Krscheint wich,ntlich ttnmal tn Zürich(Schweiz). Jertag der »»l»«»uchha«dl««s Hottingen-Zürich. Postseuduigea franko gegen franko Bewdhnliche Briese »ach der Schweiz losten Doppelporto Der SoMlliemoKmt >entrat'Krgan der deutschen Sozialdemokratie. KLs««emeNts werden»ei allen schweizerische» Postbureaux. sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» z ahlbaron Lierteljahriprei» von■ Fr 2— sstr die Schweiz lKreuzband) MI 8— sllr Deutschland lCouverts st. 1.70 sLr Oesterreich(Couvert) Fr. 2 S0 sllr alle llbrtgcn Länder de» Weltpostverein» lKreuzband). Jnstrate die dretgeipaltene Petitzeile 25 tlti. � 20 Pfg. � 11. Ztonnerftag, 12. März 1883. WW7» Avis an die Abonnenten und Korrespondenten des„SoziatdemoSrat."'MW Da der Solialdemokrat' sowobl IN Deutschland al» auch in Oesterreich verboten Ist, bezw verfolgt wird und dl- dortigen, als mbgllch an den.SozlaldemokratV resp dessen Verla» selbst»dressiren, sondern stch möglichst an Irgend eine unverdächtig« «Hörden stch alle Miib- geben unsere Verbindungen nach senen Ländern möglichst zu erschweren, resp«riefe von dort an UN, i Adresse außerhalb Deutschlands und O-st-rr-lch» wenden, welche stch dann mit UN, in Verbindung setzt! anderseits aber. d-st -•-■>.»......'---- i. m vi. in mnBnr.«.-.. nntiininttiu ntth 5 auch UN, möglichst unverfängliche ZustellungSadresicn mitgetheilt werden. Zn zweiselhasten Fällen empfiehlt stch behusi größere« > Sicherheit Relommandirung Soviel an UN» liegt, werden wir gewiß weder Mllhe noch Kosten scheuen um troß aller entgegm- 1 stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Unterstützungs-Fonds. Im Januar gingen ferner pr. Allgein. Wahl- und Unterstützungs- k.- Fonds ein: Genf Mk. 10—. Spremberg 10—. München 100— Quedlinburg 5 50. Stettin 6 50. Würzburg 10—. Deutz-Köln 30 50. Potsdam 37- Celle 5 50. Zittau 11—. Nowawes 2 50. Cölln- «eißen 7 50. Kassel 20 50. Plauen i/V. 15—. Ronsdorf 13 50. Praunschweig 54—. Brandenburg 30—. Ronsdorf 7 50. Bayreuth �>50. Durlach 5—. Limbach 3 50. Pforzheim 13—. Hägen i/W. 15 50. «chweinfuit 5 50. Düsseldorf 10—. Minden i/W. 4 50. Cottbus 10 50. Ts Mantfurt a/O. 8 50. Buchholz i/S. 5 50. Celle 5 50. Coblenz 6 50. - �triegau 4 50. Liegnitz 16—. Neumünster i/Holst. 60 50. Oederan 5 50. Iserlohn 8 50. Zeitz 11—. Herford i/W. 5—. Gera 15 50. Magdeburg 87—. St. Johann 3 50. Ohlau 3 50. Ohlau(0) 10. Apolda 10 80. Plllberstadt 10 50. Itzehoe 5 50. Hamburg 50—. Pforzheim Mk. 3— v. d. Tischgesellschaft Marat. A. Heims in Pal- m9*a(1 Doll.) 4 08. Achim 6— v. d. Parteigenossen. C. M. Zttu. 11"W. Freiburg i/B. 2 70. Im Februar gingen ein: , P- K. Brüssel(50 Cts.) Mk.— 40. Lübeck 30—(pr. v). Newyork U150 Doll.) 46 60 Sekt. d. Wahlvereins der Schlesier durch Heymann. Geesthacht 18—. Liberia 2—. Ein Rother inBtgh.—50. J.M.Ober- stein 8—. Newyork(Fr. 1101 85) 881 48 v. N. E. C. d. S. A. P. Nord-Amerika. Rest der Sammlung für die� Reichstagswahlen. Akai (Fr. ig 25) 13—. Kreuzlingen 1 50 v. d. Schneidergesellschaft Erlös ihrer verkauften Lumpen. Zürich(Fr. 5—) 4— aus der Weißbierhalle. Pother Peter Zürich 2—. Neckarspitze— 70. Locle(Fr. 4—) 3 20 von -- oinem Fräulein durch Sch. Bukarest(Fr. 82 50) 66— v. d. P.-Gen. Kany, chenia(2 50) 2—. Zürich(1—)— 80 vom Rundgesang in �oer Wbrschenke: durch Schp. � Wittgensdorf Mk. 20—. Weimar 10 50. Brandenburg 5—. Sprem. V�oerg 10 50. Ernstthal 8 50. Karlsruhe 20 50. Neustadt a. Haardt 20 50- «■ sden Altstadt 62—. Frankfurt a. M. 50—. Bamberg 10 20. Schles- « 2 50. Liegnitz 20—. Merseburg 5 50. Reichenbach i. V. 10 50. >! Gichenbach i. V. im August 26—. Flensburg 10 25. Gaarden 7 25. '�hehoe 4 90. Kiel 13 25. Flensburg 10 25. Gaarden 7 25. Hamburg � D. Limbach Mk. 100—. Forst i. Laus. 100—. Stettin Nachtrag für November 10—. Meerane 4 50. Gera 30—. München 300—. Baden- Pstden 10—. Stuttgart 300—. Großenhayn 50—. Potsdam 17 50. Düsseldorf 40—. Augsburg 18—. Lechhausen 5—. Buckau 50—. ... Dresden Altstadt 150—. Pforzheim 6—. Wismar 3—. Neustadt i. M. K Sternberg 6—. Rendsburg 28 50. D. Schwerin 24—. Dresden n, Lustadt 100—. Kaiserslautern 20—. VI. sächsischer Wahlkreis 30—. �*11. und XIII. sächsischer Wahlkreis 100—. Frankfurt a. O. 12—. ensdorf 20—. Karlsruhe 20—. Zusammen: Mk. 3791 01. $■ 4- [teä- k' Agitationsfonds. -brk Im Januar und Februar gingen ein: >.i\ Pon der blauen Donau Mk. 3—. Bhv. Bkst. 2 12. Weimar 3 15 ges. rest v den Gemeinderathswahlen. Kopenhagen(Fr. 15—) 12— Partei- cljfl'(träge 4. Qu. 84. Groitzsch 10 35. Buenos-Aires(Fr. 227—) 181 80 aplhes. beim Bekanntwerden des Wahlresultats zum Stiftungsfest. Gockel- t z. �stian—40. S. Gumbinnen 20—. New-Haven(10 Doll.) 40 50 ges. Aß""N J- Bollensanger. Zusammen: Mk. 27312. Zur Märzfeier. igi- iber hs »n � Den Genossen in Deutschland an Stelle einer IS t 2t Arbeiter, Genossen 1 immv©enngteich daS Ausnahmegesetz, dem Ihr nun schon sieben lu.�hre unterstellt seid, eS Euch unmöglich macht, in öffentlicher sMier der Märztage zu gedenken, so ist eS doch nicht im Stande, �uch sie vergessm zu machen. Nein, nach wie vor bleibt der Achtzehnte März der hehrste Festtag der Sozialdemokratie <>eutschlands wie aller Länder; und ob Ihr ihn im engen Ärkel vertrauter Freunde oder in einsamer Kammer begeht, die Empfindungen, welche dieser Tag in Euch wachruft, werden dar- dm doch die gleichen bleibm: die Begeisterung für Eure gefalle- "en Vorkämpfer, der Haß gegen Eure Unterdrücker keineswegs »tringer sein. a. Die Erinnerung an den achtzehnten März ist den beut- —-Ichen Arbeitern tief in die Herzen eingegraben. ES ist nicht der �ahreStag eines Ereignisses— eine eigenthümliche Verkettung �n Umständen hat eS gefügt, daß eine ganze Reihe von bedeu- (»ngsvollen Ereignissen in der zweiten Dekade deS MärzmonatS �Uhrig werden, und so der Märzfeier nicht nur einen internatio- �jj/iolen, sondern auch den Doppelcharakter eines Festes der T h a t "ud des Gedankens verleihen. _. 1848, 1871, 1881 und 1883— an diese Jahre denken *ir heute zurück. Achtzehnhundertachtundvierzigl Nach jahrhundertelanger Knechlschaft erhob stch, freilich nicht auS eigener Initiative, sondern ermuihigt durch daS Beispiel der siegreichen Februarrevolntion, angefeuert durch die Flamme, die von Westm hell herüberlohte, der entschlossenste, muthigste Theil deS deutschen Volkes und rüitelte aus voller Kraft an den Thronen, daß diese ganz gewaltig ins Wanken kamen. Sie wären zusammengestürzt, wenn daS deutsche Bürgerlhum sich kräftig genug gefühlt hätte, die Republik zu proklamiren. Aber daS Bürgerthum wollte die Republik nicht— eS fürchtete bereits daS aufkommende Proletariat, und begnügte sich mit der konstitutiv- nellen Monarchie, die Arbeiterklasse aber war noch zu unentwickelt, um die Führung im Kampfe übernehmen zu können. Aber überall, wo gekämpft wurde, wo eS galt, für die Sache der Freiheit sein Herzblut zu lassen, da standen die Arbeiter in den vordersten Reihen. Ihnen war e8 heiliger Ernst mit der Revolution, si: kämpften nicht nur um die Form, sie legten den revolutionären Phrasen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einen Inhalt unter, für den freilich die Zeit noch nicht gekommen war. Die Revolution von 1848 war im Wesentlichen eine bürgerliche; wenn daS Bürgerthum auch formell bald kapituliren mußte, thatsächlich hat dieselbe es unendlich gefördert. Heute freilich möchte eS sie am liebsten verleugnen, denn sein linker Flügel ist konservativ, sein l echter bewußt reaktionär geworden. Auch die Arbeiterklasse wurde 1848 formell besiegt, ja noch mehr, sie wurde von der politischen Reakton der fünfziger Jahre am härtesten, fast könnte man sagen: ausschließlich betroffen. Und doch haben die Arbeiter volle Ursache, die Märztage des Jahres 1848 zu feiern. Für das Proletariat bedeuten sie im vollen Sinne deL Wortes den Anbruch des Frühlings. Eine ganze Anzahl von Polizei- gesetzen, die bisher auf dem Arbeiter gelastet, ward über den Haufen geworfen, traf ihn auch daS allgemeine Polizeigesetz härter alS den Bourgeois, so war er doch der niederträchtigen Epezialfeflel ledig, wenigstens formell mündig erklärt worden. Die ersten Keime einer selbständigen Arbeiterbewegung sproßten bereit? empor im warmen Sonnenscheine der Revolution. Mit Stolz blicken die Arbeiter heute zurück auf ihre März- kämpser, sie haben keine Ursache, sie zu verleugnen, sondern erblicken in ihnen leuchtende Vorbilder. Ein großer Theil der Berliner Märzgefallenen gehört dem Bürgerstande an, aber von den Besuchern, die am 18. März zu den Gräbern derselben pilgern, kommt heute vielleicht ein Bürger auf hundert Arbeiter. Und darf uns daS Wunder neh- menf Nicht im Geringsten. Für die Bourgeoisie ist die Stätte der Märzgefallenen das Grab ihrer Illusionen, für daS Prole- tariat birgt sie die Saat der Zukunft. Ihm ruft es auS den Gräbern der Gefallenen entgegen: Hinaus zum Kampf! Die Freiheit führt Euch an! Fortan gehört die Welt dem Arbeitsmann! »* * Achtzehnhunderleinundsiebzigl In Pari«, dem Zentrum der revolutionären Bewegung, erhebt sich daS Volk— Kleinbürgerthum und Proletariat— und pro« klamirt die Kommune. Anfangs eine rein politische Bewegung de» vorgeschrittenen republikanischen Paris gegen daS Verfailler Krautjunkerparlament, wird sie in ihrem Verlaufe ganz natur- gemäß zu einer sozialen, sozialistischen— eine ausgesprochen proletarische Bewegung. Eine seltsame Erscheinung! Wofür trat die Pariser Kommune ein? Für die demokratische Republik. Nun ist die demokratische Republik die höchste politische Form de« Staates der Bourgeoisie, die Bourgeoisie aber, und zwar selbst die vorgeschrittenste Fraktion derselben, will von dem Kampf der Kommune nichts wissen, sie sitzt in Versailles und Parlamentelt, während die Pariser Arbeiterbevölkerung für die Republik kämpft und fällt, verläumdet und beschimpft von der Bourgeoisie, mit Jubel begrüßt vom Proletariat aller Länder. Heule ist e» eingestandene Thatsache, daß die Kommune, die vielgeschmähte revolutionäre Pariser Kommune e« war, welche daS gegen die Republik geführte Attentat vereitelt, die Republik gerettet hat. Die Bourgeoifie kämpft heute nicht mehr, sie unterhandelt nur noch, wer kämpft, wer sein Leben freudig in die Schanze schlägt, da« find die Arbeiter, und jede politische Bewegung, in welcher daS moderne Proletariat, eine größere Rolle spielt, muß— mag sie ansang? auch noch so bürgerlich sein— in ihrem Ver- lauf über sich selbst hinauStreiben. DaS ist das Geheimniß, warum die Kommune von vornherein von der Bourgeoifie in Acht und Bann gelhan wurde! Die Kommune konnte nicht siegen; weder erlaubte eS die all- gemeine politische Situation— eS ist bekannt, welche Dienste Bismarck Herrn Thiers bei Niederwerfung der Kommune leistete—, noch waren die wirthschafilichen Verhältnisse soweit gediehen, um die Durchführung der sozialen Forderungen der Arbeiter zu gestatten, sie hätte im günstigsten Falle mit den Elementen der Gesellschaft einen Kompromiß durchsetzen können, deren Repräsentanten in Versailles saßen. Dessmungeachtet behält die Pariser Kommune ihre große Be- deutung für die um ihre Emanzipation kämpfende Arbeiterklasse: sie war, wie Marx sagt,„die erste Revolution, in der die Ar- beiterklasse offen anerkannt war alS die einzige Klaffe, die noch einer gesellschaftlichen Initiative fähig war", die erste Revolution, in der die Arbeiter die führende, bewußt treibende Rolle spielten — die Pariser Kommune war, um noch einen Ausdruck von Marx zu zitiren, wesentlich eine Regierung der Arbeiter- klasse, da» Resultat deS Kampfes der produzirenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit stch vollziehen konnte." Und alS die große Besiegte am Boden lag, alS die berauschten Sieger im Blute der verrathenen Proletarier wateten und das: „Wehe den Besiegten!" mit einer Brutalität verwirklichten, wie sie in der zivilistrten Welt bisher unerhört war, als die gesammte Ordnungspresse ein Meer von Verleumdungen und Beschimpfun- gen über sie ergoß, da war für die Sozialdemokratie aller Länder ein doppelter Grund vorhanden, das Andenken der Kommune hochzuhalten l Die internationale Hätz rief den internationalen Protest her- vor. Auf die Niederlage der Kommune folgte die Unterdrückung der Internationalen Arbeitcr-Assoziation, aber mächtiger al» je brach stch der Gedanke durch, der ihr zu Grunde lag. Vierzehn Jahre sind Verstössen, seit die Kommune ausgerottet, der sozialistische Gedanke in Pari« geächtet ward. Und heute? ES ist kein ungetrübte« Bild, welches die Arbeiterbewegung in Paris dem Auge des Beschauers darbietet, aber kann es nach solchen Kämpfen anders sein? Sicht man jedoch von dem klein- lichen Personenzwist, der ja doch nur die Oberfläche der Beweg- ung darstellt, ab und nimmt die Bewegung als Ganzes, so glauben wir keinem Widerspruch zu begegnen, wenn wir behaupten: Nie war der sozialistische Gedanke so mächtig in Paris, nie so frei von der Verschwommcnheif, die den Sozialisten unter dem Bürgerlhum und dem Katlerreich anhaftete, als heute, vierzehn Jahre nach der Niedermetzelung der Kommune. Und s ie bewegt sich doch! ** * Achtzehnhundert ei nundachtz ig! Rußland, der Hort der europäischen Reaktion, daS Land deS autokratischen DeSpotiSmuS, bietet der Welt ein noch nie dage- wefeneS Schauspiel: der allmächtige Zar, der unumschränkte Be- Herrscher von ca. 100 Millonen Menschen, liegt wimmernd am Boden, tödtlich verwundet durch eine Bombe; und Die, welche sie geworfen, lassen freudig ihr Leben, in der Ueberzeugung, ihrem Volke einen großen Dienst geleistet zu haben. Nicht für persön« liche Interessen, nicht für ein utopische« Wahngebild hatten sie gekämpft, denn wenn sie auch überzeugte Sozialisten waren, so wußten sie doch, daß das Erste,«a« ihrem Vaterlande noththat, eine Verfassung, ein bestimmter Grad politischer Freiheit war. Die Bombe Griniewetzky'S galt dem Unterdrücker aller freien Bestrebungen: dem geschwornen Feinde deS Liberalismus nicht minder wie dem Henker sozialistischer Enthusiasten; daS Exekutiv- komite stellte ein politisches Programm auf, da« durchaus nicht über die Forderungen de« westeuropäischen Liberalismus hinaus- ging— dieser aber, der einst einem Oisini zugejubelt, einen Mazzini maßloS verherrlicht hatte, hatte für die unendlich Helden» müihtgeren und selbstloseren Bekämpfer deS von ihm oft ver» wünschten russischen Absolutismus nur Worte deL Abscheu«, und wehklagte über daS entsetzliche Ende de« grausamen Wütherich» Alexander II. Statt in dem Vorgehen eine« Sheljabow, einer PerowSkaja die nothwendige Folge des Unterdrückungssystem» der Drmtelen, Strelnikow und wie die Bluthunde Alexanders II. alle heißen mögen, zu erblicken, statt entschieden Front zu machen gegen diese« System und so den Kämpfern gegen den ZariSmu« zu Hülfe zu kommen, ließen unsere Liberalen sie feige im Stich und beschö» nigten Gewaltthaten, gegen welche die Verfolgungen de« deutschen Liberalismus ein reines Kinderspiel gewesen waren. Nur bei der Sozialdemokratie fanden die Helden de» 13. März und ihre Kampfgenossen verständnißvolle Theilnahme, die klaffen- bewußten Arbeiter aller Länder drückten ihnen begeistert ihr« lebhaftesten Sympathien au« und feiern in dem 13. März jene ganze Generation von edlen Streitern für die Volkssache, welche der ZariSmu» in seinem blindwüthenden TcrroriimuL ausgerottet hatte. Eine ganze Generation hoffnu»g»voller Jünglinge und Jung- frauen sind in Rußland hingeopfert worden— sind verkommen in den Zentralgefängnissen von Kiew und Odessa, in den Minen und Eisfeldern Sibirien«. Mit welch' beispiellosem Enthufia«- mu« gingen sie in den siebenziger Jahren„in« Volk", e» über seine Lage aufzuklären. Freilich ansang« auch mit der Illusion, der bloße Wille genüge, eine Revolution zu bewirken und eine Epoche in der Entwil&tng zu überspringen, welche die nothwm» dige Voraussetzung dieser Revolution ist. Diese von Bakunin und seinen Anhängern verbreitete �' — Rußland brauche die bürgerliche Entwicklung machen, brauche keine Verfassung rc.— ist theuer, sehr theuer\ bezahlt worden, feit Jahren aber ist sie in Rußland überwunden. ES ist nicht« abgeschmackter, al« Nihilist und Anarchist al« gleich- bedeutend zu setzen. Der Anarchist ist die Karrikatur de« Nihi> listen. Die Anwmdung de« Dynamit« al« letzte« Kampfmittel gegen einen grausamen, übermächtigen Gegner findet ihre Bercch- tigung in dem erschütternden Ernst der Situation, die Anwen- dung de« Dynamit« au« bloßer Freude an Skandal und Zer- störung ist Büberei. Wir Protestiren gegen die letztere, um so mehr, als wir da« Andenken der Kibaltschitsch, der Michailow, der Suchanow immer hochgehalten habm und hochhalten werden. Achtzehnhundertdreiundachtzigl Am 13. März 1883 starb der geistige Vater der modernen Sozialdemokratie, Karl Marx, und da« Andenken an diesen außerordentlichen Mann, dem, wie Engel« sagt, die Arbeiterklasse Europas und Amerika« mehr verdankt al« irgend einem Andern, gestaltet unsere Märzfeier zu einem Feste de« Gedanken«. Wir dürfen e« al« ein günstige« Zusammentreffen betrachten, daß die Erinnerung an Marx just mit den Gedenktagen an die revolutionären Erhebungen der Neuzeit zusammmfällt. Zu den unvergänglichen Verdiensten Marx' gehört es namentlich, einen unerbittlichen Krieg geführt zu haben gegen die Herrschaft der Phrase, auch der revolutionären Phrase. Marx hat den mystischen Nimbu«, mit dem Polizisten und Phantasten da« Wort Revolution umgaben, zerstört— im Interesse der Revolution. Al« wären sie heute geschrieben, für unsere Tage berechnet, klin- ge« die Worte, welche er 1850 in der Sitzung der Zentral- bchörde de« Kommunistenbundes der Minorität, welche Revolution machen wollte, entgegenhielt: „An die Stelle der kritischen Anschauung setzt die Minorität eine dogmatische, an die Stelle der materialistischen eine idea- lifllsche. Statt der wirklichen Verhältnisse wird ihr der bloße Wille zum Triebrad der Revolution. Während wir den Ar- beitern sagen:„Ihr habt 15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkämpfe durchzumachen, nicht nur um die Verhält- nlsse zu ändern, sondern um Euch selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen," sagt Ihr im Gegentheil:„Wir müssen gleich zur Herrschaft kommen oder wir können un« schlafen legen." In der Phrase befangen, ließ die Minorität sich nicht über« zeugen—„Literat, Du hast kein Herz für die Arbeiter", da« war die Antwort, welche sie dem Manne entgegenschlruderten, der e« allerdings verschmähte, sein Herz auf einem Präsentirteller herumzutragen, mit dem„Gefühl" Hausiren zu gehen. Aber bald lehrte die Erfahrung seinen damaligen Gegnern, wie Recht Marx gehabt, ihrer Revolutionsmacherei entgegenzutreten. Von S ch a p p er— der in jener Sitzung geantwortet hatte, er würde sich allerdings schlafen legen, wenn er nicht dächte, daß die Revolution binnen einem Jahre eintrete— berichtet Marx im Nachwort zu den Enthüllungen über den Kölner Kommunistenprozeß: „Schapper, lebenslang Vorkämpfer der Arbeiterbewegung, erkannte und bekannte bald nach Ende de« Kölner Prozesse« feine augenblickliche Verirrung. Viele Jahre später, auf seinem Sterbe- bette, einen Tag vor seinem Tode, sprach er noch mit beißender Ironie von jener Zeit der„Flüchtling«tölpelei."" Denselben Kampf gegen die Phrase hatte Marx in der„Jnter- nationalen Arbeiter� Assoziation" zu führen. Auch hier antworteten die Gegner mit Beschimpfungen und persönlichen Verdächtigungen. Auch damal« traten Leute auf, die durch Gewaltmittel da« erreichen zu können vorgaben oder sich einbildeten, was nur auf dem Wege de« systematischen Kampfe« errungen werden kann. Auch damals ward der„bloße Wille" über die Einsicht in die wirklichen Ver- Hältnisse gestillt. Mit welchem Resultat, ist bekannt. Nicht die „Männer der That", der Mann de« Gedanken« behielt Recht. E« hieße Marx schlecht ehren, ließen wir hier auch nur den Verdacht auskommen, als sei Marx ein Gegner der revolutio- nären That gewesen. Nein, der Mann, der bereit« 1844 da« Wort aussprach: Di« Waffe der Kritik kann die Kritik der Waffen nicht entbehren, dieser Mann wußte die kühne That sehr wohl zu würdigen. Aber gerade weil er e« wußte, Feuilleton. Der Hehetzte. Dramatisches Gemälde aus der Jetztzeit. In drei Abtheilungen mit einem Vorspiel. Von E. Gr, (Fortsetzung.) III. T h e i l.— Landstraße. Stürmer(tritt wankenden Schrittes langsam auf): Da bin ich wieder, am selben Ort, wo mich heute Vormittag der Spürhund einfing. Vor einigen Stunden wäre ich wohl noch bis zum Städtchen gekommen — doch jetzt nimmermehr.(Er taumelt und läßt sich auf denselben Stein nieder, aus dem ihn der Gensdarm überraschte.— Nach einer Pause.) Also muß ich wirklich mein Leben auf der Landstraße beschließen! Vater, Mutter, hättet Ihr das je gedacht! Mutter, Mutter I Du gabst mir unter qualvollen Schmerzen daS Dasein, Du hast mich unter Sorgen, Mühe und unendlicher Liebe großgezogen, und jetzt, jetzt sterbe ich aus der Landstraße!— Es ist gut, daß Du so weit von hier entfernt bist! Liebe Mutter, würdest Du mich jetzt sehen, Dein Herz würde diesen Kummer nicht ertragen.— Vater, ich war Deine Freude, Dein Stolz, — Vater!--(Seine Stimme wird immer schwächer.) Deinen ehr- lichen Namen-- ich habe ihn nicht beschimpst---- wenn ich auch hier sterbe, als ein armer Landstreicher—-- Mutter!— (Noch einige unverständliche Worte, er sinkt vom Stein.) (Herr und Frau Habgier kommen Arm in Arin langsam angewandelt.) Habgier: Nun, liebe Lude, ich glaube, wir können im Großen und Ganzen mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten, wenn wir die geringen Kosten in Betracht ziehen, ganz zufrieden sein. Memst Du nicht auch? Frau Habgier: Du Guter! Ich merke wohl, warum Du diesen Umstand so betonst. Zartfühlend wie immer, willst Du mir die unan- genehme Erinnerung an Grob und dessen Geldgier verscheuchen, ich bin Dir für diese Aufmerksamkeit von Herzen dankbar.(Sie tritt erschrocken einen Schritt zurück und klanimert sich an den Arm ihres Gemahls.) Was liegt denn da, an dem Stein? Habgier(nachdem er forschend hingeschaut): Ah, das scheint mir so ein verkommenes Subjekt von Landstreicher zu sein. Zweifelsohne ist er total betrunken und da liegen geblieben, um seinen Rausch auszu- schlafen. unterschied er zwischen ernsthaftem Kampf und kindischer Groß- mannSsucht, der Mann, der den Sozialismus zu einer Wissen- schaft gemacht, war weit entfernt, ein Doktrinär zu sein, er war im vollsten Sinne de« Worte« ein Denker und Kämpfer. Wie die That, so w.>ßte er auch da« Gefühl zu würdigen, dessen Rolle in der Weltgeschichte nicht geleugnet werden soll. Der Proletarier, der duldet, kann kein Gelehrter sein. Aber wenn die Leidenschaft auch der Motor, die Triebkraft ist, die den Menschen zur Aktion treibt, so ist sie doch ein schlechter Führer. Ohne Leidenschaft kein Kampf, aber ohne Einsicht kein Siegl In dieser Erkenntniß feiern wir den achtzehnten Mär;, den Gedenktag der Revolution. Eine zeitgemäße Reminiszenz. In seinem Artikel über die Londoner Dynamit-Attentate hat Friedrich Engels daran erinnert, wie die russische Regierung zu einer Zeit, wo die„kulturhistorische Mission" des Dynamit noch nicht entdeckt war, durch ihre Agenten im Ausland Banknoten- fälschungen in Szene setzen ließ, um die polnische Flüchtlingschaft desto besser in Verruf bringen und durch ihre Preßbanditen entrüstet dagegen donnern zu können, daß„solchen Leuten" Asylrecht gewährt werde. Es scheint uns sehr zeitgemäß, eingehender auf diese Falschergeschichten zurückzukommen, sintemalen sie Gelegenheit zu ganz merlwürdigen Parallelen mit Ereignissen unserer Tage bieten. Die Affäre spielt von Mitte der sechsziger Jahre bis in die siebenziger Jahre hinein und findet ihren Abschluß in einer Reihe von Prozeffen wegen Banknotensälschung, in denen sämmtlich der russisch« Staats- rath GabrielKa in enski eine Rolle spielt. Angeblich von der russischen Regierung ausgesendet, die Komplotte zur Anfertigung falscher russischer Banknoten zu überwachen, ist es Kamenski, der durch seine Agenten, unter denen namentlich ein gewisser B o u r b o n*) sich auszeichnete, zu solchen Komplotten anstachelt, falsche Banknoten bestellt. Man höre nur, was Herr de G u i m p s, Untersuchungsrichter von Iverdon— dem Herr Kamenski vergeblich 20. OVO Franken und einen Orden angeboten hatte, wenn er die Untersuchung gegen deffen Hauptagenten B o u r b o n und Kubersky niederschlagen»olle— unter dem 16. September 1871 an den Pariser Untersuchungs- r i ch t e r, Herrn Blanquart de Salines(derselbe ist jetzt noch im Amt!) schrieb:*") „Was Hrn. Kamensky betrifft, so gehört es ins Gebiet der absoluten Unmöglichkeit, daß ihm das Treiben seiner Agenten unbekannt gewesen wäre. Ich selbst weiß, daß er in persönlicher Verbindung stand mit der sogenannten Madame Albert, nachdem dieselbe falsche Billets von 25 Fr. und russische Coupons von 12'/, Rubeln bestellt hatte, und zwar in so guten, daß er mir sogar dieselbe in Bern vorstellte, und daß wir mitsammen von hier nach Frei- bürg gereist sind. Sowohl die Briefe als Angaben von Bourbon be- stätigen, daß Hr. Kamensky von Allem, was letzterer that und schrieb, Kenntniß hatte, und daß er unterrichtet sein mußte von allen Hand- lungen und Machenschaften seiner Agenten. Ebensowohl ist mir bekannt, daß Kamensky nach dem Prozeß von St. Adresse sich in Verbindung setzte mit der Frau Artist und von derselben zu erlangen suchte, daß sie die Polen, mit welchen sie in Verbindung stand, zur Fabrikation von russischen Billets zu verleiten trachte. Bourbon hat sich nicht blos schuldig gemacht bezüglich der Fabrikation der Billets von 25 Fr., sondern er hat auch Mittel gefunden, die preußischen Platten von 100 Thalern zu unterschlagen und sich derselben zu bedienen, um gegen- über den preußischen Behörden den Versuch einer Erpressung, an- steigend auf 27,600 Fr., zu unternehmen. Die mündlichen Rück- sprachen, welche ich in dieser Beziehung mit Hrn. A l b r e ch t, abge- ordnet an mich durch die preußische Regierung, und später mit seiner Exzellenz Herrn Baron von Röderer, Gesandten des deutschen Kaisers in der Schweiz, gehabt habe, ge- statten mir beizusügen, daß diese Herren voll st ändig über- zeugt sind von der Mitwissenschaft, ja sogar von dem direkten Antheil des Herrn Kamensky an allen diesen Ver- brechen, und sie sind durchaus entschlossen, und zwar schon nach einiger Zeit mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln einzuschreiten.**") Ich meinestheils bin ebenfalls entschloffen, gegen Kamensky gerichtlich einzu- schreiten und denselben mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln gerichtlich zu verfolgen. Ich ersuche Sie, wenn die Gelegenheit sich bietet, mich gefälligst in dieser Beziehung zu unterstützen. Obschon dieser Brief, mein Herr Richter, nur persönlich ist, so ermächtige ich Sie dennoch, wenn Sie glauben sollten, es dürste von Nutzen sein, davon Gebrauch zu machen, und halte es nicht für unzulässig, daß Sie *) Bourbon starb in der Untersuchungshaft zu Iverdon, und zwar soll er sich selbst das Leben genommen haben. **) Wir zitiren nach der Broschüre:„Die polnische Fälscherbande und die russischen Staatsräthe und deren Agenten." ***) Diese Zeit ist natürlich niemals gekommen. Die Herren Albrecht und Baron von Röderer werden unterdessen von ihrer Regierung eine andere Weisung erhalten habm.„Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus." F r a u H a b g i e r: Ein sonderbares Vergnügen, in jetziger Jahres- zeit einige Stunden auf dem feuchten Erdboden zuzubringen. Wenn der Mmsch krank wird, ist es in der That kein Wunder. Habgier: Diese Vagabondm sind des Mitleids nicht werth, meine Theure. Das niedrige Laster der Trunksucht macht ihr zweckloses Dasein völlig zum Ekel für jeden anständigen Menschen. Frau Habgier: Es war nicht Mitleid, das mich so sprechen ließ, bei solchem Anblick hört selbstverständlich alles Mitleid auf. Aber wie unstatthaft, sich im März auf die Landstraße zu legen und später der Gesellschaft als hilfloser Kranker zur Last zu fallen. Komm', laß uns gehen; doch nicht da vorbei! Der Anblick solcher Individuen erfüllt mich stets mit Abscheu. So ein Mensch kommt mir vor wie eine häßliche Kröte, die auf der Lauer liegt, um an irgend ein harmloses Wesen heranzuspringen. Habgier: Nur keine Furcht, mein Kind. Sieh' hier, dies ist mein ständiger Begleiter.(Er zieht einen Revolver hervor und zeigt ihn seiner Frau.) Frau Habgier: Ah, daS ist sehr vernünftig. Habgier: Nichtsdestoweniger möchte ich Dich dem nahen Anblick eines so verkommenen Subjektes nicht aussetzen. Wir gehen ein wenig seitwärts, den Feldweg entlang.(Wollen gehen.) Still, er regt sich! Stürmer(lallt mühsam): Gebt— mir— zu— trinken. Habgier: Da hast Du's, Das denkt nur an's Trinken. Komm'! (Beide ab.) Stürmer(richtet mühsain den Kopf auf und blickt ihnen starren Auges nach): Waffer— Wasser I— ich— verschinachte!(Er ringt vergebens nach Athem und fällt nach einer verzweifelten, konvulsivischen Anstrengung plötzlich leblos nieder.) (Kleine Pause.) (Treulich und Marie kommen die Landstraß« heraus. Marie mit einem Strauß Schneeglöckchen in der Hand.) Marie: Vater, sieh' doch, dort drüben am Waldrand blühen die herrlichsten Veilchen.(Sie erblickt Stünner und erschrickt:) Da liegt Jemand! Treulich: Im März, auf der Landstraße? Du lieber Himmel, es wird wohl so ein armer unglücklicher Handwerisbursche sein. Vielleicht ist er vor Hunger zusammengebrochen. Marie: Das wäre entsetzlich! Aber vielleicht können wir ihm noch helfen.(Sie eilt schnell hinzu, der Vater, so schnell es sein Alter erlaubt, hinterdrein.) Marie: Vater, Vater! Er ist todt!(Entsetzt verhüllt sie mit der Schürze ihr Antlitz.) Treulich(sich über ihn neigend): Ja, er ist wirklich todt. Aber er kann nur eben erst gestorben sein, sein Körper ist noch warm. Du armer davon denjenigen Gebrauch machen, den Sie für zweckdienlich erachte« werden." Noch viel einschneidender lautet folgender, etwas späterer Brief de«- selben an jenen: „Mir bleibt noch übrig folgende Auseinandersetzung: der Herr Staats- rath Kamensky ist v»ll st ändig, erwiesenermaßen schul- dig an der Fabrikation des weitaus größten Theili der gefälschten Papiere. So ist unter Anderen er es, welcher die Billets von 25 Fr., die ruffischen Coupons von 12'/, Rubeln und die österreichischen Zehngulden-Noten hat sabriziren lassen. Cr hat aus- gereizt zur Fabrikation von russischen Banknoten in der Schweiz. E» hat den Erpressungsversuch des Ochsenbein und Bourbon, Preußen gegen- über, zu erleichtern gesucht und endlich hat er mir gegenüber eine Er- Pressung versucht. Alle diese Verbrechen sind nach unserem Strafgesetz- buch strafbar, und ich ersuche Sie, mir unter diesen Verhältnissen an die Hand zu gehen und alle diejenigen Maßregeln anzuordnen, die Ihnen angemessen erscheinen mögen, um, wenn es möglich ist, die V e r h a f- t u n g und Auslieferung des Herrn Kamensky zu erzielen. Uebrigens befindet sich derselbe wirklich in England und getraut sich nicht auf dem Konttnent zu zeigen." Die Anklage erfolgte denn auch, und Herr Kamensky wurde am 17. Februar 1873 vom Kriminalgericht zu Dverdon(Kanton Waadt) in contumaciam zu zwei Jahren Gefängnih und zehnjährigem Ehrverlust verurtheilt. Angesichts der Charakterfestigkett des Herrn de G u i m p s hatte Herr Kamensky es weder gewagt, vor Gericht zu erscheinen oder auch nur einen Rechtsvertreter zu schicken, noch wagte er es, Rekurs zu erheben. Die Sache sollte in aller Stille vorübergehen. Aber nicht alle Untersuchungsrichter sind solche Starrköpfe wie Herr de G u i m p s. Und so erscheint denn ein Jahr später Herr Kamensky vor den Solothurner Assisen, bewaffnet mit einem Freipaß, als Rechtsbeistand den Professor König von Bern neben sich, und dort hat er denn auch das Glück, daß die Anklage gegen ihn, soweit die Solothurner Affären in Betracht kommen, als nicht genügend bewiesen fallen gelassen wird. Jndeß unter welcher Moti- virung! „Wenn auch angenommen werden wolle," heißt es in der Zuschrift des Solothurner Untersuchungsrichters Lebern an den Staatsanwalt, „Kamensky habe zur Fabrikation von falschen Werthpapieren angestiftet ober habe dieselbe durch Rath und That befördert und erleichtert— so habe er dennoch kein Verbrechen begangen, indem er dabei keine gewinn- süchtige Absicht gehabt habe, sondern nur die Absicht, diejenigen Personen, welche durch sein Anstiften oder seine Mit- Hilfe Verbrecher geworden, dem Gerichte zu über- liefern. Mithin fehle der zu jedem Berbrechen er- forderliche Dolus"(strafbare Absicht). Was will man noch mehr? Und nun höre man noch den Bericht des Pariser Untersuchungs- richters Blanquart de Salines an den Pariser Staatsanwalt, cl.<1. ParrS, 17. September 1871: „Scheinbar war Kamensky diesen von mir soeben erwähnten Machi- Nationen(die Irreführung der Behörden über die Rolle seiner Agenten und die Verschaffung von Papieren zur Flucht, wenn die Stel- lung derselben„allzu schwierig" wurde) fremd geblieben, in Wirklichkeit aber war er persönlich dabei betheiligt. Die Einrichtung einer Fabrikation von falschen Billets setzt die Verwendung von sehr beträchtlichen Geldmitteln voraus. Es war mit dem Gelde des Hrn. Kamensky, mit welchem Herr Bourbon das Ganze führte."...(In der Iverdoner Anklage heißt es:„Gemäß einer bei der Untersuchung befindlichen Rechnung ergibt sich, daß Bourbon von Kamensky im Lause der Jahre 1868, 6S, 70 und 71 eine Summe von 30,218 Fr. bezogen hat, was von Kamensky nicht bestritten wir d.") Soviel für heute. Ein andermal gehen wir vielleicht auf das Brief« Material und verschiedene höchst interessante„Zwischenfälle" ein. Aus dem Berichteten aber mag der Leser ersehen, welch' seltsame Ueberrasch« ungen eine solche Untersuchung herbeizuführen»ermag. Gleich Saul, der auszog, seines Vaters Eselin zu suchen, und ein Königreich fand, passtrt es, daß so ein Untersuchungsrichter auszieht, einer revolutionären Ver-- fchwörung nachzuspüren, und auf ein— Kaiserreich stößt. Gestern falsches Geld, heute Dynamit— aus den Stoff kommt's nicht an, man tiägt eben dem„Zeitgeist" Rechnung, so gut man kann. Bekanntlich sind ja alle Mtttel erlaubt gegen—„Tyrannen"! �»mma» Offiziere krklären, Ordre ß auch son der Ehr Äj. und dan schweigls phen, w blüht, v »ie entt iß. Sil ii§ 5. .b« sla,tl i®ie v ffionote «ch-n A b-r ei „Die, Polizeid vellhem Ssben, t ßnnmen tonifsi aubetrif b«i All- »rten s> denen. biger Kr koini Merke a-ßlna i es Raummangels halber mußten ein Theil der Rundschau und verschie- zum ,-Die � Bei 5°gesp dm E, bezw. z gangen, bei a Lahl dl dindr sgrwinnl f»! h, vereine «eutl«, m, er °us der �lckglje b>efen, grundei iines> Eintral n°n lie d°s br träges dem% sich UN toon s Kn?' *S'" bion, wohnt .»or eii spiel E den« Einsendungen für nächste Nummer zurückgelegt werden. Auf Arne Sozialpolitische Rundschau. 1885 Zürich, 11. März — O Ironie des Schicksals! Ein Verein, gegründet zum Schutze der„Ordnung", wird im Interesse eben dieser Ordnung aus- gelöst— das ist das tragische Ende des braunschweigischen„Kreis- Landwehr-Vereins". Das unerhörte Verbrechen, zwei sozialdemokratischer Neigungen verdächtige K a m e r o.d e n nicht ausgeschlossen zu haben, ist fürchterlich gerochen worden. Fallen sah man Zweig auf Zweig: Zu- nächst legte der Vorstand sein Amt nieder, dann erließ der preußische «Meri ?»griff fe1'!]. Utto si hin, d'nn t tost g, Er legen«! »Ntet All junger Mann, das hat Dir Deine Mutter auch nicht an der Wiege ge-«rienen jungen! Dein starrer Blick hat noch eine Bitte für mich: Dir das Auge �■ zuzudrücken. Ich erweise Dir gerne diesen letzten Liebesdienst.(Cr drückt iBr,� ihm die Augen zu.) �! Marie(mit Thränen im Auge): Ach Vater, wären wir nur einige»od s Minuten früher gekommen, dann wäre der junge Mann doch nicht so Mschr ganz allein und verlassen aus der Landstraße gestorben! Ein solcher Tod«Sas f ist unsäglich traurig. Mif, z Treulich: Der kam von dem Gut des Herrn v. Habgier, daraus �'r di möchte ich schwören. Der Lehm an seinen Schuhen verräth deutlich, daß päi 6 er den Karren geschoben hat.(Er ballt seine Faust und weist drohend� Al nach dem Gute.) Die da haben schon Manchen auf dem Gewissen. Oft»ach h genug geht es von da nach dem Krankenhaus und dann nach dem Kirch-»ntgehl Hof. Dort werden die armen Opfer eingescharrt— keine Seele fragt � T r nach ihnen! Die armen ausgehungerten, arbettsuchenden Handwerker, die serble an so schwere Feldarbeit nicht gewöhnt sind, lassen sich diese Unmenschen, A l per Gensdarm von der Landstraße zuführen, denn für 25 Pfennige pro T r Tag wollen unsere Ansässigen Landarbeiter den Karren noch nichtAvch( schieben. Fluch und Schande diesen Bampyren in Menschengestalt! Fluch'»os m und Schande der Behörde, die solch' sträflich ruchlosem Treiben ihren llebri� Schutz verleiht!(Zu seiner Tochter.) Marie, Du mußt einen Augenblick tz j allein hierbleiben, bis ich Jemand geholt, der mir die Leiche tragen hilft,»ithle, Willst Du? ben Ie Marie: Geh' nur Vater, geh'! Ich fürchte mich vor diesem Todtenffus t nicht.. Treulich(eilt einige Schritte über das Feld, dann winkt und rufthz� e er): Heda, Landsmann! ,, Marie(für sich); Mir ist, als wenn ich meinen Bruder vor mir sähe, der i- im Herbste von uns ging. Er hat so lange nicht geschrieben!(Zu dem Tohten.) Du armer blasser Jüngling, was ich Dir noch Liebes erweise,. T r das thun vielleicht Andere jetzt an meinem Bruder.(Während der letzte» J°>Ne: Worte legt sie den Sttauß Schneeglöckchen auf die Brust des Tobten.) JJjchre Tritter und vierter Karpenschieber(mit Spaten iäij-� den Händen): Was ist geschehen?(Erblicken Stürmer.) Der Genosse!�"' Ist er �wdti vi- Treulich: Ha, kennt Ihr ihn? Hab' ich mich also wirklich nicht getäuscht? Vierter Karrenschieber(beide sind inzwischen an die Leiche�, v herangetreten): Ja, ja, er ist es. Ob wir ihn kennen! Vor einer Shmdes�, hetzten ihn seine Mörder von der Schwell«. Sie gönnten dem Todt-- kranken nicht das Lager von Stroh. (Die anderen Karrenschieber kommen in wilder Hast wuchtige Haken und Spaten in der Hand.) «istrei herbeigelausen, l leilä zelcher n und i auf« |. E» gegen» le tSr» sgesstz- an die Ihne» haf» zielen. r aut m 17. >bt) i» oerlust �eHerr ch nur -heben. ! Herr nensky liechts» «t hat t die 3 nicht Moti» achten �einmandant über Braunschweigs Militär einen Utas und befahl allen Offizieren, die Ehrenmitglieder des Vereins waren, ihren Austritt zu «llären, weiter traten fämmtliche Beamte, direkter oder indirekter Ordre folgend, aus dieser gott- und pflichtoergeffenen Körperschaft, und sonst fanden sich verschiedene Kameraden„veranlagt", dem Beispiel °°r Ehrenmitglieder zu folgen, bis schließlich, nachbem der Verein am März seinen Vorstand erneuert, drei Tage darauf der braunschweigische �gentschaftsrath ihm den Ziest gab. Erst ward er gespießt und dann S-Hängt— erst wurden ihm die K.o r p o r a t i o n s r e ch t e entzogen, dann folgte die Auslösung auf Grund§ 5 und 6 des Braun- Hweigischen Versammlungsgesetzes vom 4. Juli 1Sö3. Diese Paragra- dM, welche bisher, dem„kleinen Beilchen gleich", im Verborgenen ge- "üht, verdienen übrigens, ans Licht gezogen zu werden, da sie zeigen, entbehrlich in diesem guten Lande Braunschweig das Sozialistengesetz 'V' Sie lauten nämlich: ,»§ 5. Die Landesregierung kann einen Verein, desien Einrichtung 'd-r Thätigfeit der kirchlichen, gesellschaftlichen oder staatlichen Ordnung gefährlich wird, auflösen. ®ie wirb die Auflösung in einer Verordnung verfügen. .,§ 6. Die Mitglieder des aufgelösten Vereins dürfen innerhalb dreier Renate nach dessen Auflösung weder einen neuen, sich mit ösfent- ''chen Angelegenheiten beschäftigenden Verein bilden, noch M i t g l i e- er eines solchen Vereins werden. .Die herzoglichen Kreisdirektionen, in Braunschweig die herzogliche TOizeidirektion, haben einen rechtskundigen Geschäftsführer zu bestellen, Welchem von dem Vereinsvorstande das Vermögen des Vereins zu über- isben, damit er, insofern für einen solchen Fall die Statuten nichts be- stsaimen, dasselbe den bestehenden Rechtsgrundsätzen und rechtlichen Ver- Mtriissen gemäß unter die Vereinsmitglieder vertheile." «!as nun die Wirkung dieses schrecklichen, hochnotpeinlichen Verfahrens �.betrifft, so kann man sich dieselbe leicht vorstellen: Entrüstung �sAllen, die bisher naiv genug waren, die kameradschaftlichen Redens- fjrten für baare Münze zu nehmen, und ungeheure Heiterkeit bei {jeden, gegen die der Hieb geführt war: bei den bösen, bitterbösen Sozial- Demokraten.„Alle Genossen, denen ich begegnet." schreibt uns unser vor- "8er Korrespondent,„haben über die weise Verfügung gelacht, von Herzen aschrist»steiacht. Bravo, bravo und noch einmal bravo! So ist es recht, so muß mwalt, kommen, das hört man Überall. Und wenn Etwas geeignet ist. diese �stiftet l�kerkeit noch zu erhöhen, so ist es die offiziöse Begründung der Auf- — s».f°'Ung in unseren amtlichen„Braunschweigischen Anzeigen". Da heißt ewinn- f Wm Beispiel: igen st"Die Vorgänge in den Vorstandssttzungen und Generalversammlungen Mit» IL6* Vereins, welche jenen Maßregeln voraufgegangen, sind durch die i b e r« l�ageSpresse bekannt geworden. Weniger bekannt wird sein, daß es nach n«r- 1* Ergebnisse der amtlichen Ermittelungens!) Führern, iw. Anhängern der Sozialdemokratie, welche nach ihrer Ver- jstangenheit zuden staatsgesährlichen Elementen der Par- hungs» ja' gezählt werden mußten, wohl ohne Wissen der größten Mach!» seiner Siel» der Vereinsmitglieder, zweifellos gelungen war, Ver n d u n g mit dem Vereine und Einfluß in demselben zu «ewinnen und auch in den Verlaus der letzten Vorgänge handelnd L"! hu!) einzugreifen. Daß das Bestehen solchen Einflusses in einem e Stet- ewe, der nach seinen Statuten unter Anderen die Angehörigen des klichkeit?eurlaubtenstandes, der Reserve und der Landwehr auszunehmen bestimmt -ikat.on ernste öffentliche G e f a h r e n mit sich bringen kann, liegt SfJ der Hand. Es kommt hinzu, daß in dem zur Zeit mehr als 1600 Rltglieder zählenden Vereine durch die Vorgänge der Grund zu einem "esen, voraussichtlich unheilbaren und wegen seines politischen Hinter- grundes doppelt bedenklichen Zwiespalte gelegt war, welcher die Erfüllung rtnes der wesentlichsten Veremszwecke,„Erhaltung und Förderung der j-rtrtracht." bei dem gegenwärtigen Mitgliederbestand« unmöglich erschei- ?en lieh, und daß dieser Zwiespalt, zumal nachdem von dem Vorstände eä braunschweigischen Landwehrverbandes die Einbringung eines An- {{ages auf Ausstoßung des Kreis Landwehr-Vereins Braunschweig aus l Geld- oelchem ;e heißt ergibt 69, TO s von Brief- Aus viuo k � uwi vv» ovvv»»- �......'-'. � erraick- v Verbände durch öffentliche Bekanntmachung angekündigt worden, unter Umstanden in weite Kreise des Herzogthums fortpflanzen und oerschie« ml ver f» unter Umständen in weite Kreise des Herzogthums fortpflanzen vaifirt°u schädlicher Rückwirkung auf die öffentliche Orb- ■n ier» 1" u n 8 nicht nur hier in der Stadt, sondern im ganzen Lande sein Gestern'""Ute." , inaIl{.Diesem Unheil mußte entgegengetreten werden, und so stehen denn heute die übrigen Vereine des braunschweigischen Landwehrverbandes � i«erwaist da, denn der hiesige Verein war ihre Mutterorganisa- t> o n, auf die sie bisher mit Liebe und Bewunderung zu blicken ge- wohnt waren. Arme, trauernde Waisenkinder, möge Euch der Himmel vor einem ähnlichen schrecklichen Ende bewahren! Lasset Euch das Bei» spiel Eurer seligen Mutter als Vorbild dienen. Thut Eure Unterthanenpflicht Und duldet nie nichts Rothes nicht! Auf daß es Euch wohlergehe und Ihr lange lebet auf Erden. Amen! . K. Der Reichstag hatte vergangene Woche zwei sogen. «große" Sitzungen; die erste am Montag, wo der„geniale" Otto das �»Merun-Kolonialzuchthaus zur Operationsbasts für einen ungeschlachten '"griff auf das Ministerium G l a d st o n e machte. Daß Gladstone nicht jfrtuissionirt hat, empört den selbst niemals an Demisstoniren denkenden �kto so gewaltig, daß er einen kleinen„Entrüstungssturm" in Szene !{hen mußte. Was,„kleinen"? Nein, großen, riesenhaft großen, "«in was der große, riesenhaft große Otto thut, kann nur groß, riefen- �f» groß sein. Er fuhr allerhand grobes Geschütz auf, und wollte u. A. einen Kol- wgen Gladstone's zum Lügner stempeln, weil dieser behauptet hat, noch "nter dem Ministerium Disraeli hätte ER— der Otto— den Eng- ..Alle(reite durcheinander): Ist er wirklich todt? Ist er dem Elend siege ge> stiegen? siebenter Karrenschieber; Todter Kamerad, wir rächen Dich! Jwiidxr, Genoffen, da seht hin! So quält, so hetzt man uns in den 1685 det zum ng a u s» „Kreis- statischer aben, ist lg: Zu- reußische ."k'! Ihr Alle wißt, was wir heute vor einer Stunde uns gelobt, ir einig«"vd feige wäre es von uns, wollten wir diese unerhörte Frevelthat nicht so Mschwelgend an uns verüben lassen. Einer für Alle, Alle für Einen! cher Tod«Las sie dem todten Freund angethan, das haben sie auch uns angethan! 'nf, laßt uns diese unmenschliche Handlung vergelten! Nicht eher wollen , darauf?'r diese Haken und Spaten aus der Hand legen, bis die Mörder gleich lich, daß Genoffen todt in den Staub sinken! drohend Alle(indem sie ihre Haken und Schaufeln schwingen): Auf, auf, en. Ost Nach dem Schloß I Sie sollen ihrem Lohn für diese Schandthat nicht :m Kirch»»Utzehen! ele fragt Treulich(stellt sich beschwörend den Ausgeregten entgegen): Zurück, !rker, die"-epblendete, was wollt Ihr thun? menschen; Alle: Unsern Freund, unseren Genoffen rächen! Kige»"-0 Treulich: Zurück, sage ich noch einmal! Ihr verderbt Euch selber! ) nicht-loch zhe die Ersten von Euch durch Fenster oder Thüren dringen, hat l»» Fluch»ns verrätherische Blei schon Einige von Euch niedergestreckt. Die wenigen en ihren Uebrigbleibenden sind gar bald dingfest gemacht, ich kenne das. lugenblia S i e b e n t e r Karrenschieber: Hast Du gleich Jenen kein menschliches igen hilft. Sühlen in der Brust? Verlangst Du, daß wir gleich Hunden wedelnd sten letzten Fußtritt hinnehmen sollen? Schäm' Dich, alter Graukopf! a Todten mus dem Wege, Alter, oder es geht Über Dich hinweg! ....Treulich(mit ausgebreiteten Armen): Kinder, ich laß Euch nicht, u tut erst einen Augenblick l fäBe der(Marie eilt zu ihrem Vater und legt schützend ihre Hand auf (Zudem s-wen Arm.) > erweis«,.Treulich: Ich gehöre zu Euch, seht hier diese Narben(zeigt auf -er letzten'e,tte Brust), sie rühren aus dem Jahre Achtundvierzig her!(Gemurmel, Todten.)"jehrere Hacken senken sich.) Und ich beschwöre Euch, um des Blutes vaten iiiv'klen, welches damals geflossen, laßt ab! Färbt nicht die Erde vergeb- Genosse! 1'$ mit Eurem Blute!(Die letzten Haken senken sich.) Seht Ihr denn "'cht ein, daß Ihr Wenigen machtlos seid? Eure gerechte Rache würde klich nicht« diesem Augenblicke nur Euch selber verderben. Nutzlos würdet Ihr ®lut für Euren todten Freund vergießen, zwecklos die Schaar der die Leiche�'''pfer vermindern. Schon ist Einer weniger!(Er weist mit der Hand -r StiiildM k>en Todten hin; die Genoffen stellen sich um ihn herum und ent- >m TodK�en ihr Haupt, während der Alte, auf seine Tochter gelehnt, mit vor- gestrecktem Arme weiterspricht.) Laßt es heute, am achtzehnten März, .,,?enug sein an diesem einen Opfer,— Brüder, Freunde, Genossen! Aber lgeiausen-ichwören wollen wir hier an der Leiche des grausam in den Tod Ge- ländern den Rath ertheilt, Egypten zu schlucken. Das sei nicht wahr, polterte der Otto;— er habe im Gegentheil den Engländern damals geraten, ihre Hände von Egypten zu lassen. Nun, daß der biedere Otto nicht lügt, wenigstens nicht amtlich— und amtlich, d. h. als deutscher Reichskanzler in vollster Amtswürde sprach er doch unzweifelhaft am Montag— das wissen wir Alle; mit- unter kommt es aber vor, daß gewisse Leute zur einen Zeit anders sprechen als zur anderen. Unv unser Otto würde durchaus nicht ge- logen haben, wenn er bei einer anderen Gelegenheit den Engländern zur Eroberung von Egypten gerathen hätte. Daß diese Annahme der Wahrscheinlichkeit nichts für sich habe, wird Niemand behaupten, der unsern Otto und seine Beziehungen und Neig- ungen kennt. Mit der russischen Diplomati- hat er notorisch die dickste Freundschaft, und man wird sich erinnern, daß die diplomatische Kam- pagne, welche im Ansang der 50er Jahre zum Krimkriege führte, mit dem Vorschlag Rußlands begann, die Engländer sollten Egypten wegnehmen. Und wissen wir etwa nicht, daß Freund Otto die Gewöhn- heit hat, auswärtige Mächte, die er aus diesem oder jenem Grunde lahm- legen will, in„fremde Abenteuer" zu verwickeln, und nach Bosnien, Asien oder— Afrika zu schicken? Genug— Otto machte einen ziemlichen Ziadau, der natürlich von dem byzantinischen Bauchrutscherpack als„geniale diplomatische Aktion" be- weihräuchert wird. Es soll ein„großartiger Coup" gewesen sein— zum Sturze Gladstone's, sagen die Bewunderer. Wenn das der Zweck unseres Otto gewesen wäre, dann hätte er eine kolossale Dummheit gemacht; denn eine so ungeschlachte, unschickliche Attake konnte keine andere Folge haben, als das englische National- gefühl zu verletzen und die englische Nation um Gladstone zu schaaren — also deffen Stellung zu befestigen. Was ja auch wirklich ein- getroffen ist. Rein— nicht Gladstone zu stürzen war feine Absicht, sondern ge- räuschvolle Retlame zu machen für ei»*— natürlich wiederum große — p o l i t i s ch e K o m ö d i e, mit der nich ein kleines— nein, großes — Familiengeschäft verbunden ist. Plötzlicher Dekorationswechsel. Statt„Krieg in Sicht"(Krieg per Luftballon) theatralische Versöhnung mit England, und die Rolle des vous ex rnachina gespielt von dem hoffnungsvollen Kanzlersöhnchen Herbert, den der väterliche Obergott, der Jupiter aus der Wilhelmstraße, extra und mit wohlberechneter Ge- HeimnißtHuerei— das erhöht den Effett— über Nacht nach England geschickt hat. Dabei werden verschiedene Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens: der Welt wird bewiesen, daß es nur einen Otto gibt, und daß, wer ihn für einen gemeinen Menschen hält, nicht oerdient, daß ihn die Sonne bescheine. Zweitens: der hoffnungsvolle Sohn Herbert, an dessen Genie die böse Welt bisher nicht glauben wollte, ist plötzlich zur diplomatischen Größe ersten Ranges avanrirt; und Drittens: der bisherige deutsche Botschafter in London, Graf v. Münster, dem unser Otto seit Langem nicht grün ist, hat einen Wink mit dem Zaunpfahl erhalten, sein Bündel zu schnüren; und der fette Londoner Botschafterposten, den Papa Bismarck feinem hoffnungsvollen Sprößling seit Langem zugedacht hat, wird nächstens vakant werden. Und der Londoner Botschafter in spo wird dann deutscher Reichskanzler in spo— was ein noch lieberes Lieblingsideal unseres Otto ist als selbst das TabakSmono- pol— und Alles bleibt so hübsch in der Familie.— Sehr hübsch war auch die M i t t w o ch s i tz u n g, in welcher die dritte Lesung des Etats begann. Die Herren Fortschrittler sind wieder einmal„umgefallen". Sie haben eine so heidenmäßige Angst vor der Auflösung, daß st« „den zweiten Direktor" richtig bewilligt haben. Es gab wieder die famosen„Abkommandirungen." Ein Dutzend der biederen Herren Fort- fchrittler glänzte durch Abwesenheit, und 21 stimmten für den„zweiten Direktor" und Bismarck, so daß Bismarck eine ganz hübsche Majorität bekam. Es ist das die zweite Auslage der Sozialistengesetz-Schande. Da hat das Zentrum sich weit tapferer benommen; es stimmte wie ein Mann gegen den Posten. Wir wundern uns natürlich nicht über die Jämmerlichkeit der Fort- schrittler. Wir haben nie etwas Anderes von ihnen erwartet. Sie fürchten eine ernstbaste Volksbewegung, und szgsen sich lieber mit Fußtritten traktiren, als daß sie Widerstand leisteten. Der 4. März dieses Jahres wird auch den gutmütigsten Optimisten davon überzeugt haben, daß der bürgerliche Liberalismus nicht einmal Muth genug hat, für sein e i g e- n e s Kind, den Parlamentarismus, einzutreten. Als Sprecher unserer Partei betheiligten sich an den betreffenden Etatsdebatten Liebknecht und V o l l m a r, elfterer in der General-, letzterer in der Spezialdebatte. Die Liebknechl'sche Rede beschästigte sich außerdem eingehend mit der Bismarck'schen Sozialreform, mit deffen Schwindel-Kolonialpolitik und auch mit seiner vielgerühmten auswärti- gen Politik, wobei der fortschrittliche und nichtsortschrittliche Äyzantinis- ums etliche Seitenhiebe bekam. Für einen amüsanten Zwischenfall der 20,000 Mark-Debatte sorgte der Stuttgarter Staatsanwall Lenz, ein natisnalliberaler„Entrüstler" der ersten Klaffe, welcher die Unvorsichtigkeit beging, nachträglich noch in das Entrüstungshorn zu blasen und von der„spontanen Volksbewegung gegen den Reichstag" zu spreche». Das bekam ihm schlecht. Der Unglück- liche Staatsanwalt hatte vergessen, daß er in Stuttgart seinerzeit ein „spontanes Entrüstungsmeeting" veranstaltet hatte, in welchem Jeder, der nicht„spontan" mitmachte,„spontan" durchgeprügelt wurde. Und das wurde dem Herrn Staatsanwalt unter die staatsanwaltliche Nase gerieben— zum großen Gaudium des Reichstags, der den armen, wie ein begossener Pudel dastehenden Teufel von nationalliberalem hetzten, daß wir ihn rächen werden, rächen, indem wir rastlos an dem Sturz der Gesellschaft wirken, die ihn mordete! Alle(indem sie die Hände über der Leiche emporheben): Bruder, das schwören wir Dir! Treulich: Lange wird es nicht mehr dauern, theure Freunde! Ein fester zäher Keil treibt schon verderbenbringend in den morschen Stamm der heutigen Gesellschaft— es ist der Sozialismus. Und die regen, nimmer rastenden Treiber dieses verhängnißvollen Keiles sind die Sozial- demokraten. Schaart Euch um deren Banner! Thue Jeder, was in sei- nen Kräften steht, um neue Kämpfer zu gewinnen! Bald fällt der letzte Hieb, der letzte Schlag— der morsche Stamm klafft schon ächzend aus- einander. Darum vergeudet heute nicht das theure Arbeiterblut, damit am Tage der Sühne Keiner fehle. Bis dahin, armer Freund, ruhe sanft!(Er preßt die Hand des Todten.) Aber an dem Tage, wo der Völkersturm hereinbricht, möge Dein Geist ermuthigend und anfeuernd uns umgeben! Siebenter Karrenschieber: Wir danken, braver, alter Vater. Du hast so ganz im Sinne unseres zu Tode gehetzten Genoffen gesprochen: „Bald, bald— als ein großes Heer tretet Euren Peinigern entgegen. Der Tag der Befreiung wird auch der Tag der Sühne sein!" Das waren seine letzten an uns gerichteten Worte. Wir wollen dieser Worte stets eingedenk bleiben.(Zu den Anderen gewendet.) Kommt, laßt uns jetzt den todten Freund forttragen. Treulich: Bringt ihn in mein Haus, ich will die letzte Menschen- Pflicht an chm erfüllen. (Alle legen chr« Haken und Spaten nieder, gleichsam eine Bahre bildend. Einige entledigen sich ihrer Röcke und legen sie auf diese primi- tive Bahre, dann betten sie Stürmer darauf. Marie nimmt ihr Kopf- tuch und breitet es unter den Kopf des Todten. Treulich: So endet der Alles schaffende Proletarier! S e ch st e r Karrenschieber: Noch Eins, Kameraden. Ehe wir unsern Genossen fortschleppen, laßt uns dem Todten zu Ehren noch einmal das Lied wiederholen, das er dort so ergreisend zu uns gesprochen. Es sei sein Grabgesang. Alle: Ja, ja, es sei sein Grabgesang! (Sie stellen sich rechts und links von der Bahre auf. Treulich und Marie bleiben im Vordergrund.— Sobald der Gesang begonnen, öffnet sich die Szene und zeigt auf's Neue das Volksheer.) Alle(singen): „Es tönt ein Ruf von Land zu Land" ic.»c. (Nach Beendigung des ersten VerseS fällt der Vorhang.) Schluß. Staatsanwalt so auslachte, wie nur selten Einer im Reichstag ausgelacht worden ist. Der ist besorgt und aufgehoben! Einen zweiten Reaktions-Schwaben ließen die Lorbeeren des Lenz nicht schlafen— den konservativen W ö l l w ar t h; er drohte mit einem — Staatsstreich, für welchen Schwabenstreich der alte Windthorst ihm nach Noten den Kopf wusch.— In der B ö r s e n st e u e r k o m m i s s i o n hat Genosse Singer den Antrag gestellt, den Ertrag der Börsensteuer zur Abschaffung der S a l z- st euer, eventuell zur Gründung eines Fonds für die Invalide n der Arbeit zu verwenden. — Ein Richtrehabilitirter. In welch' krasser Weise die „Schwenninger-Affäre" allen Traditionen der bürgerlichen Gesellschaft in'S Gesicht schlägt, zeigt sich recht deutlich, wenn man die glänzende Karriere des dickhäutigen Spezialisten für Hautkrankheiten mit dem Schicksal vergleicht, welches eben diese bürgerliche Gesellschaft den Leidens- genossen des Herrn Schwenninger sonst zu bereiten pflegt. Ein sehr charakteristischer Beitrag zu diesem Thema spielte sich am 14. Februar, also nur wenige Wochen vor der Schwenninger-Debatte, vor der zweiten Strafkammer des Breslauer Landgerichtes ab. Angeklagt war ein gewisser B ö ck m a n n. Derselbe hatte durch große Plakate eine Vorstellung des berühmten Gedankenlesers Cumberland angekündigt, und wollte alsdann mit dem Billeterlös durchbrennen, wobei er aber abge- faßt wurde. Vor Gericht bat Böckmann um Bewilligung mildernder Umstände, und zwar, nach der„Breslauer Morgenzeitung", mit fol- genden Worten: „Ich sehe das Frevelhafte meiner Thaten vollkommen ein, aber ich versichere Sie, meine Herren Richter, daß nur Roth und Verzweiflung mich dazu getrieben haben. Ein Fehltritt, den ich in meiner Jugend beging und wegen dessen ich bestraft wurde, hat mich beständig verfolgt, hat mein ganzes späteres Dasein vergiftet, hat mich von Vergehen zu Vergehen getrieben. Ich habe mich emsig bemüht, mir mein Brod ehr- lich zu verdienen, es ist mir nicht möglich gewesen. Sobald die Leute von meinen Vor st rasen hörten, ward ich ent- lassen. Nach Verbüßung meiner Strafe in Breslau trug ich den energischen Vorsatz in mir, nie mehr von der Bahn des Rechtes abzu- weichen. Der Verein für entlassene Sträflinge unterstützte mich, und verhals mir zu der Stellung eines Buchhalters in der Konserven- sabrik der Gebrüder Braun zu Bojanowo. Ich habe dort fleißig gear- beitet, ich habe mir das Vertrauen und die Anerkennung meines Chefs verdient. DuS Zeugniß, welches ich von ihm erhalten, beweist dies. Schon glaubte ich den langersehnten sicheren Hafen gesunden zu haben, da flüsterte man sich in ganz Bojanowo, einem Orte von etwa dreitau- send Einwohnern, die Neuigkeit zu, daß der Buchhalter der Konserven- sabrik schon im Zuchthause gesessen. Ein Verwandter meines Chefs, der Kämmerer F r a n z k e, hatte dies aus Akten, die er erhalten, ersehen und es weiter erzählt. Es war mir unmöglich, denn ich glich einem Ver- f e h m t e n und Geächteten, unter solchen Umständen länger in Bojanowo zu bleiben. Ich quittirte deshalb in Abwesenheit meines Cheis meine Stellung und ging nach Breslau. Hier suchte mich mein Chef auf, sprach mir Trost zu und bot mir die Leitung einer Filiale seines Geschäfts in Landsberg an der Warthe an. Ich übernahm die Stellung, vermochte mich jedoch auch dort nicht zu halten, da meine Vergangenbeit ebenfalls bald bekannt wurde. Ich ging hierauf nach Berlin, wo es mir nach heißem Bemühen gelang, in einem der ersten Häuser Stellung als Verkäufer zu finden. Kaum hatte ich dieselbe acht Tage inne, als eines Morgens zwei Kriminalbeamte erschienen und mich nach dem Polizeipräsidium geleiteten. Dort wurde mir eröffnet, daß ich Berlin binnen drei Tagen zu verlassen hätte. Es gelang mir, einen Aufschub von zwei Monaten zu erwirken, nach dessen Ablauf ich auf Anrathen eines Polizeibeamten nach Ripdorf zog. Auch hier war meines Bleibens nicht. Von der Regierung zu Potsdam er- hielt ich einen Ausweisungsbefehl, der mich aus der Umgebung Berlin'S verbannte. Jetzt erst wandte ich mich nach Magdeburg, wo ich, von Allem entblößt, schließlich zum Verbrechen meine Zuflucht nahm. Machen Sie, was Sie wollen, meine Herren," schloß Böckmann,„verurtheilen Sie mich zu Zuchthaus, ich muß es leiden. Gedemüthigt bin ich schon genug!" „Der Gerichtshof," heißt es weiter,„erkannte auch auf Zuchthaus, wenn auch nicht in der Höhe, wie es der Staatsanwalt beantragt hatte.. Böck- mann wurde zu vier Jahren Zuchthaus, 900 Mark Geldstrafe, eventuell noch 60 Tagen Zuchthaus, und zu vierjährigem Ehrenverlust verurtheilt." Hier, dem armen Teufel gegenüber, zeigt sich die moderne Gesellschaft in ihrer ganzen pharisäerhaften Hartherzigkeit: für ihn gibt es keine Rehabilitirung— keine Wiedereinsetzung in seine gesellschaftliche Ehre — was sagen wir Ehre? in seine gesellschaftliche Existenz. Er bleibt ein Geächteter, ein Ausgestoßener; er hat ja keine Protektion! Nein, was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig— wir sind die Letzten, welche dafür eintreten, daß Herr Schwenninger für seine Praktizirung der den Sozialisten so oft vorgeworfenen„freien Liebe", für seine schnöde Verletzung des sechsten Gebotes, ewig büßen soll! Daß man ihn aber in Berlin, wo von oben her die Rückkehr zur Religion und frommen Sitte mit Emphase gepredigt wird, daß man ihn just in der Residenzstadt Wilhelms des Frommen zum Lehrer der akade- mischen Jugend ernannte, das widerspricht— selbst wenn es sich von dem Gesichtspunkt einer edleren Moral aus verteidigen ließe— so sehr allen bisherigen und heut überhaupt üblichen Traditionen, daß es schon deshalb als ei» Akt schreiendster Ungerechtigkeit gebrandmarkt zu werden verdient. Und diese Ungerechtigkeit, dieser grobe Verstoß gegen alle bisherige„Sitte", gegen alle„historische Ueberlieferung", wurde ge- rade von den Herren von der Rechten des preußischen Abgeordneten- Hauses, von den aus ihr Christenthum, ihre Moral so stolzen Kon« s e r v a t i v e n gutgeheißen! Eine nette Gesellschaft! Diesen Herren, deren Wortführer im„Deutschen Adelsblatt" neuerdings für Wiedereinführung der Aberkennung des Adels, das heißt für gesetzliche Anerkennung des Adels als höherer Stand plä- dirten, diesen Herren gegenüber war es ein. brillanter Witz, als der Demokrat Stern in der Sitzung vom 24. Februar meinte: Man hätte Herrn Schwenninger für seine Verdienste um die Gesundheit des Reichs- kanzlers anderweitig belohnen sollen(anstatt ihn der Universität als Professor aufzudrängen). Kein Mensch hätte etwas dawider gehabt, wenn Herr Schwenninger einen Orden erhalten hätte oder— geadelt worden wäre! Das stimmt, wenngleich es im Sitzungsbericht bei dieser Stelle heißt: Große Unruhe rechts! Die Unruhe war Ivo anders am Platze, verehrte Vertreter der Ordnung und der guten Sitte! — Ein Stückchen Erinnerung vom Ordensfest. AuS Berlin schreibt man uns: „Ich erlaube mir, Ihnen einige Thatsachen mitzutheilen, mit der Bitte um Veröffentlichung, denn dieselben werfen ein grelles Licht auf vie sogenannte Sozialreform unserer Regierenden. Am 18. Januar wurde hier im weißen Saale und den angrenzenden Räumen des könig- lichen Schlosses das Ordensfest gefeiert. Auf diesem Feste gibt der Allerhöchste zur besonderen Ehre derjenigen, welche sich im Laufe des Jahres durch unverwüstliches Schweifwedeln besonders auszeichneten und dafür einen Orden bekamen, auf Kosten des Landes ein allgemeines Festessen. Einige Dutzend ergrauter Beamten, die für ein Leben voller Entbehrungen mit dem„allgemeinen Ehrenzeichen" abgespeist werden, bilden die Staffage bei dieser Komödie; zur besondern Belustigung des Stammpublikums, auch HabituöS genannt. Die Theilnehmer müssen hier in einer Stunde 14—16 Gänge vertilgen, gewiß eine erstaunliche Lei- stung, die den Magen dieser Herren alle Ehre macht. Selbstverständlich müssen zur Bedienung eine große Menge Lakaien thätig sei», und dazu werden erstens Hoflakaien, dann die Kutscher und sonstigen Diener der allerhöchsten Herrschasten verwendet; wenn diese aber nicht ausreichen, dann werden noch Kellner eingestellt, freilich erst, nachdem sie ein poli- zeiliches Führungsattest, das bis auf ihre Jugend zurückgeht, beigebracht haben, und zwar meistens 60— 80 Mann. Dieselben erhalten einen Lohn von 6 Mark, dasselbe bekommen auch die Kutscher und Diener als Hülss- Lakaien. Unter den Lohnkellnern nun befanden sich auch einige in ihrem Beruf alt gewordene Männer, für die es eine wahre Wohlthat war, wenn sie sich diese paar Mark verdienen konnten; aber das sollte in der Zeit der großen Sozialresorm anders werden. Das Gesicht dieser Männer ist nämlich nicht mehr so ganz f a l t e n l o s, und das ist als ein hinreichender Grund befunden worden, ihnen auch diesen Verdienst zu nehmen. Der Hof- Fourier W a h l m a n n sagte, im Beisein aller angenommenen ReHner, ehe sie den Dienst antraten, und nachdem er sie in keih und Glied aufgestellt hatte, den betreffenden alten Leuten, sie auf die Schulter klopfend:„Sie, Herr So und so, Sie, Sie, Sie und Sie" u. f. ro., — sämmtliche beim Namen nennend,„Sie brauchen das nächste Mal nicht wieder zukommen, Sie sind zu alt! Ich habe den größten«erger, Exzellenz will es einmal nicht mehr haben." Exzellenz— das ist der Hofmarschall Graf Perponcher. Dasselbe ist schon Verschiedenen in Kroll's Etabliffement vor dem Brandenburgerthor paffirt, auch ein Lokal, wo nur die oberen Zehn- tausend verkehren; nur hier mit dem Unterschied, daß es hier Geheim- rath Engel nicht haben will, daß alte Leute bei ihm beschäftigt wer- den. Geheimrath Engel war früher ganz arm unn hatte sich von denen, die er jetzt so abfertigt, manches Stück Brod schenken lassen.*) Noch Eins; bei dem beregten Ordensfest hat sich ein Lohnkellner ein Bein gebrochen. Wird derselbe nun auch eine Pension bekommen, wenn er arbeitSunsähig wird? Die Leute mußten schwer beladen eine eiserne Wendeltreppe auf- und ablaufen. Warum belegt man die eisernen Stufen nicht mit Holztritten, oder doch mindestens mit einem Teppich? Hat man etwa dafür kein Geld? Oder ist man der Ansicht, daß es nicht darauf ankommt, ob sich einige Arbeiter Hals und Beine brechen,«eil es genug von dem Pöbel gibt? Arbeiter, macht die Augen auf! Bedenkt, was soll ein solcher alter Mann machen! Arbeit bekommt er nicht, Unterstützung gibt es nicht, da heißt es: Sie sind noch kräftig, Sie können noch arbeiten! Betteln darf er auch nicht, stehlen mag er nicht, und wenn er sich aushängt, todtschießt oder ins Waffer springt, dann ist er Selbstmörder und wird mit sammt seinen Hinterbliebenen und Anverwandten von der„christlichen" Menschheit verachtet. Seht, das ist das Loos auch des bravsten und tüchtigsten Arbeiters, und wer von Euch kann sagen, daß ihm nicht ein Gleiches bevorsteht? Seht, so wird das„höchste Gebot des Christen- thums", die Nächstenliebe, so wird die Altersversorgung, die Sozialreform überhaupt, von den christlichen Herr- fchenden Gefellschaftsklassen bethätigt! Die Berliner Rothe n." — Rechtspflege im Zeitalter der Humanität. In der„Saale-Zeitung" vom 13. Februar lesen wir: „In heutiger Sitzung der Strafkammer wurde u. A. unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen den Klempner Ambrosius G o d e- h a r d, aus Berlin gebürtig, 32 Jahre alt, wegen Majestätsbelei- d i g u n g verhandelt. Der Angeklagte ist schon mehrfach vorbestraft, berüchtigt als Ausbrecher aus Gefängnissen und Strafanstalten, und be- findet sich zur Zeit in hiesiger königlicher Strafanstalt, wo er noch b i s 18 3 1 eine Zuchthausstrafe zu verbüßen hat. Am 5. November v. I. wurde Godehard anläßlich bewiesener Widerspenstigkeit gegen Anstalts- beamte von diesen entsprechend behandelt, und verging sich dabei zu einer schweren Beleidigung gegen den Kaiser, wosür er heute zu drei Jahren Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt wurde." Die Sache klingt furchtbar einfach und natürlich:„ein berüchtigter Aus- brecher— Widerspenstigkeit— schwere Beleidigung gegen den Kaiser, da m u ß ja jede Spur von Mitleid schwinden," hören wir bereits irgend einen Reichsphilister ausrufen. Gemach, werther Herr, sehen wir uns den Fall einmal genauer an. Geben wir im voraus zu, daß der Sträfling, um den es sich da han- delt, ein verbrecherisch angeklagter Mensch sei. obwohl über die Art seiner Verbrechen, wegen deren er im Zuchthaus sitzt, nichts gesagt wird; denn das Ausbrechen aus Strafanstalten läßt an sich noch keinen Schluß auf einen schlechten Charakter zu. Er ist also widerspenstig gewesen und wird dafür von den Anstaltsbeamten„entsprechend" behandelt. Weiß der Leser, was das heißt„entsprechend"? Jemand, der die Verhältnisse im Zuchthaus zu Halle kennt, schreibt uns darüber: „Derjenige, der sich sozusagen nicht a n st ä n d i g benommen, wird auf eine Pritsche geschnallt, der Inspektor stellt sich mit der Uhr in der Hand daneben, und jede Minute wird dem Delinquenten ein Schlag verabfolgt. Sind ihm mehr als 25 Schläge zudiktirt, so bekommt er sie in mehreren Rationen, denn nach jeden 25 Schlägen muß er auf meh- rere Tage ins Lazareth, und erst, wenn der Hintere geheilt ist, bekommt er fernere 25, und so weiter. Hundert Schläge hält Keiner aus, die Leute sterben dann im Lazareth." So sieht die„entsprechende" Behandlung aus. Und nun verletze man sich in die Lage so eines auf den Block gespannten Menschen. Muß seine Gemüthsstimmung, auch wenn er nicht, wie es hier der Fall zu sein scheint, von Natur aus zum Jähzorn neigt, eine wahrhaft verzweifelte sein? In dieser halb unzurechnungsfähigen Stimmung nun stößt er eine „Majestätsbeleidigung" aus, man kann sich denken, welche, und— drei Jahre Gefängniß, lautet das Verdikt der weisen und gerechten Richter. Drei weitere Jahre seines Lebens hinter Kerkermauern! Wahrlich, nichts kennzeichnet unser aufgeklärtes Zeitalter besser, als solche Rechtspflege, als solche brutale Auffassung von Verbrechen und Strafe. Und doch gibt es immer noch Menschen, die über zu weit ge- trieben« Humanität greinen! — Kaiserliche Gnade. Der deutsche Heldenkaiser ist bekannt- lich die Liebe und Güte selbst, man braucht in dieser Beziehung nur an die milde Bestrafung jener Landwehrleute zu erinnern, welche die Frech- beit gehabt, sich bei Sr. Majestät allerhöchst selbst zu beschweren, weil sie «»Viehwagen befördert werden sollten, sowie an Reinsdorf und Küchler: statt die beiden Unholde von unten herauf rädern zu lassen, ließ er es bei der bedeutend angenehmeren Todesart des Köpfens bewenden. Neuerdings nun hat Wilhelm wieder einen neuen Beweis seiner un- erschöpflichen Gnade gegeben. In Elberfeld hatten zwei Fabrikan- ten, Vater und Sohn, einem Arbeiter, der sein Entlassungszeugniß ver- langte, dies mit Keilschrift auf den Rücken geschrieben, d. h. sie hatten ihn aus das Brutalste geprügelt, dann, als er bewußtlos geworden, in den Keller geworfen und nfit Stricken gefesselt, und zwar auf eine ganz unglaublich niederträchtige Art. Das Ende des Strickes, welcher die Füße gefesselt hielt, ging nämlich von den Füßen über den Rücken, und war dann um den Hals geschlungen, so daß die Schlinge sich bei jeder Bewegung zusammenziehen mußte. Am Abend warfen die beiden bru- talen Burschen den durch die erlittenen Mißhandlungen gänzlich wehrlos gemachten Arbeiter auf die Straße. Für alle dies« Heldenthatcn erhiel- ten die Verüber des Bubenstückes von der Strafkammer 2 bezw. 1 Monat Gefängniß. Das war den Herren Fabrikanten natürlich wider den Strich, und sie wandten sich vertrauensvoll an den Heldengreis auf Deutschlands Thron um Begnadigung, und siehe da— sie hatten sich nicht getäuscht. Wilhelm ließ ihnen die Sonne seiner kaiserlichen Gnade leuchten und wandelte die Gefängnißstrafen in Geldstrafen von 200 bezw. 100 Mark um. k'iat justitia et persat raundus! — Unverschämt! Der Berliner„Kladderadatsch", dieses traurigste aller politischen Witzblätter— wenn man auf ein Blatt, welches den Mangel an Witz durch potenzirten Servilismus auszugleichen sucht, über- Haupt den Titel Witzblatt anwenden darf—, läßt in einer seiner letzten Nummern den schweizerischen Bundesrath in Hinblick auf die Anarchisterei die Worte anstimmen: „Die ich rief, die Geister, Werd' ich nun nicht los!" Soweit diese Albernheit überhaupt einen Sinn hat— denn vor dem Verdacht, die Dynamiterei großgezogen oder ihr auch nur Vorschub ge- leistet zu haben, ist der schweizerische Bundesrath wirklich geschützt richtet sie sich gegen das Asylrecht und die freien Institutionen der Schweiz überhaupt. Diese sind den preußischen, russischen tc. Reptilen *) Damit unsere Leser keinen falschen Begriff von besagtem Engel bekommen, bemerken wir, daß derselbe Geheimer Kom missions- rath ist, ein Titel, bei dem man sich alles Mögliche denken kann. Ge- heimer Kommiffionsrath war z. B. auch der verstorbene Direktor Cerf vom Viktoriatheater in Berlin, ein Mensch, dessen Ignoranz sprichwört- lich war, der aber sich vortrefflich darauf verstand, die Kommissionen der hohen Herrschasten nach„frischem Fl e i s ch" auszuführen; ganz besonders war er Hoflieferant des Prinzen Karl—„hochselig". Mit einem Wort, der Titel Kommissionsrath ist selbst in sonst loyalen Krei- sen so anrüchig, daß, als vor einigen Jahren der Theateragent Entsch mit ihm beehrt wurde, die„Berliner Wespen" lakonisch schrieben:„An einen neuen Kommissionsrath: Entsch, ärgere dich nicht!" Vielleicht erklärt es sich nun, warum„Geheimrath" Engel keine alten Kellner um sich sehen will. Anm. der Redaktion. und ihren Brodgebern ein Dorn im Auge, und deshalb wird die That- fache, daß die Dynamitpraxis aus den mit Ausnahmegesetzen, großem und kleinem Belagerungszustand gesegneten Ländern von gewissen zwei- deutigen Subjekten auch in die Schweiz exportirt wurde, in ihr Gegen- theil u m g e l o g e n.*) Es dürfte sich unter den Dynamitards in der Schweiz schwerlich ein ernsthafter politischer Flüchtling finden, wer wirk- lich hier ein Asyl sucht, wird nicht so wahnsinnig sein, seinen Thaten- drang gegen dies Asyl zu richten, das ist ganz selbstverständlich. Wer hat die Peukert, die Palm, die W e i ß großgezogen? Die Schweiz? War es der schweizerische Bundesrath, der mit einem Peukert frater- nisirte, der den Wiener„Radikalen" 500 Gulden zur Abhaltung einer Volksversammlung schenkte, war es ein Mitglied des schweizerischen Nationalrathes, das zur Zeit der Merstallinger Affäre und der Wiener Brände mit dem Redakteur der„Zukunft" liebäugelte? War es der Chef der schweizerischen Polizeiverwaltung, der dem Anarchisten Weiß ein Monatsgehalt von 130 Mark aussetzte, der in offener Sitzung er- klärte, daß ihm die A n a r ch i st e n eigentlich lieber seien als die Sozial- demokraten? Oder waren es die Herren Liechtenstein, Belcredi, Madai und Puttkamer? In der That, nicht diejenigen, denen die freien In- stitutionen der Schweiz am Herzen liegen, haben die vom schweizerischen Bundesrath angestellte Untersuchung zu fürchten, sondern ganz andere Leute. Wir können, wie die Dinge nun einmal liegen, nur wünschen, daß die Urheber der blödsinnigen Drohbriefe ermittelt werden, wahr- scheinlich würden dann die Brodgeber des„Kladderadatsch" ein ganz anderes Lied zu hören bekomme», als sie erwarten. Etwa: Die ihr schickt, die Geister, nehmt sie nun zurück! Bei dieser Gelegenheit wollen wir doch als Charakteristikum erwähnen, daß Herr Hans Most sich über den Engels'schen Nachweis, daß die Dynamit-Attentate in England einem tiefgefühlten Bedürfniß— Ruß- l a n d s entgegenkommen und von russischen Agenten zu Attaken auf das Asylrecht Englands fruktifizirt werden, mit der geistreichen Redensart hinwegsetzt:„Ist denn kein Irrenarzt in der Nähe?" !�e,.. Natürlich! Wenn jemand seinerzeit in Schlesien dem„Maler Schmidt" von Polizeispionen gesprochen hätte, so würde er wahrscheinlich eine ähn- liche Antwort von— Herrn S t i e b e r erhalten haben. Wie kann man den Regierungen, insbesondere der russischen, auch nur die Unterhaltung von Agents Provokateurs, die Anstiftung von Unruhen unterstellen? So etwas ist ja noch nie dagewesen. Rußland hat noch nie Agenten im Auslande unterhalten, zu keiner Zeit in andern Ländern Revolten ge- schürt, nur ein Ignorant oder Idiot wie Engels kann auf solche Ver- muthung kommen. Je reaktionärer, je despotischer eine Regierung ist, um so mehr ist sie vor dem Verdacht unsauberer Manipulattonen ge- schützt; der groß�Historiker Most' sagt es, und der muß es doch wissen. — Zur K r i s i s. Heber die Geschäfts st ockung in den Vereinigten Staaten von Amerika brachten die Blätter vor Kurzem einen Bericht aus Bradsteedt's Journal, aus dem hervor- ging, daß in fast allen größeren Städten Nordamerikas die Zahl der Arbeitslosen eine wahrhaft erschreckende ist. Heute liegt uns aus N e w y o r k eine Spezialzusammenstellung vor, welche die dortige nicht- sozialistische„W o r l d" auf Grund von ihr angestellter Nachforschungen veröffentlicht. Nach der niedrigsten Abschätzung gibt es in Newyork 7 5,000 Ar- b e i t s l o s e, und das bedeutet wöchentlich wenigstens einen Ausfall von 1,000,000 Doll. an Arbeitslöhnen. Auf die verschiedenen Arbeits- beitszweige vertheilt, wird die Anzahl der Unbeschäftigen folgendermaßen abgeschätzt: Frauen Werstarbeiter Italiener Konfektionsschneider Schneider Blumenmacher Zimmerer Bauschreiner Gypser Gas- u. WafferleitungSarbr. Steinhauer 30,000 3,000 8,000 10,000 5,000 1,500 1,400 1,500 400 1,250 2,000 Möbelarbeiter Metallarbeiter Setzer Buchbinder tc. Schuhmacher Zigarrenmacher Bäcker Kellner Andere Gewerke 3,000 3,000 1,000 1,500 500 6,000 800 1,000 2,500 Zusammen: 75,850 Es fehlt uns leider der Raum, auf die Schilderung der Zustände in den einzelnen Industrien einzugehzm, aber schon aus den vorstehenden Zahlen werden die Leser den Schluß ziehen können, daß dieselben wahr- hast entmuthigende sind. Und dabei sind, wie die„Newyorker Volks- Zeitung", der wir diesen Bericht entnehmen, schreibt, alle diese Angaben des kapitalistischen Blattes vielleicht eher z u n i e d r i g als zu hoch gegriffen; und wenn man in Betracht zieht, daß es noch eine Menge Erwerbszweige gibt, welche nicht untersucht worden sind, dürfte sich die Zahl der Arbeitslosen in Newyork noch viel höher stellen. Wie groß die Roth ist, geht außerdem zur Evidenz aus den Polizeiberichten hervor, welche u. A. melden, daß im vorigen Monat 15—16,000 Obdachlose Nachts in den Polizeiflationen beherbergt wurden, d. h. ungefähr 5000 mehr als zu derselben Zeit in anderen Jahren. Und Nordamerika ist das Land, wo der Schutzzoll seit Jahrzehnten seinen segensreichen Einfluß ausübt. Was sagen unsere Ritter vom „Schutz der nationalen Arbeit" dazu? *) Auch im„Christlich-sozialen Korrespondenzblatt" des Hrn. Stöcker lesen wir in der Nummer vom 4. März, anschließend an eine Bemerk kung des„Genevois", daß am Bestehen eines anarchistischen Komplotts gegen die Schweiz nicht mehr gezweifelt werden dürfe:„Das ist die Frucht der Verhätschelung nichtsnutziger Leute. Mit Recht hat daher Herr von Schorlemer-Alst dieser Tage den alten Vers auf die Schweiz angewandt: „Wie tief bist du gesunken, Altedles Schweizerland, All' möglichen Hallunken Reichst hilfreich du die Hand." Es genügt, diese Infamie tiefer zu hängen. Sprechsaal. In Sachen der Dampfersubvention. Kopenhagen, 23. Februar 1885. Die deutschen Genoffen in Kopenhagen schließen sich den Resolutionen der schweizerischen und Londoner Genossen bezüglich der Dampfersub vention vollständig an. Im Namen d e r K o p e n ha g e n er G en o ss e n: Die Vertrauensleute. Königsberg i/Pr., im Februar. Die hiesigen Genoffen haben sich einstimmig gegen jede Dampfer- Subvention erklärt, und diesen Beschluß der Fraktion mitgetheilt. Der Beauftragte. Rostock, 3. März 1885. Die heutige Versammlung von Parteigenossen bedauert, daß unsere Vertreter im Reichstage bei der Dampfersubventionsvor- läge nicht geschlossen stimmen, und beklagt die hiedurch ermöglichte Lockerung, resp. Schädigung der Parteidisziplin. Der Beauftragte. AuS Bern ist uns seinerzeit eine ähnliche Erklärung wie die vorher gehende zugegangen und nur irrthümlich nicht abgedruckt worden. Die Genossen eines schlesischen Wahlkreises senden uns ferner in Sachen der Dampfersubventionsfrage folgende Resolution zur Veröffentlichung: „In Anbetracht, daß alle Angelegenheiten, welche in gesetzgebenden Körperschaften Gegenstand der Abstimmung sind, in größerem oder geringerem Grade Einfluß auf den Wohlstand des Volkes ausüben; und um zu vermeiden, daß eine unbedeutende Dampferfrage oder Handelsvertragssache zu zwecklosen Haarspaltereien, Zänkereien und Entzweiungen in unserem Lager und unseren Organen Anlaß gibt: ist darauf hinzuwirken, daß entweder ausnahmslos alle genannten Angelegenheiten als Prinzipienfragen betrachtet werden und von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag mit geschlossener Abstimmung zu erledige« find; oder daß unter Prinzipienfragen nur solche Fragen zusammen- gefaßt werden, welche unmittelbar die Beseitigung oder Erhaltung de» Klassengesellschaft oder Ungleichheit betreffen, und so die geschlossene Abstimmung erheischen. Im llebrigen sind wir der Ansicht, daß es n« r einer sozialdemo- kratischen Majorität gelingen wird, wirkliche Sozialreformen, z. B. Errichtung von Produktivgenossenschaften als Anbahnung zur Befrei- ung des arbeitenden Volkes durchzusetzen, und betrachten jede Schacher- politik in dieser Hinsicht als nutzlos und lächerlich." Ottensen, 1s. Februar 1885. Wir ersuchen die Genossen allerorts, sich vor dem Cigarren- arbeiter Fritz Drachholz auS Trebbin bei Berlin recht sorgfältig in Acht nehmen zu wollen. Grund hierzu ist Folgendes: D r a ch h o l z verkehrte viel mit Polizeikommifsar Engel und anderen Geheimpolizisten, was er bei einer Gelegenheit, die wir in Nachstehendem mittheilen, selbst eingeräumt hat. Eine Anzahl Ge- nossen hatten eines Abends einen Ausgewiesenen zum Bahnhos begleitet, und ein Theil von ihnen war auf dem Heimwege in einer Wirthschast eingekehrt, als sie merkten, daß sich unter ihnen auch Drachholz befand. Derselbe wurde nun wegen seiner Bekanntschaft ins Verhör genommen, und als er sah, daß er überführt war, gestand er auch zu, daß e» mit Engel verkehre, sagte aber:„Ich treffe Engel nur in Wirth- schaften, da spielen wir Karten; weiter habe ich nichts mit ihm zu thun." Daß dieses Zusammentreffen aber noch einen anderen Grund hat alt Kartenspielen, kann man aus Folgendem entnehmen. Kaum ein» Stunde später, als Drachholz an jenem Abend fortgegangen, war Po- l i z e i in der Wirthschast, und der Polizeibeamte erklärte:„Alle, die i» jenem Zimmer gewesen, müssen mit," und dabei zeigte er auf da« Zimmer, in welchem das Verhör mit Drachholz stattgefunden hatte. Es wurde« an jenem Abend 12—15 Mann mit zur Polizeiwache genommen, und als sie Nachts halb ein Uhr dort ankamen, sahen dieselben DrachholZ dort sitzen, nicht Karten spielen, sondern ganz still für sich. Acht Tag» wurden dieselben Personen wieder vorgeladen, und wieder sitzt Drachhoh da, ganz für sich. Daraus geht evident hervor, daß Drachholz an jenew Abend zur Polizei gegangen ist, und den Angeber gemacht hat. Noih ein Fall: Ein Mann war angeklagt wegen Verbreitung verbotener Schriften; derselbe wurde auf die Poli- zei bestellt vor den P o liz e i k o m m i s s är E n g e l, und wieder warDrachholz anwesend, um denAngeklagte« zu mustern. Nach all' diesen Vorkommnissen kann kein Zweifel darüber bestehe«,- daß wir es in ihm mit einem schuftigen Spitzel zu thun haben. Drachholz hat uatermittlere Größe, schwachen Körperbau, blondes Haar, glattes, mageres, verschmitztes Gesicht. Briefkasten Kur Beachtung. »ach der Expedition: Der Geächtete i. Berge bei Forst N. L. Mk. 2— pr. Ufds. dkd. erh.— Paul Sp.: Mk. 80— h Cto. Ab.»c. nebst Ggrchng. gutgebt. Bfl. Weiteres.— Knurrhahn: Mk. 25— ä Cto. erh. Verl. gutgebr.— Rother Gauccho: Mk. 3— Ab. 1. Qu., Mk. 1— pr. Agfds. und Mk. 1— pr. Ufds. dkd. erh. Grüße allseits erwidert.— Zopyron: Das liegt am Kurs. Haben übrigens mit Mk. 41— den Saldo i pr. 84 gelöscht u. Adr. für O. nach Vorschrift geordnet. Qdm. notirt.-� Frisch auf Lgz.: Adr. geordn. A. u. F. waren eben fort. Weiteres be- sorgt. Bfl. mehr.— Rothe Fahne: Alles dkd. erh. Sonst Wissenswerthes betr. G. erbitten wir.— M. P. Rbg.: In 7 besorgt. Weiteres nach Wunsch. Deckadresse falsch. Wie oft noch?— Dokohama P. St.: Gewünschtes am 8 /3. via Amerika fort. Weiteres pr. P.-K.— Stbrg.: Nachr. v. 7./3. erh. Alles geordn. Bfl. mehr.-- h.: Adr. gelöscht- Warum die letzten Eingänge nicht gemeldet?— Simson: Sch. hat für Sie dorthin und hierher noch nichts bezahlt. Adr. notirt. Weiteres besorgt.— Felix: St. hat aber doch uns selbst damals gemeldet, daß Beipack für Euch aufhöre und deshalb weniger erh. Fbg. ist betr. Sr-. benachr.— Dreyfuß: Verlge. gutgebr. Reklamirtes soll pr. Bfd. längst! besorgt sein. Gewünschtes mit 10 fort.— Moritz: Adr. gelöscht. Erst notirt. Zwilchenhand hat gebockt. Bfl. Weiteres.— Rother Franz: Daran solls nicht fehlen, wenns dementsprechend auch weiterrückt.— Rothbart: Bf. v. 6./3. hier. Bstllg. kommt.— Roland: Bis jetzt von Mrbr. kein Pfennig eingetroffen; auch C. nicht.— Fldhptm.: Rdn. hier. War das Alles? Bitte Dtzd. Lbldr. billigst senden. Weiteres ab'/« nach Wunsch. Gruß!— Rothe Erde: Mk. 6— Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Rückständiges fort.— R. M. in S. durch R. F.: Fr. 20—(darunter Fr. 10— für Annonce) pr. Ufds. dkd. erh. Ins. gelöscht.— L. Hecht. Buffalo: W- Tph. reftirt nur Fr. 1 25. Reagirte auf Anfrage nicht und wurde des« halb mit 31 gesperrt. Für Böh. berechnen gleich Rest bis Ende 3. Qu. 84 mit Fr. 4—; sind also Fr. 4 87 für Ihr Cto. übrig, da 2 Doll. Fr. 1012.— Matilde: Mk. 100— ä Cto. erh. Dzg. erhält nichts auf Ihr Cto., aber Elz., da nicht abbestellt, wie Revision Ihrer Bfe. ergab. Werden Adr. senden, ebenso Ers. u. Weiteres.— I. Schuler S. Fran- zisko: Fr. 5 56 Ab. 1. u. 2. Qu. nebst Agio erh. Aufschluß folgt pr. N.-E.-C. Ztew-Dork.— W. Adf. Mrg.: Fr. 4 75 ä Cto. pr. baar, und Fr. 2 10 Rmtt. gutgebr. Von W. Entnommenes künstig an diesen remittiren. Betrifft Vbhdlg.— Alter Rother: Mk. 32— Baar& Cto. 4. Qu. 84 u. 1. Qu. 85 u. Mk. 2 50 in Ggr. gutgebr. Schft.-N»ta ,c. richtig gestellt. Bf. folgt.— Alte Tannen: Mk. 6— Ab. 1. Qu. erh. Nachlfrg. fort.— I. M. Oberstein: Mk. 4— Ab. bis Ende Juni u. Mk. 1— f. Schst., sowie Mk. 5— pr. Ufds. dkd. erh. Weiteres besorgt.— C. Mz. Zrch.: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. erh.— Dr. V. M. W.: Fr. 5 40 Ab. 2. Qu. erh.-- r—; Mk. 6— Ab. 2. Qu. erh. Versehen geordn. Kompletirung folgt.— Dr. Cs. Bpst.: öwfl. 2 20 Ab. bis Ende Juli erh. Preis pr. Quartal Fr. 2 50 Xbd.— A. R. in B.: Fr. 15— i Cto. erh.— K. Sch. i. Ottenau: Mk. 6— Ab. 2. Qu. erh. u. Mk. 1 10 pr. Ufds. dkd. verwendet.— Ottopfennig ges. im SchweizerhauS Konstanz: Mk. 3 32 erh.— Xlingen ,c.: Mk. 4 56 Fortsetzung d. Otto- Pfennig vulgo„Bismarckspende" pr. Ufds. dkd. erh.— L. I— VI: Mk. 300— 5 Cto. Ab. ic. gutgebr. Adr. geordnet. Bfl. mehr.— New- Jork:(25 Doll.) Fr. 126 60 in Pawl, Wenigmann u. Smiths Cigarren- fabrik f. d. Wahlfos. gesammelt, durch Ohlsen dkd. erh.— Den Bestellern der Winke«nd Rathschläge zur«gitation hiermit zur Nachricht, daß N e u a u s l a g e erst bewirkt werden kann, wenn eine bestimmte größere Anzahl fest bestellt ist. Wir bitten deshalb zur Beschleunigung um allseits umgehend« Bestellung. Di« Expedition des„Sozialdemokrat." Von der M. E. Fink'schen Buchhandlung in Gera(». j. L.) ist zu beziehen:..! 1) Das lebensgroße Porträt Krrd. Laflalle's(Lithographie). Preis pro Stück: 1 Mark. Auf 12 Stück 1 Freiexemplar. Wieder- Verkäufer Rabatt. Lieferung nurgegenbaar oder Nach- nähme. 2) Das Porträt Wilh.«rackr'Z(Holzschnitt, Folioformat). Pr«» Stück: 25 Pfg.__ 5)" 1�4. Samstag. 14. März, Abend« 8 Uhr, im Saale des Restaurant Widder, Rennweg: Gesiefttliche • Kersammlung der deutschen Tagesordnung: «laffeukämpfe In früheren Jahrhunderten. Referent: Bgr. Tauscher. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Lokalaulschuß. CVoXtfrmrtn« fiftf Qn+rtH