Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). äPerfofl der »«»»»»uchhandlung Hottingen-Zürich. Vollstllduiizc» sranl» gegen franko Gewöhnliche»riefe nach der Schweiz kosten Dostpelporio. Der KoMliiemoKrat Äitral-Hrgan der deutsch« Sozialdemokratie ALonneuren!) werden bei allen schweizerische» Postbureauz, sowie deim»erlag und dessen bekannlen Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran« zahlbar«« Lierleljahripreii von Fr ll— für dleSchweizlKreuzband) Ml 3— sllr Deutschland(Couvert) fl. l.70 für Oesterreich(llouvert) Fr. 2 öo sll, alle adrigen Lllnder de» Weltpostverein» likreuzbandf Zuserate die dreigeivaltine Petitzeile 25 et». 20 Psg. js;jl9 Donnerstag, 4. Dezember 188/4. mi|'h7�°n N ,11... in CrRfml. Cifintin ift. b,,«„i,,,, � �i.rrispond,.,,. '" ä giSftS-i'riT�'s.aTr.a' als möglich an den.SojialdemoKat�. resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern fich möglichst an irgend»ine unverdSchttge Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit unS in Verbindung setzt; anderseits aber daß auch uns möglichst unverfängliche ZustellungSadrefien mitgetheilt werden. 3n zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behuf» größere, v«r�i-r—-- liegt, werden wir gewiß weder MiiHe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen- i" lltlf«»*»« WhnttM»».»«*.w fi—.« Parteigenossen� Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Ein Kanzlerwort. „Man muß aber dochschon sehr kindlich und der- trauensvoll sein, um von der Gesetzgebung eine Verbesserung der persönlichen Lage zu hoffen.* So äußerte sich am 26. November vor versammeltem deutschen Reichstag Fürst Otto von Bismarck, der Kanzler deS deulichen Reiches, der sich von seinen bezahlten und freiwilligen Schweich- lern den größten Staatsmann dieses Jahrhundert? nennen läßt, der Mann der vielgepriesenen königlich preußischen Sozialreform. Wenn ein Eugen Richter, ein Ludwig Bamberger oder ein Rickert das gesagt hätte, wie würde da sofort die ganze Meute der offiziösen Soldschrciber über ihn herfallen und mit tugend- hafter Entrüstung ausrufen: Seht da den Vertreter des kalten, gemüthlosen. öden Manchesterthums, er will nicht, daß den Armen von StaatSwcgen geholfen werde, er hat kein Herz für die Enterbten der Gesellschaft! Der große Reichskanzler aber darf so etwaS sagen; und wenn er auch im selben Alhemzug davon spricht, daß„die Furcht vor der Sozialdemokratie in Bezug auf Denjenigen, der sonst kein Herz für seine armen Mitbürger hat, ein ganz nützliches Element ist*, so thut dieser Widerspruch seinem Ruhm keinen Eintrag. Seine Rede bleibt doch eine monumentale, wie die„Köln. Zeitung* sagt. Und die muß es ja wissen. Pyramidal wäre vielleicht eine bessere Bezeichnung. In derselben„monumentalen* Rede heißt es an einer anderen Stelle: „Die Sozialdemokraten haben noch immer den Schleier deS Propheten, den ich hier schon öfter? zitirt habe, der ein so HSß. licheS Gesicht hatte, daß er sich Niemand zeigte, den haben sie noch immer vor dem Gesicht, den hüten sie sich zu lüften.... Namentlich wenn Sie genöthigt sind, Ihre Pläne erst vor Ihren Wählern vollständig klarzulegen, wird sich deren Urtheil klären....* Wäre dem wirklich so, verhüllten wir wirklich vor den Wählern unser Gesicht, so wäre der Mann zuletzt berechtigt, sich dar- über aufzuhalten, der jene? infame Gesetz fabrizirt hat und mit aller Gewalt aufrecht zu erhalten sucht, das„Druckschriften, Ver» sammlungen rc., in denen sozialistische, kommunistische Bestrebun- gen zu Tage treten*, dem Henkerbeil de« Polizeiverbotes preiSg>bt. Aber dem ist n i ch t so, dieser Hieb geht in die Luft: gerade trotz dieses Gesetzes haben wir in mehr a'S einer Million von Exemplaren unser Wahlmanifest den Wählern unterbreitet und ihnen rückhaltlos unsere Pläne, unsere letzten Ziele klargelegt. Ohne jeden Schleier zeigten wir ihnen unser„häßliches Gesicht.* „Zur Abhilfe de« UebelS gibt eS nur ein Mittel: die Be- feitigung der Ursache, da« heißt die Abschaffung de« System? der Lohnarbeit..... „Wird die nationale Arbeit in großen sozialistischen Assozia- tionen auf Rechnung der Gesammtheit(des Staate?) geleistet, so ist die Klasse der Unternehmer und Kapitalisten überflüssig, der nationale Reichihum kann gleichmäßig vertheilt werden, und die furchtbare Kluft zwischen Arm und Reich ist ausgefüllt. Wir sagten:„Produktion auf Rechnung de» Staates*— dies darf jedoch keine solche sein, daß der Staat die Privatunternehmer bloS bei Seite schiebt, um selbst an ihre Stelle zu treten und die Arbeit auszubeuten, wie das bei dem TabakSmonopol beabsichtigt war und beim staatlichen Berg- und Hüttenbau und bei den StaatSeisenbahnen geschieht. DaS ist fiskalischer Betrieb, der himmelweit verschieden ist vom soz i a- listischen Betrieb im Interesse der Gesammtheit. „Wir wollen die sozialistische Hrganisation der Heseilschaft durch de« Staat, der durch und durch demokratisch werden muß, so daß der Gegensatz zwischen Staat und Volk verschwindet.* So unser Manifest. Kann man deutlicher reden? Und in demselben Manifest heißt eS über die Sozialreform Bismarck'«: „Wer unseren Darlegungen mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, ficht auf den ersten Blick, daß diese drei Maßregeln— Kran- kenversicherung, Unfallversicherung und Alters. Versorgung— den Kern der sozialen Frage, d. i. die Art der Erzeugung und Bert Heilung de« Nationalreich. thumS gar nicht berühren und sich nur auf dem Gebiet des ArmenwesenL bewegen. Die jetzt schon dem Staat and den Gemeinden ausliegende Pflicht, für die Erwerbsunfähigen zu sorgen, wird mit Bezug auf einen Theil der Arbeiter neu geregelt— da« ist AlleS. Sozialreform ist das nie und nimmermehr.* Wem dieses Urtheil zu absprechend erscheint, der vergleiche damit den obigen Ausspruch: „Man muß aber doch schon sehr kindlich und vertrauensvoll sein, um von der Gesetzgebung eine Verbesserung der persönlichen Lage zu hoffen.* Eine Verbesserung der persönlichen Lage haben also nach Bis marck die Arbeiter von der Gesetzgebung nicht zu hoffen. Ehe wir dazu übergehen, die Konsequenzen dieses Satze? zu ziehen, wollen wir erst die Frage erörtern: Wäre diese Hofr nung wirklich„schon sehr kindlich"? Wohlgemerkt, es handelt sich nicht um die gegenwärtigen G t fetz geb er, sondern um die Gesetzgebung überhaupt. Nun, die Arbeiter sind allerdings von der Gesetzgebung biS� her sehr stiefmütterlich behandelt worden, die herrschenden Klassen aber haben es sehr gut verstanden, ihre persönliche Lage mit Hilfe der Gesetzgebung zu verbessern, und halten just aus diesem Grunde sehr viel darauf,„die Klinke der Gesetzgebung" — Sie kennen ja wohl den Ausdruck, Durchlaucht?— in der Hand zu behalten. Wir brauchen gar nicht weit zurückzugreifen, wir haben der Beispiele genug in unseren Tagen beobachten können. Die Erhöhung der Eisenzölle im Jahre 1879 hat die persönliche Lage einer großen Anzahl von Hüttenbesitzern und mit Bergwcrksaktien gesegneter Rentiers ganz wesentlich ver- bessert. Aktien, die beständig gegen den Nullpunkt oszillirten, be- kamen plötzlich einen Werth, Dank der mittelst der Gesetzgebung durchgedrückten Schutzzölle zu Gunsten, d. h. behufs Ver- theueiung der betreffenden Fabrikate. Es sind auch nur wenige Jahre verstrichen, seit auf Betreiben der Watdbefltzer in Deutschland, die ja auch sehr viel Einfluß auf die Gesetzgebung besitzen, die Holzzölle erhöht wurden. Für einen gewissen großen Waldbesitzer im Nordwesten rechnete man damals eine Verbesserung seiner persönlichen Lage um mehrere hunderttausend Mark heran«. Sollten Sie gar nichts davon gehört haben, Einsiedler von Friedrichsruhe? Wenn man unsere Landmagnaten hört, so muß der ganze deutsche Grundbesitze, stand elendiglich verkommen, wenn sich nicht die Gesetzgebung seiner erbarmt und durch Erhöhung der Getreidezölle die persönliche Lage der Herren verbessert. Halten Sie dieselben für„schcn sehr kindlich', Gutsherr von Varzin? Genug. Die Gesetzgebung kann, wie man sieht, sehr viel, es handelt sich nur darum, ob sie will. Für die Effenbarone, für die Landmagnaten hat sie gewollt, bei den arbeitenden Klassen aber wird sofort Halt gemacht und erklärt, e S geht nicht! Man weiß, daß die arbeitende Klasse bei der heutigen, der kapitalistischen Produktionsweise unter einem Lohngcsetz schmachtet, welches jede Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lage im wirth- schastlichen Konkurrenzkampf alS leeren Wahn verurtheilt, man weiß, daß die Proletaristrung der Massen, die Pauperistrung der Proletarier die nothwendige, die unausbleibliche Folge de« modernen WirthschaflssystemS ist, man weiß, daß wenn nicht Wandel geschaffen wird,-- nein, man weiß, daß Wandel geschaffen werden muß, wenn nicht Hunderttausende, Millionen in Noch und Elend zu Grunde gehen, das Volk PhysisH und geistig verkommen soll. Und anstatt auf Mittel zu sinnen, vässen Wandel durch gesetzgeberische Maßregeln anzubahnen, stellt sich ein Mann, der sich alS Sozialreformer ersten Ranges ausposau- nen läßt, hochfahrend hin und erklärt: „Man muß aber doch schon sehr kindlich und vertrauensvoll sein, um von der Gesetzgebung eine Verbesserung der persönlichen Lage zu hoffen.* Hört ihr's, deutsche Arbeiter, hört ihr'«, Handwerker und Klein- dauern, die ihr am Hungertuche nagt? Man erklärt, euch nicht helfen zu können, weil man euch nicht helfen will! Denn die Gesetzgebung kann helfen, wenn sie nur will. Wäre dem nicht so, nun, ihr Arbeitslosen in Nord und Süd, in Ost und West, ihr ausgesaugten Arbeitsbienen, die ihr in Roth und Jammer dahinlebt, von einem Tag zum andern dem Hungertod in's Antlitz seht, was könnte euch noch abhalten, mit fliegenden Fahnen überzugehen in's Lager der Anarchisten und, wo ihr euch nicht helfen könnt, euch wenigstens Genugthuung zu holen für all' da« Elend, welchem man euch kalten Blutes preisgibt? Wir wären die Letzten, die es euch verargten! Fast dieselben Worte, welche am 26. November„Europas größier Staatsmann", der Hort der„Ordnung*, im deutschen Reichstage sagte, wurden am 22. November im Saale Levis zu Paris von den Anarchisten den Pariser Arbeitern zugerufen: Hofft nicht« von der Gesetzgebung! Und wiederum an ein bekanntes Wort des großen Kanzlers erinnert die Folgerung, die sie aus diesem Worte zogen: Nehmt euch, waS ihr braucht, wo ihr eS findet. > War die Voraussetzung richtig, dann war eS auch die Fol. gerung. Aber die Voraussetzung ist falsch. Die Gesetzgebung, wir wiederholen eS, kann helfen, es kommt nur darauf an, ob fle helfen will. Es mag„kindlich* sein, von der heutigen Gesetzgebung Verbesserung der Lage der Arbeiter zu erhoffen. eS mag ein un- begründetes Vertrauen sein, auf die Einsicht der heutigen Gesetz» geber zu spekuliren; das ist aber nur ein Zeugniß dafür, daß die Arbeiter erst dann auf Schutz gegen die Kapitalsherrschaft rechnen können, wenn sie selbst die Macht im Staate erobert, wenn fle selbst die Gesetzgebungsmaschine in Händen haben. E« ist eine Bestätigung deS Satzes, daß die Arbeiter nur auf dem Wege der gewaltsamen Revolution Besserung ihrer Lage erzielen können. Behält Bismarck Recht, so sehen sich die Arbeiter unrettbar vor die Wahl gestellt: Blutiger Kamps oder daS Nichts! Das ist die Konsequenz des KanzlerwortS. O großer und weitsichtiger Staatsmann! „Das Damaskus der deutschen Sozial- demokratie." Berlin, 26. November 1884. Mit dieser Ueberschrift findet fich in deutschen Zeitungen ein Leit- artitel, welcher auf Grund von Ausführungen des„Sozialdemokrat" über die heurigen Wahlen zu dem Schlüsse gelangt, daß die deutsche Sozialdemokratie ihr Damaskus gefunden habe und aus einem ungeber- digen revolutionären Saulus ein lammfrommer parlamentarischer Paulus geworden sei. Und worauf liefen denn jene Ausführungen des„Sozialdemokrat" hinaus? Es wurde einfach dargelegt, daß die großen Wahlerfolge der Sozial- demokratie ihr auch erhöhte Pflichten auferlegen, daß die Partei von 24 Vertretern eine größere Gesammtsumme von Leistungen zu erwarten habe als von 13 oder weniger Vertretern— daß mit einem Wort die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Aufgabe habe, im Reichstage eine den Hoffnungen der Partei entsprechende Thätigkeit zu entfalten. Als eine der nächsten Aufgaben wurde ein Antrag auf Aufhebung des Sozialistengesetzes bezeichnet. Wir sind nicht mit allen Einzelheiten jener Ausführungen einverstan- den. Wir sind namentlich nicht damit einverstanden, daß es Sache der sozialdemokratischen Fraktion sei, einen Antrag auf Abschaffung deS Sozialistengesetzes zu stellen. Abgesehen davon, daß ein solcher Antrag nur in der Form eingebracht werden könnte, wie es im vorigen Reichstage geschehen ist: nämlich als Antrag auf Abschaffung aller Ausnahmegesetze—, würde im gegenwärtigen Moment ein derartiger Antrag etwas demüthig klingen und unsere Partei von der stolzen Stellung herabdrücken, in welche sie sich durch die letzten Wahlen emporgeschwungen hat. Wir haben m i t dem Sozialistengesetz gesiegt, wir haben trotz des Sozialistengesetzes gesiegt— wir haben gesiegt, weil wir„auf das Gesetz gepfiffen haben" — diese Thatsache würde unzweifelhaft verdunkelt werden, wenn wir nun aus einmal, gleich nach Zusammentritt deS neuen Reichstages, mit einem Antrag auf Abschaffung des Sozialistengesetzes hervorträten. Die Feinde würden sagen:„Seht, mit ihrer stolzen Haltung, mit ihrer „Wurstigkeit" dem Sozialistengesetz gegenüber war es den Herren Sozial- demokraten nicht Ernst. Sie haben blos so tapfer gethan, um sich eine bessere Position zu verschaffen— und jetzt, da sie dieselbe wirklich er- langt haben, benützen sie die erste Gelegenheit, ihre Wahlsiege opportu- nistisch zu eskomptiren und den Reichstag um Beseitigung des Sozialisten- gesetzes zu bitten, das ihnen trotz all' ihrer Renommistereien denn doch sehr in's Fleisch geschnitten hat und schneidet. So und nicht anders würde ein derartiger Antrag gedeutet werden. Wie vorsichtig wir gerade' jetzt sein müssen, wo in erhöhtem Maße die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet ist, und wie leicht gerade jetzt Miß- deutungen hervorgerufen werden können, das wird ja auf's Schlagendste durch die Schlußfolgerungen bewiesen, zu denen jene Ausführungen des „Sozialdemokrat" Anlaß gegeben haben. Erwähnt sei hier noch, daß der Gedanke, die sozialdemokratische Frak- turn werde sofort nach Zusammentritt des neuen Reichstags einen Antrag auf Aufhebung des Sozialistengesetzes einbringen, zuerst in der„Frank- furter Zeitung", also einem gegnerischen Blatte, aufgetaucht ist, und daß unseres Wissens sich innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion noch keine Stimme zu Gunsten eines solchen Antrags ausgesprochen hat. Was nun die Taktik der sozialdemokratischen Fraktion anbetrifft, so bedarf es keiner besonderen Argumentation, daß die Vermehrung unserer Abgeordneten eine wesentliche Veränderung unserer Taktik nicht bedingen kann. Di« Gewählten sind gewählt worden als Kandidaten der Sozialdemokratie— und zwar der Sozialdemokratie, wie sie war und wie sie ist, d. h. wie sie s i ch b i s h e r in ihrem Program m und ihrem Handeln dem Volke vor- und dargestellt hat. Bei keiner früheren Reichstagswahl— das wurde schon während des Wahllampfes in dem Parteiorgan betont— hat die Partei in ihrer Gesammtheit und Ganzheit eine so prinzipiell korrekte Haltung eingenom- men und ihre Grundsätze und Ziele so rückhaltlos bekannt wie diesmal. Nicht alS„lammfromme parlamentarische Paulusse" sind unsere Kandi- daten gewählt worden, sondern als„ungeberdige revolutionäre Saulusse" — als Männer, die mit der herrschenden Korruption nicht paktiren, mit keinem Unrecht einen Kompromiß eingehen wollen. Kurz, gerade die bisherige Taktik der Partei hat durch den Ausfall der heurigen Wahl ihre glän- zendste Bestätigung erhalten. Herr Eugen Richter, der eine Wahl Niederlage erlitten hat, mag und muß über eine veränderte Taktik nachdenken; die deutsche Sozialdemokratie, die ihrer Taktik einen herrlichen Wahl sieg verdankt, kann wohl an Verbesserung— denn„zufrieden" dürfen wir nie mals sein— nimmermehr aber an Veränderung ihrer Taktik denken. Ob wir 24 Abgeordnete haben oder l Z, in Bezug auf unseren Antheil an positiver Gesetzgebung ist daS einerlei. Mit 24 Abgeordneten haben wir ebensowenig eine Majorität wie mit 13, und so naiv wird wohl Niemand sein, zu glauben, durch unseren Wahlsieg seien unsere Feinde plötzlich bekehrt und aus selbstsüchtigen, eigennützigen Vertretern des Klassenstaates plötzlich in schwärmerische Menschheitsbeglücker umgewandelt worden. Nein— die Lehre des letzten Wahlkampfes wollen wir, gleich seinen anderen Lehren, wahrlich nicht vergessen, daß der Sozialdemokratie gegen- über alle übrigen Parteien sich solidarisch fühlen und„eine reaktionäre Masse" bilden. Der Unterschied gegen früher besteht nur darin, daß wir jetzt nicht mehr verhindert sind, p r o g r a in m a t i s ch e Anträge einzubringen, und in Gestalt von Anträgen unseren Forderungen und Anschauungen Ausdruck zu verschaffen, j, Und ferner, daß 24 Männer eine größere Summe von Arbeit zu leisten im Stande sind als 13. Das ist Alles. Von einem prinzipiellen Unterschied kann nicht die Rede sein. Mit den erhöhten Pflichten und gesteigerten Anforderungen erwachsen uns aber auch größere Gefahren. Dessen sind wir uns voll bewußt. Der Parlamentarismus hat etwas Vergiftendes und Entman- nendes. Geben wir uns ihm hin, so sind wir verloren. Unter allen Umständen muß festgehalten werden, daß der Parlaments- rismus— das Wort hier im Sinne von parlamentarischer Thätigkeit gebraucht— uns nur Mittel ist, nicht Zweck. Wohlan, wir werden das Mittel niemals zum Zweck werden lassen — die Partei möge unbesorgt sein. Die Erwählten der deutschen Sozial- demolratie werden aus dem glatten Parlamentsparkett, das schon Vielen verderblich geworden ist, nicht zu Falle kommen. Vorstehendem Artikel aus der Feder eines unserer hervorragendsten Vorkämpfer haben wir unserseits Folgendes hinzuzufügen. Wenn das„Berliner Tageblatt" aus unserem Artikel in Nr. 46 ein „Damaskus" hat herauslesen wollen, so läßt uns das sehr kühl. Gegen Mißdeutungen kann man sich eben nicht schützen; haben doch unsere Gegner auch aus dem Wahlmanifeste unserer Partei bereits ein„Da- maskus" herauslesen wollen. Daß wir t h a t s ä ch l i ch bezüglich der Ausgaben unserer Partei im Reichstag mit dem Einsender durchaus ein- verstanden sind, ergibt sich, wenn wirklich der obenerwähnte Artikel einen Zweifel zulassen sollte, aus den seitdem erschienenen Nummern unseres Blattes bis zur Evidenz. Und so leid es uns thäte, auch nur einen Augenblick von unserem werthen Mitstreiter mißverstanden worden zu sein, so sehr freut es uns, diese unsere thatsächliche Uebereinstimmung mit ihm in allen wesentlichen Punkten ausdrücklichkonstatiren zu können. Was nun die Frage der Beseitigung des Sozialistengesetzes anbetrifft, so haben wir allerdings der V e r in u t h u n g Ausdruck gegeben, daß unsere Abgeordneten einen diesbezüglichen Antrag einbringen würden,— wozu wir übrigens nicht durch die„Frankfurter Zeitung" veranlaßt wurden, sondern durch Organe, welche wir eher für unterrichtet halten durften— wir gestehen aber gerne zu, daß bei einem derartigen Antrag vorher sehr sorgfältig erwogen werden muß, ob er nicht gerade von unseren Gegnern als ein Vorwand benutzt werden könnte, im entgegen- gesetzten Sinne zu stimmen. Und daß wir unseren Gegnern für ihre Gesinnungslumperei keinen Vorwand zu liefern haben, steht außer Frage. Schließlich müssen dieselben ja ohnehin binnen Jahresfrist in dieser Beziehung Farbe bekennen. Ja, schon bei der bevorstehenden Debatte über die diesjährige„Denkschrift, den kleinen Belagerungszustand be- treffend", wird man den Herren ganz gehörig auf den Zahn fühlen kön- nen. Wie wir also schon in Nr. 47 erklärt, überlassen wir es ganz selbstverständlich der Fraktion, das Für und Wider zu erwägen. Nur Eines möchten wir in dieser Beziehung noch besonders betonen, was nach unserer Ansicht nie außer Acht gelassen werden sollte. Man spricht immer von der Wirkung des Sozialistengesetzes auf unsere Partei, ob es derselben geschadet oder genützt habe tc. Wir meinen, das ist eine Frage, über welche die Gegner sich herumstreiten mögen, die aber für uns Sozialisten ganz und gar gleichgültig ist. Die Sozial- demolratie wird mit oder ohne Sozialistengesetz ihren Weg gehen, als Partei„pfeifen wir auf das Gesetz", darüber kann kein Zweifel obwalten. Aber das Sozialistengesetz, das unsere Partei weder vernichten, noch auch nur aufhalten kann, schädigt ganz enorm die Arbeiter als K l a s s e. Es lähmt in außerordentlicher Weise die Organisationen der Arbeiter zur Wahrung ihrer Klasseninteressen. Dank ihm schwebt über allen Arbeiteroereinigungen, welchem Zwecke dieselben auch immer gewidmet sind: Bildungs-, Geselligkeits- oder Berufszwecken, das Da- moklesschwert der polizeilichen Auflösung, was in gg von 100 Fällen gleichbedeutend mit einem Verbote derselben, und in dem e i n e n Falle, wo solche Vereinigungen trotzdem bestehen, sie an einer freien Entfaltung hindert, sie unter eine entwürdigende Vormundschaft zwingt. Auf diese Wirkung des Sozialistengesetzes, die ja angeblich nicht beab- sichtigt wurde, aber thatsächlich erzielt worden ist, haben wir nach unserer Ansicht das Hauptgewicht zu legen, mit Bezug auf sie unseren Gegnern, die ja bei den Wahlen nicht genug von ihrer Arbeiterfreund- lichkeit zu sagen wußten, zuzurufen: Jetzt beweist durch die T h a t, was ihr in euren Reden erklärt habt; wer es ehrlich meint mit der Arbeiterklasse, der darf ein Gesetz nicht fortbestehen lassen, das ihr ein unwürdiges Joch auferlegt! Nicht im speziellen Interesse unserer Partei, sondern im allge- meinen Interesse der Arbeiterklasse fordern wir die Aufhebung des Sozialistengesetzes. Denn daß die Arbeiter thatsächlich sich durch das Sozialistengesetz beeinträchtigt fühlen, haben sie am 23. Oktober in nicht mißzuverstehender Weise dokumentirt. „Unser Liebling". Ein Zeitbild. Vom Rhein. Als nach dem„glorreichen Kriege gegen unfern Erbfeind" das neue deutsche Reich, das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte, gegründet wurde, schössen in allen Städten Singspielhallen, vulgo Tingeltangel, wie Pilze aus der Erde. Unter dem pomphaften Titel: Kaiserhalle, Kaisersaal, Walhalla u. s. w. boten und bieten sie dem kunstliebenden Publikum schlechtes Bier resp. Wein und miserabeln Gesang. Die Kunst- lerinnen produziren sich mit ihrer blechtrompetenartigen Stimme, und erregen durch ihre Zoten und Zwei-, richtiger Eindeutigkeiten einen wah- ren Beifallssturm bei dem gebildeten wein- und bierbenebelten Publikum. Nach Schluß der Vorstellung sind sie auch gern erbötig, gegen nicht zu karges Entgelt ihr horizontales Handwerk zu üben, wie es der alte Cpniker Heine nennt. An den Wänden des Lokals erblickt man die Bilder der vaterländischen Helden, und der Heldengreis Wilhelm der Siegreiche nickt verständnißinnig in Gestalt einer meist sehr ange- schmauchten Gypsfigur huldvoll aus die Versammelten, die Edelsten der Nation, die Blüthe des Bürgerthums, hernieder. Zur Zeit der Kirmessen, Jahrmärkte u. s. w. steigen diese Künstlerinnen auch in den kleineren Städten und sogar auf den Dörfern„zum Volke herab", und„die berühmte Hofopernsängerin Arabella aus Berlin"(rectius Caroline Meyer aus Buxtehude) produzirt sich einem hochverehrten Publikum, das offenen Mundes die etwas knapp gekleidete Fee anstarrt. Die Zoten schlagen durch, das Publikum geräth in Begeisterung. Da plötzlich beginnt die Sängerin ein Lied:„Unser Liebling", dessen Text so dumm ist, daß es die Druckerschwärze nicht weith ist. Es handelt von den Heldenthaten des Heldengreises, und der Refrain:„Kaiser Wilhelm hoch, Deutschlands Schirm und Hort" wird von der ganzen Ronde frenetisch mitgeheult, wozu dann die Künstlerin den Takt in sehr — taktvoller Weise mit den Beinen angibt. Es wird äa cap.i verlangt, und noch einmal geht der Trubel los. Text, Mustk, Künstlerin, Stimme, Publikum, Alles paßt vortrefflich zusammen, und wenn der Heldengreis nicht als Gypsfigur, sondern in Person zugegen wäre, wahrlich, er würde gerührt werden von der Liebe seiner getreuen Unterthanen. Einen gewöhnlichen Menschen würde es allerdings geniren— ich speziell würde mich schämen, wenn mein Lob aus solchem Munde oder in solcher Gesellschaft gesungen würde— aber das scheint ja„höheren Orts" nicht der Fall zu sein, sonst würde doch wohl die allwissende Polizei einen Stock vor diese rührende Begeisterung stecken, was bekanntlich nicht geschieht. Im Gegentheil; der Herr Amtmann und der Herr Bürgermeister sitzen vertraulich dabei, hören schmunzelnd dem Spiele zu und streiten sich darüber, zu wie viel Theilen die Künstlerin aus Natur und zu wie viel Theilen sie aus Kunst besteht.„Was sie hatte, war von Watte," meint der Eine, aber der Andere, kindlichen Gemüthes, will wohl schwören, daß sie so echt sei wie ihr Patriotismus, und darin mag er recht haben. Und wenn sie endlich das Lokal verlassen,— schwer beladen schwankt der Wagen— so seufzen sie in ihrer Herzensbetrübniß darüber, daß die bösen Sozialdemokraten so sehr überhand nehmen, die ja die Ehe ab- schaffen wollen, und denen weder Religion jhu!) noch Moral shu! hu!) noch sonst etwas heilig ist. Und besteigen sie endlich das schöngebordete Lager an der Seite der liebenden Gattin, so schweben ihnen noch im Traume die prallen Waden und sonstigen Requisiten der besagten Ära- bella vor, und am andern Tage erzählen sie mit Hochgenuß, daß der Patriotismus, Gott sei Dank, doch noch immer in herrlicher Blüthe steht, trotz Sozialdemokratie und gesunder Vernunft. Das Eine muß man den Künstlerinnen lassen: sie kennen das g e- bildete Publikum und wissen, was sie ihm bieten können. Vor Allem aber fühlen sie instinktiv, wo ihr Schutzpatron sich befindet. Sie wissen, daß der Heldengreis ihrem Metier hold ist, und mit Vorliebe den Künst- lerinnen zusieht, die in Anbetracht der schlechten Zeiten sich möglichst knapp kleiden und die Musik mit den Beinen machen. Sollten die Tingeltangeleusen sich, dem heutigen Zeitgeiste folgend, viel- leicht über kurz oder lang zu einer Innung mit korpora- tivenRechten, mit L e h r li n g s-, Gesellen- und Meister- Prüfung vereinigen, so mögen sie sAckermann mit der weißen Weste, wo bist du?!) nur getrost dem Heldengreise das Protek- torat anbieten, er wird es sicher mit Hochgefühl annehmen, denn für das Ewigweibliche hat Hochderselbe bekanntlich(wenn es nicht gar zu alt- backen ist) ein beneidenswerthes Verständnih und eine rührende Vorliebe. Wundern sollte es mich übrigens nicht, wenn wir nächstens im„Reichs- Anzeiger" läsen:„Ihre Majestät haben allergnädigst geruht, den Tingel- tangeldirekteur Lehmann zum Geheimen Hosrath zu ernennen, und der Tingeltangeleuse Caroline Meyer den rothen Adlerorden mit der Schleife zu verleihen." Dem Verdienste seine Krone. Ein preußischer Dorfschulmeister, der in Bezug auf Volksbildung ganz polizeiwidrige Ansichten hegt. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 3. Dezember 1384. — I n der Reichstagssitzung vom 26. November sprach, an- läßlich des bekannten Diätenantrags, Bismarck nach seiner Gewohn- heit über alle möglichen und unmöglichen Dinge und kam auch auf die Sozialdemokratie zu reden. Bei dieser Gelegenheit brachte er, wiederum nach seiner Gewohnheit, allerlei konfuses Zeug vor und wärmte ver- schieden alten Kohl auf— daß wir Sozialdemokraten nur verneinen könnten und nichts Positives vorzuschlagen wüßten, daß er uns gerne eine Provinz(Kamerun oder Klein-Popo?) als Versuchsfeld einräumen wolle und ähnliche Witzchen höchst zweifelhaften Alters und Werthes. Der Mann wird offenbar alt. Aber er sagte auch Einiges, was uns intereffirt, nämlich: die Sozialdemokraten seien ein nützliches Element im Staate, und ihnen sei es zu verdanken, daß mit der Sozialreform endlich ein Anfang gemacht werde. Nun wollen wir nicht die Qualität der„Soztalreform" untersuchen, welche Bismarck verzapft: aber wir nageln das Geständniß fest. Bismarck hat da in der That einmal die Wahrheit gesagt. Ohne die deutsche Sozialdemokratie wäre die Sozialreform niemals auf das Pro- gramm der deutschen Parteien und Regierungen gekommen. Doch wie erklärt es sich, daß derselbe Mann, welcher so unumwunden die B e- r e ch t i g u n g und die Verdienste der Sozialdemokratie anerkennt, der Vater des infamen Sozialistengesetzes ist und die so „nützliche" und berechtigte Sozialdemokratie auf's Aeußerste verfolgt und zu vernichten trachtet? Was müssen wir von der Ehrlichkeit eines solchen Mannes halten, bei welchem Worte und Handlungen in so flag- rantem Widerspruch stehen? Hielte Bismarck die deutschen Sozialdemokraten für gemeingefährliche Verbrecher, dann wäre das Sozialistengesetz wenigstens logisch. Er hält dieselben aber für„nützliche Elemente"— und wenn er sie nichtsdestoweniger mit der Schlinge des Sozialistengesetzes zu erdrosseln sucht, so handelt er also wider besseres Wissen. Dies über die moralische Seite seines Verhaltens. Jetzt zur politischen. Herr Bismarck will offenbar den Glauben in unS erwecken, er meine es au fond ganz gut mit der Sozialdemokratie— hat er uns doch ein drittes Dutzend von Abgeordneten gnädigst bewilligt! Woher dieser plötzliche Wunsch, uns zu gefallen? Die Antwort ist sehr einfach. Die deutsche Sozialdemokratie hat bei den letzten Wahlen den Herrn Reichskanzler ihre Macht fühlen lassen. Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die Bismarck'sche Wahlkampagne an der Haltung der deutschen Sozialdemokratie ge- scheitert ist. Hätten wir uns zu Hetzhunden gegen die fortschritt- liche Bourgeoisie hergegeben und die Sozialreform des Junkers Otto für baare Münze genommen, so wäre Bismarck Herr der par- lamentarischen Situation. Die Deutschsreisinnigen wären vollständig an die Wand gedrückt worden, und Bismarck hätte eine feste Majorität. Wir haben ihm dieses Spiel verdorben. Bekehrten wir uns noch nachträglich, überzeugten wir uns von den guten Absichten des biederen Otto und stellten wir ihm unsere Stimmen zur Verfügung, dann könnte er trotz alledem mit diesem Reichs- tag fertig werden. Darum die zärtlichen Liebeswerbungen! Der Herr Reichskanzler möge die Mühe sparen! Wir sind nicht auf seinen Leim gegangen und werden nicht darauf gehen. Wir brauchen seine Erlaubniß nicht, um uns das dritte Dutzend zu holen. Ohne ihn und gegen ihn werden wir uns nicht blos dies holen, sondern noch viel mehr. — Vom Arbeitsmarkt. Ueber die Lage der Sammt- und Seiden-Jndustrie wird der„Frankfurter Zeitung" unterm 25. November aus C r e f e l d geschrieben: „Seit unserem letzten Berichte zu Anfang dieses Monats ist der Markt für Sammt- und Seidenwaaren nur noch st i l l e r geworden. Die Reisenden kehren entmuthigt vom inländischen wie von den aus- ländischen Märkten zurück, das Geschäft für die Seidentextil-Jndustrie ist heute absolut todt. Im Süden, wo während der Cholerazeit das Geschäft vollständig ruhte, trifft man volle Lager, in Deutsch- land häufen sich die Lager mehr und mehr bei absolut man- g e l n d e m A b s a tz an, die Märkte in Frankreich und England sind recht schlecht(ersterer steht unter dem Drucke der noch nicht geschwun- denen Choleragefahr und großen Arbeiterkrisen), und auch in das ame- rikanische Geschäft ist bislang noch nicht das Vertrauen zurückgekehrt. „Kleine Verkäufe," so schreibt man uns von Newyork über die allge- meine Geschäftslage, finden zu schlechten Preisen statt. Man versucht wohl von gewisser Seite etwas Begebrenswerthes in den Markt zu werfen, aber der Begehr für die Zukunft bleibt völlig unentschieden, und das einzig Positive, was wir berichten können, ist, daß die Preise für Stapelwaaren aller Art so niedrig sind, daß die Fabrikanten lieber ihre Betriebe schließen und mit ihremLager spekuliren, als daß sie sich zu ferneren Preisreduktionen herbeilassen. Diese That- fache bezieht sich nicht etwa auf eine bestimmte Waarengruppe, sondern überhaupt auf alle Handelswaaren. Bei den Käufern ist absolut keine Neigung vorhanden, über den momentanen Bedarf hinauszugehen." Unsere Fabriken, und zwar sowohl in der Sammt- wie in der Stoff- blanche, sind heute für feste Bestellungen so zu sagen gar nicht beschäf- tigt, ein großer Theil der Handwebestühle steht still, lediglich aus hu- manen(?) Rücksichten werden brave, fleißige, geschickte Weber von den Fabrikanten durch Anfertigung von Lagerwaaren weiter in Beschäftigung erhalten. Die mechanische Fabrik, in welcher ja ichließlrch ein- mal die ganze Sammt- und Seidenweberei aufgehen muß— denn davor die Augen zu schließen und nicht bei Zeiten lang- sam Fabrikant wie Weber auf diesen nothwendigen Wechsel in der Pro- duktion immer wieder hinzuweisen, damit auch der Wechsel des Lebens- beruses einer großen Zahl von Arbeitern sich allmälig und geordnet vollziehe, hieße die Rolle des Vogel Strauß spielen— hat ebenfalls ihre Thätigkeit bedeutend eingeschränkt. So können wir uns denn heute eigentlich nur mit der nahen Zukunft beschäftigen, und aus den zarten Andeutungen des Begehrs, aus den Dispositionen und En- gagements der maßgebenderen Engros-Häuser hier wie anderwärts Rück- schlüsse auf die nahen Aussichten des Sammt- und Seidengeschästes zu ziehen versuchen. Man ist allgemein der Ansicht, daß das Frühjahr — der Winter ist verloren— eine entschiedene Wendung zum Besseren, weniger allerdings für die Stoffbranche, wie für Sammt, bringen wird. Faqonnirte Sammte, klein- und großge- musterte, werden für Kleiderzwecke wiederum verwandt werden, und zwar ist außer Satins-Fonds, wie seither, auch Armure-, Ottoman- und Raps-Fonds disponirt worden. Auch für Putzzwecke erwartet man wiederum Nachfrage nach glatten Sammten, wenn auch a u g e n b l i ck- l i ch das Geschäft gerade in diesem Artikel total darniederliegt. Hoffentlich heben sich bei eintretendem Begehr auch die heute so überaus gedrückten Preise wieder. Daß die Fabrik in Sammten aber nicht mehr in demselben Umfange beschäftigt werden wird, wie im Jahre 1883, bedarf angesichts der übersüllten Lager, sowohl in erster wie zweiter Hand, kaum der Beweissührun g." Nun, die Hoffnung auf eine„entschiedene Wendung zum Besseren" ist, wie man sieht, keineswegs sehr trostreich, angesichts eines so trostlosen Zustandes ver Dinge, wie er vorher geschildert wurde. Die Lager überall überfüllt, und die Preise so gedrückt wie nur je:„Die Fabrikanten ziehen es vor, mit ihremLager zu spekuliren"— ein sehr zweckmäßiges Beginnen, welches daraus hinausläuft, die„Verlierer" ganz vom Markte zu verdrängen, der Konzentration in wenige Hände Vorschub zu leisten. Interessant ist auch daS fachmännische Geständniß, daß„die ganze Sammt- und Seidenweberei schließlich in die mechanische Fabrik ausgehen muß"— trotz der Fagon-Sammtweberei, in welcher man noch vor Jahresfrist die Rettung der selbstständigen Webermeister erblicken wollte. Alles in Allein predigt der obige Bericht auf's Eindringlichste die Nothwendigkeit der gesellschaftlichen Regelung der Produktion, und als ersten Schritt dazu den gesetzlichen M a x i ,» a l a r V e i t s t a g. — Lügen haben kurze Beine. Von Jahr zu Jahr sind die Motive, welche die Verhängung bezw. Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes rechtsertigen sollten, schwächer ausge- fallen, und zwar aus dem ganz natürlichen Grunde, weil sich die H a I t- l o s i g k e i t der Angaben, welche man für diese Proklamirung des Faustrechts in's Feld führte, von Jahr zu Jahr mehr herausstellte, und Herr Puttkamer und Konsorten daher gezwungen waren, einen Vorwand nach dem andern fallen zu lassen. So sind sie denn schließlich diesmal gezwungen, fast ihr ganzes Material aus dem Ausland zu holen. Weil die Arbeiter im Ausland hier und da„Ausschreitungen" begehen, was beiläufig nur bei den getreuen Freunden von Skierne- w i c e zu Ausnahmemaßregeln benutzt wird, muß über die Arbeiter von Hamburg, Berlin und Leipzig, die keine Ausschreitungen begehen, das Damoklesschwert der Ausweisung gehängt werben, da» dieselben erfahungsgemäh trifft, nicht wenn sie Ausschreitungen verüben, sondern wenn es der Polizei beliebt, sie ihre Macht fühlen zu lassen. Man höre nur: „Bei der Gleichartigkeit der Anschauungen und Bestrebungen der deutschen und der ausländischen Sozialdemokratie und bei dem lebhasten Verkehr, welchen die Parteigenossen der einzelnen Länder mit einander und namentlich mit den Anhängern der Partei, in den Hauptagilations- zentren unterhalten, erschien die Annahme nicht ungerechtfertigt, daß, wie in einzelnen anderen Ländern, Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit durch die Sozialdemokratie beinahe schon zur Tagesordnung gehören, auch in Berlin der Boden für solche Störungen schon vorbe- reitet ist(!!) und daß es nur der strengen Anwendung des Ausnahme- gesetzes zuzuschreiben war, wenn erhebliche Ausschreitungen der Sozial- demokratre hier nicht vorgekommen sind. Zu den wirksamsten Mitteln bei Bekämpfung der letzteren gehören aber die in§ 28 des Gesetze« vom IS. Oktober 1878 vorgesehenen, insbesondere die Aus- weisungSbefugniß. Die weitere Erlheilung der in demselben den Behörden gegebenen außerordentlichen Vollmachten war gerade jetzt um so notywendiger, als die Zunahme der anarchistischen Ver- brechen es durchaus geboten erscheinen ließ, die Bitdung etwaiger ge- heimer anarchistischer Gruppen Hierselbst und die Anknüpfung persönlicher Beziehungen zwischen auswärtigen Agitatoren und Berliner Gesinnungs- genossen womöglich im Keiiile zu ersticken." Eine fadenscheinigere Begründung für eine so außerordent- liche Vollmacht, wie sie die Ausweijungsbesugniß in sich begreift, ist wohl kaum je einer Volksvertretung geboten worden. Schon aus Selbst- achtung müßte der Reichstag, wenn er nur einen Funken von Ehrgefühl besäße, sie als ungenügend zurückweisen. Run, wir werden ja sehen, wie weit dieses Gefühl bei den Herren entwickelt ist. Im Volke ist das Sozialistengesetz längst gerichtet. Wenn man gesagt hat, daß»m Jahre 1878 bei einer allgemeinen Volksabstimmung das Sozialistengesetz vom deutschen Volke mit großer Majorität angenommen worden wäre, so mag das angesichts des mit allen Mitteln künstlich geschürten Akten- tatsfieber» allenfalls den Anschein einer Berechtigung haben, heut« aber liegen die Dinge unbedingt umgekehrt, heute will die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes absolut nichts vom Sozialistengesetz wissen, denn die Ordnungsparteien und das heutige Wirthschasts>ystein haben sich gründlich abgewirthschastet, und— Lügen haben kurze Beine. — Aus dem Reichstage. Der von den Fortschrittlern einge- brachte Diätenantrag führte zu ziemlich stürmischen Debatten, an denen sich auch Bismarck lebhaft betheiligte. Im Rainen der sozialdemokratischen Fraktion sprach Auer, welcher die Stellung der Reichsregierung zur Diätenfrage mit der angeblichen„Fürjorge für den armen-Mann" in Kontrast brachte, und der Regierung vorwarf, daß sie den Reichstag syste- matisch degraviren wolle, wie sich auch in der berüchtigten Freikarten- A f f a i r e gezeigt habe,— daß aber die Sozialdemokratie allen Ver- suchen des eisernen Reichskanzlers, die Rechte der Volksvertretung zu beschneiden, einen stählernen Widerstand entgegensetzen werde. Die Temperatur des Reichstags war eine sehr schwüle, und gewiss« Angstmeier prophezeien bereits eine Auflösung! Fürst Bismarck wird sich hüten! Hat er aber Lust, seine reichskanzlerischen Finger zu ver- brennen, nun— so mag er es thun: uns kann es recht sein, wenn er — um einen glücklichen Ausdruck des Herrn Echorlemer-Alst zu ge- brauchen— das uns sehr nützliche Geschäft fortsetzt: National- liberale zu säen und Sozialdemokraten zu ernten. In der Budgetdebatte, welche die Sitzungen des 27. und 28. November ausfüllte, zerpflückte Bebel den Reichshaushalt, wies an demselben den Bankerott der heutigen Gesellschaftsordnung nach, und unterzog das herrschende Regierungs- und Wirthschastssystem einer ein- gehenden und scharfen Kritik, wobei es auch nicht an der gebührenden Antwort auf die Wltzchen des Herrn Reichskanzlers in der Diäten- debatte fehlte. — Ein verdächtiges Präsent. Es wird jetzt in Deutschland viel Aushebens gemacht von Arbeitsämtern, deren Einrichtung die Reichsregierung, natürlich im„Arbeiterintereffe", plane, und welche sich speziell mit Nachweisen über den Stand des Arbeitsmarktes an den verschiedenen Orten und in den verschiedenen Branchen befassen sollen. Die Angaben über die Art und Weise, wie man sich an maß- gebender Stelle die Zusammensetzung und die Geschäftsführung dieser Arbeitsämter denkt, sind noch sehr verschwommen; so viel geht aber auS ihnen schon jetzt hervor, daß die Arbeiter alle Ursache haben, vor dem Segen dieser neuen„Wohlsahrtseinrichtung" energisch auf der Hut zu sein. Schon jetzt frohlockt die reaktionäre Presse, daß den Gemeinden und Ortsbehörden in Zukunft die„Abschiebung" wesentlich erleichtert werden wird, d. h. man wird die Ausstellungen der Arbeitsämter dazu benutzen, gewissen Leuten, die immer Arbeitermangel haben, weil es kein Arberter lange bei ihnen aushält, immer frisches Ausbeutungsmaterial zuzutreiben. Man braucht sich nur die Frage vorzulegen, wer den Arbeitsämtern daS Material über die Verhältnisse des ArbertSmarktes zu liefern haben wird. Natürlich die Herren Unternehmer. Wer- den die Beamten dieser Arbeitsämter von den Behörden angestellt, so haben sie ganz einfach„unparteiisch" diese Mittheilungen zu ver- zeichnen— unparteiisch heißt aber in diesem Fall parteiisch für die Herren Unternehmer. Namentlich würde sich das bei Lohn- differenzen und ähnlichen Gelegenheiten zeigen. Bei dem heutigen Stand Dinge, angesichts der stetig wachsenden industriellenReserve- » r m e e, wären Arbeitsämter ein vortreffliches Mittel, die Lebenshaltung «r Arbeiter herabzudrücken. Ein viel geeigneteres Mittel, die Arbeiter den Klauen der sogenannten «tellenoermittlungsbureaus zu entreißen, sie über die Verhältniffe deS wbeitsmarties zu orientiren, wäre die Einrichtung von Arbeiter- 'ammern, wie sie im vorigen Jahre in der Stuttgarter„Neuen Zeit" «"geregt wurde. Der Arbeitsnachweis, wenn er wirklich den Arbeitern lu Gute kommen soll, muß unter die Kontrole von Vertrauens- vännern der Arbeiter gestellt werden. Für die Beglückung «im grünen Tisch her danken die Arbeiter bestens; bisher haben»och alle Wohlthaten, die man ihnen so sürsorglich von oben her zu Theil werden ließ, einen fatal bittern Beigeschmack gehabt. Uebrigens werden unsere Vertreter im Reichstage, wenn die Sache zur Sprache kommt, nicht ermangeln, ein kräftiges Wörtlein dreinzureden. ZurKongo-Konferenz. Wie die Zivilisation beschaffen P, welche die Bourgeoisie aller Länder im Kongobecken verbreiten wird, sobald dasselbe erst, gemäß den Abmachungen der Konferenz, dem inter- I"»tionalen Handel freigegeben ist, dafür wollen wir die Stimmen mch- 'erer berühmter deutscher Afrikareisenden vernehmen. Vorausgeschickt sei nur, daß das Klima am Kongo für den europäischen Bourgeois, wenn er rationell lebt, ziemlich unschädlich, für den europäischen A r- « e i t e r aber unerträglich ist. »Hier errichtete Faktoreien," schreibt der Afrikareisende Max Buch- Ner,„versprechen für die nächsten 50 Jahre noch einen einträglichen «autschul- und Eisenbeinhandel. Späterhin würde man den Versuch machen müssen, die Eingeborenen zur Arbeit zu erziehen, «Uerdings unter Ausschluß übertriebener Humani- «ätsschwärmere i.".... Was dieser Schlußsatz bedeutet, zeigt der folgende, der Münchener «Allgemeinen Zeitung" entnommene Satz, der die Ansicht zweier anderer «eisenden: O. Lenz und P e s ch u e l- L ö s ch e, zusammenfaßt: »Freilich beruhte die„goldene Zeit" der portugiesischen Kolonialwirth- Ichast auf dem Sklavenhandel. Derselbe ist merkwürdigerweise «rst 1878 f!) abgeschafft worden, und schon jetzt spitzen sich die Verhält- bisse in den portugiesischen Plantagen, für die man an Stelle der srei- begebenen Sklaven nur schwer freiwillige Arbeiter sin- �etst), zu einer bedenklichen K r i s i s zu." Man sieht, es handelt sich darum, die offene Sklaverei durch eine »erhüllte zu ersetzen—»unter Ausschluß übertriebener Humanitäts- Ichwärmerei". Glückliche Neger! Erst wird man euch durch Gewöhnung an euro- päische Bedürfnisse korrumpiren, dann euch das Land, auf dem ihr wohnt, für einen Spottpreis„abkaufen", und schließlich werdet ihr zur Arbeit— und was für welcher— erzogen werden! O, es ist ein groß- artiges Ding um den Zivilisationsdrang unserer Bourgeoisie. Wie haben sie begeistert dem kühnen Stanley zugejubelt, als er ihnen zurief: Es gilt, 40 Millionen Menschen für das Ehristenthum zu gewinnen, 40 Millionen Menschen in europäische Kattune einzuwickeln! Ja, tönt es «on allen Seiten, laßt uns das gute Werk beginnen! auf, nach dem Kongo! Wickeln wir die armen Neger in'« Ehristenthum ein, gewinnen wir sie für den Konsum von Sterbekleidern.'') Hoch die Zivili- lation und der Profit! Wir aber hören schon im Geiste den Ruf: Fluch über eure Zivilisa- tion, ihr Prositgeier! Ein Vorschlag in Güte. Zu Bismarcks Aeußerung, er wolle uns gern eine Provinz in Entreprise geben, damit wir zeigen, was wir zu Stande bringen können, bemerkt die Berliner„Volkszeitg." sehr witzig:„Wenn das wirklich der aufrichtige Wunsch des Herrn Reichs- kanzlers ist— es ließe sich darüber reden. Vielleicht würde sich das Herzogthum Lauenburg am besten für das Experiment eignen, den Herrn Reichslanzler über die Ziete der Sozialdemokraten aufzuklären Und eine dauernde Verständigung herbeizuführen." Zu Lauendurg gehört bekanntlich der Sachsenwald, dessen glück- 'icher Besitzer der Herr Reichskanzler ist. Nun weiß allerdings jeder Haldwegs unterrichtete Mensch, daß wir Sozialisten über die Idee, man könnte den Sozialismus auf einem so engbegrenzten Gebiet wie eine Provinz probeweise einjühren, mitleidig die Achseln zucken, trotzdem ist d«d Vorschlag der„Volkszeitung" nicht ganz ohne. Den Sozialismus in Lauendurg einsühren zu wollen, wäre ein Unsinn, was aber die Wirthjchaslspolitik anbetrifft, die die Sozialisten auch unter den heutigen Perhältnisjen dort desolgen würden, so könnte Bismarck beruhigt darüber sein, der arme Mann— und Bismarck hat ja doch ausschließlich das Wohl des armen Mannes im Auge— der arme Mann im Lande lauendurg sollte sich nicht zu betlagen haben. — In Wilhelmshafen dokumentirt jetzt daS deutsche Reich des Herrn Bismarck seinen„Beruf zur Lösung der sozialen Frage" im Sinne de«„praktischen EhristemhumS". Jeder Werstarbeiter, von dem bekannt geworden ist, daß er ber den Wahlen für die sozialdemokratische Kandi- datur thätig gewesen ist, wird einfach außer Brod gesetzt. Sechs Genossen sind aus diese Weise bereits der„Fürsorge" unserer Reichs- regierung„für den armen Mann" zum Opfer gefallen, und 14 Andere stehen aus der Proskriptionsllste. Politisch die Knute oder der Po- lizersäbel, ökonomisch die Hungerpeitsche— das ist das letzte Wort des Blsmarck'schen Staatsjozialismus. Unter den Gemaßregelten und mit Maßregelung Bedrohten befinden sich Schloffer, Kesselschmiede, Eisendreher. W>r erwarten, daß die Ge- Nossen, wo Gelegenheit ist, Alles ausbieten werden, um diesen Opfern de»„praltifchen Ehrlstenthuma" unserer Gewalthaber wieder ein Unter- tonimen zu verjchafjen. Etwaige Mtltheilungen sind an irgend ein Mit- glied der sozialdemokratischen Reichstagsfraktton zu richten. — Ueberall Stockung. In den Borsig'schen Werk- st ä t t e n, namentlich dem sogenannten Walzwert, hat, wie die„Berliner Volkszeitung" uieldet, auch jetzt wieder eine Verminderung der Produktion stattfinden muffen.„Allerdings, heißt es weiter, greift hier die Verwaltung nicht zu dem anbei wärt» so deliebten Mittel ber Arbeiterentlasfung, wenn ungünstige Verhältnisse die Reduktion der Thätigk-it bedingen, sondern man begnügt sich, einen Theil der Arbeiter zu längeren oder kürzeren Arbeitspausen zu bestimmen, wie es jstzt z. B. wieder bei den Schmieden der Fall ist. Für die Bethei- ligten aber ist auch diese zeltweise Beschränkung, deren Nothwendigkeit allerdings leider auch von den davon Betroffenen nicht bestritten wird, jedcnsalls eb-nso empfindlich, als wenn eine wirkliche Arbeitslosigkeit sie zur Untyäligkeit verdammt." Diese Arbeitspausen sind nur ein sehr irrationeller Rothdehelf im Interesse nicht sowohl der Arbeiter, als vielmehr der„humanen" Fadritanten. Das rationelle Mittel heißt Her- absetzung de« Arbeitstages. — Bei den Nachwahlen wird in Greiz Wiemer(Nürn- berg), in Berlin VI Pfannkuch sKaffel) kandidiren. Die Wahl in Berlin ist auf den 12. Dezember festgesetzt, wann die Nachwahl in Greiz stattfinden wird, ist noch nicht bekannt; bei der Stimmung unter den Genossen läßt sich aber nicht daran zweifeln, daß in beiden Kreisen der Wahltag ein Tag des Sieges sein wird. — Aus Amerika erhalten wir von der Rational-Exekutive der sozialistischen Arbeiterpartei die achte Rate für den Wahlsonds unserer Partei im Betrage von 1500 Franken(1200 Mark).„Der Ausfall der Wahlen," schreibt der Uebersenber, Genosse F. H. König,„hat die hier- ländischen Genoffen zu erneuter Opserthätigkeit angespornt." Wir quittiren dieses weitere Zeichen der Solidarität unserer amerika- Nischen Genoffen mit bestem Dank. Ist auch der Wahlkampf vorüber, so kommt ihre Sendung doch nicht zu spät. Viele Ausgaben, die wäh- rend des Kampfes gemacht wurden, sind noch zu decken, und außerdem hat unsere Partei jetzt dafür zu sorgen, daß ihre Abgeordneten auch in der nöthlgen Anzahl den Sitzungen beiwohnen können. Wir wollen und werden den Gegnern zeigen, daß, wenn wir auch die Partei der Armen, der„Habenichtse" sind, wir doch keine Ursache haben, um die Gewährung von Diäten zu betteln. Wir fordern sie als ein Recht der Volks- Vertretung, wenn man sie aber gerade mü dem Hinweis aus die Arbeiter- *) In Manchester rechnete Herr Stanley den dortigen Fabrikanten vor, daß im Reich» des Kongo ollein für Beerdigunqszwecke jährlich mehrere Millionen Meter Kattun abgesetzt werden könnten! kandidaten verweigert, so werden die Arbeiter wiffen, was sie ihren Verttetern schuldig sind. — E i n e B e r i ch t i g u n g, der wir mit Vergnügen Rauin geben, erhalten wir aus Halle o. d. Saale. Die dortigen Genossen theilen uns nämlich mit, daß sie bei der diesmaligen ReichstagSwahl nicht wie in Nr. 44 angegeben 3173, sondern laut amtlicher Feststellung 3 52g Stimmen auf Genosse Hasenclever vereinigten. Die höchste Stim- menzahl, welche unsere Partei bei früheren Wahlen in diesem Kreise erzielte, war 2323 im Jahre 1877. Unsere Stimmenzahl ist also um mehr als 50 Prozent gestiegen.. Bravo! — Was man im Ausland von unseren Vertretern im Reichstag erwartet. Wir halten e« nicht für überflüffig, unter dieser Rubrik die Auslassungen unserer ausländischen oder im Ausland weilenden Genossen zu sammeln, welche Wünschen und Erwar- tungen bezüglich der Thätigkeit unserer Reichslagsabgeordneten Ausdruck geben. Es ist ja selbstverständlich, daß für Letztere diese Wünsche und Erwartungen zurücktreten hinter den durch die besonderen Umstände des Kampfes erheischten Kampsesvorschriften, das ist aber noch kein Grund, dieselben pure zu i g n o r i r e n. Der Blick des Käinpfenden wird leicht durch Details, die er berücksichtigen muß, so stark in Anspruch ge- nommcn, daß der Sinn für das Allgemein« darunter leidet; deshalb soll man auch Diejenigen hören, welche das große Ganze mehr im Auge haben. Unter der Ueberschrift:„Die Aufgaben der deutschen Sozialisten im Reichstag" schreibt die„Newyorker Volkszeitung" in ihrer Nummer vom 17. November: „Haben die Vertreter der Sozialdemokratie im deutschen Reichstage diese(s. weiter unten) Mission auch bisher schon gehabt, so sind sie doch erst jetzt in der Lage, derselben voll und ganz gerecht zu werden. Das Anwachsen ihrer Stimmenzahl aus zweiundzwanzig macht sie von allen anderen Parteien durchaus unabhängig, gibt ihnen die Macht, selbst- ständig Anträge zu stellen und Interpellationen einzubringen, und verleiht ihnen damit jene Freiheit der Aktion, ohne welche eine energische Wirksamkeit unmöglich ist. Und damit ist denn auch die V e r a n t- w o r t l i ch k e i t sür ihr Thun größer geworden. Verantwortlich sind sie fortan nicht nur sür das, was sie t h u n, sondern auch sür das, was sie unterlassen. Ihre Machtmittel sind gewachsen, damit aber auch die Größe der Ausgabe, mit deren Lösung sie von ihren Wählern betraut worden sind. Dreifach— so scheint es uns— ist ihre Ausgabe. Mit unerbittlicher Kritik die H o h l h e i t der Bismarck'schen Sozial- reform nachzuweisen und die eigentliche Absicht darin, welche dahin geht, die Arbeiter unter dem Versprechen väterlicher Fürsorge politisch zu entnerven, klarzulegen— ist der erste und leichteste Theil dieser Ausgabe. Den Schwindel-Resorm-Vorschlägen der Regierung solche entgegenzustellen, deren Kern— wie die Forderung eines kurzen Normalaibeits- tages— echt revolutionär und doch schon unter den heutigen Verhält- nissen realisirbar ist; damit sowohl dem Volke die Möglichkeit einer wahren Reform und m der Verwerfung derselben durch Regierung und Liberalismus den bösen Willen beider nachzuweisen— ist der zweite und unter den heutigen Umständen der wichtigste Theil der Aus- gäbe. Aus diesen Thatsachen die Nothwendigkeit und Unvermeidlichkeit der sozialen Revolutwn vor Aller Augen klarzulegen, in deutlicher und nicht imßzuverstehender Weise die letzten Ziele der sozialistischen Bewegung festzustellen und zu erklären, und damit eine ausrüttelnde und vorwärts- treibende Agitation und Propaganda zu entwickeln— ist der dritte Punkt der Taktik, der sich aus dem Vorhergehenden von selbst ergibt, und dessen Ausdeutung— auch von den augenblicklichen Verhältnissen abgesehen— der Tribüne des deutschen Parlaments erst ihren wahren Werth sür die sozialistische Wahlaktion verleiht. Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Parteigenossen im Reichstage in diesem Sinne operiren und damit den Erwartungen der Sozialisten aller Länder entsprechen werden." — O e st e r r e i ch. Aus W i e n, 27. November, wird uns geschrieben: Am 23. November wurde von den Vertretern der Wiener Eozialdemo- kratie ein glänzender FestkonimerS zur Feier der sozialistischen Wahlsiege im deutschen Reiche abgehalten. Der Festredner beglückwünschte die deutschen Genossen zu ihren großen Erfolgen, die um so höher anzu- schlagen seien, als sie unter der Herrschaft eines infainen Ausnahme- gesetzes errungen wurden. Es sei nun klar, daß dem Sozialismus die Zukunft und der endgültige Sieg gehöre. Ideen, deren Richtigkeit von der Wissenschaft anerkannt und von der Masse des Volks erfaßt und getragen werden, können nicht mehr zu Grunde gehen. Die Bedeu- tung der sozialistischen Lehre zeige sich schon darin, daß man sie fälschen und entstellen will; doch nur die Sozialdemokraten dürfen als Vertreter des wahren, des klassischen Sozialismus gelten, alle andern sogenannten Sozialisten vom Katheder, von der Kanzel, vom grüne» Holz seien nichts als Fälscher. Der Redner schließt mit einem Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie, in da» die Versammlung enthusiastisch einstimmt. Im Namen der deutschen Partei dankte ein Genosse au» Berlin, der auf die Solidarität der Interessen aller Arbeiter in allen Ländern hinwies und die Hoffnung aussprach, daß die deutschen Erfolge auch aus die öfter- reichlichen Arbeiter ihren klärenden Einfluß üben werden. Er trank auf das Gedeihen der internationalen Sozialdemokratie. Der folgende Redner bezeichnete die Einigkeit des österreichischen Arbeiterstandes als die noth- wendige Vorbedingung seiner Erfolge. Der anarchistische Strom sei zwar heute schon eingedämmt und abgelenkt, doch noch nicht versiegt. Allein die Verhältnisse seien jetzt besser geworden, und jene erbärmlichen Ge- sellen, die, theils Polizeispione, theils gewissenlose Maulhelden, ihre Opfer in die Todessalle lockten und selbst vor der Gefahr Reißaus nahmen, werden bald schon den Zusammenbruch ihres Werkes sehe». Der Anar- chismus sei blos eine Erscheinung von episodischer, doch nicht von geschichtlicher Bedeutung. Dazu fehle ihm die innere Wahrheit. Ein wahrhaft revolutionäres System muß in erster Reihe an den V er- st a n d, und erst dann an die L e i d e n s ch a f t appelliren. Der Redner zweifelt nicht daran, daß die Zeit nicht mehr ferne, in der der letzte anarchistische Arbeiter durch innere Einkehr zur Umkehr gelangen werde, sein Hoch gelte deshalb der Einigkeit unter den Arbeitern Oester- reichs. Es folgten noch verschiedene wilde Toaste, abwechselnd mit Gesangs- vortrügen, musikalischen Produktionen, Deklamationen von Festgedichten und Humoristika. Es ist bemerkenswerth, daß die Sänger, deren Lei- stungen künstlerhaft waren, die Verfasser der schwunghasten Gedichte und Prosaarbeiten, die Klaviervirtuosen, sowie die Zeichner der drastischen Kneipzeitung durchgehends Arbeiter waren. Das Fest, welches ein ganz internes war, also in Abwesenheit des sonst geladenen, doch stets unwillkommenen Polizeivertreters abgehalten wurde, verlief in der animirtesten Weise und brachte auch dem Partei- fonds ein beträchtliches Erträgniß. Der Monstre-Prozeh gegen die A n a r ch i st e n„H ü b n e r und Genossen" wegen„Erzeugung uno Verbreitung verbotener Druckschristen" in denen Hochverrath, Majestätsbeleidigung und ähnliche Verbrechen ent- halten sein sollen, hat mit der Verurtheilung der Angeklagten— trotz- dem die Mehrzahl derselben in nicht gerade sehr rühmlicher Weis« ihre Harmlosigkeit betheuerten— zu ganz skandalösen Strafen geendet. Die„Räbelssührer", Schriftsetzer H ü b n e r und B a ch m a n n, wurden zu 10 und 12 Jahren schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag im Monat, verurtheilt. Von den weiteren Angeklagten erhielten H r a t l i k 8, Brady12, Habermann, Stumvoll, Schön- auer und Schromm je 4, Bleicher 8, Springer 8, Schreib- lechner, Doctor, Linsenmayer, Thiel, Kisely und Frau Anna Buchmann je 3 Jahre schweren Kerkers mit Ver. schärfungl Diese barbarischen Strafen müssen selbst bei dem größten Gegner des Anaichismus Sympathie mit den Verurtheilten hervorrufen. Sie sind eine Vertheidigung, keine Verurtheilung der anarchistischen Taktik. Wo die Justiz zum Deckmantel so schmählicher Racheakte benutzt wird, darf man sich nicht wundern, wenn bei den ohnehin rechtlosen Arbeitern der Sinn für„ S e l b st h ü l s e" zunimmt. Würden nicht schließlich die Interessen der Ardeiterklasse selbst darunter leiden, wir wären die Letzten, die den österreichischen Sozialisten von Gewaltakten abriethen. Nlcht aus Mitleid sür irgend-inen hohen Schurken, sondern im Interesse der Arbeitnsache bekämpfen wir die anarchistische Taktik. — Schweiz. Das Obergericht in Zürich hat die wegen Ver- breitung des Stellmacher-Plakates angeklagten Anarchisten freige- sprachen, bezw. die gegen das freisprechende Erkenntniß des Bezirks- gerichts eingelegte Appellation verworfen. Dagegen hat der zürcherische Regierungsrath die Ausweisung der Ausländer unter ihnen: Neve, Kaufmann und Hauser beim Bundesrath beantragt. Die radikale schwei- zerische Presse verhält sich dieser Maßregel gegenüber, wo nicht zustim- mend, zum mindesten absolut indifferent. Auch ein Zeichen der Zeit! — Frankreich. Der große Revolutionär und Anarchist D r u e l l«, der, wie wir in voriger Nummer mittheilten, in der großen Arbeits- losen-Versaminlung zum Plündern aufforderte, ist als ein ganz gemeiner P o l i z e i l u m p entlarvt worden. Die Redaktion deS „Cri du Peuple", welche am Tage nach der Versammlung einen scharfen Artikel aus der Feder ihres Redakteurs Em. M a s s a r d gebracht hatte, in welchem Druelle geradezu als Agent Provokateur hingestellt wurde, und die deshalb von den Anarchisten und von der in solchen Dingen stets mit denselben gemeinsame Sache machenden„Bataille" als ein feiges Bourgeoisblatt in Acht und Bann gethan war, hatte eine Anzahl Sozialisten— nicht blas Anarchisten, wie die„Französische Korrespondenz" schreibt— zu einer Prüfung des gegen Druelle vorliegen- den Materials eingeladen, und diese Kommission, an der theilnahmen: Em. Eudes, A. Goulle, E. Granger vom revolutionären Zentralkomite(Blanqussten); B. Malon, John Labusquiöre, I. Jossrin vom sozialistischen Arbeiterverband; G. Deville, S. Dereure, C. Blanck und I. Lepine vom Pariser Arbeiterbund; L. Barrois, V. Gelez von der sozialistischen Allianz; H. Ferrö, Tony Äraillat, Anarchisten; Constant Martin, anarchistischer Koinmunist, hat e i n st i m m m i g erkannt, daß Druelle geheimer Agent der zweiten Kriminalabtheilung ist. Bis dahin hatte die Polizei Druelle auf freiem Fuß gelassen, kaum war aber ruchbar geworden, daß die Sozialisten Beweisstücke gegen Druelle in Händen haben und die Kommission eine zweite Sitzung an- beraumt habe, um Druelle persönlich in's Gebet zu nehmen, als dieser plötzlich verhastet wurde. Natürlich läßt sich kein Mensch in Paris durch dieses Manöver täuschen. Hat es doch die bonapartisiche Polizei um kein Haar anders gemacht. Uebrigens wird die Sache damit nicht ruhen. In der Deputirten- kammer wird der radikale Deputirte Laguerre, im Pariser Gemeinde- rathe Ed. V a i l l a n t die Sache zur Sprache bringen. Die Anarchisten sind nach dieser Enthüllung etwas kleinlaut geworden; sie gestehen zwar noch nicht zu, daß Druelle Polizeiagent ist, aber sie wagen es auch nicht zu bestreiten, angesichts der Thatsache, daß zwei der Ihrigen im Komite saßen. An sich deweist ja diese Entlarvung noch nichts gegen die anarchistische Doktrin, für die anarchistische Taktik aber ist und bleibt es charakteristisch, daß sie überall Potizeiagenten anlockt oder gar züchtet. Für die Arbeitslosen-Angelegenheit hat die Affäre die Folge gehabt, daß dieselbe nunmehr von einem Komite in die Hand ge- nomine» worden ist, in welches jede Syndikatskammer(Fachverein) einen Delegirten entsendet. Dadurch wird verhindert, daß bei späteren Ver- sammtungen die Vertreter der Arbeiterorganisationen wie im LeviS-Saale niedergebrüllt werden. Zudein handelt es sich, den B e w e i s zu er- bringen, daß Arbeitslosigkeit herrscht, nicht blos, es vor einer Sonntags- versaminlung zu proklamiren. Haben doch erst vor wenigen Tagen Herr Spuller, der Vorsitzende der famosen Enquete-Kommiffion, und Herr Waldeck-Rousseau mit kecker Stirne bestritten, daß Lrbettslosigkeit herrsche! Herr F e r r y hat von der Kammer weitere 43 Millionen zur Fort- setzung des Krieges mit China bewilligt erhalten. Das französische Budget ist so groß wie kein zweites, das Defizit wird von Jahr zu Jahr größer, aber was thut das? ES handelt sich ja uin Kolonie n, und für Kolonien opfert der Bourgeois heutzutage gern den letzten Groschen — seiner Mitbürger. Sie sind seine letzte Rettung. Helsen auch die Kolonien dem verfahrenen Karren unseres heutigen WirlhschastssystemS nicht aus dem Dreck, dann adieu Bourgeoisherrlichkeit. Uno sie werden' ihm nicht aus dem Dreck Helsen. Nachtrag. In einer zweiten Sitzung der UntersuchungSkommiffion, zu der noch mehrere Personen zugezogen wurden(u. A. Herr Paul Brousse, sowie auf Wunsch der anarchistischen Gruppen der Anarchist Heinerp Dufoug), wurden noch mehrere Personen, welche sich in die verschiedenen Arbeiterorganisationen eingedrängt hatten, als Polizei- a g e n t e n entlarvt. Das Material über Druelle wurde einer Kommission von sieben Anarchisten bereitwilligst zur Kenntnitznahme üoergeben. Auf der Polizei herrscht natürlich große Bestürzung und Wuth über diese fatalen Enthüllungen. Man möchte um jeden Preis den Beamten ermitteln, der der Redaktion des„Cri du Peuple" das Beiveismaterial verschafft hat. Verschiedene Mitglieder der Kommission werden sortgesetzt von Geheimpolizisten beobachtet. Nun, die Herren mögen thun, was sie wollen, sie können die Thatsache nicht aus der Welt schaffen, daß es ein notorischer Polizeiagent war der, die Arbeitslosen ain lautesten zu Mord und Plünderung anhetzte, daß die Versaminlung vom vorigen Sonntag in der That dazu dienen sollte, die Nothwendigkeit der st a r k e n Regierung des Herrn Ferry nachzuweisen. Weitere Glückwunsch»Adressen. An die Kämpfer der sozialdemokratischen Partei in Deutschland! Die Wahlresultate sind nunmehr bekannt, und der Vorstand der sozialdemokratischen Partei in Holland ist über den glänzenden Sieg, welchen die Genossen in Deutschland unter so schweren und mühevollen Umständen erfochten haben, so erfreut, daß wir nicht umhin können, unserer Genugthuung darüber schriftlichen Ausdruck zu geben. Ein Jahr unseres Lebens geben wir gern hin sür solchen Sieg; die ganze, sich selbst bewußte Arbeiterpartei in allen Ländern der Welt feiert ihn als den ihrigen. Wie der 14. Juli für die französische Revolution von 1789 immer ein denkwürdiger Tag ist, so steht auch der 28. Oktober mit goldenen Ziffern eingetragen im Jahrbuche der Geschichte. Glückauf, Brüder! Ihr habt nicht für Euch allein gestritten, nein, auch für uns; denn wir, der jüngere Bruder, fühlen uns entflammt zu neuen Opfern, zu frischer Hingebung, wo der Aeltere so kräftig vorangeht. Wir hoffen, wenn der Tag der Rache anbricht, daß wir bereit sein werden, neben Euch zu stehen und Eurer nicht unwürdig zu sein. Das Herz aller Ge- »offen schlägt warm, so oft man an den Muth und die Opserwilligkeit gedenkt, mit der Ihr streitet gegen die Gewaltmacht sämmtlicher Parteien, welche in dem Streit gegen Euch eine reaktionäre Masse sind. Auch wir arbeiten nach besten Kräften; in diesem Augenblicke bin ich im Norden des Landes, um das Evangelium der Befreiung der Arbeiter zu predigen und... das Volk hungert danach. Noch einmal: Glückaus! Mit brüderlichem Händedruck Ihr Parteigenosse F. Domela Nieuwenhuis. Groningen, 24. November 1884. — Die dänischen Genossen schickten zur Eröffnung des Reichstages an unsere Vertreter im Reichstage nachstehendes Tele- gramm: „Kopenhagen, 3.30 Nachm., 20. November. Die Sozialdemokratie in Dänemark schließt sich den von unseren Genossen in allen Ländern ausgesprochenen Glückwünschen aus Anlaß Eure» großen Wahlsieges freudigst an. Unseren Dank sür Das, wa» Ihr im Kampfe auch für uns ausgerichtet habt. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie! Es lebe unsere gemeinsame große Sache I Der Vor st and des sozialdemokratischen Verbandes: C. O. Andersen. Christensen. P. Hansen. P. Holm. F. Holst. F. Hörup. C. Hördum. P. Knudsen. E. Wiinblad." An die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie. Genossen I Die sozialistische Arbeiterpartei von Madrid hat in ihrer öffentlichen Sitzung vom 16. November beschlossen, den deutschen Brüdern'ihre enthusiastischen Glückwunsche zu übersenden zu dem glänzenden Triumph, den dieselben bei den letzten Reichstagswahlen über die Bourgeoisie er- rungen haben. Längst haben für die Arbeiter die Grenzen aufgehört zu existiren. So erblickt auch die sozialistische Arbeiterpartei von Madrid in dem Triumph der deutschen Sozialisten ihren eigenen Triumph, einen Sieg der ge- sammten Arbeiterilasse; und in der Niederlage Bismarck's, in dem furcht- baren Schlage, den Ihr Eurem Berfolger, Eurem geschworenen Tod- feinde versetzt habt, eine Niederlage der gesammten Bourgeoisklasse. Rechnet daher in jeder Beziehung auf uns, und seid versichert, daß die Sozialisten Madrids in der Vertheidigung der Sache der Arbeit wissen werden, Eurem Beispiel zu folgen und Eurer bewunderungs- würdigen Haltung nachzustreben. Euch, die Ihr heute die Avantgarde des bewußt- n Proletariats bildet. Es leben die deutschen Sozialisten! Es lebe die Vereinigung der Arbeiterklasse! Es lebe die soziale Revolution! Madrid, 20. November 1884. Im Austrag der Versammlung: S. Gomez Crespo, Sekretär, Oallo del Barquillo, 41 principal. Korrespondenzen. Zürich. Gemäß Beschluß der letzten Sitzung der Mitgliedschaft deutscher Sozialisten soll auch heuer mit der Weihnachtsfeier eine Gaben- verloosung zu Gunsten des Partei-Unterstützungsfonds verbunden sein. Wir bitten daher die Genossen und Freunde unserer Sache,"durch Schenkung von solchen Gaben es zu ermöglichen, daß auch heuer der Ertrag der Verloosung ein möglichst großer werde. Unsere Genossen in Deutsch- land, die sich trotz aller Verfolgungen so wacker gehalten haben, werden darin ein Zeichen unseres Dankes und unserer Anerkennung für sie er- blicken. Gaben sind wieder zu senden an I. B e ck, Kuttelgasse 3, Zürich, und an L. T a u s ch e r, Kasinostraße 3, Hottingen. Der Lokalausschuß. Breslau, 12. November. Die Hauptstadt Schlesiens entsendet auch diesmal wiederum zwei Sozialdemokraten in den Reichstag, wir sind als Sieger aus dem Wahlkampf hervorgegangen. Unter welchen Umständen wir aber den Sieg errungen, das legt demselben noch eine ganz beson- dere Bedeutung bei. Daß wir hier immer, auch schon vor dem Ausnahmegesetz, an Lokal- Mangel zu leiden hatten, ist bekannt, und das war auch diesmal nicht anders. Von Versammlungen war also keine Rede. Ein einziges kleines Lokal, in welchem sonst die Jrvingianer ihre Wiedertaufe vornehmen, war uns für einen Tag zur Verfügung gestellt worden, aber die liebe Polizei kam dazwischen und verbot uns die Versammlung. Run blieb uns also der Ausweg, mit Flugblättern zu wirken. Aber ein eigenthümliches Schicksal sügte es, daß die bestellte Waare in falsche Hände siel, nicht in die der Polizei, und— wir kämpften und siegten mit dem bloßen Stimmzettel. Wie das möglich war? Nun, die Erklärung ist sehr einfach. Die wirthschaftlichen Verhältnisse, der äußerst schlechte Lohn, der Polizeidruck haben für uns gearbeitet. Ohne Presse, ohne Versammlungen, denken die Arbeiter und die zu ihnen Haltenden an nichts, als daß sie am Wahltage zeigen wollen, wie sie gesinnt sind. Die Gegner hielten Versammlungen über Versammlungen ab: drei, vier an einem Abend. Die besten Kräfte hatten sie sich von auswärts her verschrieben. Tag für Tag wurde die Bevölkerung von ihnen mit Flug- blättern überschüttet. Und wir mußten mit gebundenen Händen dem zusehen! Dazu die Angrisse in der hiesigen, stark verbreiteten gegneri- schen Presse, und, Alles, was recht ist, die guten Leutchen haben sich diesmal in ihren Flugblättern, Zeitungen und Versammlungen in An- griffen gegen uns etwas geleistet! Siegesgewiß, und mit höhnischem Lächeln schritten sie einher diesmal, hieß es, müssen und werden wir den Sozialdemokraten Breslau entreißen. Aber es kam anders. Ein Bllck, ein Händed'uck, mit einem der Unsrigen gewechselt, pflanzte sich wie ein elektrischer Schlag fort, und— wir siegten. Der Jubel in den Straßen an beiden Wahltagen— Stichwahl und Hauptwahl— war aber auch groß. Trotz allem Aufgebote von Polizei, die einschritt, wo auch nur drei Mann beieinander standen, durchbrausten tausendstimmige Hochs und Hurrahs stundenlang alle Straßen der Stadt. Freudenthränenden Auges gedachten wir unserer braven Genossen in Amerika, die unfern Ruf, uns zu unterstützen, nicht ungehört verhallen ließen. Es ist wahr, Hunderte der Besten und Tapfersten sind ausge- wandert, und auf uns, den Zurückgebliebenen, lastete schwere Arbeit. Aber diese wurde auch mit Liebe und Hingebung geleistet. Das ist Alles, was wir an dieser Stelle über den Wahlkampf und Wahlsieg in Breslau zu berichten haben. Eisenberg fbei Altenburg), 20. November. Unsere Wahl ist im Ver- hältniß auch hier sehr gut ausgefallen, denn vor 3 Jahren wurden hier nur 4 Stimmen abgegeben und diesmal, trotzdem unser Kandidat nicht hier war, 78 Stimmen! „Und sie bewegt sich doch!" x. Aus dem 15. sächsischen Wahlkreise. Wir sind zwar diesmal den vereinigten Ordnungsparteien unterlegen, haben aber keine Ursache, verzagt zu fein. Mehrere Ortschaften haben sogar besser gewählt als je. So namentlich der hochindustrielle Amtsbezirk Limbach. Während wir 1881 dort nur 232 Stimmen Majorität erzielte», erhielten wir dies- mal für Vollmar 1738 Stimmen gegen 1044 für den Ordnungskandi- daten. Ueber die Ursachen, weshalb wir im Wahlkreise unterlegen sind, ein andermal. Für heute nur so viel, daß wir es das nächste Mal an nichts fehlen lassen werden, die Schlappe wieder auszuwischen. Plauen im Voigtland. Die Wahlschlacht im 23. Wahlkreis ist ge- schlagen, unsere hiesigen Genossen sind ebenfalls tüchtig in's Zeug ge- gangen. Leider hat das Resultat unserer Erwartung nicht entsprochen. In Plauen haben wir unsere alte Stärke behauptet, in den kleineren Städten haben wir überall gegen die Wahlen vor Einführung des Sozia- listengesetzes Rückgang zu verzeichnen. Es ist dies auch sehr leicht er- klärlich; es war uns nicht möglich, außerhalb Plauens auch nur eine Versammlung zu Stande zu bringen; überall verweigerten die Wirthe ihre Lokale. Das Parteiflugblatt wurde regelrecht ver- breitet, unsere Gegner wurden so überrumpelt, daß sie sich erst einige Tage später von der Ohrfeige, die sie erhalten hatten, erholten. Das gesammte Wahlresultat ist: Rödiger 2312, Hempel, Freisinnler 2260, Hartmann etwas über 7000 Stimmen. Kaum ist unser Genosse Hasse nach fünfmonatlicher Hast entlassen worden, so beginnt auch schon von Neuem die Jagd auf Rothwild. Hasse, der am 22. Oktober entlassen worden ist, ging sofort in eine Wählerversammlung, die am gleichen Tag staltsand, und in welcher unser Kandidat, Hugo Rödiger aus Gera, vor mindestens 2000 Wäh- lern unser Programm entwickelte und die Konservativen und Freisinnler ganz gehörig kritistrte. Auf das Referat selbst einzugehen, würde zu weit führen; bemerken wollen wir nur, daß die Versammlung in der musterhaftesten Weise verlief, und daß Rödiger oft von rauschendem Beifall unterbrochen wurde. Hasse wurde also, wie gesagt, am 22. Oktober entlassen und unser Genosse Lange am 23. verhaftet, denn—— was unsere Po- lizei nicht fertig bringt, das bringen gewissenlose Denunzian- ten fertig. Lange war, wie wir schon früher gemeldet, Mitte August dies Jahres denunzirt und verhaftet, jedoch sofort wieder entlassen worden. Nachdem die Untersuchung bereits geschlossen war, wird Lange plötzlich auf's Neue verhastet. Man wird unwillkürlich veranlaßt, diese Maßnahme als einen Racheakt zu bezeichnen, wenn man sich ver- gegenwärtigt, daß dieselbe unmittelbar am Tage nach obiger Versamm- lung stattfand. Es war nach Schluß dieser Versammlung ein Hoch auf Rödiger ausgebracht worden, in welches Lange mit eingestimmt hatte, dabei war er von ö Polizisten beobachtet worden. Am 4. November wurde Lange vom hiesigen Landgericht hinter verschlossenen Thüren zu zwei Monaten Gefängniß verknurrt, trotzdem eine Verbreitung ihm nicht nachgewiesen ist. Kommcsttar überflüssig. Wie oben erwähnt, steht uns noch ein zweiter Prozeß in Aussicht. Unser Wahlaufruf ist am ö. Oktober in 8000 Exemplaren ver- breitet worden und hat man nachträglich ungefähr ein Dutzend Personen ermittelt s?), welche dabei betherligt gewesen sein sollen. Sechs Ge- nassen aus O e l s n i tz sind bereits angeklagt; der Aufruf soll iden- tisch mit dem in Leipzig verbotenen Manifest sein, obgleich derselbe eine andere Ueberschrift trägt und für einen andern Kandidaten und Wahl- kreis bestimmt ist und die Verbreiter von einem verbotenen Manifest nichts wußten und wissen konnten. Das kümmert die hiesige Staatsanwaltschaft gar nicht; es heißt ganz einfach in der An- klageschrist, daß der Inhalt ein und derselbe sei, und ,nfo Ige dessen der Aufruf unter das Verbot des Manifestes sollen muß. Unsere Ge- Nossen sind entschlossen, die Sache eventuell bis an's Reichsgericht gelangen zu lassen(ganz recht! die Red.), denn wir sehen, daß bei dem h>e- sigen Landgericht an die Stelle der Göttin Justitia der wüthendstr Parteihaß getreten ist. Gleichzeitig müssen wir auch unserer Polizei eine kleine Lektion ange- deihen Kissen. Bei der ersten Verkostung Lange's hat dieselbe die Gesetze geradezu mit Füßen getreten. Nachdem Lange abgeführt war, kehrten der Wachtmeister Rockstroh und der S ch u tz m a n n H a h n zur Frau Lange zurück und suchten von derselben durch allerlei Vorspiegelungen ein Geständniß zu erpressen, was ihnen allerdings nicht gelungen ist. Dieses niederträchtige Manöver veranlaßt uns daher, unser» Ge- nossen etwas von diesen beiden Säulen der göttlichen Weltordnung zu erzählen. R o ck st r o h, der bekannte Sozialistenfresser, hatte einen Sohn, den er Kaufmann werden ließ, dabei aber vergaß, ihm daS siebente Gebot einzuprägen, so daß sich dersewe voriges Jahr, nachdem er sich Dieb- stahl und Unterschlagung zu Schulden kommen lassen, aus Angst vor dem Zuchthaus erschossen hat. Hätte der Vater mehr Mühe auf die Erziehung seines Sohnes anstatt auf die Sozialistenhatz verwendet, so würde er vielleicht keinen Spitzbuben erzogen haben. Der Schutzmann Hahn ist ein verdorbener früherer Sticker, den heute noch verschiedene Fädlerinnen als ihren Schuldner ansehen: doch Bezahlen ist Nebensache, denkt Hahn; als Wächter des Gesetzes hat er es ja gar nicht nöthig, sich um die öffentliche Meinung zu kümmern. Außerdem ist bei unserer Polizei das Faustrecht schon längst wieder eingeführt. Wir könnten eine Masse Fülle aufzählen, wo die armen Opfer geschlagen und mißhandelt worden sind wie die Hunde. Einen Fall müssen wir aber ganz besonders erwähnen. Vor Kurzem brachte das hiesige Amtsblatt eine Notiz, in welcher eS hieß, daß ein 7 0 j S h- r i g e r Webermeister beim Betteln aufgegriffen wurde und s i ch in der Arrestzelle der Polizei erhängt hat. Gleich dar- auf kam eine Berichtigung, daß die ärztliche Untersuchung nicht feststellen konnte, ob derselbe sich selbst entleibt hat oder s o gestorben ist; der Arzt soll geäußert haben, daß der Mann einen Schlag über den Kopf bekommen haben müsse. Wie wir hören, soll die Leiche wieder ausgegraben und nochmals untersucht werden, da die An- gehörigen die Sache nicht ruhig hingehen lassen wollen. Wir sind auf den Verlauf derselben sehr gespannt, heißt es doch allgemein, der 70jShrige Mann sei von der Polizei erschlagen wor- den! Unseren Ordnungshelden sähe das durchaus ähnlich. r— R— Y— r. Skiernewice. Drei Kaiser waren in Polen Zu dunklem Zeitvertreib, Nachdem sie Gott befohlen Ein Jeder Seel' und Leib. Der Eine lebt im Dusel Von Christenthum und Gott, Der Zweite schwebt im Fusel, Der Dritte im Bankrott. Wie nun so ganz verstohlen Das Trio weiterschafft, Hat sich zur Wahl befohlen Das Volk der eignen Kraft. Sechshunderttausend Rothe, — Kreuzbombenpeftilenz!— Dies ist die e r st e Quote Nach unsrer Konferenz! K. R.— 3. D. Partei-Archiv. Für das Partei-Archiv gingen ein: Von Dr. Richter:„Hamburg-Altonaer Volksblatt" 1877(Juli bis Dezember). 1878(Januar bis Juni). „Mecklenburg. Arbeiterfreund" 1877/78. „Thürinaer Freie Presse" 1877 78. „Der VolkSwille"(Augsburg) 1877 und 1878. „Der Zeitgeist" 1877 und 1878. „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund" 1877. 1878(Januar bis Oktober). „Frankfurter Volksfreund" 1878. „Chemnitzer Freie Presse" 1877/78. „Glauchauer Nachrichten" 1878. „Märkischer Volksfreund" 1876/77. „Die Fackel" 1877/78. „Tagwacht" 1877/78. „Sozialpolitische Blätter" 1873, 74, 75. „Nürnberg Fürther Sozialdemokrat" 1877/83. „Anhalt. Volksfreund" 1877(August bis Dezember). „Westvhälische Freie Presse" 1876 77. „Maqdeb. Freie Presse" 1877, 1878(1. Semester). „Bremer Freie Zeitung" 1876, 77, 78. „Kölner Freie Presse" 1877/78, „Pionier." Zentralorgan der deutschen'Gewerkschasten. 1877 und 1878. „Königsberqer Freie Presse" 1877/78. „Der Botschafter" 1878. „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" 1877/73. „Berliner Freie Presse" 1876, 77. 73. „Vorwärts" 1376/77, 78. „Volksstaat" 1869/70, 71, 72. 74, 75. „ K. K.: I. Justus, Freie Gedanken. „ F. R e n z, Sacramento: Arbciter-Liederbuch. „ Kl., Winterthur: Gesangbuch der deutsch-katholischen Gemeinde. „ Luzifer: 1 Freidenker-Almanach 1885. „ D., C h u r: 1 Laos der Lotterie der europäischen Demokratie zu Gunsten ihrer verbannten Brüder. 11. 76: Diverse Flugblätter, Zirkuläre, Statuten ic. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung. An alle sozialistischen Schriftsteller. Vom 1. Januar 1885 ab wird in Newyork „Per SociaNfl" Central-Partei Organ der Socialistischen Arbeiter-Partei von Nord-Amerika, wöchentlich einmal erscheinen.„Der Socialist" soll unter Anderem auch der wissenschaftlichen Weiterbildung des Sozialismus dienen und ein Sammelpunkt werden, von dem aus die Vertreter unserer Prinzipien rückhaltlos ihre Stimmen für die Erlösung des Proletariats erschallen lassen können. Wir ersuchen alle schriftstellerischen Kräfte unserer Richtung dringend,' sich an diesem Unternehmen durch geeignete sozial-ökonomische und soB radikal-wissenschaftliche Artikel zu betheiligen, und bemerken, daß ein ent- spr, chendes Honorar für die Mitarbeiter ausgesetzt ist. Prospekte durch die Redaktion des„Sozialdemokrat". Mittheilungen und Einsendungen adressire man an den Unterzeichneten. Das National-Executiv Comite der S. A. P.: W. L. Rosenberg, 194 E. 7tk Str. New Jork, City. » an da de % Brieflasten der Redaktion: Emarin Wo: Einsendung mit bestem Da«! 1" erhalten; wird in nächster Nummer zum Abdruck gelangen.— Gen- l,C in Plauen: Nachtrag für diese Nummer zu spät, soll in nächster ha Nummer nach Wunsch besorgt werden.— Gen. in Pforzheim: zu Auch Eure Zuschrift muß für nächste Nummer zurückgelegt werden.— G. in M ü n st e r i/W.: Ihre Ausführungen sind durchaus zutreffend, l, da wir das Thema indeß schon wiederholt behandelt, so ist es wohl a» p besten, wir lassen die Todten ruhen! D e r Mann ist heute unser unge-' sei fährlichster Gegner. g, der Expedition: Spr. Agsts: Mk. 5—5 Cto. Ab. bis Ende; nc Februar 85 erh. Restiren noch 30 Pfg.— C. P. B.: Mk. 5— Ab- sck bis Ende März 85 erh. Adr. notirt.— W. Kneip Tronto:(2 Doll.)- Fr. 10 20 Ab. bis Ende Mai 85 erh. Nachlfrg. abgg.'— C. P. Hde.: v/ Mk. 3 50 Ab. Dez. 84 bis März 85 erh.— Newyork: Fr. 1500—. 8. Rate v. N. E. C. der S. A. P. N.°A. pr. Wfds. dkd. erh.— Blitz: j do Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. k. erh.— Zürich; Fr. 5— von Prof. S. B- i M pr. Wfds. dkd. erh.— Stud. R. Lang, Zürich: Fr. 1— pr. Wfds- lkl dkd. erh.— U. a. D. 681: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh.— F. Hze. B.: cn Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Cäsar Schmidt, Z.: Fr. 12 50 Ab.(1884) Int. N. C. N.-Dork und G. u. Cie. Paris Ab. 4. Qu. erh.— Alten» berna, Cleveland: P.-K. erh. Archivalien erwartet. Dank und Gruß.— E Dtsch. Ver. W'thur: Fr. 3 90 Restbetrag der Annonce im„Landbote", sg Fr. 6— ges. bei einer Abschiedsfeier zweier Genossen und Fr.— 99 c,. durch Bühler p. Wahlfd. dkd. erh.— Rothe Faust: Mk. 100— 5 Cto Ab. 3. Qu. u. Schst. erh. Bstllg. notirt.— Feuerländer: Mk�>ü0— 5 Cto. k. erh. u. besorgt. Nachlfrg. fort lt. Bf.— Dittersbach: Mk de 10— 5 Cto. Ab. ic. erh. und nach Vorschr. verw.— Viroflay: Mk-, tu 200— 5 Cto. erh. u.Adr. notirt. Bfl. Weiteres.— Kopenhagen: Fr. 15—®: ges. durch Wiese, Hofmöbelfabrik v. Hansen, Kongens Nitorv, und Fr- 8' 3— ges. durch Vogt pr. Wfd. dkd. erh.— Allg. Arb.-Ver. Ölten: Fr.® 5- pr. Wfd.(?) dkd. notirt.— Mg. Danton: Mk. 18— Ab. 2. Qu- w erh. Reklamirtes abgg.— Marburg: Mk. 310 pr. Ufd. dkd. erh. w W. Adshrn.: Fr. 6 50 baar und Bhmrt k Cto. gutgebr.— M. Marat 7 Mk. 1 50 5 Cto. gutgebracht. Adr. notirt.— Zürich: Fr. 84 80 p. Wfd. 01 v. Dtsch. Ver. dkd. erh.- Alte Flagge: Mk. 9- Ab. 4. Qu. erh.-,® Stbrg.: Gewünschtes richtiggestellt und Mk. 105— Ab. Aug., Sept.,' Okt. durch Freundeshand erh.— O. W. W.: Mk. 7 32 Ab. 4. Qu. 34 und 5 Cto. 1. Qu. 85 erh. lt. Nota Weiteres.— H. K. T.: Mk. 3— ft Ab. 4. Qu. erh. Nchlfrg.:c. folgt.- A. Höhne N.-York:(Doll. 10—> kc Fr. 50 65 5 Cto. erh.— P. Red. Kophgn.: Fr. 7 20 Ab. ab Nr. 47 � w bis Ende März erh.— Rother Franz: Nachricht hier. Gut.— X 3: s Bstllg. folgt. Erwiderung wurde nicht eingesandt.— ai ---- s- ! U Im Verlag von Conzett& Ebner in C h u r ist erschienen und g durch uns in Partien zum Preis von 25 Pfg. zu beziehen: Winke für die Agitation und für das Verhalte» vor den Lehörden. Die Schrift ist für alle in der Agitation thätigen Parteigenossen un- fe entbehrlich; sie gibt Winke über die Organisation und den gegenseitigen„ Verkehr der Genossen, über ihr Verhalten vor Polizei und Gericht.: Ferner enthält sie die wichtigsten Bestimmungen des Sozialistengesetzes über die Behandlung von sozialistischen Preßerzeugnissen, Vereinen und Versammlungen, Geldsammlungen»c. Die wichtigsten Bestimmungen r der deutschen Versammlungsgesetze, des Preßgesetzes, das Reichswahl-- S gesetz und das Reglement zum Reichswahlgesetz. Die wichtigsten Bs»' e stimmungen aus der Strafprozeßordnung über die Haussuchungen und Z Beschlagnahme von Drucksachen, die Verhaftungen und Verhöre, Zeugen- i l Vernehmungen rc., und endlich eine Anleitung zur Ausarbeitung von � e Wahlprotesten.. s Die Expedition des„Sozialdemokrat." Zu kaufen gesucht:> Franz: Herr Böhmert und seine Fälschungen der Wissenschaft.< Ötto-Walster: Normalarbeitstag. Offerten sind erbeten an die Expedition. Gesucht: Für eine Gießerei im Ausland ein in seinem Fache tüchtiger und energischer Gießermeister(am liebsten ein Parteigenosse) bei 1 einem Gehalte von 250 Fr. pro Monat. Weiteres durch die Expedition d. Bl. i!»-»-+» Samstag, 6" Dezember, Abends 8'/« Uhr, im Kafe Keßler: Geffeutliche> stkersammluug der deutscheu Sottakistm. Tagesordnung: Die Bedeutng von K. Marx für die«rbeiterbetveguug. Referent: Bgr. K a u t s k y. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der LokalauSschuß. Jedermann hat Zutritt. Echweizerische«enogenschastS-Buchdruckerci Hottwgcn-ZLrrich. A a ch r uf. Unser treuer Freund und Genosse, der Schneidermeister Härtung, ist am 19. November einem Brultleiden erlegen. Er war einer d« eifrigsten Anhänger unserer gerechten Sache. Am Wahltage ist et noch aus seinem Bette gestiegen, hat seine Stimm« für Prietz abgegeben und noch eine halbe Stunde lanj Stimmzettel vertheilt. Länger konnte er es nicht aushalten. er mußte nach Hause gehen und sich wieder zu Bette legen. Seitdem ist er auch nicht wieder aufgestanden. Als Zeichen ihrer treuen Anerkennung haben ihm seine Mitkämpfer zwei Lorbeerkränze mit rothen Schleifen gewidmet; die eine Schleif« trug die Inschrift: Gewidmet von seinen Stettiner Genossen- Zwischenfälle sind nicht vorgekommen. Stettin, 23. November 1884. Die hiesigen Genossen. Wir bestätigen hiemit, daß Gustav Henke, Schneider in Newyork, seinen Verpflichtungen gegenüber der Partei voll und ganz nach' gekommen ist. Die Münchener Parteigenossen.