Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Berkag d«r Volk«buch>i>>n»lung Hottingru-Zürich. tjolselldllllgea sranio gegen franko Gen-ihnliche Briese nach der E ch w e« j kosten Doppelporto. emokral Jentral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Köo«nemeNt« werden bei allen Ichwel>erische« Postbureaur� sowie beim Berlag und besten bekannien Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» zahlbar«« Vierteljahr»?«!» von Fr 2— siir die Schweiz Mk ll— sllr Deutschland sllouvert) st. 1.7» sllr Oesterreichband>. Juserate die deeigeipalten« Petitzeilt 25««».— 20 ipsg. JK 47 Zionnerftag, 21. November;_Z0 mM. Avis an die Abonnrnten und Korrespondcnlen des„SoziakdemoKrat." Was nun? SechSmalhunderttausend Wähler haben bei den diesmaligen Wahlen den Kandidaten der Sozialdemokratie ihre Stimme ge� geben. Soweit diese Wähler nicht selbst überzeugte Sozialdemokraten stnd, kannten sie wenigstens das Programm und die Bestrebuw gen unserer Partei, sei eS auS unseren Flugblättern, sei es— wo diese nicht hindrangen— auS den Flugblättern unserer Gegner. Trotzdem unsere Gegner ihnen unsere Bestrebungen in den schwärzesten Farben darstellten, uns als blindwüthende Umstürzler schilderten, wählten sie unsere Kandidaten. Was man auch sonst zur Verkleinerung unseres Wahlsieges vorbringen möge, diese Thatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen. Ihr Gewicht läßt sich nicht verkleinern. Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen, das ist das Lieblingswort unserer Gegner. Sei'S drum. Ihre Sache gewinnt damit keineswegs. Wo wurde am stärksten für uns gewählt? In den Zentren des industriellen und geistigen Lebens, wo das politische Bewußtsein am höchsten entwickelt ist, wo auch der Arbeiter sich als gleichberechtigter Staatsbürger fühlt, wo ein Jeder weiß, warum und für wen er stimmt. Unsere Gegner aber finden ihre Burgen da, wo das politische Leben unentwickelt ist, wo der persönliche Einfluß deS Gutsherrn, deS Fabrikanten, deS Meisters auf den Lohnsklaven sich auch über das ArbeitSverhältniß hinaus erstreckt, wo der Arbeiter noch auf Kommando wählt. Würde man von der Zahl der in ganz Deutschland abgegebe- nen Stimmen die abziehen, welche nicht auS freier Ueberzeugung de« Stimmenden und unter voller Keantniß ihrer Tragweite ab gegeben wurden, so würde eine Zahl übrig bleiben, der gegen- über unsere sechsmalhunderttausend Stimmen mindestens Viersach an Gewicht gewönnen. WaS aber bedeuten unsere Stimmen? Sie bedeuten einen energischen Protest gegen die heutigen politischen und wirthschaftlichen Zustände. Sie.md, und das kann und wird Niemand bestreiten, ein Zeugniß für eine tief- gehende Unzufriedenheit in der arbeitenden Bevölkerung. Diese sechsmalhunderttausend Wähler verlangen durchgreifende Maßregeln zur Verbesserung ihrer Lage. Die Zahl der Unzufriedenen wird durch die Zahl unserer Wähler bei Weitem noch nicht erreicht. WaS haben nicht unsere Gegner— allen voran die Kandidaten der Regierungsparteien — den Wählern AlleS versprochen I Figurirtcn nicht auf allen ihren Programmen und Wahlmanifesten obenan die Worte: So� ziales Königthum— soziale Reformen? Unsere Wähler, das find diejenigen, welche, gewitzigt durch politische Erfahrungen, diesen Versprechungen nicht trauten. Sie gaben ihrem Verlangen nach durchgreifenden sozialen Reformen durch die Wahl von Sozialdemokraten Ausdruck. Neben ihnen sind aber noch Hunderttausende mit den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen unzuftieden. Sie wählten nur deS- halb nicht sozialdemokratisch, weil sie den Versprechungen, welche ihnen von anderer Seite gemacht worden find, noch Glauben schenkten. ES wäre daher ein höchst verdienstvolle? Werk, die Wahlaus- rufe zu sammeln, welche die verschiedenen Parteien ausgegeben haben, und au» ihnen festzustellen, waS sie Alles dem Volke vor der Wahl versprochen. Gewisse Leute haben bekanntlich ein sehr kurzes Gedächtniß. Lassen wir aber diese Frage für heute bei Seite und bleiben wir bei den sechsmalhunderttausend sozialdemokratischen Wählern. Was diese mindestens wollen, ist nicht abzustreiten: Brod und FreiheitI Sie wollen auf keines ihrer politischen Rechte verzichten, son- »ern verlangen Erweiterung derselben. Sie wollen, daß die Polizeiherrschaft aufhöre, die heute jede freie Regung der Arbeiter- lasse hemmt. Wenn wir in voriger Nummer meinten, daß unsere Genossen m Reichstag wahrscheinlich sofort die Aushebung des Ausnahme- zesche« beantragen werden, so hatten wir dabei nicht die Jnter- iffen unserer Partei als solcher im Auge— die Wahlen haben sezeigt, daß wir trotz Sozialistengesetz für unsere Sache zu virken wissen— sondern die allgemeinen Interessen der Arbeiter tberhaupt. Mehr als unsere Partei leiden die nichtsozialistischen Arbeiter. Organisationen unter dem Sozialistengesetz. Dasselbe schädigt die ilrbciterklassc als solche im Kampfe für die Wahrung ihrer lsnteressen. Da eS das nach der Behauptung seiner Verfasser licht soll, das aber, waS eS soll— unsere Partei unter- »rücken!— nicht vermag, so ist nicht» logischer, alS eS auf- »heben. In sich wäre ein solcher Antrag also wohl begründet. Die frage ist höchstens, ob er der dringendste ist. Darüber mögen inscre Abgeordneten selbst entscheiden. Denn ihre Wähler verlangen von ihnen auch energisches Ein- - treten für soziale Reformen. Und, wie eS schon oft an dieser Stelle ausgeführt worden ist, eine ernsthafte Sozialreform muß da eingreifen, wo die Quelle aller sozialen Schäden ihren Sitz hat: in die Produktionsverhältnisse. Wie man den Kurpfuscher in der Medizin daran erkennt, daß er die Symptome der Krankheit für die Krankheit selbst nimmt, so auch den Kur- pfuschcr auf sozialpolitischem Gebiet: gleich ersterem hat derselbe eine heilige Scheu davor, das Uebel an der Wurzel anzu- packen. Recht zeitgemäß erscheint uns daher die nachstehende Erin- nerung: Im Jahre 1877 hatten unsere damaligen Abgeordneten dem deutschm Reichstag ein Arbeiterschutzgesetz vorgelegt, das allerdings nicht den Beifall der hohen Herren fand; indeß, da- malS regierte eben noch Delbrück, der Repräsentant deS orthodoxen„Manchesterthums." Wir schreiben jetzt 1834. Delbrück ist gestürzt, die abgelaufenen Wahlen haben, wie die„Nord- deutsche Allgemeine", Bismarck's Leiborgan, schreibt, eine eklatante Nieverlage deS ManchesterthumS erzeben, wäre eS da nicht an der Zeit, daS 1878 durch den Schuß von Hödel und Nobiling unterbrochene Werk fortzusetzen? W.r wären doch neugierig, mit welchen Argumenten Bismarck und seine Trabanten Bödiker, Gampe u. s. w. heute einem Arbeiterschutzgesetz ent- gegentreten wollten. Und ein solches ist sicherlich dringend nothwendig. Schon steht in vielen Branchen auf's Neue das Gespenst der Arbeits- losigkeit— diese Nemesis für die Ueb er arbeit— vor der Thür, in anderen herrscht Arbeitslosigkeit bereits ständig neben Ueber- arbeit, und in Amerika nahen bereits die Vorboten einer all> gemeinen Krisis mit all' ihren Schrecken. Kann die heutige Ge- sellschaft sie nicht verhindern, so. hat sie doch ihr Möglichste« zu thun, ihren verheerenden Wirkungen nach Kräften vorzubeugen, und da« kann nur durch Eingreifen in die Produktions- Verhältnisse, nur durch gesetzliche Verkürzung deö Arbeitstages, dieser Basis jedes gesunden ArbeiterschutzeS, geschehen. Ehedem mochte man solchen Gesetzen mit dem Hinweise dar- auf begegnen, daß der Staat nicht in die wirthschaftlichen Ver Hältnisse eingreifen dürfe; nachdem aber die Hinfälligkeit dieses Satzes von den heutigen Machthaber» so überzeugend nachge- wiesen worden ist, daß selbst die Nationalliberalen eines Besseren belehrt worden find, haben wir diesen Einwand nicht zu fürchten. Wir haben also nur den Nachweis zu liefern, daß ein durch- greifender Arbeiterschutz nolhwer.dig ist. Und an dem soll es nicht fehlen. Daß das Bedürfniß nach einem solchen von den arbeitenden Klassen empfunden wird, da» beweisen, wie ge- sagt, unsere sechsmalhunderttausend Stimmen. Die wirthschaftliche Freiheit, wie sie da« sogenannte Man- chesterthum lehrt, besteht in der Freiheit von Handel und Verkehr und in der Freiheit des AuSbeutens. BiS jetzt hat man nur im Interesse gewisser einflußreicher Kreise der herrschenden Klassen in die Freiheit von Handel und Verkehr Bresche gelegt, jetzt heißt e«, im Interesse der Arbeiter in die Auübeu- tungSfreiheit Bresche zu legen. Unsere Abgeordneten brauchen also nur daS 1877 begonnene Werk, natürlich zeitgemäß erweitert, wieder aufzunehmen. Sache der nichisozialistrschen Gegner deS Manchesterthums wird eS dann sein, ihre oft betheuerte Arbeiterfreundlichkeit durch die T hat zu beweisen, indem sie unS helfen, der Ausbeuterfreiheit gehörige Zügel anzulegen. Sie sollen ihre Freude an unS erleben. Unsere Stichwahlen. Di» Nachricht, daß in Kassel P f a n n k u ch gesiegt Hab», welche wir in voriger Nummer noch nachtragen zu müssen glaubten, hat sich leider als verfrüht erwiesen. Die ländlichen Bezirke haben schließlich doch dem konservativen Agrarier Lötz die Majorität gebracht. Dafür haben wir aber heute von einer ganzen Reihe weiterer Siege zu berichten. E» wurden noch sozialistische Abgeordnete ae» wählt: Wahlkreis Kandidat Stimmenzahl Hauptwahl Stichwahl Scgner 20) Berlin VI*) Hasenclever 24,258 24,465 722 21) Gotha W. Bock 8,168 10,754 6,938 22) Braunschweig- Blankenburg W. Blos 6,767 10,994 9,994 23) Auerbach-Reichenbach (24. sächs. Wahlkreis) M. Kayser 4,064 9,041 7,641 24) Gera(Reuß j. L.) H. R ö d i g e r 5,539 6,932 5,820 *) Die Fortschrittler hatten angesichts der totalen Aussichtslosigkeit ihrer Sache im VI. Berliner Wahlkreis, und wohl auch aus— beiläufig gar nicht ungeschickter— Wahltaktik erklärt, daß sie vom Kampf zurück- träten und ihr Wahlbureau schon vor dem Wahltag geschlossen. Das hat aber unsere wackeren Berliner Genossen nicht abgehalten, auf's Neue vollzählig an der Urne zu erscheinen. Doch„da« ist ein Volk wie aus Eisenguß." ES sind unterlegen in der Stichwahl: Wahlkreis Kandidat Stimmenzahl Hauptwahl Stichwahl S»gn«r 8) Kassel W.Pfannkuch 4,187 7,784 7,876 9) Kiel St. Heinzel 7,775 9,167 13,597 Von den 24 Stichwahlen sind somit nur 9 ungünstig für uns ver- laufen, während wir in 15 derselben siegreich waren. In Frankenthal-Speier ist Dreesbach mit 7,259 gegen 10,756 Stimmen, welche sein nationalliberaler Gegner erhielt, unterlegen. Im Ganzen haben also 24 Wahlkreise diesmal sozialistisch gewählt; da zwei Kandidaten doppelt gewählt wurden(Blos in Greiz und Braunschweig, Hasenclever in Breslau und Berlin VI), so beläuft sich die Zahl der Abgeordneten der Sozialdemokratie vorderhand auf 22. Wir siegten bei der Stichwahl in: 7 Kreisen gegen Deutschfreisinnige, 4„„ Nationalliberale Ordnungskandidaten, 2„„ Ultramontane, 1„„ Volkssparteiler, 1„„ Welsen. Wir unterlagen in: 2 Kreisen gegen Deutschfreisinnige, 3„„ Nationalliberale Ordnungskandidaten, 2„„ Konservative, 1„ Ultramontane, 1„„ Antisemiten. Bon unserem Besitzstand in der vorigen Legislaturperiode haben wir eingebüßt: 3 Wahlkreise: Freiberg- Oederan; Mittweida- Frankenberg; Hanau- Gelnhausen. Zurückerobert haben wir diesmal: 7 Wahlkreise: Berlin IV und VI; Altona Stomarn; Glauchau-Mee- rane; Auerbach-Kirchberg; Leipziz-Land; Elberfeld-Barmen. Zum ersten Male erobert haben wir diesmal: 7 Wahlkreise: Braunschweig-Blankenburg; Frankfurt a./M.; Gotha; Hannover; Magdeburg; München II; Reuß j. L.(Gera). Bon den gewählten Abgeordneten haben 13 bereits in früheren Ses- sionen unsere Partei im Reichstage vertreten: Auer, Bebel, Blos, Dietz, Frohme, Geiser, Grillenberger, Hasenclever, Kayser, Kräcker, Liebknecht, Stolle, Vollmar. Neulinge sind 9: W. Bock, Schuhmacher; W. H a r m, Kleinhändler; Aug. Heine, Hutmacher; H. M e i st e r, Cigarrenarbeiter; Hugo R ö d i g e r, Kunsttischler; A d. S a b o r, Lehrer; Georg Schuhmacher, Weiß- gerber und Lederhändler; Paul Singer, Fabrikant; L. Viereck, Journalist. Nicht wiedergewählt wurde 1; Rittinghausen. Frankfurteriana. Wir haben ein Unrecht wieder gut zu machen. In unserer vorigen Nummer stellten wir der„Frankfurter Zeitung" das Zeugniß aus, daß sie nach der Niederlage ihres Sonnemann mit leidlichem Anstände resignirt habe und„auch jetzt der Situation angemessener schreibe." Das war sehr voreilig von uns, und wir sind heute in die unangenehme Lage versetzt, uns dementiren, jenes Zeugniß in aller Form zurück« nehmen zu müssen. Die„Frankfurter Zeitung" nimmt nach wie wie vor unserer Partei gegenüber eine Haltung ein, die weder anständig, noch der politischen Situation angemessen, sondern nicht nur kleinlich und gehässig, sondern auch höchst reaktionär ist. Als das Organ des Herrn Sonnemann ob der Thatsache, daß unser Kandidat in der bisherigen Domäne der Volkspartei, in Frankfurt am Main, mehr Stimmen erhalten hatte als Ersterer, alle Fassung verlor und in würdeloser Weise an die Solidarität der reaktionären Masse appellirte, da konnte man das allenfalls noch durch die Hitze des Kampfes, durch die Situation, entschuldigen. Uns kois n'sst pas voutums— eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wir sind uns zwar der freundschaftlichen Gesinnung, welche man in Frankfurt a./M., oder richtiger: in der E s ch e n h e i m e r g a s s e, gegen unsere Partei hegt, vollkommen bewußt und sind weit entfernt, Liebe und Freundlich- keit von dieser Seite her zu erwarten; was wir aber von einem Organ erwarten zu dürfen meinen, welches vorgibt, der Sache der Demokratie zu dienen, und welches von Leuten redigirt wird, die keine politischen Neulinge sind, ist, daß es, wenn nicht aus eigenem Anstandsgefühl, so wenigstens aus politischer Klugheit, nicht eine Partei fort- gesetzt beleidigt, die unter den schwierigsten Umständen und auf Kosten ihrer eigenen Aktionssreiheit die Fahne der politischen Freiheit hochge- halten hat, was der Sozialdemokratte selbst Herr Dr. Stern nicht abstreiten kann. Wohlgemerkt, wir beschweren uns nicht über Angriffe von Seiten der„Frankfurter Zeitung". Uns anzugreifen, ist ein Recht, welches wir ihr zu allerletzt bestreiten werden. Was wir ihr aber nicht ungestraft hingehen lassen werden, das ist die verlogene Art und Weise, mit der sie uns fortgesetzt verdächtigt, das ist die höchst ur.demokratische Taktik, welche sie gegen unsere Partei neuerdings einschlägt und zu propagiren sucht. Kein Zweifel, daß die Bismärcker bei der diesmaligen Wahl einen höchst schmutzigen Arbeiterfang zu inszeniren versuchten. Im ersten Wahl- gang versuchten sie, uns die Stimmen der Arbeiter durch demagogische Versprechungen wegzuködern, und als ihnen das nicht gelungen war, versuchten sie bei den Stichwahlen, uns selbst gegen die bürgerlichen Oppositionsparteien auszuspielen. Wir haben keinen Augenblick unter- lassen, diese Manöver als das zu kennzeichnen, was sie sind. Wir haben vom ersten Augenblick an, da wir merkten, daß solche Absicht bestand, die Arbeiter vor derselben gewarnt.....«e gg Was aber that die„Frankfurter Zeitung"? Sie begnügte sich nicht damit, die Demagogie der Regierungsorgane zu kennzeichnen. Wo sie nur konnte, suchte sie die Sache als ein Bünd- niß zwischen uns und den Bismärckern hinzustellen. Wo nur unsere Partei bei den Stichwahlen erfolgreich war, da ward sofort jene alberne Rechnung aufgestellt, die darauf beruht, daß wir schon bei der ersten Wahl unsere Anhänger bis aus den letzten Man» zur Urne bringen, daß also der Zuwachs aus den Reihen der anderen Parteien kommen m u ß. Konnte man den Sieg unserer Partei nicht ungeschehen machen, so ward er auf diese Art wenigstens oerkleiner t Jndeß, das war nur lächerlich. Aller Unbill ungeachtet, welche unsere Genossen von Seiten der Volks- parteiler schon erfahren, haben dieselben in verschiedenen Wahlkreisen bei den Stichwahlen nicht nur selbst für die Kandidaten dieser Partei gestimmt, sondern auch die Wähler aufgefordert, für dieselben zu stim- men— im Interesse der gemeinsamen politischen Forderungen. Ohne die Hilfe unserer Genossen wären weder Schott in Stutt- gart, noch Härle in Heilbronn, noch Lenzmann in Dort- m u n d durchgedrungen. Wir verlangen keinen Dank dafür, eine solche Geschmacklosigkeit liegt uns fern, aber zur Charakteristik der Frankfurterin sei hiermit konstatirt, daß sie in ihren redaktionellen Wahlbülletins diese Thatsachen konsequent todtschwieg. Sie, die jeden Liebesdienst, den ihr das Zentrum erwies, sorgfältig registrirte! Das war unanständig! In Kassel stand unser Kandidat Pfannkuch mit einem Reaktionär Stöcker'scher Observanz, in D a r m st a d t Müller mit einem„Heidel- berger" schlimmster Sorte, in Hanau Frohme gegen einen konserva- tiven Agrarier zur Stichwahl; war es der„Franksurter Zeitung" mit ihrem Kampf gegen diese Richtungen ernst, so mußte sie ihre Anhänger auffordern, für unsere Kandidaten einzutreten. Natürlich that sie nichts dergleichen. Aus Braunschweig, wo Bios gleichfalls gegen einen„Heidel- berger" schofelster Kouleur, einen gewissen Ku le m a n n, in Stichwahl war, brachte sie eine Korrespondenz, in welcher der Einsender die Aufforde- rung der Teutsch-Freisinnigen, unter keinen Umständen für Bios zu stimmen, sondern sich zu überlegen, ob sie Kulemann wählen oder sich der Stiinme enthalten wollen,— dahin e nt schuldigt, es wäre denselben angesichts der„unqualisizirbaren Beschimpfungen" un- niöglich, direkt für K u l e m a n zu agitiren. Keine Bemerkung der Re- .daktion, daß es Pflicht jedes Demokraten sei, unter solchen Umständen für Bios zu stimmen. Das waren freilich nur Unterlassungssünden, aber absichtliche, wie wir gleich sehen werden. In Hannover stand Genosse Meister dem Welsen Brüel gegenüber. Brüel ist politisch oppositionell, wirthschaftlich und in kirchlichen Dingen ein Stockreaktionär. Bei der Stichwahl siegte Meister, die Frankfurterin schrieb nach den Grundsätzen ihrer politischen Buchführung den ganzen Stimmenzuwachs Meistert auf Konto der Nationalliberalen und Kon- servativen und reklamirte die Stimmen ihrer fortschrittlichen Freunde für den Pietisten Brüel. Man glaubt, was man wünscht. Ganz unzweideutig aber offenbarte das Sprachrohr des Herrn Sonnemann seine Gesinnung durch seine Stellung im dritten Hamburger Wahlkreise, wo unser Genosse H e i n z e l gegen den vielberühmten Koloniengründer W ö r m a n n in Stichwahl stand. W ö r m a n n war von den Bismärckern in Hamburg in diesem Wahl- kreis aufgestellt worden, um den bisherigen Vertreter desselben, den Dr. R ä e, zu verdrängen. Das künstlich genährte Kolonialfieber sollte auf diese Weise fruktifizirt werden. In seinen Wahlreden hatte sich Wörmann als politisch durchaus gesinnungslos charakterisirt, die Wahlflugblätter seiner Partei bestanden fast nur aus groben Schimpfe- reien auf die politischen Grundsätze des Dr. Ree. Das Manöver gelang zunächst insofern, als bei der Hauptwahl Herr Wörmann einige hundert Stimmen mehr erhielt als Ree und infolgedessen mit Heinzel in Stichwahl kam. War es den Hamburger Fortschrittlern ernst mit ihrem politischen Programm, so mußten sie jetzt in der Stichwahl entweder für Heinzel stimmen oder mindestens strenge Neutralität verkünden. Dazu hatten sie umsomehr Veranlassung, als bei der Wahl von 1881 Rse nur Dank der Hilfe unserer Genossen über seinen nationalliberalen Gegner gesiegt hatte. Das fortschrittliche Wahlkomite hatte unter diesen Umständen nicht den Muth, allen Geboten der Ehre und Pflicht offen in's Gesicht zu schlagen, es zog sich durch den Beschluß aus der Affäre, bei der Stich- wähl keine Stellung zu nehmen, sondern dies dem Ermessen der Parteigenossen zu überlassen. Dieser Beschluß war aber nur der Deck- mantel für die erbärmlichste Gesiimungsluinperei. Kaum war er gesaßt, so eröffnete die fortschrittliche„Reform" den Feldzug für Wörmann, erklärte es als Pflicht des Freisinns, den bürgerlichen Kandidaten Wörmann nach besten Kräften zu unterstützen. Und so ward denn auch Heinzel trotz der bewunderungswürdigen Anstrengungen unserer Hamburger Genossen geschlagen. Sie brachten es zwar von 10,921 aus 14,«24 Stimme», Wörmann dagegen erhielt IS, 41 7 Stimmen. Am 28. Oktober hatten Ree und Wörmann zusammen 14,900 Stimmen gehabt. Dieser Sieg des nacktesten Bourgeoisinteresses wurde von der„Frank- furter Zeitung" mit folgendem Jubelhymnus begrüßt: Feuilleton. Aus einer kommunistischen Kolonie. Ueber die in Amerika noch hier und da befindlichen Kommunistischen Kolonien ist schon sehr viel geschrieben worden, aber meist auf Berichte von Nicht soziallsten hin. Es wird unsere Leser daher sicher interessiren, einmal eine Schilderung einer solchen Kolonie aus dem Munde eines überzeugten Sozialisten zu vernehnien. Sind wir uns auch über die wissenschaftliche Unzulänglichkeit solcher Versuche, den Kommunismus hinter dem Rücken der heutigen Gesellschaft durchzuführen, durchaus klar, wissen wir auch, daß sie eben nur solange gedeihen können, als sie jede Berührung m>t der Außenwelt möglichst vermeiden, so brauchen wir deshalb noch nicht ohne Weiteres den Stab über sie zu brechen, vlelmehr erheischen es Pflicht und Interesse, auch der guten Seiten dieser Kolonien uns bewußt zu werden und den Auunenmärchen entgegenzutreten, die über sie im Schwünge sind. Genosse August Keitel, Berliner Ausgewiesener, hat der im Staate Ohio befindlichen Kolonie Z o a r einen Besuch abgestattet, und über diesen Besuch am 19. Oktooer in der Mitgliedschaft Cleveland einen sehr interessanten Vortrag gehalten. Stach einem der„New Porker Volkszeitung" eingesandten Referate sagte er ungefähr Folgendes: „Meine Freunde! Der Ausspruch: Unser Pastor Hat'S gesagt, oder: Es steht>n der Bibel, war früher genügen», um irgend etwas zu be- weisen und für wahr zu erachten, während heutzutage die Massen des Volles Alles für wahr anerkennen, was ihnen schwarz auf weiß durch die Presse aufgetischt wird. Wie viele Unwahrheiten aber durch diese in's Volk getragen werden, ist mir noch nie klarer gewesen, als seit meinein Besuch in Z o a r. Ueber die e kommunistische Kolonie haben sich sehr viele Vorurtheile gebildet. So wird fälschlich behauptet, man ißt dort aus einer Krippe, trägt egale Kleider, treivt Weibergemeinschast und wer weiß, was»och Alles mehr. Die kommunistische Kolonie Zoar, im Jahre 1817 von Schwaben gegründet, liegt 80 englische Meilen südlich von Cleveland am Tucara- was River. Ihre Besitzungen unifassen 8000 Acker und gehören zu den fruchtbarsten der Gegend. Die Kommune zählt 300 Köpfe. Der aufmerksame Beobachter, welcher sich kurze Zeit unter diesen von der übrigen Gesellschaft abgeschlossenen Kommunisten aushält, fühlt sich durch den Umgang mit denselben wohlthuend berührt. Die Kinder find wohl erzogen, junge Leute nicht so roh und unsläthig, so daß man Fluchen und rohe Reben nicht zu hören bekommt. Sie sind höflich, besch iden und gebildet. Es gibt dort zwei Schulen. Eine für die kleinen Kinder und eine für die reifere Jugend, welch' letztere von den Kindern bis zum 17. Lebensjahre besucht werden kann. Die reiferen Männer, denen die Pflicht der Arbeit obliegt, sind heiter und munter, denn Sorgen und Kuinmer kennen sie nicht. Am auffallendsten fällt der Unterschied in Betreff der allen, nicht mehr arbeitsfähigen Leute in dieser Kommune und außerhalb derselben Gesellschast auf. Während denselben hier, falls sie nicht schon früher dahinsiechen, größtentheils ein trauriges Loos bevorsteht,.stiehl man die Greise dieser Kömmune frohen Riuthes und in guter Stimmung. Sie leben, trotzdem sie nicht mehr zu arbeiten nölhig haben, geradeso gut wie die übrigen, denn sie haben ja ein Recht auf's Leben, da sie in ihren jungen Jahren ihre Pflicht erfüllt haben. Di- Frauen fühlen sich auch ganz wohl. Ihnen ist dort ihre gleich- berechtigte Stellung zugewiesen. Sie besorgen den Hausstand und benützen dritten Hamburger Sitz diesen Gewmn wesentlich „Die Nationalliberalen haben den für Herrn Wörmann gewonnen. Sie danken dem Fortschritt oder richtiger dem Bürgersinn der Hamburger, der sich dagegen ausbäumte, Hamburgs gesammte Vertretung in den Händen der Sozialdemokratie zu sehen, und über Parteiverbitterung und persön- liche Voreingenommenheit den Sieg davontrug. Die namhaftesten Führer des Fortschritts waren in letzter Stunde mit aller Entschiedenheit für Wörmann eingetreten, nicht für den nationalliberalen Politiker, sondern für den mit den Verhältnissen Hamburgs verwach- wachsenen Bürger, den Rheder und Großkaufmann. Das werden die Nationalliberalen, wenn sie ehrlich sein wollen, zur Beschämung ihrer Parteigenossen im Reiche eingestehen und aner- kennen müssen." Der Rheder und Großkaufmann— da liegt der Hund begraben! Heinzel ist ja nur ein simpler Schneidermeister, er kennt zwar die Leiden und Bedürfnisse der A r b e i t e r, er weiß, wo den Hand- w e r k e r der Schuh drückt, aber was will das sagen gegenüber dem Rheder und Großkaufmann! Die armen Rheder brauchen vor allen Dingen eine Vertretung im Reichstag. Wie hoch stehen die Hamburger Fortschrittler gegenüber den Franksurter Nationallibcralen, die sich nicht entschließen konnten, für den Großkaufmann Sonnemann gegen den Lehrer Sabor zu stimmen! Aber wie ist uns denn? Auch Herr Dr. Räe ist ja Lehrer. Wie nun, wenn Ree und Wörmann in die Stichwahl gekommen wären? Nach der„Frankfurter Zeitung" hätten die Hamburger Wähler ihren Bürger sinn am schönsten dadurch bekundet, wenn sie für„den mit den Verhältnissen Hamburgs verwachsenen Bürger, den Rheder und Groß- kaufmann", gestimmt hätten. Ihr Jubel über den Sieg Wörmann's ist die Verurtheilung der Kandidatur— Ree. Weniger staatsmännisch gebildete Menschenkinder meinen, daß ein politisch gesinnungsloser Mann, wie der Liebling der„Franks. Zeitung", in die Handelskammer oder hinter den Bundesrathstisch gehört, als Regierungskommissär, aber nicht auf die Bänke der Volksvertretung. Die Konsequenz der Sachverständigen-Theorie, wie sie die Frankfur- terin hier plötzlich auftischt, heißt Volkswirthschaftsrath. Und warum dieser unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen Deutschlands nur eine willenlose Regierungsmaschine sein kann, braucht nicht erst noch bewiesen zu werden. Wie sehr der Appell an die„Solidarität des Bürgerthums" gegenüber der aufstrebenden Arbeiterklasse der Reaktion zugutekommt, dafür liefert Sachsen das sprechendste Beispiel; die„Partei der Ordnung" muß an die bornirte Denkweise des zurückgebliebenen Pfahlbürgerthums appelliren, wenn sie Erfolge erzielen will. Darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen. Ein Appell an die„Solidarität des Bürger- thums" ist V e r r a t h an der Sache des Fortschritts, an der Demo- kratie. Wir wollen hier nicht in die Frage eintreten, inwieweit die bürgerliche Demokratie in Deutschland überhaupt heute noch Existenzberechtigung hat. Soviel aber ist klar: wenn sie sich mit der Thatsache, daß hinter ihr die proletarische Demokratie kämpft, nicht abfinden kann, wenn sie ihr Antlitz nicht wider die reaktionären Elemente in Staat und Gesellschast, sondern wider die aufstrebende Arbeiterpartei kehrt, dann unterschreibt sie ihr eigenes Todesurtheil. Und das hat die„Franksurter Zeitung" gethan. Sie hat den B o u r- geoisstandpunkt in einer Weise hervorgekehrt, wie schlinimer kein nationalliberales Blatt. Sie hat uns gezeigt, wessen wir uns in ernsterer Situation von ihr zu versehen haben. Dies zu konstatiren, war der Zweck dieses Artikels. Wir wollen ihn jedoch nicht schließen, ohne gezeigt zu haben, wie andere, nicht von der Staatsmannssucht erfaßte Organe der bürgerlichenDemokratie das jammervolle Verhalten der Hamburger Fortschrittler beurtheilen. In der fortschrittlichen„Berliner Volkszeitung" vom 1«. November lesen wir: „Daß der Vorstand der freisinnigen Partei bei der Affäre eine sehr unglückliche, wenn nicht selbstmörderische Rolle gespielt hat, ist unleugbar." ...„Die Eroberung auch des dritten Hamburger Wahlkreises durch die Sozialdemokratie ist nur eine Frage der Zeit, seitdem es feststeht, daß durch die schwächliche Haltung des Freisinns beim Sozia- listeng esetz und hier am Ort alle entschiedeneren Bürgerlichen in die Reihen der Sozialdemokratie getrieben sind."... Alle Entschiedenen zur Sozialdemokratie, die Schwächlichen zur Reaktion; die Letzteren, gestützt auf das gute Beispiel der demokratischen „Frankfurter Zeitung". die übrige Zeit, um der Erziehung der Kinder obzuliegen. Allerdings gibt es dort keine Paläste, aber Hütten, durch die der Wind pfeift, auch nicht. Der Viehstall in Zoar, welcher die schönsten Pferde und das beste Rind in Ohio beherbergen soll, ist entschieden besser und gesünder gebaut, als tausende von Arbeiterwohnungen anderwärts. Die Kunst wird dort auch gepflegt. Es besaht dort eine Musikkapelle, deren Mitglieder sich in ihren Mußestunden«» dieser Kunst ausbilden. Außerdem wird die Kunstgärtnerei dort betrieben, und haben sie eine wundervolle Gärtnerei. Als ich in Zoar ankam, blühte gerade an dem Abend die„Königin der Nacht", eine der seltensten und edelsten Blumen. Dieses Schauspiel wurde von Alt und Jung in Augenschein genommen, und der greise Gärtner gab über diese Blume eine ausführliche Erklärung. Alle Anwesenden lauschten dieser Belehrung mit Verständniß, und nach derselben begab sich Jeder frohen Muthes nach seiner Wohnung. Dieser Vorfall hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Einen intelligenten jungen Mann fragte ich, ob man kein Gefängniß habe. Er antwortete, daß dergleichen hier nicht nothwendig sei. Diebstahl, Raubmord, Betrügereien, Brandstiftung u. s. w. kenne man nicht. N i e- mand habe Ursache, irgendeines dieser Verbrechen zu begehen, denn wenn Jemand einem Anderen Schaden zufügt, hat er selbst darunter zu leiden. Sie haben eine Kirche in Zoar, und der Aelteste hält allsonntäglich eine religiöse Vorlesung, doch ist die Religion zwanglos. Die Nahrungsstoffe sind unversälscht. Es hat Niemand ein Interesse daran, solche zu verfälschen, weil er sich nicht dadurch bereichern kann. Im Allgemeinen bietet die Kommune ein Bild der Zufriedenheit. Stellen wir diesem Bild ein Bild aus der bürgerlichen Gesellschast gegen- über. Wie anders sieht es da aus! Da liegen im Hockingthale 10,000 Kohlengräber auf offenem Felde am Hungertuche nagend, in Fall River sind 10,000 Wollenweber auf's Pflaster geworfen und mit Weib und Kind dem Elend preisgegeben. Allerwärts herrscht Roth unter den Ar- beitern. Bedenken Sie dieses Elend, und machen Sie einen Vergleich mit Zoar. Bei uns ist Todtschlag, Raub, Diebstahl, Betrug, Hungertyphus, Zerstörung von Eigenthum und alle die häßlichen Geschwüre, welche unserem gesellschaftlichen Systems anhängen, an der Tagesordnung. Wie sieht's mit unserer Jugend aus? Roh, verwahrlost und verkommen wächst sie auf, und was läßt sich für die Zukunft von derselben erwarten? Frauen müssen in die Fabrik, und oft müssen sie mit den Kindern, die in die Schule gehörten, den vergeblich nach Arbeit suchenden Mann und Vater ernähren. Welches Recht hat solch' eine Gesellschast, die Kom- mune Zoar zu verlästern? Bergleichen wir diese zwei Bilder genau und untersuchen wir, was die Ursache ist, daß zwischen denselben ein so himmelweiter Unterschied besteht. Weshalb sind in diesem reichen Amerika Tausende von Menschen existenzlos? Die Republikaner und Demokraten lügen dem Volke ab- wechselnd etwas vor von Schutzzoll und Freihandel oder sonstigen, ganz nebensächlichen Dingen, welche Schuld seien an den sozialen Mißständen. Die Ursache liegt jedoch in der Produktionsweise. Die Produktionsweise der Kommunisten in Zoar ist ähnlich der des von Marx, Lassalle und Anderen wissenschaftlich begründeten Kommunismus. Stach dem 17. Jahre muß jeder arbeitsfähige Mann arbeiten. Die Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau. Außerdem hat man eine Brauerei, Gerberei, Schmiede u. s. w. Lohn gibt es nicht. Jeder erhält, was er zum Leben bedarf. Durch diese Produktionsweise wird Einigkeit geschaffen. Es herrscht dort keine Konkurrenz wie bei uns. Die Konkurrenz erzeugt Haß. Der stetige Kampf des Menschen mit dem Menschen bedingt Feindschaft. Wie schön dagegen ist das Bild von Zoar. Dort ist Jeder bestrebt, der Gemeinschaft zu dienen. Ein junger Mann sagte zu inir:„Ihr Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 20. November 1884. — Die Sozialisten des Auslandes über die deut- schen Wahlsiege.„I-�on socialiste", das Organ der Sozialisten Lyons, begrüßte das Wahlresultat vom 28. Oktober mit nachfolgendem Artikel: Die Lyoner Arbeiterpartei an die deutschen Arbeiter. „Dank Eurer Einigkeit und Eurer Energie hat das sozialistische Pro- letariat soeben einen glänzenden Sieg in Deutschland errungen. Die Arbeiterpartei des Bezirkes Lyon(Sektion der französischen Arbeiterpartei Roanner Programms) benutzt mit Freuden die Gelegen- heit, ihrer Solidarität, die sie mit Euch eint, Ausdruck zu geben. Die Macht der Monarchen und Bourgeoisregierungen beruht zum großen Theile auf dem Hasse der Völker wider einander. Indem sie die Völker gegen einander in's Feld führen, Haß unter sie säen, hoffen sie, den sozialistischen Bestrebungen im Proletariat Abbruch zu thun und die Lösung der sozialen Frage hinauszuschieben, der einzigen Frage, welche die Arbeiter kümmert. So sucht man in Frankreich längst vergessenen Haß wieder aufzu- wärmen, unter dem Deckmantel der Vaterlandsliebe die, welche jenseits der Grenzen wohnen, als Feinde hinzustellen. Diese Bemühungen sind vergeblich, denn für uns kann das Vaterland nicht durch den Willen eines Despoten bestimmt werden. Weder Berge noch Flüsse bezeichnen die Grenzen unseres Vaterlandes; es ist überall da, wo es Leidende, Ausgebeutete, Enterbte gibt, überall da, wo es ein Volk gibt. Die Mensch- heit ist unser Vaterland. Nicht der Deutsche, noch der Engländer, noch der Italiener, der Araber oder der Chinese ist unser Feind. Unser Feind ist derselbe wie der Eure, es ist der Feind aller Völker: der Tyrann, der Despot, der Kapitalist. Alle Diejenigen, welche, sei es unter welcher Form immer, die Völker in Knechtschaft und Elend halten, voin Zaren aller Reussen bis zu söge- nannten französischen Republik. Dies ist auch der Feind, gegen den Ihr in diesen Tagen so tapfer gekämpft habt. Empfanget dazu, deutsche Arbeiterbrüder, unsere leb- Hastesten Glückwünsche; von Herzen wünschen wir, daß die Stichwahlen Euren Ersolg noch großartiger gestalten, Eure Bemühungen voll und ganz belohnen mögen, bis der Tag kommt, da das Proletariat aller Länder, von seinen Vorurtheile» befreit, seiner Klasseninteressen sich be, wüßt, sich erheben, die ungerechte Gesellschaftsordnung, die es knechtet stürzen und endlich das Reich der Gerechtigkeit, der wahren Freiheit- errichten wird. Es leben die deutschen Arbeiter! Hoch die soziale Revolution!" ** * Neben vorstehendem Aufruf enthält unser Bruderorgan„Lyon Socia- liste" noch mehrere Artikel und Notizen, welche die Wahlen in Deutsch- land behandeln und die Konsequenzen für die französischen Sozialisten daraus ziehen. Da heißt es z. B.: „Warum hat sich Frankreich in der sozialistischen Entwicklung über- holen lassen? Gestehen wir es ein! Weil wir in Frankreich keine Män- ner der Aktion oder doch nicht der stetigen Aktion sind; weil die meisten von uns es verschmähen, auf die T h a t s a ch e n Rücksicht zu nehmen. Krankhafte Träumer, die wir das Studium verabscheuen, ver- sessene Erfinder, halten wir uns für Revolutionäre, wenn wir chimärische Gesellschaften in unserem Kopf konstruiren. Wir verwechseln die ermü- dende und ziellose Bewegung mit der zielbewußten Aktion, die Erfolge zeitigt." Wer wagt es, angesichts solcher Sprache noch vom Chauvinismus der französischen Sozialisten zu reden! — ms.„Die Sozialdemokratie dient der Reaktion" — das ist das alte tausendmal, namentlich zu Lassalle's Zeiten, herunter- geleierte Lied, das uns in der fortschrittlichen und volksparteilichen Presse jetzt wieder vorgeleiert wird. Daß wir in dieser Wahlkampagne den Herren Fortschrittlern und Volksparteilern sehr übel zugesetzt und damit deren reaktionären Gegnern hier und da eine kleine Freude bereitet haben, das gestehen wir leichten Herzens zu; aber der„Reaktion" wäre durch unsere Fortschritte doch bloß dann genützt, wenn die Fortschrittler und Volksparteiler e r n st h a s t e F e i n d e der„Reaktion" und ihr feind- licher und gefährlicher wären als die Sozialdemokraten. Das aber behaupten, heißt einfach sich lächerlich machen. Daß die Fortschrittler und ihr volksparteilicher Schwanz auf sozialem Gebiet durch und durch reaktionär, nämlich für die Erhallung der Grund- seid freier, aber wir sind glückliche r." Nachdem ich ihm jedoch ein Bild unserer modernen Lohnsklaverei gezeichnet hatte, fand er, daß er auch noch viel freier sei als wir. Allerdings hat diese Kolonie auch ihre Schattenseiten, und die Wissenschaft beweist, daß eine solche Kolonie auf die Dauer nicht bestehen kann. Viele der jungen Leute dieser Kommune werden von dem äußeren Schein der übrigen Gesellschast bestochen und wollen reisen. Kleine Reisen sind ihnen, allerdings mit beschränkten Mitteln, auch erlaubt. Der Ver- kehr mit der übrigen Welt und der blendende äußere Schein erweckt den Wunsch, auch so austreten zu können wie manche Andere. Deshalb ver- legen sich die jungen Leute in Zoar jetzt bereits auf die Spekulation und suchen Slkittel und Wege zu finden, wie sie für sich etwas nebenbei verdienen. Diese Spekulation ist das erste Gift, welches in die Kom- mune eingeführt ist und schließlich den Ruin derselben zur Folge haben wird. Einzelne junge Leute treten auch aus, aber fast ausschließlich kehren diese, gewöhnlich heruntergekommen und enttäuscht, zurück und sind dann die zufriedensten Kommunisten. Auch nach anderer Seite hin steht der Entwicklung einer solchen Kom- mune ein Hinderniß entgegen. Wie geschlechtliche Kreuzung der verschie- denen Gattungen bei Pflanzen und Thieren Veredelung erzeugte, so ist dies bei Menschen nicht minder nothwendig. Da nun die Ehen dieser Kolonisten größtentheils untereinander abgeschlossen werden, so kann dies ebenfalls aus die Stachkonlmen keinen guten Einfluß ausüben. Wie ganz anders würde es sein, wenn das kommunistische Produk- tionssystein im Allgeineinen eingeführt würde. Alle Mißstände, welche sich bei kleinen Kolonien nicht abwenden lassen, mühten verschwinden. Alle Arbeiter haben daher ein Interesse daran, der Abschaffung unseres heutigen und der Errichtung eines kommunistischen Systems die Wege zu ebnen. Nur durch den Arbeiter ist die Umgestaltung zu bemerk- stelligen. Marx sagt:„Die Befreiung des Arbeiters muß das Werk der Arbeiterklasse sein."— ♦**' Soweit Genosse Keitel. Was uns in seinem Bericht am bemerkenswerthesten erscheint, ist die Aeußerung des Kommunisten von Zoar, daß man in der kommunistischen Kolonie jedenfalls glücklicher, im Grunde aber auch freier lebe als draußen, in der„freien" Gesellschaft. In der That, diese bürger- liche Freiheit besteht für neun Zehntel der Bevölkerung nur in der Einbildung. Es ist deshalb so überaus lächerlich, wenn die Vertheidiger der Heuligen Gesellschaft behaupten, der Kommunismus vernichte die „persönliche Freiheit". Umgekehrt, der Kommunismus, wie wir ihn er- streben und wie er als Prodult der modernen Entwicklung überhaupt nur möglich ist, dieser Kommunismus wird erst die persönliche Freiheit h e r st e l l e n. In der That, in dem Maße, als die Menschheit die Herr- schast des Zufalls aufhebt, und das vermag am besten die kommu- nistische Gesellschaft, umsomehr hört auch der Zwang der Verhält- Nisse*) aus, der heute für neun Zehntel der Gesellschaft die Freiheit zu emer erbärmlichen Lüge macht. Das wollen aber die Bourgeois von heute ebensowenig begreifen wie die A n a r ch i st e n. *)„Aber Zusall, das ist nur der eine Pol eines Zusammenhanges, dessen anderer Pol Nothwendigkett heißt." Fr. Engels, Der Ursprung der Familie k., S. 141. 1' . toüen unserer erbärmlichen Gesellschaftsordnung oder richtiger- Unord- ?ung sind, das wird selbst von Herrn Sonnemann nicht mehr be- Kitten werden können, seit er sich im letzten Wahlkampfe mit dem Gizen dünkelhaften Pathos des geschwollenen Geldprotzen dem Kandi- en der Sozialdemokratie gegenüber als Vertreter des von der Umsturz- kwtei bedrohten Bürgerthums aufgespielt hat. Und wie steht es erst auf politischem Gebiet? Ist nicht gerade -urch die Fortschrittspartei die heutige„Reaktion" erst mög- ;l$ geworden? Hat die Fortschrittspartei nicht 1866, nachdem sie jähre- �ng den reaktionären Krautjunker Bismarck des Verfassungsbruchs an- tlMagt, ihm„das Kainszeichen des Eidbruches" auf die Stirne gebrannt Mte, in ihrer partikularistisch preußischen Großmannssucht den Siegen „Bruderkrieg" zugejubelt, und hintennach nicht blos für den„Bruder- . �kg", sondern auch für den„Verfassungsbruch" und„Eidbruch" In- i'Wmität(Verzeihung und Billigung) ertheilt? „ Und waren es nicht etwa diese Siege im„Bruderkrieg", durch welche Bismarck erst in den Sattel kam und in die Möglichkeit versetzt wurde, °>e seinem reaktionären krautjunkerlichen Wesen entsprechende reaktionäre innere Politik durchzuführen? Die Bismarck'sche„Reaktion" ist im wahrsten Sinne des Wortes von Kr Fortschrittspartei großgezogen worden. Dem„Bruderkrieg" von 1866 folgte mit Nawrnothwendigkeit der »heilige Krieg" von 1870/71, der, unter dem frenetischen Jubel der Fortschrittspartei, das Gebäude der Bismarck'sche» Politik krönte und kr krautjunkerlichen„Reaktion" auf Jahre hinaus„carlo blanche"(unkschränkte Vollmacht) gab. | Als 1870 dies« Folge des„heiligen Krieges" von unseren Vertretern krausgesagt ward, ertönte von sämmtlichen Bänken des Reichstags dieherndes Gelächter, und wohl das lauteste von den Bänken der Fort- chritlspartei. Das damals von dem sozialdemokratischen Redner Vorausgesagte ist Kf s Wort eingetroffen, und was haben die Fortschrittler gethan? »aben sie ihr Unrecht und ihre Verblendung eingesehen und die began- Knen Sünden wieder gutzumachen versucht'< Mit Nichten! ! Wohl haben sie in unzähligen Reden gegen die„Reaktion" gedonnert jätd auf die Bismarck'sche Wirthschaft losgeschlagen, allein es waren »orte, Worte, Worte. Vor T h a t e n hatten und haben die Fortschrittler o>Ne gewaltige Scheu, sie t h a t e n nichts, und bewilligten sogar dem kaktwnären Krautjunker Bismarck mit tadelloser Pünktlichkeit alle Jahre Kn Staatshaushalts-Etat, das ist: die Mittel zur.Durchführung der kr„Reaktion". In einer Anwandlung von Kourage proklamirte das Haupt der Fort- Ichrittspartei, der große Mundheld Eugen Richter, einmal das: --Fort mit Bismarck!"; sobald ihn aber Bismarck deshalb zur Aede stellte, verlegte der tapfere Eugen, wie ein vom Lehrer auf irgend kner Unart ertappter Schuljunge, sich auf's Leugnen— er wollte nie l kwas Aehnliches gesagt haben(obgleich er es vor versammeltem Reichs- Kg gesagt und hernach in seinem Blatt zum Ueberfluß noch g e s ch r i e- 'e» hat) und flüchtete sich in die famose Zweiseelentheorie, - lach welcher Bismarck nur auf dem Gebiete der inneren Politik ein i»Reaktionär" ist, aus dem Gebiete der äußeren Politik dagegen der größte aller Staatsmänner, die je gelebt haben und noch leben werden, I Und ein Mann ganz nach dem Herzen der Fortschrittspartei. I Während man also die„reaktionäre" innere Politik Bismarck's auf's I Heftigste angreist, erhebt man seine äußere Politik in die Wolken und ) thut das Möglichste, ihm das Ansehen zu verleihen, dessen er zur Durch- j führung seiner„reaktionären" innern Politik bedarf! > Und wenn ein paar Dutzend dieser fortschrittlichen Weichthiere und �»nfusionsräthe im Wahlkampfe erlegen sind, soll das ein Nutzen sein flir die„Reaktion"! Kindisches Gefasel. Von der tausendfachen Verleugnung der demokratischen Prinzipien durch die Fortschrittspartei, von dem Votum der„28" zu Gunsten des Sozia- listengesetzes.und anderen ähnlichen Verräthereien wollen wir hier gar Nicht reden. Genug, daß wir in kurzen Umrissen gezeigt habe», wie diese Fortschrittler es gerade sind, welchen Bismarck seine reaktionären Erfolge .»der Erfolge in der Reaktion verdankt. Von der Volkspartei brauchen wir gar nicht zu reden. Ist— oder war(fuinrn» Troes I)— sie doch stets blos ein Anhängsel der Fort- Ichrittspartei, trotz der kleinlichen Zänkereien zwischen Sonnemann und Richter— Zänkereien, die rein persönlichen Ursprungs waren und mit Prinzipiensragen absolut nichts zu schaffen hatten. Freut Bismarck sich über die Niederlage der Fortschrittler— je nun, das ist seine Sache; die Zeit wird kommen, wo er sie eben so gern wieder zur Macht bringen wird, wie jetzt die vor 6 Jahren„an die Wand gedrückten" Nationalliberalen. , Für die freiheitliche Cntwickelung der Dinge ist es ein wahres ! Glück, daß die Fortschrittspartei mit ihrem volksparteilichen Anhängsel in die Pfanne gehauen worden ist. Sie hat der Sozialdemokratie nur de» Weg versperrt, und die Sozialdemokratie ist die einzig« Partei, welche das Zeug hat, mit der„Reaktion" fertig zu werden. »Mag es uns auch"— rief Liebknecht vor der Frankfurter Stichwahl in der Riesenversammlung des Saalbaues Herrn Sonnemann und dessen Freunden zu—„mag es uns auch unter den obwaltenden Verhältnissen in mancher Beziehung lieber sein, einem Konservativen oder Nationallibe- ialen iin Kampfe gegenüberzustehen als einem bürgerlichen Deinokraten, 1» ist es doch eine Nothwendigkeit, daß die bürgerliche Demo- i r a t i e, welche die Konsequenzen des demokratischen Prinzips nicht Ziehen will oder kann, von der konsequenten Demokratie: der Sozialdemokratie verdrängt wird, welche aus wirth- Ichastlichem wie politischem Gebiet die Konsequenzen des demokratischen Prinzips zieht. Nur die Sozialdemokratie ist im Stande, der Reaktion wirklich und gründlich zu steuern. Damit sie dies kann, müssen aber die Ntittelparteien verschwinden, die zwischen uns und den Feinden des Volkes stehen und uns verhindern, ihnen auf den Leib ZU rücke». Was Fortschrittspartei und Volkspartei nicht vermocht haben, die Sozialdemokratie wird es erreichen: die Herrschaft des demokratischen Prinzips. Weg niit den Alittelpar- Parteien! Das ist der Wahrspruch, den das deutsche Volk am 28. Dktobee abgegeben hat. Möge Frankfurt ihn beherzigen!" Frankfurt hat ihn beherzigt. Und daß die Sozialdemokratie an die Stelle der Fortschrittspartei Und bürgerlichen Zwitterdemokratie rückt, das bedeutet das T o d t e n- geläute der Reaktion! — Zur Grund- und Bodenfrage. Die Zeitungen veröffent- lichen jetzt die Ergebnisse der am S. Juni 1882, gleichzeitig mit der Be- russzählung, ausgenommenen landwirthschaftlichen Berufs- st a t i st i k. Dieselben sind noch mehr als für die übrigen Parteien für Uns von Interesse. Lassen wir zunächst die Zahlen über die Vertheilung des Grundbesitzes folgen. „Deutschland hatte nach der Ausnahme vom S. Juni 1882 im Ganzen 5,276,344 landwirthschastliche Betriebe, welche zusammen eine Fläche von 40,178,681 Hektaren bearbeiten, worunter 31, 868, 972Ha. Acker- und Gartenland, Wiese, kultivirte Weide, Obstgarten und Weinberge, sowie 4,951,975 Ha. Holzland. Unter diesen 5,276,344 landwirthschast- lichen Betrieben befinden sich 2,323,316 Einzelwirthschaften(44.03 Pro- zent der G e s a m m t z a h l) mit einer Flächengröße unter einem Hektar, und 4,043,238 Einzelwirthschaften(7 6.6 2 Prozent der G e s a in m t z a h l) mit einer Flächengröße unter fünf Hektar, d. h. nicht einmal 20 preußische Morgen. Aus diese Betriebe unter fünf Hektar Flächengröße kommt durchschnittlich nur eine Flächengröße von 1.48 Ha., also kaum 5.8 preußische Morgen. Die Zahl der Betriebe zwischen 5 und 10 Ha. Flächengröße beträgt 554,174, d.h. 10,5 Prozent der Gesammtzahl, dann folgen 372,431 Betriebe oder 7,06 Prozent der Gesammtzahl mit einer Flächengröhe zwischen 10 und 20 Ha., weiter 239,887 Betriebe oder 4,5 Prozent der Gesammtzahl mit einer Flächengröße zwischen 20 und 50 Ha., ferner 4l,623 Betriebe oder 0,8 Prozent der Gesammtzahl mit einer Flächengröße zwischen 50 und l 00 Ha. Sodann sind noch zu verzeichnen 11,033 Betriebe oder 0,21 Prozent der Gesammtzahl mit eimr Flächengröße zwischen 100 und 200 Ha., 9,814 Betriede oder 0,18 Prozent der Gesammtzahl mit einer Flächen- größe zwischen 200 und 500 Ha., weiter 3,629 Betriebe oder 0,07 Pro- zent der Gesammtzahl mit einer Flächengröße zwischen 500 und 1000 Ha. und endlich nur 515 Betriebe oder 0,0097 Prozent der Gesammtzahl mit einer Flächengröße von 1000 Ha. und darüber. Rechnen wir alle Betriebe über 50 Ha. Flächengröße zusammen, so ergibt sich nur eine Zahl von 66,614 Einzelwirthschaften oder 1,2 4 Prozent der Ge- s a m m t z a h l. Von Interesse ist ferner die Angabe der Statistik, daß von den selbstständig Landwirthschast treibenden Personen 3,222,270 oder, wenn wir die Zahl der selbstständigen Landwirthe als mit der Zahl der Betriebe übereinstimmend annehmen, 61 Prozents!) außer der Land- wirthschaft noch einen oder mehrere Erwerbsthätigkeiten als Haupt- oder Nebenberuf ausüben. Nicht weniger als 712,663 Landwirthe oder mehr als 13 Prozent der Gesammtzahl treiben ein s e l b st st ä n- diges industrielles, Handels- oder Verkehrsgewerbe ohne Ge- hülfen, 982,436 Landwirthe oder fast 1 9 P r o z e n t der Gesammtzahl treiben nebenher landwirthschastliche oder sonstige Taglöhnerei, und zwar fallen diese Taglöhner fast ausschließlich unter die Betriebe mit weniger als 5 Hektar Flächengröße. Als industrielle Hülfs- a r b e i t e r sind 626,547 selbstständige Landwirthe oder fast 12 Pro- zent der Gesammtzahl beschäftigt, serner treiben 157,306 Landwirthe oder 3 Prozent der Gesammtzahl nebenher Gast- oder Schankwirthschait, 37,085 Landwirthe sind im Fuhrwesen thätig, 52,977 Landwirthe oder 1 Prozent der Gesammtzahl treiben Getreidemüllerei, 8674 Landwirthe ferner sind nebenher Branntweinbrenner. Sehr bemerkenSwerth aber ist, daß von den Branntweinbrennerei treibenden Landwirthe» 5670 oder fast 66 Prozent auf Betriebe über 10 Ha., die meisten auf Betriebe zwischen 20 und 50 Ha., entfallen." Vor allen Dingen sehen wir hier wiederum, welch' kolossaler Prozent- satz der Landbevölkerung seiner Klassenlage nach zum Proletariat gehört, und daß es nur einer planmäßigen Agitation bedarf, um diese Leute für uns zu gewinnen. Die 626,547„selbstständigen Landwirthe", die nebenbei(!) industrielle Hülfsarbeiter sind, die 982,436 Landwirthe, die nebenbei landwirthschastliche oder sonstige T a g l ö h- n e r e i betreiben, können naturgemäß von keiner andern Partei Wahrung ihrer Interessen erwarten, als von der Sozialdemokratie. Das sind bereits 31 Prozent aller sogenannten selbstständigen Landwirthe. Wie viel von den 13 Prozent, die ein selb st ständiges Handels- oder Verkehrsgewerbe betreiben, weiter nichts sind als Hausarbeiter, die ein Stück Land besitzen, ist nicht gesagt;; wenn wir aber lesen, daß 44,03 Prozent der Gesammtzahl aller Landwirthe unter einem Hektar Grundbesitz haben, so beantwortet sich diese Frage von selbst, denn von einem Hektar Grundbesitz kann eine Familie nicht leben. Aber auch die Besitzer von fünf Hektaren und darunter haben kein Interesse an dem heutigen Stand der Dinge: es sind Kleinbauern, die bei einer Aenderung der Produktionsweise nur gewinnen können, so daß wir ge- trost behaupten dürfen: DreiViertel aller selbstständigen Landwirthe müßten, wenn sie ihre Klassenlage be- griffen haben, sich der Sozialdemokratie anschließen. Und sie müssen aufgeklärt, müssen gewonnen werden, wenn unsere Sache siegen soll. Gewiß ist schon Manches in dieser Beziehung ge- schehen, und zweifelsohne haben eine ganze Anzahl von Kleinbauern diesmal sozialistisch gewählt. Aber es muß mehr geschehen, darüber sind wir wohl Alle einig. Dazu ist aber nöthig, daß die Genossen durch die Vermittelung des Zentralorgans sich die Erfahrungen mittheilen, welche sie dei der Agitation auf dem Lande gemacht. Wir werden bei der Wichtigkeit der Sache noch oft auf dieses Thema zurückkommen. Für heute nur noch so viel: Nach der obigen Statistik fallen gegen 99 Prozent aller landwirthschaftlichen Betriebe auf solche unter 50 Hektaren, während nur 1 Pro- zent über 50 Hektaren Land enthalten. Dieses eine Prozent aber repräsentirt insgesammt eine Fläche von 9,6 3 6,249 Hektaren Getreide- land, während die 99 Prozent nur 3,74 7,67 7 Hektaren Getreide- land, also wenig mehr als ein Viertel des ganzen Getreidelandes reprä- sentiren. Diese Zahlen reden eine so deutliche Sprache, daß selbst der schlichteste Landproletarier sie verstehen wird. — Unsere Feinde sind kuriose Leute. Sie haben eine erschreck- liche Angst vor uns, und trotzdem behaupten sie fortwährend, daß wir im„Rückgang" oder gar in der Auflösung begriffen sind. Wir mögen thun und lassen, was wir wollen, es mag geschehen was will— wir sind„im Rückgang",„in der Auflösung". Natürlich jetzt nach unfern Wahlerfolgen erst recht. Die Siege, welche wir erfochten haben und die sich nicht wegleugnen lassen, sind„Pyrrhussiege", an denen wir zu Grunde gehen müssen. Gerade, daß wir unsere Stimmenzahl verdoppelt, in allen Mittelpunkten des politischen Lebens solch' gewaltige Stimmen- massen aufgebracht haben— gerade das ist unser Verderben. Daß es in Deutschland 700,000 Männer über 25 Jahre alt geben kann, welche den sozialdemokratischen Irrlehren und Umsturzbestrebungen huldigen, das ist einfach unmöglich. Die größte Mehrheit dieser 700,000 sind durchaus keine Umstürzler, sie wollen sine friedliche Sozialreform, und, wenn sie statt für die Kandidaten des Bismarck, der ja die Sozialreform will, zu stimmen, für die Kandidaten der Sozialdemokratie, welche die Bismarck'sche Sozialreform nicht will, gestimmt haben, so ist der Grund einfach darin zu suchen, daß in den Arbeiterkreisen noch immer ein ge- wisses Mißtrauen gegen die Reichsregierung obwaltet, das aber unzweifelhaft dato geschwunden sein wird. Den T h a t s a ch e n kann Niemand sich verschließen. Und so werden die Arbeiter sich von der Sozialdemo- kratie abwenden— und dann ist es aus mit der Sozialdemokratie Jetzt schon lassen sich Zeichen der Auflösung entdecken. An verschiedenen Orten beabsichtigen die sozialdemokratischen Wähler bei den Stichwahlen für konservative Kandidaten zu stimmen(natürlich nicht wahr!) u. s. w Kurz— die Sozialdemokratie hat sich zu Tode gesiegt, wenn man' die reaktionären Blätter liest. Nun— wir gönnen unser» Feinden das kindliche Vergnügen, und hoffen, daß wir uns noch recht oft zu Tode siegen mögen. Ein solches Sterben ist schön— das lassen wir uns gern gefallen. — Der erste Gruß, mit dem Bismarck den neuen Reichstag be- ehrte, war ein solider Fußtritt: die Eisenbahnfreikarten sind jetzt derart ausgestellt, daß die Abgeordneten nur noch zwischen ihrem Wohn- ort und Berlin freie Fahrt haben, gewissermaßen Zwangsrouten. Deutlicher kann man einer Körperschaft wohl kaum seine M i ß a ch- t u n g bezeugen, als durch diese Neuerung. Von Sparsamkeitsgründen zu reden wäre abgeschmackt; ,m Reichsetat, wo die Millionen für alle möglichen Zwecke nur so herumfliegen, spielen die zirka 48,000 Mark welche die Freikarten bisher jährlich gekostet, die Rolle einer Lappalie. Wie man aber der einzigen aus Grund des allgemeinen Stimmrechtes erwählten Körperschaft Deutschlands bisher beharrlich die Diäten ver- weigerte— beiläufig sehr charakteristisch für die Arbeiterfreundlichkeit daß man es Arbeitern fast unmöglich macht, ein Mandat anzunehmen> — so ist jetzt auch diese Vergünstigung noch zu viel. Wundern thut uns nur, warum man die Fahrkarten nicht je nach der Partcistellung der betreffenden Abgeordneten für die verschiedenen Eisenbahnklassen ausgestellt hat. Jndeß, vielleicht kommt auch das noch. Ob sich im Reichstag eine Majorität zusammenfinden wird, um auf diese liebenswürdige Begrüßung bei erster Gelegenheit die passende Ant- wort zu haben? Schwerlich. Wissen doch die Organe der äußersten bürgerlichen Opposition schon jetzt nichts besseres zu thun als das Kar- nikel zu suchen, welches zu dieser Neuerung den V o r w a n d gegeben. Das ist die rechte Art, mit Bismarck fertig zu werden. — Man weiß nicht, was man bei den N a t i o n a l l i b e r a l e n mehr bewundern soll: ihre Verlogenheit oder ihr dickes Fell. Während sie überall da, wo sie mit uns in Stichwahl kamen, unsere Partei in der insamsten Weise verleumdeten und beschimpften, wußten sie da, wo sie um unsere Stimmen bettelten, oder aus Neid gegen ihre bürgerlichen Konkurrenten unsern Sieg wünschten, uns nicht liebenswürdig genug hinzustellen. Zwei Proben mögen genügen. Im„Odenwäldcr Boten" erschien am Tage vor der Stichwahl zwischen Liebknecht und dem Nationalliberalen Schloß macher ein Wahlaufruf der Nationalliberalen, in welchem es wörtlich hieß: „Die Namen der Mordgesellen Hödel, Nodiling, Kämmerer, Stell- macher, Schenk, Schlossarek tragen das Gepräge des Feindes, der Sozialdemokratie nämlich, die sich nicht scheut, öffentlich zu bekennen, daß ihr Weg nur über Blut und Leichen führt, recht deutlich an sich. Tie Mordlhaten eines Schenk, der dem Leben harmloser Menschen meuchlings ein Ende gesetzt, feiert die genannte Partei als ruhmvolle Heldenthat." Schenk war der Hallunke, der in Wien eine Reihe von leichtgläubigen Mädchen betrog und hinterher ermordete. Auch dieses Scheusal, dessen „Poesien" damals die Runde durch die korrupte Bourgeoispresse mach- ten, wurde uns an die Rockschösse gehängt; klüglicherweise einen Tag vor der Wahl, wo eine Widerlegung nicht mehr möglich war. Wie anders in Hannover, wo unser Genosse M e i st e r gegen den Welsen B r ü e l in Stichwahl war. Da wurden Meister und seine Wähler in Briefen an die„Kölnische Zeitung" in einer Weise kajolirt, daß man hätte meinen sollen, unsere hannoverschen Genossen seien that- sächlich die schimpflichsten Leisetreter von ganz Deutschland. Und das, nachdem im Wahlstugblatt unserer hannoverschen Genossen die national- liberale Partei folgendermaßen charakterisirt worden war: „Diese Partei der Charakterlosigkeit und politischen Heuchelei ist todt und bereits in Fäulniß gerathen. Durch das be- kannte Heidelberger Programm sind sie völlig zu den Konservativen über- gelaufen. Ihr Führer, der„große" Rudolf von Bennigsen, ist nicht Minister geworden, sondern von Bismarck schmählich an die Wand ge- drückt und hat infolge dessen die Flinte in's Korn geworfen. Seine verlassenen„Getreuen" sind nur eine Anzahl von Hanswursten. Die Hundedemuth der Nationalliberalen ist durch das bekannte„ge- flügelte" Wort ihres früheren Parteigenossen Bamberger:„Hunde sind wir ja doch!" sprichwörtlich geworden. Ihrer erbärmlichenFeig- h e i t und Charakterlosigkeit ist es zu verdanken, daß die Reaktion in Deutschland so stark geworden ist. Sie unterscheiden sich von den Kon- servativen nur dadurch, daß diese vor Bismarck's Kürassierstiefeln auf den Knieen liegen, während die Nationalliberalen auf dem Bauche rutschen. Deshalb wird ihnen das Volk«im 23. Oktober den w o h l- verdienten Fußtritt versetzen. Wenn sie dann endlich ein- sehen sollten, daß die Wähler nichts mehr von ihnen wissen wollen, so können ja diese„begeisterten" Anhänger der Kolonialpolitik nach Angra Pequena und Klein-Popo oder unsertwegen auch zu den„Buschkleppern" auswandern." Man bemesse danach die Dickhäutigkeit der Nationalliberalen. Unsere hannover'schen Genossen„keine Sozialdemokraten!" sie, in deren Flugblatt es wörtlich heißt: „Ueber unsere Stellung zu der sogenannten Bismarck'sche»„Sozial- resorm" haben wir Folgendes zu bemerken: Wenn die Regierung dem Reichstage Gesetze vorschlagen würde, welche wirklich geeignet wären, die Lage der Arbeiter zu verbessern, so würden unsere Abgeordneten die- selben annehmen, ohne indessen auch nur einen Augenblick unser großes Endziel, die Beseitigung der Klassenherrschaft, aus den Augen z» verlieren. Die bisher vom Reichstage sabrizirten sozialpoli- tischen Gesetze(Krankenkassen- und Unfallversicherungsgesetz) sind indessen so hundserbärmlich schlecht, daß unsere Vertreter nothgedrungen dagegen stimmen mußten. Die Regierung bemüht sich vergeblich, die A r b e i t e r durch die sogenannte„Sozialreform" zu versöhnen. Mit der einen Hand schwingt sie die Peitsche, mit der andern reicht sie uns das Zucker- brod. Wir rufen ihr zu:„Dein Zuckerbrod verachten wir, Deine Peitsche zerbrechen wir!" „Zwischen denUrhebern desSozialistengesetzes und der deutschen Sozialdemokratie ist keine Versöh- n u n g möglich. „Wir brauchen wohl nicht erst zu bemerken, daß unsere Abgeordneten einstimmig gegen das Tabaksmonopol stimmen würden, wenn diese„Lieb- lingsidee" des Kanzlers wieder auftauchen sollte. Der ganze Staats- s o z i a l i s m u s, wie er heute von der Regierung und den Konserva- tiven betrieben wird, ist der reinste Schwindel. Man will Deutsch- land auch auf dem wirthschaftlichen Gebiete zum reinen ttasernenftaat machen. Dies muh um jeden Preis verhindert werden. Eine Zukunft hat einzig und allein der demokratische Sozialismus, welcher den Staat und die Arbeit der Staatsbürger auf demokratischer, freiheitlicher Grund» läge organisiren will." Kann man deutlicher, kann man kräftiger reden? Man bemesse danach die V e r l o g e n h e i t, die dazu gehört, von Meister zu sagen, er sei„eigentlich" ein Anhänger der BiSmarck'schen „Sozialreform"! Wahrlich, da wird einem die Entscheidung schwer, was größer: Ver- logenheit oder die Dicke der Epidermis. Um so leichter aber wird uns die Wahl zwischen Lob und Beschimpfung von Seiten der Nationalliberalen. Keinen Augenblick stehen wir an, uns für Letztere zu erklären. Beschimpft uns, so viel als ihr wollt und könnt, verleumdet uns, so gemein ihr es nur vermögt» nur sagt von uns nicht, daß wir euch nahe stehen, nur bringt uns nicht in den Verdacht, eure Genossen zu sein. Euer Lob ist der größte Schimps, den man uns anthun kann. — Unser Nürnberger Sieg von den Gegnern beur» t h e i l t. Am Abend der Stichwahl ließ sich der Hauptredner der Nürn- berger Ordnungspartei, Professor Günther, folgendermaßen über das Resultat derselben aus(wir zitiren nach einem Bericht der liberalen „Augsburger Abendzeitung"): „Ich wollte, daß ich heute mit anderen Gefühlen diese Worte an Sie richten könnte, heute, wo wir nach einer Anstrengung, wie sie groß- artiger von den reichstreuen Wähern dieses Wahlkreises noch nie gemacht worden, doch eine Niederlage zu verzeichnen haben. Wir hatten den b e st e n M a n n auf unsern Schild gehoben, den Mann, dessen Name mit dem bayerischen und deutschen Parlamentarismus seit Jahr- zehnten auf's Innigste verbunden ist. Und doch war dieser Name nicht stark genug, die unheimlichen Kräfte zu überwinden, die gegen uns gekämpft haben! Mit jenem französischen König nach erlittener Niederlage aber rufen wir: Alles verloren, nur die Ehre nicht! Die Ehre Nürnbergs ist glänzend gewahrt durch die Aufopferung, die im Kampfe an den Tag gelegt wurde wie nie zuvor. Hier werden die Stimmen nicht gewogen, sondern gezählt, und in diesem Kampf gegen die plumps Zahl ist die Intelligenz unserer Stadt unterlegen. Sollen wir darum muthlos werden? Nein, wir werden das nächstemal gerade so tapser wieder erscheinen auf dem Plan, und bis dahin heißt es rast- los weiter gekämpft gegen den Geist der Lüge! Was uns über die Niederlage insonderheit trösten kann und was mehr werth ist als selbst ein Erfolg des Augenblicks, das ist, daß sich zum Stichwahltage Nürn- bergs Bürgerschaft voll und ganz wiedergesunden hatte, daß aller Hader gegenüber der Allen gemeinsamen Liebe zum Vaterlande gewichen war, daß alle wahren Bürger für die gute Sache eingetreten sind. Wir können mit Stolz sagen: Es war Keiner zurückgeblieben, Alle waren da auf ihrem Posten! Und wenn wir trotzdem nicht gesiegt haben, so sind wir daran nicht selbst schuld, sondern jene finstern Mächte, gegen welche anzukämpfen sich vorläufig als aussichtslos erwiesen hat. Wird dies aber stets so sein? Nein! Auch die Sozial- demokratie wird ihre Hochfluth haben, und diese Hochfluth wird sich ver- laufen!" Nun, wir gönnen Herrn Günther und seinen Gleichgesinnten diesen Trost; vorläufig wird es wohl mit dem„verlausen" noch ein Weilchen dauern. Die Redensarten von der„plumpen Zahl" und den„Stunmen, die gewogen werden müssen", nehmen sich von Seiten einer Gesellschaft, die mit allen Mitteln der Demagogie gegen eine an Händen und Füßen geknebelte Partei kämpfte, zu lächerlich aus, als daß wir uns bei ihnen aushalten sollten. Ncr so viel sei bemerkt, daß Herr Günther, der frühere fortschrittliche Vertreter Nürnbergs, noch heute ein Haupthahn der F o r t s ch r i t t l e r ist. Welch' eine Partei! — Wie diePsasfen wider uns gewühlt haben. Einer Zuschrift aus dem Kölner Landkreis entnehmen wir Folgendes: „In Kalk, wo sechs unserer Genossen gemaßregelt sind, hat der dortige Psasse in der Christenlehre den Kindern erklärt, daß die Sozialdemokraten böse Mens �en wären und seinen geistreichen Vortrag mit den Worten geschlossen: Wehe, wehe über Euch und Eure Väter, wenn sie Bebel wählen, dann müßt Ihr barfuß zur Hölle gehen! In Nippes hat der Kaplan heut vor 14 Tagen von der Kanzel heruntergepoltert, man solle doch nicht den bösen Sozialdemokraten glauben, die wollten Abschaffung der Religion, und führte für das Märchen von der Theilung Folgendes an: Man solle sich einen armen Beamten denken, der jahrelang sich für seine Familie gequält und gespart(?), dann, wenn die Sozialdemokraten an's Ruder kämen, wollten sie mit ihm theilen." Hilft aber Alles nicht; es geht doch vorwärts! — Leipzig, den 13. November. Die„Reichstreuen" im Landkreis sind noch immer ganz aus dem Häuschen. Daß sie so gründlich würden geschlagen werden, das hatten sie nicht gedacht. Herr Heine läuft herum, wie vor den Kops geschlagen. Aber auch in der Stadt sind die Reichstreuen, trotz ihres Sieges, nichts weniger als siegessroh. Di» ungeheure Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen liegt ihnen doch schwer im Magen, und Nationalliberale und Konservative streiten sich, wem von ihnen beiden das größere Stück des gemeinsamen Kandi- baten gehöre. Schade, daß man den armen Schühenbürgermeister nicht in zwei Stücke zerschneiden und jedes Stück mit einem Mandat versehen kann. Die Maurer und Zimmerer sind jetzt, wo noch keine Kontrakte für's nächste Jahr gemacht sind, wieder mit ihrer Forderung des zehn- stündigen Arbeitstags hervorgetreten. Vorigen Sommer hieß es, sie hätten kommen müssen, ehe die Kontrakte gemacht seien. Nun heißt es, die Sache lasse sich nicht über's Knie brechen. Freiwillig ge- währen die Herren Baumeister die zehnstündige Arbeitszeit nicht. — Frankreich. Die Versammlung, welche unsere französischen Genossen letzten Samstag zu Ehren und zum Besten der kämpfenden Brüder in Deutschland veranstaltet, ist, wie man uns aus Paris mit- theilt, ausgezeichnet verlaufen. Trotz der Choleragefahr, die alle Theater leer stehen und jede Anhäufung von Menschen fürchten macht, war der Saal vollständig gefüllt, und zwar in seiner überwiegenden Mehrheit von einem, dem Zweck sympathischen Publikum. Die anwesenden patrio- tischen Bourgeois wagten ihre Ansichten nur im Anfange durch einige Unterbrechungen kundzugeben, die prompt zurückgewiesen wurden. So rief, als Lasargue sprach, ein Bourgeois dazwischen:„Sie wollen den Preußen Geld schicken, dieselben haben uns an den fünf Milliarden ge- nug genommen."„Aber diese fünf Milliarden," gab ihm Lasargue so- fort zurück,„haben den Kapitalisten Gelegenheit gegeben, den größten nationalen Raub der Neuzeit in's Werk zu setzen; Herr Thiers, den Ihr den Vater des Vaterlandes nennt, weil er der größte Niedermetzler seiner Landsleute war, legte die Milliarden-Anleihe zu 80%, d. h. zu über 6 Zinsen auf, was keines der großen Länder noch gethan: die Aktien stiegen denn auch in wenigen Wochen von 80 auf 100, 110 und IIS, d. h. gaben Euch einen Profit von fast 50 Prozent."„Ihr seid keine Patrioten," schrie der Bourgeois.„Die Kapitalisten lieben ihr Vaterland," replizirte Lasargue,„wie die Koketten ihre Liebhaber, näm- lich um sie zu rupfen."— Die Versammlung stimmte ihm jubelnd bei und gab den Chauvinisten ihre Gesinnung so deutlich zu erkennen, daß diese von da an es vorzogen, den Mund zu halten. Nachdem die Redner- liste erschöpft war, verlangten auch einige Anarchisten das Wort und donnerten gegen die Wahlbetheiligung und die Absendung von Geld zu solchen Zwecken, während man es zum Ankauf von Dynamit verwenden müßte; sie wurden aber von Guesde und Lasargue gründlich heim- geschickt. Das Bureau der Versammlung bestand aus den Genoffen Letailleur, Schuhmacher, Letartre, Maschinenbauer, und Bouhier, Angestellter- Die Redner der Arbeiterpartei: Crepin, Blank, Guesde und Lasargue schil- derten, von wiederholtem stürmischem Beifall unterbrochen, die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, ihrer Kämpfe, ihrer Verfolgungen und ihrer Siege. Sie hoben die Thatsache hervor, daß, wenn der Sozialis- mus im Anfang dieses Jahrhunderts in England und Frankreich svon Owen und Fourier) in seiner utopischen Form ausgearbeitet wurde, er erst in Deutschland durch Marx und Engels eine Wissenschaft gewor- den ist; daß wenn in Frankreich im Jahre 1832 sin Lyon) die erste blutige Schlacht des modernen Klassenkampfes geliefert wurde, es heute das deutsche Proletariat ist, das Dank seiner festen Organisation an der Spitze der Bewegung steht. Die Ausdauer, die Festigkeit und die In- telligenz der deutschen Partei sei ohne Gleichen; Alles sei versucht wor- den, sie von ihrem Wege abzubringen, aber Alles umsonst. 1870 habe Napoleon den Krieg mit Preußen nur unternommen, um das Stück, welches er 18.59 in Italien aufgesührt, zu wiederholen. Er hoffte dar- auf, die Deutschen zu besiegen und lorbeergekrönt nach Frankreich zurück- zukehren; dann wäre es ihm bei dem allgemeinen Taumel ein Leichtes gewesen, die Republikaner einzustecken und seine Herrschaft auf weitere zehn Jahre zu befestigen. Die deutschen Sozialisten hätten sich von den großen Siegen nicht berauschen lassen, sie hätten den siegreichen Bismarck noch schärfer bekämpft als vorher. Darauf habe Bismarck das Säbel- regiment versucht, und als dieses noch nichts fruchtete, Napoleon III. kopirt und Staatssozialismus getrieben. Aber Alles sei vergeblich ge- wesen, die deutschen Sozialisten seien heut stärker als je. Vor der großen französischen Revolution im vorigen Jahrhundert hatte das Bürgerthum seine Internationale. Voltaire war in Potsdam und in Versailles, Diderot in Petersburg und in Paris zu Hause. Die revolutionären Bourgeois erklärten alle Völker für Brüder und mit ein- ander im Kampf gegen die Tyrannen verbunden. Die Internationale der Vorläufer der sozialen Revolution ist da; heute wissen die Prole- tarier, daß sie Brüder sind, und verbünden sich für den heiligen Krieg, den Krieg gegen den modernen Tyrannen: den Kapitalisten. So haben die Sozialisten in der alten und neuen Welt allerorts den Sieg der deutschen Sozialdemokratie als den gemeinsamen Sieg gefeiert. Von Zürich war eine Adresse eingelaufen, die mit lebhaftem Bei- fall begrüßt wurde; die in Paris lebenden deutschen Sozialisten waren durch eine Delegation vertreten. Korrespondenzen. Köln, 9. November. Das Wahlresultat von hier und aus unserm Landkreis werden Sie aus den Zeitungen bereits ersehen haben. Im Landkreis hatten wir 2700 Stimmen; gegen 1881 und früher ein ganz ansehnlicher Zuwachs, doch entsprach er nicht ganz unser» Erwartungen, wir hotten geqlaubt, es auf 4000 zu bringen. In der Stadt machten unsere 4000 Stimmen eine Stichwahl zwischen den Liberalen und den Ultramontanen nöthig. Elftere bildeten sich ein, wir würden nun für sie stimmen, und den Ultramontanen gegenüber wäre das auch ganz gut gewesen. Die„Kölnische Zeitung" betrieb den Bauernfang in einer geradezu schamlosen Weise. Dieses sonst sozialistensrefferische Blatt war so gemein, uns zu verdächtigen, wir hätten uns von der Partei losge- sagt, wir wollten uns aus den Boden des Gesetzes stellen, und somit könnte man mit den braven Arbeitern unterhandeln. Wir beriefen in- folge dessen eine Versammlung in den großen Gürzenichsaal ein mit der Tagesordnung: Wie verhalten sich die Arbeiter zu der am 10. dieses stattfindenden Stichwahl? Die Zahl der Anwesenden war zwischen K- bis 7000, welche folgende Resolution beschlossen:„In Erwägung, daß beide uns gegenüberstehenden Parteien gegenüber der Arbeiterpartei eine reak- tionäre Masse sind, da weder von dem liberalen Vertreter, Kommerziell- rath Leyemdecker, noch von dem Ultramontanen Doktor P. I. Röckerath zu erwarten ist, daß sie für unsere Forderungen eintreten werden, be- schließt die sozialdemokratische Arbeiterpartei in Köln, gestützt auf die Beschlüsse des Wydener und Kopenhagener Kongresses, sich bei der bevorstehenden Wahl ganz und gar zu enthalten und beide Parteien ihrem Schicksale zu überlasten." Natürlich Jubel bei den Ultra- montanen und Aerger bei den Liberalen. Wir können es aber nicht ändern. Wir hätten die Ultramontanen stürzen können, aber unter diesen Umständen ging es nicht. AuS Saarbrsickeu- St. Johann. Am 5. Oktober wurden hier 2000 Wahlmaniseste verbreitet. Ein Genosse wurde dabei ertappt, am fol- genden Morgen aber wieder entlasten. Diesem soll eine Aussage abgeluchst worden sein über die Adresse, an welche die Sachen kamen, und derart sollte dann der angebliche Urheber angenagelt werden. Darauf große Aufregung im„ K ö n i g r e i ch S t u m m".„König Stumm" hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als den angeblichen Träger der sozialdemokratischen Idee aus seinem Königreich hinauszumaßregeln. Die Idee aber wird ihm seinerzeit als theures„Andenken an bessere Zeiten" den Begriff seiner königlichen Hinfälligkeit und ihrer proleta- rischen Unsterblichkeit beibringen, daß ihm der Schlotter in die Beine fährt, bis er„verstummen" wird. Gruß! Die Unvertreiblichen. Stadtilm i. Thrg., 9. November. Bei der Reichstagswahl haben wir für unfern Kandidaten 824 Stimmen erzielt, während bei der letzten Wahl blos 23 abgegeben wurden. Das Resultat wäre ein noch besseres geworden, wenn nicht mehrere Fabrikanten ihren Arbeitern mit Ent- lassung gedroht hätten, falls sie sozialistisch wählten. Mit sozialdemokratischem Gruß! M i n e u r. Aus dem 8. badischen Wahlkreis. Der Ausfall der Wahlen am 28. Oktober war, wie überall, so auch hier ein günstiger. Zum ersten Mal trat unsere Partei im 8. badischen Kreis an die Oeffentlichkeit, was in unserem ländlichen Bezirk viel Staub aufwirbelte. Unser Kan- didat Adolf Geck, Redakteur in Offenburg, erhielt über S00 Stimmen. Im Jahr 1881 wurden nur 32 Stimmen für Bebel abgegeben. Wahl- Versammlungen wurden abgehalten in Gaggenau, Kuppenheim und Baden- Baden von Geck. Stimmzettel wurden unfern Vertheilern von der Po- lizei gewaltsam entrissen und vertheilte Stimmzeddel wieder eingesammelt. Wir werden hiegegen Protest erheben. Darmstadt, 8. November.(An unser Zentralorgan.) Wir haben unser früher—, an dieser Stelle— gegebenes Wort eingelöst, wir sind mit 4892 Stimmen in die Stichwahl gegangen. Wir haben die stolzen„Freisinnigen", dieses jämmerliche Zwitterding, das früher den Wahlkreis beherrschte, aus dem Sattel gehoben. Mit 3438 Stimmen mußten sie abziehen und dürften nie wiederkehren. Wenn nun schon im ersten Wahlgang das Ringen ein ernstes und die hiesigen Genoffen mit ganzer Kraft und mit unvergleichlichem Opfermuth Tag und Nacht auf dem Damm waren, und auch die Gegner fast wie verzweifelt kämpften, so stand dies doch in keinem Vergleich zu der Stichwahl. Kaum hatten die Genoffen ein. zwei Nächte geschlafen, kaum hatte der Arzt einige davon wieder nothdürstig geflickt, als schon wieder die Stichwahl uns m's Gewehr rief. Wir dürfen wobl anneknnen. daß an Niedertracht der Gegner in keinem andern Wahlkreise Deutichlands mehr geleistet wurde als hier. Die schwärzeste Reaktion zeigt« uns ihren gähnenden Rachen: die National- liberal-Konservativen geberdeten sich, als gälte es, die ganze Sozialisten- brut zu vernichten. Kampfesmittel, die jeder Beschreibung spotten, ersetzten dieser Bande, was ihr an Intelligenz abging. Die Behörden gingen voraus, indem man erstens die Stichwahl in der kürzesten Frist folgen ließ und diesen Dermin obendrein erst zwei Tage vorher publi- zirte. Zwei Flugblätter— die ich hier zur Charakteristik beilege(vgl. unsere vorige Nummer. Red. d.„Soz.-Dem.")— eröffneten den Kampf auf's Neue, und als einige Genossen den taktischen Fehler machten, in zwei von den Gegnern unter Ausschluß der Sozialdemokraten einberufenen Versammlungen zu erscheinen, und ihrer Mißbilligung über die dort ausgestreuten Verleumdungen der Sache der Arbeiter Ausdruck gaben, machte die Ordnungssipve einen furchtbaren Skandal, um als- dann den Leuten vorlügen zu können, die Sozialdemokraten hätten die betreffenden Versammlungen gesprengt. Und diese Lüge war denn auch für die Behörden Veranlassung, unsere ferneren Versamm- lungen zu verbieten. Und jetzt kommt das Schönste: a m Vorabend der Stichwahl wurde das ganze Militär in Bereitschaft gehalten und mit scharfen Patronen versehen; sämmtliche Versammlungslokale wurden mit Militär besetzt und durch alleStraßen m a r s ch i r- ten Patrouillen mit aufgepflanztem Bajonett. Unter diesem Schutze hielten unsere Gegner eine Versammlung ab, zu der aber nur Leute mit Eintrittskarten Zutritt hatten; jedem Andern wurde ein Bajonett vor die Brust gehalten. Unsere ganze Mannschaft kehrte diesem Treiben den Rücken und rückte am Abend in in den Kreis G r o ß g e r a u, um sich dort noch ein wenig mit der Landbevölkerung zu unterhalten. Am Tage der Wahl wiederholte sich dasselbe Schauspiel: in der Stadt wimmelte es von Bajonetten, die Ar- tillerie hielt die Kanonen in Bereitschaft; alles Volk, insbesondere die Jugend, war auf den Straßen. Einige Lehrbuben, die Hochs auf Müller ausbrachren, wurden verhaftet; im Uebrigen verhielt sich die Volksmaffe in musterhafter Ruhe, und so bot Darmstadt am 5. und k. Nv- vember 1884 nicht den Anblick des kleinen, sondern des großen, des größten Belagerungszustandes. Aller Einschüchterung ungeachtet hatte sich eine ungeheure Menge um unser Wahlbureau versammelt, um die Verkündung des Wahlresultates zu vernehmen; schweigend wurde es entgegengenommen— für den Reaktionär 10,124 Stimmen, für das Volk 7 591 Stimmen— nur ein Gemurmel ging von Mund zu-Mund: Dies sind unsere wirklichen Stimmen! Dies find die Stimmen der Gedrückten! Die„Freisinnigen" haben für den Reaktionär gestimmt! Wir haben moralisch gesiegt! Co spricht der Bolksmund, und so war es. Keine sachliche Erwide- rung, kein einziger Satz, der die geistige Ueberlegenheit der Gegner dokumentirt hätte, fand sich in ihren Auslastungen; die roheste Bruta- lftät, die man bei dem Volke, bei den Arbeitern vergeblich sucht, die niederträchtigsten Lügen, Wahlbeeinfluffungen aller Art, waren ihre geistigen Waffen. Das Bier floß in den Wirthsstuben der Hildebrand'schen Brauerei; in Pfungstadt wurde eine besoffene Wählerschaar von 799 Mann an die Urne geführt, nur 188 blieben nüchtern. So kämpf- ten unsere Gegner, und an der Spitze dieses Treibens stand unser großer, dicker Oberbürgermeister, ein Streber erster Sorte. Seine einzige Waffe in dem ganzen Wahlkampf war das famose Zacher'sche Buch; dies hatte er fast auswendig gelernt, von der wirklichen sozialistischen Literatur dagegen hat er keine Idee. Aber wartet, Ihr Buben der Schande! Wir sind mit den Freisinnigen fertig ge- worden, in dreiJahren werden wir auch mit Euch fertig werden! Können wir auch heute noch keinen Abgeordneten in den Reichstag entsenden, sintemalen uns die Reaktionäre das Mandat geradezu ge- stöhlen haben, so sind wir größer und kräftiger geworden, und in drei Jahren ist uns die Haupt- und Residenzstadt Hessens gewiß. Eine Zuschrift, die unserm Kandidaten zugeschickt wurde, dürfte in kurzen aber schönen Worten das Resüme geben.*) Mit sozialdemokratischem Gruß! Hbl. Mannheim, 12. November. Am Freitag den 7. wurde Genosse Kley, einer unserer eifrigsten Kämpfer, beerdigt. Zahlreiche Partei- genossen erwiesen ihm die letzte Ehre. Blumenspenden und Kränze mit rothen Schleifen bedeckten den Leichenwagen und wurden noch theils von Genossen nachgetragen. Am Grabe gab D r e e s b a ch der Trauer der Genossen über das frühe Hinscheiden des Freundes Ausdruck, und Mancher gelobt« sich nun auf's Neue, die Lücke ausfüllen zu Helsen, die der Tod in unsere Reihe gerissen; denn wahrlich, wir haben nicht zu viel der Kämpfer, und es ist nöthig, jedesmal nach einem Verlust die Reihen dichter zu schließen. Mögen alle Freunde beherzigen, daß nur im einigen Zusammenwirken der Erfolg zu finden ist., P. I. Heilbronn, 15. November. Auch wir Heilbronner Sozialisten können stolz zurückblicken auf den 28. Oktober. Vor drei Jahren hatten wir trotz aller Bemühungen nur 16 3 Stimmen zusammengebracht, diesmal aber 1118! Und diesen Zuwachs von 955 Stimmen haben wir erzielt nicht etwa auf Kosten eines Konservativen, Liberalen oder Zentrums- mannes— nein, einem Volksparteiler haben wir sie abgenommen, dem populärsten Mann unseres ganzen Wahlkreises, dem Herrn Georg Härle! Und wie klein war das Häuflein derer, die wirklich mitgefochten haben auf unserer Seite! Eine Handvoll Menschen war es; diese Handvoll hat aber gethan, was möglich war. Tag und Nacht haben wir gear- beitet. Außer dem Volksparteiler Härle stand ein Kandidat des liberal- konservativen Mischmaschs, ein Baron von Ellrichshausen, gegen uns im Feld. Unsere beiden Gegner vollführten in Zeitungen und Versammlungen und durch Flugblätter einen Heidenlärm. Wir er- kannten aber rechtzeitig die Gefahr, überschrieen zu werden und dann als gar nicht in Betracht kommend zu gelten. Je ärger unsere Gegner krakehlten, um so fester schlugen auch wir auf die Trommel, und Hagel- dicht fielen unsere Hiebe auf unsere beiden Gegner nieder. Dank unserer unermüdlichen Agitation kam der Name unseres wackeren Kandidaten, des Schreiners Emil Fleischmann in Frankfurt am Main, in Aller Mund, und ebenso unsere hauptsächlichste Forderung: der neunstündige Maximalarbeitstag, der bisher den guten Leuten in unserem Wahlkreis ein böhmisches Dorf gewesen war. Das Resultat der Wahl war: Ellrichshausen 7103, Härle 6315, Fleischmann 1118. In Böckingen, einem Dorf von 3000 Einwohnern, und in dem Eisenbahnknotenpunkt Bietigheim, einem Städtchen von 4000 Ein- wohnern, erzielten wir auf den ersten Anlauf die relative Mehrheit. Verführt dadurch, daß wir den Herrn Härle wo möglich noch fester angepackt hatten als ihren Junker Ellrichshausen, hatte sich der liberal- konservative Mischmasch offenbar eingeredet, wir würden für die Stichwahl Wahlenthaltung proklamiren und dadurch ihm das Mandat zu- schanzen. Das siel uns natürlich nicht im Traum ein. Nachdem die Volksparteiler sich mit uns in's Vernehmen gesetzt hatten, erließen wir einen Tag vor der Stichwahl einen Ausruf zu Gunsten Härle's. Nun aber geriethen unsere Liberal-Konservativen in eine wahre Berserkerwuth; Wegen Raummangels für eine der nächsten Nummern zurückgelegt. sie ließen an den Straßenecken Plakate anschlagen, worin sie über die Genossen K i 1 1 l e r und R ö h r l e, die den Aufruf zu Gunsten Härle's unterschrieben hatten, schimpften wie die Rohrspatzen. Daß wir ihnen die Antwort nicht schuldig blieben, kann man sich denken, und ebenso, daß die Schimpfereien gänzlich wirkungslos blieben. Nahezu sämmtliche Wähler Fleischmann's folgten unserer Aufforderung und entschieden dn- durch Härle's Sieg, der mit 10,404 Stimmen gewählt wurde gegen 10,126.— Jetzt sind alle Augen auf die gewählten Sozialisten gerichtet; sie haben es jetzt in der Hand, den Sozialismus kräftig zu fördern, sie könnten aber auch durch verfehlte Schritte unsere Sache schwer schädigen. Möge» sie stets eingedenk sein, daß die große Masse der sozialistischen Wähler eine unermüdliche Thätigkeit von ihnen erwartet zu Gunsten einer baldigen Verbesserung derLage desArbeiter st affd es Zwei Aufgaben erlaubt sich der Schreiber dieses den gewählten Genoffen vor Allem warm an's Herz zu legen: Erstens sollten sie der Regierung keine Ruhe lassen, sie fortwäh' rend drängen und ermahnen, endlich einmal das Versprechen einzn- lösen, das sie bereits vor drei Jahren gegeben hat, das Versprechen einer Arbeiter-Alters- und Jnvalidenversorgung, und zweitens sollten unsere Abgeordneten selber ein Gesetz ein- bringen, betreffend die Einführung eines neunstündigenl Maximalarbeitstages für Fabrikarbeiter sowoh als für Handwerksgesellen und Lehrlinge. Das sind, so glaubt der Schreiber dieses, die nächsten Wünsche der meisten Derjenigen, die am 28. Oktober für uns gestimmt haben. >»»<, 3* »•u fr« ,»ach Mtcbi tob UN Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! hx Briefkasten der Expedition: Rother Teufel: Mk. 1160 Ab. 4. Ou. nun- mehr nach Vorschr. gutgebr.— Fliegender: Qttg. in 46 ändert sich. d... Jvrthüml. Fr. 15— Ab. Ghd. im Wsds. erhalte». Also Fr. 71 60 pr. Schst. und 3 Ab. bis Mitte 85 und nur Fr. 51 90 pr. Wsds. gebuchi.- E. S. B.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.- W. Sch- Stg.: Mk. 4 30 A! 4. Qu. erh.— I. Bernst. G. i. B.: Mk: 7 35 Ab. 4- Qu. erh. 43 an K. rechtzeitig fort.— H. Stp. Hngg.: Fr. 2 16 Ab. 4. Qu. erh. 40 Cts. pr. Agfds. dkd. verwendet.— P. Migiii- B'vento: Fr. 1 50! f. Schft. erh.— Antwerpen: Fr. 1— f. Schst.-c. erh.„Vorw." fort.-. Neckarspitze: Mk. 1- pr. Ufds. dkd. erh.„Ursprg." u.„Vorw. I" gm- gen an alte Adr. Archivalien pr. Pkt. an Volksbchdlg. erbeten.— Der ni Alte Gr.: Mk. 18— Ab. 4. Qu. erh. Ge. vorläufig gesperrt. Weiteren»der Bericht erwarten.— Simson: Mk. 100— ä Cto. erh. Vermißtes»c. srn. Kg! fit bei »Uch b j ünb i wird jetzt eingetroffen sein.— Zürich: Fr. 95 10 v. Landesausschuß in Noch allger ein(5 nur i Nr. 46 d.„Arbst." speziell quittirt vr. Wkds. dkd. erh.— K. H. Plrg-.' L öwfl. 6— Ab. 4. Qu. u. Schst. erh. 65 Cts. fehlen noch auf Kal., da nonsc Kurs miserabel.— Rosa Beck: Mk. 20— ä Cto. jetzt erh. Warum Patte den 3 mal gelöschten A. immer wieder benutzt trotz Ersatz?— BI— VI: Mk. 300— ä Cto. Ab. ic. erh.— Paul Spb.: Mk. 50- ä Cto. erh- Weiteres notirt. Adr. geordnet.— Frisch auf Lz. Mk. 1 50 f. Schst- erh. Adr. geordnet.— Chur: Fr. 5— ges. v. Mtgln. d. dtsch. Ver. f- „d. Gemaßregelten Dtschlds." Beil. fürs Archiv dkd. erh. Bfl. Weiteres pr. Vlksbchbdlg.— Amsterdam: Liste Nr. 00 Flr. 5 29„f. d. kaiserl. Botschaft"; Liste Nr. 0: Flr. 6 25; Liste Nr. 1: Flr. 3 95; Liste Nr. 2: Flr. 12 25 v. d. Berliner Maurern in Amsterdam:„Hoch der 6. Verl." Wahlkreis!"; Liste Nr. 5; Flr. 1 50; u. Reinertrag v. einer Vorstllg- Je Flr. 3 56(in Sa. Flr. 32 80 Holl.) Mk. 55 60 vr. Wsds. dkd. erh- Wir — Häring: Bstllg. ic. nach Borsch,, besorgt. Bfl. Weiteres.— F. H- bxt 5 Ptm.: Alles auf Cto. gutgebr. Bfl. am 18./11. Näheres.— Brunosed< Bgdf.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh,— New-Dork: Fr. 750— 7. Rate seine, v. N. E.-C. Soz. Arb. P. N. Amerik. pr. Wfds. dkd. erh.— Rebus: Mk. 12— Ab. Aug. u. Sept. erh. Adr. geordnet. Archival. erwartet.- I. M. Bz.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Bautzen: Mk. 3 20 v. d. P-> Gen. pr. Ufds. dkd. erh.— G. D. Wlch.: Mk. 2 90 Ab. Nov. u. Dez- erh.— Zürich; Fr. 10— v. Wsht.„für unentgeltliche Rechtsprechung" pr. Wfds. dkd. erh.— fff Himmel——: Mk. 3— ic. erh. u. nach Vorschr. nebst Gegrchng. gebucht. Geib.„Normalarbeitstag" wünschten selber zu kaufen.— M. P. Rdsbg.: Mk. 23 50 Ab. 4. Qu. durch Frdshand erh.— Ahasverus: Mk. 49 50 lt. Vorschr. gebucht pr. Gstr- Mk. 6— Ab. 4. Qu. 84 u. 1. Qu. 85; Mk. 20— Ab. pr. 85 f. d. Alten; Rest P.— Basel Fr. 10— v. d. P.-G. pr. Wfds. dkd. erh.— Freischütz S.: öwfl. 4— pr. Ab. ab Nov. 15./84 bis Ende Juni 85 ausreichend.— Paris: Fr. 125— v. sozdkr. Leseklub pr. Wsds. dkd. erh.— N. Sffm. Rvsthrpe.: Mk. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Otto Vorwärts Jammerthal: Mk. 73— ä Cto. eingetroffen. Bf. erwartet.— W'thur: Fr. 1 20 ges. v. d. Tischgesllsch. d. dtsch. Ver. bei Häsler für Wfds. dkd. erh.; Fr. 3 45(nicht Fr. 3 65) für C. Ekh. Ab. 4. Qu. be- nützt.— Constanz: Fr. 2 10 v. Arbeitern eines hiesigen Geschäfts pr. Wfds. dkd. erh.— S. M. E.: Alles präzis fort. Haben wahrscheinlich einen Postm— itleser?— Bergedorf: Bericht an der Seite aufgeschnitten und verklebt eingetroffen. Adresse längst gelöscht. Mk. 1 20 verwenden nach Vorschr.— Gracchus W.: Mk. 30— Ab. 3. Qu. ic. gutgebr. Adr. ic. vorgemerkt.— Pickelhaube: Doll. 30— ä Cto. Ab. ic. erh. Mehr« bestllg. ic. folgt. 2. Bd. Marx betreffend sind wir nicht weiter orientirt als Sie selbst. Empfhlg. von uns erfolgt natürlich stets soweit wir orientirt sind. steht das Ui der »anz is a T tische die, insor fein üchei »egei ste t »n, weili haut auf, 68 s Fal ten Anzeigen. weis Gmoffe Wilhelm Scharf, Schneider, im August 1883 von Antwerpen nach Amerika übersiedelt, wird freund- lichst gebeten, seinem Freunde Baum in Amsterdam, Nieuwe Herrengracht 119 A, seine genaue Adresse mitzutheilen. Parteigenossen, welche Scharf's Adresse kennen, sind gebeten, selbige umgehend an Baum mitzutheilen. sl 50) O««•»« /k« Sonntag, 23. November, Abends 8 Uhr, im Kafe �UHU/ Beck, Spitalquartier: Hefchlosseae Hkersammlvng der deutsche« Soziatiste». Tagesordnung: Disputation über Marx und RodbertuS. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Lokalausschuß. 3 die 68 i Zwei sran und wen Reo best ren Die nich küni nütz Sozialistische Arbeiterpartei Amerika. Sektion Rew-York. Sitzung des Zentralkomites jeden Freitag Abends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres siehe New-Porker. oltszeitung", besonders Freitags und Samstags. in« rech kurz na 18' daß rech Schweizerisch- Genosse,, schafts-Buchdruckerei Hottingen-Zllrrich. der ist -