Krscherut WSch ertlich etn«al in Zürich(Schweiz). Merkag der >»lr»duchhandl«tsg Hottingen- Zürich. p-iseudUllZt» srank» gegen franko Gewöhnliche Briefe Nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMldcmckrat >entral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden hei asten schweizerische« Bofiburtouj, sowie beim Verla, und dessen bekannien A reute» entgegengenommen, und zwar zum voran»> ahlbaren Vierteljahripreiz von Fr 2— sür die Schweiz llkrcuzbands Mk Z— sllr Deutschland(llouvcry st. 1.7» sür Oesterreich lCouvertj Fr. 2 50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereinsband> Zstskrate die dreigespaltene Petitzellt 25 Pi. 20 Psg. 1 Donnerstag, 1. Januar 18S3 Avis an die Abonnenten und.Korrespondenten des„Soziakdemokrat." Da der.S-zialdemokra,- sowohl in Deutschland al» au« in Oesterreich verboie» ist. bezw verfolgt wird und die dortigen �«Hörden fich alle Mühe geben, unser- Verbindungen nach jenen Ländern möglich» zu eischw-r-n, resp Briese von dort an un» und unsere Zeitung»- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorstcht im stostverkehr nothwendig und diirs keine VorfichiSmaßregel versäumt werden, dl-«riefmarder über den wahren»bsender und Empsänger, low» den Inhalt der Sendungen zu täuschen und letzter- dadurch zu schützen hauptersordernitz ist hi-zu einerseits, daß unser« Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat'� resp d-ffen Verlag selbst adrestiren. sondern flch möglichst an irgend«Ine unverdächtig« Adresse außerhalb Deutschland» und O-sterr-ich» wenden. welche stch dann mit UN» in Verbindung setzt; anderseits aber da» auch UN» möglichst unverfängliche ZustellungSadresien mitgeiheilt werden, z» zw-is-lhaft-n Fälle» empfiehlt stch behus» größerer Sicherheit Rckommandirung. Soviel an uni liegt, werden wir gewiß weder Müh- noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen» stehenden Schwierigkeilen den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Unser» auswärtigen Abonnenten, Filialen, Vertrauensleuten tc. legen wir ans Herz, A b- kechnungen und Abonnementserneuerungen, soweit noch llicht erfolgt, ungesäumt zu bewirken, ebenso wollen alle A b o n- »inten au unsere Vertrauensleute unbedingt während des Arsten Monat« im Quartal Zahlung leisten, damit keine Unter- Eichung in der Lieferung eintreten muß. Unsere Bertrauensadressen sind bekannt. Alle Lieferungen erfolgen nur auf Gefahr der Besteller. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen. Größere Beträge in Papiergeld oder Post-Einzahlung. Da viele auswärtige Besteller, besonder« in Deutschland, sowie Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenllgeudsra- iren, Wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entliehen, so bemerken �ir hiemit wiederholt: Einfache Briefe(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz kosten: an« Deutschland(und dem übrigen Ausland). 20 Pfg. an« Oesterreich-Ungarn....... 10 Krz. Bei schwereren Briefen kosten immer je15Grammweitere20Psg., bezw. 10 Ärz. Die Tenoffeu wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, al« U>ir ungenügend frankirteu Sendungen in der Regel �ie Annahme verweigern müssen. Die Expedition. Zum neuen Jahr. Ein Jahr des Kampfes liegt hinter unS, und als ein Jahr �ts Kampfes begrüßen wir das neue Jahr. Kampf, Kampf und abermals Kampf— das ist die Devise unserer Bewegung. Kampf gegen die Tyrannei in jeder Gestalt: gegen poli- iischc Unterdrückung, gegen wirthsch aftliche Verskla- dung, gegen die Knechtung der Geister. Solange auf einem dieser Gebiete der Feind die Macht in Händen hat, solange hat er sie auch auf allen. Eine Tren- Uung ist hier nicht möglich— fie hieße ein Aufgeben unseres !lohen Zieles: die freie, auf den Grundsätzen der Gleichheit und Tolidarität errichtete Gesellschaft. Solange eine Klasse noch die politische Herrschaft über die �illsse de» Volkes in Händen hat, wird fie auch dafür sorgen, wirthschaftlich in Abhängigkeit zu erhalten, und solange die Renschen noch wirthschaftlich von ihren Nebenmenschen abhängen, Verden sie, auch unter der freiesten Verfassung, politisch geknechtet Irin. Und solange die Wissenichaft, die Erkenntniß, Privile- Üium einer Minderheit ist, solange die Menschen nicht geistig frei sistd. werden sie Knechte sein— gleichviel wessen. In dieser Universalität(Allgemeinheit) unseres Kampfes liegt Unsere Stärke. Es ist unS zwar schon oft vorgehalten worden, daß wir mehr �reichen, Größeres erzielen könnten, wenn wir uns zunächst auf die eine Seite unserer Forderungen beschränken wollten. Mancher, der. hieß e«, mit unserem wirlhschastlichcn Programme sympathifire, d'erde durch unsere politische Stellung abgeschreckt und dergleichen. �lber es hat sich noch meist herausgestellt, daß diese halben freunde der Sozialdemokratie in kritischen Momenten zu halben feinden derselben wurden, und— ein halber Feind, der ichlimmste Feind! Wer die politische, die geistige Befreiung der Arbeiter nicht U>ill, dem kann eS auch mit ihrer wirthschastlichen Emanzipation uicht ernst sein. So sihen wir denn auch, trotzdem es an„Arbeiterfteundcn" 'eilte durchaus nicht mangelt, trotzdem fast alle Parteien in So- iialpolitik machen, die Lage der arbeitenden Klassen fich keines- U>egs heben. Wohin wir den Blick auch wenden: in der bürgerlichen Re- dublik Frankreich, im konstitutionell-parlamentarischen Musterstaat England, im monarchischen Föderativstaat Oesterreich, im absolu- Ustisch-zentralistischen Rußland, in Preußen- Deutschland, dem �ande des sozialen Königthums— überall sehen wir Roth und Elend unter den arbeitenden Klassen zunehmen, überall vernehmen �»ir von Herabsetzungen der Arbeitslöhne. Billiger arbeiten, �utet die Parole, nur wer die billigsten Waaren auf den Markt !>hleudert, kann im Konkurrenzkampf bestehen. Lchnreduktion— wißt ihr, waS das für den Proletarier -«ißt? Welche Summe von Entbehrungen, Jammer und Elend °>tseS schreckliche Wort bedeutet? O wenn ihr wirkliche Freunde de» Arbeiter» wäret, ihr müßtet es wissen! Ihr seid ja doch sonst so gute Rechenmeister, versteht euch darauf, Budgets zusammenzustellen, und ihr solltet c» nicht wissen, waS es heißt, statt mit dem Jammerlohn von 3 Mark mit dem Hungerlohn von 2 Mark Frau und Kinder ernähren zu müssen? O ihr könnt eS ivissen, aber ihr wollt eS nicht wissen. Bei der Lohnstage hört eure Arbeiter. freundschaft auf. Ihr sprecht von sozialen Reformen, von Arbeiterversicherung und allem Möglichem, aber die einzige Versicherung, welche der Arbeiter braucht, das ist die Veistcherung gegen die Hunger- peitsche, und anstatt da einzusetzen, seid ihr ängstlich bemüht, dafür zu sorgen, daß der Arbeiter noch widerstandsloser dieser furchtbaren Geißel preisgegeben wird. Jndcß, die klassenbewußten Arbeiter lassen.ich nicht täuschen. Alle Versuche, sie durch Polizeidruck einzuschüchtern und dann durch süßliches Pfaffengeschwätz zu kirren, find fehlgeschlagen. Sie haben den poliieilichen Chikanen muthigen Widerstand geleistet und die Bauernfänger in Talar mit Hohn heimgeschickt. Am 21. Oktober dokumentirten nahezu 600,000 Arbeiter in Deutschland, daß sie von den Halben, wie dieselben sich auch nennen mögen, nichts wissen wollen, sondern nur die Ganzen— die geächteten Sozialdemokraten- als ihre berufenen Vertreter an« kennen. Es ist nicht kurzsichtige Ucberschätzung, nicht nationaler Dünkel, nicht eitle Selbstverherrlichung, wenn wir behaupten, daß der Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie das bedeutungsvollste Ereigniß des Jahres 1884 war. Selbst die Gegner, welche doch sonst durchaus nicht schüchtern find, we»n es gilt, unsere Erfolge zu verkleinern, konnten sich der gewaltigen Wucht dieser Thatsache nicht entziehen, und ge- standen es zu, daß die Sozialdemokratie, die in Acht und Bann gethane Umsturzpartei, einen glänzenden Sieg errungen. Und auch der allmächtige Reichskanzler, der Schöpfer des infamen Ausnahmegesetzes, mußte die eklatante Verurtheilung feines Werkes konstatiren. Er, der Minn der Erfolge, war es, der in der erregten Sitzung vom 15. Dezember die Worte her- vorstieß: „Sie find jetzt eine starke und wachsende Partei,... der ich im Großen und Ganzen nicht so feindlich gegenüberstehe, daß ich hier auf Rohheiten mit Rohheiten erwidern möchte." Wir konstatiren diese Thatsachen mit Genugthuung, fie sollen uns Muth geben zu unentwegter Fortsetzung des Kampfes. Denn so hoch man nun diese Triumphe auch anschlagen mag, darüber wollen wir uns nicht hinwegtäuschen, daß, was bisher geleistet wurde, gering ist im Verhältniß zu dem, wa» noch geleistet werden muß, daß die Hauptarbeit noch vor unS liegt. Hat auch das kräftige Auftreten der Sozialdemokratie Zweifels- ohne manchen Schlag verhindert, der sonst gegen die deutschen Arbeiter geführt worden wäre, ist fie auch die Veranlassung, daß die herrschenden Klassen überhaupt anfangen, fich mit der Frage der sozialen Reformen zu beschäftigen, so find doch diese Reformen bisher so jammervoller Natur, daß, wie wir oben zeigtm, und was jeder Arbeiter selbst fühlt, sie den Kern de? UebelS gar nicht berühren. Die Heuchelei ist ein Kompliment an die Tugend, sagt ein französisches Sprichwort. Man kann in gleichem Sinne sagen: Die Sozialreform ist ein Kompliment an den Sozialismus. Aber dem hungernden Arbeiter ist mit Komplimenten nicht ge- dient, er will, er muß reelle Thaten sehen, die ihm wirklich helfen. An Gelegenheit zu helfen fehlt eS nicht; wird sie nicht benutzt, nun, so wird den Arbeitern kein anderer Schluß übrig bleiben, als daß, so deutlich die 600,000 sozialdemokratischen Stimm- zettel auch gesprochen, diese Sprache für gewisse Leute immer noch nicht deutlich genug war. Gleich in den ersten Wochen des neuen Jahres werden fich der deutsche Reichstag und die deutsche Reichsregierung darüber zu erklären haben, ob fie daS infame Ausnahmegesetz, welche? nun seit sechs Jahren die deutschen Arbeiter der Polizeiwillkür unterstellt, aufrechtzuerhalten gedenken; noch in der ersten Session weiden fie Stellung zu nehmen haben zu der Frage eines wirk- samen ArbeiterschutzgesetzeS. Wir werhen dann sehen, inwieweit die Herren die Zeicher. der Zeit verstehen gelernt. Vorläufig scheint es, als setze man in gewissen Kreisen Alle« daran, die Augen von den miserablen Zuständen im Innern auf die auswärtige Politik zu lenken, wo die deutsche Diplomatie ja die wunderbarsten Erfolge erzielt. Vielleicht schwebt auch irgend ein„glorreicher Krieg" in der Luft, der die Aufmerksamkeit der Menge in Anspruch nehmen soll. Wenn fich aber die Bourgeoisie mit diplomatischem und sonsti- gem Ruhm abfüttern läßt, die Sozialdemokratie wird sich durch solche Künste ebensowenig beirren lassen als durch die bisherigen Versuche, sie einzuschläfern, fie wird fich vielmehr durch sie nur veranlaßt sehen, doppelt auf der Hut zu sein. Jedenfalls treten wir in das neue Jahr mit dem Bewußtsein ein, daß wir keine Ursache haben, auf unseren Lorbeeren auSzu- ruhen, sondern daß die größere Kraft unS zu größeren Leistungen verpflichtet; und mit dem festen Entschluß, Alles zu thun,«a» in unseren Kräften steht, um unsere Sache zum Siege zu führen, und nichts zu unterlassen, was die Interessen der Arbeiterklasse erheischen. Und darum bleibt unser Neujahrsgruß an die Genossen nach wie vor: Glück auf zum Kamps! Zum Dynamit-Prozeß„Reinsdorf und Genossen". Aus Leipzig schreibt uns unser dortiger Korrespondent: Der neueste, natürlich aber, wenn es iin lieben Polizei-Deutschland so fortgeht, nicht letzte„Hochverrathsprozeß" ist glücklich beendigt; Dank der sorgsamen Leitung sind unangenehme Enthüllungen so ziemlich vermieden worden— drei der Attentäter sind pflichtschuldig und„von Rechts wegen" zum Tode verurtheilt worden, und da die Haupt- und Staatsaktion sonst des nöthigen Rimbus entbehren würde, so wird auch unzweifelhaft mindestens einer der Verurtheilten durch Henkershand um einen Kops kürzer gemacht werden. Und was sind die Handlungen, die dem Prozeh zu Grunde liegen? Ein so„monströses Verbrechen", wie man es nur denken kann— wenn die vom obersten Gerichtshof durch sein Urtheil sanktionirten Behauptungen der Anklage richtig sind. Der deutsche Kaiser sammt etlichen Dutzenden anderer Potentaten und Hochwürdenträger sollten bei einer festlichen Gelegenheit, welche diese vornehme Gesellschaft zusamnienführte, durch Dynamit in die Luft gesprengt und in Atome zerrissen werden. Das Attentat, durch welches die Hinrichtung Alexander's II. bemerk- stelligt wurde, war Kinderspiel dagegen— immer vorausgesetzt, daß die durch den Urtheilsspruch bestätigten Angaben der Anklage r i-ch t i g sind.— Allein merkwürdigerweise haben die Verhandlungen dieses Schauer- proz-sse», heftigster Anstrenguugeu der Presse, im Publikum durchaus keinen Schauer hervorgerufen. Freilich, das„monströse Verbrechen" der Reinsdorf und Genossen ist nicht zur vollendeten Ausführung gelangt— keinem gekrönten oder un- gekrönten Menschen ist ein Haar gekrümmt worden. Indessen das erklärt die relative Gleichgiltigkeit des Publikums nicht. Der Grund ist ein anderer. Er liegt in der Persönlichkeit der„Verbrecher". Das sind keine Männer geschnitzt aus dem Holz der russischen Nihilisten, jener todesmuthigen, opferfreudigen Helden, die init konzentrirtem, zielbewußtem Willen unbeugsam, unaufhaltsam den Weg der Pflicht wandeln, den Schuldigen zu treffen wissen, wie mächtig auch immer er sei, wie sorg- faltig er sich auch behüten möge. Muth, Wille und Zielbcwußtheit— das ist es, was die Nihilisten ihren Feinden und den Feinden des Volkes furchtbar gemacht, die Ge- walthaber in Angst versetzt, den Gedankenlosen zitternde Ehrfurcht, den Klar- und Edeldenkenden Bewunderung eingeflößt hat. Sind diese Eigenschaften bei Reinsdorf und seinen Genossen zu finden? Zunächst sei eine Art Ehrenpflicht erfüllt, indem ich feststelle, daß der Prozeß die gegen Reinsdorf erhobene Beschuldigung, daß er Agent der Polizei sei, nicht als wahr erwiesen hat. Im Gegentheil, sie haben— meiner Ueberzeugung nach- ihn nach dieser Richtung hin gereinigt. Wo aber ist der Muth, der Wille, die Zielbewußtheit? Im Moment der Aktion wird Reinsdorf stets krank; er schickt Andere vor. Im Gerichtshof legt er sich auf's Leugnen, bis er sieht, daß das Leugnen nichts Hilst, weil er von allen Seiten umgarnt ist. Von energischem, klarem Willen keine Spur. Eitel, konfus, spielt er eine Rolle, und erblickt sein Ideal darin, eine Romanfigur zu sein, die von Köchinen angestaunt und von Käskrämern ernstgenommen wird. Er ist der Verschwörer, wie er im Buch steht, wenn auch nur im P o l i z e i b u ch— der Verschwörer nach dem Geschmack der S t i e b e r und M a d a i, den das blödeste Polizeigenie durchschaut, und der nur Denen gefährlich ist, die auf seine Verschwörungstalente sich verlassen. Und die Zielbewußtheit! In einem Athein nennt er sich einen Anarchisten und bedauert, daß er keine Armeekorps zur Verfügung hat— als ob die Anarchie, welche jede Organisation sür„reaktionär" erklärt, Armeekorps organisiren könnte! Etwas Widerspruchsvolleres, Widersinnigeres als das„Glaubens- bekenntniß dieses„Anarchisten", der unverdaute sozialistische Schlagwörter mit Kraftphrasen aus Schiller's„Räubern" zusammenwirft, läßt sich unmöglich denken. Und Reinsdorf ist der einzige der Angeklagten in diesem„Hoch- verrathsprozeß", der die Prätension hatte, eine ern st hafte Rolle zu spielen. Wurzel hatten die„Verschwörungen" dieses sonderbaren Verschwörers nirdends geschlagen— keine Partei stand hinter ihm, den Massen war er fremd und unsympathisch. Konnte er die Staats- und Gesellschaftsordnung bedrohen? Hatte er das Zeug zur Durchführung des von ihm geplanten Attentates? Nein und nochmals nein! Niemand hat es geglaubt, die Polizei so wenig wie die Richter und das Publikum. Das erklärt die sonst unerklärliche Gleichgiltigkeit diesem Prozesse gegenüber. Doch das ist nicht Alles. Ich sagte: die Prozeßverhandlungen hätten keinen Anhalt dasür er- geben, daß er ein Polizei- Agent sei. Aber sie haben den Beweis ge- liefert, daß er ein Polizei-Werkzeug war. Seine Verschwörungen im Stile des Hans Most und der Köchinen-Romane waren der Polizei von Ansang an bekannt.*) Er hat keinen Schritt gethan, der nicht überwacht gewesen wäre. Mehr! Mancher Schritt, den er gethan hat, war ihm von den Genossen inspirirt, welche die Polizei nach be- kanntem Rezept dem plumpen Verschwörer zur Seite gestellt hatte. Wäre *) Reinsdorf selbst sagte in seiner Vertheidigungsrede:„Der Herr P o liz e i k o m m i s s a r(Gottschalk) hat wahrscheinlich schon vor dem Attentat darum gewuß t." Die Sozialdemokratie und die Frauenarbeit. In der„Frankfurter Zeitung" vom 23. Dezember finden wir folgende superkluge Bemerkung: „Nach dem, was bisher über die Arbeiten der—(von der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion eingesetzten)— Kommisfion, deren Ent- wurf die Gestalt einer Novelle zur Gewerbeordnung haben wird, bekannt geworden ist, dürfte den Herren von der Rechten und vom Zentrum die Zustimmung zu einem Theil der sozialdemokratischen Vorschläge keines- wegs schwer werden. Zum Theil bewegen sich dieselben, wie das Verbot der Nachtarbeit für Frauen und jugendliche Arbeiter, ganz in dem Rah. men der Forderungen der Konservativen, von denen vor Kurzem der Abgeordnete Lohren von der Reichspartei einen dafielbe Ziel verfolgenden Antrag eingebracht hat. Man sieht hier übrigens, wie sehr die Sozial- demokraten ihre Forderungen ermäßigen und abschwächen müssen, wenn sie praktische Politik treiben wollen. Ihre Parteikundgebungen prokla- miren die vollständige Beseitigung der Frauenarbeit, hier, wo sie zuerst die„Klinke der Gesetzgebung" ergreifen, begnügen sie sich mit der Be- seitigung derjenigen Frauenarbeit, durch welche die Gesundheit und die Sittlichkeit geschädigt werden könnte." So die Franksurterin. Bei der liebenswürdigen Hereinziehung der„Herren von der Rechten und vom Zentrum" halten wir uns nicht erst aus: ob diese Leute für die Arbeiterschutzgesetze stimmen oder andere, ist uns gleichgültig; die Hauptsache ist, daß dieselben unsem Grundsätzen entsprechen, das heißt den Interessen der Arheiterklasie in jeder Beziehung förderlich sind. Ist aber wenigstens der Vorwurf von wegen der„Frauenarbeit" ge- rechtfertigt? Keineswegs. Unsere Abgeordneten handeln durä aus den Parteikundgebungen entsprechend, wenn sie nicht die„vollständige Auf- Hebung der Frauenarbeit" verlangen. Denn diese Forderung ist heute keine sozialistische, sondern eine reaktionäre. Sie steht zunächst in keinem der sozialistischen Programme. Das Eisenacher Programm verlangte in Punkt III, 8:„Einschränkung der Frauen- und Verbot der Kinder- Arbeit." Das G o t h a e r Pro- gramm unter Punkt III, 5:„Verbot der Kinderarbeit nnd aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit"— gerade das, was in obigem Gesetzentwurf verlangt wird. Um auch ein ausländisches Programm hier anzusühren, bemerken wir, daß das sogenannte Minimumprogramm der französischen Arbeiterpartei in Bezug aus die Frauenarbeit lediglich die Forderung aufstellt:„Gleich- heit der Löhne bei gleichen Leistungen für männliche und weibliche Ar- beiter." Wenn also wirklich Sozialisten irgendwo die Forderung der„voll- ständigen Beseitigung der Frauenarbeit" aufgestellt haben, so befänden sie sich damit im Widerspruch mit den vorgeschrittensten der sozialistischen Parteien. Kein Zweifel, daß die Frauenarbeit heute eines der beliebtesten Mittel ist, den Arbeitslohn überhaupt herabzudrücken, und daß man es den Ar- beitern irgend einer Branche, in der die Frauenarbeit einzudringen strebt, nicht übel nehmen kann, wenn sie dagegen nach Kräften Widerstand lei- sten, aber dieser Widerstand hat doch nur insofern seine Berechtigung, als er sich eben gegen die mit der Einführung der Frauenarbeit ver- bundene Herabdrückung der Löhne oder überhaupt der Lebenshaltung der Arbeiter und gegen die mit ihr verbundene Schädigung der Gesundh uts- Verhältnisse wendet. Denn trotz aller Uebelstände, welche die industrielle Frauenarbeit heute zur Folge hat, ist sie, wie Bebel in seinem Buch über die Frau sehr richtig sagt(S.»3). trotz alledem und alledem„ge- nau so ein Fortschritt, wie es der Eintritt der Gewerbefreiheit der Freizügigkeit, der Verehelichungssreiheit und die Wegräumung' aller Schranken war, welche die großkapitalistische Produktion begünstigen aber unserem Klein- und Mittelgewerbe den Todesstoß versetzten ihm rettungslos den Untergang bereiteten". So Bebel! und ganz ebenso drücken sich Guesde und Lafargue in ihrer prächtigen Broschüre über das Programm der Arbeiterpartei aus. Da heißt es S. 91 und ff.: „Wenn man sich aber den Widerstand, den das Proletariat anfangs dem Eintritt der Frau in die Werkstatt entgegensetzte, erklärt und ihn billigen muß, so kann die Arbeiterpartei, das heißt die zum B e- w u ß t s e i n gekommene Arbeiterklasse, in demselben keine Lösung der Frage, wie sie heute liegt, erblicken. „Erstens ist diese Beseitigung der Frauenarbeit eine thatsächliche Un- Möglichkeit geworden. Die Zahl der weiblichen Arbeiter, welche die mo- derne Industrie in den Dienst gepreßt hat, ist eine viel zu große. „Aber auch wenn die Sache möglich wäre, wäre es nicht zweckmäßig, nach dieser Richtung hin seine Kraft einzusetzen, da die industrielle Frauen- arbeit, obwohl heute, in der kapitalistischen Gesellschaft, ein U-bel, in der neuen Gesellschaft, wo die Arbeitszeit erheblich herabgesetzt und der Aus- beuterprosit beseitigt ist, ein Segen für die Frau sein wird, indem sie sie aus der ökonomischen Abhängigkeit vom Mann befreit und ihr er- laubt, für sich selbst zu leben, weil sie durch sich selbst lebt. „Soll die Frau sich selbst gehören, soll sie die Freiheit über ihren Leib wiedererlangen— ohne welche es nur Prostitution gibt, wie gesetzlich immer das Verhältniß von Frau und Mann sein mag— so muß sie durch eigene Kraft, ohne den Mann, ihre Existenz finden können. „Die Arb- iterpartei darf daher nicht das Verbot der industriellen Frauenarbeit verlangen, so wenig sie die Ausweisung der ausländischen Arbeiter verlangt"(sondern nur das Verbot, ausländische Ardeiter zu niedrigern Löhnen als die einheimischen einzustellen).— So unsere französischen Genoffen. Es ist auch nicht überflüffig, aus die in allen sogenannten Kultur- staaten stetig wachsende Zahl von Frauen hinzuweisen, denen das— heute etwas problematische- Glück, Gattin zu werden, versagt bleibt. In Deutschland ergab die Volkszählung vom Jahr 1875, daß die weib- liche Bevölkerung einen Ueberschuß von 741,632 Köpfen über die männ- liche hatte. Man rechne hierzu die gleichfalls stetig wachsende Zahl der unv man eryaii einen rreverfltzuß der auf eigenen«- werb angewiesenen weiblichen Bevölkerung, der ein V e r b o t der ind» striellen Frauenarbeit gleichbedeutend machen würde mit einem Tadel u r t h e i l über so und so viele weibliche Mitglieder der menschliche Gesellschaft. Nicht also um unsere Forderungen„abzuschwächen", sehen unsere Ab geordneten von dem„Verbot aller Frauenarbeit" ab, sondern einzig unk allein wegen des utopistisch-reaktionären Charakters diest Forderung. In einer der letzten Nummern der„New-Yorker Volkszeitung" I. es von Friedrich Engels' Schrift über den Ursprung der Familie rc, daß die Redaktion„nur drei Sätze darin gefunden habe, welche al streitige Punkte bezeichnet werden können", und auf welche sie daher die Aufmerksamkeit der Genossen ganz besonders lenkt. Als einen dies« drei Punkte nennt sie folgenden auf S. 124 der genannten Schrift ent haltenen Ausspruch: „Die Befreiung der Frau wird erst möglich, sobald diese auf große« gesellschaftlichem Maßstab an der Produktion sich betheiligen kann, un> die häusliche Arbeit ste nur in unbedeutendem Maß in Anspruch nimack Und das ist erst jetzt möglich geworden durch die moderne große JnW strie, die nicht nur Frauenarbeit aus großer Stufenleiter zuläßt, sondert förmlich nach ihr verlangt, und die auch die private Hausarbeit mehr und mehr in eine öffentliche Industrie aufzulösen strebt." Die Volkszeitung wünscht diesen Satz durch eine weitere Aussühruir vor der Mißdeutung geschützt,„als ob alle Frauen oder deren Mehrzah erst industriell versklavt und der privaten Hausarbeit enthoben sein müß ten, ehe die Frau befreit werden könne." Wir glauben, daß diese weitere Ausführung durch den Satz, der de» obigen vorhergeht, gegeben ist. Derselbe lautet nämlich:„Hier zeigt silj schon, daß die Befreiung der Frau, ihre Gleichstellung mit dem Mann«! ewe Unmöglichkeit ist und bleibt, so lange die Frau von der gesell s ch a f t l i ch e n produktiven Arbeit ausgeschlossen und aus di« häuslichen P ri v a t arbeiten beschränkt bleibt." Wir haben di- Worte unterstrichen, welche nach unserer Ansicht jeder Mißdeutung vor beugen. Uebrigens heißt es auch oben„sich betheiligen k a n n". Anscheinend radikal, wäre die Forderung des absoluten Verbots de> industriellen Frauenarbeit heute durchaus reaktionär, woraus die Lehtsi zu ziehen, daß es mit dem sogenannten Radikalismus manchmal auch sein- argen Bedenken hat. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 30. Dezember 1884. ~ Bismarcks Weihnachtsgeschenk. Nun ist die„deutsch« Flagge" auch auf einigen Inseln des stillen Ozeans und der Nordküst- von Neu- Guinea aufgehißt worden, und immer deutlicher zei� sich der Zusammenhang der Dampfersubventionsvorlag« mrl den Kolonialbestrebungrn Bismarcks, was dieselbe natürlich in de« Augen ihrer bisherigen Verehrer, soweit dieselben der Bourgeoisie»Ä' gehören, nur noch sympathischer macht. Desto mehr Ursache haben ab«« dre Vertreter der Arbeiterklaffe, dem ganzen Treiben gegenüber aus b«« Hut zu sein. Es handelt sich da nicht blos um eine Ausdehnung b«« Seeverkehrs, sondern um die Einleitung zu einer höchst abenteuerlich«' Annexionspolitik, die voraussichtlich sehr unangenehme Verwicklung«'', zur Folge haben wird, Verwicklungen, für welche natürlich nicht d» Herren Annexionsschwärmer, sondern das deutsche Volk die Kosten i' tragen hat, das ja auch die Dampfersubvention zu zahlen haben w>«� Was wir damit meinen, ergeht aus folgender Stelle eines Artikels d«« Herin Lorenz von Stein in der Münchener„Allgenleinen",«J welchem wohlgemerkt— die„neue Aera", in die das deutsche Re«? letzt tritt, pflichtgemäß verhimmelt wird: „Und was jetzt? Wir werden uns hier nicht ins Maßlose verliere*�; aber die Magnetnadel steht nicht fester in ihrer Richtung als b«« Satz, daß, nachdem einmal die deutsche Flagg« auf der einen Hälst« des Erdrundes entfaltet ist, es nunmehr eine folgenschwere Reihe Singen gibt, an di« man wird denken und die man wird woll«' müssen. Und es wird nicht immer damit abgeth«' sein, in einem friedlichen Kongreß auf deutschem Boden b» I Stimmen Europas zu Protokolliren. So weit die Geschich'« E u r o p a's geht, sind immer die Kongresse den Kr««' gen gefolgt Ist die Wilhelmsstraße eine Gewähr dafür, lw die Entfaltung der deutschen Fahne in den drei Welttheilen nich' auch hiesür einmal das Umgekehrte erzeugen wird? „Die fünfzehn Jahre, die jede große Umgestaltung des staatlich«' Lebens fordert, um sich zu vollziehen, sind seit 1870 vorüber. E« scheint für dieses Deutschland in Wahrheit mit dem Jahre 1885 ein« neue Reihe von Dingen sich zu eröffnen, das Weltleben tritt in d» alten parlamentarischen Kreise hinein; es zerstört schon jetzt so ma-v chem kleinen Partei- Archimedes seine Sandzirkel; und noch kann R««' mand sagen, welche neuen Kreise jetzt die Geschichte zu ziehen begii» nen wird." satio land dort ihne herb Gui lebei UNgi fahr Lani nichi dehr hoff- der verh Bezi Beti Inst and, Auf stan fchw bleib Uge «s wi tannt, wrla- tags k o m *«t R- .Plaru Nmg> sich je, ,D°ß keinesi die sie Lorlac >!atur' und B «nthüll Tro der Di und ei «ussich trachte iitui Uäre q .De t'eut »«brach dvrti •Tödjte; Marler Der »«auhe durg e, «11° in Urnscht «ubei. , Und druitt "njror »««sen. wen, Das meinen wir auch, und grade deshalb sind wir der Ansicht, da? wenn die kapitalistische Gesellschaft sich aus solche Abenteuer einläßt, ui» ihre Lebensdauer künstlich zu verlängern, wir Sozialisten nicht mitzü' machen haben. Im Uebrigen laffen wir hier das Urtheil der gleichfall' der Bismarck'schen Kolonialpolitik günstig gesinnten„Frank fürte« Ztg." über die neu-annektirten Territorien folgen. Es heißt da: „Da dieselben unter dem Aequator liegen oder höchstens bis zuw 10. Gr. südl. Breite reichen, so kann von einer europäischen Kolon«' der Ei ö-tzt h ««Ner I traten Mensch «rrlhu, Staat Ideals Wer Besten Mann" tauben Wir Da er Mus Bismc pfohle Pr>va einer aus d lesen Rick die Vertheidigung eine andere gewesen, wäre sie statt von Advokaten, die das Reichsgericht stellt-, von u n a b h ä n g i g e n, mit den politischen Kämpfen der Gegenwart vertrauten An- w ä l t e n geführt worden, so wäre unzweifelhast die Wahrheit voll und ganz an's Licht gekommen, denn die deutsche Polizei gibt Reinsdorf an Plumpheit durchaus nichts nach. Doch die offitiellen Vertheid iger hüteten sich wohl, der Sache auf den Grund zu gehen und kompromittirende Enthüllungen zu veranlassen, die ihrer Karriöre geschadet hätten. Den Angeklagten nicht minder feindlich als der öffentliche Ankläger und die Richter, war es der Vertheidiger Hauptbemühen, daß der Schein gewahrt und die Polizei nebst dem, was drum und dran hängt, vor unliebsamen Ueberraschungen und moralischem Schaden bewahrt wurde. Trotzdem kam es an den Tag, daß Polizeikommissarius Gottschalk tief in der„Verschwörung" drin gesteckt hat; und Reinsdorf selbst ließ sich zu der Bemerkung fortreißen, daß einer seiner Mitverschwornen auf Kosten der Polizei nach der Stelle des Attentats gefahren sei. Er war im Begriff, weitere Indiskretionen zu begehen, als der Vorsitzende des Gerichts ihn rechtzeitig von dem heikeln Thema abbrachte. Daß die Polizei von dem Thun und Treiben der„Verschwörer" auf's Genaueste unterrichtet war, geht aus den Prozeßverhandlungen zur Evidenz hervor. Nur darüber kann ein Zweifel obwalten, ob sie das Nieder- wald-Attentat positiv a n g e st i f t e t, oder ob sie es blos geduldet hat. Ueber die Thatsache, daß der— notorisch Hunderten bekannte Attentatsplan erst nach Verlauf von Monaten offiziell zur Kenntniß der Gerichte gelangt ist, wurde gefliffentlich ein Schleier gebreitet. Für den Denkfähigen und unserer politischen Verhältnisse Kundigen liegen die Dinge so klar, daß es keiner weiteren Ausklärungen bedarf. Genug— unter den traurigen und schmachvollen„Hochverrathspro- zessen", mit denen das Soziali st engesetz uns beschenkt hat, ist der Prozeß Reinsdorf und Genossen der traurigste und schmachvollste, weil er die Polizeimache am deutlichsten auf der Stirne trägt. Das ist eine Seite, welche bei der Reichstagsverhandlung über die Denkschristen betreffend den„kleinen" Belagerungszustand scharf zu be- leuchten sein wird. Nachschrift. Das„Leipziger Tageblatt", welches in letzter Zeit einen kleinen Anlauf zur Anständigkeit, wenigstens unserer Partei gegen- über, genommen hatte, ist wieder in seine alten Gewohnheiten zurück- gefallen und hat das Niederwald-Attentat auf„ s o z i a l d e m o k r a- tische Anschauungen" zurückgeführt oder zurückführen wollen. Es ist dies um so niederträchtiger, als das„Tageblatt" ziemlich gute Berichte über die Prozeßverhandlungen gebracht und namentlich auch diejenigen Aeußerungen, in welchen die Angeklagten sich gegen die Sozialdemo- kratie und gegen„sozialdemokratische Anschauungen" wenden, aus- führlich mitgetheilt hat. Obgleich die Dummheit und Unwissenheit der„Tageblatt"-Redaktion weltbekannt sind— das heißt so weit bekannt, wie das„Tageblatt" selbst— so liegt in diesem Falle doch weder Dummheit noch Unwissen- heit vor, sondern Berechnung. Das„Tageblatt" will nämlich einer Ver- werthung des Reinsdorf-Prozesses zu Ungunsten des geliebten So zialistengesetzes vorbeugen und den Prozeß für das Sozialistengesetz ausschlachten. Wie es das ansangen wird, darauf sind wir allerdings einigermaßen gespannt. Wenn das Sozialistengesetz je einen vernichten Schlag erhalten hat, so durch diesen Prozeß. Nicht nur daß es das Niederwald-Attentat und die sonstigen Allotria des Reinsdorf nicht verhütet hat— es hat dies Attentat und diese Allotria direkt und positiv hervorgerufen. Reinsdorf hatte schon vor dem Sozialistengesetz seine„anarchistischen Ideen", allein bei freier öffentlicher Entwickelung der Soz aldemokratie wäre er über die„Ideen" nicht hinausgekommen— jedenfalls würde er eine so lächerliche Rolle gespielt haben, daß er„in seines Nichts durchbohrendem Gefühle" an alles Andere eher gedacht hätte als an Attentate. Uebrigens glaube ich auch heule nicht an den E r n st seiner Attentate. Ich glaube wirklich, daß er nicht gelogen hat, als er versicherte, es hätte blos„ein großer Knall" sein sollen. Und schließlich konnte es ja auch nichts anderes werden. Das„Nleder- wald-Attentat" war so miserabel, so knabenhaft vorbereitet, daß, wenn auch die Zündschnur gebrannt hätte, aller Wahrscheinlichkeit nach keinem Menschen ein Haar gekrümmt worden wäre. Hätten vierzehnjährrge Jungen, wie sie manchmal, nachdem sie Schiller's„Räuber" gelesen, zu „Räuberbanden" zusammentreten— hätten vierzehnjährige Jungen jich auf's Attentätern verlegt, sie würden es ungefähr ebenso gemacht haben. Deshalb will das Publikum auch den Prozeß und das„Niederwald- Attentat" durchaus nicht ernst nehmen."0- Noch ein Wort über die Höhe der Strafen. Es wird wohl Niemand einfallen, sie juristisch rechtfertigen zu wollen, in ihnen prägt sich vielmehr der politische Charakter des Prozesses deutlich aus. Es fällt uns nun nicht ein, darüber spmtisiren zu wollen, ob etwa 4 Jahre Zuchthaus für Bachmann„gerechter" ge- wesen wären als 10 Jahre, aber konstatiren wollen wir doch, daß so- weit wir Gelegenheit hatten, herumzuhören, diese enormen Strafen für Handlungen, die nicht einmal leichte Beschädigungen zur Folge gehabt, den Verurtheilten in den Augen des großen Publikums vielsach zu Gute kommen, nach dieser Richtung hin also ihren Zweck versehlen. Ob sie denselben nach der anderen Richtung hin, wir meinen als A b- schreckungsbeispiel, Keffer erfüllen werden, wird die Zukunft lehren. Feuilleton. Pas Wahlmanifest der deutsche« Sozialdemokratie zu den Wahlen vom 28. Oktober 1884."') Wählerl In wenigen Wochen habt Ihr an die Wahlurne zu treten und einen neuen Reichstag zu wählen. Die Wahl ist frei, sonst wäre es keine Wahl. Der Reichstag ist die Vertretung und oberste gesetzgebende Be- Hörde des deutschen Volkes; er entscheidet über Euer Wohl und Weh, und da Ihr ihn zu ivählen habt, so entscheidet Ihr selbst über Euer Wohl und Weh! So wie Ihr den Reichstag wählt, ivird der Reichstag sein. Der Stimmzettel ist das Werkzeug, mit dem Ihr den Staat nach Eurem Gefallen, zu Eurem Nutz und Frommen zurecht zimmern könnt. Ihr seid also im wahrsten Sinn des Worts Eures Schicksals Schmied. Sagt nicht:„Die oben thun doch, was sie wollen; sie kümmern sich nicht um den Reichstag." Das ist falsch. Das allgemeine gleiche Wahl- recht hat den Aermsten und Niedersten im Staat dem Reichsten und Höchsten gleichgestellt, und wenn unser Staat heute noch ein Skaat der Reichen ist, so ist das die Schuld des„armen" und des„kleinen" ManncS, der von seinem kostbarsten Staatsbürgerrechte: dem Wahl- recht, bisher nur zu häufig gar keinen, oder, was noch schlimmer ist, schlechten Gebrauch machte, indem er Männern seine Stimme gab, die ihrer ganzen Stellung und ihren Anschauungen nach seine Interessen zu vertreten nicht in der Lage sind. Millionen von Wählern— fast aus- schließlich den sogenannten unteren Ständen, der arbeitenden Klasse an- gehörend— haben bei den früheren Wahlen gar nicht mitgewählt, und Millionen derer, die wählten, haben Gegnern, d. h. Männern, welche gegnerische, ja feindliche Interessen vertreten, ihre Summe gegeben. Wenn„Die oben" bisher gethan haben, was ste thun wollten, so haben sie es gethan, weil„Die unten" zum großen, vielleicht größten Th-ile *) Aus mehrfach geäußerten Wunsch im Ausland lebender Genoffen, und in Erwägung, daß ein so wichtiges Dokument zur Parteigeschichte auch von Rechtswegen ins Parteiorgan gehört, bringen wir hiermit das Wahlmanifest unserer Partei zum Abdruck. Wir erinnern bei dieser Ge- legenheit daran, daß Verbreitung eines einheitlichen Flugblattes in ganz Deutschland auf dem K o p e n h a g- n e r Kongresse vorgeschlagen, beiw. eine dahingehende Resolution dort einstimmig angenommen wurde. Di- Red. bisher keinen Willen gehabt haben, und das, was von oben kam, gläubig hinnahmen. Wenn die Mafien des Volkes einen Willen haben', dann wird der Wille des Volkes auch Gesetz sein. Vorher nicht. Wille ist aber nicht Laune, nicht augenblickliches Gelüste; Wille setzt klares Bewußtsein, setzt Erkern, tniß voraus. Um Euren Willen in« Staate zur Geltung zu bringen, müßt Ihr erst wisien, was Ihr wollt, müßt erkannt haben, was Euch noth thut, müßt Eures Zieles Euch klar bewußt sein. Ohne Zielbewußtsein keine Rlög. lichkeit, das Ziel zu erreichen. Nnd was ist das Ziel? Die Berbesternng der allgemeinen wirthschaftlicheu und politischen Zustände. Alles Andere ist Neben- und Beiwerk. Unsere wirthschastlichen Verhältnisse sind durch und durch ungesund; mit Ausnahme einer winzigen Minderheit leidet das gesummte Volk. Arbeiter, Handwerker, Kleingewerbtreibende, Bauern— sie alle haben Grund, mit ihrer Lage unzufrieden zu sein: die Landwirthschast liegt im Argen, Handel und Industrie wollen nicht gedeihen, Tausende sind arbcits- und verdienstlos. Kurz— die Gesellschaft ist krank, und es gilt, ste zu hellen. Die Regierungen und sämmtliche Parteien haben die Heilung ver- sprachen. An Aerzten fehlt es nicht, und jeder von ihnen behauptet, sein Mittel sei das rechte, das allein richtige. Ihr habt zwischen den verschiedenen Aerzten und Heilarten zu wählen. Und damit das Volk nicht Pfuschern zum Opfer falle, appelliren wir an Euren Verstand und mahnen Euch, auf der Hut zu sein gegen jeden Appell an die Phantasie oder die blinden Leidenschaften. Wir gehen ohne Umschweife zum Kern der Sache. Wer einen Organismus heilen will— sei es ein Individuum, sei es der Gesellschaftskörper—, muß zunächst die Natur dieses Organismus kennen. Das ist unerläßliche Vorbedingung. Sonst kann es nur Kur- psuscherei geben. Wie der Arzt, um den kranken menschlichen Körper zu heilen, Anatomie und Physiologie studirt haben muß, so muß der So- zialpolitiker, welcher die Schäden des Gesellschaftskörpers heilen will, Nationalökonomie studirt und sich mit den Gesetzen, welche die gesell- schastlichen und ökonomischen Funktionen regieren, vertraut gemacht haben. Hätten unsere sozialen Wunderdoktoren Nationalökonomie studirt, so würden ste wisse», daß die Krisis, die seit fast 10 Jahren auf Deutsch- land lastet, mit den Fragen: Freihandel oder Schutzzoll? Direkte oder indirekte Steuern? gar nichts zu thun hat, und daß sie durch Wucher- gesetze, Kolonien, Innungen ebensowenig geheilt werden, wie die fallende Sucht durch die Wundermittel des Schäfers Thomas. Sie würden dan»«ingel wissen, daß die Ursachen der Krisis in der herrschenden kapitalistisch«' in Z> Produktionsweise zu suchen sind, und, wenn auch augenblickliche Erleich' ilonc terungen eintreten können, solange ihre verhängnißvollen Wirkungen aus' s „Du schlägst", sagte der griechische Philosoph, als sein hitziger Gegnet sam i der ihn in einer Disputation nicht zu überwinden oermochte, im Zok» ist, i, handgreiflich wurde,—„Du schlägst, also hast Du Unrecht."«erd, Unser Verbrechen ist, daß wir Recht haben. Neue: Und was sind nun die Ursachen, was ist das Wesen der Krise, unte« tzluss, der jetzt der Gesellschastskörper in fast allen seinen Theilen und Gli«'«eich dern so schwer leidet? mus Es ist eigentlich ungenau, von einer Krisis zureden; was man««nie««end dem Namen Handels, oder Geschäfts-, auch Geldkrisis oder schlechtw«? niß» Krise zu verstehen pflegt, umfaßt bei Weitem nicht alle Momente de« geschi gegenwärtigen Krise. Diese ist eine Verbindung verschiedener Krisen, un« letzle: das gerade hat ihr den chronischen(dauernden) Charakter verliehen, de« Ei sie vor allen früheren Krisen auszeichnet. nnd Die eigentliche Handels- und Geschästskrise, die Krisis in ihrer klaff«'«us schen Form hat ihren Grund darin, daß die Konsumtion nicht gleiche' d»ge Schritt mit der Produktion hält: die Waaren werden auf Spekulatio' Hier; durch Privatunternehmer hergestellt, welche nur ihren eigenen Vortheo plan im Auge haben, weder die Bedürfnisse des Marktes noch die Gesammb der i Produktion übersehen können und obendrein mit einander in beständige««»ine Konkurrenzkampf sind. Es wird also im wahrsten Sinne des Worte« Mizl ins Blaue hinein produzirt. Guter Absatz hat sofort eine Bermehrunl Hrod der Produktion zur Folge. Wird der Absatz schwieriger, so sucht de« Ui Fabrikant oder Unternehmer sich durch Preisherabsetzung zu Helsen, oho« der jedoch die Produktion einzustellen. Da nun alle Fabrikanten oder Unte'' seien nehmer in derselben planlosen Art drauf losproduziren, so muß schließ trist lich eine Stauung entstehen, der überfüllte Markt kann keine Waare» Ii mehr aufsaugen— Absatz ist nur noch zu Schleuderpreisen möglich- Drob die Fabrikanten, welche sich im Verhältniß zu ihren Mitteln am tiefst� And er sation nicht die Rede sein; sind doch selbst die Europäer in Queens- od»! land nicht im Stande, Feldarbeit zu verrichten und glauben doch die ei dortigen Besitzer der Zuckerplantagen ruinirt zu werden, wenn man che chnen verbietet, von den Inseln oder aus Indien Arbeiterch jemals erblicken wird. Daß die Regierung ihre zureichenden„Gründe" hat, soll darum keineswegs bezweifelt werden, aber es sind Gründe politischer Art, k>>e sie verschweigen muß, weil sie den Zusammenhang der Dampfer- Vorlage mit der„Kolonialpolitik" des Fürsten Bismarck, und die wahre Aatur dieser abenteuerlichen, auf Krakehl mit dem Ausland und Beschwindlung des Inlands hinauslaufenden„Politik" «nthüllen würden. Trotzdem— wie schon früher bemerkt— scheint uns die Annahme �er Dampservorlage gesichert zu sein. Der größere Theil des Zentrums und ein nicht unbeträchtlicher Bruchtheil der Fortschrittspartei wird vor- »ussichtlich für die Regierungsmaßregel stimmen. —„Slauhes Klima." Die konservative„Schlesische Zeitung" trachte vor einiger Zeit eine Schilderung des Schlüsselburger �ilitärgefängnisses, in welchem jetzt die russischen Revolutio- nire gejangen gehalten werden. Da heißt es schließlich: »Der im letzten nihilistischen Prozeß verurtheilte frühere Oberst- ''eutenant Aschenbrenner wurde auch in Schlüsselburg unter- >ebracht, ist jedoch, da seine Gesundheit ohnehin schwach war, dem tortigen rauhen Klima erlegen. Auslänoische Zeitungen fachten das falsche Gerücht, er sei, wegen Auflehnung gegen seinen toärler, erschossen worden." Der Prozeß Aschenbrenner fand im September statt— das »rauhe Klima"— Schlüffelburg liegt nur wenige Meilen von Peters- 'Urg entjernt!— hat den im trästigsten Man-.esalter stehenden Militär tkjo in noch nicht ganz drei Monalen dahingerafft. Eine unverschämtere Uaisihreibung sür infamen Mord ist nur in Rußland unv bei den "udel- schluckenden Journalisten des deutsch- nationalen Servilismus U>iglich. Und die liberale und demokratische Presse des deutschen Denkervolkes truckt diese zweiselsohne russisch-osfiziöse Notiz nach, ohne auf diese un- Erfrorene Verdrehung der Tyatsachen auch nur mit einem Worte hinzu- r�sen. In Deutschland ist man nämlich noch nicht so— verkam- v wie in Frankreich oder England. .—• B i s m a r ck' s phänomenale Ignoranz auf dem Gebiete irr Sozialpolitik und Nationalökonomie hat uns wiederholt amüsirt. -Jrtzt hat der„große Otto" wieder eine bedeutende Leistung verübt. In rnur der letzten Reichstagssitzungen warf er nämlich den Sozialdemo- traten vor, sie glaubt-n an die Gleichheit aller Arbeit und daß alle Menschen zu jeder Arbeit gleich tauglich seien. Schon an diesem Grund- ürthum, meinte der„moderne Oedipus", muffe der sozialdemokratische �taat scheitern, dessen Bürger acht Tage nach der Verwirklichung ihres ödealS„einander die Hälse abschneiven" würden. Wenn ein jugendlicher Handlungsreisender derartiges„Blech" zum besten gäbe, würde man es ihm nicht vcizeihen. Unser„großer StaatS- viann" darf sich aber den Luxus einer solchen Albernheit schon er- lauben. Wir möchten nur wiffen, wer ihm diesen Bären aufgebunden hat. Da er notorisch keine wissenschastlichen Bücher liest, und der Sozialis- Mus leider eine Wissenschast ist, so liegt die Vermuthung nahe, daß Bismarck sich durch irgeno einen„Geheimen", den M a d a i ihm em- tzfohlen hat, vielleicht durch den biederen Krüger oder Zacher, ein Ptivatifsimum über Sozialismus und Sozialdemokratie lesen läßt. In einer der ersten Ausgaben des Brockhaus'schen Konversationslexikons «us den dreißiger Jahren erinnern wir uns ähnlichen Blödsinn ge- lesen zu haben. Sticht einmal B a b o e u f und seine„Gleichen" haben die Gleichheit eingelaffen haben, machen Bankerott, andere halten es aus und schwören' in Zukunft vorsichtiger zu sein— die Leichen der kleineren bedecken das ökonomische Schlachlseld, und das ganze Gemeinwesen, das ganze Ge- schästsleben wird erschüttert, in Unordnung gebracht. Tausende von Geschästsleuten, die direkt mit der Produktion nichts zu thun haben, «erden in den allgemeinen Ruin verwickelt, und Hunderttausende von Arbeitern müffen die Kurzsichtigkeil und Geldgier ihrer verkrachten „Brodherren" mit Arbeitslosigkeit oder Hungerlöhnen büßen. Die aus diese Weise gewaltsam herbeigeführte Einschränkung der Produktion hat zur Folge, daß das Mißverhältmß zwischen Produktion und Konsumtion allmälig in roher Form ausgeglichen wird: die alten Waa- ren werden nach und nach um jeden Preis losgeschlagen— der über- füllte Markt wird erleichtert, das ausmerkjame Auge der Spekulanten bemerkt dies, und die Produktion kommt wieder in Fluß— erst langsam und vorsichtig— bald aber wird das Tempo rascher— der Absatz ist, in Folge der laiigen Stockung, ein lebhaster— die guten Vorsätze «erden in den Wind geschlagen, und das tolle Spiel beginnt von Neuem— mit demselben Erfolg. Prosperität und Krise, ökonomischer Ausschwung und ökonomischer Krach— das ist der Kreislaus, in welchem unser. heutiges Wirthschastssystem sich bewegt und bewegen Muß, weil eS seiner Natur nach nicht im Stande ist, die nothwen- «endige Harmonie zwischen Produktion und Konsumtion, Arbeitserzeug- niß und Arbeitsverdrauch herzustellen. Eine Krise, so wie wir sie eben geschildert, wurde uns neuerdings durch die Schwindelperiode nach dem letzten Kriege mit Frankreich bescheert. Es gibt nur ein Mittel, den Handels und Geschästskrisen abzuhelfen, und das ist: Einrichtungen zu treffen, welche die Ursachen der Krisen «us dem Weg zu räumen, indem sie es ermöglichen, daß die nothwen- dige Harmonie zwischen Produktion und Konsumtion hergestellt wird. Hierzu gehört eine Planmäßige Organisation der Arbeit und eine Planmäßige, gerechte Lerthetlung der Arbeitsprodukte— also anstatt der planlosen Privat- und Spelulationswirthschast von heute die auf «ine gesunde, ökonomische Basis sich stützende, durch eine systematische Wirthlchoftostaliftiä vor Jrrthümern sich bewahrende Argeuisitiou der Hrodubtio» und Koasamtio». Und diese Organisation der Produktion und Konsumtion wird von der Sozialdemokratie angestrebt, und ooii ihr»Ileii. Alle anderen Par- teien sind darauf bedacht, die Zustände zu erhalten, aus welchen die Krisen mit Naturnothwendigkeit hervorgehen. In die periodische Handels- und Geschästskrife spielt die allgt«ki»e Drodadtioasdrrist herein, welche sich in sämmtlichen entwickelten Industrie- Andern demerllich macht. Wir wiesen schon daraus hin, daß in den so verstanden. Sie glaubten aber, dem damaligen Stande der Wiffenschait gemäß, daß die Erziehung sehr rasch, und schon in einer oder zwei Generationen, eine annähernde Gleichheit aller Individuen erwirken könne. Abgesehen hiervon, erkannten die Babouvisten das Recht des Individuums auf volle Entwickelung aller seiner individuellen Fähigkeiten an. Und alle späteren sozialistischen und kommunistischen Schulen haben dieses Recht des Individuums und der Individualität anerkannt. Dagegen ist von den Sozialisten stets festgehalten worden, daß allen Menschen dieses Recht der Entwickelung aller ihrer Fähigkeiten i n gleichem Maße zusteht. Niemals ist jedoch b.hauptet worden, alle Atenschen seien heutzutage qualitativ gleich und könnten qualitativ gleiche Arbeit liesern. Diese Albernheit ist das geistige Eigenthum des„eisernen Kanzlers" und seines„Geheimen". Uebrigens wollen wir dem„genialen Staatsmann" nicht verschweigen, daß es unseres Erachtens schon jetzt Hunderttausende in Deutschland gibt, die den Staat ebenso gut„regieren" wie er, und Hunderttausende, die ihn besser regieren würden. Freilich, Jemand zu finden, der ihm an Dummdrei st igkeit das Waffer zu halten vermag, das scheint uns unmöglich. — D i e Trauben sind sauer. Als Otto am 15. Dezember die bekannte Ohrseige erhielt, dachte er in der ersten Wuth an eine Aus- löjung des Reichstags. Bei reiflicherer ll.berlegung kam er von diesem Vorsatz ab, weil er einsah, daß der„Appell an das Volk" aller Vor- ausficht nach schlecht sür ihn aussallen und die Ohrfeige zum Fußtritt verslärtt würde. In Ermangelung von Neuwahlen hat er nun durch die nationallideralen Hampelmänner ein telegraphisch-epistolarisches Ple biszit in Szene setzen lassen, auf das freilich nur sehr Dumme„rein- fallen" können. Man inerkt, der Otto wird doch alt. In seinen jüngeren Jahren hätte er sich nicht so lächeUich gemacht. Auf ein praktisches Trostmittel sind übrigens einige findige Nationalliberale verfallen: sie wollen eine nationale G e l d s a m m- lung für den„Herkules des 19. Jahrhunderts" veranstalten— das gibt allerdings ei» Pjlästerchen aus vre Wunde. Geld stinkt nicht, sagle jener römische Kaiser, als er die Erträgnisse einstrrch aus der Verpachtung der— Kloaken. — Fortschrittliche Niedertracht. Kein Zweifel mehr, bei der dritten und endgültigen Abstimmung über den samosen Bureau- direktor des„Eisernen" wird ein Theil der tapsern Herren Fortjchrittler entweder„umjallen" und für die 20, OVO Mark stimmen, oder von der Abstimmung wegbleiben. DaS Abkoinmandiren hat schon begonnen. Kurz, eine Wiederholung des schmachvollen Schauspiels, welches die Herren Fortschritller anläßlich der Verlängerung des Sozialistengesetzes darboten. Ja, noch schmachvoller. Dmals handelte es sich um eine reine, gewissermaßen ideale Prwzipienfrage, die aber in der Praxis eine Schädigung der Parterinteressen beoeuiete. Denn das wird doch wohl von Niemanden ernstlich bestritten werden, daß das Sozialistengesetz für die Fortschrittspartei außerordentlich vortheilhuft ist, seine Nicht Verlängerung lhr also n a ch t h e i l i g gewesen wäre. Jetzt aber handelt es sich nicht blos um eine Prinzipienfrage, sonde.n geradezu um eine Lebensfrage für die Partei— d. h. um die Verwirklichung deS Parlamentarismus und um die Parlamenlsherrschafl, welche das vornehmste Ziel der Fortschritlspartel ist. Wenn die Fortschritts- partei in diesem Konflikt, der durch das brutale Benehmen des Fürsten BlSinarck ihr aufgezwängt worden ist, feige zurückweicht, dann begeht sie nicht blos einen Panzipienverrath, sondern einen politischen Selbstmord. Sie erklärt sich unfähig zur Durchführung ihres eigenen Programms. Und sie wird diesen Verraty und diesen Selbstmord begehen. Bei- läufig der beste, ja einzige Dienst, den sie der Sache des Voltes leisten kann. — Die Nachwahl in Greiz(Wahlkreis Reuß ältere Linie) hat, wie zu erwarten war, mit dem Siege der Sozialdemokratie geendet. Genosse W i e m e r ist mit 9848 gegen 2953 Stimmen, welche der Ordmrngskandidat erhielt, gewählt. Trotz alles Geschuies über die von der Opposiiion an dem armen Bismarck verübte Mifferhal ist das Stiinmenv-rhällnrß ganz das gleiche wie am 28. Ottober. Auch daß der Ordnungslandidat diesmal ein Konservativer war, während der frühere fich nälionalriberal schimpfte, hat nichts zu ändern vermocht. — Uebrr die Ergebenheits-Adressen an den schwer gekränk- ten Reichskanzler dursten natürlich auch die beliebten Adressen von Arbeitern nicht fehlen, und selbstverständlich kommen dieselben just aus den Orten, wo den Arbeitern systematisch jede freie Regung un- möglich gemacht wird, aus dem Distrikte, der in ganz Deutschlano der v e r r u f e n st e ist wegen der Praktiken, mittels deren man bei jeder Reichs- tagSwahl das Stimmrecht der Arbeiter illusorisch zu machen sucht: aus Bochum. Uud ebenso selbstverständlich thur Bismarck, als glaube er an diesen Schwindel, und lobt in einer gerührten Antwort diese „schöne" Eintracht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Arderter willenlose Sklaven ihrer Ausbeuter— dies das„Ideal" des großen Arbeiterfreundes. Für jeden nicht staatsmännisch veranlagten Menschen haben diese Adressen natürlich genau denselben Werth wie die famosen 1500 Unter- schrrsten unter dem Ausruf sür die noch famosere anti-sozial- demokratische Arbeiterpartei. — Deutsche im Ausland. In der„New Jorker Volkszeitung" finden wir folgenden hübschen Beitrag zum Thema, wie es die natio- n a l e n Deutschen im Ausland anstellen, um dem deutschen Namen bei den Angehörigen anderer Nationalitäten Achtung zu verschaffen: „Die Redaktion der„DeutschenZeitung" in NewOrleans periodischen Handels- und Geschästskrisen die kleinen Fabrikanten massen- hast zu Grunde gehen. Durch diese Krisen wie überhaupt durch das der kapitalistischen Produktion anhastende Prinzip der fttieb stoaßurreui, das den Schwachen dem Starken preisgibt, dilvet sich die Produktion immer mehr zur Grohprodußti»» aus: mit ungeheuren Kapitalien, die in ein- zelnen Händen oder im Besitz von Privatgesellschaften sind, wird pro- duzirt, die Konzentration der Kapitalien und mit ihnen der Produktion nimmt immer mehr zu: die Probultionsmittel steigern sich mit außer- ordentlicher Schnelligkeit. Die Akkumulation(Aushäufung) und Kon- zentration der Kapitalien und der Piobuktionsniittel ist auch in den letzten zehn„mageren" Jahren unaufhaltsam vor sich gegangen. In England, in Frankreich, in Deutschland hat die Zahl und die Leistungs- fähigkeit der Dampfmaschinen— auf dem Gebiet der Produktion der sicherste Gradmesser— eine kolossale Steigerung erfahren. In der Zeit, wo die Produktionsmittel sich so mächtig entfalteten, hat die sibbsumlioit aber nicht eallprechead>bgeaommea. Durch schlechte jähae und s.Jechte» ßlerbieuft ward und wird bis auf den heutigen Tag die Kaafbraft des jlolltts gelähmt. Was nützt es, daß die Fabriken Gebrauchs- und Luxuegeg.nstände jeder Art i» Maffe erzeugen, wenn das Nolb keia Geld jum Kaufe» hat. Die paar nackten oder halbnackten Wilden der Samoa-Jnseln, Angra- Pequena's oder ähnlicher schönen Gegenden, in welche die Wunderdok- toren vermittelst einer sogenannten Kolonialpolitik die überflüssigen Menschen und Waaren deportiren wollen, werden uns nicht von der „Ueberproduktion" befreien. Die Heilung muß luaru und daheim erfolgen, nicht»aßeu und nicht i» der lerne. Die Kaufkraft des Volkes, welche unter den heutigen Produktions- Verhältnissen in erster Linie von der Lohnhöhe, und in zweiter von dem Wohlergehen des„kleinen Mannes", der noch nicht Lohnarbecker ist, abhängt, wird uiedergehalteu durch die nämlichen Faktoren, welche die Steigerung der Produktion bedingen. Die Konzentration und die Kon- kurrenz der Kapilatien bewirkt einerseits eine Herabdrückung der Löhne, bei äußerster Anstrengung der Arbeitskrast, anderseits den Ruin des „kleinen Mannes", der durch den Großlupitalismus erdrückt wird. So befindet die kapitalistische Produktion sich in einem verhängnißvollen Wiberspruch mit ihre» eigene» Etiftenibeliingnngcn, sie zerstört selbstmörde- risch das Fundament, aus welchem allein sie sicher ruhe» könnte. SUi» zernag der flrodahtian und Kermindernng der Kansnmiionsfnhigkeit- das ist die Signatur. Dieses Mihncrhällniß muß mit der Zeit zu einer jtleltkatastrophe führen, verglichen mit der alle bisherigen ökonomischen Katastrophen Kinderspiel sind. Vorgebeugt werden kann nur durch prinzipielle Besei- ist in ihrer Bismarck-Wuth übergeschnappt. Weil der Reichskanzler in letzter Zeit so schwere Niederlagen im Reichstage erlitten hat, fordert ihn die New-Orleanserin zur— Abschaffung der deutschen Volksvertre- tung auf, und zwar mit folgenden Tollwuth-Ausbrüchen:„Herr von Bismarck hat wohl längst schon den verhängnißvollen Jrrthum eingesehen und bereut, den er bei der Einrichtung des Norddeutschen Bundes, nach dem l8KKer Kriege, mit der Einführung des allgemeinen Stimmrechts begangen hat. Die Frage ist jetzt die: kann dieser verhängnihvolle Irr- thum jetzt noch redreffirt werden, indem die in„patriotischem" und „großmüihigem" Dusel verliehene Verfaffung, ein G e s ch e n k an daS deutsche Volk, welches politisch zu unreif ist, um das Geschenk zu wür- digen und die ihm durch die Verfassung verliehenen Rechte und Privi- legien vernünftig zu gebrauchen, zurückgenommen würde, wonach die Reichsregiernng, ohne Reichstag, künftig nur noch mit dem und durch den Bundesrath regieren würde? Einen„Staatsstreich" würde man das nennen, aber es würde kein„Staatsstreich" sein, wie man ste in Frankreich von den Napoleoniden erlebt hat, zur Unter- drückung eines ganzen Volkes und zur persönlichen Verherrlichung und Bereicherung einer ehrgeizigen Familie, sondern ein„Staatsstreich" zur Rettung Deutschlands vor den anti nationalen, die Einheit und Selbst- ständigkeit der Nation und ihre Stellung als Weltmacht unterwühlenden, landesverrätherischen Umtrieben und Bestrebungen der mit dem römi- schen Pfaffenthum verbündeten„liberalen",„fortschrittlichen",„freisinni- gen" und„sozialdemokratischen" vaterlandslosen deutschen Dreckvö gel!" Wenn ein Amerikaner das liest, welchen Respekt muß er da bekoinmen vor einer so grenzenlosen Knechtsseligkeit! — Von den samosen Abkommanoirungsbriefen in Sachen des Sozialistengesetzes sind verschiedene Exemplare aufgefunden worden und in sicherer Hand d e p o n i r t. Sie tra- gen die Unterschrift des Herrn Otto Hermes vom„Zoologischen Gar- ten"— des Durchgefallenen der beiden Brüder. Es sind übri- gens verschiedene der Briefe auch von anderen Mitgliedern der Partei unterschrieben worden, z. B. von R i ck e r t. Wer wohl die neuen Abkommandirungsbriefe in Sachen der 20,000 Mark schreiben wird? Etwas vorsichtiger dürften die Führer dieser gesinnungslosesten der Drehscheiben-Parteien allerdings geworden sein. — Ein musterhafter Sparapostel. In Verden(Han- nover) ist der Direktor der dortigen Sparkasse, V o ß, Führer der Antisemiten und konservativer Reichstagskandidat, nach Konstatirung eines Defizits von gegen 2 Millionen Mark verhaftet worden. Voß war das Riuster eines durch Fleiß und Sparsamkeit emporgekommenen Menschen. Als kleiner Sp— arheld fing er an und schließlich hatte er sich mehrere Rittergüter, verschiedene Häuser ic. zusammengespart. Welch leuchten- des Vorbild! Weiteres über diesen Biedermann in nächster Nummer. — Die Wunder der Ausweisungen gewissenhaft zu ver- zeichnen, mag im Jntereffe der Verehrer des„Haß-, Verachtungs- und Aufreizungs-Paragraphen" nicht weniger geboten sein, als im Interesse derer, die dadurch„gebessert" werden sollen. Der am 8. dies aus M ü h l h a u l e n i. Elsaß ausgewiesene Genosse F. D w o r z a ck schreibt uns in dieser Hinsicht vor Abreise in eine, ihm mit Hilfe unserer Genoffen in Paris vermittelte Stelle, am 23. dss. aus Basel: Es war mir hier Arbeit versprochen, aber jetzt bis nach Neujahr wieder aufgeschoben, und so zog ich die angebotene Stelle vor, trotzdem ich nicht französisch kann. Ich reise heute Abend ab; meine Frau und die zwei Kinder sind noch in Mühlhausen, und beide Kinder jetzt auch noch krank geworden. Die Genossen in Mühlhausen können meine Familie jetzt auch nicht mehr so leicht besuchen, wollen sie nicht unter Umständen gleichfalls mit der Polizei in Be- rührung kommen, da meine Wohnung von den Spürhunden streng beobachtet wird. Die Unterstützung habe ich meiner Frau übersandt, sie war am Gemeindehaus und verlangte Unterstützung, da hieß es, sie soll in i h r Land gehen(ich bin Oeslerreicher) und gab ihr nichts. Wir wollen's zum Andern schreiben und— uns„beffern"! — In Oe st erreich kracht es wieder ganz bedenklich. Verschiedene größere Banken haben ihre Zahlungen einstellen müffen, und wie es im Geschäjtsleben nun einmal ist, em Bankrott zieht immer den andern nach sich. Bei dieser Gelegenheit haben sich beiläufig verschiedene Bank- direktoren als gemeine Defraudanten entpuppt. Da sie aber durchaus nicht aus Roth unterschlugen, sondern nur so nebenbei die ihnen anver- trauten Summen verspielten, so können sie auf das Mitleid der guten Gesellschaft rechnen. Ferner wurden in letzter Zeit angeblich wieder eine ganze Reihe von Dynamilkomplotten entdeckt, von oenen sich die Mehrzahl hinterher als ganz gemeine Reporterpyantasien herausstellten. Uedcr eine„geheime Druckeiei", welche die Polizei in Neu-Pest entdeckt haben will, lesen wir in der Budapester„Arbeiterwochenchronik", daß diese Druckerei— polizeilich konzessionirt gewesen sein soll! Bei der Pester Polizei ist nachgerade alles möglich. — Frankreich. In Paris fand am Sonntag wiederum eine große Volksversammlung in Sachen der Arbeitslosen statt. Trotz verzweifelter Anstrengungen gelang es den Anarchisten nicht, sie zu sprengen. Die bereits von uns mitgetheilte Resolution des nicht anarchi- stischen Komite's wurde mit großer Majorität angenommen, während die von den Anarchisten beantragte Resolution in der Minderheit blieb. Daß sie überhaupt eine erhebliche Stimmenzahl auf sich vereinigte, kennzeichnet die Stimmung in Pariser Arbeiterkreisen. Wird darin doch ziemlich un- verblümt zu Raub und Plünderung aufgefordert. Daß Raub und Plünderung die Krise und damit das Elend nur noch verschärfen würden, liegt auf der Hand, ebenso klar ist aber auch, daß es nicht zu Gunsten der sozialen Revolution sein würde. Im tigung des Mißverhältnisses zwischen Produktion und Konsumtion, das heißt durch eine«rnnnftigc nnü gerechte©rgnnifntinn der nationalen und internationalen Produktion und Konsumtion, welche non der Sosinl- demokratie erstredt, von allen übrigen Parteien aber bekämpft wird. Wir deuteten vorhin schon auf die Eigenschaft des Großkapitals hin, das kleine Kapital aufzusaugen. Wer Ouecksilberkügelchen umherlaufen läßt, wird sehen, wie jedesmal, wenn zwei Kügelchen einander nahe koinmen, das kleine von dem größerem„einserleibt" wird. Genau so vollzieht sich der Konknrrrn>!nlmpf der Kapitalien. Wie ein Naturgesetz die Wassertropfen sich vereinigen, zu Bächen, Flüssen, Strömen werden und dein Meer zufließen läßt, so läßt, das in der heutigen Wirthschafts- weit herrschende Gesetz der Schwere alle zu Silber und Gold verdichteten Schweißtropfen der Arbeit in den Ozean des Großkapitalismus fließen — nur daß die Waffertropfen abwärt» fließen, die zu Gold und Silber gewordenen Schweißtropfen aber anfwärt».„Die Großen sreffen die Kleinen auf." Das Kleinkapital hat im Kampf mit dem Großkapital keine Möglichkeit des Sieges. Der Kapitalist, der mit Hunderttausenden, ja mit Millionen„arbeitet", schlägt den„kleinen Mann", der mit Tau- senden oder gar blos mit Hunderten„arbeitet", ebenso sicher aus dem Feld, wie eine mit Zündnadelgewehren und Hinterladern ausgerüstete Armee eine Horde init Bogen bewaffneter Indianer. Der Abstand ist nicht geringer. Der Großkapitalist hat als solcher den überwältigenden Vortheil, daß er(vermöge Anwendung der besten Maschinen, vermöge Konzentrirung von Arbeitskräiten und vermöge äußerster Ärbeitstheilung) nicht blos massenhafter, sondern auch billiger prodnsiren kann, als sein mit weniger Kapital ausgerüsteter Konkurrent. Hier ist der Hebel anzusetzen. Das Prinzip der freien Konkurrenz und des selbst, üchtigen Jndivioualismus, auf welchem die kapitalistische Produktion beruht, ist es, was seinem Wesen nach den„Niedergang des Handwerks", den Ruin des„kleinen Mannes" verschuldet. In dem wirthschafilich weiter fortgeschrittenen England ist das selbständige Hand- werk von dem Großkapital bereits verschlungen. In Deutschland geht es mit Riesenschritten dem Untergang entgegen: der„kleine Mann" in Stadt und Land wird mit furchtbarer Stetigkeit von dem Großkapital expropriirt(enteignet) und zum Proletarier gemacht. Was hat man gethan oder vorgeschlagen, um diesem Vernichtungs- prozeß zu steuern? (Fortsetzung folgt.) Gegentheil würde die industrielle Entwicklung, der Hebel der Revolution, dadurch nur aufgehalten, der Bestand der heutigen Gesellschaft nur noch verlängert werden. Zudem fördern Raub und Plünderung die indivi- dualistische, nicht aber die kommunistische Gesinnung. — England, folgende Mittheilung geht uns zur Aufnahme zu: Der Vorstand s Exekutivrath) der„Sozialdemokratischen Federation von Großbritannien" beabsichtigt eine internationale sozialdemo- Iratische Konferenz einzuberufen, welche in der letzten Woche des Monats Mai 1885 in London tagen soll; Einladungen zur Entsendung von Delegirten werden rechtzeitig an alle Körperschaften sozialdemokratischen Charakters ergehen. Inzwischen hat das Komite ein vorläufiges Zirkular erlassen, um Informationen einzuholen und Vor- schlüge entgegenzunehmen. Ueber den weiteren Verlauf dreser Angelegen- heit werden dem Sozialdemokrat von Zeit zu Zeit weitere Mittheilungen zugehen Es ist wohl unnöthig, hinzuzufügen, daß wir der Idee einer solchen Konferenz durchaus sympathisch gegenüber stehen. Korrespondenzen. Mülhanscn fi m Elsaß). Gestatten Sie auch uns einen kleinen Raum zur Berichterstattung über die letzte Reichstagswahl, da unser Vorgehen für die Sozialisten in Deutschland doch gewiß von vielem Interesse ist. Wie in fast allen größeren Städten Deutschlands der 28. Oktober ein Siegestag war, so auch bei uns in Mülhausen, im annexirten Elsaß. Mit Stolz können wir auf das erreichte Resultat zurückblicken, und dies um so mehr, als die Schwierigkeiten, die uns im Wege stan- den, noch ungleich größer sind als im übrigen Deutschland. Wir mußten ganz im Stillen arbeiten, und thaten wir dies mit solchem Erfolg, daß, wenn der„Sozialdemokrat" die Kandidatur Schmidt nicht 14 Tage vor der Wahl publizirt hätte, die Polizei von unserem Vorgehen gar keine Ahnung gehabt hätte. Oeffentliche Versammlungen fanden gar keine statt. Wir beschränkten uns aus eine mündliche Agitation in den uns zugänglichen Kressen und auf Vertheilung von 10,000 Flugblättern und 20,000 Stimmzetteln. Die Vertheilung geschah in allen Ortschasten des Wahlkreises in einer Nacht, am Samstag vor der Wahl.*) Mit Ausnahme der Stadt, wo zwei Flugblattverlheiler verhaftet wurden, denen 400 Flugblätter und 800 Stimmzettel abgenommen, resp.„beschlagnahmt" wurden— eine Anklage wegen„unerlaubter Kol- portage" schwebt noch lgeietzlich?)—, ging Alles in bester Ordnung und guter Disziplin vor sich. Auf die Nerven der Polizei wirkte das Flug- blatt beunruhigend, denn drei Tage nach der Wahl wurde es auf Grund des Sozialistengesetzes verboten; leider hatte es jedoch seine Schuldigkeit schon gethan. Auch bei den Arbeitern und dem Landvolk schlug dasselbe ein, die Wahlbewegung wurde etwas lebhafter, und unser Kandidat, Jgnaz Schmidt, Schlosser in Dorn ach, erhielt 2938, der Gegner, Fabrikant Jean Dollfuß, 8019 Stimmen. Man würdigt dies Resultat, wenn man erwägt, daß bei der Wahl 1881 unser Kandidat Liebknecht nur 477 Stimmen erhielt. Dollfuß hatte damals 10,108 Stimmen. Durch diesen Erfolg sind die Pfaffen neidisch geworden, und wollen das nächste Mal auch einen Kandidaten aufstellen, so daß wir bei der nächsten Wahl drei, wahrscheinlich auch vier Kandidaten haben werden. G.rade dies soll Wasser auf unsere Mühle sein. Was geschehen kann, wird geschehen, um dieser Ausbeutersippschaft ein Ende zu bereiten. Und daran wird keine polizeiliche Verfolgung etwas ändern können. Lassen Sie mich noch ein polizeiliches Bubenstücklein mittheilen. Genosse Dworzak aus Böhmen wurde Montag den 8. Dezember auf die Polizei gerufen und ihm mitgctheilt, daß er binnen 24 Stunden Mühl- Hausen sowie ganz Elsaß zu verlassen habe, weil er sich angeblich bei der Wahlagitation betheiligt habe. Glauben Herr Zahn und die andern Polizeimenschen, daß sie durch solche Brutalitätsakte, wenn sie den Ernährer einer Familie von Frau und Kind jagen, daß sie damit bei uns etwas erreichen? Geduld, auch für Euch wird der Tag der Abrechnung schlagen, und Ihr werdet es selbstverständlich finden, wenn wir dann bei Euch den biblischen Spruch in's Praltische übersetzen:„Auge um Auge, Zahn um Zahn." Bei dieser Gelegenheit machen wir aus ein Subjekt aufmerksam: Müller mit Namen, und Schlosser von Beruf, der in einer Werkstätte derElsässischen Maschinenbaugesellschaft die vertheilten Flugblätter einsammelte, schweifwedelnd im Bureau abgab und dazu noch Denunziatlonen versuchte. Mögen die Genossen auf diesen säubern Betbruder ein klein wenig Acht geben! Alles in Allein genommen, ersehen die Parteigenossen, daß auch hier im Elsaß der völkerbefreiende Sozialismus rührig ist. Das nächste Mal wird wohl Mühlhausen durch einen Sozialisten vertreten sein, als Pro- test gegen die durch den Säbel bewirkte Annexion, als Protest aber auch gegen die jetzige„Ordnung". Zum Schluß unfern Dank den Mitgenossen der sozialdemokratischen Mitgliedschaft und den Mit- genossen des deutschen Arbeitervereins Basel für ihre parteigenössische Mithülfe. Gruß allen Sozialisten, die da beitragen zum Befreiungskämpfe der Arbeiter! DerrotheElfäffer. btonstanz. Eine Hetzjagd mit Hindernissen. Vor einigen Wochen lief durch die Presse die Notiz, daß badische Grenz- j ä g e r bei K o n st a n z einen sozialistischen Flüchtling auf s ch w e i z e- rischem Gebiet verhaftet hätten, daß derselbe aber auf Reklamation des lchwei.erischen Bundesrathes von der badischen Regierung hinterher wieder freigegeben, d. h. nach der Schweizer Grenze gebracht worden sei. Die Angelegenheit verhielt sich in der That so, und da die Einzelnheiten derselben auch sonst nicht uninteressant sind, lassen wir hiermit einen uns zugegangenen gei aueren Bericht darüber folgen. In der Nacht vom 15. Oktober hatte Genosse Schroff eine größere Anzahl Exemplare des„Sozialdemokrat" und ebenso der Flugschrift„die Fliegen und die Spinnen" nebst andern Schriften verschiedenen Inhalts in Konstanz verbreitet, und zwar hatte er fast alle Exemplare der ihm anvertrauten Druckschriften mittelst kleiner Nägel an die Thüren ver- schiedener Häuser angehestet. Als er bereits damit fertig war, ohne daß ihn Jemand bemerkt hätte, und er sich nach einem passenden Platze umsah, um die letzten drei bis vier Exemplare noch anzubringen, kamen zwei Polizisten um die Ecke der Straße, in welcher er sich befand, sprangen logleich aus ihn los und riefen ihm zu:„Halt, Bursche, Du bist verhastet!" Schroff aber, der gar keine große Lust verspürte, mit den„Biedermännern" Bekanntichäst zu machen, zog es vor, zu fliehen, und lies ein Stück in der Richtung der Schweizer Grenze davon; da ihm aber ein Wagen in dieser Richtung entgegensubr und schon ein Mann heruntersprang, mußte er in eine Nebenstraße einbiegen, durch welche er nach dem Hase« zu entkommen suchte, um dort in eine Gondel, von der er wußte, daß sie nicht angebunden war, zu springen und dann in die Schweiz hinüberzurudern, auf welchem Wege ihn die Polizisten schwerlich erreicht haben würden. Hundert Schritte vom Hafen fiel er zedoch dem dort stationirten Bahnwärter und einem ebenfalls herzu- geeilten Brauer in die Hände, welcher aus dem schon erwähnten Wagen herbeigekommen war. Während er sich noch gegen diese zwei Angreifer ♦) Einige Mitglieder des deutschen Arbeitervereins Basel unternahmen die Vertheilung aus Rathschlag eines in der Flugblättervertheilung ge- witzigten Praktikus am Tage, und zwar am Sonntag vor der Wahl. Der Erfolg war ein sehr guter, wie das Abstimmungsergebniß zeigte. So erhielten z. B. Stimmen in: Schmidt Dollfuß 19 10 22 14 17 19 10 0 30 4 33 20 18 24 Dieselben geben nun ihren Mülhauser Freunden den Rath, das nächste Mal die Flugblättervertheilung, wo es irgend angeht, ebenfalls öffentlich vorzunehmen, da die mündliche A-.itation, die sich dabei entwickeln kann, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Das Wahl- gesetz steht dem ja nicht entgegen und die Stimmung des Landvolkes ist ausgezeichnet. Attenschweiler Buschweiler Leimen Niederanspach Oberhagenthal Oberanspach Blatzheim heftig wehrte und wüthend um sich hieb, kamen die zwei Polizisten end- lich keuchend und fluchend herangewackelt und schlugen ihn zuerst der» maßen auf den Kops, daß er blutend zu Boden fiel. Trotzdem wehrte er sich immer noch so lange, bis die Polizisten ihm die Fesseln um die Hände gelegt hatten. Das erste, was diese nun zu thun wußten, war, Schroff in den Taschen herumzuschnüffeln, wobei sich Einer in feinem löblichen Eifer an einem in der Tasche befindlichen offenen Messer die Hand etwas ritzte, was von ihm so ausgelegt wurde, es hätte Schroff ihn mit Absicht gestochen. Während nun einer der zwei Staatsretter zurückging, um die zu Boden geworfenen Mäntel zu holen, führte oder schleppte vielmehr der andere, Maier ist sein Name, den Verhafteten auf die Polizeiwachtstube, wobei er seinem Grimm über den langen Wider- stand durch fortwährendes Stoßen und Schlagen Luft machte. Schroff hatte jedoch die Hoffnung auf Flucht immer noch nicht auf- gegeben; er versuchte eine der gefesselten Hände aus den Ketten herauszuziehen, was ihn: endlich gelang, freilich nicht ohne daß die Haut mit- ging. Als die Beiden nun schon fast beim Polizeibureau waren, faßte Schroff den Meier, der nichts von seinem frevelhaften Beginnen gemerkt hatte, am Kragen und zwischen den Beinen, und warf ihn olrne Umstände an die Mauer, wobei er jedoch auch fiel, da der Polizist ihn am Rocke festhielt. Schroff versuchte nun sich von dem Burschen loszu- machen, während letzterer fürchterlich fluchte und immer„Hülfe, Mordjo" und sogar in seiner Herzensangst„Feuerjo" rief, um die in der Wachtstube befindliche Mannschaft herauszurufen. Da diese jedoch den Schlaf des Gerechten schlief, so dauerte es eine geraume Weile, bis sie erwachte, und schon hatte Schorff angefangen, seinen Rock auszuziehen, und dadurch von dem Griffe des Polizisten frei zu werden, als die Wachtmannschaft endlich herausgestürzt kam. Nun war Alles verloren, denn dieselben schlugen den Verbrecher zu Boden und schleppten ihn dann in die Wachtstube, wo sie ihn mit flachen Säbelhieben und Stockschlägen so lange traktirten, bis er ohnmächtig zu Boden fiel, und ihm das Blut ans Mund und Nase floß. Als er wieder zu sich gekoinmen war, suchte man ihn auszufragen, er würdigte die Schurken jedoch keiner Antwort, was ihren Zorn auf's Neue entsachte und noch mehr Prügel veranlaßte. Schließlich wurde Schroff nochmals doppelt gefesselt und zwar derart, daß man die Eindrücke der Ketten noch nach drei Wochen sehen konnte, und nun wurde er, nachdem er noch durchsucht worden war, in das Ge- sängniß geführt, natürlich nicht ohne daß man ihn auf dem Wege noch auf alle erdenkliche Weise quälte. In eine Zelle geworfen, sank er er- schöpft auf den Boden und verfiel in einen ohnmachtähnlichen Schlaf. Am andern Morgen beehrte ihn zuerst der„Oberwindhund" Dernbach mit seinem Besuch und begann eindringlich, natürlich in uneigennützigster Weise, ihm zuzureden, er solle doch gestehen, wer ihm die Druckschriften gegeben habe; als Schroff sich aber gar nicht bewogen fühlte, ihm dies anzuvertrauen, gerieth er in fürchterlichen Zorn, fluchte, datz Einem angst und bang werden konnte, und stieß die ärgsten Drohungen aus. Als dies Mittel aber ebenfalls nicht verfing, ging er im höchsten Zorne fort. Um elf Uhr desselben Tages sollte Schroff zum ersten Male vorge- führt werden, und schmiedete nun sogleich darauf einen Fluchtplan. Er bemerkte im Hinaufgehen in den VerHörsaal, daß die Thüre des Amts- gerichtsgebäudes offen stand, und als er nun nach dem Verhör, welches etwa eine Stunde gedauert hatte, wobei er natürlich nichts gestand, hin- abgeführt wurde, wußte er es durch den Hinweis auf seine Mattigkeit zu bewirken, daß der Gesangenwärter vor ihm her ging. Kaum aber waren sie in die Nähe der Thüre gekommen, so nahm Schroff seine letz- ten Kräfte zusamnien und sprang die wenigen Treppen hinunter, und bevor der Gesangenwärter Späth sich von seinem Erstaunen über diese bodenlose Frechheit erholt hatte, war der Vogel draußen und schlug ihm die schwere Thür vor der Nase zu. Als der Gefangenwärter dieselbe aufgemacht hatte, war Jener schon um die Ecke herum, und lief aus Leibeskräften nach der Schweiz zu, hinter ihm her Späth, welcher sich fast heiser schrie mit seinem:„Halt, Kerl, oder ich mach' Dich kaput! Haltet ihn, fangt ihn!" Der aber dachte nicht im entferntesten daran, zu halten und sich„kaput" machen zu lassen auch die Leute, welche sich auf der Straße befanden, ver- mochten ihn nicht aufzuhalten, denn er überrannte alle. Sogar einem badischen Grenzaufseher, der ihn schon fast erwischt hatte, gelang es nicht, ihn zu halten, denn unser Flüchtling sprang mitten in den Grenzbach hinein, und setzte nun auf schweizerischem Boden seine Flucht fort, wäh- rend Herr Späth mit seinen Konsorten, ein paar Spitzeln, dastanden wie weiland Löfs Weib. Schroff begab sich nun, da er zu erlchöpst war, um noch weiter zu fliehen, in ein bekanntes Haus und versteckte sich in einem Holzschuppen, um auszuruhen. Daß man ihn nun hier auch verfolgen werde, konnte er natürlich nicht vermuthen. Jndeß kaum hatte er einige Zeit in dem Schuppen verweilt, kam Späth angerückt. Er hatte Schroff bald in dem etwas hoch befindlichen Versteck erblickt und forderte ihn auf, gutwillig herunterzukommen, widrigenfalls er Gewalt brauchen würde, und ergriff auch, als dieser seiner Aufforderung nicht nachkam, eine Heugabel, und begann nach ihm zu stoßen, der aber riß ihm dieselbe aus der Hand und schlug ihm damit auf seinen hohlen Schädel. Nun lief der Kerl fluchend hinaus, kam aber kurz darauf mit einigen Helfershelfern, unter denen sich der Straßenwart Lang und, zur Schande fei es gesagt, auch Schweizer befanden, wieder. Dieser llebermacht war Schroff nicht gewachsen, und so schleppten sie ihn denn trotz heftiger Gegenwehr her- aus. Vielleicht wäre ihm doch noch Hülfe geworden, denn er forderte einige vorübergehende Maurer aus, ihm Hülfe zu leisten, da er wegen Vergehen gegen das Sozialistengesetz verhaftet sei. Dieselben forderten nun auch Späth auf, den Gefangenen gehen zu lassen, da derselbe sich aus schweizerischem Boden befände. Der erbärmliche Schurke jedoch, welcher Angst hatte, sein Opfer könne ihm so durchkommen, behauptete, Schroff habe Jemanden mit dem Messer erstochen, worauf die Maurer sagten, dann könnten sie nichts machen. Alles Widersprechen half nichts, man holte den Handwagen eines Tapezierers, Namens Lutz, herbei, der dies lachend geschehen ließ, und warf den Delinquenten darauf, den jedoch drei Mann festhalten mußten, da er sich immer noch wehrte. Als sie so bis etwa an die Grenze gekommen waren, gelang es ihm noch, den Fuß in ein Rad zu stecken, so daß der Wagen nicht mehr fortkam. Man warf ihn aber herunter, und er wurde nun gefesselt, und von einigen Polizisten unter fortwährendem Schlagen und Stoßen in das Gefängniß zurückgebracht. Hier wartete der Gefangenwärter Eisele bereits mit einem Prügel auf den„Verbrecher", und hieb nun furchtbar auf ihn ein. Dann wurde er in eine Zelle geworfen, von dem Schurken Maier noch einmal ge- prügelt, und dann in diesem elenden Zustande liegen gelassen. Zum Glück fiel er bald darauf in einen tiefen Schlaf, der bis zum andern Tag dauerte. Zu essen hatte er noch nichts bekommen, obendrein war er in einer Dunkelzelle. Acht Tage' darauf wurden Schroff's Vater und die Schwester ebenfalls verhaftet. Ueber die nun folgende sechswochent- liche Gefangenschaft wäre noch viel zu lagen, denn was Schroff durch die Brutalität des Gefangenwärters, Hunger und Einsamkeit, zu leiden hatte, ist geradezu unerhört. Endlich wurde er auf Reklamation des schweizerischen Bundesrathes freigelassen, und ging zunächst nach dem schweizerischen Grenzdorf Emmishofen, aber er merkte bald, daß er auch dort nicht einmal sicher war, da die schweizerischen Landjäger dortiger Gegend mit den badischen Behörden unter einer Decke zu spielen und es daraus anzulegen schienen. ihn mit Gewalt diesen in die Hände zu treiben, und schüttelte den Staub von seinen Füßen. Proben deutscher Volkspoesie. Huittung und Danksagung. Zur Austreibung des verhaßten Arbeitsbücher-Krämers und Stock- Reaktionärs, des Wechselexekutors Ackermann, aus dem 0. sächsischen Wahlkreise sandten ein die deutschen Genossen in Castleford(England) durch Th. V. Mk. 50— Glasgow(Schottland)„ A. Sch.„ 30 55 Alloa(Schottland)„ H. Sch.„ 30 50 Summa: Mk. 11105, wofür wir denselben unseren herzlichsten Dank aussprechen. Was an uns liegt, soll geschehen, daß der Wunsch unserer Genossen im Auslande, welche auch der unsere ist, endlich doch noch in Erfüllung gehe. Die Vertrauensleute im VI. sächsischen Wahlkreise. Aenjahrsgrntz an unsere sozialdemokratischen Reichstagsabgeordnete» — o— toi Die Ihr steht in Europens Angesicht Von stolzer Mannheit ein eherner Kranz— Wir grüßen Euch! Es bröckelt' ein Jahr in der Zeiten Schooß. Ihr aber, Ihr stehet machtvoller denn je, Auf der Lippe das erschütternoe Wort Und im Haupte den Siegesgedanken Des Sozialismus. Wenn glanzvoll Eure zürnend Rede Donnert von des Reichstags Tribüne herab, Da bebt in den Fugen das Staatsgebäud' Und leise erzittert der Scheiben Kristall Am Kaiserpalast. Und Euer Volk, es erhebt das zerttetene Haupt, Es braust durch die Herzen ein Frühlingssturm, Und die Hütten erfüllet ein purpurner Strahl Des kommenden Morgens. Es nahet der Morgen, im wuchtigen Schritt Der kommenden Zeit der gebietende Sturm; Da reißt Ihr aus Wolken erschütternden Machtblitz, Und die Throne sausen vor Euch in den Abgrund Zum Heile des Volkes. sr »ach Bchirt *nb ui >«s-< dn e- Drum, wie das neue Jahr an die Thüre uns pocht, Von den Alpen zur Nordsee senden wir Euch Und weithin hallend durch Europens Flur Den jauchzenden Heilgruß! Frank Wallbrunn. All Warnung. (Nachtrag zur„Schwarzen Liste" S. 20.) Der Schlosser Robert Schönhals aus Sachsen, bis 1874 in der Expedition des„Dresdner Volksbote" beschäftigt, hat laut früher« Bekanntmachung im„Sozialdemokrat" 1880 Nr. 0 und 34 bereits int Jahre 1880 in Nürnberg verschiedene Parteigenossen und einen Wirthl unverschämt betrogen; dann später im Sommer 1880 in Neustadt, Som neberg und Koburg eine Reihe armer Arbeiter und Familienväter im Ganzen um mehrere hundert Mark beschwindelt. Der Gauner, der sich in Thüringen den Namen Alfred Kästner beilegte und Präsident! des Deutschen Arbeitervereins Zürich und Redakteur des Gewerkschafts«! blattes„Felleisen" gewesen sein will, ist jetzt nach angeblich längerem! Ausenthalt in der Schweiz in Norddeutschland(Bremen) aufgetaucht und hat auch hier in Gemeinschaft mit seiner Frau, welche jetzt wegen eines in Frankfurt a/M. verübten Diebstahls verhaftet ist, ver« schiedene Schwindeleien versucht, ist aber sehr bald entlarvt worden. Tie Gesinnungsgenossen allerorts werden vor diesem Subjekt eindring« lichst gewarnt und alle befreundeten Blätter um Notiznahme von Vor« stehendem gebeten. dentio Wortt Ausnl haben . steig lüt gi Wi Frakti Die Expedition des„Sozialdemokrat." Brieftasten der Redaktion: k!. Ki-Ir. in Paris: Für diese Nummer leider nicht mehr möglich, daher erst in nächster. Ihren Einsendungen werden wir gerne Aufnahme gewähren, selbstverständliiq soweit der Raum und die Aufgaben unseres Blattes es gestatten, selbfiverständlich aber auch, ohne dafür irgend welche Gegenansprüche zu erheben.— Erfurt und B e r d e n: In nächster Nummer. nun t Aufsei fundei Hagen zipi, jenem denn streng Wt Grün Ausfii liegen ein so iffent! nichts blas der Expedition: Demokr. Aarhuus: Fr. 2 97 pr. Ab.-Cto. erh. und laut Nota gebucht.— D. N. Neuenburg: Fr. 1 80 f. Schft. erh. — I. St. Sttq.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh.— O. H. Brlu.: Ab. 4. Qu. 84 u. 1. Qu. 85 mit Mk. 4 50 bez.— F. C. St. Glls: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. 85 erh.— Drsd. Nachr. Seite 0: Mk. 2— stehen zur Verfügung. Däfern Namen nicht genannt wird.— E. G. Aarau: Fr. 0— Ab. Nov. u. Dez. 84 erh. T. folgt nach Vorschrift.— E. Sch. Rdkch.: Fr. 3 75 f. Schft. erh.— Silesia: Mk. 50— ä Cto. Ab. ,c. gutgebr. Adr. geordn.— Torfkasten: Mk. 20— ä Cto. Ab. tc. erh. u. sofort Gewünschtes per Bern veranlaßt. Adr. geordnet.— I. R. Sbg.: Mk. 3— Ab. I. Qu. erhalten. Alles in Ordnung befunden.— Postillon Lehmann l: Mk. 9 00 Ab. 4. Qu. 84, 1. Qu. 85 u. Schrft. erh. Adr. notirt. Sdg. fort.— V. Lchltr. Bsl.: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— Th. Prs. Lpzg.: Fr. 3 75 Ab. l. Qu. erh.— Rothbart: Mk. 250— ä Cto. gutgebr.— Edelweiß;(öwfl. 2— u. Mk. 3— erh. u.) Mk. 4 30 Abon. 1. Qu. und Mk. 2— pr. Afd. dkd. verw. Fr. m u ß jetzt dort sein. Neues wird stets im„S." annoncirt. Bfl. Weiteres.— E. B. L.: Mk. 10 50 Abon. 1. Qu. u. Schft. erh. Adr. geordn. Bstllg. soweit thunlich u. Erf. 43 folgt.— L. G. Genf: Fr. 2— Ab. I. Qu. 85 erh.— A. Lgr. Fkbg.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh.— O. M. Bl.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh.— L. Eichhorn Elizabeth: 2 Doll. Ab. pr. 1885 erh.— Ii. I.-VI.: Mk. 300— ä Cto. Ab. erh. Weiteres beachtet. Adr. pr. drs. notirt.— Bayer. Hiesel: Mk. 10— pr. Ab. 4. Qu. u. 1. Qu. erh. Werteres am 27/12. pr.-fbd.— R. M. S.: Fr. 10 80 Abon. 1. u. 2. Qu. 85 durch R. F. erh.— Serlow: Fr. 8— Ab. pr. 1885 erh.— O. Grstbg. B.: Mk. 5 20 pr. Nov. u.Dez. u. Ab. I.Qu. 85 erh.— A. der Schwarzseher: Mk. 35— ä Cto. Ab. erh.— Rother HanS: Mark 50 40 ä Cto. Ab. tc. nebst Gegrchng. gutgebr. Bfl. am 29 12. Weiteres.- S. G. M.: 80 Pfg. Rest pr. I. Qu. erh.— E. Z. Brünn: öwfl. 14— f. Schft. erh. Weiteres laut Nottzzttl,— d. ä. k.: Mk. 15 50 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Empfehlg. und Adr. notirt. Bstllg. folgt. Es bleibt bei dieser Spitzmarke.— Fran, und Rudolph:(öwfl. 15-) Fr. 33 77 erh. und Fr. 11 40 an die Vbhdlq. bezahlt. Rest uns. Bleibt Ab.(öwfl. 1 70) pr. 4. Qu. noch offen.— St. Gallen I. I. Braun: Fr. 2 40 erh. Wofür?— A. G. Hlbr.: Mk. 5— Ab. 1. Qu. erh.„Erlsg." bei Dietz, Stuttg., billigst zu beziehen. Preis Mk. 3—. Porto extra.— O. Gp.: Mk. 10— Ab. 1. u. 2. Qu. 85 erh. Haben Sie Alk. 1 40 pr. 3. Qu. gut.— Akai n» Akuma: Wird besorgt.— Zu stimm stagt an de gelege Es wohl wird. Ff ein bei jäh' scn! unk Dc Tal sch de vir nick die der nat Ar S-tiaMsche Aröetter?«rt«i Amttita. Sektion Nem-York. Sitzung des Zentralkomite« jeden Freitag Abend»» Uhr in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Nähere» sieh« „New-Yorker Bolkszettung". besonders Freitag« und Samstag«. pr<