leid, fon# ent- «4 Erscheint wöch entlich einmal tu Zürich(Schweiz). ?erfag der »olktbuchhandlung Hottingen-Zürich. poSseuduugtu sranlo gegen franlo Gewöhnliche Briese »ach der Echwetz losten Doppelporto. d» �el m« � mg' Ite«, I -ist Der SoMemokrat Jentrat-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. �Sonnemcnts werden bei allen schweizerische« Postbureaux. sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» zahlbar«« VierteljahripreiS von Fr 2— für dieSchweiz(Kreuzband) Mk 3— für Deutschland(Couvert) fl. 1.7V für Oesterreich(Couvert) Fr. 2 50 für alle übrigen Länder de> Weltpostverein»(Kreuzband). Zuserite die dc»ig«>paltene Peiitzeile 25 CIS.= 20 Psg. M SO Donnerstag, 11. Dezember 1884. Avis an die Abonnenten und Korrespondenten de»„Soziardemostrat."'MW , als'ichglich an den.Soitaldrmoltoi", resp desten Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend ein» unverdächtige < Adresse austerhalb Deutschlands und Oesterreich« wenden, welche fich dann mii un« in Verbindung seht; anderseits aber, daß ______________...-- � Ig die audern» aiornwi IM Ponoerreor nvioweuoig uno � auch uns möglichst unversänglich» AustellungSadressen miigeiheilt werden. In Zweiselhaslen Fällen empfiehlt sich dehnss grösterrr »nd unsere Zeitung«, und sonstigen Epeditionen nach dort«dzuiangni,, l Absender und Empsänger. sowie den Jnh'lt> Oich rheit Relommandirung. Soviel an un« liegt, werden wir gewist weder Müh-»och Kosten scheuen»m trost aller entgegr». darf keine Vorstchismastr-gel versäumt werden, die Briesmarder llvrr°e o einerseits, dast unser« Freunde so selten' stehenden Schwieriglriien den.Sojialdemolral' unseren Abonnenten möglichst regelmästig ,u liesern der erndunge» ,u täuschen, und letztere dadurch ,u schiltze» v-upi-rior°rrn>»,,,_____ Da der.So, »»Hörden fich alle M Parteigenossen� Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Aus Bebels Rede über den Reichsetat. Bei dem Aufsehen, welches die von unserem Genossen Bebel )anl der Reichstagbsitzung vom 28. November gehaltene ausführ- e n. liche Rede über den Reichsetat allerorts und mit Recht gemacht ist« hat. halten wir unS für verpflichtet, ausführlicher auf sie zurück- mJ zukommen. ■nb,| Bebel hat sich bei allem Eingehen in die Details nicht darauf am beschränkt, an einzelnen Posten des ReichsbudgetS herumzumäkeln, ngv' feine Rede war im besten Sinne des Wortes eine Rede im großen Stil; er vergaß über der Kritik der speziellen Ein- nde nähme- und Ausgabcposten nicht die großen politischen und wiith- Ab. schaftspolitischen Gesichtspunkte, und über diesen nicht das Herr- schende wirthschaftliche System überhaupt. Er begnügte sich nicht. die Auswüchse zu zeigen, sondern wies, so oft sich Gelegenheit dazu bot, auf den Kern des Nebels hin; was Herr Eugen Richter und seine Freunde bekanntlich geflissentlich vermeiden. Die Ueber- legenheit unserer Sache über die unserer Gegner kam in dieser Rede voll und ganz zum Ausdruck. Gleich im Anfang heißt eS gegenüber der Behauptung von Eugen Richter, daß der vorliegende ReichshauShalisetat den Zu- sammenbruch der seit 1878 eingeschlagenen Finanzwirthschaft bedeute, treffend: „Meine Herren, soviel an der Kritik des Abgeordneten Richter über den RetchShaltsetät richtig war, in diesem Pmut ist die Kritik nicht � richtig. Die Finanzwirthschaft von 1378 ist durch die jetzt gemachten Erfahrungen in keiner Weise zusammengebrochen, weil es doch gar keinem Zweifel unterliegen kann, daß durch diese Finanzwirthschaft bedeutend- Einnahmen, die vom Standpunkt des herrschenden Systems n ö t h i g waren, geschaffen worden sind, und die für das Reichsbudget verwendet wurden und selbst den Ansichten der Herren von der Linken entsprechend verwendet wurden, wie einfach daraus zu konstatiren ist, daß, wenn sie auch an den Posten im Einzelnen Kritik übten, sie im Ganzen doch das Budget gutgeheißen haben. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ... Ich muß also im Gegensatz zum Herrn Abgeordneten Richter aus- sprechen, daß, wenn etwas hier als Zusammenbruch konstatirt werden kann, dies vielmehr der Zusammenbruch des ganzen gegen- wärtigen Staats- und bürgerlichen Wirthschafts- systems ist, der in diesem Finanzbudgct zum Ausdruck kommt. Mit anderen Worten: da unser Reichshaushaltsetat auf Grund de. Natur seiner Einnahmen das prototypische Abbild des Sozialzustandes ist, der m der bürgerlichen Gesellschaft des deutschen Reiches existirt, so ist, wenn Fehler und Mängel, wie die zugestandenen, von allen Seiten imJSudget >U Tage treten, darauf zu schließen, daß auch große und tiefe Schäden innerhalb der Organisation des Zustandes der Gesell- schaft vorhanden sein müssen, die diese in Form von Zahlen zum Aus- druck gebrachten Mißstände erkennen lassen." Und nun folgt in ausführlicher Darstellung der Beweis für diese Behauptung. Dann eine schneidige Kritik der Steuer- Politik, insbesondere deS Systems der indirekten Steuern, die in den Sätzen gipfelt: „Ich sehe, daß die Herren von der Rechten diesen meinen Ausfüh- rungen kopfschüttelnd gegenübertteten. Meine Herren, ich führe eine Autorität gegen Sie an, die Sie selbst am wenigsten bestreiten werden: es ist das Ztiemand anders als der Herr Reichskanzler selbst, der Herr Reichskanzler, der in seiner berühmten Rede vom 22. November 1875 hier in diesem Hause seine„Steuerideale" entwickelte— das Wort hat er wörtlich gebraucht. Was ist in dieser Rede enthalten? Da hat der Herr Reichskanzler ausgeführt, daß eigentlich die bequemste Art, große Steuersummen aufzutreiben— wohlgemerkt, nicht die beste, aber die bequemste Art, weil sie der großen Masse am unmerklichsten abge- nommen werden könne—, das indirekte Steuersystem sei. Er hat aus- drücklich erklärt, daß er eigentlich gegen alle direkten Steuern sei, daß er eine Einkommensteuer nur als eine Art Anstandssteuer wolle, das heißt also doch, als eine Steuer, die nur als Dekoration gebraucht wird, die scheinbar wohl da ist, in Wahrheit aber nichts abwiift. Das heißt mit dürren Worten doch: Schonung der großen Ver- mögen; denn anders kann dieser Ausdruck nicht aufgefaßt werden. Meine Herren, was hat der Herr Reichskanzler aber als die wesentlich- sten Gegenstände betrachtet, von denen hauptsächlich die Einnahmen er- zielt werden mußten? Da heißt es: Als Gegenstände der Verzollung und Besteuerung im Jnlande sehe ich Bier, Tabak, Kaffee, Zucker, Branntwein und Petroleum an. Ich kann die Zeit kaum erwarten, daß der Tabak höhere Summen steuert, so sehr ich auch jedem Raucher das Vergnügen gönne. Analog steht es mit dem Bier und dem Branntwein, dem Zucker und Petroleum, allen diesen großen Verzehrungsgegenständen, gewisser.' Massen den Luxu» g e g e n st ä n d e n der großen Masse. Bier. Brann'- wein, Tabak. Kaffee, Zucker— Luxusgegen stände der großen Masse! Meine Herren, das Wort muß angenageltwer- den, soweit die deutsche Zunge klingt. (Beisall links.)" ...„Bis jetzt haben Sie mit all' Ihrer Steuer- und Sozialreform de m armen Manne auch nicht ein Stück Brot in die Tasche gebracht, ab r Sie haben ihm sehr viele Stücke Brot herausgenommen. (Sehr wahr! Lebhafter Beifall links.)" Und an anderer Stelle: „Nein, meine Herren, wenn Sie das wollen(nämlich für die söge- nannten„Kulturausgaben" Deckung schaffen), so packen Sie das Ding gründlich an. dann sorgen Sie zunächst für andere Einnahmen.... „Weiter ist es eine unbestreitbare Thatsache, daß es insbesondere in Preußen eine große Anzahl von Familien gibt, die--uf Grund söge mnnter Verträge, die auf Grund sogenannter althistorischer Rechte abgeschlossen sind, die reichs un in ittelbaren Familien, die ebenfalls nichts zu de.i Staatslasten beitragen, deren Vermögen durchschnittlich genommen ein f ü r st l i ch e s ist, die, wenn sie zu einer gehörige.« progressiven Einkommen- und Vermögenssteuer herangezogen würden, dem Staate allem Millionen von Steuern zu geben im Stande wären. Wenn man einem Arbeiter sagt, daß derartige Zustände existiren, so sagt er im ersten Augenblick: das ist ganz menschenunmöglich!— und wenn man es ihm dennoch bestätigt, entringt sich ein Schrei der Eni- rüstung der bedrängten Brust— mit vollem Recht! Da sorgen Sie endlich einmal, daß in dieser B-ziehung die einfachsten Grundsätze der Gerechtigkeit zur Anwendung kommen; sorgen Sie, daß die Z i v i l l r st e n und Vermögen regierender Fürsten, daß die Apanagen von Prinzen und Prinzessinnen zur Steuererhebung herangezogen werden. Sorgen Sie ferner dafür, daß dort, wo in Folge der heutigen Produk- tionsweise die großen Vermögen zu Hunderttausenden und Millionen in einzelnen Händen sich anhäufen, wo der Konsum der einzelne., Familien, mag er noch so verschwenderisch ausfallen, in gar keinem Verhältniß zu ihren großen Ennahm-n steht, wo von Jahr zu Jahr große Kapitalien sich anhäufen, die wieder in der Industrie und Landwirthschast Ver- Wendung finden und immer wieder aufs neue auf die Erwerbsoerhältnisse der niederen Klassen drücken, sorgen Sie, daß für alle diese Klaffen einmal die direkten Steuersysteme von Grund aus reformirt und tüchtig progressiv gestaltet werden, und Sie werden die Mittel, die Sie jetzt für Kultnrausgaben der Einzelstaaten und im Reiche brauchen, i.i sehr reichem Maße sich verschaffen können." ...„Statt dessen kommen Sie uns mit Ihren kleinen Sozialvorlagen mit Ihrer Spar theorie, und glauben, mit diesen einen Schritt nach vor- wärts zu thun. Was wollen Sie denn nur z. B. durch die neuen Spar- kaffenvorlagen erreichen? Ja, lieber Hiinincl, wo sollen denn unsere Arbeiter noch sparen, möchte ich wissen! (Zuruf: Sehr viele sparen!) — Gewiß, sie darben es sich eben ab, und wenn ein so sehr großes Gewicht von Staatswegen auf das Sparen gelegt wird, dann werden sich vielleicht die Massen das Nothwendigste noch weiter abdarben. Meine Herren, das Sparen mag für den Einzelnen eine ganz nütz liche Theorie sein; aber wenn diese Spartheorie, ich möchte sagen, zur allgemeinen Staatspflicht dekretirt wird, dann wird sie eine N a tionalkalamität. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich will Ihnen das in aller Kürze zahlenmäßig nachweisen." Bebel weist nun am Bier, am Tabak, am Fleische ic. zifferu mäßig nach, welche Wirkungen die Anwendung der Spartheorie aus die in der Produktion dieser„Luxusartikel" der großen Masse Beschäftigten haben muß, und fährt fort: ...„Meine Herren, Sie sehen daraus wieder, daß, sobald Sie an- fangen. Ihre sogenannten wirthschaftliche» Heilmittel, d e Sie i.i Vor- schlag bringen, zu verallgemeinern und aus großen, allgemeinen Fuß zu bringen, dann sind Sie einfach bankerott, dann schlagen die Mittel in das gerade Gegentheil dessen um, was Sie damit glauben erreichen zu können." ...„Es bleibt also in der That nichts anderes übrig, als daß der Militäretat in erster Linie in's Auge gefaßt wird. Nun versichern uns die Herren vom Regierungstische, der Herr Kriegsminister in erster Linie: an dem können wir nicht sparen: ich habe mich bereits auf das Aeußerste eingeschränkt, ich habe eine Menge Forderungen, die ich gerne gestellt hätte, mit Rücksicht auf die üble Lage des Budgets zurückgestellt. Meine Herren, ich gebe das zu. Wenn man einmal das ganze System, wie es vor uns steht, für unantastbar hält, dann bin ich der An- ficht, daß im Großen und Ganzen die Militärverwaltung eine spar- same ist. (Abgeordneter Richter: Hört!) — Ja, das Kompliment mache ich ihr. Ich habe schon vor mehreren Jahren einmal gesagt, meine Herren von der Linken, wenn Sie die Militärverwaltung in die Entreprise einer Aktiengesellschaft gestellt hätten, so hätte sie auch nicht billiger wi.thschasten können. (Sehr richtig! Heiterkeit.) Ich sage, wenn Sie das S y st e m für vollkommen halten und aner- kennen, dann bleibt nichts anderes übrig, als zu bewilligen. Ich will Sie also zwingen, entweder zu sagen: wir halten das System für noth- wendig— dann sage ich: dann bewilligt auch; oder Sie halten es für unhaltbar, und dann sage ich: dann muß es von Grund aus geändert werden. Meine Herren, aus letzterem Standpunkte stehen wir." Wir bedauern, daß uns der Raum mangelt, die nun folgende scharfe Kritik deS heutigen Militarismus hier wiederzugeben. Wir kommen aber an anderer Stelle aus dieielbe zurück. Nahdem er schließlich noch darauf Hingew esen, wie gerade die setzt tagende Kongokonferenz den Beweis liefert, daß die internationalen Streit- fragen ganz gut durch friedliche Vereinbarungen gelöst werden können— wenn man nur will— schloß Bebel mit den Worten: „Ich habe, obgleich der Reichskanzler dies erst für später wünschte, Ihnen heute bereits ein nicht unwesentliches Stück zur Lösung der sozialen Frage— denn alle sozialen Fragen hängen auch mit den großen politischen Fragen zusammen— entwickelt. Wir werden bei anderen Gelegenheiten auch die rein sozialen Fragen, auch die nothwendige Organisation der Produktions- und die Organisation der Dlstributionsverhältniffe, auch die kooperative Ausnützung des Grund und Bodens, die Rathwendigkeit der Assoziirung sowohl der Landwirthe als des Kleingewerbes und der Arbeiter unter sich, darlegen. Einstweilen habe ich Ihnen heute eine Reihe von Ausgaben gegeben, die, wenn Sie dieselben lösen, uns sehr zufrieden stellen werden. Das Weitere werden wir dann später sehen." Die Rede wird hoffentlich bald im S.paratabdruck erscheinen. Wie auö den obigen Auszügen bereits ersichtlich, bietet sie vor- treffliches AgitationSmaterial; sie liefert aber auch, ebenso wie die bisher gehaltenen Reden von Auer, B l o S jc. eine schlagende Wirerlegung der abgeschmackten Redensart, daß unsere Piriei, je stärker sie an Z>hl wird, sich immer mehr gezwungen sehen werde, Waffer in ihren Wein zu gießen. DaS mag in Bezug auf bürgerliche Parteien zutreffen, nicht aber auf die Partei des kämpfenden Proletariats. Wer zahlt die Kosten? Mit großem Behagen druckt das Reichskanzler-Organ, die„Norddeutsche Allgemeine", eine englische Korrespondenz der Wiener„Neuen Freien Presse" über die Lage des W e l t m a r k t e s ab, weil dieselbe angeblich alle gegen die Bismarck'sche Wirthschastspolitik gerichteten Angriffe als unberechtigt nachweist. Es heißt da nämlich: „Ein ganz eigenthümliches Gefühl der Unbehaglichkeit macht sich in allen Citykreisen, oder, wenn ich mich richtiger ausdrücken will, in allen Gefchästskreisen und Mittelpunkten des Handels sowie der Industrie Großbritanniens bemerkbar. DieseS Gefühl kann nicht nur als eine vorübergehende Aufwallung, als eine Erregung„von gestern auf heute" bezeichnet werden, welche wieder ebenso schnell verschwinden könnte, son- der» als eine weit tiefer' sitzende Empfindung der Unsicherheit, der Be- sorgniß bezüglich der leitenden Stellung Englands, welche dasselbe bis heute auf den Märkten der Welt eingenommen hat. Die Befürchtung, daß Großbritannien diese Position verlieren könne, ergreift immer größere Kreise, und Hunderte von Anzeichen kommen zum Vorschein, daß die Besorgniß keine ganz grundlose ist. Die kommerzielle Welt- Herrschaft Großbritanniens ist ernstlich bedroht, und der große Ri- vale, der England in den Schatten zu stellen, zu verdunkeln sich anschickt, ist— Deutschland. Durch die Reihe der siegreichen Schlachte» der Jahre 1870 und 1871 wurde zwar zuerst und direkt nur Frankreich be- siegt, allein die großartige Schöpfung Bismarck's, das neue deutsche Reich, befindet sich seit jener ewig denkwürdigen Epoche auf dem besten Wege, auch England, wenngleich nicht militärisch, so doch auf kommer- ziellem Gebiete ebenso zu besiegen, wie das napoleonische Kaiserreich. Der britische Kaufmann kann in den letzten Jahren keinen Bericht irgend eines englischen Konsuls aus irgend welchem Theile der Welt in die Hand nehmen, ohne darin die ominösen Klagen zu lesen, daß der deutsche Handel dem englischen daselbst die gesährlichste Konkurrenz bereite. Aus China und Japan wie von Australien und dem Kap lauten diese Be- richte immer gleich in demselben Sinne, und heute zufällig finde ich in der offiziellen„Gazette" wieder Konsularklagen des nämlichen Inhalts aus Tanger in Marokko, aus Guatemala und Brasilien. Ueberall ist der Deutsche auf dem besten Wege, dem Engländer den Rang abzulaufen, wenn nicht gar den Letzteren von dem Markte zu verdrängen. Die Berliner Börse beginnt die Führung auf einem Gebiete des Geld- Weltmarktes, nämlich dem der auswärtigen Staatsanlehen, zu übernehmen, welches bisher fast das ausschließliche Monopol des Lon- doner Geldmarktes war, und die Thatsache, daß gerade jetzt in Berlin die Kongo-Konferenz eröffnet wurde, muß dem britischen Kaufmanne gar deutlich den Beweis vor die Auge«, führen, daß auch auf einem Felde, aus dem noch bis vor ganz kurzer Zeit der englische Einfluß allein und ausschließlich entscheidend war, eine andere Macht die Führerrolle über- nommen hat."— Welch' glänzendes Bild! Wie muß jedem braven deutschen Normal- spießbürger das Herz ob der Herrlichkeit des deutschen Reiches, der „großartigen Schöpfung Bismarck's", schlagen, wenn er das liest. Frank- reich militärisch, England industriell besiegt, und als Triumphator kom- mandirt in der diplomatischen Welt Bismarck, in der finanziellen die Berliner Börse! Ist das nicht grandios? O gewiß, das ist glänzend; aber es ist nicht Alles Gold, was glänzt. Wir brauchen uns blos die Frage vorzulegen: Wer zahlt die Kosten für all' diese Herrlichkeit? und wir werden ein ganz anderes Bild gewahr werden, als das, welches das Bismarck'sche Organ seinen Lesern auftischt. Wie das neue deutsche Reich, diese„herrliche Schöpfung Bismarck's", nur mit Blut und Eisen, dem Blut von Tausenden und Abertausenden deutscher Söhne, zusammengeschweißt worden ist, und zwar, wie der Schöpser selbst nicht oft genug versichern kann, nicht allzudauerhaft, so steht es auch mit der deutschen Führerschaft auf dem Weltmarkt. Soweit sie überhaupt besteht, ist sie zu n e u n Z e h n t e l n nur inög- lich geworden durch Unterbietung aller Mitkonkurrenten, und diese Unterbietung wiederum war nur möglich durch die kolossal gedrückten Löhne, deren sich das industrielle Deutschland„erfreut". Die größte Billigkeit— beiläufig das Axiom der Freihändler!— hat gesiegt, und sie ist erreicht worden durch strikte Befolgung des famosen Rezeptes des freihä udlerischen Ministers von C a m p h a u s e n, das Bismarck zwar nach dem Sturz dieses— wenigstens offenherzigen— Herrn offiziös vertuschen ließ, dessen Befolgung er aber so ernst nahm, daß er sogar in der strengen Durchführung der gesetzlich noth- wendigen Schutzmaßregeln in den Fabriken eine„Belästigung" der In- dustrie erblickte. Billiger arbeiten, das war die Parole, und diese Billig- keit wurde erzielt aus Kosten der Lebenshaltung der Arbeiter. Bis auf's Blut wurden die Arbeiter in Sachsen, in Schlesien, in Thü- ringen— überall, wo die Weltmarktsindustrien blühen, ausgepreßt; im buchstäblichsten Sinne des Wortes kann man sagen, daß an der deutschen Suprematie auf dem Weltmarkte das Blut von Tausenden und Abertausenden an Entkräftung dahingesiechter Proletarier klebt. Und diese Suprematie ist wahrlich nicht gesicherter als die auf die Cr- folge der Bajonette basirte politische Machtstellung Deutschlands I Hier wie dort herrscht die Tendenz, jeden Vortheil, den ein Land ge< legentlich ausweist, möglichst bald international auszugleichen; und wie man auf der einen Seite, dem guten Beispiel Deutschlands folgend, allerwärts die M i l i t ä r l a st e n in geradezu wahnsinniger Weise steigert, so bleibt auch in Bezug auf die Jnoustrieverhältnisse Deutschlands Vor- gehen nicht ohne Nachahmung. Im Zeitalter der Maschinen ist es nicht mehr die besondere Geschicklichkeit, es ist die B i ll i g k e it des Arbeits- Materials, welche den Sieg erringt. Die Herren Fabrikanten in Eng- land werden eben nicht ruhen, bis sie die Löhne ihrer Arbeiter möglichst nahe dem Niveau der deutschen Löhne gebracht haben. Wie auf dem militärischen Schlachtselde, so ist es auch auf dem Schlachtselde der In- dustrie das arbeitende Volk, auf dessen Kosten die„glorreichen Siege" erkämpft werden. Die herrlichen Erfolge, auf welche die„Norddeutsche Allgemeine" so stolz ist, beruhen auf der sehr ehrenvollen Thatsache, daß Deutschland die verhältnißmäßig größte Militärlast und— die schlechtesten Löhne aufweist. Wie ungesund die wirthschaftliche» Verhältnisse in Deutschland sind, dafür gibt es gar keinen drastischeren Beweis, als die„erfreuliche" That- fache, daß die Berlin er Börse der Hauptmarkt für die ausländischen Staatspapiere zu werden beginnt. Das ist die natürliche Folge der Konzentrirung des Kapitals in inrmer weniger Hände, und ein Zeichen dafür, daß die deutschen Kapitalmagnaten dem Frieden im Inland nicht recht trauen. Vor einem Menschenalter legten englische Kapitalisten ihr Geld, wenn es ihnen dahei>n nicht genug Zinsen brachte, in Industrie- Unternehmungen in Deutschland an, und halfen so die deutsche Konkurrenz großziehen; heute leihen deutsche Kapitalisten dem Auslande Geld, um in Rußland, in Egypten, in Südamerika Konkurrenten für die deutsche Industrie erziehen zu helfen. Der„ R e i ch t h u m" Deutschlands, der Kapitalüberfluß in den Reservoirs in Berlin, in Frankfurt am Main rc., er wandert in's Ausland, während in Deutschland Hunderttausende fleißiger Arbeitsbienen, die ihn geschaffen, am Hungertuche nagen. Eine herrliche W i r t h s ch a f t s p o l i t i k! Aber wohlgemerkt, dieser Zustand der Dinge ist ebensowenig die Folge der SchutzzöUnerei, als der„industrielle Aufschwung" von 1880 eine Folge der Schutzzöllnerei war, sondern der modernen kapitalistischen Produktionsweise überhaupt. Er wäre auch unter dem Freihandel nicht ausgeblieben. Aber er charakterisirt die Lächerlichkeit der Phrase vom „Schutz der nationalen Arbeit", welche die Herren Schutzzöllner beständig im Munde führen; die Freude derselben über ihn zeigt, welcher Werth ihre» hochtönenden Deklamationen wider das vaterlandslose Manchester- thum beizumesien ist, zeigt, daß sie, gleich dem habgierigsten Börsenjobber, nur einen Golt anbeten: den Gott Profit. Diesem Gott zu Ehren opfern sie wo möglich noch rücksichtsloser als ihre freihändlerischen Gegner Leben und Gesundheit der ganzen Arbeiterklasse ihres Landes; es gibt nur einen wirklichen Schutz der Arbeit, und der heißt Unterdrückung der Ausbeuter. So lange die Ausbeutung herrscht, werden die Arbeiter stets die Kosten zu tragen haben für die Siege und für die—?! i e d e r- lagen auf dem Weltmarkte. Demokratisch! Eine Mahnung zur Masfenagitation. l-') Wasser in's Weltmeer! Dieser Ruf ist ebenso berechtigt wie die For- derung„Demokratisch!" in diesem Blatt. So meint der Leser. Er irrt sich aber. Er meint, demokratisch zu sein, ist das Prinzip der sozialdemokratischen Partei. Das stimmt. Das Prinzip, ja; aber leider nicht die Praxis. Die demokratische Praxis heißt:„Alles durch das Volk." Davon ist in unserer Agitation wenig zu spüren. Bei uns heißt es blos:„Alles für das Volk." Wir haben eine Anzahl Leute, von denen jeder beinahe mehr für die heilige Sache thut, als er kann; wir haben einige Männer und auch Frauen, welche die größten Opfer bringen— die einen mit ihrer Arbeit, die anderen mit ihrer Gesundheit, etliche mit ihrem Geld— die große Masse aber thut nichts. Wohl ist die Zahl der Fähigen stetig größer geworden und wird es täglich noch, wohl ist daher unsere Organisation jetzt fester und ausgebreiteter denn je geworden, aber gegen das, was zu geschehen hätte, ist das, was geschieht, nichts. Es kann aber bei der jetzigen Verfassung der Agitation nicht mehr geschehen. Von Allen, welche sich daran betheiligen, kann man nicht mehr verlangen, als was sie eben thun. Aber ich behaupte, daß sich die Agitationsweise verbessern läßt. Heute stützt man sich auf eine kleine Zahl besonders opferwilliger und opfersähiger Parteimitglieder. Da diese die Aufgabe haben, die sozialistische Gesellschaft anzubahnen— alles Andere kann ja nichts nützen—, müssen sie Großartiges leisten, und da ihnen dabei die Polizei dazwischen fährt, müssen sie es geheim thun. Großartiges geheim, das geht aber nicht. Aber die Presse? Unsere Zeitungen? Unsere Zeitungen können auch nicht zum Ziele führen. Diese Presse ist geheim unv kostet Geld.?tur eine Minderheit kann sie bezahlen, nur ein winziger Theil dieser Minderheit bekommt sie regelmäßig zu lesen. Zur Ausbreitung unserer Anschauungen nützt die periodische Presse gar nichts, sie kann nur zur Erhaltung der Verbindung unter den bereits gewonnenen Mitgliedern der Partei dienen. Ich habe mit einem„Führer" unserer Bewegung mich dahin geeinigt, daß unter dem Einfluß unserer Presse etwa 100,000 Leser stehen salso nicht lauter Arbeiter, um die sich doch die ganze Bewegung dreht). Das„Berliner Tageblatt" aber hat— ohne Aufschnitt— 75,000 Abonnenten! Wie sehr unser Einfluß auf die Massen der Arbeiter noch wachsen muß, zeigen folgende Zahlen: Für unsere Bestrebungen nach einheitlichem Plane in Bewegung zu setzen und zu beeinflussen sind unsere Leser, höchstens 100,000 Entschieden unzufrieden mit unseren Zuständen, aber zum guten Theile recht unklar über unsere Mittel der Besserung sind unsere Wähler- 600,000 Ihrer Klassenlage nach zu uns gehörig sind von den rund 8 Millionen Reichstagswählern a l l e r m i n- destens 87'/,°/« 7,000,000 Wir haben von der Arbeit, die unsere Aufgabe ist, im günstigsten Falle den dreizehnten Theil gethan! Und dies in 20 Jahren! Wir würden, trotz der breiteren Basis, von der wir heute ausgehen, bei den wachsenden Schwierigkeiten der Agitation auf dem Lande und in den Städten der rückständigen Provinzen sowie den Polizeichikanen mindestens noch ein Jahrhundert brauchen, um nur die Hälfte der Stimmen für uns zu haben, wenn wir uns auch ferner mit dem heutigen Grade von Demokratie in der Agitation begnügen wollten. Ein gewaltsamer Umsturz ist hiergegen keine Hilfe, weil der Gedanke daran Widersinn ist. Er läßt sich nicht erzielen, auch nach einigen Jahren nicht. Die zehnfache Uebermacht der Bornirtcn schlüge uns einfach todt! Uebrigens ist ein Wähler noch kein Barrikadenkämpfer t Es ist auch «ine uralte Geschichte: Revolutionen werden nicht auf den Barrikaden, sondern in den Köpfen gemacht.'"') Die Revolution wird aber nicht dadurch in den Köpfen gemacht, daß man dieselben von Zeit zu Zeit in Wuth und Erbitterung über gewisse Miß- stände hineinagitirt, denn dabei wäre der Erfolg der Agitation allemal vorüber, wenn die Auswallung vorüber ist, sondern indem man die möglichst gründliche Kenntniß über die Quellen dieser Mißstände ver- breitet. Diese Kenntniß bringt alltäglich von selbst die Erbitterung her- vor, welche zum Widerstande gegen die alte Gesellschaft reizt, außerdem aber auch— was die ersterwähnte Agitation nicht vermag— die Be- geisterung für unser volkswirthschastliches Ideal, welche opferfähig macht. *) Diese Artikel sind von einem sehr eifrigen Parteigenossen, der sich die Verbeitung unserer Ideen namentlich unter den sogenannten„besseren Ständen", zu denen er selber gehört, sehr angelegen sein läßt. Manches, was er sagt, mag unpraktisch, manches auch durch die Praxis bereits überholt sein, aber der Grundgedanke der Artikel: Demokratisi- rung der Agitation, d. h. größere Heranziehung der Massen zur Agitation, ist entschieden«in richtiger. Die gemachten Vorschläge verdienen jedenfalls Berücksichtigung, und sosern sie nicht anwendbar sind— über Viesen Punkt sprechen wir kein llrtheil aus,— werden sie wenigstens anregend sein. Die Redaktion des„Sozial-Demokrat." •♦) Hier schüttet der Verfasser nach unserer Ansicht das Kind mit dem Bade aus. Der Gedanke, emen gewaltsamen Umsturz machen zu wollen, ist allerdings widersinnig, ebenso aber auch der Gedanke, daß der Zusammenbruch der heutigen Ausbeulungsgesellschaft lediglich von unserer Agitation abhängt. Es gibt noch einen Faktor, der da in Betracht kommt, und zwar ist er der wichtigste: die wirthschaftliche Entwickelung! Die Revolution bereitet sich auch in den Dingen vor, und unsere Aufgabe ist es, dieses objektiv« Revolut>on»werk durch subjektives zu ergänzen, das heißt: die unbewußte Revolutio- nirung der Verhältnisse, welche sich in der heutigen Gesellschaft anbahnt, zum Bewußtsein der Massen ,u bringen, weil die dewußte, plan- mäßige Thätigkeit am meisten leistet. Der„Bariikadenlamps" ist in jeder Revolution nur eine Episode, und kann sür die vorliegende Frage umsomehr außer Betracht kommen, weil er nie das Werk von Parteien ist, ebensowenig gemacht wie verboten werden kann. Aber wenn es auch ganz richtig ist, daß nicht jeder Wähler„Barrikadenkämpfer" ist, h ist doch zu beherzigen, daß auch nicht jeder„Barrikadenkämpfer" Wähler ist. Anm. d. Red. Wir stehen also vor der Aufgabe der Belehrung der Massen. Die Lösung dieser Zlufgabe ist so außerordentlich schwierig und scheint so utopistisch, daß man ihr möglichst aus dem Wege gehen möchte. Das Borstehende lehrt uns aber hinlänglich, daß es durchaus kein anderes Mittel gibt, das uns vorwärts bringen kann. Fassen wir also fest an, was wir nicht vermeiden können. Wie das zu machen wäre, soll der nächste Abschnitt zeigen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 10. Dezember 1834. — Recht und Interesse. Bismarck's Leiborgan, die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung", brachte vor einigen Tagen über die Braunschweiger Erbfolgefrage einen Artikel, in welchem es unter Anderem hieß, daß„das legitime Recht" ein Anachronismus, ein überwundener Standpunkt sei, und daß das„Recht" des Herzogs von Cumberland auf den Braunschweigischen Thron gar nicht in Frage kommen könne, wenn es dem Interesse von 45 Millionen Deutschen zuwiderlaufe. Natürlich: Bismarck möchte das schöne Braunschweig gern„schlucken", und da ihm das„legitime Recht" dies verbietet, so wird er plötzlich zum Revolutionär, wie 1866, wo er mit den Kanonen des„Bruder- krieges" ein mächtiges Loch in das„legitime Recht" schoß. Jndeß seit 1866 sind 18 Jahre verflossen— manches, was damals geschah, ist heute vergessen; dem Säbelrecht, das damals über das legitime Recht triumphirte, ist durch die Zeit— die Mutter des legitimen Rechtes— ein Legitimitätsmäntelchen umgehängt worden, wenigstens etwas Aehnliches; und die Kriegserklärung der„Norddeutschen" an das legitime Recht hat deshalb ein gewisses Aufsehen erregt. Die mittel- und kleinstaatlichen Bundesfürsten bekamen eine gewaltige Angst, sie sagten sich: genau mit demselben Recht, wie den Herzog von Cumber- land, könne man s i e ihrer„legitimen" Kronen und Throne verlustig erklären; es regnete Proteste und Vorstellungen nach Berlin. Die „Germania" aber, das Organ des Welsenheilandes W i n d t h o r st, meinte, die„Norddeutsche Allgemeine" oder deren leitender Geist könne sich der Tragweite jener Kriegserklärung an das„legitime Recht" nicht bewußt geworden sein, denn sonst müsse er erkannt haben, daß dieselbe Logik sich z. B. auch auf das Privateigenthum anwenden lasse, und daß der Verfasser jener Kriegserklärung an das„legitime Recht" konsequenterweise es nicht mißbilligen könne, wenn die Sozialdemokraten das Privateigenthum, als mit dem öffentlichen Interesse in Widerspruch stehend, abschaffen wollten. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeiiung" hat sich wohl gehütet, mit der„Germania" über dieses heikle Thema in eine Diskussion einzu- treten.— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat unzweisel- hast Recht, indem sie das„Interesse das Volkes" über das„legitime Recht" stellt. Die„Germania" hat aber unzweifelhaft auch Recht, indem sie die Auffassung und Logik der„Norddeutschen Allgemeinen" zu einer revo lutionären stempelt. ?!icht daß das Kanzlerorgan sich aus den Standpunkt der Revolution stellen wollte. Es hat nur die d y n a st i s ch e n Interessen der vom Hausmeier Bismarck regierten Hohenzollernmonarchie im Auge, und„die 45 Millionen Deutsche", deren Interesse dem legitimen Rechte des Herzogs von Cumberland gegenübergestellt wird, sind nur diese d y n a st i- s ch e n Interessen. I-'ötat c'est moi! Das deutsche Volk, das bin ich!" denkt Hausmeier Otto der Erste und Letzte,„und meine Interessen sind die Interessen der 45 Millionen Deutsche. I ch habe Appetit und möchte gern den fetten Bissen Braunschweig verspeisen— ergo haben — wie das im Musterland Dahomey Sitte und Gesetz— die 45 Mil- lionen Deutsche Appetit aus den fetten Bissen, genannt Herzogthum Braunschweig." Wir wundern uns über diese Logik durchaus nicht, und begrüßen sie. Die Hintergedanken Bismarck's sind uns gleichgiltig: er schießt Bresche in das legitime Recht und proklamirt den revolutionären Grundsatz, daß es kein Recht gibt als das Interesse der G e s a m m t h e i t. Wenn die Sozialdemokraten das sagen, ist es st r a f b a r, und die Schriften, in denen es steht, werden verboten. Jetzt muß das Organ des obersten Beamten im deutschen Reich die revolutionäre Wahrheit ve> künden. Wir haben den Reichskanzler schon in anderen Fragen beim Wort genommen, wir werden ihn gelegentlich auch hier beim Wort nehmen. Wir wollen schon zu geeigneter Zeit die Konsequenzen des von ihm pro- klamirten und sanktionirten Grundsatzes ziehen. Durch die Bresche, die er schießt, we: den wir in die Zitadelle der heutigen Staats- und Ge- sellschaftsordnung einziehen. Lalu» reipudlieae guprema lex! Zu Deutsch: Das Heil der Gesammtheit ist oberstes Gesetz! Es gilt, Junker Bismarck! — m». Sehr freundlich ist die„Norddeutsche Allgemeine". Sie richtet an die deutsche Sozialdemokratie die Einladung, an der Gesetz- gebung Theil zu nehmen.„Ein gedeihlicher Fortgang der Sozialreform ist nur dann zu erwarten, wenn an die gestellte Aufgabe allseitig mit sachlichem, vorurtheilssreiem Urtheil und mit ernstem, energischem Willen herangegangen wird, alle nichtigen Haarspaltereien und Parteizänkereien ausgegeben werden. Um so gefährlicher erscheinen uns deswegen die Anträge, mit denen gewisse Parteien den jungen Reichstag bereits zu belasten suchen; denn nicht allein, daß dieselben jener großen Aufgabe gegenüber irrelevant erscheinen, können sie nur dazu dienen, die Partei- leidenschaften auf's Neue zu entfesseln und dem neuen Re chstag von vornherein ein sehr zweifelhaftes Prognostikon zu stellen. Das sozial- politische Programm der Reichsregierung bietet aber einen gewissermaßen neutralen Boden, aus welchem bei ernstem Willen jede Partei mitarbeiten kann, selb st die sozialdemokratische. Die sozialistischen Weltverbesserer finden da ein neues Zlrbeitsfeld vor, auf dem sie sich wenigstens die Sporen praktischer Besähigung verdienen könnten, da sie ja einstweilen mit dem herrschenden System sich noch befreunden müssen. Ein Jeder aber, der st ine Kraft an die Lösung jener Ausgabe setzt, dient damit sich selbst und Allen zugleich." Als das„sozialpolitische Programm", zu dessen Verwirklichung die Sozialdemokratie helfe" soll, wird bezeichnet: Vermittlung zwischen dem manchesterlichen Grundsatz der absoluten Freiheit des Individuums und dem sozialistischen Grundsatz des absoluten Zwangs für das Individuum; und diele Vermittlung soll erreicht werden durch„korporative Glied«- rungen der Arbeiter, durch staatliche Unterstützung korporativer Genossen- schalten, durch Gewinnbetheiligung der Arbeiter u. s. w. Das„u. f. w." gehört— wenn auch nicht wörtlich, doch dem Sinne nach— der„Nord- deutschen Allgemeinen". Wir hab�n das ganze Verzeichniß mitgetheilt. Zunächst haben wir dem Reichskanzler-Organ zu bemerken, daß der Sozialismus nicht den absoluten Zwang für das Individuum be- deutet, sondern umgekehrt die volle Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und durch die Gesellschaft. Die„absolute Freiheit" des M a n ch e st e r t h u m s ist nur die absolute Willkür des In- dividuums, das gesellschaftliche und wirthschaftliche Faustrecht, der Kampf Aller geg n Alle. Der Sozialismus will ge> ade das Individuum zur Geltung bringen, das, wenn es nicht zufällig„Hammer" ist, in der heutigen Gesellschaft„Ambos" sein, und sich unterdrücken lassen muß. So fällt in seiner logischen Konsequenz Sozialismus und In- dividualismus zusammen, anstatt Gegensatz zu fein. Erst durch den Sozialismus kann der Individualismus Wahrheit werden— Sozia- lrsmus ist Individualismus. /Wir können diesem Satz doch nur sehr bedingt zustimmen, oder vielmehr nur unter der Voraussetzung, daß dem Wort Individualismus kein anderer Sinn untergelegt wird, als der vorher entwickelte: die Garantie der Entwickelung und Geltendmachung der Individualität in der Gesellschaft und durch die Gesellschaft. Der Sprachgebrauch aber verbindet» it dem Worte Individualismus einen Sinn, der durchaus a n t i sozialistisch ist, das Individuum in Gegen- s a tz zur Gesammtheit stellt. Anm. d. Red.) Und nun die traurige Bettelsuppe, zu deren Bereitung die Sozial- demokratie eingeladen wird! Ein Bischen korporative Organisation mit mehr oder weniger Zunst-Beigeschmack, ein Bischen Staaisalmosen sür reichsfromme„Arbeiter", die sich bei Zuckerdrod und Peitsche wohl fühlen, ein Bischen„Gewinnbetheiligungs"-Humbug— das ist es, was wir mitkochen sollen. Sehr freundlich! Jndeß— wir danken schön. Wir werden weder auf den„neutralen Boden" gehen, noch auf den Leim. — Die Bebel'sche Budgetrede hat die Frage wieder ange- regt, ob ein Laie in Militärsachen ein kompetentes Urtheil habe. Von den Herren Militärs wird das natürlich bestritten. Thatsache ist, daß niemals in irgend einem Zweige menschlicher Thä- tigkeit oder in irgend einer Staats- oder Gesellschafts-Einrichtung ernst- haste Reformen möglich gewesen wären, wenn es auf das Urtheil der eigentlichen Fachmänner und der zunächst interessirten Parteien ange- kommen wäre. Wer von Ungerechtigkeiten oder Mißständen einen V o r t h e i l hat, wird nicht zugeben, daß das, was ihm Vortheile bringt, Ungerechtigkeiten oder Mißstände seien. Und nun gar Jemand, der von einer Ungerech- tigkeit, einem Mißstande lebt, wie das bei dem Kriegsminister Bronsart von Schellendors der Fall ist. Wir nehmen da gar nicht an, daß der Mann unehrlich sei. Wir hegen sogar, soweit wir ihn kennen, die Ueber- zeugung, daß er das glaubt, was er sagt, aber das Interesse trübt das Urtheil. Man ist geneigt, das sür gut zu halten, was unS nützlich ist. Und außerdem hat der menschliche Geist, gleich dem menschlichen Körper, die Eigenschaft, sich an Schlimmes und Schädliches zu g e w ö h- n e n, bis zuletzt das Naturwidrige und Unvernünftige natürlich und vernünftig erscheint. Der Masse der A d l i g e n ist es niemals klar geworden, daß die Leibeigenschaft ein furchtbares Unrecht war; und die amerika- nischen Sklavenhalter der Südstaaten waren im besten Glauben, daß die Sklaverei der Neger der vernünftige und natur- gemäße Zustand sei. Wenn man hätte warten wollen, bis die F e u d a l a d l i g e n die Leib- eigenschast und die amerikanischen Sklavenhalter die Sklaverei freiwillig und aus eigener Erkenntniß abschafften, hätten wir bis zum St.?!immerleinstag warten müssen. Und wenn wir warten wollten, bis die Herren Kriegsminister die Gemeinschädlichkeit des Militarismus zugeben und an dessen Abschaffung gehen, müßten wir bis zum St. Nimmerleinstag warten. Daß ein Kriegsminister vom Mililärwesen in technischer Bezieh- ung mehr versteht als ein sozialistischer Abgeordneter, der nie Soldat ge- wesen ist, das wird nicht in Abrede gestellt werden; ebensowenig kann aber in Abrece gestellt werden, daß ein sozialdemokratischer Abgeord- neter, der niemals Soldat gewesen ist, vorausgesetzt, daß er umfassende Einsicht in die staatlichen und wirthschaftlichen Verhältnisse hat, an sich ein weit unparteiischeres, ein weit unbefangeneres Urtheil über den Militarismus hat als ein Kriegsminister. Uebrigens gehört auch der Militarismus in die Reihe derjenigen Fragen, die überwiegend Machtfragen sind. Und zwar ist er eine wirthschaftliche Machtfrage. Falls nicht eine Revolution kommt, wird der Militarismus solange bestehen, als die Völker -ihn wirthschastlich aushalten. Die Frage ist blos, w i e lange sie ihn noch aushalten können. Der Wille unserer Militärs und Kriegsminister entscheidet da nicht. Da entscheiden nur die wirthschaftliche» Machtverhältnisse, d. h. die Steuer- kraft der Völker. Und diese ist, in Deutschland wenigstens, bei der Unproduktivität der Steuerverwendung nahezu erschöpft. Die Beachtung, welche Bebel's Rede gefunden, ist der beste Beweis dafür, daß man dies allgemein einzusehen beginnt. Was Bebel in Bezug auf den Militarismus sagte, war Alles schon vorher gesagt worden— auch im Reichstage—, allein?tiemand hatte sich darum bekümmert. Jetzt war es anders. Die Verhältnisse hab-n so trefflich Propaganda für uns gemacht, daß die W a h r- h e i t e n, welche wir seit Jahrzehnten aussprechen und die wir bisher meist in die Wüste predigten, nun endlich begriffen zu werden be- ginnen. — ph. Deutsche Kulis. Deutsche Kolonien hätten wir glücklich, nun müssen wir aber dort auib die deutsche F r e i h e i t bekommen; die Freiheit in ihrem reinen manchesterlichen Sinne, in welchem sie in der Hauptsache die Freiheit des Arbeiters von Lebensmitteln bedeutet, und denselben zwingt, sich unter den bekannten Bedingungen täglich neu an das Kapital zu vermiethen. Bei den Wilden in Afrika fehlt es an dieser Freiheit noch; die Leute haben noch ihren Bedürfnissen- entsprechend ge- nug zu leben und sind in Folge dessen zur Lohnarbeit nicht zu brauchen. Aber Rath muß geschafft werden, und die jüngste Konferenz in Friedrichs- ruh zwischen Bismarck und W ö r m a n n nebst Konsorten hat solchen schon in Aussicht genommen: die findigen Geschäftsmänner haben seiner Durchlaucht nahe gelegt, daß das Kamerun-Gebirge ein recht gesunder Aufenthalt für deutsche Sträflinge sei. Die Idee der Deportation nach der afrikanischen Wildniß wird vorläufig nur als Fühler herausge- steckt, wie man an der Betonung der Gesundheit sieht; wenn das deutsche Spießbürgerthum erst für Verbrecherkolonien in die nöthige Schwärmerei versetzt sein wird, wird es selbstverständlich sein, daß Wörmann's Sumpf und Jantzen Lake am Fuße des Gebirges, welche für die Kommis der Millionäre gesund genug sind, dem deportirten Verbrecher auch ganz wohl bekommen. Die Geschäftsmänner sind keine„Prinzipien- r e i t e r";„Freiheit in»er Wirthschaft" muß zwar sein, aber man thut es auch einmal mit Sträflingsarbeit. Welcher Art die Sträflinge in Afrika sein werden, läßt sich heute schon ahnen. Die Verbrecher wider Eigen- thum und Leben erfahren jetzt eine leidlich rationelle Behandlung in inländischen Anstalten, und es ist fraglich, ob die Fachmänner des Ge- fängnihwefens in die Rohheit der Deportation willigen würden; außer- dem werden die Hamburger und Bremer Patrizier keine Diebs- und Mördergesellschaft in ihre Kolonien wünschen. Aber, ist nicht das Sozialistengesetz vollständig unzulänglich zum Schutz« der Gesellschaft? Muß man nicht den„kleinen Belagerungszustand" über das ganze Reich ausdehnen und die Ausgewiesenen nach den glücklichen Kolonien schassen? Deportation derSozialisten ist ein schon öfters aufgetauchtes Stückchen ultima ratio der Philister, man hüte sich also in Zukunft, zu behaupten, daß der Haushalt unserer Arbeiter ein zweckmäßigerer Markt sür die von ihnen geschaffenen Produkte sei als »ie Negerhütte und der Hottentottenkraal. Bei der bekannten Hochach- tung der jetzt in Deutschland herrschenden Schnaps- und Rübenjunker vor geistiger Bildung, und der Beschränktheit der kolonie schwärmerischen Chauvinisten wird man es qlsbald erleben, daß die Vertreter solch' um- stürzlerischer Wirthschastsideen in afrikanischer Wüstenei für die hansea- tischen Geldsäcke Karren schieben müssen. — Aus dem Reichstag. Der Antrag Windthor st auf Aufhebung des sogenannten Expatriirungsgesetzes gab(am 3. De- zember) zu einer lebhaften Debatte Anlaß. Es gelang dem pfiffigen Zentrumsmann, den Fürsten Bismarck herauszulocken, wodurch die Ko- mödie etwas interessanter wurde. Komödie und nichts als Komödie ist es ja, denn Beide— der Bismarck und der Windthorst— haben ein gemeinsames Interesse an der Fortdauer des Kulturkampfes. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion sprach Bios, welcher dem Zentrum wegen seiner zweideutigen Haltung in politischen und sozialen Dingen tüchtig den Text las, und die„Arbeitersreundlichkeit" sowie die demokratischen Oppositrons-Allüren des Zentrums einer beißen- den Kritik unterzog, wobei insbesondere das Votum zu Gunsten der Verlängerung des Sozialistengesetzes scharf gegeißelt ward. Die Gesinnungslosigkeit Anderer kann uns natürlich kein Grund sein, s e l b st eine Gesinnungslosigkeit zu begehen— und unsere Ver- treter stimmten daher sür den Antrag Windthorst. — Die zur Vorbereitung eines A r b ei t er s ch u tz g e- setz es(Normalarbeitstag, Arbeiterschutz, internationale Fabrikgefetz- gebung, Arbeiterkammern rc.) von der sozialdemokratischen Fraktion ein- gesetzte Siebner-Kommission besteht aus den Genossen Auer, Bebel, Dietz, Grillenberger, Meister, Sabor und V o l I m a r. Die Kommission arbeitet sehr fleißig, und vor Ostern wird der fertige Gesetzentwurs wohl eingebracht werden können. — Die sozialdemokratische Reichstagsfraktiou hat nach längeren Debatten den Beschluß gefaßt, die Abstimmung über die Dampsersubvention offen zu lassen. Die Mehrheit der Genossen ist der Ansicht, daß es sich hier um eine Zweckmäßigkeits- und nicht um eine Prinzipienfrage handelt. Falls der?tachweis ge- liefert wird, daß die Ausführung des Regierungsprojekts dem Handel und der Industrie förderlich wäre, und wenn dem Reichstag die Kon« 'k» l e übertragen wird, gedenkt also ein Theil der Fraktion, und zwar � größere, für die Dampfersubvention zu stimmen. In die Reichstagskommission, welche die Regierungsvorlage zu prüfen »»t. sind D i e tz und Bebel gewählt worden. — Im sünften Berliner Wahlkreis haben unsere Genoffen stn Schloffermeister Franke als Kandidaten ausgestellt. '— Gesangen! Nach jeder Niederlage gibt es Krakehl, und der «rakehl führt ewöhnlich zu Enthüllungen. So jetzt mit der„Fortschritts- kartei". Daß Herr E u g e n R i ch t e r in der vorigen Session bei der �tslimmung über das Soziali st engesetz„gemogelt" und unter »tt Hand alles Mögliche gelhan hat, pour corriger la fortune, das »"tit, um die Annahme der Verlängerung zu erwirken, das war Eingeweihten längst bekannt, aber es fehlten die handgreiflichen «weise. . itls S o n n e m a n n vor einigen Wochen mit Eugen Richter hinter- 'wunder gerieth und von diesem in der bekannten Rüpelmanier„ange- Mauzt" wuroe, deutete er drohend aus gewisse Vorgänge bei Berathung 'es Sozialistengesetzes hin— Vorgänge, aus denen erqclle, daß Eugen Achter im selben Moment, wo er in die Welt hmausschrieb:„Motzen �'td im Reichstag die Verlängerung des Sozialistengesetzes mit einer 'kträchtlichen Stimmenmehrheit(die Zahl war sogar angegeben, um 'im llejer desto mehr zu imponiren) abgelehnt werden", bereits die «lese in der Tasche hatte, welche ihn belehrten, daß die Annahme 'er Verlängerung mit Hilse seiner eigenen Genossen z u g e- schert war. Uno Herr Sonnemann sägte weiter hinzu, dies Resultat » dem Herrn Richter ebensowenig unerwünscht wie unerwartet Kwesen. Hr. Eugen muckste sich nicht, und auch Herr Sonne mann, der JlJit seinem Eugen nicht ganz brechen wollte, fand es nicht sür gut, die «ache weiter zu treiben. Jetzt endlich ist der Katze die ochelle angehängt Warden. Ein unzujrirdener Fortschrittler, Dr. Kastan, hat m offent- Iiiher Volksversammlung Herrn Richter beschuldigt, eine Anzahl seiner vrallionsgenossen bei jener Gelegenheit„abtommandir t" zu haben. Herr Richter leugnet noch oder läßt leugu n. Denn er besorgt die Märe durch sein männliches Mädchen sür Alles, denH>n. Paris lus, «er durch allerlei Wortspiele sich aus der Schlinge zu ziehen sucht '«as ihm jedoch nicht gelingen wird. — In W i l h e l m s h a v e n ist wiederum ein Parteigenoffe wegen leiner Thäligkeit bei den Wahlen gemaßregelt worden._.. «Praltijches Christenthum!" Es wird nichts der Letzt« sein. Aus der !iste stehen noch Viele. — UnsereReseroen. JnDanzig fand am 4. Dezember-ine Rachwahl für Herrn R i ck e r t statt. Am 2v. Oktober hallen wir dort b 7 7 Stimmen sür Bebel erhalten(dl- höchste Ziffer vordem war I l 4 im Jahre 1878 gewesen!), in der Rachwahl erhielt unser Kandl- d»t, Lithograph Joche m, 1401 Stimmen, während alle übrigen Parteun, die am Wahlakt theilnahmen: Ultramontaue, Freisinnige und Visinärcker gegen den 28. Ottoder einen Rückgang zu verzeichnen haben. Hier Hilst selbst der„Frankfurter Zeitung" kein Drehen und kein Deuüln, hier zeigt ev sich klipp und klar, daß bei gehöriger Agitation jeder neue Wahltamps weitere Wählermasjen in unser Lager sührl. Der berühmte„letzte Mann", den unsere wackeren Danziger Genossen am 28. Okloder i»'s Feld führten, hat sich in der kurzen Zell von sechs lochen um 874 v e r m- y r t. Geht daS so fort, dann werden unsere Danziger Freunde bei der nächsten Wahl ein ebenso ernsleS Wort mit- »»reden haben, wie diesmal die Kömgsderger Genossen. Und dazu IWück aus! — Einen glänzenden Sieg haben unsere Genossen in Apolda am 2v. Rooemver bei den dortigen Gemeinderaths« Wahlen errungen. Von v zu wählenden Mitgliedern des Gemeinde- taths wurden bei auß.rordeiulich reger Wahlbeiheiligung b von ihrer Histe gewählt, und zwar mit bedeutender Majorität! Ebenso haben unsere Genoffen in M i t t w e i d a bei den Ergänzungs- Wahlen zu den Stadtverordneten von 11 Kandidaten 9 durchgebracht, während die„veremiglen Ordnungsparteien" nur 2 durchzusetzen ver- wachten. Bravo! In Mannheim wurden bei den am 28. November stattgehabten Ersatzwahlen in den Stabtrath V Demokraten und 4 von den Sozialisten ausgestellte Kandidaten(darunter auch Genoffe August Dreesbach) ««wählt. — In Lindenau bei Leipzig siegten, wie die„B. Volksztg." schreibl, unsere Genossen aus der ganzen L.nie. Von den Ansässigen wurden sämmtliche sünf Gemeinderaths Mitglieder und die vier Stellvertreter aus den Reihen der Sozialdemo traten gewählt, ebenso, und hier allerdings selbstverständlich, siegten die unansässigen Sozialisten über die anderen Parteien, indem sie zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter«lnannten. Lindenau ist bekanutlich das Schwesterdors von Plagwitz, wo Dr. Heine, der bei der Reichslagswahl unterlegene Kandidat der„Ordnungsparteien", wohnt, und wo der famose Absagebrief an dl« Sozialdemokratie fadrizirt wurde. Ueber den bedeutenden Zuwachs unserer Stimmen im Kreise E r- s u r t haben wir schon in Nr. 48 berichtet. Die dortigen Genoffen schreiben uns:„Die Wahl hat uns große Opser auferlegt, aber sie wurden alle mit Begeisterung gebracht." Das wollen wir meinen! In den Tod gehetzt. Aus W e st f a l e n, 3. Dezember, wird der„Volkszeitung" geschrieben: Die letzte R« i ch s t a g s w a h l hat ein höchst trauriges Nachspiel gezeitigt. Bekanntlich beeinflussen die größeren industriellen Werke nicht nur ihre Ardeiter vor der Wahl, sondern einige üben sogar noch Rache an den Arbeitern dadurch, daß sie eine Anzahl nach der Wahl, wenn diese gegen den Willen ihrer Arbelt- geber gewählt haben, entlassen. So erging es dem Arbeiter Peter Velsen, der aus dem Stahlwerk Hösch in Dortmund nach der Wahl entlaffen wurde. Nachdem derselbe vergeblich hierorts Arbeit ge- sucht, wandte er sich nach R u h r o r t und hatte seit einigen Tagen nichts von sich hören lassen. Velsen war verheirathet und hatte ein Kind. Daß vi« Familie sich wegen des Schicksals des Ernährers große Sorgen machte, ist erklärlich. Heute gelangte nun die entsetzt che Nachricht zu der armen Frau, daß der Mann in Beek bei Ruhrort todt auf- gesunden worden ist. Velsen hatte seinem Leben durch einen Schuß ein Ende gemacht, aus Verzweiflung, weil er keine Arbeit fand und so nicht mehr in der Lage war, sür seine Fannlie sorgen zu können." Wie mögen sich die Kapitalprotzen in's Fäustchen gelacht haben, als sie die Nachricht von dem Selbstmord des von ihnen geächteten Prole- tariers empfingen!„Haha, da habt ihr's, freche Arveiterbrut, daß ihr ohne uns nicht leben könnt! Das Schicksal dieses V-lsen wird euch eine heilsame Lehre sein, in Zukunft keine andere Ueberzeugung haben zu wollen, als die, welche wir euch allergnädigst vorzuschreiben geruhen!" Und sie haben in der That Ursache, zu frohlocken, so lange die deutschen Arbeiter sich an ihren Peinigern, die sie in Verzweiflung jagen, dadurch rächen, daß sie— sich erschießen..... — Es gibt noch Richter in— Freiburg. Am30. No- vember stand vor den» Strafsenat II des Landgerichtes Freiburg i. B. der Taglöhner Friedet Aman von B I ä s i w a 1 d, angeklagt des »ergehe- s gegen§95 des Reichsstrasgesetzbuches(M a j- st ä t s b e l e i- d, g u n g).«man hatte sich am Abend des 27. Oktober in das Gast- hau» zum Adler in Schönau begeben, und da gerade über die unmittel bar bevorstehenden Reichstagswahlen verhandelt wurde, bei welcher Ge- legenheit ein anwesender biederer Bürger die Bemerkung fallen ließ: „W.r sollten eigentlich gar keine Sozialdemokraten haben," rief er plötz- lich vom andern Tisch herüber:„Fort mit König und Kaiser, « s leb e d, e S o, i a l d- m o k r a t i-!" Der anwesende Hugo Kaiser verwies ihn, heißt es, auf das„Ungebührliche" seiner Rede und er- tnnerte ihn daran, daß er ja selbst Soldat gewesen und den Krieg 1870/7l Mitgemacht habe. Uebei diese Zurechtweisung wurde Angeklagter noch böser, nannte den anwesenden Kaiser einen L o z i, und rief noch wüthender: „Nieder mit Kaiser und König." Hugo Kaiser, als echt nationallideraler Patriot, zeigte hierauf dem eintretenden G-nsdarmen die Geschichte an. D'« Strafkammer jedoch fand Friedet Aman der Majestätsbeleidigung für nicht schuldig und sprach ihn von Schuld und Strafe frei, da„der Gerichtshof sich nicht überzeugen konnte, daß fragliche Aeußerung der Beleidigung unter§ 95 des R.-St.-G.-B. zu unterstellen sei." Sehr vernünftig. — Ein recht plumpes Wahlmanöver haben die Berliner Fortschrittler im sechsten Wählkreise unternommen, indem sie zur Nachwahl dem sozialistischen Kandidaten Pfannkuch in der Person des Hirsch'schen Agitators B e h einen„Arbeiter"-Kandidaten gegenüber- stellten. Soviel sollten die Herren doch aus den vorhergehenden Wahl- kämpfen gelernt haben, daß dies Aushängeschild bei den geweckten Ber- liner Arb itern durchaus nicht„zieht", daß vielmehr eine so plumpe Bauernfängerei sie selbst noch um den letzten Rest von Achtung bringen muß, den sie bisher vielleicht noch hier und da beseffen. Daß Herr B e p sich dazu hergibt, den Titel„Arbeiterkcmdidat" zu prostituiren, sieht diesem Menschen durchaus ähnlich. Er befolgt darin nur das Beispiel seines Herrn und Meisters, der ja auch schon überglücklich ist, wenn ihm die Leitung der Fortschrittspartei gestattet, in irgend einem halb oder ganz aufgegebenen Wahlkreise sein Heil zu ver- suchen. Selbstgefühl darf man bei den Harmonieaposteln nicht suchen. Sonst würden sie die Herren Fortschrittler— die plötzlich von der Roth- wendigkeit überzeugt sind, daß auch ein Vertreter der„gemäßigten" Arbeiterpartei in den Reichstag geschickt werde— fragen, warum sie diesem Vertreter nicht den quasi sicheren fünften Wahlkreis einräumen, anstatt den fast hoffnungslosen sechsten. Nun, die Berliner Arbeiter werden ihnen am Freitag hoffentlich eine gründliche Lektion darüber ertheilen, was Ehrgefühl heißt. — Arbeiter und Handwerker. Wessen sich die Arbeiter von den Zllnftlern zu versehen hätten, wenn diese Herren einmal das Hest in die Hand bekämen, hat sich vor einigen Tagen in Wien recht deutlich gezeigt. In der Hauptstadt des Landes der Niedertracht und Heuchelei geht zur Zeit die Zünftlerei und die von ihr kaum trennbare Anti- semiierei in hohen Wogen— die Regierung braucht sie, um die deutsch liberale Opposition in Schach zu halten. Am 23. November fand nun eine von den Führern dieser Handwerker- partei einberufene Wählerversammlung statt, behufs Anhörung der Kan- didaten zu den Handelskammerwahlen, an welchen diesmal die sogenannten F ü n s g u l d e n m ä n n e r— d. h. die Leute, welche fünf Gulden direkter Steuer bezahlen— theilnehmen. „Die Sache ging," schreibt die Wiener„Wahrheit",„dort vortrefflich am Schnürchen, so ganz im Sinne der Herren Macher; nur ein einziger Wähler, der in Arbeiter kreisen beliebte Buchdrucker Josef S ch w a r z i n g e r, der natürlich nicht zur Gesellschaft der Herren Anti- semiten gehört, trübte ihr Wässerchen— Keffer gesagt, wollte es trüben— denn dazu kam es gar nicht. Schwarzinger nahm in seinem naiven Glauben, unter anständigen Menschen zu sei", das Wort, und kam aber über einige einleitende Worte, die in dem Sinne gipfelten, daß er kein Verehrer der Prinzipien des dritten Gewerbetages sei. nicht hinaus. Weiter konnte er nicht ausholen, da nach dem Ausspruche dieses, in den Augen der Macher die'er Versammlung, ein fluchwürdiges Verbrechen ist. Der antisemitische Troß tobte und schrie, und einige dienstbeflissene In- dividuen, die in der Rolle des Hinausschmeißens augenscheinlich gute Uebung haben mochten, zerrten den mißliebigen Gegner, der sich vermaß. einer anderen Meinung zu sein als Löblich und Konsorten, von der T r i b ü n e." Mit anderen Worten: Man ließ den Vertreter der A r b e i t e r s a ch e, obwohl er Wähler ist, nicht einmal zu Worte kommen. Und dieser H.ldenthat jubelt die ganze antisemitisch-feudal-klerikale Presse, die so gern mit ihrer Arbeiterfreundlichkeit prahlt, begeist.rt zu. Das Wiener„Vaterland" verkündete am nächsten Tage,„daß ein neuer Geist in die Hallen des neuen Rathhauses eingezogen sei," und daß dieser neue Geist„hoffentlich" an den Wänden dieses Hauses hasten bleiben werde. „Wenn nichts anderes, so hat dieser Fleißzettel," sagt die„Wahrheit" sehr treffend,„den die sozial-seudal-klerikale„Zeitung sür die österreichische Monarchie" den Leitern der neuen Richtung ertheilte, gezeigt, wessen Geistes Kinder die Herren Löblich, Schneider, Buschenhagen, Dunnstädter u. s. w. sind." „Vorläufig... möge der schöne„neue Geist", den das„Vaterland" aus dieser Versammlung herausgesunden hat, nur sortgedeihen; er ge- reicht sowohl ven Zünftlern wie dem„Baterland" zur Ehre, besonders dem„Vaterland", das vor wenigen Tagen, anläßlich des Todes des Bischofs Rudigier, sich wie folgt zu schreiben erkühnte:„Auch bei dieser letzten Krankheit ist von einigen Personen dem Allmächtigen das Anbot ihres Lebens sür Erhaltung des Bischofs gemacht worden. Als der Bischof davon Hörle, bemerkte er ruhig:„Der Wille des Herrn soll ge- schehen." Vor sieben Jahren, als der Bischof ebenfalls sehr schwer krank war, geschah dasselbe von einer Person, die dann auch gestorben ist. Diesmal hat der Herr das Ovfer nicht ange- n o m m e n." Soll aus diesen Sätzen vielleicht schon der„neue Geist" herausgelesen werden können, den das„Vaterland" im neuen Rathhause triumphiren sehen möchte? Wahrlich, wir gehen einer traurigen Zeit entgegen, in welcher der Aber- und Afterglauben, die Unduld'auikeit und die Selbstsucht sich zur Bekämpfung der Freiheit und der Aufklärung rüsten. Doch wie so oft schon diese beiden lichten alle übrigen finsteren Mächte besiegt haben, hoffen wir, daß sie auch diesmal das Befreiungs- werk vollbringen und d>n vom„Vaterland" propagirten und von den raffenbekämpfenden Zünstlern gepriesenen„neuen Geist" nicht nur aus dem Rathhause, sondern aus der ganzen Welt vertreiben werden!" Charakteristisch ober ist, daß mehrere Hauptschreier unter den Anti- semiten— z. B. die Herren Schneider und Dunnstädter— noch vor gar nicht langer Zeit eifrige Apostel waren sür die alleinseligmachende Lehre des heiligen Johannes— Most. — Soziales aus England. Deutschen Zeitungen wird aus London unterm S. ds. geschrieben: „Die große Geschäfts st ille in allen Zweigen der Industrie dauert fort, und mit ihr steigt die Roth unter den arbeiten- den Klassen, welcher die verschiedenen philanthropischen Gesellschaften durch Errichtung von Suppenküchen(Die letzte Weisheit der Bour- geoisie! Red. des„S.-D.") ic. entgegenzutreten suchen. Am schwersten leiden unter dieser Krisis die in der Kessel- und eisernen Schiffsbau- Branche beschäfiigten Arbeiter, von denen jetzt so viele außer Arbeit sind, daß die„United Society of Boilermakers and Iran Shipbuilders" im Laufe der letzten Monate an arbeitslose Mitglieder nicht weniger als Lstr. 18.784 an Unterstützungen gezahlt hat. wozu noch Lstr. 20,009 an Krankengeldern kommen, so daß dieser Verein allein, allerdings der größte dieser Art in Großbritannien, in einem einzigen Vierteljahre nahezu 800, OnO Mark für seine arbeitslosen und, theilweise wohl in Folge der Arbeitslosigkeit, (Sehr richtig! Red. des„S.-D.) kranken Mitglieder verausgabt hat. Andere Gewerkvereine zahlen im Verhältniß ähnliche Summen au», so daß die Fonds dieser Kassen stark leiden und einen längeren Druck kaum werden ertragen können. Dabei dauern die Lohn» h er a bs e tz un g en noch immer fort, zumal in denjenigen Er» werbszweigen, in denen die Arbeiter sich nicht zu Ver- einen zusammengethan haben. So wurden erst in voriger Woche die Löhne der Landarbeiter in der Grafschaft Kent, die durch- schnittlich kaum 12 Sh. die Woche verdienen, um 2 eh. pro Woche reduzirt, odschon einer der Farmer, der selbst Arbeiter gew.se» war, energisch dagegen protestirte, indem er frug, wie es denn möglich sei, daß ein Ardeiter mit Familie von 12 Sh. die Woche leben könne, wo- von er 2 Sh. Miethe, 6 d Schulgeld und ebeniomel an die K-anken- kasse zu zahlen habe, so daß ihm nur etwa 9 Sh. für seine übrigen Bedürsnisse übrig bleiben." Aus diese Frage ist, wie die Londoner„Justice" schreibt, die Antwort gegeben worden, daß ja jetzt die Lebensmittel so billig seien wie seit Langem nicht.„Dies beweist," schreibt das Organ der englischen Sozia listen,„daß billige Lebensmittel sür den Arbeiter niedrige Löhne bedeu'en." Können sich unsere deutschen Freihändler merken, die da meinen, mit „billig.», Brod" allein die soziale Frage zu lösen. Damit wollen wir naturlich nicht den agrarischen Schwärmern sür Kornzölle da» Wort reden, die den Arbeitern bei niedrigen Löhnen das Brod noch vertheuern wollen. Nun aber zur obigen Korrespondenz zurück; sie ist in mehr als einer Beziehung interessant. In Bezug auf die Geschäftslosigkeit in England bestätigt sie nur VaS, was wir wiederholt berichtet. Aber sie bestätigt noch mehr. Es ist ganz richtig, daß die Arbeiter da, wo sie nicht organisirt sind, den Druck der Krisis weit schneller zu fühlen bekommen als ihre organisirten Kollegen, und dies mögen sich namentlich Die gesagt sein lassen, welche auf die gewerkschaftlichen Koalitionen der Arbeiter hochmüthig herabblicken; aber es ist auch nicht minder richtig, daß auch die besten Verbände, als reine Fach organisationen, auf die Dauer nicht im Stande sind, ihre Angehöri- gen gegen die Wirkungen der bei der heutigen Produktionsweise unaus- bleiblichen Krisen zu schütz n. Der Satz von den„wohl in Folge der Arbeitslosigkeit kranken" Mitgliedern spricht ganze Bände. Wenn es erst gelingt, die englischen Arbeiter zu überzeugen, daß ihre Gewerkvereine ihnen den Schutz nicht verschaffen können, den sie von denselben er- warten, dann hat der Sozialisums gewonnen Spiel. Und es hat allen Anschein, als ob es in dieser Beziehung vorwärts gehen soll, als ob die Agitation der sozialdemokratischen Federation auf immer günstigeren Boden fällt. So lesen wir in der neuesten Nummer der„Justice", daß am 1. Dezember in Glasgow eine große Volks- Versammlung zu Gunsten der Bildung einer selbständigen Arbeiterpartei stattfand und daß, als der Referent, H. M. H y n d m a n n, ertlärte, er stehe nicht da als Reformer, sondern als Soziali st und Re- volutionär, donnernder Applaus losbrach. Vor 3 Jahren noch hätte man das für unmöglich gehalten. Eine äußerst eifrige Agitation entfaltet die Federation in London. Woche sür Woche werden Versammlungen in den verschiedenen Stadt- vierteln abgehalten, Sonntags Ansprachen in den öffentlichen Parks»er« anstaltet, neuerdings hat man auch Abenounterhattungen zu Gunsten des Agitationsfonds eingeführt, sowie verschiedene Kurse zur theo- r e t i s ch e n A u s b i l h u n g der Mitglieder. Den Anfang macht ein Kursus des Genossen Aveling über politische Oekonomie. In der neuesten Nummer der„Justice" veröffentlicht oas Komite der Partei die Liste ihrer Redner, die zur Agitation bereit sind, und die Themata, über welche dieselbe zu reseriren geneigt sind. Es sind im Ganzen 19 Redner und 82 Themata. Zur Charakteristik des Geistes der Bewegung wollen wir einige hier anführen: „Nützliche Arbeit wider nutzlose Plage"(William Morris)!„Die Politik des armen Mannes"(E. M. Geldert);„Revolution"(H. Quelch); „Sozialismus und Freidenkerei",„Geschichte der Fabrlkgesetze",„Karl Marx"(Ed. Aveling);„Englands Pflicht gegen Irland",„Die zukünf- tige Republik"(H. H. Champion);„Auswanderung",„Was ich 1882 in Egypten sah" chisten nicht sowohl gegen Regierung und Bourgeoisie, als gegen die Sozialdemokratie kämpfen. Bürger Rackow spricht sich dahin aus. daß die deutschen Arbeiter auS drei Gründen sich an den Wahlen betheiligen müssen, einmal wegen der Propaganda, die vor, während und durch die Wahl gemacht werden könne, zweitens, um einen Ueberblick zu haben> über die Zahl der zu uns Stehenden, und dann, um praktisch zu b«> weisen, daß es mit dem Parlamentarismus nichts ist, was eben nur dadurch geschehen könne, daß man in's Parlament ginge, und durch po>— sitive Anträge, deren Berechtigung und Zweckmäßigkeit sich nicht abstreiten lasse, die Vertreter der Bourgeoisie zwinge, Farbe zu bekennen und sich in den Augen derer, die noch an sie glauben, zu diskreditiren.!— Aus der längeren Debatte ist noch eine Aeußerung eines Oesterreichers (Anarchisten) bemerkenswerth, der seinem Erstaunen Ausdruck gab, daß in der Londoner Gruppe gar keine Organisation sei, und erwähnte, daß wenn der Wiener Staatsanwalt wüßte, wie harmlos die Londoner seien, er wohl keineswegs Wiener Arbeiter nur wegen Verbindung mit London da zu 4 Jahren Kerker habe verurtheilen lassen. d« Die von sozialdemokratischer Seite gestellte Resolution wurde mit SS- gegen 80 Stimmen angenommen. C. V. N a ch r uf. Am 20. November verstarb nach längeren Leiden unser Genosse Robert Breitbarth, Schriftsetzer, im Alter von 31 Jahren an der Lungenschwindsucht. Breitbarth war seit Jahren ein opfermuthiger Kämpfer für unsere gerechte Sache. Wir verlieren in ihm einen wackeren und treuen Genossen. Ehre seinem Andenken! Die Parteigenossen von Dresden und Umgebung. gen Arbeiterschaft eingebüßt haben, und zweitens begreifen alle revolu- tionär sozialistischen Parteien die Nothwendigkeit, ihre Zwistigkeiten und Differenzen zu vergessen, und sich zu vereinigen wider Polizei und Anarchie, die überhaupt nur möglich ist, so lange die Zerwürfnisse unter den Sozialisten selbst fortdauern.—off. — Aus Pforzheim erhalten wir eine von einer größeren Anzahl Genossen unterzeichnete Zuschrift, in welcher, entgegen der Erklärung Bebel's in Nr. 43 unseres Blattes, die Behauptung aufrechterhalten wird, daß Wankmüller ein Renegat unserer Sache sei. Von einer wörtlichen Wiedergabe dieser, übrigens durchaus sachlich und würdig gehaltenen Erklärung glaube» wir zunächst absehen zu können' da die Angelegenheit doch eigenllich nur ein lokales Interesse hat; wir denken vielmehr, am Zweckgemäßesten zu versahren, wenn wir die Zuschrift der Parteivertretung übersenden behuss Einsetzung eines Schiedsgerichtes, da Behauptung gegen Behauptung steht; wobei wir übrigens keinen Augenblick verkennen, daß die Einsender im Prinzip Recht haben, wenn sie für lokale Angelegenheiten Die größere Kompetenz für sich zunächst beanspruchen. — Oesterreich. Zu dem in voriger Nummer erwähnten A n a r- chistenprozeß schreivt die„Wahrheit": „Einhundert und fünf Jahre schweren Kerker! Dies die Gesammtsumme der in dem verflossene Woche vor dem Ausnahmsgerichte zu Wien statt- gehabten Anarchistenprozesse verurtheilten 18 Angeklagten. Einhundert und fünf Jahre! Das Blut will uns erstarren bei Niederschreibung dieses für die Betroffenen so schrecklchen Verdiktes. „Wir sind und waren jederzeit erbitterte Gegner der anarchistischen Taktik und dennoch zieht es uns das Herz krampfhaft zusammen. Ein- hundert und fünf Jahre schweren Kerker für Männer, in denen wir durchaus nichts Anderes erblicken können, als unbeholfene, schwache Werkzeuge jener traurigen Helden, die sich außerhalb der Schußlinie be- wegen und dort aus dem sicheren Hinte, halte her schüren..... „Keiner wollte Anarchist sein, noch der sozialistischen Bewegung früher angehört haben. Der Angeklagte W-ninger machte sogar aus die Frage des Vorsitzenden, worin die Korrekturen bestanden, welche er als Setzer zum Nachrufe an Stellmacher gemacht, die in deni Atunde eines solchen Angeklagten gewiß eigenthümliche und bezeichnende Bemerkung:„Ich habe den Nachruf mit dem Phrasenkrame der„Freiheit" versehen!" „Arme, beklagenswerthe Opfer, denen erst in der Gefangenschaft das Gefährliche ihres Thun und Treibens einzuleuchten schien, die vordem im Rausche des phrasenhaften Romantismus geschwelgt, wie hart, wie bitter mag sie nunmehr die Wirklichkeit peinigen?" Zur Zeit spielt sich noch ein Anarchistenprozeß in P e st ab, als Nach- spiel des Kämmerer- Stellmacher- Prozesses. Aus Sternberg in Mähren wird die Verhaftung von vier Personen gemeldet, welche ein anarchistisches Raubattentat geplant haben sollen. — Frankreich. Am letzten Sonntag fand in Paris eine zweite Versammlung zur Erörterung der Frage der Arbeitslosen statt, und auch in dieser sorgten die Anarchisten dafür, daß es an dem nöthigen Tumult nicht fehle. Ueber diese und die erste Versammlung geht uns von einem Genossen, der als aufmerksamer Beobachter den Vorgängen in Paris folgt, ein eingehender Bericht zu, welchem wir nachstehende Mittheilungen ent- nehmen: Die Versammlung im Saale Levis am 23. November war von der kollektivistischen Gruppe des 17. Arrondissements einberufen, der sich mehrere Fachvereine und einige Arbeitergrurpen angeschlossen hatten. Die Arbeiterpartei und die Blanquisten hatten ihre Betheiligung zuge- sagt, wollten aber die Leitung den Arbeitslosen selbst überlassen. Jndeß vie Anarchisten oder wenigstens die Polizei dachte anders. Die allgemeinen Wahlen stehen vor der Thüre, und Ferry und die Opportunisten setzen Alles daran, am Ruder zu bleiben. Um z. B. die Bauern zu gewinnen, haben sie einen Einfuhrzoll von 2 Franken auf den Sack fremden Getreides vorgeschlagen. Wie bedroht sie sich fühlen, geht daraus hervor, daß der Handelsminister Rouvier, ein enraqirter Freihändler, diesem Vorschlag zugestimmt hat. Das Meeting der Arbeits- losen sollte ihnen nun Gelegenheit zu einer kleinen Staatsretterei g. den, deshalb sandten sie ihren ganzen Heerbann von Aqents Provokateurs hin, welche in den anarchistischen„Gruppen" Proletarier spielen. lieber den Verlaus der Versammlung hat der„Sozialdemokrat" be- reits in voriger Nummer berichtet, hier sei nur soviel hinzugefügt, daß das Polizeimanöver nur deshalb mißlang, weil die Arbeiter trotz aller provokatorischen Reden sich nicht zur berühmten„Propaganda der That" verleiten ließen.. � Hatte die gewissenlose Handlungsweise der Anarchisten schon in allen nichtanarchistischen Kreisen der Arbeiterbewegung große Erbitterung her- vorgerufen, so steigerte sich dieselbe noch, als die Entlarvung Druelle's bewies, daß die Art, wie diese Herren die Arbeitslosen-Frage behandelten, Niemandem erwünschter war als der Polizei des Herrn Ferry. Die kollektivistischen und blanquistischen Gruppen sandten nunmehr gleichfalls Delegirte in die Kommission der Arbeitslosen-Angelegevheit, so daß die selbe schließlich 80 Mitglieder zählte, darunter etwa 20 Anarchisten. Man einigte sich darüber, eine zweite Versammlung der Arbeitslosen ein- zuberufen, und beschloß mit allen Stimmen gegen die der Anarchisten, dieser Versammlung nachstehende Resolution zu unterbreiten: „In Erwägung, daß trotz aller Provokationen und Gewaltthätigkeiten der Regierung die im Saale Levis von den Arbeitslosen begonnene Be- wegung sortdauert und anwächst und so die skandalöse Ableugnung der Krisis von Seiten der politischen und journalistischen Vertreter der Bourgeoisie in schlagender Weise Lügen straft; In Erwägung der verbrecherischen Gleichgiltigkeit, welche die Regie- rung der republikanischen Bourgeoisie zu beobachten fortfährt; In Erwägung, daß diese verbrecherische Unthatigkeit nur besiegt wer- den kann durch den Druck der Volksmassen, dadurch daß dieselben den öffentlichen Gewalten— nicht die soziale Umwandlung, die nur das Werk einer Revolution sein kann, wohl aber Existenzmittel für die Opfer der kapitalistischen Ordnung abzwingen Fordert die Versammlung auf Vorschlag der Organisationskomiffion die Exekutivgewalt, die Kanimern und den Gemeinderath auf, folgende Maßregel» unverzüglich in die Hand zu nehmen: 1) den Arbeitetag auf 8 Stunden zu reduziren und dafür zu sorgen, daß dem Dekret von 1848, welches die Marchandage verbietet, Folge geleistet werde; 2) dem Tarif der Stadt Paris Gesetzeskraft zu verleihen und diese Maßregel auf alle Arbeitozweige auszudehnen; 3) die Bezahlung der Miethen unter 500 Franken für die Dauer der Krisis zu sistiren und die leerstehenden Wohnungen mit Beschlag zu belegen; 4) unverzüglich alle Arbeiten in die Hand zu nehmen, welche durch die Entwickelung der Stadt Paris und die sanitären Verhältnisse der- selben nothwendig geworden sind; S) den dringendsten Bedürfnissen durch einen Kredit von 500 Millio- nen zu entsprechen, welche von dem Budget für die Verzinsung der Staatsschuld abzuziehen und den in einem allgemeinen Syndikate vereinigten Pariser Arbeiterorganisationen zur Verfügung zu stellen sind. Außerdem schlägt die Organisationskommission der Versammlung vor, diese Forderung durch, aus ihrer Mitte und unter ihrer Verantwortlichkeit zu erwählende Delegirte den politischen Machthaber» und Vertretung«- körpern zu übersenden. Diese Delegirten sollen einem zweiten Meeting, das durch die Presse bekannt gemacht weiden wird, Bericht erstatten." Dies die Resolution. Des Weitern wählte die Kommission fünf Mitglieder als Ex-kutiv- komite, welche die Versammlung eröffnen sollten. Wüthend darüber ver- ließen die Anarchisten nunmehr die Sitzung und schrien, sie werden sich in der Versammlung schon zu rächen wissen. Der Ansang der Versammlung schien ihnen freilich nicht sehr gün- stig. Schon vor der Eröffnung versuchten sie das Bureau mit Gewalt in Beschlag zu nehmen, aber vergeblich. Die Versammlung genebmigte die Beschlüsse der Kommission, indem sie Vaillant zum Vorsitzenden er- nannte. Die Anarchisten hatten inzwischen von Seiten der Polizei Verstärkung erhalten— Mouchards und Louis halsen ihnen jetzt, einen zweiten Sturm auf das Bureau zu veranstalten. Ein wahres Handgemenge entwickelte sich— die Anarchisten wurden zum zweiten Wale zurückgeschlagen. Jetzt theilten sie sich in zwei Banden: die Einen liefen auf dte beiden Gallerien über der Tribüne, die Andern versuchten auf's Neue das Bureau von unten zu erstürmen, während die Oben- stehenden das Bureau mit Bänken, Brettern, Stühlen rc. bombardirt n. So von zwei Seiten bedrängt, mußten die Sozialisten zunächst das Bureau räumen. Damit hätte der Kampf um das Bureau nun schwer- lich ein Ende gehabt, wenn die Anarchisten, welche das Kritische der Situation enrpfanden, nicht klug genug gewesen wären, schleunigst V a i l- lant als Referenten der Kommission das Wort zu geben. Die Ver» sammlung zollte seinem Referat und der Resolution lebhaften Beifall, worauf die nicht anarchistischen Mitglieder der Kommission— 55 an Zahl— die Versammlung verließen. Diese Kommission wird nunmehr, wie sie in einer noch am selben Abend vereinbarten Bekanntmachung er- klärt, unter Ausschluß der Anarchisten ihre Arbeiten fortsetzen. Die Absicht der Regierung, die Bewegung, welche an Ausdehnung gewinnt und ihr fatal werden könnte, zu hemmen, wird nicht gelingen, im Gegen- theil dürsten sich viele Gruppen ihr jetzt anschließen, welche sich bisher fernhielten, weil sie mit den Anarchisten nichts zu thun haben wollen. Das Manöver, welches die Anarchisten am letzten Sonntag vollführten, gelingt eben auch nur einmal. Die Polizei hat der sozialistisch-revolutionären Partei wider Willen zwei große Dienste geleistet. Erstens ist ihre Seelenverwandschast mir den Anarchisten jetzt so offenkundig, daß diese allen Kredit bei der übri- Korrespondenzen. Schlecbusch, KreiS Solingen. Auch in unferm Ort, wo der Einfluß der Schwarzen noch ein unbeschränkter ist, haben wir es dies- mal ein tüchtig Stück vorwärts gebracht. Unser Kandidat, Georg Schuh- macher, erhielt 157 Stimmen gegen 84 Stimmen vor drei Jahren. Karlsrnhe. Wegen Verbreitung unseres Wahlflugblattes sind hier vier Genossen verurtheilt worden: zwei zu drei Wochen und zwei zu a ch t Wochen Gefängniß. Die Herren Richter nahmen an, daß die Verbreiter das in Leipzig erfolgte Verbot gekannt hätten, obwohl unser Flugblatt, das bereits am 5. Oktober verbreitet worden war, erst am 1 4. O k t o b e r vom hiesigen Landeskommissar verboten worden ist! Unser Staatsanwalt ist aber ein gar st r e b s a m e r Mann, ein gewaltiger Sozialistenfresser vor dem Herrn, und wer ihm in die Finger kommt, ist geliefert. Doch es wird ihm nichts helfen; wir arbeiten unverzagt weiter.— m. Augsfmrg, 3. Dezember. Am 25. vorigen Monats wurde Genosse H e i n i n g e r aus H e u b a ch nach achtwöchentlicher Untersuchungshaft zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt wegen Verdachts, verbotene Schriften verbreitet zu haben. Gefunden wurden bei ihm gelegentlich einer auf Denunziation erfolgten Haussuchung verschiedene Schriften und 11 Exemplare der Nr. 33 des„Sozialdemokrat". Bei der Verhandlung zeichnete sich der Spitzel Obig wieder beton- ders aus. Dem kommt es bekanntlich auf einen Dienst-- eid mehr oder weniger nicht an. So beschwor er, die S ch u h m a ch e r- W a n d e r- unter st ützungskasse sei identisch mit der Sozialdemo- k r a t i e! Der Staatsanwalt schwächte die Aussagen der Entlastungs- zeugen dadurch ab, daß er ei klärte, die Sozialdemokraten seien durch die„Freiheit" oder den„Sozialdemokrat" — er wisse es nicht mehr genau— i n st r u i r t, vor Gericht nie die Wahrheit zu sagen.— Ein heiterer Staatsretter, nicht wahr? Bern. 7. Dezember. Sonntag den 14. Dezember, Abends 8 Uhr, findet im Casö Rütli die W a h l s i e g e s f e i e r aus Anlaß der Erfolge unserer Genossen in Deutschland statt. Die schweizerischen wie deutschen Arbeitervereine haben ihre Betheili- gung zugesagt. Neben dem politischen Theil— Prolog und Fest- rede— wird auch der Unterhaltung durch Gesang und Theaterauffüh- rung Rechnung getragen werden. Zur Aufführung gelangen:„Die Tochter des Staatsanwalts", und„Die Geschwister" seine dramatische Episode aus dem Berliner Wahlkampf). Eintritt nach Belieben. Außerdem haben wir auch einen Sieg zu verzeichnen: die Vereint- gung des deutschen Arbeitervereins mit derPartei- Mitgliedschaft. Zum erstenmal wirken die Genoffen gemeinschaft- lich, was auch für die Zukunft ein erfreuliches Resultat verspricht. Ge- nassen, sorgt für zahlreichen Besuch! London. Am Dienstag den 25. November fand im Lokale des Kommunistischen Arbeiter-Bildungsvereins eine Volksversammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Sozialdemokratie und die Reichstags- wählen". Der Referent, Genosse H o f f m a n n, besprach zunächst die Parteiverhältnisie vor und nach dem 1878er Gesetze. Er hob hervor, daß schon vor 1878 die Reichsregierung versucht hat, größere Gewalten zum Zwecke der Repression in die Hände zu bekommen sStrasaesetznovelle), schilderte sodann die durch die Aussührung des Ausnahmegesetzes ge- ichaffenen Zustände, und bemerkte, daß in Folge der Ausweisungen, Unterdrückung der Zeitungen und Repressivmaßregeln aller Art jeden- falls für kurze Zeit ein Stillstand, eine Stauung der Bewegung habe konstatirt werden müssen. Dieselbe sei aber darnach um so stärker vor- wärtsgedrungen. Die Lücken, die sich 1881 noch in der Organisation gezeigt, seien ausgefüllt, mit welchem Resultate, das haben die Wahlen vom 28. Oktober gezeigt. Redner geht sodann auf eine Besprechung der Gründe ein, aus denen sich die Sozialdemokratie an den Wahlen be- theiligt und hebt hervor, daß die Wahlperiode eine gute Gelegenheit zur Aufrüttelung des Volkes sei. Redner glaubt nicht, daß auf friedlichem Wege definitive Erfolge erzielt werde» würden, bestreitet aber auch ganz entschieden, daß wir auf dem Wege des Kampfes zum Ziele kommen können, wenn nicht vorher unsere Ideen und Prinzipien in den weitesten Kreisen verbreitet seien. Redner geht sodann in eine längere Polemik gegen anarchistische Theorie und Praxis ein, während welcher die in der Versammlung anwesenden Anarchisten in der energischsten Weise in Ab- rede stellen, daß sie Johann Most als„Führer" anerkennen, oder daß seine Ideen irgendwie für sie maßgebend seien. Herr Peukert saus Wien) kann in dem Anwachsen der sozialdemokra- tischen Stimmen keinen Sieg sehen; nur die Mittelparteien hätten ver- loren, und die Sozialdemokraten seien sowohl in den Stichwahlen als in der Hauptwahl nicht nur von Kleinbürgern, fondern auch von der Bourgeoisie unterstützt worden, weil die Sozialdemokratie nicht mehr gefährlich sei. Vor dem Gesetz seien die Verfolgungen größer und härter gewesen, aber der Druck des Ausnahmegeietzes sei sehr vorthcilhast für gewisse Leute, die unter dem Schutze desselben alle ihnen widerstrebenden Elemente niederhalten könnten. Das allgemeine Wahlrecht, welches, wie Redner sagt, von der deutschen Bourgeoisie eingeführt sei, sei nur ein Abzugsventil für das Bischen Energie, was noch im Volke stecke. Die Anarchisten, die weit härter verfolgt werden als die Sozialisten, seien prinzipielle Gegner jedes politisch n oder Reform-Humbugs. Gewalt allein führe zum Ziele, nicht Wählen, und Gewalt müsse nicht nur ge- predigt, sondern ausgeübt werden. Die Sozialdemokratie Deutschlands neige ganz bedenklich zu der Klasse der Kleinbürger hin, was sich in ihrem ganzen Auftreten zeige. Redner beschwert sich dann darüber, daß die „Führer" systematisch alles Anarchistische von der Masse der Partei fernhielten, die anarchistischen Broschüren nicht übersetzt und verbreitet hätten u. s. w. Genosse Rackow deckt die verschiedenen Albernheiten auf, die der Herr Peukert heute Abend ausgetischt. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß wir blinde Nachläufer feien, sondern die Masse der Partei sei mit den augenblicklich im Vordertreffen stehenden Genossen, die man gewöhnlich„Führer" nenne, in ihrer Gcsanimthal'ung durchaus einverstanden, was sich aus den verschiedensten Thatiachen beweisen lasse. Daß die Strafen ihrem Quantum nach unter dem Gesetz kleiner wie vorher seien,') *) Genosse Rackow ist hier auf eine der vielen anarchistischen Flausen hineingefallen; es ist einfach nicht wahr, daß die Strafen jetzt ge- ringer seien als vor dem Sozialistengesetz. Daß wir unsere Genossen nicht muthwillig den Behörden in die Hände liefern, kann uns eben nur ein Peukert vorwerfen, dessen Verdienste in Punkts Veranlassung hoher Strafen und schärferer Verfolgungen allerdings über jeden Zweifel erhaben sind. Niemand wird dem Freunde des Fürsten Liechtenstein das Zeugniß versagen, daß er sich in Wien als ein sehr gefährlicher Mensch bewiesen hat; zwar weder der österreichischen Regierung, noch der österreichischen Bourgeoisie, aber doch wenigstens der österreichislyen Arbeiterbewegung gefährlich! gl Guittvng. Fr. 43— pr. Wahlfond nebst herzlichem Glückwünsch unseren deutschen dl Brüdern zu dem unerwarteten Wahlsieg von den Genossen Bukarest's g durch Lehmann.' Ii Briefkasten* der Redaktion: A. B. in Ldon: DaS„Abschiedsgedicht" haben wir seinerzeit erhalten; es enthält recht hübsche Gedanken, ist aber zuin Abdruck nicht geeignet.— Gr. in M ü n st e r: Zuschriit erhalten. In nächster Nr.— Freund in München: Ihre sehr beachtenswerthe» U Vorschläge verdienen ganz gewiß Berücksichtigung. Wie Sie aus der heutigen Nummer ersehen, ist die Frage bereits von anderer Seite in, Angriff genommen worden. Sobald die betr. Artikel zu Ende, werden wir Ihre Zuschrift abdrucken.— 11 der Expedition: Matilde: Mk.K5 05 ä Cto. erh. Bfl. Gewünschtes. R. erwidert bestens.— A. Hhne. N.-Dork: Fr. 50 85 slODoll.) ä Cto. li gutgeb. und P-K. entsprechend gebucht.— Red, of Pkn. Kophgn.: Fr. 7 20 Ab. bis Ende März 85 erh.— Edlws. K. O./Sch.: Mk. 5— und p öwfl. 1— ä Cto. gutgebr. Neuere Flgbl. bitten nennen. Reklam. besgt. — C. S. Lund: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Ihnen 50 Cts. pr. 1. Qu. 85 gutkommend.— Stbg.: Wie Sie sehen, besorgt.— H. Chs. Lon-,* don: 50 Cts. für div. Explre. und Porto erh.— Feuerländer: Mk. t 50—4 Cto. Ab. 3. Qu. erh. Bstllg. folgt. Extrabl. zu stets prompter? Orientirung.— Dreyfuß i. L.: Mk. 58 40 Ab. 4. Qu. und Ggrchg.!. gutgebr. Adr. u. Mehrbestllg. notirt. Vermißtes folgt.— P. K. Schibich.: Mk. 3— Ab. 4. Qu erh.— K. H. Pbrg.: öwfl. 5 70 ä Cto. Schst. erh. Bstllg. rc. fort.— Ch, F. Frz. Stbg.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— K. H. Montreux: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Morgenroth N.: Mk.] 14— k Cto. Ab. 4. Qu. erh. Adr. notirt.— Ftw. Mh.: Mk. 6—!. 316. 1. u. 2. Qu. erh.— L.Dtr. Obg.: Mk. 8— Abon. 3. u. 4. Qu. erh.— S. Gr. Mbg.: Alk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— B. B. St.: 50 Pf. Porto erh. Wird besorgt.— Brgedf.: 80 Pf. Porto ic. erh. Am 6/12. abges.— Ruprecht: Mk. 20� ä Cto. Ab. 4. Qu. und Bf. vom' 30 11. erh. Adr.:c. notirt. Viel Glück!— B'pest: öwfl. 3 03 sFr. 8 21) pr. Wsd. d.„A.-W.-Chronik" dkd. erh.— Michel Stieber: Mk. 188— ä Cto. nach Vorschr. getheilt gutgebr. Weiteres lt. Auszg. u. bfl.— L. d. B. Atwpn.: Fr. 910 für Bldr.-c. erh.— F. Bgr. N'uzwul: Fr. 5 10 f. Schst. erh.— Fr. L. O.: Mk. 3— Ab. ab 1. Nov. bis Ende Febr. 85 erh.— Dr. G. A. B.: Mk. 5 75 Ab. 1. Qu. 85, Schst. und Ins. erh.— Weiteres bfl.— O. V. B.: Mk. 3— Ab. 1. Nov. 84 bis Ende Febr. 85.— E. C. Zürich: Fr. 4— durch N. pr. Ufd. dkd. erh. — C. Lppg. Strg.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Ferd. Brf. v. 8. erh. Von München nach Paris gut passirt. Besten Gruß und Dank! s35 bez.s Ientralniedertage soziatistischer Schriften in Amerika (Kiliale der BoltSbnchha»dlumg> empfiehlt sich den Genossen in den Vereinigten Staaten zum Bezug aller so)ialikischen Literatur. Es wird zu denselben Bedingungen geliefert wie von der Schweiz aus. Man schreib- für Kataloge an: A. Höhne, New- York, 184 William Street care of„New-York Volkszeitung" W-.«>»»» Commun. Arb.-Bildungs-Verein 49 Tottenham Str. Totteaham Court Road W. Das Clublokal ist für Mitglieder und zureisende Genossen geöffnet täglich von Morgens 9 Uhr bis Abends 12 Uhr. Zureisende Genossen werden ersucht, auf unsere Adresse genau zu achten. "Wir bitten die betr. Genossen in Deutschland, uns je ein Exemplar von allen während der letzten Wahlperiode zur Vertheilung gelangten Flugblättern zu übermitteln, um das für uns hier wichtige Material unserer Bibliothek einverleiben zu können. Der Vorstand. SoMMche Aröeiterpartei Amerika. Settio« Rrw-York. Sitzung des Zentralkomites jeden Freitag Abends 8 Uhr in Lincoln Hall, Ecke Men und Houston Street. Jeden Samstag finde» Versammlungen statt. Näherei siehe „Rew-Uorker Volkszeitung", besonders Freitags und Samstags. Schweizerische«enossenschasts-Buchdruckerei HoiUngen-Zii reich,