lebt. Ufr' Srscheint »»««»tlich einmal . Zürich(Schweiz). � pSerfaii CM. y";09 3' S �»lftbnchhandlnng "iTi Hattingen- Zürich. t W JoSfeninnuen trank» gegen frank» «ewihnliche Briese »ach der E ch w e t i kosten Doppelporto. °rh.- 75 !vent» Du. 1 lb.«> bm iefts« rbJE >.». -I Beil« ) St - M rh. mz« iiins«« -ß:? Der ZoMldemoKrat .entral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen schwei>erlschen Postbureaur. sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» zahlbaren VierteljahripriiZ von. Fr 2—sllrdieSchwetz(Kreuzband) Mk 2— sllr Deutschland(Touvert) fl. 1.70 für Oesterreich(Eouvett) Fr. 2 so für alle übrigen Linder de« Weltpostverein»(Kreuzband). Znseraie die dreigeipaltene Petitzeile 25 Ci».= 20 Pfg. .« 18. ZtoMerffag, 30. April 1883. Avis an dir Abonnenten und Aorrespondenlen des„SoziardemoKral." IN Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bezw versolgt wird und dl« dortigen ... Da der.Sozialdemokr»«- sowohl in Deutschland-» auch In Oesterreich verboten ist,.. �., JjJfitben fich alle Muhe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglich� �u erschweren, resp. �Briefe von dort an un» unsere'ieitunaS. und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und auch uns möglichst unverfängliche ZustellungSadrefien mitgetheilt werden. In zweifelhasten Fallen empfiehlt fich behufS barf keine VorfichtSmastreael versäumt werden die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Jnhalb!> Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen um trotz aller ber Sendungen zu täuschen und letztere dadurch zu schützen Haupterfordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten< stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern Rat Parti er» vor« >loM tahl rt«1 a/3». sta ! Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen Haupterfordernis Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Unbesiegbarkeit der Sozialdemokratie. VII.(Schluß.) Aus dem Vorhergegangenen wird es dem Leser zur Gewißheit Zeivorden sein, daß wir e8 in der Schrift des Herrn Schäffle wit einer Tendenzschrift in de« Worte» vollster Bedeutung Zu thun haben. Anstatt des versprochenen wissenschaftlichen Beweise» von der„Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie" liefert fie lediglich, wie wir schon im dritten Artikel bemerkten, ollerhand Rezepte zur Konservirung der heutigen AuS- beutergesellschaft. - Herr Schäffle will uns glauben machen, daß er mit dieser l0nW seiner neuesten Schrift sich keineswegs in Gegensatz zu seinen früheren Schriften: der„Quintesienz" und„Bau und Leben des � sozialen Körpers" gesetzt habe, sondern bezeichnet ste als eine 'chon damals in Aussicht genommene„Ergänzung" derselben. Mag sein, uns hat fie zum Mindesten, wie gesagt, nicht über. rascht. Soviel aber steht fest, daß ste eine ganz eigenartige„Er- rotzd«» Sänzung" ist, wie des Näheren in der Stuttgarter„Neuen Zeit" zu lesen. i a st � Hat Herr Schäffle, als er die gmannten Schriften schrieb, ebenso gedacht wie heute, so ist er unbedingt Meister in der Kunst, ander« zu reden, als er denkt. Für den Minister a. D. 1(oder z. D. s) des Landes der Niedertracht und Heuchelei eine zweifelsohne sehr empfehlenswerthe, für den Mann der Wissen- schaft, als welcher Herr Professor Schäffle sich doch auch welck gern aufspielt, eine wenig ehrenvolle Kunst. Zn der„Quint- Ä Essenz" beweist Hr. Schäffle die H i n f ä l l i g k e i t derselben gegen i,d s> kie Durchführbarkeit des Sozialismus ins Feld geführten Argu- .uui mente, die er in seiner angeblichen„Ergänzung" als Beweise für besten Aussichtslosigkeit auftischt.„Bau und Leben" rum wimmelt von Lobliedern auf die sozialistische ZukunftSgesellschaft, und in seiner„Ergänzung" weiß er dieselbe nicht grau genug rat. ZU schildern. J So bedingt, um ein drastische» Beispiel anzuführen, in der 'Quintessenz" der Sozialismus„nicht nothwendig die Aufhebung ber Familie und Ehe", im„Bau und Leben" ist es der Sozia- KimuS, welcher erst die echte Ehe bringen, die Frau zu einer > kiM höheren Stellung erheben wird; in der„Aussichtslosigkeit" da- enbl �2en wird dem Sozialismus nicht nur schlechtweg die„Ersetzung ber Familienerziehung durch die Staatsammenschaft" unterstellt, Indern auch die absurde Forderung auf„gleichen Anspruch eines � iiden auf die geschlechtliche Gunst jedes beliebigen anderen In- bividuums", der„schändbare Knechtschaft" bedeuten würde. j Schade, daß Herr Schäffle ein geschworner Feind alles Zi- e. � llrens ist, wir wären wirklich begierig zu erfahren, wo er denn wittlerweile diese gräßliche Forderung gelesen. Ferner erzählt unS Herr Schäffle in„Bau und Leben", daß w der sozialistischen ZukunftSgesellschaft„ein Hauptübel sozialer Ernährung(welcher Still), der zyklische Wechsel von hitzigem Produziren und von Absatzstockung, von hypertrophischer Ueber- schwemmung und atrophischem Verkommen" in jetzigem Maße nicht da wäre.„Fast stündlich würde der neueste Stand aller Ertragsaussichten und Bedarfsgrößen bei den Zentraldirektionen �lr gestellt, ein unermeßlicher Vortheil, wie ihn die kapitalistische Ordnung nie und nimmer zu er« n n� reichen vermag."... ng r Und wie heißt eS in der„Aussichtslosigkeit"? »Nicht erfüllbar ist ein neuntes Versprechen des demokratischen Kollei- vi». Nvismus: die Verhütung aller Erwerbsstockungen."____„Die Konjunktur ist nicht blos Macht der Sozial-, sondern auch der Naturzusammen- - � hänge und ein sehr großer Theil beider Arten übermächtiger Verkettungen wären auch für den Volksstaat unbeherrschbar. Das Schwanken der Ernten, der Wechsel warmer und kalter Winter, die Umwälzungen in L) si Technik, die Unregelmäßigkeit in der Bevölkerungsbewegung, der ■I Aangel an Organisation der Auswanderung und der Arbeitsnachweisung, ivbie!■ Steiheit der Berufs- und Ausenthaltswahl, die Freiheit der Bedürf- Heber ssZhbkstimmung und Anderes haben einen sehr großen und nicht zu ver- . j:, Agenden Antheil an jenen Gleichgewichtsstörungen. Selbst der„Zu- �! U n f t s st a a t" könnte dieser Ursachen nicht einfach � Herr werden und auch im Jetzt st aat sind starke und Ausreichende Schutzwehren durch eine positive So- iial- und Wirthschaftspolitik mögli ch." 1 Wir begnügen unS damit, die beiden Sätze neben einander Zu stellen, jeder erläuternde Zusatz unsererseits würde die Wir- �ung nur abschwächen. 8 � Wozu aber uns länger bei dem Konstatiren solcher einander strikt widersprechender Sätze aufzuhalten, zwischen deren Formulirung steht immerhin eine Reihe von Jahren liegt, wenn sich unS in der dorliegenden Schrift selbst Widersprüche in Hülle und Fülle auf- —> drängen? Man lese nur nach, in welch' mannigfacher Deutung da die Worte Freiheit, Gleichheit, Demokratie rc. auftreten. Daß «l» möglich an den.Sozialdemolrat'. resp desien Verlag selbst abresslren, sondern sich mögllchst an irgend eine unverdöchNg« Adresii außerhalb Deutschland» und Oesterr-Ich» wenden, welche sich dann mit UN» in Verbindung setzt! anderseit» aber, daß '....... größerer entgegen- sche die„wahre Freiheit und Gleichheit" den Kapitalismus an seinem Platze rechtfertigt, aber dir politische Gleichberechti- gung, die Demokratie ausschließt, ist noch das Wenigste. Die„wahre Gleichheit" liegt nämlich in der sozialen und po- litischen Ungleichheit, und waS dergleichen dialektische Kunststückchen mehr sind. So heißt es z. B. S. 14:„Republikaner ist der Sozialdemokrat im Staat, damit jedes Individuum auch Staatsoberhaupt soll werden können; die Frage der besten Be- stellung des RegicrungSorganS ist also untergeordnet dem politi- scheu Individualismus." Auch hier können wir sagen: Kom- mentar überflüssig! Die stupende Logik oder Unlogik liegt zu klar auf der Hand. Daß es Herrn Schäffle nicht darauf ankommt, ohne Spur eine« Beweises uns den krassesten Blödstnn zu unterstellen, ist bereits an anderer Stelle gesagt worden. Hier noch eine solche Unterstellung:„Er(der Sozialismus) begeht den fast wahn- witzigen Fehler, das Glücksproblem lediglich als wirthschaftliche Vertheilungsfrage aufzufassen." Ist natürlich dem Sozialismus nie eingefallen, so wenig er sich durch das Philistergeschwätz von dem oft„armen reichen" und dem„reichen armen Mann" über die Thatsache hinwegtäuschen läßt, daß bei materiellem Elend das, WaS man Glück nennt, einfach nicht möglich ist. Nach Herrn Schäffle weist aber„jede Minute Familienglück, jede Stunde frommer Andacht, jede Sekunde schöpferischen Denkens,... jeder Trost im Sterben auf das Gegentheil hin." „Es ist das alte Cntsagungslied"... Die Schlußausführungen Schäffle's lassen sich schon nicht mehr unter den Begriff Rezepte zusammenfassen, sie sind ein ganze» Regierungsprogramin. Hier streift der moderne Faust feine professorale Hülle vollständig ab und zeigt sich in seiner ganzen Glorie als k. k. Kanzler und Minister, dessen letzte Weisheit im Appell an die himmlische unv irdische Gensdarmerie und in allerhand„staatsmännischen" RegierungS- Praktiken besteht. Herrn Schäffle's Schwärmerei für die Kirche haben wir schon erwähnt, wir brauchen auf sie nicht mehr zurückkommen. Kon- statiren wir nur. daß Herr Schäffle der protestantischen und katholischen Kirche den Rath gibt, im Interesse der gutm Sache — Schutz der bestehenden Gesellschaftsordnung— sich hübsch zu vertragen, einen Rath, den sie hoffentlich schleunigst befolgen werden. Aber„daS äußerste Mittel des Staates gegen Umsturz ist die Armee."„Diese bleibt unbedingt zuverlässig, wmn der Bauern- stand und eine die Offiziere liefernde königstreue Gentry(Land- junkenhum rc.) erhalten bleiben."..„An diesen Säulen darf nicht gerüttelt werden" und braucht nicht gerüttelt zu werden. Abrüstung gibt es nicht,„solange cS Millionen Sozialrevolutionäre gibt." DaS sagt derselbe Herr Schäffle auf S. 103, der auf S. 3 erklärte: „Was beweisen denn diese Siege? Daß einige Hunderttausende von Wählern unzufrieden sind, was allerdings alle Beachtung verdient; daß dieselben Hunderttausende vom Liberalismus und von der bürgerlichen Demokratie nichts mehr erwarten; daß die positive Bekämpfung des Sozialismus, die kaum erst eingeleitet ist— am 1. Dezember trat die Krankenversicherung in Kraft— noch nicht fühlbar ist; daß das Maul- korbgesetz die eigene und unausbleibliche innere Zersprengung der Sozial- demokratie in Atome verhindert hat. Dies ist Alles!" Also hier ungefährlich und dort— rotheS Gespensti Aber auch daS ist beileibe kein Widerspruch, sondern nur Er- gänzung! Exzellenz Schäffle„ergänzt" denHerrnPro- fissor Schäffle. Natürlich„fürchtet" sich Exzellenz Schäffle durchaus nicht vor dem bösen Namen„Ausnahmegesetz", dagegen erklärt der weiland Mitarbeiter der„Neuen Gesellschaft", daß„im Strafrecht gegen die Männer des Dynamits noch nicht genug geschehm ist, so- lange der politische Meuchelmord und die Aufforderung dazu nicht allgemein, wie der gemeine Mord und dessen Anstiftung, Bestrafung und Auslieferung begründen... Der Mißbrauch deL AsylrechteS durch Mordbrenner ist die wahre„Schande des zur Neige gehenden 19. Jahrhundert« I" Exzellenz Schäffle schwärmt auch für da» Bündniß von Skier« newice, durch daS„eine machtvolle Bürgschaft" gegen„soziale Revolutionsversuche glücklicherweise" geschaffen" ist. Seite 105 erklärt er: „Alle drei Kaisermächte zusammen rennt die Sozialdemokratie nicht über den Haufen. Ich sehe namentlich in Oesterreich einen sozial werth- vollen Faktor der Allianz. In Oesterreich kann— Mangels der Ratio- naleinheit— eine ähnliche Sammlung der Sozialdemokratie wie in Deutschland kaum stattfinden; daS erregbare Naturell österreichischer Völker läßt vielleicht mehr Anarchisten entstehen, mit welchen die Polizei und Kriminaljustiz in ordentlicher und außerordentlicher Bewaffnung fertig werden; eine einheitliche Revolutionsarmee der Sozialdemokratie hat Oesterreich-Ungarn nie zu fürchten. Oesterreich wird sich wie immer als der Hort der Erhaltung gegen den Umsturz bewähren." Mit diesem charakteristischen Ausspruch wollen wir schließen. Er kennzeichnet den Mann und sein Buch so treffend, als es nur etwa» vermag. Herr Schäffle ist„beileibe kein Reaktionär!" ( Er empfiehlt nur lauter Maßregeln, welche den gesellschaftliche Fortschritt hemmen sollen, und unterstützt die reaktionärsten Ein- richtungen, wenn sie dazu angethan sind, die Gesellschaft gegen die Sozialdemokratie zu schützen. In der That, wenn das niederträchtigste aller Staatengebilde, das in allen Fugen krachende Oesterreich, schließlich als„Hort der Erhaltung gegen den Umsturz" aufmarschiren muß, wenn daS schmachvolle Dreikaiserbündniß, das noch lebensunfähiger ist als seinerzeit die„heilige Allianz", den letzten Damm wider die anstürmende Sozialdemokratie bilden muß, dann heißt das nichts Anderes, als daß der Sieg der Sozialdemokratie un- abwendbar ist. Die heilige Allianz ging in Trümmer vor dem Anprall der bürgerlichen Revolution, nur Rußland hielt fich als Hort der Reaktion bis zum Krimkriege, aber heute hat Rußland die Revo- lution im eigenen Land! Und mag Herr Schäffle, eine männ- liche Neuauflage der hochseligen Frau von Krüdener, sich die Finger wund schreiben zur Verherrlichung der neuaufgelegten heiligen Allianz, diese eine, nicht wegzuleugnende Thatsache besiegelt ihr Schicksal. Sie wird, wenn nicht früher, an dem Tage in die Luft fliegen, wo Rußland sein unvermeidliches inneres Se- bastopol findet. Das„eherne Lohngesetz" als Argument der Volksausbeuter. Wir leben heute im Zeitalter der sozialistischen Phrase. Die Schlag- worte, deren sich die sozialistische Agitation vor einem Jahrzehnt bediente, um die Massen aus dem Schlafe zu rütteln, werden heute von den Feinden der Sozialdemokratie dazu benutzt, die Massen in jeder Weise hinter's Licht zu führen! Vom Ministertisch aus ist der Kampf wider die„kapitalistische Produktionsweise" sanktionirt worden, der Chor der BlSmarck'schen Reptile proklamirt in allen Tonarten den„Kampf wider das Manchesterthum", und der„Schutz der produktiven Arbeit" ist die Parole, unter der das Krautjunkerthum für Erhaltung und Erweiterung seiner Privilegien eintritt. Wir sind indeß weit entfernt, diese Thatsache zu beklagen— im Gegentheil, wir freuen uns ihrer. Soweit die Phrase richtig ist, kann ihr Mißbrauch unseren Gegnern höchstens zu vorübergehenden oder Schein-Erfolgen verhelfen, während die Wirkung ihrer Agitation auf die Massen eine tiefergehende sein muh, als sie selbst beabsichtigen; in diesem Sinne sagte Liebknecht richtig: sie glauben uns zu haben, und wir haben sie. Soweit aber die sozialistische Phrase unrichtig oder, was hier das beste Wort: ungenau, u n w i s s e n s ch a f t l i ch ist, hat ihr Miß- brauch seitens unserer Gegner die höchst nützliche Wirkung, uns von ihr zu emanzipiren, uns zu klarem, präzisem Denken anzuhalten. Eines der beliebtesten sozialistischen Schlagworte war und ist der Hinweis aus das sogenannte eherne ökonomische Lohngesetz. Es wird daher manche unserer Leser überraschen, zu erfahren, daß in einer der letzten Reichstagssitzungen ein Vertreter der Ausbeuterklaffe den allerdings mißglückten Versuch gemacht hat, dasselbe gegen uns, gegen die Interessen der Arbeiter ins Feld zu führen. Es war in der Sitzung vom 23. April d. I., und zwar bei Berath- ung der famosen Anträge auf Erhöhung der Zölle auf Nähgarn. Genosse Singer hatte in einer eingehend?» Rede den Nachweis ge- liefert, daß die projektirte Erhöhung viele Tausende armer Näherinnen in ganz erheblichem Maße belasten würde, während die deutschen Näh- faden-Fabrikanten keineswegs auf diesen Schutz angewiesen seien, da ein großer Theil von ihnen schon heute recht ansehnliche Dividenden ein- streicht, und eine Reihe nothleidender Fabriken dieser Branche lediglich „vergründerte" Aktiengesellschaften") sind. Da warf sich mit dem ganzen Pathos eines modernen Schutzzollagi- tators der sächsische Abgeordnete Gehlert ins Zeug. Auf die Redens- arten, mit denen er die Erhöhung der Garnzölle als nothwendig für die Nähfadenindustrie zu rechtfertigen suchte, haben wir hier nicht einzu- gehen, wohl aber aus seinen genialen Nachweis von der Unschädlichkeit derselben für die übrige Arbeiterschaft, denn dieser bestand in nichts Geringerem als im Hinweis auf das„eherne L o h n g e s e tz" l Hören wir den ehrenwerthen Fabrikanten selbst: „Meine Herren, die Gesetze, nach welchen sich die Arbeitslöhne regu- liren, sind unabhängig von der sogenannten Schutzzöllnerei, wie sie neu- lich der Herr Abgeordnete Braun nannte, und auch unabhängig vom Freihandel; die reguliren sich nach dem anderen Gesetz, nach dem ehernen Lohngesetze." (Sehr richtig! links.) — Sie rufen:„Sehr richtig!" meine Herren von der sozialdemokratischen Partei,— das freut mich; ich wundere inich aber, warum der Herr Abgeordnete Singer vorhin in seinen Ausführungen anläßlich des armen Mannes das eherne Lohngesetz außer Acht gelassen hat. Denn nach dem ehernen Lohngesetze kann es dem Arbeiter gar nichts helfen, ob er höhere Löhne bekommt oder niedere; nach dem ehernen Lohngesetze ist es gleich- giltig, ob der Standard ot life(Lebenshalt) hoch oder tief ist. Und wenn das also ist, wie wollen Sie nun sagen, daß Sie durch die Niederdrück- ung des Standard ok life, daß Sie durch irgendwelche Zölle nun plötz- lich das eherne Lohngesetz an die Luft setzen können. Sie sollten das nicht thun, meine Herren; das eherne Lohngesetz ist der Ast, worauf Sie sitzen, und ich muß mich wundern, daß Sie lieber diesen Ast sich selbst absägen, als daß Sie auf dieses Agitationsmittel verzichten. Meine Herren von der Sozialdemokratie, ich wist Ihnen mittheilen, warum Sie das thun. Wenn Sie die Wahrheit sagen, wenn Sie die Konsequenzen dieses ehernen Lohngesetzes ziehen würden, insbesondere auch die Kon- sequenz, daß das eherne Lohngesetz auch Ihre Staatsproduktion widerlegt, was ich beiläufig bemerke, fo müßten Sie sich an den V e r st a n d der Massen wenden, und wenn Sie sich an den Verstand der Masse wenden. ") Eine dieser vergründerten Anstalten ist die H e i l b r o n n e r Näh- fadenfabrik. Als guter Lokalpatriot stimmte daher der Bolksparteiler Härle für Erhöhung der Nähgarnzölle! Wir werden uns erlauben, diese Thatsache der„Frankfurterin", wenn sie sich wieder einmal unS gegenüber aufs hohe Roß setzen will, unter die Nase zu reiben. ! und nicht an die Begierde, und ihnen also— ich wiederhole es— die Wahrheit sagen würden, meine Herren, so würden Sie innerhalb Jahres- frist neun Zehntel Ihres Anhanges verloren haben. Darum behalten Sie bei— neben dem ehernen Lohngesetz— dieses Agitationsmittel von den billigen Lebensmitteln, dieses Märchen von einseitiger Belastung des armen Mannes. (Zuruf links.) — Ich habe nicht verstanden."----.... Es wäre uns interessant, den Zwischenruf zu erfahren, den Herr Gehlert„nicht verstanden" haben will, er genügte nämlich, den Herrn zu veranlassen, plötzlich aus ein anderes Thema überzuspringen. Jndeß, er hatte auch ja seinen Trumpf schon ausgespielt: ob hohe Löhne oder niedere, ob theure Lebensmittel oder billige, das ist alles eins vor dem „ehernen Lohngesetz", an der Lage des Arbeiters wird ja doch nichts geändert. Wäre das„eherne Lohngesetz" in jener abstrakten Form richtig, wie es von den Oekonomen aufgestellt worden ist, von vielen Sozialisten geglaubt wurde und noch heute von den. Anarchisten— die auch hier hinter der sozialistischen Kritik zurückgeblieben sind— geglaubt wird, so hätte Herr Gehlert freilich nicht so Unrecht; aber die sozialistische Krttik hat längst den Nachweis geliefert, wie absurd es ist, anzunehmen, daß jede Schwankung der Lohnhöhe im Handumdrehen eine Aenderung des Verhältnisses der angebotenen zur gefragten Arbeitskraft nach sich ziehen müsse. Für das Verhältniß von Arbeitsangebot zur Arbeitsnachfrage sind, wie Marx— auf den hinzuweisen Herr Gehlert den Muth hat, obwohl er ihn offenbar nie gelesen— im„Kapital"(2. Aufl. S. K37 und folgende) nachgewiesen hat, noch eine ganze Reihe anderer Faktoren maßgebend, welche den Einfluß eines Wechsels im Lohnsatz, bezw. im Einkommen des Arbeiters auf dasselbe vollständig aufzuheben im Stande sind. Wir nennen nur: die beständigen Aenderungen im Produktionsver- fahren, das sich täglich vollziehende Hinauswerfen der durch Maschinen „überflüffig" gemachten Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt, die Wirkung von Krisen und sogenannter Prosperität, welch' letztere nachgerade zum Mythus zu werden scheint, die stetig anwachsende Reservearmee k. ic. Es ist geradezu kindisch, uns glauben machen zu wollen, eine Ver- schlechterung des Einkommens der Arbeiter einer bestimmten Branche habe sofort eine Verminderung des Arbeitsangebotes zur Folge. Diese wäre doch dann nur auf zweierlei Weise zu erreichen: Entweder ein Theil derselben geht zu anderen Branchen über oder er verhungert. Letzteres hielt Singer mit Recht Herrn Gehlert entgegen', denn daß die Näherinnen so von heute auf morgen in anderen Betrieben unter- kommen oder es mittels Koalitionen durchsetzen können, den Ausfall, den ihnen die Vertheuerung des Nähgarnes bereitet, auf Andere abzu- wälzen, das wagt angesichts der jämmerlichen Arbeitsverhältniffe heute Niemand zu behaupten. Aber gilt das nicht»achgerade von allen Arbeitern? An dem ehernen Lohngesetz ist nur soviel richtig, daß, da die Arbeits- kraft in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft eine Waare ist, ihr Preis auch, wie der jeder anderen Waare, dem Gesetz von Angebot und Nachfrage untersteht. Diese Abhängigkeit von einem Verhältniß, auf deffen Bestimmung er entweder gar keinen oder nur minimen Einfluß hat, ist neben seiner sozialen Abhängigkeit von der Kapitalistenklasse Dasjenige, was sich im vollen Sinne des Wortes dem Proletarier als etwas Ehernes offenbart, was wie Erz auf ihm lastet. Sein Lohn selbst ist keineswegs so„ehern", als man nach dem Namen ehernes Lohn- g e s e tz schließen sollte, er ist vielmehr nur zu elasttsch, just so elastisch wie der Magen des Proletariers. Ist auch die Arbeitskraft auf dem Markte eme Waare, so ist doch ihr Träger, der Arbeiter, ein Mensch, so- gar ein„freier" Mensch, und das ändert die Wirkung des Gesetzes von Angebot und Nachfrage auf ihren Preis ganz bedeutend. Bei jeder anderen Waare besteht diese Wirkung darin, daß ihr Preis um ihren Werth beständig oszillirt, sich nie längere Zeit erheblich von ihm entfernt; bei der Waare Arbeitskraft ist letzteres aber die Regel geworden, und zwar in dem Sinne, daß sie von Tag zu Tag mehr unter ihrem Werths bezahlt wird. Der Werth jeder Waare besteht in der zu ihrer Herstellung gesellschaft- lich nothwendigen Arbeitszeit, der Werth der Waare Arbeitskraft in den zur Erhaltung und Fortpflanzung des Arbeiters nothwendigen Lebens- mittel». Nun ist aber der Umfang der sogenannten nothwendigen Lebensmittel keineswenigs etwas unter allen Umständen Gleiches, sondern, um mit Marx zu reden,„selbst ein historisches Produkt und hängt daher großen- theils von der Kulturstufe eines Landes, unter Anderem auch wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, und daher mit welchen Gewohn- heiten und Lebensansprüchen die Klaffe der Arbetter sich gebüdet hat. Im Gegensatz zu den anderen Maaren enthält also die Werthbestimmung der Arbeitskraft ein h i st o r i s ch e s und moralisches Element." (Kapital I., 2. Aufl. S. 156.) Man sieht also, der Werth der Waare Arbeitskraft ist keineswegs identisch mit dem Werth der zur nothdürftigsten Lebensfristung absolut unentbehrlichen Lebensmittel. Sinkt der Lohn des Arbeiters auf dieses Minimum, so sinkt er unter ihren Werth, und wenn die Herren Schutzzöllner, die Gehlert und Konsorten unverfroren die Be- hauptung in die Welt schleudern, daß jede Vertheuerung der Lebens- mittel für den Arbeiter gleichgiltig sei, so sagen sie damit nichts anderes, als daß der Arbeitslohn aus das äußerste Minimum reduzirt ist, so ge- stehen sie damit, daß der Arbeiter nicht nur um den Mehrwerth seiner Arbeitsleistung, sondern auch noch um ein erhebliches Theil vom Werths derselben geprellt wird. Nun, das Letztere ist nicht zu bestreiten, mit Riesenschritten arbeitet das moderne Ausbeuterthum darauf hin, den Lebenshalt der Arbeiter- klaffe immer mehr zu reduziren— von der einen Seite durch Lohn- reduktionen, von der anderen Seite durch Vertheuerung der nothwen- digsten Lebensbedürfnisse. Leider ist aber der Magen der Arbeiter und namentlich der Arbeiterinnen so elastisch, daß sie das wirkliche Minimum noch immer nicht erreicht zu haben scheinen. Man begreift aber jetzt, warum die Bourgeois das eherne ökonomische Lohngesetz in seiner ideologischen Formulirung— daß nämlich der Werth der Arbeitskraft unter allen Umständen gleich dem Unterhaltsminimum— gern gelten laffen möchten. Der Arbeiter soll sein Elend als etwas Unabwendbares, als eine Art Naturgesetz betrachten, und sich als Fatalist geduldig das Fell über die Ohren ziehen lassen. Er soll sich in den Wahn wiegen, als finde wirklich jede Aenderung seines Einkommens binnen Kurzem ihre natürliche Ausgleichung. Aber die Arbeiter haben, wie gesagt, längst das Falsche dieser Auf- fassung erkannt. Sie haben eingesehen, daß das Lohngesetz der kapita- listischen Gesellschaft eine Reihe von Modifikationen zuläßt und den nicht- organisirten, widerstandsunfähigen Arbeiter immer tiefer ins Elend stürzt; daß sie daher jedem Versuch, ihr Einkommen zu schmälern— sei es durch Lohnreduktionen, sei es durch indirekte Steuern rc. mit allen Mitteln sich zu widersetzen haben. Sie werden sich dabei von der Illusion freihalten, als ob dieser Widerstand allein genüge; sie werden nach wie vor ihr Augenmerk darauf richten, das Joch des wirklichen ehernen Lohngesetzes durch Beseitigung des ganzen Lohnsystems zu brechen,— aber in Erwartung ihrer endgiltigen Befreiung sich vorläufig geduldig zu chinesischen Knlis herabdrücken lassen, dazu, Ihr Gehlert und Konsorten, dazu sind unsere Arbeiter am allerwenigsten dadurch zu bewegen, daß Ihr ihnen vom„ehernen ökonomischen Lohngesetze" vor- schwatzt! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 29. April 1885 — Der Krieg zwischen Rußland und England scheint nach den neuesten Nachrichten„unvermeidlich"; das heißt die Ruffen zeigen nicht die geringste Lust, auf die Forderungen einzugehen, welche die englische Regierung stellen muß, um ihr Ansehen in Indien und Afghanistan aufrecht zu erhalten. Augenblicklich ist der Meinungsaus- tausch zwischen dem Wallfisch- England und dem Bären- Rußland in das Stadium der Drohungen eingetreten— hüben und drüben droht man in der Presse für die Eventualität des Krieges mit den großarttg- sten Repreffalien, man werde jede Rücksicht fallen, alle Minen springen laffen. Ruhland droht, England durch Ertheilung von Kap er bliesen (d. h. Vollmachten zur Kaperei) an amerikanische Schiffe zur See matt- zusetzen, und läßt außerdem in oeutschen und französischen Zeitungen die Stärke seiner Torpedoflotte in furchtbarstem Lichte erscheinen; die Engländer drohen mit Entsendung von Kriegsschiffen ins Schwarze Meer und deuten verblümt auf die Jnsurgirung Polens:c. hin. Aus diesen Drohungen wäre unter normalen Umständen vielleicht eher der Wunsch herauszulesen, in irgend einer Weise um den Krieg herum- zukommen, wie wir aber bereits in früheren Nummern gezeigt haben, scheint es diesmal doch Ernst werden zu wollen. Welche Entwickelung die Dinge alsdann nehmen werden, läßt sich einstweilen noch nicht ab- sehen, so viel aber ist sicher, daß der Krieg in seinem Verlauf für die Gestaltung der europäischen Verhältnisse von höchster Tragweite sein kann. Mit Rußlands Niederlage ist ver Sturz des Czaren-Absolutismus, des letzten Bollwerks der europäischen Reaktion, besiegelt, und daß eine „neue Aera" in Rußland nicht ohne Rückwirkung auf Deutschland und Westeuropa bleiben kann, darüber brauchen wir wohl kaum erst ein Wort zu verlieren. Die„wohlwollende Neutralität, welche Bismarck Rußland gegenüber einnimmt, und die den kolonialwüthigen deutschen Spießbürger so sehr entzückt, zeigt sich da in ihrer ganzen reaktionären Gestalt. Die seinerzeit mit so vielem Geschrei in Szene gesetzte Ver- stärkung der östlichen Garnisonen ist nicht gegen Rußland, sondern gegen dessen Feinde, gegen russische und polnische Revolutionäre gerichtet: Preußen-Deutschland deckt Rußland den Rücken, und Oesterreich sieht neutral zu, bis Gladstone die Augen darüber aufgehen, wie sehr er sich von den Russen hat einseifen lassen. Es ist in der That eine bezeich- nende Thatsache, daß Herr Gladstone, der große Russenfreund, jetzt auf der Suche nach Allianzen gegen Rußland just bei den Mächten anklopfen muß, gegen die er auf Kommando feiner„Freundin", der famosen Frau von Novikow, am lautesten gebellt: bei Oesterreich und bei der Türkei. Natürlich läßt sich Bismarck die augenblickliche Verlegenheit Englands durch die Reptilienpreffe wieder auf das Konto seiner genialen Diplo- matie schreiben, und der deutsche Krämer ist auch beschränkt genug, in lautes Freudengelchrei darüber auszubrechen, daß es dem„Krämervolk" jenseits des Kanals jetzt an den Kragen gehen soll. Wäre die Sache nicht so ernsthaft, so könnte man über diese kindische Auffassung der Dinge wirk- lich nur lachen. Also England ist die„Krämernation" und muß des- halb vernichtet werden, was aber Rußland ist, danach wird nicht ge- fragt, von der rücksichtslosen r u s s i s ch e n Handelspolitik, von Ruß- lands Abschließungssystem— um nur von materiellen Fragen zu reden, da der„ideale" Deutsche für andere keine Zeit hat— ist Alles still. Die Bismarck schen Reptile treiben den Ruffenkultus so unverschämt, daß selbst einem so zahmen Blatt, wie der nationalliberalen Münchener „Allgemeinen", die Sache zu arg wird. Ihre Beklemmung macht sich in ihrer Nummer vom 27. April in folgendem Stoßseufzer Lust: „Die Dinge haben in den letzten Tagen eine gewisse Trübung ersah- ren; selbst Herr Gladstone kann nicht mehr wie er will. Und was auch das liberale Kabinet gesündigt haben mag, in dem Herzen des englischen Volkes findet der Appell an die Furcht so wenig Widerhall wie in Deutschland. Da wäre es nun höchst rathsam, daß die Neutralen sich auch wirklich, in That und Wort, neutral vorhielten, daß die Offiziösen allenthalben an die Leine gelegt würden, damit nicht im Glauben an die Unfehlbarkeit unseres großen Staatslenkers die öffentliche Meinung ver- wirrt werde, damit sie nicht, was Stratagem ist, für Ueberzeugung halte. Unser Volk hat ohnehin, trotz oder wegen der großen Erfolge, die nicht immer nach dem Kodex der Moral errungen wer- den(!), Einiges an seiner geraden, offenen Denkweise eingebüßt; es ist auf Kredit der Wortführer etwas überschlau geworden, so was man„superklug" zu nennen pflegt. Die Polittk mag ihre Wege gehen und, wie bisher, Alles herrlich hinaussühren; aber sie soll nicht dem Volke den sittlichen Horizont trüben und seine schlichte Denk- weise verkehren!" Dieser fromme Wunsch macht dem guten Herzen der Münchnerin alle Ehre, kommt aber etwas sehr spät. Wer jahrelang die Bismarck'sche Politik als das von plus ultra irdischer Weisheit gepriesen hat, wer noch immer Tag für Tag die Reklametrommel für dieselbe schlagen Hilst, der darf sich nicht wundern, wenn schließlich„unser Volk" auf den„Kre- dit der Wortführer" zum blöden Hödur geworden ist. Im gegenwärtigen Moment ist es Pflicht Aller, die nicht mit Leib und Seele an das Czarenthum verkauft sind, die„wohlwollende Neutralität Deutschlands" als das zu denunziren, was sie wirklich ist: die in- direkte Förderung ver rü isischen Jntrigueu. — Wen Wilhelm, der„Mildherzige", begnadigt, und wen er nicht begnadigt. Wenn der deutsche Spießbürger in Bismarck eine Art überirdischer Vorsehung erblickt, vor dessen Allweis- heit männiglich in den Staub zu sinken hat, so sieht er in dessen„Kai- serlichen Herrn" den Inbegriff alles Edlen und Erhabenen. Kaiser Wil- Helm ist ihm„der Gute"; er heult ordentlich vor Rührung, wenn er von dem„Heldengreis" spricht, der trotz seiner 88 Jahre noch immer über ein ganzes Volk zu regieren— sich anmaßt. Wollte man sich nach dem Warum dieses rührenden Beinamens fragen, man würde dieselbe Ant- wort erhalten wie auf die Frage, warum eigentlich der edle Hohenzoller den Titel Heldengreis führt. Er ist ein Held wie Blumauers frommer Held Aeneas, und höchstens in dem Sinne„gut" wie Offenbachs „Menelaus der Gute, laus der Gute":c. Mit andern Worten: Weil er nicht jeden Tag einen notorischen Schurken- streich verübt, dagegen bei paffenden Gelegenheiten gern eine Thräne vergießt, verehrt ihn der Philister als Ausbund von Güte. Thatsächlich ist der ehemalige Kartätschenprinz aber nichts weniger als was man ge- wöhnlich unter gut versteht. Seine scheinbare Milde ist nichts als Schwäche, im Uebrigen ist er ebenso eigensinnig als beschränkt, und wehe dem, der seinen Launen und Marotten zuwiderhandelt! Er kann gewärtig sein, das genaue Gegentheil von Milde und Güte bei des neuen deutschen Reiches Kaiser kennen zu lernen. Einige Proben, wie es mit dem guten Herzen des 88jährigen Hohenzoller» in Wahrheit bestellt ist, lieferten uns die Zeitungen der letzten Woche. Da lesen wir zunächst in der ganzen loyalen Presse folgende Notiz: „In der letzten in Elbing abgehaltenen Schwurgerichtsperiode wurde der Gastwirth Grunwald durch ein Versehen der Geschworenen wegen Brandstiftung verurtheilt, während bei korrekter Abgabe des Ver- dikts die Freisprechung hätte erfolgen müssen. Die Geschworenen hatten nur mit 7 gegen 5 Stimmen die Schuldfrage bejaht, und es war in diesem Falle nach der jetzigen Strafprozeßordnung der Spruch auf N i ch t s ch u l d i g abzugeben. Trotzdem war er auf Schuldig ohne Hin- zufügung der Stimmenzahl abgegeben und daraufhin die Verurtheilung erfolgt. Erst am folgenden Tage kam das Versehen zum Borschein und wurde gerichtlich konstatirt; das Urtheil war aber jetzt nicht mehr zu ändern und es blieb nur der Gnadenweg offen. Wie die„Elb. Ztg." meldet, ist nun aber auch das Gnadengesuch zurückgewiesen, und der aus Versehen Berurtheilte muß die Strafe an- treten!!" Es wird uns Jeder zugestehen, daß es hier die Pflicht erforderte, das Gnadenrecht auszuüben, aber— Wilhelm war vielleicht nicht gut gelaunt, oder hatte vielleicht zu tief ins Glas geguckt, und— der aus Versehen Berurtheilte muß auf Jahre hinaus ins Gefängnih wandern. Es kommt aber noch besser. Eine zweite Notiz meldet uns:„Das zu Gunsten der Konfektions- dame Ludovica Hosmann aus Posen, welche am 14. v. M. wegen eines Revolver-Attentats auf ihren Geliebten, den Artilleriehauptmann Windeck in Kassel, vom Schwurgerichte zu 18 Monate Gefängniß verurtheilt wurde, von den Geschworenen eingereichte Gnadengesuch ist abschlägig belchieden worden. Windeck ist nach wie vor in seiner Stellun g." Zur Erläuterung, warum die Geschworenen ein Gnadengesuch zu Gun- sten der Verurtheilten eingereicht, diene Folgendes: Dieselbe war von Windeck, der damals noch Lieutenant war, verführt worden und hatte jahrelang mit ihm ein Liebesverhältniß unterhalten; aber, wett entfernt, Geschenke von ihm anzunehmen, in selbstlosester Weise sich und ihre Kinder durch den Fle-ß und das Geschick ihrer Hände ernährt, auf eine gesetzliche Ehe verzichtend. Diese Hingebung vergalt der Schurke damit, daß er, Hauptmann geworden, sich nach Kassel versetzen ließ und dort um ein junges, reiches Mädchen anhielt. In ihrer Verzweiflung ver- übte die Unglückselige ein Attentat auf den elenden Buden. Da sie ihre That nicht leugnete, mußten die Geschworenen sie verurtheilen, aber die Verhandlung zeigte sie in einem so edlen Lichte, daß die Geschworenen einmüthig ein Gnadengesuch für sie einreichten. Und Kaiser Wilhelm, der edelste, hochherzigste, mildeste aller Monarchen weist das Gnadengesuch ab. Ein braves Mädchen muh au 18 Monate ins Gefängniß und— Windeck ist nach wie Hauptmann! Wie konnte das freche Geschöpf aber sich auch an einem Haupt mann vergreifen? Ein Offizier der kaiserlichen Armee, das ist etuuit so Heiliges und Unantastbares, so hoch erhaben über dem gemeine« Plebs, daß der geringste Versuch, einem solchen zu nahe zu treten, sch«« ein strafwürdiges Vergehen bildet. Was Gerechttgkeit, was Menschlich' keit! wer sich gegen das allerhöchste Steckenpferd, die Armee, versündigt, der muß dafür büßen. O welch ein milder, gutherziger König, dieser— Heldeu- greis! Aber, thun wir ihm auch nicht Unrecht? Sind nicht diese vorerwähnt» Fälle nur Ausnahmen von der Regel? Weist er etwa alle Gnaden' gesuche zurück? Nein, er versteht es auch, sein Begnadigungsrecht auszuüben. Es kommt nur darauf an, wo. Da hatten z. B. vor einiger Zeit mehrere Offiziere der Hannover'sche« Garnison einen häßlichen Konflikt mit den dortigen Nachtwächtern. D« jungen Helden— denn Helden sind sie ja alle, alle— hatten ein« Abends in sprühendem Uebermuthe ihrer Jugend allerhand Unfug a« den Straßen verübt, die Passanten, die doch eigentlich verpflichtet(p wesen wären, ihnen bescheiden auszuweichen, angerempelt, und was der gleichen verzeihliche Exzesse— bei Arbeitern würde man es Rohheit» nennen— mehr sind. Als sich schließlich einige Nachtwächter zum Eil« schreiten bemüßigt fanden, da setzten sich die Helden zur Wehre, ver schiedene Kameraden kamen ihnen zu Hülfe, aber trotzdem sie ein» Nachtwächter schwer, andere leicht verwundeten, mußten sie schließlu! �«res Z Ichen Kre alten Sei Publikum derei i dieses Ml — Na, affentlicht lommentii b-iter Betreten. dm. so n der Arbei werden.( In Artik, dmgestell wit einig Polemik l halten,| iethane S »Eozialdi wsantwor Wichtigere «raktton >nuner e: «uch nid °bjekt mit zur Wache, und da ein Nachtwächter nicht nur sozusagen auls ein Mensch, sondern auch ein Beamter ist, so kam die Sache vor ei« Kriegsgericht. Hören wir, wie die K a m e r a d e n der jungen Held« urtheilten. Das Kriegsgericht erkannte, daß: 1) der Sekonde-Lieutenant Siegener, Füsilier-Regiments Nr. 73, zw» nicht wegen thätlichen Angriffs auf einen Beamten, doch wegen kö« perl ich er Mißhandlung in zwei Fällen, wegen rechts widrigen Gebrauchs der Waffe, sowie wegen Wider standes gegen Beamte in der rechtmäßigenAusübuNi ihres Amts mit acht Wochen Gefängniß; 2) der Sekonde-Lieutenant Freiherr von Wüllenweber, Füsilier-Reg« ments Nr. 73, unter Freisprechuno von der Anschuldigung der ver suchten Befreiung eines Gefangenen und des t h ä t lichen Angriffs auf Beamte, wegen körperlicher Miß' �g-nthei schroffes U* schwei d«reffenti Mcht i| "ß die Wbst, Artikeln «was Tg Es ist ung in A SS dlosftellt. Handlung"» nd rechtswidrigen Gebrauchs der Wafsa c—-------- � �«»--...."rauchen sowie wegen Gebrauchs g e r e i mit sechs Wochen Haft; einer Waffe bei einer Schlä' .'°iwoem dÄ"3 versuchter Befreiung eines Gefangenen und thätlichen Angriffs �stire auf einen Beamten während der rechtmäßigen Aus'„J�ties Übung feines Amtes mit fünf Tagen Gefängniß und wegen G» und einem Tage Gefängniß und fünf Tag» bestrafen sei.. Mern Dieses Urtheil ist dem Hannoverschen Bürgerkollegium offiziell mib �Kschsi gethelt worden, mit dem weiteren Zusatz, daß 9 schä „durch Allerhöchste Kabinetsorvre den einet?uf dem b« eine Offizieren die wider sie e r k a n n t e Frei heitsstraf> �gendl von Seiner Majestät dem K a i s e r in Gnaden erlasse«.abtger! worden ist".'toipfl-tu Und nun bestreite man noch, daß Kaiser Wilhelm der„müdeste Mann i so ist. wie Felix Dahn einst so schön gesungen..ab« hei Heil dir, im Siegerkranz! u,,' 0c St — Der deutsche Bundesrath, beileibe nicht zu verwechseln w« Damit dem selig entschlafenen deutschen Bundestag, hat dem berühmt»! �Ner Be deutsch-russischen Auslieferungsvertrag bereits dur� den Mund seines Justizausschuffes seinen Segen ertheilt,— zu welch»— D Niederträchtigkeit hätte er ihn seit seiner Erschaffung durch Bismarli, verschieb den Mächtigen, verweigert?— und so wird das in Skiernewice auSg»;»freien! heckte Machwerk schon in allernächster Zeit den deutschen Reichstag be> derathen. fchästigen. Die Presse ergeht sich bereits in allerhand Kombination««»Uch alle über den Ausgang der Berathung, und da die Entscheidung beim Z e N' � Uederi trum liegt, so ist in der That das Endresultat noch etwas zweifelhaft«rage[c Nicht daß das Zentrum dem Auslieferungsvertrag grundsätzlich gegen» Debaue überstünde— im Gegentheil, soweit bei dieser, durch kirchlich« Interesse« bey zusammengehaltenen Mischmaschpartei von Grundsätzen die Rede seit �otiiWci, kann, lauten dieselben für derarttge politische Nichtswürdigkeiten, ab» die oas Zentrum hat als Partei der Interessen der katholische« stimme Kirche alle Rücksichten auf Polen zu nehmen, und wird sich Rußlan««rbeiter gegenüber etwas steifnackig zu zeigen fuchen. Die Herren Windthorß und Konsorten werden sehr schöne Reden gegen die„exorbitante Mißi!—- g achtung" der persönlichen Freiheit, die aus diesem Vertrage spricht, halt Thema, ten, das heißt mit jenem heiligen Eifer, der ihnen so schön steht, di« Demschix Forderungen der Auslieferung wegen Beleidigung ic. bekämpfen, dagege«lismus" freudig ihre Zustimmung dazu geben, daß AlleS, was der Attentäter» IthUtyt verdächtig ist, von Rechtswegen ausgeliefert werden müsse. War es doq i»0tulth Herr Windthorst, der im Jahre 1881 das Zustandekommen eines intett zeigst. � nationalen Aus lieferungsv ertrages für politische„Meuchelmörder" ai« Deitert el lebhaftesten betrieb.__ Ü�ttets ______ Für uns, die wir allezeit den Standpunkt vertreten haben, daß gegei««i»n>>er, -»»sind.„ über dem brutal-despotischen Regierungssystem der ruffischen Gewalthäbi- m jede Form des Kampfes, welche die absolut rechtlosen„Unterthanen" wähf The,� len, gerechtfertigt ist, für uns, die wir in den Helden des revolutionäre« hohen ji Rußland die Vorkämpfer der Freiheit in allen Ländern erblicken, fü« innkern uns ist selbstverständlich der Auslieferungsvertrag in jeder Gestalt, ob mit reich,.che oder ohne„exorbitante Paragraphen", unannehmbar. Und grade im gegen» Letzt« wärtigen Moment, wo die russische Regierung aus purer Raubgier eine«|Fmam,„ Krieg anzuzetteln im Begriff ist, der vielleicht Tausenden und Abertaf Zuar bei senden das Leben, Hunderttausenden Gesundheit und Lebensglück koste« d«, � wiro, halten wir uns doppelt für verpflichtet, der absoluten MilitarHerr � M � schaft einer Handvoll privilegirter Banditen und Bandit«nspröhlinge«richtj„>, das legitime Selbstvertheidigungsrecht de. ihrer elementarsten Rechte be» t r z{i raubten Opfer dieses Systems gegenüberzustellen. Wer für den deutsch w v r �, ruffischen Auslieferungsvertrag stimmt, und sei es auch nur bedingtbies� charakterisirt sich dadurch selbst als Handlanger der Reaktion. Dafü, — Die feudaljunkerliche Berliner„K r e u z z e i tu n g", die zu alle«��� Zeiten ruffenfreundlich war, weil sie in Rußland ihr politisches Idee» je, Ql verehrt, speit Feuer und Flammen gegen die Börse, die so„unmoralisch' tielanntl war, als die Nachricht von dem Gefecht am Kuschk eintraf, maffenhaf jw., ruffische Papiere auf den Markt zu werfen. Das fei wieder eines jen» tzp infamen Börsenmanöver gewesen, die nur von einigen Spekulanten«"'Dunaiei fzenirt werden, und bei denen Millionen gewonnen und verloren werde«» etiieTen Schon nach wenig Tagen sei der Kursverlust in russischen Werthen wie Neueren der eingeholt worden. Der gute Bürger möge sich daher in Zukunß nicht mehr von der Börse verführen lassen, sondern— seine russisch» � Papiere vertrauensvoll im Schrank behalten. So durchsichtig der Zweck dieser„Entrüstungsartikel" auch ist. so scheMtz. b'T er doch vielfach nicht gemerkt worden zu sein; es haben sich wirkli?£ Gläubige gefunden, welche in dem Wahn, es handle sich für das kreuj1�"" junkerliche Blatt wirklich nur darum, eine„Orgie" der Börse zu geißeliy�./)� auf den russischen Leim gegangen sind und solchermaßen unbewußt sigh� für Rußland ins Zeug legten. Daß die ruffischen Werths am 14. Ap»�. fielen, war eine sehr natürliche Erscheinung— jede Kriegsnachricht pfleg! F,' von einem Fallen der Papiere der betreffenden Länder begleitet zu s«?ftztatute Sc unnatürlich war dagegen ihre schnelle Wiedererholung. Dies i?ka,-- s Werk einer Bankierkoalitton, und wer die Bankiers sind, welch in jenen Tagen Riesensummen von ruffischen Fonds per Kassa au« � l dem Markt nahmen, pfeifen die Spatzen von den Dächern! Bleichröder naj7 und der Schwärm der Agenten der preußischen Seehandlung an j au! Die»«> fi�en Kredit auf die Beine zu helfen, und der tugendhafte Artikel der " �ttel hatte keinen andern Zweck, als das kopfscheu gewordene Publikum zu beruhigen, d. h. der fchwindelhaften Austrei- «er ei in russischen Werthen Vorschub zu leisten. Auch etwas'°>ejez Manöver gehört zur„freundschaftlichen Neutralität"! mein» — Nachdem die Bourgeois-Zeitungen die in Nr. 14 ver> essmtlichte Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion in ihrer Weise wunnentirt hatten, find nun auch einige in Deutschland erscheinende A r- « e i t e r b l ä t t e r in die Diskussion über die Fraktionserklärung em> Sjitreten. So kühl uns nun alles läßt, was die elfteren über uns schrei- «en, so wenig gleichgiltig kann es uns sein, in welchem Lichte den Lesern Oer Arbeiterblätter die inneren Angelegenheiten unserer Partei dargestellt Werden. Es läge uns daher die Versuchung sehr nahe, gegen einige die- jor Artikel, in denen die Dinge— gelinde gejagt— sehr einseitig dargestellt werden, in eine Polemik einzutreten, wir wollen uns jedoch «u einigen rein sachlichen Feststellungen begnügen. So nützlich wir eine Polemik über volitische und wirtblcbaftliibe Taaee Wien i u p i- ' sch-' rschli» ündigi, geldeii'j >ähnt»� nadew konnail über politische und wirthschaftliche Tages- und Prinzipiensragen ...• so zwecklos erscheint uns eine nachträgliche Streiterei über ab- e; �®'n9e- Ob die Erklärung der Fraktion durch die Haltung des Sozialdemokrat" thatsächlich provozirt war, das ist eine Frage, deren �.onlwortung schließlich ja doch immer von der Beantwortung der viel uhtigeren Frage abhängt, wie man das Verhältniß des Blattes zur oattlon überhaupt auffaßt. Denn daß der„Sozialdemokrat", wo J�er er die Frage der Dampfersubvention redaktionell behandelt hat, "•"h nicht um Haaresbreite von dem Eebiet einer durchaus „«-o-t.ven Diskussion abgewichen ist, wird uns jeder Leser leres Blattes gewiß bezeugen können. Es dürste Denen, die das 1 frfi, behauptet haben, haben, wirklich schwer fallen, auch nur ein or ei» Joffes Wort— von„gehässig", wie es in einem Blatte heißt, ganz Held» Zweigen— gegen die Anhänger der Dampfersubvention in den ! Dopenden Nummern des„Sozialdemokrat" zu finden. Rur wer der als � ber„Sozialdemokrat" keine Frage anders auffassen darf i, zw�l, t, bse Fraktion— ein Standpunkt, den die Fraktion t kör off nicht t heilt—, wird in den redaktionellen Nottzen und ch t des„Sozialdemokrat" über die Dampfersuboentionssrage irgend i d e rh us Tadelnswerthes finden. ibunf; o ist daher auch grundfalsch, zu behaupten, daß die Fraktionserklär- itteifii"1*tx' 14 068«Sozialdemokrat" einen„Verweis", eine„Zurechi- r-Reg»- ji-J"8" oder gar, wie es in einem Blatte heißt, eine„Adstrasung" der v e r seitens der Fraktion bedeutete. Der Schreiber, der dies Wort M'oostell/' nt 001 a�nen' u>ie sehr er damit die— Fraktion ' a t Öl bJH??. ber in voriger Nummer veröffentlichten Auseinandersetzung ch l ö' �'suchte Tag» �Demokratische Fraktion, die eine Redaktion wegen einiger sachlicher dai> nze» öffentlich„abstraft", ist doch eine zu skurrile Erscheinung, als ' roe(i' Ueberau da, wo ganz desondere vitale Jntereffen der Arbeiterklasse»n ifelhaft»Vage kamen, griffen die sozialistischen Abgeordneten energisch in die gegeir Debarte ein. So S i n g e r bei den Zöllen auf Nähgarn, so Bock bei tereffe» Zollen aus Fleisch k. jc. Aber jeder Appell blieb der geschlossenen de se» sloaluian von Landjunkern und Fabrilbaronen gegenüber ohne Wirkung, "! vi«...k------'•-——'-'-1— ls» v"" "O'' e' Herren hörten auf keine Agumente, sondern folgten lediglich der e Ich e Z �«Mine des schmutzigsten Ausdeuteregoismus. Hoffentlich werden die tußlai ndtho: te Mil ht. h cht. d daqegl ntäter eiter ihnen ihrerzeit die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben. z. Staatliche Musteranstalten.(Zugleich ein Beitrag zum Schema, wie man offizielle Statistik macht.) Äiicht nur in Preußen- Deutschland, sondern auch in Oesterreich ist zur Zeit der„Staatssozia- "Oinus" an der Tagesordnung. Der bornirte Spießbürger, dem es -- j�'echt geht, macht da«„Manchesterthum" für seine Nothlage verant- es bog v>ortl,ch und schwärmt blindlings für alle möglichen reaktionären Poli- inter ieigejetze, sowie für allerhand ihm plausibel gemachte Verstaatlichungen. �ssterreich erfreut sich nun, was den Neid jedes gesinnungsfesten Bis- Juuijers ganz besonders erregen muß, des von Deutschlands großem int«! er" a: fj gegew Kanzler softhnfüchtig erstrebten T a b a k m o n l althab» ßird rn Oeiterreich k. k. Staatsarbeiter, und. x" wäh» Thearie der„modernen" Vollswirthschafiler der Jnbegr.ff alles Edlen und iDNÜrefl �o�en ist— auch wenn er zehnmal in den Händen von Psafsen, Stock sti füfein»»»-....... o p o l s. Die Tabakarbeiter da der Staat nach der st' stn ' y""kern und Börsenjobbern sich befindet—, so muß die Lage der öfter- naLe,» �'�e" Sabokarbeit« ganz sicher»' 9 9..Letzteres hatte auch vor Kurzem er einei eme ausgezeichnete sein. .-.."„"lex. yM* uul«uijem im österreichischen Reichsrath der ine" mnanzmmister Dunajewski zu behaupten die— Kühnheit, und tbertaidz«� � emeJ, Veranlassung, di-' den Leuten der staatlichen .-v-------—»---- 0- � l"*'V,Vvk* f i, r#rat"ei einer Veranlassung, die auch sehr charakteristisch ist für den I koste«ej �xuten der staatlichen„Musteranstalten" herrschenden Geist. ■ iTÜOei Abgeordnete interpellirten nämlich Herrn v. Dunajewski, ob es '"htig sei, daß den neuen Fabrikinspektoren der Ein- um*'' i tn die staatlichen Tadakfabriken verwehrt deutflsw» r d e n sei. Und Herr v. Dunajewski muhte die Richtigkeit bedingt d.es� Thatsache zugestehen! . Dafür tischte er aber dem„hohen Hause" eine ganze Reihe von il- �'istijchen Tabellen aus, aus denen hervorgehen sollte, daß die Lage der Arbeiter in den österreichischen Tabaksfabriken eine bei Weitem beffere YjiJe' als in den sonstigen, nichtverstaatlichten Industrien. Nun kann man r �-anntUch mit der Statistik Alles beweisen, wenn man es nur ver- [seht, die Zahlen paffend zu„gruppiren", und da Zahlengruppiren eine „f n in> �hezialitäl aller österreichischen Finanzminister ist, so gelang es Herrn , dunajewski auch, im ersten Moment eine Art verblüffende Wirkung zu ®et°• evjielen. Lange aber sollte er sich seines Erfolges nicht freuen, in einer "i".-!"eueren Nummer der„Deutschen Wochenschrist" unterzieht der öfter- s icke» �'ch'sche Sozialist Mandl die Zahlen und Tabellen des liebenswürdi- "INI? Jen Fmanzmimsters einer genaueren Untersuchung und kommt dabei zu ....�.Oem Resultate, daß dieselben unrichtig oder bedeutungslos, mirfri4!>- daß Herr v. Dunajewski ein Esel oder ein Fälscher ist. g 5?. So will Herr v. Dunajewski aus dem Vergleich der Erkrankungslisten „.�Oer Krankenkassen der Tadakfabriken und derjenigen der Allgemeinen mubt klär ankenkasse in Wien den Beweis liesern, daß das Erkrankungsprozent 1 B 1 bei der letzteren viel größer sei als bei der ersteren; aber davon abge- 4. Apr � ÄNanzministe'r wohlweislich die wesentlichen Unterschiede zwischen den st' i- Statuten der Wiener Kaffe und denen der staatlichen Fabrikskranken- o,»lassen. Die letzteren zahlen nämlich das Krankengeld„weder für die so N häufig vorkommenden eintägigen Krankheiten, noch an„Unfolgsame", icki-iidei***> an Geschlechtskranke und statuiren außerdem noch so viel Aus- ."ahmen", daß die Krankenstatistik, welche doch auf der Auszahlung des - B,� Krankengeldes basirt, bei den Staatsfabriken verhältnißmäßig günstiger „-»ticke» �scheinen muß als bei einer Kaffe, welche, wie die Wiener, bei allen °m russi'"nkheitssällen Zahlung leistet. Wie das Verhältniß in Wirklichkeit ist, ergibt sich aus der Kranken- statistik der Hainburger Filiale ver Allgemeinen Krankenkasse, die sowohl Tabakarbeiter als auch gewerbliche Arbeiter zu ihren Mitgliedern zählt. Dieselbe ergibt nämlich, daß im Jahre 1884 erkranten von 100 Tabakarbeitern 76 „ 100 gewerblichen Arbeitern 33 Und das, obwohl der Hainburger Filiale nur die besser situir- ten', also die gesünderen, Mitglieder der dortigen Tabaksabtik angehören! Noch genialer wirthschaftet der brave Finanzminister mit den Zahlen, wo er von der Dauer der Erkrankungen spricht, und behauptet, daß die staatlichen Tabakarbeiter eine durchschnittliche Krankheitsdauer von 16'/, Tagen aufweisen, während dieselbe bei Mitgliedern der Allge- meinen Krankenkasse 17,8 Tage beträgt. Hier läßt er nämlich den kleinen Unterschied ganz außer Betrachts daß die letztere Kaffe ihren Mitgliedern Krankengelder bis aus ein Jahr und darüber hinaus ausbezahlt, während seine Fabrikkrankenkafsen nur für uel kürzere Zeit— die Hamburger z. B. blos sechs Wochen und nur ausnahmsweise zwölf Wochen— Krankengeld bezahlen! Da muß natürlich die Krankheitsdauer in den staatlichen Anstalten kürzer— erscheinen. Kurzum, alle Zahlen des Herrn Dunajewski stoßen die Thatsache nicht um, daß die Gesundheitsverhältnisse der Arbeiter in den staatlichen Fabriken spottschlechte, i n H a i n b u r g z. B., wie oben ersichtlich, fast dreimal so schlecht als in anderen Unternehmungen des Großbetriebes sind. Das ergibt sich auch aus den Finanzverhältniffe'n der betreffenden Krankenkassen. Obgleich z. B. die Fabrikkrankenkasse der Hainburger k. k. Tabakfabrik bei gleichen Beiträgen wie die Wiener Kasse nur die Hälfte deren Krankengelds bei bedeutend kürzerer Unter st ützungsbauer bezahl! hat sie dennoch ein alljährliches Defizit, das 1883 per Kops 20'/, K.m�er betrug und 1834 auf 48«/,„ Kreuzer anwuchs, so daß die Woche. Beiträge der Arbeiter um einen Kreuzer erhöht werden mußten.„Em iveiterer Beweis, daß die Kranken- verhältniffe der Hainburger Tabakarbeiter fast dreimal so schlecht als in Wien sind." „Trotzdem", fährt Mandl fort,„schloß Herr v. Dunajewski seine Jnterpellationsbeantwortung mit der Behauptung,„daß es der österrei- chischen Tabakregie im Großen und Ganzen bisher gelungen ist, ihre Fabriken zu M u st e r a n st a l t e n zu machen." „Wer hätte nach diesem kühnen Ausspruche nicht Lust, die Lohnver- Verhältnisse dieser Musteranstalten näher kennen zu lernen? Nun, Herr v. Dunajewski hat das Material hierzu selbst geliefert. Im Jahre 1883 waren nach seiner Angabe 28,676 Arbeiter(2 788 Männer, 2 S, 8 8 8 Weiber) in den k. k. Tabakfabriken beschäftigt in geraumer Distanz hiervon— man wird den Grund merken— nannte der Finanz- minister den Jahreslohn sämmtlicher Arbeiter; derselbe beträgt rund st. 3, 970, 00 il. Im Durchschnitt erhält daher ein Staats- arbeiter einen Jahreslohn von 138 Gulden 45 Kreuzer oder wöchentlich sl. 2*66 und Per Tag 38 kr. Da nun die Musteranstalten ein jährliches Reinerträgniß von 45 Millionen Gnlden abwerfen, so liefert durchschnittlich jeder Tabakarbeiter einen Jahresgewinn von rund fl. 1576, das ist per Woche fl. 3V— und per Tag fl. 4*28." Bei 62 Pfennigen Lohn 6 Mark 85 Pfennige Mehrwerth pro Tag— so übersetzt sich das nach dem gegenwärtigen Kursverhält- niß in deutsche Reichswährung! Begreift man nun, in welcher Beziehung die k. k. Staatsfabriken „Musteranstalten" sind?— Muster-Ausbeutungsanstalten ist das richtige Wort. Die Löhne sind nicht höher, sondern wo möglich noch niedriger als in der Privatindustrie, die„Emanzipation der Frau" wird hier„Ereig- niß", und in Punklo Arbeiterschutz sind die Herren Staatsbeamten keines- wegs fürsorglicher als der erste beste Direktor einer Aktiengesellschaft oder einer Privatsabrik. Reinertrag— Profit, das ist hüben wie drüben die Hauptsache. Der einzig wirkliche, unbestrittene Unterschied für den Arbeiter heißt: noch größere Abhängigkeit als in der Privat- Industrie. Der moderne Staat, der Staat der Ausbeuter, tritt überall, wo er selbst wirthschaftet, auch als Ausbeute�,„ui, in der Regel als poten- z i r t e r. Ihm Ausbeutungsobjelte irgendwelcher Art in die Hand.spielen, heißt seine Macht, die Macht der herrschenden Klassen überhaupt, ver- größern, ihre Herrschaft verlängern. Die Adolph Wagner und Konsorten sind daher keine halben und Viertels-Freunde— sie sind die größten Feinde der Arbeiterklaffe, ihre Parole„Kampf gegen das Manchester- thum" ist nur Leim, um Gimpel zu fangen. Nicht Kampf gegen das Manchesterthum— Kamps gegen das Ausbeuterthum in jeder Gestalt ist die Parole des arbeitenden Volkes. — Das Elend in Paris. Dem„Proletariat" entnehmen wir folgende, für die rapide Zunahme des Elends in der französischen Hauptstadt charakteristische Zahlen. Es betrug nämlich die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in Paris im Jahre: 1861 90,287 1863 101,570 1866 105,119 1869 111,357 1872 101,719 1874 113,733 1877 113,817 1880 123,735 1883 123,324 Somit leben fünf Prozent der Pariser Bevölkerung in offen- barem Nothstand. Zahlen reden l — Referendarius v. Puttkamer ist also wirklich dem ,c. v. Soden als Adlatus nach Kamerun beigegeben. Als„der Junge mit dem guten Geschmack" aus Rußland zurückgekehrt war, tele- graphirte bekanntlich Onkel Bismarck am Vorabende seines Referen- darius-Examens an den Vorstand der Examinations. Kommission in Kö- nigsberg einen Glückwunsch„für glücklich bestandenes Examen". Der Wink wurde verstanden, und der unwissende Bursche kam durch. Jahre sind seitdem ins Land gegangen, aber der alt und dick gewordene Knabe ist noch immer Referendar, Onkel Bismarck, der in gewissen Dingen keineswegs blöder geworden ist, scheint doch nicht den Muth gesunden zu haben, zum gemachten Assessor zu gratuliren; also— glückliche Reise nach Kamerun! Ob die schwarzen Schönen dem lieben Jesko ebenso gut gefallen werden, wie die recht weiße Schindler? Hoffen wir es. Jeden- falls hat Jesko jetzt einen Posten, und bei seinem„guten Geschmack" wird er seine Karriere auch ohne Assessor-Examen machen. — Folgende Zuschrift bringen wir gern zur Veröffentlichung und er- klären uns zur Vermittelung etwaiger Beiträge gern bereit. Werthe Genossen! Die französische Arbeiterpartei, überzeugt, daß der Gemeinsamkeit der Ziele und Mittel ein brüoerliches Hand in Hand-Arbeiten der als sozia- listische Partei organisirten Arbeiter entsprechen muß, hat bei den letzten deutschen Wahlen durch Sympathie-Adressen und Sammlungen ihre Soli- darität zu bekräftigen gesucht. Heute, am Vorabend ihres Wahlkampses. glaubt sie sich an die sozialistischen Arbeiter der verschiedenen Länder wenden zu sollen und ihre Unterstützung zu erbitten. Bilden doch die sozialistischen Arbeiter der ganzen Weit eine einzige große Arbeiterpartei, die nur ein großes Schlachtfeld kennt und so den partiellen Erfolgen die Bedeutung eines allgemeinen Sieges gibt. Für das Komite: Der Sekretär: Louis Alexandre. — B e l g i e n.*) In Brüssel fand am 5. und 6. April ein von der Brüsseler Arbeiterliga einberufener Arbeiterkongreß statt, der von 59 Brbeitergruppen, und zwar den bestorganisirten jauch die Berg- arbeiter des Borinage waren vertreten), aus allen Theilen des Landes beschickt war, und auf dem einstimmig die Bildung einer großen belgi- schen Arbeiterpartei beschloffen wurde. Eine Kommission, bestehend aus Delegirten von Brüffel und Umgegend, wurde gewählt, welche Pro- gramm und Statuten ausarbeiten und einem wahrscheinlich noch in *) Mußte wegen Raummangels wiederholt zurückgestellt werden. diesem Jahre nach Antwerpen einzuberufenden zweiten Kongreß zur Be- rathung vorlegen soll. Der Geist, der auf dem Kongresse herrschte, war ein vortrefflicher; allseitig sah man die Nothwendigkeit einer Zusammenfassung der Arbeiter- kräfte in den Rahmen einer großen Organisation ein. Mit Freuden konstatiren wir diesen Erfolg des unermüdlichen EiferS unserer belgischen Genoffen und senden ihnen für das weitere Gedeihen des begonnenen Werkes unfern herzlichsten Glückwunsch. — AusLondon.(Der Anarchist Joseph Peukert an der Arbeit.) Sie wiffen wahrscheinlich nicht, daß in London zwischen Mit- gliedern des Kommunistischen Arbeiterbildungsvereins(Tottenhamstreet) und Mitgliedern des Anarchistenklubs gewisse freundschaftliche Beziehun- gen obwalten, die im Zusammenarbeiten in denselben Werkstätten und dergleichen ihre Erklärung finden, und die dazu angethan sind, ein fried- liches Nebeneinandergehen zu ermöglichen. Da kommt mit einemmale die Erklärung der sozialistischen Reichstagssraktion, und jetzt glaubt man schon mit aller Gewalt darauf hinarbeiten zu müssen, die mit der Erklärung unzufriedenen Elemente für den Anarchistenverein zu gewinnen. Ein Wortführer des Anarchistenvereins, der den Lesern des„Sozial- demokrat" genugsam bekannte Peukert, wurde die Liebenswürdigkeit selbst. Ich war erstaunt zu hören, daß besagter Peukert in der ersten Sektion (Anarchistengruppe) einen Antrag stellte, der darauf hinauslief, eine Volksversammlung zu berufen, um das Treiben der sozialistischen Abge- ordneten ruhig zu untersuchen, und die Anhänger derselben zu bitten, Stellung zu Gunsten eines friedlichen Nebeneinandergehens zu nehmen. Ich sage, ich war erstaunt, so etwas gerade von Peukert zu hören, und wandte inich daher an die mir bekannten Mitglieder unseres Vereins, welche mit Anarchisten in Beziehung stehen, und da erfuhr ich denn, daß besagter Peukert vor vierzehn Tagen im Anarchistenklub den Antrag gestellt hatte, ein Flugblatt zu veröffentlichen, dessen Inhalt den Ge- Nossen der ganzen Welt Aufschlüsse geben soll über das Treiben der Spitzen der sozialistischen Partei, speziell in der Schweiz, da die Versal- gung der Anarchisten der Schweiz auf Denunziation der Redakteure u. f. w. des„Sozialdemokrat" erfolgt sei, und daß genannter Peukert den Auf- trag erhielt, ein derartiges Flugblatt zu verfassen.(Läßt uns sehr kühl. Red. d.„Soziald.") Um nun den Lesern des„Sozialdemokrat" zu zeigen, weß Geistes Kind dieser Peukert ist, will ich mir erlauben, Authentisches über das skandalöse Benehmen desselben mitzutheilen. Der Retter der österreichischen Arbeiter- bewegung lebt seit ungefähr vierzehn Monaten hier in London; er gibt sich für einen Anarchisten vom reinsten Wasser aus, und seine Anhänger, worunter die Mehrzahl Oesterreicher, glauben ihm noch auf's Wort. Bei seiner Ankunft hier hatte er auch die Sympathie der gesammten Gruppe der Anarchisten, allein sein Lebenswandel hat Vielen die Augen geöffnet. Hiervon nur einige Beispiele. Hier angekommen miethete sich Peukert bei einem guten Genossen ein; derselbe gab ihm sein bestes Zimmer und verschaffte ihm Arbeit als Maler. Peukert arbeitete auch einige Tage, aber dermaßen schlecht, daß er nicht nur die Arbeit verlor, was ihm grade keinen Kummer machte, sondern daß auch sein Wirth zwei seiner besten Kunden einbüßte. Er wohnte nun neun volle Monate bei jenem Genossen, ohne zu bezahlen, und würde noch heute dort wohnen, wenn nicht die Frau desselben erklärt hätte, daß sie es müde sei, zu sehen, wie sich ihr Mann Tag und Nacht quäle, während er— Peukert— weder Anstalt mache, Beschäftigung zu finden, noch Geld zu schaffen, um zu bezahlen. Somit genöthigt, zu ziehen, ging der Edle leichten Herzens zu einem anderen Genossen, bezog dort ein Zimmer und wohnte wiederum drei Monate, ohne zu bezahlen. Als die Frau des Betreffenden ihn endlich aufforderte, er solle entweder bezahlen oder vas HauS verlassen, stellte er sich entrüstet, schimpfte, und sagte, das sei bourgeois- mäßig, man solle bedenken, daß er Peukert sei! Allein die Frau erklärte, sie sei nicht gesonnen, ihren Mann arbeiten zu lassen, um dem großen Peukert umsonst Logis zu geben, und setzte ihm den Stuhl vor die Thür. Nun will ich Ihnen gleichzeitig mittheilen, wie Peukert bis dato seinen sonstigen Unterhalt bestritt. Im Klub der Anarchisten speiste er als Gemaßregelter einfach auf Kosten des Vereins, das wäre Nr. Eins. Um Kleider zu bekommen, ging er nach Hull als Agitator, und ließ sich dort vom Kops bis zu Fuß neu einkleiden, natürlich auf Kosten der dortigen Genossen, das wäre Nr. Zwei. Um Geld für sonstige Aus- gaben zu bekommen, übernahm er von einem Schweizer Liqueurfabri- kanten oid Agentur eines.neu erfundenen Magenbitter, aus diese Weise bekam er gegen 300 Mark Taschengeld, da er die gelieferten Waaren einfach nicht bezahlte. Gleichzeitig war er Agent für einen Patenttisch. Was er dabei gewann, weiß ich nicht; ein solcher Tisch kostet 75 Mk. Jedenfalls hat er auch hier die Tische nicht bezahlt; das wäre Nr. Drei. Um nun noch auf andere Weise Geld für seine anarchistischen Bedürf- mffe, wie Billardspiel u. s. w., zu bekoinmen, ließ er sich unter dem Namen____*) als Mitglied des kaiserl. königl. österreichisch-nngarischen Unter st ützungsverband aufnehmen, während er gleichzeitig von verschiedenen Genossen Geld erschwindelte, von dem Einen 20 Mark, von dem Andern 60 Mark u. s. w. Die obenerwähnten Geschäfte hat er ebenfalls unter dem Namen---- gemacht, als Anarchist bleibt er jedoch immer der große Peukert. Für Diejenigen, welche glauben könnten, daß ich übertrieben habe, ver- weise ich aus sein früheres Verhältniß zu Fürst Lichtenstein, sowie auf sein Treiben als Redakteur der„Zukunft", als welcher er sein Gehalt durch widerrechtliche Aneignung des Ueberschusses dieses Blattes noch erhöhte. Also in Oesterreich Lump, in der Schweiz Lumpazius, und in Frankreich und hier in England Lumpazius Vagabundus. Vorläufig will ich schließen, ich denke wein Theil dazu beigetragen zu haben, den Verfasser besagten Flugblattes zu kennzeichnen, behalte mir indeß vor, gelegentlich Fort- setzung zu senden, sowohl über diesen wie über verschiedene gleichgeartete Helden des„radikalen" Revolutionarismus. vat. ♦) Obwohl für uns kein Grund vorliegt, den Namen nicht zu ver- öffentlichen, haben wir ihn doch fortgelassen, da wir Herrn Peukert nicht zu einem neuen Martyrium verHelsen wollen. Korrespondenzen. Elberfeld, 20. April. Mit welcher liebevollen Aufmerksamkeit die Wupperthaler Sozialdemokratie von unseren bereits früher zur Genüge charakterisirten Gerichtsorganen beehrt wird, können die Parteigenossen auf's Neue aus dem Folgenden ersehen. Eine ganze Reihe von Sozia- listenprozessen spielten sich in jüngster Zeit hier ab. Bei der Verbreitung des Manifestes waren hier fünf, in Barmen fünf und in Solingen ein Verbreiter der„Heiligen" in die Hände gefallen, deren Handlanger, wie sich gelegentlich der kürzlich stattgefundenen Verhandlung herausstellte, auf die Verbreitung ordentlich gelauert hatten. Beiläufig bemerkt hatte es die Staatsanwaltschaft gar nicht übel im Sinne: die Anklage bezog sich anfänglich auch auf„Aufreizung zum Klassenhaß"; dieser Punkt wurde jedoch später fallen gelassen, wohl in der Vorahnung der unausbleiblichen Blamage. Und unser Einfaltspinsel, wollte sagen Polizeikommissar, G o t t s ch a l k lieferte bei dieser Verhandlung wieder einen recht drasti- schen Beweis, wie gewissenhaft er es mit seinem Zeugeneid nimmt. Vom Vorsitzenden gefragt, ob* bei einem der Angeklagten eine Haussuchung stattgesunden hätte, antwortete Gottschalk frischweg mit Ja, obwohl weder er noch sonst ein Mitglied der preußischen Spürnasenzunft bei jenem Genossen die Wohnung durchschnüffelt hatte. Erst später widerrief Gott- schall seine Aussage. Was dieser Streber übrigens für ein Genie ist, zeigte seine Frage an einen Mitangeklagten Genossen vor der Verhand- lung im Sitzungssaale, wie sich das Flugblatt eigentlich betitele, um welches es sich handle! Der Prozeß endete damit, daß von 11 Ange- klagten 8 zu 10 Mark Geldstrafe verurtheilt wurden, darunter auch Einer, dem man absolut keine Verbreitung nachweisen konnte. Ein paar Spitzel wollten ihn zur Zeit der Verbreitung in einem paar Häuser gehen gesehen haben, zudem war der Angeklagte als Sozialdemokrat bekannt, und das genügte: der Jude mußte verbrannt werden. Der Staats- anwalt hatte in seiner besonderen Liebe zu den„Umstürzlern" 3 Monat« Gefängnißstrafe beantragt. Neben verschiedenen kleineren Prozessen, bei denen es sich ebenfalls um Flugblätter handelte, und die gleichfalls mit Verurtheilungen zu Geldstrafen endeten, hat nunmehr auch die mit aller Krastäußerung sei- tens der Polizei zu einem Monstreprozeß aufgebauschte Langenhau- s e r A f f a i r e ihren Abschluß gefunden. Kurze Zeit nach der bekann- ten Polzeimfamie erhielten über 100 Theilnehmer an dem Ausfluge vom Amtsgericht Lennep, zu deflen Bezirk Langenhaus gehört, Strafmandate in der Höhe von je 30, 20 und 10 Mark. Sämmtliche Betroffene er- hoben Einspruch und fand darauf Verhandlung in Lennep statt, bei der die Mehrzahl freigesprochen wurde, während zirka 30 Theilnehmer zu S Mark, der angebliche Veranstalter der„geheimen Versammlung" zu 30 Mark verurtheilt wurden. Gegen dieses Urtheil wurde sowohl von 4 Verurteilten als auch von Seiten der Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt und gelangte die Sache nunmehr vor die Elberfelder Straf- kommer. Staatsanwalt Pin off, ein erst kürzlich von Hamburg nach hier versetzter Streber, der es überhaupt mit den Rothen gut vorzuhaben scheint, beantragte die Bestätigung der von Anfang an von Lennep aus ergangenen Strafmandate. Die Strafkammer verurtheilte 26 Angeklagte zu je 5 Mark Geldstrafe, während die Uebrigen freigesprochen wurden. Auch der angebliche Veranstalter wmde von der Anklage wegen der .geheimen Versammlung" freigesprochen. Bei dieser Verhandlung erschien auch Ehren Palm als Angeklagter, da derselbe den Ausflug im vorigen Jahre ebenfalls mitgemacht hatte. Selbstverständlich wird dieses trau- ria« Subjekt von allen anständigen Menschen gemieden, hat sich aber dafür der besonderen Fürsorge des Polizeipinsels Gottschalk zu erfreuen. Wie seinerzeit für Küchler, bemüht Gottschalk sich jetzt für Palm um Ar- beit, als Sündenlobn für deffen Unterstützung bei seinem schurkischen Handwerk. Gottschalk bezeichnet dabei Palm'als„durchaus nicht so schlimm", er sei ein ganz„tugendhafter" Mensch. Na, das wollen wir meinen— verwandte Seelen finden sich u. f. w. Wie provokatorisch Gottschalk auch heute noch auftritt, zeigt sein Ver- halten gelegentlich einer ausgelösten Versammlung, in der unser Abge- ordneter Harm gesprochen hatte. Auf der Straße stand nach Verlassen des Saales noch eine größere Zahl Versammlungsbesucher, Bekannte er- wartend, um mit diesen dann gemeinschaftlich den Heimweg anzutreten, als Gottschalk plötzlich aus dem Hause gestürzt kommt, dazwischen springt und brüllt:„Ich fordere auf, sich zu entfernen, und noch einmal, das dritte Mal wird dreingehauen!" Und das schrie er fast ohne Unter- brechung zwischen dem ersten und zweiten Mal. Wäre es zu verwun- dern gewesen, wenn einer der Genossen sich hätte hinreißen lassen, und Gottschalk bei dieser Gelegenheit das Schicksal eines andern Lumven- Hundes getheilt hätte? Nur mit Mühe wird sich in jenem Augenblicke so mancher Genosse beherrscht haben. Bei dieser Gelegenheit gestatten Sie mir noch, über die demokratische „Partei", über die Ihr in Nr. 14 ausgesprochenes Urtheil durchaus zu- treffend ist, einige Angaben zu machen.„Partei"— ein halbes Dutzend Männerseelen;„ein Organ"— eine Spekulation des Verlegers der hier erscheinenden„Neuesten Nachrichten", des charakterlosesten Spektakel- blattes. Der Verleger der„N. N" hat nämlich den Druck der„demo- kratischen" Rheimsch-Westphälischen Blätter" auf eigene Rechnung über- nommen, weil er nachgerade merkt, daß so mancher Arbeiter mit der bisher von ihm gebotenen Kost nicht mehr zufrieden ist. Letzten Sonn- tag hat der erste Parteitag der nicht vorhandenen demokratischen Partei in Düffeldorf stattgefunden und hat das halbe Dutzend„Demokraten" dort den Anschluß an die— süddeutsche Volkspartei beschlossen. Eine spaßhafte Gesellschaft! v- Von der Gilbach, Kreis Bonn. Ein Lebenszeichen von uns zu geben, halten auch wir für unsere Pflicht, da die Genossen seit dem Todestage unserer Freien Kölnerin nichts von uns gehört haben. Ob- wohl von dem Gros der Armee getrennt, sind wir doch an der Arbeit, und unsere Landbevölkerung kommt langsam zur Einsicht. Unser Ort hatte 130 Wahlberechtigte, hiervon fielen auf Bebel 29 Stimmen, und zirka 25 der bekanntesten Genossen hatte unser an Gedächtnißschwäche leidende Bürgermeister in die Wahllisten einzutragen vergessen. Derselbe schenkt uns seit der Wahl feine ganze Aufmerksamkeit, hat auch schon einen Genossen wegen„Beleidigung" denunzirt, der dann auch zu fünf Tagen Haft verdonnert wurde. Der Sachverhalt ist folgender: Der betr. Genosse wollte wählen, stand aber nicht auf der Liste; darauf sagte er: ich muß Steuern bezahlen, meine Söhne müssen Soldaten werden, ich erhalte und verlange keine Unterstützung, und soll nicht einmal das Recht haben, zu wählen?— worauf ihm erwidert wurde, das sei Schuld des Bürgermeisters.— Was thun wir denn mit einem solchen—, war seine Antwort, den müssen. wir absetzen, für das Gehalt können wir alle Tage einen anderen haben, der die Sache besser kontrolirt!— Dies sein Verbrechen. Der edle Staatsanwalt und Hotelbesitzer stellte den Antrag auf vier- zehn Tage Gefängniß! Auch sollen uns die Geschäftsleute ihre Lokale verweigern, dach„ K a n n e r", die wissen, warum sie's nicht thun. Die Arbeitsverhältnisse stehen hier nicht besonders günstig, denn Mk. 1 20—1 30 ohne Kost und 60—70 Pf. mit Kost ist gewiß wenig und unsere Lage ist daher nicht günstig. Doch durch solche Ausbeutung sorgt die herrschende Klaffe gerade dafür, daß mancher Indifferente sich uns anschließt. Mit sozialdemokratischem Gruße! Rother Drikkes von der Gilbach. Vom Rhein. Am Ostersonntag fand in einer kleinen Stadt des Rheinlandes eine Konferenz von Delegirten des Rheinlands und West- falens statt zur Besprechung folgender Fragen: 1) Wie kann am besten, sichersten und einfachsten eine einheitliche Organisation und Agitation für Rheinland und Westfalen geschaffen werden? 2) Aufstellung geeigneter Kandidaten bei einer eventuellen Reichstags- Auflösung. Die Delegirten der verschiedenen Orte gaben zuerst ein anschauliches Bild von dem Stand der Bewegung in den einzelnen Wahlkreisen. Aus den Berichten ging hervor, daß die Bewegung langsam, aber um so sicherer in alle Schichten der Bevölkerung eindringt, was zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Nachdem nun aus dem ersten Punkt der Tagesordnung die einheit- liche Organisation als nicht zweckmäßig ausgeschieden worden, wurde mit großer Majorität beschlossen, bei der Agitation in Rheinland und Westfalen von jetzt ab planmäßig vorzugehen und wurden die ent- sprechenden Vorarbeiten dazu angeordnet. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heutige Konferenz der Delegirten von Rheinland und Westfalen beschließt, daß bei den nächsten Reichstagswahlen in erster Linie mit der Aufstellung geeigneter Lokalkandidaten vorgegangen werde, und daß so viel wie thunlich die Nielkandidaturen zu vermeiden sind. Zum Schluß sprach die Konferenz ihre Mißbillgung darüber aus, daß verschiedene Städte trotz Einladung nicht vertreten waren, da die vor- gebrachten Gründe nicht als stichhaltig anerkannt werden konnten. Mit sozialdemokratischem Gruße! Rdlä. Chemnitz. Nach langer Pause wollen wir auch etwas im Partei' organ von uns hören lassen. Vorigen Herbst hatten wir hier einen tragikomischen Zusammenstoß mit unserer Hochlöblichen. Im hiesigen Schlachtviehhof waren eine ziemliche Anzahl Parteigenossen zusammen- gekommen, um verschiedene in unsern Reihen ausgebrochene Differenzen zu schlichten. Auch Genosse Liebknecht war azr jenem Abend anwesend. Nachdem längere Zeit hin und her gesprochen"worden, tritt plötzlich die heilige Hermandad herein, notirt Verschiedene, verhaftet Liebknecht, der aber am Tage darauf wieder freigegeben werden mußte, und schließlich wird ein kleiner Prozeß gegen drei Genossen inszenirt, wobei sich— bei der Verhandlung— ergab, daß der Wirth des Lokals, Lorenz, Venrath geübt, nachdem er Liebknecht, den er von früher kannte, gesehen! Dieser Ehrenmann ist den Arbeitern recht zu empfehlen;' er besitzt jetzt das Hotel Sues. Der Prozeß endete mit der Verurtheilung den Gen. H. zu 20 Mk. Strafe, trotzdem sich klar herausstellte, daß es sich lediglich um Privatsachen gehandelt hatte. Als Belastungszeugen hatten der Kellner Neubauer, der erwähnte Wirth Lorenz und der bekannte Wurst-Beckert fungirt. Ferner wurde F. Reichard wegen Verbreitung des„Sozial- demokrat" verhaftet. Vier Wochen Untersuchungshaft und drei Wochen Strashaft waren die gerechte Strafe für den argen Sünder. Die Reichstagswahl ist durch vereintes Wirken so ausgefallen, wie wir erwarteten. Möchte doch immer ein so schöner Zusammenhalt obwalten, und alles Sonderinteresse bei Seite gelassen werden, dann werden wir unbesiegbar sein. Leider aber gibt es in dieser Beziehung mancherlei zu rügen. So ist Genosse R. verdächtigt worden, die Kassen- Verhältnisse schlecht geführt und sich des Betruges schuldig gemacht zu haben; es hat sich aber zur Evidenz herausgestellt, daß seine Abrechnung vollständig in Ordnung ist, daß also Diejenigen, die solche Gerüchte ve r- breiten, sich der Verläumdung schuldig machen. Es ist nicht schön, an- gesichts der Verhältnisse, unter denen wir uns befinden, vage Behaup- tungen in Umlauf zu setzen; wir haben wahrhaftig Größeres zu erfüllen, und bei einigermaßen gutem Willen beiderseits wird auch fernerhin ein einmüthiges Zusammenwirken moglichssein. Dies möge jeder Genosse beherzigen. Ein braver Parteigenosse, dessen Uneigennützigkeit und Tüchtigkeit noch lange bei Freund und Feind als Muster angeführt werden wird, ist nicht mehr: Genosse Vogel, seinerzeit Werkführer in der Spinnerei- Maschinenfabrik(früher Th. Miede), ist nach langen Leiden gestorben. Die Chemnitzer Freunde und Parteigenossen werden sein An- denken in Ehren halten. Im Laufe dieses Jahres finden dis Ergänzungswahlen zum sächsischen Landtage statt, wobei em Stadtkreis und ein Landkreis von Chemnitz zu ""i n m c unsexrseits in beiden Kreisen Kandidaten ausgestellt, so daß der bisherige„Lei.renabgeordnete" Rupvert oder sein präsumtiver Nachfolger gebührend durchfällt.(Die Genossen erinnern sich wohl alle noch der Vorkommnisse vor sechs Jahren, wo 20 Mann ml flü faZnZSe Unben 1ul' V0T Wahl verhaftet wurden, und dadurch die Wahl des nationalmiferablen Mischmasckkandidaten zu »"a/£ 1■ ,ft der große Kreissekretär Möbius auf- gestellt, der bei der letzten Wahl. w° Vellmar kandidirte. die berühmten Reflexionen zog d.e durch die Wahl Vollmars direkt auf den Kopf ge- stellt wurden. Wollen hoffen, daß der große Mann vor der Gefahr be- °°h� sichern sachsischen Landtag ebenso unsterblich— auszu- Mit sozialdemokratischem Gruß! JE-r—?r. Burgstädt in Sackssen. Mitte April. Wir haben seit langer Zeit niaits von uns hören lassen; f-'-tl, unsere kluge und weise Polizei sorgt dafür, daß es uns nie an Sto?i 4»hlt, die Leser unseres Bartei-Oraans angenehm zu unterhalten. So bat en mir beute einen Fall zu berichten. der für die allerweiseste Polizei einen gehörigen R e i n f a l l bedeutet, bei uns Sozialisten aber allaenieine Heiterkeit erregte. Jüngst wurde ■s ei".e?r0�e' bochnothveivliche Kaussuchuna vorgenommen, doch nicht bei einem Parteigenossen, nein, bei einem Manne, der noch gar nicht weiß, was Sozialdemokratie bedeutet. Unsere Polizei weiß näm- lich zu gut, daß sie bei Sozialisten nickts findet, die liefern ihr nicht gern etwas in die Hände— hat sie doch bei einem unserer Genossen schon 11 Mal gesucht und nichts gefunden. Nun. auch bei dem neuerdings Beglückten bat sie gesucht und nichts gefunden, als eine Anzahl missen- schaftlicher Bücher. Der Mann mar wegen Verbreitiing verbotener Druck- schriften angeklagt und hatte noch nie welche zu Gesichte bekommen, wußte auch kaum, was dos für Dinae sind. Man sieht, daß die Volizei mit rührendem Eifer dafür sorgt, daß die Sozialisten nicht aussterben, son- dern die Leute systematisch in ukssdre Reihen treibt. Eines dürfen wir indeft dabei nicht vergessen. Es hatte bei dieser Sache ein D e n u n- z i a n t seine Hände im Spiel, und dem wollen wir denn doch sein schmutziges Handwerk legen. Es ist das ein gewisser Schnitt- waarenhändler Oehmig. der den Zuträger der Polizei spielt, worauf wir unsere Genossen hiermit ganz besonders aufmerksam machen. Genannter Oehmig ist ein ganz versoffener Mensch, ein durch und durch heruntergekommenes Subjekt,„liebt" seine Dienstmädchen, prüaelt die Frau, kurz, führt einen aan» Polizei— mäßigen Lebenswandel. Natür- lich hat er schon fast ein dutzend Mal Bankrott gemacht und seine Gläu- biqer, meist kleine Meister, in gewissenlosester Meise geprellt; mit einem Wort: die richtige Sorte von Ordnungsbanditen. Freunde! Gesinnungs- und Parteigenossen! Maßregelt diesen Spion in der Weise, daß Ihr nichts mehr von ihm kaust; trefft Ihr ihn in iraend einem Wirthshaus. so ist es Pflicht eines Jeden, sich von diesem elenden Schuft hinwegzusehen, damit er gleich erkenntlich ist und. falls er einmal den Horcher spielen wollte, gleich an Ort und Stelle ausbe- zahlt krieot! Wir behalten uns vor, in der nächsten Zeit einen Situationsbericht zu bringen, in welchem die wirtbschastlichen Verhältnisse in unlerm Kreise gehörig beleuchtet werden sollen und nebenbei auch unsere biedere Bäcker- Innung wegen der lchwindelha.> Brodvreise ihr Tbeil bekommt. Parteigenossen, wir rufen zü, �Schluß Euch durch diese Zeilen zu: Abonnirt auf den Sozialdemokrat! Signalement des Oehmig: Statur mittelgroß, kleiner Schnurrbart, versoffene und betrügerische Augen, Gesicht rund, und vollkommen dunkles Haar. Es grüßt der rothe Exekutor. — Aus Mannheim ist eine Zuschrift von Parteigenossen eingo, laufen, in welchen dieselben„auf's Entschiedenste gegen die„Erklärung" unserer Partei-Fraktion in Nr. 14 des„Sozialdemokrat" protestiren, indem dieselbe durchaus reaktionärer Natur und mit unseren Grund- sätzen absolut unvereinbar sei" sei. „Wir erstreben unsereni Parteiprogramm gemäß vollständige Preß- freiheit und verlangen dieselbe in erster Linie für unser Parteiorgan, den„Sozialdemokrat". „Wie fordern vollständig freie Meimingsaußerung ohne jede Zensur in Bezug auf prinzipielle Fragen, und betrachten daher das Vorgehen der Fraktion als undemokratisch und herrschsüchtig." (Wir verweisen einfach auf die Erklärungen in der letzten Nummer. Red. d.„So,.") Zu spät, um noch in dieser Nummer Aufnahme finden zu können, erhielten wir ferner: die in voriger Nummer bereits erwähnte E r k l ä� rung der Züricher Mitgliedschaft, sowie einen Protest der Königsberger Genossen. £Kin Weitrag zur Bismarck spende.� Zeitgedicht von E. Kl. Die nationalliberale Partei, Die alte, häßliche Vettel, Die ging in Deutschland jüngst frank und frei, Für Bismarck auf den Bettel. Wenn ihn des Volkes Vertreter einmal Im Parlament verkeilen, Dann soll ein Nationalgeschenk Die Wunden schnell wieder heilen. Für Geld ist ja heute Alles feil: Gerechtigkeit. Ehre, Gewissen— Solch iverthloser Plunder wird über Bord Für klingendes Geld geschmissen. Nun rühret die Trommeln, den Bettelsack schwingt) Und stürzt euch in's bunte Gewimmel! „Sobald euer Scherflein im Kasten klingt Lacht euch der reichsfreundliche Himmel! „Doch wenn ihr die Herzen und Taschen verschließt)' Dem liebevoll freundlichen Werben, So sollt ihr als Reichsfeind in Ungnad und Fluch, In Ketten und Kerkern verderben!" Da kommt der Junker, der Börsenbaron Und zeichnet gleich Hunderttausend;— Er kann's ja, bald hat er sie wieder verdient» Dem Volk aus der Tasche sie mausend. Er kriegt ja dafür auch des Reiches Schutz Für Kolonien und Farmen; Mit Zoll auf Getreide hilft wieder man auf, Dem Großgrundbesitzer, dem armen. Da kommt von Beamten ein zahlloses Heer Und zeichnet mit schwerem Herzen— 's sind Unterbeamte; sie können das Geld So balde nicht wie der verschmerzen. Da kommen des Handwerks Meister herbei, Dem eisernen Kanzler zu Huld' gen; Sie tragen freiwillig das eherne Joch, Die Schafe, die dummen, geduld'gen. Die Männer der Arbeit, sie werden gepreßt, Zu mehr'n das erbettelte Häufel, Denn wer„freiwillig" den Nickel nicht gibt, Den jaget sein Brodherr zum Teufel.— So bringen zusammen das Ehrengeschenk Des Kanzlers gehorsame Kinder— Einen strotzenden Geldsack, ein herrliches Gut Und sechs prächtige Miesbacher Rinder. Und der Kanzler nimmt Alles in Gnaden an Und freut sich der Dummen im Lande, Dann sucht er sein liebes Schönhausen auf, Begrüßt von der schmeichelnden Bande. Doch vorbei zu den Ställen lenkt er den Schritt, Zu den Miesbacher Rindern trat er, Und war es auch„väterlich Rindvieh" nicht, So liebt er es doch wie ein Vater. So ein Rindvieh, der ist wie ein Millionär, Durch sein Dasein allein schon ein Segen, Das redt nichts und thut nichts, das sauft nur und frißt, Drum muß man eS hegen und pflegen. Partei-Archiv. Für das Partei-Archiv gingen ein: Von Rothbart. Hamburg: 2 Assignaten der französischen Republ- I anarchistisches Flugblatt. „ Lanz, Zug: 18 diverse Broschüren. 1„Straßburgische Zeitung", Januar 1793. Aus dem Kölner Landkreis: Eine Anzahl Flugblätter, Profi Akten. Abrechnungen u, f. w. 9 diverse Broschüren, Statuten k. 1„Kölner Freie Presse" 1877 und 78. 1„Vorwärts" 1876, 77 und 78. 1„Neuer Sozialdemokrat" 1875 und 76. 1„Panier" 1877 und 78. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung- Brieftasten der Expedition: Reichsmaulwürfe: Mk. 33— pr. Wfd. B C. dld. erh. Warum nicht direkt und sonst so schweigsam?— H. Sch«� Antwort auf unsere Anfrage baldigst erwartet.— Därmig: Nachr. iÄ 1 5 hier. Gruß!— v. d. Leine: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. f. F. T. j Ahasverus: Bstllg. an S. am 25. pr. Fldp. fort. Gruß!— Feii� Hannes: Mk. 6— Ab. 2. Qu. erh.— Gracchus F.: Lt. Bf. v. 24/1 Jraakatur durch Zwischenhand unterlassen. Weiteres hoffen geordnet.� Rother Mahdi: Hoffentlich ist„a. U." gut instruirt. FinanzregulirU� in Bälde erw.— Der alte Unverbesserliche: Mk. 30— f. Schft. u. I Ab. 2. Qu. erb. Bstllg. notirt. Erster Versuch klappt.— Dreifuß i. Ggnrchg. gutgebr. Alles pünktlich abq. Fehlendes blieb am Schlupfs hängen.— Verrina: Mk. 6 80 Cto. Schn. für Sie am 23/4. ausbeza� und belastet. Adr. geordnet. Weiteres bfl.— Claus Groth; Bstllg. weitere Aufschlüsse am 27/4. abg.— Nieuwenhuis: Fr. 5— Ab. I. 2. Qu. für B. D. erh. Weiteres durch Vbhdlg.— Rother Hahn Adr. geordnet. In diesen Kreisen ist deshalb das Nachsalzen uaij nöthiger. El. schweigt.— Feuerländer: Mk. 54 40 k Cto. u. 1 V 2. Qu. am 23/4., desgleichen Mk. 50— am 24/4. u. Mk. 50— am 28j ä Cto. erh. 12 Liederbücher„Manko in der Zwischenhand", da sts uns wirklich stille der Verstand! Das wäre freilich mehr als brüderft und liederreich getheilt— beinahe lüderlich. Bfl. Weiteres.— Münchs Mk. 150— vr. Afd. dkd. geordn. In Nr. 17 nur 100 quittirt. Dru) fehler.- E. V. E.: Mk. 5— Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.- BN Adr. v. 21 /4. w. erh. u. besorgt.— O. W. W.: öwfl. 5— Abon. Qu. u. Schft. erh.- O. A. W. Ff.: Mk. 3- f. Schft. erb- H. Stf.: Mk. 3— Ab. 2. Qu erh.— I. M. Lucens: 40 Cts. Sck erh.— Veilchenstein: Bstllg. w. erh. u. besorgt.— Morgenroth$ Bstllg. fort.— N. E. C. New-Dork: Doll. 9 50 nach Vorschr. an» Ga. k. ausgefolgt.— S. A. P. Chicago: Doll. 5— v. d. Sekt, b Gera dkd. erh. u. besorgt.— C. Bönsch(?) peanerette La.: 50 Cts. d. Gen. i. Oesterr. dkd. erh.— Rosa Beck: Mk. 40—2 Ab. 2. v u. k Cto. erh. Weiteres dringlich nöthig!— Veritas: Adr. geo Bstllg. folgt.— Hallunke: Mk. 225— k Cto. Ab. erh. AuMg.' Schft. folgen.— I. Vogel, Nuova Helvetia: Fr. 5— Ab. 2. u. 3. Qu. Der gute Wille gilt auch. Gruß!— Th. W. Nbg.: Mk. 17 60 Ab.' 1885 erh.— Buenos-Aires: Fr. 375— erh. u. Fr. 231 25 an VM ausgefgt. Fr. 86— pr. Als. dkd. geb. Früheres siehe Bfk. 9. Mehrbstllg.' notirt.— Der Alte v. Berge: 50 Cts. f. Bldr. erh.— O. Lg. M Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— Rothe Fahne: Fr. 70— ä Cto. erh.* Näheres erbt.— Gänseleber: Einrenkg. kreuzte mit Bf. v. 26/4. Mk. 50 k 6' erh. Alles beachtet.— H. Rkw. London:(4 Pfd. St.) Fr. 100— i Cto. du' B. erh. W. u. M. avifiren Zhl. erst pr. Ende ds. Auszg. ab. Bschft.& Weiteres notifizire und retournire bald! Was aufzutreiben, erhÄs Du dann.— A. M. Lüneville: Fr. 2 50 Ab. 2. Qu. erh.— Schwasi Taugenichts: Mk. 50— Ab. 1. Qu. und 1 dir. 2. Qu. sowie k G Schft. erh. Alles folgt nach Wunsch.— Hz. Ich.: Fr. 2— Ab. 2.£ erh.— Hannibal: Mk. 120— baar und Mk. 22— pr. E. B. k& erh. Regelung des Alten wäre angenehm..— H. K. W.: öwfl. l s Ab. 2. Qu. u. Strafporto erh. Weiteres bfl.— Paris; Alles nach WM besorgt.— Rother Fritz: Bs. v. 27/4. erb. Zhl. erw.— Matilde:' am 29/4. erh.—-b-är.: Nachr. v. 28/4. erh. War großentheils» leserlich.— tsfi Himmel--: Hoffentlich Alles rechtzeitig eingeworW — Der alte Rothe: Mk. 37 50 pr. Ab. u. Schft.-Cto. erh. Oesterre» Marken tc. zu hoch angesetzt. Ggrchg. mit Mk. 2 50 gutgebr. Adr. � gänzlich unleserlich. Bf. folgt.— ■ ,dkn Coxnmun. Arb.-Bildungs-Verei 49 Tottenham Str. TotteDbam Court Road* Die Wirthschaft des Vereins ist geöffnet täglich von Morgen« Uhr bis Abends 12 Uhr. Zureisend« Genossen werden ersnor auf unsere Adresse genau zu achten. Der Tontamd' Der Verkauf des Parteiorgans findet ausser im Verein auch bei folgenden Filialen statt: Goeldbloed, 29 Foly Street, Cleveland Street W Taube, Friseur, Edward Street, Soho Square VT. j Schweitier, Boockseller, 43 Commercial JRoad,"Witheschapel Melier, 74"Warren Street, Tottenham Court R."W. Boockseller, 51 Charlotte Street, Fitzroy Square"W. SotiaNstlschk Zröeiterpartti Amerika. Lektion Rew-Aork. Sitzung deT ZentralkomiteS jeden Freitag Abends 8* in Lincoln Hall. Eck- Allen und Houston Street., Jeden Samstag finden Versammlungen statt. Näheres F „New-Dorker Volkszeitung«, besonders FreitagS und SamstagS. ___ 1 Echwiizerische BenoginschaslSbuchdruckir-i in Hottingen-Zürich.