Krscheint tadi) tntlid)«»«mal in Zürich(Schweiz). �ertai, der »»lk»buchhandlung Hottingen> Zürich. V-ststudi-le» franlo gegen franl» Sewdhnlich« Briefe nach der K ch w> tj losten Doppelporto. Der Soimtöemalinit .entrat-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Kvounemcnts werden bei allen fchweiierlfchen Postbureaux� sowie beim Verl»! und dessen delannten A lenten entgegengenommen, und zwar zum voran»»ahlbar«» Bierteljahriprei» von Fr 2— für dieSchwetjdand) Ml 3— sür Deutschland< Zllstrate die dreigespaltene Petitzeil« 26 Et». 20 Pfg. M 32. Ionnerftag, 25. Tezember ISSK. Avis an die Abonnenten und Aorrespondentea des„Sosialdemokrat/ als möglich an den»EozialdemolratV resp dessen Perlag selbst adressiren. sondern flch möglichst an Irgend»ine unverdächtiae Adresse aii&erhalb Deutschland» und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in B-rbindung seht: anderseit« aber da» °nd unser-Zeitung.. und sonstigen ep.diN.n-. �wadrn. Absender und-mpiäng.r,..wie den ZnhÄ Ar-�. fÄÄ i rr 6ni d u lfa°f rf fu" u�dj'e n' und leh?-re dadur'ch zu schuhen H-upi-rsorderniß ist hiezu einerseit». daß unsere Freunde so selten stehenden Schwierigleiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmähig zu liefern «.... ber.Kozialdemokrat' sowohl in Deutschland-l» auch In Oesterreich»erboten ist. bezw»erfolgt wird und die dortigen DeHorden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst ju erschweren, resp Briefe von dort an uns � unsere ZeitungS- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Dorficht im Postverkehr nothwendig � -,...— a—>..««riffmarber über den Wachren Absender und Empfänger, �owie den I» Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Einladung)um Abonnement. „Der SoziatdemoKrat," Z«n«ral-Organ d«r deutsche«« o» la l»«mo lr a» i«, erschein, wöchentlich rinmal in Zürich. Auf dem Whdener llongreß zum offiziellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Deulschlandt erklärt, hat da» Blatt-ine Verbreitung geiundm. wie ste bei seiner «ründung kaum erhoff» worden war. Aus dem slongreß zu»»op«nhag«n konnte de«halb mit Genugthuung gesagt werden, daß die deutsche Sozialdemokr tie In ihrem Organ die mächtigste Waffe gegen da» über st-»erhängte«uSnahmegeseh befihe. Da» Abonnement aus da» Blatt ist durch diese» Seseh nicht»erboten, sondern Nur die Verbreitung, und zu lehlerer haben fich fast allerorti energische und aus- »pserung»fSH>ge Senofien genug gesundeniall»mu» Boden gefunden, da» Blatt eine durchau» befriedigende Abonnentenzahl hat, so gibt e» doch noch eine Aeihe »»derer, wo bedeutend mehr geschehen könnte, und zudem eine weitere Anzahl, wo da» Organ noch gar keinen tfingang gefunden. mittelbar greisbares Ziel setzt. Dieses Ziel wird erreicht. Ich will zum Schlüsse noch aus ein Beispiel hinweisen, woran man recht klar sieht, wie Großes gleistet wird, wenn man in passender Weise vom Einzelnen nur Geringes verlangt. Wer hat noch nicht von der ReichSfechtschule gehört? Dem weit ausgebreiteten Philisterbund mit dem Zwecke, das Geld zu Waisen- Häusern durch Pfennigsammlungen zusammenzubringen? Und von dessen unerwartetem Erfolg?(Der sich indeß wohl auch durch den Reiz der Neuheit dieses Sports erklärt. Die Red.) Was ich vorschlage, ist im Prinzip dasselbe. Es ist swenn wir solche Aeußerlichkeiten hinzufügen wollten) eine geheime Reichswühl- schule mit Wühlburschen, Wühlgesellen,- Meistern,- Obermeistern und wirklichen geheimen Reichswühlräthen mit ein, zwei und drei rothen Bammeln. Nur daß wir die Sache mit mehr Ernst und ohne die kin- dischen Faxen betreiben und, dem Charakter unserer Bewegung ent- sprechend, solche Würden und Abzeichen weglassen. Der innere Gehalt der Bewegung wird uns diese äußere Form reichlich ersetzen.— Wollen wir unverzüglich darauf lossteuern, eine stetige Flugblätter- vertheilung wie die besprochene herbeizuführen! Wollen wir jetzt unmittelbar nach den Wahlen die durch unsere und zum guten Theil auch der reaktionären Parteien Bemühungen aufge- rüttelten Geister in Beschlag nehmen und die Erregung nicht wieder verklingen lassen, wie nach den letzten Wahlen, uwo man vergeblich nach Flugblättern lechzte. Und wir müssen das thun, wenn wir nur im Mindesten den Gang der sozialen Entwicklung beschleunigen wollen und nicht warten wollen, wie sich die Geschichte im langsam malmenden Gang der Jahrhunderte nach immanenten Gesetzen ihrem Ziele unter dem Aechzen der Kreatur entgegenwälzt.?dosplior. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 22. Dezember 1884. — Es leben die Feinde, unsere Freunde! Wie oft hatten wir Gelegenheit, so auszurufen; und wie oft konnten unsere Ab- geordneten im Reichstag dem Fürsten Bismarck versichern, daß er die Geschäfte der Sozialdemokratie aufs Beste sührt! Die Verhältnisse sind eben stärker als die Menschen. Die Entwicklung der Dinge vollzieht sich nicht nach dem Willen einzelner Individuen, und seien sie noch so mächtig, sondern nach festen Gesetzen, die von den T ha t s a ch e n nicht loszulösen sind. Wenn der Wille sich gegen die Verhältnisse aufbäumt, in Widerspruch mit ihnen setzt, so kann er höchstens für den Moment einen Schein- triumpf erzielen— in Wirklichkeit muß er den Verhältnissen sich unter- werfen. Recht augenfällig trat das in den Reaktionsjahren zu Tag, welche der 1848er sogenannten Revolution folgten. Das Junkerthum war äußerlich wieder zur Herrschaft gelangt, die Partei des Hrn. Bis- marck, der die großen Städte als die Brutstätten der Demokratie zer- stören wollte, war am Ruder— der bürgerliche Geist sollte gebannt, die Bourgeoisie erdrückt, die Zeituhr um dreihundert Jahre und mehr — hinter die Reformation— zurückgestellt werden. Und der Erfolg? Die„schwarze Reaktion" wurde die Geburtshelferin der modernen Gesellschaft, die in anderen Ländern freilich viel früher das Leben er- blickt hatte— das Grab der„M ärzrevolution" wurde die Wiege der deutschen Bourgeoisie. Hätten statt der bürgerfeindlichen Manteufsel, Westphalen, Branden- bürg, und wie sie alle heißen, ächte Vollblutbourgeois damals in den Ministerien gesessen— der Sieg des Bürgerthums hätte sich nicht voll- ständiger und nicht schneller vollziehen können. Jetzt erleben wir ganz Aehnliches. Eine reaktionäre Regierung will die Sozialdemokratie vernichten, und zieht sie groß! Alles was sie thut, um dem gehaßten und gesürchteten Feinde zu schaden, um ihn in's Herz zu treffen, gereicht ihm nur zum Vortheil, und alle Anstrengungen, die sich gegen ihn richten, dienen nur zu seiner Kräftigung. Man betrachte z. B. das Kranken-Versicherungsgesetz. Es wurde angefertigt in der Absicht, die Arbeiterkassen unter die Ver- waltung der Polizei zu bringen; die freien Kassen sollten zerstört werden. Nun ist aber genau das Gegentheil deffen eingetroffen, was die Ur> Heber dieses traurigen Polizeigefetzes erstrebten: es hat den freien Kassen einen außerordentlichen Aufschwung ge- geben. Und nicht blos in dem Sinne, wie wie wir es schon früher bespro- chen haben. Daß die freien Kassen von den Arbeitern vorgezogen werden, und daß ihnen, um den Zwangskassen zu entgehen, tausende und abertausende von Mitgliedern beitreten würden, das war voraus- zusehen, und kam wohl auch den Herren Gesetzgebern, die den freien Kassen die Existenzbedingungen abgeschnitten zu haben vermeinten, nicht ganz unerwartet. Was sie jedoch nicht vorausgesehen hatten, das ist: daß die Arbeitgeber von den Zwangskassen nichts wissen wollen, und in vielen Städten Deutschlands offene Propaganda für die freien Kaffen machen. Der Grund liegt einestheils in dem polizeilichen Charakter der Zwangs- kaffen, der den Arbeitgebern viel Scherereien bereitet. Anderntheils in Feuilleton. Ein Much zum Austeihen. Oft schon ist die Klage ausgesprochen worden, es fehle in unserer Literatur an Schriften, die man Leuten in die Hand geben könne, welche bisher dem politischen Kampfe ganz fern gestanden haben, welche in einem ganz anderen Jdeenkreise leben, als ihn selbst unsere populärsten Broschüren voraussetzen. Und in der That leiden die meisten unserer Agitationsschriften an dem Fehler, daß sie sich an Leser wenden, die schon mehr oder weniger politisch denken gelernt haben, welchen die politische Ausdrucksweise geläustg ist, an Leser, die ssich aufklären wollen, während vielfach sich das Bedürfniß nach Schriften geltend gemacht hat, die den Leser aufklären, ohne daß er es so recht merkt, die ihn gewissermaffen spielend in die sozialistische Gedankenwelt ein- führen— nach Schriften, die nicht den Stempel der Agitation sozusagen an der Stirne tragen, die mehr aus Neugier als aus Wißbegier gelesen werden. Das Bedürfniß nach solchen Schriften ist namentlich da ein lebhaftes, wo unsere Bewegung noch sehr schwach ist, noch mit dem Vorurtheil der großen Masse zu kämpfen hat. Namentlich aus Gegenden, wo das Pfaffenthum noch dominirt, ist schon oft der Ruf ergangen nach solchen ganz und gar populären Ausklärungsschriften. Nun gibt es wohl keine leichtere— d. h. leichter faßliche— Form der Belehrung, als die durch das Beispiel. Unsere ganze moderne Erziehungslehre beruht auf dieser Erkenntniß. Es wird also wohl die Schrift die populärste sein, welche am wenigsten Ansprüche an das Abstrakttonsvermögen des Lesers stellt, ihn vielmehr Schritt für Schritt selbst erfahren läßt, was ihm klar gemacht werden soll, welche die Vorurtheile, die er im Kopfe hat, in systematischer Reihen- folge eines nach dem anderen zerstört, nicht durch Deduktion, sondern, wie gesagt, durch die Wirkung des Beispiels aus dem alltäglichen Leben. Es ist nun in diesen Tagen ein Buch erschienen, welches im Wesent- lichen diesen Ansprüchen gerecht wird, und aus welches wir daher die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken möchten. Es ist eine Erzählung, betitelt:„Die wahr hastige Lebens- geschichte des Josua Davidsohn", die vor Jahren in der „Neuen Welt" lim ersten Jahrgang derselben) veröffentlicht worden ist. Schon damals fiel dem Schreiber dieses der vortreffliche Agitations- werth dieser Erzählung auf, und heute, wo sie ihm in Buchform vor- liegt, findet er sein damaliges Urtheil voll und ganz bestätigt. In der That, welchen Leser wird das Schicksal des armen cornischen Zimmer- der Bestimmung, daß die Arbeitgeber in die Zwangskassen ein Drittel des Beitrags bezahlen müffen. Genug— die Arbeitgeber ziehen die freien Kassen den Zwangskaffen vor,— und da die Ä r b e i t e r natürlich dasselbe thun, so ist das Krankenkaffengesetz, da« die freien Kassen ersticken sollte, der b e st e Nährboden für die freien Kassen geworden. Das Krankenkaffengesetz ist aber der Eckstein der Bismarchschen Sozialreform! Und wie das Krankenkaffengesetz, so wird die ganze Bismarck'sche S o- z i a l r e f o r m bloß den Sozialdemokraten zu Gute kommen, deren Vernichtung ihr Zweck war! — Staats st reichelt es? Vergangenen Montag wurde in allen Kasernen des deutschen Reiches peinliche Nachsuchung gehalten nach sozialistischen Schriften und Korrespondenzen, und zwar nicht nur bei den„gemeinen" Soldaten", sondern bis hinauf zum Unter- offizier. Mit ächt preußischer Brutalität durchschnüffelten die Spitznasen die Briefschaften der Soldaten, während man diese auf den Kasernen- Höfen hatte antreten lassen. Können wir es schon an sich als ein günstiges Zeichen betrachten, daß man in den oberen Regionen so deutlich zeigt, welches Mißtrauen man gegen die große Maffe der Soldaten hegt, so haben wir wirklich nur noch die Hoffnung hinzuzufügen, daß solche all-g e m e i n e Durchschnüf- felungen öfter stattfinden mögen. Eine bessere Agitation für die Sozialdemokratie können wir uns gar nicht wünschen. Fragen wir aber nun: Weshalb plötzlich diese planmäßig angeordneten Durchsuchungen in den Kasernen? so ist das Mißtrauen gegen die„Zu- verläsfigkeit" des Heeres keine genügende Antwort. Denn dieses Miß- trauen besteht, wie wir sehr gut wissen, nicht erst seit gestern. Man hat es nur bisher für gut gehalten, es nicht merken zu lassen. Es dürste daher die zweite Frage sehr berechtigt sein, ob nicht ein g e- wisser Zusammenhang besteht zwischen diesen Kasernendurch- suchungen und dem von der Polizei provozirten Skandal in der Nord- deutschen Brauerei in Berlin, der von Bismarcks Leiborgan aus das Tendenziöseste zurechtgeknetet unb umgelogen wird— ganz in derManier, wie seinerzeit dieAttentateverwerthet wurden! Zieht man dies in Betracht, so wird man die nachfolgende Zuschrift aus der Feder eines sehr erfahrenen Genoffen nicht unbegründet finden. „Es scheint, daß diese Allarmnachrichten speziell auf die Person des Kaisers Wilhelm berechnet sind, den man systematisch in Auf- regung hält, und der in Bezug auf militärische Dinge ganz besonders nervös ist. Es st a a t s st r e i ch e l t offenbar, und der B o d e n soll präparirt werden. Thatsache ist, daß Bismarck in einer Sackgaffe steckt, aus der er ohne Staatsstreich nicht gut herauskommen kann. Der Reichstag nimmt eine immer feindlichere Haltung gegen den„großen Staatsmann" ein, er hat durch seine Obstruktion einen Knüppel zwischen die Räder der Regierungsmaschine geworfen, und wenn Bismarck nicht zurücktreten will— was ihm nicht einfallen wird—, so muß er sich aus die eine oder andere Art des Reichstages entledigen. Eine Auslösung hat aber jetzt ihre sehr großen Bedenken, da die allgemeine Stimmung in Deutsch- land der Regierung kemeswegs sehr günstig ist." Warten wir's ab. — 8. I m Reichstag nahmen unsere Genoffen in den letzten acht Tagen hervorragend an den Verhandlungen Theil. Nachdem am vorigen Sonnabend(den 13. Dez.) Grillenberger, Kayser und Voll- mar bei der Etatsberathung mit dem Zentrum eine scharfe Aus- einandersetzung betreffs der Spekulation aus den„armen Mann" gehabt, brachte der darauf folgende Montag uns ein heftiges Gefecht über einen von Bismarck selbst wiederholt geforderten Posten von 2t),tXK) Mark für eine neue„Kraft", die im auswärtigen Amt angestellt werden sollte. Die neue„Kraft" ist Niemand anders als Graf Herbert Bismarck, und der Reichstag hatte keine Lust, diesem die geforderten 2<1,000 Mark zu bewilligen. Darob gerieth der Eiserne in unbändige Wuth— nahm die 20,000 Mark auf seinen„Diensteid" und meinte, der Reichstag, wenn er n u n seine Zustimmung verweigere, erkläre ihn— den„Eiser- nen"— entweder für unglaubwürdig, oder unzurechnungsfähig.„Ein Drittes gibts nicht"— meinte der Eiserne. Der Reichstag verweigerte aber trotzdem die Summe, und ließ ihm die Wahl zwischen dem„un- glaubwürdig" oder„unzurechnungsfähig". Bei dieser Gelegenheit wurde dem„Eisernen" der„Diensteid" durch Volkmar gehörig eingetränkt, der auch den fortschrittlichen Halbparlamentariern unter die Rase rieb, daß mit dem Nörgeln an kleinen Posten nichts genützt sei, und daß der Reichstag, wenn er nicht eine jämmerliche Rolle spielen wolle, allerdings nach der vollen„Parlamentsherrschaft" streben und dem persönlichen Regiment ein Ende machen müffe. Am Mittwoch trat Liebknecht für die Forderung der Polen ein, daß in den polnischen Landestheilen neben dem Deutschen auch das Polnische als Gerichtssprache eingesührt werde, und sprach sich dabei persönlich für die Wiederherstellung Polens aus. Ferner begründeten Liebknecht und Volkmar den bekannten Antrag betreffs der Kieler Verhaftungen; der Antrag wurde, wie schon im Mai des vorigen Jahres der gleichlautende Antrag Kayser- Liebknecht, der Geschästsordnungs-Kommission überwiesen, deren Bericht unmittelbar nach den Ferien zu erwarten ist. Die Kommission hat die nöthigen Vorarbeiten schon in der ersten Session gemacht und wird die- selben jetzt nur der Form halber, damit sie auch für den jetzigen Reichs- tag gelten, erneuern müssen— was aber keine Zeit in Anspruch neh- men wird. Jedenfalls genügt eine Sitzung; und wir haben den Vor- theil, daß Einer unserer Genossen jetzt in der Kommission sitzt.— Zur dritten Lesung des Diätenantrages sprach Sabor. Er sagte den Herren von der Rechten einige schneidige Wahrheiten, was diese zu dem bekann- ten Manöver veranlaßte, den Redner durch Gelächter außer Fassung mannssohns nicht ergreisen, der mit der ganzen Inbrunst eines jugend- lich-empfänglichen Gemüthes die Lehren des Christenlhums in sich auf- nimmt, Christus nachzuleben trachtet, und nun Schritt für Schritt mit dem offiziellen, dem wirklichen- im Gegensatz zu dem„ideale n" — Christenthum in Konflikt geräth, bis er schließlich der Brutalität des modernen Christenthums erliegt, freilich nicht ohne sich vorher klar dar« über geworden zu sein, welcher Gegensatz zwischen diesem modernen praktischen Christenthum besteht und der konsequenten Durchführung deffen, was er in Christi Lehre gefunden hatte, und als wirklich gläu- biger Christ auch hatte finden müssen! Dieser Gegensatz ist ohne jedes verletzende Wort, ohne jedes geschraubte Pathos so einfach, so wahr, so faßlich geschildert, daß es schwerlich ein Leser, der vorher geglaubt hat, aus der Hand legen wird, ohne zum Zweifeln, zum Nachdenken angeregt zu sein, und— wenn er ein Ar- b e i t e r ist— ohne sich für den Sozialismus zu intereffiren, ohne die Nothwendigkeit des Klassenkampfes zu begreifen. Leider ist der Preis des Buches ein solcher, daß von Massenabsatz nicht die Rede sein kann. Aber vortrefflich ist es geeignet, a u s g e- liehen zu werden, als ein„gar sonderbarer Roman", der weder von ritterlichen Grafen, noch von romantischen Theaterprinzesiinen, weder von hartherzigen Vätern, noch von verliebten Pärchen handelt, und der doch an alle Seiten unseres Gefühlslebens anschlägt, uns packt, ob wir wollen oder nicht. Als Probe für das Gesagte lassen wir hier den Schluß der Erzählung folgen: den Tod des armen Josua Davidsohn, der mit dem heiligen Eiser seiner Ueberzeugung durch das Land zog, um das zu lehren, was er für wahr, recht und gut hielt, und dafür mit dem Leben büßen mußte. „Zuletzt kamen wir an einen Ort Namens Lowbridge, wo ein Freund von uns wohnte, ein Mitglied der Internationale; und hier kündigte Josua durch Plakate an, daß er einen Vortrag über die Kommune im Rathhaussaal zu halten beabsichtige: er, Josua Davidsohn, werde beweisen, daß Christus und die Apostel der Bibel zufolge Kommunisten gewesen und daß sie— die Verschiedenheit der Methode natürlich zuge- standen, welche in der Verschiedenheit der nahezu zweitausend Jahre aus- einanderliegenden sozialen Einrichtungen von damals und jetzt begründet sei— wesentlich dieselben Lehren gepredigt hätten, für deren Verwirk- lichung die Kommune gekämpft habe. Der Abend kam heran, und Josua machte sich bereit, in die von ihm berufene Versammlung zu gehen, und ich mit ihm. Unser Freund hatte ihn gewarnt; einen freundlichen Empfang habe er nicht zu erwarten. Indeß Josua war nicht der Mann, sich durch einige Zornesblicke und drohende Geberden einschüchtern zu lassen, und ich glaube, ich Hab« ihn zu bringen. Welche Genugthuung für Herrn Sonnemann!— Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien kam der Antrag Grillen- berge r-Kayser in dritter Lesung vor. Nach eingehenden Reden der beiden Antragsteller, und nach einem amüsanten, wenn auch nichts weniger als gleichen Duell zwischen Bebel und Kayser einer- und dem antisemitischen Dresdener Lokalpatrioten und-Hanswurst H a r t- w i g anderseits, wobei es letzterem natürlich sehr übel erging, wurde der schon früher erwähnte Kommissionsantrag angenommen. Der Reichstag ging am Donnerstag(18. Dezember) in die Ferien und wird— nach drei Wochen— Donnerstag den 8. Januar wieder zusammentreten. Der erste Gegenstand aus der Tagesordnung ist der Nachtrags-Etat für die D a m p f- B a r k a s s e rc., bei welcher Gelegen- heit die K o l o n i a l p o l i t i k zur Debatte gelangen wird. Der Entwurf des Arbeiterschutzgesetzes, welchen die so- zraldemokratischen Abgeordneten dem Reichstage vorlegen wollen, ist bereits ziemlich weit gediehen, und wird wohl schon wenige Wochen nach Wiederbeginn der Session eingebracht werden können; von anderen Anträgen hat die Fraktion bisher abgesehen; alle diesbezüglichen Mittheilungen der Blätter sind aus die Phantasie müssiger Reporter zurückzuführen. Die Feigheit der Fortschrittler zeigt sich jetzt wieder recht deutlich nach der Niederlage, welche Bismarck am IS. dieses Monats im Reichstage erlitten. Die konservativen und nationalliberalen Organe des Reichskanzlers drohen mit Auflösung, und da ist denn den tapferen Forsichrittlern sofort das Herz in die Schuhe gefallen. Mehrere ihrer Organe meinen schon, es sei eigentlich unrecht gewesen, den ge- strengen Herrn Reichs- Wauwau bei einer so geringfügigen Gelegenheit zu reizen; man hätte besser gethan, ihm die Sunime(die 20,000 M. für seinen Herberl) zn bewilligen. Und was ähnliche Angstmeiereien mehr sind. Wir wollen nicht bestreiten, daß man eine beffere Gelegen- heit hätte wählen können, wenn man die Wahl gehabt hätte; allein der Reichstag hatte eben— die jetzige parlamentarische Kampf- weise als maßgebend angesehen— keine andere Wahl. Den Gesammt- Etat zu verweigern, das fällt der oppositionellen Majorität nicht ein; der Militär-Etat ist durch das Septennat festgestellt, und so hat denn der Reichstag, Dank der bisher geübten Praxis, keine andere Wahl, als bei Kleinigkeiten einzusetzen. Im vorliegenden Fall aber hatte Bismarck durch sein zudringliches und grob insultirenves Vorgehen den Konflikt geradezu hcrbeigezerrt. Der Reichstag mußte den Kampf ausnehmen. Für das Kleinliche der Gelegenheit ist nicht der Reichstag veramwortlich, sondern Bismarck selbst, der mit solcher Shylockartigen Zähigkeit sich an die Forderung der„lumpigen" 20,000 Mark sestklam- merte. Die Kleinlichkeit liegt hier ganz auf Seiten des„großen" Reichs- kanzlers, der wahrhastig reich genug ist, seinem schlechterzogenen Spröß- ling das Taschengeld aus eigenen Mitteln, statt aus dem Säckel des Volks bezahlen zu können. Also einmal die jetzige parlamentarische Kampfweise vorausgesetzt, hat die Fortschrittspartei durchaus korrekt gehandelt, indem sie ihrem Gegner Bismarck bei dieser Gelegenheit ein Paroli bot und einen Fußtritt gab. Es war das die richtige Antwort auf das freche Junkerwort:„I ch lasse mir vom Reichstag nicht imponire n." Um so jäm- merlicher sind die Gewissensbisse der HH. Fortschrittler ob des bewie- senen Hcldenmuths. Die Sache ist, wie schon gesagt: die Fortschrittspartei hat Angst vor einer Auslösung; die letzten Wahlen liegen ihr noch in den Gliedern, und sie zittert bei dem bloßen Gedanken einer Neuwahl. Deshalb wird sich auch bei der Abstimmung über die Dampfer- subventionsvorlage dasselbe Schauspiel wiederholen, wie bei der Abstimmung über das Sozialistengesetz: ein Theil der Fortschrittspartei wird für die Vorlage stimmen, obgleich dieselbe, als das Prinzip der Staatshilse involvirend, von der manchesterlichen Fortschritts- partei unter allen Umständen prinzipiell zu verwerfen wäre. Doch was kümmert sich das um Prinzipien! Apropos, die Kastan-Parisius- Affaire ist jetzt geklärt. Die Abkom- mandirungsbriefe sind geschrieben worden, aber nicht von dem ordent- lichen Sekretär, sondern von P r i v a t f r e u n d e n des Hrn. Eugen Richter, u. A. von Hermes und Rickert. Ein von Hermes unterzeich- neler Brief dieser Art befindet sich in dem Besitze Kastans. — Bedenkliches Lob. Wir lesen im Leitartikel eines Wiener Blattes: „Bekanntlich existiren in Oesterreich zweierlei sozialdemokratische Ar- beiterfraktionen, die im Grunde genommen dasselbe anstreben, jedoch an- geblich auf verschiedene Weise. „Wir sagen„angeblich" aus Gründen, die im weiteren Verlause dieser Besprechung dem geneigten Leser klar werden dürsten. „Die eine Fraktion, die sogenannte„gemäßigte Arbeiterpartei", an deren Spitze Männer wie Gehrke, Höger, Schwarzinger, Bardors und Andere mehr stehen, behauptet, daß ihr Programm nur durch vorherige politische Emanzipation der Arbeiterklaffe in Erfüllung gehen könne, darum strebt sie das allgemeine direkte Wahlrecht an. Die zweite Arbeiterfraktion, die sogenannte„radikale Arbeiterpartei", betrachtet das allgemeine Wahlrecht als einen kapttalistischen Schwindel, weist daraus hin, daß die gemäßigte Sozialdemokratie Deutschlands im Geheimen mit gewissen Bankfirmen im innigen Kontakte stehe und eigentlich nur Oppor- tunitätSpolitik treibe. „Sie betont, und dies wohl nicht ganz mit Unrecht, daß eine wirthschaftlich vollständig abhängige Arbeiterschaft eigentlich gar nicht in der Lage sei, ihrer politischen Gesinnung freien Ausdruck zu verleihen. Zudem erkennt sie, daß ja die ganze Bevölkerung eines Staates nicht blos aus Fabrikarbeitern bestehe, und steuert dafür direkt auf die Emanzipation der Arbeit aller Stände von der Herrschaft von dem Geiste dessen, was er zu lehren unternommen, nie so erfüllt gesehen, als an jenem Abend. Dennoch bemerkte ich an ihm einen schmerzlichen Zug, der mir auffiel. Ernst war er immer, an diesem Abend war er ernst bis zur Traurigkeit, die feierliche Traurigkeit eines Märtyrers, der in den Tod geht, standhaft, opfersroh Zeugniß abzulegen für die gute Sache, aber— sich bewußt, daß er sterben muß. Er drückte mir, als wir in den Saal eingetreten waren, warm, fast zärtlich die Hand, indem er sagt-: „Es ist doch schön, daß du mich nicht allein hast gehen lassen! Du warst mir stets ein treuer Freund!" Dann lächelte er mir zu— der Augenblick war gekommen— und er ging nach der Rednerbühne. In der ersten Reihe, ihm rechts gegenüber, war der frühere Pfarrer von Trevalga, den wir als Knaben wegen seines Hochmuths und seiner Vornehmheit nur„Herr Grand" zu nennen pflegten. Er hatte kurz vorher die reiche Pfründe von Lowbridge erhalten, nebst anderen welt- lichen Vortheilen, und stand befriedigt am Ziel seiner Wünsche. Josua's Gesicht veränderte sich, als er des Geistlichen ansichtig wurde. Es nahm nicht den Ausdruck von Feigheit an, wohl aber den eines Mannes, der seinen Todfeind erblickt. Doch es war nur für einen Moment, dann hatte Josua's Gesicht wieder seinen gewöhnlichen Ausdruck heiterer Ruhe. Fest um sich schauend, ergriff er das Wort. Aber kaum hatte er den Mund geöffnet, so brach ein Lärm los, wie ich ihn niemals in einer öffentlichen Versammlung gehört habe, und ich bin doch in mancher stürmischen Versammlung gewesen. Das Schreien, Zischen, Pfeifen, Brüllen war unbeschreiblich. Unmöglich für eine menschliche Stimme, durchzudringen! Ich glaube, das Gebrüll eines Löwen wäre übertönt worden. Josua stand da, ruhig und würdevoll, der tobenden Menge ins Antlitz blickend und das Ende des Tumultes abwartend. Vergebens. Der Tumult hörte erst auf, als Herr Grand sich erhob, den Stuhl be- stieg, aus welchem er gesessen, und mit einer Handbewegung zum Schwei- gen aufforderte. „Freunde", sagte er,„ich freue mich, daß Sie in Ihrer echt englischen Liebe zu dem Gesetz und zu Gott kräftig und unzweideutig an den Tag gelegt haben, was Sie von dem Gift denken, das dieser Demagoge in Ihre Ohren zu träufeln beabsichtigte. Ich kenne den Mann wohl— auf Josua zeigend— ich kannte ihn schon als Knaben, und ich kann bezeu- gen, daß er stets ein schlecht gearteter, anmaßender, unverschämter Bursche war. Ich weiß, daß er ein abscheuliches Leben in London ge- sührt hat und, weil er ein schlechtes Haus hielt, von der Polizei einge- sperrt werden mußte. Liederliche Weibsbilder, Diebe, Mörder— der Abschaum der Gesellschaft— waren seine Freunde, und um Allem die Krone auszusetzen, ging er nach Paris während der gräßlichen Zeit der Kommune, wo, wenn es jemals der Fall, die Hölle auf Erden war, und schloß sich jener Bande von Niederträchtigen an, welche den Namen der v $ v 6i s° n C li n le « al P ch w . l l( c?n. der vielen unliebsamen Erfahrungen, 'N eemnrht iiAf n 1 �delterpartei mit verschiedenen politischen Parteien !s». dieselbe entschlossen, sich auf eigene Füße zu stellen, und id verbremien"�'U un� Frommen anderer Parteien die Finger zu oe die man aber beileibe nicht mit den Anarchisten � i. m entschiedener Majorität, und wenn man den m Personen Glauben schenken darf, welche die Partei- er fiir QAnn ar tU-/ennen behaupten, gibt es in ganz Oesterreich kaum 2000 er sa»? is« Arbeiter, welche zur gemäßigten Arbeiterpartei gehören. That- 1-'- f's'rigens, daß die sogenannte gemäßigte Arbeiterpartei nur Stan>>» e, selbst Versammlungen von 300 bis 400 Personen zu « so v"i,®etI größere Versammlungen durch die dann unvermeid- n nirht f'? gestört werben.*) Und bestände der Ausnahmszustand le M nal�tr�?en"ffe gemäßigte Arbeiterführer wohl überhaupt keiner- n Anhang' dastehm""�""�� �"�erufen können, ja sogar ganz ohne ""�r�'ere Reklame können sich die„Radikalen", die„man ZW?».-* � H rmi' den Anarchisten verwechseln darf"— die Herren AifWM öeno"en waren nämlich seiner Zeit„beileibe keine Anar- wanschen unverhülltere Reklame können sie sich gewiß nicht sni.fix.-i" j6! �rht diese Reklame? Im Leitartikel des„Vaterland", des Jtv c ir �rudal-klerikalen Dunkelmänner Oester- c erzreaktionäre Blatt jubelt darüber, daß Arbeiter aus die äAm.!,"«;"?"'"c politischen Rechte verzichten, es wendet seinen b-.,/ vi? 15'e Gönner zu verdächtigen, welche den Grundsatz fest- n nf•• tJ soziale Frage untrennbarist von der ./ v'J1- und seinen Hintermännern paßk die Phrase der > k-i.. � Genossen vortrefflich in den Kram, daß das arbeitende Volk n Interesse habe an Preßfreiheit, Versammlungsfreiheit und allge- Memem Wahlrecht, denn— im Dunkeln ist gut munkeln. -» a t ii wir müßten uns sehr täuschen, wenn nicht just die Reklame aus solchem Munde die wirklich radikalen Wiener Arbeiter zum Nach- miren veranlassen sollte über die Verderblichkeit der pseudoradikalen — Der Leipziger D y n a m i t- P r 0 z e ß ist zu Ende. Die klagten sind, mit Ausnahme des Knopfarbeiters T ö l l n e r, dessen Frev sprechung der Staatsanwalt selbst beantragt hatte, des Färbers S ö h n g e n Und des Bandwirkers R h e i n b a ch, vom Reichsgericht für schuldig be- sunden und zu nachstehenden Strafen verurtheilt worden: August Reinsdorf zum Tode und 15 Jahren Zuchthaus. Franz Rupsch zum Tode und 12 Jahren Zuchthaus. Emil Küchler zum Tode und 12 Jahren Zuchthaus. Karl Bachmann zu 10 Jahren Zuchthaus. Karl Holzhauer zu 10 Jahren Zuchthaus. Der Verlauf des Prozesses selbst, auf dessen Einzelheiten einzugehen uns der Raum mangelt, hat im Großen und Ganzen unser in voriger 1 Nummer ausgesprochenes Urlheil nicht ändern können. Von Reinsdorf abgesehen, war da» Benehmen der Angeklagten ein nichts weniger als l revolutionäres. Man kann Niemand zumuthen, daß er gegen sich selbst aussagt, aber wenn Rupsch und Küchler sich vor Gericht hinstellen und j behaupten, jeder von ihnen sei nur deshalb nach dem Niederwald mit- gegangen, um den Andern heimlich am Attentat zu verhindern, dann kann man zu einer solchen Art der Vertheidigung nur mitleidig die Achseln zucken. Männer, welche die Welt umkrempeln wollen, müssen aus anderem Schlage sein. Reinsdorf, der sich anfangs sehr reservirt hielt, ging, als er sah, daß ihm kein Leugnen mehr Helsen könne, zu der entgegengesetzten Haltung über und spielte den Helden. Damit kann er indeß unser Urtheil nicht beirren. Es gehört für uns gar kein Heldenthum dazu, Dynamit in ein Lokal oder in einen Graben zu legen oder legen zu lassen, damit es„knalle", damit eine„Demonstration" stattfinde. Das ganze Pathos des Herrn Reinsdorf ist ein falsches, erkünsteltes. Wie that er nicht entrüstet über den 1878 gegebenen Rath an die Arbeiter, das schuftige Manöver der Kapitalprotzen— welche die Schafe von den„Böcken" säubern wollten— dadurch zu durchkreuzen, daß sie ohne Bedenken die be- rüchtigten Erklärungen unterzeichnen! Und doch weiß ein Jeder, der die Hetze des Attentatssommers 1878 durchgemacht, daß damals den Arbeitern gar keine andere Wahl blieb, und niemand weiß das besser, als Herr Reinsdorf, der nach dem Attentat seines Freundes Hödel in aller Stille von der Bildfläche verschwand. Außerdem ziemt diese Cnt- rüstung am allerwenigsten Jemandem, der kurz vorher selbst erzählt hat, daß er seinem Prinzipal das Versprechen gegeben, sich von allen Agitationen fernzuhalten! Herr Reinsdorf haßt die deutsche Sozialdemokratie, er hat diesem Haß in der Gerichtsverhandlung unverhüllten Ausdruck gegeben, und wenn wir ihm sonst nichts glauben, an diesen Haß glauben wir. Er ist seit Jahren die Triebfeder aller Handlungen deS Herrn Reinsdorf, wie er die Triebfeder der Handlungen seines Freundes Most ist. Haß uno Eitelkeit,— dem Größenwahn dieser Leute paßt das zielbewußte *) Ist beiläufig erlogen. DaS Sprengen„gemäßigter" Versammlungen hat ganz aufgehört. Erst vor wenigen Tagen fand in den„drei Engeln" eine glänzend besuchte allgemeine öffentliche Arbeiterversammlung statt, in der B a r d o r f und Höger unter stürmischem Beifall reserirten. Menschheit herabgewürdigt haben. Und nun hat er die Dreistigkeit, vor Sie, meine Herren, die ehrbaren und respektablen Bürger von Lowbridge zu treten, vor brave Bürger, welche die Königin*) und das Vaterland lieben, das Gesetz achten und Gott fürchten, wie ich hoffe, daß Sie Alle es thun. Und wozu? Um dieses Pandämonium**) der Laster und Ver- brechen, die Pariser Kommune zu verherrlichen und die Teufel in Men- schengestalt, die dort ihr Wesen trieben, blasphemisch sgottlästernd) mit unserem Herrn und Meister Jesus Christus und den heiligen Aposteln zu vergleichen; um Sie, geschätzte Mitbürger, zu einer ähnlichen blutigen Rebellion aufzureizen, und mehr noch: um Ihnen Ihr ehrlich ermorde- nes Geld aus der Tasche zu locken, damit er, ein faullenzender Vaga- bund, der nicht arbeiten will, im Lande herumziehen und sein Gift überall ausstreuen kann, während er vom Fett des Landes lebt. Geben Sie ihm Ihre Meinung zu erkennen und belehren Sie ihn, daß Low- bridge zu gut ist für einen solchen gottlosen Schurken wie er— daß es nichts wissen will von elenden Atheisten und Kommunisten!" Dann stieg er vom Stuhle herab und die Zuhörer schrieen ihm ebenso laut Beifall, als sie Josua ausgezischt und niedergebrüllt hatten. Ich will Herrn Grand die Gerechtigkeit widersahren lassen, zu glauben, daß er durch seine Worte nicht d i e Wirkung hervorrufen wollte, welche sie hatte. Vornehme Leute reizen im Allgemeinen nicht leicht direkt zu Gewaltthätigkeiten auf, ein Geistlicher ist sicherlich nicht gern der offene Veranlasier eines Mordes. Aber zur Wuth gereizt durch ihre eigenen falschen Vorstellungen und noch mehr aufgestachelt durch die Schmähun- gen und das Gehetze ihres„Seelsorgers", ihres„Hirten", verlor die Menge den letzten Rest von Selbstbeherrschung. Ein Dutzend Männer sprangen aus die Erhöhung, wo die Rednerbühne stand, und im Nu sah ich Josua unter den Füßen der Rasenden. Umsonst rief nun Herr Grand„Ordnung"! Umsonst versuchten die zwei an der Thür postirten Polizeidiener in den Rlenschenknäuel zu dringen, umsonst bot ich ver- zweislungsvoll all' meine Kräfte auf, dem unglücklichen Freund Hilfe zu leisten,— ich war in die dichte Masse so«ingekeilt, daß ich nicht vor- wärts konnte. Die Angreifer hatten freie Hand— Niemand hinderte sie in ihrer mörderischen Arbeit. Sie waren nach ihrer Ansicht Vertreter des Ge- setzes und der Ordnung, Streiter für Gott und Religion, und so be- trachteten sie es als ihre heilige Pflicht, die Gesellschaft von diesem gott- losen Auswiegier, Umstürzler und Anarchisten zu befreien. *) England hat bekanntlich nicht das Glück, von einem König regiert ,u werden, hat aber die angenehme Aussicht, dieses ehrenvolle Vergnügen nach dem Tode der jetzigen, schon ziemlich bejahrten Throninhaberin, im allervollsten Maße s�itl.» veageance', sagen die Engländer) genießen zu muffen. Der hoffnungsvolle Erbe sder den landesüblichen Titel „Prinz von Wales" führt) hat nämlich genau diejenigen Eigenschaften. welche am besten geeignet sind, den„naturgemäßen Prozeß des Heraus- Wachsens der Republik aus der Monarchie" möglichst— abzukürzen. ♦*) Die Versammlung aller bösen Geister: Teufelsküche, Hölle. Vorgehen der deutschen Sozialdemokratie nicht in den Kram, sie wollen mit der Arbeiterbewegung Va-banque spielen. In seiner Vertheidigungsrede wies Herr Reinsdorf auf das gute Bei- spiel des Auslandes hin, welchem die deutschen Sozialisten nachzueifern hätten. Wir sind gewiß die Letzten, welche in Abrede stellen, daß die deutschen Sozialisten noch viel von ihren Genossen in andern Ländern lernen können, aber daß sie die Verpflichtung haben, die Thorheiten nach- zuäffen, welche im Ausland begangen werden, das sehen wir nicht ein. Ganz sicher, auch der deutschen Arbeiterbewegung werden Kämpfe, wie sie die Pariser Arbeiter 1871 durchzumachen hatten, schwerlich erspart werden— angesichts gewisser Vorgänge in den letzten Tagen werden das selbst die Vertrauensseligsten einsehen— aber diese Kämpfe muth- willig xrovoziren zu wollen, ohne Rücksicht darauf, ob die Möglichkeit eines stegreichen Ausganges gegeben ist,— dazu gehört ein Muth, um den wir Niemand beneiden. Auf die alberne Redensart, unsere Partei sei eine Bourgeoispartei, sowie auf die Gemeinheit von den wohlbezahlten Führern lassen wir uns nichtweiter ein— es genügt, sie tiefer zu hängen. Natürlich fehlte bei diesem Prozesse neben dem intelligenten Anstifter und den verführten Schwachköpsen auch der Polizeispitzel nicht. In diesem Falle heißt der Spitzel Palm. Unsere Genossen finden ihn in der s ch w a r z e n L i st e unter der Rubrik III: Schuldenmacher, Schwindler und Brandschatzer. Im„Sozialdemokrat" Nr. 4g vom Jahre 1830 wurde er als der Unterstützung unwürdig gekennzeichnet. Ebenso wird es auch nicht an Versuchen fehlen, diesen„Dynamitprozeß" politisch zu fruktifiziren. Sei's drum! — Die Ausweisung Ewalds hat in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt und Erbitterung hervorgerufen. In Reichstagskreisen wurde der Plan besprochen, eine I n t e r p e l l a t i o n an die Reichs- regierung zu richten. Einige Mitglieder der Fortschrittspartei zeigten sich dem Plan sehr geneigt, und versprachen, ihre Unterschristen zu ge- ben. Zu einer Interpellation gehören nämlich 30 Unterschriften, also mehr, als die sozialdemokratische Frakiion ausbringen kann. Bei dem Versprechen hatte es aber sein Bedenken. Der fortschrittliche Radikalis- mus oder radikale Fortschritt denkt, und der Richter lenkt— in der Fraktionssitzung. In der nächstfolgenden Fraktionssitzung wurde die Sache zur Sprache gebracht und aus des braven Eugen Richter Antrag der Beschluß gesaßt, daß kein Mitglied der Fraktion seine Unterschrift hergeben dürfe. Kurz, genau die Wiederholung der B u l y g i n- I n t e r p e l l a t i o n. Um Mißverständnissen vorzu- beugen, sei noch mitgetheilt, daß die s o z i a l d e m o k r a t i s ch e F r a k- t i o n sich in dieser Angelegenheit nicht an die Fortschrittssraktion ge- wandt chat. — E s brennt! Die sultramontan-)„ C h r i st l i ch- s o z i a l e n Blätter" bringen in ihrem neuesten Hest einen wahren Heulartikel gegen die Sozialdemokratie, in dem wir mit Genugthuung das Geständ- nitz erblicken, daß den Herren das sozialdemokratische Feuer bedenklich auf den Nägeln zu brennen beginnt, und daß es mit dem stolzen Wort, der Katholizismus sei der sicherste Schutzwall gegen den revolutionären Sozialismus, auch feinen Hacken hat. „Der sozialdemokratische Prophet im Schafskleide" betitelt sich der ultramontane Klageruf. Ein„praktischer Seelsorger"., dem es Genosse Bebel angethan, fühlt sich gedrungen, diesem zum so und so vielten Male den Schasspelz„abzureißen". Wir wollen ihn bei diesem lobens- werthen Geschäft keineswegs stören, selbst die kleinen Un— richtig- ketten, die sich hie und da in seine Analyse eingeschlichen— hoffentlich zur größeren Ehre Gottes,— sollen uns nicht weiter aufhatten, nur das Heilrezept, welches der erschrecklichen Heulmeierei folgt, wollen wir zu sllutz und Frommen löblicher Allgemeinheit hier tiefer hängen. Man höre also: „Wir wollten damit auf die große Gefahr hinweisen, in welcher unser deutsches Volk schwebt, gemäß den letzten Wahlresultaten nun auch das katholische, aus die Gefahr, von den falschen Paradies-Propheten, die im Schafskleide der Ordnung und Religionsfreiheit austreten, ver- führt, mit utopischen Hoffnungen ersüllt und so zum Werkzeug der gottlosen rothen Umsturzpartei gemacht zu werden. Damit wollen wir allen christlichen Volkssreunden und namentlich den k a t h o- lischen Priestern kräftig zurufen: „Hand an's Werk!" Es ist die Stunde da, vom Schlafe aufzustehen. 1. Meistervereine neben den Gesellenvereinen für die Hand- werker. und Arbeitervereine für die Fabriker müssen allüberall auf christlich-konsessioneller Grundlage errichtet werden. Wir stimmen laut und freudig dankbar ein in den Ruf, den Hitze aus der letzten Generalversammlung an die Katholiken Deutschlands hat erschallen lassen. Zunächst ist in diesen Vereinen zu sorgen für Reli- gion, Sittlichkeit und ehrbare Unterhaltung; doch disputiren nicht, inwie- weit diese Vereine auch direkter das wirthschaftliche Wohl ihrer Mitglieder zu fördern übernehmen sollten. Nur keine Schranke ziehen! Die Zukunft muß zeigen, was solche Vereine können. Zum Disputiren ist's zu spät, Hand an's Werk, die Religion und Sittlichkeit un,eres Volkes zu retten vor sozialdemokratischer Verführung! 2. Schriften, möglichst kurz und v o l k s t h ü m l i ch, dabei doch gründlich, scharfsinnig und interessant, müssen geschrieben und für Spott- preis massenhaft verbreitet werden, in welchen aus dem Leben be- wiesen wird, daß die Sozialdemokratie ein undurchführbarer Unsinn, Geschlagen, gestoßen, zurückgehalten von den mich Umringenden, konnte ich ihm nicht beistehen. Erst prügelten s i e mich, dann prügelten mich die Polizeidiener und bearbeiteten mich mit ihren Stäben,*) weil ich mich um jeden Preis freimachen und zu Josua gelangen wollte. Er lag auf dem Boden, bleich und bewußtlos, ein Blutstrom quoll langsam von seinen Lippen, während die Männer auf ihm herumtrampelten und ihn mit Füßen traten. Einer trat ihm zweimal unter fürchterlichen Flüchen mit dem Stiefelabsatz aus den Kopf. Plötzlich verbreitete sich ein Ge- flüster und Alle wichen erschreckt zurück. Einer von ihnen gab ein Zeichen, das Gas wurde abgeschraubt, und wie durch Zauberei war der Saal geräumt. Als das Licht wieder angezündet war und ich zu Josua ging, um ihn auszuheben— war er tobt. Mehr weiß ich nicht— nur das: der Mann, welcher so genau und gewissenhaft wie kein anderes menschliches Wesen, das mir bekannt ist Christus nachgelebt und die Vorschriften des Christenthums, soweit sie allgemein menschlich sind, befolgt hat; der sich der Menschheit geweiht uns seine ganze Kraft der heiligen Sache gewidmet hatte; der gegen Jeden liebevoll, nachsichtig, mitfühlend gewesen,— dieser Mann war von der christlichen Ocdnungspartei getödtet und sein Andenken gebrandmarkt worden, einestheils als das eines blutdürstigen Revolu- tionärs von Handwerk, den nur die gerechte Strafe für seine Verbrechen ereilt habe, anderntheils als das eines eingebildeten, unreifen, ketzeri- schen Schwärmers, der Gott beleidigt und den wahren Glauben geschäm det. Nun- ganz dasselbe ist auch Christus, ist auch den ersten Christen, ist üdelhaupt allen Kommunisten und Reformern aller Zeiten von dem gebildeten und ungebildeten Pöbel nachgesagt worden Die Welt hat stets ihre Besten verleugnet, wenn sie kamen, und jede Wahrheit ist noch in blutigen Boden gepflanzt und bei ihrer ersten Ausbreitung mit Lügen überschüttet worden. So laßt sie denn ruhen, unsere Märtyrer, welche die Welt noch nicht kennt, ebenso wenig wie sie vor achtzehnhundert Jahren den gekreuzigten Kommunisten von Galiläa kannte,— ihn, der mit den Enterbten wohnte die Ausgestohenen zu seinen Freunden machte vnd gegen die Heuchelei. Fäulniß und Ungerechtigkeit der damaligen Gesellschaft predigte. oder. um in moderner Sprache zu reden, Haß und Verachtung gegen die Herr- schenden Klassen erregte und zum Umsturz des Bestehenden aufwiegelte. Der Tod meines Freundes hat mir eine Wunde geschlagen, die nie vernarben wird. Ich bin vereinsamt und von Zweifeln bedrängt. Nicht blos der F r e u n d fehlt m.r, auch der R a t h g e b e r. an dessen sicheres itvtbeil icb mich anlehnen konnte. Ich stehe wieder vor der alten, quälen- �raoe' Hat die christliche Welt Unrecht, oder ist die Verwirklichung des Cbrsstenthums in Staat und Gesellschaft unmöglich? Ich sehe Menschen, die sich-rnst und aufrichtig der Sache der Menschheit geweiht, enalische Polizeidiener spolioom»,,. Konstabler) trägt als Waffe dleiaesüllten Stab(ataff, trunobeon), eine Art„Todt- eine Fata Morgan«, eine Lügenprophetie ist. Die geistlichen Präsides und Laien-Patrone der Bereine werden dann diese Schristen, je nachdem sie geschrieben, theils verbreiten, theils als Material zu ihren volks- thümlichen, packenden Vorträgen an den Bereinsadenden benutzen. Hand an's Werk, ehe es zu spät!" So der praktische Seelsorger. Wir aber sagen: Nur zu! Werft„volksthümliche Schristen", foviel als ihr nur könnt, unter die Arbeiter! Uns kann es recht sein. Denn den Kommentar zn euren„Beweisen", den liesern wir! — Spießbürger und Anarchist. In der„New- Jorker Volkszeitung" finden wir folgende sehr treffende Notiz: „In einer Berliner Korrespondenz der„N. J. Staatszeitung" sein liberales Philisterblatt. Red. des„Soziald.") jammert der Briesschreiber über die gewaltige Zunahme der sozialistischen Stiminen und erklärt dieselbe u. A. aus der schlechten Lage des Mittelstandes. Es heißt da: „Ja, in Wahrheit ist seine(des Mittelstandes) Existenz bedroht, denn er arbeitet durch die Bank mit einem privaten Defizit, und wenn einmal der Krach ausbricht, wird sich die lügenhaft« Hohlheit der gesellschaftlichen Verhältnisse auf breiter Basis zeigen. Eine dunkle Erkenntniß von der schwierigen Situation ist da, eine bedrückende Muthlosigkeit zeigt sich in steigendem Maße, und in der Verzweiflung haben sich Hunderttausende ver Sozialdemokratie in die Arme geworfen. Das ist es, was man hier in Deutschland nicht offen aussprechen darf, ohne in's Gefängniß zu wandern; was Sie auch lesen mögen, was man Ihnen auch schreiben mag, hierin liegt der einzige wahre Grund des überraschenden An- schwellens der Sozialdemokratie. Nicht neue Arbeiterbataillone sind es, welche die Schaaren verstärkt haben, es ist der ruinirte Theil des Mittel- standes, das verzweifelnde Bürgerthum, es ist der kleine Geschäftsmann, der sich der Sozialdemokratie zuwendet, weil es keine demokratische Partei mehr gibt. Im 6. Wahlkreise von Berlin, in welchem die großen Fabriken still stehen und ein Nothstand herrscht, gibt es gar nicht so viel stimmsähige Arbeiter, als für Hasenclever gestimmt haben; der große Sukkurs stammt aus den Kreisen der Händler, Kausleute, Agenten, auch, aber zum kleinsten Theil, aus dem niederen Beamtenstande." Wie sich doch die Extreme berühren! Oder vielmehr, wie sich bei solchen Gelegenheiten zeigt, daß viele sogenannte Extreme eigentlich im innersten Wesen verwandten Charakters sind. Genau dasselbe, was der korrespondirende Spießbürger der„Staatszeitung" sagt, sagt auch der Anarchist Most. Nachdem er sich mit seinen Voraussagungen und Wünschen bezüglich des Ausfalls der deutschen Reichstagswahlen unsterblich blamirt hat,— wenn ihm in dieser Beziehung überhaupt„noch etwas zu thun übrig bleibt"— sucht er sich jetzt damit herauszureden, daß er die sozialdemokratischen Wähler als Spießbürger verdächtigt. „Und in der Verzweiflung haben sich Hunderttausende der Sozial- demokratie in die Arme geworfen"— klagt der„Staatszeitungs"- Korrespondent. Als ob nicht der ganze Gang der Entwickelung darauf hindrängte. Als ob nicht die sozialistische Kritik des Kapitalismus genau vorausgesagt hätte, daß diese Zertrümmerung des Mittelstandes eintreten muß! Als ob die Verstärkung der sozialistischen Heere picht den Sieg um so gewisser machte, das Ende des Kampfes um so näher brächte! Daß in jenen Aussprüchen des Anarchisten und des Spießbürgers starke Uebertreibungen enthalt sind, versteht sich von selbst. Von den neu gewonnenen Hunderttausenden von Stimmen gehört sicherlich ein gewaltiger Theil den Lohnarbeitern an, den Rest allerdings den in's Proletariat herabsinkenden Kleinbürgern. Und in dieser Thatsache, die so naturnothwendig und so siegverkündend für die Sozialdeiiiokratle ist, suchen Spießbürger wie Anarchist— Trost. Heilige Einfalt!" —„Gemeinheit« n." Mit berechtigter Entrüstung wendet sich die Berliner„Kreuzzeitung" gegen die— beiläufig ofsiziösenl— „Berliner Politischen Nachrichten", die es für„angezeigt" gehalten haben, „aus dem„Königlich westfälischen Hos- und Staats- Kalender" vom Jahre 1812 eine Reihe altadeliger Familien her- auszusuchen und liamentlich anzusühren, von denen einzelne Mitglieder am Hofe Jerome's Dienste gethan haben. Indem das Blatt diese Männer als„abenteuernde Glücksritter ohne einen Funken von Mannes- würde und nationaler Gesinnung" bezeichnet, knüpft es daran die Schluß- folgerung,„daß man„aus die Enkel dieser Renegaten" nicht anders als mit dem„Gefühl des tiefsten Mißtrauens" blicken könne.— „Entgegen der mehrfach verbreiteten Anschauung," schreibt darauf das Organ der Mucker- und Krautjunkerpartei,„als ob die„Berl. Polit. Nachr." ein hochoffiziöses Organ seien, welches seine Inspirationen unmittelbar von maßgebender Stelle empfange, haben wir es oftmals hervorgehoben, daß die häufigen Taktlosigkeiten dieses Blattes deutlich erkennen liehen, wie es seine„Informationen" lediglich auf den Hintertreppen und in den Bedientenstuben der Ministerhotels einhole. Wer die Richtigkeit unserer Auffassung bisher auch bezweifelt haben mag, heute wird er uns Recht geben. Denn Niemand wird es für möglich halten, daß man es an maßgebender Stelle für opportun halten könnte, in jetziger Zeit die Anregung zu geben zu einer eingehenden Erörterung der Geschichte der Rheinbundszeit mit allen sich daran knüpfenden politischen und persönlichen Reminiszenzen, und Jedermann wird überzeugt sein, daß mit einem Blatt, welches gegen eine ganze Reihe altadeliger Familien, deren Mitglieder zur Zeit in der Armee wie im Zivildienst in hochangesehenen Stellungen sich befinden, sich der gemeinsten Angriffe schuldig macht, deutsche Behörden keine Ver- und höre, daß sie von der Menschheit verdammt werden. Ich seht Andere, die ernst und ausrichtig für die christliche Lehre sind, aber in Tobsucht verfallen, wenn diese Lehren zur That werden. Diese eifrigen Christen denken nicht nur nicht daran, die Ursachen des Elends unt Verbrechens durch Aenderungen in den sozialen Verhältnissen zu beseitigen nein, sie bekämpfen und verfolgen Jeden, der Elend und Verbrechen aus der Welt zu schaffen bemüht ist,— sie stempeln ihn zum Feind dei Ordnung, der Sittlichkeit, und brüllen das Kreuzige! Kreuzige! mit der unduldsamen Wuth, wie vor achtzehn Jahrhunderten die Vertrete, der herrschenden Klassen in Jerusalem. Sie reden von der Gleichheit der Menschen vor Gott, nennen ihr« Mitmenschen„Brüder in Christo", wer aber die Lehren der Gleichheil und allgemeinen Brüderschaft, für welche Christus und seine Apostel ge- lebt haben und gestorben sind, ins Leben einführen will, den erklären sie für einen Anarchisten, einen Hochverräther, und denunziren ihn wo- möglich d:r Polizei oder dem Strafrichter. Was bedeutet dies Alles? Wie soll ich mich aus diesen Widersprüchen herausfinden? Wenn di« Lehren der bürgerlichen Oekonomie wahr sind, wenn der unerbittliche durch nichts gemilderte Kampf um's Dasein, der Krieg Aller gegen Alle die Ausbeutung, Unterdrückung, Todtschlagung des Schwachen durch den Starken, unablösbar zur menschlichen Gesellschaft gehört, gut, dann sei man wenigstens so ehrlich, zu gestehen, daß das Christenthum mit seinen Gebot der Unterstützung des Armen und Schwachen, mit seiner Barin Herzigkeit und unterschiedslosen Menschenliebe eitel Narrethei war; unt lasse den heuchlerischen Schein eines Glaubens fallen, der weder unser« staatlichen noch unsere gesellschaftlichen Einrichtungen im Geringsten be- einflußt, und auch nach dem Willen der Herrschenden nicht beeinflussen soll. Wenn Christus Recht hatte, hat unser christlicher Staat unt unsere christliche Gesellschaft Unrecht; wenn die herrschenden Staats- unt Gesellschaftsgrundsätze wissenschaftliche Wahrheit sind, dann lehrte unt wirkte Jesus von Nazareth nicht nur umsonst, sondern verging sich auch gegen unabänderliche Gesetze. Wohlan, was i ch nicht kann, werden Andere zu Stande bringen. Die Zeit wird diese Widersprüche lösen. Die Erkenntniß bricht sich immer mehr Bahn, verbreitet sich in immer weiteren Kreisen. Ich schließe diese Erzählung mit den Worten, die Josua bei einer Gelegenheil kurz nach unserer Rückkehr von Paris zu mir sprach:„Meine Augen sind nicht scharf genug, den W e g deutlich zu sehen, aber klar und hell steht vor mir das hehre Ziel, dem Gerechtigkeit und Nothwendigkeil zudrängen: die Vermenschlichung des Staats und de, Gesellschaft, die allgemeine Verwirklichung des Menschheitsgedankens, des KommuniSmu s." V Die Erzählung ist von Frau Liebknecht aus dem Englischen über- tragen. Genosse Liebknecht hat sie für die Buchausgabe mit einer einleitenden Vorrede versehen. 5 bindung unterhalten können. Daß selbst Blätter wie die„Schlesische Zeitung" diese Gemeinheiten reprodutiren, bedarf keiner weiteren Kritik." Die„Kreuzzeitung" hat Recht. Niemand wird es„für möglich halten", daß man in„j e tz i g e r Z e i t" an„m a ß g e b e nder Stelle" so etwas für opportun hält. Denn wollten Andere dem guten Bei- spiel der„Berliner Politischen Nachrichten" solgen, und aus der Ge- schichte Belehrung holen über die Zuverlässigkeit, Ehrenhaftigkeit und Gesinnungstreue des gesammten preußischen und deutschen Adels, wie viel„Enkel" blieben dann noch übrig, auf welche man nicht mit dem „Gefühl des tiefsten Mißtrauens" blicken müßte." Die Herren haben eben Recht, wenn sie sür sich eine ganz besondere Gattung von Ehre beanspruchen. Die ist so fein, daß sie es nicht einmal verträgt, wenn man sie etwas scharf ansieht, und kann nur bestehen, so lange man den Betheiligten auf's Wort glaubt. Aber die„Berliner Politischen Nachrichten", sind sie nun offiziös oder sind sie es nicht? Sie sind es, lieber Leser. Und die Notiz, welche der Zorn der„Kreuzzeitung" erregte, ist nicht minder offiziös. Denn— sie richtet sich gegen einige Junker, die es gewagt haben, gegen den allgewaltigen Reichskanzler zu stimmen. — Soziali st ischePresse undLiteratur.„The Alarm, A socialistic weekly."(Der Allarm, ein sozialistisches Wochenblatt.) Er- scheint in Chicago, und wird von der— anarchistischen— Jnternatio- nalen Arbeiter-Assoziation herausgegeben. „V o o r u i t! Volksalmanak voor Noord- un Zuidnederland." sVor- wärts! Volkskalender für Nord- und Süv-Niederland.) 1885. Gent, F. Van Ggieghem. Neben den üblichen Kalendernotizen enthält der diesjährige Kalender unserer vlämischen Genossen einen einleitenden Artikel„Gerechtigkest", dessen Verfasser sich Rienzi nennt, eine treffliche Abhandlu.ig von F. Domela Nieuwenhuis„Soziale Reform oder soziale Revolution," einen Artikel über de.. Staatssozialismus in Frankreich aus der Jeder unseres Genossen Bertrand, einen Aufsatz über den Einfluß des ausländischen Getreides auf die belgische Landwirthschaft, verschiedene Artikel gemein- nützigen Inhalts, Gedichte(darunter ein Sonnet an Karl Marx), revo- lutionäre Sinnsprüche ic. ic. „Kl Partido Sooialiata Obrero ante la Comision de Informe sobre el esta lo y neoesidadcB de la clase trabajadora y las relaciones entre oapital y trabajo"(Die sozialistische Arbeiterpartei vor der Jnformationskommission über die Lage und die Bedürfnisse der Arbeiterklasse und das Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit.) Madrid, Fernando, Cao y Domingo de Val. Diese, im Namen unserer Madrider Genossen von I. Gomez Crespo herausgegebene Broschüre ist nicht mehr und nicht weniger als eine Dar- stellung der sozialistischen Bestrebungen vom marxistischen Standpunkt aus. Wir werden um Abdruck des folgenden Zirkulärs ersucht: „Da Question soriale. Revue der sozialistischen Ideen und der revolutionären Bewegung aller Lände r." Unter diesem Titel wird vom 1. Januar 1835 eine revolutionäre Zeitschrift in Paris erscheinen. Das Interesse des Publikums, das mehr und mehr sür die sozialen Ideen und Fragen wächst, scheint uns eine genügende Berechtigung zur Gründung einer Zeitschrist zu sein, deren Zweck die Popularisirung der sozialistischen Ideen und die Bekanntmach- ung der revolutionären Ereignisse bilden soll. Diese Zeitschnst ist unabhängig, frei von jedem Anschluß an irgend welche Fraktion, in welche die sozialistische Partei zerfällt. Vielmehr wird sie ihre Spalten Jedem offen halten, der darin seine Ideen enf wickeln will, und sie wird, ohne Unterschied der Schulen, Leitartikel über kollektivistische, kommunistische und anarchistische Theorien bringen. Sie wird die Hauptberechtigung ihres Bestehens darin sehen, genau und ausführlich vor Aller Augen darzulegen, wohin jede sozialistische Gruppe strebt, und die verschiedenen vorg.schlagenen Systeme in einer und derselben Publikation vorführen. Jedes derselben wird in ihr seine eigene persönliche Tribüne finden. Aber sie wird zu gleicher Zeit ein Organ des Kampfes sein gegen alle bestehenden Ungerechtigkeiten und gegen alle Vorurtheile. Um die Lektüre unserer Zeitschrist angenehmer zu gestalten, haben wir uns, trotz des niedrigen Preises, die Mitarbeiterschaft der kämpfen- den Sozialisten aller Länder gesichert, was uns ermöglicht, die Leser über die Bewegung und die sozialistischen Ereignisse aller Länder auf dem Laufenden zu erhalten. Außerdem wird diese Zeitschrift von Zeit zu Zeit Artikel in fremden Sprachen bringen. Sie wird anfangs einmal monatlich erscheinen, und wenn, wie wir es hoffen, der Erfolg den Bemühungen der Redaktion entsprechen wird, so wird es uns möglich sein, sie öfter erscheinen zu lassen. Wir wenden uns deshalb an Alle, die sich für diese Fragen inter- essiren und dieselbe gründlich kennen wollen. Die Administration der„Question sociale", 52 rue Monge, Paris, nimmt schon jetzt die Abonnementsbeträge entgegen. Die Abonnements- preise sino folgende: Jahresabonnement: sür Frankreich, Elsaß Lothrin- gen, die Schweiz und Belgien 3 Fr., für die übrigen Länder des Welt- postvereins 4 Fr. Einzelnummern kosten 25 Cts. P. S. Die erste Nummer wird eine Zeichnung enthalten: das Meister- werk Rude's:„Die Revolution." Korrespondenzen. Bremen, 12. Dezember. Wir sind jetzt noch in voller Thätigkeit, da wir uns zum ersten Nlale bei der noch Heuer stattfindenden B ü r- gerschastswahl betheiügen werden. Wir hatten diesmal einen äußerst schwierigen Standpunkt bei der R e i ch s t a g s w a h l; die Fortschrittspartei erschien nämlich zum ersten Rtale bei uns auf dem Plan, und zwar mit ihrem biederen Eugen als Kandidat. Das radikale Gebahrin desselben hatte für so Manchen den Reiz der Neuheit, und von dem sich freisinnig nennenden Kleinbürgerthum, welches früher zum großen Theile für uns stimmte, erklärten sich jetzt Viele für Eugen Richter. Wir haben aber, Dank unseren gewaltigen Anstrengungen, dennoch gegen 1881 um 264 Stimmen gewonnen. Ein Protest ist auch unserseits eingereicht; wir denken, er wird Erfolg haben.-!d- Westhavelland, 17. Dezember. Der nun beendete Wahlkampf ver anlaßt uns, den Genossen zu zeigen, daß wir in den verflossenen Jahren nicht unthätig waren. Durch das Jnsamiengesetz ihrer Organisation be raubt, nahm die Partei doch zu. Die Genossen standen fester denn je wals zusammen, alle gaben sich das feste Versprechen, treu und unent- wegt zur Fahne zu halten, das Aeußerste zu wagen im Kampf gegen die gesammte Reaktion und sür die Eroberung unserer heiligsten Menlchen- rechte. Wenn auch unsere Hofinungssreudigkeit nicht so stark war, daß wir uns einbildeten, unfern Kandidaten durchzubringen, so wollten wir doch durch eine achtunggebietende Stimmenzahl unserm Spießbürgerthum zeigen, daß wir es wohl verstehen, unter dem nichtswürdigen Gesetz iür das Parteiprogramm Propaganda zu machen. Bei dem Mangel eines Lokalkandidaten erklärte sich Genosse Hasenclever bereit, sür Westhavel- land zu kandidiren. Zu Anfang dieses Jahres sprach er in eine, von zirka 1600 Mann besuchten Versammlung über Sozialreiorm. Seme Schlußworte: Männer in den Reichstag zu schicken, welche bereit sind, sür die wahre demokratische Sozialresorin zu wirken, rief einen Sturm von Begeisterung hervor. Später wurden nun alle Vorbereitungen ge- troffen, den Kreis zu organisiren, damit wir zur Wahl schlagfertig seien. Auch die Freisinnigen rüsteten. Der Vertreter unseres Kreises, Bür- germeister Hammer, bekannt durch seine echt deutsche Freisinntgkeit bei der Abstimmung über das Sozialistengesetz, sprach in einer Vei samm- lung; doch furchtbares und anhaltendes Hohngelüchter begleitete seine Rede bis zum Schluß, so daß seinen Paiteisreunden das Herz in die Hosen rutschte und sie seine Kandidatur sall-n ließe». Tie Nationalmiserabeln, denen dieser traurige Held gefiel, waren empört, als Rickert ausgestellt wurde; sie stellten nun schnell selbst einen Kandidaten auf, und zwar den Generalschwadroneur Dr. Jerusalem. Seitens der Konservativen, welche, da der Kreis zirka 80 ländliche Gemeinden zählt, durchaus nicht zu unterschätzen sind, kandidirte Major K l e i st- B o r n st e d t zu Hohennauen. Die Vertheilung des Wahlmanifestes ging gut von Statten. 100 Mann waren bereit, in aller Eile Brandenburg und die im Umkreis von vier Meilen gelegenen Dörfer zu versorgen. Einer der Verbreiter wurde erwischt; Folge davon war ein Strafmandat in Höhe von 3 Mark wegen — Sonntagsentheiligung. Eines bedauerlichen Zwischenfalls in der Wahlbewegung müssen wir noch erwähnen, der viel böses Blut machte, und den die Gegner miß- brauchten, um über uns mit Hülfe der Lüge und Verleumdung herzu- fallen, und uns bei den Arbeitern, welche noch nicht aufgeklärt sind, an den Pranger zu stellen. Der Sachverhalt ist folgender: Jerusalem sollte seine Kandidatenrede halten, und die Arbeiter waren in Masse gekommen, um zu hören, ob der Jerusalemer Kohl verdaulich sei. Er trieb es aber zu toll. Seine Verherrlichung Bismarck's ging in's Aschgraue, und rief Eckel bei den anwesenden Arbeitern hervor. Er erklärte, für Alles zu stimmen, was Bismarck verlange, weil der Rei' skanzler Alles besser wissen muß. Nun hatte der Sturm seinen Höhepunkt erreicht, denn weiter ging's nicht. Die Versammlung wurde aufgelöst, und der Vor- sitzende ersuchte die Herren, welche dem nationalliberalen Verein ange- hören, sich um 9 Uhr im selben Lokal wieder einzufinden. Herr Jeru- salem wollte dann seinen Kohl weiter waschen. Bei dem furchtbaren Lärm blieben die Worte des Vorsitzenden unverständlich, die Meisten glaubten, die Versammlung ginge um 9 Uhr weiter, und da die Polizei die Räumung des Saales verlangte, machten zirka 2000 Mann auf der Straße Halt. Der Aufforderung der Polizei, nach Hause zu gehen, wurde nicht Folge geleistet, denn die Leute wollten alle bis 9 Uhr warten. Nun wurde Militär geholt, und mit aufgepflanztem Bajonett versuchten Polizei und Soldaten den Haufen zu iprengen. Einem dieser Polizei- schufte wurde der Degen entzwei gebrochen und ihm vor die Füße ge- worfen. Verhaftungen aus dem Haufen fanden nicht statt; Alles schei- terte an dem Widerstand, denn die Truppen wurden von der Menge mit Steinwürfen empfangen. Da zogen diese Ordnungsbanditen ab und postirten sich zirka 500 Schritt vom Versammlungslokal entfernt. Feig und hinterlistig nahmen sie dort an Unschuldigen Verhaftungen vor. Im Ganzen wurden 9 Mann arretirt, und einer wurde dnrch einen Bajonett stich im Rücken schwer verwundet. Dieser Vorfall wurde nun von unfern Gegnern in der schändlichsten Weise ausgebeutet; hauptsächlich war es die„Zeitung für W e st- Havelland", die lange Artikel über diesen Abend brachte, um unsere Organisation in unserm Wahlkreis zu ruiniren. Wir mußten vorläufig schweigen, und uns auf die bessere Ueberzeugung der Wähler verlassen, denn uns standen weder Presse noch Lokal zur Verfügung; überall wur- den wir kurz abgewiesen, weil die Polizei sich hinter jeden Lokalwirth steckte. Einer der Wirthe, Namens Knage— seine Doppelzüngigkeit gebührt der Oeffentlichkeit— stand nicht weit vom Ruin, er hatte uns das feste Versprechen gegeben, sein Lokal uns zur Verfügung zu stellen; wir unterstützten ihn daher so viel wie möglich. Als jedoch der Zeit- punkt näher rückte, hatte er plötzlich kein Lokal für uns und erklärte direkt: Ihr bekommt mein Lokal überhaupt nicht. Daß nun unserseits die Lokalsperre über ihn verhängt wurde, wird ein Jeder sür gerecht halten. So waren denn alle Bemühungen in dieser Richtung vergebens, und wir vertheilten ein zweites Flugblatt, um dem Arbeiter klar zu machen, was wir sind und was wir wollen. Jeder war gespannt auf das Re- sultat, auf Aller Lippen schwebte die Frage: Wie wird die Wahl aus- fallen? Mit um so größerem Jubel wurde die Nachricht begrüßt, daß wir in Brandenburg einen Zuwachs von 800 Stimmen hatten. Auch Rathenow hatte sich gut bewährt; wir hatten dort auch einen Zuwachs von 400 Stimmen. Im ganzen Wahlkreis hatten wir 3141 Stimmen erhalten. Trotzdem wir in den Städten einen schönen Vor- sprung hatten, kamen wir nicht in die Stichwahl; aber noch einen sol- chen Schritt wie in diesem Jahr, und Westhavelland gehört uns! Noch sei erwähnt, daß vom 11.-28. Oktober Regimentsbefehl war, daß stets zwei Kompagnien marschfertig und mit scharfen Patronen ver- sehen in der Kaserne anwesend sein mußten, um die Ruhe aufrecht zu erholten. Arme Philister! Bei der Stichwahl entschieden wir uns, aus taktischen Gründen für die Wahl Rickert einzutreten, weil wir eine Neu- wähl in unserm Kreis haben wollten, was uns aber fehlschlug. Wir haben dem liberalen Führer den Sitz im Reichstag verschafft; in drei Jahren werden wir Rechenschaft von ihm verlangen. Wir sind neu- gierig, ob auf ihn der Spruch Anwendung finden wird:„Er hat nichts gelernt und nichts vergessen! Genossen, die Agitation zur Wahl endete mit dem 28. Oktober; die neue zur Wahl begann am 29. Oktober. Reicht Euch brüderlich zum gemein- samen Wirken die Hand, und strebe Jeder darnach, daß endlich die Ar- beit ibren gebührenden Antheil erhalte an den Früchten, die sie erzeugt. Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will! Brennabo r. Minden, 9. Dezember. Am 18. Oktober starb unser Genosse Ernst Siebe, Kaufmann in Bückeburg, im Alter von 24 Jahren. Ehre seinem Andenken; denn als einziger Sohn eines bigotten Kaufmanns hatte er geschworen, bis zu seinem Tode für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu kämpfen, und er hat seinen Schwur gehalten. Er war der Einzige hier unter uns, der eine bessere Vorbildung genossen; er haPe schon ein Semester auf der Universität zugebracht, mußte aber seiner schwachen Konstitution wegen zurücktreten. Er war unermüdlich in der mündlichen Agitation. Kurz nach der schon bekannten Haussuchung erlag er einem Unterleibstyphus. Auch wir haben die Wahl mitgemacht und zwei Flugblätter verbreitet. Erstens das bekannte Manifest, und dann ein zweites, wovon wir ein Exemplar für das Archiv beilegen. Wir hatten 1881 247 Stimmen sür Frick, diesmal 672 Stimmen für A l w. Kerl in Bremen. Von New-Uork sind uns von dortigen Mindener Genossen 45 Mark zur Wahl zugegangen. Die Genossen. Dreödcn-Nenstadt. Mittwoch, 19. November, starb unser braver Genosse und Freund, Robert Breitbarth, Schriftsetzer, im Alter von 31 Jahren an der Schwindsucht.*) Wir verlieren in ihm einen tüchtigen Mitstreiter um die Rechte der Proletariats. Bis zum letzten Athemzuge blieb er der Sache des arbeitenden Volkes treu; noch an dem Wahltag, den Tod auf den bleichen Wangen, ging er zum Wahl- lokal, um seine Stimme für den Arbeiterkandidaten abzugeben. Seit dieser Zeit verließ er das Krankenbett nicht wieder, bis der Tod seinem Leben ein Ende machte. Sein letzter Wunsch, unter Betheiligung der Genossen an einem Sonn- tage begraben zu werden, wurde ihm erfüllt; trotz des fürchterlichen Schneegestöbers gaben ihm weit über tausend Genossen das Geleite zur letzten Ruhestätte, jeder von dem Wunsche beseelt, die Lücke, welche der Tod unseres Genossen gerissen, auszufüllen, die Reihen enger zu schließen, um vereint mit doppelten Kräften auf den Kampsplatz des Proletariats weiter zu kämpfen, brs der Sieg unser ist. Leicht sei ihm die Eide, Ehre seinem Andenken! *) Einen kurzen Nachruf, der unS von anderer Seite zugegangen, brachten wir bereits in vorletzter Nummer. Die Red. Partei-Archiv. Für das Partei Archiv gingen ein: Von A. L>. v. Jhmis, Httgn.: 1 Die deutsche Arbeiterpartei, ihr Prinzipien und ihr Proaramm. 1 Philimund: Kunst und Sozialismus. 1 Demokratie, Sozialismus und Christenthum. 1 Deutscher Aibeiter-Kalcnder 1875. 1 Albert Küster: Offener Brief an den Reichstagsabgeord» neten Most. 1 Verfassung des deutschen Reichs von 1849. 12 diverse Broschüren. Aus Verviers: I Sociali»me utopiquo. „„ 1 Discour» de M. Uefaisseaux. „ Elberfeld: 1 Brief Lassalle's. Bon drei Parteigenossen von O h l a u:„Ohlauer Kreis- und Stadt« Blatt" Nr. 81—86, einen Artikel enthaltend:„Das soziale Königthum. Eine Ahnung Lassalle's." „Die Wahrheit" Nr. 33. Wochenausgabe von 1877. Diverse Nummern der„Wahrheit" von 1878. „Der Wanderer" von F- W. Fritzsche Nr. 3—33 1379(Nr. 1 und 2 fehlt.) „Schlesischer Erzähler" 1879—80(komplet). „Breslauer Tageblatt" 1878(komplet). „Freie deutsche Warte" Nr..19— 23. 5 Nummern der„Berliner Freie Presse" 1878. „Der Botschafter" von F. W. Fritzsche 1878(inkomplet, I NuM« mer von 1877). 1 Die Begräbnißfeier Johann Jacoby's zu Königsberg i. Pr. am II. März 1877. 1 Petition der Cigarrenarbeiter Deutschlands an den deutschen Reichstag. Bautzen 1878. 2 Das Tabakmonopol. Vortrag des Direktors Goldschmiez, ge« halten zu Brieg i. Schl. 1 Beilage zum„Deutschen Reichs-Blatt", enthaltend ein Gedicht: Am Feierabend. 1 Die deutsche Fortschrittspartei. Das Verbot des deutschen Tabakarbeitervereins(Original). Das Verbot der Zentral-Kranken- und Sterbekasse des deutschen Tabakarbeitervereins.(Original). Nebst Quittung von der Ohlauer Polizeiverwaltung über die beschlagnahmten Gelder. Eine Aufforderung des Zenttalvorstandes, hiezu gehörig. 1 Statuten des Arbeitervereins zu Koburg. 1 Lohn und Leben der Breslauer Eisenbahnarbeiter von Julius Kräcker. 1 Festprogramm vom Altonaer Volksverein vom 21. April 1878 1 Wilhelm Bracke st.# 1 Der Narren-König. 1 Petition an den deutschen Reichstag gegen Einführung des Tabakmonopols nebst dazu gehörigem Aufruf. 1 Probenummer des„Koburger Volksfreund" 1877. 1 Denkschrift an den Arbeiterkongreß zu Stuttgart(Pfingsten 1870). 1 Organisation derSozialdemokratischen Arbeiterpartei. 1 Programm der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. 1 Der jüdische Referendarius. Separatabdruck der„Wahrheit". 1 Stichwählers Lied.(Dresden. Bebels Wahl 1881.) 2 Flugblätter gegen Hasselmann. 1 Offener Brief an die Wähler des I. Breslauer Reichstags« Wahlkreises von W. Hafenclever. 7 gegnerische Flugblätter, zum Theil doppelt. 6 Partei Wahlflugblätter und 1 Plakat zur Wahl 1884 in Ohlau. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung. Huittvng. Hocherfreut durch die Wahlsiege unserer hart und viel geprüften Ge- «offen in Deutschland, fühlen auch wir uns verpflichtet, an die Opfer der heutigen scheußlich göttlichen Weltordnung zu denken, indem wir für unsere gemaßregelten Genossen 1 Pfd. Stlg.(Fr. 25 20) senden mit dem Ruf: Tod der Tyrannei! Es lebe die soziale Revolution! London, 11. Dezember 1884. Die ungarische Sektion des Kommunistischen Arbeiter-Bildungsvereins in London. Briefkasten der Redaktion: Ludwig II.: Gedichte ron Frank W. richttg ein« getroffen. Sollen mit Dank benutzt werden.— Ahasverus: Bries erhalten und mit großem Interesse gelesen. Antwort baldigst.— Rathenow und VI. sächsischer Wahlkreis: In nächster Nummer. der Expedition: T. v. M.: Mk. 75— Ab. 3. Qu. erh. Bfl. Weiteres.— Heinrich: öwfl. 15— und Mk. 10— ä Cto. Ab. ,c. nebst Ggrchg. gutgebr. Ausführlicher Bericht erbeten.— Morgenroth N.: Mk. 10— ä Cto. Schrst. gutgebr. Bstllg. folgt.— Teufel Aa.: Fr. 4 50 f. Schst. erh. Bstllg. abg.— S. G. Mbg.: Mk. 5— ä Cto. Ab. und Schft. gutgebr. Sdg. fort.— Deutsche für Bismarck: Fr. 4— pr. Ufd. dkd. erh.— H. I. Forest: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh. Alles pünktlichst abges. Irgend ein deutscher Postdieb fingert aber seit einiger Zeit an unseren Transitstbändern. Ersatz folgt auf sicherer Route.— Z. M. Z.: Mk. 5 70 Ab. Nr. 49 bis Ende März 85 erh.— I. Schuler, Sa» Francisco: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh. Nachlfrg. fort. Papiergeld chacgo angenehm, Weiteres pr. P.-K.— A. F. Chs. Jslington: Fr. 1— pr. Dez. erh.— C. W. Brnn.: öwfl. 2 78 Ab. 1. Qu.„Arbst." und„S.« D." erh.— C. A. B. V. London:(Pfd. St. 2—) Fr. 50 40 pr. Wfd. und(Pfd. St. 8—) Fr. 201 60 ä Cto. Schft. dkd. erh. Bstllg. abg.— Gr. i/M.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh.— R. H. 4; Gewünschtes folgt bei 52.— A. Schndr. Glsgw.: Fr. 37 80 a Cto. Schft. erh. Bstllg. fort.— Clautus: Mk. 125 10 ä Cto. erh. Bs. erw.— I. R. Moos: 50 Cts. Porto erh. Weiteres besorgt.— Rother Kaplan: Mk. 4 30 Ab. I.Qu, und 70 Pfg. Agfd. dkd. erh.— Hansen: Mk. 120 Ab. ab Mitte Nov. rc. erh. Wer Auskunst geben kann über den Aufenthalt des Josef Kaufmann, Schneider aus Deutsch-Böhmen, ist gebeten, dieselbe gelangen zu lassen an 1 00) W. S v a t y, 735 7. Street St. Louis(Amerika). Donnerstag, 25. Dezember, Abends 5 Uhr, auf der ZWIIU; Bsirgliterrasfe: Weihnachtsfeier der deutschen Soziatisten bestehend in: Gesang, Festrede, Deklamationen, Gabenverloosmig. Anfang: 5 Uhr. Entree: 20 Cts. Es ladet hiezu freundlichst ein Das Festkomite. U Commun. Arb.-Bildangs-Verein 49 Tottenham Str. Totteaham Court Road W. Das Clublokal ist für Mitglieder und zureisende Genosteu geöffnet täglich von Morgens 9 Uhr bis Abends 12 Uhr. Zureisende Genossen werden ersucht, auf unsere Adresse genau zu achten. "Wir bitten die betr. Genossen in Deutschland, uns je ein Exemplar von allen während der letzten Wahlperiode zur Vertheilung gelangten Flugblättern zu übermitteln, um das für uns hier wichtige Material unserer Bibliothek einverleiben zu können. Der Vorstand. Ssziakistisihe ArveiterpartN Amerika. Sektion Rew-Aork. Sitzung des Zentralkomites jeden Freitag Abends 8 Uhr in Lincoln ball, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Nähere? siehe „New-Uorker<>olkszeitung", besonders Freitags und Samstags. Schweizerische GenossenschaftS-Buchdruckerei Hottingen-Zürrich.