iem Sa» ;ä«> Krscheivt Wich»«tlich«to«al m Zürich(Schweiz). Aertag dir w»lr»»uchha«dl««g Hotting«», Zürich. V-ststilduulra franko gegcn franko Tewihnliche Briese dach der K ch w e t t kosten Doppelporto. Der SoMdeMkrirt >entral-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Avonnements werden bei allen schweizerische« Postbureaux� sowie beim Verlast und dessen bekonnien Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» zahlbaren ViertelsahripreiS von: Fr 2— silr dieEchweij Mk 8— ftlr Deutschland(Eouvert) st. 1.70 silr Oesterreich(Couotrt) Fr. 2 50 silr alle übrigen Linder de» Weltpostverein«(lkrenzband). Znserite die dreigespaltene Petitzeil« 25«lt«.= 20 Pfg. Je Donnerstag, 20. August 1889. Avis an die Abonnenten nnd Korrespondenten des„SoziatdemoKrat." Da der.Boj ��uni?r.�ein?no'i�nnd�nllio?n E�ve!�tVo�en�nach"dorr ab>usangen"sö ist'diV�iin�erfie Vorsicht im Postverkehr nothwendig und t auch NN« mdglichst nnversängliche ZustellungSadressen mitgetheilt werden. In iwriselhaften Fällen empfiehlt flch dehuf» � dieBriefniardirüber dmwadrm Absender und iimpsänger. sowie den Inhalt Sich.rhei« Relommandirnng. Soviel an NN, liegt werden wir g.wih weder Äiihe noch»ost'n scheuen NM trotz alle.> »»-wdnnaen�u.�.»en und' um r. dadurch ,n Ichütz.n Haupi.rsord.rnitz ist hiezn.inerseit«. daß uns.-. Freunde so selten> stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemolra.- unseren Abonnenien mbglichst regelmätzig zu liefern Koeialdemokrat' sowohl in Deutschland al« auch in Oesterreich verboten ist, bezw verfolgt wird und die dortigen M!ih. geben, unsere Lerbindunge» t�n Rndnn«»th>venMa und »rlnr-�orfichtSmaßregel versäumt u,rbvs,»,»»v Lendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen alS möglich an den. Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdSchttge Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit unS in Verbindung setzt; anderseits aber, daß größere» entgegen- Laist La» l a» m, � i Z-»' -hr- una en- Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! entl« angr» a ue< Mut» er 2'' Äll-» fra>! s l-b« M» t. eri k W' Zantd" JOlW: achtel ffieit«' er. ßf- . 4 ht da w. . S ig«? . 44S i Ä» er f : SD»- frZ : 0 dst bitte" es. 'ößei� de' ch 6f lt et .2 ope»' r. I stCta ahle" Drei« erh kto' »eA ß. 1 i» ille, 17, »ig« fin- Brauchen wir ein positives Zukunsts- Programm? . In Nr. 29 des„Sozialdemokrat" behauptet Genosse st., 'ni Widerstreit mit einer in der Stuttgarter„Neuen Zeit" �schienenen Rezension der Schäffle'schen„Aussichtslosigkeit des Sozialismus", daß -.Echiiffle's Vorwurf insofern nicht unbegründet ist, als in der That ---- der sozialistischen Literatur ein wissenschaftliches Werk fehlt, worin die sozialistische Gesellschaft der Zukunft in Detailzügen entworfen ist söhne daß freilich jedes Fenster und jeder Nagel in dem neuen Bau angegeben zu sein braucht).'/ «Und diese vorhandene Lücke ist ein sehr wesentliches H l n- d e r n i ß für die Propaganda." Und drückt schließlich den Wunsch aus, Schäffle's Pam- phlet möge: »einer berufenen Feder die Anregung geben, ein Werk zu schreiben, worin die sozialistische Gesellschastsordnung klar in Detailzügen ent- worfen ist."... Wir sind im Gegensatz hierzu der Ansicht, daß das Fehlen eines kolchen Werkes, wie es der Genosse st. fordert, nicht nur kein Nachtheil, sondern sogar ein Vorzug unserer Literatur ist und dem wissenschaftlichen Charakter des modernen Sozialismus durchaus entspricht. Nicht Wissenschaft und Utopie, wie Genosse st. seinen Ar- likel überschreibt, sondern Wissenschaft oder Utopie, ist nach unserer Ansicht die Parole. Ehe wir auf die Begründung dieses Gegensatzes näher ein- Schm, müssen wir uns zunächst mit Genosse st. über den Charakter des wissenschaftlichen Sozialismus auseinandersetzen. In der„Neuen Zeit" hatte der Schäffle-Rezensent vom wissenschaftlichen Sozialismus gesagt, derselbe «geht von den Thatsachen aus. Aus den Thatsachen der bisheri- gen historischen Entwicklung, aus den Thatsachen der heutigen Pro- duktionsweise leitet er die Gesetze der sozialen Entwicklung ab und zieht er Konsequenzen für die folgende Entwicklung. Auf Grund dieser Erkenniniß sieht er dann, welche der heutigen Einrich- tungen und Kräfte Keime einer höheren Entwicklung, und welche im Absterben und der Entwicklung hinderlich sind; er sieht, welche Ein- richtungen und Kräfte er zu fördern, welch- er zu bekämpfen hat." lS. 194. Heft S der„N. Z.") Bis hierher zitirt Genosse st. beinahe wörtlich und sagt dann: „Voilä taut I(Das ist Alles.) Positive Vorschläge für weitere Zeit hinaus habe er nicht zu machen. Dieses letztere charakterisire eben den Utopistischen Sozialismus, welcher die Entwicklung der Gesellschaft zu leiten sucht, wogegen der wissenschaftliche sich darauf beschränkt, sie zu v e r st e h e n. Mit anderen Worten: der wissenschaftliche Sozialis- Mus steht mit verschränkten Armen da und macht sich das Vergnügen, historisch-analytische Betrachtungen über die soziale Kulturentwicklung anzustellen, und nur insoweit ist er auch positiv, als er sich herabläßt, dem Proletariat Winke zu geben, welche Momente der bestehenden sozialen Entwicklung ihm förderlich, und welche ihm hinderlich seien." „Mit anderen Worten"— wer beide Sätze anfmerk- sam vergleicht, wird finden, daß st. hier den zitirten Ausführungen Rcht nur andere Worte, sondern auch einen anderen Sinn Unterstellt, als sie wirklich haben. Es ist doch wirklich etwas stark, von„mit verschränkten Armen dastehen" zu reden, wo wörtlich heißt:„er sieht, welche Einrichtungen und Kräfte er zu fördern, welche er zu bekämpfe« hat. Zwischen Fördern und Bekämpfen einerseits und "Mit verschränkten Armen dastehen" anderseits pflegt ge- d>öhnlich noch ein großer Unterschied zu sein. Und daß es sich hier nicht etwa nur um theoretisches Mördern und Bekämpfen handelt, geht aus den, unmittel- bar der Stelle, wd st. sein Zitat plötzlich abbricht, folgenden Sätzen hervor: „Er(der wissenschaftliche Sozialismus) gelangt zu dem Schlüsse, daß das arbeitende Proletariat heute der Träger der gesellschaftlichen Entwicklung ist, daß dessen ökonomische undpolitlsche Machtentwicklung daher gefördert werden muß.„Positive Vor- schläge" für weitere Zeit hinaus hat er nicht zu machen: der Klassenkampf entwickelt aus sich selbst diejenigen Einrichtungen, deren das Proletariat bedarf, und für die es reif ist. Vom Stand- Punkt des wissenschaftlichen Sozialismus aus besteht die wichtigste Aufgabe der Vertreter der Arbeiter insbesondere und der Freunde der Entwicklung überhaupt darin, die staatliche Anerkennung derjeni- gen Einrichtungen zu erwirken, welche der Klassenkampf selbstthätig hervorgebracht und nöthig gemacht hat, und dem Prole- tariat weiteren Ellbogenraum zu verschaffen, daß es einerseits die ihm günstigen Einrichtungen entwickle und andersefts an politischer Macht zunehme, um weitere staatliche Kon- »essionen zu erlangen. Alle die„positiven Einrichtungen", die heute durchgeführt werden oder werden sollten, sind nicht Produkte„parla- Mentarischer Hirnweberei", wie Marx einmal sagt, sondern haben sich selbstthätig durch den Klassenkampf entwickelt: durch die Gewerkschaften und Streiks hat ein Theil der Arbeiter bereits erlangt, was heute (von Schäffle-c.) als„positive Sozialresorm in Aussicht gestellt oder durchgeführt wird."... Genug. Man sieht, es handelt sich hier nicht blos nm „historisch-analytische Betrachtungen", sondern nm ein ausge- sprochenes Aktionsprogramm. Wir müssen die entgegen- stehenden Bemerkungen des Genossen st als durchaus unbegründet zurückweisen. Noch weniger begründet aber erscheinen uns die Beispiele, welche st. in'S Feld führt, um die vom Rezensenten der„Neuen Zeit" entwickelte Charakterisiruüg des ntopistischen Sozialis- mus in's Lächerliche zn ziehen nnd die Berechtigung, bezw. Nothwendigkeit eines detailirten Plans der zukünftigen Gesellschaft zu beweisen. So sagt er z. B.: „Der Architekt, welcher ein Gebäude für den Abbruch reif erklärt, weil es dem Verfall entgegengeht und eines Tages über den Häuptern seiner Insassen einstürzen wird, ist somit„wissenschaftlich"; sobald er aber den Stift in die Hand nimmt und den Riß zu einem neuen Bau zeichnet, hört er auf, wissenschaftlich zu sein, er wird„Utopist." Nun, st. braucht uns nur zu beweisen, daß sich die mensch- liche Gesellschaft gerade wie ein beliebiges Gebäude einreißen und aufbauen läßt, und wir»»ollen ihm recht geben. Vor- läufig aber hat die Erfahrung gezeigt, daß die Gesell- schaft nicht aus simplen Backsteinen, Holz und Mörtel besteht, die jeder beliebige Baumeister nur nach seinem„Plan" zusam- menzufügen braucht, um ein mehr oder weniger schönes Ge- bände zu errichten, sondern aus lebendigen Individuen mit bestimmten Einrichtungen, Gewohnheiten, Rechtsanschauun- gen, die sie keineswegs auf Kommando angenommen haben, sondern die ebenfalls das Produkt einer bestimmten Ent- Wicklung sind. Brauchte es nur eines guten Baumeisters, um die menschliche Gesellschaft zu modeln, wer wäre glücklicher als die Bismarck, die Alexander und die sonstigen Gcsellschafts- retter und Menschheitsbeglücker! Aber warum ist z. B- Bismarck, der doch in der auswärtigen Politik so„groß" ist, d. h. so viele Erfolge erzielt hat, in der inneren, der e i g e n t- l i ch e n Staatskunst, so h u n d s m i s e r a b e l klein? Gerade weil er sich einbildet, die Menschen als todtes Baumaterial benutzen zu können, und in den Millionen von lebendigen Jndi- viduen, um welche es sich handelt, nur willenlose Marionetten erblickt. Wir haben es hier nicht mit der Vertheidigung des„Anti- Schäffle" zu thun, sondern nur die Frage zu behandeln, wo in Bezug auf die Aufgaben des Sozialismus das Richtige liegt. Wir halten uns also bei den Beispielen zc., mit denen st. den„Anti-Schäffle" zu schlagen vermeint, nicht weiter auf*), sondern gehen nunmehr zu seiner Forderung eines detailirten Zukunftsbildes über. Er sagt: „Was auf theoretischem Gebiet die H y p o t h e s e, ist auf dem praktischen das Projekt. Dieses wird nur dann zur Utopie, wenn es Luftschlösser baut, den realen Thatsachen und Bedin- gungen nicht Rechnung trägt, die Durchführbarkeit nicht möglich er- scheinen läßt.... Wenn ich einen Plan zu einem Bau entwerfe, so geschieht dies mit dem Vorbehalt, daß wenn ein anderer einen besseren Entwurf macht oder an meinem Plan Verbesserungen vorschlägt, ich meinen Plan aufgebe oder modifizire." Die Anforderungen, die st. hier an das sozialistische„Pro- jekt" stellt, findet er bei allen bedeutenderen Utopisten bereits erfüllt. So thöricht war keiner von ihnen, daß er sich einbildete, den letzten Grund der Weisheit erschöpft zu haben, oder die realen Thatsachen nicht möglichst in Betracht zog. Owen wird z. B. gerade sein vorsichtiger Realismus vielfach zum Vorwurf gemacht; auch Cabet vermied in seiner„Reise nach Jkarien" ängstlich jede Ausschreitung über das zu seiner Zeit Mögliche und Erreichbare. Wozu also in die Ferne schweifen? Glaube man nicht, daß wir diese Literatur geringschätzen. Als historische Aktenstücke zur Geschichte des Sozialismus wird man die Schriften St. Simon's, Fourier's, Owcn's, Cabet's, Weitling's:c. vielfach noch mit Vergnügen und mit Frucht lesen.„Sie haben", heißt es im„Kommunistischen Manifest" von ihnen,„höchst werthvolles Material zur Auf- klärnng der Arbeiter geliefert." Aber heute auf diese Literatur als Leitfaden für die Zukunft zurückgehen zu wollen, wo der Sozialismus nicht mehr Spekulation, sondern Wissenschaft geworden ist, das hieße mit den Alchymisten des Mittelalters wieder um den Stein der Weisen streiten. Warum brauchen wir heute kein Jkarien und kein New- Harmony mehr? Weil wir die Vorbedingungen des Sozialismus vor unseren Augen sich entwickeln sehen. Diese Entwicklung zu erkennen, darauf kommt es an; sie zu verstehen, nnd den Anforderungen, welche sie an die vorwärtsstrebenden Ele- mente stellt, nachzukommen, das ist die Aufgabe des So- zialismus unserer Zeit. Wer aber den Zukunftsstaat fertig in der Tasche hat, der wird nie die Gegenwart mit hellen, unbefangenen Augen beurtheilen. „Waren daher die Urheber dieser(utopistischen) Systeme auch in vieler Beziehung revolutionär, so bilden ihre Schüler jedesmal reak- *) Rur eine Frage mag uns st. noch gestatten. Er sagt ironisch:„Die Männer, welche im Feudalstaat eine Verfassung verlangten, waren natürlich ebenfalls Utopisten." Wen oder was will er mit diesem Satz widerlegen? I tionäre Sekten. Sie halten die Anschauungen der Meister fest gegen- über der geschichtlichen Fortentwicklung des Pro- letariats.... Die Owenisten in England, die Fourieristen in Frankreich reagiren dort gegen die Chartisten, hier gegen die Resor« misten." Was Marx und Engels in dieser Beziehung 1847 im „Kommunistischen Munifest" gesagt, gilt, den veränderten Zeit- umständen entsprechend, noch heute. Heute tritt der Utopismus vorzugsweise in Gestalt des Anarchismus auf. Was aber ist der Hauptfehler, das falsche Exempel des Anarchismus? Nicht die Dynamittheorie; diese ist, soweit sie dem Anarchismus eigeuthümlich, nur Folge des grundsätzlichen Jrrthums, der gleichfalls in der Verkennung der geschichtlichen Be- dingungen des EmanzipationskampfeS des Proletariats be- steht. Dem Anarchisten, der seine„freie Gesellschaft" in„großen Zügen" fix und fertig in der Tasche hat, kommen die poli- tischen und wirthschaftlichen Kämpfe der Arbeiter in der heuti- gen Gesellschaft ungemein kleinlich und abgeschmackt vor. Wahlrecht, Maximalarbeitstag, Streiks— pah, das sind alles Kinkerlitzchen, faule Fische gegenüber der herrlichen Zukunsts- gesellschaft. Wozu uns dabei aufhalten, wenn wir doch die neue Ordnung der Dinge so„klar in Detailzügen" vor uns haben?! So räsonnirt nicht blos der Anarchist, so räsonnirt schließlich jeder Utopist. Stößt sich aber der Utopist an der Entwicklung, so kehrt sich diese nicht an ihn. Sie geht über seine Utopie hinweg, die, und sei sie noch so schön, eines Tages furchtbar altmodisch aussieht. Man betrachte;. B. Cabet's Reise nach Jkarien. Solange man sie liest, wird man vielleicht hingerissen werden von dem Reiz, mit dem der ehemalige Generalprokurator seine Schilde- rung des Modells der zukünftigen Gesellschaft ausgestattet, legt man aber das Buch aus der Hand, dann merkt man sofort, wieweit unsere Zeit über die Cabet's hinaus ist. Probleme, von denen er gar keine Ahnung hatte, sind inzwischen aufgetaucht, die Erdkarte hat eine�ganz andere Gestalt gewonnen, die Industrie Verhältnisse geschaffen, die zu Cabet's Zeiten noch gar nicht vorauszusehen waren. Und nun, wo wir das Beispiel vor Augen haben, wo wir über eine Literatur verfügen, welche aus der wissenschaftlichen Analyse der wirthschaftlichen Entwicklung den Nachweis liefert, wie diese Entwicklung selbst die Keime der neuen Gesellschaft ins Leben ruft und fördert, und wo die Klasse an Zahl und Bedeutung erstarkt ist, für welche der Kampf um Förderung und Weiterentwicklung dieser Keime Lebensbedingung ist, heute sollen wir, statt unsere ganze Kraft darauf zu verwenden, diesen Kampf zu organisiren, die Masse über den Gang der Entwicklung aufzuklären, uns hinsetzen und eine neue Utopie ausspintisiren! Was soll dies Zukunftsbild für einen Zweck haben? Was wir heute, gestützt auf die Ergebnisse der sozialistischen Forsch- ung, mit Gewißheit aufstellen können, findet sich in unserer Literatur klar und deutlich ausgesprochen. Und Alles, was darüber hinausgeht, ist vom Uebel, erzeugt nur Illusionen und Schlimmeres. Wir können unsere Zeit heute besser anwenden, als mit Schilderungen der zukünftigen Gesellschaft. Suchen wir uns lieber über die wirthschaftlichen und politischen Strömungen unsere r Zeit klar zn werden, damit wir nicht, den ZukunftS- staat vor Augen, von unseren Feinden über den Löffel barbirt werden. Nun meint st., in der Propaganda habe sich das Be- dürfniß nach solch' einer Schrift, wie er sie wünscht, fühl- bar gemacht. Es gebe viele Leute, denen man zwar die Un- Haltbarkeit der heutigen Zustände klar machen könne, die aber sich nicht von der Durchführbarkeit der Umwandlung der plan- losen Privatproduktion.zur gesellschaftlichen Produktion über- zeugen ließen zc. Darauf haben wir zn erwidern, daß man in der Propa- ganda nur zu solchen Mitteln greifen soll, die mit unserer grundsätzlichen Auffassung vereinbar sind. Wir stellen gar nicht in Abrede, daß unsere Propaganda-Literatur einer Erwei- terung bedürfe. Rur suchen wir die Lücken wo anders, als st. sie sucht. Was nach unserer Ansicht z. B. noch fehlt, ist eine populäre Schrift, die an der Hand des vor- liegenden statistischen Materials in knappen Umrissen die Ver- derblichkeit und den nothwendigen Zusammenbruch des heutigen kapitalistischen Systems nachweist und zugleich an Beispielen aus dem. praktischen Leben zeigt, wie bereits heute überall im gesellschaftlichen Organismus sich die Keime ansetzen zu Neu- gestaltungen im sozialistischen Sinne. Bebel hat in seinem Buche über die Frau bereits eine Fülle solchen Materials zusammengestellt, nnd fast jeder Tag bietet uns zu diesem Be- Hufe Neues. Mit den Querköpfen herumzustreiten, die den sozialistischen Staat bereits fix und fertig vor sich sehen wollen, ist ver- lorene Mühe. In 99 von 199 Fällen sind derartige Aus- stellungen eine Ausflucht. Gerade Schäffle ist hierfür ein sprechendes Beispiel. Der Verfasser der„Quintessen;" und von„Bau und Leben des sozialen Körpers" weiß sehr gut, warum der moderne Sozialismus nicht nöthig hat, den Zu- kunstsstaat im Detail auszumalen. Wenn er dennoch diese Forderung an ihn stellt, so geschieht dies, um ihn vom Boden des energisch geführten Klassenkampfes auf das Glatteis der Zeit und Kräfte vergeudenden Spintisirerei um des Kaisers Bart zu verlocken. Wir schließen mit den Worten des„Kommunistischen Mani- festes": „Die Kommunisten haben keine von den Interessen des Proletariats getrennten Interessen. Sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen: die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, die von diesem oder jenem Weltver- besserer entdeckt oder erfunden worden sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke thatsächlicher Verhältnisse eines existiren- den Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung." Lernen wir diese Bewegung verstehen und ihr entsprechend handeln, das ist das A und O sozialistischer Weisheit. Sozialpolitische Rundschau. Zürich. 19. August 188S. — Ein unfreiwilliges Zugeständniß. Die„Leipziger Zeitung", das amtliche Organ der sächsischen Regierung, das bekanntlich sehr viel in„Sozialreform" macht, bringt in einer seiner letzten Rum mern, anläßlich des kolossalen Defizits der Gotthardbahn-Ge- s e l l s ch a s t, einen Artikel, in welchem zur Belehrung irgend eines imaginären Gegners— wahrscheinlich hat die Leipzigerin einen Sozial« demokraten vor Augen— die Thatsache demonstrirt wird,„daß nicht jede Spekulation Profit abwirft", und ver zu dem resignirten Schluß ge- langt, daß„die vielgeschmähte Spekulation nicht immer ein Parasit am Marke des Volkswohlstandes ist, als welcher sie von allerhand unbe- rufenen Weltverbesserern hingestellt zu werden pflegt." „Nicht immer"! Also doch oft oder gar: in der Regel! Dieses Zugeständniß ist in der That kostbar. Und nun einige ernsthafte Worte mit der„Leipiger Zeitung": Was will sie denn eigentlich mit der Thatsache beweisen, daß„nicht jede Spekulation Profit abwirft"? Oder glaubt sie etwa, diese That- fache sei jemals von den Sozialdemokraten bestritten worden? Wenn wir uns nicht sehr irren, hat die„Leipziger Zeitung" hier eine kleine Anleihe bei den, sonst von ihr so heftig befehdeten Manchesterlingen ge- macht, und will den„Unternehmergewinn" durch das„Risiko" recht- fertigen. Statt mit langen Argumenten zu widerlegen, fragen wir die„Leip- ziger Zeitung" blos: Ist denn das Risiko der Spekulation noth- wendig? Um den intellektuellen Fähigkeiten der„Leipziger Zeitung" ein wenig zu Hilfe zu kommen, wollen wir ihr zwei Beispiele vor Augen führen, die sie im eigenen Lande findet und die sich vortrefflich zur Vergleichung, und durch den Vergleich zur Belehrung eignen. Wir meinen den sächsi- schen Erzbergbau und den sächsischen Steinkohlenbergbau. Ersterer ist Regie, d. h. Sache des Staates,— und der Spekulation entzogen. Der Steinkohlenbergbau dagegen wird von Privaten betrieben und ist Sache der Spekulation und des Risikos. Im Erzbergbau gibt es kein Risiko; er wird wissenschaftlich auf Kosten und Rechnung des Staates betrieben und wirst, trotz der außerordent- lich ungünstigen Umstände, dem Staat einen sicheren, wenn auch nicht hohen Prosit ab. Innerhalb des Erzbergbaues herrschen durchaus ge- regelte Zustände, z. B. auch auf dem Gebiet des K a s s e n w e s e n s. Und obwohl wir diese Zustände durchaus nicht als musterhaft hinstellen wollen, so bieten sie doch unzweifelhaft einen sehr vortheilhasten Kontrast zu den anarchischen Zuständen, die nach jeder Richtung hin in dem Steinkohlenbergbau obwalten. Hier herrscht die Spekulation und das Risiko. Die Folge ist, daß einzelne Kohlenwerke kolossale Profite abwerfen, andere sich jämmerlich durchschlagen und wieder andere bankrott sind— das reinste Lotterie- spiel, der blinde Zufall. Und wie diese anarchischen Zustände auf die Arbeiter zurückwirken, das ist unseren Lesern zur Genüge bekannt. Seit Jahrzehnten kommen Beschwerden über die Knappschaftskassen; diese Beschwerden sind eine ständige Rubrik der Zeitungen, sie beschästigen den Landtag; und die Kassen sind nicht blos so eingerichtet, daß sie zu Unterdrückungsmitteln geworden sind,— nein, sie sind zum Theil auch finanziell nicht sichergestellt, wobei wir nur an den Bankrott der Oberhohendorier Verbandskasse zu erinnern brauchen. Wie könnte es auch anders sein? Ein bankrottes Bergwerk kann nur eine bankrotte Kasse haben. Und nun nehme die„Leipziger Zeitung" einmal an, der sächsische Kohlenbergbau sei ebenso Staatssache wie der Erzbergbau. Was wäre die Folge? Die Spekulation und das Risiko wären verschwunden. Die sämmt- lichen Bergwerke würden nach einem einheitlichen Plane betrieben; der Gesammtertrag würde auf die Gesammtheit entfallen; der Abbau würde methodisch erfolgen, bis die Kohlenlager erschöpft sind, und dann würde er einfach eingestellt werden. Keine bankrotten Gesellschaften, keine bankrotten Kassen— nur Vortheile für den Staat und Vortheile für die Arbeiter. Die„Leipziger Zeitung" hat hoffentlich Verstand und Wissen genug, um uns ein Eingehen in Einzelheiten zu erlassen. Sie wird uns wohl auch den Nachweis erlassen, daß trotz der vielen verfehlten Spekulationen das sogenante Nationaleinkommen und Nationalvermögen aller Kulturländer sich reißend vermehrt. Wohlan, was folgt daraus? Daß trotz der einzelnen Verluste, die auch bei staatlichen» Betriebe nicht ganz zu vermeiden wären, der Reich- thum beständig zunimmt, und daß, wenn die Spekulation mit dein Risiko abgeschafft wäre, d. h. der Staatsbetrieb an die Stelle des Privatbetriebes gesetzt würde, der S t a a t den Vortheil und Niemand Nachtheil hätte. Wenn wir hier von Staatsbetrieb reden, meinen wir natürlich den sozialistischen Betrieb, obgleich keineswegs geleugnet werden soll, — und das von uns angeführte Beispiel ist in dieser Beziehung ja fehr sprechend— daß auch heutzutage schon der Staatsbetrieb, vorausgesetzt, daß er nicht, wie z. B. in Saarbrücken, nach rein Manchester- lichen Ausbeutungsprinzipien betrieben wird, unter Um- ständen ganz bedeutende Vortheile gegenüber dem Privatbetriebe haben kann. Und nachdem wir zum Schluß nochmals für das kostbare„nicht immer" gedankt haben, verabschieden wir uns hiermit von der„Leip- ziger Zeitung". zu erhalten, sintemalen ein Krieg leicht den einen oder anderen Thron ins Wackeln bringen könnte. Daß die intime Freundschaft der drei gekrönten Häupter die Wechsel- seitige Chikanirung ihrer„Unterthanen" nicht hindert, haben wir wieder- holt gezeigt— die Völker haben von diesem Kaiserbündniß nur Ver- stärkung ihrer Ketten zu erwarten. — Großer Jubel herrscht in den Reihen der Kolo- n i a l f a n a t i k e r. Die Engländer haben den Sultan von Sansibar richtig aufsitzen lassen, und dieser hat eingesehen, daß er allein gegen die Ueberzeugungskrast der deutschen Argumente Krupp'scher Fabrik nicht aufkommen kann, und hat daher die Erwerbungen der Deutsch-ostafrika- nischen Gesellschaft, der Witu-Gruppe»c., und die deutsche Schutzherr- schaft über diese Gebiete als„zu Recht" bestehend anerkannt. Die Herren Graf Peters und Genossen können also lustig weiter„gründen". Ferner sollen die Inseln der Karolinen-Gruppe im südlichen Ozean unter„deutschen Schutz" gestellt worden sein. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um das Monopol auf die Heranziehung der Be- völkerung dieser Inseln zur Sklaven-— pardon, zur Plantagen- Arbeit aus Samoa und Kaiser Wilhelmsland. Bei so glorreichen Verwirklichungen des„Mein Vaterland muß größer sein" wird sich der deutsche Steuerzahler hoffentlich nicht wundern, wenn er zunächst etwas mehr Geld für Heer und Marine auf die hohe Kante zu legen haben wird. Das ist nur erst der Vorgeschmack, die goldenen Berge kommen dann schon noch nach. Das Nähere siehe die Berichte vom Kongostaat, dessen Reize sich immer herrlicher offenbaren. — Komische Frage. Die„Berliner Volkszeitung" entnimmt der „Kolonialpolitischen Korrespondenz" folgende Expeditionsnachricht aus Ostafrika: „Die Expedition Hörnecke hat viel durch die feindselige Haltung der Sultanstruppen zu leiden gehabt. Dieselben veranlaßten unter Anderein auch einen Theil unserer Mannschaft zum Desertiren, so daß unsere Herren gezwungen waren, fünf der in Rebellion befindlichen Leute niederzuschießen. Dadurch scheint die Disziplin wieder hergestellt worden zu sein. Die Erpedition ist nicht zurückgezogen worden, sondern hat den Versuch unternommen, auf fünf Booten den Tana hinauf zu segeln." Dazu bemerkt die„Volkszeitung": „Mit welchem Rechte die Leute niedergeschossen wurden, ist uns nicht klar. Die Korrespondenz spricht von„Rebellion"; hat dann aber Herr Hörnecke oder die afrikanische Gesellschaft die Befugniß, als Souverän eine Armee anzuwerben und Deserteure standrecht- l i ch zu behandeln. Wir bezweifeln es." Mit welchem Recht? Komische Frage. Mit demselben Recht, mit welchem überhaupt dort Länder erworben, Bevölkerungen unter„Schutz- Herrschast" gestellt, das heißt vergewaltigt werden. Mit dem Rechte der „höheren" Rasse, die„niederen" Rassen todt zu„zivilisiren", dieses un- veräußerlichsten aller Menschenrechte in unserem Jahrhundert der Auf- klärung, der Huinanität, der Mausergewehre und des göttlichen Fusels. — Die Diäten aus Parteimitteln, welche auch unbemit- telten Abgeordneten die Möglichkeit gewähren, an den Sitzungen des Reichstags theilzunehmen, haben es dem braven Otto angethan. Sein in Geldsachen so überaus zartes Gewissen kann den Gedanken nicht er- tragen, daß sich einige Abgeordnete für ihre Thätigkeit im Reichstage von ihren Parteien entschädigen lassen, und so unterläßt er denn keinen Versuch, diesem gräßlichen Unfug ein Ende zu machen. Aber ach, bis- her sind alle diese Versuche fehlgeschlagen, selbst die tugendhafte Entrüstung der Stipendiaten des Reptilienfonds hat die öffentliche Meinung unHeim- lich kalt gelassen. Jetzt endlich scheint irgend ein Pfiffikus den lang gesuchten Stein der Weisen gefunden zu haben. Können wir mit dem Reichsgesetz der Geschichte nicht beikommen, so vielleicht mit irgend einein Partikularrecht. Und siehe da, es fanden sich im preußischen Landrecht Paragraphen, die da besagen, daß Gelder, die widerrechtlich erhoben worden sind, dem Fiskus zufallen. Und Fiskus ging hin und verklagte etliche des Bezuges von Parteistipendien verdächtige Abgeordnete aus Herausgabe dieser Gelder—„ Der Fiskus hat einen großen Magen, Er kann auch solches Geld vertragen. Fraglich aber ists, ob er es kriegt. Die Logik, nach welcher der Be- zug von Entschädigungen für die Vertretung seiner Partei gegen die „Ehrbarkeit" verstoße, wie es in einem der betreffenden Paragraphen des Landrechts heißt, dürsten selbst preußische Richter zu— genial finden. Uebrigens ist der Haß Bismarcks gegen die„Diäten aus Parteimit- teln" voll und ganz in der Ordnung. Sie vereiteln nicht nur den Zweck, den er mit Versagung der Diäten von Reichswegen im Auge hatte, sie bewirken sogar just das G e g e n t h e i l von dem, auf was er gehofft. Sie machen der Fiktion von dem Abgeordneten, der als Abgesandter einer unauffindbaren Masse anonymer Wähler nur Vertreter des„ganzen Volkes" und somit fast unverantwortlich ist, den Garaus, und knüpfen dagegen das Band zwischen dem Abgeordneten und der P a r t e i, die seine Wahl durchgesetzt, so fest, daß diese stets in der Lage ist, ihren Mandatar zu k o n t r o l i r e n. Und das ist gewissen Leuten oft recht fatal. — Nachdem Franz Joseph in Gastein mit„Bruder" Wilhelm rührende Herzensergüsse ausgetauscht, wird er am nächsten Dienstag in der mährischen Stadt K r e m s i e r, achtundvierziger Ange« denkens,„Vetter" Alexander an sein biederes Habsburgerherz drücken. Bereits wimmelt es in Kremsier von geheimen und nichtgeheimen Poli- zisten, welche für das theure Leben des Herrschers aller Reußen die nöthi- gen Vorsichtsmaßregeln zu treffen und den üblichen„enthusiastischen Empfang" in Szene zu setzen haben. Welche volksbeglückenden Pläne der Repräsentant des autokratischen Despotismus und der Vertreter des konstitutionellen Schwindels bei dieser Gelegenheit aushecke» werden, darüber braucht sich, trotz der diplomatischen Geheiinthuerei, Niemand den Kopf zu zerbrechen. Es kann sich nur um die Befestigung der „heiligen Allianz" von Skiernewice handeln, um diese Thron- Versiche- rungsgesellschaft, die den Zweck hat, den Frieden in Europa ausrecht — Das Gelehrtenproletariat macht der„Norddeutschen Allgemeinen" viele Kopfschmerzen. Das Uebel liegt darin, daß die Men- schen heutzutage von der Sucht besessen sind, ihre Kinder in eine höhere Stellung z»i bringen, als sie selbst innehaben. Der„Norddeutschen" ist das natürlich sehr fatal— der„Norddeutschen" und ihren Patronen, denen es am liebsten wäre, wenn die Menschen gleich den patriarchali- schen Schweinen und„väterlichen Ochsen" keine Unzufriedenheit kennten und in musterhafter Selbstgenügsamkeit ihr Leben verduselten. Nun— über die Gefühle der„Norddeutschen" wundern wir uns nicht, und wir würden des Artikels gar nicht erwähnt haben, wenn die „Norddeutsche" in ihrer Verlegenheit nicht einen logischen Saltomortale verübt hätte, der so possirlich ist, daß er registrirt werden muß. Sie erklärt nämlich das Bestreben der Eltern, ihre Kinder in höhere Stellen und Stände zu bringen, für einen Verstoß gegen das G l e i ch h e i t s- prinzip! Das Leibblatt des„Eisernen" argumentirt wie folgt: Die moderne Gesellschaft wird von dem Gleichheitsprinzip beherrscht; durch alle Staatsverfassungen ist die Gleichheit der Menschen formell anerkannt. Der Schuster ist dem Geheimrath und Minister gleich. Und selbstver- ständlich auch des Schusters Sohn. Wenn nun der Schuster, statt bei seinem Leisten zu bleiben, und iv dem Bewußtsein der ihm durch das Grundgesetz verbrieften Gleichheit zu schwelgen,„höher hinaus" will, und aus seinem Sohn einen Geheimrath oder gar Minister zu machen wünscht, so beweist er damit, daß er das Gleichheitsprinzip nicht be- griffen hat, und versündigt sich an ihm. � l m „Silesia" ihren staatsgefährlichen Betrieb ungehindert fortsetzen wird,«orjahl. Schade um das geniale Dekret! Es wär' so schön gewesen! ix — E s geht vorwärts! Eine wider Erwarten vortrefflich Abfertigung hat der Zentralrath der Londoner G-yt werkvereine dem Komite der vermuckerten„Pall Mall Gazelt« L � zukommen lassen, als Antwort aus die Einladung zur Betheiligung« itt JK der Massenkundgebung im Hydepark„zum Schutz der weiblichen tat ,lr(„ in England." buch Man höre nur: �° „Wenn neue soziale und politische Prinzipien die zukünftige Grund �" läge unseres nationalen Lebens bilden und die Arbeit von der Kapin a �' listenknechtschaft befreien sollen, so kann dieses Emanzipationswerk W»tt, QUf von Denen verrichtet werden, die von diesen Prinzipien ernsthaft durl � drungen und voll und ganz entschlossen sind, sie zur Herrschaft l st p' bringen.... ianatiS„ „Kann man erwarten, daß Kapitalisten oder Arbeitsausbeuter es a« lat�„ sich nehmen, den Arbeitern politische Gewalt zu verschaffen oder d«. Loos Derer, die sich abrackern, zu ändern? Hat es sich nicht stets h«'linet ur ausgestellt, daß dieselben zwar um die Stimmen und die Mitwirkung lonS(.j Arbeiter gebuhlt haben, aber nie dazu gewillt waren, ihrerseits Gegä en,, I seitigkeit zu üben? sticht, ...„Die wahre Neugeburt der Arbeit kann nur von der Arbeit sei« a 1 ausgehen. Die Zeit ist gekommen, daß die Arbeiter selbst für sich sprech« lau'- und handeln müssen auf politischem Gebiet, wie sie es seit Langem' i(Ue J sozialer Beziehung gethan----'ichnet Z „Zu gestatten, daß der bisherige Stand der Dinge bei erweitert««? Stimmrecht fortdauert, ohne entschlossenes und ernsthaftes Bemühen � Arbeiter, Verbesserungen in unserer ivirthschaftlichen Lage durchzusetz««��' würde geradezu ein soziales und politisches Verbrechen sein. „Das wirkliche Hilfsmittel besteht darin, die Grundlaz unseres sozialen Lebens zu verändern, welche in F�- tu ben der ökonomischen Verhältnisse zwischen Arbeit und Kapital niedrige Löh« erzeugt und durch andere künstliche Mittel Höllen aus Erden schall ä, 7»' Männer durch Armuth herabwürdigt, Frauen durch Hunger ruinirt U« die nationale Jugend durch physische und geistige Verkommenheit>>. Wachsthum hindert, somit die wichtigsten Antriebe zu Lastern jeder G«l uaenipi tung bildet." ii9et er Dazu bemerkt die Londoner„Justice": km jgg, „In der That, wir müssen Bahn brechen. Selbst der Londoner � werlschaftsrath erklärt sich gegen die Kapitalisten und bedient sich d�st gj. sozialistischen Ausdrucksweise.«st m• „Wenn diese Reaktionäre sich zu regen anfangen, dann werden bal« die Steine schreien." � � — Zur Agitation für die Arbeiterschutzgesetze schrei! �' ch« man uns aus PlauenimVoigtland:«it. „Am 8. August referirte hier in einer von zirka 1500 Personen b> suchten Volksversammlung Genosse G r i l l e n b e r g e r über das Arbeite« schutzgesetz und die gegenwärtige Petitionsbewegung. Der nahezu zw« L J"' stündige Vortrag wurde mit außerordentlichem Beifall aufgenomi»« ß. � a und zum Schluß mit allen gegen einige wenige Stimmen eine Resolutic sr-, beschlossen, welche die sozialdemokratische Fraktion im Reichstage a».ij*61'! muntert, im Sinne dieses Arbeiterschutzgesetzes weiter zu arbeiten, u«()-°s die Petitionsbewegung zu unterstützen auffordert. Bereits am gleich« � Abend unterzeichneten mehrere hundert Personen die ausgelegten List«« Nach stattgehabter Versammlung fand noch ein geselliges Beisaminef fc Ur sein der Genossen statt, welches mit einem begeisterten Hoch auf"«1 Sozialdemokratie abschloß." �-- t Außer in Plauen sprach Grillenberger in der betreffenden Woche no« � M in M e e r a n e und Reichenbach, und ebenfalls mit bestem Erfol« Im Rheinland wird gleichfalls eine lebhafte Agitation entfall So sprach Genosse N e u m a n n aus Elberfeld am 26. Juli V mittags in Essen und Nachmittags in W e r d e n bei E s s e n ci':' des 5 großem Erfolg über die Arbeiterschutzgesetze. Namentlich die Versamn''' lung in Werden darf als durchschlagend betrachtet werden. �7" p darf als durchschlagend betrachtet — Sehr richtig. Im Brünner„Volksfreund" lesen wir in eine« Aufsatz über die„Pall Mall Enthüllungen" „Nein, die Armen werden so lange als Sinnesfutter für die Reich« dienen, s 0 lange sie eben arm sind, so lange die Reiches,., >r o er i «gen »litt 7°«k. -n. »lit 'n e■ "frage e l d haben, und so lange diese gräßliche lln wissen!, heil in Bezug auf alles Geschlechtliche herrscht. das überall. „Das ist die Hauptsache. Aus dem Berichte der„Pall-Mall-Gazette' �'" Kommission geht bis zur Evidenz hervor, daß die größte Ignoranz alles?'' es möglich»nacht, daß oft Mädchen von 12—14 Jahren selbst einwiN�I'«! gen, verführt zu werden, oder daß man ihnen das erste beste vorspiegelst''� kann, das sie glauben. „Und wer oder was ist an dieser Ignoranz schuld? Das ist uns.,,�. gesammte Erziehungsweise. Wir Sozialisten haben seit lay t'Ich ger Zeit— und dies im Einklang mit allen ehrlichen und freisinnig«-■" Aerzten und Physiologen— verlangt, daß das auswachsende Geschlecht sch> in der Schule mit den geschlechtlichen Verhältnissen verttaut werde. Ün dies noch aus anderen Ursachen. Wer weih nicht, daß ungefähr'/4 d« schuld. Eltern und Lehrer bemühen sich, dem Kinde alles zu verstecke« slyutv. Eitern unv Leyrer vemuyen»uy, oem«»nve aues zu verirecre--• was beitragen könnte, es alles Geschlechtliche als natürlich ansehen Z t«'61 tnffpn mnn iriffifpri ihm-»ine ialicke Srfirtm ein. inrirfit nnn pirfmll...«r lassen, man trichtert ihm eine falsche Scham ein, spricht von„Schatj, ihoiion-« nttf-rtif ihm hi» �thmkii nn�n hifl nn„»rtmif/höit«mh nhrtfi r»f rtrtiifht'h«»» theilen" anstatt ihm die Funktionen, die anatomischen und pHysiologischCV Verhältnisse dieser Theile des menschlichen Körpers zu erklären, wie mn�'1 es heute doch schon mit Lunge, Gehirn, Herz, den Sinnen u. s. w. ihn Kann es da Wunder nehmen, wenn bei dein großen Einflüsse des sin" lichen Lebens auf die Menschen jene Tartüfferie(Heuchelei) großgezogestt zk wird, wie sie unser Jahrhundert des Fortschritts so herrlich charakterisirlsy, tte Anstatt dem jungen Wesen das zu beantworten, was es am meisten n schästigt, nämlich, wo seinesgleichen herkommt, ttscht man ihm Fabel zuerst auf, und verweist ihm ipäter derarttge Fragen als„ungehörig' w Und großgeworden, empfangen natürlich die Jünglinge ihre Kenntnis st£0 von einer Seit«, die sie oft bedauern läßt, daß sie nicht früh« erestj gewußt haben, während die Mädchen, die einer verrückten Gesellschafttst � sitte halber bis zu einer gewissen Zeit vollständig abgesperrt vom ande« Geschlecht leben müssen, gewöhnlich ins eheliche Leben eintreten, ohne d« geringsten Kenntnisse über ihr Geschlecht, über Funktionen und Pflei K, lkr« Mi Jugend beiderlei Geschlechts ihre Gesundheit durch unnatürliche Last untergraben. Und daran ist wieder unsere heuchlerische Erziehungswei»>" 'v e, lud ur nbliij sla- andern 0e< gen. Wie eigenen, viel weniger erst der Zeugungswerkzeuge des un! Hechts zu haben. Und so sollen sie Kinder zeugen,-wo- uli> �le Millionen von Erdenwürmern haben unter diesen Zuständen zu >nui>j'"in, bevor sie noch den ersten Schrei ausgestoßen! Wie viele Krank- ttten werden durch diese Unkenntniß fortgepflanzt!" „Weg mit aller falschen Scham. Unterweisung anatomischen und p h y s i o l o g is ch e n V e r h ä lt> geschlechtlichen Organe von frühester n den 'Isen der >1"«» vcv x�vijwi»-... �gend auf. Offenes Sprechen über alles, was Ge- Jrch�icht und Fortpflanzung betrifft. >, � m i t a l l e"r T a r t ü f f e r i e.,. lhntt> dieses Programm allein wird, wie unstt Bruderorgan Und nochmals: Die Wahrheit allein." sehr richtig rywu Programm allem wirv, wre unier«ruoerorguu l-v- f di- �ertt. freilich nicht allen Uebelständen ein Ende schaffen, sondern dazu teK-jJttf es der radikalen Umgestaltung unserer sozialen Verhältniffe; aber ,tr<$ viel Unheil würde durch seine Beobachtung abgewendet, manches t d» w* der Prostitution und der— Syphilis entrissen werden, ganz ab- ie!- Um davon, daß die Moral gehoben würde, was auch die Gegner fm mögen. tigkei änd, füge» wir hinzu, wenn die heutige offizielle Erziehung in che- �>1 Punkte ihre Aufgabe so gröblich verkennt, so sollte wenigstens der ab«""i-lne sich durch die verkehrten Sittlichkeitsbegriffe unserer verheuchelten elöstt' nicht abhalten laffen, in seiner Sphäre nach Kräften nachzuhelfen. n W°«rn, die ihre Kinder rechtzeitig— das heißt, so bald sie bei ihnen ucke», erforderliche Verständniß voraussetzen können— in verständiger da f| I8 über das Geschlechtsleben des Menschen aufklären, erwerben sich zesetzd.�urch ein großes Verdienst um dieselben, während das Heimlich- es � gradezu ein Verbrechen genannt werden muß. Das Henkerbeil hält seinen Rundgang durch den„Intelligenz- iat s> Preußen. Seit der befrackte Krauts dem armen Halbidioten l>el den Kopf abhackte, um der Attentats-Politik des Herrn Bis- eiml* � erforderliche Blulweih- zu geben, hat das Henkerbeil keine „ilfUe„ehr. Jahr um Jahr entwickelt es eine größere Thätigkeit, und °'esem Jahr, obgleich daffelbe zu kaum zwei Dritteln vollendet ist, „ U schon mehr Hinrichtungen in Preußen stattgefunden, als in allen Diahren seit dem„tollen Jahr" 1848, das wenigstens das Gute hatte, « Todesstrafe in Mißkredit zu bringen. In den letzten acht Tagen l i lt hl iltau'3 3, wir schreiben drei,„armen Sündern" die Pforten des 0( o11 Lebens, die janua vitae, geöffnet, wie Junker Otto sich seiner- aieltk ausdrückte. Herr Krauts ist einer der Hochwürdenträger und Haupt- , ji �'dsentanten des preußischen Staats, welcher identisch ist mit dem Reich Sh, Gottesfurcht und frommen Sitte. Das Szepter der Monarchen ursprünglich ein Stock, und das griechische Wort skoptron herßt Stock, Knüppel, Prügel. Der Prügel ist mit Recht das Symbol Kruii» 1 Monarchie geworden, und da er heutzutage nicht mehr ge mgl, um - �"wankenden Respekt vor all dem Unrecht und der Rohheit, die sich der Monarchie, wie überhaupt in dem modernen Klassenstaat verkör- mir»!.'°usrecht zu erhalten, so gesellt sich naturgemäß das H e nk erberl ia>'t! i U'hwendige Ergänzung zu dem Prügel. Es ist nicht Zufall, daß '"i*' ,c«cureter der heutigen Ordnung der Dinge seit Jahren mit wahrem es m Sadismus nach dem Stock und dem Henkerbeil rufen. Sie haben das er d! Wesen der Monarchie und des modernen Klassenstaats erkannt. ts b-i a6et w der altsranzösischen Monarchie der König den Henker in M /"er unmittelbaren Begleitung hatte, und ihm sogar durch den Titel "."seigneur eine gewisse Gleichberechtigung einräumte, so sollte der 3"lerne" Kanzler, der Hort des preußischen Staats und des deutschen it fett iUs' sich Krauts zum ständigen Begleiter nehmen, denn Krauts gehört in«,*!) er ist der Vollstrecker seines Programms;— er ist der klassischste Lmi Uietscher und sein Henkerbeil das passendste Symbol der Politik, ihr Hauptträger mit den eines Krauts würdigen Worten gekenn- •itertei � hat:„Blut und Eisen." hen d« �e Löh> Ischas er .uieti!«. � Aus Sachsen. S o z i a ld e m o k r a t t s ch e r Despotrs- ''' u s soll es. nach dem„Leipziger Tageblatt" und anderen gegnerischen d r a- ättet« sein, daß die Kandidatur des Herrn Karl Eberl, Vorsitzen- ° q-J[t des V e r b a n d- s s äch s i s ch e r Berg, und Hüttenarbeiter, i-s..?lvn � Die Sache ist, daß in so " den Sozialdemokraten bekämpft wird. brecht demokratischer Weise, wie nur irgend denkbar, Genosse Stolle irt uit.' I°zialdemokratischer Kandidat für den, bisher von P u t t r i ch im deit!' vertretenen 40. sächsischen Landtagswahlkreis ausgestellt worden (SW' ch' nur hat der jetzige Inhaber des Mandats, Putlrich, der eines Ugenleidens wegen nicht mehr kandidiren kann, Stolle als seinen Nach- "ger empfohlen, sondern es hat auch ein regelrecht konstituirtes Komite ... at"} Wählern des genannten Kreises sich für Stolle erklärt. Und da soll li-b v«"ch die sozialdemokratische Partei, welche in diesem Kreis sowohl sur ' �'Reichstags- als für die Landtags wählen erwiesenermaßen ' Majorität hat, auf ihren Kandidaten verzichten,— und obendrein 'Gunsten eines Mannes, der formell die Sozialdemokratie verleugnet 7' Das ist doch wahrhaftig eine naive Zumuthuna. Und wir fragen: schrei!.'lche Partei würde unter ähnlichen Verhältnissen anders handeln? I' Nationalliberalen freilich haben wiederholt, ,. B. in Leipzig nen b' der letzten Reichstagswahl und bei einer der letzten Landtagswahlen en SZ«? lONil [oluti ge gleich! � Landkreis abgehalten wiirden,' sich, obgleich Herr Eberl in einer au» siebrigens hat Herr Ebert gar keinen Anhang, wie schon daraus er- nii I*«. daß in den beiden öffentlichen Wählerversammlungen, welche im selben anwesend war, nicht eine einzige Stimme für die Kan- stur Eberts erhoben hat. auf vis.�tont sei noch, daß die Opposition gegen die Kandidatur Eberts sich .U t gegen d e n V e r b a n d der Berg- und Hüttenarbeiter richtet, che nd daß gerade in dem Schooße dieses Verbands die Ebert'sche Kandi- Erfolg SU auf den kräftigsten Widerstand gestoßen ist. Der Verband als ntfalt« TW ist kein politischer Verein; und die Mitglieder gehen von der sehr ili Vd ch''gen Ansicht aus, daß es eine Schädigung des Verbands wäre, ......� sein Vorsitzender in den Landtag gewählt, und damit zu einer -rsam"°litis ch en Thätigkeit berufen würde. Herr Ebert suchte diesem Ein- ?vd zwar die Spitze abzubrechen, indem er erklärte, seine Kandidatur .„keine politische" sein, aber von Liebknecht in die Enge g e t r i e- neinev", mußte er zugeben, daß die Landtagsthätigkeit unzweifelhaft eine l i t i s ch e Thätigkeit sei, und ihn auch zwingen würde, Reicht' politische Partei zu ergreifen. Welche politische eich etU'i et ergreifen würde, das verschwieg Herr Ebert trotz wiederholter U e rtt, a9e wohlweislich, man kann es sich jedoch denken, wenn man in »k'siacht zieht, daß er sich nicht mehr zur Sozialdemokratie bekennen Und vor anderthalb Jahren in einer Bergarbeiterversammlung neben lazetleV 1 und Liebknecht auch den„F o r t s ch r i t t l e r" Streit und den rz alle!'"�'-Fortschrittler Ackermann hat hochleben lassen. Ver- .jnwill'Ulich würde er, wie Liebknecht ihm unter die Rase rieb, sich, wenn ipiege»! siin politisches Herz entdeckt, an die Seite des weißwestigen Zunft- i?d Tugendbolds Ackermann setzen. Und dann wäre der Verband der ■ unsel p" und Hüttenarbeiter in der Person seines Vorsitzenden doppelt seit la>"'''Ich kompromittirt. ännigckRun— man wird Herrn Ebert nicht in die Lage bringen, diese zwie- ht scho � Kompromittirung zu bewerkstelligen. Die Arbeiter des 40. Landtags- ,e. Hfl Mreise» werden schon dafür sorgen, daß er nicht in die Lage kommt; »/ pp Mitglieder des Verbands in erster Linie. ie gafrtSollte Herr Ebert an der empfangenen Lektion nicht genug haben, lgswei j sich etwa als„parteiloser Arbeiterkandidat� von den K o n s e r v a- rstecks!"« n oder Ordnungsparteilern ausstellen lassen, so würde er dadurch ehen j Asiens seine Stellung imVerband auf dasSpiel setzen, Schau■ sr könnte leicht in die Lage jenes Hundes der Fabel kommen, der na«*»* einem Stück Fleisch im Maul durch einen Bach ging, und bei dem dieses selbst fallen th<'' v. sin» eS und verlor. Aus Mitteldeutschland geht uns von einer Konferenz, auf IrtOlrt n'-WV y tl/fc(4119 i [f.?/1 15 Wahlkreise durch 26 Delegirte vertreten waren, eine Resolution ist'.."'welche Angesichts der zu Tage getretenen Meinungsverschiedenheiten �abel m't Beziehung darauf, daß eine ganz wichtige Reichetagssession be< -böria' 5'si'�- sich für unverzügliche Einberufung eines Kongresses ausspricht. nntnii � nicht wissen, od der Konferenz, die am 26. Juli tagte, die auf r ü b e �ougreßfrage bezügliche Mtttheilung in unserer Nummer vom 16. Juli lschastf�'� vorlag, so glauben wir in ihrem Sinne zu handeln, wenn wir anbei' Resolution der Parteivertretung zur Kenntnihnahme übermitteln. �Pflej Sin 33e'tta8 zur Beamten-Korruption in Deutschland. Aus einem deutschen Badeort, den wir aus bestimmtenGrün- den vorläufig nicht nennen, schreibt man uns: Unsere freundliche Badestadt besitzt in der Person ihres Polizeikom- missars— Gut lein nennen wir den Ehrenmannn— eine Persönlichkeit, welche selbst in unserem an Polizeihelden gewiß nicht armen„Rechts- staate Preußen" ein Unikum sein dürfte. Obwohl derselbe ein recht be- trächtliches Einkommen bezieht, hält er es wahrscheinlich für Standes- pflichtf alle Geschäftsleute, selbst die kleinsten nicht ausgenommen, anzu- pumpen, und da die meisten Geschäftsleute sich scheuen, dem Gewaltigen einen Kredit zu verweigern, so gehen dessen Schulden ins Unendliche. Während bei den Geschäftsleuten eine fein gekleidete, sich als seine Tochter vorstellende Dame den Pump besorgt, vollführt es bei den Wirthen der Edle selbst, und ost in solchem Maße, daß der Becher über- schäumt, und man z. B. seinerzeit Gelegenheit hatte, in der Nähe der Post den Herrn Kommissarius, welcher sich— schöne Seelen stnden sich— in Gemeinschaft mit dem Sohne des ehe- maligen Bürgermeisters sinnlos betrunken in einer Gossewälzte, dem Biehe g l ei ch p e r K a rr e n in seine Wohnung zi�transp ortir en. Wie da— der edle Herr ist auch Vertreter der Staatsanwalt- schaft— die Rechtsverhältnisse fich gestalten, ist leicht zu errathen. Wird gegen einen seiner Gläubiger Strafantrag gestellt, oder einer derselben von einem Polizisten protokollirt, so wird die Sache estv fach ad acta gelegt, d. h. vertuscht, und bietet dann willkommenen Anlaß zu neuem Pumpe. Wird ein Nichtschuldner angezeigt und be- greift er die bei Vernehmung gegebenen Winke, und sendet ein Fäßchen des so lieben Getränkes, oder sonst ein Aequivalent(selbst Schinken und Butterbrode sind willkommen), dann wird die Sache auf die einfachste Weise abgemacht, und dem Richter recht viele Mühe erspart. Deshalb stehen auch Lebensmittel- und insbesondere Wein- Verfälschungen in keiner Stadt in solcher Blüthe als eben hier. Diese an Begüterten verübten Nachsichtigkeiten müssen die Proletarier(und gegen diese entwickelt er eine recht große Bruta- lität) doppelt büßen. Hat nun der schneidige Staatsanwalt solch einen Proletarier dem„Gesetze" überliefert, so erwarten denselben bei Ab- büßung einer allfälligen Strafe noch die schönsten Ueberraschungen. Die Verwaltung des Arresthauses, eine wahre Äusteranstalt, wird, da der Verwalter selbst den Posten eines Ausläufers der Reichsbank bekleidet, von der Frau desfelben oersehen, und diese, ein richtiger Kasernendragoner, welche mit dem Herrn Kommissarius auf sehr intimem Fuße steht, benutzt diese Bekanntichaft dazu, sich rasch auf Kosten der Verpflegung der Arrestanten ein Vermögen zu erwerben, und gibt, damit ihr Handel mit Kaffee, Bier tc. noch einträglicher werde, ein Essen, das selbst ein Hund nicht genießen kann. Und wie sittlich erhebend ist es doch, wenn eineFrau einen männlichen Arrestanten bis aufs Hemd visitirt! Doch nun zur schönsten Seite des Bildes. Da alle die erwähnten Manöver immer noch nicht ausreichten, die Bedürfnisse ces edlen Staats- anwaltes zu befriedigen, und in Kreuznach, als einem Badeort, viele reiche Herren verkehren, so fiel der würdige Beamte auf die Idee, den „ H u r e n m a k l e r" zu machen, und erfreut sich dieses edle Geschäst auch der größten Blüthe. Da der Vertreter des Staates bekanntlich ja die Listen der Prostituirten in Händen hat, so ist es demselben ein Leiche tes, jener„Creme" der menschlichen Gesellschaft die gewünschte„Waare" zu besorgen, und so hat sogar einer seiner früheren Po- lizisten(derselbe hat sich damit ein Vermögen erworben) förmliche Reisen zur Herbeischaffung guter Waare unternom- m e n. Man wird nun fragen, warum nicht seitens der Bürger solchem Unfuge entgegengetreten wird. Aber damit hat es auch seine guten Gründe. Wohl sind dem Patron in letzter Zeit, Dank dem energischen Austreten des neuen Bürgermeisters, die Flügel etwas beschnitten wor- den, aber der Einfluß seiner„Bekannten" scheint eben weiter zu reichen als die Macht eines kommunalen Bürgermeisters. Denn obwohl des Kom- missars edles Wirken in ganz Kreuznach offenes Geheimaiß ist, scheint man höheren Ortes gar nichts merken zu wollen, oder, uno das ist ja auch möglich, dasselbe gar— vortrefflich zu finden. Ist doch ein ehe- maliger Berliner Polizeipräsident ihm mit gutem Beispiele vorangegangen und in richtiger Würdigung der Verdienste jetzt Regierungspräsident von Nassau! — D i e Reibereien, zu welchen die Berliner Stadtver- ordnetenwahlen Anlaß gegeben haben, werden von den gegne- rischen Blättern natürlich dazu benutzt, die Mythe von den„Spaltungen innerhalb der Sozialdemokratie" weiter zu kolportiren. Wir wollen hier blos bemerken, daß die Sozialdemokratie mit diesen Reibungen gar nichts zu thun hat, und daß auch bei der Agilation für d i e l e tz t e n Ber- liner Stadtverordnetenwahlen genaudieselbenErscheinungen zu Tage getreten sind. Damals kam es zu so unliebsamen Vor- kommnissen, daß in parteigenössischen Kreisen ganz ernsthaste Zweifel geäußert wurden, ob die Belheiligung an den Stadtverordnetenwahlen überhaupt zweckmäßig sei. Den Zweiflern wurde entgegen- gehalten, daß unter der Herrschaft des Belagerungszustandes und bei den korrumpirenden Einflüssen, die speziell in Berlin sich geltend machen, das Auftreten unsicherer Kantonisten nicht verhindert werden könne, daß aber der gesunde demokratische Sinn der Berliner Arbeiter über die korrumpirenden Einflüsse und die zweifelhaften Elemente unfehlbar Herr werden würde. So ist es denn auch gekommen. Heute wird Niemand mehr den Nutzen der vorigen Stadtverordneten-Wahlbewegung bestreiten. Uno diesmal wird es geradeso gehen. Wir oertrauen auf den Takt, die Intelligenz und das Klassenbewußtsein der Berliner Arbeitermassen. — Eine Enquete, von der Niemand nichts weiß, so kann man die auf Befehl des braven Otto bezüglich der Sonntags- arbeit in Szene gesetzte„Untersuchung" mit Fug und Recht nennen. Die Landräthe und Amtshauptleute, sowie Handels- und Gewerbekammern haben Ordre erhalten, über die Frage der Sonntagsarbeit Bericht an die verschiedenen Regierungen zu erstatten. Bis zum 15. oder 16. d.M. soll die„Enquete"— denn so nennt sich das Ding— beendet sein. Was die Herren Landräthe und Amtshauptleute und die Sekretäre der Handels- und Gewerbekammern, d.h. die Vertreter des Polizei- st a a t s und der Bourgeoisie, über die Frage der Sonntagsarbeit zu sagen haben, das wissen wir im Voraus; und der brave Otto hätte sich die Anfrage ersparen können. Wenn man Komödie spielen will, soll man sie wenigstens nicht so plump spielen. — Lokale Moral.„Der Jungferntribut des modernen Babylon" — wir meinen die betreffende Schrift— ist ins Deutsche übersetzt worden. Was es mit den Artikeln und Enthüllungen der„Pall Mall Gazette" auf sich hat, das haben wir beretts früher gesagt. Genug. Die deutsche Polizei faßte die Sache vom Standpunkte der Moral auf. Nun fragte es sich aber für sie, welcher Moral? Und je nach den verschiedenen Orten fiel die Antwort verschieden aus. In Leipzig, München und anderen Orten erheischte die Moral die Verbreitung der„Pall Mall Gazette"-Artikel; in Nürnberg und Berlin ver- bot die Moral sie; und im Namen der Moral wurde das Verbot, nebst obligater Konfiskation durch die Polizei, als der verkörperten Moral, ausgesprochen und durchgeführt. Also lokale Moral. Was nun die„Pall Mall Gazette"- Artikel anlangt, so hat sich jetzt herausgestellt,— was jeder mit den Verhältniffe» und englischen Zu- ständen Vertraute von vornherein erwartet hatte: nämlich daß das Ganze nur ein R e k l a m e s ch w i n d e I ohne jeglichen ernsten Zweck war. Das heißt, ihr einziger Zweck war, für das wegen seiner offenkun- digen Beziehungen zur ruffischen Regierung in Mißkredit stehende Blatt Leser zu schaffen und für die Heilsarmee Reklame zu machen. Die Sorge für das Zustandekommen des den Handel mit Minderjährigen verbietenden Gesetzes lieferte nur den bequemen V o r w a n d. Daß man den hohen Herrschaften nicht ernsthaft an den Kragen will, wird, nach- dem der Zweck des„Puff" erreicht, jetzt offen eingestanden. In der Einladung zur Hydepark-Demonstration heißt es z. B.: „Wir laden Euch nicht nach Hydepark ein, um gegen die müssig- gängerischen Reichen zu demonstriren, noch streben wir irgendwie Klasse gegen Klasse zu hetzen." Nun, wenn der Handel mit jungem Menschenfleisch so schwunghaft betrieben werden konnte, ist nicht gerade die Existenz einer in allen Genüssen überreizten Klasse von reichen Müssiggängern auf der einen Seite und einer im äußersten Elend dahinvegetirenden Klasse von Proletariern, die, um nur leben zu können, sich und ihre Kinder verkaufen müssen, auf der anderen Seite die ursächliche Voraussetzung dieses Handels? Die Herren wollen aber um keinen Preis die Wurzel des Nebels anpacken. Man mußte wirklich auch sehr naiv sein, um von der bürgerlichen Gesellschaft zu glauben, sie sei einer wirklichen Sittlichkeit und eines ernst- haften Feldzugs gegen die höhere und niedere, offene und geheime, direkte und indirekte Prostitution fähig. r. Nieder mit Ferry-TonkinI Das ist der Ruf, mit dem Ferry auf seiner verunglückten Rundreise empfangen, und über seine „Kolonialpolitik" vom französischen Volke der Stab gebrochen worden ist. Hoffentlich kommt bald die Zeit, wo auch das deutsche Volk über die Urheber und Macher der„Kolonialpolitik" den Stab brechen und den Bismarck-K a m e r u n auspfeifen wird. Besser als das Auspfeifen wäre freilich, ihn nach Kamerun zu schicken. — Ein Berliner Reptilienblatt nennt Bismarck den zweiten Christus. Er verdient es ebensogut, wie sein Günstling und Spießgeselle Stöcker den Beinamen:„Der zweite Luther", womit wir weder für den ersten Christus, noch für den ersten Luther eine Schmeichelei gesagt haben wollen. — Belgien. Am 16. und 17. August fand in Antwerpen ein allgemeiner Kongreß unserer belgischen Genossen statt behufs Kon- stituirung der sozialistischen Arbeiterpartei Belgien«. Es waren, wie wir dem Bericht des„National Beige" entnehmen, 110 Delegirte anwesend, die 68 Organisationen vertraten. Außerdem wohnten dem Kon- greß Genosse Domela Nieuwenhuis, als Vertreter der holländi- schen Sozialdemokratie, und Herr S. H e a d i n g l e y, als Vertreter der englischen Sozialdemokratischen Federation. bei. Der Geist des Kon- gresses, auf dessen Verhandlungen wir noch zurückkommen werden, war ein vortrefflicher. — England. Im Laufe der letzten Wochen haben die beiden sozia- listischen Organisationen, die„sozialistische Liga" und die„sozialdemo- kratische Federation", ihre Jahresversammlung abgehalten. Aus den Berichten, welche die Organe derselben,„Commonwal" und „Justice", veröffentlichen, geht hervor, daß wenn auch die erlangte Mit- gliederzahl den rastlosen Bemühungen nicht entspricht, die englischen So- zialisten doch die Genugthuung haben, daß die öffentliche Meinung sich immer mehr mit den sozialistischen Lehren beschäftigt und daß weite Kreise bereits vom sozialistischen Gift infizirt sind. Im Uebrigen beschäftigten sich beide Versammlungen mit der Erledi- gung innerer Angelegenheiten(Revision der Statuten, Neuwahl der Komites ,c.), di« für Fernerstehende von geringem Interesse sind. An- zuerkennen ist, daß nachdem einmal die Spaltung vollzogen ist, jede der beiden Gruppen in ihrer Art sür die Propaganda des Sozialismus zu wirken sucht, sich aber jeder Angriffe auf die andere, wenigstens der Oeffentlichkeit gegenüber, enthält. In den bevorstehenden Wahlkampf einzutreten, sind beide Organisa- tionen noch zu schwach, dagegen werden sie denselben benutzen, um, wo es nur möglich ist, die sozialistischen Forderungen zu entwickeln und die Unwirksamkeit der von den bürgerlichen Parteien befü warteten„Re- formen" nachzuweisen. Es ist ein schwieriges Ding, in einem Lande wie England, wo die Traditionen der alten politischen Parteien noch so fest im Volke wurzeln, Boden für eine neue Partei zu gewinnen, es braucht viel Arbeit und Geduld dazu, weit mehr als auf dem verhältnißmäßig jungfräulichen Boden Deutschlands; indeh, unsere englischen Genossen haben durch ihr bisheriges Wirken bereits gezeigt, daß sie vor keiner Anstrengung zurück- weichen, sich durch keine zeitweiligen Mißerfolge abschrecken lassen werden, das begonnene Werk fortzusetzen. Und der Sieg muß ihnen werden, denn sie haben auf ihrer Seite einen mächtigen, unüberwindlichen Mit- streiter: die Logik der Thatsachen. Was diese zu bewirken vermag, zeigt die Antwort der Londoner Gewerkvereinler an das Komite der Hyde-Park-Demonstration. Diese ist ein Erfolg der sozialistischen Agitation. Korrespondenzen. Hemer, in Westfalen, 8. Aug.(Politisch-Soziales aus dem P r o v i n z i a l l e b e n.) Bevor ich den Genossen mittheile, wie einige Gernegroße hier der Hydra Sozialismus das Haupt abzuschlagen ver- suchen, will ich den Ort selbst ein wenig skizziren. Hemer hat 3000 Ein- wohner, liegt ausgedehnt an einer Bachstraße, und theilt sich in Ober- und Nieder-Hemer; zirka acht Schornsteinbarone lassen den Arbeitern das Nothdürstigste zum Lebensunterhalt zukommen; die kurzen Feier- stunden, wenn man's so nennen darf, werden zur Bebauung des Feldes verwendet, da der Durchschnittslohn nur an 2 M. reicht und Miethen und Kolonialwaaren sehr hoch sind. Die Bevölkerung ist je zur Hälfte katholisch und evangelisch mit je einer Kirche und einem„Seelsorger". Außer den Volksschulen gibt es hier eine Rektorats- und Töchterschule. Ferner besitzt Heiner 3 konfessionelle Kirchhöfe, 3 Gesangvereine, einen Turnverein, eine Feuerwehr und einen Krieger- und Landwehrverein. In diesem kastengeistigen Ort nun wohnt ein Manusakturist Cordes, zu welchem vor zwei Jahren Zuschneider Joh. Fischer in Kondition trat. Fischer ist Sozialist und Atheist, was den Buchstaben Christen selbstver- ständlich ein Grausen verursachte; lehrt doch die katholische Kirche:„Wer die Kirche nicht hört, den haltet sür einen Heiden und öffentlichen Sün- der." Nachdem einige Dorfgrößen vergeblich versucht hatten, dem Fischer eine gegentheilige Ueberzeugung beizubringen, versuchte in seiner Woh- nung der katholische Pastor Degenhard in I'/.stündigem Disput das- selbe; aber auch dessen Weisheit scheiterte an Fischers festem Charakter. Wenn Fischer sich großen Anhang verschafft hat, was man so sehr fürch- tet, so ist das nicht zu verwundern, äußerte doch der Pastor selbst zu Eingang des Disputs:„Ich habe von Ihnen gehört, daß Sie ein flei- ßiger, nüchterner, solider Mann sind, so daß ich wohl sagen kann, es gibt unter hundert nicht einen wie Sie; zu was nun führenSie einen solch moralischen Lebenswandel? Ich würde an Ihrer Stelle, da Sie als Atheist weder ewige Belohnung noch Strafe zu fürchten haben, es nehmen, wo ichs kriegen könnte, und so ganz meinen physischen Gelüsten freien Lauf lassen!" worauf ihm Fischer antwortete, er strebe als Atheist nach möglichster Vollkommenheit, um so den Menschenzweck zu erreichen. Obgleich nun Fischer moralisch unantastbar ist, auch der Behörde keine Gelegenheit zum Einschreiten gegen ihn geboten wird, so ist doch sein Ruin beschlossen. Den Reigen hat der Pastor eröffnet, welcher, Cordes rechte Hand, den Gläubigen befiehlt, bei keinem Juden noch Andersgläu- bigen, sondern bei Cordes zu kaufen, zu den Eheleuten Cordes aber äußerte: „Sie versündigen sich, wenn Sie länger einen solchen Menschen im Hause dulden." Dem Fischer wurde also, wie beigefügtes Reserat der hiesigen fortschrittlichen„Wichelhosener Zeitung" besagt, gekündigt. Fischer konnte nun als Mitglied eines Gesangvereins dem Cordes etwas Konkurrenz machen, doch da legte sich schleunigst Cordes' sehr naher Freund, Kommis Wilh. Hamer, ins Zeug, beeinflußte durch seinen Bruder Rob. Hamer einige abhängige LampeS(?», und plötzlich brachte diese Klique einen Antrag, unterstützt durch passive Mitglieder, ein, den Fischer auS- zuballotiren. Fischer beantragte Generalversammlung oder doch minde- stens zahlreichere Gesangstunde. Umsonst; es wäre ja dann der Zweck nicht erreicht worden. Antragsteller wurden nicht genannt, worauf Fischer mit Recht fragte:„Stehen wir denn vor einem Vehmgericht? Legen Sie das Vereinsstatut vor, zeigen Sie mir, ob ich mich gegen dasselbe ver- stoßen, oder überhaupt der geringsten unmoralischen Handlung schuldig gemacht habe." In die Enge getrieben, brachte Kassierer Rob. Hamer vor: „Wenn der Verein diesen Herbst Fahnenweihe feiert, so bleiben die Bürger aus, und wir verdienen nichts;" worauf Fischer sagte:„Also der Gesangverein wird zu einem Aktienunternehmen degradirt, das Di- videnden zur Ansammlung eines zwecklosen Fonds abwerfen soll?" Da endlich kam der schwerwiegende Grund ans Tageslicht:„Sie haben einen jungen Mann von 18 Jahren verführt"— sollte heißen: in den Lehren des Atheismus und Sozialismus unterrichtet. Ueber diesen jungen Mann ist nämlich Konunis Hamer Vormund, und hat ihm auch verboten, die Wohnung des Fischer zu besuchen. Nachdem Fischer unter anderm dem Kassierer Hamer das Wort P o l i z e i s p i o n zugerufen, welches dieser sich ruhig gefallen ließ, und kurz den SozialiS- mus skizzirt, sowie auch das Unverantwortliche des Antrages kiitistrt hatte, drang die Auüballotage mit einerStimmeMehrheit durch. Die Mißstimmung über diesen Gewaltakt äußert sich durch den starken Austritt der Mitglieder. Nun kam der zweite Akt: Fischers Wohnungswechsel. Fischer wollte von vier ihm zur Versügung stehenden Wohnungen die sicherste wählen, und miethete sich bei dem unabhängigen I. Oppenheimer ein. Am dritten Tage jedoch wurde ihm die Wohnung schriftlich auf ein Vierteljahr gekündigt. Unverzagt wird Fischer nach Ablauf dieser Frist verziehen, mit der Ueberzeugung, daß er für die erlittenen Unbilden die Genugthuung hat, daß sowohl der Sozialismus wie der Atheismus hier festen Boden gefaßt. Es wurden aus dem Turnverein ausgeschlossen drei Sozialisten, ferner von ihren Prinzipalen aus der Arbeit entlassen je ein Schlosser, Schneider und Anstreicher. Nun wollen wir zur Kennzeichnung der bereits genannten Gesellschafts- retter schreiten und ihnen den Spiegel vorhalten. Der Pastor Degenhard predigte am l2. Juli nicht von Bruder- oder Nächstenliebe, sondern kanzelte:„Meidet den Umgang mit den Sozial- demokraten, grüßt sie nicht, wenn sie Euch begegnen!" Diese Worte haben bei einigen Strohköpfen schon gewirkt. Am 26. Juli goß derselbe Degenhard den vollen Becher des Grimmes über die sozialistische Hydra unter folgender Kapuzinade: Text: Hütet Euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern u. s. w.: „Hütet Euch nicht allein vor den falschen Propheten, sondern auch vor falschen Schriften, Broschüren und falschen Blättern. Leider sind in unserer Gemeinde mehrere junge Leute davon verführt worden. Die Sozialisten sind schreckliche Menschen, die wollen keinen Gott, keine Re- ligion, keine Kirche. Die wollen eine Republik. Die wollen die Lage der Arbeiter bessern. Geben wir das zu, aber aus diesem Wege geht es nicht. Wir wollen warten, bis Gott uns hilft. Denn wie die es vorhaben, ist's ein Unding, ein Unsinn. Das Symbol der Sozialdemokraten ist die rothe Fahne, rothe Bänder, Shlipse, Federn und rothe Tücher; ich glaube, es bedeutet dieses Blut. Meidet die Schriften und besonders den Umgang; mit ihrer Ehre ist nichts mehr, an ihren Früch- ten werdet ihr sie erkennen!" Hieraus wurden durch die„Wichelhoven'sche Zeitung", unterschrieben: Mehrere Sozialdemokraten, und unter der Ueberschrift„Nach Hemer" dem Pastor Degenhard die§§ 180 und 130a vor Augen geführt, was hier sehr einschlug. Auch äußerte ein Kirchenvorstandsmitglied:„Das wird doch zu arg! Ich habe auch rothe Taschentücher, die sollte ich wohl dann dem Pastor zu Gefallen abschaffen müssen?!" Fischer wird wohl von gutsituirten Bürgern durch Arbeit unterstützt, indeß es sind Leute, die keine Wohnungen vermiethen können. Wie viele aber von denen, welche mit Vermiethen von Wohnungen sich befassen, sind unabhängig! Ja, Ihr Buchstaben-Christen, lebten wir in der„guten, alten Zeit", Fischer würde verbrannt, und Ihr schlepptet zur Vergebung Eurer Sün- den und zur größern Ehre Gottes, wie jener simple Bauer bei der Ver- brennung des würdigen Hnß, Holz dazu heran. Wie wahr sind die Worte Seumes:„Wo sich Despot und Pfaff die Hände reichen, da klagt der Freiheit Göttin neben Leichen!" Doch weiter. 1. Der Pastor Degenhard äußerte einst in einer Kirchenvorstands- Versammlung:„Ich kam in eine Arbeiterwohnung und fand da Butter und Weißbrod auf dem Tische. So kommt es, daß die Arbeiter mit ihrem Lohn nicht auskommen. Ich esse auch nur Schwarzbrod." Wor- auf ihm ein Fabrikmeister unter Anderm antwortete:„Sie und ich, Herr Pastor, können davon leben, weil wir leichte Beschästigung haben, aber die Arbeiter bei harter Arbeit nicht," so daß dem Seelenhirten doch die Schamröthe ins Gesicht stieg. 2. Kuppelte derselbe Degenhard an ein nichtswürdiges Subjekt, um dasselbe zu„beffern", ein ordentliches Mädchen, und machte somit Frau und Kinder unglücklich. 3. Gab Degenhard einem Arbeiter, welcher sich unterstand, eine Jüdin zu ehelichen, nachdem von ihm vergebens gefordert wurde, er solle die Jüdin der alleinseligmachenden Kirche zuführen, damit er Seelenruhe habe, folgenden Abschied bei Ueberreichung seiner Hand:„Adieu, N. N., es gehe Ihne» gut, und wenns Ihnen gut geht, so werde ich dafür sorgen, daß es Ihnen schlecht geht!" 4. Bewog Degenhard eine katholische Familie, ihre Schuhe von einem evangelischen Meister fortzuholen, was zur Folge hatte, daß, als der Lederhändler und Bruder des Pastors Geschäfte mit dem evangelischen Meister wachen wollte, derselbe erklärte:„Verkaufen Sie Ihr Leder an die katholischen Meister." 5. Rieth Degenhard der katholischen Frau einer Mischehe, damit die Kinder doch ja katholisch würden:„Machen Sie doch mal denselben Ver- such, welchen schon einmal jene Frau mit Erfolg anwandte:„Sagen Sie Ihrem Mann, Sie schnitten Ihren Kindern und sich selb st denHals ab, wenn erJhnen nicht dieKinder folgen lasse!" Vom Verlündiger der christlichen Liebe zum frommen Musterbürger Cordes. Bei Cordes wohnte im Frühjahr nnt seiner Familie der Kommis Hamer, Präses des Kriegervereins. Eines Abends wurde das Haus von der Gartenseite mit großen Steinen bombardirt, so daß Polizei requirirt werden muhte. Thäter wurden nicht ermittelt. Beide Familien wußten vielleicht, warum. Cordes war ungefähr ein halbes Jahr vorher bei einer jungen Arbeiterfran von dem Ehemann überrascht worden und in den Kleiderschrank geflüchtet, aber ohne Erfolg. Er mag dann die Leute ab- gefunden haben, denn er forderte unter hundert Mark Belohnung auf, ihm den Thäter zu nennen, aber diese Affäre ist hier offenes Geheim- niß. So mußte sich Cordes, der ziemlich rothhaarig ist, einmal im Wirths- Hause sagen lassen:«Weiß der Teufel, wenn der Fuchs nicht anders bleiben kann, flüchtet er in einen Kleiderschrank." Eines Abends wurde die Frau Cordes in zärtlicher Umarmung mit Kommis Hamer überrascht. Ein andermal ließ, in Abwesenheit des Cordes, deffen Frau den Kommis Hamer mit der Weisung rufen, daß es aber des Letzteren Frau nicht erführe; er, Hamer, möge zu ihr kommen, es wären Kirchenbriefe va zu lesen. Hamer war pünktlich. Er ist im Kirchenvorstand, und, feit er gewählt, wieder Kirchenbesucher. So wird von diesen Buchstaben-Christen das sechste Gebot illustrirt! Den armen Eltern der Gebrüder Hamer wurden im vorigen Jahre ihre Feldfrüchte öffentlich versteigert. Warum schweift Ihr mit Eurer Gesellschastsrettung in die Ferne, wo das Gute so nahe lag? Hättet Ihr den armen Eltern nicht den großen Kummer ersparen können? Der im Examen durchgefallene jetzige Kommis Ebbenhaus bot einem Anstreicher für Ablegung seines rothen Shlipsss 10 Mark(die bekannte Furcht der Gehörnten vor dem Roth). Ebbinghaus sollte doch lieber sich für die 10 Mark ein paar Hörner kaufen, damit nächstes Jahr auf Kirmeß ehrbare Damen denselben schon von weitem wittern, ehe sie von ihm angerempelt werden.— öapiemti sat! Ich schließe mit den Worten Fausts, in welchen er das höchstm öglichste Glück als der Weisheit letzten Schluß preist: Nur der verdient die Frei- heit wie wie das Leben, der täglich sie erobern muß. Der rothe Vorposten. München, 5. August. Die tobte Saison, in welcher die privilegirten Nichtsthuer die süße Gewohnheit des Faullenzens außerhalb der Residenz zu kultiviren pflegen, ist gekommen, und für den Arbeiter, der so sehr der Erholung bedürftig ist, bleibt nichts übrig, als rastlos sich abzu- rackern oder, wenn er arbeitslos, den Hungersport kunstgerecht zu be- treiben. Was die öffentlichen Angelegenheiten betrifft, so haben die Mllnchener Arbeiter energisch die Agitation für den Arbeiterschutzgesetz- e n t w u r f in die Hand genommen. Es haben bereits drei Versamm- lungen stattgefunden, einmal hat„Meineidsmichel" das Lokal abgetrieben. Nützt aber nichts, die Petition wird massenhaft unterschrieben; ja, auch die Frauen legen ein lebhaftes Interesse für dieselbe an den Tag. Von welchem Gesichtspunkt aus die Büitel der Bourgeoisie, die Polizeikal- mücken, diese Petitionsbewegung betrachten, geht aus der Thatsache her- vor, daß am 3. August, als im„Kolosseum" eine Versammlung statt- fand, Militär in Bereitschaft stand, abgesehen von den stets zum Eingreifen bereiten Mamelucken der Weinstraße. Nun gibt es keine ruhi- geren und würdigeren Versammlungen wie diejenigen der Arbeiter. Die Herren Polizeipaschas müssen aber, um lebensfähig zu bleiben, ihre „Nothwendigkeit" beständig durch künstlich erzeugte Furcht vor„Aus- schreitungen der Sozialdemokratie" und durch lächerliche Vorsichtsmaß- regeln dokumentiren. Die Diebe in der Residenz und in der Hauptpost sind bis heute noch nicht entdeckt; dieselben sollen freilich auch sehr hoch oben zu suchen sein. Uebrigens hat ein offizieller Polizeispitzel, der Offiziant Weiß, die Petition unterschrieben, d. h. als„Handschuhmacher Mayer, Neuhauserstraße 15/1". Er trieb sich während der letzten Versammlung im„Koloffeum" in Zivil herum, wurde natürlich sofort erkannt und um seine Unterschrift gebeten. War er doch als„Gevatter Handschuh- macher" erschienen! Daß die Polizei so bornirt ist und glaubt, wir kennten unsere Pappenheimer nicht! Was sagen Sie dazu, Herr von Pechmann, daß ein„Geheimer" für den sozialdemokratischen Entwurf eintritt? Woane möcht' mer, woane! Genoffe Drechslermeister S ch e r e r ist, Dank der, mit bekannter Meisterschaft geschworenen Meineide der Spießgesellen Gehret, Auer und Fortenbach, wegen„Verbreitung" w. zu 3 Monaten verurtheilt worden. Der Amtseid ist dazu da, falsch geschworen zu werden. Durch solche Verdikte macht die Münchener Rechtsgelahrtheit nur Propaganda für die Sozialdemokratie. Wir bleiben, was wir waren, und werden sein, was wir sind.„Und wenn die Welt voll Teufel wär'!" Daß die Polizei feine Unterschiede zu machen weiß, wenn sie will, darüber belehrt uns der Fall des Fähnrichs von Leonrodt. Dieser Sprößling der„oberen Zehntausend", Neffe des Landgerichtsdirektors Leonrodt, eines der perfidesten Sozialistentödter, Sohn des Generals von Leonrodt, zerschlug eines Nachts eine Gaslaterne, wurde von einem Gensdarmen ertappt und pflichtgemäß angezeigt. Aber der Hauptmann der Gensdarmerie-Stadtkompagnie, Herr L u f f t, ein Luftikus, der die Staatsgelder nach Tausenden unterschlägt, seine Beamten bestiehlt und München sogar für die hartgesottenen Gensdarmen zur Hölle gemacht hat, unterschlug, um in der Uebung zu bleiben und geleitet vom feinsten Klaffen- instinkt, die Anzeige. Der Laternenanzünder, ein jämmerlich bezahlter Proletarier, hat der Gasgesellschaft die Laternenscheiben bezahlen müssen, da derselbe, falls der Thäter nicht erwischt wird, sür die Beschädigungen in seinem Revier haftbar ist. Ist das nicht schön, beweist das nicht, wie gut Alles eingerichtet ist für— flegelhafte Osfiziersembryone, spitzbübische Gensdarmeriekapitäne und andere edle Gewächse auf dem Mistbeete der bürgerlichen Ge- sellschast? Die Enthüllungen der„Pall Mall Gazette" haben hier viel Augen- verdrehen hervorgerufen. Bei uns ist's aber ebenso schlimm. Ein Fall für viele: Die achtjährige, sehr entwickelte, hübsche Tochter eines höheren Ge- richtsbeamten ist bis vor zwei Wochen etwa am Bavariakeller tagtäglich mit einem Obersten a. D. zusammengetroffen. Der zehnjährige Bruder des kleinen Mädchens, der seine Schwester begleitete, wurde nach dem Bavariakeller geschickt und konnte nach Herzenslust dort essen und trinken, während der alte Wüstling das Mädchen im Bavariapark g e s ch l e ch t- lich mißbrauchte. Die Kleine ist von dem Schurken durch Kon- fett, Geldgeschenke u. s. w. verlockt worden. Die Eltern haben keine Ahnung davon, daß ihr Kind so zu Grunde gerichtet wird. Unsere Geheim- kommiffion ist dadurch dahinter gekommen, daß eines Tages die Kleine dem Dienstmädchen;@elb schenkte und dabei unbefangen berichtete, der „alte Herr" habe es ihr gegeben. Wie korrumpirt die Kleine ist, zeigt der Umstand, daß sie eines Abends zu ihrem Bruder sich äußerte: „Komm', leg' dich zu mir und mache es mit mir so, wie der Herr im Bavariapark!" Vielleicht werden diese Mittheilungen die Eltern des Kindes aufmerk- sam machen. Was wir berichtet, ist von Anfang bis zu Ende wahr, und wir können im Nothfall mit Namen dienen. Ein treffliches Stückchen hat auch„unser W e st e r m a y e r", der ultramontane Durchfallskandidat für München II, geliefert. Toni hat bekanntlich eine große Schwäche für das schönere Geschlecht. Kommt da eines Morgens in seine Wohnung eine der alten Berufsbettlerinnen, klingelt und bemerkt, daß erst nach einigem Zögern die Köchin aus einem Zimmer, in dem der biedere Pfarrer von St. Peter rumorte, herauskam und den ungelegenen Besuch abfertigte. Die Bettlerin, ein spekulativer Kopf, geht am anderen Morgen in die Sakristei zum Wester- mayer und erklärt ihm, seine Köchin habe ihr gestanden, daß Toni mit ihr gestern der„heimlichen Minne gespielt" habe; wenn der fromme Herr nicht sofort fünfzig Mark zahle, so werde sie die Geschichte an die Oeffentlichkeit bringen. Toni leugnet zuerst, ist aber sehr perplex und — zahlt!! Die Alte aber erhält jetzt bei jedem Besuch eine blanke Reichsmark. Was sagen die frommen Münchener Gypsköpfe zu ihrem keuschen Kandidaten? Das Gelübde der Keuschheit ist gleichfalls dazu da, nicht gehalten zu werden. Toni, warum hast Du mir das gelhan? Also das Schnadahüpfl, das nach der Wahl hier überall gesungen wurde: „Susi, Moni, Walli, Geliebt Hab' ich sie alli; Susi, Wall:, Moni, I bin der g'scheidte Toni; Moni, Walli, Susi, So Wollmar, jetzt lieb' Du sie!" — dies schöne G'stanzerl hat nicht Recht behalten. Der galante Pfarrer hat noch nicht den Freuden der stillen Lieb«, von der kein Anderer etwas wissen darf, entsagt, und„Susi, Rioni, Walli" müssen ihn über den Sturz aus den Parlamentshimmel trösten. Wir wünschen ihm gute Verrichtung und widmen ihm folgende Doppelstrophe: „Der Pfarra von St. Peter Js sakrisch gewitzt, Weil er nit blos zum Kochen Die Köchin benützt." „Der Pfarra von St. Peter Woaß g'nau, wie man's macht, Er predigt am Tage Und geht fensterl'n zur Nacht." Für heute schließen wir die Galerie unserer Münchener Ordnungs- Helden. Fortsetzung folgt. Was die bekannte und auch in der deutschen Presse viel ventilirte Angelegenheit der Erklärung der Münchener Genossen be- trifft, so sind dieselben jetzt damit einverstanden, daß jene ad acta gelegt wird. Wir hoffen, daß der Friede ein dauernder sein, und daß das Solidaritätsbewußtsein uns zun: Siege führen wird; daß im Parlament die schärfere Tonart gehört werden wird, dafür werden die Arbeitervertreter gewiß sorgen. Die Hanauer Genossen haben darin auch unsere Meinung zun: Ausdruck gebracht, wenn sie(vergl. Nr. 23 des„Soz.") die Regelung eventuell noch obwaltender Differenzen dem Parteikongreß vorbehalten wissen wollen. Bogenschütze. München, 12. August. Im Auftrage der Münchener Genossen habe ich Folgendes mitzutheilen: In einer am 8. August stattgehabten öffentlichen Schreiner- Versammlung ergriff in der Diskussion auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für Leipzig Land, Louis Viereck, das Wort. Derselbe äußerte sich etwa dahin:„Er sei zwar kein Arbeiter, doch glaube er hier mitsprechen zu können, da er von 1 5, 0 00 Arbeitern in Leipzig Land gewählt worden sei. Er halte den Zeitpunkt für gekommen, wo die Arbeiter aus ihrem Schlaf aufwachen und sie den Platz einnehmen, der ihnen gebühre. Er glaubt, daß, so sehr er mit den Ausführungen des Referenten einverstanden sei, es mit der Selbsthülfe allein nicht gehe, sondern auch der Staat helfend eingreifen müsse. Die Gesetzgebung müsse deshalb zu Gunsten der Arbeiter abgeändert werden, welche nur solche Vertreter wählen sollen, die versprechen, dem Arbeiterschutz ihr Augenmerk zuzuwenden. Die Fachvereine seien eine unent- behrliche Waffe zum Kampfe der Arbeiter gegen das Kapital; es gelte deshalb dahin zu streben, daß die Gesetze abgeändert und Maximal- arbeitstag und Arbeiterkammern eingeführt werden. Die jetzige Regie- rung habe zwar noch wenig gethan zur Verbesserung der Lage der Ar- beiter. Redner ist aber fest überzeugt, wenn der deutsche Kaiser wüßte, wie schlecht es demArbeiter geht, erviel mehr für diesen thun würde, als bis jetzt geschehen. Denn Jeder, der ein Herz in der Brust habe, müßte Mitgefühl haben mit der Roth der arbeitenden Klaffen." Viereck hat ausdrücklich im Eingang seiner Rede seine Vertrozuens- stellung als parlamentarischer Mandatar der Leipziger Sozialdemokratie betont und damit sein Auftreten begründet. Um so energischer müssen wir gegen die Auffassung Vierecks Front machen, die darin gipfelt, dem Kaiser Wilhelm ein besonderes Quantum latenter Güte und Herzens- Neigung für die Arbeiter zuzutrauen. Wir protestiren dagegen, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter, daß ein d e m o k r a t i s ch e r Sozialist von der Rednertribüne herab sich zu derartigen Aeußerungen versteigt. Wir sind eine antimonarchische, eine republikanische wir bekämpfen das monarchische Prinzip aufs Entschiedenste, und mc uns dagegen verwahren, daß mit dem Popanz auf dem Throne ein'■ fug getrieben wird, der Niemandem schlechter ansteht als einem Sof demokraten. Und vor allem, wer und was ist denn dieser Kaiser Wilh«s Hat denn Viereck vergessen, daß der Heldengreis seine massenmörden Laufbahn damit eröffnete, die badische Revolution niederzuwerfen, Freiheitskämpfer von Rastatt trotz gegebenen Ehrenworts füsilire» lassen? Hat er vergessen, daß unter der Herrschaft dieses Mannes> der blutigsten und verheerendsten Kriege geführt worden sind, die ur Jahrhundert gesehen hat? Und das Sozialistengesetz! Und die h« lerische Sozialreform! Wir haben es nicht nöthig, den Mann näh« schildern, der, seit Jahren kindisch, in seinem Jdeengang sich stets! sehen dem militärischen Drill und dem Ballet bewegt hat, dessen hötl' Entzücken immerdar der Korporalstock und die strammen Waden" Tänzerin gewesen sind. Mit derartigen Aeußerungen, wie sie Viereck gethan hat, geräth unrettbar auf die schiefe Ebene des Staatssozialismus. Auf jeden? ist man in dem Augenblick, in dem man solche— gelinde gesagt Sentimentalitäten ausspricht, kein Sozialdemokrat. Wir betonen ff mals, daß wir dies Vorgehen Vierecks durchaus mißbilligen. Wir P es für unsere Pflicht, dies öffentlich auszusprechen, um jedes Mit? ständniß zu vermeiden. Wir sind und bleiben revolutionäre Sozialit und wollen nichts zu thun haben mit irgend einer Art von Köff! schwindet. (Nach einer im„Deutschen Wochenblatt" erschienenen Notiz lautest hier bemängelten Sätze folgendermaßen: „In den maßgebenden Regionen ist meiner Ueberzeugung nach � treibende Motiv zu Sozialreformen nur in den beiden Thatsache« suchen, daß 1) das Militärmaß von Jahrzehnt zu Jahrzehnt alliff zurückgeht, und 2) die Zahl der Militäruntauglichen beständig zutiiff Trotzdem bin ich weit entferttt, bei den Gegnern der ArbeiteremiB tion lediglich bösen Willen vorauszusetzen. Vielmehr fehlt vor X- eine genügende K e n n t n i ß der Thatsachen, wie sie eine> fassende Arbeiterstatistik erst zu Tage fördern würde. Wäre z. B.> deutschen Kaiser die traurige Lage des Volkes in ihrer ganzen ei? lichen Wirklichkeit bekannt, so würde er der deutschen Sozialpolitik ß lich eine andere Richtung gegeben haben, als sie bisher verfolgt Wer überhaupt nur ein menschliches Herz in der Brust habe, könne? wollen, daß die sozialökonomischen Zustände, wie sie jetzt bestehen, i1 dauerten." Warnung. London, 3. August I8b> An die Genossen! Der Kommunistische Arbeiterbildungsverein in London sieht sich niü holt veranlaßt, an die Genoffen im Reich und anderwärts, welche l hier auswandern wollen, eine Warnung ergehen zu lassen. 3W an Arbeitskräften ist hier in durchaus keiner Branche vorhandenden meisten Fällen hält es sehr schwer, für zugereiste Genoffen Ä zu finden; dieselben müssen nicht selten nach wochenlangem, vergebt Warten wieder abreisen, was jedenfalls keine angenehme Sache isl. Wollen Genoffen dennoch hierher kommen, so sollen sie es nicht& (offen, vorher von unserem Vereine Erkundigungen über den S- ihres Gewerbes einzuziehen. Bau Handwerker, Weber � Wirker, Sattler, Posamentirer und Töpfer haben d» aus keine Aussicht. Wir wünschen nur, daii vorstehende Warnung von unsere» »offen in ihrem eigenen Interesse möglichst berücksichttzt werde. Mit sozialdemokratischem Gruße! Die Londoner Genosse� Die Schneidergehilfen der Firma H. A. Schmidi St. Louis(Missouri) warnen vor Unterhandlungen:c- dieser Firma, die unter schwindelhaften Vorspiegelungen Arbi aus Deutschland hinüberzulocken suche. Näheres in nächstr Aufforderung. Alle Orte, die noch im Besitz von solchen unverkauften Darlehensfcheinen der Schweiz. Genossenschaftsbuchdruckerei& BolkSbuchhandl» sind, die am 1. Oktober 1882 ausgegeben wurden, werden hierd' aufgefordert, dieselbe an die Unterzeichnete zurückzusenden, widrige»� die betreffenden Nummern für u» giltig erklärt werden. Ebenso die Orte, die noch mit der Abrechnung über die genannten Schein« Rückstände sind, ersucht, diese Abrechnung jetzt zu leisten. Z>ie Derwaktung der Schweiz. Genofsenschaftsbuchdruckerei& Bolköbuchhanvlff Hattingen-Zürich. Briefkasten der Expedition! Akai: Nr. 3.— F. R. Nhs.: Mk. 140' Rest 3. Qu. erh.- Salzstadt N. N.: Mk. 6 50 Ab. 3. Qu. u. � desgl. Strß. dkd. erh. Adr. geordnet.— I. I.: Fr. 2 25 f. Schst- — Der alte Rothe: Mk. 31 25 Ad. 3. Qu. Schft.»e. erh. Adr. g« net. Bstllg. folgt.— Alte Tannen: Mk. 6— Ab. 4. Qu. erh. Mk.- pr. Wfds. dkd. verw.— I- F- Hmr.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh- Der Unverbesserliche: Mk. 100— k Cto. Ab. erh. W. u. Sch. 9' seit 4 Wochen regelmäßig.— H. R. London: K. H. besorgt. W- L- mahnt.— Feuerländer: Mk- 100— k Cto. Ab. erh.— Rothsäss Mk. 50— k Cto. Ab. u. Bf. v. 11/3 erh. Mit Rtzhlg. einversta»' Weiteres erwartet.— F. der Sanftmüthige: Mk. 50— k Cto. Ab- Qu. erh. Alles rechtzeitig fort. Weiteres durch dorttge Kenner.—' ritz: Mk. 18— Ab. 3. Qu. erh. Näheres lt. Mthlg. v. 13/8.—& linburg: Mk. 2— zum Weilerfds. dkd. erh.— Rothbart: Mk. 210 H. u. Mk. 60— R. erh. Ggrch. gutgebracht. Dir. u. Bstllg. nottrt- I. H-: Mk. 36 43 k Cto. Ab. erh. Weiteres vorgem. Vorhergehe» eingetroffen.— Zum Zeitvertreib des Gensdarms D arm st a dt: Mk. 3 51 pr. Ufd. dkd. erh.— Knurrhahn: Mk.-- Ab. 2. Qu. k. u. Grchng. erh.— Dr. Regiomontanus: Mk. 12/ ä Cto. Ab. ic. u. fBb. erh. Wo bleibt Antw. auf unsern Bf. v. 29/ — Egoist Rheinland: Mk. 3— Ab. 3. Qu. N. erh-, auch P.-K. u- v. 14/8.— Paul Sp.: Bf. u. Athl. v. 13 8. erh. Bfl. Näheres. B? folgt.— G. P. Kgst.: Nachr. v. 12/8. erh. Weiteres erwartet- Bruno: Bstllg. nottrt.— Schneekoppe: Bf. v. 14. u. 16./8. hier.' Zhlg. v. 18/7. Mk. 6 32 pr. Ufd. dkd. verw.— Bäff: Außer Ab-- kleinen Schft.-Beträgen sandte der Esel keinen Pf. Möglich, daß er l herumschnüffelte. Besuch bei uns und Spende erlogen. Personalbesch' bung umgehend senden. Ers. folgt.— L. Wtt. Zürich: Fr. 1» Ab. 3. Qu. u. 2 Mt. erh.— WilhelmuS: Bf. v. 16. hier. Bstllg. p B. hat z. Z. Arbeitspause. Bisheriges stets einzeln quittirt. Bf. so' — Deutsch. Ver. Frauenfeld: Fr. 15— erh. Bf. erwartet.— 33- Fr. 40 50 Ab. 2. Qu. erh.— Apollos: Mk. 1 20 f. Schft. erh. Cöln a/RH.: Mk. 50— f. d. franz. Wahlen dkd. erh. u. besorgt. Rother Apostel: Adr. notirt. Weiteres wird besorgt.— H.* N.-Dork; Bfsdg. vom 7/8. durch Lbkn. persönlich besorgt.— Von Sektion Hoboken: 3 Doll. f. d. Genoffen in Oesterreich dkd. erh. 1 besorgt. Doll. 2 25 an A. nebst Weiterem übermittelt. Sdg. wie bis ist praktischer.— L. K. G.:„Dtsch. Vbl." waren uns schon aus M gegangen. Mit Karl Schneidt streiten wir nicht darüber, eventuell berechtigt wäre", als„Die Beauftragten von Magd bürg" vor ihm zu warnen. Das Faktotum des D e n u n z i a n t � Hasselmann ist heute so wenig berichtigungs s ä h i g, als er- 4. Juni 1880 denunziations u n f ä h i g war.