t, 0« eine« sich aul r inta1 unse« um d» reif heit' lt soll!» in d« -n,, & uch d Wl 8— fllr Deutschland st. 1.70 sllr Oesterreich(ll°uoeri> Fr. 2 SO fllr alle Übrigen Linder d«I Weltpostverein»(Kreuzband). Illser-te die dreigeipaltene Petitzetl« 25«t». 20 Pfg. HO. Donnerstag, 1. Oktober 1SS9. Avis an die Avonnenten und Korrespondenten des„Sozialdemokrat." in d!» Hand-» -ite»' lendst« !N««»' >eii d� -guns!° zieden« Redt» >s,>»« soll» ach bende» in d» Irin d» emolr» ), wei» werde» rokrai i schient com» r d»' Auff»' Eng«» n so»' » e m»' o z eil hu" schl- l a ch.»' -geois« ,s ob«» den» In,-ig» Heines «tischt .füM ehluu�' Ehr- n-rusl» zen. al» möglich an den.e°,>°ld.n.°kr°t- resp. dessen Verlag selbst adr.ffir.n. sondnn stch möglichst an irgend-in. unverdlchti», Nistl'pNp HiiklFi'iitlsk,'Dp,itkes,lnn>tS ,lN>» RA X/...» k.e.a....�...e.re» Da«i»,,aN>en,-ka»>«owobl IN Deutschland all anch w Oesterreich»erboten ist, be,« versolgt wird und die dortigen........,............,______________............ Görden gib alle MUbe oebin unsere Verbindungen na« ienm Ländern möglichst zu erschweren, res» Briese von dort an UN» i Adresse außerhalb Deutschland» und Oesterreich« wenden, welche stch dann mit UN» in Verbindung seht; anders«!» aber'bat p» uns?r, Z.i??ng� und sonstigen Speditionen nach dort abzusangen, so ist die sluierste Vorst», im Postverleh.«othwendig und auch UN, möglichst unvcrsängltch. Zust-llnngiadr.ss.n miigetheilt werden. In zweiselhaften Fällen empfiehl, sich behus» größeni d«rs leine vorfichismaßregel versäumt werden, die Briefmarder iib-r den wahren Absender und Empfanger, sowie den Inholt> Sicherheit Relominandirung. Soviel an UN» liegt werden wir gewiß weder Miihe noch Kosten scheuen um trotz aller entgegen- »er Sendungen zu«»usch-n und letztere dadurch zu schlitzen Hauptersorderniß ist hi-zu einerseit», daß unsere Freunde so selten< stehenden Echwierigleiten den.Eozialdemolra,- unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern zeiluüt Ken'f 0 0 N- T'ri» trholtt 1. O» q. en k-- iätei»1 oromf 17 si» D. wart»» t. smeiii' :« w»' leort»' 30 2' erh'-s 9. Sdi t. Of «äs» 33.� Hr.. cbnctfj -rggrf Slfal), u. e" tauf«» «. 5.1' Vinte» reine» erh. U-b- ldrefl» irh. ig. ab! Ferd. man» rh. � 21� lacchi». 9. e' erichs' r b> a.->- /9. b, Adr-ß n n»' � Ä< Parteigenossen! Vergesst der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Einladung zum Abonnement. „Per Sozialdemokrat," �«ntral-organ dar»«atsch«»«ozialdamoilratta, "lAeint wöchentlich einmal in Zürich.., .«ins dein«qd-n-r Kongreß zum offiziellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland» erllärt, hat da» Blatt-ine V-rbr-ltung g-funbin, wie sie bei seiner Gründung laum erhofft worden war. Auf dem Kongreß zu Kopenhagen konnte »-»halb mit«enugthuung gesagt werden, daß die deutsch. Sa, ialdemokratle in ihrem v-«°» die mächtigste Waffe gegen da» über sie verhängt. Au«nadm-g.,-tz besitze. Da» Abonnement aus da» Blatt ist durch diese»«esetz nicht verboten, sondern die Verbreitung. und zu letzterer h.'b r stch f-st allerort» energische und auf. ?vl>rung»sähige Genossen genug gesunden d werden stch auch ferner stnden), welche f"it find, eventuell ihre Freiheit zu wag. um unserer gerechten Sache dienstbar zu ™- ebenso wie sie e» auch vor dem A lnahmegesetz gethan haben I Obwohl nun an den ineiften Orten, wo r So,iali»mu» Boden gefunden, da» Blatt mie durchau» b-sriedlgend- Abonnentenza ,l hat. so gibt e» doch noch-ine Reih- »uder-r, wo bedeutend mehr geschehen lönnte, und zudem eine weiter- Anzahl, wo da» iargan noch gar keinen Eingang gefunden. k» ist daher«sticht iede» Genossen, fllr die weitere Verbreitung de» Blatte» uner- ?iidlich ihätiq zu sein und besonder» dahin zu wirken, daß an solchen Orten endlich 'N Bann gebrochen wird und da» Parteiorgan dl« ihm gebührende Beachtung findet. „dleb-r die Bezugiarien de» Blatte» sind die Genossen im»llge mein-n unter- ?h>et; selbstverständlich können wir hier keine speziellen Angaben über dieselben machen, •»dern müssen stch die Genossen, welch- Nähere» zu ersahren wünschen, an dl- be- '»»nie» Vertrauenspersonen in Deutschland wenden. Das Abonnement beträgt per Zustellung in»"s dls-tt 6Zw"Ibe.°ar""- ?l»r und Quartal Ml. 4A0, bei Ausgabe In Deutschland Wt. 3, OD. Die Zahlung ■»nn prr Einschreibebrief in Papiergeld und Briefmarken oder per Postemzahlung Bei Bezug»on zehn Exemplaren an wird da» Blatt ftanko für Mk. geliefert. Bezüglich größerer V-N'stungen werden vorher brieflich genauere Mttthcilungen Fvtacht und Verhaltungsmaßregeln angegeben. Für diesen Zweil ist sosortige Mittheilung ilchercr Bries-Deikadressen hierher unerläßlich.„,. Wohlan denn Genossen und Freunde allerwärt», erhebt den Sammel- und Werberus >»r sortgesetzt ausdauernden Arbeit, zum unbeugsamen Kampf, zum endlichen Siege I Mit sozialdemolratischem Gruß! «edaktion an»«rvevitio»»«»..«»,ial»»>n»kra«" Hottingen-Zürich. Menschenopfer im 19. Jahrhundert. Wenn der Dnrchschnittsphilister unserer Tage ans die Völker iu sprechen kommt, bei denen die Menschenopfer noch gebrauch- lich sind, so kann er sich gewöhnlich nicht genug darauf zu «Ute thnn, wie herrlich weit wir es doch in unserem zivilisirten Europa gebracht— Dank der Aufklärung und dem Christen- tfsuiu. O ja, wir haben es herrlich weit gebracht. Es kann Nie- viand behaupten, daß wir so barbarisch sind, an den hohen Feiertagen in den Kirchen und Kapellen zur größeren Ehre Gottes Menschenblut zu vergießen— es sind sogar die Zeiten »vrüber, wo man zur größeren Ehre Gottes auf öffentlichen Plätzen Menschen lebendig verbrannte? selbst preußische Hof- Prediger würden solchen Kultus heute für„zu weitgehend" er- klären. In dieser Beziehung ist also ein Fortschritt gar nicht iu bestreiten. Menschenopfer in den Kirchen und zu Gunsten der Kirchen sind heut ein überwundener Standpunkt. Hier wird nur der Perfland und die Gesinnung geopfert. Aber die Menschenopfer, die wirklichen Hinschlachtungen von Renschen, haben darum nicht aufgehört. Der Götzendienst ssk geblieben, nur die Götzen haben die Rollen vertauscht. Die Menschen sind so aufgeklärt, ihre neuen Götter nicht »lehr zu verkörperlichen. Barbarische Völker haben ihre Kriegs- götter, deren Gunst sie durch Opfer zu erkaufen suchen— der vwderne Militarismus ist unpersönlich. Aber der Kultus, der mit ihm getrieben wird, übersteigt allen Götzendienst, dessen das Heidenthum fähig war; und nicht nur indirekt, sondern l>Uch direkt bringt man ihm die Söhne des Volkes zum Opfer. Wir sprechen nicht von den Massenmorden, Kriege genannt, °bwohl dieselben eigentlich auch hierher gehörten; denn der Militarismus ist der stete Agent Provokateur des Krieges. �lber Kriege hat es früher auch gegeben, ehe man vom Mili- karismus etwas wußte. Wir sprechen von den Menschenopfern, die der Militaris- 'aus im Frieden fordert; und auch da nicht einmal von den Opfern an Schweiß und Blut, die er dem Volk in Form ?>>n Steuern auspreßt, sondern von den Menschenleben, welche khm direkt zum Opfer fallen. Ja, nicht nur der Wohlstand des Volkes wird diesem aioderncn Götzen rücksichtslos geopfert, nicht nur ist er die Ursache, daß alljährlich eine große Anzahl hoffnungsvoller, im besten Lebensalter stehender Männer sich verzweiflungsvoll selbst den Tod geben, sondern man überliefert auch mit vollem Be- '"nßtsein kaltblütig Schaaren von Menschen dem sicheren Tode, Unzig und allein zur größeren Ehre des Militarismus! Was im Alterthum die Opferfeste waren, bei denen das Sedankenlose Volk zusammenströmte und es' jubelnd geschehen k'eß, daß man seinen Götzen zu Ehren Menschen wie Vieh hin- Ichlach tete, das sind für unser Zeitalter des Militarismus die famosen Manöverübnngen. Immer mehr gestalten sie sich zu wahren Saturnalien des KricgSmoloch; sie sind ein Sport geworden für die übersättigte Geburts- und Geld- aristokratie, ein neuer Reiz für das wachsende Heer der schma- rotzenden Nichtsthuer. Und das durch die Phrase vom„patrio- tischen Schauspiel" bcthörte Volk gibt sich dazu her, bei diesen Opferfesten die Staffage zu spielen, weiß ihm doch die allzeit dienstbereite Presse nicht genug zu erzählen von der„wahrhaft glänzenden Suite", welche die hohen und höchsten Herrschaften, die da natürlich nie fehlen, umgab, von den„interessanten Evolutionen" der einzelnen Heereskörper, von den vergnügten Bivouaks und den festlichen Einzügen in die Stadt, die je- weilig den Mittelpunkt des großen Schaustücks bildet. Von den Opfern an Leben und Gesundheit wird dagegen geschwie- gen; so weit hat man ja das Volk noch nicht gebracht, daß es mit Gleichmnth über diese Seite der Medaille hinweg- geht. Nur bevorzugte Köpfe haben sich erst von dem Vor- urtheil emanzipirt, daß das mnthwillige Preisgeben von Menschenleben Mord ist, infamer Mord, und daß es für die Beurtheilung des Mordes ganz gleichgültig ist, ob er an einem hochgeborenen Fürsten oder an dem ärmsten Proletarier geschieht. Mord, schamloser Mord— kann man es anders nennen, was von den diesmaligen Manövern erst schüchtern, dann immer lauter und lauter in den wenigen unabhängigen Blät- tern, die Deutschland noch besitzt, verlautbarte, und was nicht widerlegt wurde, weil es nicht widerlegt werden kann? Nach Hunderten zählen die Opfer, welche die Manöver in Süd- deutschland gefordert, und während die Berichte der feudalen „Kreuzzeitung", des nationalliberalen„Schwäbischen Merkur" und der volksparteilichen„Frankfurter Zeitung" nicht genug von dem Jubel zu berichten wissen, der in den betreffenden Distrikten geherrscht, lesen sich die Berichte der nicht vermili- tarisirten Kreise wie wirkliche S ch l a ch t b e r i ch t e. Auch uns ist ein solcher Bericht zugegangen, und wir halten es für unsere Pflicht, denselben an dieser Stelle vollinhaltlich abzudrucken. Durlach in Baden, 23. September. Gestatten Sie mir, Ihnen von einer wahren Hekatombe zu berichten, welche der Moloch des Militarismus in diesem Jahr bei uns gefordert. Am 14. September fand in nächster Umgebung von Durlach das Manöver des 14. Armeekorps statt, welchem— selbstverständlich— der deutsche Kaiser, sowie verschiedene ausländische Offiziere und das große Heer der berufsmäßigen Manöverbummler beiwohnten. Der erste Tag verlief, ohne daß etwas besonderes vorgefallen wäre. Am 15. September kam es jedoch anders. Morgens halb K Uhr marschirten die Truppen gesund und munter aus ihren Quartieren aus, Abends zwischen 4 und 5 Uhr kam die 28. Division zurück, und bezog das Bivouak bei Durlach; aber w i e kamen sie zurück! Der Zustand, in dem die Soldaten durck die Stadt marschirten, läßt sich kaum beschreiben; das war kein Gehen mehr, das war ein verzweifeltes Schleppen. Wie gehetztes Wild, bis zum Tod ermattet, hinkten die Aermsten daher. Manche Frau sah man aus der Straße weinen, mancher Mann ballte die Faust vor Ingrimm darüber, daß man so rücksichtslos mit den Soldaten, den Söhnen des Volkes, umgeht. Jndeß das Mitleid drängte den Zorn für den Moment zurück, und alles beeilte sich, den Soldaten zu essen und zu trinken zu bringen. Im Bivouak stürzten Viele kraftlos zusammen, einer davon war nach wenigen Minuten eine Leiche. Von den Soldaten sowie von den Zuschauern hörte man erzählen, wie Hie Leute den ganzen Tag Über dergestalt auf dem Feld herumgehetzt wurden, daß Über vierhundert ohnmächtig zusammenbrachen, davon waren v Mann todt, darunter ein Reservist, der 3 Jahre gedient hatte und dieses Jahr zur sechswöchent- lichen Uebung eingezogen worden war; er hinterläßt eine Frau mit drei Kindern! Die Kranken wurden er st bei einbrechenderDunkel- heit nach Karlsruhe ins Lazareth gebracht, bis aus 8 Mann, die zu schwer erkrankt waren, als daß man es hätte riskiren dürfen, sie zu transportiren. Abends 7 Uhr noch wurden an der Straße und auf dem Felde Kranke von Feldarbeitern angetroffen. Eine Frau, die einem Hülflosen die nöthigste Pflege erweisen wollte, wurde von einem Offizier folgendermaßen angeschnauzt:„Lassen Sie den Kerl liegen, die Kerls können nicht? aushalte n." Den 1«. September ging eS ebenso zu. Es stürzten in Folg- der koloffalen Anstrengung(es war an beiden Tagen drückend heiß) ebenso- viele Soldaten ohnmächtig zusammen, als Tags zuvor, so daß die Zahl der„Gefallenen" sich im Ganzen auf Über 800 belief. Natürlich hat sich ein großer Theil derselben nach einigen Stunden wieder erholt, verschiedene aber werden tage- ja wochenlang das Krankenlager nicht verlaffen können, ganz abgesehen von denen, die todt sind, und denen, die für ihr ganzes Leben an den Folgen dieser Strapazen zu leiden haben werden. Es wird das manchem Leser unglaublich vorkommen, es ist aber nur zu wahr, wir haben uns bei verschiedenen glaubwürdigen Militärs und Zivilpersonen erkundigt, es ist uns von allen Seiten das Gleiche mitge- theilt worden. Den Soldaten sowie den zur Reserve Beurlaubten wurde befohlen. Über das Vorgefallene zu schweigen. Daß die Sache um jeden Preis vertuscht werden soll, ersieht man daraus, daß in den Zeitungen nichts davon derichtet wurde, während doch so viele Berichterstatter dem Manöver beigewohnt haben. Das Durlacher„Wochen- blatt"(bester nationalliberales Wurstblatt) leistete sogar folgende Unver- srorenheit:„Das Gerücht, welches sich leider über tmsere Stadt ver- breitet hat, daß gestern 140 Mann vom Hitzschlage getroffen und 5 todt sein sollen, ist rein erfunden; es waren nur(!!) 12 Erkrankte und kein Todter." Dieses Lügenblatt ist so frech, den Lesern, die mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört haben, einen solchen Bären aufbinden zu wollen. DieseSmal aber ist der Liebe Müh' umsonst, man hat sich nur wieder einmal davon Überzeugen können, wie dieses offiziöse Gelichter alles, was von höherer Seite gesündigt wird, vertuscht, wäh- rend bei Allem, was auf Seite der Arbeiter geschieht, aus einer Mücke «in Elephant gemacht wird. Wer trägt nun die Hauptschuld an diesen schändlichen Vorgängen? Sind es nicht die durchlauchtigsten Herren, die stolz zu Roß sitzen, die Brust mit Band und Orden geschmückt? Als Strafe für ihre Helden- thaten haben sie vom alten Wilhelm und vom N.... Großherzog von Baden Orden und Titel erhalten. Was kommt es auf eine Hand voll Leichen an? Deutsches Volk, wie lange siehst du noch geduldig diesem Treiben zu, welches Ungeheure muß erst geschehen, bis du dich dazu aufraffst, dieser Tyrannei ein Halt zu gebieten?" Für den, der elwa meinen sollte, dieser Bericht sei über- trieben, folge hiermit noch eine Notiz aus dem in Offen- bürg erscheinenden gut demokratischen„Volksfreund": „Die aus den Manövern zurückkehrenden Soldaien berichten von den Strapazen, die sie während der heißen Tage ausgestanden haben. Wie wir nach dem„Landesboten" mittheilten, starben am Dienstag fünf Soldaten am Hitzschlage. Von Soldaten wurde uns dies bestätigt mit dem Hinzufügen, daß die Hitze am Mittwoch weitere Opfer forderte und die Zahl der Erkrankten eine beträchtliche sei. Die- sen Mittheilungen wird nun ein offiziöses Dementi entgegengesetzt, das im „Durl. Wochenbl." sehr sonderbar klingt:„Die Gerüchte seien übertrieben, die in Durlach verpflegten Soldaten befänden sich wieder bei den Truppen- theilen." Der„Bad. Volksztg." schreibt man aus Karlsruhe: Am Dienstag allein sind über 50 Mann auf dem Manöverplatze liegen geblieben, wovon 5 Mann vom Tod ereilt wurden. Außerdem sind noch verschiedene Erkrankungen und Unfälle vor- gekommen und werden die Eltern den Verlust ihrer hoffnungsvollen Söhn« stark empfinden. Sehr viel Landleute weinen beim Anblick ihrer Felder, wenn sie die Arbeit des ganzen Jahres vernichtet sehen und können sich nicht immer in die Lage schicken, wenn auch der Schaden an Erträgniffen durch Geld ersetzt wird." Ja, selbst in den begeisterten Manöverberichten des Gamma- Reporters der„Frankfurter Zeitung" fehlt es nicht an ver- blümten Anspielungen, daß„die Anstrengungen der letzten Tage mehr als Einen dahingerafft" hätten. Aver grade die bagatell- mäßige Art und Weise, wie in diesem Hauptorgan der bürger- lichen Opposition die frivole Vernichtung so vieler Menschen- leben behandelt wird, ist. ein im höchsten Grade bezeichnendes Symptom dafür, wie weit in Deutschland der Götzendienst des Militarismus bereits um sich gegriffen hat. Da heißt es am Schluß des Berichtes vom 16. September (veröffentlicht in Nr. 260, Abendblatt): „Die Sonne hat, nachdem sie Anfangs den Manövern völlig fern zu bleiben schien, in den letzten Tagen so unbarmherzig glühende Strahlen entsandt, daß mehrere Soldaten vom Hitzschlage getroffen, viele Andere marode wurden und nicht mehr weiter marschiren konnten. Die Feld- Manöver sind besonders reich an Anstrengungen gewesen, zum Theil lagen die Truppen in weitentfernten Quartiren und mußten bereits mehrere Stunden marschiren, ehe sie auf das Manöverfeld gelangten. Waren die U-bungen dann zu Ende, so blieb den ermüdeten Soldaten immerhin noch ein mehrstündiger Marsch bis zu den Quartiren. „Das Publikum kann sich über diese Art und Weise, wie man ihm hier während der Manövertage entgegenkam, in keiner Weise beklagen. Die Gendarmen waren energisch, aber höflich und zuvorkommend und augenscheinlich war es das Bestreben der Militärbehörde, soweit es mit den Jntereffen des Dienstes verträglich, der Bevölkerung das Schauspiel des Kriegs und Frieden zugänglich zu machen. Wer Gelegenheit hatte, mit dem Chef des dritten Gendarmerie-Distrikts Karlsruhe, Herrn Major von Stabel, in Berührung zu kommen, der wird dessen wohlwollendem Entgegenkommen sicherlich volle Anerkennung zollen." Man sieht, der ehrenwerthe Berichterstatter des Volkspartei- lichen Blattes geht über die Leiden, welche die Soldaten ausgestanden, möglichst schnell hinweg, bespricht sie, wie man etwa die Folgen eines fatalen Naturereignisses bespricht, um nur ja nicht bei den Herreu Militärchefs anzustoßen, die dem Publikum— selbstverständlich ist hier nur das„gute", will sagen das gutsituirte Publikum gemeint— so wohlwollend entgegenkamen. Unbarmherzig war ja nur— die Sonne. Kein Wort des Tadels, der tadelnden Kritik über die scho- nungslose Preisgabe so vieler blühender Menschenleben. War die Thalsache, daß die Sonne so unbarmherzig glühende Strah- len entsandte, etwa den Herren Offizieren, den Regiments- kommandeuren jc. ganz unbekannt? War etwa das Vaterland in Gefahr, wenn man auf diesen Umstand, sowie darauf, daß die Soldaten gewissermaßen ja doch auch Menschen sind, einige Rücksicht nahm und die Dispositionen entsprechend modifizirte? Hochverrätherische Frage. Gewiß war das Vaterland in Gefahr, wenn auch nur ein Tüpfelchen über dem i der ur- sprünglichen Anordnungen geändert worden wäre. Man ver- gesse nicht, daß Kaiser Wilhelm dem Manöver beiwohnte, und daß auf ihn vor allem Rücksicht genommen werden mußte. Kaiser Wilhelm liebt die„geschlossenen Gefechtsbilder", und daher mußte sich das Manöver„auf verhältnißmäßig kleinem, allerdings ziemlich hügeligem Terrain" abspielen, Kaiser Wil- Helm liebt es, daß alles nach dem Schnürchen geht, und des- halb war jede Aenderung absolut unthunlich. Erst kommen die Rücksichten auf die hohen Herrschaften, und dann die auf die Soldaten— so will es der heilige Militarismus. Die Truppen sind des Manövers wegen da— nicht umgekehrt. „Was kommt es auf eine Hand voll Leichen an!" So weit haben wir es also im 19. Jahrhundert mit all seiner gepriesenen Kultur gebracht! Das ist die Werthschätzung des Menschenlebens in unserer, auf ihre Zivilisation so stolzen Gesellschaft. O, wir haben in der That alle Ursache, uns erhaben zu dünken über die Völker, die aus Unwissenheit ihren Göttern Menschenopfer bringen. Sie sind Barbaren, Wilde, Unmenschen. Aber um einer Marotte willen, eines schönen Schauspiels halber, Hunderte von Menschenleben auf's Spiel T setzen, es ruhig mit ansehen, wie um nichts und wieder nichts Hunderte von Menschen theils mit ihrem Leben, theils mit l e b e n s l ä n gl i ch e m S i e ch t h n m den frivolen Leichtsinn Anderer bezahlen müssen, es ruhig mit ansehen, wie diese Anderen obendrein mit allen möglichen Ehrenerweisungen belohnt werden— das ist human, das ist aufgeklärt, das ist zivilisirt. Aber freilich, alles das wäre nicht möglich, wenn sich nicht das Bürgerthum mit dem Militarismus ausgesöhnt hätte, wenn es nicht vor ihm anbetend im Staube läge, in ihm seinen Schntzgott erblickte. Es duldet die Opfer, die er bean- spracht, weil es von ihm Schutz für seinen Geldsack, Schutz für sein ganzes Ausbentungssystcm erwartet. Was kommt es .ailf die Hand voll Proletarier an, die dem Militarismus jährlich zum Opfer fallen, gegenüber den Tausenden von Pro- letarierleichen, welche der Moloch Kapital alljährlich ver- schlingt? Der eine Abgott stützt den andern. Sei's drum. Ihre Herrschaft wird deshalb nicht ewig dauern. Es kommt der Tag, da das Volk sie beide durch- schaut, wie schon heute Hunderttausende sich von diesen Götzen abgewendet haben. Und wie noch stets in der Geschichte, wird .auch dann die bisher genasführte Masse mit gewaltiger Faust die Götzen vernichten, hinter deren Trug sie gekoinmen— die Götzen und ihre Priester. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 30. September I88S. — D i e Eventualität der Aufhebung des Soziali- st e n g e s e tz e s ist von einem Theil der offiziösen Preffe zum Gegen- stand geheimnißvoller und natürlich bauernfängerischer Ausführungen gemacht worden. Es sei wahrscheinlich, so heißt es, daß die„verbün- Veten Regierungen" in der nächsten Session dw Verlängerung des, be< kanntlich nur bis zum 80. September des künftigen Jahres bewilligten Sozialistengesetzes nicht beantragen würden. Das Sozialistengesetz, — wird zur Motivirung dieser wunderbaren Thatsache mitgetheilt,—.«das Sozialistengesetz sei wesentlich zu dem Zweck erlassen worden, der Reichs- regierung die nöthige Muße und Ruhe für die Sozialreform zu verschaffen. Und das schöne Werk(der Sozialreform) sei jetzt glücklicherweise so weit gediehen, daß es nicht mehr verdorben werden könne. Daß nichts daran zu verderben ist, muß freilich zugegeben werden. Wo nichts ist, hat nicht blos der Kaiser sein Recht, sondern auch der Feind die Möglichkeit des Angriffs verloren. An nichts ist nichts zu verderben. In welcher Absicht die offiziöse Presse jene Ente hat fliegen lasten, das bleibe ununtersucht; ists doch höchst gleichgültig, wer damit ge- nasführt werden soll. Amüsant ist, wie die gegnerische Preffe sich zu der Ente verhält. Die nationalliberalen Blätter mucksen sich nicht; ebensowenig die konservativen. Auch die Fortschrittspreste schweigt. Dagegen hat das pseudodemokra- tische Sonnemanns-Organ den betreffenden Reptilartikel zu einer Reklame für den Reichstag benützt. Die Reichsregierunz— und das ist richtig— werde niemals frei- und gutwillig auf das Sozialistengesetz verzichten; das Sozialistengesetz könne nur und werde durch den Reichstag beseitigt werden. O du heiliger Sonnemann! Durch den Reichstag! Durch den Reichstag— das heißt doch, daß eine Majorität im Reichstag entschlossen sein muß, das Sozialistengesetz zu besei- tigen, und koste es auch einen Konflikt nnt der Regierung. Aber wo ist denn diese Majorität? Daß die Konservativen und Ratio- nalliberalen keine prinzipiellen Gegner des Sozialistengesetzes sind, wird die„Franksurterin" uns zugeben; und sie wird die politische Heuchelei oder Raivetät wohl auch nicht so weit treiben, zu behaupten, das Z e n- trum, d. h. die Partei des Papstes, der den Sozialismus und die Sozialdemokratie feierlich in Acht und Bann gethan hat, sei prinzipiell gegen das Sozialistengesetz. Es bleibt also— von den 7 Schwaben abgesehen, die nicht zählen— nur die F o r t s ch r i t t s p a r t e i übrig. Nun ist aber die Fortschrittspartei erstens so schwach, daß sie sür sich allein, auch mit Hülfe der Sozialdemokraten, keinen Beschluß im Reichs- tag durchsetzen kann. Und zweitens ist sie— was nicht oft genug her- vorgehoben werden kann— diejenige Partei, welcher das Sozialistengesetz die meistenVortheile gebracht, und w e l ch e d e s h a l b a n d e s s e n V e r l ä n g e r u n g das größte Interesse hat. Wohl dürften die Herren Fortschrittler sich bei der nächsten Abstimmung hüten, einen Theil der Ihrigen für das Soziali- stengesetz stimmen zu lassen, indeß dann blieben ja die famosen Abkom- mandirungen, falls es auf die fortschrittlichen Stimmen ankommen würde, was nicht der Fall. Der Mai des Jahres 1884 ist in frischem Gedächtniß. Wer durch die damaligen Vorgänge nicht von den letzten Illusionen in Bezug auf die gegnerischen Parteien geheilt ist, der ist unheilbar. Rein— der Reichstag wird nie und nimmermehr aus eigener Initiative, gegen den Willen der Reichsregierung, das Sozia- listengesetz aufheben. Und nie und nimmermehr wird das Soziali st engesetz frei- und gutwillig aufgehoben werden. Das Sozialistengesetz ist der Regierung, wie allen gegnerischen Parteien, gar zu angenehm und nützlich. Aufgehoben wird dasSozialistengesetz erstwerden, wenn es anfängt unseren Feinden unangenehm zu werden, und schlimme Folgen für sie zu haben. Das haben wir schon hundertmal gesagt. � Richten wir Sozialdemokraten uns hübsch gemüthlich auf das Sozia- listengesetz ein, ducken wir uns schmiegsam, reichen wir der Polizei die linke Wange, nachdem sie auf die rechte geschlagen— oh, dann bekommen wir„gemüthliche Zustände", eine„milde Praxis", aber das Sozia- listengesetz bleibt, und das höhnende Wort des Buben Bismarck ist schimpfliche Wahrheit:„Belagerungszustand und Sozia- listengesetz geniren weniger alsdieHundesperr e." Diesen Buben muß klar gemacht werden, daß Belagerungszustand und Sozialistengesetz doch etwas anderes sind als die Hundesperre; und daß das Spielen mit dem Feuer der menschlichen Leidenschaften ein gefähr- liches Spiel ist. Schon Manches ist geschehen, was den Urhebern, Patronen und Handlangern des Sozialistengesetzes dessen Gesährlichkeit greisbar demonstrirt hat— allein das Geschehene ist noch lange nicht genug.--- — In Chemnitz hat am Montag die Verhandlung gegen unsere der„Geheimbündelei" angeklagte Genoffen begonnen. Den ersten Tag nahm die Feststellung der Personalien und die Verlesung des Anklage- akts in Anspruch. Derselbe ist ein wahres Monstrum staatsanwaltlicher Auslegekunst. 120 Zitate aus allen möglichen Publikationen sollen das Vorhandensein einer geheimen Organisation im Sinne des Gesetzes be- zeugen. Gerade aus dieser Anhäufung von„Beweisstücken", von denen eine ganze Anzahl sogar bis aus das Jahr 1879/80 zurückgehen, geht aber am deutlichsten hervor, auf wie schwachen Füßen die Anklage steht. Auch hier heißt es: weniger wäre mehr gewesen. Einen Abdruck der 108 Seiten starken Anklageschrift verbot sich für uns schon aus technischen Gründen, wir glauben aber auch von einer lediglich auszugsweise» Wiedergabe) absehen zu können, da das Wesent- liche derselben ja im Verhör genügend erörtert wird. Ueber dieses werden wir in nächster Nummer einen zusammenhängenden Bericht bringen. Einstweilen weisen wir auf den höchst bezeichnenden Kontrast hin zwischen diesem Prozeß, der sich ja im Grunde um die Frage handelt, wie weit man einer Partei zumuthen kann, sich einem gegen sie gerichteten Ausnahmegesetz zu unterwerfen, und dem Verlauf des am letzten Sonntag in London stattgehabten Protestmeeting, dessen Arrangement eine Zuwiderhandlung gegen ein Polizeiverbot war. Wahrlich, wenn die andern Völker daraus warten sollten, bis wir Deutschen ihnen die Freiheit bringen, so müßten sie vor allem— deutsche Geduld besitzen. —„Humor in der Weltgeschichte" nannten es jüngst die Blätter, als Kaiser Wilhelm in Gastein mit dem von Preußen steck- brieflich verfolgten Fürstbischof von Olmütz aus einer Schüssel aß. Run, wenn das Humor war, dann ist jetzt auf den Humor die Posse gefolgt. Die deutsche Reichsregierung, das heißt, die preußisch- prote st antische Spitze des deutschen Reichs hat den P a b st Leo XIII. als Schiedsrichter zwischen Deutschlandund Spanien in der Karolinenasfäre anerkannt. Man denke, den P a b st in Rom, den„Antichrist" Luthers, den Vertreter des alle Protestanten verfluchenden Syllabus, den Hort der Ultramontanen Deutschlands, der ihnen erst jüngst zum Katholikentag in Münster seinen Segen sandte und sie zum Ausharren im Kampf für die Rechts der Kirchs, d. h. für vis Herrschaft der Kirche aufforderte! Das ist in der That der Gipfel aller weltgeschichtlichen Komik, eine Satire, wie sie der beste Satyriker nicht schärfer hätte erdichten können. Dahin ist es also mit dem so hochtrabend eingeleiteten Kulturkampf gekommen! Das mächtige deutsche Reich, das den Pabst und seine Ansprüche auf die kirchenpolitische Gesetzgebung so lange bekämpft hat und bekämpsen mußte, dieses deutsche Reich versetzt eben denselben Papst jetzt in die Lage, eine politische Rolle zu spielen, die sein Ansehen und damit seine Macht ganz erheblich stärken muß. In der That, das übertrifft Alles, was die größten Gegner des Kulturkampfes vorausgesetzt. Daß der Kamps zwischen dem himmlischen Zurück und dem irdischen Zaruck mit einem Fiasko enden werde, konnte jeder vernünftige Mensch voraus- sehen, daß der Zaruck sich aber in jetzt so jämmerlicher Weise vor dem Zurück demüthigt, das ist nur dadurch möglich, daß an der Spitze dieses Zaruck ein unfehlbarer Staatsmann und ein 83jähriger Schlottergreis sich befinden. Ueberaus charakteristisch ist das Gebahren der deutschen Presse zu diesem neuesten Stücklein BiSmarckscher Staatskunst. Die Organe der protestantischen Orthodoxie sind zum Theil ganz sprachlos, zum Theil geben sie, wie der hochkonservatioe„Reichsbote", ihrer Entrüstung ver- zweifelten Ausdruck. Nach dem Fußtritt, den die„Norddeutsche" aus Wahlrücksichten dieser Tage dem evangelischen Hofprediger des Kaisers gegeben, ist dem Organ Stöckers der dem Oberhaupt der Katholiken zu Theil gewordene Faßfall aber doppelt schmerzlich. Die eigent- lichen Kulturkampforgane aber, die natürlich von dem Schritt nicht minder betroffen sind, als der„Reichsbote", zeigen ihren Verdruß weniger offen als dieser. Sie verstecken ihren Aerger hinter ver blöden„Ver- muthung", daß die Anrufung des Papstes ein„überaus feiner Schach- zug Bismarcks" ist. Die„Feinheit" soll nämlich darin bestehen, daß ver Papst sich nun entweder in eine schiefe Lage zu den spanischen oder zu den deutschen Ultramontanen setzen muß. Als ob sich die deutschen Ultramontanen aus den Karolinen etwas machten. Und als ob, wie der Schiedsspruch des Papstes auch aufgenommen werden möge, die Thatsache, daß der Papst in einer rein politischen Angelegenheit als Schiedsrichter zwischen zwei europäischen Staatenjfigurirt, nicht auf jeden Fall bestehen bliebe. Nein, die Diplomatie, die Deutschland auf oder richtiger, unter den Papst bringt, hat sich damit unsterblich blamirt. Und daß es die famose Kolonialpolitik, richtiger Kolonial manie, war, wegen der die Blamage erfolgte, dürfte gar manchem ihrer Bewunderer die Augen öffnen. — Die Bedeutung des Normalarbeitstags und der A r b e i t e r sch u tz g e s e tz e für die endgültige Emanzipation des Pro- letariats wurde von Genosse Liebknecht jüngst in einigen Versamm- lungen sehr eingehend erörtert. Mnn schreibt uns darüber: Bremen, den 19. September. Am Dienstag hielt Genosse Lieb- k n e ch t hier einen Vortrag über„Sonntagsruhe und Arbeiterschutz- gesetze", nachdem er Tags zuvor in Wilhelmshafen über„die Preffe der verschiedenen Parteien und über das Arbeiterschutzgesetz" ge- sprachen hatte. Beide Versammlungen waren sehr zahlreich besucht und verliefen ausgezeichnet. Die Ausführungen des Redners, welche durch- weg die Billigung der Zuhörer hatten, richteten sich unter Anderem gegen die Ueberschätzung des Normalarbeitstags, wie sie neuerdings in verschiedenen Kreisen zu Tage tritt. Die Bedeutung des Normalarbeitstags bestehe darin, daß er die Arbeiterklasse körper- lich stärke, moralisch hebe und ihr Gelegenheit zu ihrer geistigen Aus- bildung gebe. Allein, so hoch dies auch zu veranschlagen sei, so liege darin doch noch lange nicht die Lösung der sozialen Frage. Das Pro- letariat werde nur, indem es kampffähiger gemacht werde, zur Lösung, der sozialen Frage, zur Durchführung seiner Emanzipation besser vorbereitet. Das Beispiel der Länder, in welchen der Normalarbeitstag herrsche, zeige aufs Klarste, daß der Normalar- beitstag weder die Beschäftig ungslosigkeit zahlreicher Ar- beiter, noch die Krisen beseitigen könne, wenn auch entschieden in Bezug auf Stetigkeit und Dauer der Beschäftigung eine Besserung geschaffen worden. Als die wichtigste Errungenschaft der letzten Reichstagsseffion bezeich- nete Liebknecht die Lehre, daß die Arbeiter in ihrem Emanzipations- kämpf weder auf die Unter st ützung der Regierungen, noch auf die irgend einer politischen Partei rechnen könnten, sondern ausschließlich auf ihre eigene Kraft an- gewiesen seien. Durch die bekannten manchesterlichen Aeußerungen des Reichskanzlers in Betreff der Sonntagsarbeit und durch die Art und Weise, wie man die Sonntagsarbeits-Enquete inszenirt habe, sei der Beweis geliefert worden, daß Fürst Bismarck nicht einmal das dürftige Bischen Sozialreform, für welches er sich früher erklärt und die Person des Kaisers engagirt habe, mit den Interessen des Klasse nstaates, dessen Vertreter er sei, für vereinbar halte. Wer die Sozialreform ernsthast wolle, müsse die Vernichtung o e s Klassen st aates wollen. Fürst Bismarck aber wolle nur die Stärkung des Klassen st aats, die Befestigung der Herrschast des mobilen und im mobilen Kapitals. Der Anwalt des armen Mannes habe sich als Züchter von Millionären ent- puppt. Die Sozialresorm müsse gegen ihn erkämpft werden, gegen ihn und gegen alle übrigen Parteien.- Das Beispiel Eng- lands zeigt uns, wie schwer der Kampf ist z das Beispiel Englands zeigt uns aber auch, daß es in der Wacht des Volks liegt, den Sieg zu erringen. Tragen wir unsere Ideen in immer weitere Kreise, verbreitern und vertiefen wir unsere Bewegung, verlassen wir uns aus Niemand, als auf uns selb st und wir wer- den zum Ziel gelangen. In den Händen der deutschen Arbeiter ruht das Schicksal des Arbeiterschutzgesetzes, ruht ihr eigenes Schicksal. Er- lahmen wir nicht im Kamps. Hegen wir keine I l l u s i o n en und wir werden keine Täuschung erleben, drängen wir unablässig vorwärts, des guten englischen Worts eingedenk: porasve- rance wina the day— Ausdauer gewinnt die Schlacht. — Kaiser- und Königsworte. Vor sieben Jahren schloffen die Regierungen Europas, darunter auch„die drei Kaiser", den Berliner Vertrag, welcher die Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel„ordnete", unter andern der Türkei Rumelien zusprach, und von den„hohen" Kon- trahenten feierlich beschworen ward. Jetzt hat der Fürst von Bulgarien durch einen einfachen Akt des Raubes Rumelien in seine Tasche gesteckt, und die Spatzen pfeifen von den Dächern, daß er im Auftrag der Kaiser von Rußland undOe st erreich, und aller Wahrschein- lichkeit nach auch desjenigen von Deutschland gehandelt hat. Wo bleibt da das Kaiserwort, an dem, gleich einem Königswort,„man nicht deuteln soll", wie die famose Hohenzollernphrase lautet? Die„hohen" Herren dürfen sich natürlich nicht wundern, wenn die Völker von den Kaiser- und Königsworten und den Kaiser- und Königs- eiden keine höhere Meinung haben als die Kaiser und Könige selber. uns aus unserem Leserkreise zum„niedriger Hängen" eingesandte Li kanntmachung: „Bei der hiesigen Polizeiverwaltung sind drei Stellen für K a n z Hülfs arbeiter zu besetzen. Reflektanten, welche den Anft� derungen des Reglements vom 23. Juni cr. entsprechen, namentls m i n d e st e n s den Unterrichtskursus einer Elementarschule w> gutem Erfolge absolvirt haben, über 16 Jahre alt, ks> perlich und g ei st ig gesund und im Besitz einer g e l 8> f i g e n, deutlichen und ansprechenden Handschri' sind, werden zur Meldung bis spätestens den IS. d. Mts. mit d« Bemerken aufgefordert, daß die anzunehmenden Hülfsarbeiter mi> destens einJahr lang unentgeltlich zu arbeiten Hafnach Ablauf dieses Zeitraumes aber bei befriedigendenLss st u n g e n und tadelloser Führung eine Vergütung e# ten, die anfangs monatlich 15 Mk. beträgt, mit jedem weite«' Jahre aber um monatlich 5 Mk. bis zur Höhe von 60 Mk. sw Den direkt an die Polizeiverwaltung zu richtenden Bewerbung gesuchen ist das Schulabgangszeugniß, sowie ein selbstgeschrieben" Lebenslauf beizufügen. Halle a/S., den 7. September 1885. Der M a g i st r a t/ Man greift sich unwillkürlich nach dem Kops, wenn man das W Ist so etwas erhört? Schämt sich der ehrenwerthe Magistrat der reich" Stadt Halle gar nicht, solche hundemäßige Bezahlung öffentl» auszuschreiben? O, nicht im Geringsten, weiß er doch, daß es selbst" solchen Bedingungen heutzutage an Bewerbern nicht fehlen wird. Ab" welche Verurt Heilung unserer Zustände liegt in dieser Thatsache!. Mindestens ein Jahr unentgeltlich arbeiten, und dann,„bei tad" loser Führung", 15, sage fünfzehn Mark monatlich, das heißt fünfjs! Pfennige pro Tag. Dann von Jahr zu Jahr 5 Mk. pro MoB d. h. 16% Pfennige pro Tag mehr, bis nach zehnjähriger angestreng!" Thätigkeit und Uebung im Rückenkrümmen das Xov plus ultra errw ist: 60 Mark monatlich, zwei Marktäglichj! Körperlich und geistig gesund müssen die Bewerber s«" sollen sie Gnade vor den Augen der Ausschreiber finden. Wir glaub" es. Man muß in der That einen sehr großen Fonds von Gesundh" mitbringen, um bei solcher Bezahlung nicht bald zu Grunde zu gehen. Und nun vergleiche man mit dieser Bezahlung die Gehälter, wel? die Herren Oberbeamten beziehen, die Pensionen, welche man ihnen d" willigt, wenn sie sich in den Ruhestand begeben, und dann sage in" noch, wir leben nicht in einer vortrefflich eingerichteten Welt, dann b" streite man noch, daß Preußen der Musterstaat ist, berufen, den ander' Staaten zu zeigen, wie man die Hydra, genannt soziale Frage, am best" und am einfachsten löst! O es ist etwas herrliches um den preußischen Staat und sei»" Staatssozialismus. — Immer moralisch.„Die Religion muß dem Volkejerhalt" werden." Deshalb wird auch in dem gottesfürchtigen deutschen Reiv für die Erhaltung der durch Sakrament geheiligten Ehe Seitens d" Behörden von Rechtswegen Sorge getragen. Jeder höhere Beamte, d" die Frau seines Untergebenen verführt— wir wollen nicht sagen vr'. gewaltigt— wird, wie männiglich bekannt, auss Strengste bestraft; es aber gar ei» Prinz, der sich in den Weinberg seines Nächsten v" irrt, so wirb er— vgl. Prinz Kart, Friedrich Karl, Wilhelm, Leopold ohne Gnade und Barmherzigkeit in das Zuchthaus gesperrt. Die ko»' sequente Befolgung dieses erhebenden Systems seitens der von Gott ei" gesetzten Obrigkeit ist unseren Lesern durchaus nicht Neues, sie kön»« es daher auch weder hart noch befremdlich, sondern im Gegentheil n»' logisch finden, wenn die Hüter der wahren Sittlichkeit zum besser" Schutze derselben sich nicht blos mit der rücksichtslosesten Ahndung des eigens lichen Ehebruchs begnügen. Soll die Ehe in allen Schichten der Beb"' kerung zu dem musterhaftesten und untadligsten Institut sich entwickeln wie es sich uns in den höheren und höchsten Ges' Illustration diene nachsolgende, preußischen Blättern entnommene „Für Schulzen stellt das Allgemeine Landrecht(Theil ü Titel 7,§51) das Erforderniß auf, daß sie„von untadelhaft' Sitten" sein sollen. Gestützt aus diese Borschrist focht der Landr� eines Kreises im Regierungsbezirk Gumbinnen(Ostpreußen) einen schluß des Kreisausschuffes klagend an, durch welchen der Wahl des Ka"' manns Z. die Bestätigung ertheilt war. Es wurde behauptet, daß de" Z. die gesetzlich geforderte Qualifikation zur Bekleidung des Gemein»" vorsteheramlS fehle. Die Ehefrau des Z. war früher Kellnerin.. (es folgen Angaben über das Leben der verehelichten Z. und i! Mannes vor ihrer Ehe). Der Kreisausschuß dagegen weist darauf h'" daß Z., indem er die Mutter seines unehelichen Kindes geheirathet, ehrenhaft gehandelt, und daß er gleich seiner Ehefrau, seit der schliehung, also seit 13 Jahren, völlig mackellos lebe und in allgemein" Achtung stehe. Auch das Bezirksverwaltungsgericht in Gumbinnen s kannte aus Abweisung der Klage. Gegen diese Entscheidung legte n" nur der Landrath, sondern auch der Regierung', Präsident Berufung ein. Das Oberverwaltungsgericht erkann' jedoch auf Bestätigung der Vorentscheidung, weil nur dann(!) v-' einer Gesetzverletzung die Rede sein könnte, wenn der§ 51 cit. da?!) auszufassen wäre, daß Niemand Schulze sein könnte, der sich jemals seinem Leben mit irgend einem sittlichen Mackel behaftet habe. Wo! der Regierungspräsident diesen Grundsatz mit den Worten der Berufung' schrist ausstellen, von einer gründlichen Besserung sei im Gesetz nirgen» die Rede, so wäre dem doch nicht beizupflichten. Nichts deutet daras hin, daß der§51 oit. im Widerspruch mit den allgemeinen Normen r die Besetzung öffentlicher Aemter grade für das Schulzenamt jede s) hadilitirung ausschließe. Wie der§ 51 vielmehr das freie, sachgeinin Urtheil der Wählenden und der Kommunalaussichtsbehörde m der M digung der Schwere und Bedeutung sittlicher Versehlungen sür die»' urtheilung der schulzenamtlichen Qualifikation walten läßt, so auch' der Frage nach der Sühne srüherer sittlicher Verstöße, nach der Wied" rerlangung bürgerlicher Ehrbarkeit und allgemeiner Achtung durch fr teren ladellosen Wandel." ,, Daß das Oberverwaltungsgericht ein so geringes Verständniß sür» wahren Bedürfnisse des Volkes resp. für die amtlichen und daher v" Gott gebotenen Anschauungen über Sittlichkeit gezeigt, ist nur zu& dauern, und wir fühlen uns in unserer Trauer völlig eins mitSr.$ n der bei der Lektüre des betreffenden Entscbeides sicber� v. Puttkamer, der bei der Lektüre des betreffenden Entscheides sicher! geseufzt hat: Es wär so schön gewesen, es hat nicht sollen sein. — Beamtenproletarier. Der schlimmste Ausbeuter in der Ausbeutergesellschaft ist und bleibt doch ihr offizieller Repräsentant: der Staat, und was mit ihm zusammenhängt. So schamlos wagt selbst der unverschämteste Bourgeois nicht, die ihm unterstellten Arbeiter aus- zupressen, als es die Staats- und von Staatswegen eingerichteten An- stalten mit ihren Lohnsklaven thun, wahrscheinlich als Ergänzung dafür, daß sich dieselben„Beamte" nennen dürfen. Man lese z. B. folgende, — Deutschlands Ordnungsstützen. Aus Leipz schreibt man uns: Drei„ehrbare" Hüter des Belagerungszustand« Nicht unerhebliches Aufsehen und Erregtheit herrscht gegenwärtig! hiesig«: Eiwohnerschast über das plötzliche Verschwind' dreier Po l i z i st e n des Polizeiamts Leipzig. Der erstere, Schutzmann Streine, der unter dem Schutze»' Polizeilieutenants Knobloch jahrelang Betrügereien ad' Art ungestraft hatte ausführen können, wurde, nachdem es Knobloch einem Unterschlagungsfalle nicht hatte verhindern können, daß er in Un«' suchung gerieth und auf Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig zu v" Wochen Gesängniß verurtheilt wurde, kurz vor Antritt sein' Strafe vom Polizeiamt Leipzig aus dem Grunde, unter Zurücklaff� seiner Familie, unsichtbar gemacht und nach Amerika spedirt, well er Der i Strei feinten , Der t in seinei I'hr bede Ältesten daß die1 Serrouni iesörder Hierü Tageblm anwaltsi schweigst Trau, Knobloch ein allzulästiger Zeuge dessen sauberer Stückchen gewoi' war. S'l Der zweite, Polizei-Wachtmeister Pabsdorf, gleich «tr eine ein Helfershelfer Knobloch's, entleibte sich in einem ent- sernten Orte durch Erhängen, um der weltlichen Strafe zu entgehen. . Der dritte, Polizei-Oberwachtmeister Schneider, starb 'n seiner Wohnung angeblich an einem Schlaganfall, allerdings unter sehr bedenklichen Krämpfen. Gr hatte in seiner gewohnten Brutalität einen Arrestanten auf offener Straße mit dem Säbel derart schwer verletzt ..«aß dieser kurze Zeit darauf im Georgenhause, wohin man den schwer hriit verwundeten gebracht hatte, an den Folgen der Mißhandlung starb. ! Pabsdorf sowohl wie Schneider, waren von Knobloch zu Chargirten desördert worden. Hierüber läßt sich die sonst so aufmerksame Redaktion des„Leipziger Tageblatt" mit keiner Silbe vernehmen. Auch die Königliche Staats- Anwaltschaft verhält sich diesen Vorkommnissen gegenüber auffallend Hweigsam. Traurige Zustände!" E- ~ Aus Magdeburg erhalten wir folgende Zuschrift: Einen recht lukrativen Nebenerwerb haben sich die P o l i z e i> b-amten in N e ust a d t- M a g d e b u r g ausgedacht. Dieselben handeln in ihrer freien Zeit nebenbei mit Kalendern, welche sie jedoch Nur an Hausbesitzer und Geschäftsinhaber verkaufen. Ob dies mit Be> Nnlligung der Bürgermeisters Schaumberg oder des Landraths Dr. v.Arnim in Magdeburg stattfindet, und ob die eigenartigen Händler einen Gewerbeschein besitzen, wie es doch im Lande der Steuern und Zölle sonst behuss Vermehrung der Staatseinnahmen erforderlich ist, wiffen wir nicht; aber wir wissen, daß wenn es die also Ange- fächerten sich beikommen lassen, nur den gewöhnlichen Preis von SN Pfennigen zu entrichten, sie allerhand Strafmandate zu gewärtigen haben, Und daher um dem zu entgehen, mehr zu zahlen genöthigt sind. Da besteht renn, je nachdem einer für mehr oder minder zahlungsfähig gehalten wird, i>Ne schwankende Taxe von 1— 3 Mk. und selbst darüber. Hausbesitzer und Geschäftsinhaber beklagen sich bitter über diese Pression; aber um den ewigen Chikanirungen zu entgehen, bleibt ihnen nicht anderes übrig, »Is den„Zoll" zu erlegen. So ein Beamter herrscht in seinem Revier, U>ie ein kleiner Pascha. Das sind die Segnungen des Polizeistaats. . �Es hat gewirkt. Wir veröffentlichten vor einiger Zeit— >n der Nr. 30 unseres Blattes— den Brief eines ostpreußischen Tagtöhners un seinen Sohn, in welchem der 7 0jährige Mann über die schwere »rbeit klagt, die er trotz seines hohen Alters noch leisten müsse. Wie Man uns jetzt mittheilt, hat unsere Notiz die für den alten Mann er- treuliche Wirkung gehabt, daß ihm jetzt die schwere Arbeit abgenommen 'st- Der Pächter soll geäußert haben, er sei jetzt in der ganzen Welt ulamirt. Nebenbei bemerkt, setzt unser Korrespondent hinzu,„soll es einer Uer anständigsten Pächter sein. Wie muß es erst bei den andern uussehen?" Wir drucken diese Frage in der Erwartung ab, daß sich ein Genosse, «er die einschlägigen Verhältnisse kennt, durch sie zu ihrer Beantwor- Ujug im Parteiorgan oeranlaßt fühlen wird. Wir sind das schon dem Pächter Menz in Sodargen, der wenigstens noch ein Gewissen zu haben icheint, schuldig. Im Uebrigen kann es nichts schaden, wenn die Land- urbeitersrage immer wieder aufs Neue auss Tapet gebracht wird. Ihre uuiinente Wichtigkeit für unsere Partei liegt auf der Hand. � Aus Sachsen. Betreffs der Chemnitzer Wahl noch Nachgetragen, daß dieselbe zum Theil das Resultat einer schlauen Wahl- kreisgeometrie ist. Die herrschenden Ordnungsparteien hatten Nämlich begriffen, daß wenn die alte naturgemäße Wahlkrets-Emtheilung bestehen bliebe, beide Chemnitzer Wahlkreise ihnen verloren sein würden. Da entschloflen sie sich denn zu einer sinnreichen„Geometrie" und legten, indem sie einen Kreis preis gaben, den zweiten städtischen Wahlkreis, dadurch daß sie alle Bourgeoisquartiere ihm einverleibten, dergestalt zurecht, daß die wahlberechtigten Arbeiter daselbst thatsächlich in der Minorität sind. Ein Sieg war also von vornherein nur unter der Bedingung Möglich, daß die Anhänger der Ordnungsparteien bei der Wahl die ihnen allerdings gewöhnlich eigene Trägheit entwickelten. Das traf aber diesmal nicht zu; die Ordnungsparteien, obgleich sie sich nicht an die Oeffent- l-chkeit getrauten, arbeiteten in der Stille um so lebhaster; und die kräftige Agitation unserer Partei trug unzweifel- Haft mit dazu bei. die Ordnungsparteiler aus lhrem »gesunden Pflanzen schlaf" aufzurütteln. Wiragi- kirten also auch sür die Gegner— ein Moment, das bedacht sein will, namentlich von den Dresdener Genossen, die da meinen, wenn sie in der Antonstadt etwas energischer agitirt hätten(sie haben beiläufig sehr brav agitirt), würden wir gesiegt haben. Das ist nicht ganz richtig. Eine gesteigerte Jntensivität der Agitation unsererseits würde auch die gegnerische Stimmenzahl vermehrt haben. Das Muß festgehalten und, gegebenenfalls, berechnet werden. Unter allen Umständen jedoch müssen wir tüchtig agitiren, und kann nie zu viel, ja Nie genug agitirt werden. Es handelt sich nur um das Wie? Mit Recht macht ein deutsches Blatt darauf aufmerksam, die sogenann- ten Ordnungsparteien müßten den Sozialdemokraten eigentlich dankbar dafür sein, daß sie bei den Landtagswahlen etwas Leben in die Bude gebracht. Freilich, das ist grade das große Verbrechen, daß wir die ge- müthliche Ruhe und die ruhige Gemüthlichkeit stören. Der denkfaule Philister will vor Allem„seine Ruhe" haben; wer ihm dieselbe stört, ist ein„Ruhestörer" und sein Feind. Das ist aber wahr, daß die Sozialdemokraten den sächsischen Landtagswahlen erst Bedeutung ver- liehen haben. Ehe unsere Partei an den Wahlen sich betheiligte, war von einem Wahl kämpf gar nicht die Rede. In den meisten Kreisen ging der von einer Handvoll ländlicher oder städtischer Philister vorge- schlagen« Kandidat widerstandslos durch; da, wo mehrere Kandidaten auftraten, wurden höchstens ein paar hundert Stimmen abgegeben. Jetzt geht es bei den Landtagswahlen in Sachsen sehr lebhaft her, wenn auch Natürlich nicht so lebhaft wie bei den Reichstagswahlen.— Die„Frankfurter Zeitung" ist in Be,ug auf die sächsischen Landtags- Wahlen ganz kleinlaut geworden. Es fällt ihr nicht mehr ein, uns schul- Meistern zu wollen. Sie sieht sich genöthigt, das Zusammengehen ihrer geliebten Fortschnttler mit den übrigen Reaktionsparteien zu tadeln und zu desavouiren(wie gnädig!), kann sich jedoch natürlich nicht zu dem ehrlichen Geständniß emporraffen, sie habe Unrecht gehöht, uns zu schul- Meistern, weil wir uns aus keine Allianz mit den sauberen Herren Fort- schrittlern eingelassen haben. Die Sache ist— von der Prinzipien- frage ganz abgesehen— daß wir gar keinen Vortheil gehabt hätten, Wenn der Rath des Frankfurter Moniteurs von uns befolgt worden wäre. Wir hätten Niemand gefunden, mit dem wir uns hätten ver- bünden können. Das Dutzend(hoch gerechnet!) von sogenannten„De- mokraten" oder„Volksparteilern" zählt einfach nicht; und der„Fort- schritt" marschirte lustig mit den übrigen Rückschrittlern. Im Leipziger Landkreis stand der„Fortschritt", vertreten durch den braven Götz, dieses Ideal von Gesinnungstüchtigkeit, sogar an der Spitze der reaktionären Koalition gegen die Sozialdemokratie. Und Herr Sonnemann wird sicherlich nicht behaupten wollen, Herr Götz und fortschrittliche Kon- sorten würden, wenn wir die Hand dazu gereicht hätten, mit uns einen Bund gegen die Ordnungsparteien geschlossen haben? Genug, wenn wir nach dem Rezept des Herrn Sonnemann gehandelt hätten, würden wir die Ehre verloren, und nicht eine Stimme, geschweige denn ein Mandat gewonnen haben. — Wer trägt die Schuld? Vor einigen Wochen brachte der transatlantische Telegraph die Nachricht, daß im Territorium Wyoming (Nordamerika) ein Hausen weißer Arbeiter in ein Grubenwerk, wo Chinesen arbeiteten, eingedrungen wären, 40— 60 derselben ermordet und den Rest in die benachbarten Wälder verjagt hätten. Der Groll der amerikanischen Arbeiter gegen die Konkurrenz, welche ihnen die chinesischen Kulis machen, ist uns bekannt, so daß wir von dem Exzeß, so bedauerlich er uns erschien— da er die unwissenden Opfer des infamen Arbeiterimportsystem's traf— nicht sonderlich überrascht waren. Aus den neuesten, mit der Post uns zugegangenen Nachrichten aus Amerika ersehen wir nun, daß es gar nicht amerikanische Arbeiter waren, welche sich an den Chinesen vergriffen, sondern importtrte europäische Arbeiter, und zwar Walliser, d. h. Arbeiter aus Wales in England, die von den Unternehmern als Kontrakt- Arbeiter nach Wyoming exportirt worden waren, um die theueren amerikanischen Arbeiter zu verdrängen. Da sie sich aber durch höhere Lohnforderungen den Minenbesitzern unbequem machten, so importirten dieselben jetzt Kulis, und das Resultat war der grausame Racheakt der Walliser oder Welschen, wie man sie auch nennt. Wir lesen darüber in der„New-Dorker Volkszeitung": „Daß sie an diesen unschuldigen Leuten sich so grausam rächten, an- statt an ihren betrügerischen Bossen(Prinzipalen), das sieht den Welschen ganz ähnlich. Das sind eben solche Strudelköpfe und zu Gewalt neigende Naturen wie andere Kelten, aber womöglich noch unbesonnener, wo sie ungemischt mit andern Nationalitäten ihr Clan-Leben fortsetzen können. In England beklagt man sich über sie, daß sie viel sellener sich den Gewerkschaften anschließen und viel unterwürfiger gegen Bosse und Regierung sind. Sie liefern mehr Scabs(Verräther bei Streiks) im Verhältnisse als andere Nationalitäten und sind dem Internationalismus abgeneigt. Deswegen sind sie die Lieblinge der Bosse und der Regierung und werden bevorzugt, wo es irgend möglich ist. Die britische Regierung hat immer dem Rassenstolze der Welschen geschmeichelt, um an ihnen gelegentlich einen Rückhalt zu haben. Der Prinz von Wales führt diesen Namen als Thronerbe, und der Staat nennt sich„Großbritannien und Wales", um die Einbildung dieser Kelten zu nähren, daß sie eine be- vorzugte Stellung genießen und etwas Besseres seien als andere britische Unterthanen. Sie sind deshalb unter allen Umständen loyal und immer so gewesen, und man nimmt sie am liebsten tn der Armee zu Unter- offizieren und in der Flotte zu niederen Beamtungen, gab ihnen früher auch im Zivildienste den Vorzug— kurz, man hätschelte sie wie früher die Hochslyotten. Auf der Insel Man, welche zu Wales gehört, gibt es noch heute gar keine Steuern sür die britische Regierung, und vollkommen republikanische Selbstverwaltung, und auch das Festland von Wales genießt noch Reste bevorzugter Stellung— man schickt z. B. keinen englischen Beamten dahin. „Selbst nach den Ver. Staaten und Canada hat sich diese Vorliebe für die spärlich eingewanderten Welschen übertragen. Man spielt sie gerne als Protestanten und dem Angelsachsenthum Loyale gegen die Irischen und andere Katholiken au», geraoe wie bw Orangisten(die protestantischen und von Hochschotten abgestammten Bewohner Ulsters in Nordirland). Sie machen keine„Streiks", wenn sie's vermeiden können; sie stimmen republikanisch, oder doch gegen die Irischen. Sie hallen unter sich zu- sammen gegen alle andern Arbeiter und finden in ihrer treu bewahrten wälschen �keltischen) Sprache, die sie neben der englischen sprechen, ein starkes Bindemittel. In und um Scranton und rn anderen Kohlen- gegenden Pennsylvaniens sondern sie sich von anderen Arbeitern und deren Interessen ab. Es ist also begreiflich, warum I a y G o u l d und seine Eisenbahn- und Kohlengruben-Beamten sich Welsche verschrieben hatten, und man muß ihnen arg mitgespielt uno alle gemachten Ver- sprechungen schnöde gebrochen haben, daß sie zum Ausstand und Ausruhr griffen und in ihrer geistigen Verwahrlosung zum Morde und zur Mord- brennerei gegen die unschuldigen Kulis. Ihnen aber darf man das nicht so hoch anrechnen als ihren hinterlistigen und betrügerischen Arbeit- gebern. Sie sind ja dazu erzogen woroen, ihre Feinde in allen anderen Nationalitäten und Rassen zu er- blicken, und die Leidenschaft läuft bei ihnen init dem Verstände daoo n." lind in einem bürgerlichen amerikanischen Blatte, dem„Anzeiger des Westens", heißt es von den Walliser Arbeitern: „Sie sind unwissend, fanatisch, abergläubisch und streitsüchtig, nicht einmal so intelligent wie die KuUS und sogar unreinlicher wie diese." Nun, nach alledem kann es gar keinen Zweifel darüber mehr geben, wer an den schrecklichen Blutszenen einzig und allein Schuld ist. Es ist das niederträchtige Ausbeutersystem, das den Arbeiter zu einem Arbeits t h i e r herabdrückt, das man verhandelt, nachdem man bei ihm alle edleren Eigenschaften im Keim unterdrückt hat. Nationaler Dünkel, vulgo Loyalität, Aderglauben, vulgo Frömmigkeit— das sind die Faktoren, die im gegebenen Moment Brutalttät, fanatische Grausamkeit züchte». Freie, aufgeklärte Arbeiter hätten sich unter gleichen Ver- Hältnissen nicht an die Opfer, sondern an die Praklizirer des schänd- lichen Systems, an die wahrhaft Schuldigen gehalten. x. Die erste Sitzung der Reichstagsfraktion nach Anberaumung der nächsten Session wird dem Ärbeiterschutz- gesetz-Entwurf gewidmet sein, so daß derselbe— sei es ohne, sei es mit Abänderungen— dem Reichstage gleich nach seiner Konststm- rung(Wahl des Bureau's) vorgelegt' werden kann. In den folgenden Fraktionssitzungen sollen— von Regelung der lausenden Geschäfte abgesehen— alle mit der parlamentarischen T h ä t i g k e i t unserer Partei in Verbindung stehenden Fragen einer prinzipiellen Erörterung unterzogen werden, damit unsere Stellung zum Parlamentarismus genauer prä- zistrt und in Bezug auf da» Ob? und wieweit? der parlamenta- schen Thätigkeit womöglich eine feste Norm aufgestellt wird. — Aus England. London, 27. Sept. Wir haben die Schlacht gewonnen, die Demonstration gegen die Versuche der Polizei, das Versammlungsrecht unter nichtigen Vorwänden zu beein- trächtigen, hat einen glänzenden Verlauf genommen. Ungefähr hun- derttausend Menschen— die Schätzungen erfahrener Meeting- besucher schwanken zwischen 80,000 und 2v0,000— waren dem Appell, gegen die Anmaßungen der Polizei zu protestiren, gefolgt und fanden sich heute Vormittag l l Uhr bei Stepney Green ein. In geordnetein Zuge zogen sie von da nach Dod Street, wo an den vorhergegangenen Sonntagen die Verhaftungen vorgenommen worden waren. Hier konnten nur emige kurze Ansprachen gehalten werden,— nicht weil dre Polizei intervenirt wäre,— diese verhielt sich mäuschenstill, sondern weil die Masse zu riesig war, um in der Straße Platz zu finden. Nach kurzem Aufenthalt setzte sich der Zug wiederum in Bewegung und marschirte nach den West- invia Docks bei der Polizeistation vorbei. Natürlich ließen es sich die Meisten nicht nehmen, der Polizei bei dieser Gelegenheit die gebührende Huldigung darzubringen. Mit leichter Variation eines Verses aus der John Brown- Hymne fang man: ,,�WlI hang oid Saunders to a sour apple tree"*) und ähnliche Spoltlieder, andere pfiffen, mit einem Wort, die Katzen- musik war perfekt. Bei den Westindia- Docks wurden dann eine ganze Reihe von Reden gehalten, von Sozialisten(Aveling, Burns. Hyndmann) von Christlich-Sozialen(Headlam) und von Radikalen(Bänder- hout, Rose, Shaw). Der Geist der Masse war vorzüglich, die Menge war begeistert, ver- hielt sich aber durchaus ruhig; von Ausschreitungen keine Spur. Das Lumpenproletariat, das nirgends so zahlretch und verkommen ist, wie in London, war ferngeblieben, es waren wirklich nur arbeitende Proletarier, die erschienen waren, um die Redefreiheit zu vertheidigen. Von um so größerer Bedeutung war es daher, daß als Burns am Schluß seiner Rede drei Hochs auf die soziale Revolution ausbrachte, ihm ein Jubel antwortete, wie ich ihn noch nie gehört., Freilich, der Löwenantheil, der durch die Demonstration erregten Be- wegung in den Arbeitermassen dürste vorläufig noch den Radikalen zu Gute kommen, deren Wahlchancen in London durch dieselbe erheblich verbessert werden. Aber der Sozialismus gewinnt auch. Er ist m Kontakt mit den Massen getreten und dieser Eindruck läßt sich nicht so leicht verwischen. Die Massen wissen jetzt, daß eine sozialistische Bewegung besteht, sie interessiren sich sür dieselbe, und das ist vorderhand alles, was man verlangen kann. Was jahrelange Arbeit durch Presse und Rede nicht vermocht hatte, das hat die Polizei in ihrer Dummheit und Brutalität binnen wenigen Wochen zu Wege gebracht: eine Massenversammlung, in London, welche jubelnd in den Ruf einstimmte:„Es lebe die soziale Revolution!" Es leben unsere Freunde, die Feinde! I-. J. Interessant ist es, die Berichte der englischen Bourgeoispresse über die Demonstration zu lesen. W,r lassen im Nachstehenben einige Aus- züge folgen: Aus der Daily News(liberal):„Die Polizeibehörden enthielten sich klüglich jeder Einmischung in die imposante und denkwür- dt ge Manifestation des«olkswtllens, die gestern im Ost-End stattfand. Sie überließen das Volk sich selbst und die Folge war: keine Störung, keine Unruhe, keine Erbitterung. Es war ein fröhlicher Sieg des Volkes. Die Menge kam, sah und siegte, und ging dann zu- frieden nach HauS.... DaS Volt war in gröblicher Weise provozirt ♦) Wir werden den alten SaunderS(Name des Polizeirichters) an einen sauren Apfelbaum aufhängen. worden. Aber kaum ein gehässiges Wort ward geäußert, und obwohl man vor der Polizeistation Randal machte, blieb der einsame Posten vor demselben unbelästigt... Die Wirkung der Versammlung ist in der That ihrer großen Ruhe und Ordnung zuzuschreiben und es steht außer Frage, daß in dieser wichtigen Beziehung die Demonstration nochvonkeinem Marsch sogroßer Massen vonMen- schen durch London übertroffen worden ist. Die rüden Herumlungerer und Tagediebe, die durch ihre rohen Spässe so oft die Versammlungen unter sreiem Himmel stören, wurden, wenn überhaupt anwesend, vollständig von dem entschlossenen Ernst der kompakten Masse der Demonstrirenden in Schach gehalten..." Aus der„Time s"(liberal konservativ); Die Londoner Sozialisten haben gestern ihren Willen durchgesetzt.... Dr. Aveling, einer der gestrigen Redner, hatte vor offenem Gerichtshof erklärt, daß er ent- schloffen sei, gerade das zu thun, wegen dessen seine Freunde unter An- klage standen. Herr Saunders warnte ihn, es nicht zu thun, sonst werde er selbst eingesperrt werden. Dr. Aveling hat seine Drohung aus- geführt. Er hat seine Donnerkeile an dem Platz und zu der Zeit, die er vorigen Sonntag ankündigte, losgelassen, und er wurde nicht eingesteckt, und er wird es auch schwerlich werden..."„Die schlimmste Seite(der Demonstration) war, daß die Londoner Arbeiter ein Beispiel von erfolg- reicher Gesetzverletzung erfahren haben. Sie waren in einen unnöthigen Widerspruch mit dem Gesetz gebracht worden, und haben einen vollständigen Sieg über dasselbe errungen. Dieses bedauernswerthe Faktuin ist der Thorheit der Be- Hörden zuzuschreiben. Wer das Temperament der Engländer kennt, und weiß, wie sie das Recht der freien Rede über alles schätzen, der mußte auch wissen, daß ein Unterdrücken der Redefreiheit oder eine Maßnahme, die degründeterweise als ein solches angesehen werden konnte, schwerlich ohne entrüsteten Protest undWider- st and durchgehen werd e." Aus dem„Standard"(tory-konservativ):...„Keine Störung oder Unordnung ist zu verzeichnen; es ist nur billig, zu erklären, daß eine besser geleitete Versammlung gar nicht gewünscht werden konnte..... Eine starke Polizeimacht der K. Abtheilung war aufgeboten, aber sie beschränkte ihre Thätigkeit darauf, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und das wirklich war keine schwere Arbeit. Die rohen Elemente waren ersichtlich und zum Glück ferngeblieben____ Bei der Polizeistation brachte man der Polizei ein Halloh, aber das war das einzige Zeichen von Erbitterung während der ganzen Zeit."... Man sieht, der Erfolg unserer Genossen war ein vollständiger. Wir beglückwünschen sie dazu aufs Wärmste, ebenso zu dem brüderlichen Zu- sammengehen der beiden Fraktionen bei dieser Gelegenheit, das sicherlich seine guten Früchte tragen wird. Im Uebrigen können wir hier nur wiederholen, was wir an anderer Stelle bereits gesagt: Für kein Land ist der ganze Vorgang so lehrreich als für Deutschland. Und zwar fast noch mehr als für die herrschenden Klassen, für das deutsche Volk! — Amerika. JnNew-Aork fand am 7. September ein groß- artiger Umzug der Sektionen der dortigen Central-Labor-Union, einer Zentralisation New Iorker Fachorganisationen, statt. Die gesammte Presse ist darüber einig, daß die Zahl der am Zuge THeilneHmenden eine größere war als in den Vorjahre». Das Fest war ein vortreffliches, die gehobene Stimmung wurde keinen Augenblick gestört. Auch in Chicago fand am gleichen Tage et» Umzug einer Zentra- lisatlon von Fachoereinen, der T r a.d e s- A s s e m b l y, statt, nachdem Tags zuvor die Chicagoer Anarchisten ihrerseits einen Umzug abgehalten hatten. Das„Philadelphia Tageblatt" schreibt darüber: „Drei Ardeiter- Demon st rationen haben am letzten Sonn- tag und Montag stattgefunden, zwei in Chicago und eine in New- V o r k. In New Jork marschirten die organisirten Arbeiter einig und geschlossen, Hand in Hand. In Chicago sind sie sich spinne« feind, in z w e i Faktionen gespalten und ihre resp. Demonstrationen hatten weit weniger den Zweck, der Bevölkerung zu zeigen, welche Macht die organisirte Arbeit besitzt, als darzuthun, wie bitterlich sie unter sich feind sind. Die New-Iorker Demonstration war ein großartiger Erfolg, sie impomrte Jedermann; die Chicagoer Auszüge waren k o m p l e t e Fiasko'«, seiost wenn beide Tausende von TheUnehmern zählten, denn sie enthüllten die Schwäche der Arbeiter, ihr Faklions- wesen, ihre Intoleranz. Die New-Dorker Kapitalisten dürften be- denkiich die Köpfe geschüttelt haben Angesichts dieses enormen einigen Arbeiterheeres; die Chicagoer dagegen haben die Besriedigung, daß dort die Arbeiter sich selbst untereinander bekämpfen und sie also nichts zu befürchten haben. „Wir stehen nicht an, zu erklären, daß die Schuld an diesen jammer- vollen Zuständen in Chicago der anarchistischen Sektirerei zuzuschreiben, in welche leider die dortige ehemalige sozialistische Bewegung gerieth. Es ist durchaus nicht verwunderlich, daß diese Sektlrer schließlich ihren Halt an der Arbeiterbewegung verlieren mußten und von den Arbeitern gehaßt und verachtet werden. Das mußte ja so kommen, wenn man seinen verrückten„RotionS"(Begriffen) folgte und sie zu Dogmen machte, anstatt innerhalb ver Arbeiterbewegung und nach den Bedürfnissen der Arbeiter zu wirken. Diese Leute, welche doch nicht die Kourage haben, Marx aus den Index zu setzen, haben in ihrer blöden Sekterei ganz vergessen, was er nn kommunistischen Manifest über das Wirken der Sozialisten sagt. Sie sind einfach eine Sekte geworden, der die Fähigkeit abgeht, ihr Glaubens-Brkenntniß den Massen einzutrichtern und die sich nun rn den Schmollwinkel zurück- ziehen muß. Allerdings behaupten die Chicagoer Anarchisten, ihre Gegner, die Leute von der„Traves Assembiy" seien böse Kunden und wir wollen das einmal vorläufig auf Treu und Glauben annehmen, obgleich wir tristige Gründe haben, an der Wahrheitsliebe der Anarchisten zu zweifeln. Aber es ist ihre und nur ihre Schuld, wenn schlechte Sudfekte dort ihr Wesen in der Arbeiterbewegung treiben können. Nur ihrer Sektirerei ist es zuzuschreioen. In der Central-Labor-llnion von'New Jork gibt es vielleicht auch Leute, denen man auf die Finger sehen inuß. Dafür sind die Sozialisten aber auch am Platze. Sie haben die Körper- schast von den Gewerbspolitikern gesäubert, haben sie zu einer Organs- sation machen helfen, wie es zuvor in diesem Lande noch keine gegeben und haben ihr das Gepräge des Sozialismus aufgedrückt. „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!" Hier die Sozia- listen, die sich mitten in die kämpfende Arbeiterschaft stürzen und durch die Macht ihres Prinzips und ihre unermüdliche Arbeit sich An- sehen und Geltung verschaffen. Dort die A n a r ch i st e n, die Arbeiter in feindlichen Gruppen zerreißend und Spott und Verachtung aus sich ladend. Der Kontrast ist in der That schneidend." Und überaus lehrreich, fügen wir hinzu. — Genosse Liebknecht hat am 23. September seine vier- wöchentliche Gesängnißftrase wegen Sparig-, Nebel- und Leonhardt-Be- leidtgung angetreten, und zwar in Leipzig. Korrespondenzen. Limmer bei Hannover, lö. September. Wir sind in die traurige Lage versetzt, nochmals vor dem bekannten Maler Chr. Trieburg zn warnen; es ist demselben gelungen, in unserem Wahlkreise nochmals feine Opfer zu finden. Derselbe tauchte zur Zeit der letzten Wahlperiode plötzlich in unserem Wahlkreise aus und entwickelte im Verlauf derselben eine rührige Thätigkeit, trat in gegnerischen Versammlungen auf, ver- breitete Stimmzettel rc. und machte überhaupt sür die Wahl unseres Kandidaten Propaganda,«ei jedem Zusammentreffen mit Genossen erklärte er. daß er an der Partei gesündigt habe, was er schon schwer habe büßen müssen, er wolle aber nach Kräften das von ihm begangen« Unrecht wieder gut machen. Er war in letzter Zeit Geschästssührer in Lauenstein und wollte die Inhaberin des Geschäfts, die Wiltwe»st, hei» rathen. Trieburg kam nun unter dem Vorgeben, Farbe kaufen zu wollen, nach hier, gab vor. nicht genug Geld bei sich zu haben, und bat uns, ihm 20 Mark auf einige Tage zu leihen, was wir leider auch ge- than. Wie wir nachträglich in Erfahrung gebracht haben, hat er den- Ielben Tag noch daS Weite gesucht, und hat nicht nur uns, sondern auch ie Inhaberin des Geschäfts, sowie Freunde nnd einige Genossen in Lauenfiein geprellt; dieselben schweigen aber größtentheils hierüber. Ferner hat er, wie man uns mittheilt, in Hamburg den Verwandten eines hiesigen Genossen, der daselbst Restaurateur ist, um 70 Mark ge< prellt. Wir schließen hieraus, daß der Schurke nach Amerika ooer Eng- land ausgewandert ist, und halten es sür unsere Pflicht, die dortigen Genossen umgehend zu benachrichtigen. Elberfeld, 22. Sept. Es sind eine Reihe von Jahren verflossen, seit der verstorbene Genosse Bracke seine Streitschrift„Die Verzweiflung im liberalen Lager" schrieb. Aber anders ist es noch nicht geworden, und was in jener Schrift steht, trifft noch heute zu. Es ist förmlich das Charakteristikum des geängstigten Liberalismus, daß er alles ver- sucht, aber immer auf halbem Wege stehen bleibt. Oft wenn ein solches neues Meteor austaucht, kommt man in Versuchung und fragt sich: Ist der nun Freund oder Feind? Seit dem Auftreten von Schäffle, Samter u. s. w. gehört es bei vielen zum guten Ton, in Sozialismus zu machen. So auch selbstver- ständlich bei der neuen Partei der„sozialen Demokratie", wie sich die Lenzmann-Philippsparlei in ihrem rheinischen Organ nennt. Der Redak- teur der„Rheinisch-Westphälischen Blätter", ist ein Herr Gilles, der von Düffeldors nach hier übersiedelte, um hier das große Wort zu führen. Man muß staunen, wie diese Herren es verstehen, den Mund voll zu nehmen. Die Vereine, die auf dem Standpunkt der Demokratie ständen, zählten im Wupperthal 300 eingeschriebene Mitglieder. Selbstverständ- lich mußte nun in die Oeffentlichkeit getreten werden, und so hatten wir denn das Vergnügen, daß am Sonntag den 30. August, Vormittags 11 Uhr eine öffentliche Versammlung hier stattfand, in der der Redak- teur Gilles über die„Demokratie und die soziale Frage" einen Vor- trag hielt. Wir würden diese Versammlung gar nicht erwähnen, wenn dieselbe nicht auch außerhalb des Wupperthales Aussehen erregt hätte, und wenn nicht nach der Niederlage, die die Herren von der Demokratie erlitten, dieselben nachträglich Erzählungen auftischten, die wir nicht ohne Wei< teres durchgehen lassen dürfen. Daß das Bureau vollständig in unsere Hände gelangt, war selbstver- ständlich. Herr Gilles hielt nun einen längeren Vortrag, in dem er die verschiedenen Parteien gehörig mitnahm. Selbst Eugen Richter mußte sich die größten Liebenswürdigkeiten sagen lassen. Von solchen Leuten könne man eine Lösung der sozialen Frage nicht erwarten. Es müssen sich alle demokratischen Elemente zusammenthun, dies würde ja bald der Fall sein, da ein Parteitag in Hamburg stattfinden werde. Die Lösung bestehe nun darin: Der Grund und Boden müffe der Gesammtheit wieder zurückgegeben werden, aber— und hier kommt der Unterschied von dem Programm der Sozialdemokratie— aber die Produktionsmittel nicht; diese müssen Privatbesitz bleiben. Er(Redner) sei der Ansicht, daß sonst die wirthschastliche Triebkraft fehle. Es müsse aber ein Sporn sein, der das Individuum treibe, etwas zu schaffen. (Damit die Ausbeutung ja nicht aufhöre.) Dies seien jedoch Fragen, die in weiter Ferne liegen. Nach Gilles erhielt Harm das Wort. Derselbe betonte mit Recht, daß Gilles nur all zu wenig über die Lösung der sozialen Frage gesagt. Daß es gerade die Hauptsache sei, die Produktionsmittel der Gesammtheit zu übergeben. Herr Gilles habe in seinem Blatte über die Sozialdemokraten geschrieben, daß die Endziele der Sozialdemokratie gleichbedeutend seien mit einem Zuchthause, das charakteristre seine Denkweise. Nachdem noch unserseits Dastig, Hüttenberger, Pollander gesprochen, und ein Dr. Rüger eine derartige Gelehrsamkeit ausgetischt hatte, daß er es schließlich vorzog, unter schallendem Gelächter der Versammlung von der Tribüne abzutreten, versuchte Gilles, um der Debatte die Spitze abzubrechen, darzuthun, er spreche nur seine eigenen Ansichten aus, er könne doch nichts dazu, wenn Lenzmann und Konsorten seine Ansichten nicht theilten. Die Demokraten hatten eine Resolution eingereicht, und auch von uns war eine solche eingelaufen, unterzeichnet von Neumann und Kößer. Zu der unseligen erhielt Neumann das Wort und führte ungefähr sol- gendes aus: Wer dieser Diskussion aufmerksam gefolgt, dem dränge sich unwillkürlich die Frage aus: Was soll denn eigentlich jetzt bewirkt werden? Die Gründung einer neuen Partei. Ist sie nöthig? Nein. Herr Gilles habe versucht, dies der Versammlung darzuthun, er, Neu- mann, erkläre aber feierlichst von dieser Stelle herunter: Versuchen Sie es nicht, uns unsere Wähler fortzuhaschen. Wir werden ein wachsames Auge haben. Was den Einwand betreffe, was in Zukunft geschehen könne, nun darüber können wir nicht entscheiden; es genügt, wenn wir sagen, daß sich aus einem langen historischen Prozeß die Gesellschaft so entwickelt, so daß bei einer weiteren Folgerung es ganz klar vor Augen liegt, daß an Stelle des Heuligen wirthschastlichen Systems die genoffen- schaftliche Arbeit trete, und daß auch die Produktionsmittel der Gesammt- heit übermittelt werden müssen. Daß aber die Sozialdemokratie keines- wegs nur eine Partei sei, die dieses Zukunftsprogramm erstrebe, son- dern daß sie auch Forderungen an die Gegenwart stelle, das be- weise das Arbeiters chutzgesetz. Ferner habe man sich viel zu sehr auf das Bürgerthum gestützt, dieses sei aber nicht maßgebend, die Spießbürger seien immer ein Hinderniß gewesen. Da werde sich wohl das Wort Lange's bewahrheiten, um mit Laffalle zu reden, daß den Arbeitern die Besreiungsmiffion zufällt. Aus diesem Grunde haben wir eine eigene Resolution eingebracht, wir sind auch nicht gewillt, eine andere anzunehmen. Wenn einer oder der andere Sozialist sage, ich denke mir die Zukunft so oder so, dann spreche er nur s-ine persönliche Ansicht aus; die mo- derne Sozialdemokratie sei längst über die Ideen eines Cabet und Thomas Morus hinaus. Und daran werden wir festhalten, und muthig und unentwegt den Emanzipationskampf der Arbeiter führen. Nachdem noch Hüttenberger gesprochen und den auf das Recht der Stärkeren hinauslausenden Einwand des Dr. Rüger entkräftet hatte, erhielt Gilles das Schlußwort und bat, seine Resolution anzunehmen. Es er- hoben sich aber nur sechs Stimmen für dieselbe, während die erdrückend« Mehrheit der gut besuchten Versammlung für unsere Resolution stimmte. Damit wäre nun die Sache erledigt gewesen. Aber die Herren Gilles und Genoffen konnten ihre Niederlage— und die gesammte Presse war darüber einig, daß„die neue Partei" eine Schlappe erlitten— nicht überwinden. So erzählten sie denn ihren Lesern, es habe eine Verein- barung mit den Führern der Sozialdemokratie bestanden, wonach ein Demokrat den Vorsitz hätte führen sollen. Die sieben Redner, welche von uns ins Treffen geführt wurden, hätten nur das hohe Lied der Unfehlbarkeit der Sozialdemokratie gesungen ic. In einer Entgegnung Harms in den hiesigen„Neuesten Nachrichten" wurde ihnen aber so heimgeleuchtet, daß sie die Erwiderung vergaßen. Bezeichnend ist, daß die übrigen Demokraten betonten, Herr Gilles habe seine eigene Ansicht ausgesprochen!! Was soll man zu solchen Leuten sagen? Ihr Redakteur war ihnen wohl noch zu radikal? Fort mit diesen Halben, es gibt nur eine Demokratie, und da« ist die „Sozialdemokrati e." Plauen im Voigtland. Die Landtagswahlschlacht in unserm Wahl- kreis ist geschlagen, und mit stolzer Genugthuung können wir auf das Resultat unserer Thätigkeit zurückblicken, denn seit 187», wo zum ersten Male ein Kandidat von uns aufgestellt wurde, ist unsere Stimmenzahl von 17 auf 800 gestiegen! Als unsere Gegner erfuhren, daß wir uns an der Wahl zu betheiligen beabsichtigen, fuhr ihnen ein panischer Schrecken in die Knochen, und ob- gleich sie sich bei der letzten Reichstagswahl aufs gemeinste bekämpft hatten, nahmen sie ihre Zuflucht jetzt zum Kompromiß; im Nu stand uns der ganze Ordnungsbrei als eine geschlossene reaktionäre Masse gegen- über. Die Zeitungen jammerten schon im Voraus, daß 1000 sozialistische Stimmen sicher seien, was wir, in Anbetracht des Zensus, nicht glaubten; trotzdem ließen wir den Muth jedoch nicht sinken und agitirten nach besten Kräften. Am 12. September sprach unser Kandidat Genosse Kaden in Mühl- troff, am 13. in Pausa, am 14. in Plauen. Die Versammlung in Plauen war geradezu großartig zu nennen; in zweistündiger Rede, von langanhaltenden Beifallsbezeugungen oft unterbrochen, entwickelte Kaden sein Programm, gestützt auf unser Gothaer Parteiprogramm. Die Versammlung war von mindestens 2000 Personen besucht; wenn nur die Hälfte der Anwesenden wahlberechtigt gewesen wäre, so hätte der Sieg unser sein müssen. Am Morgen des 15. September begann schon zeitig der Kampf auf beiden Seiten, und zwar so hartnäckig, wie Plauen noch keinen gesehen hatte. Es war die erste Schlacht, in der die zielbewußten Plauener Arbeiter gegen die gesammte Reaktion kämpften, und hätten wir mit gleichen Waffen kämpfen können, so wäre der Sieg unser gewesen. Wären nur alle Arbeiter so geschlossen zur Wahl gegangen wie unsere Gegner. Leider war dies nicht der Fall. Erstens hat der Zensus schon so manchen tapfern Genoffen seines Wahlrechtes beraubt, zweitens hat ein großer Theil der Arbeiter für ihren natürlichen Gegner gestimmt, und drittens hat ein großer Theil gar nicht gewählt. Es waren dies hauptsächlich die S t i ck e r, auf die wir ganz besonders gerechnet hatten, weil alle wahlberechtigt waren. Am Wahltag hatten die Gegner ein ganzes Heer von Schutzleuten, Nachtwächtern und sonstigen Ordnungshausknechten organisirt, welche ihnen die Wähler zutreiben mußten; stündlich wurden die Listen revidirt und diejenigen, die noch nicht gewählt hatten, herangezogen. Viele unserer Genoffen hatten ebenfalls sich unserm Komite zur Ver- fügung gestellt und auch ihr Möglichstes gethan, es ist nicht ihre Schuld, wenn wir diesmal unterlegen sind. Wenn aber unsere Genoffen die nächsten sechs Jahre so weiter arbeiten und abermals weitere 600 neue Stimmen erobern, dann wird und muß der Sieg unser sein.-r-r. Aus der Niederlausitz. Die Genossen werden vielleicht glauben, daß wir in der Niederlausitz unthätig sind, dem ist aber nicht so. Haben wir auch nicht oft Gelegenheit genommen, das Parteiorgan mit längeren Ausführungen zu bedenken, so haben wir es dennoch nicht an einer ener- gischen Thätigkeit zur Ausbreitung der Partei fehlen lassen. Das Agitationsnetz der Niederlausitz, ist trotz den edlen Bestrebungen der sich ungezieferartig vermehrenden Organe der Stieberei, nun voll- ständig vollendet; nicht nur daß die Genoffen der größeren Städte wie Cottbus, Guben, Forst, Spremberg, Sorau und Sommerfeld, in denen die Agitation schon seit Jahren zu Hause ist, in engem Verkehr stehen, sondern auch die kleineren Städte, ja sogar die L a n d d i st r i k t e, stnd erfolgreich in die Agitation gezogen und liefern uns thatkräftige Genossen. Mit den Erfolgen steigt natürlich auch die Verfolgung; Haus- suchunq über Haussuchung, Maßregelung über Maßregelung finden in fast allen Orten statt, natürlich überall mit dem gleichen Erfolg; ge- funden wird nichts, und den Opfermuth der Genoffen vermögen die Maßregelungen nicht zu lähmen. Wenn irgendwo, so kommt hier daS brutale Militärregiment des Hohenzollernthums in der eckelhaftesten Weise zur Ausübung. Wie sollten auch die Ordnungshallunken soviel SittlichkeitSbewußtsein haben, u>.» zu fühlen, daß die Scheußlichkeiten, verübt im Namen des Gesetzes, ganz das Gegentheil von dem erzielen, was sie bezwecken sollten? Nicht die Brutalitäten und die sonstigen Liebenswürdigkeiten der hie- sigen Machthaber hemmen uns in unserer Thätigkeit, wohl aber ist die furchtbare Roth, welche herrscht, uns bei der Ausbreitung unserer Ideen im höchsten Grade hinderlich: die Roth entnervt! Wenn zum Beispiel das arme Proletarierweib mit dem grauenden Tage gemeinsam mit dem Mann in die modernen industriellen Bastillen hineingesperrt wird, die armen kleinen Kinder in einer Kiepe mit sich fortschleppen, oder aber sie unbeaufsichtigt in der eingeschlossenen Woh- nung zurücklassen muß— was Wunder, wenn dann alle Hoffnung schwindet und die Lust zum Leben einem stumpfen Vegetiren Platz macht? Es ist ein hartes und schweres Stück Arbeit, dem so niedergebeugten und schwer bedrückten Arbeiter die Ueberzeugung beizubringen, daß die Schandwirthschaft der heutigen Zeit durch ihre Kraft vernichtet werden kann. Trotz aller dieser Hindernisse können wir auf viele verheißende Fortschritte hinweisen; bei der letzten Reichstagswahl erhielten wir das Doppelte der Anzahl von Stimmen, die wir das letzte Mal zu verzeichen hatten. Die Hoffnung sängt an, sich neu zu beleben, das Vertrauen in unsere gerechte Sache wächst, und in Kreisen, wo wir früher scheel angesehen wurden, werden wir jetzt freundlich aufgenommen. So sehen wir der Zukunft getrost entgegen. Das Parteiorgan verbreitet sich immer mehr. Es ist in den hiesigen Arbeiterfamilien ein lieber und gern gesehener Bote und unterstützt uns bei unserer Agitation; freilich ist es für uns nicht angenehm, konstatiren zu müssen, daß in den verschiedenen Vertrauensmänner-Versammlungen einstiminig der Wunsch geäußert wurde, daß unser Organ wieder eine etwas derbere und schneidigere Sprache, wie es dieselbe anfäng- lich führte, annehmen möge! Es gefällt uns nicht, daß man diesen Nichtswürdigkeiten gegenüber eine Sprache führt, die als viel zu gelind bezeichnet werden muh. Geißle man die Schantthaten der Reaktion in der derbsten und bittersten Weise und schone man Niemand, dann wird auch unser Organ noch mehr Freunde gewinnen! Wir sind für alle Fälle gerüstet, und wenn uns unser Prinzip zu irgend einer Thätigkeit ruft, so wird man nicht umsonst an die Nieder- lausitzer Genoffen appellirt haben. Die Rothen aus der Niederlausitz. Mein ZSeiö, mein Kind! Kaum bricht im Ost der Morgen an, Eil' ich zur Arbeit frohbeglückt,, Die meinem Heim die Sorg' entrückt. Doch küff' zuvor ich noch geschwind Mein Weib, mein Kind. Durch Fleiß und Kraft halt ich die Roth Von meinem Heiligthume fern; Manch Ungeschick ertrag ich gern, Wenn Abends froh ich wiederfind' Mein Weib, mein Kind. Doch plötzlich heißen sie mich geh'n: Weil Blitz und Dampf nun wirkt und schafft, Ward überflüssig Menschenkrast. Man schickt mich fort in Schnee und Wind Mit Weib und Kind. Nun poche ich an jeder Thür: Erbarmet Euch doch meiner Roth, O gebt mir Arbeit, gebt mir Brod; Und eine heiße Thräne rinnt Für Weib und Kind. Mit rohen Worten überall Macht man zum Vorwurf mir mein Leid Und lobt und preist„die große Zeit"; Für all mein Unglück sind sie blind. Mein Weib, mein Kind! O„große Zeit", was bringst du mir? Statt Arbeit Herzeleid und Qual» Den Wanderstab, das Hospital! Was gibst du, wenn sie hungrig sind, Dem Weib, dem Kind? Die Sünde grinst mich lockend an, Beut sie allein denn Rettung noch Aus aller Roth, aus tiefem Joch? O fänd ich Arbeit doch geschwind— Mein Weib, mein Kind! H. A. Aufruf! Der Schriftsetzer Ernst LouiS Ackermann ist im Jahre 1864 von Leipzig nach Riga ausgewandert und hat seine Ange- hörigen seither ohne jede Nachricht gelassen. Sollte derselbe noch am Leben und sein Aufenthalt Jemand bekannt sein, so sind Nachrichten über dessen Verbleib dringend an uns erbeten. Nikolaus Giegold, Maler, in Zürich wird gleichfalls ersucht, unS seine Adresse mitzutheilen. Die Expedition des„Sozialdemokra t." Aekanntmachung. Wir ersuchen die Genossen, und namentlich die sozialistischen Orgo sationen im In- und Auslande, für den Fall, daß Mitglieder oder<5 »offen nach Antwerpen zu kommen beabsichtigen, dieselben an A. Reo ik! steen, Keizerlei 13', zu weisen. Gründe besonderer Art veranlassen uns, die Sektionen und Gru??«| davor zu warnen, irgend etwas, was die Partei angeht, noch an P- C o e n e n zu adreffiren. Derselbe ist längst aus der Partei au' schloffen. Die parteigenössischen Blätter werden ersucht, von dieser Mittheüi Notiz zu nehmen. Antwerpen, den 20. September 1885. Die Antwerpener Sozialisten. A» unsere Korrespondenten. Wir bitten in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, weH> Briefe, Sendungen u. s. w. bis zu Abgang eingetroffen war««- Bei«dreßänderungen, Ldreßlöschungen und dergleichen ist unbedinKl Vorkehrung zu treffen, etwa Laufende« in sichere Hand leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch- u»> Lateinschrift(behufs Konttole) deutlichst zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige find zur A b l i e f e r u«I sofort nach Empfangnahme strengsten« anzuhalten. SkjiedMi« de» Sisialdemidrat. Briefkasten der Redaktion: Weltbürger in Genf: Ihre Züschs kommt für diese Nummer zu spät; wir werden in nächster Nummer a«' sie zurückkommen. Für heute nur so viel, daß unsere Kritik der dynlr stischen k. Jntriguen in keiner Weise unser Urtheil über die in FraZ' kommenden Volksbestrebungen beeinttächtigt. Oberfranken, N«'J! stadt a. d. Hardt, Großenhain: In nächster Nummer. P>-' Der zweite Bericht: kam zu spät, um noch mit dem ersten vereinigt weP den zu können; seine Veröffentlichung erfolgt daher selbständig. der Expedition: Nr. 681: Mk. 8 80 Ab. 3. u. 4. Qu. erh. � Sch. H. O.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.- C. W. Bbk.: Mk. 4 40 SÖ- 4. Qu. erh. Werden mit Vergnügen stets rechtzeittg„anklopfen". � Rothbart: Mk. 6— pr. Schlt. auf Ihr Cto. erh.— K. E. Sch.®-'- Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— Sturm: Mk. 3— Ab. 4. Qu. pr. P� erh.— S. G. Mbg.: Mk. 5— Ab. 4. Qu. u. Schft. erh.— R.* Wfls.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— v. d. Eider: Mk. 200— ä Cto- Ab. u. Bldr. erh. Adr. erh. Bfl. Weiteres.— Heinr-ch: Mk. 36 50 At- 3. Qu. u. Ersatzhlg. erh. Guldenkurs miserabel.— E. L. Ng.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh.„Wofür die 10?" Fürs halbe Porto der 53. Numtne«- die wir Heuer dreingeben müssen. Die Hälfte schenken wir Ihnen nebß Mahnzettel u. Schreiberei.— B. Bkrst.; Dank für Andeutungen. Vi«� leicht später. Momentan sind wir nun kompletirt.— Nazl: Mk. 108 � Ab. altes Cto. erh. Hoffen bald möglich auf„Nachkommenschaft". � Rothe Faust: Mk. 95—& Cto erh.— August E.: Mk. 22 80 Ab. 4. Qu. 85, 1. Qu. 86 u. Schft. erh. Pg. leider nicht so sauber, wi« Sie ihn schilderten.— R. K. B.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— H. P- Hflde.: Mk. 4— ä Cto. Ab. 4. Qu. erh. Fehlen n o ch 40 Pfge.! C. W. Bn.: Fr. 5 60 Ab. 4. Qu. f. Pater Placid. erh.— H. u.&■ Paris: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh.— I. H.: Mk. 200— ä Cto. Ab- 3. Qu. erh. Bstllg. folgt.— A. H. Bucarest: Fr. 33— Ab. 4 Qu-, Fr. 25— f. d. streik. Kopenhagener u. Fr. 42— pr. Wfds. dkd. erh- Bstllg. fort.— Nürnberg; Mk. 50— f. d. franz. Wahlen v. d-« P.-Gen. als Zeichen der Solidarität der internationalen Arbeiter dkd- erh. u. besorgt.— Mk. 100— direkt nach Kopenhagen gesandt, wer' den Ihnen von dort quittirt.— Kilian: Mk. 72 60 Ab. 3. u. 4. Q»- erh. Adr. geordn.— Flensburg: Mi. 3 50 pr. Ufds. dkd. erh.— Haw' bürg: Mk. 800— 2. Rat« f. d. franz. Wahlen dkd. erh. u. besorgt. Ferd.: Bf. v. 26/9. erh. u. erledigt.— Aachen: Mk. 45 50 f. d. streit- Kopenhagener dkd. erh. u. besorgt, desgl. Mk. 20— f. d. franz. Wahle« v. d. P.-Gen. daselbst.— W. M. Ttlg.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.� W. St. O'rieden: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— H. O. Paris: Fr. 5- Ab. 4. Qu. O. u. R. erh.— G. Wblz. Bern: Fr. 2- Ab. 4. Q«- erh.— Ed. L. Seen: Fr. 2 05 Ab. 4. Qu. u. Prgr. erh. Katalog liegt bei 40.— C. P. Brl.: Mk. 3 10 Ab. 4. Qu. u. Portoverl. erh. H. B. Esld.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— A. F. Vienne le chAteau! Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh.— N. H. Sch. M.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. u- 60 Pfg. pr. AgfdS.dkd. erh. Weitere 20 Pfg. Bsk. 27 bereits mitquitlirt- — L. 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Höhne N.-Dork: Fr. 253 15 ä Cto. Ab. ,c. erh. � P.K. kreuzte mit Ihrem Bf. Co. muh Ihnen Einiges ablassen, ttr- sprünglich so disponirt.—. M. Z. Jk.: öwfl. 5 10 Ab. 4. Qu. erh.--� Hambacher Schloß: Mk. 9— Ab. 4. Qu. erh. und nach Vorschrift dis- ponirt.— Jugdl.: Mk. 7 20 pr.J. I. ä Cto. Schft. erh.— Ein Rother: Mk. 4 50 Ab. 4. Qu. erh.— Weltbürger Genf: Fr. 4— Ab. 4. Qu. Sb u. 1. Qu. 86 erh. Beilage besorgt.— F. Sch. Hgn.: Mk. 4 30 Ab. 4, Qu. erh., nicht Mk. 4 40, wie angegeben!— W. Sch. L.: Mk. 4 40 Ab- 4. Qu. erh.„Dem Muthigen gehört die Welt" und dem Postmarde« die Chance bei solcher Adr.— E. B. L.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh- Adr. geordnet.— B. Sch. L.: Mk. 5— Ab. 4. Qu. u. Schft. erh- „Sch. L." nur für d i e n st t h u e n d e Vertrauensleute. Wollen Si« über Mk. 1— verfügen u. F's.„Dgg. u. Stie." beim Verfasser er» fragen. Bstllg. folgt.- C. Kg. Be.: Mk. 3 50 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh., Mk. 1 50 pr. Agfds. dkd. verwendet.— C. S. H. a. N.: Mk. 8 80 Ab. 4. Qu. erh.- I. Sch. Ng.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. Weitere« besorgt.— Kümmeltürke: D a s Q u a r t a l i st u m!— W. hat von Versprochenem„nicht die Bohne" gesandt und reagirt auf 3 Anfragen mit Stillschweigen.— Noricensis: K. u. Notiz erhalten. Bfl. mehr.-- Felix II; Regulirung des Aelteren unerläßlich mit Rücksicht auf Neubestellung.- H. Bds.: Mk. 3- Ab. 4. Qu. erh.— P. Fl. B.: Mk. 9— Ab. 4. Qu. erh. Adr. geordnet.— G. L. Cognac: Fr. 8 75 Porto-Nachzahl. u. Ab. I. u. 2. Qu. 86 erh. Weiteres nach Vorschr.— B. R. Gpp.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. H. erh. Betr. Frk. müssen zuvor recherchiren.— A. K. Mch.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. Mtthlg. dkd. notisizirt.— Ettbs.: Mk. 100— ä Cto. Ab.»c. erh.- I. v. A. Pf.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh.— Mönus: Bf. v. 25. am 30/9. beantw. H., der ab Okt. wieder in G e s ch ä f t s v e r k e h r zu treten wünscht, hat Bescheid erh., daß zuvor der alt« Schwindel bereinigt sein muß.— Im Verlage der Volksbuchhandlung Hottingen-Zürich ist erschienen: :i&tr Heft 5."MW . vorwärts! 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