Erscheint �»»»««tlich«»«««» tu Zürich(Schweiz). i i vertag der Iii>«lk»duchhandl«»g Hottingen»Zürich. filftitasits franio gegen frank» vewihnlich, Briese »»< der e ch w e t i kosten Doppelpotto. Der KoMldeMkrat .entral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Kvonnemcnts «erden tei allen schwei>ettsche» Postbureaux. sowie beim Verlag und dessen bekannien Agentm entgegengenommen, und>war»um voran», ahlbar«« Lierteljahrlprei» von■ Fr 2,— sstr die Schweiz(«reu>ba»d) Mk 8.— sllr Deutschland ltlouderis p. 1.70 sllr Oestetteich(Souoett) Fr. 2 50 sstr alle übrigen LIndn de» Weltpostverein»band). Znser-tt die dreigespaltene Petltzell« 28 St». 20 Pfg. M IS. Donnerstag, 9. April 1889. 4 s. Da der.Boitaldemokratt sowohl in Dentschland al» anch tn Oesterreich vttbotin ist, b>,w.»ttsolgt wird und die dottigen Ntchirden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Sündern möglichst iu erschweren, resp Briefe von dort an un» Avi» a« die ASonnenlen«nd Korrespondenten des„Soztatdemotrat." als möglich an den.Koiialdemokrat', resp. besten Verlag selbst adresslren, sondern stch möglichst an irgend eine underdächtig« Adreste austnhalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit UN» in Verbindung seht; anderseii« aber, daß B>d unsere Zeiwng». und sonstigen Epeditioneu nach dort abtusangen, so ist die»ußerste vorfich« im Pastverkehr nothwendig und i auch un» möglichst unversängliche Zustellungiadreffen mitgetheilt werden. In iweifelhasten Fällen empfiehlt stch behuf» grösten» »ars keine vorsicht»maßregel versäumt werden, die vttesmarder stbtt den wahren«bsendtt und Empfänger, sowie den Inhalt � Sicherheit Rekommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um troh aller entgegm- .• i»kiiic«jücnajismaBccgci uctsuuuu wcvucn, oic joticiuiucuct huh um«/uyuu•♦wsi.»»«»«.«••••rj»»••o'•>,................—-----•••v. � dv�|... stt Tendungen JU täuschen, und letztne dadurch ,u jchiißen Hauptersorderniß ist hie»» einerseit», daß unstt« Freunde so selten< stehenden Schwittigteiten den.Soji-ldemokrat' unstten Abonnenten möglichst regelmäßig ju liesern e« " Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Unbesiegbarkeit der Sozialdemokratie. 1 y. �arum und wie Herr Schäffle die Kleingewerb treibenden„retten" will. gs weiterer„ungeheurer" Fehler der Sozialdemokratie, meint Hr. Schäffle auf S. 37 seiner Schrift, liegt darin, daß dieselbe 'te'" volkswirthschaftliche Reformfragen, und zwar solche, welche � als das Anliegen eines verhältnißmäßig kleinen Volks- oruchtheils— des JndustricproletariatS— sich erweisen, � aber alle anderen Jntereffen deS ganzen Volkslebens" stellt. An ewer anderen Stelle(S. 85) spricht er von dem Neid von �»höchstens einer Million Jndustrieproletarier", wobei es ch. allerdings unklar bleibt, ob er das Jndustrieproletariat schlecht- �rg oder bloL das„neidische" Jndustrieproletariat auf eine Million Individuen taxirt. Da Hrn. Schäffle die Zahlen der jüngsten deutschen Berufs gt statistir zur Verfügung standen, so hätte man billigerweise von ff'hm eine Gegenüberstellung der verschiedenen in Frage kommenden � �olksbruchtheile erwarten dürfen, welche die wiffenschaftliche Halt- barkeit seiner Eintheilung zu prüfen gestattete; indeß Hr. Schäffle . liebt es nun einmal, mehr andeutungsweise zu sprechen, und so � verzichten wir denn darauf, mit ihm in einen Disput über die :äi Sohl und Bedeutung des Jndustrieproletariats einzutreten, und begnügen uns mit der Konstatirung seines Bestrebens, sie als �Möglichst gering darzustellen. ■i Es gehört das zu seinem System. Wenn nämlich da« Jndustrieproletariat wirklich nur ein so »Seringer Bruchtheil der Gcsammtbevölkerung wäre, und wären xol ferner diejenigen Elemente der Bevölkerung, in welchen die So- zialdemokratie heute ihre natürlichen Verbündeten erblickt, wirklich am Bestand der privatkapitalistischen Gesellschaft intercsstrt, so �äre damit allerdings der Beweis für die„AuSfichtslosigkeit der Sozialdemokratie" erbracht. Darum behauptet Hr. Schäffle Ersteres— ohne uns freilich den Beweis für feine Behaup- lung zu erbringen— und schlägt behufs Erzielung oder Sicherung des Letzteren eine Reihe positiver Sozial-Reformen vor. ' Charakteristischcrweife ist er dabei, wenn er vom Gewerbe bricht, doch ziemlich kleinlaut, um so unerschrockener dagegen, wo � auf den Ackerbau zu sprechen kommt. Sehen wir jedoch zunächst, wie er das Kleingewerbe »rettet". 1s„Selbst im Gewerbe", sagt er S. 25,„wird eine Masse Zerstreuten, gar nicht kontrolirbaren Kleinbetriebe? in Kunst» �ervorbringungen, persönlichen Diensten, Repa» �aturarbeiten immer übrig bleiben." DaS ist eine sehr tröstliche Behauptung, aber weiter nichts. tatsächlich sehen wir heute, daß selbst die sogenannten„Kunst- �ervorbringungen" immer mehr Sache der Großindustrie •Verden. Wer der Entwicklung der graphischen Gewerbe, der �unstlischlerei, der Schmuckwaarenindustrie, kurz aller jener In» bustrien nur einigermaßen folgt, welche in die Rubrik der Kunst» gewerbe fallen, der wird dabei die Beobachtung machen müssen, notaß heute fast jeder neue Zweig dieser Industrien binnen Kurzem . der kapitalistischen Produktion anheimfällt. Dagegen helfen alle„Fachschulen und Zentral-Lehrwerkstättcn" s. Lichts, die Kunstindufirie ist heute so gut wie jeder andere In- �ustriezweig dem kapitalistischen Betrieb verfallen, und wir können Hrn. Schäffle die angenehme Mittheilung machen, daß unsere Partei in den Kreisen der hierher gehörigen qualifizirtesten Arbeiter vielleicht den verhältnißmäßig größten Anhang besitzt. Uns find Wtoe ganze Anzahl Kunst-Industrien bekannt, deren Angestellte •r°tz akademischer Ausbildung den Druck der kapitalistischen Aus- veutung fast noch stärker empfinden, als die Arbeiter der eigent- iichen Großindustrie. Auch die Reparaturarbeiten werden heute vielfach in kapitalistisch organifirten Betrieben, und zwar meist besser und billiger �ausgeführt, als es den Kleingewerbtreibenden möglich ist. TS ist auch •virklich nicht schade, wenn die Flickschuster jc. allmälig aussterben. trs�ielmehr gehört ein eigener Geichmack dazu, für die Konfervirung Vilser prekären Existenzen stch zu erwärmen. Die Zahl der persönlich Dienenden ist allerdings eher im Ab- als im Zunehmen begriffen, aber gerade dieser Umstand lpricht am lebhaftesten gegen die modeme Kapitalgesellschaft. �iese ist es ja, welche immer mehr Leute auS ihrem ursprüng- noiichen zgeruf herausreißt und sie zwingt, sich in dem von Herrn schaffte so heißgeliebten Kampf ums Dasein den hierhergchörigen �hätigkeitSzweigen zu widmen, wo sie übrigens auch oft genug aon Kapitalisten ausgebeutet werden. Wir nennen nur die Be- ß«Mfe hex Kellner, Friseure, Lastträger«. Spaßeshalber sei übrigens hier erwähnt, daß auch Hr. Most jüngst in seiner„Freiheit" in der Zunahme dieser und ähnlicher Berufe ein Argument gegen die Richtigkeit der sozialdemokratischen, speziell der Marxistischen Lehre gefunden zu haben vermeinte. Er ist zu diesem groben Mißverständnisse ebenso legitimirt wie Herr Schäffle. Beide haben ja Marx„popularisirt". Wie kann man von ihnen verlangen, daß sie ihn gelesen haben? Rur für Leute, die noch nicht über Marx hinaus sind, folge daher ein Zitat aus dem„Kapital": „Endlich erlaubt die außerordentlich erhöhte Produktivkraft in den Sphären der großen Industrie, begleitet, wie sie ist, von intensiv und extensiv gesteigerter Ausbeutung der Arbeitskraft in allen übrigen Produktionssphären, einen stet« größeren Theil der Arbeiterklasse unproduktiv zu ver« wenden."(S. 467.) Natürlich sind diese unproduktiven Arbeiter so gut Proletarier al« ihre in den direkten Dienst der Industrie gespannten Brüder; e« ist nur ein kleiner Theil von ihnen, der als Lakaien«. mit dem Dienst auch die Gesinnung verkauft. UebrigenS werden wir gleich sehen, daß auch Herr Schäffle diesen Leuten wie seinen geliebten Kletnhandwerkern gegenüber dem Landfrieden nicht recht traut. Roch ein Hoffnungsstrahl winkt ihm. „Möglich, vielleicht wahrscheinlich—", sagt er S. 76,„bringt wie dem Kleinhandwerk so den Arbeitern der Hausindustrie das herannahende Zeitalter der Elektrotechnik Hülfe I Gelänge es, nicht bloS Wasser und Wärme, sondern auch mechanische Trieb- kraft in kleineu Mengen wohlfeil zu jedem Zimmer zu leiten, so wäre für eine ganz neue Aera de« handwerklichen und haus- industriellen Kleinbetriebs der Boden gewonnen, und zwar durch kollektivwirthschastliche— staatlÜ4-kommunale— Kraftübertrag- ungSaastallen l S-lbstverständli� wäre dam« eine allgemeine Verbesserung der Wohnungsverhältnisse unzertrennlich verbunden. Doch schweige ich; ich müßte befürchten, in den Verdacht der „ZukunftSmuflk" zu gerathen." Hr. Schäffle thut in der That gut daran, zu schweigen, und hätte noch besser gethan, wenn er gar nicht erst von der Elektro- technik zu reden angefangen hätte. Diese soll dem Kleinhand, werker und Hausindustriellen Hülfe bringen! Weiß Hr. Schäffle denn gar nicht, daß wir im Zeitalter der Ueberproduktion leben? Weiß er nicht, daß um irgend eine motorische Kraft, und sei sie noch so wohlfeil, überhaupt nutzbringend verwenden zu können, erst recht Kapital gehört? Kapital in größeren Quan- titäten von Rohstoff, von Maschinen zc. jc. Für die Arbeit, welche mit dem bloßen Meißel, Stichel, Messer u. s. w. verfertigt wird, bleibt der elektrische Motor solange zwecklos, als er nicht eine Maschine treibt, welche diese Arbeit von nun ab verrichtet, und jede Arbeit, welche durch Maschinen verrichtet wird, ist unrettbar an den Großbetrieb verloren. Da die Elekttotechnik der Fabrik nicht nur ebenso gut, sondern obendrein noch bil- liger— weil der heute noch sehr erhebliche Kraftverlust bei der Leitung des Stromes von der Zenttalstelle bis zur Werkstatt hier in Wegfall kommt— zur Verfügung steht, als der Haus- oder Wcrkstatt-Jndustrie, so ist an eine Verbesserung der Kon- kurrenzbcdingungen der letzteren gegenüber der Fabrik gar nicht zu denken. Die Elektrotechnik kann in wirthschaftlicher Beziehung nur zwei Wirkungen haben. Die eine haben wir hier schon angedeutet: Vermehrung der Ueberproduktion, die zweite heißt Beschleunigung deS UebergangS der Klcinindustrie zur Fabrik- und Großindustrie. Die revolutionärste technische Eni- deckung der Neuzeit wird auch, weit entfernt, der wirthschaftlichen Reaktion Vorschub zu leisten, sich alS Hebel der sozialen Re- volution erweisen. Wir übergehm eine Reihe von Maßregeln, durch welche Herr Schäffle der Hausindustrie zu Hülfe kommen will, weil sie sammt und sonder« nicht über das hinausgehen, waS nicht schon oft, meist sogar von liberaler Seite, vorgeschlagen wäre. Ihm eigenthümlich ist hier nur die Hoffnung, durch Einbeziehung in den Verstcherungszwang und durch gesteigerte Ansprüche der Bau- und Wohnungspolizei die Lage der Arbeiter der Hau»- Industrie heben zu können, sowie die etwas nebelhaft angedeutete Krisenversicherung, bei welcher die Untemehmer, darunter nament- lich auch die„Verleger" der erwähnten Hausindustrie, die„Last einer Erwerbsstockung für eine gewisse Zeit zu tragen haben" sollen. Ein schöner Gedanke, der aber in der Kapitalgesellschaft schwer- lich realistrt werden wird. Alles Uebrige sind Schulzereien: Bezug deS Rohstoffes im Großen, Spar- und Kreditbanken, Fachschulen jc. jc. Zwischen all' diesen Vorschlägen begegnen wir aber immer dem Hinweis auf ein letztes AuSkunftsmittel: die AuSwan- derung. „Erleichterung der Auswanderung"(S. 78), „Positive Unterstützung der AuSw an der» ng"(Seite 75)— man sieht, Hr. Schäffle ist seiner Sache sehr wenig rcher, trotzdem er auf S. 74 beruhigend ausruft:„Auch der Handwerker- und Kleinhandelsstand wird der Sozialdemokratie | nicht dauernd zur Beute werden."„Ein großer Theil desselben", sagt er gleich hinterher,„wird lebenskräftig bleiben oder(1) auswandern— leider vergißt Hr. Schäffle, hinzuzusetzen, wo« hin!—, ein anderer Theil, der in die Reihe der Lohnarbeit— im Ganzen(!) ohne Verschlechterung— übergeht, muß durch die dem Proletariat gebührenden Reformen bezüglich der Einkommens- bildung zufriedengestellt werden." Run, das klingt nicht gerade sehr erbaulich für das Kleingewerbe. Wider seinen Willen muß Hr. Schäffle hier zugeben» was er immer Miene macht zu bestreiten: das Verschwinden de« soliden Mittelstandes. Und daS passirt ihm noch öfter. So sagt er auf S. 98: „Vor Allem sei bemerkt, daß die ganz entschiedene Richtung auf Großbetrieb, welche der Detailhandel angenommen hat" je. je. Und auf S. 93 empfiehlt er gar: „Die Konkurrenz der Konsumvereine und der Volksküchen ist nicht blos zu hindern, sondern zu begünstigen. Die Gemeinden seien ermächtigt und ermuntert, gegen das Koalitionsmonopol, welche? die Fleischer und Bäcker selbst in Weltstädten handhaben, direkt oder durch Unterstützung gemeinnütziger Vereine in Kon» kurrenz zu treten. Mit Recht ist jeder Proletar indignirt, wenn er von einem Sinken der Waizenpreise hört, das den Bauern ruinirt, während die Brodpreise niemals sinken wollen. Der Detailhandel— LexiS hat es in klassischer Weise nachgewiesen— ist es, welcher am meisten verschluckt, ohne doch— bei seiner Uebersetztheit und bei seinem Betrieb in überzahlten Miethlokalm — selbst fett werden zu können. Hier muß Wandel geschafft werden, wenigstens soweit eS die einfachen Qualitäten und die wenigen Objekte des Massenverbrauches betrifft, durch Konkur- renz vou Gemeinde- und VereiuSaustalten, nöthigensull» durch Einschränkung der Verkaufsstellen und durch gemeindliche Erwer- bung der letzteren, ohne welche Maßregeln ein zeitgemäßes Tax» wefen nicht ausführbar sein dürfte." WaS bleibt also da von seiner Rettung deS Kleingewerbes übrig? Wenig mehr als der fromme Wunsch. Er vergißt sogar, daß daS sogenannte Handwerk heute vielfach nur noch durch Ueber- theuerung des Publikums, gegen die er sich so entrüstet wendet, sein Dasein fristet, daß der Handwerker oft mehr ein verkappter Händler ist als ein Produzent, und schlägt selbst die Mittel vor, die es demselben unmöglich machen, seine Rolle weiter zu spielen— um das Handwerk zureiten, ruinirt er den Handwerker. Hoffen wir, daß er mit den Bauern glücklicher ist. Aus dem Soldatenleben im Frieden. Jn's Stammbuch des Herrn Bronsart von Schellendorf. Zum Thema der Soldatenschinderei in Deutsch- l a n d erhalten wir aus Minden von einem„ehemaligen Soldaten der ersten Kompagnie des 2. westphälischen Infanterieregiments Nr. IS die nachstehende Zuschrift, die wir selbstverständlich unter aller Reserve hiermit zum Abdruck bringen: „Geehrte Redaktion! Ich wende mich an Sie, weil ich überzeugt bin, daß Sie es sür Ihre Pflicht halten» in jeder Beziehung diejenigen Dinge an's Licht zu ziehen, für welche es in Deutschland unter den heutigen Preßverhältnissen keine Tribüne gibt. Man liest zwar in deutschen Blättern auch ziemlich häuftg von Soldatenmißhandlungen, aber im Gan- zen kommt Doch kaum der zehnte Theil derselben zur öffentlichen Kenntniß. Und warum? Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. So lange der Soldat direkt oder indirekt noch unter der Militärkontrole steht, scheut er sich, öffentlich als Zeuge gegen die Vorgesetzten aufzutreten, und ist er endlich aus der Landwehr heraus, so sind die betreffenden„Fälle" natürlich veraltet. Gestatten Sie mir daher, Ihnen aus meiner Dienstzeit einige Vorkommniffe zu erzählen, die ein charakteristisches Licht werfen auf die Art, wie man in Preußen die Söhne des Volkes in der Zeit behandelt, wo sie ihrer schweren Militärpflicht nachkommen. Im Jahre 1877 befand sich unter den eingetretenen Rekruten unserer Kompagnie der Musketier Hamann. Derselbe war nicht so gewandt, um die zu erlernenden Uebungen zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten auszuführen, und auch sonst mochten dieselben wohl kein Gefallen an ihm finden. Der Gefreite H o ch b a u m(derselbe war Kapitulant und hatte seine imlitärische Ausbildung in einer Unteroffiersschule genoffen) beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Ausbildung des Hamann. Was dieser arme Mensch von dem genannten Streber gemartert und geschunden wor- den, spottet jeder Beschreibung; die einzelnen Fälle auszuzählen, würde bis ins Unendliche führen. Wenn der gewöhnliche Rekrutendienst außerhalb der Kaserne beendet war, dann begann für Hamann der viel schlimmere Dienst in brutaler Weise in der Stube, aber nicht in der Absicht, ihm etwas zu lehren, sondern ihn zu peinigen. Des Mittags mußten wir auf dem Kor- ridor antreten, woselbst je acht Mann abgetheilt wurden zur Empfang- nähme einer großen Schüffel Mittagesien, deren Inhalt wir dann unter uns vertheilten. Natürlich erschien dann auch Hamann, um sein Mittag- essen in Empfang zu nehmen, er wurde aber von Hochbaum häufig mit den Worten in die Stube geholt:„Ah Hamann, Du willst auch etwas zu essen haben? O nein, komm nur herein, wir wollen lieber exerziren. Wenn Du einmal exerziren kannst, bekommst Du auch etwas zu essen." Während der Mittagspaus«, und in der Stube überhaupt, mußte der arme Teufel dann mit einem hölzernen Schemel, einem alten Bajonettir« gewehr oder dergleichen allerlei Uebungen machen, bis ih» der Nachmit- tagsdienst von diefer Qual erlöste, welchen er dann antrat, ohne Mit- tags etwas genossen zu haben, um nach beendigtem Dienst seine Uebungen in der Stube fortzusetzen. Ueberhaupt war das Essen Nebensache bei Hamann, er mußte seine Nahrung oft heimlich herunterschlucken, sobald er eine Zeitlang unbeobachtet war; dagegen bekam er Faustschläge, Stöße mit dem Gewehr und dergleichen im Ueberfluß. So ging es wochenlang Tag für Tag; zum Arzt wurde Homann ein- fach nicht zugelassen, wenn er sich krank melden wollte. Der stärkste und gesundeste Körper hätte jedoch solcher Schinderei keinen dauernden Wider- stand leisten können. Homann war denn auch schließlich infolge von Hunger und Schinderei so abgemagert, daß er fast einem Skelett glich; an einzelnen Stellen war er von den Schlägen und Stößen an Körper, Armen und Beinen so angeschwollen, daß es ihm zur Unmöglichkeit ge- worden war, noch Dienst zu verrichten, und so mußte er endlich doch ins Lazareth. Hier sahen denn nun die Aerzte selbstverständlich, was mit Homann vorgegangen war, und auf Befragen theilte er ihnen alsdann auch Näheres über seine Behandlung mit. So kam die Sache vom Lazareth aus zur Meldung; der Gefreite Hochbaum wurde vors Standgericht ge- stellt, sämmtliche Soldaten, welche mit Homann aus der gleichen Stube einquartirt waren, wurden eidlich als Zeugen vernommen, und— Hoch- bäum darauf zu 10 oder 14 Tagen sich weiß es nicht mehr genau) gelindem Arrest verurtheilt. Hamann wurde, nachdem er mehrere Wochen im Lazareth zugebracht, als dienstuntauglich entlassen, und wieder einige Wochen später erfuhren wir, daßHomann in seinerHeimat ge starben sei. Sie haben ihn buchstäblich zu Tode geschunden! Derselbe Hochbaum ließ den Musketier Schallück eines Tages auf dem Scheibenstand mit Gewehr und 15 Pfund Sand im Tornister durch eine Vertiefung so lange hin und herlaufen, bis derselbe ohnmächtig zusammen- stürzte. Dem Musketier Dünermanu schlug der Sergeant S ch e w e mit einem Stiefel, dessen Absatz mit Eisen beschlagen war, ein Loch in den Kopf, derart, daß Ersterem das Blut auf die Drillichjacke tröpfelte. Dünnermann hatte den Vorfall gemeldet, aber auf flehendes Bitten des Schewe seine Meldung wieder zurückgenommen. Eben dieser Sergeant Schewe ohrfeigte eines Tages den Musketier Lange III derart, daß das Gehör stark beschädigt wurde. Lange wurde von einem Lazarethgehülfen ohne Wissen der höheren Vorgesetzten be- handelt, worauf sich sein Gehör etwas besserte; er war jedoch sein« ganze Dienstzeit hindurch noch schwerhörig. Der Musketier Schopmeier wußte auch allerhand Klagelieder zu singen über die vielen Prügel, die er bekam. Schewe hat sogar einmal einen Besenstiel aus ihn in Stücke zerschlagen. Schopmeier lief schließlich da- von; da er sich aber nirgends sehen lassen durfte, trieb ihn der Hunger nach vier Tagen wieder zurück, und erhielt er für sein Ausbleiben 10 Tage Arrest. Auch der Feldwebel S ch m ö e theilte fleißig Ohrfeigen aus, mitunter war er sogar so gemein, den Leuten ins Gesicht zu spucken. Das sind Erfahrungen aus meiner Dienstzeit, und ich habe keine Ur- fache, anzunehmen, daß es seitdem besser geworden."— Soweit der Einsender, dessen Namen wir selbstverständlich hier nicht folgen lassen können. Wir unsererseits enthalten uns jeden Kommentars. Die Thatsachen, die hier mitgetheilt werden, sprechen eine so beredte Sprache, daß jeder Zusatz nur abschwächend wirken kann. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, S. April 1885 —«. DieProklamirung des Belagerungszustandes in Bielefeld würde vollkommen unerklärlich sein, wenn nicht Bis- marck durch sein ganzes Handeln seit 1878 uns den Schlüssel dazu ge- geben hätte. An sich betrachtet, ist die Maßregel absolut sinnlos. Kein Ausruhr hat stattgesunden, nicht einmal ein Akt von sogenannter Wider- setzlichkeit— ein Menschenzusammenlauf, wie er in der W a h l z e i t hundertmal viel tumulluarllchcr»orgeiomme» ist, ohne dusj irgend Je- mand der Sache ernstliche Beveutung beigelegt, an eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung gedacht hätte. Was ist geschehen? Wir haben die Vorgeschichte bereits in voriger Nummer mitgetheilt. Arbeiter irgend einer Fabrik hatten eine Differenz mit ihrem„Brodherrn", der ihnen hinterlistigerweise die Löhne zu kürzen suchte. Daß dieses wirklich der Fall, wird von keiner Seite geleugnet. Daß die Arbeiter über ein sol- ches Verfahren erbittert sein mußten, ist ebenso natürlich, als daß sie keine Lust hatten, es sich gefallen zu lassen. Der fanatischste Bourgeois wird nicht leugnen können, daß ihre Erbitterung eine berechtigte war. Gut— die Arbeiter legten die Arbeit nieder. Dazu hatten sie nicht nur ein Recht, sondern sie hatten auch das Gesetz auf ihrer Seite. Trotz ihrer Erbitterung ließen sie sich zu keiner vom Gesetz verbotenen Handlung hinreißen. Und Alles wäre in Ruhe verlaufen und schließlich aller Wahrscheinlichkeit nach eine gütliche Einigung zu Stande gekommen, wenn der fragliche Fabrikant nicht einen Schritt gethan hätte, der die Leidenschaften entfesseln mußte. Er wandte sich an den bekannten Pastor Bodelschwingh, den patriarchalischen Gründer der famosen„Ar- beiterkolonie" W i l h e l m s d o r f, bat ihn um die Darleihung„billiger Arbeitskräfte", welche sofort an Stelle der streikenden Arbeiter einge- stellt wurden. Dies schlug, um einen volksthümlichen Ausdruck zu gebrauchen, dem Faß den Boden aus. Die streikenden Arbeiter durchzogen die Stadt und machten vor dem Hause und der Fabrik des musterhaften Arbeit- gebers lärmende Demonstrationen. Das war ein Verstoß gegen die polizeiliche Ordnung der Dinge, jedoch ein Verstoß, der in den Verhält- nisseu seine genügende Entschuldigung findet, und obendrein höchst harm- loser Natur war. Hätte die Polizei die aufgeregte Menge zu beschwich- tigen gesucht, so würden die Arbeiter sich bald zerstreut haben. Statt dessen schritt sie mit provozirender Brutalität ein, schlug ohne ein Wort der Warnung auf die dichtgedrängte Menge los, und bei dieser Gelegen- heit wurden einige Steine geworfen, die ein paar Scheiben zertrümmer- ten. Dies war das Signal zur Requirirung von Soldaten, und zur Veranstaltung einer Metzelei, für die es keine Entschuldigung gibt. Viele Personen wurden durch Säbelhiebe und Bajonettstiche verwundet; und daß keine Menschenleben zum Lpser sielen, ist ein Wunder, welches sich einzig aus der Thatsache erklärt, daß die überraschte, an keinen Wider- stand denkende Menge in möglichster Eile das Feld räumte. Und dennoch hinterher, als die Leidenschaften sich abgekühlt hatten und keine Kollision mehr zu befürchten war, die Proklamirung des Be- lagerungszustands, also des Kriegsrechts, des St and rechts! Wie ist das zu erklären? Aus der Kopflosigkeit des Regierungspräsi- deuten, wie die über die Maßregel selber erstaunte Bourgeoispreffe meint? Nein! Wer die preußische Bureaukratie und Regierungsmechanik kennt, weiß, daß keine Lokalbehörde einen solchen Schritt thun kann, ohne vor- her in Berlin„an höchster Stelle" angefragt zu haben.„Die höchste Stelle" trägt die Verantwortlichkeit, und„die höchste Stelle" heißt Puttkamer und Bismarck— Beide ein Herz und eine Seele, ungeachtet der fortschrittlichen Mythe von den Friktionen, die zwischen den zwei biederen Vettern obwalten sollen. Kein Zweifel, von B e r l i n aus ist die Entscheidung getroffen, der Belagerungszustand über Bielefeld verhängt worden. Bismarck nebst seinem Puttkamer hat seit Jahren kein anderes Ziel, als um jeden Preis das Staatsruder in der Hand zu behalten. Und dazu ist vor Allem nothwendig, daß er seine Unentbehrlichkeit beweist, und dem Kaiser, sowie dessen demnächstigem Nach- io l g e r und dem Spießbürgerthum die innere Lage Deutschlands als ußerst gefährlich darstellt. Das„rothe Gespenst" muß da seine Dienste thun. Anarchisten, Dynamit, Verschwörungen, Attentats und— Be- lagerungszustand, das gehört zusammen. Auf der einen Seite Plebis- z i t e, durch welche die Popularität des„großen" Otto nnd seiner Sippe »d oculos demonstrirt werden soll; auf der andern Seite das theatra- lisch-polizeilich ausgeputzte„Rothe Gespenst", das nur vom„großen" Otto und seiner Sippe gebannt werden kann— das ist Bismarck'sche Regierungskunst. Der Bielefelder Belagerungszustand ist nur die F o r t s e tz u n g der Leipziger Hochverrathsprozesse, des Niederwald-Attentats und der Köpfung des Reinsdorf— und gleichzeitig die würdige Ergänzung der Plebiszitfarce des I.April. Hinterher freilich, nachdem der Belagerungszustand erklärt war, ist es in Bielefeld zu ernstlichen Exzessen gekommen. Das heißt, wenn man den Zeitungs- und Telezraphennachrichten Glauben schenken darf. Es wird ja telegraphisch noch unverschämter gelogen, als wie gedruckt. Wir wollen aber annehmen, es sei diesmal nicht gelogen worden, und die Brandstiftungen in Bielefeld hängen wirklich mit dem Bielefelder Streik zusammen. Was wäre dann die Schlußfolgerung und Moral? Daß der Belagerungszustand berechtigt wäre? Mit Nichten! Wie kann eine Handlung durch ein erst später eintretendes Ereigniß, das im Moment der Handlung unmöglich vorauszusehen war, gerecht- fertigt werden? Das ist ein einfacher Widersinn. Nein— die Wilhelms- dorfer Brandstiftungen bilden nicht eine nachträgliche Rechtfertigung des Belagerungszustands. Dagegen wird es umgekehrt bei einigem Ueber- legen einem jeden Unbefangenen wahrscheinlich werden, daß die Wil- helmsdorfer Brand st iftungen durch den Belagerungs- zu st and herbeigeführt worden sind. Daß die Verhängung des Belagerungszustands Oel ins Feuer gießen und die erregten Leidenschaften noch mehr aufstacheln mußte, das ist einfach selbstverständlich. Nur wer die menschliche Natur nicht kennt, kann das leugnen. Die neueste deutsche Geschichte bringt Belege in Masse für die ausreizende Wirkung der Gewaltspolitik. Daß das Sozia- listengesetz die Stellmachereien erzeugt hat, wird nur noch von Spitzeln und Spitzel-Gläubigen bestritten. Das ist ja eben das Verderbliche ge- waltsamer Repreffion �Unterdrückung)— der Gewaltspolitik, daß sie die Neigung zu Gewaltthätigkeiten, gegen welche sie sich angeblich richtet, entweder erzeugt oder doch st e i g e r t. Die telegraphirten Brand- stiftungen in Wilhelmsdorf sind unzweifelhaft die Folge des Be- lagerungszustands, und— wir stehen nicht an zu sagen, eine Folge, welche den Intentionen der Urbeber des Biels- felder Belagerungszustands entspricht. Die Bismarck'sche Wirthschaft ist auf einem Punkte angelangt, wo sie nur noch durch Schwindel aller Art, wozu auch das„Rothe Gespenst" gehört, erhalten werden kann. Und zur Fütterung des„Rothen Gespensts" sind außer Attentaten und anderen schönen Raub- und Mördergeschichten auch Brandstiftungen vortrefflich geeignet.) — D i e B i s m a r ck f e i e r hat in Deutschand zu wahrhaften Orgien des Wahnsinns Veranlassung gegeben, und gerade Die- jenigen haben sich dabei am tollsten geberdet, welche sich mit Vorliebe als die„Elite der Nation" bezeichnen. Wenn der Kriegervereinler, der Zünftler, der„nationale" Student vor Bismarck im Fackelzuge auf- marschiren, so wird sich darüber Niemand alteriren: wer an Bismarck glaubt, der mag ihn auch seiern; überaus jammervoll aber war es mitanzusehen, wie die Männer des Wiffens, der Wiffenschaft, nicht nur sich selbst vor Bismarck in den Staub warfen(auch ihnen kann man dieses Vergnügen nicht versagen), sondern sich auch noch die erdenklichste Mühe gaben, das deutsche Volk möglichst h e r a b z u d r ü ck e n, um nur ja den Heros Bismarck zu erhöhen. Du weißt Alles, Du bist Alles, Du hast Alles verrichtet, wir sind nichts vor Dir, so ertönte es in unzäh- ligen Variationen aus dem Munde dieser Herren. Von den unzähligen schlechten Gedichten, in denen die Größe Bismarck's besungen wurde, stammen die abgeschmacktesten aus der Feder der namhaftesten der zeit- genössischen Dichter. Kein Quartaner könnte überschwänglichere und dabei g-dankenärmere Verse zusammenschmieden, als sie z. B. Herr Oskar von R e d w i tz in der„Münchener Allgemeinen" zum Besten gibt. Man höre nur: „Zwar gewaltig bist Du, willenserzen, Doch auch menschlich fühlst Du mit im Herzen, Deutscher Arbeit schutzbedürft' ge Roth! Nicht das Uebel trügerisch vertuschen, Nicht die Heilung stümperzag verpfuschen— Gründlich helfen ist Dir Staatsgebot. Ob es Dir gelingen wird, wer weiß es? Doch schon der Versuch ist werth des Preises, Denn der Erste bist Du, der's versucht— Trotz dem Haß und Nörgeln Deiner Feinde, Tief im Herzen deutscher Volksgemeinde Bleibt auf ew'ge Zeit Dein Ruhm verbucht." Der Blödsinn ist hier so groß, daß er eine Analyse gar nicht ver- trägt: „Ob es Dir gelingen wird, wer weiß es? Doch schon der Versuch ist werth des Preises."— Man glaubt, irgend eine der trivialen Parodien Moritz Busch's zu lesen, aber nicht ein ernstgemeintes Gedicht eines Mannes, der immerhin etwas vom Dichten verstehen sollte. Der Schluß bringt natürlich den Höhepunkt des Blödsinns: „Wenn auch des Parteigrolls Stürme wehen, Manche Freudenblume muß vergehen, Und manch' Herz durch düstern Haß vereist: Nie doch soll, selbst nicht in fernsten Tagen, Löki unser Baldur-Reich erschlagen!— Das verhüt' uns einst— als ew'ger Geist!" Es genügt Herrn Redwitz nicht, Bismarck bei Lebzeiten als Vorsehung des deutschen Volkes zu seiern, derselbe soll auch noch nach seinem Tode das„Baldur-Reich" als„ewiger Geist" umschweben, damit der„Loki des Parteihaders", den Niemand bekanntlich mehr gefördert hat, als Bis- marck selbst, es nicht„erschlage". Wie banal! Und auf gleichem Niveau bewegt sich das Bismarck-Lied Paul Heyse's. Auch der Dichter der„Kinder der Welt", der in der Literatur just das Gegentheil von dem verficht, was Bismarck hätschelt, muß sich zu einem Hymnus auf denselben hergeben. Es war ein wahres Weit rennen in byzantinischer Speichelleckerei, ein Bachanale der K n e ch t s s e l i g k e i t, das als ein Schandfleck in der Geschichte des deutschen Volkes verzeich- net werden müßte, wenn sich nicht die von ihm ferngehalten hätten, von denen in diesen Tagen so viel geredet wurde— die Arbeiter- Massen. In derselben Nummer der Münchener„Allgemeinen", welche das wun- derbare Gedicht von Redwitz enthält, befindet sich auch ein Bismarck ver- herrlichender Artikel, der gleichfalls typisch ist für die Verheerung, welche der Bismarck-Wahnstnn in den Köpfen unserer Dichter und Denker an- gerichtet. Ja, der D e n k e r— Franz v. Löher betitelt er sich— über- bietet den Dichter noch an Geschmacklosigkeit. Nach ihm sind die Deutschen außer Bismarck eine Nation von Eseln, wären also auch ohne ihn, den Großen, Unerreichten, eine Nation von Eseln geblieben. Und weshalb? Weil er sie gelehrt hat, Prinzipien und Ueberzeuguugen mit Füßen zu treten, und nur nach„erreichbaren" materiellen Erfolgen zu streben. „Und wenn den Aelteren unter uns," heißt es wörtlich,„noch etwas anhängt von jener trüben Zeit, wo man den Hohn der Dänen, den Uebermuth der Franzosen, die freche Meeresherrschaft der Engländer, den rohen Druck der Russen ertragen mußte, ja sie selbst für berechtigt hielt, weil in Deutschland das Wort unfrei war und des Volkes Recht und Ehre verachtet— wenn jene noch immer für Besserung und Fortschritt der öffentlichen Zustände gar zu viel(!!) von humanen Gründen und Berfassungs- formen erhoffen— die junge Welt in Deutschland wird anders gedeihen. Es ist ganz unmöglich, daß die gewaltigen Thaten unserer Heere, die zündenden Worte unserer Helden nicht in die Gemüther der Jugend eingreifen und in ihnen emporwachsen zu praktischem Erkennen und Wollen. Wenn an diese Jünglinge die Zeit des Handelns heran- kommt, so werden sie die riesigen Gefahren, die uns umlagern, und die s ch ö n e n E r b s ch a f t e n,(!!) die uns winken, richtiger beurtheilen und, um jene abzuwehren und diese zu gewinnen, von englischem Schwer- gewicht, von französischer Keckheit und von russischem Zugreife r- t a l e n t(! l) etwas mehr entwickeln als zur Zeit bei uns gebräuchlich. In der That, das verspricht ja reizend zu werden. Was Recht und Gesetz! was humane Grundsätze!— zugreifen, das ist die Hauptsache, da liegt das Heil. Nehmen ist Christenpflicht. Nun, es läßt sich nicht leugnen, daß Bismarck in diesem Punkte nach jeder Richtung hin Be- deutendes geleistet hat. Wir wollen es dahingestellt sein laffen, ob er das„Zugreifen" als Gesandter in Petersburg an Ort und Stelle gelernt hat, jedenfalls hat er in seiner Wirthschaftspolitik den Beweis abgelegt, daß es nicht nur auf die äußere Politik beschränkt werden darf. Auch im Inneren heißt es: zuzugreifen, wo man kann. Hat man die„Klinke der Gesetzgebung" in der Hand, so benutze man sie und drücke Kornzölle, Holzzölle— Alles durch, was einbringt! Nur keine Grundsätze, das ist das größte Uebel. Niemand soll mehr das Recht haben, uns Deutsche eine Nation von Idealisten zu nennen. Darum auch weg mit den Träumen von Aufhören der alten Kabinett Politik, von einem Ende der Aera der Eroberungskriege. ---„Wie fein brachte Bismarck den Tiefversteckten(Napoleon ID- dazu, all' die Absichten, wie und was er unter dem Titel Kompensation nen für Preußens Anwachsen von Deutschland, gleichwie von Jtalinv Nizza und Savoyen abzureißen gedachte, zu enthüllen, ohne sich selbj nur durch ein einziges Wort zu binden— wie nett(ach, wie nett! wußte er ihn auch in der Luxemburger Frage hinzuhalten— wie hüb!? ließ er ihn endlich anlaufen gerade an einer dynastischen Idee, wo allen Deutschen sonnenklar wurde, daß der freche Nachbar nur auf Rani und Demüthigung ausgehe! Der französische Kaiser hatte in den Leo Handlungen mit Bismarck so sicher aus süddeutsche Sympathien gerechnet ö schlau waren die Netze auch von Rom her gesponnen, welche Sil! Zeutschland fesseln sollten, allein König Ludwig' s Evelmuth ließ st nicht beirren, und vollständig wurden all' die sauberen Pläne zu Waffer Unsere Nachkommen werden in den Welthändel« unserer Tage noch viele solche Stückchen deutsch«! Politik lesen und ein köstliches Behagen dabei e« p finden." Unsere Nachkomme» werden hoffentlich über die Gaunerpolitik der zün' tigen Diplomatie ein ganz anderes Gefühl empfinden, als„köstliche« ;en". in jeder Schuld t irägerei dadurch, Lüge der Rechtes Jugend' bilder, v heiten u, Nicht, vo sie sich r reißen, s An ih zeitigt, s der mod> ist ein Z — Wer da hat, dem wird gegeben. In gut reichstreue Blättern lesen wir: Die dem Reichskanzler überreichte Mittheilung ds Zentralkomites für die B i s m a r ck s p e n d e lautet: „In Gemäßheit der Nr. 1 des Beschlusses des ausführenden Zentra! komites vom 23. März 1885 stehen bei der Haupt-Seehandlungskak zum Ankauf des Rittergutes Schönhausen II. verfügbar 1,150,000 V« Ferner sind durch seither erfolgte Nachtragszcichnungen mit der B« stiiiimunz zur Tilgung der vorhandenen Hypotheken in Gemäßheit de Nr. 3 des Eingangs bezeichneten Beschlusses sicher gestellt 350,000 AI so daß das vorbezeichnete Rittergut schuldenfrei den Gegenstand Ehrengabe bildet." „Das Gut ist rund 6000 Morgen groß und vergrößert den Grw besitz des Kanzlers um etwa 8 Prozent seines bisherig« U m f a n g s. Die nun vereinigten beiden Rittergüter Schönhaist bilden mit den vor einigen Jahren vom Kanzler zugekausten Baul Höfen etwas über 8500 Morgen, während die Bauern von Schönhauj etwa 9500 Morgen besitzen. Dabei wurde bei der Grunosteuerverwalti in der Mitte der sechziger Jahre der bäuerliche Grundbesitz von Seh Hausen auf einen durchschnittlichen Grundsteuerreinertrag von 45 Gros- abgeschätzt, während auf das bisher Gärtner'sche Gut 26 Groschen du: schnittlich fielen. Der Besitz des Reichskanzlers in Pomm« mag über 32,000, der in Schleswig- Holstein- Lauenburg über 33/ Morgen betragen. Da der Fürst auch die Herrschaften Varzin w Schwarzeneck durch Zuläufe von Bauerngütern vergrößerte, mag vo> jetzt ab sein gesammter Grundbesitz 3% Quadratmeilen betrage» davon mögen 2l/i Quadratmeilen Wald sein." Also das 1«/, Millionen-Gut vergrößerte den Grundbesitz des FürfW um 8 Prozent seines bisherigen Umsangs? Da hat man ja ein«« annähernden Maßstab, wie viel der große Otto jetzt„werth" ist. De»« wenn auch auf dem Varziner Besitzthum einige Hypotheken stehen möge« so kommt dagegen zehnfach in Betracht, was der Anwalt der Millm näre bei seinem lieben Freund Bleichröder in Papierches angelegt h»' Kurz, man geht schwerlich fehl, wenn man Deutschlands Kanzler«»« einige 20 Millionen abschätzt. Für den Mann mußte allerdings geschnorrt werden. berg ft .„Im! sür die Schilder: h°f. ß °uf gute «>- Foni g-sührt, hauptsta «sngetrac Saat ni> Ferne li Nnahm Rissi. «st da. „Hebe nun Fol „In' b-schästi- Stubben W R a fi uingej gestochen 3» ck e> Land bei °'e Kolo öiNgeger w't null fei dene befürchte den Unt Rerwenl bedenklic Uns- Sstpreus so ver— Provi Dresl rnetn zu «Heilung, «bieder i sind ihn «esponde heim? Schmi «Nonn' bazu„li - D Ohl Die deutsche Jugend, das heißt die offizielle, Jugend unserer herrschenden Klaffen, ist nicht nur hochpatriotisch, so« dern auch von christlich-religiöser Gesinnung beseelt— wenn man' nämlich in ihren Versammlungen hört oder ihre Proklamationen li Was es ober mit diesem Christenthum in Wahrheit auf sich hat, t hat sich in Berlin am vergangenen C h a r f r e i t a g wieder einw» recht deutlich gezeigt. Wenn ein Tag im ganzen Jahr dem gläubig«« Christen heilig sein muß, so doch sicherlich der, an welchem das Andenk«« an die Kreuzigung seines„Heilandes" gefeiert wird, und wenn es d«s Herren Studenten Ernst wäre um ihre„sittliche Entrüstung", wenn dies nicht blos der Deckmantel wäre für den erbärmlichste»«goismns, da»» müßten sie am Charfreitag gemeinsam mit denen, die aus Unwiffenh««! nls Ein dem Religionsmythus glauben, in Sack und Asche Buße thun. Mit j»1'•Irem«! cher Zumuthung käme man aber bei den Herren schön an. Man ho«« Rummei nur einen Berichterstatter der Berliner„Volkszeitung": Stuhl v ....„Und wie stellt sich gerade jene moderne Jugend erhebend welche im Schlepptau der Priester des chrtstlich-nationale« Und Staates marschirt, und für welche die„Kreuzzeitung",„Post gethan. und„Reichsbote" ihre salböltriefenden Feiertagsartik«' schreiben zu diesem ernsten Feste? Beherzigt sie die Lehren, welche do« n."T" mit weisem Munde gepredigt werden? Wer das Gegentheil bew««''"«cht; sen haben wollte, der konnte sich die bequemste Anschauung davon a» �«uusant dem Spandauer Bock verschaffen. Eine Fülle von Menschen, n» Sterin sie sich gestern dort draußen zusammendrängte, ist selbst für Berlin«~„Noch Verhältnisse unerhört. Trotzdem in der Brauerei ein nicht uns« j*?«'«« hebliches Eintrittsgeld erhoben wurde, war schon der Eingan n° Nie zu derselben nur mit hartnäckigster Ausdauer zu erkämpfen und drinnch a r«k 1 im Garten schob sich die Menge, in dichte Knäuel geballt, nur langsa» �umsgc vorwärts. Kaum eine Stelle, wo man frei athmen, wo man der koß /'o mit lichen Aussicht einen flüchtigen Blick widmen konnte. Es war in d» S.®«"'1 That kein„sogenannter Genuß" mehr, und die Art und Weise, wie die« Uchtes" Massen den Zustand des Vergnügtseins zu markiren suchten, trug keines al wegs zur Erhöhung des Behagens bei. Freilich, die Musik w»®" verboten und damit dasPrinzip gerettet, aber sie wurd �tatt H mehr als ersetzt durch den barbarischen Lärm, der aus tauseif L. i und abertausend Kehlen zum Himmel stieg. Die Bürger Berlins, d««"an vo mit Kind und Kegel in drangvoll fürchterlicher Enge eingekeilt an d«>«r5 gl Tischen saßen, betheiligten sich nicht an diesem Schreien und Toben, hi»® eßten wurde nur der ungeduldige, zornige Ruf nach den athemlosen KellneK laut, die nicht im Stande waren, das allgemeine Verlangen nach Speis und Trank auch nur annähenzd zu befriedigen. Es war wieder unse» ttuÄ ■■■•~■"' in diefpr Nleil« »Zu UHU UUU/ UUV(JV* VV| Vi/»»WUV evvvvv*. liebenswürdige Jugend, welche ihrem Humor in dieser Weis freien Lauf ließ. Sowie sich ein weibliches Wefen sehen ließ, wurde«* yX®" mit tausendstimmigen Ah's und Oh's und anderen nicht zu fix« zX. r end e n Naturlauten durch die ganze Ausdehnung des Garten« � � I verfolgt— darin besteht der ganze Witz dieser zukünf!g, tigen Stützen von Thron undAltar. Unser ausgezeichnet» Mitbürger Pickenbäch, der, Tag und Nacht mit dem Wohle d«•\ Vaterlandes beschäftigt, natürlich auch an diesem höchsten Festtage d« naten„ von ihm gegen die bösen Juden in Schutz genommenen Christenheil nich j,er.' auf dem Spandauer Berg fehlen durste, musterte mit Feldherrnblick d« Situation. Seine Jünger und Genoffen waren vortrefflich über d«s« weiten Garten vertheilt— sie verstehen sich ausgezeichnet auf solche toi__ ganzen Jahres. Wenn der fromme Herr Hofprediger sich dies Gebahr«' wurde. seiner Zöglinge und Anhänger einmal aus der Nähe betrachten quollt« Spar so dürften selbst seine, sonst vielleicht nicht sehr empfindlichen Nero» bene Hc ' hrt werden, und vielleicht würde sogar der lö« konnte, unangenehm davon berühr..............., liehe Entschluß in ihm reifen, zunächst einmal vor der eigenen Thür f lutsch nt kehren. Man kann sich in der That angesichts dieser kostbaren Resultat uitr � seiner Erziehung des pharisäischen Gedankens nur mühsam erwehre« Murk) daß wir angeblich Vaterlands- und religionslosen Wilden im Grund Auderm doch vielleicht bessere Menschen sind. Aber selbst dieser Gedanke verm» intim den niederschlagenden Eindruck dieses profanen und wüsten Treibe«» bei eine nicht zu verwischen. An ibren Früchten sollt ihr sie erkennen!!"> trüger« Allerdings, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Jndeh, sind«' Abel ha nur die Stöcker, die Treitschke, die Wagner, die diese Früchte gesäet hohen � Oder ernten sie nicht blos, was Andere gesäet? Die Hetzreden d« Ex h Stöcker, Wagner, Pickenbach würden einen so korrumpirenben Emstü edlen A unmöglich auf die akademische Jugend ausüben können, wenn nicht v> noble H UlimVIJttVY V»V'"7, ganze Erziehung derselben ihnen vorarbeitete, wenn den Kindern heut lenburg, nicht schon in der Schule der Nationaldünkel eingebläut, die AnbetuU b. h.„ der Machthaber als erste Pflicht gelehrt würde. Und wenn wir auf Geld« nicht so ungerecht sein wollen, die„Volkszeitung" und ihre Partei a» ständnif 2 Zeder Beziehung daran mitschuldig zu bezeichnen, einen Theil der schuld tragen auch die Herren Fortschrittler. Durch ihre Rechnungs- »ägerei haben sie dem Treiben der Natwnalservilen Vorschub geleistet; dadurch, daß sie es nicht gewagt, mit auch nur einer konventionellen düge der modernen Gesellschaft entschieden zu brechen, haben sie sich des Rechtes beraubt, über die Charakterlosigkeit Anderer herzuziehen. Die Lugend der Bourgeoisie findet heute in keiner bürgerlichen Partei Vor- bilder, von denen sie echten Unabhängigkeitssinn lernen könnte, die Halb- Helten und Inkonsequenzen der bürgerlichen Demokratie imponiren ihr Jjicht, vom Sozialismus hält sie ihr Klasseninstinkt zurück, und so lasten sie sich von der Schamlosigkeit und dem Dünkel der Machtanbeter hin- reißen, so werden sie zu Trabanten eines Stöcker! An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Die Saat, die solche Früchte ieitigt, sind nicht einzelne Individuen, es ist die gesammte Entwicklung her modernen Gesellschaft. Die Versumpstheft der akademischen Jugend 'ß ein Zeichen der Zersetzung, ist das Todesurtheil derselben. — Wozu Arbeiterkolonien gut sind. Aus Königs- derg schreibt man der„Fr. Ztg.": »Im Februarheft der„ A r b e i t e r- K o l o n i e, Korrespondenzblatt für die Interessen der deutschen Arbeiter- Kolonien", findet sich eine Schilderung der Ostpreußischen Arbeiter-Kolonie Karls- h°f. Es wird zunächst berichtet, daß man die Anstalt ausnahmsweise ous gutem Ackerboden errichtet habe, und daß es Mühe gemacht habe, Fonds zu erlangen. Dies wird merkwürdigerweise darauf zurück- Bhsührt, daß„ganz Ostpreußen etwas von dem an sich habe, was seiner Hauptstadt Königsberg den Namen„Stadt der reinen Vernunft" Angetragen habe, und wo dies Etwas zu sehr herrsche, wolle man die «aat nicht gleich daranwenden, wenn die Erntehoffnung in allzu weiter Ferne liege.". Jedoch was die Stadt der reinen Vernunft nur lau ausnahm, hat dafür der Provinzialverein für innere Zession„in seinem Schooß sonderlich gefördert", und die Kolonie stt da. »Ueber die Arbeit, mit der die Kolonisten beschäftigt werden, wird nun Folgendes berichtet: »In 7 Werkstätten und aus dem Arbeitshof werden 40—50 Mann ah!chästigt mit verschiedenen Gewerbearbeiten und dem Kleinmachen von «tubben, wofür die Heilanstalt Karlshof wie Privatpersonen 'N Rastenburg willige Abnehmer sind... Auf den Gütern der �nigegend werden Moorwiesen bekarrt, in Ziegeleien Lehm gestochen; auch fanden fünfzig Mann in der nahen «uckersabrik Beschäftigung. Man sieht, in Ostpreußen, dem �and der niederen Arbeitslöhne und hohen Buswanderungsziffern, wirkt 7>e Kolonie ganz eigenthümlich. Sie hilft den Gütern und Fabriken der Umgegend billige Arbeiter verschaffen, und zwar Arbeiter, die in der hui milden Gaben errichteten Kolonie Unterkunst und Schlafstätte haben, hei denen also die Ansprüche sehr bescheiden sind und von denen nie zu befürchten ist, daß sie etwa durch zweijährigen Aufenthalt im Gutsbezirk ben Unterstützungswohnsitz dort gewinnen. Uns scheint eine derartige Verwendung der Arbeitskräfte der Kolonisten in allerhöchstem Grade bedenklich.» Uns auch. Aber sie überrascht uns nicht. Sie ist auch keineswegs auf Ostpreußen beschränkt. Auch anderwärts sind die Herren Arbeiterfreunde ver— nünstig wie in der Stadt, oder sagen wir lieber gleich, in der Provinz der reinen Vernunft. Hurrah, er ist wieder frei! Einer Korrespondenz aus Dresden, die wir wegen Raummangels für eine der späteren Rum- �krn zurücklegen mußten, entnehmen wir vorläufig die erfreuliche Mit- 'Heilung, daß Herr Elias Schmidt, auch„Spitzel Schmidt" geheißen, sich wieder auf sreiem Fuße befindet. Von feinen vier Jahren Zuchthaus sind ihm zwei in Gnaden erlaflen worden. Oder, setzt unser Kor- tespondent hinzu, war der„werthe Freund" überhaupt nicht in Wald- heim? In Sachsen ist Alles möglich. Schmidt, heißt es weiter, hat von Mehnert, dem Schwiegersohn Acker- Mann's, eine Baustelle in Dresden gekaust. Wo er wohl das Geld bazu„locker" gemacht hat?! Bescheidene Anfrage an„Freund" Paul. — Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen. Kaum haben die Nationalliberalen ihre Pflicht als Eintreiber des Ottopsennigs gethan, so erhalten sie auch schon von ihrem Götzen Bismarck den berühmten Kanzlerdank. In einer der letzten Nummern der„Norddeutschen" wird ihnen mit dürren Worten der Stuhl vor die Thüre gesetzt, und auf der Bildfiäche erscheint das herz- erhebende Bündniß zwischen Konservativen, Zentrum und Bismarck! Und das hat mit seinem Segen, der Korn- und Holzzoll Sethan. — Wer den Schaden hat, braucht für den Spott Nicht zu sorgen. Folgende Notiz der„Frankfurter Zeitung" ist zu amüsant, als daß wir sie nicht auch unseren Lesern mittheilen sollten. Unterm 3. April schreibt das volksparteiliche Blatt: „Noch in letzter Stunde bemüht sich die demokratische Frankfurter Leitung, ein trotz seiner Verbreitung von jeher durch Schamlosigkeit Und Niedrigkeit der Gesinnung berüchtigtes Börsenorgan, die Bis- Marckspende durch das Gerücht zu diskreditiren, es solle die Jubi- laumsgabe zur Arrondirung der Bismarck'schen Familiengüter, d. h. Also mit anderen Worten: zur Zahlung alter BismarcTscher Familienschulden bestimmt sein!! Die Tendenz dieses„Ge- Füchtes" ist so widerwärtig klar, daß gegen das Frankfurter Platt allein ein kräftiges Pfui am Platze ist!!" Also zu lesen in der «Neustadter Zeitung"— wie der Ton und Anstand zeigt, ein Platt Heidelberger Couleur— vom 17. Wärz. Wir legen das Opus AM 2. April neu auf mit der Frage: Was will der entrüstete Gentle- Man von Neustadt jetzt mit seinem„Pfui" anfangen? Es gegen Die schleudern, welche es wagen, die Verwendung der er- preßten Gelder schnöde zu bekritteln. Arme Nationalliberale! Das Rindvieh ist, wie allbekannt, Dem Rothen nicht sehr zugewandt— Aus Ehlingen wird dem„Schwäbischen Wochenblatt geschrieben: „Zu großem Schrecken und Aergernih aller philiströsen Elemente Unserer guten Stadt wehte heute in der Worgensrühe, als am reichs- 'anzlerischen Geburtstage, auf der Neckarhalde aus einem Baume ange- bracht, weithin durchs Neckarthal sichtbar eine große rothe Fahne. Der Baum wurde erst gegen 11 Uhr Vormittags durch die Polizei seiner großen Last entledigt. Wie groß der Aerger hierüber bei manchen beuten war, erhellt aus den hahvollen Worten, die einer unserer„natio- ualen» Heißsporne in seiner Wuth ausgestoßen haben soll:„Den Kerl, oer das gethan hat, sollte man dazu aushängen!"" Erst haben. — Der Unterschlagungsprozeß wider den konserva- ' iv e n Reichstagskandidaten und Sparkaffendirektor Ernst Voß in werden kommt demnächst zur Verhandlung, und halten es unsere Ver- bener Genossen aus gewissen Gründen für angezeigt, die Leistungen die- ses ehedem„hochgeachteten Mitbürgers" vorher noch einmal im„Sozial' bemokrat" zu kennzeichnen. Voß war vor etwa IL Jahren noch Steuerempsänger, setzte es aber durch hohe Gönner durch, daß er Direktor der Amtssparkasse in Verden wurde. Kaum im Amt, brachte er es durch glückliche Spekulation und Sparsamkeit dahin, daß er sich drei Rittergüter sowie verschie- bene Häuser in Hannover und hier im Werthe von Millionen anschaffen wnnte, aus welche er natürlich nur den Kaufschilling bezahlte. Jetzt 'utschirte der ehemalige Steuerempsänger nur noch vierspännig(das Ge- Ichirr zu einem einzigen seiner Gespanne kostete z. B. allein zirka 5000 Mark) und verkehrte nur noch mit der höchsten Aristokratie. Unter Inderm stand er mit dem Großherzog von Mecklenburg in 'ntimen Beziehungen, und dieser würde ihn auch wahrscheinlich bei einem seiner persönlichen Besuche noch geadelt haben, wenn der Be- .'rüger nicht rechtzeitig entlarvt worden wäre. Und ein Recht auf den «ldel hatte Voß, denn er verstand das Annektiren ja ebenso gut wie die hohen Herrschasten. I Er hing aber auch mit einer wahrhaft rührenden Liebe an dieser . Adlen Ausbeutergesellschaft, das zeigte die letzte Reichstagswahl, wo der Noble Herr Reichstagskandidat und Freund des Großherzogs von Weck- � lenburg, der frühere Steuerempsänger, die Wahlkosten aus seiner„Tasche", b-h. vondenihm vondemBürgerpack anvertrauten Feldern be st ritten. Für alle nabeln Paffionen hatte er Ver- ständniß. So war er auch ein großer Kunstfreund, und schuldet z. B. einer einzigen Gemäldehandlung in Berlin das artige Sümmchen von 88,000 Mark. Wir glauben nicht zu hoch zu greifen, wenn wir sagen, daß seine Gemäldesammlung allein einen Werth von einer halben Million repräsentirte. Wie durch die hiesigen Blätter bekannt gemacht wurde, unterschlug Voß nur die kleine Summe von 2,062,000 Mark. Es wird sich aber, das heißt wenn die Herren es für thunlich halten, noch viel mehr herausstellen. Wie es aber möglich war, bei einer alle acht Tage durch den Vorstand, wozu der hiesige Kreishauptmann Geh. Reg.-Rath Roscher auch gehört, vorgenommenen Revision eine derartige Summe zu unterschlagen, ist unjerm schlichten Menschenverstand unbegreiflich. Jndeß muß die Sache doch wohl ihre Richtigkeit haben, denn sämmtliche Vorstandsmitglieder befinden sich noch in Amt und Würden. Außer den Sparkassengeldern unter- schlug Voß noch sonstige ihm anvertraute Summen, z. B. Mündelgelder, aus Handschein geliehene Kapitalien k., wofür die Kasse nicht zu hasten braucht. Wie sehr nun der kleine Mann unter den Gaunerstreichen des Voß leiden muß, zeigt uns deutlich ein Beispiel: Ein Kleinbauer soll zur Deckung des Defizits 4500 Mark tragen, er selbst hat nicht so viel ein- gelegt, weil aber die Herren Gemeinderäthe des betreffenden Dorfes Interessenten waren, und somit die Bürgschaft auf den Schultern der Gemeinde lastet, muß eben wieder der kleineMann die größten L a st e n tragen. Es ist dies nur Einer von den Vielen, welche dabei zu Grunde gerichtet werden. Das Gesetz bestraft eben Dieb- stahl und Betrug ganz exemplarisch, d. h. wenn es sich um eine Klei- nigkeit handelt. Ob es aber in diesem Falle ebenso streng geHand- habt wird, ist eine andere Frage; wir zweifeln daran. Hat man sich doch nicht gescheut, Voß in seiner Untersuchungshaft als Schreiber zu verwenden und ihm so dieselbe so angenehm als möglich zu gestalten. Außerhalb seiner Gesängnißmauern aber sind seine Freunde und Gönner auch nicht unthätig, ja man hat sogar den Versuch gemacht, dem Publi- kum einzureden, der Mann müsse geistesschwach sein. Welch' schwacher Geist dazu gehört, ein solches Raffinement wie Voß zu ent- wickeln, kann sich jeder Leser selbst vorstellen. Wir sind nun aus das Urtheil sehr gespannt und werden später darüber berichten. Ob es nicht an ein bekanntes Sprichwort erinnern wird? Für solche Leute sind stets „mildernde Umstände" bei der Hand, da ist selbst den Herren Prügel- sanatikern das Strasrecht nicht„zu human". Jndeß, wir werden sehen. — Aus Niederbayern erhielt einer unserer Abgeordneten folgende kurze aber ebenso beredte Schilderung des Zersetzungsprozeffes, der sich in dem von der Natur sowohl wie von einem zahlreichen Pfaffenthum sonst so gesegneten Landstriche gegenwärtig vollzieht. Die bisherigen Wunder der Industrie- und Getreidezölle finden in diesem gedrängten Rahmen ihre volle Beleuchtung. Die Erhöhung der Getreioe- z ö l l e dürfte nicht ermangeln, auch den Geschwindjchritt dieser Abwirth- schaftung zu steigern. Der betreffende Arbeiter bäuerlicher Abkunft schreibt: „Ich kann Ihnen noch die Mittheilung machen, daß ich vergangene Weihnachten in Niederbayern bei meinen Verwandten war, seit acht Jahren wieder zum erstenmale. Da habe ich nicht wenig gestaunt, wie die Armuth der Bevölkerung zugenommen hat. In Au, Mainburg, Psaffenhausen, Landshut habe ich em Elend zu Gesicht bekommen, wie es in den sogenannten Nothstandsdistrikten kaum schlimmer gedacht wer- den kann. Der Gallach(Pfaffe) hat hier noch eine große Gewalt mit seiner Maulvoll-Religion. Zu Hunderten kommen die Leute durch die heutige WirthschastSpolitik von Haus und Hof, und warten vergebens, daß rhnen die heilige Dreifaltigkeit in Berlin Hülfe bringe." — Ueber die Schlagwetter-Cxplosionaufder Grube Camphausen bei Saarbrücken am 13. März wird jetzt ein amtlicher Waschzettel verbreitet, in dem es heißt: „Eine vollständige Aufklärung über die Entstehung der in ihren Folgen so überaus traurigen Katastrophe wird wohl kaum jemals zu erlangen sein. Mag die Entzündung der Schlagwetter aus was immer für einer Ursache in einem der den Schächten zunächst gelegenen östlichen oder westlichen Bremsschachtfelder oder auch in den einfallenden Bauen unter- halb der ersten Sohle erfolgt sein, jedenfalls ist sie nicht, wie unter ge- wohnlichen Verhältnissen zu erwarten gewesen wäre, eine lokale geblieben, sondern hat sich init Blitzesschnelle fast über die ganzen Grubenbaue verbreitet. Es bleibt hiernach kein Zweifel, daß neben schlagenden Wettern der bei der großen Trockenheit der Grube überall der Luft beigemengte feine Kohlenstaub in verberblichster Weise mitgewirkt hat, nicht nur die Explosion weiter fortzutragen und zu verstärken, sondern auch durch die Bildung gewaltiger Massen kohlenoxydreicher Schwaden dieselbe um so verhängnißvoller zu gestalten." Darnach bleiben ivir so klug wie zuvor. Die Frage ist: wie konnte sich der Kohlenstaub in so großer Wenge ansainmeln? Warum hat man nicht, da die Gefährlichkeit solcher Ansammlungen bekannt ist, bei Zeiten Schutzmaßregeln getroffen? Warum war der W e t t e r s ch a ch t„seit Langem" im Bau? An Arbeitskräften fehlte es doch gewiß nicht. Ja, wenn es sich darum gehandelt hätte, für die Huldigungsreise irgend eines Gekrönten eine holprige Straße zu reguliren, wäre in ein paar Tagen Rath geschafft worden, aber es handelt sich ja nur um das Leben von gewöhnlichen Arbeitern! Da muß gut Ding Weile haben. — Unverbesserliche Kerle, diese Proletarier! Zur Bismarckspende wird uns geschrieben: Eine größere Maschinen- sabrik am Rhein ließ unter ihren Arbeitern eine Liste zu„frei- willigen" Gaben zirkuliren. Die Leute nahmen die Sache ernst, zeich- neten für Bismarck keinen Pfennig und sanimelten zugleich Mk. 35 für streikende Genossen.„Fein I Nicht wahr?" be- merkt der Korrespondent dazu.„Sonst geht Alles gut, langsam, aber sicher." Die Reaktion von unten hebt den Nacken. Heil dem Ottopfennig! — Natürlich! Aus Schlesien schreibt man der„Fr. Ztg.:„Nach einer Atittheilung des Kreisblatts für Landeshut hat der Staatsanwalt zu Hirschberg die Untersuchung gegen Kommerzienrath Epner e i n g e st e l l t. Nach Lage der Dinge war. das zu erwarten, da Kom- merzienrath Epner die Schuld der Benachtheiligung der Weber durch Verlängerung der Ketten auf ein Versehen des Direktors geschoben halte. Die Militärlieferungen werden also dem Kommerzienrath Epner wohl verbleiben." Ein Thor, wer anderes erwartet hätte. Was sollte aus der berühm- ten„sittlichen Weltordnung" werden, wenn man sie nicht mehr laufen ließe, die großen Sp—«kulanten? — A lies umsonst. In Pieschen bei Dresden haben un- sere Genossen am 31. März bei der Ergänzungswahl zum Gemeinderath einen glänzenden Steg davon getragen— trotzdem durch Einführung des„Gemeindebürgerrechts" 700 Wählern das Wahlrecht wegstibizt war, und der Ordnungsmischmasch— die vier„größten" Vereine hatten einen Kompromiß geschlossen— mit Riesenanstrengung„agitirten". Bravo! — Wir werden um Aufnahme folgender Erklärung ersucht: „Da die Mittheilung in Nr. 12 des„Sozialdemokrat" betreffs des Genoffen O st e r m a n n über seinen Charakter als Parteige- noffe Zweifel zulaffen könnte, so erklären die Sozialisten deutscher Zunge in Paris, daß derselbe sich während seines Aufenthaltes hier voll und ganz unserer Sache widmete. Ostermann zog sich durch seine Thätigkeit bei den 81 er Wahlen in Berlin seine Ausweisung zu. Wir können ihn allen Genoffen auf's Wärmste empfehlen. Die Pariser Genosse n." — England. Die Demonstrationen gegen die Fort- setzung des Krieges im Sudan mehren sich. Nicht nur die Sozialisten und ihre Organe,„Justice" und„Commonweal", auch ein Theil der bürgerlichen Radikalen bekämpfen dieselbe auf's Heftigste. Ueber ein am 2. April stattgehabtes großes Friedensmeeting in St. James Hall in London schreibt uns ein Genosse: Das Meeting war von den Radikalen einberufen, als Präsident war Herr Bradlaugh bestimmt. Der geriebene Agitator hatte wie immer die günstige Gelegenheit ergriffen, den einflußreichen Volksführer zu spielen— er hatte die Stimmung der Masse genügend studirt und sah überhaupt, daß er auf einen großen Erfolg rechnen durfte. Die ungewöhnlich große Halle war schon lange vor der bestimmten Zeit überfüllt, so daß ein großer Theil der Besucher wieder umkehren mußte. Bei Beginn der Versammlung wurden mehrere Briefe von Parlaments- Mitgliedern verlesen, die an der Versammlung nicht theilnehmen zu kön- nen erklärten, aber entschieden gegen die Weiter sührung des Krieges protestirten. Alsdann sprach Bradlaugh unter großem Beifall; denn daß es demselben an Schlagworten nicht fehlt, ist bekannt. Professor B e e s- l a y, der nach Bradlaugh das Wort ergriff, beantragte folgende Reso- lution, die er in längerer Rede motivirte: „Die heutige Versammlung hält den Einfall in den Sudan für moralisch ungerechtfertigt und den Interessen der großen Masse des eng- tischen Volkes für schädlich und fordert die Regierung auf, unsere Truppen sofort zurückzuziehen." In gleichem Sinn wie die Genannten hatten noch eine Anzahl Parka- mentsmitglieder gesprochen, als Genosse William Morris das Wort erhielt. Derselbe erklärte, daß er mit dem, was in der beantragten Resolution gesagt wird, durchaus einverstanden sei, beantragte jedoch in Gemeinschaft mit Genosse M o w b r a y im Auftrage der„Socialistic League", deren Delegirten sie seien, folgenden Zusatz: „Ferner ist die Versammlung der Ansicht, daß der Angriffskrieg im Sudan nur in dem Bestreben inszenirt wurde, dieses Land im Interesse der Kapitalisten und Spekulanten auszubeuten, und ruft der Arbeiter- klaffe zu, daß solche Kriege nicht aufhören werden, bis sie sich in der ganzen Welt organisirt und ihre Angelegenheit selbst in die Hand ge- nommen haben wird." Als Morris die Resolution unter vielem Beifall befürwortete, wurde er nach kaum fünf Minuten vom Präsidenten Bradlaugh unterbrochen und ihm das Wort entzogen, wogegen er, freilich vergebens, energisch protestirte. Daß eine solche Resolution, welche direkt auf die Ursache des Krieges losgeht, dem Bourgeois Bradlaugh und seiner Madame B e s a n t durchaus nicht in ihr Handwerk paßten, versteht sich ja von selbst. Frau B e s a n t, welche nach W. Morris das Wort erhielt, wußte denn auch mit der bekannten Geschicklichkeit und Sophisterei die Reso- lution der Socialistic League so zu entstellen und als nicht zur Sache gehörig hinzustellen, daß dieselbe bei der Abstimmung unterlag und die Gefahr somit für den Freidenker-Papst und seine Madonna noch einmal gehoben war. Daß man in einer solchen Versammlung die Kapitalistenfrage nicht in Anregung bringen kann, ohne alle die großen Wortführer gegen sich in Harnisch zu bringe», liegt zu sehr in der Natur der Sache, als daß man sich darüber wundern sollte. Aber das ändert die Thatsache nicht, daß diese Resolution und die Befürwortung unseres Parteigenossen Morris großen Beifall fand, und wenn Bradlaugh ihm nicht mit Ge- walt das Wort entzogen hätte, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Nkajorität dafür gestimmt hätte. Uebrigens haben die Sozialisten ihren Zweck vollkommen erreicht. Sie haben eine große Menge Manifeste gegen den Krieg im Sudan, sowie eine große Anzahl Exemplare ihres Organs und andere Druck- jchristen vielfach verbreitet, und dies war ja der Hauptzweck unserer Betheiligung. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß der Vorstand der Socialistic League schon vor einigen Monaten gegen den schändlichen Kapitalistenkrieg im Sudan protestirt und Resolutionen in diesem Sinn gefaßt hatte. Aber als das fürchterliche Geschrei gegen die Araber hier im Gange war, da fand man wenig Gehör, und selbst ein so großer Herr wie Bradlaugh ließ nichts von sich hören. Natürlich. Damals gab es ja noch keine sichere Aussicht auf Erfolg! Denn darin liegt die große Kunst unseres spekulirenden Tageshelden, den rechten Zeitpunkt zu ergreifen und jede Bewegung für seine erbärmlich kleinlichen Privatinteressen auS- zubeuten." Ein alter Parteigenosse?. L. Korrespondenzen. Glauchau, im März.(Situations- und Wahlbericht.) Endlich kommen wir Glauchauer wieder ans Tageslicht, obgleich wir eS eigentlich nöthig gehabt hätten, das Parteiorgan fortwährend in Anspruch zu nehmen. Aber wozu sich immer mit Subjekten befassen, deren Da- sein nur im Stehlen der Volksrechte, in Verläumdung und Ausbeutung der Arbeiter rc. besteht? Nachgerade sind wir nun aber doch gezwungen, gewisse Vorkommnisse zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. An der Spitze unseres Berichtes figurire unser Früchte! V o l l e r t, Buchhalter im Bäßler'schen Etablissement, wo die skandalösesten Löhne bezahlt werden. Dieser Biedermann ließ am 2. August v. I. einige Arbeiter zu sich rufen, um eine Fabrikkrankenkasse zu gründen. Die Ansprache war:„Ich will lieber mit zehn Sozialdemokraten kons«- riren als mit hundert." (Ja, das glauben wir, denn um mit uns zu polemisiren, fehlt diesem Schlaukops das Geschick.) Früchte! fährt fort:„Nein, es ist ja schrecklich, wie diese Kerle e? treiben, haben sie mir da einen Züricher„Sozialdemokrat" geschickt, wo ich so schlecht gemacht bin, daß kein Hund ein Stück Brod von mir frißt" u. s. w. (Bravo! Die Hiebe haben gesessen, vielleicht sitzen die jetzigen Hiebe noch besser! Der Kerl hat zwar Furcht, aber bis jetzt noch keine Besserung.) Am 3. August hatte nun Früchte! mit seinem Kollegen Götze eine längere Unterredung, und die Früchte dieser Abmachungen ließen nicht lange auf sich warten. Götze, ein erzgrober Kerl und dabei ein Mucker, ist Inhaber einer der größten Webereien hier, worin zwei unserer Ge- nassen arbeiteten, dieselben, welche schon vordem von Früchte! aus dem Bäßler'schen Etablissement in„feiner" Weise hinauSgemaßregelt worden waren, nämlich die Genoffen Ernst Krause und Theodor Müller. Früchte! glaubte nun wahrscheinlich, daß entweder Krause oder Müller der Korrespondent des„Sozialdemokrat" sei, wobei die Schlauköpfe sehr auf dem Holzweg waren, denn der Korresondent, Ihr Herren, bin ich— halt! beinahe hätte ich Euch meinen Namen genannt; der mag vorläufig noch unter Diskretion bleiben, kommt aber vielleicht später noch, und freue ich mich schon auf unsere gegenseitige Vorstellung! Also weiter: Am 6. August wurde somit unseren beiden Genossen vom ersten Werkmeister ein Schreiben vorgelesen, in welchem es hieß, daß Krauße und Müller wegen Ausreizung ihrer Milarbeiter sofort die Fabrik zu verlassen haben. Auf direkte Anfrage erhielten unsere Genoffen vom Mucker zur Antwort:„Sie, Krause, habe ich entlassen, weil Sie für die streikenden Weber zu Crimmitschau gesammelt haben(schrecklich II, und Sie, Müller, weil Sie erwiesenermaßen Sozialist sind(hu!)", und ferner bemerkte der Biedermann:„Wenn Sie, Müller und Krause, mir den Beweis erbringen, daß Sie Ihre Agitation für die sozialistische Partei ganz eingestellt haben, können Sie wieder bei mir arbeiten." (O wie gnädig doch so ein grober und vermuckerter Kapitalist sein kann!) Früchte! hatte nun somit seine Rache gestillt, aber an Unschuldigen. Wir aber müssen uns bei Früchte! und Mucker bedanken, denn durch ihre Dummheit hatten sie unsere Partei nicht etwa geschwächt, im Gegen- theil, diese Schlauköpfe haben uns dadurch nur Nutzen gebracht, indem wir nun wenigstens ein paar Genoffen hatten, welche jetzt erst recht an die Oeffentlichkeit gehen konnten und bei der Reichstagswahl auch kräftig Hand ans Werk gelegt haben. Zunächst möge nun der„ B a u e r n t a g" zu Remse bei Glauchau leuchten. In dieser Bauernsängerversammlung war auch der F ü r st zu Waldenburg erschienen; Flegel G e l b k e war Referent, und waS der Kerl da geschwatzt, können sich die Leser des„Sozialdemokrat" leicht vorstellen, wenn sie an dessen von uns gekennzeichnete Rede im sächsi« schen Landtage zurückdenken. Die Hauptsache und nochmals die Haupt- fache war: Erhöhung der Getreidezölle, Aushebung der Grundsteuer, Verschärfung der Gesindeordnung u. s. w. Daraufhin hielten wir am 9. August eine stark besuchte öffentliche Versammlung ab mit der TageS- ordnung:„Der Bauerntag zu Remse gegenüber dem Interesse der Industrie und der Arbeiter", zu welcher alle Landbewohner, sowie der Fürst zu Waldenburg, der Amtshauptmann v. Waentig und Flegel Gelbke eingeladen waren. Obgleich wir für die Geladenen separate Plätze reservirt hatten, war von diesen Herren doch keiner erschienen, nur Gelbke hatte sich brieflich dahin entschuldigt, daß in einer öffentlichen Versammlung über diese Sache nicht zu diskutiren sei.(Ei, ei, Herr Gelbke, aber bei den„dummen Bauern" ging's doch? Ei, ei!) Reichstagsabgeordneter Stolle, welcher das Referat übernommen, putzte erst seinen Nachbar, den Bauernfänger G e l b k e, gehörig ab; dann zeichnete Referent das ganze schöne Bild unserer gegenwärtigen Wirthschaftspolitik und legte in ruhiger und sachlicher Weise die ver- schiedenen Streitfragen klar. Wir wollen nicht in Einzelheiten eingehen, sondern nur betonen, daß die Ausführungen Stolle' s einen gewaltigen Eindruck auf sämmtliche Anwesende— Bürger wie Arbeiter— ge- macht haben. Noch lange nachher hörte man in den Städten sowohl wie auf dem Lande davon sprechen, und namentlich ein großer Theil der Kleinbauern ist Herrn G e l b k e nicht mehr so hold, weil diese nunmehr die Leimruthe dieses Agrariers erkannt haben. Betreffs der Versammlung wollen wir noch bemerken, daß unsere beiden gemaßregelten Genossen, Krause und Müller, den Vorsitz führten, woraus hervorgeht, daß dieselben auf die muckerliche Gnade verzichten. Und ferner sei bemerkt, daß seit dieser Zeit bis nach der Reichstagswahl Maßregelung der Arbeiter eine der„geistigen Waffen" unserer Ausbeuter war, um Angst unter die Arbeiter zu brin- gen. Es waren aber nur Hödelschüffe, die uns in keiner Weise schädigten. Banz besonders zeichneten sich die Herren O e h m e(Firma Lorenz und Ramminger) und der L— andwehrlieutenant Reif schneid er aus; letzteres Bürschchen werden wir im nächsten Bericht genauer kennzeichnen und in die schwarze Liste aufnehmen laffen. Am 2. September hielten wir wiederum eine Versammlung ab. Der Saal war so überfüllt, daß mehrere hundert Personen wieder umkehren mußten. Aus der Tagesordnung stand:„Die sozialpolitische Lage Deutschlands", Referent war unser bewährter I g n a z Buer. Auf das Thema selbst einzugehen, ist nicht nöthig, da ja aller- orts Versammlungen mit der gleichen Tagesordnung abgehalten wurden; erwähnen aber wollen wir, daß die Stimmung für Auer eine außer- ordentliche war. Jeder drängte sich heran, unseren längst ersehnten Kan- didaten wieder einmal persönlich zu begrüßen. Genosse Stolle, welcher ebenfalls zugegen war, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die starkbesuchte Versammlung Beweis ablege von der Gesinnnung des Volkes. Es werde ja gerade das große„ N a t i o n a l f e st", die Sedanfeier, abgehalten, daß aber durchaus keine Sympathie für die Sedanfeier vorhanden sei, beweise am schlagendsten die gut besuchte Versammlung. Wie diese Versammlungen war auch die Wählerversammlung außerordentlich gut besucht. Ein Flugblatt Leuschner's, welches am Tage nach unserer Versammlung von unseren Gegnern verbreitet werden sollte, gelangte in einem Exemplar noch an diesem Abend in unsere Hände; die anwesenden Gegner staunten nicht schlecht, als Auer das Ding von der Tribüne herab kritisirte und das Programm des Herrn Leuschner mit unerbittlicher Logik zerpflückte. Es wäre wirklich interessant, oieses Leuschner'sche Flugblatt im Ganzen wiederzugeben, aber der Raum unseres Parteiorgans ist dazu doch zu kostbar. Nur einige Punkte sollen nicht unerwähnt bleiben. Leuschner sagt da, er sei kein Berufspolitiker und seine Zeit sei gemessen. Das hat nun freilich selbst unser Auer sehr bedauert, daß der arnie Millionär so sehr an die Arbeit gebunden ist.— Leuschner drückt sich serner aus: Gewiß bin ich für Bismarck. Bis- marck ist ein Mann nach meinem Herzen, und nur wenig Deutsche werden existiren, die sich nicht als Deutsche in ihm groß und gehoben fühlen! Ach du allmächtiger Popanz! Da haben wir den ganzen Pfiff: Was Bismarck will, das will ich auch! Ja, sehen Sie, Herr Leuschner, eben weil Sie das wollen, was Bismarck will, wäre es ja unnütz, Sie in den Reichstag zu schicken. Es ist dort ja Bismarck da, der hat dasselbe Herz wie Sie. Und die Majorität der Wähler im 17. sächsischen Wahlkreise hat eben auch ein gutes Herz für Sie gehabt, da Sie doch keine Zeit hatten, in den Reichstag zu gehen, denn Ihre Zeit ist ja"gemessen"! Ferner heißt es in einem Satz des Flugblattes: Uebrigens habe Ich als Redner erreicht, daß d erAntrag auf Vermin- derung des Westzolles, der Niemand nützt, die In- dustrie und somit auch die Arbeiter schädigt, ange- n o m m e n w u r d e.— Ja, Herr Leuschner, für Ihre 99 Sekunden lange Rede hätte Ihnen unbedingt ein Titel oder ein hoher Orden in das Knopfloch fliegen sollen I Daß es unterblieb, war freilich nicht hübsch. Als nun Auer das Leuschner'sche Programm vollständig widerlegt hatte, wurden die Gegner, die in ansehnlicher Zahl erschienen waren, aufgefordert, jetzt ihn zu widerlegen und nachzuweisen, wo er nicht die Wahrheit gesagt. Aber es fand sich Keiner der es wagte. Die Versamm- lung schloß mit donnernden Hochs auf Auer. Was nun die R e i ch s t a g s w a h l betrifft, so haben wir diesmal etwas freieres Spiel gehabt, aber bei keiner Versammlung wurden uns Geldsammlungen erlaubt. Der Stadtrath glaubte vielleicht, uns dadurch kampfunfähig zu machen, indeß war diese Rechnung ohne den Wirth gemacht; Geld war da, und es fanden sich auch viele freiwillige Geber, die den Schaden wieder ersetzten. Unsere Gegner verlegten sich auf's Kokettiren, in welchem Artikel sie Vortreffliches leisteten. Der Weber- Innung wurde z. B. eine Summe von 10, 000 Mk. durch die hiesigen Fabrikanten, d. h. unter Garantie des Herrn Leuschner, zur Krankenkasse übergeben. Na, so eine„That" mußte doch einige hundert Stimmen herausschlagen, und bei den dummen Blauchauer Philistern hat dieser Schwindel auch gezogen. Bei den denkenden Leuten aber schlug er überall fehl, weil sich jeder vernünftige Mensch sagen mußte, daß es nur ein reaktionärer Wahlkniff sei. Der„Herr Stadtrath" hatte aber ein noch noch weit besseres Mittel entdeckt, um Stimmen für Leuschner zu erhaschen; die„geistige" Waffe hieß: Stimmen weg— zaubern. Allein wegen Schul- geldresten wurden 4S5 Stimmen aus den Wählerlisten gestrichen, und eine große Anzahl der Restanten war kaum für ein halbes Jahr das Schulgeld schuldig, einige sogar noch weniger. Das Schulgeld ist nämlich in Glauchau so hoch gestellt, daß es manchem rechtlichen Fami- lienvater nicht möglich ist, mit der Zahlung gleichen Schritt zu halten. Dasselbe beträgt pro Woche sür ein Kind von 6—8 Jahren 15 Pf., von 8—10 Jahren SV Ps., von 10—14 Jahren 35 Pf.— eine Höhe, wie sie wohl kaunr in einem zweiten Ort zu finden. Ferner waren einige hundert Wähler gar nicht in die Wählerliste eingetragen(Fabrikanten haben natürlich nicht gefehlt) und viele Wähler durften ihre Stimme nicht abgeben, weil sie„Almosen" bezogen, wovon den Betref- senden selbst gar nichts bewußt war. So ging be» uns in Glauchau die Stimmenzauberei. Wären wir ob dieses Versahrens unterlegen, so hätten wir Glauchauer einen gehörigen Protest gegen die Spiegelfechterei eingegeben; da aber unsere braven Meeraner Genoffen die Scharte wieder ausgewetzt hatten, so wollen wir zum zweiten Mal diesen Leuten die Strafe erlassen. Pariren aber diese „Hexenmeisie:" bei der nächsten Wahl wieder nicht, nun dann, wer nicht hören will, muh fühlen! Das mag sich der„Herr Stadtrath" vorläufig zu Herzen nehmen. In Glauchau sind derart mindestens 600 Stimmen— gestohlen worden. Denn Glauchau war als Hort unserer Gegner ausersehen und sollte unbedingt die Stimmen liesern, welche Leuschner zur Majorität brauchte. Im größten Saale der Stadt saßen die Gegner, auf die Re- sultate harrend; der Wein stand sür die patriotischen Zungen bereit, die Pechsackeln lagen ebenfalls parat, und die Hanswurste dazu standen auf der Lauer, um zu demonstrire». Die Kapelle des Kriegerver- eins, welche ebenfalls engagirt war, um den Hanswurstenaufzug mit ihren Tönen zu begleiten, stand schon mit aufgeblasenen Backen da und harrte auf das Kommand: Marsch!— Alles, Alles schlagsertig; aber o weh: um'/»*• Uhr schon wurden die Kriegervereinskapelle und sämmt- liche Hanswurste von ihrein reaktionären Vorstand abkommandirt; ge- senkten Hauptes mußte» die armen Hanswürste anstatt„ausziehen" ab- ziehen, und um 9 Uhr war der große Saal leer. Hierauf erklärten unsere Gegner, daß nun Alles verloren sei, trotzdem sie Alles aufgeboten, um ihrem Leuschner zum Siege zu verhelfen. Der Saal der Zentralhalle, in welchem die Arbeiter ihr Wahlsiegesfest feierten, war bereits um halb 8 Uhr so überfüllt, daß viele Genoffen gezwungen waren, in anderen Lokalitäten ihrer Freude Ausdruck zu geben. Punkt 8 Uhr begann das Konzert; die Musikkapelle war aus dem 2 Stunden entfernten Waldenburg hinzugezogen worden, da in Glauchau keine Musik„sür unsere Zwecke" zur Verfügung stand. Die Zwischenpausen wurden mit der Verlesung eingegangener Telegramme und Wahlresultate ausgefüllt; stürmisches Applaudiren und Hoch auf unsere Kandidaten folgten aus jede Nieldung, während die Gesichter der zahlreich vertretenen Diener der Hermandad allemal um ein großes Stück sich verlängerten und die Nasen in gleichem Verhältniß länger wurden. Den Höhepunkt erreichte der Jubel, als unser Kandidat Auer das Festlokal betrat. Die donnernden Hochs und Hurrahs wollten gar kein Ende nehmen. Um halb 12 Uhr fand das Fest im Saal seinen Abschluß, aber in den Nebenlokalitäten und in anderen Etabliffements freuten sich unsere Genoffen ob des errungenen Sieges bis zum frühen Morgen. Es war wirklich ein heißer Kampf und unsere Gegner waren nicht entfernt auf eine Niederlage gefaßt; das beweist schon oben Erwähntes. Die Leuschner'schen Wahlaufrufe kamen dutzendweise in die Stuben gepurzelt, darunter auch ein Arbeiter-Wahlaufruf, in welchem die„2000 Arbeiter vonLeipzig-Land" in den Himmel gehoben und die Arbeiter des 17. sächsischen Wahlkreises gebeten wurden, sie sollten nur gleichen Sinnes sein und Herrn Leuschner ihre Stimme geben. Der„Glauchauer Beobachter" brachte hierauf einen ganz zutreffenden Arttkel, in welchem es u. A. hieß, daß solche Arbeiter, die auf derartigen Leim gingen, in Sachsen wohl mit der Laterne zu suchen seien. Die Droschken unserer Gegner flogen hin und her und holten verschiedene Wähler zur Urne. Die Arbeiter bewiesen aber ebenfalls ihren Kampfesmuth, indem sie sich gegenseitig die Stiefel und Röcke borgten, um nur zur Urne gehen zu können, und wäre die Stimmenstehlerei nicht gar zu toll gewesen, so hätten wir diesmal eine Stimmenzahl erreicht, wie nie zuvor. Leuschner und seine Kumpane hatten für Glauchau auf mindestens 700 Stimmen Majorität gerechnet. Aber o weh, die Rechnung war falsch, die 700 Stimmen waren auf 49— sage neunundvierzig!— reduzirt. Da sanken die Köpfe der Bourgeois:„Alles ist verloren!" Auf Leuschner entfielen in Glauchau 1942 Stimmen, auf unfern Auer, wir sagen es noch einnial, trotz der koloffalen Stimmenmauserei 1893. M e e r a n e wetzte die Scharte wieder aus: es lieferte für Auer eine Majorität von 1550 Stimmen. Bei der ganzen Wahlschlacht haben wir an Munition 7 Wahlmanifeste verloren. Ein Mann, Namens Müller, wurde auf die Denunziation eines Schuftes hin— K u n i s heißt der Elende— gefangen und mußte 6 Tag brummen. Ferner hatten wir noch einige Verwundete, die sich bei den Strapazen Krankheiten zugezogen. Sonst steht unser Kriegsheer längst wieder gerüstet da, und haben wir selbiges noch um ein Regiment verstärkt. Zum Schlüsse unseres Berichtes sei noch bemerkt, daß für die Ein- faltspinselei der Bismarckspende bei unseren Gegnern ebenfalls Boden vorhanden ist. Glauchau mit seinen Philistern darf doch da nicht fehlen. Da wurden die Bismarck- Bettler von Haus zu Haus geschickt; und namentlich zu der Zeit, wo der Mann auf Arbeit war, wurden den Frauen die Fünfer und Groschen abgeschwindelt: die Frauen mußten die Namen ihrer Männer in die Listen eintragen, und da heißt es dann: Arbeiter-Sympathie sür Bismarck! O Humbug und kein Ende, o Schande und keine Scham! Am 14. Februar wurde wieder eine Versammlung abgehalten, welche, wie immer, sehr zahlreich besucht war. Reichstagsabgeordneter R ö d i g e r aus Gera sprach über den Hertling'schen Antrag und erwarb sich durch seine treffliche Rede die Zufriedenheit aller Anwesende. Mit sozialdemokratischem Gruße! Morgenroth. Dresden, 22. März. Genosse Saupe ist bei verschlossenen Thüren zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilt worden, 14 Tage Untersuchungshast wurden abgerechnet. Unsere Plakate über die Soldatenschinderei haben riesigen Skandal gemacht. Der Bande ist am peinlichsten, wenn man sie öffent- lich am Ohr vorführt. Unseren Drillnieistern war's beim Ansehen der Plakate jedenfalls grün und gelb vor den Augen, abgesehen von der Papierfarbe, vor der sie ohnehin scheuen.„ B l ü m e r a n d", sagen wir Dräsner.! London. Der Kommunistische Arbeiter-Bildungs-Verein feierte die diesjährige Märzfeier am Sonntag den 15. März durch die Aufführung des Schauspiels: Die Nihilisten, welche zu Aller Zufriedenheit ausfiel. Vorher hielt Genosse W. Hoffmann die Festrede. Auf Mittwoch den 18. März war eine internationale Versammlung aller hiesigen Sozialisten in unserm Lokale einberufen, und feierten die Genoffen: Dr. Ed. Ave- ling in englischer, Lavache in französischer, und Rackow in deutscher Sprache mit feurigen Worten das Andenken der Märztage. Das Lokal war am 15. und 18. März bis zum letzten Platz gefüllt, und waren die Versammelten vom besten Geiste beseelt. H. H. Erklärung. Die im Deutschen Verein in Genf angeschlagene Sammelliste sür die französischen Kammerwahlen zu Gunsten der Sozialdemokratischen Partei in Frankreich wurde abgerissen und gestohlen. Es ist dies jedenfalls ein Akt deutscher oder französischer Spitzel, um sich die Namen der Unterzeichner zu besorgen. Die Unterzeichneten erklären, trotz des infamen Ausnahmegesetzes in Deutschland und trotz des schmählichen Verbotes der Internationale in Frankreich keine Ursache zu haben, ihre politische Meinung zu verbergen oder ihr internationales Gefühl zu leugnen; im Gegentheil, um den Spitzeln das Stehlen unnöthig zu machen, bestätigen sie öffentlich, für die sozialdemokratischen Wahlen in Frankreich Beiträge gezeichnet zu haben. Genf, 3. April 1885. H. Michels. Ludwig Klopfer. Ph. Reul. P. Jltgen. I. Dunninger. Kin Kestkied. Natur, mit deinen strahlenden Kolossen, Die du die Ewigkeit zur Dauer nahmst; Nur zur Vollendimg bist du erst ersprossen, Seit du im Menschen zum Bewußtsein kamst. Im Menschen nur, daß stürmende Gedanken Der Freiheit wunderbarstes Gut geraubt, Der auf den Trümmern jetzt von Trug und Schranken Sein eigner Gott, an dich, an sich nur glaubt. Wohl mag sein Auge keck den Himmel fragen, Wenn Sonn' an Sonne wirbelnd sich bewegt: „Ihr fernen Welten habt ihr je getragen Ein solches Kleinod, wie die Erde trägt? Trugt Menschen ihr, die trotz der grausen Zweifel Die wild zersplittert ihre beste Kraft, Doch stets im Kampfe mit dem alten Teufel, Dem Wahne, kühn zusammen sich gerafft?" „Und die gesiegt!"— Wohlan, Sieg und Triumphe Laßt schmettern eurer Krieger vollsten Chor! Es trug der Mensch aus tausendjähr'gem Sumpfe Die Freiheit jubelnd an das Licht empor. Was frühe Völker ahnend vorempfunden, Er freut sich dessen in bachant'scher Lust; Er hat den größten Riesen überwunden, Vertilgt den Zweifel seiner eignen Brust! Der einst dem Feuer seine Knie« beugte, Der Hekatomben opfernd niederschlug, Der einen Gott auf Sinai erzeugte— Triumph! der hat jetzt an sich selbst genug! Und wie der Kranich liebt die Wolkenbahnen, Und wie der Löwe liebt der Wüste Spur: So liebt der Mensch die Fluren seiner Ahnen Und weilt entzückt auf seiner Erde nur. Ob Millionen wandeln auch im Dunkeln— Das Jahr entrollt!— es leuchtet sonder Wahl Der Stern der neuen Zeit; hell wird er funkeln Auch ihren Seelen mit gemalt' gen, Strahl. Die Priester dieser Tage fordern Knechte Und Sklaven nicht,— sie fordern laut und frei, Daß Jeder, treu dem angestammten Rechte, Hinsort ein Mensch mit freien Nienschen sei. S. Wttrth. Warnung. Ein gewisser Rosendahl, Schuhmacher aus Westfalen, zur Zeit in Mülhausen im Elsaß, wiederholt als Kümmelblättchenspieler bestraft, hat sich an verschiedenen Orten als„thätiger Parteigenoffe" aufgespielt. Derselbe ist notorisch arbeitsscheu, und haben wir alle Ursache, hiermit dringend vor ihm zu warnen. Arbeitsscheue und Gauner sind auch käuflich; ihre polittsche Wichttgthuerei ist Schwindel zu„höheren" Zwecken. Signalement. Alter: 30 Jahre; Statur: schlank, etwa Mtr. 1,65; Haare: blond, stets elegant pomadisirt; trägt kräftigen blonden Schnurr- bart; Gesicht: oval und regelmäßig, fast schön.. Im gleichen Alter wie Rosendahl steht der Betrüger und Denunziant Baumann, Schuhmacher aus dem Badischen, gegenwärtig in Mülhausen im Elsaß, früher im Deutschen Berein Basel(in der Gesangssektion). Auch Baumann spielt sich ali „guter Sozialist" auf. Signalement: Alter 30—33 Jahre; Statur: schlank, ungefähr Mt. 1,70; hat etwas gebogene Beine und gravitättschen Gang; Haare: röthlichblond, kurzgeschnitten; Sommersproßen im Gesicht, glattrasirt. Er renommirt gern mit seiner Tenorstimme. Die Mülhauser Parteigenossen. Leopold Junge, Schriftsetzer aus Sachsen, wurde wegen Ver- trauensmißbrauch im Deutschen Verein Basel aus der M i t> glievschast Basel ausgeschlossen. Die D. sozial d. Mitgliedschaft Basel. Briefiastm der Redaktion: Einsendungen aus Berlin, Werdau, Dresden, Karlsruhe, Durlach, Chemnitz, Paris und London in nächster Rummer. Pfl. in Chur: Eine regelrecht geführte Statistik der Maß- regelungen wäre allerdings sehr wünschenswerth, leider erschweren aber grade die Verhältnisse an den Orren, wo die meisten Maßregelun- gen vorkommen, seine Ausführung bedeutend. Wir halten jedoch einen erneuerten Versuch in dieser Richtung nicht für überflüssig, und werden die Sache in einer der nächsten Nummern anregen und Vorschläge zu ihrer Realisirung machen. Was Sie im zweiten Wunsch meinen, wird schon längst von der Redaktion berücksichttgt. Es ist aber nicht immer durchführbar. Bedenken Sie, daß wir nicht blos sür Anfänger schreibe», und wenn wir immer und immer wieder uns nach diesen richten wollten, sehr weitschweifig sein müßten. Betrachten Sie den„Sozialdemokrat" nicht als einen Ersatz, sondern als eine Ergänzung der Tagespreffe- Mehr kann er unter den heutigen Verhältnissen nicht sein. Wir müsse» bei unfern Lesern etwas Verständniß für die politischen Fragen voraus- setzen, für den Unkundigen ist unsere Broschüren- und Flugblatt-Litera- tur da. der Expedition: Verrina: Bf. v. 31/3 erh. u. weiterbesorgü —-r: Druckfehler. Muß Mk. 14— heißen, wie auch in Bfk. 5 ersichtll Berichtigung bei nächster Fondsqttg.—-h: Nachr. v. 6/4. erh. Weiteres besorgt.— Bäff: Dank sür Recherchen. F. u. D. gelöscht. Dienst'; thuende Vertrauensleute müffen pr. dkt. stets rasch möglichst orientirt werden, deshalb so, nur für diese.— Feuerblume: Mehr-! bstllg. u. Adr. nottrt. Fehlendes viell. in Zwischenhand geblieben.— Stbrg.) Fr. an Sch. längst besorgt. Sollten etwa die Aengstlichen„Vorsehung! gespielt" haben?— Ruprecht: Bfe. v. 30. und 31/3. kreuzten, Weiteres-! bfl.— X 3: Alles erh. u. besorgt. Bf. kostet 50 Cts. Strafporto/ da durch Beilge. 25 Gramm schwer. Bfl. mehr.— Bruna: Verläg« gutgebr. Redreffement versucht. Adr. notirt. Schft. wahrscheinlich in Zwischenhand verhauen. Bf. folgt.— Paul Sp.: Ggrchg. notirt. Hier: stets Alles prompt fort. Ausgebliebenes recherchirt. Bstllg. vorgem. � I. H.: Dank für interessante Nachr. v. 3. u. 5/4. Gewärtigen Forts, ff- gut untergebr. Gruß!— Simson: Adr. ic. vorgem. Betr. S. der rein« Zauber. Sch. behauptet, nichts für da erhalten zu haben.— Rother Peter: Dank für Ausschluß. Bstllg.»c. notirt. Ausstand unerklärlich- Beilg. besorgt.— Dreifuß L.: Bf. v. 1/4. erh. Weiteres sofort monirt. Mathilde: Bstllg. unterwegs. Gewünschtes kreuzte mit Bf. v. 4. ds.— 1 Veritas: Einspänner sc. nach Vorschr. besorgt.— Rothe i. H. H.: Aus- kunft betr. Preis folgt.— Rothbart: Bf. v. 6. erh. Alles notifizirt.— Zürich: Fr. 4— v. E. C. durch N. pr. Nfd. dkd. erh.— 7/9 27:1 öwfl. 2— pr. Portoverl, ä Cto. 85 gutgebr.— B. B. Lifege: Fr. 25— i Cto. Ab. gutgebr. Weiteres erwartet.— Veilchenstein: M 40_ M. 2. Qu. pr. 9 dr. u. ä Cto. erh. Rv. nicht erh. Qttg. in ls mit Mk. 65 60 k Cto. zu ergänzen, waren pr. Frd. früher quittirt. Bfl-> mehr.— Fr. Sch. Genf: Fr. 3 35 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.— A. K- Mstrlg.: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— H. B. Efld.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh- — K. K. K.: Mk. 8 60 Ab. 2. U. 3'. Qu. durch R. erh.— Constanz: Mk- 6 47 Ottopfennige gesammelt im Barbarossa dkd. erh.— Zürich Onkel Bräsig: Fr. 2- Ab. 2. Qu. erh.- M. Z. I.: öwfl. 2- Ab. 2. Qu- erh.— W. Sch. L.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh.— A. d. Schwarzseher: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— F. S. Ng.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh- — Rother Kaplan: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Mk. 1 30 d. Afd. dkd- zugew.- F. R. Hull: Mk. 6- Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— A. F. Beb Chateau: Fr. 2 50 Ab. 2. Qu. erh.—. P. Fl. B.: Mk. 9— Ab. 2. Qu. erh.— Dtzl. N.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh.— Feldj. a. d. bl- Donau: Mk. 9— Ab. 2. Qu. u. Mk. 6— pr. Afd.„gegen die Rinder- pefl" dkd. erh.— W. G. Telorman: öwfl. 5— Ab. 1. u. 2. Qu. u- Schft erh Fr. 2 50 pr. Afd. dkd. verw.— Feuerländer: Mk. 4 56 «b. 2. Qu. Sch. erh. Bstllg. flgt.— Zch. Wsht.: Fr. 2- Ab. 2. Qu- erh.— Sch. Gumbinnen: Mk. 1 80 pr. Afd. sür Rab. durch Mz. dkd. erh.— Rother Fritz: Mk. 1— Ab. April erh. B. wird besorgt. Ber- sprochenes angenehm.— Fr. K. W.: Mk. 3— Abon. 2. Qu. erh.- Bern: Fr. 15 25 v. Dtsch. Ver.„Antibismarckspende" pr. Ufd. dkd. erh- — Brqdf.: Mk. 3- Ab. 2. Qu. erh.— I. M. Btz.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— Rxdrfr.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh.— E. Weiland, Rio de Janeiro: Fr. 20— ä Cto. Ab. u. Schft. erh. Aufstllg. folgt. AlleS besorgt.— Neckarspitze: Mk. 3— Ab. 2. Qu. S. u. H. erhalten. Mk- 4— pr. Ufs. dkd. eingestellt. Chr. ist der Vorname. Dank für weiter Ermitteltes.— L. M. Hmg.: Mk. 4 30 Ab. 2. Qu. erh.— C.H.Hgn.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— F. Sch. M. in W.: Mk. 2 20 s. Schft- erh— L. H. Fthl.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— P'atore: Mk. 35 46 Ab. 4. Qu. 84, Ab. 1. Qu. 85 u. 1 P. 2. Qu. 85 erh.— Ferd.:»f-i v 3/4. nebst Aufstllg. erh.- W. M. Chr.: MI. 3- Ab. 2. Qu. erh. An unsere Korrespondenten. Wir bitten in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welche Briefe, Sendungen u. s. w. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreßänderungen,»dreßlöschungen und dergleichen ist unbedingt Vorkehrung zu treffen, etwa Lausendes in sichere Hand zu leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch, und Lateinschrift(dehuss Kontrole) deutlichst zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige sind zur Ablieferung sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten. «kpeditiia des Sijialdemskrat. . Die in der so dlancherlc Dieseli Ferien g> Dest Um eine ff® gebot Aeußnur Die F, i�Mtnen wände zi derselben uonen de . Wir h> lehen, bei d'e Rückst Aus d UNg der Wrtften i □" iJ, Samstag. 11. April. Abend« 8 Uhr. im Saale des Djx\ (QUVlU/ Kafe Beck, Spitalquartier: Heschloffene �ersa««l»«g der deutsche« Soziklisteu.£er Tagesordnung: renh Wichtige Parteiangelegenheiten. 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