se- r>«s< iffe« ll«r- cht- 15» i- ostet Qu. und impt itere i dkd.� ä.-- 6-I erh. ruf:, ztirt, netst fier: Erscheint wich«ntlich einmal in Zürich(Schweiz). Aertag d» Wellibnchhandlnng Hattingen»Zürich. NoUselldungeu sranlo gegen franko Gewöhnliche Briese »ach der Schweiz kosten Doppelporto. Der Sozialdeiiutot lentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schweizerische« Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran», ahl bare» Vierteljahrspreis von: Fr 2-für die Schweiz iKreuzband) MI für Deutschland für Oesterreich(Couoert) Fr. l! SO für alle übrigen Länder d»I Weltpostvereins lKreuzband). Zuserate die dreigespalten« Petitzeil« 25 CtS.--- 20 Pfg. JIS 8. Zlonnerllag, 19. Februar 188S Avis an dir Abonnenten«nd Korrespondenten des„Soziatdemokrat." �, Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, b-zw verfolgt wird und die dortigen wehirden fich alle Muhe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern miglichst zu erschweren, resp Briefe von dort an uni »»o unser« Zeitung?- und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äustcrste Vorsicht im Postverkehr nothwcndig und "»es keine Vorfichisinastregel versäumt werden, die Briefmarder über ien wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt ier Sendungen zu täuschen und letztere dadurch zu schützen Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, dag unsere Freunde so selten als miglich an b/n. Sozialdemokrat' resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern fich miglichst an irgend eine unverdächtig« Adresse auss-rhalb Deutschlands«nd O-st-rr-la>z wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung seht l anderseits aber da» auch UN» möglichst unverfängliche Zustellungs-dr-ss-n mitgetheilt werden. In zw-if-lhaften Fällen empfiehlt stch behufs gröberer Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns lieg! werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trotz aller entaeaen- stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern »c. i M Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Stf. ' teilt' i0—: -60____ M It Die Unbesiegbarkeit der Sozialdemokratie. � l' Die von unseren Gegnern mit so großem Jubel begrüßte Pfg, Schrift des Herrn S ch ä f f l e:„Die Ausstchtslostgkeit der Sozial- erh. vemokratie" fordert umsomehr die sozialistische Kritik herau», als 188» man sozialistifcherseitS bisher vielfach gewohnt war, fich auf Herrn tloer»�chäffle als namhaften GcwShrSmann für den Sozia- Ml. lismus zu berufen. Es war das freilich nur möglich in Folge eines gründlichen Mißverständnisses des Schäffle'schen Stand- Punktes, ein Mißverständniß, dem Schaffte selbst durch eine recht ) �akelhafte Ausdrucksweise nach Kräften Vorschub geleistet hat. t.— Schreiber dieses hat dies Mißverständniß nicht getheilt, er hat : Bf. in Schäffle nie einen Parteigenossen zu sehen vermocht, er ist 7/2! �hilb auch durch die neueste Schrift des„k. k. österr. Mi- »isters a. D." keineswegs enttäuscht oder auch nur überrascht worden. AuS diesem Grunde glaubt er aber auch in der Lage zu sein, nn die Besprechung derselben durchaus sino int— ohne Entrüstung oder gar Gehässigkeit— gehen zu können. Wir werden durchaus sachlich bleiben, was selbstverständlich die nöthige Sch ärfe nicht ausschließt. l. selch« aren. dingt z|« un * ung t. 'ß sn: Es läßt sich nicht abstreiten, daß Herr Schäffle in seinen ischlifuii inU wtu gewissem Loyalität zu Welle geht. We,m er T. 21 seiner Schrift erklärt, daß er in seinem Nachweise, »daß der Kollektivismus durchgehmds nicht halten kann, was er derspricht," bemüht sein will, jede Verzerrung der Forderungen »nd Folgerungen der Sozialdemokratie zu vermeiden, sondern die e(Vi»denkbar zweckmäßigste positive Ausführung der zu beurtheilenden praktischen Zweckvorstellungen zu Grunde zu legen", so wollen � wir ihm zugestehen, daß er von dieser Richtschnur wenigstens nicht absichtlich abweicht; soweit er es doch thut, geschieht es t des Unbewußt. Herr Schäffle greift die sozialistische Lehre an, wie er fie be- greift, die aber keineswegs identisch ist mit der modemen sozia- iistischen Lehre, wie fie stch aus den Werken ihrer anerkannt be- deutendsten Interpreten ergibt. Soviel wird heute wohl Jeder Zugeben, daß wmn Jemand den modernen Sozialismus kritisiren will, er fich in erster Linie an Marx und Engels halten muß. �ie kann man nun von einem Manne eine richtige Beurtheilung des Sozialismus erwartm, der fortgesetzt vom„Evangelium der Üstarx'schen Sozialkostenwerththeorie" älS der„allbeglückenden und Erlösenden Zutheilungsgerechtigkeit" spricht, d. h. Marx etwa» isirputirt, waS dieser selbst als Utopie bezeichnet hatl Es wird Herrn Schäffle schwer fallen, bei Marx auch nur kokst, eine Zeile von dieser„Sozialkostenwerththorie als ZutheilungS- Serechtigkeit" zu finden, abgesehen da, wo fie kritifirt wird. Diesem, für einen Mann der Wissenschaft geradezu unverzeih- iichen Mißverständniß dcS Marx'schen Standpunktes begegnen tetl K bereit? in der„Quintessenz". Seitdem hat Fr. En.elS >n seiner„Umwälzung deS Sozialismus" Dühring gegenüber stch so klar über diese Frage ausgesprochen, daß ein Mißver- ständniß kaum mehr niöglich ist, und obwohl Schäffle die Engeldssche Schrift giles-u, hält e> an sei.-ur,.oir wissen nicht, ich.Wch welchen Umstand hervorgerufenen, Anficht fest. In Folge dessen paffirt ihm jetzt da« Malheur, just in demselben Augen« blick wieder gegen die„ArbeitSkostentheorie de» Sozialismus" zu Felde zu ziehen, wo eine Schrift erscheint, au« der hervorgeht, baß Marx schon 1846 den utopistischen Charakter derselben nach- gewiesen hat. Wir meinen die gegen Proudhon gerichtete Streit- schrift„Da» Elend der Philosophie". Obendrein hat Herr Schäffle selbst in einer späteren Auflage der„Quintessenz" am Schluß deS sechsten Abschnittes bemerkt: „Zu vergleichen ist die neueste, bemerkenSwerthe Erklärung de» >npl.; Herrn Schramm über den wahrscheinlichen Sinn der Marx'schen 1 �erththeorie im„Vorwärts"(1877, Nr. 128). Herr Schramm glaubt hier„im Einverständniß mit allen Parteigenossen sagen )u dürfen", daß nicht nur Marx selbst, sondern der Sozialismus »in der Marx'schen Werththeorie keinen VertheilungS- waßstab sucht und erblickt." Ist dem so, dann ist freilich diese Polemik gegenstandslos." - Daß dem in der That so ist, davon hätte Herr Schäffle fich »icht nur aus dem Fehlen jeglicher, auch nur im Sinne seiner Auslegung deutbaren Stelle bei Marx überzeugen können, s Uhr ändern auch, wie gesagt, nach Lektüre der EngelS'schen Schrift Über Dühring berichtigen müssen. Wir führen nur zwei Stellen von nicht mißzuverstehender Deutlichkeit an: --„Die kapitalistische ProduktiouSform abschaffen wollen durch die Herstellung des„wahren WertheS", heißt daher den Katho- lizismus abschaffen wollen durch Herstellung deS„wahren Papstes", oder eine Gesellschaft, in der die Produzenten endlich einmal ihr Produkt beherrschen, herstellen durch konsequente Durchführung einer ökonomischen Kategorie, die der umfassendste Ausdruck der Knechtung der Produzenten durch ihr eigenes Produkt ist." (S. 260.) „Es ist aber die charakteristische Eigenschaft aller über den „wahren Werth" grübelnden Sozialkonfusion, sich einzu- bilden, der Arbeiter erhalte in der heutigen Gesellschaft nicht den vollen„Werth" seiner Arbeit, und der Sozialismus sei berufen, dem abzuhelfen.... Der Arbeiter soll den„vollen Arbeitsertrag" erhalten. Nicht nur Arbeitsprodukt, sondern Arbeit selbst soll un- mittelbar austauschbar sein gegen Produkt, eine Arbeitsstunde gegen das Produkt einer anderen Arbeitsstunde. Dies hat aber sofort einen sehr„bedenklichen" Haken. Das ganze Pro- bukt wird vertheilt. Die wichtigste progressive Funktion der Gesellschaft, die Akkumulation, wird der G e s e l l s ch a f t entzogen und in die Hände und die Willkür der Einzelnen gelegt..... Man hat also die in der Vergangenheit akkumulirten Produktion?- mittel nur deshalb in den Händen der Gesellschaft zentralifirt, damit alle in Zukunft akkumulirten Produktionsmittel wieder in den Händen der Einzelnen zersplittert werden. Man schlägt seinen eigenen Voraussetzungen ins Gesicht, man ist angekommen bei einer puren Absurdität."(S. 261/62.) In der That, wenn Herr Schäffle nach alledem noch feiten- lang über die Falschheit der Lehre vom„vollen Arbeitsertrag" raisoniren und deduziren kann, so beweist er damit nur, daß er— seine Ehrlichkeit vorausgesetzt— nicht lesen kann, denn unzweideutiger wie in den zitirten Sätzen kann man sich wohl nicht aus- drücken. Und da Herr Schäffle S. 57 seiner Schrift selbst kon- statirt. daß„die Emfickt in die L�st'lngsiinfähigkeit. der prodnk- tivgenossenschaftlichen Lassalle'schen �anacee(Universalheilmittel) dem sozialdemokratischen Kollektivismus den Glauben des Prole- tariats verschafft und bis jctzi erhal. n" hat, so kann er sich nicht einmal mit dem Hinweis auf Letzt e entschuldigen. Ex ungue leonern. Aus diesem einen Beispiel ersteht man bereits, daß sich Herr Schaffte seit« Widerlegung der Sozial- demokratie zum mindesten sehr leich: macht. Er hält fich nicht an die berufenm Theoretiker des Sozialismus selbst, sondern an Auslegungen ihrer Werke, de er irgendwo, vielleicht bei seinem Gesinnungsgenossen Konstantin Frantz, bei Herrn de Lave- leye und ähnlichen Verballhornistre�r gefunden. Ja, selbst wenn er bei anerkannten Mitgliedern d:- Sozialdemokratie Sätze gefunden, die mit den oben zitirten ir Widerspruch stehen, so hätte er doch wenigsten» die Pflicht ck.ehabt, diesen Widerspruch zu konstatiren. Er nennt aber nicht-inmal seine Gewährsmänner, sondern attakirt frisch auf das los,, was er für die konsequente Durchführung deS sozialistischen Gedankens ausgibt und wohl auch hält. Wie im obigm Punkt, wird fich aber auch weiterhin zeigen, daß Herr Schäffle überall da, wo er mit seiner Polemik wirklich Recht hat, diese alles Mögliche, nur nicht den wissenschaftlichen Sozialismus trifft, während überall da, wo er gegen diesen in der That zu Felde zieht, seine Beweisführung eine durchaus haltlose ist. so daß seine Schrift keineswegs ein Zeugniß ist für die Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie, sondern— namentlich wmn wir seine positiven Vorschläge zur Bekämpfung derselben prüfen, ein neuer Beweis für ihre Unbesiegbarkett. Ehe wir jedoch in unserer Untersuchung der Schäffle'schen Schrift weiter gehen, noch ein paar Won zur obm besprochenen Streit- ftage. i"l In der Vorrede zum„Elend de. Philosophie" sagt Fried r. Engels von der aus der Ricardo'schen Werththeorie gezogenen Rutzanwmdung: daß den Arbeitern, al» den alleinigen wirk- lichen Produzenten, daS gesammte gesellschaftliche Produkt, ihr Produkt, gehört,— fie sei ökonomisch formell falsch, denn fie ist einfach eine Anwendung der Moral auf die Oekonomie. „Marx hat daher nie seine kommunistische Forderung hierauf begründet, sondern auf den nothwendigen, sich vor unseren Augen mehr und mehr vollziehenden Zu- sammenbruch der kapitalistischen Produktion»- weise; er sagt nur, daß der Mehrwerth auS unbezahlter Arbeit besteht, was eine einfache Thatsach, ist. WaS aber ökonomisch formell falsch, kann darum doch«eltgeschichtlich richtig sein. Erklärt daS sittliche Bewußtsein der Masse eine ökonomische Thatsache, wie seinerzeit die Sklaverei oder die Frohnarbeit für unrecht, so ist da» ein Beweis, Äß die Thatsache selbst sich überlebt hat, daß andere ökonomische Thatsachen eingetreten find» kraft deren jene unerträglich und unhaltbar gewordm ist. Hinter der formellen ökonomischen Unrichtigkeit kann also ein sehr wahrer ökonomischer Inhalt verborgen sein.' Hier ist vollends jedes Mißverständniß der Thatsache, daß Marx und Engel» die Werththeorie keineswegs als die Formel für die sozialistische Gesellschaft aufgefaßt"issen wollen, ausgeschlossen. Und wmn un» Herr Schäffle fragt, ja wie stellt Ihr Euch nun eigentlich die Vertheilung der Produkte in der sozialistischen Ge- sellschaft vor? so antworten wir ih> ruhig: gar nicht. Wir sind nicht so autoritär, der sozialistischen Gesellschaft Vorschriften machen zu wollen, wie fie die Produktion und die Vertheilung der Produkte regelt, wir überlassm daS den Anarchisten und anderm Utopisten. Wir wissen nur EineS: daß die Vertheilung der Pro- dukte in ursächlichem Zusammenhange steht mit der Art ihrer Herstellung, daß daher der kapitalistische Äertheilungsmodus, bei welchem das Proletariat in immer größere Roth und Abhängig- keit geräth, eine nothwendige Folge ist der kapitalistischen Pro- d ukti on s weise, und daß hier der Hebel angesetzt werden muß, daß die Produktion vergesellschaftet werden muß, soll die Arbeiterklasse nicht physisch und moralisch ganz verkommen. Ueber das Wie der Vergesellschaftung machen wir uns keine Sorge, sondern sagen mit Karl Marx(„Der Bürgerkrieg in Frank- reich"): „Die Arbeiterklasse.... hat keine fix und fertigen Utopien durch Volksbeschluß einzuführen. Sie weiß, daß, um ihre eigne Befreiung und mit ihr jene höhere Lebensform herauszuarbeiten, der die gegenwärtige Gesellschaft durch ihre eigene Entwickelung unwiderstehlich cntgegenstrebt, daß sie, die Arbeiterklasse, lange Kämpfe, eine ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die Menschen wie die Umstände gänzlich umge» wandelt werden. Sie hat keine Ideale zu verwirklichen; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die fich bereits im Schooße der zusammenbrechenden Bourgeoisgesell- schaft entwickelt haben. Im vollen Bewußtsein ihrer geschichtlichen Tendenz und mit dem Heldenentschluß, sich ihrer würdig zu zeigen, kann die Arbeiterkasse fich begnügen, zu lächeln gegenüber den plumpen Schimpfereien der Lakaien von der Presse, und gegenüber der lehrhaften Protektion wohlmeinender Bourgeoi«- Doktrinäre, die ihre unwissenden Gemeinplätze und Sektirer- Marotten im Qrakelton wissenschaftlicher Unfehlbarkeit abpredigen." Sehen wir nun zu, wie eS mit den Beweisen und Rathschlägen deS Herrn Schäffle steht. Raummangels halber mußte der Schluß des Artikels:„Wie Marx im Jahre 1846 über Streiks und Arbeiterkoalitionen dachte" für nächste Nummer zurückgestellt werden. Die Red. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 18. Februar 1885. — Herr von Puttkamer hat, mit der ihm eigenen Slbwesen- heit jeglichen Schamgefühls— das ja„ein spießbürgerliches Borurtheil" ist— den Entschluß zu erkennen gegeben, der Wittwe und den Kinder« des Frankfurter Polizei-Rumpf eine Art Nationaldotation zu gewähren. Die Absicht des gefellschaftsretterifchen Biedermanns ist offen- bar: die Spitzelei zur National-Reichstugend zu erheben und, indem man sie reichlich belohnt, zu einem anziehenden Geschäft oder Beruf zu machen. Nun— das Schicksal des Rumpf dürfte die Anziehungskraft der postHumen Nationalbelohnung einigermaßen beeinträchtigen. Jndeß da» ist Sache Derjenigen, die an dem schönen Spitzelhändwerk Gefallen finden. In Deutschland ist die Zahl glücklicherweise eine sehr beschränkte, wenn auch an Lumpen sicherlich kein Mangel ist. Das Spitzelhandwerk gilt eben bei allen halbwegs anständigen Menschen für ein schuftiges Handwerk, und was speziell den Frankfurter Polizei-Rumps betrifft, so haben wir guten Grund anzunehmen, daß das Urtheil, welches der „Sozialdemokrat" über dieses Individuum und deffen Thätigkeit gefällt hat, das aller anständigen Leute in Deutschland ist, ganz ohne Unterschied der Parteien. Durch keine National- dotation wird die Schande dieses Mannes, und des Systems, dem er als Werkzeug diente, zugedeckt— die Schande des Mannes und seiner Brodgeber wird blos„nationalisirt". Uebrigens mag Herr Puttkamer sich auf den Kopf stellen, die Infamie des Spitzelwesens wird nach und nach so anstößig und so handgreiflich, daß in allen zivilisirten Staaten die öffentliche Meinung sich dagegen aufzulehnen beginnt. So jetzt in Frankreich, anläßlich der Spitzel-Ver- schwörung in Monceau-les-Mines, und auch in England, wo die Detek- tives neuerdings vollständig in Mißkredit gekommen sind. — R. E. DieReichstaassitzungen ziehen sich in die L ä n g e. Zu Anfang dieses Jahres bestand, wie unsere Leser wissen, die Absicht. den Reichstag sofort nach Erledigung des GtatS, also etwa um die Mitte des lausenden Monats i Februar) bis nach Ostern zu vertagen und dann, nachdem der preußische Landtag inzwischen seine Slrbeiten zu Ende geführt, die Sitzungen wieder aufzunehmen, und die vor Kommissionen verwiesenen Gesetzesentwürse zu erledigen. Mit dieser Abmachung— denn das war es, die Präsidien des Reichstags und des Landtags hatten sich förmlich dahin geeinigt— war aber Bismarck nicht zufrieden: er liebt die Parlamente nicht, der Reichstag gefällt ihm nur, wenn er nicht versammelt ist, und was liegt am Unsallgesetz, am Postsparkassengesetz, an den Arbeiterschutzgesetzen und ähnlichen Kinkerlitzchen für den„armen Mann", wenn nur das Budget mit den Getreide- und Holzzöllen in Sicherheit gebracht sind? So reift- denn der Plan, die Zollnovelle(Ge- treide-, Hol,- und sonstige Zölle) mit aller Gewalt noch„durchzupeitschen", rasch die dritte Lesung des Etats abzumachen, und dann noch vor Ostern „die Bude zu schließen".. �„... Zum Gelingen dieses Plans gehört, daß die Zollnovells nicht vor eine Kommission verwiesen, sondern gleich im Plenum berathen und fertig gestellt wird. Selbstverständlich widersetzen sich die OpposttionS- Parteien einem solchen Beginnen— die Oppositionsparteien, mit Aus- nähme des Zentruins. Das Zentrum denkt blos an's„Handeln"; wo's ein„Geschäftchen" zu machen gibt, ist es bei der Hand. Und h, e r «!„>. fn qi-iiorofffn her Rsaicruna und Reaieruuasleute im Spiel, daß sich mit einem schlauen Schachergeschäftchen etwas Hübsches ver- dienen ließe. Die Agrarier im Zentrum stießen freilich bei ihren mehr„demo- kratischen" Fraktionsgenofsen auf Opposition, sie haben aber den Sieg erfochten, und zwar in Form eines„Kompromisses", der dahin geht: die Getreide- und Holzzölle im Plenum zu erledigen, den Rest an eine Kommission zu bringen. Ist der Rest in der Kommission— dann mag er auch in der Kommission und mit der Kommission begraben werden. Den Herren Jankern und Agrariern kommt es nur auf die Getreide- und Holzzölle an: das heißt sie wollen„Staatshülfe" auf Kosten und aus der Tasche des„armen Mannes"; die Fabrikanten mögen sehen, was aus ihren Schutzzöllen wird. Man hat sie— nämlich die Fabri- kanten— nur als Chorus gebraucht, und— hat der Mohr seine Schuldig- keit gethan, so mag er gehen. Im Augenblick, wo wir dies schreiben— Mittwoch den 11. dieses— ist es allerdings noch nicht entschieden, ob die Herren Junker und Agra- rier ihren Plan durchsetzen werden; falls die Fortschrittspartei sich er- mannt, könnte er noch vereitelt werden. Die Oppositionsparteien haben es nämlich in der Hand, die Beschlußunfähigke it des Hauses zu erwirken; bis jetzt aber haben die Herren Fortschrittler es nicht ge- wagt, von diesem Mittel rücksichtslosen Gebrauch zu machen. �Charakteristisch für die Haltung des Zentrums ist auch der Umstand, daß es in dieser hochwichtigen Debatte sich durch eins seiner unbedeu- tendsten Mitglieder hat vertreten lassen: durch den wasserpollakischen Premierlieutenant a. D. und Krautjunker(leider nicht a. D.) von Schal cha, Besitzer eines verschuldeten Guts, welcher der Staatshülfe, oder sagen wir lieber eines Staatsalmosens allerdings dringend bedürftig ist. Abgesehen hiervon ist Herr von Schalcha ein ganz braver Mann, und unzweifelhaft talentirt für das öffentliche Leben, wenn auch nicht für das politische: Herr Renz würde keinen besseren Zirkus-Clown finden, als unseren talentirten Staatsalmosenier in spg. Also diesen „Immer Loustik" schickte man vor— die Herren Windthorst, Schorlemer- Alst und Frankenstein blieben hübsch fein auf ihren Plätzen.— Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion sprach Bebel, welcher die Frage der Kornzölle nach ihren verschiedenen Richtungen hin beleuchtete. Da die Debatte sich noch mindestens über einen Tag, zusammen über drei Tage, erstrecken ipjrd, wäre es nicht unmöglich, daß ein zweiter sozialdemokratischer SRebnft zum Wort käme. Natürlich bekämpft die Fortschrittspartei im Reichstag mit großem Eiser die Getreidezölle; sonderbarerweise ist jedoch außerhalb des Reichstags von einer agitatorischen Thätigkeit der Fortschrittspartei so gut wie nichts zu bemerken. An Lust zu agitiren fehlt es den Herren Fortschrittlern nicht, und wahrhastig auch nicht an Grund, wohl aber an der Kourage und am nöthigen Geschick. Schon 1878 und 187«, als Bismarck sich durch das Sozialistengesetz die sozialdemo- kratische Agitation vom Hals geschafft hatte und an die Einführung sei- ner famosen Schutzzoll- und Wirthschastspolitik ging, zeigte sich diese Unfähigkeit der Fortschrittler zur Agitation in den Volksmaffen. Von einem sozialdemokratischen Abgeordneten wurde ein bekannter Fortschritts- mann damals ob der agitatorischen Unthätigkeit seiner Partei interpellirt. „Wir verstehen uns leider nicht auf die Massenagi- t a t i o n!" lautete die kleinlaute Antwort. Neuerdings haben die Herren Fortschrittler den Cntschuß zu erkennen gegeben, eine große„Volks- a g i t a t i o n" gegen die Kornzölle zu inszeniren. Leider ist es schon etwas spät; wohl schon zu spät. Jndeß wir wollen abwarten. Thatsache ist, daß die Sozialdemokraten, würden sie nicht durch das Sozialistengesetz lahm gelegt, binnen vier Wochen eine Bewegung gegen die Kornzölle organistrt hatten, vor der die Herren Agrarier, mit ihrem „Ehef" Bismarck, sich aus der Oeffentlichkeit hätten zurückziehen müssen. Ueberall— das hat sich recht deutlich während der letzten Wahl- bewegung gezeigt— überall, wo sozialdemokratische Redner über die Kornzölle sprachen, hatten sie die Versammlungen für sich, selbst in durch- weg ländlichen Bezirken. Unsere deutschen Bauern sind nicht so dumm, wie Herr Bismarck und seine Leute sich einbilden. Und wenn an ihre Vernunft appellirt wird, wenden sie sich von den Schwindlern ab, die, unter dem Vorgeben, die Interessen des„Bruder Bauer" zu fördern, sich bloß die eigenen Junkertaschen zu füllen bemüht sind. Nachschrift. Die Kornzölle kommen nicht vor eine Kommission, sie werden gleich durch den Reichstag„gepeitscht" werden. Mit großer Mehrheit wurde in der Sitzung des 13. ein dahingehender Beschluß ge- faßt, und im Augenblick, wo diese Notiz zum Druck kommt, werden die verdoppelten und verdreifachten Kornzölle wahrscheinlich bereits in letzter Lesung angenommen sein. Einen gemeineren Jnteressenkamps hat es niemals gegeben. Die„oberen Zehntausend" wollen auf Kosten des„armen Mannes" Staatsalmosen haben. Wir haben 8,900,000 so- genannte Grundbesitzer in Deutschland, und von diesen haben nur (568,000, d. h. kaum ein Z w ö l f t e l, so viel Land, daß sie Getreide verkaufen, also von den Kornzöllen Vortheil ziehen können. Der Rest, die ungeheure Majorität der Grundbesitzer, oder in volksthümlicher Sprache ausgedrückt, der gesammte Kleinbauernstand hat von den Korn- zöllen nur materielle Nachtheile. Das ist so handgreiflich, läßt sich ziffernmäßig so überzeugend nachweisen, daß— je nun daß die Ritter der Kornzölle sich auf eine Diskussion nicht einlassen können, und es daher vorziehen, die Gegner der Kornzölle einfach niederzustimmen. Der Parlamentarismus geht in die Brüche, sobald es sich um die In- teressen handelt. Da kümmert man sich nicht um Gründe, da will man keine Reden mehr hören, obgleich das Parlamenteln ja vom Parliren kommt und das Reden zum Parlamentarismus gehört, wie Flinten und Kanonen zum Militarismus. Da gilt blos noch die„brutale G«- walt" der Majorität. Nur zu! Es kann auch einmal schief gehen, und der Spieß umgekehrt werden. Nicht w i r sind es, die bei der Durchlöcherung des Parlamen- tarismus zu verlieren haben. Feuilleton. Z>er Gehetzt e.*) Dramatisches Gemälde aus der Jetztzeit. In drei Abtheilungen und einem Vorspiel. Von E. Gr. Personen: Stürmer, der Gehetzte. Alex von Habgier, Großgrundbesitzer. Lucie, dessen Frau. Strengmann, Aufseher. Grob, Landgensdarm.\ Treulich, ein alter Achtundvierziger. Marie, dessen Tochter. Ein Briefbote. Sieben Karrenschieber. Vorspiel. Eine Landstraße; weiterhin die Gebäude eines Gutes sichtbar. Stürmer(tritt mühsamen Ganges auf. Im Begriff, zu rasten, schaut er auf und erblickt die Gutsgebäude. Erschreckt): Auch das noch! Müssen mich meine Kräfte grade in dem Augenblicke verlassen, wo ich vor mir die Häuser des Gutes sehe, vor dem sie mich alle gewarnt haben. (Er bleibt ermattet einen Moment stehen.) Vielleicht erreiche ich wenigstens noch den kleinen Wald da drüben. (Er macht einige Versuche, weiterzugehen: dann setzt er sich er- schöpft auf einen Stein.) Es geht wahrhaftig nicht; ich muß erst einen Augenblick ruhen, um neue Kräfte zu sammeln.— Ach, wie kann doch der Atensch so elend werden! es so sort, dann hetzen sie mich wirklich todt. Seitdem es *) Wir bringen hiermit einen weiteren dramatischen Versuch der Ver- faflerin der„Geschwister" zum Abdruck, der dem erster an Wirksamkeit und Aktualität keineswegs nachstehen dürfte. Da das Dramolet speziell für die Aufführung an Märzsesten geeignet ist, so werden wir schon vor beendigter Veröffentlichung im„Sozialdemokrat" Separatabzüge anser- tigen lassen, damit diejenigen Mitgliedschaften, welche es zur diesjährigen Märzfeier aufzuführen wünschen, rechtzeitig an die Einstudirung gehen können. — Aus Leipzig schreibt man uns:„Stiesel muß sterben!" Wir hatten Recht:♦) Reinsdorf und einer seiner Genossen mußten geköpft werden, wie weiland Hödel, damit das„rothe Gespenst" die richttge, echte Blutfarbe erhielt. „Wir färben echt, wir färben gut, Wir färben mit Attentäterblut!" so können die Puttkamer, Bismarck und Konsorten mit einer kleinen Variation des von ihrem Exleibjournalisten Braß gedichteten Blutliedes singen. Reinsdorf— das muß ihm gelassen werden— starb furchtlos, er spielte seine Rolle bis zu Ende, während der unglückliche Küchler elend zusammenbrach. Seine Rolle. Nicht die eines großangelegten Charakters, der dem Haß gegen die Staats- und Gesellschaftsordnung die wuchtige Kraft der Intelligenz und konzentrirter Entschlossenheit zu geben ver- mag. Das war nicht in ihm. Kein Trotzlied, kein Lied der Rache war es, was er zuletzt sang— gewissermaßen als Testament. Nein, und das ist so recht bezeichnend, ein schnoddriges Kneiplied: Stiesel muß sterben, Ist noch so jung, jung, jung!" Nicht an Andere dachte er, nicht an die Klasse der Geknechteten und zu Befreienden— nein, nur an sich selbst dachte er, und daß er so jung sterben müsse. Das soll kein Tadel sein. Vor dem Schaffst ermannte er sich noch zu einem Schlachtruf: „Nieder mit der Barbarei, es lebe die Anarchie!" Und an diesem Ruf wollen wir nicht mäkeln. Das„Stiefel muß sterben!", welches so bezeichnend ist für die Haupt- person im letzten Hochverrathsprozeß, gestaltet sich gerade durch seine frivole Unbedeutendheit zu einer um so schwereren Anklage gegen diese Männer, die diesen Hochverrathsprozeß ermöglicht und einen Mensch wie Reinsdorf unter das Henkerbeil gebracht haben. „Stiefel muß sterben! Ob den Herren das Gewissen nicht schlägt? Und ob, wenn der Tod vor ihnen steht, sie ihm ebenso furchtlos in's Angesicht blicken werden wie der geköpfte Reinsdorf? Wem sie durch den Hochverrathsprozeß und die obligate Köpferei genützt haben, das wird sich ja wohl gelegentlich herausstellen. Das Eine ist schon jetzt sichtbar und mit Händen zu greifen, daß Hundert- tausenden der Muth, oder sage man unsertwegen: die Nervenstärke impo- nirt hat, mit der Reinsdorf in den Tod gegangen ist. In England sind die Massenhinrichtungen, wie sie früher gebräuchlich waren, abgeschafft worden, weil die Erfahrung lehrte, daß die Todesstrafe nicht nur nicht abschreckend wirkt, sondern daß sie, wenn die„Patienten" mannhaft und keck sterben(äiv garno— nennt es der Engländer mit einem regulären Kunstausdruck), positive Anziehungskraft aus- übt, den Verbrecher zum Helden und Märtyrer macht und ihm Nach- folger erweckt. Herr von Puttkamer und Konsorten haben aber ihr Bestes ge- than, um Reinsdorf zum Märtyrer und Helden zu machen; und dem Hanswursten Most, der am Reinsdorf genau ebenso unschuldig ist wie an Kammerer und Stellmacher, haben ste zu einem Märtyrer und Helden verHolsen, der sicherlich seine Dienste thun wird. Vielleicht sagt Herr Puttkamer: indem wir dies aussprechen, schleifen wir wieder irgend einen beliebigen Dolch. Es gibt Leute, die ihre Augen haben, um n i ch t zu sehen, und ihre Ohren, um nicht zu hören. Hätte Herr von Puttkamer seine Augen, um zu sehen, und seine Ohren, um-u hören, dann würde er sehen, daß der todte Reinsdorf weit ge- sährlicher ist als der lebendige. Und er würde hören, daß jeder Denkfähige und menschlich Fühlende— gleichviel welcher Partei er an- gehört— mehr oder weniger laut den letzten Leipziger Hochverraths- prozeß und das tragische Nachspiel von Halle sowohl vvm Standpunkte der Sittlichkeit als dem der Politik entschieden verurtheilt. „Das möge Herr von Puttkamer sich hinter die Ohren schreiben." — Zum Thema vom Diensteid. Aus Dortmund erhalten wir folgende Zuschrift: Wie hoch die Heiligkeit des Eides im Lande der Moral und guten Sitte von den Trägern der Ordnung gehalten wird, beweist folgender Fall.... Bei dem Begräbnisse unseres verstorbenen Genossen Otto Tölke ver- suchte Genosse Brachwitz dem Andenken unseres Freundes einige Worte zu widmen, woran er jedoch durch den Polizeikommissar Meyer, genannt der Liebenswürdige, gehindert wurde. Nachdem ein Gesangverein ein Lied vorgetragen, legte Genosse. Brachwitz einen Kranz im Namen der Sozialdemokratie Dortmunds nieder, worauf die Umstehenden ein Bravo ausbrachten. Es erfolgte nun von Seiten des Staatsanwalts Klage gegen Brachwitz wegen Vergehen gegen das Sozialistengesetz, in welcher der Kommissar Mayer, der Bureauschreiber Geger, sowie der Kirchhof- diener Höfel als Zeugen fungirten; von unserer Seite waren sieben, Zeugen geladen. Meyer bezeugte eidlich, Brachwitz habe gesagt: Wir leiden unter dem Druck des Ausnahmegesetzes," und habe bei dem Niederlegen des Kranzes ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht, was von den sieben Zeugen widerlegt wurde, und noch von mehreren Dutzend Zeugen hätte widerlegt werden können. Den Sieben wurde aber nicht geglaubt, sondern derüRichter erklärte ganz unverfroren, daß Kommissar Meyer eine glaubwürdige Person sei— und der Diensteid entschied. Wir aber bezweifeln' die Glaubwürdigkeit des Meyer sehr, denn erstens hat der Herr von dem Gesagten thatsächlich nichts mehr gewußt, da der Bureaugehülfe Geger, als sie vom Kirchhof kamen, ihm die Sache erst erzählt hat, und' Meyer lediglich den nöthigen Beihau hinzugeliefert hat, und zweitens hat Meyer gelegentlich des Dortmunder Schützenfestes gezeigt, wie glaubwürdig er ist. *) Vergleiche Nr. 1 des„Sozialdemokrat". bekannt geworden, daß ich der Leiter der Wahlbewegung in unserem Bezirk gewesen bin, gibt es für mich keine Ruhe mehr. Polizei und Richter konnten mir allerdings nichts anhaben und mußten mich schließ- lich laufen lassen, obgleich sie gerne ihr Müthchen an mir gekühlt hätten.— Aber dafür hungern mich jetzt die Herren Kapitalisten gründlich aus. Nicht genug, daß mich mein Fabrikant, bei dem ich seit sieben Jahren in Arbeit stand, nach der Wahlschlacht davonjagte, nein, sämmtliche Fabrikanten haben einen Bund geschlossen, mich nicht mehr zu b-schäfti- gen. O, sie wissen, wo sie uns.am empfindlichsten treffen. Erst die Arbeitslosigkeit,— dann die KiWheit,— dann wieder arbeitslos— es ist zum Verzweifeln! Aiit 2 Jahren und dem besten Willen zum Arbeiten muß man elendiglich auf der Landstraße zu Grunde gehen. Und Alles infolge dieses schändlichen Sozialistengesetzes. Fluch ihm und seinen Urhebern!— Wenn ich nur erst aus der Nähe dieses vermale- deiten Gutes wäre! Die Gutsherrschaft, so sagt man, habe einen Kon- trakt mit dem Wächter des Gesetzes geschlossen, daß er ihr die billigsten Arbeitskräfte zuführe. Denn außer dem Essen gibt es weiter fast nichts, und die Arbeit kann kaum ein Gesunder leisten, geschweige denn ich, den ein Kind jetzt umwerfen könnte. Bin ich denn noch der alte Stür- mer, der vor keiner Anstrengung, vor keinem Wagniß zurückschreckte 7 Ach nein, ich bin ein elender, verkommener Mensch, dem Krankheit die Kraft, und das Elend die Energie geraubt haben. (Er wendet seinen Blick dem Gute zu.) Nur von da kann der Gensdarm kommen. Wenn ich die Spitze seines Helmes erblicke, breche ich auf; der Abscheu, den ich vor diesen Hetzhun- den habe, wird mir dann vielleicht die nöthige Kraft verleihen, weiter zu kommen. In Feldheim, dem nächsten Städtchen, hoffe ich ja endlich Arbeit zu bekommen, weil mir die Genossen eine recht warme Empfehlung mit- gegeben haben und der Meister selbst ein Genosse ist. Fatal ist nur, daß ich selbst im Nothsall die Empfehlung dem Gensdarm nicht zeigen darf, weil die polizeiwidrig dummen Gesetzeswächter sofort eine politische Aktion in diesem Begleitschreiben erblicken würden, und ich darf und will Niemand blosstellen. Gensdarm(der sich von der entgegengesetzten Seite genähert hat): Nun, was thut er hier, he? Stürmer(erschreckt): Ich— ich— ruhte einen Augenblick. Gensdarm(noch barscher): Er sieht der Vagabondage sehr ver- dächtig aus; zeig' er mir seine Papiere. (Stürmer versucht sich eiize möglichst kräftige Haltung zu geben, indem er seine Papiere aus der Tasche zieht und dem Gensdarm überreicht.) Gensdarm(sieht aufmerksam die Papiere durch und vergleicht das Damals erzählte er nämlich dem Redakteur der„Tremonia", daß& dem Pfandleiher Eick in der Woche vor dem Schützenfest für 20,000 versetzt worden. Hierauf erklärte die Firma Eick in der„Dortmunde Ztg." den Kommissar Meyer indirekt als einen Verleumder, da Meyer niemali Einsicht in ihre Bücher hatte, und in der betreffenden Woche weit»e niger versetzt worden sei als in sonstigen Wochen; Meyer aber hat st wohl gehütet, gegen diese Erklärung Strafantrag zu stellen. Und bis Zeugniß dieses Helden wurde höher gestellt als die Aussage sieben i» bescholtener bürgerlicher Zeugen! Der Staatsanwalt beantragte gegen Brachwitz 2 Monate Gefängniß uir' Ausweisung, das Gericht erkannte aber nur auf 30 Mark eventuell» Tage Haft wegen Vergehen gegen das Vereinsgesetz vom 11. März 1850- Damit war dem Staatsanwalt aber nicht Genüge geleistet, weshalb« Revision beim Reichsgerichte einlegte. Dies verwarf aber am 10. Janu« 1886 die Revision und bestätigte das erste Urtheil. Aus der Verurth» lung überhaupt ist jedoch ersichtlich, wie sehr der Abgeordnete v. Voll«» Recht hatte, als er im Reichstage sagte, der Reichskanzler möchte d<» lieber Alles auf seinen Diensteid nehmen, denn da geht viel drauf, uitf das wird Kommissar Meyer auch gedacht haben. — Wie die Bourgeoisie den religiösen Fortschritt ver steht. Es ist wiederholt von katholischer Seite der Ausspruch getha» worden, daß das Mittelalter in seinen vielen und vielgeschmähten Fest tagen eine Art natürlichen Regulators der Arbeitszeit hatte, der den No« malarbeitstag gewissermaßen entbehrlich machte, und man braucht keir Verehrer dieser höchst irrationellen Regulirung der Arbeit zu sein, u« ihren relativen Nutzen für den Arbeiter zuzugestehen. Thatsache ist, das die vielen Festtage der aufstrebenden Bourgeoisie ein Gräuel vor de» Herrn waren, und sie überall sich eifrigst bemühte, ihre Zahl zu red> ziren, wobei ihr der Protestantismus vortreffliche Dienste leistete. nicht protestantischen Ländern ging die Sache etwas schwieriger, at auch hier wird man, je mehr die moderne Industrie Boden faßt, imi aufgeklärter— im Punkte der Feiertage. Und merkwürdig. So stark der reaktionäre Zug der Zeit hew- auch ist, in dieser einen Beziehung— Beschränkung der Feiertage" scheint es noch immer vorwärts zu gehen. So lesen wir in der „Frankfurter Zeitung" folgende Notiz: „Plauen i. V., 8. Februar. Der von der Handelskammer zu Fram furt a. M. gegebenen Anregung folgend, hat die Handels- un- Gewerbekammer zu Plauen sich eingehend mit der Frage b» schäftigt, wie in Sachsen eine größere Uebereinstimmung bezüglich d» Festsetzung von Fe st tagen mit anderen deutschen Staaten her beigeführt werden könne. Nach den Reskripten der evangelischen Gr Heimen Räthe betreffend Beschränkung der Feiertage von 1831 sind bei erste und sechste Januar, der Himmelfahrtstag, das Reformationsfest uitf der Charfreitag neben zwei Weihnachrs-, Oster- und Psingsttagen un' zwei Bußtage als ganze, sowie der grüne Donnerstag als halber Festt» zu begehen. Man greift nun nicht zu hoch, wenn man für jeden Ars beitstag einen Betrag von 1,200,000 Mark als Ergebnis von Zeitlohn im Königreich Sachsen annimmt. Ein Ausfall vo>s drei Arbeitstagen bringt also einen Verlust von 3,600,000 Mark und die Aufhebung des einen Bußtags, des Festes der heiligen drei Könige und des Reformationsfestes würde für das Land eine» wirthschaftlichen Nutzen von 3,600,000 Mark bringe» Die Handelskammer hat nun beschlossen, die Regierung zu ersuchen, st möge dahin wirken,� daß die besondere Feier des 6. Januar und bei einen Bußtags in Sachsen aufgehoben, die Feier des andern Büß tags in den verschiedenen Staaten Deutschlands auf denselben Tag ved legt und die besondere Feier des Reformationsfestes auch in den prots! stantischen Nachbarstaaten eingeführt werde. Die Kommission hatte di> Aufhebung des Reformationsfestes für den Fall in Vorschlag gebracht daß das Fest nicht auch in den Nachbarstaaten eingeführt wird, v« Plenum hat aber mit Rücksicht auf die konfessionellen Kämpfe der Gegefl wart die Beibehaltung des Festes für nothwendig erachtet." Dieser Beschluß ist in der That charakteristisch für unsere Epoche. Z» einer Zeit, wo die Ueberproduktion und das Elend, welches erstere noch wendig nach sich zieht, chronisch geworden ist, quält man sich ab, d>> Zahl der Arbeitstage zu vermehren, denn—„das Land" würd> einen„wirthschaftlichen Nutzen" von 1,200,000 Mark per Arbeitstot erzielen. Das„Land" heißt natürlich so viel wie die Klasse der B�J sitzenden, denn daß die Arbeiter von diesem„wirthschaftlichen Nutzeir nichts verspüren würden, bezw. werden, liegt zu klar aus der Hand, als daß wir darüber noch ein Wort verlieren sollten. Man braucht sich jj nur das Ding weiter auszumalen und die Konsequenzen zu ziehen welche sich für die Arbeiter ergeben würden, wenn der fromme Wunst gewisser Leute, auch den Sonntag im wirthschaftlichen Interesse aus zuheben, in Erfüllung ginge. Das Elend der Arbeiter würde nU vermehrt werden. Man würde indeß fehl gehen, wollte man aus dem bisher Gesa? ten schließen, daß wir über die Aushebung der genannten kirchliches Feiertage unglücklich sein würden. Im Gegentheil. Wir werden sie mi Freuden begrüßen. Aber nicht wie die Frankfurter und Plauener Bau« geois wegen des damit verbundenen wirthschaftlichen Profits, sonder« weil uns erstens der kirchliche Charakter dieser Feiertage sehr gleichzülti! ist, und weil ferner, je mehr diese irrationellen Palliative gegen lieber arbeit und Ueberproduktion verschwinden, um so deutlicher die Rots wendigkeit einer rationellen Regulirung der Arbeitszett hervortreten muß — Zur Bismarckspende. Für die Art und Weise, wie di „Bismarckspende" gemacht wird, liegen ein paar recht nette Beispiele vo> Die„Kölner Volkszeitg." theilt ein Zirkular der Firma Ferd. Wohl» und Söhne in Düsseldorf mit, welches unter der Ueberschrift:„An mei» Arbeiter!" folgenden Wortlaut enthält:„Wir Alle müssen und wolle einen Antheil an dieser Ehrengabe des deutschen Volkes haben und schl» gen Euch vor, aus der Arbeiter-Unterstützungskasse 60 Mark zu de« - J Signalement sehr sorgfältig): Es stimmt; wie steht es mit dem Zeh» Pfennig? Stürmer: Der ist mir soeben ausgegangen; aber ich habe d> Gewißheit, in Feldheim Arbeit zu bekommen. Gensdarm: Ah bah, diese Ausrede gebraucht jeder Landstreiche! Stürmer: Beleidigen Sie mich nicht. Ich bin ein ehrlicher MaiU und kein Landstreicher. Gensdarm: Maul gehalten. Folge er mir zum Amtsrichter. I« Gefängniß wird er wohl Zeit haben, über seine Ehrlichkeit nach}« denken. Stürmer: Sie haben aus meinen Papieren gesehen, daß ich es ehrenhafter Mann, der sich durch redliche Arbeit seinen Lebensunterh» erwirbt. Daß mir bei der heutigen traurigen Geschäftslage augenblicklff das Reisegeld ausgegangen ist, ist keine Schande. Lassen Sie mich als weitergehen, ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß ich sicher bin, in d» nächsten Stadt Arbeit zu bekommen. Gensdarm: Nichts da! Er kommt zum Amtsrichter. Er sieht«v überhaupt nicht aus wie ein arbeitsliebender Mensch, sondern wie es nichtsthuender Bummler, der sich aus Kosten Anderer ernährt, ein Mi glied der F-chtbrüderzunft, die jetzt zu einer wahren Landplage wir! Er lungert ja schon seit dem Herbst aus der Landstraße herum, wie au seinen Papieren hervorgeht. Stürmer: Ich arbeite gern, aber wenn die Geschäfte darniede' liegen, wie es jetzt der Fall ist, kann schon eine unfreiwillige Arbeitt losigkeit vorkommen. Gensdarm: Ich will Ihnen was sagen: wenn Sie wirklich Lust z» Arbeit haben, können Sie dort, bei der Gutsherrschast, vorderhand welq bekommen. Also wenn Sie Arbeit dem Gefängniß vorziehen, will ich& aus das Gut führen. Stürmer: Rein, ein Karrenschieber bin ich nicht. Mir fehlen au vorderhand die Kräfte zu solcher ungewohnten schw-ren Arbeit. Gensdarm(wüthend): Aha! Das habe ich mir doch gleich gedach er faules Subjekt, er Landstreicher, er arbeitsscheuer Vagabund! Mar? zum Amtsrichter! Was da seiner wartet, weiß er doch wohl, he? t weiß hoffentlich, daß sein Gesängnißaufenthalt in seinen Papieren v« zeichnet wird, damit Jedermann nachher auch weiß, mit wem er l zu thun hat!.„~„• Stürmer(verzweifelt vor sich hin): Was soll ich thun? Soll> mich von rohen Menschen einsperren lassen, die Unsereinen gleich eine Hunde behandeln, oder soll ich versuchen, auf dem Gute Arbeit zu ne men? Ich weiß freilich nicht, wie ich die ungewohnte Arbeit ertrag' werde, aber mich als Landstreicher brandmarken lassen? Nein, nei Ehrengeschenk für den Reichskanzler zu bestimmen, während wir denselben l weitere 100 Mark hinzufügen werden, um das Ganze baldigst als Bei- trag der Inhaber und Arbeiter der Fabrik von Ferd. Möhlau u. Söhne bem Zentralkomite znr Begründung einer Bismarckstistung in Berlin W überweisen. Einwendungen gegen unseren Vorschlag sind innerhalb der nächsten fünf Tage zu erheben. Ferd. Möhlau u. Söhne."— Daß„König Stumm" nicht zurück- bleibt, versteht sich von selbst. So berichtet das„Neunkirchener Tageblatt":„Auf dem hiesigen Hüttenwerke wollte die Sammlung nicht so recht in Fluß kommen; deshalb wurde dafür gesorgt, daß die Meister lüften auflegten und die Arbeiter zur„freiwilligen" Leistung eines Beitrags aufforderten, mit dem Bemerken, es werde gewünscht! Auf der Coaks-Anlage sind nicht weniger als drei Listen aufgelegt; auch bei der Abtheilung des Baumeisters Fischer, der zirka 200 Mann unter sich stehen hat, ist seit Anlegung der Listen eine ungeheuere Lust zum Einzeichnen unter den Arbeitern zu bemerken. Während vorher kaum einige Mark eingegangen waren, zeichnet jetzt Jeder. In ähnlicher Weise werden auch in Elversberg die„freiwilligen" Beiträge der Ar- beiter gehoben, indem von Haus zu Haus gesammelt wird." Statt eines Kommentars, der hier zwar nicht nöthig ist, lassen wir «inen Bericht aus der letzten Nummer der„Arbeiterstimme" folgen: „Laut„Tagblatt" fand in Schaffhausen kürzlich eine Versamm- lung dort niedergelassener Deutscher statt. Es handelte sich darum, zu dem Nationalgeschenk, das die Deutschen in der Schweiz dem Fürsten Bismarck zu seinem 70. Geburtstag stiften wollen, Gelder zusammen- Zulegen, resp. diese vom deutschen Konsul in Zürich gemachte Anregung ZU besprechen. Viele Landsleute folgten der Einladung, nur zu viele, «3 waren nämlich einige in Schaffhausen existirende Arbeitervereine, die ftch offen zur Sozialdemokratie bekennen, ziemlich vollzählig aufgerückt. Diese wollten von einem Geschenk an Bismarck nichts wissen; man sollte diesem Mann, der durch sein Sozialistengesetz so viel Elend in Arbeiter- samilien angerichtet habe(durch Ausweisungen), eher ein Halsband ftiften. Solche Aeußerungen wurden laut. Schließlich wurde anstatt für Bismarck für die Fainilien ausgewiesener Sozialdemokraten ge- sammelt." So sprechen die Arbeiter, wenn sie nicht für jedes Wort die Hunger- Pritsche oder die Polizeifuchtel zu fühlen bekommen. Nicht wahr, sehr « h r e n v o l l für den Jubilar! „Die Abkommandirungen" lassen Herrn Eugen Richter und seine Trabanten noch immer nicht schlafen. Jetzt muß Herr Otto Hermes, der ertappte Verfasser eines der„Abkommandirungsbriese", folgende Berichtigung in die Welt schicken: „Gegenüber einer in verschiedenen Zeitungen enthaltenen Berufung aus mich, erkläre ich, daß ich keinerlei Briese im Auftrag der. Partei- leitung, oder im Auftrag des Herrn Eugen Richter in Bezug auf die Abstiminung über das Sozialistengesetz geschrieben habe. Berlin, den Ü. Februar 185S. Dr. Otto Hermes." Wir fragen: Wen will man da täuschen? Glaubt Herr Hermes, und glauben die, welche hinter ihm stehen, es sei irgend Jemand dumm ge- Nug, auf den Leim eines so plumpen Dementis zu gehen? Der wenigst Scharfsinnige begreift, daß Herr Hermes etwas sagt, was nicht wider- legt werden kann, und was ihn gar nicht bindet. Also Herr Eugen Richter hat ihm keinen„Auftrag" gegeben— er hat ihn blos„er- sucht", oder„gebeten", es zu thun. Die„Parteileitung" hat ihm keinen„Auftrag" gegeben; aber die leitenden Persönlichkeiten haben es gethan. Ueberdies brauchte Herr Hermes ja keinen„Auftrag"— K gehörte ja selbst zur„Parteileitung" und zu den leitenden Persönlich- keiten. Und um die Thatsache konnte bet_ gute Mann doch nicht herum, daß ein von einem gewissen Herrn Otto Hermes geschriebener„Äbkom- Mandirungsbrief" vorhanden ist, und sich in sicheren Händen befindet. — SinLehrbuch für Anfänger. Aus Braunschweig schreibt Man uns: Nach Beendigung der Reichstagswahlen, Ende November oder Ansang Dezember, ist in H a g e n in Westfalen ein kleines Buch er- schienen mit dem Titel:„Die Sozialdemokratie unter dem Ausnahmegesetz. Ein Zeit- und Streitbild von Johannes Corv ey." Das Buch hat als Motto das Zitat aus L a s s a l l e' s„Franz von Eickingen: „Ehrwürdiger Herr! Schlecht kennt Ihr die Geschichte. „Ihr habt ganz Recht, es ist Vernunft ihr Inhalt. „Doch ihre Form bleibt ewig die Gewalt." und folgenden Inhalt: Vorwort. Zur Charakteristik der Sozialdemokratie. Der Broschüren- und Zeitungsschmuggel. Der Agitator und die Agita- torenschule. In Reih' und Glied. Die Hilfsquellen der Partei. Haus- suchungen und Verhaftungen. Die Wahlschlacht. Die Bourgeoissozialisten. Wie der Titel und das Jnhaltsverzeichniß dieses Buches zeigen, haben wir es mit einem Gegner zu thun. Als solchen bekennt sich der Ver- faffer auch gleich im Vorwort, und gibt als seine Absicht an,„Licht zu verbreiten über die geheime Thätigkeit einer revolutionären Partei, die Nicht nur für den Staat als solchen, sondern auch für das Wohlbefinden und die Sicherheit der Gesellschaft in den letzten Jahren immer gefähr- licher in ihren Konsequenzen geworden ist." Man sollte demnach annehmen dürfen, wir würden aus dem Pamphlet Dinge erfahren, die bisher vielleicht nur Wenigen bekannt gewesen. Aber dem ist nicht so. Was der Verfasser glaubt als neueste„Enthüllung" an die große Glocke zu hängen, sind keineswegs so große Geheimniffe, wie er sie darstellt. Seine Schrift ist weiter nichts als eine Nachahmung gewiffer Sensationsschriften— eine pikant sein sollende Mischung von Wahrheit und Dichtung, denn Alles, was der Verfasser über die Agi- tation und sonst noch mittheilt, ist, soweit überhaupt auf Thatsachen be- ruhend, romanhaft und tendenziös übertrieben. all -lieber da« Bergste.(Laut:) Bringen Sie mich meinetwegen nach dem Gut. Gensdarm: Run, sehen Sie, Zureden hilft. Die Arbeit in der freien Luft wird Ihnen wohlthun. Also vorwärts! Stürmer: Vorwärts!(Geht unsicher einige Schritte nach der Richtung des Gutes.) Gensdarm: Nun, er ist wohl besoffen? Stürmer(empört): Herr!(Gleich darauf mit schwacher Stimme:) Mir ist sehr übel. Gensdarm: Ach was, kommen Sie nur, auf dem Gut wird Ihnen schon bester werden.(Für sich:) Hab' ich erst meine Provision, dann ist's mir gleich, was mit dem Kerl geschieht.(Laut:) Frisch, frisch, Sie sind ja noch ein junger Mann. Also vorwärts! Stürmer(zwingt sich:) Vorwärts!(Beide ab.) (Der Vorhang fällt.) ** » I. Theil. sEtn Feldweg; im Hintergrund parkartige Anlagen. Zwei Karren- schieber, jeder einen schwer mit Erdstücken beladenen Karren vor sich herschiebend.) Er st er Karrenschieber(zum zweiten): Aber nun halt, damit wir uns ein wenig verschnaufen können. Hol' der Teufel diese unge- wohnte Karrenschieberei!(Er trocknet sich mit der Hand den Schweiß von der Stirne und wischt die Hände an den Beinkleidern ab, während der Erste wie geistesabwesend vor sich hinstarrt.) Aber was ist Dir, bist Du krank? Du schaust ja ganz verzweifelt drein. Zweiter Karrenschieber: Der Gedanke an meine hungernde Familie macht mich fast wahnsinnig. Wo ich geh' und steh', seh' ich mein blasses Weib vor mir, die dunklen traurigen Augen auf mich gerichtet, wie sie beim Abschiede that. Ich höre den Ruf der hungernden drei Kleinen immerfort in meinen Ohren: Lieber Vater, komm' bald wieder und bringe Brod! Und nun schiebe ich hier, um dem Gefängniß, das man mir an- droht, zu entgehen, den Karren— für Essen und Trinken und 25 Pfennige den Tag! Wie soll ich da den Meinigen helfen? Wenn diese Qual noch lange anhält, verliere ich wahrhastig den Verstand, wenn ich ihn über- Haupt noch habe. E r st e r Karrenschieber: Für Frau und Kind habe ich zum Glück nicht zu sorgen; nehme deshalb auch das Karrenschieben auf die leichte Achsel. — Na weiter, Kamerad, vielleicht können wir Dir trotz unserer Arm- seligkeit Helsen.(Sie nehmen die Karren und schieben weiter.) (Dritter und vierter Karrenschieber kommen.) Aber das, was er erfahren und in seinem Buche über die Agitation mittheilt, hätte er nicht erfahren, wenn er sich nicht in den Kreisen unserer Parteigenossen als Sozialdemokrat ausgespielt hätte. Die Ge- nossen sollten daher aus seiner Schrift die Lehre entnehmen, nicht zu vertrauensselig zu sein. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir die vor Kurzem stattge- habte allgemeine Durchsuchung der Kasernen auf dieses Buch zurückführen. Da heißt es S. 38:„Keine Schönrednerei kann hinwegstreiten, daß die Armee vor der sozialdemokratischen Agitation nicht mehr sicher ist*) Der Verfasser hat, um sich bemerkbar zu machen, oder besser: um Aufsehen zu erregen, ein bischen sehr stark aufgetragen, was uns indeß nicht ver- anlassen kann, uns mit dem Inhalt seiner Schrift weiter zu befassen und die vielen darin enthaltenen Unwahrheiten zu widerlegen— dazu ist der Raum des„S.-D." zu kostbar. Wem es Spaß macht, der mag sich das Buch kaufen, das, von verschiedenen Bieoermeiereien abgesehen, wenigstens kurzweilig ist. Dagegen wollen wir dem Verfasser selbst noch einige einige Worte widmen. Der auf dem Titel angegebene Name ist nämlich ein Pseudo- nym, hinter welchem sich ein Herr Wiethake, früher Reporter für die hiesige„ Braun schweigische konservative Landeszeitung", verbirgt. Wenigstens hat genannter Herr sich kürzlich bekannten Personen gegenüber selbst als Verfasser bekannt. Hier- für spricht auch der Umstand, daß in dem Buche sortgesetzt von H........ die Rede ist; hiermit dürfte nämlich Hannover gemeint sein, wo der Herr den Genossen wohl gut bekannt sein wird. Das Wenige, was er dort und hier erfahren, hat er in seiner Art verarbeitet und dabei, wie jedem Kenner sofort ersichtlich, in's Maßlose übertrieben, was uns übri- gen« recht gleichgiltig sein kann. Mag sich der Spießer ob unserer infernalen Agitation gruseln, des- halb wird doch weiter agitirt, und um Mittel, mit der Polizei fertig zu werden, werden wir niemals in Verlegenheit sein. Anfänger können da- gegen aus dem Buche Manches lernen, und so hat es doch wenigstens einen Zweck. ör-o. — Dien st eidliches aus Sachsen. Donnerstag den 5. Febr. wurden Genosse R e i ch e l t aus Groitzsch vom Landgericht Leipzig zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt, Genosse Germer zu einem Monat und unser Kandidat Müller aus Meerane zu sechs Wochen Gefängniß. Dieselben sollen eine von Reichelt einberufene Volksversammlung, welche der Stadtrath zu Groitzsch aber verboten hatte, in einem andern Lokale abgehalten haben. Germer und Muller sollen als Redner fungirt haben, auch sollen die Angeklagten das Lokal, in dem sie sich befanden, zur Versammlung hergerichtet haben; der Schandarm A l t m a n n aus Pegau, welcher mit seinem Kollegen G l ü x aus Groitzsch bei Allem zugegen gewesen sein will, hat es beschworen, und deshalb i st e s s o. Die Genossen haben Re- vision eingelegt. Ob sich dieselbe auch auf die höchst wunderbare Kon- struktion der beiden Schandarmengehirne erstrecken wird, welche unsere Genoffen eine unangemeldete Versammlung' in ihrer Gegenwart her- richten lassen und es erst hinterdrein rapportiren, das bleibt abzuwarten. Der D i e n st e i d aber ist entschieden der Grundpfeiler aller„Rechts- Ordnung" im deutschen Vaterland und verleiht dem„Auge des Gesetzes" jene Schärfe und Klarheit, in deren Ermangelung das Auge des ge- wöhnlichen„Unterthanen" ein Zuchthaus kaum von einer Dienstwohnung unterscheiden kann. — Oe st erreich. Die bereits in Nr. K unseres Blattes erwähnte Volksversammlung in Brünn fand am 2. Februar statt. Trotz der rauhen Jahreszeit— die Versammlung wurde unter freiem Himmel abgehalten— zählten die Theilnehmer nach Tausenden. Von slavischer Seite sprachen die Genossen I i r o u s ch e k und B u r i a n, von deutscher B a r d o r f aus Wien. Folgende Resolution wurde unter großem Beifall angenommen: „Angesichts der gegenwärtigen Bestrebungen der maßgebenden Kreise zur Unterdrückung des svzialtstischen Gedankens erklärt die heute am 2. Februar in Jos. Straßni's Restaurationsgarten in Brünn tagende Volksversammlung, daß derartige Maßregeln n i e und nimmer ihr Ziel erreichen werden, denn die Sozialdemokratie ist nicht, gleich den anderen polltischen Parteien, eine Vereinigung zum Schutze von privilegirten Srandesinreressen, sondern sie basirl auf der sozialen Wissenschaft und erstrebt eine gerechte Vertyeilung der wirth- schastlichen Güter, eine gleichmäßige Antheilnahme an der materiellen und geistigen Kultur. Um zu diesem Ziele, das in jeder Beziehung sittlich und kulturgemäß ist, zu gelangen, verlangen die Sozialdemokraten die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, welche die Haupt- quelle des sozialen Elends ist. Durch diese gewiß moralischen und humanen Bestrebungen geräth aber die Sozialdemokratie in Gegensatz zu den herrschenden Parteien, welche das größte Interesse daran haben, den Kapitalismus und seine Kon- sequenzen, die Verarmung des Volkes und die ungerechte Güterverthei- lung, aufrechtzuerhalten. Die Ausbeuterparteien waren daher seit jeher bemüht, die Sozial- demokratie mit allen Mittel,» zu bekämpfen. Da es ihnen nicht gelun- gen ist, durch Lügen und Entstellungen den Sozialismus zu vernichten, so versuchen sie neuerdings, durch Repressivmaßregeln die Sozialdemo- kratie zu stürzen. Das neueste Produkt dieser Absichten ist das geplante Sozialistengesetz, das aus der ungemein vagen Behauptung, die sozialistischen, auf den *) Hier ist der werthe Einsender nach unserer Ansicht doch im Irr- thum. Die Thatsache, daß die Armee bis in den Unterofsiziersftand hinein sozialistisch durchseucht ist, ist den Staatslenkern in Deutschland längst bekannt. Dazu braucht es nicht erst eines verschämten Denun- zianten. Die Red. Dritter Karrenschieber(zum vierten): Alle Wetter, wenn das noch 14 Tage fortgeht, bei solcher Kost, dann können wir wohl mit einander ins Krankenhaus wandern.(Sie stellen unwillig ihre Karren nieder.) Vierter Karrenschieber: Morgen sind für mich die unterschriebenen vierzehn Tage um, und ein Schelm will ich sein, wenn ich noch eine Stunde länger für diesen Hundelohn den Karren schiede. Uno sollte ich selbst der paar Pfennige, die ich zu gute habe, verlustig werden, ich gehe weiter und suche mir Arbeit in meinem Geschäft und wünsche den Herr- schaften für ihre schuftige Ausbeutung ewiges Höllenbrennen. Dritter Karrenschieber: Wen z nur Dein Wunsch in Erfüllung gehen möchte; verdient haben es'diese Menschenschinder.(Beide mit ihren Karren ab.) (Fünfter und sechster Karrenschieber kommen.) Sechster Karrenschieber: Halt, Freund, hier ist Haltestelle. Fünfter Karrenschieber: Ich dachle soeben daran, welch' Himmel- schreiendes Unrecht uns geschieht, dadurch daß man uns mit Gewalt hier diese schwere Arbeit für ei» Butterbrod aufbürdet. S e ch st e r Karrenschieber: Ist denn schon jemals an uns armen Teufeln kein Unrecht verübt worden? Exislirt für uns Proletarier über- Haupt das Wort Recht?(Er lacht bitter.) Freund, wir haben heute den 18. März. Heute vor 37 Ihren sind unsere Väter in die Straßen von Berlin gestiegen und haben für das Recht ihr Blut vergossen. Uno heule stehen wir rechtloser da denn je, und schieben mit verzweifelter Anstren- gung den Karren. Aber glaub' es mir, wir haben unser Loos zum Theil selbst verschuldet, weil wir mit der größten Gleichgiltigkeit Alles über uns ergehen lasten, in Wahrheit richtige Karrenschleber sind. Fünfter Karrenschicber: Was sollen wir machen? Der Schwächere unterliegt. Wir sind die Schwachen. S e ch st e r Karrenschieber: Ja, Einer allein kann nichis, das ist ganz richtig. Aber alle zusammen könnten wir Vieles— Alles ändern. Da wären wir die Stärkeren. Unser Fehler ist, daß wir nicht zusammen- halten. Indeß solange Einer noch das Sattessen hat, geht er stumpssinnig seinen Weg. Fünfter Karrenschieber: Du kannst Recht haben. Aber warum gehst Du selbst so stumm neben uns einher? S e ch st e r Karrenschieber: Warum? Weil ich nicht weiß, mit wem ich zusammen arbeite. Von solchen Tingen zu sptechen, ist heute nicht rathsam. Haben wir doch leider unter unseren eigenen Kameraden noch immer Dumme genug, die nicht allein ihre Knochen den Herrschasten unterthänigst zur Verfügung stellen, sondern auch noch jedes fallen ge- lastene Wort mit Hundedemuty rapportiren. Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen zu unterdrücken, aufgebaut ist. Abgesehen von der in Deutschland bereits erwiesenen Zweck- und Nutzlosigkeit eines solchen Gesetzes, ist diesem neuesten„Geistesprodukte" eine derart unbestimmte Fassung gegeben, die der Willkür der vollziehenden Behörden den denkbar weitesten Spielraum gewährt. Erlangt nun diese Vorlage Gesetzeskraft, so sind die Ardeiterorgani- sationen, als Gewerkschaften, Bildungsvereine, ihre Presse sc., dieser Willkür auf Gnade und Ungnade überliefert und dem voraussichtlichen Untergang geweiht, der tief in den Verhältnissen begründete Klassenkampf der Arbeiter aus den Bahnen der vernünftigen und berechtigten Organi- sation verdrängt. Es ist unrichtig, daß das geplante Gesetz seine Spitze gegen verbreche- rische Ausschreitungen der Anarchisten richtet, sondern es richtet sie direkt gegen das arbeitende Volk, welches zielbewußt eine rationelle Verbesse- rung seiner Lage anstrebt. Gegen verbrecherische Ausschreitung haben die bestehenden Gesetze hinreichend genügt; wohl aber ist es bisher nicht gelungen, die Massenorganisation des Proletariats zu hindern und die Verbreitung der sozialistischen Ideen zu unterdrücken. Gegen Gedanken erweist sich selbst der brutalste Kampf nutzlos. Man kann die einzelnen Sozialisten verfolgen, eine Reihe von Exi- stenzen vernichten, unzählige Familien an den Rand des Aogrunds stürzen, aber die Sache des Proletariates wird dennoch siegreich weiter- gehen. Einzig und allein würde die Erhebung der Regierungsvorlage zum Gesetze zur Folge haben, daß die ihrer Organisation beraubten Arbeiter einer verzwetflungsvollen Stimmung anheimfallen, deren natürliche Kon- sequenz verzweifelte Thaten sein würden. Ein solches Gesetz erscheint nur geeignet, den Anarchismus, den man angeblich mit Stumpf und Stiel ausrotten will, künstlich zu züchten. Die Voraussetzungen der Regierung über die Wirkung des Gesetzes sind sowohl in präventiver wie repressiver Hinsicht grundfalsch und sind alle dadurch erforderlichen Opfer unnütz. Gegen derartige, die Rechte oes arbeitenden Volkes mit Füßen tretende Experimente, wie die Schaffung eines solchen Gesetzes ist, p r o t e st i r e n wir daher vom Standpunkte der Menschlichkeit und Gerechtigkeit auf das Entschieden st e. Trotzdem blickt das arbeitende Proletariat der Zukunft muthig ent- gegen, es ist sich seines endgiltigen Sieges gewiß. Die Ministerien kommen und gehen, das Proletariat aber bleibt und wächst, solange die heutige Wwthschaftsordnung ihre Opfer fordert. Die soziale Frage hat vor Bodendach nicht Halt gemacht, sie hat ihren Einzug in ganz Oesterreich gehalten; solange sie besteht, wird auch der Sozialismus wachsen und gedeihen. Die Sozialdemokratie hat das Ministerium Äiskra überlebt, sie wird auch das Ministerium Taaffe überleben."— Die Nummer der„Wahrheit", welche diese Resolution veröffentlichte, sowie das projektirte Sozialistengesetz in gebührender Weise krttistrte, ist k o n f i s z i r t worden— Beweis, daß die österreichische Polizei noch nicht genug Machtmittel in Händen hat, um die Presse uno paS freie Wort zu knebeln. Der zweitstärkste Arbeiterverein in Wien, die„Union der Metall- ardeiter" hat am 9. Februar mit einem dreimaligen Hoch auf die Sozialdemokratie seine Auslösung beschlossen, weitere Auflösungen stehen in den nächsten Wochen bevor. Ebenso wird auch die„Wahrheit" wahrscheinlich mit nächster Nummer ihr Erscheinen ein- stellen. „Die Wiener Arbeiter", schreibt uns ein dortiger Genosse,„wollen eS nicht dazu kommen lassen, daß über ihre Vereinsthätigkeit die polizeiliche Kontrole verhängt wird, allseits wiro die Parole ausgegeben: Nicht ducken! Mit der Auflösung der Organisation wird die Frucht muh- samer Arbeit von mehr als einem Jahrzehnt vernichtet— wäre man sentimental, so könnte man Thränen darüber vergießen, und doch er- scheint es als der beste Ausweg, daß die Arbeiterorganisationen den Selbstmord beschließen. Was die Folgen sein werden, ist unschwer zu sage n." Gewiß. Mögen diese Folgen nur die Schuldigen mit voller Wucht treffen! — Frankreich. In Paris starb am 14. Februar Jules Balles, ehemaliges Mitglied der Pariser Kommune und zuletzt Her- ausgeber des„Cri du Peuple". Balles war im Grunde mehr Jour- nullst als Politiker, sein Sozialismus war mehr Sache des Gefühls als der wissenschaftlichen Ueberzeugung. Aber er hat ehrlich und lreu zur Sache der Unterdrückten gestanden, und namentlich auch in seinen Ro- manen die Heuchelei und Verlogenheit der heutigen Gesellschaft mit sel- tener Kühnheit gebrandmarkt. Der Roman Jacques Vingtras, in wel- chem er zum Theil sein eigenes, vielbewegtes Leben schilderte, wird den besten Schöpfungen eines Dickens an die Seite gestellt. Vielleicht das höchste Lob für Valles war das Urtheil Emil Zola'S über diesen Roman. Der Verfasser des Ässommoir sprach Valles seine Bewunderung aus, zugleich aber sein großes Bedauern, daß Valles seine schrlitgellerlsche Begabung in den„undankbaren und erniedrigenden" Dienst der Politik stelle. Das Begräbniß fand am Montag unter sehr großer Betheiligung der Sozialisten und Revolutionäre aller Richtungen statt. Bei solchen Ge« legenheiten kennen die französischen Sozialisten keine Fraktionsunler chiede. Auch unsere in Paris lebenden Genossen nahmen am Zuge Theil. Einige Bourgeoissöhnchen aus dem Publikuin wollten diese Gelegenheit benutzen, ihren„Patriotismus" glänzen zu lassen, und versuchten es, einen Skandal zu provoztren, die Ardeiter nahmen aber so lebhaft für ihre deutschen Genossen Partei, daß den Bürschlein das Handwerk bald gelegt war. Am Grabe sprachen Massard, Vaillant, Rochefort und L o n g u e t. Fünfter Karrenschieber: Auch das mag oft genug zutreffend sein. Du könntest aber dennoch, da Du ein gescheidter Kops bist, heute Abend im Schlafsaal, richtiger Schlafstall, etwas über den 18. März zum Besten geben. Topp, schlag' ein!(Cr hält ihm treuherzig seine breite Hand hin.) Sechster Karrenschieber(dem fünften die Hand reichend): Gut, ich will'S versuchen; doch nun vorwärts I (Siebenter und achler Karrenschieber. Der achte ist Stürmer. Er taumelt und sinkt neben dem Karren nieder. Sein Vorder- mann tritt erschrocken aus ihn zu.) Siebenter Karrenschieber: Um Himmelswillen, Kamerad, bist Du krank? Achter Karrenschieber(mit matter Stimme): Mir ist sehr schlecht; ich wollte, ich könnte sterben. Siebenter Karrenschieber(sehr laut): He Nachbar, komm' schnell zurück! Dritter, vierter, fünfter und s e ch st e r Karrenschieber (kommen zurück; durcheinander): Was ist's? Was giebts? Siebenter Karrenschieber: Hier, der Neue ist krank geworden. Helft mir, ihn ins Haus bringen. Fünfter und sechster Karrenschieber(springen zu Stürmer): Was fehlt Dir? Stürmer(mit schwacher Stimme): Nichts, nichts— oder Alles. Ich fühl's, es geht zu Ende. S e ch st e r Karrenschicber: Nicht doch, wenn Du Dich erst erholt hast, wirst Du schon wieder Lust zum Leben verspüren. Komm', fasse mich um den Hals!(Er hebt Stürmer auf. Zum fünften Karrenschieber:) Und Du halt' ihn auf der anderen Seite.(Zu Stürmer:) Geht's so? Stürmer: Ja, ja, Dank Euch, Brüder! (Sie gehen langsam fort.) Vierter Karrenschieber: Ich fürchte, mit dem ist's aus. Die Augen kenne ich. Hab' schon Manchem die letzte Beichte abgenommen. Armer Teufel! So jung, so jung, und soll schon abfahren!(Geht ihnen nach.) Dritter Karrenschieber: Will doch wenigstens seinen Karren an Ort und Stelle bringen.(Er greift zu:) Komm' I Siebenter Karrenschicber: Ich kenn« ihn kaum, aber mir ist's, als wäre mir ein Bruder erkrankt. (Beide ab.) Man schätzt die Zahl der Theilnehmer am Zuge auf gegen 20, 000. Abgesehen von dem obigen Zwischenfall wurde die Ruhe nirgends gestört. — Amerika. Die Anarchisten an der Arbeit. Es ist eine charakteristische, übrigens leicht erklärliche Thatsache, daß gerade in ast allen Ländern, welche sich der größten politischen Freiheit erfreuen, das Versammlungsrecht von der Bevölkerung weit strenger respektirt wird als in den Ländern, wo„väterliche" Regierungen für die politische Ordnung sorgen. Wo es jeder Partei, jeder Sekte gleich möglich ist, zu dem Publikum zu reden, da fällt auch thatsächlich jede Entschuldigung für die planmäßige Störung fremder Versammlungen hinweg, während z. B. die deutschen Arbeiter, denen die Polizei in 99 von 100 Fällen die Möglichkeit raubt, zu dem Publikum zu reden, durchaus dem politi- schen P f l i ch t g e b o t gemäß handeln, wenn sie das Privilegium der anderen Parteien wenigstens insofern illusorisch zu machen streben, als sie in allen öffentlichen Versammlungen derselben sich das Wort zu sichern suchen. Derartige Normen aber existiren für die Herren von der ab- s o l u t e n Freiheit nicht, da Alles verrungenirt werden muß, so natürlich auch die Versammlungsfreiheit. Unsere New-Dorker Genossen hatten zum 2. Februar eine Volksver- sammlung einberufen, um ihre Stellung zu den Londoner Dynamit- Attentaten, sowie zur Dynamit-Taktik zu definiren. Als Referenten waren die Redakteure J'vnas und Schewitsch, sowie Edw. King angesetzt. Da vorausgesetzt werden konnte, daß in dieser Versammlung ketzerische Ansichten über die Allheilkraft des Dynamit fallen würden, so beschloß man im Rathe der anarchistischen Generäle, sie zu sprengen. Jndeß die anarchistische Armee ist in New-York immer noch nicht so groß als der Mund ihres Generalissimus— es allwöchentlich in seinem Moniteur� verkündet. Es wurde also ein Brief an O'Donovan R o s s a geschrieben des Inhalts, die Sozialisten hätten ein Meeting ein- berufen, um den ganzen revolutionären Kampf Irlands gegen England und die terroristische Taktik überhaupt zu brandmarken, rind daß daher die revolutionären Jrländer solchem Treiben ihre Aufmerksamkeit zu- wenden mögen... Gewöhnliche Sterbliche werden dieses Verfahren vielleicht infam, oer- logen, hundsföttisch nennen, sie bezeugen damit indeß nur, daß sie von dem Sittenkodex und insbesondere dem Katechismus der Anarchisten keine blasse Ahnung haben.„Gegen Tyrannen sind alle Mittel erlaubt," und wer dem großen Hans nicht blindlings folgt, ist ein Tyrann. Leider hatten jedoch die Sozialisten von dem Brief der Anarchisten Wind bekommen; ein Genosse ging daher nach O'Donovan Rossa's Lokal, traf dort dessen Vertreter Patrik Joyce und zeigte ihm die Reso- lutionen, die der Versammlung vorgelegt werden sollten.„Das sind ja ganz ausgezeichnete Resolutionen," rief dieser aus.„Dagegen haben wir ja" gar nichts einzuwenden. Gegen eine solche Kritik kann kein ver- nünftiger Jrländer protestiren. Wir werden das Meeting besuchen, aber nicht um es zu stören, sondern in voller Sympathie mit Ihnen." Die Bersanimlung war um acht Uhr Abends angesetzt. Die Anar- chisten hatten sich schon früher eingefunden und um das Bureau postirt. Roch ehe der Einberufer die Eröffnung aussprach, sprang der Schrift- setzer Mertens auf die Tribüne, ergriff den für den Vorsitzenden bestimmten Sammer, erklärte im Namen des„Volkes" die Versammlung für eröffnet und forderte zur Wahl des Vorsitzenden auf. Und als nun einige Mitglieder des sozialistischen Ordnungskomites Mertens, der mit dem Sammer wie besessen um sich schlug, denselben entrissen hatten, ent- spann sich eine solenne Prügelei, während welcher der Wirth des Lokals mr Polizei schickte. Ueber den weiteren Verlauf lassen wir den Bericht er New Dorker„Volkszeitung" sprechen: „Nachdem die Prügelei ungefähr 2 bis 3 Minuten gedauert hatte, kam Polizeikapitän McCullagh vom l7. Bezirk mit dem Knüppel in der Hand, gefolgt von 5 Detektives, ebenfalls mit Knüppeln, in den Saal gestürzt. Er bahnte sich seinen Weg durch die tobende, kämpfende Menge und versuchte, den Knäuel zu entwirren. Er hatte mehrere Leute ange- packt, um sie aus dem Saale zu schleppen, doch bekam er einen Hieb mit einem Stuhl über den Kopf und wüthend schlug er sofort mit dem Knüppel um sich. Die Detektives bedienten sich ebenfalls ihrer Knüppel. Auf Sozialisten wie Anarchisten hagelte es Knüppelhiebe. Männer mit blutenden Köpfen entwanden sich der Menge und ohnmächtige Frauen sah man zu Boden sinken. Der Kamps des Kapitäns und der Detektives mit den Sozialisten und Anarchisten dauerte unter unbeschreiblichem Ge- töse mehrere Minuten, dann wurde es verhältnißmäßig ruhig. Die Kämpfenden ließen von einander ab, die Verwundeten umwickelten ihre Köpfe mit Tüchern und die Versammlung schien Aussicht auf einen ruhigen Verlauf zu bieten."---- Um 8 Uhr 10 Minuten erschienen Jonas, Schewitsch und King auf der Tribüne. Jonas fragte den Anarchistenführer Schwab, ob sie ent- schloffen seien, die Versammlung unter allen Umständen zu sprengen, erhielt aber keine bestimmte Antwort. Schewitsch versuchte sich Gehör zu verschaffen, jedoch vergeblich, die Menge war zu erregt. Der Polizei- kapitän aber benutzte diese Pause, um nach Verstärkung zu schicken, die auch nach 10 Minuten in Form von 20 Polizisten erschien.„Kaum hatte McCullagh dieselben erblickt, als er ausrief:„Now, clear thom out, boya l" sJetzt schafft fwörtlich: räumts sie heraus, Jungens!) Wie eine Heerde tollgewordener Büffel brachen die Polizisten mit geschwun- genen Knüppeln durch die mittlere Gasse des Saales, machten dann Kehrt und wendeten sich gegen die auf den vordersten Reihen sitzenden Leute und hieben blindlings ein. Es war, als wenn ein Orkan durch den Saal gebraust wäre. Dumpf fielen die Knüppelhiebe auf die Köpfe der in wilder Flucht retirrrenden Menge, die sich nach der Treppe drängte. Das Geschrei der Verwundeten, vermischt mit dem Fluchen der Polizisten und dem Bellen des großen Bluthundes Jack, der im Stationshaus des 17. Bezirks gehalten wird, bildeten ein grauen- Haftes Pandämonium. Es war eine entsetzenerregende Szene. Kein Stuhl blieb an seinem Platze und in weniger als zwei Minuten war der Saal leer gefegt. Hüte, zerbrochene Stühle, Shawls, eine An- zahl Revolver und zahlreiche Blutlachen war Alles, was im Saale zu sehen war, nachdem die Polizisten ihre brutale„Arbeit" verrichtet hatten." Wo aber war während dieser Szene HanS der Tapfere, der An- stift er des ganzen Hexensabbath, gewesen? Er hatte sich wie sein großes Borbild Sir John muthig verkrochen.„Es standen nur wenige Personen aus der Tribüne, als die Polizisten noch immer an der Treppe aus die Fliehenden einhieben, da thaten sich plötzlich an der Südseite des Saales die vor den dort angebrachten Fenstern hängenden Gardinen auseinander und mehrere Personen— unter ihnen Johann Rost—, die sich vor den Streichen der Polizei dorthin gefliichtet hatten, kamen zum Vorschein und sprangen von dem Fenstersims zur Erde. Als Most erkannt wurde, stürzten sich mehrere Männer mit dem Rufe auf ihn:„Du bist für Alles verantwortlich!" und eh- er sich dessen versah, hatte ihm einer seiner Angreifer den Arm um den Hals gelegt, hielt ihn fest und versetzte ihm eine Anzahl Faustschläge in'S Gesicht. Ein Anderer ergriff Most ebenfalls und hieb auch auf ihn ein. Mit blutendem Gesicht und ohne Hut, die Arme vor die Augen haltend, lief Most nach der Treppe zu, wo die dort stehenden Polizisten ihn den Uebrigen nachwarfen." Die„New- Parker VolkSzeitung" nennt diese Versammlung mit Recht eine n amenlose Schmach.„Wann ist es," schreibt sie,„den So- zialisten je eingefallen, die Versammlungen der Anarchisten zu stören? Selbst diejenigen Versammlungen, welche die Anarchisten ausdrücklich zu dem Zweck einberufen hatten, gegen die Sozialisten und deren Organe zu operiren, blieben unbehelligt." Und an anderer Stelle:„So weit haben es die Anarchisten glücklich gebracht, daß Arbeiter gegen Arbeiter sich bewehren müssen. Von dem Tage an, da Justus Schwab Herrn Haffelmann in Rew-Uork einführte und die Versammlung, welche nicht die leiseste Absicht hatte, zu stören, aufforderte, sich ruhig zu verhalten, da Polizei zur Hand sei, haben sich die Verhältnisse immer mehr zugespitzt, bis gestern Abend die Katastrophe eintrat. Schmach und Schande den Urhebern, den Verderbern der Arbeiterbewegung."— Die obenerwähnte Resolution macht die Brutalität der Regierungen und deren Zwangsgesetze für die Gewaltthaten der Unterdrückten ver- antwortlich und erklärt,„In Erwägung, daß der politischen und wirth- schaftlichen Unterdrückung die Versklavung der Arbeit durch das Kapital zu Grunde liegt, welche nur beseitigt werden kann durch gemeinsames Handeln aller Unterdrückten, ohne Unterschied der Nationalität, und in Erwägung, daß das irische Volk in seinem Kampfe nur dann einen dauernden Erfolg für seine Sache erwarten kann, wenn es für die Sache der sozialen Emanzipation Hand in Hand streitet mit den Millionen des »mterdrückten und niedergetretenen englischen Volkes, deshalb sei es be- schloffen, daß wir sie beschwören, jeden Schlag, den sie führen, nur gegen den gemeinsamen Feind der Arbeit in den Reihen beider Nationen zu richten, und jede That zu vermeiden, welche sie mit ihren Brüdern und Mitkämpfern in England entzweien könnte, und nicht die Humanität der Nationalität zu opfern." Korrespondenzen. Görlitz. Wir haben das Parteiorgan erst einmal in Anspruch ge- nommen, weil von hier aus nur wenig Bemerkenswerthes zu berichten ist, was das allgemeine Interesse in Anspruch nehmen kann. Wenn wir trotzdem heut wieder ein Plätzchen begebren, so geschieht dies auf den allgemeinen Wunsch der hiesigen Genossen, welche dadurch konstatiren wollen, daß sie unentwegt an"der Arbeit sind, und wofür der Stimmen- Zuwachs bei den letzten Reichstagswahlen Zeuqniß ablegt. Wir haben es von 1119 Stimmen im Jahre 1881 diesmal auf 20SS gebracht, ein gewiß erheblicher Zuwachs, welcher uns anspornen soll, unsere Anstren- gungen zu verdoppeln, um bei der nächsten Wahl wiederum freudig ein Fortschreiten der Bewegung in unserem Wahlkreise verzeichnen zu können. Es gelang uns, am hiesigen Orte zwei Versammlungen abhalten zu können, in welchem unser Kandidat, Genosse S. K e l l e r, sein Programm entwickelte. Beide Versammlungen waren sehr gut besucht, namentlich die zweite, welcher 1500 Personen beiwohnten, Viele genöthigt waren, auf dem Korridor und der Treppe zu stehen, und Hunderte wieder um- kehren mußten. Unsere Gegner:. ein deutschfreisinniger und ein konser- vativ-nationalliber Mischmasch-Kandidat, deren Anhang ein ziemlich glei- cher ist, bekämpften sich tüchtig, und die beiden hier erscheinenden, den oben genannten Richtungen dienenden Blätter leisteten an gegenseitiger persönlicher und schmutziger Bekäp vfung so viel, daß sich die Arbeiter, anqeeckelt von diesem Treiben, entrüstet abwandten. Diese für uns günstige Position nützten wir ordentlich aus und erreichten dadurch das niitgetheilte Resultat. In der Folge wird es unsere Aufgabe sein, das Gewonnene zu befestigen und weiter auszudehnen, und das soll mit allen Kräften geschehen. Auch wir hatten am Orte einen Prozeß wegen Verbreitung verbotener Schriften �.Sozialdemokrat"). Drei Genossen hatten auf ein Exemplar abonnirt, wovon die Polizei durch eine den Abonnenten nicht zur Last fallende Nachlässigkeit Kenntniß erlangte und Anklage erboben.wurde. Am 27. Juli 1884 fand die Hauptverhandlung vor dem hiesigen Schöffen- gericht statt, welches zwei der Angeklagten zu je 700 Mark Geldbuße eventuell 70 Tagen Gefängniß verurtheilte und den Dritten freisprach. Auf die eingelegte Berufung wurde das Urtheil durch daS Landgericht wesentlich gemildert, indem jeder der Angeklagten zu nur 40 Mark Geld- büße oder 4 Tage Haft und in die Kosten verurtheilt wurden. Das war dem Staatsanwalt ,u toll. Er legte Revision ein, welche am 6. Dezember 1884 vom Oberlandesgericht zu Breslau in allen Theilen zurückgewiesen wurde. Prinzipiell wurde ausgesprochen, daß nicht die Auffassung des ersten Richters,*) wonach der jedesmalige Empfang einer verbotenen Schrift und deren Weitergabe schon als eine strafbare Handlung anzusehen sei, sondern daß im vorliegenden Falle das Abonne- ment als Grundlage zur Abmessung der Anzahl der strafbaren Handlungen anzusehen sei, weil es im Strafverfahren auf die Erwitte- lung des ursprünglichen Wollens ankomine, gleichviel, welche Tragweite dieser Wille habe. Schließlich wollen wir noch zweier braver Genossen gedenken, welche uns kurz hintereinander durch den Tod entrissen wurden. Der erste, Tischlermeister P a ß k s in Lauban, hat mutbig gegenüber einer spieß- bürgerlichen, bornirten Bevölkerung einer Kleinstadt die freien sozial- politischen Anschauungen vertheidigt. wofür ihm die Görlitzer Genossen durch Spendung eines Lorbeerkranzes mit rother Schleife ihren Dank und Anerkennung darbrachten. Da« Aufsehen, den Schrecken und die Furcht, welche durch„dies freche Gebahren" in dem Svießbürgerstädt- chen entstand, hier in seiner ganzen Ergötzlichkeit zu schildern," würde allein eine ganze Spalte füllen. Die Leser, namentlich solche kleiner Städte, werden sich jedoch mit Leichtigkeit ein Bild davon machen können. Der Zweite ist der Fabrikarbeiter Ernst Loch mann hier, seit 1 5 Jahren ein stets rühriger Genosse, welchen wir am 5. Januar a. c. beerdigten. Beiden werden wir ein bleibendes Andenken bewahren und ihre Thätigkeit als Vorbild für die Erfüllung unserer Pflichten in der Partei und gegen die Partei betrachten. A ruther Aeber Lausitzer. München, 22. Januar. Nach dem Sturm des Wahlkampfes die ruhig fortschreitende Bewegung, die systematische Agitation— das ist bis zu den nächsten Wahlen die Ausaabe der Genossen. Die Ultramon- tanen baben in München II eine entscheidende Niederlage erlitten, und das oberbayerische Proletariat hat gezeigt, daß es seine Zeit begriffen hat. Einst ein Bollwerk der Volksverdummer, soll und wird München II das Hauptquartier der Sozialdemokratie sein, das Hauptquartier, von dem aus der Angriff auf München I mit aller Kraft organisirt werden wird. Hoffentlich kommen wir 1877 auch im ersten Münchener Wahl- kreis zur Stichwahl. Einsichtigere Zentrumsleute geben jetzt schon München II verloren. Jnteressiren sich doch bereits die- Bauern lebbakt für uns und unseren Vertreter V o l l m a r, sind doch in einer Reihe ländlicher Bezirke für Wollmar Stimmen abgegeben worden, die bisher nur schwarz lnicht etwa zum Theil liberal) gewählt haben. Ich halte es für überflüssig, den kostbaren Raum des„Sozialdemokrat" durch eine Registrirung aller Daten der Wahlkampagne in Anspruch zu nehmen. Die deutschen, und speziell die hiesigen Zeitungen haben hierüber bereits zur Genüge berichtet. Erwähnt sei nur der köstliche„Hirtenbrief", der in der Nacht vor der Stichwahl an allen Kirchen durch die bösen Rothen angeschlagen wurde. Di« Ultramontanen kollerten vor Wuth über diele Missethat; aber es war halt so, armer Westermayer! Und die Köchin des Peters- pfarrers, die Pepi. hatte bereits den Reisekoffer nach Berlin gepackt, und„diese Damen" erwarteten das Wiedererscheinen des galanten Ton- surirten mit der Spatzennatur am grünen Strand der Spree. Toni, Krügeltoni, Schweflermayer, die Volkspoesie bringt Dich vollends um, soweit die Sozialdemokraten noch etwas Lebendiges an Dir gelassen haben!— Haussuchungen und andere Lumpenstreiche der dümmsten Polizei Deutschlands sind nur wenig« zu'bezeichnen. Ueber die Volksversammlung, ir? der V o l l m a r' s Auftreten die Auflösung herbeiführte, hat das Zentralorgan bereits berichtet. Der Geselle deS Meineidsmichels, Unterlump G ö h l e r, der Ueberwachende, sei geneigtester Verachtung empfohlen. Von ihrem Eifer, für uns zu agitiren, getrieben, hat die Polizei eine von uns 2 Tage nach der Lehel- Versammlung einberufene Versammlung verboten, mit Motiven, die von der hochgradigen Gehirnerweichung zeugen, die im Lande Ludwig des Paralytikers und unter der Oberfuchtel Madai's Niemand in Ver- wunderung setzen können.— Die Zahl unserer Anhänger wächst täglich, das Kleinbürgerthum fängt an zu erwachen, und 1877 marschiren wir mit Zwanzigtausenden, nicht mit Zehntausenden an die Wahlurne. Die Pflicht der Münchener Ge- nassen ist es, jeder mindestens einen Mann für 1887 anzuwerben, überall unsere Lehre zu propagiren, unsere Literatur, unser Parteiorgan, unsere Ideen in immer weitere Kreise zu tragen. Der Boden ist, das beweist die letzte Wahlperiode, äußerst fruchtbar, die Saat ist auf guten Grund gefallen. Alle Mann auf die Schanzen, sei die Parole. Schließt Euch dicht zusammen, aber der Strom der sozialdemokratischen Entwicklung muß und wird auch in die Breite gehen. Alle Schranken sollen fallen, München I und München II sollen die Vorposten des Sozialismus in Oberbayern sein. An die Arbeit, Genoffen, an die Arbeit I vogenschütze. Ebingen sWllrttemberg), 5. Februar. Sie haben in Ihrer Brief- kastennotiz in Nr. 2 des„Sozialdemokrat" ein schweres Unrecht began- gen: nicht der Tuttlinger Posthalter, sondern der(Hasen-) Haar- schneider Teufel, Fabrikant daselbst, ist der famose Prosaiker, der in Nr. 801 des„Gränzbote" vorigen Jahres den Kinnladenkrampf risklrt und die Sozialdemokraten„als Mörderbrut rc." beinah mit Haut und *) Der ja ein rechter Jurist zu sein scheint. Haben unsere Görlitzer Genossen nicht Lust, den Namen dieses strebsamen Herrn etwas tiefet: zu hängen. Red. des„S.-D." Haar verspeist hat. Die mögen ihm heute noch gehörig im Magen Ii«» gen, denn er liegt seither so schweigsam in der Verdauung, wie eine vougefressene Klapperschlange. Unter„Gränzbote" kann sich eben solche .Kantaten leisten. Die Schwarzwälder möchten sonst auch glauben, daß «r an ferne Abonnenten hauptsächlich nur als vortreffliches Backsteinkäs- Mtteral so pünktlich versandt werde. Und wird er auch noch nicht mit der -vampfscheere. sondern zunächst noch mit der...Hasenhaarscheere"— alse fa''rÜ't*' f0 bat er doch auch, wie Sie schon berichteten, seine klassisch gebildeten, poetischen Mitarbeiter. Es ist daher ferner nicht billig, daß unser bescheidener„Gränzbote-Dichter"— Schz.,— nur an- deutungsweise unsterblich werde. Der Mann, der„für's Volk" geboren, sein Lebtag viel gereist, etwas gefärbt und endlich als Stadt- rath zu Ebingen im Schwabenlande sich seit 1874 in den deutschen Reichstag hat hineinvrivatisiren lassen, er muß genannt und be- k a n n t werden, nicht blos als früherer Wollenfärbereibesttzer und Pri- vatier. sondern als leibhastiger Entrüstunqsdichter im„Gränzbote". Herr Reichstagsabgeordneter Schwarz, Ludwig(Louis) aus Ebingen (wie er sich selbst nennt), 66 Frühlinge alt. ist es gewesen, der"den Schwarzwälder-Schwaben. des streitbaren Germanenvolkes liederkundigem Stamme, die Entrüstungs-Leyer im Sturme an- und weheklagend vor» antrug und in seinen sinnreichen 19 Versen sang: (Melodie:„Käsemeier hieß der Arme.") „Aber ach, wie kann's im Reichstag so weit kommen Wegen einem bloßen Dienstqehalt!?!"— K. ,c. Der 9. württembergische Wablkreis(Balingen ,c.) und die deutsch Fortschritts- Partei dürfen ihn mit Stolz den Ihrigen nennen. Als Demokrat wird er meistens gewählt; in Berlin fortschrittelt er und ist also als Politiker ebenso vielseitig wie als früherer Woll-Schön- särber und moderner Entrüstungsdichter. Jbr in der ganzen Welt ge- lesenes Blatt erfüllt sicherlich„zu Ehren der Nation" gerne die Aufgabe, den bescheidenen Voeten und Patrioten in weitesten Kreisin die wohl- verdiente Unsterblichkeit zu sichern. Ja: Ludwig(Louis) Schwarz, so hieß der Fortschritts-Di-a-ichter; Zwanzigtausend Mark dcr Dienstgehalt, D e n zu Bismarck-Deutschlands Heil verfi-a-icht er! Macht er lang so fort, so wird er— alt! Der Rappenbeinerle. Mach ruf. Am 27. Januar wurde unser ältester Parteigenosse, August Hörig, im Alter von 64 Jahren zu Grabe getragen. Er war einer der Ersten, welch« hier am Platze für unsere Sache eintraten, und verschiedene von unseren Abgeordneten werden sich seiner erinnern und gleich uns ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Am Grabe wurde von Seiten der hiesigen Parteigenossen ein rother j Kranz mit rother Schleife niedergelegt. Ein Geistlicher war nicht an- wesend. daqeaen zur Sicherheit die heilige Hermandad in Person des Kommissars Meyer, welcher jedenfalls eine neue Anklage herauszu- schnüffetn dachte. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag! Die Genossen in Dortmund. Sprechsaal. In Sachen der Dampfersubvention. Wir haben im Anschluß an die Züricher Resolution uns mit allen gegen eine Stimme gegen die Dampfersubention ausgesprochen. München, 11. Februar 1885. Die Rünchener Parteigenossen. Brieftaften der Redaktion: C. V. in London: In dieser Nummer wegen Etoffandrang leider nicht mehr möglich, daher erst in nächster.— Vor- w ä r ts: Korr. erh. In nächster Nummer. Stahfurt, Vegesack und Hanau in nächster Nummer! der Expedition: F. S. Ng.: Mk. 4 40 Abon. 1. Qu. erh.— Der Alte: Mk. 27 65 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh.— P.-Gen. Groitzsch: Mk. 10 35 pr. Agfd. dkd. verw.— Catilina: 19 Cts. f. Schft. erh.— I. M. Oberstein:" Mk. 2— f. Schft. u. Porto je. erh. Mk. 8— pr. Ufd. dkd. verw.— Rothbart: Mk. 200— ä Cto. Ab. u.-fbd. erh. Bfl. Weiteres.— Knurrhahn: Nachr. v. 11/2. erh. Weiteres pr. G. fort. — Feuerblume: Adr. geordnet. Bstllg. folgt. Verzug in Zwischmhand. — Gracchus W.: Sämmtls. hier. Mehrbstllg. notirt. Verzögerung irr- thümlich, jetzt laufend.— Rother Franz: Nachr. erh. Bestellung folgt. Aufschluß unerläßlich.— Stbrg.: Beide Bfe. erh. Mk. 35— pr. Dez. 84 gutgebr. Bfl. mehr.— P. a. a. a.: Bfe. an Cztt. abgegeben. Betr. Sch. wollen's versuchen. Von M. betr. I. ohne Nachr. Hoffentl. keine Empfehlung mitgegeben. Bstllg. sc. nach Wunsch.— Verrina: Alles am 14/2. dkd. erh. Flqbl. abgel.— Zopyron: Mk. 40— i Cto. Ab. sc. erh. Bf. erw.— Pyz.: Alles besorgt. Ad. notirt. Sdg. fort. Gruß I— B. I— IV: Mk. 300— ä Cto. Ab. sc. erh. Gewünschtes denmächst.— Feuerländer: Mk. 4 50 Ab. 1. Qu. Sch. nebst Beilage erst am 13./2., also nach Schluß erh. K. selbstverständlich früher, daher unbegründete „Oedigkeit". H. benachrichtigt. Wie stehts weiter?— C. H. Bbg.: Mk. 3 30 f. Schft. u. Porto erh.— Kg. Mdf.: Fr. 1 10 f. Schft. erh.— Lustige Brüder im Elsaß: Mk. 24— Ab. I.Qu. erh.— Hrmghs.Brs. St. Louis:(Doll. 30—) Fr. 151 90 ä Cto. Ab. sc. erh.— N. G. C., S. A.-P., New-Nork: Fr. 110185(Rest d. gesamm. Gelder) pr.Whlsds. dkd. erh. u. Fr. 87 45 Cto. Vbhdlg. Bfl. Weiteres.— Liech. W.: Swfl. 4 40 Ab. u. Porto bis Ende 2. Qu. erh. Bstllg. denmächst.— P. Main- gauer: Nach Blattschluß eingetroffen.— F-rd.: Brief v. 16. erh.— Klingen: Fr. 6- f. Plkte. Vbhldg. erh.— Dr. Fritz Tischler: Fr. 18— Ab. u. Schft. erh.— F. F. Stbg.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Ron- censis: Bfe. kreuzten. Fr. 5 37 Ab. 1. Qu. erh. Alles fort.— -f-fPSimmel--: Warum bleibt B. ohne spezielle Instruktion?— Danton Mb.: Sie haben Recht. Reklamirtes ging an P. Bf. folgt.— E. B. Bukarest: Bf. v. 15. am 18/2. erh. Weitere» erw.— Pans: Der„Sozialdemokrat" Lederer, laut„Freiheit" Nr. 6 sehr polizeiverdächtig, ist allerdings Niemand anders, als der Anar- chist und Beutelschneider.(Siehe„Sozialdemokrat" Nr. 13 1884 und„Schwarze Liste" S. 13.)_ Der Korbmacher Karl Marquardt, aus Altona ausgewiesen, wird ersucht, seine Adresse an den Bekannten in St. Pauli gelangen zu lassen.,._, Mehrere Korbmacher tn Hamburg. Zentratniederkage sozialistischer Schriften in Amerika (Kiliale der«olksbuchhandlung) empfiehlt sich den Genossen in den Vereinigten Staaten zum Bezug aller sozialistischen Literatur. Es wird zu denselben Bedingungen geliefert wie von der Schwei, au«. Man schreibe für Kataloge an: A. Hohne, New-York, 184 William Street care of„New-York Volkazeitung" S-tiakistische ZrSeiterpartei Amtrika. Sektion Rew-Uork. Sitzung de« ZentralkomiteS jeden Freitag Abend«» llh> in Lincoln Sall, Ecke Allen und Houston Street. Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres siehe „New-Yorker üolkszeitung". besonders Freitags und Samstags.