187! «oft« eine? g-H-« Jhint tften ZMSV ossiel chied» tun«' «l eck«' 1 18* di Krscheiut wöchentlich einmal In Zürich(Schweiz). Aerkag der �»lköbnchhandlnns Hottingen» Zürich. Kostseuöllllte« franko gegen franko Gewöhnliche Briese »ach der E ch n> e t z kosten Doppelporto. Der ZoMldeMkrat ientrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Abonnements werden bei allen fchweiterischt« Postbureanx sowie beim Verlag und dessen bekannien Agenten entgegengenommen, und>war zum voraus z ahl baren VierteljahrSpreit von: Fr 2— fUrdieSchweiziKreuzband) Mk s— fllr Deutschland(Coudert) st. l.70 sllr Oesterreich(Couverts Fr. 2 50 sllr alle llbrigen Länder de» Weltpostvereinsb verschwindenden Minorität, daß sie direkt auf die Gesetz-, ,d.� jore! UZ- fand! ct. Med- ffal« INN»! veiM fct Ji i ui dt. 0 tmnn und Regierung keinen Einfluß ausüben können. Zu ttlaJig, Sefsion.herrschen. jn diesrr Besiehnun Jzpch. all�rlef llnsivncn; der Verlauf und die Praxis der Session haben os jedoch mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit festgestellt "üb dafür gesorgt, daß die Bäume des sozialdemokratischen »eitel- ». ad» Lulu inne I. at* dkd DU «i de' itd z» g Parlamentarismus und der parlamentarischen Sozialdemokratie uicht in den Himmel wachsen. � Es ist eben ein Glück, daß die Logik der Thatsacheu der Wgik der Menschen nachhilft und erforderlichenfalls sie korri- k'rt. Das Arbeiterschutzgesetz des Jahres 1885 hat ganz genau .dasselbe Schicksal gehabt wie das Arbeiterschutzgesetz des Jahres che«j,877— es ist in den Papierkorb gewandert und hat, gleich Wem, nur den Nutzen gehabt: in Arbciterkreisen provagau- d'stisch zu wirken und die Ueberzeugung zu verbreiten, daß von °en Vertretern der besitzenden Klassen niemals das Heil zu �warten ist, und daß die Arbeiter, wenn sie i m E r n st �re Emanzipation wollen, sich ausschließlich auf die �gene Kraft verlassen müssen. Und damit ist Ziel und Wesen unserer parlamentarischen Tätigkeit vorgezeichnet: der Schwerpunkt derselben liegt nicht U'nerhalb, sondern außerhalb des Parlamentes— das Parlament ist gewissermaßen nur der Hebelpunkt für die Wirkung nach Außen, d. h. auf das Volk. Von Anfang an, wir meinen vom Anfang unserer Partei- llUS, Besch ich tc an, wurde die Aufgabe der sozialdemokratischen Abgeordneten auch so aufgefaßt; ein halbes Dutzend Kongresse bat Beschlüsse in diesem Sinn gefaßt, und die letzte Reichs- �gssefsion hat, trotz der verdoppelten Zahl unserer Vertreter, °ie Richtigkeit dieser Auffassung auf's Eklatanteste bestätigt._ Die parlamentarische Thätigkeit der Sozialdemokratie ist t-Sifl"�sintlich eine agitatorische und propagandistische— nicht W. eme legislatorische(gesetzgebende). Damit soll selhstverständlich -esagt sein, daß wir auf sed e lcgislatori'che Thätigkeit idbu� ve'-zichteu hätten— sowest uns eine solche mit praktischem �'folg möglich, haben wir sie zu üben und sowohl an den Debatten als an den Abstimmungen theilznnehmen. Allein das eine sehr nebensächliche Thätigkeit. Auch bei eigentlichen !--Arbeitergesetzen' wird unser parlamentarisches Wirken stets 'Un propagandisti'ch-agitatorischcs sein müssen. , �- Das möge Herr Eugen Richter sich merken. Und er möge ' sich merken, daß die„großen parlamentarischen Kämpfe" der Gegenwart uns unmittelbar gar nichts oder nur sehr -■jsi'enig angehen. Weder in dem kirchenpolitischen Kampf zwischen jAcichsregierung und Zeutnun, noch an dem ökonomischen selch«!ckNteressenkampf zwischen mobilem und immobilem Kapital, iren. itoffchen Schutzzöllnern und Freihändlern, zwischen agrarischen dingt und industriell-kommcrziellen Ausbeutern sind wir Sozialdemo- 'taten betheiligt— wir haben aus diesen Kämpfen nur den sitößtmöglichcn Bortheil für die Sache der Arbeiter zu ziehen ung Wd müssen uns vor Allem hüten, durch überflüssiges Eingreifen die Zuspitzung der Gegensätze zu ver- t. ändern. - Unsere wichtigste parlamentarische Thätigkeit findet statt vor bem Zusammentritt des Parlaments: sie besteht in der Wahl- Agitation und im Wählen. Die Thätigkeit in dem Parlament ist lange nicht so wichtig, obschon sie keineswegs cd. unterschätzt werden soll. Nur darf der propagandistisch-agita- torische Zweck nie aus den Augen verloren werden. Sonst gerathen wir auf Irrwege und versinken schließlich im S u m p f des Parlamentarismus. Zur wirthschaftlichen EntWickelung. Der Jahresbericht der Handels» und Gewerbekammer für Oberbayern pro 1884 ist vor Kurzem erschienen. Derselbe— in gewissem Sinne immerhin ein amtliches Dokument— liefert einen interessanten Beitrag zur Beurtheilung des Entwickelungsganges unserer wirthschaft- lichen Verhältnisse überhaupt. „Das Jahr 1884", heißt es in dem Bericht,„war, so viele Neue- rungen, neue Entwürfe und Gedanken auf wirthschaftspolitischem Gebiet es brachte, glücklicherweise frei von Ereigniffen, welche auf das Geschäfts- leben einen plötzlichen und heftigen Einfluß üben kön- nen. Bon Geschäftsstockungen, wie sie mehr oder weniger die Nachbar- länder heimsuchte, blieb Deutschland verschont, das geschäftliche Leben hatte unter dem Bewußtsein einer friedlichen Zeit e i n I a h r r u h i- ger Entwicklung, und als Resultat desselben scheint eine weitere Verbesserung in den wirthschaftlichen Verhältnissen konstatirt werden zu können. Das läßt sich sehr hoffnungsfreudig an: ein Jahr ruhiger Entwick- lung, eine weitere Verbesserung— mehr kann man eigentlich gar nicht verlangen. Aber der hinkenoe Bote kommt nach. „Nach den vorliegenden Berichten", fährt der Bericht fort,„hat sich die allgemeine Lage von Handel und Gewerbe wenig verändert. Keines- falls kann von einer Wendung zum Schlechteren in er- heblichem Maße gesprochen werden." Das klingt schon etwas anders; wenn die„weitere Verbesserung" darin zu suchen ist, daß keine„Verschlechterung in erheblichem Umfang" vorliegt, so scheinen die Ansprüche, welche der Verfasser des besagten Berichtes an eine solche stellt, ja sehr bescheiden zu sein. Hören wir ihn weiter. Nach einer Aufzählung der Branchen, welche die Geschäftsergebnisse des Jahres 1884 als mehr oder weniger günstig bezeichnen, und der- jenigen, welche über schlechten Geschäftsgang klagen, fährt er fort: „ylu-vdinzs war d»? N-g?'° n t i t-> i v e G-gebniß günstiger als das qualitative. Zahlreiche Branchen sind mit dem er- zielten Umsatz zufrieden, klagen aber, daß die gedrückten Preise keinen entsprechenden Gewinn übrig ließen. Das Mißverhältniß zwischen Produktion und Konsumtion wird beinahe von jeder Geschäftsbranche schwer empf-mden. Die Preise der Rohstoffe wie der Fabrikate sind in fortwährendem Sinken begriffen und haben theilweise den niedrigsten Stand des Jahrhun- d e r t s erreicht. Hiezu kommt, daß die Preise der Fabrikate in keinem Verhältnisse zu denen ver RohmaterialiVn und Arbeitslöhne stehen. Das Vorhandensein einer weitverbreiteten Ueberproduktion ist ebensowenig zu bestreiten, als du Thatsache, daß es sich hier um eine mit der modernen Wirthschastsordnung unzertrennliche Erscheinung handelt und ein allgemein be- friedigendes Heilmittel wohl schwerlich so bald ge- f u n d e n werden wird. „Im Einzelnen sind es hauptsächlich die handwerksmäßigen Gewerbe, welche über ungünstige Ergebnisse des Jahres 1884 klagen, während die g ü n st i g e n Urtheile hauptsächlich aus den Kreisen der Großindustrie stammen." Hier finden wir just das G e g e n; h e i l von dem ausgesprochen, was im Eingangs zitirten Satz gesagt wird; dagegen stimmt diese aus den Berichten direkt geschöpfte Charakteristik der wirthschaftlichen Ent- Wickelung von A bis Z mit dem überem, was die sozialistische Lehre seit Langem festgestellt hat: die ständige Tendenz zur Ueberproduktion, als nothwendige Folge der wirthschasilichen Konkurrenz, bringt das Kleingewerbe dem vollständigen Ruin immer näher, nur die Großindustrie vermag sich im Konkurrenzkampf zu halten.*) Und diese Thatsache ma.-.isestirt sich in einen« Jahr, das als ein Jahr „ruhiger Entwicklung-- bezeichnet werden mußte! „Die Arbeitslöhne," heißt es alsdann,„über welche der Jahresbericht ausführliche Spezialangaben macht, haben im Jahresbericht keine wesent- liche Veränderung erlitten. Eine Verminderung ist jeden- falls in größerem Umfange nicht eingetreten. „Die gefundenen Sätze des Arbeitslohnes übersteigen fast durchweg den gelegentlich der Krankenversicherung der Arbeiter ortsüblichen Tag- lohn, welch' letzterer in Oberbayern, uno zwar für männliche Arbeiter zwischen 1 Mk. 30 Ps. und 2 Mk. 30?:"., für weibliche Arbeiter zwischen l Mk. und 1 Mk. 50 Pf. sich beweg Hier ist also wiederum nur„kein, wesentliche Verminderung" zu verzeichnen; an einer anderen Sti le heißt es, daß von 15 Berichten ein G l e i ch b l e i b e n, von 3 ein S t e i g e n und von 6 ein Fallen der Arbeitslöhne verzeichnet wzrd. Wir bezweifeln, daß die Arbeiter eine solche Entwicklung als eine „weitere Verbesserung" betrachten. Es heißt dann weiter: „Ein bei Weitem schlechteres Bild der wirthschaftlichen Gesammtlage gewähren die Aeußerungen der P ro v i nz st ä d t e und Land ge- gemeinden, welche die Handels- und Gewerbekammer zur Ergänzung der meist aus München stammenden Berichte der einzelnen Industrie- zweige eingefordert hat. Nach diesen Aeußerungen haben stch die Ver- Hältnisse in den Landstädten und auf dein flachen Lande, die schon im Vorjahr als wenig erfreulich geschildert worden waren, noch weiter ver- schlechtert. *) Damit stimmt auch die Bemerkung überein, daß„das q u a n t i- tative Ergebniß günstiger gewesen se als das qualitative." Der Grundsatz, daß die„Quantität", die Menge, es bringen muß, ist der Grundsatz der Großindustrie, das Kleingewerbe kann nur bei qualitativem Erfolge bestehen, wenn der Verkaufspreis einen „anständigen" Gewinn zuläßt. Und ferner stimmt damit die Thatsache überein, daß, während die Anzahl der Konkurse gegen die des Vor- jahres etwas abgenommen hat, dies in Bezug auf die W e ch s e l p r o- teste nicht der Fall gewesen. Die Kleinbandwerker haben zwar auch mit Wechseln zu thun, oft weit über ihre Verhältnisse hinaus, in offi- ziellen Konkurs gerathen sie aber verhältnißmäßig seltener als die mitt- leren und großen Gewerbtreibenden, und zwar weil bei ihnen in der Regel nichts mehr zu holen ist. ...„Die uns zugegangenen Berichte äußern sich... fast übereinftim- mend dahin, daß die Kaufkraft der Landbevölkerung, von welcher in erster Linie die Gewerbe in den kleineren Orten abhängen, entschieden abgenommen habe." Hiezu macht die Handelskammer folgende Bemerkung: „Es ist freilich bei derartigen allgemeinen Urtheilen noch schwerer als bei den Aeußerungen über einzelne Industriezweige festzustellen, wie weit die subjektive Ansicht die thatsächlichen Verhältnisse wiedergibt. Die Vermuthung liegt nahe, daß, wie überhaupt das moderne häufigere Fragen nach dem wirthschaftlichen Wohlbesinden die Neigung zum Klagen begünstigt, so namentlich die bäuerliche Bevölkerung durch die Agitation für die Erhöhung der Getreidezölle, dann das Kleingewerbe durch die Agitation für Revision der Gewerbeordnung an pessimistische Betrach- tungen und an den Gebrauch kräftiger Schlagworte häufig erst gewöhnt worden sind." Wir wollen dem eine gewisse Berechtigung nicht absprechen und geben unbedingt zu, daß man, um sicher zu ermessen, wie weit solche allgemeine Urtheile der Wirklichkeit entsprechen, die anderweitigen Faktoren, die zur Messung des Volksivohlstandes dienen, in Betracht ziehen müßte, indeß die U e b e r e i n st i m m u n g der Berichte aus den Provinzstädten und den Landstädten ist doch nicht durch bloße Agitation zu erklären. Hier ist thatsächlich Vieles faul. Wenn das Kleingewerbe in den großen Städten zurückgeht, dann ist nicht anzunehmen, daß es in den Land- städten floriren soll. Man kann auch den Spieß umkehren und sagen, wenn es den Handwerkern und Kleinbauern gut ginge, so würde die agrarische und zünftlerische Agitation bei ihnen nicht den Anklang gefun- den haben, den sie in der That gefunden. Uebrigens heißt es auch in dem Bericht der Handels- und Gewerbe« kaminer für Niederbayern: „Was die Lage des Kleingewerbes betrifft, so lasse dieselbe bekanntlich seit Jahren Vieles zu wünschen übrig, und sei auch hier, wie in der Industrie, in Folge der großen Anzahl neu entstandener und täglich neu entstehender Geschäfte der Verdienst sehr geschmälert; und doch sollen den Neuanmeldungen von Geschäften fast eben so viele Abmeldungen gegenüberstehen." Und die Gesammtlage der Industrie charakterisirt dieser Bericht fol- genderinaßen: „Ueberproduktion fast auf allen Gebieten des wirthschaftlichen Lebens, langsames Zurückgehen der Preise für die erzeugten Fabrikate, geringer Geschäftsnutzen bei angestrengtester Thätigkeit und emsigem Suchen nach neuen Absatzwegen. Es sei vorläufig nicht abzusehen, wo- durch eine Besserung der gegenwärtigen Verhalt- nisse herbeigeführt werden könnte, denn die Vermehrung unseres Exportes halte wenigstens zur Zeit nicht gleichen Schritt mit der Zu» nähme der Leistungsfähigkeit unserer Industrie." Es mag sein, daß auch hier tendenziöse Schwarzmalerei die Dinge übertrieben hat, aber sie kann die Thatsacheu nicht auf den Kopf stellen. Im Einzelnen mag es hier und da besser aussehen, als es nach den Berichten erscheint, die Gesainmtbewegung aber ist unleugbar richtig angegeben; unv wenn erst die Thalsachen den Beweis geliefert haben werden, daß auch das letzte Heilmittel, aus welches die Anhänger der bestehenden Wirthschastsordnung ihre Hoffnung gesetzt haben: die Vermehrung des Exports, die Wunder nicht be- wirkt, die man von ihm erwartet, so muß sich in immer weiteren Kreisen, selbst des Mittelstandes, die Erkenntniß Bahn brechen, daß aus dem Elend unserer heutigen Wirthsqaftsverhältnisse es nur einen Rettungs- weg gibt, den Sozialismus. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 3. Juni 1885. — Fabrikgesetzgebung und Schule. JnDarmstadt tagte in der Psingstwoche der 26.„A l l g e m e i n e d e u t s ch e L e h r e r- t a g", dessen Verhandlungen diesmal ein spezielleres Interesse unserer- seits beanspruchen dürfen. Am zweiten Hauptverhandlungstage wurde nämlich die Frage des Zusammenhanges zwischen Fabrikgesetz« gebung und Schule erörtert, und zwar lesen wir in den Zeitungen hierüber: „Jn drastischen Zügen entrollte der Referent, Reichstagsabgeordneter Halben(Oberlehrer in Hamburg) ein Bild der Mißstände, welche sich aus der Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in Fabriken ergeben und welche mit der fortwährend steigenden Zahl der solchergestalt beschäftig- ten Kinder auch stets zunehmen. Nach dem letzten Berichte der Fabrik- inspektoren waren 124,275 Kinder im Alter von 14— 18 Jahren, 18,395 im Alter von 12— 14 Jahren in Fabriken beschäftigt; es ergibt dies eine Zunahme von 20 Prozent gegen früher. Wir müssen uns nun der Aus- dehnung schreiender Uebelstände energisch widersetzen. Jn vielen Berg- werken macht es die Art der Arbeit nothwendig, daß beide Geschlechter fast nackt in einem und demselben Räume zusammen arbeiten, über die weiblichen Personen führen Männer die Aufsicht, die Arbeitspausen wer- den meist gemeinschaftlich in der nächsten Schenke ausgefüllt. So werden nach und nach alle Früchte der Schulzucht zerstört. Wir aber wollen das, was wir mit schweren achtjährigen Mühen an den Kindern heraus- gebildet, ihnen auch erhalten. Von den Eltern ist meist keine Besserung der Zustände zu erwarten, denn diese wollen, daß ihre Kinder möglichst viel Geld verdienen. Nun ist zwar für diese Kinder allerdings eine Fabrikschule errichtet worden, in welcher der Fabrikherr Unterricht er- theilen zu lassen hat. Diese Schule ist aber in Wirklichkeit nur eine pädagogische Mißgeburt, da die Interessen des Fabrikherrn nur zu oft von dem der Kinder abweichen und der wechselnde Bestand, die Ueber- füllung mit den verschiedensten Elementen, einen Erfolg nicht erhoffen läßt. Also Fortfall oder thunlichste Einschränkung der Kinderarbeit in den Fabriken. Redner faßt seine bezüglichen, von dem lebhaftesten Bei- fall begleiteten Ausführungen in folgenden Thesen zusammen: „Die 26. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung hält im Interesse der geistigen und körperlichen Erziehung der heranwachsenden Jugend, sowie zur Abwehr schwerer sozialer Schäden die Berücksichtigung der nachstehenden Bestimmungen in die Gesetzgebung des Reiches und der Einzelstaaten für dringend erforderlich und richtet an alle deutschen Lehrervereine die Aufforderung, durch Eingaben an die zuständigen gesetzgebenden Behörden die Annahme dieser Vorschriften herbeizuführen: 1) Kinder, welche das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, oder welche noch zum Besuch der Volksschule verpflichtet sind, dürfen in Fabriken, Bergwerken, Steinbrüchen und ähnlichen industriellen Betrieben nicht beschäftigt werden. 2) Für verheiratete Frauen ist die Arbeitszeit in Fabriken so zu begrenzen, daß die Kinder der ihnen nöthigen Mütter- lichen Pflege und Zucht nicht entzogen werden. Von den Aussichts- behörden ist außerdem der Nachweis zu führen, daß die Kinder während der Arbeitsstunden der Mütter unter Aufsicht erwachsener Personen stehen. S) Die Verpflichtung zum regelniäßigen Besuch der Fortbildungs- schule ist sür die in Fabriken beschäftigten jugendlichen Arbeiter beiderlei Geschlechts bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre zu erstrecken. Die Fortbildungsschule soll nicht nur die allgemeine Schulbildung er- gänzen und befestigen, oder die gewerbliche Vorbildung unterstützen, son- der« sie soll vor Allem erziehlichen Zwecken dienen, auch soll sie ihren weiblichen Zöglingen, soweit irgend thunlich, Anleitung zu häuslicher Ausbildung geben." Diese Thesen, welche einstimmig angenommen wurden, können wir als ein Zeichen wachsenden Verständnisses sür den Zusammenhang aller Zweige des sozialen Lebens mit den wirthschaftlichen Verhältnissen nur begrüßen. Kommen sie doch den betreffenden Forderungen des Arbeiter- schutzgesetzes unserer Abgeordneten ziemlich nahe. Vom Referenten hätte man billigerweise ein Eingehen auf die G r ü n d e erwarten dürfen, warum viele Eltern„wollen, daß ihre Kinder möglichst viel Geld ver- dienen." Dann würde es sich gezeigt haben, daß fast alle diese Eltern auf den Miterwerb ihrer Kinder angewiesen sind, daß also die Fabrik- gesetzgebung nicht nur in Bezug auf Frauen- und Kinderarbeit, sondern auch in Bezug auf die Verhältnisse der erwachsenen männlichen Arbeiter die Schule in eminentem Grade angeht. Und wenn es in These 2 heißt, daß sür verheirathete Frauen die Arbeitszeit in Fabriken so zu begrenzen ist, daß die Kinder der ihnen nöthigen mütterlichen Pflege und Zucht nicht entzogen werden, so begreift auch diese Forderung, wenn sie nicht todter Buchstabe bleiben soll, ein viel einschneidenderes Eingreifen der Gesetzgebung in unsere Arbeitsverhältnisse ein, als es sich die Beschlußfaffer und der deutsch-freisinnige Referent wahrscheinlich haben träumen lassen. Jndeß das steht auf einem anderen Kapitel. Jedenfalls ist der Beschluß des Lehrertages von uns anzuerkennen. Er wirv bei der Agitation für die Arbeiterschutzgesetzgebung von großem Nutzen sein. — Charity begins at h o m e.*j Die christliche Liebe, das heißt„das praktische Christenihum", fängt zu Hause an— dieses gute englische Sprichwort hat der„eiserne" Otto(die Stirn ist jedenfalls eisern) zu seinem Wahlspruch gemacht und auch mit vielem Geschick und Erfolg verwirklicht. Man muß das„praktische Christenthum" nur rich- tig verstehen.„Praktisches Christenthum" ist die Praxis der„Anwälte des armen Mannes". Und die Praxis der„Anwälte des armen Mannes" ist,„Millionäre" zu züchten auf Kosten des armen Mannes, der von den abfallenden Brosamen der Millionäre zwar nicht üppig leben, aber mög- licherweise doch bescheiden veqetiren kann, während er ohne diese Bro- samen sicher verhungern mühte— wie die„Anwälte" meinen. Also „Millionäre" züchten— das ist das große Ziel der„Anwälte des armen Mannes", welche zu gleicher Zeit auch die Väter und Geburtshelfer der „Sozialreform" sind.„Millionäre" züchten— „das ist die ganze Wissenschaft, das ist die höchste Philosophie, das ist des Lebens tiefster Sinn"— das ist das volkswirthschaftliche, sozialpolitische, sozialreformatische, die Lösung der Arbeiterfrage unfehlbar herbeiiührende Programm unseres „Oedipus des 19. Jahrhunderts", der, gleich dem Original-Oedipus der griechischen Mythe, das Räthsel der Sphynx gerathen hat und auf dem richtigen Weg ist,— wenn dieser Weg auch ein Holzweg ist, nämlich der Weg der Holzzölle(wozu Getreidezölle und andere schöne Zölle zur Züchtung von„Millionären" gehören). Genug, die Züchtung von Mil- lionären ist das große und schöne Ziel des„praktischen Christenthums", und dieses große und schöne Ziel hat unser braver Reichskanzler, der ja der Hauptarbeiter im Weinberge des„praktischen Christenthums" ist, dem englischen Sprichworte getreu, sür seine eigene Person im vollsten Maße erreicht. Ein nationalliberales Blatt, das„Leipziger Tageblatt", rechnete dieser Tage aus, er habe vor Einführung der neuen Getreidezölle aus seinem landwirthschastlichen Grundbesitz— der f o r st wirthschastliche trägt ihm noch weit mehr ein, wir wollen nur an den berühmten Sachsenwald erinnern— ungefähr 300,000 Mark jährlich gezogen; in Folge der Getreidezölle habe sich dieser jährliche Ertrag aber um etwa 40,000 Mark erhöht. Wir glauben, daß das zu niedrig veranschlagt ist. Immerhin ists, auch wenn wir an den Ziffern des„Leipziger Tageblattes" festhalten, eine ganz respektable Leistung von„praktischem Christenthum", und zeigt, wie gut es ist, wenn ein„Anwalt des armen Mannes"„die Klinke der Gesetzgebung" in der Hand hat— nämlich wie gut f ü r d e n A n w a l t! Die 340,000 Mark jährlich, welche das„Leipziger Tageblatt" ausgerechnet hat, stellen einen Grundbesitz im Werlhe von 8'/« Millionen dar; der Sachsenwald allein wurde schon vor 10 Jahren auf 15 Millionen geschätzt und ist jetzt mindestens 20 Millionen werth. Fügen wir noch die übrigen Be- sitzungen unseres„Anwalts des armen Mannes" hinzu, und außerdem seine verschiedenen Staatseinnahmen, die sich auf 100,000 Mark jährlich belaufen mögen, so kommen wir zu dem Schluß, daß der eiserne Kanzler die soziale Frage für seine Person unübertrefflich gelöst hat, und in der That ein praktischer Christ ist, wie er praktischer nicht gedacht werden kann. Dem Verdienst seine Krone! — Der„Krieg mit Zanzibar" scheint in der That zur Wahrheit werden zu sollen. Wenigstens wissen die Blätter von außer- ordentlichen Ausrüstungen verschiedener Schiffe der deutschen Marine zu zu melden. So brachte die„Weser-Zeitung" vor einigen Tagen die Nachricht, daß in Wilhelmshaven die Befrachtung zweier von der Marine gemietheten Bremer Dampfer, des„Adler" und des„Ehrenfels", ununterbrochen fortgesetzt wird, und selbst an den beiden Festtagen mit vermehrten Arbeitskräften betrieben wurde. Der„Ehrenfels", heißt es, soll spätestens am 28. Mai expedirt werden und empfängt 1000 Tons Kohlen, Proviant und Munition. Die Segelordres für die beiden Schiffe werden durchaus geheim gehalten; es ist hier jedoch stark die Meinung vertreten, daß der Bestimmungsort der Schiffe Zanzibar ist, woselb st ein Geschwader, bestehend auö den drei Kreuzerfregatten„Prinz Adalbert",„Stosch" und „Elisabeth", zusammengezogen werden soll. Dieser wohlbegründeten Meinung entspricht auch die ganze Art und Weise der Ausrüstung und die ungewöhnliche Hast, mit der Alles betrieben wird; bei einer bloßen Versorgung der Kolonien würde man sich ohne Zweifel mehr Zeit gönnen. Die Kohlenzeche„Germania und Nordstern" bei Bochum ist mit einer bedeutenden Kohlenlieserung beauftragt worden und sendet dieselbe per Extrazüge nach hier. Beide Dampfer erhalten ein Detachement von je 1 Offizier, 1 Arzt, 1 Zahlmeister und 12 Mann. Der„Adler" führt bereits die deutsche Kriegsfiagge." Von den Kosten, vorläufig an Geld, und später—„mit Gottes Hilfe"— an Menschenleben schweigt des Sängers Höflichkeit. Und wofür diese Opfer? Für die angebliche Kolonisirung des von der famosen„Ostafrikanischen Kolonisationsgeselljchaft" erschwindelten Territoriums. Wir sagen, die angebliche Kolonisirung, denn an eine wirkliche Kolonisirung dieses Fieberheerdes dürfte gar nicht zu denken sein. Was es überhaupt mit der Kolonisirung Afrikas in der Praxis für ein Bewandtniß hat, lehren die Erfahrungen Frankreichs in Algier. In der„Berliner Volksztg." finden wir einen Auszug aus Poes Guyot's Werke über Kolonial- Politik, der vortrefflich dazu geeignet ist, etwa noch in Illusionen Befangenen die Augen zu öffnen. Die Nähe Algier's(der Dampfer fährt in ca. 2 Tagen von Marseille nach Algier), erzählt Guyot, schien anfangs auf die Auswanderung so an- ziehend zu wirken, daß die Regierung eine Massenauswanderung und eine Entvölkerung des Mutterlandes befürchtete und daher 1832 durch Gesetzerlasse und Verwaltungsmahregeln diesem drohenden Uebel zuvor- zukommen suchte. Man hat sich seitdem so sehr von der Grundlosigkeit dieser Befürchtung überzeugt, daß man alle erdenklichen Veranstaltungen getroffen hat, um zur Auswanderung dorthin zu reizen. 1848 wurde mit einem Opfer von SO Millionen Franken eine Anzahl von Kolonisten hinüber befördert; jeder einzelne kostete dem französischen Staate, d. h. also den französischtn Steuerzahlern, nach den Angaben des Kriegs- Ministers die Kleinigkeit von 8000 Fr. Die Nachrichten lauteten indessen bald so trostlos, daß eine Enquetkommission zur Untersuchung der Sach- läge hinübergeschickt wurde, welche zwar von einer zutreffenden Schilde- *) Die christliche Liebe fängt zu Hause an. rung des dort gefundenen Elends Abstand nahm, aber doch zu dem vielsagenden Schluß gelangte, es sei nicht angezeigt, in Zukunft weitere Ackerbaukolonien in Algerien zu gründen. Man versuchte die Sache auf andere Weise in Gang zu bringen. 1857 wurde 80,000 Personen freie Ueberfahrt bewilligt, 70,000 kamen wieder zurück. 1871 glaubte die Nationalversammlung den Verlust von Elsaß- Lothringen beinahe dadurch ausgleichen zu können, daß sie den Bewoh- nern jener Landestheile 100,000 Hektaren Land in Algerien überwies. Aber von 159,000 Optanten gingen nur 3261 hinüber; 155,000 waren klug genug, sich nicht darauf einzulassen. Die Unterbringung von 960 Familien kostete 6 Millionen. Von den 3 2 61 Personen waren nach 3 Jahren kaum noch 2000 vorhanden. Man schob den Mißerfolg auf die Ungeschicklichkeit der Verwaltung, und die Privatthätigkeit bemächtigte sich der Sache, ohne indeffen bessere Resultate zu erzielen. Nach den Protokollen des Conssil superieur de TAlgdrie befinden sich im Dorfe AI'n Dagout auf 28 Landantheilen noch 3 Ansiedlerstellen mit zusammen 4 Personen. In Fontaine Claude auf 29 Loosen noch acht Einwohner und so weiter. Ganze Dörfer sind ausgestorben und die Häuser verfallen. In anderen ist es überhaupt zu keiner Ansiede- lung gekommen, so in Air Pzar, das offiziell schon 1830 kolonisirt worden ist. Der Verfaffer sagt nach Anführung dieser und noch anderer treffender Beispiele: „Die Verwaltung hat mit der Ertheilung einzelner Landkonzessionen geradezu ein Verbrechen begangen. Der Unglückliche kommt aus Burgund oder aus dem Limousin mit Frau und Kindern und seinen Ersparniffen. Man befördert ihn und weist ihm seinen glücklich erlangten Besitz an; alsbald steht er zwischen der Alternative: entweder auf seinem Grund- stück befindet sich Wasser, dann bekommt er das Fieber, oder es findet sich kein Wasser, dann stirbt er Hungers. Ich habe jene, von ihren zu Grunde gerichteten Einwohnern verlaffenen Ortschaften besucht. Die Armen lasten meistens das Grab ihrer Frau und Kinder zurück. Einige wenige verbeißen sich; sie wissen nicht, wohin; sie verfallen in eine Art von muselmännischem Fatalismus und erwarten ihr Ende vom Schicksal." Im Allgemeinen scheint man die Fiebergegenden noch den unfrucht- baren, den Fiebertod dem Hungertod vorzuziehen. Es erinnert das in etwas an den Galgenhumor der Bewohner gewisser, häufigen Ueber- schwemmungen ausgesetzter Flußthäler, welche sich in dem Satz äußert: Lieber in der Tiefe versaufen, als in der Höhe verhungern! So ein„verkommener Franzose" über das„nationale Werk" der Kolonisation Algiers! Und Algier ist, wie gesagt, in noch weniger Tagen vom Mutter- land aus zu erreichen, als die Peters'sche Gründung in Wochen von Deutschland; das Klima Algiers und das Klima wenigstens Südfrank- reichs sind bei Weitem nicht so verschieden, als das Klima Deutschlands und das Klima auf dem Territorium der Herren Peters, Graf Pfeil und Konsorten. Trotzdem aber wagt man es, dem deutschen Volke vorzuschwindeln, es handle sich hier um ein kolonisatorisches Kukturwerk, sür welches die Nation einzutreten hat. Um eine ganz gemeine Gründung handelt es sich, die sich von den Gründungen des Jahres 1872 nur insofern unterscheidet, als mittels dieser den Dummen nur das Gelb aus der Tasche gelockt wurde, während sie heute gewärtig sein müsten, Geld und Leben einzubüßen. Aber gleich den Gründern von 1872 erfreuen sich die Gründer von heute des Wohlwollens unserer Regierer; es ist ihnen solange sicher, als der Karren nicht gründlich verfahren ist. Dann ist's ja noch immer Zeit, den bekannten öselsfußritt zu verabfolgen. Euch das Risiko, mir der Erfolg!— nach diesem Rezept wird man der größte Staatsmann des Jahrhunderts. Nachschrift. Offiziöserseits stellt man in Abrede, daß die oben- genannten Schiffe nach Zanzibar bestimmt seien. Nun, was von offiziösen Ableugnungen zu halten ist, weiß nachgerade jedes Kind. — Die Proteste, welche die sozialdemokratischen Ab- geordneten zum Schluß der Session gegen die unanständige Hast erhoben, mit der„das Schäfchen geschoren" ward, haben unsere parla- mentarischen und unparlamentarischen Gegner arg verschnupft. Nur ein fortschrittliches Blatt, die„Leipziger Bürgerzeitung", hatte den Muth, zu sagen, unsere Abgeordneten hätten Recht gehabt und die fortschrittlichen Abgeordneten hätten ebenso, handeln sollen. Dafür wird die„Burgerzeituify' zedenfalls von Herrn Eugen Richter einen tüchtigen Rüffel beziehen. — Thersites-Richter ist mit seinen neuesten Lügen und Schimpfereien gegen die bösen sozialdemokratischen Abgeordneten wieder einmal gründlich„hereingefallen". Unter Anderen hatte er bekanntlich von K a y s e r behauptet, dieser habe einen Bericht in der Petitions- kommission nicht fertiggestellt, so daß, als er auf fortgesetzte Mahnungen den Bericht geliefert, seitens der Kommission ein anderes Mitglied mit dem Referat hätte betraut werden müsten. K a y s e r stellte sofort(in einer Zeitungs-Erklärung) die Sache dahin richtig, daß er den fraglichen Bericht allerdings verfaßt, daß derselbe aber nicht unter seinem Namen erschienen sei, weil er— Kayser— inzwischen wegen Eintritts in eine andere Kommisston aus der Petifionskommission habe austreten muffen. Diese Berichtigung wurde von Herrn Richter ignorirt: dagegen hatte der nationalliberale T r ö n d l i n, welcher das Referat nach Kayser's Austritt übernommen, die Anständigkeit, die Darstellung Kayser's für durchaus wahrheitsgemäß zu erklären. So ist der edle Ritter Eugen also der Lüge und Verleumdung überführt! Uebrigens wird uns aus zuvedläffiger Quelle mitgetheilt, seitens ver- schiedener einflußreicher Mitglieder der Fortschrittspartei seien Richter mit Hinsicht auf die bevorstehenden Lanvtagswahlen Vorwürfe wegen seiner Angriffe auf die Sozialdemokratie gemacht worden. Wir glauben das sehr gern. Die Herren Fortschrittler wissen sehr genau, daß sie bei den Wahlen— den Landtagswahlen wie den Reichstagswahlen— in manchen Kreisen von unserer Gnade abhängen, während wir ihrer Dienste glücklicherweise gar nicht benöthigt sind. Ob die„einflußreichen Mitglieder der Fortschrittspartei" bei ihrem gestrengen„Chef" etwas ausrichten— wir bezweifeln es— oder nicht, ist uns also höchst gleichgiltig. Die Herren Fortschrittler mögen uns so heftig bekämpfen, wie sie wollen, das kann uns nichts schaden— jedenfalls lasten wir uns dadurch nicht ein Haar breit von unserer Bahn abdrängen. Wir werden den Herren, was sie uns geben, mit Zinses- zinsen zurückgeben, und wenn wir ihnen einmal unsere Unterstützung leihen, so wird es, wie bisher nie aus Sympathie für die Herren Fort- schrittler, sondern nur in unserem eigenen Interesse geschehen. Nur unser P a r t e i i n t e r s e, mit andern Worten das politische Jntereste der Arbeiter k l ass.e, kann für uns maßgebend sein,— und deßhalb können auch Diejenigen sich beruhigen, welche da meinen, wir ließen uns vielleicht durch die Schimpfereien des Herrn Eugen Richter zu einer kleinen Annäherung an die Herren Wagner, Wagener und Konsorten verleiten. Da müßten wir doch ganz alberne Burschen sein! Und glaubt man etwa, das Geschimpfe eines parlamentarischen Rohrsperlings, der höchstens das Trommelfell in Gefahr bringt, könnte uns abzwingen, was Bismarck mit seinem Zuckerbrot der Sozialreform und seiner Peitsche des Sozialistengesetzes uns nicht abzwingen konnte? Das heißt die fortschrittlichen Maulhelden gar wunderbar über- schätzen. — Ein Opfer des Denunziantenthums. In Plauen (im sächsischen Voigtland) verschwand vor Kurzem ein Handwerker und wurde nach einiger Zeit im Walde todt aufgesunden— er hatte sich erhängt. Wie nachträglich ermittelt wurde, war er das Opfer' eines nichtswür- digen Buben, der, um einer Privatrache zu fröhnen, den ganz harmlosen, politisch völlig indifferenten Mann wegen einer angeblich m Majestäts- beleidiguug denunzirl hatte. Die Furcht vor dem Prozeß trieb den Un- glücklichen zum Selbstmord; wäre es ein energischer Mensch gewesen, so würde er dem Schust, der ihn denunzirte, einen gehörigen Denkzettel gegeben haben. Ob die Staatsanwaltschaft gegen den Denunzianten einschreiten wird? Wir bezweifeln es— trotz der schönen Rede des neuen Generalstaats- anwalts Held—, wir bezweifeln es, obgleich die Denunziation jeder Begründung entbehrte. Das Denunziantenthum ist in Deutschland zu einer Staatsinstitution geworden. Ohne Denunzianten kann der Staat nicht mehr bestehen, und darum pflegt er das Denunziantenthum syste- matisch. Seit einiger Zeit häufen sich darum die Majestätsbeleidigungs- Prozesse wieder so auffällig, daß man an das berüchtigte Attentatsjah« erinnert wird. „Je mehr das Ansehen der Majestät sinkt, de st! zahlreicher die Majestätsprozess e", sagte schon T a c i t u t°er herz von han — Ueber das Befinden des deutschen Kaisers laust» trag dur berland mit Prei •m Kriec allerhand bedenkliche Gerüchte um, es scheint mit dem alten WilHeli jetzt endlich zu Ende gehen zu wollen— trotz aller offiziellen Beruhigung! bülletins. So schmerzlich nun alle guten Deutschen der Dahingang ihre allverehrten„Heldengreises" auch berühren muß, so können wir zu ihre Beruhigung doch konstatiren, daß mit demselben der Untergang der M R e v o l noch nicht besiegelt ist. Dies schreckliche Ereigniß wird nämlich erst eur treten, wenn Bismarck, der große, der einzige, der unersetzliche Bismari den Weg alles Fleisches gegangen. Bis dahin— lieb' Vaterland, ruhig sein! — Mit Bezug auf die in Nr. 21 enthaltene Ertlärung Frohmef werden wir ersucht, zu konstatiren, daß Bebel im„Leipziger Tagblcw nur auf Angriffe des„Leipziger Tageblattes" geantwortet hat. Der„Kommunistische Arbeiterbildungsverei» in London" versendet ein Zirkular, in welchem er der Redaktion d-i i st) e n „Sozialdemokrat" den Vorwurf macht, durch Verschleppung der Fraktionserklärung betreffenden Resolutionen und durch Vertuschung d! „Fehler der Fraktion noch vergrößert" und die„freie MeinungsäußerM zur Phrase herabgedrückt" zu haben; die Londoner Genoffen erklär! steue ur land mac uns für nur fr«. Außer 1 v•'st we Sach Diese hierein, hvffentli 'echt wo wenigste gerad i-ä lanc M der. davon Diesei aus K a l-n P r lestamer w>r ihn ken The /fP' daher laut ihr„Mißtrauen gegen die Redaktion, welche sich in diest Weise von der Fraktionsmajorität bestimmen ließ". Zum Beweise wtf dann ein Fraktionsbeschluß angeführt, dem sich nach Meinung des„Kom«f Arbeiterbildungsvereins" die Redaktion unterworfen habe, und zum SchM werden diejenigen Abgeordneten namhaft gemacht, welche„Gegner du Dampfersubvention" und gegen die Fraktionserklärung gewesen seien.! Das Schriftstück ist auch uns zur Veröffentlichung zugegangen;''Uc E h glauben jedoch dem Verlangen der Urheber dadurch genügend entsproß � nith zu haben, daß wir den wesentlichen Inhalt desselben kurz skizzirten. struchelt Aus denselben Gründen, welche uns vom wörtlichen Abdruck des ev'angst y( wähnten Zirkulars abhalten, verzichten wir aber auch auf eine Wide! um„ich l e g u n g der gegen uns erhobenen Vorwürfe, sondern konstatiren nu>°en daß der„Komm. Arb.-Bild.-Ver." in den beregten Fragen v i e r m a. zum Wort gekommen ist, und zwar viermal gegen die Fraktion, dl also er selbst wohl schwerlich unter dieser„Beschränkung der freien M nungsäußerung" zu leiden gehabt hat. Was nun die zum Schluß erwähnte Liste anbetrifft, so lassen hierüber die Zuschrift eines Abgeordneten, dem das Zirkular gleicht zugegangen ist, folgen, mit der wir zwar nicht in allen Einzelheiten ei« verstanden sind, der wir jedoch in Bezug auf die Mißbilligung indirekter Aechtungsversuche unter Genosten nur zustimmen. Der Abgeordnete, der kein Parlamentarier ist, schreibt uns: „Die Londoner Genossen haben es für gut gehalten, da das Pari organ sich zu derartigen Dingen nicht hergeben kann, eine Liste Abgeordneten, welche durchweg gegen die Dampfersubvention wai sowie eine zweite Liste der Abgeordnelen, welche gegen die bekannte klärung der Fraktion gestimmt haben, aus eigene Faust anzufertigl und verbreiten diese Listen vermittelst Zirkulars. Zunächst sei nun st statirt, daß beide Listen unrichtig sind; das sagen wir zur i.-... formation der Genosten im Allgemeinen. Und nun ein Wort rf-''®c'en, den Londoner Genoffen. Wir fragen dieselben: Uchtes 1) Verträgt sich eine derartige Veröffentlichung mit dem Respekt n der freien Meinungsäußerung, welchen sie in ihren bü'"durch herigen Kundgebungen so emphatisch gefordert haben? Und?uch nu vcastz.. Mi ve Fleisch) Kultus" 'nt irnni Ute solch- si-ge;n Idtldern N eine M der Erl «if dae d.-ss° "uebe zr um 2) verträgt sich eine derartige Veröffentlichung mit den Interesse derPartei?. Wir glauben, bei ruhigem Nachdenken wird jeder vorurtheilslv! Parteigenosse beide Fragen mit Nein beantworten müsten. Sollen etwa Reichstagsabgeordnete unter ein A u s n a h n» gesetz gestellt, und des Rechts der freien Meinungsäußerung und Kriti das jede,» Parteigenossen als ein selbstverständliches Recht zusteht, � raubt werden? Es scheint, gewisse Leute gehen von der Uederzeugu« aus, daß jeder Parteigenosse, und war er vorher noch so brav und ve> nünstig, in dem Momente, wo er zum Abgeordneten gewählt wird, st in einen Lump oder Dummkopf verwandelt. Wer an dieses Wund« d-r dies direkten Man des Parlamentarismus glaubt, der soll doch das Wählen unterlassen..' Und ist es etwa im Jntereste der Partei, solche Listen anzufertigen if'0w - T „ gar nid b- durch je �Ut)dj)€ ?u»g-f, über t-c wäre,< Recht die doch nur den Zweck haben können, einen Theil der Abgeordnet� vor den Genosten in ein günstiges, den anderen Theil in ein ungünstig~ Licht zu stellen? z®o l Begreifen die Londoner Genoffen nicht, daß damit die Möglich feit ruhiger und gründlicher Berathung, die im J» �'es teresse der Partei so nothwendig ist. aufgehob!' �"r«, oder doch wesentlich beeinträchtigt wird?'Die Fol?-"�'r würde sein, daß gar nicht mehr berathen, sondern einfach tn jede' m Gin Fall beschlosten würde, was die Parteigenossen wolle' iitelu Welchen Zweck aber dann noch eine Parteivertretung od'. uekt � Parteileitung haben soll, sehen wir beim besten Willen nicht ei>."rch! Und wie tollte denn der Wille der Parteigenosten e r g r ü- si;"i d e t werden? Durch Urabstimmung? Das dürfte seine Schwierij oihsti leiten haben, und würde, wenn durchgeführt, bewirken, daß übe' i�hei Haupt nichts geschieht. Denn es würde nicht nur sehr l a»"bete dauern, bis die Urabstimmung vorgenommen ist- länger, als me- übl mit den Entschlüssen und Beschlüsten gewartet werden kann— sondc-, e'en es käme auch sehr häusig zu keiner Klarheit, weil innerhalb der Part« verschiedene Anschauungen und Forderungen zum Ausdruck gel»- �'ber gen würden. Und welche der verschiedenen Anschauungen und Forl"' M. rungen wären dann die richtigen? Pse Man muß nur die Konsequenzen sich vergegenwärtigen, und die A'"e St su r d i t ä t leuchtet ein. ahlnen Wir wissen ja, daß es in jeder Partei Leute von stark entwickeltei � n st Selbstbewußtsein gibt— und in unserer Partei sind sie keineswegs dü>-"s ist gesäet— welche den Stein der Weisen gesunden zu haben glauben' reicher diesen Genosten können wir nur den wohlgemeinten Rath ertheilen, i der Reihe der Kritiker und Zuschauer in die der Mitrath� und Mitthater zu treten! Dazu ist allerdings erforderlich, daß den übrigen Genosten eine ebenso hohe Meinung von ihren Fähigkeit und ihrem Urtheil beibringen, wie sie selbst zu besitzen pflegen. Abgeordneten werden sicherlich über einen oerartigen Krästezuwachs sehr freuen." — Ueber Bismarcks verdienstvolle Untergrabu" des Legitimitätspvinzips wird uns aus D e u t s ch l a» geschrieben: a v, „Der Haus meier der Hohenzollern, Junker Otto�oon Bismarck, hi ......"--- stD '«»Ölte '"nn r «ine g ihÜMll cher H höhu alle ui droduz wieder einmal, in Durchführung seiner Rolle als Revolutionär wid Lands, ronnti Müßte konnte Willen, Kanonen ausgefahren gegen das legititf Bekanntlich steckt ihm d« �"usr Recht und das Gottesgnadenthum. fette Herzogthum Braunschweig in der Nase; möchte, nachdem$ preußischen'Politiker schon seit fast einem Jahrhundert an der Annexi«££9 der welfischen Lande gearbeitet, nun auch, den Tod des kinderlosen H« zogs Karl benutzend, das schöne Braunschweig in denselben �Sack� steck- »der i führet 'st die '«nnt welche beit -n pr Ate in welchem Hannover vor jetzt 19 Jahren verschwunden ist. Bekan« � lich gibt es nur einen legitimen Erben: den Herzog von CumberlaN-„(«® Sohn des entthronten Königs von Hannover. Dieser(Exkönig Geo war so mannhaft, die Hand nicht zu küssen, welche ihn geschlagen u> bestohlen— wie das verschiedene andere„Depostedirte" gethan. blieb bis zu seinem Tod im„Kriegszustand" mit Preußen; und f Sohn und Erbe hat es ebenfalls verschmäht, mit Preußen seinen Frie! zu machen. Dagegen hat er, als der letzte Herzog von Braunschw starb, feierlich erklärt, als Erbe der Braunschweiger Krone„sein" La» der Reichsverfaffung gemäß regieren, und alle Pflichten, welehe diese$. auferlegt, erfüllen zu wollen. Das war allerdings ein Strich durch» Bismarck'sche Rechnung, denn da an dem„legitimen Recht" des Herzos. Itstch von Cumberland kein Zweifel ist, so war, mit dessen Anerkennung»i 7°''• Reichsverfassung, jeder„verfassungsmäßige" Grund, ihm sein Land! stehlen, aus dem Wege geräumt. Die„Norddeutsche Allgemeine" W'«"nt zwar eine Art von Protest los, in welchem sie erklärte, das legitill oder dynastische Recht müsse dem Staatsinteresse weiche» allein vorläusig kam diese, jederzeit von uns freudig begrüßte, revoi tionäre Theorie nicht zur Verwirklichung. Das Terrain mußte erst» arbeitet werden. Jetzt scheint das hinlänglich geschehen zu sein: Jun» P at ssrie Bismarck hat im Bundesrath den Antrag gestellt, den Herzog von Cu« ll«dau 1 i m«1 ibtati1 r ei» jnbrf \t W itgiX ieti« klär« dies« s wi>i iom» schd iew � » rochi« es f] ibei i m ■ m« >!«« n ch'V :n e» solch« ßarb' e d« vare« ite rtig»« m ko> ar Z> tsjch b«land von der Thronfolge auszuschließen, weil er noch nicht formell' mit Preußen Frieden geschlossen habe, also sich mit einem Bundesstaat jejU'm Kriegszustand befinde. Das ist nun keineswegs richtig, sintemalen 'tiü Herzog die Reichsverfafsung und damit oo ipso auch die Annexion »on Hannover anerkannt hat, allein trotzdem wird der Bismarck'sche An- lause» trag durchgehen, denn Preußen ist stark und der Herzog von Cumber- ilhel» land machtlos. Wir Sozialdemokraten haben natürlich keine Veranlassung, iui# uns für das legitime Recht zu ereisern. Im Gegentheil, es kann uns ihre* nur freuen, wenn es von den Gewalthabern mit Füßen getreten wird. cht« �ußer dem Legitimitätsrecht gibt es nur ein Recht: das Recht der c M R e v o l u t i o n, und daß Junker Bismarck diesem Rechte Vorschub lei- st ein stet, ist ein entschiedenes Verdienst, welches er sich um unsere Sache, um zmad«ie Sache der Revolution, erwirbt. Möge es nicht das letzte sein!" mag»!_ Diese Ausführungen stimmen, wie man sieht, durchaus mit dem herein, was wir in unserem Leitartikel in voriger Nummer ausgeführt. Husientlich berührt diese Uebereinstimmung unseren besten Agitator «echt wohlthuend. - Ein Geständniß.„Diese traurige Entwicklung wäre aber wenigstens in der protestantischen Kirche unmöglich gewesen, wenn nicht sserade unter dem im wissenschaftlichen und politi- schen Leben tonangebenden Theile der Nation schon Int lange her eine unvergleichliche Lauheit, Unklarheit und Unsicherheit "> der Behandlung oller religiösen Fragen geherrscht und sich in Folge «°von ein höchst beklagenswerther Mangel an religiöser Ueberzeugungs- »eue und Charakterfestigkeit demerkbar gemacht hätte." Dieser Satz ist entnommen einem Vortrage, den der Dekan Z i t t e l »us Karlsruhe aus dem vor einigen Tagen in Hamburg stattgehab- >en Protestantentag, einer Versammlung der„freisinnigen Pro- «stonten, gehalten. Obwohl von anderen Gesichtspunkten aus, können ihn doch nur unterschreiben. Ja, es ist wahr, bei dem„tonangeben- m Theile der Nation", d. h. bei den sogenannten Gebildeten, herrscht �«Charakterlosigkeit in Bezug aus die kirchlichen Verhältnisse, »e niihi scharf genug gekennzeichnet werden kann. Weil es„Mode' tst, hechelt man das Bekenntnlß zu einer Religion, deren Voraussetzungen Wl sämintlich von der Wissenschaft als unhaltbar.nachgewiesen stnd; nicht„nach oben" anzustoßen, läuft man in die Kirchen, spielt man «u„positiv Gläubigen" und nimmt an jenen Komödien Theil, die «itesdienst genannt werden und nur den Zweck haben, der„vuinmen Sand in die Augen zu streuen. Und was die Charakterlosen mcht verderben, das verderben die Charakterschwachen, die, nicht spisch und nicht Fisch, von einer„Versöhnung zwischen Wissenschaft und •mltuä" träumen und einem Kompromiß das Wort reden, dessen Resul- M immer nur das sein kann, was sie vergeblich bekämpfen: d ie C h a- .»! t e r l o s i g k e i t. Mit der Halbheit erringt man stets nur Schein- was man ist, sei man ganz. Nicht Wissenschast und Bibelglauben, I°Ndern Wissenschaft oder Bibelglauben ist die Parole. Natürlich» Die Bismarck'schen Reptilien haben wieder einmal Nne Musterleistung fertig gebracht. Bismarcks Antrag auf Annullirung er Erbansprüche des Herzogs von Cumberland ist nicht ein Attentat »us das Legitimitätsprinzip, sondern im Gegentheil eine Stärkung 5«sseldefi. Das erinnert an jenen braven Vater, der aus reiner zu seinen Kindern dieselben während einer Hungersnoth ausspeiste «-j- 71 Um ihnen den Ernährer zu erhallen. Um das Legitimitätsprinzip zu >rt nl« parken, wird der Erbe des Braunschweigischen Thrones seines legitimen rechtes beraubt I Hoffentlich machen sich die Herren Spitzbuben diese kt 7»gil nicht zu eigen und behaupten von nun an vor Gericht, sie haben in bü dadurch, daß sie sich an dem Eigenthum ihrer Nebenmenschen vergriffen, »uch nur das„Prinzip des Eigenthums" stärken wollen. Jeder Richter, es sei»ec dieser Logik seine Zustimmung versagte, würde sich damit einer m- "'teften— Blsmarckbeteidigung schuldig machen. ilsloi Man denke! — Das famose Bismarck'sche„Recht auf Arbeit" kann SWr nicht besser in seiner Lächerlichkeit gekennzeichnet werden, als es Jmrch se,ne Befürworter geschieht. Seitdem der große Sozialreformer im ««ulsehen Reichstage das große Wort vom Recht auf Arbeit gelassen ?u»gesprochen, zerbrechen sich die Gelehrten unter den Bismärckern den Kopf Uber das Problem, wie dieses wundervolle Ding wohl zu verwirklichen »tt �°bne das ihnen und ihrem Herrn und Meister so überaus theure oreihr auf Ausbeutung und Profit zu beeinträchtigen, und 5® cfommen sie denn zu ganz wunderbaren Resultaten, die lebhast an die Leistungen jener weisen Piänner erinnern, von deren Thaten die Annalen «r Stadt Schild« erzählen. So hat jetzt wieder ein Professor Emil Witte eine Schrift über„das mecht auf Arbeit und seine Verwirklichung" erscheinen lassen, die ein wahres Monstrum von Schildbürgerei zu sein scheint. Wir lesen dar- ber in der„Frankfurter Zeitung": „Herr Witte will in der Gemeinde, im Kreise, im Regierungsbezirk, 'm Einzelstaate und im Reiche Arbeitsämter errichten, welche die Ver- mittelung für alle Arbeitsuchenden übernehmen sollen. Um dabei einen �llekt zu erzielen, müßten natürlich alle Arbeitgeber verpflichtet sein, nur »iirih diese Aemter Arbeiter zu suchen. Wer nach drei Tagen keine Ar- erhalten hat, soll gegen geringeren Lohn von Geineindewegen bei Aothstandsarbeiten beschäftigt werden. Worin diese Nothstandsarbeiten »«stehen sollen, wird nicht gesagt; wenn sie nützlich sind, würden doch »ädere Arbeiter damit beschäftigt werden können. Handelt es sich aber »äl überflüssige Arbeit, dann kann man das Geld auch direkt vertheilen. '«eben diesen Arbeitsämtern sollen Naturalverpflegungsstationen und Ar- beiterkolonien errichtet werden. Die zu allen diesen Dingen nöthigen �«ider will Hr. Witte durch seine Maschinen st euer«chaffen, die er auf , W. pro menschliche Arbeitskraft, also auf 120 M. pro Pferdekraft U Pserdekraft— 2i Menschenkräfte) bemißt. Bei den Eisenbahnen soll die Steuer durch höhere Tarifsätze aufgebracht werden, bei anderen Ria- Ichinen durch eine Besteuerung oer Kohlen. Er meint, eine M a s ch r- ?t«n st euer werde die Arbeitsgelegenheit mehren f!); ist ungefähr dieselbe Anschauung, welche die Auswanderung als ein Zeiche» der Uebervölkerung ansieht. Ebenso wenig wie aus den dicht- bevölkerten Jndustriebezirien die Auswanderer kommen, ebenso wenig '»nn man sagen, daß an diesen Industriezentren die Arbeitsgelegenheit «>Ne geringere wäre. Eher ist das Gegentheil der Fall. Sehr eigen- chümlich mutz namentlich unsere Agrarier die Energie berühren, mit wel- cher Herr Witte statt der von ihnen verlangten Tarifermätzigungen C r- höhungen verlangt und zwar sogar auf vertragsmäßigem Wege für »lle unsere Nachbarstaaten.„Was der schlesische und posensche Spiritus- Produzent durch eme Tarifermätzigung gewinnt, verliert der branden- magische und sächsische," so memt Herr Witte. Damit würden wir aller- s'bägs vald in die alten Zwangs- und Bannrechte zurückfallen und jede Landschaft würde sich hermetisch gegen die andere abschließen. Dann »änten die Herren im Osten ihr Getreide verfaulen lassen, der Westen «nützte hungern; er könnte seine Fabrikation einstellen und der Osten -»Nnte dann wieder zu selbstgemachten Steinäxten und sonstigem„Urväter- Pausrath" zurückkehren. Schöne Aussichten!" Nun, so tragisch wie die„Frankfurter Zeitung" können wir den Vor- Wag des Herrn Professors nicht nehmen, dazu ist er uns einfach zu kindisch. Wir haben uns zwar in der Aera der Zünfte und der Wirth- ichastsreform an Manches gewöhnen müssen, aber an die Realisirung «>Nes so albernen Projektes ist denn doch nicht zu denken, so daß wir «ie Geschichte nur von der lustigen Seite zu nehmen vermögen. So »der ähnlich m u ß das„Recht auf Arbeit" aussehen, wenn man es durch- führen will, ohne an dem Recht aus Ausbeutung zu rütteln; dieses aber «st die Grundlage der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Neben ihm «ennt sie nur noch das berühmte Turgot'sche Recht zur Arbeit,— bei «delchem aber bekanntlich der Mensch verhungern kann,— und das Ar- b- i t s h a u s. Und auf ein„veredeltes" Arbeitshaus läuft denn auch «n pruii das Recht auf Arbeit des Herrn Witte heraus. Merkwürdig. Wenn diese Leute vom Sozialismus der Sozialdemo- «ratie reden, so wissen sie durch die Bank nicht genug über den„sozia- üstischen Zwangsstaat" zu zetern, dieses„Grab aller persönlichen Frei- heit". Uno dann gehen sie hin und preisen als Lösung der sozialen Frage die Gründung von— Zwangs-Arbeitshäusern. Das Nennt man Logik I rhin' Kril >t, mgi rd v« d. V Zum fs-n. !rtige dnei nstif ili-h , J" ob-' Fol? jede» �lle- 9 od' cht-ü [tu« iwietis übe» laitj i in- sonb Pa gell For» ie A ick-lt-« [s dD lben � en,->» athZ daß 7 igkeil« chs ff lbu« HU« -ck. hi : wid« i t i w ihm d» >em« nnexff "a Zekan«! ierla«! Geoff ;en m in. � nd s-* Frieds rschw-« >" La« iese ih >urch V Herzok ung Zand l ae" li< legitii« iche« revoü erst d Junl' >n Cu« «. Anläßlich des jüngsten Polizeimassakres in Paris schreibt der„Cri du Peuple": .„Wenn eine Monarchie eine solche Meuchelmörderei(uns teils «öris d'assasBmats) gewagt hätte, so würde sie keine 24 Stunden mehr gedauert haben." Wir wollen uns nur mit dem hier ausgesprochenen Gedanken beschäf- tigen, nicht mit den Vorkommnissen, die ihn heroorgerusen haben. Er ist wahr nach verschiedenen Richtungen hin. Wahr ist, daß keine Monarchie in Frankreich eine solche Polizeimetzelei hätte wagen dürfen, wie die des 25. Mai. Jedenfalls hat Louis Bona- parte, obschon es ihm an Anlässen nicht gefehlt hat, sich stets vor einem ähnlichen Einschreiten gegen die Menge gehütet.(Wir sehen hier ab von den Metzeleien nach dem Staatsstreich.) i-ouis Bonaparte wußte, warum. Er hätte die ganze revolutionäre Kraft, die in der sranzöjischem Station schlummert, wachgerüttell und einen Straßenkampf Herbeigeführt, den das Kaiserreich voraussichtlich nicht überlebt hätte. Die jetzige Republik hat diese revolutionäre Kraft nicht in gleichem Maße zu fürchten, weil dieselbe zum grotzen Theil auf Seiten der Republik steht. Das republikanische Kleinbürzerthum, das unter den Monarchien die Erinnerung an die„große Revolution" kultivirte und in der Person seiner thatkräftigsten Glieder bereit war, zum Sturz der Monarchie aus die Barrikade zu steigen, steht in der Republik sein Ideal verwirklicht. Wie könnte es ihm einfallen, gegen sie zu kämpfen? Die französischen Arbeiter allein aber sind außer Stand, die jetzige Re- gierung gewaltsam zu stürzen. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß die Republik die e i g e n t- l i ch e S t a a t s f o r m des B ü r g e r t h u m s i st, daß es in der Republik seine Ziele am besten verfolgen kann, uno daß es in ihr eine größere Macht und Widerstandskraft oesitzl, als in der Monarchie. Für die sozialistischen Arbeiter ist dadurch allerdings die Aufgabe der Emanzipation nach einer Seite hin wesentlich erschwert— durch 11 e b e r- rumpelung läßt sich nichts ausrichten. Dafür bietet aber die Repu- bltk auf der anderen Seite auch große Vortheile. Der Organisation der Arbeiter steht momentan in Frankreich kein Hmdernlß entgegen. Niemand hindert die Arbeiter, ihre Meinungen und ihren Willen zu vekunden und für lhre Meinungen und ihren Willen Propaganda zu machen— kurz, den nöthigen Einfluß aus die Gesetzgebung zu gewinnen. Wenn die sranzosischen Sozialisten von den ihnen zur Verfügung stehenden Machtmitteln keinen Gebrauch gemacht Häven und so schwach sind, sich von ein paar hundert Polizisten niederknüppeln lassen zu müssen, so ist das— wir fühlen uns gedrungen, es auszusprechen— so ist das einzig uno allein ihre eigene Schuld. Herrschte statt der Sekluerei uno der persönlichen Eifersüchteleien wirk- licher Partei- und Gemeinsinn unter der Maffe der französischen Sozialisten, hätten die Einzelnen gelernt, sich oer Allge- mein heit unterzuordnen, dann würden wir nicht oaS traurige Schauspiel erlebt haben, welches der 25. Mai uns geboten hat: Stall einer erhebenden Feier zum Andenlen an die vtutige Maiwoche eine demüthigende Schaustellung der Ohnmacht des französischen Sozia- lismus. Wir wissen, daß wir mit diesen Bemerkungen den tüchtigsten unserer französischen Genoffen nichts Verletzendes gejagt, sondern aus der Sesle gesprochen haben. — Die Verwerfungsspalte.„Steigende Produktion bei sinkendem Gewinn— das ist nach dem jüngste» Jahresbericht unserer FabrikaussichtS-Beamten die Signatur auch des Jahres 1804 gewesen. Es ist das Gesetz der großen Zahlen, das hier nicht minder herrscht als auf dem ttaptlalinarkt— jenes Gesetz, nach welchem die Produktionskosten um so geringer werden, je größer das zur produktiven Anlage verwandle Kapital ist. Je umfangreicher die gewerbliche Anlage, je stärker die Dampfkrast und die Ma>chii>e, je kon- tinuirlicher die Beschäftigung, desto geringer der Gesaiilintauswand, desto geringer die Abnutzung uno desto größer also die lleber- tegenhert des Großfabrikanten über den mit ge- rrngerem Kapital arbeitenden Konkurrente n." Abgesehen von oer etwas weitspurigen llmständtichkeit und einigen Unkorrektheiten(z. B.„desto geringer oer G e s a m m t auswand"— während es heißen muß: oer r e l a t r v e Aufwand) könnte jeoer unserer Leser annehmen, das Vorstehende fei von einem Sozialisten geschrieben, und zwar von einem durchgebildeten, konsequenten Sozialisten. Nun— das ist nicht der Fall; das Zitat ist(wörtlich und ohne jegliche Aenderung) der„Leipziger Zeitung" entnommen, die damit einen Leitartikel über das„Gesetz der großen Zahlen" deginnt (Nummer vom 24. Mai). Dem Anfange nach zu urtheile», müßte der Artikelschreiber zu dem Schluß komme», baß neben dem Großbetrieb der Kleinvetrieb hoff- nunglo s ist, und daß insoesondere das Handwerk zum Tos ver- urtheilt ist. Wer das aber erwartete, würde sich sehr getäuscht finden. Den richtigen Ansangssätzen folgt em albernes, uiUogffches, unwiffen- schastliches Gefasel, aus dem schließlich der Gedanle— falls man es so nennen kann— hervorspringt, daß Diejenigen ganz und gar im Irr- t h u m sind, weiche da glauben, das Hanowerk sei verloren uno der Kleinbetrieb könne die Konkurrenz nut dem Großbetrieb nicht auS- halten. In der Geologie und dem Bergbau kennt man die sogenannten„Ver- Weisungsspalten". Man versteht darunter das plötzliche Aushören von Erzavern oder Steinkohlenftötzen, die durch vulkanische oder sonstige elementare Aktion gewissermaßen abgerissen worden sind, dergestalt, daß der Bergmann mir einem Mal auf werthloses Gestein stößt und die Fortsetzung oer Grzader oder des Stemkohtenflötzes oft nicht mehr auf- gesunden werden kann. Solche Verwersungsspalten gibt es, wie ein namhafter Gelehrter aus- geführt hat, auch in dem Schädel mancher Menschen— sie denken vis zu einem gewissen Punkte ganz logisch, ziehen aus richtigen Vordersätzen richtige Schlüsse, bis auf einmal eine Verwersungsspalte kommt, in welcher Logik und gesunder Menschenverstand spurlos verschwinden. Jedenfalls gehört der Leitartikelschreiber der„Leipziger Zeitung", des anillichen Organs der sächsischen Regierung, zu der Menschensorte mit Verwerfungsjpallen im Hirn. — Zur christlich-germanischen Sozialreform schreibt man uns aus dem Regierungsbezirk Magdeburg: Wie oer- lautet, sollen auf„Schacht Achenbach" und dem„A l t p r e u ß i- s ch e n S ch a ch l"(S r a h s u r t) in nächster Zeit 400(schreibe vier- hundert) Akann die Arbeit gekündigt bekommen. Auf diesen Schächten ist es„Mode", daß auch Sonntags angefahren wird. Beide Schächte sind f l s k a l>> ch l Ein Muckjen gibts da natürlich nicht. Der Arbeiter ist unter der ständigen Hungerfuchtcl so gefügig wie das Kaninchen vor der Klapper. Sonnlagsarbeit— llederproduk- tton— und— Schutzzölle I Heiliger Varzmer, Schutzpatron des„armen Mannes" init den preußischen Rentenlueln, Sadbathheiliger mit der fiskalischen S o n n l a g s a r b e u, Reichsoorsehung mit dem dia- mantenen Chklopenauge, sende uns leine Reptile, daß sie uns einen Vers daraus machen!— Die Millioneu von Armen mehren sich mit deinen Millionen, die Millionen oer Flüche wachsen mit dem„Segen demeö Altentheils". Im Namen dessen, oer den Sadbath heiligen heißt, fahren wir täglich zur Gruoe, um den langsamen Tod zu erleiden und deine frömmsten Urtheilsoollftrecker lodsingen dem„Herrn des Himmels und der Erde", der Alles so weise geordnet hat. Voran das Oberhaupt der beiden Schächte, der Bergrath Herr Schrei- der, der frömmste und fleißigste Kirchenbesucher.„Gottes Fügung" ist es natürlich, wenn die 400 Brodlosigkeits-Kanoidaten nebst Weibern und Kindern zu„Vagabunden" werden, denn unser christlicher Arbeitsoder- hirte hat Alles so weise vorgesehen, daß die Bergleute nicht zu viel ver- dienen uno etwa— gottlos werben. Seine Kisten und Kasten aber find wohlbestellt und reich gesegnet, denn„Solches ist dem Herrn wohl- gefällig"! Ader—„ich will dich nicht allem lassen", also spricht Gott der Herr uno sendet unserem Bergrath eine Schaar getreuer Knechte. Fromm wie er uno all seine leuchtenden Vorbilder bis zum Millionen- degnadeten Kanzler hinauf, verehren sie in ihm den Stellvertreter von Gottes Stellvertretern in Deutschland und dem ganzen Regierungsbezirk Magdeburg. Und— der Segen des Herrn ist mit Allen, die ihm dienen und ihn anbeten. Unser Oder steiget Unger bezieht daruin auch monatlich die niedliche Gottesgabe von siebzig Mark und freie Wohnung dazu; Steiger Lindemann fünfzig Mark monatlich und Wohnung frei; die O b e r a u f s e h e r, tm Volksmunde Oderfaulenzer ge- nannt, bekommen pro Schicht(die Schicht hat acht Stunden) drei Mark achtzig Pfg., die zweite Sorte drei Mark sechsztg Pfg.; rndeffen der Bergmann(also Häuer) bei angestrengter Arbeit pro Schicht drei Mark verdtent; der Fördermann hat zwei Mark sechszig Pfg., Schichtlohn zwei Mark! Noch mutz ich bemerken, daß die Aufseher monatlich dreißig bis vierunddreihig Schichten verfahren, natürlich auch den S o n n t a g dazu, denn man kann ja auch in der Grube beten. Daß unser„sündiger" Bergmann, bei seiner aufreibenden Arbeit und solchem Verdienst, in das Loblied unserer Götzen und Obergötzen nicht einstimmt, ist selbstverständlich. Und wenn Fürst Bismarck von der Höhe seiner zwei Dutzend Millionen„von Volkes Gnaden" herab im deutschen Reichstag zu alledem unfern Abgeordneten Stolle höhnend herausgefordert hat, doch zunächst zu sagen, was die Sozialdemokraten zu thun rathen, um den deutschen Arbeitern den„Ertrag der Sonntags- arbeit" entbehrlich zu machen, so mag er statt Gesangbuch und Bibel mit seinen„Staatsweisen" recht eingehend„Das Kapital" unseres Karl Marx um Aufschluß fragen. Das„Glück auf" dieses„Evangeliums" wiederhallt Millionen- stimmig„zu Tag" und„unter der Erde", nur der Kanzler, der„Wieder- erwecket des deutschen Reichs und Handwerks", zermartert sich noch das gottesfürchttge Gehirn an dem„Problem der Sonntags arbeit", indeß die fiskalischen Schächte Hunderte von Arbeitern Werktags aus die Straße schleudern sollen. Siehe auch den Geschäftsbericht der Staß- furter Kali-Jndustrie. Aus S t a ß f u r t schreibt man der„Staßfurter Zeitung":„Da es gewiß einen großen Theil der Leser unseres Blattes interessirt, zu er- fahren, wie die Verhältnisse der Kali-Jndustrie sich gegenwärtig gestalten, so geben wir Ihnen im Nachstehenden einige Notizen, wie wir dieselben aus den Geschäftsberichten pro 1884 zweier der bedeutendsten Kaliwerke, Neustaßfurt und Westeregeln, entnehmen. Der Geschäftsbericht von Neu- staßsurt weist nach, daß das Resultat des Fabrikbetriebes nicht hinter d e m V o r a n s ch l a g e zurückgeblieben ist, wenn auch wegen der vorhandenen Vorräthe zu Ende vorigen Jahrs Produktions-Einschränkungen haben eintreten inüs- s e n. Auf der chemischen Fabrik wurden verarbeitet 2,129,147 Ztr. Rohsalze, woraus 437,982 Ztr. oerkaufsfertige Fabrikate verschiedener Art gewonnen wurden. Der Bruttoertrag des Bergwerkserzeugnisses und des Fabrikbetriebes betrug 4,158,324 M.; der Reinertrag dagegen 2,336,234 M., wovon 1,550,000 M. als Ausbeute vertheilt und 786,234 M. auf neue Rechnung vorgetragen wurden. Die Jahresausbeute stellt sich also auf 1450 M. pro Kux, gegen 1100 M. im Vorjahr. Tantismen wurden gewährt 82,250 M.*) In Bezug auf die gegenwärtige Geschäftslage und die Aussichten für die Zukunft sagt der Bericht, daß durchweg ein Ansatz zur Besserung vor- Händen sei, wenn auch die bisherigen Wahrnehmungen nicht ausreichend seien, in kürzester Frist einen dauernden Umschwung erhoffen zu lassen. Da die Vereinigten Staaten von Nordamerika wieder mit regerer Kauf- last für Chlorkalium, sowie für Kainit im Markte aufgetreten sind, und da sich auch seitens der deutschen Landwirthschaft eine Steigerung des Kainitverbrauchs zeigt, so bieten die Verhältnisse ein hoffnungsvolleres Bild, als zu Ende des Vorjahres. In Bezug auf etwa zu b e f ü r ch- tende Konkurrenz durch neu entstehende Werke weist der Bericht hin auf den noch Jahre hindurch gesicherten Schutz der zwi- schen den verschiedenen Werken abgeschlossenen Konvention und anderseits aus den längeren Zeitraum, den neu entstehende Werke zur Entfaltung ihrer Thätigkeit nöthig haben, erklärt aber, daß die Verwaltung es als ihre besondere Pflicht betrachtet, dahin zu wirken, daß das Unternehmen im Hinblick auf die Zukunft der Kali-Jndustrie stets auf dem Höhe- punkte der geschäftlichen und technischen Fortschritte bleibe. Der Geschäftsbericht der„Konsolidirten Alkaliwerke Westeregeln" pro 1884 zählt einen Gewinn aus dein Bergwerksbetrieb von 874,463 M. gegen 986,215 M. pro 1883 und einen Gewinn aus der Chlorkalium- fabrikation von 706,916 M. gegen 957,962 M. pro 1883 auf. Da der gesammte Rohertrag bedeutend hinter dem Ertrag von 1883 zurückge- blieben ist, so wurden diesmal nur 337,913 M. Abschreibungen gegen 519,575 M. pro 1883 eingestellt. Der Reingewinn beläust sich auf 820,458 M. gegen 840,592 M. des Vorjahres. Dividendewurde 8 0/0 gegen 10% des Vorjahres gezahlt. Die Rohsalzförderung hat ein Mehr von 16,807 Ztr. ergeben. Die Bergbaugerechtsame stehen nun noch mit 10'/, Mill. Mk. zu Buch. Das Aktienkapital beträgt 7 Mill., die Anl.hensschuld 6 Mill. Mark." Alle Hochachtung vor solcher Staatsmannschaft und Volkswirth« schaft, und eben darum: Glück auf, Glück auf, Glück auf! Bergunterwärts und bergauf. Nur frisch in die Tiefe gefahren, Zu sammeln die kämpfenden Schaaren, Dann fahren wir siegreich herauf. Glück auf, Glück aus! Der rothe Gnom. — In O l d h a m hat dieser Tage der Jahreskongreß der e n g l i- schen Kooperativ-Genossenschasten stattgefunden. Das Resultat derselben ist, wie H. H. Champion in der„Justice" schreibt, das Eingeständnitz des Bankrotts der Kooperation, wenn sie von den Arbeitern als Einzelpersonen betrieben wird. Herr Llohd Jones, der Vorsitzende des Kongresses, sah sich in seiner Eröffnungsrede zu dem Ge« ständniß veranlaßt, daß, obwohl 41 Jahre harter, energischer Arbeit die Zahl der„28 von Rochdäle" auf 700,000 Mitglieder von Konsumgenossen- schasten vermehrt hat, die produktive Seite des Genossenschaftswesens keine Fortschritte gemacht habe. Nimmt man, fährt Champion fort, Alles zusammen, was für und gegen die von Einzelnen betriebene Kooperation spricht, so ergibt sich Fol- gendes: „In Bezug auf die Vertheilung(Distribution) ist sie ein Vortheil, in« soweit sie durch Reduzirung der Zahl der im Kleinhandel beschäftigten Leute die große Zahl Derer vermindert, die ihren Lebensunterhalt ge- Winnen, ohne nützliche Arbeit zu verrichten. In Bezug auf die Pro- duktion aber ist sie zum Bankerott verurthellt, da sie, mag sie auch nach Innen Kooperation(gemeinsames Wirken) darstellen, nach Außen in die wildeste Konkurrenz eintritt mit Fabrikanten, die mit riesenhaften Kapitalien ihr Geschäft beireiben und durch keinerlei Skrupeln abgehalten werden, zu Bedingungen arbeiten zu lassen, auf welche sich kein Mitglied solcher Genossenschaften je einlassen wird. Und selbst wenn erfolgreich, würde die Konkurrenz zwischen Privatunternehmern, die heute so ver- derbliche Folgen zeitigt, lediglich durch Konkurrenz zwischen Kooperativ- Vereinen ersetzt werden, solange nicht alle Genossenschaften harmonisch zusammenwirken, nicht nur m>t denen ihres eigenen Landes, sondern auch mit ihren Brüdern im Auslande. Das aber würde der Sozialis- muS fein. Ist dem so, warum es nun nicht gleich anerkennen und be- greifen, daß die Hülfe und das Eingreifen des demokratifchen Nicht- Klassenstaates, das heißt: die Verbindung der Ardeiter mit den Mitteln, die lhnen am nächsten zur Hand liegen, der einzige Weg ist, der sozialen Anarchie ein Ende zu bereiten, bevor die steigende Fluth über unS kommt? „Aber keine Anspielung darauf ward auf dem Kongreß der Genossen- schastler geäußert, von einigen wenigen Gemeinplätzen in der Rede des Herrn Lloyd JoneS abgesehen. Hätten sie auch nur eine Resolution be- schloffen, oahingehend, daß wenigstens die Löhne der in Staatsanftalten veschästigten Arbeiter nicht so weit reduzirt werden sollen, als die Kon- kurrenz die Arbeiter anzunehmen zwingt, sondern auf einen Satz gehalten, der erforderlich ist, oaß sie gesund bleiben und ordentlich zu leben haben, so hätte man hoffen dürfen, daß der bisherige Bankrott ihnen den Weg zu Erfolgen in der Zukunft gezeigt hätte. Aber gleich den TrabeS- Uniontsten fcheint der Schimmer von Licht, der ven Genossenschaftlern geworden, sie mehr zu blenden als sie zu befähigen, die Wahrheit zu er- kennen und einzusehen, daß lediglich die umsassenvste Vereinigung und Zusammenarbeit erfolgreich sein kann in der Beseitigung der AllerweltS- Konkurrenz und Lohnsklaverei." Nun, wir denken, die Zeit ist nicht allzufern, wo auch diesen Leute» die Schuppen von den Augen fallen werden. — Eine Antwort für Bismarck haben am 24. Mai die Arbeiter Barmens in einer sehr stark besuchten Volksoersammlung be- schloffen, indem sie folgende Resolution mit der Bestimmung annahmen» daß dieselbe dem Reichskanzler zu übermitteln, aber auch gleich- zeitig dem Reichstagsabgeordneten Harm zu übergeben sei:„Die heute am 24. Mai im Hotel Hegelich tagende Volksversamm- lung erklärt auf die Provokation des Reichskanzler Fürsten Bismarck, daß es die sittlichen wie materiellen Interessen des ArbeiterstandeS unter allen Umständen erfordern, daß ein striktes Ver» *) Wie viel Sonntagsarbeit ist wohl darin enthalten? d. Setzers. Anm. T Bot der S o n n t a g s a r B e i t ertoffen werde. Sie ist fernerhin der Ansicht, daß durch dieses V-rBot der Industrie ein Schaden nicht zuge- fügt wird, daß aBer selbst dann, wenn dies der Fall wäre, dieser Schaden durch den ungeheuren Nutzen, den die Masse des Volkes, die Arbeiter, davon haben/ vollständig aufgewogen wird." Vivant sequentesl — Frankreich. Die Beisetzung der Leiche Viktor H u g o's im Pantheon, das damit der ihm l79l von der Konstituante zuerkannten Bestimmung zurückgegeben worden, ist unter großartigster Theilnahme der Pariser Bevölkerung— wir können sagen ganz Frankreichs ersolgt. Von nah und fern strömten die Bewunderer des Verstorbenen in Schaaren herbei, um ihm das Ehrengeleit zu geben, und was nicht selbst kommen konnte, sandte Kränze und Palmen, seine Bahre zu schmücken. Wie der größte Dichter, den das Frankreich des neunzehnten Jabrhunderts her- vorgebracht, seit mehr als einem Menschenalter treu zum Volk gestanden. wie er nie um die Gunst der Großen gebuhlt, sondern kübn und trotzig der Despotie die Stirn geboten, so erwies ihm auch das Volk bei seiner Bestattung Ehren, wie sie keinem Fürsten, keinem Gewalthaber bisher geboten wurden So einstimmig ist noch nie ein Todter gefeiert worden. Verehrten die Einen in ihm den literarischen Genius, so liebten die An- der« in ihm den demokratischen Volksmann i schätzten die Einen in ihm den gewaltigen Dramatiker, so bleibt den Andern das Andenken an den Dichter der„Züchtigungen" unvergeßlich, der den meineidigen Schuft des 2. Dezember in Versen von unnachahmlicher Wucht brandmarkte und lieber 20 Jahre im Exil zubrachte, als durch die Rückkehr in sein, von dem Staatsstreichhelden entehrtes Vaterland das an demselben verübte Verbrechen zu sanktioniren. Die Könige von Gottes Gnaden sahen in dem eidbrüchigen Usurpator sehr bald ihren„lieben Bruder", der Dichter von Gottes Gnaden, um diesen landläusigen Ausdruck beizu- behalten, hatte für Napoleon III., selbst als derselbe im Zenith seines Ruhmes stand, immer nur das eine Wort: Verbrecher! Der große Dichter war auch ein großer Charakter. Und wenn er ein Patriot war. dann war er einer im besten Sinne des Wortes. Das Frankreich, für das er glühte, war das Frankreich von l793, das völkerbefreiende, tyrannenstürzende Frankreich. Wenn er wiederholt Paris das Herz der Welt nannte, so deshalb, weil für ihn� Paris der Herd aller großen und erhabenen Ideen war, der Ideen, welche die Menschheit befreien sollten. Er hatte die Sache der Menschheit auf seine Fahne geschrieben. Und wenn er sie auch anders verstand als wir, die Sozialisten, so haben unsere französtschen Brüder doch mit richtigem Takt das als keinen genügen- den Grund angesehen, ihm den Tribut ihrer Anerkennung zu versagen. Der Mann, der in„Die Armen und die Elenden" die Leiden des Volkes so ergreisend zu schildern wußte, der Mann, der, obwohl er die Kommune mißbilligt hatte, den flüchtigen Kommunards sein Haus in Brüssel zur Verfügung stellte, der Mann, der, wo immer ein politischer Verbrecher hingerichtet werden sollte, zum Protest im Namen der Menschheit seine Stimme erhob, der Mann, der für jedes unterdrückte Volk, das sich gegen seine Dränger empörte, Worte der Aufmunterung, sympathischer Begeisterung hatte, dieser Mann hat berechtigten Anspruch auf untere Ehrenerweisung. Zeigte sich das Volk von Paris durch sein musterhaftes Benehmen am Tage der Bestattung des großen Dichters seiner durchaus würdig, so kann das von der Regierung der französischen Republik nicht gesagt werden. In überaus kleinlicher Weise zeigte sie sich als Klassen- regierung, indem sie durch ihre Agenten die rothen Fahnen der Revolu- tionäre fortnehmen und zerreißen ließ. Diese gehässige Maßregel wurde durch ein Dekret sanktionirt, welches das Tragen„aufrührerischer Emblems k." verbietet. Und wie oft hatte nicht Viktor Hugo den„Auf- rühr" verherrlicht! Der Republik und den Republikanern fehlt eben noch derrepublikanischeGeist! Und auch die Thatsache wirft einen trüben Schatten auf die Republik der Herren Grevy, Brisson ic., daß an demselben Tage, wo die Reste des Dichters von„1793" unter dem Triumphbogen hindurch zum Pan- thcon getragen wurden, in Chalons die Opfer eines Agents provoka- teurs zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurden. Das Dynamit- Komvlot von Monceau les Mines kam nur durch die Mitwirkung eines Agenten der Polizeipräfektur, des elenden B r e n i n, zu Stande— diese unleugbare Tbatsache ist ein Schandfleck in den Annalen der dritten französilchen Republik. Dieselbe ist noch weit entfernt von dem Ideal, von welchem Viktor Hugo träumte. — Aus Schweden. Da aus unserer entlegenen Gegend so selten Nachrichten an Sie gelangen, so glaube ich, werden Ihnen und Ihren Lehern einige Mittheilungen über die soziale Bewegung in unserm Lande nicht unwillkommen sein. Bor zwei Jahren war bei uns der Sozialis- mus nur aus den Verleumdungen der reaktionären Presse bekannt. Mit Spott und Verachtung ging man überall über diese neue Weltanschauung hinweg. In den letzten zwei Jahren hat sich jedoch die Sachlage bed-u- tend verändert. Wir haben schon eine kleine sozialdemokratische Partei. und man verachtet und verspottet das„rothe Gespenst" nicht mehr, wohl aber beginnt man es schon zu fürchten. Wie dieser Umschwung vor sich gegangen ift, und welche Umstände ihn hervorgebracht haben, werde ich versuchen, hier kurz ,u erzählen. Vor zwei Jahren trat in Stockholm eine große Arbeiterbewegung, die sogenannte„Rinabeweauna", ins Leben. Di? eigentliche und tiefste Ur> sacb? dieser umsaflenden Bewegung ist wohl der Druck, unter welchem unsere Arbeiter seufzen, und das Gefühl der vollständigen Unmöglichkeit, sich eine erträglicke Stellung, zu verschaffen. Diese Bewegung wurde indeß gleich ansanas in eine falsche Richtung geleitet, und dadurch ihrem eigentlichen Ziel und Zweck entfremdet. Einer unserer größten Kapita- listen, der„Branntweinkönig" L. O. Smith, machte einen energischen und aemaltsamen Versuch, an die Spitze der Bewegung zu gelangen, um die Arbeiter seinen eiaennütziaen Zwecken dienstbar zu machen. Einige ließen sich auch von ihm täuschen, und die Bewegung nahm in Folge Smith's demagogischer Vorspiegelungen ein so schnelles Wachsthum, daß binnen ein paar Monaten 20,000 Arbeiter in Stockholm, und viele Tau- sende im Lande sich ihr anschloffen. Nach und nach trat jedoch der Egoismus des Führers ,u durchsichtig hervor, und die Arbeiter sagten sich von ihm los. in Folge deffen diese ganze Bewegung in Auflösung und Absterben begriffen ist. Aber die allgemeine Ausrütteluna der Arbeiter ist doch von großem Nutzen gewesen. Die Arbeiter kühlen es immer mehr, daß sie gemein- same Jntereffen geaen die Kavitalistenklaffe zu wahren haben, sie haben bereits erkannt, daß sie eine Macht sind. Gleichzeitig nämlich mit der obenerwähnten, so„großartigen" und„vielversprechenden" Bewegung begann auch eine andere, aber nicht so groß, sondern fast unbemerkt und unbeachtet. Ein aus Deutschland ausgewiesener schwedischer Schneider, August Palm, predigte in Stockholm und einigen andern großen Städten ein neues, hier noch nie gehörtes Arbeiter- Evangelium: den Sozialismus. Er hielt überall warmherzige und begeisterte Reden— in ber freien Natur, weil ihm überall ein Lokal versagt wurde, und kol- vortirte eine kleine Zeitung.„Der Volkswille"-, kurz, betrieb mit be- scheiden«« Mitteln eine verhältnißmäßig sehr kräftige Agitation. Dieser arme, versolate und verachtete Schneider hat bei uns, wenigstens unter dem eigentlichen Volke, den ersten Keim des Sozialismus ausgesäet. Jetzt ist es ihm schon gelungen, eine kleine Partei zu bilden, und die Aussichten sind bei weitem nicht mehr so trübe, wie vor kurzer Zeit. Von der Wirksamkeit dieser Partei, von ibrer Organisation und ihren Aussichten, sowie den leitenden Männern derselben werde ich im nächsten Briefe Näheres berichten. Danton. Korrespondenzen. «lus Sachsen. Bei herrlichem Wetter und lungenstärkender Tempe- ar wurde am Pfingstsest die L a n d e s k o n f e r e n z der Sozialdemo- ten Sachsens im lieblichen---- Thals abgehalten. Berathungs- ensiand bildete die bevorstehende Landtagswahl, und wurden eine „liehe Anzahl von Landtagswahlkreisen— fünfzehn— mit Kandidaten tzt. ohne daß Vielkandidaturen nöthig waren, da eine Liste von zehn ididaten zur Verfügung stand. Der echt brüderlicke Geist, der unter den Versammelten herrschte, legte sprechendes Zeuaniß dasür ab, daß es mit der von unfern Gegnern sehr gewünschten Spaltung in unseln eigenen Reihen noch nichts ist. Es wird wohl immer ein frommer Wunsch der Bouraeoisvarteien bleiben, uns zerrissen zu sehen; und der Verdruß über die Unbesiegbarkeit unseres Prinzips wie über die unzerstörbare Disziplin der Sozialdemokratie wird bei den„Ordnungs"männern dauernd kein. Schmerzlicher aber wird die Dienerschaft der heiligen Hermandad davon berührt sein, daß sie über eine solche, die bestehende Ordnung untergrabende Besprechung so absolut ununterrichtet geblieben ist. Möge der„Allwissende" der..Alles Wissenden" einen würdigen Trost betcheeren. Die Landtagswghl selbst aber möge ein weiteres Zeuqniß von der Reg- samkeit und dem Wachsthum der Partei ablegen! Dortmund, 10. Mai. Wir nehmen heute das Parteiorgan in An- spruch, um einen elenden Denunzianten in gebührender Weise zu brandmarken. Es ist dies der Kriecher und Sveichellecker Heinrich S V r o ck'früher Steuerexekutor, jetzt Schreiner bei der„Dortmunder »!Ilt0n"-c P. ha"e von einem Arbeiter erfahren, daß dessen Arbeits- kollege ihm einen stenographischen Reichstagsbericht gegeben hatte, und ersuchte nun denselben, er möchte ibm den Bericht auch einmal zeigen; alsdann hatte dieser Schuft nichts Eiligeres zu tbun. als sofort beim Vorgesetzten anzuzeigen, es würden sozialistische Schriften verbreitet und den angeblichen Missethäter zu denunziren. Er kam damit freilich nicht an den Rechten, der betreffende Vorgesetzte war nämlich anderer Ansicht und meinte, so schlimm wäre das Verbrechen doch wohl nicht. Viele Dortmunder Genoffen werden sich erinnern, welch traurige Ver- gangenheit dieser Mensch hinter sich bat. Als er noch Exekutor war, pfändete er den armen Leuten die Möbel so schnell wie möglich, ver- kaufte sie dann heimlich, oder benutzte sie selber, und setzte dann alte, werthlose Sacken an deren Stelle. Später kam die Sache ans Tages- licht, und Sprock mußte einigeMonate Gefängniß abbrum- m e n. Noch heute versteht er sich lehr gut aufs Annektiren. So kaust er von der„Union" Abfallcoaks. füllt aber dann die Körbe unten mit Kohlen und legt nur oben mit etwas Cooks». s. w. Darum, Genoffen, aufgepaßt und klopft dem Burschen, wo er sein traunges Handwerk auszuüben sucbt, tüchtig aus die Finger! Signalement: Größe 1.80 M.. Statur stark, etwas knocbiq, geröthete Augen, blonder Vollbart. Gesichtsfarbe bleich: spricht Livpiscben Dialekt. Alter 46 Jahre. Sprock ist stark ultramontan; er wohnt Unionstraße Nr. 11. DieDortmunderVertrauensleute. London, 25 Mai. sZur Propaganda der That.) Es ist Ihnen vielleicht bekannt geworven, daß hiesige Polizisten— angeblich aus Jrrthum— am Sonnabend, den 9. Mai, einen brutalen Angriff auf das Klublokal der hiesigen Anarchisten machten, dabei mit ihren kurzen Stäben Alles kurz und klein schlugen und eine Anzahl der Klub- Mitglieder in ganz viehischer Weile traktirten, so daß einzelne derselben am nächsten Tage von den erhaltenen Hieben ganz unkenntlich waren. Der Jrrthum bestand angeblich darin. daß die Polizei in einen anstoßenden anderen Klub, wo verbotenes Spiel getrieben worden sein soll, eindringen wollte, dabei aber in den Anarchisten-Klub gerieth, da die Aus- und Eingänge beider Klublokale so aneinander grenzen, daß ein solcher Jrrthum wohl anaehen kann. Wie qesaat, das Vorgehen der Polizei war brutal, umlomebr als die- selbe angeblich gewarnt und auf ihren Jrrthum vorher aufmerksam ge- macht wurde und wird die Sache die hiestgen Gerichte noch beschäf- tigen. Die Anarchisten beabsichtigen, die Polizei unier Anklage zu bringen, wozu man ihnen wohl allen Erfolg wünschen kann. Nun ist aber bei der ganzen Sache das Gebahren sowohl der Anar- chisten insgesammt wie das Einzelner unter ihnen für uns besondes interessant. Nach der bekannten Großmäuligkeit der Herren Anarchisten hätte man weniastens erwarten sollen, daß die Polizei für diesen brutalen Uebersall und Einfall in das heilige„Home" mit recht blutigen Köpfen heimgeschickt worden wäre, man hätte erwarten dürfen, daß Dynamit, Dolch und Revolver, mit welchen Artikeln man soviel auf dem Papier spielt, hier einmal in Funktion gesetzt worden wären— doch nichts von Alledem. Wozu auch? Es war ja die Polizei! So kriegten die Anarchisten Hiebe, und die Polizei bekommt vielleicht Orden und Belohnungen Noch interessanter soll das Verhalten des Ober-Anarchisten P e u k e r t gewesen sein, der bei der Prügelei auch dabei war. Doch wie? Das ist die Frage., P e u k e r t erinnerte sich in diesem kritischen Augenblick wahrscheinlich der Most'sehen Gardinen-Affäre und verkroch sich schnell ins Damen-Closet, wo ihn später eine Dame fand. Denken Sie sich die Situation: Peukert, der große Held und Student der Schwanen Hand", im— Damen-Closet! Wem wird's da nicht gruleliq vor diesem— Anarchisten?! Böse Zungen behaupten übrigens noch ganz etwas Anderes, worüber vorläufig jedoch Schweigen geboten ist: es wäre wirklich wünschens- wertb. daß der Polizei-Ueberfall vor dem Richter möglichst gründlich zervstückt wird. Peukert soll freilich bierin anderer Meinung sein. Nack dem Einbruch der Polizei hat sich nämlich unter den Anarchisten eine Spaltung vollzogen. Es existirt jetzt eine Partei der Zahmen und eine Partei der Damen l-Clolet.i An der Spitze der letzteren steht selbstver- ständlich der Student der„Schwarzen Hand", unter dessen Aegide eine Resolution beschloffen wurde, nach welcher es der Anarchisten u n w ü r< d i a lei. die Sache mit dem Polizei-Ueberfall vor den Gerichten weiter zu verfolgen, da es unwürdig sei. daß ein Anarchist sein Recht bei Jnstitu- tionen suche, welche er gründlich verachtet. Das läßt derselbe Peukert beschließen, welcher doch vor gar nicht langer Zeit sein Recht s?) geaen Grillenberger bei diesen„gründlich verachteten Institutionen" suchte. Wie aesaqt, böse Zungen wittern hinter dieser Resolution sowie dem ganzen Polizeimanöver etwas Anderes, doch davon vielleicht später' „Es ist nichts so fein gesponnen, Es kommt doch an das Licht der Sonnen. Bereichern Sie mit diesen Mittheilungen das anarchistische Trophäen- Archiv und speziell Peukert's Personal-Akten. 3.-t. Aach ruf. — Wiederum kommt uns aus Amerika die Kunde von dem Da- hinscheiden eines durch das infame Ausnahmegesetz aus der Heimat ver- triebenen Genossen. Am 10. Mai starb in New-Dork im Alter von 35 Jahren Genosse Jean Groß aus Hamburg.„Der Verstorbene," schreibt unser Bruderorgan„Sozialist",„erlernte in seiner Jugend das Ciaarrenmachen und trat schon frühzeitig als Fachgenoffe und später als Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins in die Arbeiter- bewequng ein. Durch sein offenes Wesen und seine rührige Thätigkeit errang er sich in kurzer Zeit das Vertrauen seiner Fach- und Partei- genossen. Sowohl in seiner Vaterstadt als in Altona und Wandsbeck bekleidete er fast immer Vertrauensposten, war mehrmals als Delegat »u Arbeiter-Kongressen abgeordnet und fungirte als solcher auf dem be- kannten Vereiniaungs-Konareß in Gotha. Besondere Thätigkeit entfaltete er bei den Wahlen. Bei Erlaß des Ausnahmegesetzes war Groß Mit alied der Exekutive und wurde bis zu seiner Ausweisung, welche im Mai 1881 erfolgte, mit verschiedenen geheimen Missionen betraut, welche er zur größten Zufriedenheit und trotz der damit verbundenen Gefahren ausführte. Hier angekommen, trat er sofort wieder aktiv in die Be- wegunq ein und wurde Mitalied in der Sozialistischen Arbeiterpartei, des Arbeiter-Fortbildungs-Vereins. der Socialiflic Cooperative Publishing Association, der Allgemeinen Arbeiter- Kranken- und Sterbekasse, sowie einer Anzahl anderer Gesellschaften, in welchen er als tüchtiges und opferwilliges Mitglied fungirte. Das Unterstützungskomite für gemäß- regelte Sozialisten verlor an ihm ebenfalls eine kräftige Stütze, als er vor etwa 11 Wochen, an Wassersucht leidend, aufs Krankenbett geworfen wurde. Außer seiner trauernden Familie, aus Frau und vier Kindern bestehend,— erster? durch die rastlose Pflege, welche sie ihrem Manne während dessen Krankheit widmete, jetzt selbst schwer erkrankt— hinterläßt Groß viele Freunde, welche sein Ableben aufs tiesste betrauern. Das Leichenbegängniß fand am Dienstag den 12. Mai, Nachmittags, unter Betheiligung aller Vereine, welchen der Verstorbene bei Lebzeiten angehört, sowie unter den Klängen zweier Musikchöre statt. Behufs der Gedächtnißfeier, welche von der Sozialistischen Arbeiterpartei veranstaltet worden, wurde der Sarg nach dem großen Saal der Concordia Affem- bly Rooms transportirt, wo Genosse Rud. Praast eine ergreifende An- spräche an die äußerst zahlreich Versammelten beiderlei Geschlechts hielt, diese zum Schluß ermahnend, in dem werkthätigen Geiste des Tobten fortzuarbeiten. Der mit Blumen beladene Sarg ward nach weiteren Abschiedsworten dann, und nachdem die Leidtragenden einen letzten Blick auf den dahingeschiedenen Freund und Kämpfer für die Arbeiterwelt geworfen hatten, wieder herabgetragen und seiner letzten Bestimmunz zugeführt. Am Grabe sprach Agent I. Heinrichs im Namen der Soz. Arbeiterpartei noch einige Abschiedsworte, und wehmüthigen Herzeni trennte man sich von der letzten Ruhestätte Eines, deffen Herz so rastlot für die Emanzipation des Proletariats geschlagen hatte." Ehre seinem Andenken! Die neuen ßrispine. (Das Zentrum stimmte mit allen— 108— gegen 2 Stimmen für den Zolltarif.) Die alten Schwarzen, die laff' ich in Ruh', Die stahlen doch noch den Reichen das Leder Und flickten den Armen damit die Schuh'. Doch mit den heutigen bleibt mir zu HauS! Ob auf der Tribün', ob auf dem Katheder, Ein umgekehrter Crispin ist ein Jeder: Zwar haben sie nicht verlernt das Gemaus,— Doch stehlen sie jetzt den Armen das Leder, Und machen den Reichen Stiefel daraus! Franz. »»« Zii »Olk « fr«i « nach Jh Jjztzjtbti fnb uns, >«1 1.I. >"» Ctnl Briefkasten Par der Expedition: Andreas Mag: Bf. v. 21/5. erh. und Allel entsprechend beachtet.— Panzerschiff: Gewünschtes pr. P.-K. am 30/5- H. gesandt.— Ths. Rke. S. Francisco:(2 Doll.) Fr. 10 12 Ab. pr«___ 1885 dkd. erh. Nur die Arbeitermarseillaise haben mit Noten. A. Höhne, Newyorker Volksztg., 184 Williamstr., kann vielleicht Weiteres beschaffen_ Gruß!- I. N. St. Moritz: Fr. 4- Ab. 2. u. 3. Qu erh. Engeli „N. d. F." kostet mit Porto Fr. 1 30.— 1. v. Main: Mk. 81- M 1. Qu. erh.— Zürich: Fr. 100—(Mk. 80-) f. die streikende« Tischler in Königsberg vom Landesausschuß deutscher Sozialist«« fm dkd. erh. u. weiterbesorgt.— D. Mzlr. Bsl.: Fr. 2 50 f. Photgr. erh e( k — W. Langner, Chicago: Fr. 35 45(7 Doll.) ä Cto. Ab. erh.— 2 B. Liege: Fr. 12— s Cto. Ab. erh.— Clautus: Mk. 150— k Ct«• alte Rechngn. erh. Bf. erw.— Zürich: Mk. 15 70 gesammelt unter de«~ „Züricher Indianern" für die streikenden Tischler in Königsberg dkd-~0"' erh. u. abges.— St. Stff. Q'strß.: Fr.—75 f. S.-D. erh.— G. S-'lid>c in B.: Fr. 30— ä Cto. Abon. u. Schft. pr. Brn. erh. Bfe. v. 24. n Unentv 26/5. mit 22 beantw. Sdg. am 29/5. ab.— Der Alte v. Berge: F« stosW — 35 f. Schft. erh.— W. Hst. Zürich: 50 Cts. für 1 Erpl.„S.-2V dkd. erh.— Veilchenstein: Mk. 120— pr. Ab. u. Schft. nebst Ggnrlh lt. Ausstllg. gutgebr. Weiteres dkd. notifizirt. Gewünschtes besorgt. �?�neiii Dr. G. Ä. M.: Mk.—40 f. Schft. erh. Bfl. Weiteres.„Vw." folgt«"i ben sobald versandtfertig.— Nr. 100: Mk. 3 10 Ab. Juni bis Ende Augu? ist u. Bldr. nebst Porto erh.— B. Corgier: Fr. 2 80 Ab. Juni u. 3. Qn h. erh. pr. N. N.— Stapelmohr, Genf: Fr. 2 10 Ab. Juni bis End. wc August f. W. Cvpt. pr. N. N. erh.— Ltf. Bern: Fr. 2 10 Ab. Ju«°°N D bis Ende August pr. N. N. erh.— Ferd.: Bfe. v. 1/6. kreuzten sich"chkeit Fds. nächstens.— Schnürung: Gewünschtes am 2/6. an Vst. � lichx� Roland II.: Nachr. v. 1/6. erh. Weiteres angenehm.— Dreifuß i/L. Bstllg. notirt. Adr. notirt.„Wke." sobald Drucklegung durchgeführt. �. Paul Spbg.: Bstllg. ab. Adr. geordn. Weteiteres übergeben.—-ss-s-hin« mel--: Auszug über„Wke." am 2/6. ab. Weiteres lt. P.-K. v. die ds. F. liegt aber doch stets separat bandirt bei!— Q. Vorwärts irfpielt Jammerthal: Bf. am 28/5. erh. Sofort nach P. geschrieben. Bis zu« ZV' 3/6. ohne Antwort hier. Vielleicht dort?— Bayer. Hiesl: Erwartetet j,' noch eingetroffen?— Schwalbe; Adr. notirt. Avisirtes erwartet.— Z'�crg H.: P. K. vom 30/5 erh. u. am 1,6. beantw. Bstllg. folgt.— Clau»>au,, Groth: Jrrthum des Packers am 1/6. berichtigt. Bstllg.„Vw." solMrbeit! nach Vorschrift.— Feuerländer: Etwas deutlicher ausgedrückt, brin��„., uns nicht um. Gruß!-- h.: Adr. notirt. Die unsrigen sind noch all«/».' gut.— Luzifer H.: Bf. v. 1/6. erh. Mit Nr. 5 je 25 Vw. 1 und ab hier verpackt. Sonderbar, daß nur 8 Stück 1„unter destatione Hand" Liebhaber fanden. 10°/„ u. Retournirung der„Utopie" p«J>iiK„l fbd. stehen frei. Bstllg. Fr. demnächst.— L. M. Hmg.: Mk. 4 30 N�enr.. 3. Qu. erh.- H. H. Bdf.: Mk. 1- Ab. Juni erh.— Heinrich: 0 W 32— ä Cto. Ab. ic. erh. Von hier aus Alles für Lz. korrekt ab. ML klamirtes recherchirt.— Kopenhagen: C. Hrd.: Fr. 44 46 Ab. 2. QMlterth erh. Remittenden baldig erwartet. Gruß!— Feuerblume: Adr. uiHihojt i Bstllg. vorgemerkt.— F. H. M. Gld.: Mk. 6— Ab. bis Ende 3. D>bj„ g erh.— Matilde:„Schwz. Lst." mit 20 erh.? Grobheit ist allerding» mitunter der„heitere Zeuge eines frohen Selbstbewußtseins". Tröste«� Sie sich also mit Ihrer Antwort für das Vermißte. Gruß!— Altt-Bedeut Flagge, Beacon-Falls: Bericht u. Bf. eingetroffen. Weiteres demnächsttverks Dank und Gruß!— A. in Z.: Wegen Salomon, Sally, Salis in deP�„ nächsten Nummer. Xur Beachtung. Von der M. E. Fink' schen Buchhandlung in G e r a(R. j. L.)> /er ei Arbeit! zu beziehen: I) Das lebensgroße Porträt Ferd. Lassalle's(Lithographie� Preis pro Stück 1 Mk. Auf 12 Stück 1 Freiexemplar. Wieder», �le Verkäufer Rabatt. Lieferung nur gegen baar oder Nach�ru nähme. s�ort 2) Das Porträt Wilh. Bracke's(Holzschnitt, Folioformat). �'°rvor> Preis pro Stück: 25 Pf. fembiss Samstag, 6. Juni, Abends 8 Uhr, im Saale d-VO�' Kafe Keßler: Geffeutttche Versammlung der deutsche« SoztaNste«. Tagesordnung: Einige Tagesfragen. Referent: Bgr. Bernstein. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Lokalausschuß. Äandn Jedermann hat Zutritt. �vsitil Parteigenossen, welche die hiesiZA�c� " �Ne.V .'tint�Vefpen Ausstellung besuchen wollen, fj den bei Coenen, Darnbrnggenstr. II, J.c. in der Nähe des Bahnhofs, gutes und billiges Logeinent. �tgeir __» Das Yerkehrslokal der deutschen Sozialisten ■ ariS Paris ist:„Deutscher Leseclub", Cafe de la yill«J®c9t1l rue de Rivoli 78. Ntt Sß Jeden Samstag Abend Zusammenkunft. I�lbad Verkäufer des„Sozialdemokrat" ist: Oscar firelf, rue Roger l;h)inttei Montrouge-Paris. bjj£-v SottaliStlch« Aröeiterpart� Amerika. Sektion Rew-Vork. Zitters � s' ftrbeit Sitzung de» gentralkomite» jeden Freitag Xbend» 8 N�vhey in Lincoln Hall. Ecke Allen und Houston Street. So! Jeden Samstag finden Bersammlungen statt. Nähere» fi«d)" „New-Yorker«olttzeitung", besonders Freitag» und Samstags. echwetzerlsche«moffnzschasttbuchdruckerci in Hottingin-ZÄrich. tche