ema» itaer& erste» er eW! : wird al St« Mari» loch b« ofür l» - Pech jat imi» elen i wenn inuf biet s» ause> ©toi ind fett n FiS> iuber» Zt vertt stelle l ulwoli erspich die$ ' meid -its 3ft ist Zweii ird ihn Suff ad sod : trit» Matest l d bch■ r.-i« ich$ erhald cht-h nenbri »lechtes stellt j ©chanl f°ii s ge? ich imf befonj ser! :en 6> wahr 1 ein«>> mde �ar n» wicht -ßsu� aitÄ« furt ige z BN e Toi? -rge� a o o>v >Soch issen amt. JhrÄ Bf.' . Ga5 PM». gutg-b' folZ' 5r.S� Ssptbr amme? f.: ehr. . 150� Wahl� lLintef � Dtst� .Sepi 1— Pt lsfoucf Vt-f /8. erh Stre>r >erfa� vr.* 8- ' l 0 0>., •-3i . 50«' E: S -tr.- llrg 3"3f 0 Cts iother tg. de' 1/9.� ldernd' Bustr Erscheint wlch,«tlich tiwmal in Jülich(Schweiz). SFafdfl der Hottwg,«»Zürich. Pißseud»»!» Iranl» gexien frank». Sewihnliche«riefe »ach der E ch w e i» kosten Doppelporio. L-.vnmtt*. Der ojialiifniolirat lenirat-Hrgan der deuischen Sozialdemokratie. Köonnements werden bei allen fchwe>,erifche« Postbureaui. sowie beim Verla» und dessen bekannien Agenien inigegengenommen, und zwar zum »»»au«,«hl dar«« Bierielsahripreii von: Fr 2— fiir die Schweiz(lkreuzbandf Mk Z— für Deutschland(Couverts st. 1.70 für Oesterreich(Souvertf Fr. 2 so für alle übrigen Linder de» Weltpostverein»(Kreuzband). Zuferite die dreigeipalien« Peiiizeil« 25(lii.--- 20 Pfg. Je 37 Z»»merffag, 10. September 1883 WM» Avi» an die Abonnenten und Aorrefpondenten des„Sozialdemokrat." «- drr So.Ialdemokrai» lowobl in»euischland-l» an« In Oesterreich»erboim ist. bezw. verfolgt wird und die dortigen � als müglich an den'eoziald-mokrai- resp. dessen Verlag selbst adressiren. sondern »'hi-dm stch.ll.'M, � nach jenen L-ndem möglichst«u-dchw-t.n. r-st> Brüse-on dori an unl jwd unsere Leitung», und sonstigen Speditionen nach dort abzufangen, so � ff mbf�aVr i en�nbalt Wtf((|ne vorstchtSmahreael versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt «er Sendungen zu ISuschen und letzirr« dadurch ,u schützen Haupierfordernist ist hiezu einerseits, dass unsere Freund- so selten . W WW. ��WW»W>.. W_________ mbglichst an irgend»ine unverdlchtia« Adresse ausserhalb Deutschlands und O-st-ireich» wenden, welche stch dann mit UN» in Verbindung setzt; andirseii» aber,»atz auch uns möglichst unverfängliche LustellungSadressen mitgeihellt werden, z» iweiselhasie» Fällen empfiehlt stch behus« grösser«« Sicherheit Relommandirung. Soviel an UNS liegt, werden wir gewiss weder Mühl noch Kosten scheue» um trotz aller entgegen- stehenden Echwierigleiten den.kozialdemolrat» unseren Abonnenten möglichst regelmässig zu liefer» Parteigenossen! Vergesst der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Zivilisation und Barbarei. Anläßlich einer der letzten Reden Jules Ferry's, in welcher Führer der Opportunisten, der Nationalliberalen Frank- r-ichs, seine Kolonialpolitik mit den gleichen Argumenten, die 'vir in Deutschland bis zum Ueberdruß gehört, vertheidigt Wie, brachte der„Gil Blas" folgende Notiz: .»Der kleine Tomy, der die Rede Jules Ferry's gelesen, ivagt seinen Papa, wodurch sich die Zivilisation von der Bar- varei unterscheidet. „Mein Gott, das ist sehr einfach, lieber Sohn. Die Zivili- larion besteht darin, daß man seinen Feind auf drei Kilometer Entfernung mittels einer Kanonenkugel tödtet. Und Barbarei >st es, wenn man ihm mit einem Säbel den Kopf abschlägt." . Dieser„Witz" ist einmal ein wirklich guter, eine Erholung 'n der grauenhaften Oede der humoristisch sein sollenden'Notizen, init denen die Zeitungen uns neuerdings tagtäglich heimsuchen. 3hm liegt ein treffender, man kann sagen, tiefer Gedanke zu Grunde, den Fourier in anderer Form so ausdrückt, daß die Zivilisation die Laster der Barbarei lediglich komplizirt, d. h. henZk iu einer heuchlerischen Daseinsweise erhoben hat. • Wir können das überall bis ins Detail verfolgen. Bis heute hat die Zivilisation in der That nur die Wirkung ge- m'? iit den Starken immer mehr Mittel zu liefern, die Schwachen bewältigen. Was den Krieg anbetrifft, so liegt der Beweis ans der - Hand. Früher, als noch Mann gegen Mann kämpfte, entschieden -Kon" Geschicklichkeit und Muskelkraft. Aber da diese beiden Elemente ach, eö bewilli kuitiü« muß« die f« i bew es mal$ rhun!« cht° ichlan« r lai« sendet der Kraft nur innerhalb gewisser Grenzen bei den verschiedenen Menschen verschieden vertreten sind, so überstieg die Ueber- ( �genheit der Einen über die Anderen selten ein gewisses Maß. $ Heute besitzen die Starken, d. h. die Reichen und Gebildeten, denen alle wissenschaftlichen Entdeckungen zur Verfügung stehen, Kanonen, welche drei, zehn, ja zwanzig Kilometer weit tragen und diejenigen tödten, die nur einen Säbel haben, um sich zu vertheidigen. Und die Kriegskunst ist nur der Reflex von dem, was sich vuf dem ökonomischen Gebiet vollzogen. Die Zivilisation hat den Reichen und Unterrichteten immer wirksamere Mittel geliefert, die ungeheure Masse auszubeuten. Sie hat Sklaverei und Leibeigenschaft, diese rohen Formen der Ausbeutung, auf- gehoben und an ihre Stelle die„freie" Lohnarbeit gesetzt. Aber he hat die Verhältnisse so glänzend„zivilisirt", daß der„freie" �hnarbeiter seine Arbeitskraft dem Reichen um jeden Preis "erkaufen muß, wenn er überhaupt leben will. Der„freie" Proletarier der modernen Gesellschaft ist Uttel- «genter als der Sklave und der Leibeigene früherer Zeiten, Und zwar aus dem ganz naheliegenden Grunde, daß er im Kampf ums Dasein herber ringen muß. Zum Theil sorgen die Herren Bourgeois selbst für die Ausbildung ihrer Arbeits- "ienen, damit dieselben mehr Honig zu liefern im Stande sind. Aber die Bedürfnisse des modernen Proletariers sind eben- Ms größer als die der Sklaven und Leibeigenen, gerade weil Unterrichtet ist. Dagegen wird die Möglichkeit, seinen Be- �Urfnissen gerecht zu werden, immer geringer für ihn. Der Sklave des Alterthums war reines Arbeitsthier, hatte Uur wenige, fast ausschließlich physische Bedürfnisse, die leid- 'ich zu befriedigen, im persönlichen Interesse der Herren lag. �er moderne Sklave, der Proletarier, hat außer den physi- scheu auch geistige Bedürfnisse, und kein Mensch kümmert sich "arum, wie er ihnen, den Physischen und geistigen, gerecht zu werden vermag. In welchen von beiden Fällen wird die Arbeit mehr unter- stückt, mehr preisgegeben, mehr ausgebeutet? Zweifelsohne im zweiten. Und wodurch ist das bewirkt worden? Durch den Fortschritt der Zivttisation, der nach Und nach die persönliche Sklaverei in Hörigkeit, und dann ?iese in volle„Freiheit" umwandelte. Der moderne Proletarier ist sveier Arbeiter, nämlich frei von den Arbeitsmitteln, deren er "edarf. Diese„Freiheit" ist die Kette, an welche er rettungs- 'v« geschmiedet ist. Je größere Fortschritte die Zivilisation 'Uacht, je mehr sich die moderne Technik, dieser„eminent Zivilisatorische Faktor", entwickelt, um so größer der Abstand Yvischeii der Freiheit der Besitzenden und der Freiheit der . besitzlosen. Der aufgeklärte Philister, dem die Freiheit als das neu höchste Ideal erscheint, begreift nicht, daß die Freiheit der Kapi- •Bisten, Arbeitskraft nach Belieben kaufen, Arbeiter je nach Marktverhältnissen einstellen und entlassen zu können, sich für den Arbeiter auf die Freiheit reduzirt, sich bei Strafe des Hungertodes zum Marktpreise verkaufen zu müssen, und ist daher entrüstet, wenn die Arbeiter gelegentlich ihrer Gering- schätzung dieser Freiheit drastischen Ausdruck geben. Ist der Arbeiter ein Verächter der Freiheit? O nein; aber er empfindet es nur zu bitter, daß die Freiheit in der heuti- gen zivilisirten Gesellschaft für ihn nur ein Trugbild ist, nur dazu angethan, ihm sein Joch doppelt fühlbar zu machen. Wenn er nach wochenlangem vergeblichen Suchen nach einem Käufer für seine Arbeitskraft vor Hunger und Erschöpfung entkräftet zusammenbricht, obdachlos, weil er die Wohnungs- miethe nicht zu zahlen vermag, dann ruft ihm die zivilisirte Gesellschaft zu: Du bist frei, und steckt in ein Arbeitshaus, wo er in größerem Zwange gehalten wird als der Ver- brecher im Zuchlhause. Das Beispiel ist extrem, aber nicht erdichtet. Es zeigt in seiner letzten Konsequenz das Wesen der heutigen Freiheit des Arbeiters. Und wie mit der Freiheit, steht es mit der Ehe und Familie, mit der Gleichheit vor dem Gesetz, mit der Ruhe und Sicherheit, mit dem Schutz der Person— kurz mit allen sogenannten Errungenschaften der Zivilisation. Keine größere Lüge, als die Familie in der zivilisirten Gesellschaft. Für den Proletarier ist durch die steigende Ausdehnung der Frauen- und Kinderarbeit, durch die Unsicherheit seiner Existenz das von Pfaffen und Dichtern so rührend besungene Familien- leben schon materiell eine Unmöglichkeit. Und für den Bourgeois? „Man gestattet uns eine Frau", schrieb vor Jahresfrist ein Mitarbeiter der Pariser„Revue independante",„wenn wir eine„Position in der Gesellschaft" erlangt haben. Das ist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren der Fall, wo wir bereits alle„Krankheiten" durchgekostet haben." „Die Familie ist die Quelle aller Ungleichheit, aller Unge- rechtigkeit, aller Feigheit und aller Heuchelei. „Aller Ungleichheit, Dank dem Skandal des Erbrechts. „Aller Ungerechtigkeit, Dank dem Gönner- und Vettcrschafts- Wesen. „Aller Feigheit, Dank dem passiven Widerstand. „Aller Heuchelei, Dank der Unterwürfigkeit, zu der man die Kinder erzieht." Wer einen Blick in das Familienleben der guten Gesellschaft geworfen, wird diese Bemerkungen nicht übertrieben finden. Sie ließen sich höchstens noch erweitern und verschärfen. Was ist die Ruhe und Sicherheit in der zivilisirten Gesell- schaft? Die Ruhe und Sicherheit der Besitzenden und Herrschenden. Sobald eS ihr Interesse erheischt, wird dagegen Mord und Todtschlag patriotische Pflicht. Und die famose Gleichheit voL dem Gesetz, was ist sie anders als eine plumpe Täuschung, die immer nur solange vorhält, als es sich nicht um vitale(Lebens-) Interessen der herrschen- den Klassen handelt, und die jedesmal rücksichtslos mit Füßen getreten wird, wo die Klassenherrschaft der Besitzenden in Frage kommt? Die Zivilisation ist die gesellschaftliche Ordnung der biir- gerlich-kapitalistischen Gesellschaft: ihre„ethische" Grundlage heißt: Freiheit und Schutz der Ausbeutung. Daher der„zivilisatorische Drang" der Bourgeoisie, daher der rührende Wetteifer in der Zivilisirung der schwarzen Brüder, bei welchem sich die Zivilisire. alle Augenblicke in die Haare gerathen, und der von Zeit zu Zeit in einen„zivilisirten" Krieg auszubrechen droht, einen Kampf, bei dem Derjenige Sieger ist, der über die zivilisirtesten, d.h. die weitest tref- senden und zerstörerischsten Waffen verfügt. Weit ent- fernt, erfreut und dankbar zu sein, wenn der liebe Nachbar ihm die mühselige Arbeit des Zivilisirens abnimmt, geräth der gute Bürger jedesmal in sittliche Entrüstung, wenn ihm die Gelegenheit zn einem so guten— Werk vor der Nase weg- geschnappt wird, eine Entrüstung, die um so tiefer ist, je mehr — Profit die Zivilisationsarbeit abzuwerfen verspricht. Die Profitmach erei, das ist die geheime oder auch nicht geheime Triebfeder der modernen Kolonisations- und Zivili- sationSbestrebungen. Uebertragung des bürgerlichen Ausbeutungs- systems auf die von„Wilden" bewohnten Länder ist die Pa- rote. Und zwar geschieht die Uebertragung ganz unvermittelt, ohne den heuchlerischen Mantel, mit dem das Ausbeutungssystem sich in Europa drapirt. Wir als Gegner der Profitmachern, als Gegner der bür- gerlichen Ausbeutergesellschaft haben auch mit ihren Zivili- sationSbestrebungen nichts gemein. Es hieße uns zu ihren Mitschuldigen machen, wollten wir ihr dabei Vorschub leisten, die„wilden" Völker mit Zuständen zu beglücken, die alle schlechten Seiten der Barbarei aufrechterhalten und sich von dieser nur durch die größere Korruption unterscheiden. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 9. September t88S. — Der Streit um die Karolinen-Jnseln hat in den letzten Tagen eine fast akute Gestalt angenommen, und wenn eS nicht zum Kriege zwischen Deutschland und Spanien gekommen ist, so aus dem einfachen Grunde, weil Bismarck, der große, unüberwindliche, eiserne Kanzler, muthig— einen Schritt zurückgewichen ist. Der deutsche Phi- lister, für den die Unfehlbarkeit Bismarcks in der auswärtigen Politik min- destens ebenso feststeht als für den Katholiken die Unfehlbarkeit des Papstes, ist ganz entzückt ob der„imponirenden Ruhe", mit der man im auswärtigen Amt in Berlin die der deutschen Gesandtschaft in Madrid zugefügten Beleidigungen beurtheilt, um nur den Frieden nicht zu ge- sährden, thatsächlich aber ist diese Gelassenheit und die Objektivität, von der die Bismarck'schcn Reptile so viel Aufhebens machen, nichts anderes als der Deckmantel für die Verlegenheit, in der sich der Lenker der deutschen Politik befindet. Der größte Staatsmann des Jahrhunderts hat sich eben wieder einmal gründlich verrechnet. In seiner Ländergier hatter er, dem soeben das mächtige England Sansibar preisgegeben, geglaubt, mit dem schwachen Alfonso kurzen Prozeß machen zu können. Warum auch nicht einmal als„ehrlicher Makler" seimn guten Freund über den Löffel barbiren? Aber er hat dabei den kleinen Umstand übersehen, daß es in Spanien noch ein Volk gibt, ein Volk, das es schon wiederholt mit weit mäch- tigeren Gegnern aufgenommen als es selbst ist, und ihnen die Stange gehalten hat. Wir erinnern nur daran, daß Napoleon I. den ersten energischen Widerstand in Spanien fand; Spanien lieferte den ersten Nagel zu seinem Sarge. Kein Zweifel, der großen Mehrheit der Spanier sind die Karolinen ebenso gleichgültig als der übergroßen Mehrheit des deutschen Volkes; die Spanier haben genug Erfahrungen mit der Kolonialpolitik gemacht, als daß eine kolonialpolitische Frage sie übermäßig erhitzen sollte. Was sie aufgebracht hat, ist die Art und Weise, in der die Annexion der Karolinen inszenirt wurde, die Rücksichtslosigkeit, mit der Bismarck sich über die spanischen Ansprüche hinwegsetzte. Und wenn die Berliner Offiziösen, die ja sonst jede nationale Bewegung in den Himmel zu heben pflegen, über die Ricsendemonstrarionen in Spanien spötteln, in ihnen nur Exzesse des Pöbels sehen wollen— sobald es sich um unbequeme Manifestationen handelt, nennt man es Pöbel, beim Anhochen gekrön- ter Hallunken sind es„begeisterte Volksmaffen"— so läßt sich außer- halb des Kreises ihrer Gläubigen kein Mensch durch diese Flunkereien täuschen. Die Offiziösen müssen die Rolle der Philosophen spielen, weil es gilt, Alfonso aus der Patsche herauszuhelfen, in die Bismarck ihn gestoßen. Genialer Staatsmann! Er wollte überschlau sein, und hat sich in eine arge Klemme gebracht. Alfonso, den preußischen Uhlan, hat er ge- schwächt, und seinen Gegnern, den franzosenfreundlichen Republikanern, den denkbar größten Vorschub geleistet. Gleich dem Knaben in der Fabel hat er die Taube der deutsch-spanischen Allianz mit dem snamentlich für Schnapsbrenner!) profitablem Handelsvertrag losgelassen, um den ma- geren Spatz der Karolinen Inseln zu erhaschen. Was soll er jetzt an- fangen? Soll er auch die Karolinen fallen lassen? DaS kann Otto der Große nicht. Soll er sie behaupten? So fliegt Alfonso vom Thron, ob mit oder ohne Krieg. Auf jeden Fall ist das spanische Bündniß futsch, und Franz Josef hat neben seinen vielen depossedirten Verwandten noch einen abgesetzten Schwiegersohn zu versorgen. Eine Republik mehr in Europa macht aber durch die Abmachungen von Skiernewice und Kremsier einen bedenklichen Strich. So ist denn Bismai ck, der Mann von Blut und Eisen, wunderbar versöhnlich gestimmt. Die„Norddeutsche Allergemeinste" liefert der er- staunten Welt das Beispiel bewundernswerther Mäßigung und gibt die Parole aus: Appell an einen Schiedsrichter. Alfons darf den Entschiedenen spielen, und die Reptilienpreffe versichert dem deutschen Volke, daß die Karolinen-Jnseln den Staub nicht werth sind, den sie aufgewirbelt haben. Wirklich? Sollten die Trauben so sauer sein? — Verschiedene Wirkungen.„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Euere Schulweisheit sich träumen läßt," sagte der tiefsinnige Dänenprinz, den Shakespeare bekanntlich in Wittenberg zu einer Zeit studiren läßt, wo die Universität Wittenberg noch gar nicht existirte. Run, Shakespeare ist todt und die Universität Witten- berg ist längst eingegangen— sogar der Geist des alten Hamlet geht nicht mehr um, aber der wunderbaren Dinge, die aller Schulweisheit spotten, passiren noch heute. Man lese nur folgende Mittheilung, die der höchst aufgeklärten„Magdeburger Zeitung" aus dem nicht minder aufgeklärten Wittenberg zugeht: „Wittenberg, 31. August. Die Carolinen-Verschnupfung in Spanien scheint einen epidemischen Charakter anzunehmen, der für den Unbefan- genen etwas Komische« hat. Eine hiesige, sehr renommirte Spritfabrik, die einen Theil ihres Fabrikats nach Spanien absetzt, wo man mittels desselben den spanischenWeinen ihre Schwere, Halt- barkeit und ihr Feuer verleiht, und die der stets schwan- kenden Spritpreise wegen allwöchentlich ihre Preisnotirungen an ihre Geschäftsfreunde versendet, erhielt gestern von einem ihm bisher besreun, deten Hause in Carabanchel das Zirkular mit einem Schreiben zurück- das in der Uebersetzung so lautet: Carabanchel, den 20. August 188». Herrn......, Wittenberg. Wir danken Ihnen bestens für Ihre Aufmerksamkeit, uns Ihre Rott- rungen vom 22. c. zu senden. Da wir uns jedoch in erster Linie als Spanier und dann erst als Kaufleute fühlen, bitten wir Sie dringend, davon Abstand zu nehmen, uns irgend welche Artikel Ihres Landes zu offeriren, so lange nicht die Angelegenheit betreffs unserer Carolinen geregelt ist. Wir unsererseits können nicht fortfahren, Freunde derjeni- gen zu sein, welche uns nicht die nöthige Achtung zollen und welche kein Recht haben, unseren Grund und Boden anders zu betreten, als in auf- richlizer und vertrauender Freundschaft. Weiter haben wir Ihnen heute nichts mitzutheilen. Ihre ergebenen...... Die stolzen Spanier scheinen hiernach anzunehmen, daß die Annexion der Carolinen in den Retorten der hiesigen Spritsabrik zusammengekocht ist, und es verdient olle Anerkennung, daß sie uns wenigstens noch unser gutes deutsches Geld für ihren vermanschten Wein u. s. w. abnehmen." Bisher ging die profane Wissenschast von der Anschauung aus, daß gleiche Ursachen auch gleiche Wirkungen zur Folge haben; wie wir hier sehen, war dies ein schwerer, grob materialistischer Jrrthum. Vordem Bries verlieh der preußische Fusel den spanischen Weinen ihre„Schwere, Haltbarkeit und ihr Feuer", es war nicht nur ein patrio- tische s Werk, Fusel nach Spanien zu senden— siehe den deutsch- spanischen Handelsvertrag— es war auch ein nützliches Werk: der preußische Fusel veredelte den spanischen Wein, denn ein Produkt, das dem Wein„Schwere, Haltbarkeit und Feuer" verleiht, ist doch sicher ein veredelndes. Da kommt die unglückselige„Carolinen Verschnupfung" (welch herrliches, echt nationales Deutsch!), und siehe da, die Wirkung ändert sich: aus dem veredelten Wein wird— vermanschter Wein. Das ist eine Beeinflussung materieller Prozeffe durch ideelle, durch bloße G e m ü t h s Veränderungen, für die unsere simple Schulweisheit keine Erklärung hat. Um sie zu begreifen, muß man wirklich schon ein christlich-germanischer Schnapsbruder sein. — Eine Heerschau der Ultramontanen. In Münster, dem„deutschen Rom", hat vorige Woche die„32. Generalversammlung der deutschen Katholiken" stattgefunden. Dieselbe hat wieder einmal so recht deutlich die herrlichen Resultate des Bismarck'schen„Kulturkampfes" vor Augen geführt. Wenn der„größte Staatsmann des Jahrhunderts" die Macht der katholischen Kirche um jeden Preis fördern wollte— er hätte kein geeigneteres Mittel ausfindig machen können als seine famose Kulturkampftaktik. Erst brutale Verfolgung, die dem Klerus die Sym- pathien aller unabhängig Gesinnten erwarb und ihm Gelegenheit gab, sich als thatsächlichen„Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht" auf- zuspielen, und hinterher sortgesetztes Bewilligen von kleinen Zugeständ- nissen, die den Appetit reizen, statt ihn z» stillen. So ist es denn nur natürlich, daß sich die Herren Ultramontanen immer mehr fühlen und in ihren Forderungen immer anmaßender werden. Die Sprache, welche die Herren Windthorst, Schorlemer, Haffner, Porsch und Genoffen in Münster führten, war nicht die Sprache von Verfolgten, obwohl die Herren es noch immer lieben, sich gelegentlich als die armen Verfolgten zu geriren, es war die Sprache von Siegern, die dem unterlegenen Feinde ihre Bedingungen diktiren. Natürlich, die Herren kämpfen nur für die„Freiheit der Kirche", aber jedermann weiß, daß diese Phrase, in ehrliches Deutsch übertragen, Herrschaft der Kirche heißt, vor allem Herrschast der Pfaffen in der Schule, Knechtung des freien Gedankens. Herr H a f f n e r, seines Zeichens Domkapitular in Mainz, hat es am 3. September offen ausgesprochen:„Man schließe die athei- stischen(d. h. die nicht unter pfäffischer Herrschaft stehenden) Hochschulen." Er„begreift nicht, wie die Fürsten nicht sehen, daß es i n ihrem eigen st en Interesse liegt, durch die Schule dem Volk den Glauben zu erhalten."(Vergl. den Bericht der „Frankfurter Zeitung" vom 5. September.) Dieser Satz ist selbstverständlich eitel Flunkerei. Herr Haffner und seine frommen Mitstreiter wissen, daß die Fürsten sehr wohl begreifen, daß es„in ihrem eigensten Interesse liegt k. k., denn hier, in der Kenntniß dieses Umstandes, liegt das Geheimniß ihrer Erfolge. Auf diesen Umstand, auf ihren„göttlichen" Beruf als geistige Gensdarmerie, pochen sie, wie Shylock auf seinen Schein, sie wissen, daß die Fürsten, wie die herrschenden und ausbeutenden Klassen überhaupt, auf ihre Hülfe nicht verzichten können und wollen, daß der häusliche Zwist mit einem Kompromiß enden muß, dessen Kosten keiner der Streitenden, sondern das Volk zu zahlen hat. Sie wissen, welche unschätzbaren Dienste sie den herrschenden Klaffen leisten, und ihr Gejammer über Verfolgung hat nur den Zweck, einen recht hohen Preis für ihre Mitwirkung am Werke der Volksknechtung zu erlangen. Der ganze„Kulturkampf", der seinerzeit mit so hochtönenden Phrasen eingeleitet wurde, kann gar nicht besser gekennzeichnet werden als durch folgende Notiz, die kürzlich durch die deutsche Presse ging: „Humor in der Weltgeschichte. Der Fürsterzbischof von O l- mütz, Landgraf Fürstenberg, ist bekanntlich auch Bischof für ein Stück Preußisch-Schlesien. Als preußischer Bischof fiel der Herr Kardinal sei- nerzeit den Mai-Gesetzen zum Opfer und sollte in Preußen eingesperrt werden; weil aber der Herr Erzbischof nicht so freundlich war, über die Grenze zu gehen, so ließ das preußische Gericht einen„Steckbrief" los, der von Zeit zu Zeit nach Vorschrift erneuert wurde. Nun bringen preußische Zeitungen folgende Nachricht: Anläßlich der telegraphischen Meldung von Bad Gastein, wonach der Kardinal-Fürsterzbischof von Olmütz, Landgraf von Fürstenberg, vom Kaiser Wilhelm zur Hoftafel geladen wurde und erschien, sei hier kurz bemerkt, daß der Steckbrief, welcher in Folge der Mai Gesetze gegen den Kirchen- fürsten von der königlich preußischen Staatsanwaltschaft erlassen worden, noch in Kraft ist und wohl nächstens wieder— nach Verstreichung der gesetzlichen Frist— erneuert werden dürfte. Der König von Preußen und der von der königlich preußischen Staatsanwaltschaft st e ck b r i e f I i ch V e r f o l g te an Einer Tafel und zwar eingeladen vom König selbst! DaS ist Humor in der Weltgeschichte." Nun ja, man kanns Humor�nennen, denn es wird Niemand einfallen, die Sache tragisch zu nehmen'— wer aber weiß, wie peinlich sonst in solchen Angelegenheiten bei den hohen Herrschaften verfahren wird, wie man tausend Mittelchen bereit hat, ein solch„fatales Zusammentreffen" zu verhindern, der wird in dem Vorgang zugleich ein typisches Bild des Kampfs zwischen Staat und Kirche erblicken, der für die, welche ihn durchschauen, ja auch nur ein„lustiger Krieg" ist. Jndeß die Komödie ist ziemlich kostspielig, und deshalb ist es nothwendig, daß man immer wieder dem Volke zeigt, welcher Art das Gaukelspiel ist, das ihm da von den Komödianten in Frack, Uniform und Talar vorgespielt wird, und deffen Kosten es bezahlen muß. Und dazu bietet die„32. Generalversammlung deutscher Katholiken" erneute Gelegenheit. Der äußerlich glänzende Verlaus derselben kann die innere Hohlheit der daselbst vertretenen Sache nicht verdecken. Heut- zutage, in der Aera der Vergnügungsreisen, ist es kein Kunststück, einige Tausend wohlhabender Glaubensgenossen auf einige Tage zusammenzu- trommeln, und in Münster hat es ja, neben verschiedenen mehr oder minder ergötzlichen Reden, an Festlichkeiten aller Art nicht gefehlt. Nichts Erhebenderes, als nach fidelen Kommersen am folgenden Morgen die Errichtung von„Pfarr- und Mäßigkeits-Bruderschaften zur Bekämpfung der Trunksucht" zu beschließen, oder am Abend nach einem opulenten Festessen dafür zu stmmen, daß der wachsenden Vergnügungs- sucht entgegengetreten werde. Solche Beschlüsse thun dem Herzen eines braven Laudjunkers immer wohl. Und in Punito sozialer Frage versteht man sich auf das„Wasch' mir den Pelz, aber mache mir ihn nicht naß" vortrefflich. Beweis, die Beschlüsse über den Arbeiterschutz: „Die 32. Generalversammlung erklärt es für eine Pflicht der christ- lichen Obrigkeit, den abhängigen' Arbeitern das Recht auf Sonntagsruhe und Sonntagsheiligung, welche durch ein göttliches Gebot ge- heiligt ist, durch Gesetz zu sichern. „2. Fordert sie die Arbeiter und Arbeitgeber auf, für den christ- lichen Sonntag mit aller Kraft einzutreten, mit der Ueberzeugung, daß die E r f ü l l u n g der r e l i g i ö s e n P f l i ch t, die Pflege des Familienlebens, die Erholung für Körper und Geist am Sonntag, auch die Entwicklung der nationalen Industrie auf die Dauer nur fördern kann. „3. Sie gibt gleichzeitig der Forderung Ausdruck, daß neben der Fürsorge für den kranken und invaliden Arbeiter auch der gesunde Arbeiter gegen eine übermäßige, die Gesundheit und das Familienleben schädigende Arbeitszeit durch Gesetz geschützt werde, daß vor Allem durch Beschrän- kung, beziehungsweise Verbot der Kinderarbeit und der Beschäftigung verheiratheter Frauen in der Fabrik der drohenden Auflösung des Fa- milienlebens gesteuert werde." So verschwommene, zu nichts verpflichtende Redensarten wird jeder Nationalliberale unterschreiben. DaS„Recht aus Sonntagsruhe" gewährt die Gewerbeordnung den Arbeitern heute schon, deswegen blüht die Sonntagsarbeit nicht minder. Die Parole der Ar- beiter heißt Verbot der industriellen Sonntagsarbeit,— man vergeffe aber nicht, wie viele Fabrikanten und sonstige Ausbeuter in Münster beisammen waren. Die ultramontane Partei ist ein Gemisch aus den verschiedenartigsten gesellschaftlichen Elementen, das nur durch den sogenannten kirchenpoli- tischen Konflikt zusammen gehalten wird und daher an der Aufrecht- erhaltung deffelben großes Jnterefie hat. Auch das haben die Herren in Münster mit anerkennenswerther Offenheit zugestanden: Nur keine Ber- sumpsung des Kulturkampfs l Eine solche wäre ihr Tod. Unsere Parole muß daher lauten:„Nieder mit dem Kulturkamps", Trennung, r a d i k a l e Trennung der Kirche vom Staat. — Der Rumpsf'Nachfolger hat Pech, nachdem er vorher, 1 � ofta or totiftor wrtrS tiwrtorf AÄm+öa ftUt'trV AöKrtfif h. ehe er Rumpff's„seliger Erbe" ward, unverschämtes Glück gehabt hatte. Wir meinen in Kiel, wo ihm seine Unverschämtheit ein Lob des braven Puttkamer und die Beförderung nach Frankfurt einbrachte. Auch dort hatte er freilich mehr Glück als Verstand gehabt. Gehörte er doch zu den geistvollen Berliner Zentral-Polizeiseelen, welche weiland den großen Kopenhagener Kongreß nicht sahen und durch einen Zufall, an dem sie vollkommen unschuldig sind, post festum über die Beine einiger der Heimkehrenden stolperten. Nun, auch das Stolpern ist ein Verdienst, und mancher Mann und manche Frau verdanken ihr Glück rechtzeitigem Stolpern- Also nach Rumpff's Verschwinden von der Frankfurter Polizeibühne dachte Freund Puttkamer an Hake, und da die Auswahl nicht groß war— der Boden, wo Rumpff gehorscht hat, ist etwas heiß für poli- zeiliche Streber— so blieb es bei dem biederen Hake. Er war für Großes bestimmt, und hielt sich selber für Größeres bestimmt. Was dem Rumpff nicht gelungen, das sollte er ausführen. Niederwerfung, womöglich mit etwas Abschlachtung, der Frankfurter Sozialdemokraten, und mindestens kleiner Belagerungszustand in Frankfurt und Um- gebung, das war das Geringste, was er zu Stande bringen sollte und wollte, der Hake. Ach, es ist anders gekommen. Nie sind eines Menschen Hoffnungen und die auf ihn gesetzten Erwartungen schmählicher getäuscht worden. Fiasko über Fiasko. Blamage über Blamage. Die Friedhofs-Metzelei war der erste Streich, und es war ein Fehlstreich. Niemals, seit es eine„politische Polizei" und azonts proTOcateura gibt, ist die Polizei so elend hereingefallen, und der Her- eingefallenste der Hereingefallenen war unser biederer Hake, obgleich sein Werkzeug, der Tölpel Meyer— wie konnte man auch so tölpelhaft sein, einem Meyer eine so delikate Mission anzuvertrauen?— die Sünden der Polizei auf sich nehmen und über die Klinge springen mußte— um in irgend einem Jungbrunnen wieder ganz und heil gemacht, und auf einen höheren Posten berufen zu werden. Man hätte denken sollen, an diesem Streiche habe der Hake genug. Sein ehrgeiziges Herz strebte aber nach Höherem— seine Blamage mußte größer sein, wie das deutsche Vaterland, ehe Bismarck das Wundermittel erfand, es kleiner zu machen, um es groß zu machen. Dem ersten Streich folgte bald ein zweiter. In weniger großem Stil, aber dafür vielleicht noch blamabler. Während der erste Streich ihm blos in Deutschland den Ruhm der Blamage verschaffte, gab der zweite ihm diesen Ruhm, nicht blos für Deutschland, sondern auch für das Ausland. Herr v. Hake verfiel aus den seltsamen Gedanken, englische Bür- ger könnten ebenso behandelt werden wie deutsche Bürger, und er wollte an Engländern sein Kieler Experiment wiederholen. Er gerieth an die Unrechten. Unfähig, anständige Menschen von unanstän- vigen zu unterscheiden, hielt er einige harmlose Reisende für gemeine Spitzbuben, und ließ sie saus fayon verhaften— eine Prozedur, die ihni so viel Vergnügen bereitete, daß er höchsteigenhändig mitwirkte. Dabei handelte er mit der Brutalität und Rücksichtslosigkeit, wie sie deutschen Bürgern gegenüber gang und gäbe ist, von E n g l ä n- d e r n aber nicht heruntergeschluckt wird. Nach wenigen Stunden mußte er die Verhafteten— es waren ja Engländer— wieder frei lassen-, die Engländer haben sich bei ihrer Regierung beschwert; der Tölpel Hake hat eine furchtbare Nase erhalten, und die gesammte Preffe des Auslands, namentlich die englische, singt seinen Ruhm und den der Frankfurter Polizei. Und was wird aus dem Pechvogel Hake werden? Ob er nicht schon manchmal gedacht hat, der Rumpff, den ein Dolchstoß schnell und schmerz- los ins Jenseits beförderte, sei im Grund weit glücklicher als der Rumpff- Nachfolger, der bei lebendigem Leib moralisch geschunden und monate- lang, wer weiß?— jahrelang die entsetzlichsten Folterqualen auszu- stehen hat.„Nicht sterben können, nicht sterben können!" stöhnt Schu- bart's„Ewiger Jude", und der arme, moralisch geschundene Rumpff. Nachfolger stöhnt, wenn er in der aus- und inländischen Preffe seine Blamage liest, in Momenten aufzuckenden Selbstgefühls— Ehrgefühl wollen wir nicht sagen—:„Ist denn kein Lieske da? O beneidens- werther Rumpff!" — Macht und Recht. In dem zu G u i s e in Nordfrankreich er- scheinenden„ D e v o i r"(Die Pflicht), einem gemäßigt sozialistischen Blatte, finden wir in einem Artikel über den spanisch-deutschen Konflikt folgende Bemerkung: „Die kindischen Repressalien interessiren uns wenig; es ist uns sehr gleichgiltig, wenn der König-Uhlan sich aus seinen Helm setzt, in dem Glauben, daß dieses Mittel die kastilianische Eigenliebe besriedigen und die deutsche Anmaßung demüthigen könne. Worauf es aber ankommt, sind die eigenthü m lichen Theorien, mit welchen beide Par- teien ihre Ansprüche begründen. „Die spanische Diplomatie beruft sich auf das Herkommen und zitirt das Datum, an welchem ihre Seefahrer auf den Karolinen die Formalitäten der Besitzergreifung vollzogen haben, welche jetzt die deutschen Offiziere wiederholen; sie behauptet durchaus logisch, daß, wenn diese Formalitäten in diesem besonderen Falle werthlos sind, sie auch in allen übrigen Fällen nichtig sind, und daß kein Grund vorliegt, warum nicht eine andere Macht ihrerseits mit Besitzergreifung aller anderen Kolonialgebiets beginnen sollte, wenn die deutsche sich straflos die Karolinen anmaßt. „Die Deutschen antworten, daß die Besitzergreifung ferner Länder nur Geltung hat, insofern sie von kolonisatorischen Hand- l u n g e n begleitet ist, und daß, da auf den Karolinen nichts dergleichen von Seiten der Spanier versucht worden ist, diese auch nicht als Besitzer jener Gebiete anzusehen seien. „Dies die beiden angerufenen Theorien. „Die erstere ist die Sanktionirung der vollzogenen Thatsache, sie ist im Wesentlichen konservativer und monarchischer Natur; die zweite, welche die Anerkennung der Thatsache von der F e st st e l l u n g der Resultate abhängig macht, ist durch und durch fortschrittlich, und wenn man die Gewalt in Anspruch ninimt, um ihr den Vorrang zu verschaffen, so nimmt sie alle Merkmale des ausgesprochenen R e v o l u- tionarismus an. „Indessen weiß man nicht, welche der beiden Regierungen am meisten vom Geiste des Konservatismus besessen ist. Ihre so verschiedenartige Haltung, wo sie die gleichen Prinzipien haben sollten, beweist nur, wie ihr Recht und ihr guter Glaube beschaffen sind. Die Konservativen sind eben in allen Ländern dieselben; sie verwerfen systematisch keine Theorie, welche in irgend einer Weise ausgelegt werden kann, die ihren Gelüsten günstig ist. „Wenn man die Vernunft als Kriterium nimmt, ist man natürlich versucht zu meinen, daß die Verbreitung des Fortschritts die einzige Thatsache ist, welche die Eroberung barbarischer Länder rechtfertigt, und daß die Besitzergreifung entfernter Länder, die diese Folge nicht hat, nicht als giltig betrachtet werden kann. Aber die Vernunft sagt auch, daß die Feststellung der erzielten Resultate nicht auf die fernliegenden Länder beschränkt werden darf, daß Diejenigen, welche dieses Prinzip mit Bezug aus die Karolinen anführen, Andere zu der Untersuchung be- rechtigen, ob diese Unterstellung des Besitzrechts unter das Allgemein- wohl auch in den Ländern gehörig beobachtet wird, welche sich der Herrschast dieser revolutionären Kolonisatoren erfreuen. „Die vom Fürsten Bismarck angerufene Theorie ist weittragend; sie ist der Ausgangspunkt aller sozialistischen Schulen; und Diejenigen, die sie im eigenen Land bekämpfen, spielen ein gefährliches Spitt, wenn sie ihre Anwendung mittels der Gewalt in entfernten Ländern predigen."... Soweit das„Devoir". Der Gedanke, den es hier ausführt, ist bereits des Oefteren von uns entwickelt worden. Unsere Gegner, und ganz besonders unser intimster Gegner Bismarck, zeigen uns bei jeder Gelegenheit, wie wenig sie das überkommene Recht achten, sobald es ihren Bestrebungen im Wege steht, so daß wir wahrlich keine Ursache haben, irgend welche Achtung vor ihrem Recht zu heucheln. Wer die Kronen von Hannover, Heffen und Nassau — Schade, daß es nicht mehr waren— im Interesse des Allgemein- wohles konfiszirte, wer den Thron von Braunschweig unter Anrufung des gleichen Prinzips dem legitimen Erben vorenthält, und jetzt die Karolinen-Jnseln einstecken wollte, weil Spanien, der„legitime" Oberherr, nicht die Macht hat, seinen Besitzstand genügend zu vertheidigen, der hat uns ein nicht mißzuverstehendes Vorbild geliefert, wie wir es machen sollen, wenn wir— die Macht dazu haben. Gegenüber dem Prinzip des Allgemeinwohls gibt es kein historisches, kein Erbrecht— das Eigen .Nach, 'i ber Rl nhetheit innj. Di Wieden W. Di "f den Z "bh nich ber pe thum, der Besitz ist null und nichtig, wenn der Besitzer sich als unnütz unthätig oder gar schädlich erweist. Wie gesagt, durch Bismarck sind wir an die Befolgung dieses Prinzipi gewöhnt, und haben deshalb auch keine Ursache, über seine diesmalizi Anwendung überrascht zu sein. D i e Sorte sanktionirt jeden Raub, bei Profite verspricht. Ebensowenig überrascht es uns, die hohe Bourgeois» Deutschlands unter den lautesten Zujublern zu finden. Und daß in diesei» Chorus auch die demokratische„Frankfurter Zeitung" nicht fehlt daß dem Blatt des Herrn Sonnemann der Kamm derart geschwollen istka,,. � daß es von den Forderungen spricht, die Spanien„uns" erfülle« JW�ter muß, wenn„wir" ihm unsere Huld wieder zuwenden sollen,—>? ug' ebenfalls ganz in der Ordnung. So'n bischen Pattiotismus macht sch � 0 u ganz wunderschön.'setzt — Der famose Chemnitzer M o n st r e- S o z i a l i st e n p r o z ei«st,, wird also am 28. ds. Mts. vor sich gehen. Die Angeklagten— AueyMc nich Bebel, Dietz, Frohme, Heinzel, Müller, Ulrich, Viereck und Bollmar sollen nach der Anklage„hinreichend verdächtig erscheinen: an einer behufs Beförderung und Erreichung bestimmter der geschlossene«., Zahl ihrer Mitglieder bekannter Zwecke der in§ 1 des Sozialistengesetzei«M S: gedachter Richtung geschlossenen Verbindung theilgenommen zu habe», bezw. Theilnehmer einer solchen Verbindung zu sein, deren Dasein, Vev fassung und Zweck vor der Staatsregiecung geheim gehalten werden soll und zu deren Zwecken und Beschäftigungen gehört, Mas regeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch u«1 gesetzliche Mittel zu verhindern und zu entkräfte«. insbesondere dadurch, daß sie möglich st viel Preßerzeug niss' des im Sozialistengesetz erwähnten Inhalts trotz der entgegen' stehenden Bestimmungen dieses Gesetzes hergestellt und v«' breitet, letzteres auch bezüglich bereits verbotener Druckschriften, ins'....., besondere des„Sozialdemokrat", gethan, nicht minder Versammlung««. so der in Z 9 des Sozialistengesetzes genannter Art, beziehungsweise M � solch« sammlungen überhaupt mit Umgehung der in dieser Beziehung bestehet � sdistt den gesetzlichen Vorschriften über das Vereins- und Versammlungswes!« �> e r heimlich abgehalten zu haben." thui Darnach dürfen wir uns auf fürchterliche Enthüllungen gefaßt mache» n>»t an Die Verbrechen, welche die Anklage aufzählt, fallen unter die KZ I2?"ichen und 129 des St.-G.-B., und werden mit Gefängniß von 1, bezw. � Monat bis zu 1, bezw. 2 Jahren bestrast. Wenn also das Glück �> 1 geht,— und es gibt noch Richter in Chemnitz,— so könnten so ei«�'W Fr Dutzend Jährchen schon herausspringen. Warten wir's ab.,'J,en? '««iget 3 - Mi '«« Rüc ..>9 erlas ß> left zu e ,, ptze ftstapt) Wen de Nett se Nie tza Ninet Diebe stützen sich dabei allerdings auf das Sozialistengesetz, alle:« lw i" wenn die Spitzbuben sich zusammenthun und ein Gesetz erlassen, welche'„-'»ff" das Stehlen erlaubt, ja zur staatsbürgerlichen Pflicht macht, so bleibt JMsbu gestohlen eben doch immer gestohlen, und ein Spitzbube doch immer ei«'« il Spitzbube. �'° si. Der Breslauer Diebstahl ist nicht der erste; seitdem daS infam' � Nur Sozialistengesetz besteht, sind unfern Parteigenossen auf Grund diesei e*na Schandgesetzes, wenn wir Alles zusammennehmen, Millionen unb �N D i Millionen direkt und indirekt geraubt und gestohlen worden.®a wäre beiläufig sehr gut, einmal annähernd die Sache zu berechnen. Ä käme eine erstaunliche Summe zusammen. iW? a Soll das Denen, die es geraubt und gestohlen haben, geschenkt sein'....«en, Nimmermebr.'' j'en' w Einer unserer Abgeordneten proklamirte einst bei Besprechung ieinem — Persönliche Haftbarkeit. In Breslau hat die Polizei, i m bezw. die Regierung, sozialdemokratisches Privateigenthum gestohlen. D» TjW »Im F Ausnahmegesetze im Reichstage die persönliche Haftbarkeit.weit R derUrheberdesSoziali st engesetze s.«nfi? Das ist ein Gedanke, der festgehalten werden und unseren Genofst« etroi in Fleisch und Blut übergehen muß. Bi,r®' Persönliche Haftbarkeit!, ,, ,,°n'' Die Herren Bismarck, Puttkamer und Konsorten sind I«' ten, zahlungsfähig.-- Und wenn nicht sie, doch ihre Nachkomme«� e obgleich es schade wäre, solange zu warten. bii* � Und es ist gut, wenn wir anfangen, die Rechnung zu machen, wir präsentiren werden., Daß die persönliche Haftbarkeit sich nicht bloS auf da« FinanZ'� t*"! gebiet beschränkt, und es also mit dem Zahlen allein ni'S v',"''" abgethan sein wird, das versteht sich von selbst. Wie die Schuld s'�j®' nicht immer in Geld abmessen läßt, so auch die S ü h n e. e mn ■ tzi, Arbeitergroschen. Anläßlich der jüngsten Abrechnungen»U 1 e r h Berliner Arbeiterversammlunzen ließ ein Reptil sich zu den unoorsi�'1'' s tigen Aeußerungen fortreihen:„Da sehen die Arbeiter, was ihre Herre« t«halb; Führer mit den A r b e i t e r g r oj ch e n anfangen, und wie sie sich S«$.S m r Kg-r Ba ,. T wui Kder Ge Aber '«Utscht! mit das Leben zu verschönern wissen." Nun— wir haben schon früheffa?�! e r bemerkt, daß die unsauberen Elemente, die in jenen Versammlunge«''«elsbi „abgesägt" wurden, mit der Sozialdemokratie absolut nichts zu thv» Briden! und auf den Titel„Arbeiterführer" nicht den leisesten Anspruch habe» Treu Und die Phrase von den„Arbeitergroschen" ist uns auch seit Langel« alle bekannt. Die Leutchen, welche sie im Munde führen, scheinen in ihr''»ttnlen Ignoranz keine Ahnung zu haben, daß alles Geld und aller Reichthu>« der Erde aus„Arbeitergroschen" besteht, und daß die Millionen, welch' die Fürsten und„oberen Zehntausend", darunter auch der gewaltig' Reichshamster Bismarck, einzusacken die Gnade haben, bis auf den letzte« Groschen nichts sind als„Arbeitergroschen", welche den Arbeitern, ihre«., richtigen legitimen Eigenthümern, gestohlen sind. Und von der Bi«' Mht� ixj marck'schen Presse ist es grade jetzt doppelt unklug, von mißbrauchte««allet's „Arbeitergroschen" zu reden. Gibts doch ein Sprichwort:„Im Ha» des Gehenkten soll man nicht vom Strick reden." Und im Hause des Spitzbuben nicht vom Mausen. Oder hätte es uns blos geträumt, d«! vor 7 oder 8 Monaten unter dem Titel„nationale Ehrenspende" i« ganz Deutschland ein„Fonds" zusammengebettelt wurde, zu dem a Tausende von deutschen Arbeitern ihre„Arbeitergroschen" zu geben g') nöthigt waren? Daß dieser Fonds, statt zu einem„nationalen Zwecke verwandt zu werden, in die vorher schon sehr wohlgefüllten Tasche« einer gewissen Person wanderte? Und daß die gewisse Person, welch die Arbeitergroschen„ihrer Bestimmung entzog" und in die eigene, r«« Rrbeitergroschen schon vorher strotzende Hamstertasche steckte, Ottovo« Bismarck heißt, alias der Eiserne Reichskanzler u. s. w.? Denn — S lungst, sieber 'n Ant Sunt B- wollen, Rottes, «Oirthet, — C. Liberale Halbheit. Man schreibt uns: Daß die Pre�',. organe des„deutschen Freisinn" mit Bezug aus Wahrheitsliebe nur blitz �igenov wenig hinter den Zöglingen des Preßbureaus zurückstehen, ist eine ob Wien v bekannte Thatsache; aber daß das v e r b r e i t e t st e Blatt diese' Miiff Partei des„aufgeklärten BürgerthumS" sogar die kürzlich entlarvte« Ntigt Londoner Wüstlinge in Schutz nehmen und die Schuld für ih« siechen L haarsträubenden Gemeinheiten auf die armen verführten Kinder wälze> M, so c würde, das hätten wir denn doch nicht erwartet. Indes das„Be« wirk! liner Tageblatt", das„wahrhaft freisinnige Organ des entschiede»' Sp Liberalismus",„der unentwegte Kämpfer für Recht und Freiheit", h« ihr dieses Skandalstück dennoch fertig gebracht. In ihrer Nummer vo«, Beilä 13. August schreibt nämlich diese ehrenwerthe Zeitung wörtlich Folgende«?>siesw „Der wahre Grund des Uebels(der Londoner Prostitution nämlics-silätter liegt unseres Erachtens m der mangelhaften Erziehung der Jagend, b' jfynalp in England zur äußeren Frömmigkeit herangezogen wird, im Uebrig» siunker aber in den Schulen eine durchaus lückenhafte Bildung erhält. Refor'« Uri der englischen Volksschule— sollte die Parole derer sein, die au richtig und schonungslos die sittliche Hebung der niedere Bevölkerungsstufe anstreben wollen." Also um die sittliche Hebung der„niederen Bevölkerungsstufe" Hand» es sich! Die biederen Lords, die Parlamentsmitglieder, die Minister u» Prinzen, welche die armen Kinder durch Künste oder Gewalt verführe' bedürfen natürlich der sittlichen Hebung nicht. Die Schuld tragen einzi und allein die Proletarierkinder! Denn warum lassen sie sich verführe»» tte,8' waruffi lassen sie sich festhalten und knebeln, warum gehen sie nicht zu« Richter? In der That, es geschähe diesem Proletariat eigentlich ga« recht, wenn man die ganze Bande einsperrte— etwa„wegen Versü! rung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Wales und anderer Hochach' baren Mitglieder der höchsten Bevölkerungsstufe". Jedoch das„Berlin' i Tageblatt" meint es aufrichtig mit dem Proletariat, und darum verla»! es„Reform der englischen Volksschule", und sittliche(aber»' Himmelswillen keine materielle!) Hebung der unteren Stände. 3 erst dieses schöne Programm durchgeführt, dann endlich wird wohl b> Aristokratie gegen die Versührungen der nichtswürdigen Proletarie« linder geschützt sein. O du heiliger Freisinn! f�onpri !«<) P «er H *'8 w - T üb En SU je» tüi P° köi Vo au unnül, r der Zar reist. Wir lesen in der„Berliner Volks- ntung": rinzipl. und nach werden über die Route, welche der uiflischs Kaiser imaltj« d? Reis« nach K r e m s i e r genommen hat, sowie über die zu seiner ,b, der getrosfenen Vorsichtsmaßregeln immer mehr Einzelheiten bo- 'geoistt Der Zar benützte auf seiner Reise durch Polen sechs v e r- diese« �dene Bahnen; Warschau wurde von dem Hofzuge nicht be- t fehlt Die Züge, welche dem Hofzuge hätten begegnen können, wurden len ist, � den Zwischenstationen oder sogar auf freiem Felde stundenlang rfülle» Walten: so hielt ein Zug bei Brzesc 21/, Stunden, bei Jedlnia 3 — iß""'den, bei Kielce sogar 5% Stunden. Die Reisenden durften cht sils J* oupv s nicht verlassen: bei Jedlnia wurde der Zug sogar i das entlegenste Geleise überführt und ringsum von Militär Jetzt., so daß vor jedem Fenster ein Posten stand. .-o zel'lDst einem russischen General in Uniform wurde auf freiem Felde bei Auer, iw nicht erlaubt, den Wagen zu verlassen.— Der offizielle Tele- mr- M berichtet dabei in einem fort über„enthusiastischen" i n e n J'P'cmg des Zaren von Seiten seiner geliebten Unterthanen." zsiene»«och peinlicher als aus der Reiseroute sind die Vorsichtsmaßregeln zesetzei°en Städten, welche Väterchen mit seinem Besuch beehrt. So Haber. wden neulich in Kiew, welches der Selbstherrscher aller Reußen auf „ jgtv d»er Rückreise besuchte, Vorschriften zur Wahrung der öffentlichen Ord- ilte« dbg erlassen, wie man sie im Mittelalter etwa beim Ausbruch einer Maß Zu erlaffen pflegte, nur mit dem Unterschied, daß für den Abend den h u«� Besitzern anbefohlen wurde, zu illuminiren. Der offizielle f t er. s�glaph meldete natürlich wiederum, daß die Ausnahme des Zaren von nifi'r1." der Bevölkerung Kiew's eine„wahrhaft begeisterte" e g eirf sei, und die liberale, fortschrittliche und demokratische Preffe o ver das verlogene Telegramm ohne jeden Zusatz ab— auch die >- ins" �ner„Volkszeitung". lungck."t»n sollte in dieser Beziehung doch konsequent sein. Entweder werfe ' iDlche Telegramme, denen man die F ä l s ch u n g auf den ersten steh» swes» lache». >. � ansieht, ohne Weiteres dahin, wohin sie gehören, d. h. in den e�dierkorb, oder, wenn man von ihnen einmal Notiz nehmen will, "a thue man es wenigstens nicht ohne Kritik. Wer las unterläßt, an der Täuschung Theil, begeht geradezu ein polttisches Ver- '§ K�-che'n. ezw. 3 ck gul-7®««« Prachtlei st ung von Deutschthümelei. Als so ei»,"'er Fritz" aus der Reise zu den Herbstmanövern des 13. Armeekorps , Sensburg paffirte und sich bei dieser Gelegenheit von der ehren- rihen Bürgerschaft der alten Reichsstadt anwedeln ließ, hielt ihm ein ."iger Arzt und Sangesbruder, Namens Gerster, folgende, für die stolizei, r s impelung der Intelligenz des Denkervolkes charak- n. D>t �msche BewillkommungSred«: allei» f''3m Frieden wie im Streit Ein Lied ist gut Geleit. Damit bringen velchtt i®1 kaisirlichen Hoheit die Gesangvereine hier den Willkommensgruß bleib! � Dasburgs, der früheren 700jährigen freien Reichsstadt, die KS Reichs- ter e« �'u chren Mauern gesehen. Dieses Willkommen bietet Regensburg �1° freudiger, als wir mit allen Deutschen in Ew. kaiserl. Hoheit infam! nur den gefeierten Erben auf Deutschlands Kaiserthron verehren, diestt, etn auch den siegreichen Führer unserer vaterländischen Truppen n u»b Deutschlands alten Erbfeind. �Natürlich! Dieser„Erbfeind" n. 1° das arme Deutschland Anfangs dieses Jahrhunderts um Dutzende n. dl«treuen Landesväter" verkürzt.) Wie vor 3 Jahren verehren wir , Uli wieder in Ew. kaiserl. Hoheit hier den hohen Gast unseres t seinl'iMen, treu deutsch bewährten Königs Ludwig, der nie ver- i ittn, was sein kunstsinniger, treu deutscher Vorfahre Ludwig I. ig d-O�nem, deutschen Ruhme erbauten Tempel, der Besreiungshalle, rkett�ett Regensburg, einmeißeln ließ, allen Deutschen zum bleibenden '»ttchtniß:„Seid einig, ihr Deutsche, dann seid ihr ein großes, enoff«' J!,, windliches Volk." Es hat sich dies, zum Staunen und zur Hoch- Vung der Welt in der Wiederausrichtung des Reiches deutscher «ion, wofür schon so viele national gesinnte Männer gestritten und und st», glänzend bewährt. Die Erinnerung daran tritt um so lebhafter imm«tz Gedächtniß heute am Vorabend des 1. September, dem großen putsch«» Siegestage vor 15 Jahren, wo auch unsere vaterlän- welche« n Truppen am Anfang der Schlacht bei Bazeilles wie an deren �»de bei Balan die bayerische Tapferkeit und Ausdauer l aitzfr Ehrten. Zugleich mit Ew. kaiserl. Hoheit vereint in treuer "' � ist Regensburg so glücklich, Prinzen »ld® angestammten Königshauses heute hier zu begrüßen. . wir in Bayern einig sind in Liebe und Anhänglichkeit an unseren l eu deutsch bewährten König, so sind wir auch einig mit igen i»� �rhöchstdemselben in Liebe und Treue für das allen »orstvK e u t sch e n gemeinsame Vaterland und Reich. Begeistert rufen wir Herre�x �alb: Hoch lebe der Kronprinz des Deutschen Reiches, der sich do'ij hmre ich« Erbe und Sohn unseres Deutschen Helden- früh«sii. M e r s— hoch lebe die treue Waffenbrüderschaft von llung».«elzbach mit Hohenzollern und allen deutschen Fürsten und . thu-.�nden! Hoch! hoch! hoch" habe» Treu deutsch... treu deutsch bewährt... angestammtes Königshaus lange»-.alle deutschen Fürsten hoch!— wen übermannt bei diese», knechtisch- a ihre' lirpji� Gewinsel nicht der Ekel? Kann man sich bei solch' niederträch- chthu» azq Bauchrutscherei, bei solch' hündischer Bedientenjprache eigentlich welV�och wundern, wenn die oben das Bürgerthum verachten und ihm bei valtiz' Itter Gelegenheit einen neuen Fußtritt versetzen?! letzltt Aber freilich, diese Sprache ist„national". Ehedem nannte man es ' iffiutschthum und reimte darauf deutschdumm. Das Wort ist, wie man r. 6�' leider heute noch am Platze, und noch heute bleibt— leider!— �"llet's Spottgedicht zeitgemäß: ' Wir wollen uns ächtdeutsch begeistern, •' Für unfern angestammten Herrn, Je herrischer er uns will meistern, Je heller glänzt der Treue Stern! Denn— Hunde sind wir ja doch! .�Splitter und Balken. Die servile deutsche Presse machte '"Ngst wieder einmal in„Entrüstung", und zwar wegen angeblicher stebertheuerung, deren Opfer„unser Fritz" bei seinem Aufenthalt m Andermatt gewesen sein soll. Es fällt uns nun nicht ein, uns «Dm Vertheidiger eines Hotelwirths für die„keine Welt" aufwerfen zu Jollen, wir wissen zu gut. daß ein solcher Mann nicht um der Liebe ®°tteS, noch um der schönen Augen seiner hohen Kundschaft wegen ! Preß®>rthet, sondern um sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Aber selbst ar bliß»»genommen, der deutsche Kronprinz sei in Andermatt übers Ohr ge in« a»?°uen worden— von dem mysteriösen„Attentat" gar nicht zu reden— diese' w müssen wir doch sagen, daß man bei demjenigen am wenigsten be- larvtck stthtigt ist, über Ueberforderung zu klagen, der sich für seine problema- lr ihn?chen Leistungen, deren wesentlichste darin besteht, daß er überhaupt da wälzss m. so gut bezahlen läßt als der Kronprinz von Preußen. Hier heißt wirklich; Siehe erst den Balken in Deinem eigenen Auge, ehe Du iedenst.�n Splitter im Auge Deines Nächsten suchst. Die Lakaienpresse mag t", ihre Entrüstung hübsch für sich behalten. e von, Beiläufig sei hier noch als Beispiel, daß der angeblich Uebertheuerte lendtt'»ineswegs an übertriebener Noblesse leidet, mitgetheilt, daß Schweizer ämliG Mtter von einem Ausflug der kronprinzlichen Familie nach der Gur- ld, di] ichenalp berichten: Die Herrschaften haben dort sehr reichlich Milch ge- ' Lunken; auf die Frage nach den Kosten antwortete der Senn, wie das 'd Uri üblich ist, sie sollten geben, was sie wollten, worauf sich der Kronprinz recht fürstlich zeigte und dem Aelpler einen ganzen Franken Pfennige!) gab.—„Der schlägt nicht aus der Art °er Hohenzollern," bemerkt dazu die„Arbeiterstimme",„h u n g< ''g wie das deutsche Wappenoieh, der Reichsadler!" � Die Nr. 131 der in Frankfurt erscheinenden„Kleinen Presse" A'hält folgenden Bericht, den wir des Interesses halber, das er für die Parteigenossen bietet, hiermtt zum Abdruck bringen: „Der Reichstagsabgeordnete Frohme hielt gestern Abend im „Rheingauer Hof" in Bockenheim einen sehr gut besuchten Vortrag über„Deuffchlands Beruf in der Oekonomie der weltgeschichtlichen Entwicklung". Er erklärte sich gegen alle kosmopolittschen Schwär- mereien; die demokratischen Prinzipien hätten nichts gemein mit jener kläglichen Allerweltsduselei, die mit hochmüthigem Nasen- rümpfen hinwegsehe über die nationalen Aufgaben und über den Patriotismus spöttele als über ein kindisches Gefühl. Niemand könne eine wahrhaste Liebe zu der Menschheit haben, dem die echte Vaterlandsliebe nicht eigen ist. In dieser Beziehung bezog sich Redner auf die Aussprüche Lassalle'S. Den Worten Fichte's und Lassalle's s-- it. d-sj de" n auil ben ä'J Zweck«! LaschZ welch' >e, r»' o vo» folgend, bezeichnete er dann den Beruf Deutschlands dahin, das Reich der vollendeten Freiheit auszubauen, und begründete dies aus der unverfälschten Ursprünglichkeit der deutschen Nation. Die von Lassalle erweckte soziale Bewegung sei eine spezifisch' deutsche, die aber nur im Sinne ihres Urhebers fortgesetzt werden dürfe, wenn sie nicht ausarten solle in das wirre Gebahren des Anarchismus, jenem sogenannten Individualismus, der keine Prinzipien mehr kennt, sondern nur noch die Befriedigung niedriger persönlicher Leidenschaften(lebhafter Beifall.) Der Zweck des Staates sei, durch die Vereinigung die Einzelnen in den Stand zu setzen, eine solche Stufe des Daseins zu erreichen, die ste als Einzelne niemals er- reichen. Einen solchen Staat ins Leben zu rufen, sei Deutschlands hohe Mission, an der Erfüllung dieses Berufs wollen wir mithelfen. daß die Freiheit der Bürger auf dem Boden der wahren Mensch- lichkeit verwirklicht werde. Ein Reich auf solcher Grundlage werde den Völkern des Erdballs ein leuchtendes Vorbild werden. Dann dürste die Zeit nicht ferne sein, in der es heißt: Friede den Wen- schen auf Erden, der Mensch dem Menschen ein Wohlgefallen!— Der Rede folgte anhaltender Applaus. Zu einer Frage meldete sich Niemand." Eine Anzahl liberaler und konservativer Blätter begleitete den Abdruck vorstehenden Berichtes mit folgenden Bemerkungen: „Nie ist eine schärfere Verurtheilung der internationalen Sozial- demokratie durch einen Sozialdeinokraten ausgesprochen worden. Sollte es Licht werden in den Köpfen?" Auf diese letztere Frage wird der nächste Parteikongreß die Antwort geben. Einstweilen wollen wir die neugierigen Frager auf die Samm- iungen verweisen, welche in den letzten Wochen ein großer Theil der deutschen Parteigenossen zur Unterstützung der französischen Arbeiter- wählen vorgenommen hat. Bisher hat die deutsche Sozialdemokratie voll- kommen verstanden, ihre Pflichten als eine deutsche Arbeiterpartei mit ihren Pflichten internationaler Solidarität gegen die Arbeiterparteien anderer Länder zu vereinigen, und ste wird dies auch ferner wissen. Die schroffe Betonung eines spezifisch nationalen Stand- Punktes hört sich an ivie ein Märchen aus alter Zeit, in einem Zeit- alter, wo die Entwicklung unserer Zustände im höchsten Maße von dem Entwicklungszustand der internationalen Verhältnisse und der allgemeinen Weltwirthschaft abhängt, und wo die reaktionärsten Regierungen Europas genöthigt sind, internationale Vereinbarungen der verschiedensten Art im eigensten Kulturinteresse herbeizuführen. — Ein braver Kämpfer ß. Im„Philadelphia Tag» b l a t t" vom 24. August lesen wir folgenden Nachruf: „ß Gustav H e l h i g. Im Deutschen Hospital starb am Samstag (den 22. August) Nachmittag nach langem Leiden Herr Gustav Helßig, dessen Name wohl vielen eingewanderten Sozialdemokraten noch in Er- innerung sein wird. Helßig war nämlich längere Zeit verantwort- licher Redakteur des Vorwärts" in Leipzig, offiziellen Organs der Sozialdemokratie Deutschlands. Als solchen trafen ihn eine Menge von Bestrafungen wegen Prehvergehen. Er verbüßte sie längere Zeit im BezirksgerichtS-Gefängniß in Leipzig, und hatte 2'/, Jahre imLandesgefängniß in Zwickau zu sitzen. Ohne Zweifel legte diese lau geHaft denGrund zu dem Schwindsucht s- Leiden, dem Helßig schließlich erlag. Aus dem Zwickauer Gesängniß entlassen, war seine Gesundheit so zerrüttet, daß er einsah, er würde eine weitere längere Haft nicht überstehen können. Nun war- tete aber seiner ein noch nicht rechtskräftig gewordenes Urtheil auf neun Monate Gesängniß, und Helßig kam zu dem Entschlüsse, zu fliehen. Er entkam glücklich nach Amerika und ergriff hier sofort seinen- alten Beruf — er war Cigarrenarbeiter. Helßig arbeitete in New-Iork und anderen Städten, zuletzt längere Zeit in Philadelphia. Sein Leiden machte so starke Fortschritte, daß er vorigen Winter in Florida Linderung suchte, aber nicht fand. Sein kränklicher Zustand verhinderte ihn auch, an der Arbeiterbewegung hervorragenden Antheil zu nehmen. Indessen war er ein eifriges Mitglied sowohl der Progressiv- wie der Internationalen Cigarren-Arbeiter-Union. Gustav Helßig war ein recht wohl unterrich- teter und belesener Mann, dabei aber bescheiden und ein angenehmer Gesellschafter. Für seine große Opferwilligkeit, die ihm ohne Zweifel sein Leben verkürzte, ist ihm die Sozialdemokratie ein dank- bares Andenken schuldig. Helßig hatl« nur ein Alter von 40 Jahren erreicht." Die Beerdigung unseres wackeren Genossen, der in der That ein MjU st er von Selb st Verleugnung und Opfermuth war, fand am 25. August statt. Seinem Sarge folgten die Lokal-Sektionen der sozialistische» Arbeiterpartei und der organisirten Cigarren- macher. Am Grabe würdigte Genosse F. W. F r i tz s ch e die Verdienste des Verstorbenen um die Sache des arbeitenden Volkes. Im Namen der Genossen Deutschlands und insbesondere der Genossen Leipzigs, in deren Mitte Helßig gelebt und gewirkt, schließen wir uns dem obigen Nachruf voll und ganz an. EhredemAndenken des treuen Mitstreiters! — Wir erhalten folgende Zuschrift: Berlin, 6. September 138S. An die Redaktion des„Sozialdemokrat"! In der Nummer 36 des„Sozialdemokrat" befindet sich eine Zuschrift aus Berlin, welche sich mit mir beschäftigt, und die meinerseits nicht unerwidert bleiben darf. Ich gehe wohl in meiner Annahme nicht fehl, daß Sie gern bereit sind, auch mir zu dem in jener Zuschrift Gesagten das Wort zu geben. Konsusion— Opportunismus. Es ist eine unangenehme Sache, in den Geruch gebracht zu werden, als ob man vor jener oben bezeichneten Alternative stünde, und der„Genosse aus Berlin" hat sich wohl seine Zuschrift wenig überlegt, als er diese Spitzmarke gebrauchte. Daß ich oder einer meiner Freunde für indirekte Steuern in irgend einer Form eintreten könnte, dürste wohl schwerlich von einem andern Berliner Ge- nossen als dem Einsender dieser Notiz geglaubt werden. Der Genosse sucht durch seine Ausführungen den Schein zu erwecken, als ob das von mir Gesagte— welches übrigens verunstaltet genug wiedergegeben ist— lediglich nur meine Auffassung wäre. Bevor ich über diesen Gegenstand mich äußerte, habe ich mit meinen Kollegen Rücksprache genommen, die ganz meiner Ansicht waren. Konnte man auch auf Einwendungen gefaßt sein, und ste werden von mir als eine gewisse Nothwendigkeit bei jeder Diskussion betrachtet, so war ich allerdings weit entfernt, anzunehmen, daß dieselben in solch groben Vorwurf auslaufen würden. Wie verhält sich nun eigentlich die Sache? Indirekte Steuern sind solche, die auf irgend ein Bedürsniß, nicht auf Luxus, die auf das Stothwendige, nicht auf den Ueberfluß gelegt werden. Nun werden jährlich nach Berlin rund 1 20,000 Irl. sogenannte„echte" Biere eingeführt, die zum Preise von 30 Pf. für den halben Liter ver- schenkt werden. Die einzige Frage, vor der wir stehen, ist die: Ist jenes theure Bier noch ttonsumartikel oder nicht vielmehr Luxusartikel? Ist anzunehmen, daß noch eine weitere Preissteigerung stattfinden kann? Was den ersten Theil der Frage anbetrifft, so beweist erstens die geringe Menge der Einfuhr, daß es kein Konsuniartikel der großen Masse der Bevölkerung ist, zweitens aber wird ein Rundgang durch jene Lokale jeden Zweifel daran aufheben, daß wir es hier nicht mit dem Volke in dem besseren Sinne des Worts zu thun haben. WaS den zweiten Theil der Frage betrifft, so ist der Preis des Bieres— 30 Pf. für den halben Liter— ein so enormer, daß eine weitere Preissteigerung vollständig ausgeschlossen erscheint. Keinem Menschen wird es einfallen, mehr als 30 Pf. für einen halben Liter Bier zu zahlen. Aus diesen hier kurz entwickelten Gründen glaubte und glaube ich, daß jene Belastung in keiner Weise unsere ärmeren Mitbürger ttifft, daß dieselbe vielmehr, mit nur selten vorkommenden Ausnahmen, von den wohlhabenderen Klassen getragen wird. Selbst wenn hier, was ich nicht eher glaube, als bis es nachgewieien ist, ein Jrrthum vorläge, berechtigt das jenen Genossen, in einer solchen Weise loszuziehen? Gewiß, jeder muß sich die Kritik gefallen lassen, ja ohne dieselbe würde eS sehr schlecht stehen, aber zwi- schen einer Kritik und solchen denunziatorischen Auslassungen ist denn doch ein Unterschied. So behandelt ein Genosse nicht den andern! Warum interpellirte mich der Genosse nicht direkt? Wir würden dann, der eine oder der andere, doch den Jrrthum eingesehen haben. Der Ge- nosse mag sich beruhigen. Ich habe vielleicht früher gewußt wie er, daß die Sozialdemokratie keine Partei des Opportunismus, sondern eine Partei der Prinzipien ist. Und dieses Bewußtsein war stets und wird stets das Motiv meiner Handlungen sein. Ob ich zu den Behutsamkeits« Polstikern gehöre oder nicht, diese Antwort überlasse ich am besten den I hiesigen Genossen, die es sich wohl nicht nehmen lassen werden, dem Herrn Anonymus in unserm Organ begreiflich zu machen, wie sehr er sich geirrt hat. Im Uebrigen würde es mir sehr angenehm sein, wenn der Genosse aus dem Versteck herausträte und mich, seiner Ansicht ge- mäß, in dem Bestreben unterstützte, jener„praktischen" Politik den Ein- gang zu verwehren. So viel für diesmal. Mit sozialdemokratischem Gruß! Fritz Görcki." Wir haben hierauf Folgendes zu erwidern: Die Einsendung, gegen welche Görcki sich wendet, stammt gar nicht aus Berlin, wie er, wir wissen nicht woraufhin, annimmt: alle seine darauf bezüglichen Ausführungen sind daher gegenstandslos. Wenn der Verfasser nicht genannt ist, so ist nicht dieser, sondern sind wir dafür verantwortlich zu machen. Wir haben den Namen aus eigener Initiative gesttichen, um zu verhindern, daß die Erörterung einen persönlichen Charakter annehme. Es handelt sich hier nicht um eine Personen-, sondern um eine Prinzipien frage. Als solche hat der Einsender sie behandelt, und als solche wird sie hoffentlich auch weiter behandelt werden. Ferner müssen wir uns und den Einsender gegen den Vorwurf, der in den Worten:„Denunziatorische Auslassungen" ent- halten ist, entschieden verwahren. Unter Denunziation schlechthin wird heute die direkte oder indirekte Anzeige an die Polizeigewalt verstanden, von einer solchen kann aber in Bezug auf die betr. Einsendung absolut keine Rede sein. Zur Sache selbst bemerken wir, daß die Frage, wer das in Berlin importirte Bier trinkt, keineswegs die einzig entscheidende für die Stel- lungnahme unserer Partei sein kann. Unser Programm fordert(Abschnitt III. Punkt 2): „Eine einzige progressive Einkommensteuer für Staat und Gemeinde, anstatt aller bestehenden, insbesondere der das Volk belastenden indirekten Steuern." Wenn man also wirklich die Steuer auf das außerhalb Berlins ge- braute Bier als eine Luxus st euer auffassen wollte— und auch als Luxussteuer wäre sie eine indirekte Steuer— so stände sie immer noch in Gegensatz zu unserem Programm, das nur die progressive Einkommensteuer anerkennt. Dann aber ist doch allbekannt, wie sehr die Reaktton heute darauf ausgeht, die lokalen Oktrois wieder einzuführen. Was ist nun die pro- jektirte Biersteuer anderes als ein erster Schritt auf der schiefen Ebene dahin? Sollen wir, die Sozialdemokratie, die Hand dazu bieten, daß Berlin den anderen Städten mit gutem Beispiel vorangeht, die selige Zeit der Schlagbäume, der Thorwächter»c. wieder einzuleiten? Mit der Abgabe aus fremdes Bier fängt man an, und mit der Mehl- und Schlacht- steuer hört man auf. Soviel für heute. Auf die spezielle Frage der Wirkung der projek- tirten Biersteuer wird wohl unser Einsender antworten. — Ein Denkmal für Hugo Hiller. Unser amerikanisches Bruderorgan, der in Newyork erscheinende„Sozialist", veröffentlicht in seiner neuesten Nummer folgenden Aufruf: „An die Genossen, welche früher dem Wahlkreis Frankfurt am Main und Umgegend angehörten. Genossen! Da es uns nicht vergönnt war, unseren braven Freund und Parteigenossen Hugo Hiller persönlich die letzte Ehre zu er- weisen, so wird es dennoch unsere Pflicht sein, unseren Genossen in Frankfurt zu zeigen, daß wir, trotzdem wir so weit entfernt sind, mit ihnen denken und fühlen. Beweisen wollen wir ihnen, daß wir heute noch Antheil nehmen an den Ereignissen, welche sich an dem Ort unserer früheren Thätigkeit zuttagen, und so wollen wir auch theilnehmen an der Trauer um unseren Freund Hiller. So glauben wir sein Andenken am besten dadurch zu ehren, indem wir seine Grabstätte so herrichten lassen, daß dieselbe längere Zeit vor Verfall gesichert ist und von unseren Genossen besucht und geschmückt werden kann. Wir fordern hiermit alle Diejenigen, welche gewillt sind, zu diesem Zweck ihren Theil beizutragen, auf, denselben an die untenstehenden Adressen gelangen zu lassen, und wird dafür in diesem Blatt öffentlich Quittung abgelegt werden. Da das Grab nur einfach hergerichtet werden soll, so wird der even- tuelle Ueberschuß an die Familie des Verstorbenen überwiesen werden, denn infolge der lange Krankheit war er wohl nicht im Stande, seiner Familie Reichthümer zu hinterlassen, und was er sonst erübrigte, brachte er der Partei zum Opfer. Genossen! Hiller, war einer der ersten, welcher das Banner wieder hochschwang nach dem Wirrwar, welchen das Inkrafttreten des fluch- würdigen Ausnahniegesetzes mit sich brachte: er war aber auch einer der ersten, welcher in den Maschen dieses Gesetzes hängen blieb, und er mußte dafür ins Gesängniß wandern. Dieses und die sonstigen Auf- regungen, welche sein unermüdliches Wirken mit sich brachte, waren hauptsächlich die Ursachen seines frühen Todes. Beweisen wir unsere Achtung vor dem todten Genossen, indem wir seine Grabstätte Herrichten. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag BernhardtJrmer, Julius Roth, 1411 Lingo Str. IS untere Warton Str. Philadelphia. Pa." Bravo! — Aus Frankreich. Protest. Die am Samstag den S. Sep- tember 1S8S versammelten Sozialisten deutscher Zunge in Paris prote- stiren mit aller Entschiedenheit gegen die verbrecherische Politik der deutschen Reichsregierung, welche darnach angethan ist, einen Krieg zwi- schen Spanten und Deutschland zu provoziren. Sie drücken ihren Abscheu und ihre Verachtung auS gegen eine servil« Presse, welche auch diese Gelegenheit wieder benutzt, das deutsche und französische Volk gegen einander aufzuhetzen, indem sie zu behaupten sucht, Frankreich stachle Spanien zum Kriege gegen Deutschland auf. Sie protestiren gleichzeitig gegen die Massenausweisungen der Polen und erklären: Das spanische, französische, polnische Volk, kurz, alle Völker sind für uns Brüder; unsere gemeinsamen Feinde sind für uns der Despotismus und die Ausbeutung deS Menschen durch den Menschen, gleichviel in welcher Gestalt sie uns gegenübertreten. Gegen diese müssen wir uni vereinigen. Es lebe die Union der Völker! ES lebe die Sozialdemokratie! Die deutschen Sozialisten in Paris. — Wir lesen im„Sozialist": „Die Nothwendigkeit, gegen den gemeinsamen Feind, di« Bourgeoisie aller Schatttrungen, ein gemeinsames Heer— oder Liste— zu bilden, ist, mit einer Ausnahme,") von allen sozialistischen Organisationen aner- tannt worden. Vor vier Monaten von den unabhängigen Gruppen des II. und 18. Arrondiffements angebahnt, ist die revolutionäre Union oder Koalition am letzten Sonntag besiegelt worden, und zwar auf der BastS der Frei- heit und Selbstverantwortung der verschiedenen Organisationen, sowohl was Programm und Taktik, als auch waS die Kandidaten anbetrifft. Der Pariser Gruppenverband der Arbeiterpartei, das revolutionäre Zentralkomite, die Syndikatskammern(Fachvereine), der Verband der sozialistischen Freidenker, die unabhängigen sozialistischen Vereine, di« Liga zur Abschaffung der stehenden Heere w. werden jede ihren Anthett an der Liste haben. Die einzelnen Listen aneinandergereiht bilden vann die gemeinsame und einzige Liste der Koalition, welche wir hoffen in der nächsten Nummer veröffentlichen zu können." Angesichts des Systems der Listenwahl ist diese« Handinhandgehen der verschiedenen sozialistischen und Arbeiterorganisationen gewiß nur zu billigen. Der Pariser Gruppenoerband der Arbeiterpartei hat, wie der„Sozia- list" weiter mittheilt, einstimmig folgende zwei Beschlüsse gesaßt: Die an ihn gesandten Wahlgelder, ob sie aus den Kreisen der fran- zösischen Genossen oder von den Sozialisten deS Auslandes herrühren, bilden eine Zentralkasse und werden in zweckgemäßer EintheUung den Departements-Gruppen zur Verfügung gestellt. „Die Kandidatur ist ein Kampsposten, dem sich kein Mitglied, daS von einer Gruppe der Partei dazu ausgewählt wird, entziehen darf." *) Dem sozialistischen Arbeiterverband, Richtung Brousse-Joffrin. Anm. d. Redakt. Korrespondenzen. i Berlin, 81. August. Wie in früheren Jahren, so hatten wir auch dieses Jahr eine Feier zum Andenken unseres Vorkämpfers Ferd. Lassalle veranstaltet, und zwar diesmal im großartigen Maßstabe. Die Genossen waren denn auch zu Tausenden, theils in Ver< einen, theils in kleineren Gruppen, nach dem zwei Meilen von Berlin entfernten Köpenick marschirt oder waren eine kleine Strecke per Bahn gefahren, um nur den Rest des WegeS zu Fuß zurückzulegen. Bereits alS der Morgen noch graute, sah man die Straßen und Plätze Berlins schon mit Polizei besetzt. Die Blitzableiter der Pickelhauben erglänzten im Schein der Morgensonne, als die Genosien sich zur Bahn begaben. Auch an dem kleinen, sonst friedlichen Orte, wo wir ausstiegen, erblickten wir die bekannten Madai'schen Gestalten, und es dauerte nicht lange, so kamen auch die Berittenen an, erst wenige, dann mehr und immer mehr, so daß wir in K ö p e n i ck mit starker Bedeckung einziehen konnten. Auch die Thorwagen, die hinausfuhren, wurden von„Berittenen" begleitet, trotzdem nur Frauen und Kinder darinnen saßen. Der Köp nicker Arbeiterverein war anderen Vereinen entgegengezogcn und hatte für rothgefärbte Federn und andere Abzeichen gesorgt, so daß unser Zug durch Köpenick, morgens halb 10 Uhr, sich zu einer recht im- posanten Demonstration gestaltete, was die Puttkamer'schen Meineids- michel zu Pferde, welche uns eskortirten, in gelinde Verzweiflung ver> setzte. Das Terrain, auf welchem unsere Feier stattfand, der„Schützen- Garten" und die„S ch ü tz e n h e i d e", war für dieselbe nicht grade sehr günstig. Jedoch hatten wir es für unsere Pflicht gehalten, einem Genossen sdem Schützenwirth), welcher seit langer Zeit von allen Seiten gemaßregelt wird und nahezu zu Grunde gerichtet ist, etwas aufzuhelfen. So wogte denn von Morgens an das regfle Leben im„Schütze n- Haus e", unaufhörlich zogen neue Vereine ein, jedoch alle mußten dar- auf verzichten, die dursttgen Kehlen erfrischen zu können— die„Wohl- weise" hatte, in Ermangelung einer andern Chikane, dem W i r t h geboten, vor 11 Uhr kein Bier zu schenken, während alle übrigen Wirthe in Köpnick während der Kirch« eit aussch.enken durften, selbst der Wirth des nächst em unfern gelegenen Lokals, wo die Gensdarm en frühstückten! Alles das konnte jedoch unsere fröhliche Stimmung nicht beeinträchtigen, in Gruppen, die nach Hunderten zählten, schaarten wir uns zusammen und sangen d> e„M a r s e i l l a i s e" oder das „P e t r o l e u m l i e d" zum größten Verdruß der anwesenden Spitzel. Mittags zogen einige Genosien aus, um die ankommenden Frauen, un- fern Reichstagsabgeordneten Singer und Andere von der Bahn ab- zuholen. In der Zwischenzeit hatten die übrigen Genossen die große rothe Fahne an einer Eiche befestigt, unter welcher die Feier stattfinden sollte. Kaum gewahrten die Schildknappen die Fahne, wurden sie wild, und versuchten ein Attentat auf dieselbe. Sie gaben jedoch ihren Plan wieder auf, als sie sahen, welch ein Wall von Menschen sich ihnen cntgegenstemmte. Die„muthigen" Spitzel, welche sonst auf Kosten der Arbeiter überall herumlungern, hatten sich währenddem heimlich im Schießgraben verkrochen. Am Nachmittag wurde ein zweiter sol- cher Angriff gemacht in Form einer Kavallerie-Attake. Aus einen kleinen Hügel, welcher zur Hälfte mit niedrigen Fichten bewachsen und zur Hälfte ganz kahl ist, hatten wir uns Bier hinaufgefahren, und die Frauen und Kinder hatten sich unter den Fichten gelagert. Am äußersten Baum hing wieder die bewußte rothe Fahne. Plötzlich, auf ein geheimes Zei- chen, sprengten die Berittenen wie die Wahnsinnigen zwischen Männer, Frauen und Kinder hinein, was natürlich die größte Erregung hervorrief. Sie ritten im Galopp durch das Lager von Frauen und Kindern, schonten nichts, um nur die Trophäe zu erobern; jedoch auch diesmal gelang es ihnen nicht. Die Fahne wehte kurze Zeit dar- auf schon wieder an einer andern Stelle. Viele Genosien waren sehr erregt über diesen Vorfall. Die P u ttk a m er'fchen Spie ß- gesellen zogen sich zurück, und wenn sie so weiter arbeiten, dann werden wir bald auch die so schwer zu erobernden B e r l i n e r Land- kreise unser nennen können. Das Fest, das nicht nur von Arbeitern, sondern auch von Männern aller Berufs stände besucht war, war ein glänzendes, und der Verlauf desselben ein durchaus würdiger. Die Madai'schen werden sehr magere Berichte liefern, trotz aller Provokationen und Machinationen der Puttkamer- schen Ordnungsretter. Unter dem Gesang der„Marseillaise" zogen wir, sämmtliche Theilnehmer, nach Berlin zurück, wo am Bahn- Hose die Männer der Ordnung Entfernung der rothen Abzeichen ver- langten. Dieselben fühlten sogar am Abend noch das Bedürfniß, den Staat zu retten, jedoch des großen Gedränges wegen mußten sie aus die edle Absicht verzichten, und so zogen denn die Genosien spät Abends durch die Straßen Berlins fröhlich und heiter ihren Wohnungen zu. Diejenigen aber, welche das infame Gesetz geschaffen, konnten einmal wieder sehen, wie die Arbeiter, die es treffen sollte, auf dasselbe pfeifen. Roth Hand. Oberukirchen(Lippe-Schaumburg), 31. August. Am 21. Juni hatten wir auch hier eine Versammlung, in welcher Genosse Meister über die Arbeiterschutzgesetze referirte. ES ist ergötzlich, zu lesen, wie sich hinterher die antisemitische„Schaumburg-Lippische Landeszeitung" und die fortschrittliche„Mindener" unsertwegen katzbalgten. Von beiden Wurstblättern liegen Proben bei. Im Oktober v. I. waren hier ein Nagelschmiedmeister und sein Ge- selle, nachdem bei einer Haussuchung mehrere Nummern des„Sozial- Demokrat" und Broschüren gefunden wurden wegen Verbreitung ver- botener Schriften angeklagt worden— leider erfolglos—, am Tage nach der erwähnten Versammlung aber fand hier eine duftigere Haus- suchung statt, nicht nach verbotenen Schriften, sondern nach Rosen! Die Mitglieder der hiesigen Tischler-Krankenkaffe-Filiale, bei welcher obiger Nagelschmied-Geselle Bevollmächtigter und der Meister Kassier ist. feierten am gleichen Abend nach der Versammlung ihr Stistungssest durch ein„Rosenkränzchen", an welchem auch Meister mit noch einigen Freunden aus Hannover theilnahm. Am anderen Morgen hieß es, dem Amtsrichter seien Rosen gestohlen worden, und es ward bei der Braut des Bevollmächtigten und deren Schwester nach Rosen gehaussucht; auch wurden die Rosen, welche dieselben am Busen und in den Haaren getragen hatten, mitgenommen. Es wurde aber bald festgestellt, daß auf dem Feste weit mehr Rosen vorräthig waren, als gebraucht wurden, daß ferner die beschlagnahmten Rosen von einem Mitglied der Kasse geliefert waren, welcher einige hundert Stämme, und zwar schönere und edlere als der Amtsrichter, besitzt. Von einer dem Amtsrichter nahestehenden Person, welche die Rosen desselben am anderen Tage besichtigr, erfuhren wir nachttäglich, daß wirklich— vier oder fünf Rosen abgepflückt sein konnten: wir haben somit die Gewißheit, daß die inszenirte Haus- suchung eine Niedertracht war. Der Amtsrichter ist überhaupt ein würdiges Mitglied der uns bekann- ten„besseren Gesellschaft". Berheirathet ist er nicht, seine Haushälterin wird Amtsgerichtsräthin titulirt»c. Nun noch etwas von einem k. k. Schulinspektor, der ein Lügner ist. Die erste Klaffe der hiesigen Volksschule hat ein Lehrbuch, bearbeitet von Fr. Po lack, königlichem Kreisschulinspektor. Da werde ich kürzlich von einem elfjährigen Kind auf den Schluß des darin enthaltenen Abrisses der kurzen„Deutschen Geschichte" aufmerksam ge- macht, wo es heißt: „Doch eine große Gefahr ist uns in den Sozialdemokraten heran- gewachsen! Von kühnen Führern ausgestachelt und geleitet, suchen die Unzufriedenen die Ordnung des Staates, der Kirche und der Gesellschaft zu untergraben, die Güter gleich zu vertheilen, die Rangunterschiede auf- zuheben, den Glauben an Gott und kirchliche Frömmigkeit aus den Herzen zu reißen und die Regierung des Staates zu ändern. Zwei ent- artete Söhne unserer Nation, Anhänger jener Partei, der verkommene Klempnergeselle Hödel und der studirte Dr. N o b t l i n g, legten sogar den 11. Mai und 2. Juni 1878 die freche Hand an das geheiligte Haupt unseres geliebten greisen Kaisers Wilhelm. Gott aber schützte den edlen Alonarchen vor den Kugeln des ersten und ließ ihn von den Schrotschüssen des zwetten Meuchelmörders genesen. Das Haupt Hödel's ist unter dem Beil des Scharsrichters gefallen, Nobiling an den Wunden von seinen eigenen Schüssen gestorben. Der deutsche Reichstag aber hat jetzt durch scharfe Gesetze die Sozialdemokratie unter die Scheere genommen." Das Buch ist 1883 herausgekommen. Wie lange werden solche— Wahrheiten den Kindern wohl noch beigebracht? AuS dem 9. schlesischen Wahlkreis(St r i e g au- S ch w e i d- nitz). Am 26. Juli waren die Genossen der Wahlkreise Striegau und Waldenburg in einem der herrlichen Thäler Schlesiens ver- sammelt, um zu berathen, was für die Agitation zu thun sei, da gerade diese Kreise von der Provinzial-Wahlleitung ganz stiefmütter- lich behandelt werden. Beschlossen wurde, geeigneten Orts eine Beschwerde einzureichen und eine neue Zusammenkunft zu veranstalten. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und einer Kollekte für die Ausgewiesenen trennten sich die Genossen, mit dem festen Entschluß, Alles dranzusetzen, um für die Verbreitung unserer Grundsätze zu wirken. Mtt sozialdemokratischem Gruße! E i s e n f e st. München, 7. September. Es sei hiermit konstatirt, daß die hiesigen Vertrauensleute die in unserm Namen in Nr. 34 des Parteiorgans ver öffentlichte Erklärung ausdrücklich gebilligt, und dabei das weitere Verhalten des Abgeordneten Viereck einer nicht sehr schmeichelhaften Kritik unterzogen haben. Dies möge vorläufig genügen. Die Münchener Parteigenossen. Augsburg, im September. Man hört von uns wenig im Organ, doch wäre es falsch, wollte man aus dieser Thatsache den Schluß ziehen, daß wir etwa schlafen. Wir mar chiren zwar etwas langsam voran, aber sicher. In letzter Zeit gab es hier allerhand Aufregung. So war kürzlich in dem anstoßenden Oberhausen eine Arbeiterversammlung einberufen, in der Grillenberger referiren sollte. Dieselbe wurde indeß von dem dortigen ultramontanen Bürgermeister(schade, daß der Schuft den ehrlichen Namen unseres T a u s ch e r trägt) hinterttieben; doch mußte der Wirth laut schriftlichem Kontrakt an den Einberufer eine Entschädi- gung von 60 Mk. zahlen. Tags darauf fand eine große Arbeiterver- lung in Ermangelung e-nes passenderen Lokals im S u d h a u s e der Bierbrauerei Wolf statt. Es mag dies eine der eigenthümlichsten Versammlungen gewesen sein, welche man je gesehen hat. Die Leute saßen in der Braupfanne, in der Kühle und im M a l z b o t t i ch; ja sogar im Waschkessel saßen vier Mann, an den Tragbalken und an allen Ecken hingen Menschen. Genosse Grillenberger setzte in anderthalbstündiger, mit starkem Beifall aufgenommener Rede das Arbeiterschutzgesetz auseinander, und wurde hierauf die bekannte Petition angenommen. In nächster Zeit wird Genosse S ch ö n l a n k hier sprechen. Was den„blechernen Vogelthorsepp" lPolizeirottmeister O b i ch) bettifft, so treibt derselbe immer noch sein schändliches Hand- werk. Als Spione benützt er jetzt ausschließlich gewisse Frauen- z i m m e r, welche er dann zur Belohnung mit seinen Zärtlichkeiten überschüttet, denn wie ein Schmetterling auf die Blumen, so ist der beiläufig schon kreuzlahme, Kerl auf seine weiblichen Spione aus. Er steht in Punkto Moral unserem bayerischen Landeshamniel nicht viel nach.— Ein nettes Pflänzchen aus Moltke's Bildungsmistbeet ist der verkom- mene Major Deuringer, Landwehrbezirkskomman- d e u r. Derselbe hat bei der Rekrutenausmusterung einen Parteigenossen seiner politischen Gesinnung halber mehrmals einen Lumpen genannt. Bei einer eingehenden Untersuchung würde sich vielleicht herausstellen, daß der Major der l— iebenwiirdigste Kavalier ist. Derselbe ist ein echter Kommisengel und in gewissen Tempeln der Liebe wohlbekannt. Mit seiner„Rippe" lebt er wie Hund und Katze. Da er an Hirn-Nebeln leidet, muhte er von seinem Posten versetzt werden und ist jetzt Schreiber am Landwehrbezirkskommando. Unser Genosse stellte beim bekannten„Stadt-Metzger" wegen dieser Beschimpfung Klage, wurde indeß abgewiesen, da der Major— Militär ist; beim Militärgericht wurde er abgewiesen, weil er— der Genosse— Zivil ist. Nette Einrichtung das! Es sind freilich nicht alle Lumpen Beamte und Majore; der umge- kehrte Fall ist natürlich noch eine offene Frage. Weil ich gerade bei diesem Thema bin, will ich noch berichten, daß sich unser„ r o t h e r— Fischer", nämlich unser erstes Oberhaupt, zur Zeit in Oberstors befindet. Da fühlt er sich wohl, denn in Oberstorf sind die saftigsten Algäuer Stiere zu Hause. Nächstens folgt etwas mehr. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag! D a t s ch i. Sprechsaal. Ripdorf bei Berlin, 30. August. Resolution. Die heute, den 30. August 1885, zusammengetretene Vertrauensmänner- Versammlung des Reichstagswahlkreises Teltow-Beskow-Stor- k o w ist nach den Aufklärungen des Genossen Oskar Krohm über den Konflikt Görcki-Herold contra Krohm zu der Ueberzeugung gelangt, daß unser seitheriger Kandidat vollständig auf dem Boden der Arbeiter- Partei steht, und geben wir ihm nach wie vor unser volles Ver- trauen. Die sozialdemokratischen Vertrauensmänner des Teltow- Beskow- Storkow- Charlottenburger Reichstagswahlkreises. ?. S. Am 31. August wehte hier eine mächtige rothe Fahne vom Telegraphendraht und brachte sämmtliche Schandarme in helle Verzweif- lung. Erst nach 3 Stunden mühevoller Arbeit konnte die Fahne ent- fernt werden. Partei-Archiv. Für das Partei-Archiv gingen ein: Von E. Sz., Zürich: Eine handschriftliche Darlegung der Netschajeff- Affaire. „ K., S ch w ä b i s ch- H a l l: 1 David Fr. Strauß,« theologisch- politische Volksreden. „ S., B a s e l: Akten, enthaltend den Bericht an die Zolldirektton in Karlsruhe über die im September 1 848 durch die Freischaaren aus dem Zollamt der S ch u st e r i n s e l„entwendeten" Gegen- stände. „ B., L e i p z i g: Diverse Manuskripte, Berichte und Briesschaft en „„ Diverse Flugschristen und Zeitungen. „„ 182 diverse Broschüren. „ H., Frankfurt a/M.: Eine Anzahl Flugschriften, Zeitungen und Broschüren. „„ 1 Preußer, Strafgesetze. Verordnungen Nassaus. „„ 1 Seuffert, Archiv für Entscheidungen der obersten Gerichte. Bd. 21—23. „ W., Hottingen: 1 A. Bebel und sein Evangelium. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung. Achtung. Polizcikommissür vottschalk ans Elberfeld, Kronzeuge und Macher im Niederwaldattentatspro- z e ß, hat, wie die gesammte deutsche Presse längst berichtete,«in neues Operationsfeld im Elsaß zugewiesen erhalten. Wir glauben nun, nebst seinem Signalement Alles das von seiner seitherigen Thätigkeit bekanntgeben zu sollen, was im Interesse unserer Genossen der Oefsentlichkeit angehört. Unsere„Rapporte" stammen aus zuverlässiger Quelle und mögen zu weiterer Vervollständigung Anlaß geben: Gottschalk hat zwei Domizile, eines in Straßburg im Elsaß, wo er meist vier Tage ohne Unterbrechung weilt, das andere in Colmar, wo er die übrige Zeit verbringt. Von da aus macht er seine Touren nach Mülhausen im Elsaß, geht auch dann und wann nach Fl bürg in Baden, und bestreicht von Straßburg aus Hage«! Weißenburg. In braunem Sommerüberzieher und Cylinder,' stets sorgfältigster Toilette, taucht er in Begleitung gewis' Polizei-Assistenten bald auf den Bahnhöfen, bald aus Straßen genannter Reviere und in der Nähe bestimmter Polizeibun auf. Ueberall zu Hause und bei den Oberbehörden persona xrata, is unermüdlich auf der Jagd nach— Orden. Gottschalk ist Mitte Dreißiger, etwas über Mittelgröße, zwischen bis 80 Emir., schlank, hübsch gewachsen, mit dunkelkrausem Haar. trägt Schnurr- und Backenbart, zeitweise jedoch auch nur Schnurrt hat stieren, mitunter ängstlichen Blick; Toilette stets sorgfältigst, i treten und Benehmen im Allgemeinen das eines richtigen S e k 0« l i e u t e n a n t s. Möglich, daß er zeitweilig die Maske ändert. Wir bitten, den pp. Gottschalk allerwärts im Bettetungsfalle sl und vorsichtigst zu beobachten, Personen seines Umganges festzustt und deren Thätigkeit und Signalements eingehend hierher zu ber« Alles über Gottschalks Treiben glaubwürdig Nachweisbare, beso»i dessen Beziehungen zur bekannten ausländischen Spionage-, Zutril und Denunzianten-Preßsippschaft sind eifrigst weiter zu verfolgen. »«« SS »»I» « Q Die Vertrauensleuti Erklärung. Wir sind gezwungen, öffentlich zur Kenntniß zu bringen, unser früherer Genosse, der Maurer Wilhelm Hitzing, vond Partei zurückgetreten ifl. weil er sich unseren Beschlüssen" fügen wollte. Die Genossen in Quedlinbur» NS i«s!rit in Cnl Hutttuug. Für die französischen Wahlen gingen ein von: Neviges Mk. 15—. Verden 10—. Crimmitschau 15—. Stamms Pötzsch's Restaurant daselbst 5—. Di« Expedition des„Sozialdemokrat.' Briefkasten der Redaktion: Verrina: Monirte Einsendung in ni# Nummer. Bon K. hätten wir weniger Empfindlichkeit erwartet, i& Ruhm hängt doch nicht von einer Korrespondenz ab. Wie leidenschast gern wir Mißtrauensvoten abdrucken, haben wir Ihnen, dächten* durch die That bewiesen. Wozu solche verletzende Unterstellungen! Einsendungen aus B as e l, L i n z, H ast ed t, Barmen, LonM Cincinnati: In nächster Nummer. der Expeditton: Akai: Nr. 1.— Dr. Regiomontanus!! 60— ä Cto. Ab. tc. erh. Innere Adresse überflüssig.— W. M. itfi Mk. 1- Ab. Sept. erh. L. besorgt.— Schdr. Rsb.: Fr. 210 Sept. 1.— 30. Nov. erh.— H. Heiden: Fr. 145 Ab. Sept. u. ö erh.— Rother Gaucho: Bstllg. v. 1,g. besorgt. Grüße erwidert.' Klara: Ers. 33 tc. mit 34 fort. Bfl. am 3/g mehr.— Blitz: Bf.«s 25/8. am 2/9. beantw. Zugesagtes sehr erwünscht.— Pickelhaube:" Fr. mit 36 fort. Weiteres normalisirt.— ClauS Groth: Ber. eil — Calemburg: Schft. am 1/9. ab. Erf. bfl. direkt. Adr. B. mit' Eine ehrliche Haut.— R. H. 4: Mit 36 Anfr. v. 28/8. beantw-� B. I.-YI.: Mk. 300—& Cto. Ab. erh. Bf. v. 81/8. singet. Bfik folgt.— Fuchs: Mk. 100 ä Cto. Ab. erh. Bstllg. sofort besorgt.$ geordn.— O. W. W.: öwfl. 5— ä Cto. Ab. 4. Qu. u. Schft.>c. Bstllg. fort.— Berlin: Mk. 24— pr. Cto. Athle. und Mk. 1—■ Agfd. tc. dkd. erh.— L. Werner, Phildph.: Bf. v. 25/8. am 5/9. Dank u. Grüße!— Nr. 100: Mk. 1 50 f. Wk. erh. Bfl. Weiteres 1 rmw Bernstein©.: Bf. v. 6,9. erh. Bfl. mehr.- I. H.: Mk. 150-öS„.JL Ab. 2. u. 3. Qu. erh. Mhrbstg. tc. folgt, ebenso 1 dir. Alte Bsnr'" allen Werthen willkommen, nur keine neudeutschen un� Hvl einer Mark.— T. v. M.: Mk. 81— Ab. 2. Qu. erh. MehrbD Del notirt.— Die 3 Gleichen: Bf. v. 4/9. kostet wegen eines Grai« loess� Uebergewicht 50 C t s. Strafporto! Doppelkouvert Lux« s,,,..� Weiteres besorgt. Bf. folgt.— Panzerschiff: Mk. 50— ä Cto e> Bf. erwartet. Adr. war falsch. Aufgepaßt!— Der alte Rom Puma — Mk. 110 09 erh. u. pr. altes Cto. gutgebr. Bf. erw.— C. Tis sich bl Plscu.: Fr. 30— ä Cto. Ab. u. Schft. erh.— P. Lge. Paris: Fr. 10' hx- � Ab. pr. 1 Jahr u. Schft. gutgebracht.— Reichenbach i/Schl.: Mk. 50' ä Cto erh.— F. G. B.: Plk. 4 30 Ab. 1,9.-30/11. erh.— Zütil Fr. 30— v. d. Metallarbeitergewerksch. u. Fr. 9 10 v. d. Schreinerg s. d. Kopenhagener Streik dkd. erh. u. besorgt.— Winterth' Fr. 30 80 Ab. 2. u. 3. Qu. erh. Ggrch. erw.— H. B. B.: Mk. 3� Portozuschlag pr. Ende 85 erh.— Basel: Fr. 20— f. d. streik. Ko?< Hagener dkd. besorgt.— Rothbart: Mk. 550 ä Cto. Ab. tc. pr. sfl' erh.— Verawitsch: Mk. 130— ä Cto. Ab. deSgl. erh.— Feuerländ«' Besorgt u. Weiteres nottfizirt.— P. R. Brüssel: Fr. 23 ä Co. Ab. 1 erh.— A. B. Grz.: Fr. 6— f. Schft. erh.— Rothfärber: Bf. v« 7/9. erh. Alles beachtet.— Ferd.: Notiz v. 6/9. pr. E. erh.— Par Wh Notiz de« AI in ein« trage I Leben l Da vc demon' katie" tvide gefaßt an die »Licht In; ihrer' Frohni deutun desfclb uns s Nehmei Danksagung. Der Gruppe„Freiheit" in Chicago, sowie Herrn Au Spieß, ebenso den Genossen in N e w y o r k sage ich für die f gewordene reichliche Unterstützung meinen besten Dank. sMk. 1 20] A. Pönicke Nation die f borg das c thropi der i Leben auch Gesuch. Für eine Maschinenfabrik in Süditalien wird ein tüchtig� M e i st er für die M o d e l l s ch r e i n e r e i gesucht. Offerten an die Eepedition des„S.-D." 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Tauscher. t Zu zahlreichem Besuche ladet ein Der Lokalausschuß Jedermann hat Zuttitt. gung trach Ent, des dem Deu de« Veg erb! «hm ge j an dies and s° f aus für echwei,tr>s»» Srnogenschafti-Buchdiucknel HoUlng-n-Zilrich. res an luv «a, In