es denn ein Verbrechen, wenn mit mir einige Millionen Deutschen die Ansicht hegen und diese im Rahmen der allgemeinen Gesetze dafür Propaganda machen? „Die Nationalliberalen, die diesen Vorwurf so heftig gegen mich er- heben, haben vergessen, daß all' ihre alten Führer im Jahre 1848 und 1849 für die deutsche Republik thätig waren. Und wenn die Herren, wie die Fama sagt, nicht sehr tapfer waren bei der Vertheidigung der Volksrechte, so ist das ein Naturfehler, der sich auch auf die gegenwärtigen Führer der Nationalliberalen vererbt hat, für welchen sie wahrscheinlich nicht verantwortlich gemacht werden können." Den Vorwurf der M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g— bei dem in Deutschland systematisch, und zwar von allen bürgerlichen Parteien gezüchteten Byzantinismus sehr wohl berechnet— wies Müller mit dem Hinweis zurück, daß diese seinerzeit rein politischen Motiven ent- sprang und setzte hinzu: „Daß mich diese Strafe nicht deprimirte, geht daraus hervor, daß ich, als mir bei Gelegenheit der goldenen Hochzeit des Kaisers die Thore des Gefängnisses geöffnet wurden, erklärte:„Nie und nimmer- mehr würde ich Gnade annehme n." Und auf den Vorwurf der Vertheidigung der Pariser Kommune und der Revolution antwortete Müller vortrefflich: „Was war die Pariser Kommune? Eine revolutionäre Erhebung des Kleinbürgerthums, der Arbeiter von Paris, gegen die unter ver deutschen Okkupation gewählte reaktionäre Kammer in Versailles, als deren Haupt späler sich Herr Mac-Mahon entpuppte. „Die Pariser Kommune hat einen berechtigten Kern, insoweit sie für die Verwirklichung der. preußischen Städteordnung kämpft, erklärte Fürst Bismarck im April 1371 im deutschen Reichstage. Nun, sie kämpfte für noch etwas mehr, für die Befreiung des Kleinbürgerthums von der erdrückenden Wucht des Kapitals. „Ich habe die Kommune gegen die nichtswürdigen Verleumdungen und Uebertreibungen der feindlichen Preffe in Schutz genommen, jede ihrer Handlung.» zu vertheidigen, ist mir nie eingefallen. Zudem hat Frankreich, das in erster Linie wissen muß, was die Kommune gethan, die Kommunards sämmtlich a m n e st i r t, und da sollten die deutschen Liberalen aushören, sich lächerlich zu machen. „Jede revolutionäre Bewegung hat wie jeder Krieg Ausschreitungen im Gefolge, die auf's Höchste entfachte Leidenschaft macht kopslos und blind." ...„Und nun gar diese Liberalen, die mich einen„Revolutionär nennen, vergessen, was sie und ihre Väter gethan? Wer hat denn die Revolutionen des letzten Jahrhunderts in allen Ländern Europas ge- macht? Antwort: Nur die Liberalen. Ihre Väter haben die große Re- volution von 1789 mit lautem Jubel begrüßt, sie haben lheilweise sich dabei betheiligt und waren gute Freunde ver„Schreckensmänner" des Konvents; diese Liberalen haben die polnischen Revolutionen unterstützt und beklatscht, sie haben die Bolksbewegungen von 1830 und 31, die Revolutionen von 1 848 und 49 hervorgerusen und zum Theil mit den Waffen in der Hand unterstützt. „Und wie nun, wenn ich diese Herren, die mich für jede Handlung der Kommune verantwortlich machen wollen, für die Niedermetzelung von Lichnowsky und Auerswalde in Frankfurt, für d»e Strangulirung Latour's in Wien u. s. w. verantwortlich machen wollte? „Und wenn ich die Niedermetzelung der Kormunards verurtheilte, haben die Liberalen nicht auch die Soldateska verurtheilt, als sie Blum, Trützschler, Dortu und viele Andere füstlirte? Die Männer von 1843 und 1849 waren Revolutionäre, wie jene von 1871, nicht mehr und nicht weniger! „Wähler! Ihr seht aus der Anführung dieser geschichtlichen Thatsachen, mit welch' schlechten und heuchlerischen Waffen heute die Liberalen kämpfen, sie treten ihre eigene Vergangenheit mit Füßen und beschmutzen das Andenken ihrer Vorsah- ren und Vorkämpfer. „Wähler! Ich heuchle nicht, ich kämpfe mit offenem Visir; mein Prof gramm kennt Ihr, und nun entscheidet, auf welche Seite Ihr Euch bei der Stichwahl stellen wollt." Das ist männlich gesprochen, und die 7500 Stimmen, die Müller der Stichwahl erhielt, sind uns deshalb mehr werth, wie eine durch eige Konzessionen erlangte Majorität. So muß man die Gegner abtrumpfen, wenn man nicht, wie die Fortbrittler mit ihrer albernen Entrüstung über die Anklage auf republiianische Tendenzen, der Unverschämtheit der Lakaiengesellschaft Vorschub eisten will. Nachschrift. Soeben geht uns ein spezieller Bericht über die Vorgänge in Darmstadt zu, den wir, weil für diesmal zu spät, in nächster Aummer zum Abdruck bringen werden. Die Todesfeier zu Ehren Albert Dulk's ist in wahrhaft großartiger Weise verlaufen. Das Stuttgarter„ Neue Tagblatt" schreibt barüber: pillsopa ,, Am gestrigen Sonntag schon von halb 2 Uhr an sah man Tausende dem Feuersee zu sich bewegen; Tausende von Arbeitern gingen dahin, um sich dem Gefolge bei der um 2 Uhr stattfindenden Ueberführung der Reiche Dr. Albert Duits von der äußeren Rothebühlstraße zum Güterbahnhof( an der Kriegsbergstraße) anzuschließen, Tausende von Neugierigen, Männer und Frauen, standen auf den Trottoirs der Straßen, : welche der Leichenzug passiren mußte, nämlich der Rothebühl-, Calwer, Kanzlei-, Friedrichs- und Kriegsbergstraße. An der Kreuzung der Rötheftraße mit der Rothebühlstraße hatte der Leichenwagen Aufstellung genommen, von dort an rückwärts und in den Seitenstraßen ordneten sich unter außerordentlich starker Kontrole durch eine namhafte Zahl von : Schuhleuten und Landjägern die zu Tausenden zählenden Theilnehmer : am Kondukt; als Anhänger der Sozialdemokratie machten sich viele durch die rothe Geranienblüthe im Knopfloch oder das aus der Brusttasche vorstehende Ende eines rothen Taschentuches bemerkbar. . A % e [ S I 1 Um 2 Uhr eröffnete ein Männerchor die Trauerfeierlichkeit mit dem Vortrag bon Stumm schläft der Sänger", und als die Töne verklungen, setzte fich der Zug in Bewegung. An der Spize des Zuges gingen zur Freihaltung des Wegs eine e größere Anzahl Schutzleute, ebenso zu beiden Seiten Landjäger. Inmitten dieses Kordons vor dem einfachen Leichenwagen 3 Deputirte der 1 Freidenkergemeinde mit Kränzen. Der eichene Sarg ohne Bahrtuch war mit Kränzen mit schwarz- roth goldenen, rothen und weißen Schleifen vollkommen bedeckt, zu Häupten war ein großer Palmzweig befestigt, zu beiden Seiten des Leichenwagens gingen Mitglieder der Freidenfer gemeinde. Hinter dem Wagen folgten die Kinder des Jugendunterrichts der Freidenker, deren Frauenverein und die Familienangehörigen des Verstorbenen, darunter ein in Heidelberg lebender Schriftsteller Dr. Hartung, während sodann die übrigen Mitglieder der Freidenkergemeinde mit dem Vorstand an der Spike sich anschlossen. Bis hieher i hatte das Trauergefolge noch das Gepräge eines gewöhnlichen Leichenzugs, abgesehen von der polizeilichen Ueberwachung; nun aber kamen Tausende und Abertausende von Arbeitern, welche die ganze Breite der gewöhnlichen Straßenfahrbahn einnehmend sich dem Kondukt anschlossen, D und es wird wohl die Schätzung nicht zu hoch gegriffen sein, wenn wir ihre Zahl auf mindestens 5-6000 angeben. Im Zuge bemerkten wir auch die drei hier lebenden sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Blos, Dieß und Geiser, ferner Mitglieder der bürgerlichen Demotratie, darunter den Reichstagsabgeordneten Karl Mayer. Am Güterbahnhofe war gleichfalls der Zugang zu der Rampe, an welcher der Güterwagen zur Aufnahme der Leiche stand, polizeilich freigehalten, und neben dem Herrn Stadtdirektor waren zwei Gendarmerieoffiziere und der Vorstand des Stadtpolizeiamts anwesend. Die Familie des Verstorbenen hatte auf der Rampe sich aufgestellt. e 17 r B e 24223 B 15 15 Gegen 43 Uhr traf der Zug ein; der Sarg wurde vom Wagen gehoben und vor den Waggon ausgestellt, worauf die den Zug bildende Menge sich Kopf an Kopf, so gut es eben die Verhältnisse des Bahn5 ofes gestatteten, sich aufstellte. Nachdem einigermaßen Ruhe unter die Massen gekommen war, stimmte abermals der Männerchor, einem Wunsche Ides Todten folgend,„ Das erste Lied" in; dann trat der älteste Sohn Dulk's, Amtsrichter Paul Dulk, zum Sarge und sprach einen beim beständigen Verkehr von Zügen nur für die in allernächster Nähe Befindlichen vernehmbaren Nachruf, in welchem er Namens der Familie dem Dahingeschiedenen für die seinen Angehörigen bewiesene Liebe und e 5 0 t t t t B i 1 1 Treue dankte. Als zweiter Redner legte Herr Xylograph Rau, Vorstand der Freibenkergemeinde, dem von der Allmutter Natur wieder zu sich genommenen Sprecher der Gemeinde den verdienten Kranz auf den Sarg; Namens der Sozialdemokraten Württembergs sprach Herr Redakteur Baßler einige Worte des Dantes dem verstorbenen Kämpfer für Wahrheit und Licht, während der darauffolgende Redner, Herr Bösch, in einem Gedichte den Todten feierte und als letzter Redner Namens der Stuttgarter Sozialdemokraten Herr Dietrich, Herr Mauser als Freund, je einen Kranz brachten, einige Deputirte auswärtiger Abordnungen, wie solche von den Sozialdemokraten in Gmünd, Heilbronn, Pforzheim, Cannstatt, Eßlingen, Göppin gen, Karlsruhe, Frankfurt a. M. und Berlin gekommen, verzichteten der großen Entfernung ihres Aufstellungsortes wegen darauf, noch zu reden. Drei prächtige Lorbeerkränze, mit großen rothen Schleifen geziert, waren von auswärts gespendet, und zwar von Nürnberg, Frank furt a./M. und von der deutschen Sozialdemokratie. Die Aufschrift auf der Schleife des letteren Kranzes laitete: Es werden des Geistes Schrecken und Dunkel Nicht durch die Strahlen der Sonne des Tages leuchtende Pfeile, dat Sondern durch der Natur Anschau'n und Erkenntniß zerstreut!" " 1 Mit dem allgemeinen Gesang dreier Verse des Liedes: ,, Brüder, reicht die Hand zum Bunde" schloß die Trauerfeierlichkeit. Bo Noch etwa 20 Minuten blieb nach Schluß des Aftes der Wagen, in welchen nun der Sarg verbracht worden, geöffnet stehen, und Hunderte drängten sich noch zu demselben, um einen letzten Blick auf den Sarg zu thun; dann wurde der Wagen geschlossen und eine Rangirmaschine verbrachte ihn unter den Hochrufen der Menge auf ein anderes Geleise, von wo aus er dem Abends 6 Uhr abgehenden Zug, mittels dessen der Sarg nach Gotha zur Feuerbestatung überführt wird, angehängt werden soll. Von der Familie werden der älteste Sohn und Frau Elsa Dulk sich nach Gotha begeben. Bald ging auch die Menge auseinander, und ohne jede Störung war die Ueberführung und Trauerfeierlichkeit, welcher im Ganzen wohl über 25,000 Menschen angewohnt haben mögen, beendigt." Und damit auch der Humor dabei nicht fehle, heißt es weiter: ,, Das Militär der hiesigen Garnison war durch Gouvernementsbefehl über die Dauer der Bestattung in die Kasernen tonsignirt, ein Bataillon und die Kavallerie sollen Instruttionen für etwaige Ruhestörungen erhalten haben." * * * Montag den 3. November, Abends, kam, wie das„ Schwäbische Wochenblatt" berichtet, die Leiche Dult's in Begleitung von Frau Elsa Dult, Herrn Paul Dulk und Herrn G. Rau in Gotha an, empfangen von einer größeren Anzahl dortiger Sozialisten, an deren Spike der Reichstagskandidat für Gotha, W. Bock, erschienen war. Derselbe wid mete dem verstorbenen Freunde einige Abschiedsworte und legte im Namen seiner Genossen einen Kranz auf dem Sarge nieder. Dienstag den 4. November, Nachmittags 3 Uhr, wurde Dulk dem Feuerofen übergeben. Die Verbrennung dauerte zwei Stunden." Badische Justiz. Das Großherzogthum Baden ist bekanntlich der Musterstaat des deutschen Liberalismus. Der Großherzog und seine Minister und folglich auch das ganze Beamtenthum sind liberal", und der Richterstand nicht minder. Es ist klar, daß in einem so glücklichen Lande die Rechtspflege ganz besonders gut aufgehoben sein muß, und das ist auch in der That der Fall. Einige Beispiele werden das auf's Glänzendste bezeugen. Im Januar dieses Jahres kamen zwei Kisten, welche angeblich Spezereiwaaren, thatsächlich aber Exemplare des ††† Sozialdemokrat" enthielten, von Konstanz über Tuttlingen an den Arbeiter Beßler in Mannheim. Beßler nahm die Kisten am Bahnhof in Empfang und trug sie in seine Wohnung. Ehe er dieselbe jedoch betreten, wurde er von Polizisten angehalten, welche die Kisten mit Beschlag belegten. Es wurde Anklage erhoben, und siehe da, das Landgericht Mannheim verurtheilte nicht nur Beßler, sondern auch den Arbeiter Krecker, welcher Beßler gebeten hatte, die Kiste für ihn in Empfang zu nehmen, wegen Verbreitung verbotener Schriften, denn zur Verbreitung im Sinne des Sozialistengesetzes sei nicht der Erfolg nothwendig, daß wirk lich die verbotene Druckschrift Andern zugänglich gemacht sei und daß diese Kenntniß davon genommen haben, sondern es genüge die Absicht der Verbreitung!" Diese wundervolle Deutung des Begriffes Verbreitung" fand selbstverständlich Gnade vor den Augen des Reichsgerichtes, welches eine gegen die Verurtheilung eingelegte Beschwerde verwarf. Bisher wußten wir zwar, daß bei vielen Vergehen schon der Versuch strafbar ist, die biederen Mannheimer Richter im Verein mit dem Reichsgericht aber haben uns belehrt, daß auch die Absicht strafbar sein kann. Nächstens wird man hoffentlich auch strafbare Wünsche entdecken. Bei Krecker nahm" das Gericht außerdem„ an", daß er die Kisten selbst von Konstanz aus nach Tuttlingen gesandt. Hier weiß man nicht, soll man die Willkür oder den Blödsinn einer solchen„ Annahme" mehr bewundern. Ihrer Mannheimer Kollegen würdig erwiesen sich die Richter von Offenburg im Prozeß ,, Geck und Genossen." Dieselben verurtheilten die Angeklagten zu drei, vier und sieben Monaten Gefängniß wegen Verbreitung des Sozialdemokrat", weil dieselben angeblich mehrmals Kisten von Offenburg aus versandt hatten, obwohl absolut nicht festgestellt war, was denn diese Kisten enthalten hatten. Einzig und allein ein Spediteur, an den die Kisten gegangen, behauptete, er habe eine derselben mit seinen Kommis geöffnet und den„ Sozialdemokrat" unter dem Deckel gesehen. Ein sehr lieber Spediteur übrigens, der seine Muße= stunden damit verbringt, die ihm anvertrauten Rollis zu öffnen. Schade, daß der Name dieses Biedermannes nicht angegeben ist, auf dessen Aussage hin die obigen Verurtheilungen erfolgten. Wir würden seine Firma gern unentgeltlich empfehlen. Nach Offenburg Villingen. Dort wurde der Fabrikant Luz wegen fortgesetter Verbreitung" verbotener Schriften zu acht Mo naten Gefängniß verurtheilt. Als Denunziant figurirte der durch Trunksucht herabgekommene Arbeiter Meder, dessen Tochter Lutz aus Mitleid zu sich genommen hatte, und der nun, angeblich um die„ Ehre seiner Tochter zu wahren", thatsächlich aber aus Rachsucht, weil Frau Luz sich geweigert hatte, das Mädchen ohne dessen Einwilligung der Gewalt ihres Vaters preiszugeben, und zudem aufgeftachelt, wenn nicht bestochen durch verschiedene sozialistenfresserische Bourgeois, zum Staatsanwalt lief und angab, er habe, mit Lutz gemeinsam, wiederholt von Konstanz an diesen gesandte Kisten geöffnet und die darin enthaltenen kleineren Backete weiter spedirt. Geöffnet hätten sie die letztere nie, aber Beide hätten gewußt, daß der Sozialdemokrat" drin enthalten war. Und auf die Aussage dieses Ehrenmannes hin wurde uz nach dreis monatlicher Untersuchung zur obigen Strafe verurtheilt. Daß wäh rend seiner Haft seine Fabrik, seine Geschäftsbücher, Korrespondenzen wiederholt durchschnüffelt wurden, braucht kaum noch gesagt zu werden, einmal nahmen die Herren sogar der Frau Lutz einen angefangenen Brief an den Bruder ihres Mannes fort. Wie man sieht, sind die badischen Staatsretter in Bezug auf die Wahl ihrer Zeugen" nicht sehr strupulös. Am weitherzigsten ist man in dieser Beziehung in Konstanz. " Dort wurden Leute, welche beschuldigt waren, den ,, Sozialdemokrat verbreitet zu haben, von notorischen, wegen Sittlichkeitsvergehen in Untersuchung befindlichen und später auch verurtheilten Prostituirten und deren Zuhälter, welche eine geheime Versammlung beobachtet haben wollten ,,, rekognoszirt". Der Lump von Louis konnte nicht oft genug hervorheben, er wisse genau, daß Der und Der Sozialdemokrat ſei 2c. Und der Denunzirte mußte vor diesem Gesindel Paradeschritt machen! Beiläufig steht das Haus, wo diese geheime Versammlung stattge funden haben sollte, auf schweizerischem Gebiet. pastatomada Ein andermal nahm der Polizeiagent Dernbach in Konstanz ein siebenjähriges Mädchen in der Schule in's Verhör und suchte aus demselben durch brutales Auftreten Aussagen zu erpressen! Wir könnten das Register noch erheblich verlängern, allein wir denken, das bisher Gesagte genügt, um zu zeigen, wie im liberalen Musterstaat Baden Justiz und Polizei gegen politisch mißliebige Elemente vorgehen. Für wen die Nationalliberalen Alles stimmen. Im Allgemeinen", so lautete die Wahlparole der Nationalliberalen, " stimmen wir, und zwar grundsäglich, für jeden gemäßigi Ronservativen." Da sie in Siegen für Stöcker gegen den hyperzahmen deutsch- freisinnigen Schmidt eintraten, so macht diese Auslegung des Wortes gemäßigt" ihrem weiten Herzen alle Ehre. Jm ersten nassauischen Wahlkreis stimmten sie für den deutsch- freisinnigen Mohr gegen die Ultramontanen, in Hessen aber schlossen sie mit den Ultramontanen einen Kompromiß, dahingehend, daß sie in Mainz für diese gegen die Sozialdemokraten stimmen würden, wogegen die Ultramontanen ihnen helfen sollten, Schloßmacher in Offenbach gegen Liebknecht durchzubringen. In München dagegen hätten sie gar zu gern einen Kompromiß mit den Sozialdemokraten gegen die Ultramontanen abgeschlossen, wie sie auch in Köln um die Stimmen der Sozialdemokratie bettelten. In Frankfurt stimmten sie für den Volksparteiler Sonnemann, weil er neben seinem politischen Programm auch die Interessen des Handels vertritt, und in AlzeyBingen bekämpften sie in der Person Bamberger's den Vertreter des Handels. So ging es durch ganz Deutschland hindurch in allen möglichen Variationen! Und da sage man noch, daß eine so vielseitige Partei keine Zukunft hat. Daß an der Geburtsstätte der famosen antisozialdemokratischen Arbeiterpartei: in Plagwiz, Viereck die absolute Majorität hatte, haben wir bereits in voriger Nummer berichtet. Es muß aber noch hinzugefügt werden, daß wir bisher in Plagwik immer in der Minorität geblieben waren. Dadurch ersieht man erst, wie vortrefflich der famose Wahlaufruf gewirkt. Uebrigens hatte er unsern Leuten die gute Laune nicht verdorben. Am Morgen des 28. Oktober fand man, wie die Harzer Post" schreibt, im Wahltreise massenhaft das nachstehende Plakat angeheftet: Arbeiter! Nicht alle Arbeiter sind Sozialdemokraten! Wie viele Tausende gibt es noch, denen der Lohn zu hoch und die Arbeitszeit zu niedrig ist! Deshalb haben wir, die Unterzeichner des Wahlaufrufs für Dr. Heine, uns entschließen müssen, eine neue Partei, Die Allgemeine Deutsche Arbeiterpartei in Neu- Schleußig, zu gründen. Nachfolgend geben wir den Wortlaut unseres Statuts: § 1. Unter der Bezeichnung Allgemeine Deutsche Arbeiterpartei" bildet sich eine Arbeitervereinigung, die nicht im ganzen Deutschen Reich, sondern in Neu- Schleußig ihren Sitz hat. Die Mitgliedschaft kann nicht freiwillig, sondern nur mittelst erzwungener Unterschrift, und ferner nur dann erlangt werden, wenn der Arbeiter erklärt, mit dem von seinem Arbeitgeber nach Belieben gezahlten Lohne stets zufrieden zu sein. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in allen öffentlichen und geschäftlichen Angelegenheiten stillzuschweigen. Die Forderung nach erhöhtem Lohn und Verlangen eines Normalarbeitstages hat sofortigen Ausschluß zur Folge. Dies ist der erste und legte Paragraph der Allgemeinen Deutschen Arbeiterpartei", welche in Neu- Schleußig ihren Siz hat und nur bei jedesmaliger Reichstagswahl etwas von sich hören läßt. " 1 Nur wer mit unserm Programm einverstanden ist, kann für würdig erachtet werden, Dr. Heine in Neu- Schleußig zu wählen. Arbeiter! Wir wollen nicht mehr unsere Meinung und unser Gewissen knechten lassen! Wer nicht mit uns einverstanden ist, der wähle Louis Viered des p in München. Einer von den 1500." So ist's recht. Immer den Kopf oben und den Humor nicht verloren! ,, Anständige Kampfesweise." An einer andern Stelle dieses Blattes finden unsere Leser einen neuen Wahlaufruf für Sonnemann, der von den hervorragendsten Vertretern des Frankfurter Handelsstandes, der Industrie und des Gewerbes, der Advokatur u. s. w. ausgeht. Die Unterzeichner gehören zum guten Theil der nationalliberalen Partei, zum Theil auch der konserva tiven und Zentrumspartei an." Also zu lesen im lokalen Theil der Nr. 309 der Frankfurter 3tg.", und, ganz wie angegeben, fand sich auch ebendaselbst auf der zweiten Seite der bewußte Aufruf. " " So interessant eine Analyse dieses Appells an Frankfurts honette Bürgerschaft wäre, alle ,, Nebenrücksichten" fallen zu lassen und einig zu sein in der Parole: Keinen Sozialdemokraten!" so vers zichten wir doch, Angesichts der Thatsache, daß die Wahl vorüber, heute darauf, und wenden uns einer Notiz zu, die an hervorragender Stelle im politischen Theil derselben Nummer desselben Blattes figurirte. Da wird nämlich die Bemerkung der Berliner Kreuzzeitung", daß ,, der Ausfall der Berliner Reichstagswahlen einen Sieg des öffentlich- rechtlichen Standpunktes über den privatrechtlichen bedeute", zu folgendem Ausfall benutt:„ Also der Sieg der konservativen und sozialdemokratischen Anschauungen, der Triumph der allein staatserhaltenden Partei und der Partei des Umsturzes unserer gesammten modernen Gesellschaftsordnung" bedeutet den Sieg ein und derselben Sache, bedeutet den Sieg des öffentlichen Rechts! Die Bestrebungen beider, der Konservativen und der Sozialisten, muß man daraus folgern, haben im Grunde genommen ein gemeinsames Ziel, und in dem Siegesjubel über den Niedergang des Liberalismus reichen sich beide die Hände; es dämmert ihnen die Erkenntniß auf, daß der Konservative und Sozialdemokrat eigentlich Brüder sind, nach gleichem Ziel strebend, Freud und Leid mit einander theilend par nobile fratrum.( Ein edles Brüderpaar.) Doch wenden wir unsern Blick ab von dem Bilde der zwei Brüder, die sich wiedergefunden," Mit der Geschwindigkeit eines raffinirten Taschenspielers ward hier, wie man sieht, aus einer der Kreuzzeitungsideologie entsprechenden Au 3legung des Wahlergebnisses ein Brüderpaar konstruirt, das ,, sich wiedergefunden", und so der Sozialdemokratie ein Bündniß untergeschoben, das sie in den Augen der Leute, welche den politischen Theil der Frankfurterin lesen allerdings die Minderheit ihrer Leser verbächtigen, herabwürdigen mußte. Und das, während man selbst bei den Konservativen um Stimmen hausiren ging. Das nennt man in Frankfurt anständige Kampfesweise! Wir danken. Das freie Wahlrecht in der freiesten aller bür gerlichen Republiten. Wir lesen in der ,, Newyorker Volksztg." folgende, der Indianopolis Staatszeitung" entnommene Notiz: „ Das unverschämteste Stück von Bulldosen" ist doch von den Bes fizern der Swift Eisen- und Stahlwerfe" in Cincinnati( Hauptstadt von Ohio) aufgeführt worden. Die Werke befinden sich in einer Vorstadt von Cincinnati und in Newport( Kentucky) und etwa 500 Arbeiter sind in denselben beschäftigt. Am letzten Mittwoch erließ die Kompagnie folgenden Anschlag: dent dat ,, Diese Werke werden heute Abend geschlossen werden und bis nach der Wahl in Ohio geschlossen bleiben. Sollte der Ausgang der Wahl den Republikanern günstig sein, so wird die Arbeit am nächsten Mittwoch, dem Tage nach der Wahl, wieder aufgenommen werden; sollte die Wahl zu Gunsten der Demokraten ausfallen, so werden die Werke bis nach der Wahl im November geschlossen bleiben. Sollte Blaine dann gewählt werden, so wird die Arbeit wieder aufgenommen werden; wird Cleveland gewählt, so wird die Arbeitseinstellung unbestimmte Zeit dauern." Es wird oft von den politischen Beeinflussungen und Drohungen ge= sprochen, welche sich Arbeitgeber zu Schulden kommen lassen, aber mit solcher Frechheit, wie diese saubere Kompagnie in Ohio, ist denn doch noch fein Arbeitgeber zu Werke gegangen. Sie sagen ihren Leuten mit dürren Worten heraus, daß sie entweder jetzt für das republikanische Ticket stimmen müssen oder daß sie sich anderweitig nach Arbeit umsehen können. Um ihnen einen Vorgeschmack von dem zu geben, was ihnen bevorsteht, und sie mürbe zu machen, wird ihnen schon eine Woche vor der Wahl ihr Verdienst genommen; sie werden schon verstehen, daß sie diese Zeit zum Arbeiten für die große Sache" der privilegirten Monopolisten anzuwenden haben. Db wohl die Leute, als sie am Mittwoch Abend mit der Weisung entlassen wurden, es sich erst recht lebhaft vorgestellt haben, ein wie herrliches Ding es ist, ein freier und unabhängiger Bürger zu sein und das unschäzbare Privilegium des freien Stimm rechts zu besitzen? Die Eigenthümer der ,, Swift- Werke" sagen, dieser Schritt sei lediglich aus„ Geschäftsrücksichten" unternommen. Ganz unzweifelhaft und natürlich! Es ist das Geschäft" der Leute, welche Geld dadurch machen", daß sie andere Leute besteuern, dahin zu sehen, daß so viele Stimmen als möglich für den Kandidaten abgegeben werden, der sie im Besitz und Genuß dieses werthvollen Privilegiums beläßt. Lediglich Geschäftssache", ganz natürlich und begreiflich! Aus Leipzig, 5. November, schreibt man uns: Jm Landkreis gefiegt, in der Stadt triumphirt. Die 4000 Stimmen Majorität für Viereck war die Antwort auf die gefälschten und falschen ,, Arbeiter", die uns den famosen Absagebrief" geschrieben. Der Heine'sche Kommis, der das Machwerk verfaßt, wird die erhoffte Weihnachts- Gratifikation ( zu Deutsch: Trinkgeld) nicht erhalten. Und in der Stadt ein Stimmenzuwachs von 3000 für Bebelwahrhaftig, die Partei kann zufrieden sein! Die Feinde sind wie vor den Kopf geschlagen und das„ Tageblatt" jammert in gottserbärmlicher Weise. Natürlich braucht's einen Sünden bock. Und wer wird dazu benutt? Leser, Ihr werdet lachen ob des unfreiwilligen Humors: die Polizei, der arme Döbler und der unglückliche Hohlfeld mit dem, was drum und dran hängt, sind schuld an den Erfolgen der Sozialdemokratie. Warum haben sie nicht alle Versammlungen verboten? Nicht alle Flugblattvertheiler eingesteckt? Nicht alle ,, notorischen" Sozialdemokraten ausgewiesen? Doch nicht blos die unverzeihliche Nachsicht der Polizei hat uns zum Sieg verholfen, auch unser Terrorismus! Wir, die Geächteten, von denen jeder das Damoklesschwert der Ausweisung über dem Kopfe hängen hat- wir haben die ruhigen Bürger und Bauern derart terrorisirt", daß die guten Leutchen aus lauter Angst für uns gestimmt haben. Nicht wahr, das„ Tageblatt" ist tostbar in seinem unfreiwilligen Humor? Indeß, es hat auch einen ernsthaften Gedanken zu Tage gefördert. Die Wahlkreise sind schlecht eingetheilt das ist wesentlich mit schuld an dem ungünstigen Resultat. Bei einer zweckmäßigen Eintheilung der Wahlbezirke fönnte ähnlichen Siegen der Sozialdemokratie vorgebeugt werden." Der Gedanke ist natürlich nicht auf dem Miste des Tageblatts" ges wachsen, und wir können uns im nächsten Reichstag auf einige Versuche in Wahlkreis geometrie gefaßt machen. Jtem, wir haben gesiegt, und die Feinde mögen austifteln, was sie wollen, wir werden sie und ihre Kniffe zu Schanden machen. 11 Solidarität. Wir haben bereits in voriger Nummer erwähnt, daß unsere belgischen Genossen auf's Neue eine Sammlung zu Gunsten des Wahlfonds der deutschen Sozialdemokratie eröffnet haben. Wie wir aus den im Vooruit"," Toekomst" 2c. veröffentlichten Duittungen ers sehen, findet diese Sammlung lebhaftesten Anklang. Charakteristisch find die Mottos, unter denen die Beiträge eingehen. Da heißt es: Wann werden auch wir ein Sozialistengesetz friegen?"" Gebt, was ihr könnt"," Muth gefaßt und vorwärts"," Die Sozialdemokratie ist eine Macht, welche durch keine Gewalt niedergeworfen werden kann, davon kann der Rattenfänger Bismarck zeugen"," Heil euch, muthige Kämpfer", ,, Deutschland voraus, Belgien folgt"," Beim Singen sozialistischer Lieder dachten wir an unsere "' schentenen Brüder"," Für das Gelingen des deutschen Wahlkampfes schenken wir unsern legten Sonntagsverdienst", Deutsche Sozialisten, harrt aus in Eurem Kampf, die Belgier werden Euch folgen", u. s. w., u. s. w. " Wahrlich, angesichts solcher Theilnahme werden unsere Genossen in Deutschland doppelte Genugthuung über ihren Sieg empfinden! Echt anarchistisch. Wie wenig erbaut die Anarchisten von dem glänzenden Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie sind, kann man sich leicht vorstellen, wenn man weiß, mit welcher Geflisfentlichkeit diese Herren ihren Lesern die Mähr aufgebunden hatten, daß die deutschen Arbeiter sich von der Sozialdemokratie ab und der alleinseligmachenden Anarchie zugewendet haben. Jeßt müssen sie nun doch zugestehen, daß ste gefluntert, und es ist überaus erbaulich, zu sehen, wie sie sich mit der unbequemen Thatsache abzufinden suchen. Hören wir z. B. den Genfer Revolté": " 11 Was uns anbetrifft, so freut uns dies( das den„ Führern" günstige Resultat, nach Herrn Werner kämpfen nämlich die deutschen Sozialisten nicht für ihre Sache, sondern für ihre Führer"!) für den Moment, denn wir wissen, daß die deutsche Arbeiterbewegung in zwei Lager atten: der Anarchisten und das der alten sozialdemokratischen Squie. Wir 10.jsen, daß die anarchistischen Jdeen sich in den Massen ihren Weg bahnen, und werden am Tage der Revolution sehen, ob das Broletariat noch daran denkt, sich einer neuen Sklaverei unter der Peitsche der sozialdemokratischen Bureaukratie zu unterwerfen. Glücklicherweise ist das eine Albernheit( allerdings! die Red. des ,, Soz.- Dem."!), da die Befreiung des Proletariats eine internationale Frage ist und daher andere Völker auch ihr Wort dreinzureden haben." Zu diesem trostreichen Sage macht der Revolté" folgende geniale Note: " Das haben die Führer" der sozialdemokratischen Schule so gut be griffen, daß sie versucht haben, vermittelst ihrer Anhänger die Proletarier anderer Nationen ebenso einzudrillen, wie sie selbst das deutsche Proletariat eingedrillt haben." Traurig! Hierauf fährt er fort: " Zudem wissen wir, daß das Proletariat eine recht launenhafte Masse ist, und daß der, den es heute in den Himmel erhebt, sich morgen bereits am Boden befinden könnte." Da haben wir den Anarchisten in seiner ganzen Seelengröße. Er vermag in dem großartigen Wahlkampf unserer Partei nichts anderes zu erblicken als einen Kampf zu Gunsten einiger Führer", und in den kämpfenden Arbeitern erblickt er eine launenhafte Masse! Diese hohe Meinung von den Arbeitern ist aber allen diesen Leuten eigen, sie, die beständig auf die Führer schimpfen, verachten die Ar beiter. Wir aber haben mehr Vertrauen zu denselben; wir rechnen nicht auf ihre Launenhaftigkeit, sondern auf ihre Charakterfestig teit, in diesem Sinne wirken wir auf sie, und wir haben uns bisher nicht getäuscht. Freilich, Herr Werner, fann es leicht passiren, daß Mancher, der sich heut in den Himmel gehoben glaubt, morgen schon am Boden liegt, aber nicht als Folge der Launenhaftigkeit der Arbeiter, sondern weil die Arbeiter von seiner Launenhaftigkeit nichts wissen wollen! So steht es wenigstens bei uns in Deutschland, wie Ihnen Ihre guten Freunde erzählen können! Wie es aber möglich war, daß die sozialistischen Führer"- nicht die Sozialdemokratie diesmal wieder siegten, erfahren die Leser des " Revolté" an anderer Stelle: ,, Kurze Zeit vor Verkündigung des Ausnahmegesetzes hatten sie die Führer! fich 300,000 Mark( die Ziffer ist nicht gut gedruckt, es kann auch 800,000 heißen, warum nicht gleich ein paar Millionen?) von dem Geld der Arbeiter und der Anarchisten angeeignet, die höre! damals unter demselben Banner marschirten. Sie haben einige dicke Bourgeois mit Geldsäcken zu ihrer Verfügung, was diese Führerschaft wie ihre Prinzipien nicht im besten Lichte erscheinen läßt. Noch mehr, sie haben alle Mitgliederlisten in Händen und" Nein, es ist genug. Wir wollten unsere Leser erheitern, nicht aber sie aneckeln. Lass' sie drehn und stäuben." -man Belgien.( Infolge Raummangels bisher zurückgelegt.) Die Wahl vom 12. Oktober hat so deutlich gegen das klerikale Kampfministerium gesprochen, daß dieses bereits einem klerikalen Geschäftsministerium hat weichen müssen. Ob behufs Vorbereitung einer Kammerauflösung, beziehungsweise Neuwahl, oder lediglich um die Geschäfte der Pfaffen in aller Stille, gemäßigt" weiter zu führen, wird nicht gesagt. Es wäre kein gutes Zeichen für die Intelligenz der belgischen Liberalen, wenn sie sich das Letztere gefallen ließen. Wir haben in Nummer 42, zum Theil auf Berichte bürgerlicher Blätter hin, gemeldet, daß auch die Sozialisten Antwerpens ihre Kandida turen zu Gunsten der Liberalen zurückgezogen hätten. Das ist nicht ganz richtig. Nur ein Theil der Arbeiter ließ sich dazu breitschlagen, die entschiedeneren, insbesondere unsere Freunde vom Werker", hielten an dem Grundsatz der Arbeiterkandidatur fest. Daß sie unter solchen Umständen teine besonderen Erfolge erzielen konnten, liegt auf der Hand; es fam ihnen aber weniger darauf an, als auf die Wahrung ihrer Selbständigkeit. " In Gent erhielten unsere Freunde über 900 Stimmen gegen 4000 liberale. Das ist ein relativ sehr großer Erfolg. Diese 900 Stimmen repräsentiren unzweifelhaft das ganze Arbeiterelement, soweit es durch das neue Gemeindewahlgesetz in den Stand gesetzt wurde, am Wahltampf theilzunehmen. Amerika. Bei der Präsidentenwahl für die Vereinigten Staa ten hat diesmal der Kandidat der Demokraten, Grover Cleveland, den Sieg davongetragen. Die Korruption des Beamtenthums, welche unter der Herrschaft der republikanischen Partei allmälig Riesendimen fionen angenommen hatte, bot den Demokraten ein überaus günstiges Angriffsobjekt. Mit den Demokraten bekämpften vorzugsweise die Deutschen die republikanische Randidatur Blaine, theils aus tugendhafter Entrüstung, theils weil Blaine sich dem Temperenzlerschwindel und dem Knownothingthum der sogenannten Nativisten sehr wohlwollend bezeigte. Was die Temperenzler sind, werden unsere Leser wohl wissen: scheinheilige Mäßigkeitsapostel, die den Handel mit alkoholischen Getränken, Wein, Bier 2c. verboten wissen wollen im Interesse gewisser ,, Apotheker" 2c. Die Nativist en in Amerika sind etwa dieselben Leute wie in Deutschland die Antisemiten, sie wollen das eingeborene ,,, echt amerikanische" Element überall bevorzugt wissen und predigen namentlich den Haß wider die ,, verdammten Deutschen", die freilich vielfach auch nicht die Tugendengel sind, als welche sie sich in ihrer Presse hinstellen. Unsere Genoffen drüben haben sich an dem Wahlrummel gar nicht betheiligt, sondern Wahlenthaltung proklamirt. Beide der großen Parteien, die republikanische wie die demokratische, sind kapitalistische; was sie trennt, sind nicht Prinzipienfragen, sondern Interessenfragen, und obendrein hier wie dort Intereffen zusammengewürfelter Roterien. Kampf gegen die Korruption!" war eine Parole, in welche bie Sozialisten gewiß zuerst eingestimmt hätten, aber die Leute, welche fie ausgaben, schienen diesen unverbesserlichen Zweiflern keineswegs da nach geartet, den Augiasstall auch wirklich ausmisten zu können, oder auch nur ernsthaft zu wollen. Zudem haben sich die Demokraten in den Staaten der Union, wo sie am Ruder sind, keineswegs als größere Arbeiterfreunde gezeigt als die Republikaner. Für die dritte Partei, die aus ehemaligen Greenbacklern 2c. zusammengesetzte Partei des General Butler, die speziell in Arbeiterfreundlichfeit machte und mit sozialistischen Schlagworten um sich warf, daß es nur so eine Art hatte, tonnten unsere Genossen gleichfalls nicht eintreten, eben weil die Gesellschaft eine zu sehr gemischte war, und Herr Butler zwar ein sehr gewandter Demagoge, aber kein zuverlässiger Kunde ift. Selbständig in den Wahlkampf einzutreten, dazu ist einmal unsere Partei noch viel zu schwach; dann aber, und das ist der maßgebende Grund, auch der Ansicht, daß die Präsidentschaftswahl überhaupt heut zutage nur noch ein Humbug ist und auch nichts anderes sein kann. In dieser Beziehung, wie in vielen anderen Punkten, ist die Verfassung der Union nicht mehr zeitgemäß. Die riesenhafte Entwickelung des Unsere Organisation zu vervollkommnen und zu faen, mir unfere fortgesette Aufgabe bleiben, das haben wir im Wahlkampf erst recht wieder kennen gelernt. Unsere Stimmen sind unter den gegebenen Verhältnissen gezählt und gewogen. Die Ausbreitung des Parteiorgans soll uns besonders dazu dienen, unsere Mannschaften kampftüchtig zu erhalten und neue zu schulen. Zittau, 31. Oktober. Wir haben diesmal kein günstiges Resultat erzielt; wir erhielten gegen 400 Stimmen weniger als vor 3 Jahren. Nun, an unseren Anstrengungen hat's nicht gelegen, wir sind eben nur menig: an die 20-25 Mann hatten die ganze Arbeit zu leisten. Sechzig Dörfer, wovon etliche bis zu drei Stunden von der Stadt entfernt find, dreimal mit Flugblättern zu belegen, ist keine Kleinigkeit. " Versammlungen konnten wir nicht abhalten, weil kein Sprecher am Drte und von Dresden keiner zu bekommen war. Bei Vertheilung der, Münchener Gerichtszeitung" wurden drei Mann von uns verhaftet und behaussucht; bei einem fand man auch etliche Nummern des Sozialdemokrat"; derselbe wurde nach zwei Tagen Gefäng nißhaft von seinem Prinzipal, einem konservativen Buchdruckereibefizer, reklamirt und infolgedessen auch freigelaffen. Der andere, ein Schneider, Familienvater von drei Kindern, hat trotz Reklamationen seines Prinzipals zehn Tage in Untersuchungshaft brummen müssen; letterer ist freilich ein Fortschrittler. Der dritte, auch ein Schneider, aber ledig, sitt noch, also schon sechzehn Tage! Der Herr Amtsrichter, Frante heißt der strebsame Mann, legt nämlich den Dreien auch die Verbreitung des Manifestes zur Last, zudem sind die zwei Schneider Tschechen! Von denen ist es natürlich ein doppeltes Verbrechen, sich in solche Dinge zu mischen! Z. Wahlkreis Bielefeld- Wiedenbrück. 1881 erhielt Pfannkuch, welcher damals hier kandidirte, 1148 Stimmen; bei der Ersatzwahl am 27. Februar d. J. erhielt D. Hegemann 2258 Stimmen, und jetzt erhielt derselbe 2684 Stimmen. Also haben sich hier unsere Stimmen feit 1881 mehr als verdoppelt. Seit Februar d. J. 400 Stimmen Zuwachs! Eßlingen a. N., 2. Nov.( Eine lehrreiche Erinnerung.) Daß wir gegen den mit 9000 Stimmen gewählten Erzreaktionär Oberstaatsanwalt von Lenz mit unsern zirka 2500 auf Geiser abgegebenen Stimmen( gegen 1100 im Jahr 1881) auf den Plan gekommen sind, verdanken wir lediglich der allseitig größten Rührigkeit. Daß aber Lenz, der während der Wahlperiode sein ,, von" abzulegen für gerathen fand, überhaupt durchkam, dafür gebührt das Verdienst der Volkspartei, die schmachvollerweise hier gar keinen Kandidaten aufstellte, viel mehr öffentlich Wahlenthaltung predigte. Als wir dagegen 1877 das Feld gründlich aufgewühlt und von ihrem Carl Meyer sogar die schriftliche Versicherung erhalten hatten, die Volkspartei werde unserm damaligen Kandidaten J. Motteler gegen über keinen eigenen Kandidaten aufstellen, vielmehr dessen Wahl gerne sehen, und soweit es thunlichfördern, da brachten die Herren in den letzten acht Tagen plötzlich ihren Retter" geschleppt. Sie durchreisten den Wahlkreis mit einem Dugend Kutschen, lobten an allen Drten, wo unser Kandidat persönlich gut gewirkt hatte, diesen über den Schellenzehner hinaus" und erklärten: Motteler ist ganz recht und gut, blos noch etwas jung und hißig, man kann ihn also schon wählen aber Retter, der ganz dasselbe will wie Motteler, ist doch für unsern Wahlkreis als älterer und ruhigerer Mann ein noch besserer Vertreter, wir rathen also, diesen zu wählen, da Motteler doch in Sachsen wieder gewählt wird. Unsere Bauern und Kleinstädter gingen auf den Leim, Retter wurde gewählt, und der den Sozialdemokraten abgeschmuste Wahlkreis ist heute wieder in den Händen des Erzreaktionärs von Lenz, den wir seinerzeit hinausklopfen halfen. Die Volkspartei hat diesmal das Feld offenbar a b= sichtlich von vornherein dem Erzreaktionär überlassen. Wahlenthaltung öffentlich predigen, hieß nach Lage der Sache diesmal die demo: kratische Bauern und Kleinbürgerschaft theils von uns weg, theils zu Herrn Lenz hinüber weisen. Mit Rücksicht auf dies schmähliche Benehmen der Volkspartei hierselbst wurde von uns beschlossen, die Stuttgarter Genossen aufzufordern, bei der Stichwahl zwischen Schott und Tritschler ebenfalls Wahlenthaltung zu üben, was mit Schott's Durchfall gleichbedeutend wäre. Einer solchen traurigen Partei, wie diese Volkspartei, find diese Schlappen wohl zu gönnen, die sie erlitten hat. Was den nun gewählten enz betrifft, so genügt des Weitern zu seiner vollen Charakterisirung der Umstand, daß er in der hiesigen Wählerversammlung sich nicht scheute, zwischen den Sozialdemokraten und den ,, Ga rotters"( eine feige Todtschlägerbande) in London einen Vergleich zu ziehen, für welch' lettere man die neunschwänzige Rate in Anwendung gebracht habe. Von uns wurde er dafür mit gebührendem Halloh belohnt, und war jene Versammlung überhaupt so stürmisch und tumultuarisch, daß es nicht viel gefehlt hätte, und eine größere Keilerei wäre entstanden. In der Eßlinger Beitung" versuchte zwar nachher ein Berichterstatter den Riemen etwas einzuziehen". Es sei ein Mißverständniß gewesen, der Herr von Lenz habe ein, wenn" vorausgehen lassen. Der Rückgang in Stuttgart war wohl in erster Linie auf Rechnung unserer für Stuttgart weniger geeigneten Kandidatur zu schreiben, im Uebrigen ist natürlich der Schrecken unserer schwäbischen Gegenfüßler hier ebenso berechtigt, wie überall, wo ihnen die Sozialdemokratie stürmend die Schneide zeigte. Unser Streber& enz soll sie übrigens auch noch zu sehen kriegen, so daß er nicht vergebens für die neunschwänzige Rage" gelästert hat. Gruß! Der Post michel. Danksagung. " Den zahlreichen Freunden und Parteigenoffen des In- und Auslandes, die mir mündlich und brieflich in so rührender Weise Zeichen des Beileides über den Hinscheid meiner geliebten Gattin Elisabeth geboten, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. Es hat mir in der Seele wohlgethan, bei dieser sonst so traurigen Veranlassung zu erfahren, daß noch viele alte Rampfgenossen sich noch anerkennungsvoll erinnern, wie die gute schlichte Frau im Laufe eines halben Jahrhunderts Hunderten von politisch Verfolgten, gesunden und franken, Unterkunft bot und sie in mütterlicher Sorgfalt speiste und pflegte. Wie sinnreich haben es auch die Umstände gefügt und hat es dem Leben und Wirken der Dulderin entsprochen, daß die hiesige deutsche Arbeiterschaft zu den anderen Trauerkränzen einen bedeutungsvolleren Kranz mit rother Schleife, diesem Symbol der Freiheit und des Friedens, der hältniſſe mit fich, von welchen die Urheber per ferung, bringen Ber: Gleichberechtigung und werkthätigen Brüderlichkeit aller Menschen und einigten Staaten keine Idee hatten, und welche die seinerzeit durchaus zwedgemäßen Bestimmungen derselben zur Karrikatur entstellen. Eine Verfassung, und sei sie von noch so erhabenen Grundsäßen diktirt, wird eben nur so lange wohlthätig wirken, als die Verhältnisse, für welche fte geschaffen, sich nicht wesentlich geändert haben. 350$ 016 Korrespondenzen. Spremberg, Ende Oktober. Vor der Wahl hatten wir mindestens zehn Haussuchungen ohne Resultat und eben so viele Genossen wurden bei Verbreitung der Wahlflugblattes verhaftet. Dafür haben aber auch, wie Sie aus dem Wahlergebnisse ersehen, unsere Genossen am Wahltage ihre Pflicht gethan. Versammlungen konnten wir keine abhalten, es ward uns Alles verboten. Mit sozialdemokratischem Gruße! Sprembe erger. Dessau, 4. November. Wah I resultat: 697 Stimmen für B. Geiser. 1881 hatten wir 373. Wir schreiten hier etwas langsam vorwärts. Bersammlungen wurden uns auch verboten, ebenso hatten wir kein Flugblatt. Dies mag Schuld sein, daß in Dessau nur 50 Prozent der Wahlberechtigten gestimmt haben. aller Völker, auf ihren Sarg legten. Wenn mir aber in der trüben Stunde des für alle Zeit geltenden Abschieds von meiner mich 58 Jahre lang begleitenden Lebensgefährtin dennoch ein Troststern in die Seele leuchtete, so war es die Botschaft Leşte Nachrichten. Kassel. Pfannkuch mit 7675 Stimmen gegen den Konservativen 20( 6444 Stimmen) gewählt! Jezt haben wir 20 Abgeordnete! Hurrah! Frankreich. In Paris findet am 15. November im Saale der Redoute, Rue Jean- Jacques- Rousseau 35, ein von unseren franzöfifchen Gesinnungsgen offen einberufenes Meeting zum Besten des Wahlfonds der deutschen Sozialdemokratie statt. Die Tagesordnung lautet: ,, 1) Die Wahlen in Deutschland. 2) Die Sozialdemokratie, ihr Programm und ihre Geschichte. 3) Die Allianz Ferry- Bismarck und die Gegenallianz der Arbeiter. Referenten: Jules Guesde, Paul Lafargue, Argyriades, Crepin, Blanc, Letailleur. Eintrittspreis: 50 Cts." Wir wünschen unseren Freunden im Intresse unserer gemeinsamen Sache besten Erfolg und senden den am nächsten Samstag versammelten Genossen unseren herzlichsten Gruß und Dank! Warnung. Wir war warnen hiemit alle Genossen vor dem Spinner Franz Böhm aus Oberlanzensdorf( Böhmen). Derselbe hat unseren Verein durch seinen unmoralischen Lebenswandel und Unterschlagungen start geschädigt. Deutscher Arbeiterbildungsverein Chur. Briefkasten Bo na Behi und darf der Wa der Redaktion: Nedarspige: Nichts Bezügliches erhalten. Notiz für diese Nr. zu spät eingetroffen. gebe find gen wo Ge scht fchi S bor ich a S Lieb dan Σ H. H. bas Ark mei D. b. 1910 Nzr. Leb des á ba Ko 1 " der Expedition: Neu- York: Fr. 253 15( Doll. 50-). v. Wahl verein d. Schlesier f. d. Breslauer Wahlen durch Lehms dkb. erh. und besorgt. A. Höhne N. Y.: Vorstehender Betrag durch Vbhdlg. mit von Ihnen bezahlten Fr. 250- verwechselt, also Dttg. in 44 auf let tere Summe richtig zu stellen. Fr. 50 65( Doll. 10-) u. P. KR. v. 23./10. erh. Buchen nach Vorschr. Hoffentlich jetzt genügend S. D.?— Epilog: So viel Ruhm und so wenig Abonnenten. Leere Taschen bei vollen Händen. 1871r: Addr. nach Vorschr. geordnet. Hoffentl. bald Klarheit. R. Carlsson N. Hav.: Brief vom 31./10. erh. Sdg. quitt nach Eingang. Wmfft. müssen erst auftreiben. Hansen: Mt. 12 80 Ab. 4. Qu., Mt. 1 60 desgl. Ab. P. u. Mt. 3 Anlhn.- Sch. gutgebr Dttg. Fr. H. nicht hier. Jgdl. noch nicht abgerechnet! D. G. Rdf. Mt. 2 à Cto. Ab. 4. Du. erh. E. H. Du.: Mk. 4 Ab. Nov. u. Dez. erh. Bfl. mehr. Die Rothen von H. H.: Mt. 50 pr Wfds. dkd. erh. Bravo! C. P. B.: Fr. 11 70 pr. Ab. u. Schft. erh. St. Paul: Fr. 50 65( Doll. 10-) v. Soz. Club Vorwärts" pr. Wfds. dkd. erh. Bfe. v. Mlz. u. Hdl. Hier. Herzl. Grüße! Desterr. Ungar. Arb.- Verein Paris: Fr. 50. pr. Wfds. zum Sieg auch für unsre Brüder im Lande der Niedertracht" dkd. erh. Bgn. Mt. 3 Ab. 3. Du. erh. Johannes B.: Mr. 6. Ab. 4. Qu. 84 u. 1. Du. 85 u. Mt. 2 pr. Ufds. dkd. erh. Bis 43 wat restante fort. Nochmals Ers. mit 45 ab. Schwarzer Taugenichts: Mt. 12 90 A6. 4. Du. erh. Adr. geordnet. B. Gladbach: Mt. 7 20 f. Stich- u. Nachwfds. dkd. verwendet. Amsterdam: Fr. 20Genossen mit einem Glück auf zu den Stichwahlen" dkd. erh. Paris: Fr. 250 Glück auf zum Sieg", pr. Wfds. dkd. verwendet. E. H. Liége: Fr. 10 95 Ab. Rest. v. H. B. Cp. u. Fr. 9 05 pr. Wfds, dkd. erh. Bitten B. Avis geben. A. Schneider Glsgw. Fr. 63Cto. Ab. u. Schft. erh. v. d. Eider: Mt. 130- Ab. 3. Du. 2Cgutgebr. W. Adf. Bern: Fr. 205 à Cto. erh. Bestllg. folgt. Dttg. in 36 stimmt. Schwzr. Flgbl. u. S. D. zur Agit. gratis. Bf. folgt. C. W. Stg. Mt. 2- Ab. Nov. u. Dez. erh. C. A. B. V. London: " " -6 Pf. St.( 4. Rate) und 1 Pf. St. du Cercle de Propaganda Socialiste( in Sa. Fr. 151 20) pr. Wfds. dkd. erh. W. M. R. Jura Ber nois: Fr. 3 pr. Wfds. dkd. erh. Vom Fliegenden:( Mt. 100-) Fr. 56 75 f. Schft. u. Fr. 66 75 pr. Wfds. dkd. erh. Aus St. Gallen: Fr. 16 f. d. Stichwhl. durch Witt dkd. erh. Ungar ungenanntes 3ch. Fr. 10 pr. Wfds. dkd. erh. Chicago:( Doll. 59 25) Fr. 249 55 v. d. Gruppe Freiheit" pr. Wfds. durch Mitlchr. am 12./11. dkd. erh. Glasgow: Mt. 13 ges. v. d. dtsch. Gen. f. d. Stichwhln. dkd. erh. durch Schdr. Budapest: öwfl. 24 57 Subskript. d. hiesigen Genoffen f. d. Wfds.( mit einem Hoch unsrer gemeinsamen Sache") dkd. erh. G. U. U. a. D.: Mt. 20 à Cto. Ab. erh. Mt. 2 60 pr. 3 Du. 85 voraus. Gent: Fr. 240( 2. Rate) unsrer flämischen Genossen f. d. dtschn. Stichwhln. dkd. erh. Paris: Fr. 100 Leseklub pr. Whfds. dkd. erh. M. H. Ttg.: Mt. 3 26. 4. Du erh. Rothbart: Mt. 290- à Cto. Ab. 2c. erh. Dtschr. Verein Burgdorf: Fr. 8- pr. Wfds. dkd. erh. Turin: Fr. 10 P.- Gen. f. d. Stwhl. dkd. erh.( 500): Mt. 3- Ab. 4. Du. erh. Von H. Oberstraß: Fr. 10; Dtschr. Ver. Neuchatel: Fr. 9 20 ges. bei d. Robert Blum- Feier; Antwerpener Genossen: Fr. 14; pr. Wfds. dkd. erh. nem bes geg üb an pol far ge DE Dom AD v. d. W G ihr zia Im Verlage der Volksbuchhandlung Hottingen- Zürich ist erschienen: po ga bu 4151 ge ha th Vorwärts! Eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Bolk. In 4-5 Lieferungen à 50 Ets. 40 Pfg. Heft 2. T = Enthaltend die besten revolutionären Gedichte von Herd. Freifigrath, Serwegh, Seib, Seine, Shelley, der französischen Arbeiter Dichter und vieler Anderen. Bollständigste Gedicht Sammlung sozialdemokratischer Tendenz. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Expedition des Sozialdemokrat. Volksbuchhandlung. Hottingen- Zürich. Zürich Sonntag, den 18. November, Abends 5 Uhr, auf der Bürgliterrasse: von dem glorreichen, in der Kulturgeschichte Epoche machenden Wahlfiege Wahl- Siegesfeier der deutschen Sozialisten unserer Genossen in Deutschland. Fügte es sich doch auch, daß der Tag der sieggekrönten Wahlschlacht, der die Unterdrückten aller Welt mit Jubel erfüllte, zugleich der Tag ihrer Beerdigung war. Allzeit starken Gemüthes, vermochte die packende Trauer nicht, mir Thränen abzupressen; als aber von Often her die frohe Botschaft kam, hohe Freud' mit tiefem Leid sich vermengte, rollten sie mir die Wange herab. Des 28. Oktobers 1884 werde ich drum gedenken bis zu meinem letzten Athemzug und mich dabei der wackeren Kampfgenossen stets dankbar erinnern. 34 Genf, 7. November 1884. Joh. Ph. Becker. bestehend in: Musikproduktion, Gesang, Festrede, Deflamationen, TheaterAufführung und einem lebendeu Bilde. Anfang: 5 Uhr. Entree: 50 Ets. Vorher gelöste Billete: 30 Cts. Zum Schluß: Zanz. edit s Näheres siehe„ Tagblatt" und„ Arbeiterstimme". Es labet hiezu freundlichst ein ru Бо de fu at be P fl. in ge e Das Festkomite. ge at Sozialistische Arbeiterpartei Amerika. Settion New- Yort. ül 01 Quittung. Von den luftigen Musikanten" Mt. 60- zum Wahlfonds dankend erhalten. Hamburg, 4. November 1884. Sigung des Zentralfomites jeden Freitag Abends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ece Allen und Houston Street. 2 Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres stehe New- Yorker Boltszeitung", besonders Freitags und Samstags. b Der Ausschuß des Zentral- Wahlkomites. 618 Schweizerische Genossenschafts- Buchdruckerei Hottingen- Zürrich. 31 ร