die rg tun Krscheiut Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerlag der »» l r» b u<>> h a« d l« n« Hölting«»> Zürich. piststllduugea i»anio gegen franl» Gewihnliche Briese »ach der Schweiz lasten Doppelporto. erh. l-ch> illz. und Qu de.: 4« tg-' 2-1 chst :nde Du q !m5c i-* wnl llen . S 3Rl mrf ru« nÄ -? pt nui ahr, ■gfd. 5 95 und Fr- erh- Qu- 5 lZ hle« ilbr. .— i 7 20 eriv. Mki d)üt' rß.! Mk. 5 29 ereil qufi SB. 2-! I 95 Du-; Mi. erh., B. st.: «- i 40 l 20 nnr. :n: •J" ck> der inflt1 5»'! veu 19 « n -r- Der ZoMldemckmt Jentrat-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Kksttnements werden bei allen schweizerische« Poftbureaur, sowie beim Berlag und dessen bekannten Azeute» entgegengenommen, und zwar zum »ora uS» ahldaro« VierteljahripreiS von- Fr 2— sLrdieSchweijiilreuzband) Ml 8— sllr Deutschland iSouvert) fl. 1.70 sllr Oesterreich(Couvert) Kr. i 50 str alle übrigen Länder de> Weltpostvereins lllreuzband) Inserate die deeigespaltene Petitzeil« 25 Li».--- 20 Ps». .«r 4 Jionnttftag, 15. Januar I88S MP* Avis an die Abonnenten und Aorrespondenien des„Koziakdemokrat." Da der.Sozialdemokrat- sowohl ,n Deutschland-l, anch in Oesterreich»erboten ist. de, w»erfolg, wird und dl» dortigen «.hbrden st» all.«'nhe� geben...nfere»--bindung-n nach ienen Ländern mdgUchst zu.niweren...I»«...se UN, .WWWWM> möglichst ,,________________ >»!'ünseie'Z-itungr.'"und°I°nftigen Epeditionen nach dori'a'bzusangen. so ist dl» äußerste«orstkit im Postvrikehr nothwendi» und dars keine»orstchismaßregel versäumt werben, die Briesmarder«der den wahren Adlend-r und Empsänger, � l'*'n, der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Hauptersorderniß ist hlezu einerseits, daß unsere Freunde so selten al» n-öglich an den.Sozialdemokrat-, resp. besten Verlag selbst adrefliren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtig« Adreste außerhalb Deutschland« und Oesterreich« wenden, welche fl» dann mit un« in Verbindung setzt; anders«», aber, daß auch UN, möglichst unversängliche Zustellungtadresten mitgotheilt werden. In zweifelhasten Fällen empfiehlt stch dehus» größerer Sicherheit Rctommandirung. Soviel an un« liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch lkosten scheuen um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat- unseren Abonnent«» möglichst regelmäßig zu liefern !en eil >aS nd ien ige )Ee ntt «" SN ren Fonds zur Unterstützung der Opfer des SozialiftengescheS. Per Februar sind von Gera nachträglich zu quittiren: Mk. 30—. Im Juli gingen ein l «erden Mk. S0—. Halle a/S. 30—. Reichenbach i/V. 5—. Schwadach 2—. Aus verschiedenen Orten des R.-B. Düsseldorf 3 Kassel 15—. Desgl. 6—. St. Johann 5—. Königsberg i Pr. 5 50. Miit- Weida— 70. Brandenburg 20—. Cottbus 3—. Oederan 27—. Neustadt a/H. 2 50. Crefeld 10—. Wilhelmshaven 5—. Liegnitz 15 80. Oschatz 2—. Nürnberg 65—. Neckarspitze Mk.— 56. v. Bord des„Kaiser Wilhelm" für Ueberfahrt ». d. Seestr. v. rothen Fährmann Konstanz— 50. Im August gingen ein: Gera Mk. 30—. Fr. Leipzig 100—. H'männer Chemnitz 8—. Erfurt «Das Banner hoch!" 20—. Von Berliner Freunden„Paßt auf die «erräther auf!" 200—. München 27 50. Frankfurt a'M. 10—. Potsdam 28—. Mannheim 20 50. Frankfurt a/O. 5 60. Duisburg 9—. Brandenburg 20—. Augsburg 9—. Ohlau 3—. Potsdam 28—. Zwickau 20—. Minden 5 60. St. Johann 5—. Magdeburg 5 60. Mannheim 20 50. Königsberg 6 50. München 27 50. Chemnitz 15 50. Bielefeld 60—. Greiz 21 50. «randenburg 5—. Hamburg 159 60. Desgl. 180—. E. B. Z. sFr. 2—) Mk. 1 60—. H. Sch. M. 1 30. L. St. B. <5—) 4—. Köln a/Rh. 150—. 5 Hottinger Rothe durch R. F.(2—) > 60. H. Bzo. W'thur fl 30) 1 04. Im September gingen ein: Meerane Mk. 22—. Halle 15 50. Hagen 6 50. Apolda 15 10. Neu- stadt a/H. 6-. Kassel 2 50. Neustadt a/H. 2 50. Schwabach 2 50. Hamburg 50—. Brandenburg 20—. Spremberg 5—. St. Johann 6 20. Magdeburg 14 50. Großenhain 5—. Forst i L. 55 50. Potsdam 17—. Rpstock 21—. Greiz 1150. Stettin 5—. Zeitz 2 50. Ohlau 6 50. Frankfurt a/M. 10—. Minden i/W. 13—. Grauer Staar Mk. 10—. Zug 1 68. Mrbch. Zch. sFr. 4—) 3 20. E. St. durch N. Greiz 2—, bei einer Kindsiause gesanlmelt. R. Trautschy Caliowie(3—) 2 40. Lodernde Flamme 2—. Im Oktober gingen ein: Philadelphia lDoll. 5 20) Rk. 20 80 von Mitgliedern der Metallarb> Union durch Fiedler. Gr. i. M.— 50. Drechsel durch ll. sFr. l 20) — 96. London(1 Pf. St.) 20— vom Comm. A.-B.Ver. C. M. Z. 3 45. vuenos-Aures(Fr. 95—) 76— vom Verein Vorwärts. Brüssel(l 25) l— v. P. Kfs.(Forts, folgt.) Allg. Wahl- und Unterstützungs- zc.-Fonds. Im Juli gingen ferner ein pr. Wfd.: Bukarest(Fr. 94 50) Mk. 75 60. Newyork(Fr. 1500—) 1200— 6. A.-Partei v. Nordamerika ll. Rate. Wahlverein der Schlester New- Nork(Doll. 100—) 405 04 für die schles. Wahlen. Schaffhausen Dtichr. «er.(Fr. 13 30) 10 64 für den zweiten Meininger W.-Kr. Klio durch P-rikles 10 Im August gingen ein: G«ra Mk. 30—. H'männer Chemnitz 8—. Leipzig 100—. Gent, von den vlämilchen P.-G.(Fr. 297-) 237 60. D. A. V. St. I.(16 35) 13 08. Chur Disch«. S.-D. d. H.(10—) 8—. New Häven, ges. d. I. Bollnsgr.(Doll. 10-) 40 52. Alloa Deutsche Genossen 16—. D. «. Vevey d..R.(8—) 6 40. Newyork Nat.-Ex. Com. d. S. B. P. von N.-A. III. Rate(1500-) 1200-. H. S. F. Call.(Doll. 1—) 4—. Im September ginge« ein pr. W.> u. Ufo. K.: Stuttgart„Unvorsichtigkeitssteuer" Mk. 22 50. Berlin 300—. Leipzig „für Bebel's Wahl" 100—. B. Leipzig 20—. Junkerken 50—. Danzig 50—. Ungenannt 30—. W. Z. Altena i/W. 4 30. Ballenstädt 12—. Pr. Wfd.: Cleveland(Doll. 100—) Mk. 405 04 I. A. A. Gruppe I der West- feite durch Keitel. Buenos Aires(Fr. 133—) 106 40 2. Rate v. Verein vorwärts s von den Eskimos das.(10—) 8—. Liäge(4 05) 3 24, ges. von dischn. Gen. am Wermuihstisch. Palmyra(Doll. 1—) 4 08 A. Heims. London(Pf. St. 25—) 600— F. Engels. Newyork(1500—) 1200— IV. Rate durch s R.-Ex.-Com. ver S.- A. P. v. N.-A. Nieder- uzwyl(9 50) 7 60 v. d. Gen. durch Ph. Rkr. I. F. Zch(— 25)— 20. Zug(5 20) 4 1« von den P.-G. durch Lz. Caltowie(5—) 4—. R. Trautschy. Newyork(1500—) 1200— V. Rate durch's N.-E.-Com. der €>. A. P. v. N.-.A. Lodernde Flamme 2—. Zürich(1—)— 80 Nagel. «oos(1 50) 1 20 I. Stall. Dtschr. Ber. Frauenseld und Schuhmgwksch. Winterthur, gesammelt bei einem gimeinschaftlichen Ausflug(5—) 4—. Bern(1 50) 1 20 von einem rothen Grütlianer. Rio de Janeiro(11 Millreis) 18— von mehreren Getreuen durch E. Weiland. Torino (20 Lire)16— von 5 Genossen durch Hbdt. gesammelt. Koblenz in der Schweiz(— 35)— 28 v. Rother Gaucho. Im O k t o b e r gingen ein pr. W.- u. Ufd.: Kossuchen 20—. Luxemburg 200—. Jena 55—. A. W. Hannover 100—. Berlin 500—. Pirna 3—. Deutscher Arbeiterverein Basel 25—. Fräulein E. B. in Leipzig 10—.") D. Gens 100—. Unbekannt Dresden 6—. Leipzig durch L. 100—. 358. Braunschweig 500—. Stralsund 6—. Hamburg 180—. Eßlingen 6 75. Meerane 11—. Hohenstein-Ernstthal 1010. Brandenburg 20—. Hamburg 50—. Quendlinburg 4 75. fr. Wfd.: • T. Z.(Fr. 10—) Mk. 3—. E. B. L. 1 40. Stäfa und Männe. dvrf(9—) 7 50 von Gesinnungsgenossen. London(10 Pf. St.) 201 60 vom Comm. A. B. V. durch H. Amsterdam(31 04) 24 83 Ueberschuß einer Ausfahrt d. A. B. V. durch Echtz. Blutroth— 70 und— 50. Winterthur(5—) 4— von der Schneidergewerkschaft.**) Im November gingen ein pr. W. u. Ufd. w.: Zwickau Mk. 22—. Hamburg 50—. Crefeld 35—. Mittweida 1 1 90. Kiel 65 70. Frankfurt a/M. 22—. Herford 20—. Düsseldorf(W.-F.) 42-. Neustadt a/H.(W.-F.) 10—. Nürnberg Dv. 38 40. Ungenannt 100—. D. Schwerin 50—. Altenburg 10—. Mittweida 100—. Sonneberg 50—. Hamburg 3000—. Luxemburg 200—. Pirna 40—. Chemnitz 100—. Liegnitz 20—. Weimar 10—. Köln 200—. ») Die Dame schreibt, sie habe sich das Geld zu einem neuen Kleide gespart; sie wolle es aber lieber unserer Sache opfern. Ein Bravo und schönen Tank der Unbekannten! **) Der Schluß der Oktober-Cingänge folgt in nächster Nummer. Pirna Leimtiegel 3—. Schwerin 21 25. Eidenburg 6—. Zittau 20—. Pforzheim 20—. Ronsdorf 20—. Schwäb. Gmünd 20—. Lübeck 50—■ Celle 10—. Schwerin, aus dem Papierkorb 30—. Aus dem Wahlkampf 30—. Von der Pferdebahn 3— Sonst 6—. Leipzig 40—. Delitzsch 18—. Waldheim 4 72. Hagen i/W. 10—. St. Johann 15—. Cottbus 20—. Reutlingen 12—. Baden-Baden 10—. Durlach 16—. Greiz 50—. Ernstthal 10. Großenhain 50—. Dortmund 20—. Braunschweig 150 50. Wermelskirchen 15—. Berlin 10—. Stettin 20—. Hastedt 45—. Hirschberg i Schl. 15—. Bochum 20—. Penig 5—. Würzen 20 Frankfurt a/O. 10—. Potsdam 55—. Brandenburg 50—. Merseburg 30—. Sorau 10—. Erfurt,„Das Banner hoch!" 70- Hemlingen 13 55. Verden 58—. Gollnow 7 50. Pr. Wfd.: Roiher Gaucko(Fr. 1—) Mk.— 80. Kreuzlingen(5—) 4—, beim Abschied und Willkommen mehrerer Gen. ges. Marth v. Berge(10- 8—. Winterthur(6 55) 5 24 durch K. f. d. Stichw.;(16 40) 13 12, ges. bei Berichte, statttung d. Wahlresult.;(3—) 2 40, ges. in der Vers, am 2 11.84. Schaffhausen(8 30) 2 64 v. K. H. u. Ftzr. Budapest öwfl. 1—) 1 65 durch Dr. Ky. (Fortsetzung folgt.) Die Kolonialpolitik und die Arbeiter. Nach den neuester-. ReichstagS-Verhandlungen unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß Bismarck in der Kolonialfrage feine Absichten durchsetzen wird. Der deutscht Spießbürger hat auf den Köder angebissen, und Zentrum und Deutschfrcistnnige haben am 10. Januar ihre Kapitulation vollzogen, indem sie nahezu einstimmig für die Dampfbarkasse de«(ZukunftS-) Gouverneur» von Kamerun stimmten. Ob diese Kapitulation, wie Herr Richter sagte, schon am 14. Dezember, also noch vor dem„Entrüstung»"- Schwindel, oder erst nachher beschloffen war, ändert an der TdaUache nicht», ebensowenig die verschiedenen Verklausulirungen und Vorbehalte. Hier heißt e»: Wer A sagt, muß auch B sagen. Es ist ein im höchsten Grade charakteristischer Zufall, daß an demielben Tage, wo der Reichstag über die Dampfbarkasse zu berathen halte, die Nachricht eingetroffen war. daß e» in Käme- run zwischen den Eingeborenen und deutschen Truppen zu Blutvergießen gekommen. Dadurch war selbst für den Un- eingeweihten Gelegenheit gegeben, stch gewisser Konsequenzen der Kol mialpolitik in ihrer vollen Tragweite klar zu werden. Nach einem der„Köln. Ztg." aus St. Vincent zugegangenen Telegramm landeten nämlich am 20. Dezember die beiden deutschen Kriegsschiffe„Bismarck" und„Olga" in Kamerun 330 Mann mit vier Kanonen, weil„die Bewohner von Hickory- town und Foßtown den„König" Bell verjagt, die Kaufleute bedroht und da» gleich dem erstgenannten Dorf an der Mündung gelegene Belltown verbrannt hatten." „Hickoryiown," heißt es,„wurde bei geringem Widerstande ohne Ver- lust genommen. Ein Offizier der„Olga", Riedel, welcher erfahren hatte, daß die Foßleute Woermanns Agenten Pantanius gefangen genommen, beschloß, mit seiner Abtheilung die Rettung zu versuchen. Unter hef- tigem Feuer landete die Abtheilung in Belltown und stürmte einen hun- dert Fuß hohen Abhang mit Verlust von einem Tobten und sieben Ver- mundeten. Sechszig Mann hielten das Plateau zwei Stunden lang gegen 400 aus Buschwerk und englischen Missionen feuernde Feinde. Die Munition wurde knapp, als Unterstützung vom„Bismarck" anlangte; Foßtown wurde mit Hurrah gestürmt und niedergebrannt. In- zwischen ermordeten die Empörer Pantanius. Nach Verlust von zwanzig Tobten und vielen Verwundeten, darunter vier Häuptlinge, entkam der Feind in's Innere. Am 21. Dezember wurde das verödete Foßtown abermals besetzt; am 22. bombardirte die„Olga", den Fluß be- fahrend, Hickoryiown. Die Ordnung war am 25. Dezember völlig hergestellt. Die Neger begannen die bethörten Genossen auszuliefern." Zu dieler Nachsicht bemerkt die„Franks. Ztg.": „Wenn man in Deutschland geglaubt haben sollt«, daß uns bei der Erwerbung von Kolonien die unangenehmen Erfahrungen der Engländer, Franzosen und anderer Stationen erspart werden, oder daß wir mit an- deren Mitteln vorgehen würden, so dürften diese Illusionen bald ver- schwinden. An der Sklavenküste beklagen sich die Engländer, daß die Deutschen in Pageida und Klein Toyo den Eingeborenen Waffen liefern — nun hat Admiral Knorr als erste Sicherheitsmaßregel in Kamerun den Waffenverkauf verboten. So oft die Engländer und Franzosen Dörfer der Eingeborenen bombardiren und diesen ihre Herrschaft mit Waffengewalt aufzwingen, macht sich, und wie man sagen muß, mit vollem Recht, in der deutschen Presse große Entrüstung bemerkbar. Nun haben wir selbst in dem eigenen Schutzgebiete„Städte" bombardirt und eingeäschert. Es sind das eben die unvermeidlichen Folgen der Kolonialpoliti k." Den letzten Satz haben wir unterstrichen. Die„Franks. Ztg." ist gemäßigt kolonialfreundlich, ihre Stimme ist hier durchaus unverdächtig. Sie will weniger kritifiren al» konstatirm oder auch vorbereiten. Die„große Entrüstung" ist vollberechtigt— natürlich!— aber„da» find die unv ermeidlichen Folgen." Und im Reichstage erklärte Eugen Richter: „An seine(Woermann's) Bemerkungen kritische Erwägungen zu knüpfen, scheint mir im gegenwärtigen Augenblicke und nach den Mittheilungen, die wir heute über Vorfälle in diesen Gebieten erhalten haben, nicht an- gemessen. Denn es bleibt bestehen: wenn irgendwo die deutsche Flagge engagirt ist, müssen wir alle, Parlament und Parteien, für diese Flagge und für die Folgen mit einstehen, und dazu rechne ich auch die größere Reserve, die wir uns heute auferlegen sollten." Und Windt Horst: „Wir haben eben gehört, welche Begebenheiten dort in Afrika statt- gefunden haben, und wir können unseren Landsleuten für ihre Haltung nur unsere volle Sympathie aussprechen. Es versteht sich l auch ganz von selbst, daß wir nicht gesonnen sein können, auch nur einen Groschen zurückzuhalten, der erforderlich ist, um die Ehre des deutschen Namens aufrechtzuerhalten. Der Reichskanzler kann daher sicher erwar- ten, daß alle Mittel zu solchen Zwecken von dem Reichstag bewilligt werden."......Dasjenige, was nöthig ist, um in Kamerun die Auto- rität der deutschen Flagge aufrecht zu erhalten, müssen wir, das wieder- hole ich, einmüthig bewilligen; das sind wir unserer Ehre, unserem aus- wältigen Einfluß und dem Andenken derer schuldig, die in weiter Ferne für das Vaterland ihr Blut vergossen haben." Hier haben wir im Kleinen dmsclben Borgang, wie er stch typisch fast überall abspielt, wo Europäer kolonifiren. Ist man schon in Europa nie um eine Veranlassung zum Kriegt verlegen, wenn man das Bedürfniß nach einem solchen fühlt, so noch viel weniger in den Kolonien den„Wilden" gegenüber. Da ist die „Flagge" im Handumdrehen„engagirt". Hören wir z. B. noch einmal die„Frankfurter Zeitung." In seiner Nummer vom 12. Januar sagt da» volksparteilichc Blatt bei Besprechung der Nachricht, daß die italienische Kohlenstation Assab eine Garnison von 1000 Mann erhalten soll, um die Sicherheit der Kolonie zu wahren und da» Nachbargebiet zu „studieren": „So wäre der Anfang gemacht; das Andere wird von selbst folgen, wenn der Eifer des„Studiums" die Besatzung von Affab immer weiter in's Innere Afrika's führt. Die italienische Regierung wird sich dann plötzlich erinnern, daß es zwei ermordete italienische Expedittonen, die von Giulietti und von Bianchi, zu rächen gibt und sie wird finden, daß jeder Fußbreit Erwerbungen durch Weiterrücken der Grenzen, durch neue Besetzungen und neue Expeditionen gesichert werden muß. Die Logik der Dinge wird für Italien keine Aus- nähme machen." Ebensowenig wie für Deutschland; und da bereits die Spatzen von den Dächern pfeifen, daß noch verschiedene deutsche„Erwer- bungen" demnächst dem staunenden Publikum kundgcthan werden sollen, von der.Schutzherrschaft" über Zanzibar ganz zu schweigen, so dürfen wir uns für die nächste Zeit auf ganz allerliebste Mchrforderungen für Heer und Marine gefaßt machen. Auch hier hat der Reichstag gezeigt, wie sehr er der„weltge- schichtlichen Mission", welche ihm jetzt obliegt, stch bewußt ist. Die Budgelkommission hat die von dem Admiralitätschef Ca- privi geforderte Erhöhung de» Marineetat» um 5 Millionen Mark einstimmig bewilligt. Mehrausgaben erfordern auch Mehreinnahmen. Die „Logik der Dinge" erheischt also, daß nach neuen Einnahme- quellen für da» Reich gesucht wird. Und auch in dieser Bezieh- ung ist bereit» Fürsorge getragen. In der Sitzung vom 10. Januar verkündete Bismarck die„Nothwendigkeit" der Erhöhung der Getreidezölle. Die Vertheuerung der nothwendigsten Leben»- mittel, da» wird der erste, sehr reale Segen sein, welcher der Arbeiterklasse infolge der neuen Kolonialpolitik zu Theil wird. Dafür stellt man allerding« den Arbeitern die großartigsten Dinge von der Welt in Aussicht. Sie brauchen nicht mehr auszu- wandern, denn Handel und Gewerbe werden einen glänzenden Aufschwung nehmen, wenn erst diese neuen Absatzgebiete voll- ständig eröffnet sind. Wa» ist daran wahr? Soviel, daß die Negervölker stch allerding» sehr leicht zu Kunden für gewisse Artikel„erziehen" lassen. Darin besteht ja gerade die„zivilisatorische" Bedeutung dieser Handelskolonien, daß man den Negern, wenn nöthig, mit Gewalt, Bedürfnisse anerzieht, für die sie vorher absolut kein Verständniß hatten, während man dem weißen Sklaven in der Heimath am liebsten alle Bedürfnisse abgewöhnen möchte, ihm Bedürfnißloflgkeit al» die höchste Tugend preist. Glasperlen, bunte Tücher, Messer, Gewehre, Pulver— da» find so einige der kourantesten Handel»- artikel. Wo Missionäre da» Werk der„Erziehung" übernommen, da gibt e» natürlich auch Bibeln. Und schließlich nicht zu ver« gessen da« höchste Kulturprodukt: Fusel. Wer nach Afrika geht, um Geschäfte zu machm, will natür« lich schnell verdienen, weil kein Europäer dm Aufenthalt in jenem Klima lange aushält. Schon darau» kann man fchließm, welcher Art gewöhnlich die Erzeugnisse sind, welche den Negern aufgehalst werden. Schundwaare in de» Worte» verwegmster Bedeutung, Erzeugnisse der billigsten Massenproduktton. Von dm hierher gehörigen Branchm werden somit allerding» einzelne zu thun bekommen, wie wenig aber solcher Absatz im Stande ist, dm industriellm Krisen unserer Tage abzuhelfm, zeigt da» Beispiel von England, wo trotz de» großartigsten Kolonialbesitze» die Arbeitslosigkeit in steter Zunahme begriffen ist. Nun wird gesagt, daß, wenn auch die Arbeiter nicht gerade direkten Vortheil von dm Kolonim habm sollten, die» doch indirekt der Fall sein werde. Da» Geld, welche» dort verdimt wird, werde doch schließlich dem Mutterland der Kolonialhäuser zu Gute kommen. Auch da» ist nicht stichhaltig. Einmal fehlt e« im Mutterland gar nicht an Geld. Im Gegmtheil. Da» laute Geschrei der Bourgeoifie nach Kolonien kommt gerade da- her, daß im Mutterlande zuviel Geld vorhanden ist, daß die Herren Kapitalisten zu Hause keine rentable Berwmdung mehr für ihre Gelder findm. Dann aber hat der au« den Kolonien strömende Reichthum keineswegs die„befruchtende" Wirkung, an welche uns gewisse Leute gerne glauben machen möchten. Viel- mehr zeigt un» wiederum England, welch' ungesunde Zustände er zu zeitigen vermag. E« ist absolut lächerlich, um keinen schärferen AuSruck zu ge- brauchen, wenn man den Arbeitern weißmachen will, die Kols- nialpolitik werde ihnen als Klasse von Nutzen sein. DaS Gegen- theil ist der Fall. Sie schädigt fie als Klasse. ES gibt keine Einrichtung in der heutigen Gesellschaft, die nicht einzelnen Arbeitern zugute käme. Wie viele Arbeiter„leben" nicht vom niederträchtigsten, raffinirtesten LuxuS, den eine Handvoll Geldlcute treiben, wie viele Leute„ernährt" nicht derMili- tariSmuSl Nur politische Kinder werden aus dieser Thatsache aber den Schluß ziehen, daß Krupp'sche Kanonen eine Wohlthat für die Menschheit seien, und Rentiers eine gesellschaftliche Roth- wendigkeit. Genau so verhält eS sich gegenwärtig mit den Kolonien. Nicht weil Deutschland seine Bevölkerung nicht mehr ernähren kann, wird der Hexensabbath ausgeführt, sondern weil die herrschenden Klassen auf ihre Ausbeuterpriviligien nicht verzichten wollen. Wenn daher die verschiedenen Elemente der Bourgeoisie sich in rührender Eintracht in dieser„nationalen" Angelegenheit zusammenfinden, so haben sie ihre guten Gründe dazu. Noch bessere Gründe aber haben die Arbeiter, dem nationalen Hexen- sabbaih gegenüber sich absolut ablehnend zu verhalten. S i e find e«, welche den LSwcnantheil der Kosten zu bezahlen haben werden, während der Nutzen für sie einzig und allein darin besteht, die Stunde ihrer Emanzipation hinausgeschoben zu sehen. Und um dieser glänzenden Aussicht willen muthet man ihnen zu, sich zu moralischen Mitschuldigen zu machen der Niederträch- tigkeiten, welche„im Namen der Zivilisation" an den Negern verübt werden. Im Interesse der Verlängerung ihrer eigenen Sklaverei sollen sie womöglich die Mittel zur Korrumpirung harmloser Völkerschaften bewilligen, dazu die Hand bieten, daß man— wie sich Herr Stanley, der geriebene Aankee, unter dem tosenden Beifall der aufgeklärten Kölner Bourgeois aus- drückte—„christliche Gesittung" nach Afrika trägt, und dabei die Menschenrechte mit Füßen tritt— diese„unvermeidlichen Folgen der Kolonisation", diese„Logik der Dinge", um mit der„Franks. Zeitung" zu reden. Der Heißhunger, mit welchem sich die„idealen" deutschen Bürger heute auf die Kolonien werfen, um bei dem allgemeinen Raub nichi leer auszugehen, erinnert uns lebhaft an das Heine'sche Gedicht:„Der tugendhafte Hund". Vergessen sind alle die schönen Moralgrundsätze, verflogen ist die sittliche Entrüstung—„der tugendhafte Hund, er frißt." Die Arbeiter aber werden sich durch die Knochen, die man ihnen hinhält, nicht ködern lassm. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 14. Januar 1S8». — Das allgemeine Stimmrecht und die Liberalen. Nach dem schlechten Ausfall der Stichwahlen— schlecht für die Bis- marck'sche Gefolgschaft— erhoben die nationalliberalen Loyalitäts- und Servilitätsbrüder ein wahres Zetergeschrei gegen das Institut der Stich- wählen, durch welches„unnatürliche Bündnisse" erzeugt würden. Daß gerade sie es gewesen, welche zu den„unnatürlichsten Bündnissen" ihre Zuflucht genommen lsreilich nicht mit dem gewünschten Effekt)— davon agten die nationalliberalen ServilitLts- und Loyalitätsbrüder selbstver- tändlich nichts. Und was ihren Vorschlag betrifft: die Stichwahlen ein- ach abzuschaffen und bei der allgemeinen Wahl die relative statt der absoluten Majorität gelten zu lassen, so würde dessen Annahme in Be- zug auf Wahlbündnisse— natürliche oder unnatürUche-- durchaus einflußlos sein, und, wie schon früher gesagt ward, zur einzigen Wirkung die haben, daß die Wahlbündnisse gleich vorder allgemeinen Wahl abgeschlossen würden. So lange wir ungesunde Parteioerhältniffe haben, und so lange die wirthschaftlichen Zustände dauern, aus welchen diese ungesunden Parteiverhältnisse entspringen, werden bei jeder Wahl gemein- schädliche und auch— so weit der Ausdruck berechtigt ist— unsittliche Interessen sich geltend machen, und entsprechend unsittliche Interessen- t o n f l i k t e und Jniereffen koalitionen zu Stande kommen. Das beste Mittel, den mit den Stichwahlen und überhaupt mit dem bestehenden Wahlmodus verknüpften Nachtheilen zu steuern, besteht' in der sogenann- ten Proportionalwahl, welche von unseren Parteigenossen schon seit langer Zeit empfohlen worden ist, ohne jedoch in unser Programm Ausnahme gesunden zu habe». Durch das Proportionalverfahren werden Feuilleton. Z>a» Wahlmanifest der deutschen Sozialdemokratie zu den Wahlen vom 28. Oktober 1884. (Fortsetzung.) „Aber," wendet man uns vielleicht ein,„gerade das soll ja durch die korporative Organisation, durch die Innung erreicht werden, welche die Konservativen uns vorschlagen." Nein, Freunde, zwischen diesen korporativen Organisationen, welche die Wunderdoktoren, und zwischen den Genossenschaften, welche wir Sozialdemokraten Euch vorschlagen, ist ein himmelweiter Unterschied. Jene Korporationen sind nichts als Blendwerk— denn sie erstrecken sich nicht auf das Wesentliche. Daß die kleinen Meister alle Wochen oder alle Monate einmal zusammenkommen: daß sie sich von irgend einem Abgesandten der Wunderdoktoren einen Vortrag über irgend ein mehr oder weniger abgedroschenes Thema halten und zum Vertrauen in die Güte und Weisheit der Wunderdoktoren anspornen lassen; daß sie hier und da wieder Meister- und Gesellenprüfungen einführen; daß sie das Monopol der Lehrlingsausbildung und Lehrlings ausbeutung erhalten,— damit ist's nicht gethan;das macht sie nicht kon- kurrenzfähig. Auf dem Boden der heutigen Wirthschaftsordnung mit ihrer„freien Konkurrenz" gibt es für den Handwerker keine Rettung. Mit dem Prin- zip der Konkurrenz muß gebrochen werden. I edem Individuum eine menschenwürdige Existenz sichern— das ist's, woraus es ankommt. Um das zu ermöglichen, müssen die Produktionsbedingunaen andere sein, muß die Arbeit ertragsfähiger, und das Arbeitserträgniß Jedem unge- schmälert zu Theil werden. Die Ertragssähigkeit der Arbeit wird aber außerordentlich gesteigert, wenn an Stelle des kleinen oder größeren Privat. Einzelbetriebs der gesellschasmche Großbetrieb tritt. Die A r b e i t s m i t t e l müffeng es ellschaftliches Eigenthum werden. Zunächst— als Uebergangsstadium— mögen die Handwerker, wo es irgend angeht, sich zu gemeinsamer ge- nossenschastlicherProduktion vereinigen. Viele kleine Kapitalien geben zusammen ein großes. Da aber größere Betriebsmittel nothwendig sind, als die kleineren Meister aufbringen können, so ver- langen wir, daß zur Errichtung solcher Genossenschaften vom Staate Geld und Kredit gegeben werde, wofür derselbe die K o n t r o l e zu beanspruchen hat. Laßt Euch nicht durch das Wort Staatshilfe die Stichwahlen vollständig beseitigt, und die Wahlen zu einem so treuen Ausdruck der Interessen und Stimmungen der verschiedenen Bevölkerungsschichten gemacht, als es unter den heutigen Staats- und Gesell- schastsverhältniffen überhaupt möglich ist. Jndeh aus eine ernsthaste Reform des Wahlgesetzes kam es den nationalliberalen Radaumachern gar nicht an— sie wollten eben bloß Radau machen. Und wenn ihnen etwas am Herzen liegt, so ist es nicht R e f o r ni des Wahlgesetzes, so-.- dern Beschränkung desWahlrechts. In diesem Sinne äußer- ten sich unmittelbar nach Bekanntwerden des ungünstigen Wahlresultats mehrere nationalliberale Stimmen— jedoch waren das nur vereinzelte Kundgebungen. Etwas deutlicher wurden die Herren Nationalliberalen schon anläßlich des D i ä t e n a n t r a g s. Da schlössen sie sich dem konservativen Feldgejchrei an: Einführung der Diäten kann nur bewilligt werde-, wenn als Kompensation, gewissermaßen zur Ausgleichung, eine entsprechende Beschränkung des Wahlrechts stattfindet. Bekanntlich ist das auch der Standpunkt des Fürsten Bismarck. Jndeß war auch dies nur ein bedingter Angriff auf das allgemeine Stimmrecht, und deshalb von keiner sonderlichen praktischen Bedeutung, weil die Reichsregierung nicht im Entferntesten daran denkt, dem Reichstag Diäten zu gewähren. Jetzt ist aber die Sache in ein anderes Stadium getreten: das offi- zielle Organ der Nationalliberalen, die„Nationalliberale Korrespondenz", greift in einer ihrer letzten Nummern das allgemeine Wahlrecht auf das Heftigste an.„Das allgemeine Wahlrecht," so heißt es in diesem ächt nationalliberalen Erguß—„das allgemeine Wahlrecht ist z u p l u m p und roh, als daß die feinerenEmpfindungen der Volks- s e e l e und die Ueberzeugungen der gebildeten und be- sitzenden Klassen zur Geltung kommen könnten." Die schlinimen Folgen des„plunipen und rohen" Institutes des all- gemeinen Wahlrechts sind nun— wie der Artikel des Weiteren dar- legt— in dem unheilvollen Reichstagäbeschluffe vom 15. Dezember des vorigen Jahres zu Tag getreten; und der„nationale Sinn", welcher sich„mit wuchtiger Naturgewalt und stürmischer Begeisterung"— wir zitiren immer die„Nationalliberale Korrespondenz"— gegen diesen „schmachvollen", die deutsche Nation schändenden Beschluß gerichtet hat, richtet sich daher eigentlich gegen das allgemeine Wahlrecht. Zu verwundern ist daran nichts; und es fällt uns auch nicht ein, die Entrüsteten spielen zu wollen. Die Herren Nationalliberalen thun nur, was wir von ihnen erwartet haben. Und dankbar sind wir ihnen für die Offenherzigkeit, mit der sie ihre geheimste Denkweise enthüllen. „Grob und plump" das allgemeine Stimmrecht— das h< ißt die wirk- l i ch e Volksseele, welche es zum Ausdruck bringt. Stach den Begriffen dieser nationalliberalen Mustermänner hat nur diejenige„feinere Volks- seele" Werth, welche in den„gebildeten und besitzenden Klassen" steckt. Die Gleichsetzung der richtigen d. h.„feineren" Volksseele mit den„Ueberzeugungen der gebildeten und besitzenden Klasse", und serner die Gleichsetzung der„gebildeten" und der„be- sitzenden Klassen" sind recht charakterische Leistungen, die uns prächtige Lichtblicke in die nationalliberale„Volksseele" eröffnen, die entweder eine Uniform oder einen Orden trägt, oder doch tragen sollte. — DerReichstag ist am 8. dieses wieder zusammengetreten. Da das preußische Abgeordnetenhaus sich sieden Tage später wieder ver- sammelt, so wird, um das Nebeneinandertagen beider Körperschaften weniger lästig zu machen, vermuthlich ein Arrangement dahin getroffen werden, daß Reichstag und Abgeordnetenhaus mit ihren Sitzungen ab- wechseln, und sich in die Woche eintheilen. Früher glaubte man. an demselben Tage zu verschiedenen Stunden je eine Sitzung der beiden Körperschaften abhalten zu können; das hat sich«bei so wenig bewährt, daß man hiervon zurückgekommen ist, und Reichstag und Landtag nicht mehr an dem nämlichen Tage will sitzen lassen. Wie immer man jedoch die Sache einrichten möge, durch das gleich- zeitige Tagen der beiden Körperschaften werden die parlamentarische» Verhandlungen außerordentlich in die Länge gezogen; und der Reichstag sowohl als der Landtag werden sich tüchtig dazu halten müssen, wenn sie das Budget, jener für das Reich, dieser für Preußen, rechtzeitig, das heißt vor dem 31. März diese? Jahres erledigen wollen. Wahrscheinlich wird dann nach Ostern der Reichstag auf einige Zeit vertagt werden, damit der Landtag Zeit bekommt, seine Arbeiten zu beendigen. Die Gesetzesvorlage auf Erweiterung des Krankenkassen- g e s e tz e s wird schon in den nächsten Tagen in erster Lesung zur Ver- Handlung gelangen und vor eine Kommission verwiesen werden. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich so recht schlagend, wie lüdcrlich die Regierung bei ihren gesetzgeberischen Arbeiten verfährt. Die sozialdemokrati- schen Abgeordneten schlugen bekanntlich vor, daß das Gesetz auf sämmt- liche Staatsangehörige, die bis zu einem gewissen Einkommen(Ver- dienst) haben, ausgedehnt werden solle, also z. B. auch auf Dienstboten, Eommis jc. Die Reichsregierung wollte jedoch hiervon durchaus nichts wissen. Mit der Nase aus die Nothwendigkeit gestoßen, hat sie jetzt end- lich einige Arbeiterrubriken dem Gesetz untergeordnet, oder sich doch ent- schloffen, dies dem Reichstage vorzuschlagen. Jndeß ihre Zugeständnisse genügen auch nicht entfernt, und nächstens wird man weitere Rubriken dem Gesetz unterstellen müssen. Und so wird die Flick- und Pfusch- arbeit fortdauern. Und wohlgemerkt, durch diese Flick- und Pfujch- arbeit wird den Behörden eine ungeheure Masse überflüssiger Arbeit gemacht, und überhaupt eine kolossale Kräftevergeudung erwirkt. Am meisten tritt dies in den ländlichen Gemeinden hervor, wo die arbeitende Bevölkerung sich zum größten Theil nicht in bestimmte Kate- gorien abcheilen läßt, weil sehr vwle Einwohner während des Sommers und Herbstes, wo die Landwirt;, schuft viel Arbeitskräfte erheischt, in der Landwirthschaft arbeiten, im Winter und Frühlmg aber sich ihr Brod erschrecken. Seit Jahrhunderten hat der Staat den Reichen Staats- Hilfe ertheilt— es ist endlich an der Zeit, daß er sie denen ertheile, welche ihrer bedürftig sind, und ohne die der Staat nicht bestehen kann. Im freien Staat, den wir erstreben, hilft das Volk sich selb st, denn Staat und Volk ist Eins, so daß Staatshilse und Selbsthilfe Eins sind. Was wir hier über Produktiv Assoziationen der kleinen Handwerker (und sonstigen Geschäftsleute) sagten, das findet Anwendung auch auf die Bauern, die, w-nn auch in anderer Form, unter denselben Miß- ständen leiden wie der„kleine Mann" in den Städten. Aus den Land- mann haben die Herren Wunderdoktoren es ganz besonders abgesehen. Sie hassen sein durch hundertjährige schlimme Ersahrungen leider nur zu begründetes Mißtrauen gegen die Städte weide ihn geneiut machen, als Mauerbrecher bei Bekämpfung der in den Stävten hauptsächlich ein- gewurzelien demokratischen Ideen zu dienen, und sie spielen sich selbst gewissermaßen als seine„Kollegen" auf. Sie sind jedoch meist hohe Herren, Gutsbesitzer, Großgrundbesitzer, Barone, Grafen und Fürsten. In genau derselben Weise sind die Fabrikanten auch d.e„Kol- legen" der Handwerker und Gewerbtreibenden. Wie die Fabri- kanten ihren kleinen„Kollegen" in der Stadt durch die Konkurrenz zu Grunde richten, so die Herren Großgrundbesitzer ihren kleinen„Kollegen" aus dem Land, den geliebten„Bruder Bauer". Es ist die Z ä r t I i ch- keit des Wolfs für dasLamm. Und wer die bekannte Kinder- fabel kennt, der weiß, daß das Lamm, um an diese Liebe zu glauben, ein Schaf sein muß. Was die wirthschaftliche Lage des Bauernstandes betrifft, so ist sie im Wesentlichen dieselbe, wie die des„kleinen Mannes" in der Stadt. Die Landwirthschaft i st Industrie, wie jeder andere Arbeitszweig— nur unverständige Menschen können eine gegensätzliche Verschiedenheit anneh- men- sie ist sogar einer der wichtigsten Theile der„nationalen Arbeit", in Deutschland derjenige, welcher bis j-tzt noch die meisten Hände be- schästigt; und die nämlichen Gesetze, welche die Produktion in den übri- gen Arbeitszweigen beher:sch.m, beherrschen auch die Landwirthschaft. Der Kleinproduzent auf dem Land hat einen ebenso erbitterten Konkur- renzkanrpf mit dem Großproouz.nten aus dem Land, d. h. dem Groß- grundbesitzer zu sühren, wie d.r Kleinproduzent in der Stadt mit dem Großproduzenten in der Stadt, d. h. dem Fabrikanten. „Aber die K o r n z ö l l e Helsen uns doch!" Ja, so reden Euch die Wunderdoktoren vor, und diesen helfen sie auch. Von den Schutzzöllen haben wir bereit� vorhin gesprochen, und ausgeführt, wie es deren Tendenz ist, die Preise der Lebensmittel in die Höhe zu tieiben. Deijenige, der mehr dieser künstlich vertheueiten Lebensmittel erzeugt und absetzt, als er für seine eigene Haushaltung durch irgend ein Handwerk verdienen. Durch die jetzig- planlose Zev splitterung und Verzettelung des Krankenkaffenwesens wird den ländlich« Gemeinden eine unverhältnihmäßige Arbeitslast aufgehalst. In d« städtischen Gemeinden ist es nicht ganz so schlimm, aber noch schlimi» genug. Kurz, abgesehen von dem reaktionären Wesen und Zwecke d-i Krankenkassengesetzes, hat die Reichsregierung oder, persönlich ausgedrückt» defundet� � � � � absoluteste Unfähigkeit zur Arbeitergesetzgebunß - Die erste Sitzung des Reichstags nach den Ferie, war nach mancher Richtung hin interessant. Zunächst fielen die Leiche» bittermlenen der Forffchrittler auf, die krank sind vor Schreck über ihn unstaatSmännische Kühnheit vom 15. Dezember. Die Leutchen sind s« gedrückt und äußerten sich auch so de- und wehmüthig, daß es keine» Zweifel mehr unterliegen kann: die größere Hälfte der Fraktion, j« vielleicht die gesammte Fraktion geschlossen, wird in der dritten Lesung s u r den zweiten Direktor stimmen. Wenn man„Kronvrinzenpartei* ist, muß man Rücksichten nehmen; und wenn man Fortschrittsphilist« ist, kann man nicht mit einer großen Dosts von Kourage ausgestattet Gleich die erste Sitzung führte zu einem gewaltigen Skandal, in de» natürlich der geniale Reichskanzler die erste Geige spielte. Er fördert« bei dieser Gelegenheit die wundersame Entdeckung zu Tage, daß die Auswanderung ein Beweis der Wohlhabenheit eines Landes sei Natürlich! wer gar nichts hat, kann nicht auswandern. Sogar dü nationalliberalen Jasager waren verblüfft über die Staatsmännischkeit dieser Entdeckung. Die Budgetberathung, welche sich sehr in die Länge zieht, gab unseren Genossen mannigfachen Anlaß zum Eingreisen in di- Debatte. Ueber Auswanderung und Gesundheitsamt sprachen Hasen-! clever, Bock, Heine und Stolle.— Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Budgetberathung nicht voi Ansang März erledigt sein können, und dann soll der Reichstag de» Landtag Platz machen, welcher für den 15. d. M. zusammenberufen ist. — Ueber die Korruption des Richterstandes durch das Sozialistengesetz haben wir wiederholt Gelegenheit gehab« zu reden. Sie tritt in Deutschland so offenkundig und skandalös hervor, daß auf diesen Krebsschaden gar nicht oft genug hingewiesen werde« kann. Wohl wissen wir. daß auch vor der Aera des Sozialistengesetzes d« deutsche Richterstand in Bezug auf Charakter sehr viel zu wünschen übriz ließ; und wohl wissen wir, oaß auch in Staaten, die keine Ausnahme- gesetze haben, der Richterstand durch und durch korrupt sein kann. Allei» das liegt in den allgemeinen staatlichen und gesellschastlichen Verhält- nissen, welche die Gesetze zu Klassen g-setzen und die Justiz zu ein« Klassenjustiz im Sonderinteffe der herrschenden Klaffe machen. Die Korruption des Richterstandes durch polizeiliche Ausnahmegesetz« ist anderer Art und unterscheidet sich wesentlich von jener allgemeine« Korruption. Polizeigesetze sind Willkürgesetze. Die Willkür steht aber m diametralem Gegensatz zur Jurisprudenz, zum juristische» Recht.! Freilich ist es uns nicht unbekannt, daß das juristische Recht mit de« einfach menschlichen Rechtsbegriffen, soweit wissenschastlich von solche« die Rede sein kann, nichts gemein hat und sie sehr häufig geradezu um- drehl und aus den Kops stellt,«llein das für Recht befundene Unrecht wird von dem juristischen Verstand in bestimmt- feste Regeln gebracht, an denen er zäh festhält und die bis zu einem gewissen Grad unter Umständen das Recht ersetzen. Regel verträgt sich aber nicht mit Willkür. Die eine schließt die andere aus; und da Ausnahmegesetz« die absolute Polizeiwillkür bedeuten, so berauben sie den juristische«� Verstand jener Regeln, die ihm die Rechtsbegriffs ersetzen, und entziehen ihm damit seine einzige feste Grundlage, so daß er in das Chaos dtt> absoluten Polizeiwillkür gestürzt wird. Die Prozesse, zu welchen daS letzte Wahlmanifest der sozial« demokratischen Partei Anlaß gegeben hat, legen hiesür beredtes Zeugnitz ab. In einigen Orten haben die Richter so, in anderen anders entschieden. So viel Gerichtshöfe, so viel Entscheidungen. Und doch a« sich, wie einfach die Sache! Das Manifest ist als K o p f b l a t t gedruckt, das heißt: für di- ver-; schiedenen Wahlkreise mit verschiedenem Anfang(Name des Wahlkreises) und Ende(Empsehlung des Kandidaten) hergestellt worden. In Folg« dessen hatte die verdotslustigc Polizei— die natürlich jedes sozial- deinokratische Wahlmanifest, und wenn Herr Madai selbst es geschrieoen, verboten hätte— statt eines Atanifestes über hundert Manifeste zu verbieten, die man doch erst verbieten konnte, nachdem mindestens ei« Exemplar abgefaßt war. Das für Leipzig und Umgegend bestimmte Manifest wurde vorzeitig von der Polizei abgefaßt und als Manifest für Leipzig und Um- g e g e n d, das zur Empfehlung der Kandidaturen Bebel und Viereck dienen sollte, verboten. Es versteht sich von selbst, daß die Genossen dieses Verbot nicht als ein die Manifeste für alle übrigen Wahlkreise treffendes an-' sahen und die Verbreitung in ihren Wahlkreisen bewerkstelligten. An verschiedenen Orten wurden Genossen bei der Verbreitung vo« der Polizei betroffen, und gegen diese Genossen ist dann auf Grund des Sozialistengesetzes Anklage erhoben worden, verbotene Schriften verbreitet zu haben. Nun bedarf es aber für pinen denkfähigen und unpatteiischen Mensche« gar keines Beweises, daß ein Wahlmanifest für Leipzig und Um- gegend n i ch t i d e n t i s ch ist mit einem Wahlmanisest für Zwickau oder Frankfurt am Main, und daß also das Verbot eines Wahl- manifestes für Leipzig und Umgegend sich nicht auch zugleich auf ei» Wahlmanisest für Zwickau oder Frankfurt a/M. erstrecken kann. verbraucht, macht allerdings ein gutes Geschäft. Unseren Herren Groß- grundbesitzer«— und wie gesagt, die Herren Wunderdoktoren gehören zumeist dem glücklichen Stand der Großgrundbesitzer an— ist allerdings mit den Heiltränkchen geholfen, welche sie den Landleuten vorschreiben: sie produziren das Getreide im Großen, und der durch den Zoll oedingt« Pretsaufschlag bringt einigen der Herren einen Mehrgewinn von 20 bis! 30, Ovo Mark das' Jahr. Der Klein bauer, der verhältnißinäßig nur wenig Getreide vertäust, büßt die paar Mark, die ihm der erhöhte Korn- preis einbringt, doppelt und dreifach ein durch die erhöhten Preise, welche er, in Folge der famosen„Wirthschaftspolitik", für die, nicht von ihm selbst produzirten Leoensmittel, für Kleiderstosse, Petroleum ,c. zahlen muß. Statt zu profitiren, verliert er also— was i'-nt die Kornsteuer direkt in die eine Tasche steckt, nimmt sie, indem fie zusammen mit den übrigen Schutzzöllen und indirekten Steuern alle Ledensinittel im Preise steigert, ihm indirekt aus der andern Tasche,— und noch viel mehr dazu. „Aber wir müssen doch die„nationale" Landwirthschaft gegen die Konkurrenz desAuslandes, besonders der Vereinigten Swaten schützen!" Die Konkurrenz der Vereinigten Staaten besteht in Wirklichkeit— das leugnen wir nicht—, ist sogar weit übermächtiger, als man gemeinhin vermuthet. Die Vereinigten Staaten haben so kolossale Flächen frucht- m a: baren Ackerlandes, daS zum großen Theil noch nicht bebaut ist, und di«-sti g Flache des bebauten Landes wächst so rapid, daß die von unseren Land- wirthen befürchtete Ueberschwemmung der europäischen Märkte mit am«- rikanijchem Getreide in der That nicht als Hirngespinnst betrachtet wer- den kann. Denken wir uns, Deutschland und die Vereinigten Staaten seien Personen, jede ausgestattet mir den Hilfsquellen ihres Landes, so stehen sich Deutschland und Amerika gegenüber wie ein Kleinbauer und wie ein Großgrundbesitzer. Uno der Kleindauer Deutschland hat gegen den Großgrundbesitzer� Amerika ebenso wenig Aussicht im Konkurren,- kämpf zu bestehen, wie ein wirklicher Kleinbauer gegen einen wirklichen Großgrundbesitzer. Zum Glück gibt es einen Ausweg, denselben wie für das untergehende Handwerk: die Assoziation, die genossenschaftliche Produk- tion. Auf dem rurnd ist das Genossenfchaftsprinzip fast noch leichter zu verwirklichen wie in der Stadt; jedes Dorf ist eine natür- liche Assoziation. Thun sich die Kleinen zusammen, so sichern sie sich dre Vortheile der Großproduktion. Und wo es fehlt, da hat de« Staat mit Geleunterstützung und Kredit nachzuhelfen, und dafür zu sor- gen, daß der Betrieb ein gemeinnütziger, der Allgemeinheit frommende, sei, bis schließlich der sozialistische Betrieb den Privat- betrieb vollständig ersetzt hat. 3» che« bei INI« bei ÜÄ un| ie« hen- ihr« j f» rie« , i« unz tei" ist« itW oe» ert« bi« sei- bi« l(«t cht, bi« !N' oo« bei» ist- r ch habt oot, ;be* b« briz im«' lei* lält> in« se?« ine» tehi echt> ben che» um. cechi ichl, nter mit setz« che» ehe» b« al> Die» betl i an ver- ises» olg« jiai- oen, - zu ein kitig m> :recl altz an> von bes eitel che» UM'l I a u iahl'i ei» roß- oreN mg« den: ngte > bi« nur orw eiche ihm chteN orn- unen littet noch bie mten - ba« inhin ucht- b b>« !anb- ame- wer- mlen i, so unb legen renz- ichen jenbe iul< ichter ü r> ehern t bet i jor- snbe« i at« Tai ist so sonnenklar, baß es eine Beleibigung bes Lesers wäre, wollten wir bies weiter auslühren. Der Einwanb, baß bas eigentliche Manifest für Leipzig unb Umgegenb das n« m l i che ist wie für Zwickau unb Frankfurt a M., ist ganz hin« sillig. weil biese I b e n t i t ä t aus bem Verbote für Leipzig unb Umgegenb nicht hervorgeht. Man kann boch nicht aus ber bezüglichen Lerbotsnotiz heraus riechen, was in bem verbotenen Schriftstücke zestanben hat. Sollte burch bas Verbot bes Manifestes für Leipzig unb Umgegenb das sozialbemokratische Wahlmanifest in allen feinen »erschiebenen Auflagen unb für alle anderen Wahlkreise verboten werben, so hätte ber ,. Reichsanzeiger" bas Manifest seinem Wortlaut nach abbrucken müssen. Dann war bas Verbot allgemein ge- Macht; bann bürste bas Verbot in keiner Auflage verbreitet werben. Die dösen Sozialdemokraten hätten sich jedoch leicht Helsen können, inb:m ste statt bes verbotenen' Manifestes einfach das Verbot des .Reichsanzeigers" sammt Inhaltsangabe abge- druckt hätten— was leicht und billig zu machen war. Daß das Verbot in seiner jetzigen Gestalt kein allgemeines war, 'st von den Reichsbehörden selbst dadurch anerkannt worden, daß sie die später der Polizei bekannt geworbenen Manifeste für andere Wahlkreise extra verbot— ein Verfahren, das vollständig sinnlos gewesen wäre, wenn das Leipziger Verbot auch die Manifeste für die übrigen Wahlkreise umfaßt hätte. Wie gesagt, das ist so klar und handgreiflich, daß nicht der leiseste Zweifel auskommen kann. Trotzdem haben aber die Gerichtshöfe in den meisten Fällen v e r- urtheilt. Und verurtheilt auf die Annahme hin, daß das Leipziger Verbot auch die Manifeste für die übrigen Wahlkreise umfaßt habe. Als Juristen konnten die Richter nicht zu dieser Annahme getan- im, die juristisch eine Unmöglichkeit ist. Als Vollstrecker eines der Willkür entflossenen und die Willkür pro. Uamirenden Polizeigefetzes fanden sie sich aber unwiderstehlich »N die Atmosphäre der Willkür hineingeriflen: der Boden fester Rechts- begriffe war ihnen unter den Füßen weggezogen, und sie hatten die Wahl: Entweder das Polizeigesetz zu ignoriren und ihm ein Schnippchen i» schlagen, indem sie die Angeklagten freisprachen-, Oder ihren juristischen Verstaiid mitfammt dem juristischen Rechts- boden zu verlassen und der Willkür die Herrschaft zu geben. Thaten sie das elftere, so durchlöcherten sie das Polizeigesetz und «rdneten die Willkür den juristischen Rechtsbegriffen unter, wodurch der ganze Zweck des Polizeigeseyes vereitelt wurde. Sie stellten sich in direkte Opposition gegen den Staat und die Ge- sellschast, b. h. gegen bie heutigen Machthaber, welche jenes Polizeigesetz zu chrer Selbsterhaltung geschaffen haben und ohne daffelbe nicht bestehen tu können vermeinen. Eme solche ftaats- und gesellschaftsfeindliche Opposition kann man aber von deutschen Richtern nicht verlangen. Es siel ihnen natürlich auch nicht im Traume ein, eine solch' umstürzlerische Haltung einzunehmen: sie beugten ihren juristischen Verstand, schlüpften unter dem caudimschen Zoch der Polizeiwillkür hindurch und verdonnerten mehr oder weniger „leichten Herzens" die nach juristischen Begriffen unschuldigen, »ach polizeilichen Begriffen schuldigen Sozialdemokraten. Da» ist nur ein Fall von vielen. So werden unsere Richter durch das Sozialistengesetz(denn die sonsti- gen Ausnahmegesetze kommen praktisch kaum mehr in Frage) systematisch lorrumpirt. Was die Konservativen unter Normallohn und Maximallohn verstehen, haben sie in der Reichstagssitzung vom 8. Januar mit einer Offenheit manifestirt, für die wir ihnen nur dankbar sein können, und die für gewisse Eventualitäten festgenagelt zu werben verdient. Veranlassung dazu bot ihnen die Rede unseres Genoffen Heine, und lassen wir daher den betreffenden Paffus hiermit im Wortlaute folgen: Abg. Heine:„Es ist von dem Herrn Reichskanzler auf die wirth- fchasttlche Hebung des Volkes hingewiesen, welche durch die landwirth- schastlichen Zölle erzielt worden iein soll. Nun, meine Herren, es ist eine Thatsache, daß m der Gegend, wo ich zu Hause bin, die Ackerpreise um das Vierfache gestiegen sind durch die größere Höhe der Aus- Nutzung des Ackerbaues. Aber, meine Herren, wenn wir fragen, ob sich die Lage der ländlichen Arbeiter gebessert hat, so muß ich Ihnen ant- Worten: nein, die Lage der ländlichen Arbeiter ist eine noch ebenso trau- rige, wie sie vor langen, Jahrzehnten war. < Widerspruch rechts.) — Nun, meine Herren, Sie sagen nein. Gut, ich werde mir erlauben, Ihnen ein drastisches Beispiel zu nennen. (Zuruf: Eins deweist nichts!) — Lasten Sie mich nur aussprechen! Ich werde Ihnen ein drastisches Beispiel nennen, wie und auf welche Weise die Lage der Arbeiter sich durch die neuen Zölle gehoben hat. Der Graf von Wernigerode ist bekanntlich ein großer Waldbesitzer. In dem Handelskammerbericht von Halberstavt vom Jahre 1883, wenn ich nicht irre, ist nun solgender Passus zu lesen: Es ist selbstredend, daß die gräfliche Verwaltung für die Holz- zölle eintritt; denn nur durch die Erhöhung der Holzzölle ist es möglich, den Wald nutzbar zu machen, respektive die Produkte des- selben zeitgemäß auszunutzen, und es stehen die Interessen nicht nur der gräflichen Verwaltung, sondern auch die Interessen von Tausenden von Waldarbeitern mit auf diesem Boden. (Sehr richtig! rechts.) Das hat die Sozialdemokratie von jeher gefordert. Und das ist die einzige Möglichkeit der Rettung. Wohl wissen wir, daß die Aufgabe keine leichte ist, allein sie ist sicher- lich nicht schwerer, als die, unsere heutige Gesellschaft mit ihren Män- geln und Ungerechtigkeiten«ewaltsam und künstlich zu erhalten; und die Rettung des„kleinen Mannes" in Stadt und Land wird sicherlich lange nicht so viel kosten, wie der Militarismus, der das Mark der Völker aussaugt, und die Kriege, welche jetzt von Zeit zu Zeit in Folge unserer mangelhaften Staats- und Gesellschastsemrichtungen die Welt verwüsten. Wir wissen, daß Rom nicht an einem Tage erbaut worden ist, daß das Handwerk so wenig wie die Landwirthschaft mit einem Satz in die sozialistische Assoziatton hineinspringen kann. Sollen die Assoziationen leistungsfähig werden, so müssen die Mitglieder auch auf der Höhe der Zeit stehen, diejenigen Fachkenntnisse sich angeeignet haben, welche zu rationellem Betrieb erforderlich sind. Ackerbau wie Industrie beruhen heutzutage auf einer wissenschaftlichen Basis— man kann fast sagen: sie sind Wiffenjch st geworden. Unsere Handwerker und unsere Bauern— es wäre Thorheit, sich dies verhehlen zu wollen— besitzen aber nicht die wissenschaftliche Vorbildung, welche der heutige Stand der Landwirthschaft und der Industrie erheischt. Hand in Hand mit der materiellen Hebung des„kleinen Mannes" muß daher dessen gei- sii g e Hebung, dessen fachwissenschaftliche Erziehung gehen. Unser Schul- wesen im AUgemeinen läßt viel, sehr viel zu wünschen übrig. Das un- zulängliche Wissen, welches die Volksschule lehrt, genügt nicht den An- forderungen des modernen WirthschaftslebenS. Hebung der Volsfchule, gleiche Gelegenheit der Ausbildung für alle Klaffen der Gesellschaft, Fachschulen jeder Art, Gewerdeschulen, Ackerbauschulen— alle odligato- risch— und Unentgeltlichkeit des Unterrichts sind des- halb Forderungen, deren Verwirklichung für das Gedeihen der Assozia- tionen nothwendig ist. Damit ist auch die von den Wunderdoktoren so eifrig betonte„L ehr- l i n g s f r a g e" erledigt. Ja, die Lehrlinge— und wir nehmen das Wort im weittsten Sinne— sollen lernen; aber sie sollen etwas Ordent- liches, Gründliches lernen— mehr, weit mehr, als die Herren Wunder- doktoren sie lernen lassen wollen. Denn vor dem allzuvielen Lernen habe» sie einen heiligen Respekt. Leset nur, wie sie vor dem Zuviel- lernen warnen, wodurch die ärmeren Stände nur„unzufrieden" gemacht, und in der Brust von Menschen, die zu einem„bescheidenen Dasein" bestimmt seien,„ungerechlfeitigte Hoffnungen" erweckt würden. Der Mensch, so meinen wir, kann niemalszu viel lernen. Natürlich kann Jeder nicht Alles lernen, aber Jeder— gleichviel ob arm oder reich- kann und soll ein gewisses Kapital von Wissen und Der folgende Satz lautet nun: Es ist der gräflichen Verwaltung gewiß nicht zu verdenken, daß sie die augenblickliche Lag« der billigen Arbeitslöhne sich zu Nutze macht, und wir sind in der zufriedenstellenden Lage, daß wir, was bisher nie dagewesen ist, die Forstarbeiter zu einem Taglohn von einer Mark haben. (Zuruf: Das ist Normallohn.) — Meine Herren, das ist der Nutzen, den der landwirthschaftliche Ar- beiter durch Ihre landwirthschaftliche» Schutzzölle hat. (Zuruf Naturalien:— Unruhe. Glocke des Präsidenten.) Präsident: Ich bitte um Ruhe, meine Herren. Abgeordneter Heine: Diese Forstarbeiter erhalten keine Naturalien; auch ist bei uns ein Tagelohn von einer Mark nicht normal, sondern bei uns steht der ländliche Tagelohn auf Mk. 1,75. (Zuruf: Maximallohn.) — Nicht maximal, sondern der Durchschnitt." So der stenographische Bericht. Alle Zurufe, von denen darin die Rede ist, kommen von den Herren Konservativen. Diese Herren, welche sonst nicht genug Aufhebens machen können von ihrer Arbeiterfreundlichkeit, welche nicht pathetisch genug gegen das„öde Manchesterthum", gegen die Jmmoralität der Herrschaft des Gesetzes von Angebot und Nachfrage, zu Felde ziehen können, zeigen hier, daß sie dieses„unmoralische" Gesetz, das die Arbeitskraft zu einer Maare herabwürdigt, ganz vortrefflich auszunutzen verstehen und ausgenutzt wissen wollen, sobald es ihnen und ihren Klassengenoffen zu Gute kommt. Ein Tagelohn von l Mk.„Normallohn"! Daß den Herren nicht die Schamröthe ins Gesicht stieg, als sie mit diesem Zwischenruf Genosse Heine zu widerlegen suchten. Aber weit gefehlt! Als Heine weiter anführte, daß im Kreise Halderstadt der länd- liche Tagelohn 1 Mk. 75 Pf. dekrage, da schien dies den pommerschen, preußischen und schlesischen Junkern so unerhört hoch, daß sie diesen, wenn man genauer zusieht, sehr dürftigen Satz sofort als Maximal- lohn hinzustellen suchten. Da haben sich die Herren, ohne es zu ahnen, einmal treffend gekennzeichnet. 1,75 Mk. ein Maximal lohn für ländliche Arbeiter. Wir wollen es uns merken! — Neue Ausweisungen. Aus Harburg schreibt man uns: Am 28. Dezember sind wieder zwei unserer besten Genossen ausgewiesen worden: der Schuhmacher B ä r e r und der Korbmacher Schellen- b e r g, beide Familienväter. Wenn doch das iervile Gesindel, das heute in allen Tonarten darüber lamentirt, daß Deutschlands„Ehre" geschändet sei, weil der Reichstag dem Kanzler„lumpige zwanzigtausend Mark" verweigert hat, wenn doch diesem Gesindel so ein ausgewiesener Familienvater entgegentreten wollte und ihm ein Lied singen würde von Deutschlands Ehre und Deutsch- lands Schmach! Aber freilich, diese Gesellschaft läßt ja einen armen Proletarier gar nicht erst zu Worte kommen. Dazu sino sie zu— deutschnational. — Eine Dynamitsendung abgefaßt! Mit dieser Sen- sationsnachricht alarmirte in der vorigen Woche die„Kölnische Zeitung" das deutsche Philisterthum. Aus Belgien soll an den Arbeiter Jakob Merzenich in Nippes bei Köln eine Kiste angelangt sein, deren Inhalt als alte Kleidungs st ücke bezeichnet war, in welcher sich aber neben einigen Kleidungsstücken Pulver, Dynamit und Zünd- schnür befunden haben. Diese Kiste sei aus Anzeige des Fuhrmanns hin mit Beschlag belegt und Merzenich, der längere Zeit im Auslande ge- lebt, verhastet worden. Der Fuhrmann aber sei dadurch auf die Kiste aufmerksam geworden, daß er während des Transportes derselben bemerkt habe, wie„etwas Schwarzes, Fernkörniges" aus einer Fuge der- selben herausrieselte, was sich, als er die brennende Cigarre daran hielt, entzündete. Zu dieser sehr mysteriösen Geschichte schreibt uns ein rheinischer Arbeiter: „Merkwürdig, diese angebliche Entdeckung! Und noch merkwürdiger die angebliche Art der Zusendung! Angenommen, es habe wirklich hier die Hochlöbliche ihre Hand nicht im Spiele, warum holt man sich denn nicht den„Stoff" aus Kalk oder Opladen bei Schlehbusch? Da braucht man doch nicht die Grenze zu überschreiten. Ich kann mir nicht denken, daß Leute heutzutage noch so unschuldig sein sollten, zu glauben, ein Koffer per Spediteur von Belgien nach Deutschland werde im Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte„ohne Weiteres" an den Adressaten ausgeliefert! — I n bie Falle gegangen. Die Kreishauptmannschast Leipzig war so liebenswürdig, die„wahrhaftige Lebensgejchichte des Josua Davidsohn" auf Grund des bewährten Sozialistenausrottungsgefe.es zu verbieten. Nachdem eine sechsjährige Erfahrung uns gelehrt, von welch' vortheil- haftem Einfluß jedes Polizeioerbot auf unsere Verlagsartikel zu sein pflegt, haben wir unser Feuilleton in Nr. 52 ganz speziell zu dem Zwecke geschrieben, die Hochlöbliche auf den„gemeingesährttchen" Roman ausmerksam zu machen. I�robatum vst. Mit anerkennenSwerther Pünkt- lichkeit erfolgte das Verbot. In der Vorrede zum obigen Roman schreibt Genosse Liebknecht: „Ob dieser— in maiichen Punkten verbesserte— Abdruck mit dem Sozialistengesetz in Konflikt kommen wird? Ich weiß nicht; allein das weiß ich: es wäre ein prächtiger Spaß, wenn Mr. Grand in dem Fürsten Bismarck einen Nachfolger fände und der deutsche Herr Reichs- kanzler wenigstens den Versuch machte, den armen Josua Davidsohn — durch ein Verbot— zum zweitenmal« todtzuschlagen. Dem Josua würde das ja nicht schaden. Im Gegentheil." Das meinen wir auch. Und damit man sieht, daß wir nicht undank- Kenntnissen besitzen, welches ihm die nöthige feste Grundlage für seine Berufsbildung gibt. Bis zum 10. oder 12. Jahre hat, unseres Er- achtens, der Unterricht für alle Kinder ohne Ausnahme gleich zu sein und darf folglich keine verschiedene Qualität des Unterrichts stattfinden. Heutzutage ist die Qualität leidet eine sehr verschiedene. Die Schulen, in welche die Kinder der Armen gehen, find lange nicht so gut, wie die Schulen für die Kinder des Reichen. Es ist das eine bittere Ungerechtigkeit, denn der Sohn des Armen, der nicht über Reich- thümer verfügt, bedarf, um im Kampf um das Dasein nicht zu erliegen, entschieden weit mehr einer systematischefl Ausbildung seiner Kräfte, als der Sohn des Reichen, bei welchem die„Macht", welche sprichwört- lich das Wissen gibt, durch die Macht, welche das Geld gibt, sehr wirk- sam verstärkt wird. Mit Geld ohne Wissen läßt sich, wie Tausende von Beispielen zeigen, schon durch die Welt kommen, ohne Geld mit Wissen ist Jemand im Stande, sich emporzuarbeiten, ohne Wissen und ohne Geld ist der Bestdeanlagte hoffnungslos verloren. Also für die gesammte Jugend soll der Elementarunterricht gleich sein und gemeinsam; denn auch darin liegt ein sehr großer Vor- theil, daß die Kinder von Arm und Reich in derselben Schule auf derselben Schulbank nebeneinander- sitzen— das ist das sicherste Mittel, Kastengeist und Klassenstolz aus den kindlichen Gemüthern jernzuhalten. Nach dem Elementarunterricht müssen die Fächer sich abzweigen, und es hängt dann von den N e i- g u n g e n und Anlagen der Kinver ab, in welche Fach- oder Berufs- schule sie einzutreten haben. Bon dem Vermögen der Eltern darf es unter keinen Umständen abhängen. Es ist unseres Jahrhunderts der Humanität und Bildung geradezu unwürdig, daß es noch Leute gibt, welche die Stirne haben und behaupten, durch ern„Naturgesetz" oder durch„göttliches Gesetz" sei für ewige Zeiten bestlinint, daß es auf Erden Arme und Reiche geben, und der Arme sein Loos ruhig hinneh- men, und das Unabänderliche in Geduld unb Zufriedenheit ertragen müsse. Nein, das ist kein Naturgesetz! Und denen, die von„göttlichem Ge- setz" reden, und aus das Ehnftenthum und die Religio» sich stützen, rufen wir zu: Ihr lästert Euren Gott, indem Ihr ihn als grausamen, unbarmherzigen Feind der ungeheueren Mehrheit aller M.nschen hinstellt und Ihr brmgt Euere Religion in den feindlichsten Gegensatz zu der Humanität und zu der Wissenschaft. (Fortsetzung folgt.) bar find, versprechen wir Herrn von Einsiedel, der zur größeren Ehre Bismarck's die Rolle des„Mr. Grand" übernommen, daß wir nicht er- mangeln werden, ihn mit gleicher Pünktlichkeit von der zweiten Auf- läge des Josua Davidsohn in Kenntniß zu setzen. Eine Liebe ist der anderen werth. — Ehren-Bley, dessen Heldenthaten unsere Genossen hoffentlich noch nicht vergessen haben, soll, wie der„Frankfurter Beobachter" meldet, als Kriminalkommissar der 4. Abtheilung nach Berlin versetzt sein. Leider wird nicht hinzugesetzt, ob als Strafe oder als Belohnung für seine ganz besonderen— Verdienste. Jedenfalls sei der Biedermann den Genoffen in Berlin wärmstens empfohlen. Dem Verdienste seine Krone! Berichtigung. In Nr. 51 unseres Blattes heißt es in der Rund- schaunotiz über die Ausweisung Dworzak's aus Mülhausen: „Der bekannte Abgeordnete W i n t e r e r, Pfarrer seines Zeichens, lief auf die Kunde von der Ausweisung Dworzak's sofort zu dessen Frau und fragte nach, ob die Kinder auch— g e t a u s t seien!" Wie man uns nun aus Mülhausen schreibt, ist das insofern unrichtig, als nicht Herr Mint er er zu Frau Dworzak gelaufen ist, sondern umgekehrt diese auf den Rath einiger Bekannten bei Herrn Winterer sich um eine Unterstützung bewarb. Die Angelegenheit ist für uns ziemlich unwesentlich, aber wir wollen uns nicht nachsagen lassen, daß wir wissentlich Unwahrheiten verbreiten. Unsere Sache hat das nicht nöthig! — Frankreich. In Paris starb am 2. Januar die Mutter der heroischen Louise Michel. Ihre Beerdigung gestaltete sich zu einer großartigen Demonstration der Pariser Sozialisten. Man schätzt die Zahl der Theilnehmer auf gegen 30,000. Am 4. Januar feierten die Blanquisten am Grabe Blanqui's das Gedächtniß des unermüdlichen Revolutionärs. Die Regierung hatte der Louise Michel gestattet, ihre Mutter in den letzten Wochen zu pflegen. Es hieß auch eine Zeit lang, daß Grevy die schwergeprüfte Frau, sowie K r a p o t k i n, der schwer erkrankt sein soll, und Gautier am Neujahrstage begnadigen werde, bis jetzt aber ist von einer solchen Maßregel nichts ruchbar geworden. Das Redaktionslokal des„C r i du P e u p l e", der seit einiger Zeit Enthüllungen über die Pariser Geheimpolizei veröffentlicht, war am 7. Januar der Schauplatz eines blutigen Kampfes. Zwei Brii- der, Namens Ballerich, der eine Polizeiiommissär, der andere Polizist, drangen gewaltsam in das Redaktionsdureau ein, unter dem Rufe: Wo ist Vallös? und schössen auf Jeden, der ihnen in den Weg trat. Duc- Quercy, einer der Redakteure ves„Cri du Peuple", erhielt eine schwere Verletzung am Arm, aber auch er hatte auf die frechen Eindringlinge gefeuert und den einen der Brüder verwundet. Einige Polizeiblätter behaupten, um die beiden Ordnungsmänner zu entschuldigen, sie seien durch eine beschimpfende Notiz des„Cri du Peuple" bis zum Wahnsinn gesteigert worden, sie können aber nicht leugnen, daß sich die den Ver- lust ihrer Mutter betrauernden Polizeihelden vor dem Ueberfall einen ganz gehörigen Rausch angetrunken hatten, was ihren Schinerz in einem, wenn auch nicht nüchternen, so doch recht prosaischen Lichte erscheinen läßt. Der Kriegsminister Campenon, der im Interesse der Revanche sich weiteren Truppensendungen nach dem Tonkin widersetzte, hat abgedankt und ist durch den General L e w a l ersetzt worden. Der Krieggegen China, das sich nicht gutwillig im Interesse einiger französischer AuS- beuter schröpfen lassen will, soll nun mit verdoppelter Energie geführt werden. Natürlich im Interesse der Zivilisation! Die Delegirten des Arbeitslosen-Komite sind bereits beim Seine-Präfekten sowie wiederholt beim Vorstand des GemeinderatheS gewesen. Hier wie dort sucht man sie durch Ausflüchte aller Art los zu werden, die Arbeiter lassen sich aber nicht mürbe machen! — England. Die erste Nummer der„Justice" im neuen Jahre brachte die keineswegs erfreuliche Nachricht, daß im Schooße der jungen sozialdemokratischen Bewegung Englands eine Spaltung ausgebrochen ist, die zu einem Austritt der Mehrheit des bisherigen Exekutivraths der Partei aus diesem Körper geführt hat. Es geht uns über die Umstände, unter denen diese Spaltung erfolgte, von einem Mitglied der ausgeschiedenen Richtung die nachfolgende Zuschrift zu, die wir hiermit veröffen- lichen, selbstverständlich jedoch mit dem Vorbehalt, den uns der Charakter unseres Blattes in derartigen Streitfragen auferlegt. London,«. Januar 1885. Der unvermeidliche Bruch in der sozialistischen Partei Englands ist erfolgt. Wie in anderen Ländern sich bald nach ihrem Auskommen die sozialistische Bewegung vor die Nothwendigkeit einer Spaltung gestellt sah, um eine gesunde Weiterntwicklung zu ermöglichen, so auch hier. In der Entwicke'lung einer Pflanze ist das erste Lebenszeichen der Embryo- zelle ihre Trennung in zwei gleiche Theile, von denen nur der eine mit der Zeit zur richtigen Pflanze erwächst, während der andere nur ein vorübergehendes und unbedeutendes Dasein führt. Die Geschichte einer großen sozialen Bewegung geht einen ähnlichen Gang. Wie seinerzeit in Deutschland und Frankreich, so liegen auch hier prin- zipielle Differenzen- der Spaltung zu Grunde. Damit soll nicht gesagt sein, daß nicht auch Personensragen vorlagen, ich glaube aber, daß selbst wo diese in s Spiel kamen, sie mit Prinzipiensragen verquickt waren. Ein kurzer, genauer und, so weit als es uns möglich, unpar- teiischer Bericht über den Verlauf der Sache mag dies zeigen. Die demokratische Federation ist erst vor einigen Jahren gegründet worden. Einer ihrer Hauptgründer war H. M. H y ndman, der 1880 bei den allgemeinen Wahlen einen Aufruf an die Wähler von Marlybone (ein Londoner Stadtviertel) erließ, aber nicht al« Kandidat austrat. Lediglich zwei Punkte aus diesem Ausruf sind hier von Interesse: Be- kämpfung der Abschaffung der Staatskirche; eine kräftige(spiritock) auswärtige Politik! Als sie in'o Leben trat, war die Federation lediglich tory-(konservativ>) demokratisch, nicht sozialdemokratisch. Allmälig aber zwangen sie die Umstände, eine mehr ausgesprochen sozialistische Stellung eüizuneymen. Aber bis zur letzten Konserenz im August vorigen Jahres nahm sie nicht einmal den Namen an, der sie zur sozialistischen Propaganda verpfluh- tete. Auf dieser Konferenz wurde der Titel Sozial demokratische Federation angenommen. Bis dahin war thatsächlich Hyndman Herr der Federation. Ein Bourgeoisblatt drückte sich so aus:„Die demokratische Federation, wie Herr Hyndman sich beharrlich nennt." Aus der Kon- serenz wurden Hyndman und sein Anhang geschlagen. Er und daher auch seine Leute wollten den Jahresvorsitz im Exekutivrath haben, aller- dings nicht Hyndman selbst, sondern den Dichter Morris, einen übrigens aufrichtigen Sozialisten. Zu jener Zeit war Morris, der„Geidmann" der Federation, so intim mit Hyndman. daß dieser glaubte, ihn voll- kommen in der Hand zu haben. Aus der Konferenz in dieser Frage des Jahresprästdenten geschlagen, suchte Hyndman in der ersten Sitzung des neugewählten Rothes de» Beschluß derselben über den Haufen zu werfen. Uno das, obwohl die Konserenz eine Resolution dahingehend angenommen hatte, daß der ge- wählte Exekutivrath nichts thun dürfe, was ihren Beschlüssen wider- spreche. Dieser Versuch, gegen den Morris so entschieden wie nur irgend jemand einttat, schlug fehl, dem Absoluttsmus war ver zweite Schlag zu Theil geworden. Bon da an wurde der Vorstand aus einem bloßen Kom te zur Registrirung der Dekrete Hyndman's zu einer aus zwei widerstreitenden Elementen zusammengesetzten Körperschaft: die Einen ließen sich noch ausschließlich von Hyndman beeinflussen, die Andern wünschten brüderlich für die Sache des unverfälschten Sozialismus zu wirken, nicht aber als Kinder unter väterlicher Leitung. Die Letzteren waren in der Mehrheit, aber Hyndman hatte thatsächlich noch die Macht in Händen. Beide Sekretäre waren ihin ergeben, die Zeitung„Justice", dem Namen nach das Organ der Federation, war durch den Haupttedak- teur vollständig in seinen Händen, der Druck derselben war einem Ge- schäst übertragen, dessen einer Inhaber der Federation nicht angehört«, während der andere der bereits erwähnte Sekretär war. Alle Bücher und Briesschaften befanden sich in den Händen dieser Leute, und Hynd- man war so in der Lag«, mit jeder beliebigen Sektion und jedein Mit- glied ohne Rücksicht auf den Exekutivrath zu verkehren. Diesen Umstand inachte er sich zu Nutze. Es hat sich herausgestellt, daß er und der zweite Sekreiär wiederholt ohne Wissen des Rathes an Sektionen und Mitglieder der Federation offizielle Briefe über die Angelegenheiten der Federation geschrieben haben. Ferner wurde Jeder, der der Sache von Nutzen sein konnte, aber nicht Hyndman zu Diensten war oder sich nicht wenigstens ihm still- schweigend fugte, von ihm angegriffen— in der Regel heimlich, aber in einem oder eigentlich zwei Fällen, wo der Sieg gesichert schien, öffentlich. Die zwei letzten derartigen persönlichen Angriffe siihrten zur gegenwärtigen Krisis. Ein Mitglied, Claike, wurde offen angeklagt, sich feind- lich über die Aufführung von Hyndmann und seinem Gefolge geäußert zu haben. Ein Antrag aus seinen Ausschluß aus der Föderation fiel durch. Eine Reihe von Angriffen auf Andreas Scheu in Privatbriefen, geschrieben von Hyndman und Fitzgerald, führte schließlich zu einem for- mellen Schreiben von der Edinburger Sektion an den Exekutivrath. Darin wurde Hvndman vorgeworfen, Scheu wider besseres Wiffen ver- dächtigt, Briefe, Listen K., die an die..Justice" gesch ckt worden waren, unterdrückt, mit einem Wort, zum Schaden der Sache konspirirt zu haben. Indem er alle von Hyndman heimlich gegen ihn ausgestreuten Beschuldigungen öffentlich zurückwies, brachte Scheu seinerseits Anklagen Hyndman gegenüber zur Sprache, die dieser nicht einmal erwähnt hatte. Darauf schlug William Morris im Vorstand ein Vertrauensvotum für Scheu und ein Mißtrauensvotum gegen Hyndman vor. Dieser Antrag wurde mit l 0 gegen 8 Stimmen angenommen, unter Letzteren der Vor- sitzende, sowie zwei Mitglieder, von denen das Eine die Debatte nur zur Hälfte, das Andere nur den Schluß derselben mit angehört hatte. Hynd- man selbst enthielt sich der Abstimmung. Die gegen Hyndman erhobenen Anklagen wurden weder von einem seiner Anhänger noch von ihm selbst widerlegt. Man führte die Opfer an, die er der Sache gebracht, und die Dienste, die er geleistet. Aber die wesentlichen Punkte wurden kaum berührt und nie aufgeklärt. Lassen Sie mich sie kurz wiederholen: 1) Beschimpfung der Mitkämpfer hinter ihrem Rücken; 2) das Predi- gen in Wort und Schrift von Jingoism tRationaldünkel); 3) Ausländerhaß; das Ausspielen von englischen Arbeitern gegen diejenigen anderer Nationalitäten, die in ihrer Mitte für den Sozialismus wirken; 4) die Benutzung des Blattes„Justice" zu seinen persönlichen Zwecken, die Weigerung, über dieses Blatt fwelches mit dem Geld der Federation gegründet worden ist, und sich als ihr Organ bezeichnet) eine Kontrole der Federation zu ermöglichen; ö) Mißbrauch der Gesammtorganisation zu seinen persönlichen Zwecken; 6) Unterdrückung von Korrespondenzen und Schreiben von geschäftlichen Briefen ohne Rücksprache mit seinen Kollegen. Während der Diskussion über den Antrag, Scheu ein Vertrauens- votum und Hyndman ein Mißtrauensvotum zu ertheilcn, erklärte Letz- terer, daß er, welches auch das Endresultat sein möge, nicht aus dem Rath austreten werde. Wir wußten natürlich, daß er das Recht hatte, an die Mitglieder der Gesammt Federation zu appelliren. Aber es ist klar daß Jeder, der nicht durch und durch von autokratilchem Geist er- füllt ist. sobald er gesehen, daß die Mehrheit seiner Kollegen kein Vertrauen in ihn hat. auf seinen Platz verzichtet und an die Gesammtheit der Fede- ration appellirt hätte. Es mag sein, daß Herr Hyndman doch einen Augenblick daran gedacht hat. diesen einzig richtigen Weg einzuschlagen, obwohl es nach der obigen Erklärung unwahrscheinlich ist. Jedenfalls befreite ihn die Majorität schnell von seinen Skrupeln, da sämmtliche Mitalieder derselben, nachdem die obenerwähnte Abstimmung erfolgt war, ihr Amt als Mitglieder des Rathes niederlegten. Am selben Abend noch kamen sie zusammen, eine neue Organisation zu schaffen, deren Zweck nicht politische Abenteuer sein sollen, sondern Lehren und Verkünden des Sozialismus. In England, das begreisen sie, ist das Einzige, was jetzt zu thun ist, Aufklärung und Organisation. Für eine politische Aktion ist die Zeit noch nicht gekommen. Daher verlegen sie sich unter dem Namen Sozialistische Liga auf die Arbeit der Ausklärung und Organisation. Da sie die Unmöglichkeit einsehen, je mit Hyndman, der die Grimdsätze des echten Sozialismus verleugnet, zusammenzuarbeiten, so wollen sie— nicht nothwendigerweise im Gegensatz— aber separat von seiner Organisation, der Sozialdemokratischen Federation, wirken. Wir lassen nunmehr die Namen der Mitglieder des Exekutivrathes folgen, wie sie sich in der Sitzung vom 27. Dezember 1884 zu dem An- trage Morris stellten, der folgendermaßen lautete „Antrag, daß dieser Rath volles Vertrauen zu Andreas Scheu hat, und nicht an die gegen diesen von H. M. Hyndman erhobenen Anklagen glaubt, und kein Vertrauen zu H. M. Hyndman hat." � � � Für- Edw. B. Aveling, Eleanor Aveling, R. Banner, C. Belfort Bax. I. Eooper. W. I. Clark. I. Lane, W. Morris. S. Mainwaring, I. L. Mahon. Gegen: I. Burn». H. Burrows. H. H. Champion, R. P. B. Frost, «mie Htcks, I. F. Murray. H. Queich, I. E. Williams. Der„Justice" vom 3. Januar entnehmen wir noch den Wortlaut der Austrittserllärung der Majorität: „Seitdem in dem(Exekutiv-) Rath Zwist ausgebrochen ist mfolge deS Versuchs, entgegen dem sozialistischen Prinzip Willkür an Stelle brüder- lichen Wirkens zu setzen, und seitdem es unmöglich scheint, diesen Zwist zu heilen, halten es die Unterzeichneten im Interesse der Sache des So- zialismiis für besser, aus dem Komite auszuicheiden, und melden daher ihren Austritt an." Tie gebliebenen 9 Mitglieder stellen ihrerseits die Richtigkeit der m obigen Worten liegenden Anklage in Abrede und werfen der Majorität vor, daß sie nicht ihrer Pfiicht nachkomme, wenn sie die Leitung der Geschäfte in den Händen von Personen lasse, gegen welche sie solche Vorwürfe erhebe. Tie ganze Angelegenheit soll einer Generaloersammlung der Federation unte, breitet werden, die aus d>n 20. Januar anberaumt ist. Diese Spaltung ist gewiß bedauerlich, aber wir hoffen, daß die sozialistische Bewegung in England genügend Wurzel gefaßt hat, um sie zu überdauern. Korrespondenzen. Alfeld(10. Hannover'scher Wahlkreis). Auch wir haben bei der dies- maligen Reichstagswahl einen kleinen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Ver- sammlungen konnten wir nicht abhalten, dafür aber sind wir zum ersten Mal hier mit einem Flugblatt in die Aktion getreten, welches wir in einer dazu bestimmten Nacht in genügender Anzahl verbreiteten. Vor drei Jahren waren hier für Bebel 1 2 Stimmen abgegeben worden, dies- mal haben wir es bis auf S 9 Stimmen gebracht. Und wenn die Leute vorher gewußt hätten, wie die Wahl ausfiel, so hätte noch Man- cher»n« seine Stimme gegeben, der diesmal noch für die Gegner stimmte. Die Leute, die unserer Bewegung fern stehe», wollen immer erst B e- weise sehen, ehe sie sich uns anschließen. Heute wollen nun viele sol- cher Leute mit am Siegeswagen ziehen oder bereits gezogen haben. In dem zirka eine halbe Stunde von hier entfernten Dorfe Förste hatten wir die Majorität, nämlich 82 Stimmen, während es die Ordnungs- Parteien zusammen nur auf 30 Stimmen brachten. H i l d e s h e i m, der Hauptort unseres Wahlkreises, ist leider noch zu schwarz, dort haben die Arbeiter ihr Klasseninteresse noch nicht erkannt. Z. A. Arfurt.(Wahlbericht.) Bei uns ging es recht lebhast zu, wir hatten alle Hände voll zu thun. Anfangs herrschte freilich eine eigen- thümliche Stille, und es kam uns fast vor, als getrauten sich die Gegner mit ihren Kandidaten nicht so recht au S Tageslicht. Den eigentlichen Reigen eröffneten daher wir mit einer Annonce, welche Hasenklever als Kandidaten empfahl. Daraus fingen auch die Gegner an. Die ersten waren die vereinigten Nationalliberalen und Frei- konservativen. In einer Wählerversammlung, die ziemlich gut besucht war, stellten sie uns den Oekonomierath Robbe als Kandidaten vor Auf die Kandidatenrede dieses Herrn einzugehen und den Misch- Masch näher zu beleuchten, erlassen mir die Leser wohl, denn dazu ist doch der Raum des Parteiorgans zu kostbar. Eines kann ich jedoch nicht umgehen, zum Besten zu geben. Herr Robbe sagte, er sei für Er- höhung der Getreidezölle, werde aber nie einem so hohen Zoll zustimmen. der die Konsumenten drücke— wie logisch! Die Getreidezöllner wollen ja gerade einen Zoll, der die Konsumenten drückt. Wir erwarteten nun, die Herren würden noch andere Leute zum Wort kommen lassen, und es meldete sich auch Einer von uns, aber fehlgeschossen! Es wurde nur erlaubt. Jnterpellatwnen zu st.llen, was ziemlich erhebliche Unruhe her- »orrief. Noch eines komischen Zwischenfalles sei gedacht. Nach Nobbe sprach der Justizrath Pinkert; derselbe empsahl noch einmal die Wahl Nobbe's, suchte dabei die„Verdienste der Nationalliberalen" anzupreisen, und rief schließlich, als er auf sich selbst zu sprechen kam:„Meine Herren, wenn man so 70 Jahre lebt....." Stimmen von der Galerie:„Und Geld hat!" Das Weitere der Rede ging in der nach dieser Aeußerung folgenden großen Heiterkeit verloren.(Pinkert ist nämlich ein sehr vermö ender Herr.) Diese Versammlung mußte ohne das bekannte Hoch geschlossen werden. Alsdann kamen in einer zweiten Versammlung die Freisinnigen mit ihrem Witte angerückt. Bei der Eröffnung sagte der Vorsitzende, es sei freie Diskussion, und es könne Jeder sprechen. Wir freuten uns schon darauf. Zuerst sprach der bisherige Abgeordnete Stengel; er erstattete Bericht über seine Thätigkeit im Reichstage. Unter Anderem nannte er auch die sozialdemokratischen Ideen„hirnverbrannt". Nun kam Witte an die Reihe. Derselbe schwatzte so lange, bis der Wirth auf baldige Räumung des Saales drang. Beide Redner zusammen sprachen nahezu drei Stunden. Nun wären wir eigentlich an die Reihe ge- kommen, aber— wegen vorgerückter Zeit mußten die Auseinander- setzungen zwischen uns und den Freisinnigen unterbleiben. Nach einer weiteren halben Stunde mußte die Versammlung geschlossen werden. So betrügt man uns um die freie Diskussion. Den darauffolgenden Abend hatten wir in demselben Saale(es ist der größte hier) unsere Versammlung, in welcher Genosse Hasenclever sprach. Schon lange vor der Eröffnung war der Saal überfüllt, und viele Hunderte mußten wieder umkehren. Wir hatten auch die Gegner eingeladen, und ihnen vollständig freie Diskussion in den Annonce» zn- gesichert. Nun wäre es für Witte ein Leichtes gewesen, bis zum nächsten Abend zu unserer Versammlung hier zu bleiben und Hasenclever ent- gegenzutreten, und viele Leute hatten das auch erwartet, aber— Witte war fort. In dieser Versammlung mochten wohl 3000 Personen anwesend ge- wesen sein; es hat wohl selten hier eine solche Versammlung stattgefun- den. Hasenclever sprach anderthalb Stunden und beleuchtete in der ihm eigenen drastischen Weise die Gegner und deren Programme. Zum Schluß entwickelte er unsere Forderungen. Nun forderte der Vorsitzende wiederholt die Gegner auf, zu sprechen, aber keiner fand den Muth zu einer Erwiderung, und die Versammlung, welche nmsterhaft verlief, wurde, nachdem Hasenclever unter stürmischem Beifall das Schlußwort gesprochen, mit verschiedenen Hochs auf unfern Kandidaten und die Sozialdemokratie geschlossen. Wahlflugblätler hatten wir zwei. DaS erste wurde ohne Störung verbreitet. Beim zweiten aber hatte, der Sicherheit halber, Einer von uns den Verlag übernommen. Die Behörde hatte indeß Wind bekommen und entzog dem Betreffenden zwölf Stunden vor dessen Verbreitung den Schriften-Verlag und-Vertrieb. Der Zweck sollte sein, daß wir die Blätter nicht verbreiten könnten. Wir ließen uns nun einfach kleine Zettelchen drucken init dem Namen eines andern Genossen als Verleger; diese Zeitelchen klebten wir auf den Namen des früheren Verlegers, so daß der Name desselben bedeckt wurde, und verbreiteten die Blätter doch. Am Wahltage selbst ging AlleS glatt. Gehaussucht wurde nur bei Einig?» von uns. '.' ,7vi Zürich. Die hiesige Mitgliedschaft der deutschen Sozialdemokratie beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom 10. Januar mit der in Deutsch- land auf der Tagesordnung stehenden Frage der D a m p f e r s u b v e n- t i o n. Nachdem ein Genosse in einem einleitenden Referat in möglichst sachgemäßer Weise die Gründe vorgeführt hatte, welche für und wider die Schaffung subventionirter Dampferlinien in's Feld geführt werden, sprachen sich sämmtliche nachfolgenden Redner in sehr energischer Weise dahin aus, daß die Sozialdemokratie sowohl aus taktische» als auch namentlich aus prinzipiellen Gründen ihre Zustimmung zu der im Reichs- tag eingebrachten Vorlage nicht geben dürfe. Die Versammlung beschloß darauf einstimmig, eine in diesem Sinne gefaßte Resolution im„Sozial- demokrat" zu veröffentlichen, ebenso wurde mit großer Majorität ein Antrag angenommen, dahingehend, den Wortlaut der Resolution mög- lichst bald den Genossen in Deutschland zur Kenntniß zu bringen und dieselben aufzufordern, auch in ihren Kreisen die Frage zu erörtern und Stellung zu derselben zu nehmen. Die meisten Redner waren nämlich der Ansicht, daß hier eine Frage von tiefgreifender prinzipieller Beden- tung für die politische Stellung unserer Partei vorliege. ach ruf. Am 30. Dezember v. I. verstarb nach vierzehntägiger Krankheit im städtischen Spital dahier unser Genosse Anselm Geis, Schneider von Mariazell, O./Ä. Oberndorf(Württemberg), früher in Stuttgart, im Alter von 48 Jahren. Derselbe war während seines Hierseins uns stets ein treuer und opfer- williger Mitkämpfer und wurde heute von einer Anzahl Parteigenossen zur letzten Ruhestätte geleitet. Ehre seinem Andenken! Konstanz, 2. Januar 1 884. Die hiesigen Genossen. Einer unserer werthesten Genoffen, der seit Jahren an Krankheit und der äußersten Fühlbarkeit des Kampfes ums Dasein leidende Tuchmacher Karl Pohl ist am IS. November 1884 dem Schooß der Erde übergeben worden. Der Verstorbene, der ein Alter von 48 Jahren erreichte, war einer« der unerschrockensten, jeder Gefahr spottenden Kämpfer; einer von Den jenigsn, welche nach Erlaß des Ausnahmegesetzes die rathlose Schaar wieder in ihre alte Kampflinie zu lenken suchten. Dürftig gekleidet, konnte man ihn bei Schnee- und Regenwetter in den Straßen wandern sehen, die Genossen von dem zu unterrichten und benachrichtigen, was zu unserer Sache nothwendig war. Er ist todt, aber seine verdienst. volle Thätigkeit wird tausendfache Früchte tragen! Darum Ehre seinem Andenken! Die Genossen von Forst und Berge. «n alle sozialistischen Schriftsteller. Vom 1. Januar 1885 ab wird in Newyork „Per SociaNst" Central-Partei-Organ der Socialiffischen Arbeiter-Partei von Nord-Amerika wöchentlich einmal erscheinen.„Der Socialist" soll unter Anderem auch der wissenschaftlichen Weiterbildung des Sozialismus dienen und ein Sammelpunkt werden, von dem aus die Vertreter unserer Prinzipien rückhaltlos ihre Stimmen für die Erlösung des Proletariats erschallen lassen können. Wir ersuchen alle schriftstellerischen Kräfte unserer Richtung dringend, sich an diesem Unternehmen durch geeignete sozial-ökonomische und sonst radikal-wiffenschaftliche Arttkel zu betheiligen, und bemerken, daß ein ent- sprechendes Honorar für die Mitarbeiter ausgesetzt ist. Prospekte durch die Redaktion des„Sozialdemokrat". Das National-Exekutiv-Comtte der S. A. P.: W. L. Rosenberg, 194 E. 7th Str. Newyork, City. Sprechsaal. E. Tickinger, Handschuhfabrikant au« Konstanz, näherte fich im Jahr 1883 den dorttgen Genossen, verduftete Anfangs 1884 wegen Wechselsälschung nach Amerika(Newyork). Dort soll er sich bei den Anarchisten zu schaffen gemacht haben, von denselben aber hinausgeworfen worden sein. Da er sich auch als unser Vertrauensmnnn dort auszugeben versuchte, wurde in Nr. 10 des„S.-D." 1884 vor ihm gewarnt. Kürzlich wurde er nun in Stuttgart verhastet, nach Berlin und von dort nach Konstanz gebracht. Er soll sich geäußert haben, er werde nicht strenge bestrast werden, denn er habe der Regierung ein„wichtiges Staatsgeheimnih" verrathen I Der Untersuchungsrichter selbst äußerte gelegentlich:„wenn man AR einsperren wollte, die von Sickinger als Sozialdemokraten denunzick seien, müßte man die halbe Stadt einsperren." Diesem Sickinger ist es nun allerdings zuzutrauen, daß er den Be< Hörden alles Mögliche vorlügt, denn er hat sich bei seinem früheren An- nähern an die Partei schon als ein hohlköpfiger Wichttgthuer und Ge- heimnißkrämer erwiesen, so daß sich bei seinem Verduften das lächerliche Gerücht bildete, er habe 800» Mk. Parteigelder mitgenommen. Wir empfehlen diesen spekulativen Kopf, dafern er sich wieder irgendw? zeigen sollte, zur gebührenden Aufnahme. Ebenso spielte sich ein früherer Bekannter dieses Sickinger, ein Eugen Höfler. Mechaniker aus Konstanz, überall als Partei-. genösse auf. Derselbe hat mit der Partei nichts gemein und ist Schulden-! macher, Schwindler und Abenteurer. Wir warnen hiemit allseits vor ihm und bitten, wenn er irgendwo auftauchen sollte, uns seine Adresse� mitzutheilen, da er verschiedene Bekannte beschwindelte. 3' Boll l'« »ach J Letzte Nachricht. — Vorgestern Abend gegen 8 Uhr wurde in Frankfurt am Mai« Polizeirath Rumpf im Vorgarten seines Hauses todt aufgefunden.!. Zwe Dolcbsttcb. Batten seinem 9eh.„ Zwei Dolchstiche hatten seinem Leben ein Ende gemacht.«„t; un SQir erinnern daran, daß Rumpf die Seele des I88ier Hochverraths-! i- Prozesses war, der mit der Verurtheilung der Opfer seines Schützlings,! er des berüchtigten„Zeugen" Horsch, zu mehrjähriger Zuchthausstrafe ODm endete. Ebenso an den„Fall" B ü n g e r! Brieftasten Pai der Redaktion: Rother Zwiebel: In nächster Nummer. — Ludwig II. vonGottesGnaden:„Der entlassene Arbeiten ist als Poem nicht übel, wenngleich etwas sehr larmoyant. Beste«! Dank.— der Expedition: An unsere Korrespondenten! Wir bitten in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welch« Briefe, Sendungen u. s. w. bis zu Abgang eingetrosten waren Bei Adreßänderunqen. Adreßlöschungen und dergleichen ist unbedingt Vorkehrung zu treffen. etwa Laufendes in sichere Hand z« leiten.— Frl. Lthp. hier: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— R. H. 4- Mb 5K0 Ab. I.Qu. u. Schft. erh. Sdg. fort.— D. Alte Rothe: Mk. 27 30 a Cto. Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Avisirtes durch Zwischenhand anders dit- pomrt. Adr.-c. geordn. lt. Bf. v. 7./1.— Paul Sp.: Mk. 40— i Cto. Ab. 4. Qu. und Schft. erh.«stllq. folgt. Für„Bast.-Sch." beige- legte Note irrig,«ff. mehr.— I. G. Kbrg.: Mk. 8 K0 Ab. 1.«.* Ou. erh.— Excelsior: Fr. 15— erh. Wofür?— Ruprecht: Mk. 47-- Ab- 4. Qu. erh. Mehrbstllq. notirt.— E. St. Mrn.: öwfl. 6 80 Ab 1. u. 2. Qu. erh. Adr. geordnet.— C. H. Hg. i. W.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.- I. E. A.: Mk. 6- 2 Ab. I. Qu. erh. Direkter Preis Mk. 8 60 für 2 Expl., also noch Mk. 2 60 zu senden.— Th. Vlkl. Castlefrd.: Fr. 35 20 Ab 2., 3. u. 4. 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Fr. 163 80 pr. Ufds. v. d. Weihnachtsverloosung dkd. erh.,(Pfd. St. 3 1») Fr. 88 20 k Cto. Schft. gutgebracht.— Ä. L. B.: Mk. 15— Ab I. Qu. für Madai erh.— Oncel: Mk. 26 10 i Cto. Ab. gutgeb. Sind Schft. an Gbch. dort?— Xav. U. Sch-G.: Mk. 4 3» Ab. 1. Qu. erh. — K. H. Pbrg.: öwfl. 10— Ab. 1. Qu. u. k Cto. Schft. erh. Grs. folgt.— Lausanne. Arb.-Lesekl.; Fr. 28 90 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh., u. Fr. 20 40 für„Arbst." ,c. abgel.— E.B. Troyes: Fr. 2 70 pr. Ab 1. Qu. u. Wahlnummer erh.— I. I.: Fr. 2— für Schft. erh.—| Bürgermstr.: Fr. 3 4» f. Schft. erh. Sdg. fort.— Merkurius: Mk. 11 k Cto. Ab. 4. Qu. erh. Bfl. Weiteres.— P. T. Paris: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu, erh.— E. Rmm. Zch.: Fr. 2— Ab. I. Qu. erh.— Kümmel- türke: Mk. 4 80 Ab. 1. Qu. pr. U. erh., trotzdem derf. nach Australien. Also löschen. Ersatz vom Dicken, wenn's fehlt. Absolution und Segen zu Allem!--- E. L. N.: Mk. 4— Ab. I. Qu. erh. Adr: pr. Febr. notirt.— Mlhelmus: Mk. 50— erhalten. Besser wenig, als wacklig« Freundschaft. Bfl. Näheres.— E. St. Lzu.: Mk. 9- Ab. L. u. P. 1. Qu. u. R. alter Rest erh.—— b.: Bf. v. 13. erh. Beide Adr. unleserlich. Davos-Platz Kpf.: 55 Cts. an Bbhdlg. erstattet.— Kopenhagen: Fr. 45 77 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Ueberschüssige« retour.— Mlano: Fr. 1 20 pr. Ufd. v. E. K. dkd. erh.— Paris: Fr. 214 50 Ab. 4. Qu. pr. baal u. Ggrchg. erh.— Hz. A'sihl.: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— H. Mon- treux: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh. Gruß!— E. T. Mj.: Mk. 4 80 Ab 1. Qu. erh.— H. U. Dstn.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh.— Ferd.i Alles hier einschließlich Vorgestrigem. Siehe auch Bsk. 2 Zl. 30. Als lande, bei de: »ir n Aufrns darauf »unqer dewähl wenn Ihr 1884 i wußtet g-'etz I die S. «nd di ju reck Gen Das kuck t degeisü zeugt, Dur Auslm Aieq t Noch Wer zählen. Vetter. hiebkni All, Im Po samme 5-.- I. Kl« Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Jesus von Wazarety. Historische Studie von Georg Lommel. PreiS: 40 Pfg.(50 Cts.) Brücke C. Gr R. Sä »ahme »usscht dv-, N. leide Arbeit Die wahrhaftige Lebensgeschichte de« Josna Davidsohn.«- s. Aus dem Englischen übersetzt von Natalie Liebknecht. f£eiJ Mit einem Vorwort versehenum 5 cheschlossene*7| Mersammlnns der dentsche» S-tUflste«. Win, Tagesordnung: Carl! Wahlen zum Lokalausschuß, Landesausschuß,»ktionskomite u.«.(Fr. 1 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Lokalausschuß. 13 60 Dtsch. vräsi« Ex.-Cl (Pf- Z SozialtSisch« Arbeiterpartei Amerika. Tektton New-Zjork. Sitzung de» Zentralkomitee jeden Freitag Abends X UheErupx in Lincoln Hall, Ecke Allen und Houston Street. 20— Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Nähere« fieheC. R „New-Yorke, VolkSzeitung". besonders Freitag« und Samstags. Urimn Gullj Weber Schwii, Nische«-noflenschasie-Buchdruck-rei HoNingen-Zitrich. 4 52.