¥ eit Krschewt WSch entlich einmal in Zürich(Schweiz). Merkag der Volksbuchhandlung Hotiingen- Zürich. �7» � Der er "i m* 0' I u- K üttfraking» fronlo gegen franko Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. ialdeMkrat >entral-Grgan der dentschm SoMemoKratie� .ÄVoNnsments werden bei allen schweljerlsche» Postbureaux� sowie beim Verlag und dessen bekannien Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran»> ahlbar«» Vierleljahrtprei» von- Fr!— sürdieEchweiziltreuibandl MI Z— sllr Deutschland(Souverts si, l.?<> stir Oesterreich(Souoerts Fr. 2 so sllr alle lldrtgen Länder de» Weltpostverein« iltreuzband) Jllseratk die dreigeivaitene Petiizeile 2S Cid,---- 20 Psg. 48. Ztonnerffag, 27. November 1884. MC Zvis an die Zbonnenlen und �torrcspondonicn des„SoslakdemoKrat." Da der.Eozialdemokrat- sowohl m Deutschland»l« auch in Oefterrei«»erboten tst. bezw»erfolgt wird und die dortigen a'''-■-----... rofh Arirf« hnn hört an UN» «H möglich an den.eoitaldemoftert' resp besten Verlag selbst adressiren. sondern stch mbglichfi an Irgend eine nn»erd»chtige Adresse austerhalb Deutschland« und vesterretch» wenden, welche stch dann mit UN« in Verbindung seht!-ndersei», aber, da» ftllifl IITlft mArtfltihti uriYli'rtnti/rftefio DilA#ntra(T.n w. V___ cv..__! c.,,. e,... e*.vn.r,* L* Crn" werden. In Iweiselhaften Fällen empfiehlt sich behuf» grSster«, Mllhe noch Kosten scheuen um tloh aller entgegen- gewist weder Abonnenten möglichst reg'elmästig zu liesern tl Parteigenoffen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! ». Das allgemeine Wahlrecht und i�der Emanzipationskampf des Proletariats h. Kaum war die letzte Stichwahl vor flch gegangen, kaum waren zn Üe der Nothwendigkeit überhoben, Wahldemagogie zu treiben, als 'ß-»uch die Herren Nationalliberalcn. unter dem Beifall der verschämten "«b unverschämten Regierungspresse, sofort die Frage des allge- n-'»leinen Wahlrechte« aufwarfen, da« heißt die Frage erörterten, er s°b nicht angesichts der mit ihm gemachten Erfahrungen eine mehr m»der minder radikale Aenderung desselben zeitgemäß fei. � Wir wußten im Voraus, daß es so kommen werde; was bei- liuftj für den, der diese Herren näher kennt, wenig Kombina- da tionSgabe erforderte. Schon nach den großen Wahlsiegen unserer jß Partei im Jahre 1877 stimmten sie dieses Lied an, nachdem Y»och früher Herr v. Minnigerode bereits den Stab über das kt.'»llgemeine Wahlrecht gebrochen. Sie hassen dasselbe, eS ist ihnen f. ein Greuel, und sie würden ihm lieber heute wie morgen den es TarauS machen, wenn sie nur die Macht dazu hätten oder auch !j; nur wüßten, was an seine Stelle zu setzen. et Aber da liegt der Hund begraben. z. Nicht: sollen wir das Wahlrecht abändern, sondern: können ß->vir seine Aenderung durchsetzen, und zwar eine Aenderung, die fl'ta Partei Bismarck zu Gute kommt— da« ist die Frage. 'h'd Ihre Beantwortung ist nun keineswegs so leicht, als e« auf o. den ersten Blick scheinen möchte, und dieser Umstand ist auch lk'!bas Geheimniß, weshalb Bismarck selbst es noch nicht unter- � Bommen, das Wahlrecht, welche« er nach dem Muster Napoleon's n'*866 eingeführt und mit dem er so bös« Erfahrungen gemacht, it. i wieder abzuschaffen. Denn daß Bismarck in diesem Punkt mit ls seinen nationalliberalen Freunden ein Herz und eine Seele ist, steht längst fest, lange bevor die„Nordieutsche" die Angriffe auf l�lfos Wahlrecht als„inhaltsschwer" registrirte. 1;: Und Bismarck und feine Freunde, wie überhaupt die Gegner der Sozialdemokratie, haben von ihrem Klassenstandpunkt auS !n Tanz Recht, wmn sie daS allgemeine Wahlrecht verwünschen. WaS ch l« aber ihnen zuwider macht» macht es unS werth. DaS allgemeine Wahlrecht verlegt den Schwerpunkt des poli- iischen Kampfes in die große Masse— la foule anonyme, 5 die namenlose Menge, wie die Franzosen sagen. Solange und >. insoweit nun die große Masse keinen ausgesprochenen Willen hat, 'ß'ein klares politisches Bewußtsein, solange wird eS ein vortreff- r ltches Mittel sein in der Hand der jeweilig Herrschenden, es i» Legen die oppositionellen Elemente deS Bürgerthums auszuspielen, ste durch die Masse in Schach zu halten. Aber von dem Moment »n, wo diese Masse einen selbstständigen Willen hat, nicht zeit- , weiligen Impulsen, sondern ihrer politischen Erkenntniß gemäß :. handelt, von dem Moment an hört das allgemeine Wahlrecht ' auf, eine Waffe in der Hand der Herrschenden zu sein, richtet ! es feine Spitze vielmehr gegen sie. Aus einem Mittel der Fälschung deS VolkSwillenS wird eS ein Hebel zur Gel- tendmachung desselben— soweit man überhaupt vernünftigerweise vom Volkswillen reden darf. Bismarck übernahm da« allgemeine Wahlrecht auS Frankreich; die Dienste, die ei dort dem BonapartismuS geleistet, machten es ihm im höchsten Grade sympathisch. Er vergaß aber dabei zweierlei: Erstens, daß er nicht mit dem Wahlrecht auch die französischen Verhältnisse nach Deutschland tmportiren konnte, und zweiten«, daß selbst in Frankreich die Erfahrungen von nur wenigen Wahlen vorlagen, und obendrein Wahlen auS einer Reaktionszeit. Wie aber in der äußeren Politik seine Kunst darin besteht, den Bedürfnissen de« Augenblick« rücksichtslos alle weite- ren Erwägungen preiszugeben, so auch in der inneren Politik. Die momentane Wirkung entscheidet für ihn. Er kümmerte stch nicht darum, was das Wahlrecht später einmal für Folgen haben könne, sondern nur darum, ob eS ihm zunächst, augenblicklich nützen könne. Wir wollen hier nicht in die Erörterung der Frage eintreten, inwieweit Bismarck überhaupt bisher beim allgemeinen Wahl- recht seine Rechnung gefunden; soviel ist sicher, daß er nach kurzem Bestände desselben schon als Ergänzung zu ihm AuS- nahmegefetze brauchte. DaS Sozialistengesetz war die Antwort auf die Wahlen von 1877, eS war damit aber auch bereit« eine Bestätigung dafür, daß sich Bismarck über die Tragweite de« allgemeinen Wahl- rechtes schwer getäuscht hatte. Auch da« Ausnahmegesetz hat seinen Zweck verfehlt und ebenso verfehlt ihn da« neueste AuSkunftsmittel: die„Sozialreform". Es ist Bismarck nicht gelungen, den Willen der Arbeiter zu lenken, es ist ihm nicht gelungen, ihn zu brechen, e« ist ihm auch nicht gelungen, ihn zu fälschen. Noch ist kein Fürst so hoch gefürstet, So auserwählt kein ird'scher Mann, Daß wenn ein Volk nach Freiheit dürstet, Er es mit Freiheit tränken kann! kann man in dieser Beziehung mit Uhland sagen. Seitdem die Arbeiterklasse in Deutschland einen Wille» hat, helfen alle Re- gierungLkünste nicht, sie von der Geltendmachung desselben abzu- bringen. Dieser Wille heißt: wirthschaftliche und politische Emanzipation und findet seinen konkreten Ausdruck im Pro- gramm der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie zu vernichten, das heißt die sozialistische Arbeiterpartei zu sprengen— daS war daS Kunststück, um da« es sich für Bismarck und Konsorten handelte. Von dem Moment an, wo eine sozialdemokratische Partei nicht mehr existirtc, die Arbeiterklasse nicht mehr unter einem einheitlichen Banner kämpfte, von dem Augenblick an hätte die Regierungspartei ge- wonneneS Spiel. Sie würde der Verlegenheit überhoben sein, über die Abänderung des Wahlrechtes zu berathschlagen. An der Wulh unserer Feinde aber sehen wir, wie Recht wir hatten, auf den Gebrauch deS Wahlrechts nicht zu verzichten, den Arbeitern die Ausübung desselben zur heiligen Pflicht zu machen. In der That, der Erfolg hat uns Recht gegeben. Nicht nur die Zahl unserer Abgeordneten, nicht nur die Zahl der von unS erlangten Stimmen bezeichnet die Größe unseres Sieges. Er beruht in der außerordentlichen Kräftigung deS Einflüsse« der Arbciterklisse überhaupt. Wenn keine anderen Thatsachen dafür sprächen, dann zeugte für denselben die fieberhafte Eile, mit der die verschiedenen nicht- sozialistischen Parteien beflissen sind, arbeiterfreundliche Anträge im Reichstage einzubringen, und die gar seltsam kontrastirt mit der Ruhe der sozialdemokratischen Abgeordneten. Sind diese etwa nicht der Ansicht, daß den Arbeitern schnell geholfen werden muß, meinen diese etwa, daß die Arbeiter warten können? O gewiß nicht, sie wissen aber, wie wenig diese Art Eile fruchtet, sie wissen, daß diese Eile nur den Zweck hat, die Arbeiterfreundlichkeit der Herren Antragsteller in ein gutes Licht zu stellen. Unsere Genossen im Reichstag haben aber nicht ihre Arbeiterfreundlichkeit zu beweisen, sondern die Interessen der Arbeiter zu wahren. Unsere Gegner fühlen sich durch die ihnen auferlegte Rücksicht- nähme auf die Arbeiter gedrückt, unsere Abgeordneten durch die ihnen auferlegten Pflichten gehoben. U.,d je mehr die deutschen Arbeiter das Wahlrecht benutzen lernen, um so schwerer wird ihre Stimme, die Stimme ihrer Vertreter in'S Gewicht fallen. Es ist wahrlich keine Kleinigkeit, daß die Zahl der Wahlkreise immer größer wird, wo die klaffen- bewußten Arbeiter daS entscheidende Wort sprechen. Freilich, daS Wahlrecht kann nicht Alles. E« kann die end- liche Befreiung der Arbeiterklasse nur vorbereiten, nicht ste durch- setzen. Dazu bedarf eS anderer Faktoren. Man kann im gün- stigsten Falle mittelst desselben wirthschaftliche Reformen erzwingen, welche die sonst vollständige Verelendung de« Volkes hindern, aber die volle Emanzipation de« Proletariats wird schwerlich auf dem Boden de» heutigen Parlament ariSmu« erstritten werden. Dessen sind wir un« wohl bewußt, und wenn wir trotzdem an der Ausübung deS Wahlrechtes festhalten, so geschieht dieS in der Erkenntniß, daß eS ersten» überhaupt keine Form des politischen Kampfe« gibt, die nicht auch ihre Unzuträglichkeiten, ihre Mängel hätte, und daß zweitens die Benutzung de« allge- meinen Wahlrechtes, weit entfernt, der Energie und Thatkraft der Arbeiterklasse Abbruch zu thun. sie vielmehr entwickelt und kräftigt. Den Wahlkampf verachten, weil bei ihm nicht Blut fließt, heißt im Blutvergießen die Revolution erblicken, heißt den Messerhelden der großen Städte über den um seine und seiner Klassengenossen Emanzipation kämpfenden Proletarier stellen. Der Kampf auf der Barrikade, mit Dynamit ic. ist entweder ein Verzweiflungskampf«der Va-banque-Spielen. Nun, der Muth de« Verzweifelnden oder gar de« Va-banque-Spieler« steht für unS nicht höher al« der Muth, den Tausende und Abertausende deutscher Wähler in ihren Wahlkämpfen an den Tag gelegt. Dem Elend in'S Gesicht zu sehen, heißt oft mehr, als dem Tod, der allem Elend ein Ende macht, in'S Auge zu schauen. Der politische Kampf der Arbeiterklasse wird gerade in seiner erzieherischen Wirkung am öftesten unterschätzt. E« ist wahrlich nicht sehr schmeichelhaft für da« Proletariat, wenn man ihm sagt, daß eS da«„stet« betrogene" sei. Je politisch geschulter eS ist, um so weniger wird eS. wie der heurige Wahlkampf gezeigt, das„betrogene" sein, um so geringer ist die Gefahr, daß eS flch von Demagogen irgendwelcher Art irreführen läßt, um so gerin- ger auch die Gefahr, daß e» ein Opfer jene« stupiden Miß- trauen« wird, da« in seiner Folge jede größere zielbewußte Aktion lähmt. Je geschulter das Proletariat ist, um so fester wird eS gegen alle Angriffe und Verlockungen gewaffnet fein— ein wahrer FelS von Erz, an dem alle Manöver seiner Feinde abprallen. Daran hat Bismarck nicht gedacht, als er da« Wahlrecht ein- führte, er, der das Volk nicht minder verachtet, e« nicht min- der als eine willenlose Heerde betrachtet wie der erste beste An- archist. Oder kann man schlechter von der Arbeiterklasse denken, alS wenn man ihr zumuthet, sich durch ein schuftiges Ausnahme- gesetz bändigen, sich durch eine lächerliche Konzession, auf welche man die Etikette„Sozialrcform" klebt, kaufen zu lassen? O nein, Durchlaucht, für solche Manöver sind wir heute z u weit! Bismarck hat sich in der Beurtheilung des allgemeinen Wahl- rechtes gründlich verrechnet und hat da« auch eingesehen. Nicht an seinem Willen, es zu ändern, fehlt eS, sondern an der passenden Gelegenheit, an der Einigkeit der bei der Aufheb- ung mitentscheidenden Faktorm über daS WaS dann? Abgesehen von seinen nationalliberalcn und konservativen Mameluken wird ihm keine Partei dabei Handlangerdienste leisten. So wenig ste sammt und sonders das allgemeine Wahlrecht lieben, so mögen sie doch nicht gerne die Verantwortung für seine Beseitigung tragen, zumal eine Aenderung, die nicht Bismarck'« Chancen bei den Wahlen verbessert, d. h. die nichtbismärckischen Parteien schwächt, wenig Aussichten hätte. Nähme Bismarck da» Wahlrecht mit Gewalt, etwa auf dem Wege der Verordnung, dann würden sie stch eher darein finden:„Der Herr hat'S ge- geben, der Herr hat's genommen, der Name deS Herrn fei gelobt I" Aber soweit sind wir noch nicht. Und darum machen die Ausbrüche der Wuth über das böse, böse Wahlrecht, da« zu den „ allersch werften Bedenken Anlaß gibt", auf un« nur einen erheiternden Eindruck. Schimpft, soviel als ihr könnt, auf das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit der„unmoralischen" g e h e i m e n Stimmabgabe, wir werden un» dadurch nicht abbringen lassen, es nach besten Kräften für die Sache de» arbeitenden Volkes auszunutzen. UebrigenS, wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürftet ihr euch in nicht allzuferner Zeit vor ganz andere Aufgaben gestellt sehen. Die Arbeitsverhältnisse gestalten stch immer trüber, von allen Seiten her lauten die Berichte: Stockung, Arbeitslosigkeit, Lohn- reduktion. Ueberall gährt es unter den Arbeitern, die Vorgänge in Pari« und Lyon sind Symptome einer Stimmung, die auch anderwärts vorhanden ist. Die Unzufriedenheit mit der von den Regierungen beliebten Art, die soziale Frage zu lösen, wächst. Und wenn sich die deutschen Arbeiter auch bewußt sind, wa» das allgemeine Wahlrecht ihnen für Dienste leisten kann, so wissen ste auch sehr gut, was eS nicht kann. Die 600, OVO sozialistischen Stimmen sprechen eine sehr deut- liche Sprache; wenn ste aber nicht verstanden wird, wenn Roth und Elend zunehmen, wenn Tausende und Abertausende sich vor die Aussicht gestellt sehen, buchstäblich zu verhungern, wo die Magazine überfüllt sind von den Produkten ihrer Arbeit, dann werden diese sich nicht mit der Stimmabgabe begnügen, sondern ihren Wünschen, ihren Forderungen in anderer, eindring- licherer Form Gehör zu verschaffen suchen. Da» mögen sich doch die großen und kleinen Sozialreformer nicht einbilden, daß man mit Krankenkassen und Koloniegrün- düngen die Schäden der kapitalistischen Produktionsweise beseitigen, daß man den Kern des UebelS hinwegschwindeln kann. Pfuscht und verkleistert, soviel alS ihr könnt, e» bleibt drum doch der Tag nicht auS, da eure Kunst versagt, da eure Herr- lichkeit zusammenbricht! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. November l88<. — Vom Reichstage. Aus Berlin, vom 21. November, wird uns geschrieben: Auf gestern Abend 5 Uhr war die sozialdemokratische Fraktion zu ihrer ersten Sitzung in dieser Session berufen. Nachdem die Konstituirung erfolgt war und die neuen Atitglieder in einigen Haupt- punkten mit der bisherigen Fraktionspraxis bekannt gemacht worden waren, einigte man sich zunächst über verschiedene brennende Fragen. So wurde unter Anderin beschlossen, daß Bios für Braunschweig anzunehmen, und folglich in Greiz eine Neuwahl stattzufinden hat. Den Greizer Genossen sind zwei passende Kandidaten vorgeschlagen, womit natürlich der freien Entschließung der dortigen Genossen nicht vorgegriffen sein soll. Die Verhandlung der Frage, ob Hasenclever für Berlin oder für Breslau anzunehmen hat,' wurde aus heute Abend ver- schoben, weil es nöthig ist, Information einzuholen. Formell wäre laut dem Kopenhagener Kongrehbeschluß das Zentral-Wahlkomite befugt ge- wesen, diese Fragen zu entscheiden, dasselbe geht aber von dem Grund- satze aus, daß im Falle die Fraktion versammelt ist, wichtigere Fragen von dieser, als der den Willen der Wähler vollständiger vertretenden Körperschaft, zu entscheiden sind. Die Sitzung wurde auf heute Vormittag vertagt, und ist, nach einer Unterbrechung von vier Stunden, heute Abend 6 Uhr wieder aufge- nomine» worden. Man beschäftigte sich mit der Frage, ob und in wie weit die sozial- demokratische Fraktion durch ihr numerisches Anwachsen zu einer ver- änderten Taktik genöthigt oder verpflichtet sei. Alle Redner waren darin einig, daß von einer iv e s e n t l i ch e n Aenderung nicht die Rede sein könne, daß unsere Thätigkeit nach wie vor vorwiegend eine p r o p a- gandi st isch- agitatorische zu sein habe, daß aber die Vermeh- rung unserer Zahl insofern der Fraktion vermehrte Pflichten auferlege, als diese den vermehrten Kräften entsprechend auch eine vermehrte Thätigkeit zu entwickeln habe. Mit 24 Mitgliedern hat unsere Fraktion, nach parlamentarischem Brauch, das Recht, zu allen Kommissionen je ein oder zwei Mitglieder zu wählen. Einstimmigkeit herrschte darüber, daß wir uns an den Arbeiten der Wahlprüfungs- und der P e t i t i o n s- K o m m i s s i o n zu betheiligen haben. Getheilt waren die Meinungen in Bezug auf den so- genannten Senioren-Konvent, der bekanntlich keine offizielle Körperschaft ist, trotzdem jedoch hinter den Koulissen die Geschäfte des Reichstags leitet.�) Die Majorität entschied sich für Betheiligung, und es wurde Hasenklever zum Vertreter der Fraktion, Auer zu seinem Stellvertreter ernannt. Die Betheiligung an der Budget- k o m m i s s i o n wurde dagegen abgelehnt— man sagte sich, daß, bei der prinzipiell negirenden Haltung, die wir dem Gesammtetat gegenüber einnehmen, unsere Theilnahme an dieser Kommission keinen Sinn hat, und daß praktischer Nutzen nicht zu erhoffen ist. Für Theilnahme an der Geschäftsordnungs-Kommission sprach die Mehrheit sich aus. Nachdem man der bisherigen Fraktionsregel, daß kein Mitglied auf eigene Hand Anträge einzubringen habe, und daß bei allen wichtigen Debatten die Redner von der Fraktion zu bestimmen, und die prinzipiell wichtigen Reden ihrem Hauptinhalte nach vorher der Fraktion mitzutheilen seien— nachdem man diese Bestimmung ohne Debatte erneuert hatte, wurde die sofortige Einbringung eines„Nothgesetzes" beschlossen, welches die Frist zur Genehnngung der Krankenkassenstatuten vom 1. Dezember d. I.(wie das Krankenkassengesetz es erheischt) bis zum I.April des folgenden Jahres hinausschiebt, und die Reichs- regierung zum Entwurf von Normalstatuten für die freien Hülfskaffen auffordert. Ein solches Gesetz ist dringend nothwendig, wenn nicht die Mitglieder zahlreicher freier Krankenkassen in die polizeilichen Zwangs- lassen eingesperrt werden sollen, aus denen sie dann später sehr schwer herauskommen können. Hieraus trat die Fraktion in die Prüfung der durch die Doppel- wähl Hasencleve r's geschaffene Situation ein. Ohne zu ver- kennen, daß Breslau in vier Wahlen unter sehr schwierigen Um- ständen sich außerordentlich fest erwiesen hat, und, seit es in unserem Besitz, nie wieder verloren gegangen ist, während Berlin im Jahr 1878 unter der Herrschaft des tollen Polizeiterrorismus verloren ging, so konnte die Fraktion sich doch bei reiflicher Prüfung des Für und Wider der Ueberzeugung nicht verschließen, daß Berlin, wo an eine Koalition der Gegner nicht zu denken ist, und die Partei felsenfest da- steht, besser, d. h. mit weniger Risiko und mehr Vortheil für die Partei, einerNeuwahl unterworfen werden kann, als Breslau. Die Berliner Genossen werden das Vertrauen, welches die Partei in sie setzt, sicherlich nicht zu Schanden machen. Außerdem wurde noch beschlossen, den schon zweimal in den Papier- korb des Hauses gewanderten Antrag Liebknecht-Vollmar, betreffend der Kieler Verhastungen(nach dem Kopenhagener Kongreß) wieder einzu- bringen. In Bezug auf weitere Jnitiativ-Anträge wird nächste Woche entschieden werden. — In Berlin tagt augenblicklich die Kongo-Konferenz, welche den Zweck hat, allen Nationen die Theilnahme an dem großen Werk zu ermöglichen, die„Zivilisation" in das Innere des Kongo-Ge- bietes zu tragen, mit andern Worten: den Kapitalisten aller Nationen die Ausbeutung und Beschwindelung der Kongoneger freizugeben. Dar- auf läuft äs kaoto die hochgepriesene Zivilisation, welche die europäischen Kaufleute nach Afrika bringen, hinaus. Daß die Arbeiterklasse mit die- ser Art Kolonisation nichts zu thun hat, wird nicht einmal von ihren Verehrern behauptet. Es handelt sich darum, dem Kapital lohnende Auswanderungsgelegenheit zu verschaffen. Allerdings wird auch die Produktion der Waaren, welche man den Negern aushalst, etwas ver- mehrt, und man könnte darin vielleicht einen Vortheil für die europäischen Arbeiter finden wollen, aber einmal betrifft dieser gesteigerte Bedarf nur wenige Branchen, und zweitens, da alle Nationen an den„Segnungen" der Erschließung des Congo theilnehmen sollen, auch diese nur vorübergehend. Diese ganze Absatzvermehrung ist unter den heutigen Verhält- niffen kaum ein Tropfen auf einen heißen Stein. Die ganze Kolonial- frage ist eine Bourgeoissrage, und daher auch die Begeisterung der Bourgeois allerorts für dieselbe. Die Arbeiter haben keine Ursache, in dieses Jubelgeschrei einzustinimen. — Monarchisches. Das feudal-konservative„Deutsche Tageblatt" erzählt seinen Lesern folgende Geschichte von der letzten Hofjagd. „Als der Landrath von Hasselbach, welcher zum ersten Male in Letz- lingen war, dem Kaiser vorgestellt wurde, bemerkte der ihn vorstellende Oberpräsident von Wolff, daß Landrath v. H. aus der Stichwahl im Kreise Wolmirstedt als Sieger gegen v. Forckenbeck hervorgegangen sei. Der Kaiser äußerte:„Das freut mich seh r," und fügte scherzhaft hinzu:„Wo haben Sie das Wählen gelernt?" Hassel- *) Der Senioren-Konvent vereinbart z. B. die spezielle Art der Zu- sammensetzung jeder vom Plenum des Reichstages beschlossenen Kom- Mission. Da die Wahlen zu den Kommissionen in den Abtheilungen vorgenommen, diese selbst aber durch Ausloosung gebildet werden, so soll diese vorherige Vereinbarung Garantie geben, daß die Parteien in der ihnen gebührenden Stärke in den Konnnissionen vertreten werden. Anm. der Red. Feuilleton. Hin kleines Pechenerempet. „Reporter und Soziali st. Ein Gespräch über Ziele des Sozialis m u s." Dies ist der Titel einer A g i t a t i o n s- b r o s ch ü r e, welche Alexander Jonas, Chefredakteur der„New- Dorker Volkszeitung", auf Wunsch des National-Exekutiv-Komites der Sozialistischen Arbeiterpartei von Nordamerika geschrieben hat, und die nunmehr im Verlage des Letzteren erschienen ist. Wir waren bisher der Ansicht, daß Abhandlungen in Gesprächsform zur Agitation nicht beson- ders geeignet seien, die vorliegende Broschüre aber hat uns eines Andern belehrt. Wir gestehen offen, daß uns in unserer ganzen Parteiliteratur wenig Schriften bekannt sind, die in so populärer Form den Leser systematisch mit der sozialistischen Lehre bekannt machen als diese. So ziemlich alle Vorurtheile, die, um mit dem Verfasser zu reden, „heute noch ein großer Theil des Publikums, und zwar gerade derjenige Theil desselben, den man die„gebildete Klasse" nennt, gegenüber dem Sozialismus hegt", kommen zur Erörterung. Freilich stand dem Ver- fasser auch in den Erhebungen des amerikanischen Zensus ein statistisches Material zur Verfügung, wie wir es in Deutschland nicht haben, so daß er wirklich nur„in's volle Menschenleben zu greifen" hatte, um das, was er behauptet oder folgert, an einem drastischen Beispiel zu veranschaulichen. Wäre die Schrift nicht speziell für Amerika berechnet, so könnten wir sie, wenn wir auch nicht gerade bis auf's i-Tüpfelchen mit dem Verfasser einverstanden sind, mit gutem Gewissen auch zur Agitation für Deutsch- land empfehlen. Dazu ist sie nun freilich weniger geeignet, lesenswerth ist sie aber aus jeden Fall. Als Probe lassen wir eine Stelle aus dem Schriftchen selbst folgen welche wir, wie oben ersichtlich, ein kleines Rechenexempel taufen. Der Verfasser läßt den Sozialiften von dem Reporter einer amerikanischen Zeitung„interviewen", d. h. über das ausfragen, was die sozialistische Partei„eigentlich beabsichtigt, welche Ziele sie anstrebt und auf welchen Wegen sie diese Ziele zu erreichen gedenkt". Im Verlaus dieses Gesprächs, das der Sozialist ganz richtig damit beginnt, daß er durch entsprechende Fragen den Reporter veranlaßt, die heutige Produktionsweise selbst zu schildern, kommen sie nun zu nachstehenden Auseinandersetzungen. bach:„Majestät, in Ost preuße n." D e r K a i s e r:„ F a h- ren Sie nur so fort." Hierauf ließ der Kaiser nach Berlin tele- graphiren und ein in Folge dieses Telegramms eingetroffener R o t h e r Adlerorden wurde dem Landrath noch vor der Abfahrt von dem Kaiser eigenhändig überreicht." Wenn diese Geschichte von der Jagd keine Jagdgeschichte ist, so ist sie vortrefflich geeignet, Propaganda zu machen für— republikanische Einrichtungen. Nach ihr ist nämlich der„erhabene" Kaiser, wenn er nicht schon vollkommen unzurechnungsfähig ist— was für die Monarchie beiläufig noch kompromittirender— ein ganz gewöhnlicher Parteifuchs, um kein Haar besser als irgend ein beliebiger Blaine.„Wo haben Sie das Wählen gelernt?" kann in diesem Zusammenhang doch nur heißen: Wo haben Sie das Wahlen fabriziren gelernt? Und dafür ist Ostpreußen allerdings eine gute Schule. Ueberhaupt sollen unsere deutschen Philister nur nicht so erhaben thun gegenüber Amerika. Der Humbug wird hüben ebenso geübt wie drüben; nur trägt er in Deutschland, weil er sich auf durch Alter„ehrwürdige" Einrichtungen stützt, ein biedermeierlicheres Gesicht. Cr ist aber darum nicht schöner. Von Blaine, dem durchgefallenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, konnten seine Anhänger wenigstens singen: „Blaine, Blaine, Jarnea G. Blaine, The man with the big, big brain!" (Der Mann mit dem großen, großen Hirn.) Man reiße aber dem Idol des deutschen Philisters den stttlich-reli- giösen Bettelmantel ab, und was bleibt übrig?! — M ä x ch e n Hirsch hat es sich wieder einmal nicht versagen können, die englischen Gewerkvereine gegen die deutsche Sozialdemokratie als leuchtendes Muster praktischer Wirksamkeit für die Arbeiterinteressen auszuspielen. Wir verspüren keine Lust, sein oft widerlegtes Geschreibsel zum tausendsten Male zu widerlegen, sondein wollen ihm zu seiner Be- ruhigung nur mittheilen, daß gerade in der letzlen Sitzung des Londoner Gewerkschastsrathes(Trackea Council) eine lebhas.e Unzufriedenheit mit der seither befolgten Politik zum Ausdruck kam So sagte, nach dem Bericht der gewerkoereinsfreundlichen„Weekly Dispatch", der Delegirte S m y t h vom Verein der Steinsetzer,„er sei der Ansicht, daß der Gewerkvereinskongreß von Aberdeen so gut wie nichts gethan habe." Das parlamentarische Komite und besonders sein Sekretär Herr Broav- hurst thäten nur, was den Herren Liberalen genehm sei. Sehr übel wurde die herablassende Rede des Lord Roseberry aus dem Kongreß ver- merkt. Die Delegirten Poole(Damenschuhmacher) und King(Buchbinder) meinten, sie richteten ohne so vornehme Gönner mehr aus. Frenke(Schuhmacher) war der gleichen Meinung. Direkte Vertretung der Arbeiterklasse sei eine Lebensfrage. Auch die Frage der Staatshülfe wurde von verschiedenen Gesichtspunkten aus erörtert, und die Dis- kussion ergab, daß ohne Eingreifen und Hülfe des Staates den Arbeitern nicht geholfen werden könne. Das heißt, der„Staat" sollte unter die Kontrole der wirklichen Produzenten aller Güter gestellt werden, die ihn allein im Interesse der Gesamintheit lenken würden. Die Londoner„Justice", der wir diese Mittheilungen entnehmen, be- merkt dazu: „Es ist höchst erfreulich, dieses Anwachsen des Unabhängigkeitssinnes unter den Vertretern der Gewerkvereine zu sehen." Die bisherigen Leiter haben die„Maschine" so trefflich geführt, daß die Zahl der aus den Kongressen vertretenen Mitglieder von 1,200, 000 im Jahre 1872 auf 500,000 im Jahre 1884 gesunken ist.„Die Trades Unions sind die Aristokratie unter der Arbeiterklasse, aber ihr wahres Interesse sollte sie dahin führen, gemeinsame Sache mit der gesammten Arbeiterschaft zu machen zur Bildung einer von allen Bour- geoisparteien unabhängigen Arbeiterpartei. Die Verbindungen mit po- litischen Parteien seitens ihrer Führer haben den Gewerkvereinen keinen Nutzen gebracht, denn sie haben unleugbar die Sache der Arbeiter in Großbritannien heruntergedrückt." Was sagen Sie dazu, Herr Hirsch? Das klingt ja ganz sozial- demokratisch. Und je mehr die Geschästskrisis um sich greift, um so sonderbarere Erfahrungen werden Sie mit Ihren englischen Gewerk- vereinen noch erleben. — Ecce homol Im Baseler„Bolksfreund", einem liberalen Blatte, lesen wir folgende simple„Notiz": „In Straßburg wollte eine am„Hohen Steg" wohnende Dame am Donnerstag Abend in ihren unverschlossenen großen Keller gehen, um etwas aus demselben in ihre Wohnung zu holen. Als sie den Keller betrat, glaubte sie ein eigenthümliches Stöhnen zu hören, sie verließ den- selben, schloß ihn ab und ließ die Polizei holen. Die Polizei kam mit Laternen. In der Ecke des Kellers standen mehrere größere Kisten. In jeder derselben lag ein schlafender Mensch, und so auch in der Ecke zwischen den Kisten. In einer der Kisten bemerkte man sogar zwei Knaben im Alter von 7 und 10 Jahren fest anein- ander geschmiegt und mit gekrümmten Beinen schlafend liegen. Alle hatten sich mit mehr oder weniger großen Stücken Packleinwand zugedeckt. Ein sonderbares aber trauriges Bild. Bei dem Lichtscheine er- wachte der eine Knabe, und als er in dem Scheine des Lichtes die sun- kelnde Pickelhaube des Schutzmannes erblickte, Hub er ein jämmerliches Geschrei an, so daß sämmtliche Schläfer erwachten. Es waren 8 Bur- schen im Alter von 7 bis 17 Jahren. Nach dem Grunde ihres Ver- weilens in dem Keller befragt, gaben sie an. daß sie o b d a ch- und arbeitslos seien und daß sie in dem Keller haben übernachten wollen. Die beiden großen Burschen, der eine im Alter von 16, der andere im Alter von 17 Jahren, bemerkten noch zu dem Schutzmann und zu den im Keller anwesenden Hausbewohnern:„Gebt uns Arbeit, dann brauchen wir nicht in Kellern zu schlafe n." Hierher geblickt, ihr hohen Herrschaften, ihr großen und weisen„Sozial- Reporter:...„Sie haben mir schon im Anfang unserer Unter- redung gesagt, daß die Sozialisten die Großproduktion auf allen Gebieten des Erwerbslebens nicht allein beibehalten, sondern sogar noch erweitern wollen, daß sie aber die andere Seite der„kapitalistischen Pro- duktion", die nämlich, daß der ganze Gewinn nur Einzelnen zufalle, a b s ch a f s e n wollen. Können Sie mir nun ein klares, leicht verständ- liches Bild davon geben, wie die Sozialisten sich die Sache denken? S o z i a l i st: Ich hoffe, ich kann das ohne große Schwierigkeiten, und wenn Sie mir ausrichtig folgen wollen, so sollen Sie bald darüber klar werden, was wir wollen, und ich hoffe, Sie werden dann auch zugestehen müssen, daß dieses„Was wir wollen" in seiner Verwirklich- ung der Menschheit zum Segen gereichen würde, daß es vernünftig, gerecht, zweckmäßig und erreichbar ist. Reporter: Das ist allerdings Alles, was man verlangen kann. Sozialist: Und da muß ich Sie zunächst bitten,— da wir uns nicht in den Wolken bewegen, sondern uns recht hübsch an die that- sächlichen Verhältnisse halten wollen, welche die Mutter Erde uns bietet — sich mit den folgenden Zahlen des 1380er Zensus vertraut zu machen. Wie Sie wissen, gibt der Zensus u. A. ein genaues Bild der verschie- denen Industrien, der darin angelegten Kapitalien, der Arbeitskräste, der Gewinne u. s. w. Nun wohl. Nehmen wir daraus, wie schon vor- hin gethan, die erste vom Zensus angeführte Fabrikation, die der land- wirthschastlichen Arbeitsmittel und Werkzeuge aller Art(agrioultural impleraenta). Nach dem Zensus gab es in dieser Arbeitsbranche 1943 Etablissements, in welchen ein Kapital von etwas über 62 Millionen Dollars steckte. Beschäftigt wurden in sämmtlichen Etablissements zusam- mengenommen 38,313 männliche Arbeiter, 73 weibliche und 1194 Kin- der unter 16 Jahren. Die im Laufe des Jahres ausbezahlten Löhne betrugen Dvll. 15,359,160 und der Kostenpreis des verarbeiteten Mate- rials betrug Dvll. 31,531,170. Der Gesammtwerth der produzirten Waaren betrug Doll. 68,640,486. Daraus ergibt sich— Sie können das leicht auf dem Papier nachrechnen—, daß die Arbeiter pro Kopf jährlich Doll. 388,25 Arbeitslohn erhalten, während die Prinzipale (Bosse) nach Zahlung aller Arbeitslöhne, nach Ankauf allen Materials und nach Abzug von 5 Prozent als Abnutzung für das in den Fabri- ken, Maschinen, Grund und Boden u. s. w. steckende Kapital noch Doll. 18,649,706 produzirten Werthes in ihre Tasche stecken. Oder aber: An jedem Arbeiter, dem sie pro Jahr Doll. 333.25 Arbeitslohn bezahlen, verdienen sie in runder Summe Doll. 470.00. Das ist ein noch etwas schlechteres Verhältniß, als der Zensus als Durchschnittsverhältniß bei den Industrien angibt, wonach nämlich die Kapitalisten für jeden Doll. 1.00 Arbeitslohn, den sie im Jahre 1880 auszahlten, Doll. 1.08 als produzirten M e h r w e r t h in die eigene Tasche steckten. Reporter: Und glauben Sie, daß diese Zahlen korrekt sind? Sozialist: Sie stimmen im Allgemeinen mit den Statistiken, die einzelne Städte und Staaten ausgenommen haben, überein. Wenn sie reformer"! Hier ist ein Bild, aus dem Leben gegriffen, das Euch zeizi wo eine Sozialreform am nöthigsten ist, hier seht Ihr ein Elend, das mit Eurer Sozialreform nicht aus der Welt geschafft wird. Tröstä die Arbeitslosen mit der Krankenversicherung, tröstet die Obdachlosen mit der Unfallversicherung, tröstet die Kinder der Armuth mit der Alters- Versorgung,— wenn Ihr den Muth dazu habt! Mit pharisäischem Entsetzen spricht der deutsche Philister von dem Elend in London, der großen Millionenstadt. Spare Deinen schönen Zorn- Biedermann, für das Elend im eigenen Lande! Sieh her, nach Straß- bürg, der wiedergewonnenen Reichsstadt, wo sie noch jüngst die neuen Universitätsgebäude mit glänzenden Festen einweihten, und dabei in pomphafien Reden die Herrlichkeit des wiederhergestellten deutschen Reiches priesen, hier ist Deine Entrüstung am Platze. Und glaube nicht daß dieser eine Fall, daß Straßburg eine Ausnahme ist in Deutsch> land. Hier ist nur wieder einmal durch Zufall zur Kenntniß gekomme' � was allerorts besteht, aber, so lange es nicht das allgemeine Aufsehe- erregt, geflissentlich ignorirt wird. Scheut doch gerade das tiefste Elend die Oeffentlichkeit; es hält sich, wo es kann, in der Verborgenheit. „In elenden Höhlen versumpfend wir gröhlen, Was wissen wir, ob die Welt ist schön! Wir müssen uns scheu'n, unserer Brut uns zu freu'n, Sie wird, gleich uns, ja zu Grunde geh'n"— singt darum der Dichter des ergreifenden„Schrei der Plage". Die Proletarier davor zu bewahren, daß es mit ihnen dahin kommt, das vermag nicht die kaiserlich-königlich privilegirte„Sozialreform", ftm dern nur die Beseitigung des heutigen Ausbeutungssystems, wie sie d« Sozialdemokratie anstrebt. — Unsere Reserven. Wir haben das liebenswürdig« Verfahren der„Frankfurter Zeitung", den bei Stichwahlen für un- sere Kandidaten erzielten Zuwachs auf Konto irgend einer reaktionäre« Gegenpartei zu schreiben, bereits gekennzeichnet, heute liegt uns wiederui« ein Beiipiel dafür vor, wie abgeschmackt solche Rechnerei ist. Im 22sten sächsischen Wahlkreise hat bekanntlich Genosse K a y ses bei der Stichwahl einen Zuwachs von über 4000 Stimmen gehabt. war nach der braven Frankfurterin nur dadurch möglich, daß— ma» höre!— die Konservativen in der Stichwahl für K a y s e r gege« � den Nationalliberalen stiinmten. Thatsächlich liegt die Sach jedoch so, daß in der Hauptwahl unsererseits in jenem Kreise nur seht wenig, bei der Stichwahl aber um so rühriger agitirt wurde. „So hatte," schreibt man dem„Sächsischen Wochenblatt",„bei dtt ersten Wahl Niethammer, der Nationalliberale, in W y l a u un> Rt i l k a u die Masorität, während bei der Stichwahl, wo einig« hundert Wähler in diesen Orten mehr stimmten, wir vi« Majorität mit mehreren hundert Stimmen erhielten. Ja es gibt Ort«, wie K i r ch b e r g, das Hauptquartier der Nationalliberalen, wo di« Stimmen für Niethammer um ca. 180 abgenommen und die Kayser'sch� um so viel zugenommen haben! 3000 Konservative haben str im«« für Niethammer gestimmt, doch konnte das gegen den Aufschwung, de« hier mit einem Male die Arbeiterpartei nahm, nicht in's Gewicht fallen. Infolge der eifrigen Thätigkeit unserer Genoffen, insbesondere Bebel'«, stieg die Wahlbetheiligung von 12,000 bei der Hauptwahl auf übe« 17,000 in der Stichwahl, und diyse 5000 aufgerüttelten Wähler ent> schieden den Sieg. So steht's, liebe Frankfurterin. Wir haben immer noch Reserven, das können Sie sich ein für allemal merken. Denn die Hunderttausende, die Millionen von Arbeitern, Handwerkern, Bauern k., die heute noch ihr Klassenintereffe verkennen und in Indifferenz dahinleben oder gar für unsere Gegner stimmen, das sind die Reserven der Soziat- demokratie! — Noch einige Wahlziffern. Im Wahlkreise Erfurt- Schleusingen-Ziegenrück, der im verflossenen Reichstag dur? einen Deutschfreisinnigen vertreten war(früher allerdings immer natio- naljervil gewählt halte), erhielten diesmal Stimmen: Oekonomierath Robbe(reaktionärer Mischmasch) 7960 Dr. Windthorst(ultramontan) 642 Dr. Witte(deutschfreisinnig) 3273 Hase»clever(Sozialdemokrat) 3366 Man sieht, es fehlte nur wenig, und wir hätten es zur Stichwahl gebracht. Gegen 1881 haben die Deutschsreisinnigen 3551 Stimmen v e«- loren, die Sozialdemokraten 2131 Stimmen gewonnen. Selbst, die höchste Stimmenzahl, die wir in früheren Jahren in diesem Waht- kreise erzielt hatten(nämlich 2838 im Jahre 1877), bleibt hinter der dies« maligen noch um 528 zurück. Deshalb Glück auf!—[ Interessant sind folgende Zahlen aus M a g d e b u r g. In der Stich- wähl erhielt unser Kandidat Heine in den drei Arbeitervorstädte« folgende Majoritäten: Heine Büchtemann � Sudenburg 1157 489 Neustadt-Magdeburg 2976 1187 Buckau 1917 622 Summa: 6050 2298 Was wollen da die 600 Stimmen Majorität sagen, die Büchteman« in der inneren Stadt erhalten? Wo die Arbeiter-Bataillone so geschlossen anrücken, da gibt's keinen Widerstand. Unseren ganz speziellen Dank aber Herrn Polizeikommissar K r i e t e r, Sein Verdienst um unseren Wahlsieg soll ihm unvergessen bleiben. — Wie unsere Gegner kämpfen. Aus B e r g e d o r s be>, Hamburg erhalten wir von dortigen Arbeitern nachstehende Mitthei-$ aber nicht korrekt sind, so sind sie es höchstens zu Ungunsten der Ar- z beiter und zu Gunsten der Kapitalisten. Die letzteren nämlich, nach p deren Angaben im Wesentlichen diese Statistiken zusammengesetzt sind, haben nämlich wahrscheinlich, wie dies in r der Natur der Sache liegt, und wie Sie bei allen Angaben der Kapi- talisten, welche für Steuerzwecke gemacht werden, sehen können, ihr« t Gewinne, resp. ihr Vermögen zu gering und die Summe der- gezahlten Löhne zu hoch angeschlagen. Wir würden also annehmen e können, daß der Zensus die Lage der Fabrikanten noch zu ungünstig« und die der Lohnarbeiter zu günstig auffaßt." z ...„Ich muß Sie nun bitten, die folgenden Ausführungen mit Auf' e merksamkeit anzuhören.< Reporter: Ich werde mich bemühen, das zu thun. i S o z i a l i st: Denken Sie sich also— und in den Vereinigte«, Staaten, wo die Konzentrirung des Kapitals und der Fabrikation i« t verhältnißmäßig wenig Händen riesenhafte Fortschritte macht, ist es nicht schwer, sich eine solche Vorstellung zu machen—, denken Sie sich also, daß einer der 1943 Fabrikanten landwirthschaftlicher Werkzeuge, sage« i wir der größte und reichste, allmälig die ganze Fabrikation dieser Brauch« i an sich zöge. Eine Anzahl von Fabriken würde er auskaufen, ander«, würde er durch seine übermächtige Konkurrenz erdrücken, kurz nach eine«, gewissen Zeitdauer würde er der alleinige Fabrikant von„agricultura« irnplementa" in den Vereinigten Staaten und durch einen hohen Schutz' zoll gegen jede Konkurrenz seitens des Auslandes geschützt sein. Würv« er nicht nunmehr bei seiner Fabrikation im großen Vortheil sein gegeiv über den 1943 heute existirenden Fabrikanten? Reporter: Ganz enorm. Sozialist: Natürlich. Da er keine Konkurrenz hat, kann er gena« nach Bedarf arbeiten lassen. Da die in den ganzen Vereinigten Staate« einlaufenden Austräge sich in seinem Hauptkomptoir konzentriren, so weiß er ganz genau, was der Markt braucht. Es entsteht also kein« Ueberproduktion, die heute bei den 1943 Fabrikanten, welche nur de« Bedarf ihres kleinen Kundenkreises kennen, fast stets vorhanden und die Ursache so vieler Bankerrotte und der Vergeudung kostbarer Arbeits- kraft ist. Das ist der Hauptvortheil, aber noch lange nicht der einzig«- Er kann seine Fabriken hinlegen, wo sie im Anschluß an das Roh' Material am praktischsten und b i l l i g st e n arbeiten, er kan« die A r b e i t s t h e i l u n g, d. h. die durch Maschinen auf's Vortheil- hafteste betriebene Herstellung der einzelnen Theilchen, auf's A e u h e r st« treiben; was immer er zu kaufen genöthigt ist, kauft er im größte« Maßstabe, also a m b i l l i g st e n; die Allgemeinkosten der Beaufsichti- gung u. s. w. vereinfachen sich sehr gegenüber denjenigen der 1941 heute bestehenden Fabriken; er könnte auch die unsinnig hohen Ausgaben, die heute für Reklamen u. s. w. nölhig sind, ersparen; mit eine«« lei« � Jungen als Beitrag zum Thema der„g e i st i g e n W a f f e n" unserer Gegner: «Der Glasfabrikant Zimmermann ließ seinen Kutscher, als der- selbe am Wahllokal vorbeifuhr, anhalten und forderte ihn auf, wählen Zu gehen. Borher aber ließ er sich von ihm seinen Stimmzettel zeigen, und da es sich herausstellte, daß der Kutscher den Arbeiterkandidaten H e, n z e t zu wählen vorhatte, riß der Edle ihm den Stimmzettel aus der Hand, zerriß denselben und gab ihm dafür einen Zettel für Wör- mann, hieß ihn sodann in's Wahlzimmer gehen, wobei er jedoch nicht vergaß, ihn hübsch im Auge zu behalten. Als ihm einige Arbeiter das Ungehörige dieses Verfahrens vorhielten, gerieth der Patron ganz aus dem Pauschen und uverschüttete die Arbeiter mit einer wahren Fluth von Liebenswürdigkeiten, wie:„Halten Sie Ihre Schnauze, sonst kriegen Sie eins auf den Deckel; Sie sind verrückt; machen Sie sich nicht zu mausig" rc. Aebendeigesagt, die gewöhnlichen Redensarten dieses Orb- nungsmannes. Ihm sekundirte sofort ein gewisser Gerstenkorn, der Jierelts am Delirium tremens leidet, und versetzte einem unserer Genossen mehrere Stöße vor die Brust. Em anderer Glasjabrikant, Namens Dietrich, ein Betbruder, kam mit zirka 10 seiner Arbeitssklaven un Gänsemarsch vor das Wahllokal getrottelt. Dort händigte er jedem derselben einen Zettel für Wörmann ein, lies wieder voraus, faßte an der Treppe des Wahlbureaus Posto, und ließ alsdann das Stimmvieh an sich vorüberdefiliren. Alles aus purer christlicher Nächstenliebe. Der»upjerjchnned M ö n n i g, der als Spritzenmeister von der Stadt ein Gehalt von 500 Atark bezieht, gab uns seine geistige Ueberlegenheit dadurch kund, daß er sich einen Zettel iür Heinzel geben ließ und mit demjelven eine nicht mißzuverstehende Bewegung über den Hinteren machte. Noch srecher benahm sich ein gewisser H e t t st a d t, auch Bertheidiger der sittlichen Weltordnung. Derselbe brüllte, von einem Genosse» darauf aufmerksam gemacht, baß die Art seiner Agitation unstatthaft sei, im Beijem von verschiedenen Frauen und Mädchen entgegen, wenn er zu einem Arbeiter sage, er solle ein xbeliebigeS Mädchen——(der Ausdruck entzieht sich der Wiedergabe), dann thäte er es auch. Unser Bürgermeister Dr. Mantius, der den Schweriner Genossen noch bekannt sein wiro, bot dem Wahlvorstand ohne jede Beranlassung p o l i z e i l i ch e H i l f e an. Da er nun während des Wahlaktes keine Gelegenheit halte, den Staat zu retten, so ließ er am Abend einen Hamburger Genossen, als derselbe mit seinen Kollegen zurückfahren wollte, ohne Grund und Ursache verhaften? Wozu ist der Herr auch Hüter des Gesetzes?! Aber aller Hetzereien ungeachtet haben wir hier ein Resultat erzielt, mit dem wir wohl zufrieden sein können. Während wir es vor drei Zahren nur auf 70 Stimmen brachten, erzielten wir diesmal bei der Hauptwahl 188, bei der Stichwahl 387 Stimmen. Wenn es in Deutsch- land überall so vorwärts geht, dann werden gewisse Leute bald aus einem anderen Tone pfeifen lernen." Sogest die Zuschrift, die keines Kommentars bedarf. Ader als Nachschrift sei zur weiteren Charakteristik der edlen Kampfesweise unserer Gegner konstatirt, daß der hochedle Senat der sreien Hansastadt Hamburg aus Wulh über die auegestandene Angst, fem großer Mitbürger Wörmann könne wie ein simpler Perr von Schauß durchfallen, fünfzig Ardeiter— theils Oesterreicher, theils Belgier—, weil sie bei ver Reichstagswahl Stimmzettel für die Arbeiter- Kandidaten vertheilt hatten(eine durchaus gesetzliche Handlung!), aus Hamburg verwiesen hat. Desgleichen vier deutfche Reichsange- hörige auf Grund des— Sozialistengesetzes. So rächen sich ehrenwerthe Patrizier! Nach oben hin feig und unter- würsig, nach unten brutal und rücksichtslos. — HarmonieedlerSeelen. Die„Norddeutsche Allgemeine" predigt als vorläufiges Korrektiv gegen die„Unfittlichkeit" der Wahl- koalitionen die„Emanzipation der Wahlkreise von der Parteileitung". Fast überall da, sagt das Bismanfsche Blatt wörtlich,„wo die Wahl- kreise ihrem eigenen politischen Verstand gefolgt sind, hat sich das Wahl- geschäft(!) verhältnißmäßig leicht gemacht." Wir glauben's wohl. Ueberall nämlich, wo die Wahlkreise nicht poli- tischen Erwägungen folgen, nicht das Gesammtinteresse»i's Auge fassen, treiben sie K i r ch t h u r m s p o l it i k, und da wickeln sich Wahl- g- f ch ä f t e im Bismarck'schen Sinne allerdings„verhältnißmäßig leicht" ab. Gelänge es, die Wahlkreise zu bestimmen, nur von lokalen Ge- sichtspunkten sich leiten zu lassen,„praktische" Politik zu treiben, dann wäre der Jdealstaat im Bismarck'schen Sinne fertig— nämlich der autokratische Despotismus. Im heutigen Militär- und Klassenstaat sind starke geschlossene Parteien die einzige Schutzwehr gegen absolutistische Bestrebungen. Jndeß, die„Norddeutsche" kann sich trösten. Sie steht in ihrem Kampf gegen jede Parteidisziplin nicht allein. Mit noch größerem Eifer bekämpfen dieselbe die Anhänger der„absoluten" Freiheit— die Anarchisten. — Stimmen aus Amerika über unfern Wahlsieg. Das„Philadelphia Tagblatt" vom 30. Oktober schrieb: „Triumph!'Achtunddreißigtaujend Stimmen Zunahme des sozia- listischen Botums in Berlin! Das ist die erste gewichtige Nachricht von der Wahl in Deutschland. Das ist ein Triumph für die Sache des ar- beitenden Volkes, der unsere kühnsten Erwartungen übersteigt. Das ist ein Donnerschlag für die Reaktionäre aller Sorten. Das ist eine nieder- schmetternde Antwort auf das Zwangsgesetz. Das ist die Verkündigung eines großen Sieges der Sozialdemokratie im ganzen Lande."... „Dieser großartige Erfolg setzt eine Organisation der verfolgten Partei voraus, die man für unmöglich halten sollte gegenüber dem Heer der Spitzel. Viele Tausende müssen in aktiver Thätigkeit für ihre Sache Wort: er würde Vortheile für sich haben, deren Tragweite sich kaum abschätzen läßt. Reporter: Das ist leicht einzusehen, aber ich verstehe immer noch nicht, was Sie damit beweisen wollen. Sozialist: Nur einen Augenblick Geduld. Sie werden es gleich begreifen. Das Resultat aller dieser Vortheile, die dieser einzige Fabrikant von„agricultural implernents" hätte, würde also nun entweder darin bestehen, daß er mit einer viel geringeren Anzahl von Arbeitern— von denen viele also dann für andere Arbeitszweige dis- ponibel würden— und mit viel geringerem Kapital als die 1943 heute existirenden Fabrikanten gebrauchen, dieselbe Quantität von«axri- cultural implernents", dieselbe Werthsumme von Pro. dukten(Doll. 08,640,486) herstellen würde wie jene 1943, oder aber: er würde mit derselben Anzahl von Arbeitern und mit demselben Kapital eine viel größere Quantität, eine viel höhere Werth- summe herstellen. Reporter: Nehmen wir einmal, der Einfachheit wegen, den l e tz- teren Fall an, und nehmen wir an, daß für diese größere Quantität von Produkten auch Bedarf vorhanden sei, da der Fabrikant, der den allgemeinen Bedarf sehr genau kennt, sie sonst nicht herstellen lassen würde. Sozialist: Gut. Und es ist gewiß nicht zu hoch gegriffen, wenn wir den unter so außerordentlichen Vortheilen erzeugten Ge- sammtwerth aller Produkte(der„agricultural implernents") statt auf zirka 60 Millionen Dollars, wie er heute ist, auf 100 Millionen an- nehmen. Reporter: Einverstanden. S o z i a l i st: Und nun nehmen wir wieder die Zahlen des Zensus. Zum Betrieb dieser großartig und praktisch eingerichteten Etablissements beschäftigt der Fabrikant die— in runder Summe— 40,000 Arbeiter, welche heute in den 1943 Etablissements arbeiten. Darunter sind einfache Biaschinenarbeiter und beffere, die schwerere— qualifizirte— Arbeit machen, Vorleute und Werksührer, Techniker und Zeichner, Erfinder neuer Verbesserungen und neuer Werkzeuge, Buchhalter und Finanzleute, Kassirer u. s. w. u. s. w., kurz der ganze Apparat von „Händen" und Köpfen, der nothwendig ist, um das koloffale Geschäft zu führen. Er zahlt diesen 40,000 Arbeitern, wie der Zensus nachweist, per Kopf jährlich 338 Doll. Einigen, der großen Waffe der Maschinenarbeiter, weniger, den anderen, den wenigen Vorleuten, Erfindern, Finanzleuten u. s. w., viel mehr; im Durchschnitt aber 338 Doll. per Jahr und Kopf, oder per Jahr zirka 15'/, Millionen. Tie Kosten des Materials würden sich— da der Gesammtwerth der Produkte sich von zirka 69 Millionen auf 100 Millionen erhöht— ebenfalls erhöhen. Da aber der eine Fabrikant dieselbe Quantität Materials jedenfalls begriffen sein, wenn dies Resultat, ohne Versammlungen, ohne Vertretung in der Presse, erreicht werden konnte. Was hat da das Schandgesetz noch zu bedeuten! Die Sozialdemokratie legt es mit ihrer Antwort von vorgestern zerrissen vor die Füße der Gewalthaber."... „Die deutsche Sozialdemokratie hat einen Sieg errungen, der die kühn- sten Erwartungen übertrifft und überall in der zivilisirten Welt gefühlt werden muß." Die„Illinois Volkszeitung" vom 8. November bringt als Leitartikel eine treffliche Festrede, gehalten von V a h l t e i ch auf einem Arbeiterfeste in Chicago zu Ehren des deutschen Wahlsiegs. Dort heißt es: „Man muß die Verhältnisse in Deutschland kennen, um die ganze Größe der Leistung unserer Genossen zu verstehen. Männer, denen ihre harte Arbeit einen Wochgnverdienst von l1/, bis 4 Dollars abwirft, Parteiführer, welche ununterbrochen und nicht immer mit Erfolg, um eine bescheidene Existenz kämpfen müssen, bilden die Armee und das Offizierkorps der Truppe, welche die Schlacht gewonnen hat. Fast alle Waffen des Parteikampfes sind ihnen entwunden: sie haben keine Presse und keine Tribüne, jede ihrer Bewegungen ist gehemmt, über jeden der Streiter hängt das Damoklesschwert der Ausweisung, der Einkerkerung, der Arbeitsentlassung, die nicht blos Ungemach und Roth, sondern den Ruin der Familie, Hunger und Elend für Weib und Kind in ihrem Gefolge haben. Auf der anderen Seite stehen die herrschenden Klassen. Ihnen gehört Alles, was dazu besähigt, ein Volk zu täuschen, zu bereden, zu ködern, zu zersplittern oder einzuschüchtern. Zahllose Blätter und Blättchen ver- künden jeden Tag die Nichtswürdigkeit des Sozialismus; von der Kanzel, vom Katheder, im Gerichtssaal und der Fabrik ertönt ununterbrochen das Eia popeia von der Liebe Gottes, die Alles wohl geordnet hat, und den väterlichen Absichten der Regierung, die angeblich bereit ist, den Armen und Elenden hülfreich die rettende Hand zu reichen. Und wo das nicht verfängt, ist ein freches Beamtenthum, die Polizei mit brutaler Faust, die Richter mit Urtheilssprüchen, die selbst für ihr„Recht" ein Hohn sind, allezeit bereit, dem Versprechen von Zuckerbrod die Peitsche folgen zu lassen."... „Noch stehen uns heiße Kämpfe bevor, diesseits und jenseits des Welt- meeres, noch scheint ein bleierner Schlaf zu lagern über den Geistern der Menschen, so daß sie nicht merken, wie die alte Welt in allen Fugen kracht. Der Sozialistensieg in Deutschland wird den Schläfern der den kommenden Morgen verkündende Hahnenschrei sein. Uns ist er gleich dem ersten Sonnenstrahl, der durch trübes Gewölk hindurch die unleug- bare Thatsache des herangebrochenen Tages beweist. „Deß sind wir froh. Der Sieg unserer deutschen Brüder ist der unsrige und ein Sieg, den wir dereinst erfechten werden, wird der ihrige sein. Möchten wir bald vergelten können, was sie jetzt für uns gethan! „Wie aber auch die Würfel des Kampfes fallen mögen, wir geloben den Mitarbeitern für den Sozialismus treue Waffenbrüderschaft und rufen den deutschen aus vollem Herzen zu: Dank Euch, Ihr braven Männer und Frauen!" �«* Selbst der anarchistische Chicagoer„Vorbote" schreibt: „Dieses Wahlresultat zeigt vor allen Dingen, daß Repreffiv-Maßregeln, wie sie dummer Weise von der preußischen Räubergarde gegen die So- zialisten ergriffen wurden, nichts fruchten. Zweitens zeigt es, daß die Deutschen in Krieg und Frieden gute, d. h. vortrefflich disziplinirte Soldaten sind. „Wir halten die Betheiligung der Sozialisten an der Politik des Eigen- thumsstaates zwar für sehr thölicht, trotzdem aber machen wir den deutschen Arbeitern für ihre Standhastigkeit und ganz besonders für ihren Opsermuth unser Kompliment."— Nur General Bumbum blieb es vorbehalten, die deutschen Arbeiter zu begeifern. Darüber an anderer Stelle. — Solidarität. Von dem Komite der in Paris lebenden österreichisch-ungarischen Sozialisten erhalten wir folgende Zuschrift: „Wenhe Genossen! Sehr erfreut von den Erfolgen unserer Genoffen in Deutschland bei den stattgehabten Reichstagswahlen, fühlen wir uns auch veranlaßt, durch ein kleines Schärflein den Kamps gegen die Heu- tige verrottete und korrumpirte Gesellschaft zu unterstützen, indem wir Ihnen für den Wahlfonds 50 Franken senden, welche in unserer gestrigen Versammlung dazu bewilligt wurden. Ergebnisse spezieller Sammlungen zu diesem BeHufe unter den österreichischen Genossen werden an die hiesige Gruppe deutscher Sozialisten abgeliefert. „Wir fühlen uns zur Unterstützung unserer deutschen Genoffen gerade im jetzigen Moment, nach Möglichkeit unserer noch sehr bescheidenen Mittel, um so mehr veranlaßt, da wir die Thatsache nicht verkennen, daß ein Sieg derselben seine Wirkung auch nach Oesterreich nicht ver- fehlen wird, indem dadurch unsere dortige» Brüder zu neuem Muth und Ausdauer in ihrem schweren Kampfe angeregt werden, um auch dort bald Siege über den Unverstand der Massen verzeichnen zu können." Unfern besten Dank den wackeren Freunden. *.* Aus Cincinnati(Ohio) schreibt man uns: Der Herwegh-Männerchor beschloß in seiner letzten Geschäfts- Versammlung, seiner Sympathie mit den Genossen in Deutschland dadurch Ausdruck zu geben, daß er sie nach Kräften pekuniär zu unter- stützen bestrebt sein wird. Den Genossen, die trotz Ausnahmegesetz und Polizeiherrschaft bei den letzten Wahlen für die Arbeitersache eingestanden sind, senden wir unse- ren aufrichtigsten Glückwunsch! viel billiger sich herstellen würde, als die 1943 heute existirenden Fa- brikanten, so greifen wir schon sehr hoch, wen» wir die Kosten des Materials von zirka 31'/, Millionen auf 40 Millionen erhöhen. Die Sache würde sich also dann so stellen, wie die Tabellen, die ich Jbnen hier ausschreibe, deutlich zeigen. Unter der heutigen Wirthschaft. (Nach dem Zensus.) Zahl der Fabrikentablissements und Werkstättten in der Geschäftsbranche der„agricultural im- plements" Zahl der darin beschäftigten Arbeiter Angelegtes Kapital Kosten des verbrauchten Materials ic.l Summe der in einem Jahre ausgezahlten Löhne Werth der produzirten Fabrikate Das ergibt im Durchschnitt für jeden Arbeiter einen Jahreslohn von Für jeden„Boß", nachdem noch Doll. 3,100,000 für Abnutzung des in den Fabriken steckenden- den Kapitals abgerechnet wird, ein Jahres- gewinn von Unter der Herrschaft eine» Bosses, der den ganzen Geschäftszweig monopolisirt. Zahl der Etablissements(statt jener 1943 großen und kleinen) nur ganz großartige, sagen wir Zahl der Arbeiter Angelegtes Kapital Kosten des verbrauchten Materials Summe der ausgezahlten Löhne Werth der produzirten Fabrikate Das ergibt also, ebenfalls wie oben gerechnet, für jeder Arbeiter jährlich Für den einen Boß jährlich Man mag nun an dieser Aufstellung hin- und hermäkeln, soviel man will, man wird nichts Wesentliches daran ändern können, wenn man sich an die Zahlen des Zensus hält. Reporter: Das will ich zugeben. Aber um Alles in der Welt, das ist ja nun ein Bild von dem Resultate des Monopols, das sich, wie Sie ganz richtig behaupten, bei uns immer breiter macht, nicht ein Bild Ihrer sozialistischen Zukunstsproduktion. Sozialist: Um Ihnen dieses zu geben, machen wir eine ganz kleine Veränderung in dem eben gezeichneten Bild. Passen Sie genau auf, mein 1,943 39,560 Doll. 62,000,000.00 „ 31,531.170.00 „ 15,359,610.00 „ 68,640,486.00 „ 388.25 3,598.40 10 39,560 Doll. 62,000,000.00 „ 40,000,000.00 „ 15.359,610.00 „ 100.000,000.00 „ 388.25 41,440.390.00 Gleichzeitig senden wir den Ertrag einer hier veranstalteten Sammlung ein, derselbe beläuft sich auf Doll. 24 55. Mit Sängergruß! I. A.: Jakob Weyler. »»» Aus H o l y o k e(Massachusetts): Aufgemuntert durch die glänzenden Erfolge der deutschen Genossen und im Hinblick auf die noch nothwendigen Stich-, bezw. Nachwahlen haben sich die Genossen von Holyoke veranlaßt gesehen, in aller Eile noch eine Geldsammlung vorzunehmen, die trotz der großen Ar- beitslosigkeit erfolgreich ausfiel. Es wurden gesammelt: Von der Sektion Holyoke Doll. 14 25 „„ Textilworkers-Progressiv-Union„ 5— insgesammt: Doll. 19 25, welchen Betrag wir mit besten Grüßen hiermit einsenden. I. A.: H. Backofen. —„Ein gefährlicher Kämpfer gegen die Sozial- demokratie," schreibt man der„Frankfurter Zeitg." aus Braunschweig,„ist der in unserem Wahlkreise unterlegene Amtsrichter Knie- mann. Derselbe sagte in einer Rede im hiesigen nationalliberalen Verein am 2. November von den Sozialdemokraten:„Sie wollen den Unterschied der Geschlechter in ihrer äußeren Erscheinung dadurch ver- wischen, daß Männer wie Frauen mit kurzgeschorenem Haar, weiten Kleidern, gleichmäßig ausgestatteten Hüten und endlich mit blauen Brillen zwangsweise versehen werden sollen." So zu lesen in dem vom nationalliberalen Verein herausgegebenen und bei Limbach gedruck- ten Bericht über die Versammlung vom 2. November." Dieser Vorwurf ist allerdings vernichtend. Für wen,— sieh« das Braunschweiger Wahlresultat. — O Größenwahn! Wir haben die Urtheile der sozialistischen Auslandspresse über den großartigen Sieg der deutschen Sozialdemo- kratie zum Abdruck gebracht, wir wollen nun auch zur Erbauung unserer Leser mittheilen, was der Erzrevolutionär Hans M o st über die ge- waltige Krastäußerung des deutschen Proletariats zu sagen weiß. „S t i m m k a st e n- D ü n st e" überschreibt der große Anarchist den Artikel, in welchem er gleichzeitig die deutschen Wahlen und die ameri- kanische Präsidentenwahl behandelt, um über beide mit souveräner Ver- achtung hinweggehen zu können.„Der gesunde Menschenverstand nimmt sich unter diesen Blocksberg Orgien aus, wie ein Weiser unter einer Heerde rasender Gorillas." Die Entrüstung über die amerikanische Wahldemagogie ist in Deutsch- land bei allen Spießbürgern stehendes Thema, und Anderes, als darüber zu schimpfen, weiß auch Hans Most nicht. Und mit dem reaktionären deutschen Spießbürger theilt er auch die Entrüstung über die Wahlaktion der deutschen Arbeiterschaft. Man höre also: „Damit kommen wir also der sogenannten„Sozialdemokratie" Deutsch- lands aus den Pelz. Diese läßt in die Siegesposaune stoßen, wie noch nie. Wie sie zu dieser Unverfrorenheit kommt, das mag uns erklären, wer will; die Stimmkasten-Resultate thun es einmal nicht." .....„Was fragt wohl Bismarck nach dem Bäckerdutzend(aus das scheinen sie es wiederum zu bringen) von gezähmten, verlumpten und oberfaulen„Größen" einer moralisch und prinzipiell auf den Hund gekommenen„Arbeiter"-Partei? Er hat es ja deutlich genug beobachten können, wie vor seinen Augen gleichsam die eigentlich revolutionären Elemente sich von dieser Art Sozialdemokratie mehr und mehr loslösten und damit selbstverständlich auch nicht mehr für dieselbe stimmten, und wie andererseits die Spießbürger, kleingewerbtreibenden Philister, Groschen-Krämer und ähnliche Elemente, die bekanntermaßen die feigsten, verschrobensten und in jeder Beziehung kläglich st en Jam- m e r g e st a l t e n des ganzen Volkes bilden, es �in ihren letzten Todeszuckungen noch in t der Sozialdemokratie— gewissermaßen als letzte Oelung— versuche n." Die Hunderttausende sozialdemokratischer Wähler„die feigsten, ver- schrobensten und kläglichsten Jammergestalten"— wenn Einer das sagt, der die deutschen Arbeiter nicht kennt, dann zuckt man die Achseln dar- über; wenn das aber Jemand sagt, der sie kennt, dann ist er entweder ein Schuft oder in der That— der„einzige Weis e". — Frankreich. Aus Paris wird uns unterm 19. November geschrieben: „Wie überall, so hat auch hier die Freude über die großartigen Wahl- erfolge unserer Genossen im„Reich" lebhaften Widerhall gefunden. Daß wir, obgleich ziemlich weit entfernt, den Kämpfen unserer Genossen mit lebhafter Theilnahme folgen, dürfte wohl allgemein bekannt sein; wir brauchen i» dieser Beziehung nur auf die regelmäßigen Abrechnungen des Parteiorgans hinzuweisen. Diese lebhaste Theilnahme steigerte sich aber bis zur stolzen Begeisterung, als der Telegraph Sieg über Sieg verkündete. Um unseren Gefühlen Ausdruck zu geben, wurde beschlossen, ein Fest zu Ehren unserer kämpfenden und siegenden Genossen zu arran- giren. Das Lokal wurde im alten, ehrwürdigen„Palais Royal" ge- wählt, in dessen gewaltigem Hof Camille Desmoulins 1789 seine mar- kigen Reden hielt und das Volk zur Revolution und Bastillensturm an- feuerte. Das Lokal erwies sich aber zur Abhaltung unseres Festes als viel zu klein, Viele hatt.n den Weg uinjonst gemacht und mußten wieder umkehren. Daraus können unsere kämpfenden Brüder in der Heimat ersehen, welchen Eindruck ihre Siege auf die im Ausland lebenden Deutschen gemacht haben. Herr Reporter! Haben Sie das Gesammtbild der monopolistischen Pro- duktion fest im Kopfe? Reporter: Ganz fest. S o z i a l i st: Und nun kommt e i n Ruck, und wir haben das Bild der gesellschaftlichen Zukunftsprodultion, wie die Sozialisten sie anstreben. Reporter: Da wäre ich doch gespannt. S o z i a l i st: Wir nehmen den einen Mann da oben an der Spitze, den Boß, fort— und wir haben, was wir wollen. Reporter: Sie haben, was Sie wollen? S o z i a l i st: Wir haben, was wir wollen. Das ganze ungeheure Geschäft arbeitet ruhig weiter, wie früher; denn Alles, was dazu nöthig ist, ist geblieben: die Arbeiter, die Vorleute, die Erfinder, die Tech- mker, die Buchhalter, die Kassirer und Finanzleute; ja, selbst den Boß, wenn er ein tüchtiger Geschäftsmann und Organisator ist, können wir behalten und ihm ein anständiges Gehalt geben,(bedenken Sie dabei, daß heute unser Minister des Innern, der die ganzen Vereinigten Staaten„managed"(leitet), jährlich 8000 Doll. erhält) kurz Alles ist vorhanden, gerade wie vorher, um in derselben vortheilhasten Weise zu arbeiten und zu fabriziren; nur ein kleiner Unterschied ist: die 41 Millionen Dollars Gewinn, die bis dahin nach heute giltigem Gebrauch,„nach Gesetz und Recht", der eine Boß in seine Tasche st eckte, diese 41 Millionen fabrizirter Mehrwerthe sollen nunmehr Denjeni- gen, die s i e geschaffen haben, den Arbeitern, zu Gute kommen. Uno wie stellt sich die Sache dann? Im Durch- schnitt würden auf jeden Arbeiter von jenen 41 Millionen etwas über 1047 Dollars fallen; er würde also, mit Hinzuziehung seines bisherigen Arbeitslohnes, eine JahreSeinnahme von zirka 1435 Dollars haben; zwar nicht nach heutigem„Gesetz und Recht", aber ehrlich er- arbeitet und verdient nach den Grundsätzen der Vernunft und Gerech- tigkelt. Reporter: Ja, aber--. Sozialist: Aber, aber! Ich wußte wohl, daß die verschiedenen „Aders" kommen würden. Fragen Sie nur, Herr Reporter, fragen Sie nur, ich bin bereit, zu antworten." ** » liebet einige dieser Fragen des Reporters und ihre Beantwortung vielleicht ein andermal. Für heute genüge das„kleine Rechenexempel". Nachdem unser hiesiger Gesangverein das Fest eröffnet hatte, wurde die Festrede gehalten und dann das im Feuilleton des Parteiorgans zum Abdruck gelangte Theaterstück„Die Geschwister" aufgeführt. Hatte schon den ganzen Abend über gehobene Feststimmung geherrscht, so erreichte dieselbe ihren Höhepunkt durch die Aufführung des kleinen Theaterstücks, welches, kernig geichrieben und drastisch zur Ausführung gelangt, seinen Zweck, den Wahlkampf zu veranschaulichen, vollständig erfüllte. Wäh- rend der erste und zweite Theil in drastischer Weise die Gefahren und Schwierigkeiten des Kampfes darstellte, gab der dritte Theil hinreichend Gelegenheit, die Bedeutung der einzelnen Siege vorzuführen, und zum Schluß stimmte Alles begeistert ein in das„Hoch die Sozialdemokratie", welcher Ruf bis zum Schluß des Festes noch oftmals wiederholt wurde. Haben die Genossen hiemit ein kleines Stimmungsbild über den Ein- druck ihrer erfolgreichen Thätigkeit bei den Deutschen in Paris, so will ich, da ich bei der Sache bin, auch einige Worte verlieren, wie die hie- sige Bevölkerung resp. Preffe, das Ergebmß der Wahlen aufnahm. Wie die hiesigen revolutionären Organe sich ausließen sstreng sozialistische Organe gibt es in Paris leider nicht, wenn man nicht das„Proleta- riat" als solches anerkennen will), hat der„Sozialdemokrat" schon aus- zugsweise berichtet. Die ministeriellen Blätter schwiegen sich die ersten Tage aus, man merkte, wie peinlich es ihnen war, über die gewaltige Niederlage zu schreiben, welche die Bismarck'sche Gewaltpolitik erfahren hatte, obgleich sie vielleicht innerlich froh darüber waren. Die unab- hängigen republikanischen Organe, sowie die radikalen Blätter, begrüßten mit unverholener Freude das mächtige Anwachsen des Sozialismus in Deutschland, darin auch die Gewähr erblickend für den dauernden Be- stand der französischen Republik. Diese Blätter(dieselben einzeln auf- führen würde zu weit führen) brachten wiederholt ausführliche Leitartikel, in welchen die liberalen Parteien in Deutschland, arg mitgenommen wur- den, und in welchen als die beste Gewähr des F r i e d e n s und der friedlichen Entwicklung in Frankreich der siegende Sozialismus in Deutschland dargestellt wurde. Ganz ähnlich hatten sich dieselben Or- gane ausgesprochen, als Genosse Liebknecht zu Anfang des Sommers auf Einladung der hiesigen Genossen hier war. Nicht die nothgedrungenen Friedensversicherungen unserer gegenwär- tigen„Staatsmänner" und die Erklärungen, daß„wir mit unsern Nach- barn im besten Einverständniß leben", werden also selbst von der bürger- lich republikanischen Presse als die„beste Gewähr des Friedens" ange- sehen, sondern das zielbewußte Austreten des Proletariats. Dieser Um- stand kennzeichnet am besten die gegenwärtige Situation. Was nun die hiesigen französischen Parteigenossen anbetrifft, so hat das Resultat des Kampfes unserer deutschen Genossen einen tiefen Ein- druck hervorgebracht und sie erkennen lassen, daß ihnen noch viel zu thun übrig bleibt, wenn nicht anders sie sich von den Verhältnissen Überrum- peln lassen wollen. Die Erwerbsverhältnisse sind hier schlechter denn je und haben nament- lich die hier lebenden Deutschen darunter zu leiden. L. X. Am letzten Sonntag fand in Paris eine große Versammlung von Arbeitslosen statt, einberufen von A n a r ch i st e n. Die Redner überboten sich in Provokationen, ein gewisser Drouelle forderte die An- wesenden auf, sofort loszuschlagen, das Eigenthum mit Füßen zu treten, die Läden zu plündern zc. ic. Als nach ihm der Sozialist Crepin vor unüberlegten Streichen warnte, wurde er von den Anarchisten nieder- geschrieen. Dagegen wurde, nachdem noch mehrere Anarchisten gesprochen, eine von Drouelle eingebrachte Resolution angenommen, in welcher die Arbeiter zu Gewaltthaten ausgefordert werden, sowie eine Versammlung unter freiem Himmel verlangt wird. Die Versammlung trennte sich unter dem Gesang der Marseillaise und Carmagnole. Auf der Straße wuiden von Seiten der sehr stark aufgebotenen Polizei mehrfache Ver- hastungen vorgenommen. Zum Plündern von Läden, wie es die Anar- chisten empfohlen, kam es indeß nicht. In der Versammlung ertönte während der Reden Drouelle's und seiner Gesinnungsgenossen wiederholt der Ruf:„Nieder mit der Polizei!" das heißt ein Theil der Versaminelten traute dem Frieden nicht. Und in der That, nichts käme der ziemlich abgewirthschafteten Regierung des Herrn Ferry gelegener, als die Veranlassung zu einer kleinen Gesellschasts- retterei. Man würde aber fehl gehen, wollte man die symptomatische Bedeutung dieser Versammlung unterschätzen. Ob die zum Plündern Ausfordernden Polizeiagenten waren oder nicht; die überwiegende Mehr- heit der Versammlung stimmte ihnen zu, und darin liegt das Haupt- Moment. Es muß eine gewaltige Verbitterung Platz gegriffen haben, wenn mehrere Tausend Menschen solchen Provokationen Beifall zollen. Und daß unter den Arbeitern Frankreichs große Erbitterung herrscht, zeigen die Vorgänge in Lyon, wo auch nur durch Ausgebot aller Polizeigewalt heftige Katastrophen verhindert wurden. Die brodlosen Arbeiter wollen sich eben nicht mehr mit winzigen Almosen oder Schein- maßregeln hinhalten lassen, und der Hunger kümmert sich nicht um po- litische Rücksichten. So verwerflich es ist, die Massen zu sinnlosen Aus- schreitungen zu provoziren, so reaktionär ist es, die Sprache der Ver- zweiflung nicht verstehen zu wollen. — Schweiz. Auch in der hiesigen sozialistischen Arbeiterschaft— bei Schweizern wie Deutschen— haben die in Deutschland errungenen Wahlerfolge große Begeisterung erregt, welcher Begeisterung unsere Ar- beiterpresse beredten Ausdruck gab. Es steht zu hoffen, daß das treff- liche Beispiel der wackeren Kämpfer in Deutschland nicht ohne Rück- Wirkung auf die hiesige Arbeiterbewegung bleiben wird; empfinden doch längst schon die energischeren Elemente der Sozialisten das Unwürdige und Drückende der Vormundschaft, welche die bürgerliche Demokratie, auf ihre früheren Verdienste gestützt, auf die Arbeiterbewegung der Schweiz bislang ausübt. Die Erfolge der Genossen in Deutschland leisten den Befürwortern eines selbständigen Vorgehens gehörigen Rückhalt. Am 16. November feierte die Mitgliedschaft Zürich der deutschen Sozialdemokratie ein Siegessest zu Ehren des glorreich geführten Wahl- tampfes. Dasselbe war außerordentlich gut besucht, und die Stimmung den ganzen Abend über eine gehobene. Die Festrede, welche die Be- deutung des Wahlsieges für den Emanzipationskampf der Arbeiterklasse beleuchtete/) ebenso die verschiedenen, dem Charakter der Feier angepaßten Deklamationen und Gesangsvorträge wurden mit großem Beifall auf- genommen. Desgleichen das zur Aufführung gelangte Festspiel„Die Geschwister", welches die Leser bereits aus dem Feuilleton unseres Blattes kennen. Wir haben in Zürich seit Langein nicht ein so er- hebendes Arbeiterfest gehabt wie dieses. — Amerika.(Warnung.) Aus N e w- V o r k schreibt man uns: „Die Arbeitslosigkeit ist gegenwärtig sehr groß, dazu fortgesetzte Ein- Wanderung und der Winter vor der Thür— was das heißt, weiß jeder Arbeiter. Man schätzt die Zahl der Arbeitslosen auf siebzig bis achtzig Tausend, und diejenigen, die Arbeit haben, müssen oft aussetzen. Soviel in Ihrer Macht liegt, sollten Sie daher vor Einwände- rung warnen! *) Gegenüber einem Bericht, der durch die deutsche Presse die Runde macht, möchten wir doch konstatiren, daß der Festredner nicht die G e- schmacklosigkeit beging, die deutschen Sozialisten ausdrücklich zu verwahren, daß sie keine Anarchisten seien. Er hat nicht einmal das Wort Anarchisten gebraucht. Wohl aber hat er die deutschen Genossen dagegen verwahrt, daß F e i g h- i t es sei, welche sie veranlaßt, auf die Provokationen der Dynamitverehrer nicht zu reagiren. Korrespondenzen. Königsberg, is. November. Die Reichstagskampagne ist vorüber; Genosse Godau ist in der Stichwahl nicht durchgedrungen, aber trotz- dem können wir ausrufen: Wir haben gesiegt! Wir sind hier eine Macht geworden, mit der die Gegner rechnen mußten, und der sie nach drei Jahren erliegen werden. Der Kampf war ein erbitterter. Wir kämpften, wie wir es gewohnt sind, mit offenem Visir, setzten in Ver- sanimlungen und Flugblättern unsere Ansichten auseinander und forderten die Gegner aus, sie zu widerlegen, wenn sie es könnten. Aber dazu fand sich Keiner. In ihren Zeitungen aber schrieben sie Gemein- h e i t e n, eine nach der anderen, über uns. Die„freisinnige"„Königs- berger Hartung'sche Zeitung", an deren Spitze der gewählte Möller steht, lobte die Entlassung von Arbeitern, die sich„sozialistische Wühlereien" hatte zu Schulden kommen lassen; die Kgb. Allg. Ztg., dieses Löschpapierblatt, das eigentlich gar nicht werth ist, im Partei- organ genannt zu werden, hatte sich Artikel aus Berlin verschrieben, in denen wir in bekannter Weise begeifert wurden. Es inuß Jeden anekeln, der das Treiben dieser„anständigen" Leute beobachten konnte. Wir hatten nichts als unsere Versammlungen, die bei dem ersten scharfen Wörtchen aufgelöst wurden, und unsere Flugblätter, und trotz- dem, welche Erfolge! Der„freisinnige" Möller bekam 9024, der Kan- didat der„kleinen, aber brutalen Partei der hiesigen Sozialdemokraten", wie wir von den Gegnern genannt wurden, 642 6 Stimmen! Nur wir stehen uns hier am besten. Die Stimmen der„Freisinnigen" haben haben seit 188l, auch noch bei der Stichwahl, ttm 40 0 0 abgenommen, der Zuwachs der Konservativen ist gar nicht' zu vergle ,.n mit dem unseren, auch wenn wir nur unsere besten Otiten in Bettacht ziehen. Und dabei darf man nicht vergessen, daß die„Freisinnigen", was ihrer ganz würdig ist, sich die gemeinsten Wahlbeeinflussungen zu Schulden kommen ließen. Wir werden dagegen natürlich Protest erheben, im Uebrigen aber nach Zusammenstellung der Thatsachen im Parteiorgane berichten und die elenden Hallunken an den Schandpfahl nageln. Das Schicksal der Stadt der„reinen Vernunft", der Stadt Jacoby's, ist entschieden: nach drei Jahren wird sie den einzig ihrer würdigen Vertreter in den Reichstag schicken, nämlich einen Sozialdemo- traten! Auf Genoffen, an's Werk!. Der Sieg bei der diesmaligen Wahl ge- hört uns! der Sieg nach drei Jahren wird noch glänzender sein! p.-n. Potsdam, 14. November. Wir haben in unserem Kreise, Pots- dam-O st Havelland, 250 Stimmen für unseren Genoffen Hasen- clever abgegeben. Das Resultat ist im Verhältniß zu anderen Kreisen allerdings kläglich zu nennen, wir haben /doch das Bewußtsein, unsere Schuldigkeit in vollen! Maße gethan zu h-ben, und können es nur dem Jndifferentismus der Arbeiter, den wir ja auch noch besiegen werden, zuschreiben, wenn wir nicht mehr erzielten. Hoffentlich wird das selbst- bewußte und geschlossene Borgehen der Arbeiter im übrigen Deutschland auch in unserem Kreise die Genoffen zu erneuter Thätigkeit ausmuntern, und dann werden auch wir bei den nächsten Wahlen ein befferes Resultat zu verzeichnen haben. Pforzheim. Mit unserem Wahlresultat hier sind wir ziemlich zu- frieden, wir vereinigten auf unseren Kandidaten Blos 1338 Stimmen; vor 3 Jahren hatten wir nur 470. Von unseren Zettelträgern wurde einer verhaftet, aber alsbald wieder entlassen; die ihnen abgenoin- menen Flugblätter wurden aber bis jetzt noch nicht wieder heraus- gegeben. Badcn-Baden. Ueber die Reichstagswahl sehen auch wir uns ver- anlaßt, einen kleinen Bericht zu bringen. Es war für unseren Wahlkreis keine Kleinigkeit, einen eigenen Kandi- baten aufzustellen. Wir hatten nun mehrere Zusammenkünfte, auf welchen man sich indeß dahin einigte, dem Kongreßbeschluß entsprechend einen Lokalkandidaten aufzustellen. Als solchen fanden wir am geeignetsten den Genossen Adolf Geck in Offenburg, welcher auch bereit- willig die Kandidatur annahm. Zehn Tage vor der Wahl verbreiteten wir ein Flugblatt, das die löbliche Spitzelgarde indeß, so gut sie eben konnte, hinterher wieder einsammelte. Und kurz darauf hat sich die Staatsanwaltschaft von Karlsruhe veranlaßt gesehen, dasselbe zu ver- bieten. Die Polizei ging sogar soweit, einen Genoffen, der bei der Verbreitung erwischt wurde, von Nachmittags 4 Uhr bis Abends 10 Uhr einzustecken. Einen Anderen, der gar keine Flugblätter verbreitet hatte, nahm die Polizei einfach von der Sttaße weg und durchschnüffelte ihn vom Kopf bis zu den Zehen. Ersterer hatte obendrein Tags daraus Haussuchung, natürlich wie immer ohne Erfolg. Es sind auch sonst noch verschiedene Ungesetzlichkeiten seitens der Be- Hörden verübt worden, so z. ib!" beim Stimmzettelvertheilen in einigen Ortschaften; wir wollen aber, um den Raum nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, hier nicht weiter daraus eingehen, da wir überhaupt das ganze Material durch einen unserer Abgeordneten dem Reichstag vor- legen werden. Erwähnt sei nur noch, daß wir drei glänzende Versammlungen hatten, nämlich in Kuppenheim, Gaggenau und hier. Alle drei waren bis zum Erdrücken gefüllt, und unser Kandidat verstand es, durch seine ausgezeichnete Vortragsweise nicht nur die Plaffen zu fesseln, sondern auch den Gegnern Respekt einzuflößen. Ja, könnten wir mehrere solche Versammlungen haben, es würde bald ein anderer Geist unter den hiesigen Arbeitern herrschen. Zum Schluß sei noch kurz das Stimmenverhältniß von der früheren und der jetzigen Wahl erwähnt. Vor 3 Jahren erhielten wir im Ganzen 33 Stimmen nnd diesmal 536. Wir sind der Meinung, daß wir für den Anfang zufrieden sein können.-o- — Rewhaven(Connecticut), 2. November. Der Sozialdemokratie Deutschlands im Allgemeinen und meinen ehemaligen Genossen insbe- sondere meinen herzlichen Glückwunsch zu ihren großartigen Erfolgen bei der letzten Reichstagswahl. Unsere hiesige Exekutive hatte alle Sek- tionen benachrichtigt, daß sie am Abend nach der Wahl ihnen daZ Resultat depeschiren werde. Demgemäß hatten auch wir uns versammelt und warteten in fieberhafter Spannung der Dinge, die da kommen sollten. Endlich gegen 11 Uhr Nachts erschien der sehnlichst erwartete Telegraphenbote. Die bisherige Unruhe wich einer plötzlichen Stille, der Pa.-teiagent öffnete die Depesche und eine Anzahl von Einlagen kam zum Vorschein. Jetzt ging's an Vorlesen. Erst kamen all' die Kreise, worin bereits gesiegt war, dann jene, in denen der Sieg wahrscheinlich, aber bei Abgang der Depesche noch nicht sicher bekannt, und endlich eine lange Liste von Stichwahlen. Bei jedem einzelnen Resultat brach ein nicht enden wollender Jubel aus, so daß das nächstfolgende oft kaum zu verstehen war, worauf dann, als sich der laute Enthusiasmus etwas gelebt hatte, das Ganze nochmals verlesen wurde. Das Resultat lautete also: 7 bestimmt gewählt, 4 wahrscheinlich und in 22 Kreisen Stichwahlen. Wahrlich, dies hatte denn doch unsere kühnsten Erwartungen über- troffen. Daß drüben etwas los sei, hatten wir uns schon gedacht, denn das Erste, was diesmal der Kabeljunge von der ganzen Wahl herüber- depeschirte, war die Wahl des Soziali st en Singer in Berlin, während er voriges Mal gar nichts über sozialistische Wahlen, resp. Siege zu kabeln hatte. Am letzten Freitag war sogar eine Depesche da, welche 14 Sozialisten als gewählt berichtete. Nun immerhin, wie viele sicher gewählt sind oder noch werden, darüber werden uns die Post- Nachrichten schon unterrichten. Di« Sozialisten haben einen kolossalen Sieg errungen, darüber ist kein Zweifel mehr. Wie tief ist doch das deutsche Proletariat, resp. Spießbürgerthum „gesunken", so etwas zu thun, angesichts der vielen Warnungen, welche General Bumbum so oft freiwillig ertheilt hat; es ist wirk-' lich rettungslos verloren! Doch da getheilter Schmerz nur halber Schinerz ist, so mögen sie sich mit uns trösten, denn der Gewaltige ist mit uns ebenfalls höchst unzufrieden, da auch hier meistens das Gegen- theil von dem gethan wird, was er anbefiehlt. Natürlich resultirt dies Alles aus purer Verstocktheit, weshalb er eine Generalordre erlassen hat an alle„Gruppen", die„Newyorker Volkszeitung" zu boycotten, denn diese ist nach seiner An- ficht das Hauptmittel, womit den Arbeitern das Gehirn verkleistert wird. Die„Newyorker Volkszeitung" hat den zweitgrößten Leserkreis von allen deutschen Zeitungen hier im Lande, aber sie zu Grunde zu richten, ist nur eine Kleinigkeit für General Bummbum. Etwas wie einen Vorstand kennt seine Organisation nicht: jeder ist unbedingter Souverän, nur mit der kleinen Ausnahme, daß die Befehle des Generals pur ordre du rnoufti auszuführen sind; dies ist doch gewiß wenig. So hat denn auch die hiesige„Gruppe", den Gefühlen ihres Herzens folgend, bereits das Boycott-Verfahren gegen die„Newyorker Volkszeitung" eingeführt, und wie ich gehört habe, mit großem Erfolge. Wie dies nun Alles noch enden wird, kann ich nicht sagen, denn ich muß leider zu meiner Schande gestehen, daß ich auch zu den Verkleisterten gehöre, die an der Sozialistischen Arbeiterpartei festhalten; sollte sich indeß auf diesem Gebiet etwas Wichtiges ereignen, so werde ich nicht unterlassen, es meinen deutschen Genossen mitzutheilen. Mit sozialdemokratischem Gruße! Friedrich Fellermann. Letzte Nachrichte«. Berlin, 26. November. Die Fraktton hat eine Kommission von sieben Mitgliedern niedergesetzt, welche ein erweitertes Arbeiterschutzgesetz(umfassend alle brennenden Forderungen auf dem Gebiete der Arbeitergesetz- gebung) ausarbeiten soll. Das von unseren Vertretern im Jahr 1877 eingebrachte Arbeiterschutzgesetz wird dabei vielfach als Grundlage benutzt werden, in manchen Punkten ist es aber durch die seitherige Entwicke- lung der Dinge überholt, und in anderen Punkten bedarf es nothwendig der Ergänzung. An die Bertrauenslente und unser Leser. Wir ersuchen nochmals dringend, aus allen Wahlkreisen die bei der Reichstagswahl erschienenen Wahlaufrufe aller Parteien uns zusenden zu wollen. Als Adresse genügt: Volksbuch- Handlung Hottingen-Zürich. Z>ie Krchivverwattung. Sprechsaal. In Nr. 46 des„Sozialdemokrat"— unter„Badische Justiz"— ver- missen Sie den Namen des Biedermannes, der seine Mußestunden da- mit verbringt, die ihm als Spediteur anverttauten Kollis zu öffnen und zu best— iebern. Ihr Herr Korrespondent schwieg trotz dieses MnkeS bis heute, und da wir glauben aus übel angebrachtem Takte, so habe« wir uns um den nähern Sachverhalt zu dem Zwecke erkundigt, Ihnen denselben zur sofortigen Bekanntgabe mitzutheilen. Der Kaufmann uns Spediteur Ferd. Hauger in Offenburg(Baden) fungirte im Prozeß Geck und Genoffen so zu sagen als freiwilliger Kronzeuge. Obschon seiner bekannten politischen Gesinnung nach außer Verdacht jeglicher Mitthäterschaft, gab er dem Staatsanwalt die Zusiche- rung,„der Untersuchung möglichst an die Hand zu gehen". Er kon- statirte nicht blos aus Frachtzetteln,„Sendungen an Geck und Auten- rieth vermittelt zu' haben," sondern sagte auch unter Zeugeneid auS, „daß er eines Tages eine von Konstanz gekommene Kiste in sein Ge- „schäft führen ließ, dort unter Beihülfe seiner beiden Kommis den Deckel „der Kiste wegsprengte und-- dabei die Bemerkung machte, „daß einige Nummern des Zürcher„Sozialdemokrat" unter dem Deckel „zerstreut lagen. Den eigentlichen Inhalt der Kiste untersuchte er nicht, „sondern schloß dieselbe wieder und lieferte sie an den angemeldeten „Adressaten ab." Ein Politiker, der solche Leistungen vermag, ist der Erwähnung als solcher nicht weiter werth, ein Geschäftsmann aber und S p e- d i t e u r, der die ihm anvertrauten Kisten rc. gemeinsam mit seinen beiden Kommis erbricht, seine geschäftliche Niedertracht also auch seinen Untergebenen beibringt, vor dem muß die gesammte Geschäftswelt gewarnt werden. Wir fordern also unsere Genoffen und Freunde, besonders diejenigen, die im Handels stände Verbindungen haben, auf, dieser Mittheilung w e i t e st e Verbreitung zu geben, und rathen, Einzelabzüge zur Ver- fügung zu stellen. Warnung vor dem Kaufmann und Spediteur Ferd. Hauger in Offenburg(Baden). Die rothe Vehme. Briefkasten der Expedition: G. Scheele, Melbourne: Ab 1. Okt. geliefert am 24/11. Preis Mk. 2— pr. Quartal bei vierwöchentlicher Sendung. Zahlung erwarten durch Sch. D. Gruß und Glück!— Stettin: Mk. 32 40 Ab. 4. Du. und Mk. 2 60 f. Schft. erh. Adr. u. Bstllg. notirt. — Feuerblume: Bf. v. 24. am 26/11. erh. u. beantw.— C. Horn: Mk. 28 35 Abon. 4. Du. u. Porto erh. Bstllg. k. nach Wunsch notirt und fort.— Rother Hahn I.: Mk. 9 50 Ab. Okt. u. ä Cto., Mk. 2— Schft. u. Mk. 3 50 pr. Ufds. dkd. erh. Weiteres nach Wunsch.— New- Jork: Fr. 202 55(40 Sott.) vom Wahlverein der Schlesier f. d. schles. Wahlen dkd. erh. u. weiterbesorgt.— Blume: Mk. 3— Abon. 4. Du. erh. Ersatz fort. Ein 5 Stunden langes Protokoll wegen einem Brief- abonnement!? Lieber Gott, gib Sonnenschein— in solch' gelehrtes Haus hinein!— Nova: Beide Bfe. erh. Alles besorgt.— Landesausschuß Zürich: Fr. 102 10 pr. Wfd. lt. Spezquttg.„Arbtst." Nr. 47 dkd. erh. — 7/9 27: öwfl. 12— erh. Näheres bfl. erwartend.— C. H. Bbg.: Mk. 4 30 Ab. 4. Du. erh.— Jsaacsohn: Alles dkd. erh. u. besorgt.— Holyoke: Fr. 96 20(5 Doll. von der Textilworkers-Progreffiv-Union und Doll. 14 25 v. d. Sozd. Sektton Holyoke, abzüglich 25 Ct. Porto, zus. 19 Doll.) pr. Wfds. dkd. erh.— W. Pf. B.: Mk. 4 20 f. Schft. erh. Sdg. mit 47 fort.— G.-Sch. i. Bth.: Mk. 8— i Cto. Ab. erh. — Lustige Bruder i. Elsaß: Fr. 26 70 Ab. 4. Du. erh.- I. Strt. Vv.: 50 Cts. für Exttalfrg. erh. Sdg. fort.— D. Z. Prato: Fr. 2 50 Ab. 4. Du. erh.— R. Häfl. Zch.: Fr. 2— Ab. 4. Du. erh.— B. Gsr. Mstr.: Mk. 10— Ab. 4. Du. u. Schft. erh. Sdg. pr. Expreß abgegg.— O. My. Bsl.: Mk. 3— Ab. 4. Du. erh.— Gent: Fr. gg_ px. Wfd. v. d. Genter Genoffen dkd. erh.— E. V. B. Gent: Fr. 4 35 Abon. 4. Du.„Voruit" und Schft. erh.— Ernst Thrum in Patterson N. I.:(5 Doll.) Fr. 25 30 pr. Wfd. dkd. erh.— P. K. Brlles: Ersatz abges. am 24/11. Versandt erfolgt regelmäßig.— O. S. Hvk.: Fr. 4 67 Ab. 4. Du. u. Schft. erh. Der Postdieb, der Ihr Blatt zeitweilig ergattert, fungirt in Kassel als freiwilliger Gehilfe der P o l i z e i d i r e k t i o n, auf dem Poftbureau Nr. 26 Krosent zeichnend. „Dem Wanne kann geholfen werde n."— Schweden: Mk. 15—(14 Kronen) von unseren Vorposten im hohen Norden pr. Wfds. dkd. erh.— Fuchs: Mk. 400— ä Cto. Ab rc. erh. Bfl. Weiteres— Cincinnati: Fr. 122 75, Kollekte des Herwegh-Männerchors mit Sym- pathieausdruck und Glückwunsch s. d. dtsche. Szldmkr. pr. Wfds. dkd. erh.— A. W. B.: Fr. 2 50 Ab. 4. Du. erh. Bfl. mehr.— H. V. Dlst.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Gewünschtes Bild längst vergriffen.— B. B. Strßu.: 60 Pf. s. Extrabl. erh.- W. Adf. B.: Das„wahre M a r t e r b i l d" ist der notorisch besten existtrenden Franks. Original- aufnähme Kopie.— E. Sch. Hltrn.: Mk. 1— Ab. Dez. und Mk. 1— pr. Ufd. dkd. erh.— F. St. Hottingen: Fr. 1— pr. Wfd. dkd. erh. Blutroth: Mk. 2 40 f. Schft. erh. Adr. notirt. Abg. hier künftg. Donstg. Abds. Marx'„Kapital" nicht verboten, durch D i e tz' s Buchhandlung billigst zu haben. Erkundigung taktischer Regel der Feldpost.— Rother Hans: Signal v. 25 11. am 26. hier.— Ferd.: Bf. an R. erh.— Pickelhaube: Doll. 30— ä Cto. erh. Bstllg. folgt. L.-Biographie war nicht bestellt.— Hallunke: Bf. v. 25. erh. St. benachrichtigt. Scheint Aufgabeort nicht kauscher.— Der Cigarrenmacher 75 Adolf Herold aus Leipzig wird aufgefordert, seinem Vater sosort seine Adresse zukommen zu laffen. Sozialistische Aröeiterpartei. Sektion Philadelphia. Unser Auskunstsbureau befindet sich: 1 25) Callowhill Stree. 325 in F. W. Fritzsche's Lokal. Sotiattstische Arveiterpartei Amertta. Sektion Rew-Aork. Sitzung des Zentralkomites jeden Freitag Abends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Stteet. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Nähere» stehe New-Aorker �olkszettung", besonders Freitags und Samstags. Schwei,-rische Genolsenschasts-Buchdruckerei Hottingen-Zürrich.